Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer - Die Volkswirtschaft

Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer - Die Volkswirtschaft

Serie Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Grossregionen – eine Synthese Die Wettbewerbsfähigkeit einer Region und ihrer Wirtschaft ist zentral, um...

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Serie

Die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Grossregionen – eine Synthese Die Wettbewerbsfähigkeit einer Region und ihrer Wirtschaft ist zentral, um einen hohen Wohl­ stand zu erreichen und diese ­Position auch für die Zukunft ver­ teidigen zu können. Die Schweizer Regionen stehen diesbezüglich im internationalen Vergleich gut da. Sie sehen sich jedoch vor erhebli­ che Herausforderungen für die ­zukünftige Entwicklung gestellt. Dabei spielen externe Faktoren wie die noch nicht überwundene Krise beim wichtigsten Handels­ partner EU eine Rolle. Es gibt aber auch hausgemachte Prob­ leme wie etwa den sich akzentu­ ierenden Fachkräftemangel bei

Der Campus Biotech auf dem ehemaligen Merck-Serono-Gelände in Genf. Die Wirtschaft des Bassins Lémanique Foto: Keystone ist im internationalen Vergleich stark gewachsen.

gleichzeitiger Reduktion der ­Zuwanderung.

Rebekka Rufer Wissenschaftliche Mitarbeiterin, BAK Basel Economics

Wie ist es um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Grossregionen bestellt? Sind sie stark genug aufgestellt, um trotz der anste­ henden Herausforderungen auch zukünftig ein hohes Wohlstandsniveau in der Schweiz ermöglichen zu können? Als unabhängiges Forschungsinstitut mit Kompetenzen in der nationalen und interna­ tionalen Regionalökonomie analysiert BAK Basel Economics regelmässig die wirtschaft­ lichen Strukturen, die Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunftsaussichten von Regionen. Zu diesem Zweck wurde eigens ein Set an Indika­ toren entwickelt und in thematischen Indizes zusammengefasst. Diese Methodik wurde in einer bis Ende 2014 erschienenen Artikelreihe über die sieben Grossregionen der Schweiz angewandt. Nachfolgend werden diese Ana­ lysen mit einer Synthese zum Vergleich der sieben Grossregionen abgeschlossen.

Starke Schweizer Regionen im internationalen Wettbewerb Martin Eichler Chefökonom, BAK Basel Economics

Alle sieben Schweizer Grossregionen schneiden bei jedem der drei Indizes besser

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ab als der westeuropäische Durchschnitt (siehe Grafik 1). Der Vorsprung gegenüber den europäischen Konkurrenzstandorten ist erheblich. Im Schnitt liegen die Schweizer Regionen in allen Indizes um mehr als eine Standardabweichung (=  10 Indexpunkte) über dem Durchschnitt aller Regionen in Westeuropa. Bezüglich Attraktivität ist der Vorsprung sogar noch grösser. Performance

Das hervorragende Ergebnis beim Performance Index verdanken die Schweizer Regio­ nen in erster Linie dem überdurchschnittlich hohen BIP pro Kopf und damit dem heute bereits erreichten sehr hohen Wohlstands­ niveau. Basel, die Zentralschweiz und das Bassin Lémanique erlangen zusätzlich mit überdurchschnittlichem BIP-Wachstum ei­ nen beachtlichen Punktevorsprung. Grafik 2 analysiert das BIP-Wachstum noch detaillierter. Sie zeigt das Wachstum der Zahl der Erwerbstätigen und das Wachs­ tum der realen Arbeitsproduktivität für die Schweizer Grossregionen sowie für ausge­ wählte internationale Vergleichsregionen.

Serie

Grafik 1

Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Grossregionen im Vergleich, 2012 Performance

135

Attractiveness

Potential

Index: Westeuropa 2012 = 100

130

125

120

115

110

105

iz we

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se

l

au

100

Quelle: BAK Basel Economics / Die Volkswirtschaft Grafik 2

Wachstum der Produktivität und der Anzahl Erwerbstätiger von Schweizer Grossregionen im internationalen Vergleich Wachstum der Produktivität 4

Pomorskie (PL) 3 Basel

Agder og Rogaland (NO) Zentralschweiz

2 Espace Mittelland

Ostschweiz Südschweiz

1

Schweiz Zürich/ Aargau

Bassin Lémanique

Franche-Comté (FR) 0 Luxemburg (LU) Lombardei (IT)

–1 –1.0

–0.5

0.0

0.5 1.0 1.5 Wachstum der Anzahl Erwerbstätiger

Anmerkung: Gestrichelte Linien entsprechen dem Median des internationalen Vergleichssamples; Durchschnittliche jährliche Wachstumsraten 2002–2012.

2.0

2.5

3.0

Quelle: BAK Basel Economics / Die Volkswirtschaft

Regionen rechts oben in der Grafik ver­ zeichnen sowohl ein starkes Stellenwachs­ tum als auch hohe Produktivitätsgewinne. Daraus resultiert ein hohes BIP-Wachstum, da immer mehr Personen immer produkti­ ver gearbeitet haben. Als gestrichelte Linien sind die Mediane aus dem internationalen Vergleichssample eingetragen. Alle Schweizer Regionen haben sich in den letzten zehn Jahren besser entwickelt als die Mediane des internationalen Vergleichs­ samples. Zudem ist für viele Schweizer Re­ gionen ein gesunder Mix aus Stellenaufbau und Produktivitätswachstum beobachtbar.

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Die polnische Region Pomorskie dagegen verzeichnet herausragende Produktivitäts­ gewinne; die Zahl der Erwerbstätigen hat jedoch stagniert. Luxemburg zeigt eine um­ gekehrte Entwicklung mit grossem Stellen­ aufbau bei gleichzeitigem Produktivitäts­ rückgang. In beiden Regionen ist das BIP in den letzten zehn Jahren mit robusten Wachstumsraten expandiert. Verglichen mit den Schweizer Regionen ist die Zusammen­ setzung des BIP-Wachstums jedoch weniger breit abgestützt. Dies weist womöglich auf verpasste Chancen oder auf langfristig un­ günstige Entwicklungen hin. Das herausragende BIP-Wachstum in den Regionen Basel, Zentralschweiz und Bassin Lémanique ist deutlich unterschiedlich zu­ stande gekommen. Insbesondere das Bassin Lémanique und etwas abgeschwächt auch die Zentralschweiz sind stark durch den Stellenaufbau expandiert. Dazu passt, dass sie innerhalb der Schweiz zu den Regionen mit dem grössten Bevölkerungswachstum gehören. Anders ausgedrückt, ist es beiden Regionen gelungen, ein hohes Bevölkerungs­ wachstum erfolgreich in die wirtschaftliche Entwicklung zu integrieren. In Basel ist das hohe BIP-Wachstum dagegen hauptsächlich auf Produktivitätssteigerungen zurückzu­ führen. Auch die Zentralschweiz, der Espace Mittelland und die Ostschweiz sind stärker über Produktivitätssteigerungen als über die Zahl der Erwerbstätigen gewachsen. In diesen vier Regionen befinden sich jeweils bedeutende Cluster von Hightech-Branchen aus dem verarbeitenden Gewerbe. Ein Gross­ teil der Produktivitätsgewinne dürfte durch diese jeweilige Spezialisierung zustande ge­ kommen sein. Die Regionen Zürich/Aargau und Südschweiz verzeichnen beide einen wirtschaftlichen Schwerpunkt in Dienst­ leistungsbranchen (Finanzsektor respektive Tourismus), die in den letzten zehn Jahren besonders unter der Finanzkrise und ihren Folgen gelitten haben. Dennoch konnten auch diese Regionen expandieren, wobei sich die Entwicklung der Produktivität und der Zahl der Erwerbstätigen genau die Waage ge­ halten haben. Attraktivität

Die Attraktivität der Standortfaktoren ist eine Momentaufnahme der heutigen Situa­ tion. Sie weist jedoch eine gewisse Stabilität auf und entfaltet ihre Wirkung vor allem in der (näheren und mittleren) Zukunft. Die Attraktivität ist somit ein wesentlicher Fak­ tor für die weitere wirtschaftliche Entwick­ lung und die Wettbewerbsfähigkeit einer Region. Grafik 3 zeigt einige Indikatoren des Attractiveness Index. In Grafik 4 sind weitere Standortfaktoren zur Bewertung der

Serie

Grafik 3

Attraktivität der Standortfaktoren: Internationaler Vergleich Bassin Lémanique

Ostschweiz

Espace Mittelland

Zürich/Aargau

Basel

Zentralschweiz

Südschweiz Schlechtester Wert

Bester Wert

Erreichbarkeit kontinental

Tertiärquote

Sekundärquote

Shanghai Index pro Kopf

i

Patente pro Kopf

Nachhaltige Finanzpolitik

Besteuerung Hochqualifizierte

Besteuerung Unternehmen

Legende internationale Vergleichsregionen: Schlechtester Wert

25%-Quartil

Median

Bester Wert

75%-Quartil

Quelle: BAK Basel Economics / Die Volkswirtschaft Grafik 4

Attraktivität der Standortfaktoren: Nationaler Vergleich Bassin Lémanique Espace Mittelland

Ostschweiz Südschweiz Schlechtester Wert

Zürich/Aargau

Basel

Zentralschweiz Bester Wert

Lebensqualität

Neugründungen pro Kopf

Erreichbarkeit ÖV

Erreichbarkeit MIV Quelle: BAK Basel Economics / Die Volkswirtschaft

Schweizer Regionen berücksichtigt, die auf­ grund von Datenlücken nicht in den interna­ tional angelegten Index einfliessen. Die Schweizer Regionen schneiden bei al­ len Teilindikatoren des Attractiveness Index besser ab als Westeuropa. Einzige Ausnahme sind die fehlenden weltweit kompetitiven Hochschulen in der Ost-, der Zentral- und der Südschweiz. Keine der drei Regionen verfügt über einen Hochschulstandort, der

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im Shanghai Index bewertet wird. Zwar liegt auch Zürich/Aargau, das mit den Leuchttür­ men ETHZ und Universität Zürich die beste Region der Schweiz im Shanghai Index stellt, weit hinter den führenden Regionen des Ver­ gleichssamples (Paris und London) zurück. Im Median steht die Schweiz den internati­ onalen Vergleichsregionen jedoch in nichts nach. Zusätzlich schneiden die Schweizer Regionen beim Kriterium Tertiärquote im internationalen Vergleich höchstens durch­ schnittlich ab, was auf das hiesige duale Bildungssystem zurückzuführen ist. Dafür spricht auch die deutlich überdurchschnittli­ che Sekundärquote in allen Schweizer Regi­ onen. Die Innovationsfähigkeit der Schweiz wird mit diesen Indikatoren jedoch nur un­ zureichend charakterisiert. Das zeigt auch die deutlich überdurchschnittliche Zahl der Patente pro Kopf. Sogar die Südschweiz mit der geringsten Zahl von Patenten pro Kopf innerhalb der Schweiz schneidet besser ab als der Median des internationalen Vergleichs­ samples. Den deutlichsten Punktevorsprung im Attractiveness Index gegenüber Westeuropa erzielen alle Schweizer Regionen im Bereich Besteuerung. Der Median der Schweizer Grossregionen schneidet jeweils beinahe so gut ab wie die beste Region des internationa­ len Vergleichssamples. Bei der Nachhaltig­ keit der Finanzpolitik erstaunt der enorme Vorsprung der besten Region des Samples, des norwegischen Agder og Rogaland, ge­ genüber den Schweizer Grossregionen. Dies ist auf die Ausnahmestellung Norwegens zu­ rückzuführen: Der norwegische Staat erhält jährlich einen zweistelligen Milliardenbetrag aus seinem Erdölfonds, was die Staatsfinan­ zen enorm entlastet. Abgesehen von diesem Ausreisser schneiden alle Schweizer Grossre­ gionen deutlich besser ab als der Median der internationalen Vergleichsregionen. Als weiterer bedeutender Standortfak­ tor zeigt die kontinentale Erreichbarkeit der Schweizer Grossregionen wenig Variation im internationalen Vergleich. Einzige Aus­ nahme bildet Zürich/Aargau als Standort des bedeutendsten Flughafens der Schweiz, das sich mit den besten Regionen des Samples messen kann. Die Position der anderen Schweizer Grossregionen hängt weitgehend von der Reisezeit zu diesem Flughafen oder von der Präsenz eines eigenen internationa­ len Flughafens wie in Basel und Genf ab. Potenzial

Das wirtschaftliche Potenzial und das zukünftige Wachstum einer Region wer­ den wesentlich durch die vorhandene Wirt­ schafts- und Branchenstruktur sowie die politischen Verhältnisse beeinflusst. Zwar

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Kasten 1

Hinweis Die Methodologie der BAK Index F­ amily wurde im Einführungsartikel zu dieser Textreihe in der Ausgabe 05-2014 ausführlich erläutert.

kann sich langfristig die wirtschaftliche Ba­ sis einer Region durch Strukturwandel voll­ ständig verändern. Kurz- und mittelfristig ist eine Region jedoch auf die vorhandenen Strukturen angewiesen. Diese Aspekte sind in Grafik 1 im Potential Index zusammen­ gefasst. Die politische Stabilität und die aus­ geprägten Möglichkeiten zur Einflussnahme in der Schweiz schenken allen Regionen der Schweiz einen Punktevorsprung gegenüber Westeuropa, aber auch dem Rest der Welt. Die grössten Wachstumschancen werden im Allgemeinen den Branchen Elektronik, Feinmechanik und Präzisionsinstrumente (zu der auch die Medizinaltechnik zählt), der pharmazeutischen Industrie, der Information und Kommunikation, dem Finanzsektor, den unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie der Forschung und Entwicklung attes­ tiert. Abgesehen von der Südschweiz ist in al­ len Schweizer Grossregionen eine überdurch­ schnittliche Konzentration in mindestens einer dieser Branchen zu beobachten. Die mit der Konzentration verbundenen Cluster-Vor­ teile münden tendenziell in erhöhter Produk­ tivität und Innovationskraft. Tatsächlich ist in diesen Branchen in den entsprechenden Grossregionen die Produktivität deutlich hö­ her als im westeuropäischen Durchschnitt. Damit sind die Schlüsselbranchen mit hohem Zukunftspotenzial in den Schweizer Grossre­ gionen im internationalen Vergleich auch be­ sonders wettbewerbsfähig, was weiter zu den überdurchschnittlich hohen Punktezahlen im Potential Index beiträgt. Neben der strukturschwachen periphe­ ren Alpenregion Südschweiz schneiden der Espace Mittelland und die Ostschweiz im Potential Index schlechter ab als der Schwei­ zer Durchschnitt. In der Ostschweiz nimmt die traditionelle Industrie noch einen über­ durchschnittlich hohen Stellenwert ein. Diese hat in ganz Westeuropa und in der Schweiz besonders mit hohen Produktionskosten zu kämpfen und dürfte zukünftig – zumindest in Teilbereichen – an Wettbewerbsfähigkeit und damit an Bedeutung verlieren. Für die Zukunftsperspektiven der Ostschweiz stellt sich damit die Frage, ob die weitere Transfor­ mation zu einer hightechintensiven Indust­ rie gelingt oder ob Dienstleistungsbranchen verstärkt an Bedeutung gewinnen, z. B. im Zuge einer zunehmend wichtigeren Rolle als Wohnregion. Im Espace Mittelland dämpfen hauptsächlich der hohe Wertschöpfungsan­ teil des öffentlichen Sektors und die relative Untervertretung des Finanzsektors das Ent­ wicklungspotenzial. Beides trägt zu einer re­ lativen Stabilität bei und verhindert grössere Wachstumseinbrüche in Krisenzeiten, ver­ mindert aber auch das Potenzial für positive Ausschläge.

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Wachstumschancen unter Einbezug weiterer Faktoren Für das tatsächliche Wachstum einer Re­ gion sind nicht nur die Branchenstruktur und die Attraktivität der Standortfaktoren ausschlaggebend. Die unterschiedliche Ein­ flussstärke von Megatrends – wie dem de­ mografischen Wandel oder der Digitalisie­ rung – spielt genauso eine Rolle wie regional spezifische Charakteristiken, die in einer standardisierten Analyse nicht berücksich­ tigt werden können. Unter Einbezug solcher Informationen erwarten wir mittel- bis langfristig für die Grossregion Basel das stärkste Wirtschafts­ wachstum, dicht gefolgt von den Regionen Bassin Lémanique und Zentralschweiz. Die in Basel dominierende Life-Sciences-Indus­ trie gehört nicht nur zu den innovativsten Branchen der Schweiz, sie dürfte auch stark vom globalen demografischen Wandel und der insgesamt steigenden Weltbevölkerung profitieren. Das Bassin Lémanique erwar­ tet das höchste Bevölkerungswachstum der Schweiz und ist damit vergleichsweise auch am schwächsten vom demografischen Wandel betroffen. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter wird hier mittel­ fristig fast doppelt so stark zunehmen wie in der diesbezüglich zweitplatzierten Region Zürich/Aargau. Es ist zu erwarten, dass die breit diversifizierte Wirtschaft des Bassin Lémanique die zusätzlichen Arbeitskräfte absorbieren kann und somit weiterhin hauptsächlich über das Stellenwachstum beim BIP zulegen wird. Ein negatives pro­ gnostisches Risiko geht hier von der Umset­ zung der Masseneinwanderungsinitiative aus. Das Bassin Lémanique gehört zu den Regionen mit deutlich überdurchschnittlich hoher Zuwanderung und grosser Bedeu­ tung der Grenzgänger und ist damit beson­ ders von dieser Regulierung betroffen. In der Zentralschweiz basieren die überdurch­ schnittlichen Wirtschaftsaussichten auf der international sehr hohen Standortattrak­ tivität sowie dem günstigen Branchenmix. Die innovative Investitionsgüterindustrie und der Grosshandel, die in dieser Region stark präsent sind, dürften von den zu er­ wartenden Ressourcentrends profitieren.  ■

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