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Indische Diaspora und kulturelle Identität von Sushila Gosalia 1 Indische Diaspora – People of Indian Origin (PIOs) Indien hat eine lange Tradition ...

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Indische Diaspora und kulturelle Identität von Sushila Gosalia 1

Indische Diaspora – People of Indian Origin (PIOs)

Indien hat eine lange Tradition von Volkswanderungen. Seine Zivilisationsgeschichte ist von Einwanderung, Eroberung und Auswanderung geprägt. 80% der indischen Bevölkerung, die sich heute als Hindus bezeichnen, stammen von der indoarischen Bevölkerungsgruppe ab. In der vorchristlichen Zeit kamen sie aus dem heutigen Iran nach Indien und wurden sesshaft. Im Jahr 785 n.Chr. erreichten sieben Schiffe mit Zarathustra-Anhängern das indische Gujarat, wo ein Hindufürst ihnen Bleibe und religiöse Freiheit anbot. Nach ihrer persischen Herkunft wurden sie Parsen genannt. Bereits im 1. Jahrhundert n.Chr. soll der Apostel Thomas die christliche Lehre nach Indien gebracht haben. Die Gemeinschaft der Thomas-Christen im südindischen Bundesstaat Kerala erinnert daran. Auch die Muslime, die heute 12% der Gesamtbevölkerung Indiens ausmachen, kamen als Einwanderer und Eroberer nach Indien. Seit dem 11. Jahrhundert waren die muslimischen Nomadenvölker aus dem Iran, aus Afghanistan und den Steppen Innerasiens in die nordindische Ebene von Ganges und Yamuna vorgedrungen. Die Moguln und die muslimischen Fürsten beherrschten und regierten von 1200 an große Teile Indiens. Auf der anderen Seite sind die ersten Auslandsinder vermutlich als Händler übers Meer in Richtung Afrika und Arabien ausgewandert. Später, während der Kolonialzeit, wurden viele Inder als billige und willige Arbeitskräfte – als indentured labour (Vertragsarbeiter) – in den englischen Kolonien auf Zuckerplantagen, im Bergbau und in der Landwirtschaft eingesetzt. Bereits 1860 gab es beispielsweise die ersten indischen Immigranten auf südafrikanischen 233

234

Indische Diaspora

Zuckerplantagen. Eine große Zahl von Indern wurde für den Bau der Bahnlinie zwischen Kenya und Uganda eingesetzt. Sie kehrten nicht nach Indien zurück, sondern ließen sich dort nieder. Allein in Südafrika leben heute etwa eine Million Bürger indischer Abstammung. So finden wir indischstämmige PIOs, die Nachfahren der ehemaligen Vertragsarbeiter sind, auf den Fidschi-Inseln, in Trinidad und Tobago, auf Mauritius, in Surinam, Malaysia, Indonesien, Sri Lanka, Singapur, Myanmar (Birma), Guyana und auf Jamaika (siehe Tabelle 1). Tab. 1: People of Indian Origin (PIOs) in Prozent der Gesamtbevölkerung Land Fidschi-Inseln Mauritius Malaysia Surinam Trinidad und Tobago

Prozent 50 66 10 38 36

Quelle: J. Punnamparambil, „Die indische Gemeinschaft in Deutschland “, in: Handbuch ethnischer Minderheiten in Deutschland, Edition Parabolis, Berlin 1995, S.3.1.13-1.

Zwischen dem dritten und dem zwölften Jahrhundert wanderten zahlreiche Inder als Händler und Geschäftsleute nach Indonesien, Thailand und in andere asiatische Länder aus. Als 1833 die Sklaverei aufgehoben wurde, setzten die Kolonialherren diese Menschen in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft ein. Die meisten kamen aus Gujarat, Bihar, Tamil Nadu und dem Punjab. Sie gehörten bestimmten Kasten und ethnischen Gruppen an.1 Dies war die erste Auswanderungswelle Indiens, die mit dem Begriff „People of Indian Origin “ (PIOs) bezeichnet wird.2 „People of Indian Origin (PIOs), resident nationals of many countries across the world, from Fiji to East Africa, from Coventry to the Caribbean, are normally two or three generations away from India. “ 3

2

Auslandsinder – die sogenannten Resident Indians (NRIs)

Non-

Die zweite Kategorie ausgewanderter Inder, die zur ersten Generation gehören und den indischen Pass besitzen, wird als Non-Resident Indians bezeichnet. 1 Patel

Praful, „Mississippi Masala “, The Sunday Times Review v. 3.1.1993, S.3. Sanjaya, „DotCom Diaspora, Worldwide Web of Overseas Indians “, Times of India, Mumbai, v. 28.4.2000, S.12. 3 Ebenda. 2 Baru

Sushila Gosalia

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Hinsichtlich Religion, Kaste, Ethnizität, Sprachfamilie, Bildungsgrad, Beruf, Begabung und Leistung ist diese Gruppe nicht homogen. Nach vorliegenden offiziellen Angaben leben z.Z. mehr als 20 Millionen Inder im Ausland. Bezogen auf verschiedene Ländergruppen kann die indische Diaspora in folgende sechs Gruppen aufgeteilt werden:

2.1

People of Indian Origin in der dritten und vierten Generation

Nachfahren von Vertragsarbeitern in Südafrika, auf Mauritius, auf den Fidschi-Inseln, in Trinidad und Tobago, Malaysia etc. (siehe Tabelle 1).

2.2

Non-Resident Indians in ostafrikanischen Ländern wie Nigeria, Kenia, Uganda, Tansania und Sambia

Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten viele Händler und Geschäftsleute aus dem Bundesstaat Gujarat (Saurashtra und Kutch) in ostafrikanische Länder aus. Sie beherrschten dort einen beträchtlichen Teil der Wirtschaft. Im Zuge der Afrikanisierung musste ein Großteil von ihnen als britische Staatsbürger nach Großbritannien fliehen, weil sie von Idi Amin vertrieben wurden. „The African countries Nigeria and Uganda still have thriving and prosperous Indian citizens. Nigeria, the African giant, inspite of a turbulent political scenario, is one of the most paying countries for NRIs. “ 4

2.3

Inder in Ländern am Persischen Golf

Als die reichen Ölländer am Persischen Golf in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ihre brach liegenden Wirtschaftssektoren entwickelten und ihre Märkte öffneten, entstanden vielseitige Arbeitsmöglichkeiten sowohl für die handwerklich begabten Fachkräfte, geschäftstüchtigen Kaufleute und kaufmännischen Angestellten als auch für die ungelernten Arbeiter aus Indien. Auch die so genannten professional Indians mit englischer Ausbildung wie Rechtsanwälte, Ärzte, Ingenieure, Lehrer u.a. wurden gebraucht. Zahlreiche Indische Chauffeure, Köche, Installateure, Schreiner, Maurer und viele andere Arbeiter, Geschäftsleute und Händler machten sich auf den Weg nach Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Bahrain, Qatar, Muskat etc. Sie kamen aus Kerala, Bihar, Uttar Pradesh, Gujarat und Tamil Nadu. Das sind ca. 3 Millionen Non-Resident Indians, davon stammen ca. 1,6 Millionen allein aus dem Bundesstaat Kerala, z.B. 50% der NRIs in Saudi-Arabien. 4 Kalantri Vijay, „Window to the World of International Appointments “, The Sunday Times, Mumbai, v. 3.3.1996, S.1.

236

Indische Diaspora

2.4

Non-Resident Indians in den USA, in Kanada, Großbritannien, Deutschland und in anderen europäischen Ländern

Die erste Auswanderungswelle von Indern nach Nordamerika erfolgte um 1890. Sikhs aus dem heutigen Punjab kamen mit Schiffen nach British Columbia und Kalifornien und arbeiteten dort als Kleinbauern. Mit der Entwicklung der Textilindustrie kamen die ersten indischen Immigranten Anfang des 20. Jahrhunderts nach Großbritannien. Wie Urmila Goel richtig feststellt: „Dank der Ausdehnung des britischen Empires rund um die Welt kamen schon früh, wohl im 17. Jahrhundert, die ersten Inder nach England. Diese waren einzelne Exoten, erst im Laufe des 19. Jahrhunderts, als indische Seeleute angeheuert wurden, entstanden die ersten indischen communities in englischen Hafenstädten. Aber auch die waren noch klein, eine beträchtliche Zuwanderung setzte erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. So wie Deutschland hatte auch Großbritannien in den 50ern und 60ern einen gewaltigen Arbeitskräftemangel und war deswegen froh, dass junge südasiatische Männer gewillt waren, in englischen Fabriken zu arbeiten. “ 5 Die erste Auswanderungswelle von gebildeten Indern in die USA, nach Kanada, Großbritannien und Deutschland erfolgte in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wanderten viele, zunächst Studenten und Hochschulabsolventen und später Ärzte, Ingenieure, Wissenschaftler aus allen Disziplinen, Kaufleute und Geschäftsleute, in die USA und nach Großbritannien aus. Auch eine ganze Gruppe von Geschäftsleuten aus Gujarat und Kleingewerbetreibende (mit dem Familiennamen Patel) (siehe 2.2) kamen in den 70er Jahren nach Großbritannien. Seit den 80er Jahren spricht man von der indischen „Dotcom Diaspora “, besonders im Silicon Valley, Kalifornien. Mit den Reformen im Einwanderungsgesetz von 1965 und in den folgenden Jahren ist die Einwanderung in die USA sprunghaft angestiegen. Im Zuge der neuen Bestimmungen, vornehmlich in Bezug auf die Familienzusammenführung und die Quoteneinführung für qualifizierte Professionals, setzten die ersten indischen Migranten eine Kettenmigration in Gang. Seit 1980 ist die Einwanderungsquote für indische IT-Spezialisten kontinuierlich angehoben worden. Heute kommen die Informationsindustrie, ganz besonders der Softwarebereich sowie der medizinische Bereich, die Pharmaindustrie etc. ohne Inder nicht mehr aus. „Indian immigrants in 1996 came third after Mexicans and Filipinos, while Vietnamese and Chinese stood fourth and fifth [...] The new pattern of immigration from India has actually changed the social profile of the Indian community residing in the West. Although the entire diaspora of 25 million Indians residing in the USA and Europe are relatively ’prosperous’, like any other group of immi5 Goel

Urmila, „Südasiaten in Großbritannien “, in: Meine Welt, Köln, Juni 1998, S.31.

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grants, Indians, too, fall in different categories, like superrich, upper middle class, lower middle class and the poor. “ 6 Nicht nur die Reformen des US-amerikanischen Einwanderungsgesetzes 1965, 1980, 1986 und 1990, sondern auch der Strukturwandel in der Weltwirtschaft und die Globalisierung führten zu einer großen Auswanderungswelle aus Indien in die USA, Europa und jüngst auch Kanada und Südostasien. „What is new about this recent surge – especially over the past decade – is the increased importance of high-tech professionals. And this is where India figures prominently. In recent years, among all those coming to the US under the H1-B category, 47% are Indians. There is reason to believe that this proportion will be maintained. In that case, among the 200,000 professionals that will enter America’s workforce each year, nearly a lakh will be Indians. “ 7 Obwohl die Einwanderungsbestimmungen in den USA nach dem 11. September 2001 geändert wurden, wird die Nachfrage nach indischen ITProfessionals noch ansteigen. Zum ersten Mal wurde 1984 die Anzahl der indischen Einwanderer in den Volkszählungsstatistiken registriert. Im Zuge der Familienzusammenführung und durch die sprunghaft angestiegene Einwanderung von IT-Spezialisten hat sich die Zahl der Inder in den USA zwischen 1990 und 2000 verachtfacht. Nach den neuesten Angaben des US Census Bureau Report 2000 stellen Inder ca. 14% aller asiatischen Einwanderer dar und rangieren nach wie vor auf der dritten Stelle nach den Mexikanern und Filipinos. In den USA leben 10% der gesamten Auslandsinder bzw. der indischen Diaspora, z.Z. sind dies zwei Millionen.8 Auch in Großbritannien leben ca. 2,5 Millionen Asiaten, darunter ca. 1 Million Inder. Diese machen immerhin etwa 1,7% der Gesamtbevölkerung Großbritannien aus. Sie sind tüchtige Geschäftsleute, Akademiker, Ärzte, Rechtsanwälte und Angestellte im Verwaltungs- und Dienstleistungssektor. Sie arbeiten an Universitäten, in Banken, Krankenhäusern und im Lebensmittelhandel. Indischstämmige aus Ostafrika besitzen Lebensmittelläden, Zeitungsund Tabakwarenkiosks und Apotheken. Sie arbeiten auch als Schaffner. Das Gesundheitswesen beispielsweise wird von indischen und asiatischen Ärzten und Krankenschwestern verwaltet und aufrechterhalten. Sie sind unentbehrlich. Nach England kamen viele aufgrund der Kettenmigration, d.h. einem, der schon dort ist, zieht ein anderer nach. Auch die Familienzusammenführung spielt eine große Rolle. „Dieses Muster hat dazu geführt, dass in England viele verschiedene, aber in sich weitgehend abgeschlossene Gruppen von Südasiaten vorzufinden sind; insbesondere sind dies Punjabis und Gujaratis. “ 9 6 Vora Batuk, „NRCs vs. NRIs: Why China Fares Better “, Times of India, Mumbai, v. 15.12.1997. 7 Basu Kaushik, „Economic Graffiti. The Recent Braindrain to the US Will Be Mostly to India’s Advantage “, India Today International v. 29.5. 2000, S.38. 8 Vgl. hierzu, Mumbai Samachar (Gujarati-Zeitung) v. 14.3.2002, S.7. 9 Goel Urmila, a.a.O.

238

Indische Diaspora

In Kanada leben derzeit ca. 800.000 Inder. Sie machen etwa 2,6% der Gesamtbevölkerung aus. Im Jahr 2000 wanderten 27.000 Inder nach Kanada aus. Kanada wirbt mehr Inder an, um den Fachkräftemangel zu lindern. Kanada ist eine multikulturelle Gesellschaft wie Pierre Pettigrew, der kanadische Minister für internationalen Handel, in Mumbai neulich sagte: „At one time, we looked for proficiency in specific sectors such as infotech, but with the economy changing so rapidly, we prefer people with flexible skills who can adopt to another job if the economy changes. “ 10 Inder sind bekanntlich flexibel und integrationsfähig. In Deutschland leben z.Z. ca. 37.000 Inder. Begegnungen und Beziehungen vielfacher Art haben sich seit der Entdeckung der Seeroute von Europa nach Indien durch den Portugiesen Vasco da Gama zwischen Indien und Deutschland entwickelt. Interessanterweise verliefen die Begegnungen zwischen Indien und Deutschland zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert nicht unter handelspolitischen bzw. kolonialen Gesichtspunkten. Vielmehr fanden diese Begegnungen aufgrund der geistig-philosophischen und literarischen Begeisterung vieler deutscher Denker, Dichter, Philosophen und Religionswissenschaftler für den indischen kulturphilosophischen Geist statt. Die Zahl der Inder, die in dieser Zeit nach Deutschland kamen, war gering. Indien begann 1950 nach seiner Unabhängigkeit eine eigene „bündnisfrei orientierte “ (non-alignment) Außenpolitik zu betreiben. Deutschland hat dazu entscheidend beigetragen, indem die Bundesrepublik diese Politik durchaus positiv aufnahm. 1952 nahmen Deutschland und Indien diplomatische Beziehungen auf und tauschten Botschafter aus. Indien war nach den westlichen Alliierten eigentlich das erste Land, das die BRD anerkannte. Die erste Gruppe von Indern, die in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts aus dem unabhängigen Indien nach Deutschland kam, waren Studenten und Praktikanten. Diese kamen im Rahmen von Entwicklungshilfeprojekten, wie beispielsweise dem Stahlwerk Rourkela, zur Aus- und Fortbildung. Es waren vor allem Naturwissenschaftler, Techniker und Ingenieure. Einige von ihnen blieben in Deutschland „hängen “. Die seinerzeit florierende deutsche Wirtschaft (das deutsche Wirtschaftswunder) bot diesen Indern auch die Möglichkeit, ihre Existenz aufzubauen. Sie wurden in Deutschland sesshaft und sind heute bereits im Rentenalter. Auch die zweite Generation lebt hier. Ende der 60er Jahre kam eine ganz andere Gruppe hinzu – 5.000 Krankenschwestern aus Kerala. Auch sie kamen häufig zur Ausbildung. Diese indischen Krankenschwestern sollten den Personalmangel in deutschen Krankenhäusern ausgleichen. Die meisten Inderinnen aus dieser Gruppe blieben hier. Einige sind mit Deutschen verheiratet und haben Kinder in der zweiten Generation. 10 Pettigrew Pierre, „Canada Seeks More Immigrants “, Times of India, Mumbai, v. 24.4.2002, S.15.

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Im Vergleich zur indischen Diaspora in den USA, in Großbritannien, Kanada etc., die in geschlossenen Siedlungen (Indian communities) leben, haben sich die Inderinnen und Inder in die hiesige Gesellschaft integriert. Einige indische Familien sind sogar als Unternehmer und damit Arbeitgeber sehr aktiv.11 Gegenwärtig bemüht sich Deutschland, indische Studenten und Wissenschaftler sowie jetzt auch IT-Experten über die Greencard nach Deutschland zu holen. Die Ergebnisse dieser Anwerbung sind jedoch enttäuschend, weil das Deutschlandbild in Indien nicht sehr positiv ist. Die Inder sind nicht mehr beeindruckt von der Technik, sie sind vorsichtig geworden. Ein Grund hierfür ist die Diskussion „Kinder statt Inder “.12

2.5

Inder in Südostasien

Bereits 1000 v.Chr. unterhielt der indische Subkontinent Handelsbeziehungen mit südostasiatischen Ländern. Damals bestand ein reger internationaler Seehandel vom Persischen Golf über den indischen Subkontinent nach China. Indien war mit dem Ausland durch fünfzehn Land- und Seerouten verbunden.13 Zu Zeiten der Maurya- und Gupta-Dynastien (320-500 n.Chr.) erlebte der indische Warenaustausch unter den Königen Chandragupta und Ashoka eine Blütezeit. Auch die Hindukultur hat sich in dieser Zeit am stärksten ausgebreitet. Viele Unternehmer, darunter auch die Kaufmannsgilden und Religionsvermittler für den Hinduismus, Buddhismus und Islam, kamen in die südostasiatischen Länder wie Indonesien, Malaysia, Siam, Laos, Kambodscha und Birma. Auch in der Zeit der Chola-Dynastie und des Vijaynagara-Reichs wurde der Überseehandel mit diesen Ländern gepflegt. Nach der Zerstörung Roms durch die Hunnen konzentrierten sich indische Händler hauptsächlich auf die Geschäfte mit Südostasien. Und so gab es die ersten hinduistischen Einflüsse in Südostasien schon seit 400 n.Chr. bis zum Beginn der Kolonialzeit. In vielen Ländern Südostasiens hat Indien seinen soziokulturellen Einfluss hinterlassen. In der Kolonialzeit intensivierten sich die Beziehungen zwischen Indien und den südostasiatischen Ländern aufgrund der Plantagenarbeiter aus 11 Vgl. hierzu, Punnamparambil Jose, „Was leisten die in Deutschland lebenden Inder? “, in: Meine Welt, H.2/1999, S.24; Goel Urmila, „Von Freiheitskämpfern zu Computer-Indern “, in: Südasien, H.1/2, S.70-73; Gosalia, Sushila, „50 Jahre deutsch-indische Begegnungen und Inder in Deutschland “, in: Afrikanisch-Asiatische Studienförderung e.V. Göttingen (Hg.), Jahrbuch 2001, IKO-Verlag, Frankfurt, S.45-60; Punnamparambil Jose, „Inder in Deutschland “, in: Handbuch ethnischer Minderheiten in Deutschland, Edition Parabolis, Berlin 1995, S.3.1.13-1 bis 3.1.13-16; Kaifi A. Khaliq, „Inder in Deutschland. Ein Situationsbericht “, in: Meine Welt, Köln, Dez. 1999, S.4-6. 12 Vgl. Goel Urmila, „Ein Jahrhundert voller Bilder. Inder denken Deutschland “, in: Meine Welt H.1/2000, Juli 2000, S.11-16. 13 Vgl. Basham A.L., The Wonder That Was India, Rupa Publication, Mumbai 1988, S.225-233.

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Indische Diaspora

Tamil Nadu, Bihar, UP etc. Die zahlreichen Tempelanlagen, Skulpturen und andere Kunst, die religiöse Literatur (Ramayana und Mahabharata) auf Java und Bali, Bahasa Indonesia und die dem Sanskrit ähnliche Aussprache in Malaysia usw. lassen erkennen, dass viele Inder damals schon in Südostasien ansässig waren.14 Heute weisen Länder wie Indonesien, Malaysia, Singapur, Birma etc. einen großen Prozentsatz von Indischstämmigen auf. In Singapur (1963 bis 1965 Teil von Malaysia) und Indonesien leben heute ca. 8% Inder überwiegend tamilischer Abstammung. Tamil ist auch eine der Hauptsprachen in Singapur. In Malaysia sind ebenfalls 8% der Bevölkerung Inder – Tamilen und Sikhs. Auch in Indonesien, auf Bali, Java und Sumatra, leben viele Hindus. Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts sind viele professional Indians nach Südostasien ausgewandert. „The last few years have seen another shift in the direction of Indian manpower exports [...] As vacancies develop in the Southeast, companies naturally look towards India because of its large technical and professional manpower pool. This is where India comes in. The country is now the source of professionals who range from chauffeurs and plumbers to economists, professors, modelling consultants, television programmers, chief executives, and even agriculturists, filling the gap between labour supply and labour demand [...] The far East is an Asian society. The lifestyle is similar to India’s – vegetarian food, arts, culture, Hindi movies etc. in Singapur. “ 15 Und so leben auch hier viele Inder.

3

Das sozioökonomische Profil der indischen Diaspora mit doppelter Staatsbürgerschaft

Wie erwähnt, ist die indische Diaspora keine homogene Gruppe. Sie kommt aus verschiedenen Bundesstaaten und gehört unterschiedlichen Kasten und Religionen an. Dennoch konzentrieren sich bestimmte Kasten von NRIs in bestimmen Regionen des Gastlandes. Gujaratis aus Mittel- und Südgujarat, die Patel heißen, sind eher an der Westküste von Nordamerika zu finden. Sie sind in der Hotelindustrie, in der Gastronomie und bei Motelketten zu finden. In Großbritannien sind sie im Klein- und Mittelgewerbe, in Lebensmittelläden, Zeitungskiosken und anderen Branchen tätig. Die Punjabi und Sikh communities haben in Kanada, Großbritannien und an der amerikanischen Ostküste ihre zweite Heimat gefunden. Sie sind erfolgreich in Restaurants, Handel und als Unternehmer. Eine große Gruppe von Tamilien findet man als NRIs und PIOs in Singapur und Sri Lanka. 14 Vgl.

15 Vgl.

S.60-61.

Weggel, Oskar, Die Asiaten, C.H. Beck, München 1989, S.262-265. Abreu Robin, „Indian Professionals, Pick of the East “, in: India Today v. 31.7.1994,

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Die indische Diaspora ist flexibel, anpassungsfähig, zielstrebig, ideenreich und von Pioniergeist beseelt. So ist sie in den Bereichen erfolgreich, in denen sie tätig ist. In den USA und Kanada sind dies die Bereiche Forschung und Entwicklung, Beratungs und Investmentunternehmen, wissenschaftliche Institutionen, Medizin und neue Technologien. Viele sind als Wissenschaftler bei der NASA tätig. „Indians are no longer only engineers, scientists and doctors. They are entering the legal professions as well. In fact, there are many wellknown Indian lawyers by now. Indians are also running for political office. Media is another field of interest for Indians. “ 16 In den USA, Großbritannien und Kanada gibt es viele Inder, vorwiegend aus Gujarat, die in medizinischen Berufen tätig sind. Nach vorliegenden Informationen ist festzustellen: „Indians are professionals. Overall they account for about 4% of American doctors. About 2% of the professional staff at the prestigious consulting company McKinsey is Indian and an Indian (Rajat Gupta) now heads its global operations. “ 17 Die Dalits in Großbritannien beherrschen die Schuhindustrie18 und „The national health service in this country, for example, is literally run by Asian doctors and nurses, and the Patels run the whole show of pharmacies and grocery stores and are newsagents “.19 In den USA beherrscht eine ca. 50.000 Personen zählende indische ITGruppe die Softwarebranche in Kalifornien. Wie ein Kommentar in der Times of India neulich bestätigte: „If New Age guru Deepak Chopra has come up with a winning formula for spiritual solace, Indian researchers are in the lead in genetic engineering and computers. The Gatesian Information Revolution of the next millennium will be brought about largely through the efforts of Indian computer professionals. In fact, Indians literally control the cyber heartbeat of the US with 25% of information technology industries being in their hands. “ 20 Nach langjährigem Aufenthalt im Ausland, ganz besonders in den USA, Großbritannien und Kanada, ist die indische Diaspora wohlhabend geworden. Sie finanziert sogar Wahlkämpfe und ist auch politisch einflussreich geworden: „The Washington Post, in a rare front-page article, expansively covered the Indian American community’s emergence as a powerful lobbying group in Capitol Hill, beginning to show the same astute political skills and savvy as the Jewish and Irish lobbies. “ 21 Ujjal Dosanjh ist Premier in der größten 16 Vgl. Gupta Vinod, „Return of the Native “ (Interview), Times of India, Mumbai, v. 18.11.2000, S.10. 17 Vgl. Kharbanda O.P., „For Milk and Honey, Fortune, Window to the World of International Appointments “, in: The Sunday Times, Mumbai, v. 29.1.1995, S.21. 18 Vgl. hierzu Kautilya Jairam Ramesh, „The Indian Diaspora Living in Two Worlds Is an Essential Feature of Globalisation “, in: India Today International v. 1.5.2000, S.25. 19 Vgl. hierzu Minwalla Shabnam, „The London Suburb Where You Get a Whiff of Ahmedabad Air “, Times of India, Mumbai, v. 2.5.2002. 20 „The Indian Genius “ (Kommentar), Times of India, Mumbai, v. 18.12.1997. 21 Vgl. hierzu Chandran Ramesh, „Indian Americans Leave Their Footprints on the Sands of Time “, Sunday Times, Mumbai, v. 31.10.1999, S.11.

242

Indische Diaspora

kanadischen Provinz British Columbia: „There are many Indians now in the Canadian Parliament and an Indian judge in the British Columbia Supreme Court. “ 22 Es ist festzustellen, dass „[t]he wealth of 20 million Indians abroad is estimated to be equal to the GDP of the whole Indian Nation “.23 Laut einer neuen Schätzung heißt es: „They [NRIs] constitute less than two percent of Indian population, but amassed wealth equal to twice the GDP of India. “ 24 Es sind inzwischen viele Millionäre unter den NRIs in den USA, Großbritannien und Kanada: „In 1984 Britain woke up to the fact that more than a hundred of its millionaires were named Patel and today there are more than twice that number. “ 25 Es gibt reiche NRI-Unternehmer wie die Hindujas, Mittals, Swaraj Paul, Vinod Gupta und viele andere, die in Indien viel investieren und auch viele Entwicklungsprojekte für Schulen, Labors, Krankenhäuser, technische Hochschulen, Trinkwasser u.a. in ihren Heimatstädten und -dörfern finanzieren. Ihre Devisenüberweisungen nach Indien betragen z.Z. jährlich ca. 10 Milliarden US-Dollar, das sind 48.000 crore26 indische Rupien. Ihre Ersparnisse werden z.Z. auf 23 Milliarden US-Dollar geschätzt.27 Abgesehen von Devisentransfers leisten die NRIs einen sehr produktiven Beitrag zur sozioökonomischen Entwicklung Indiens. Sie transferieren auch Wissen und technisches Know-how. In Bundesstaaten wie Kerala, Andhra Pradesh, Karnataka, Punjab und Gujarat macht sich diese Entwicklung bemerkbar. Indische Wissenschaftler, Forscher, Literaten und Ingenieure haben sich auch in den „Knowledge-and-Technology “-Betrieben profiliert. Sie gehören zur internationalen wissenschaftlichen community. Zu nennen sind Preisträger wie Hargobind Khurana, Amartya Sen, S. Chandrasekhar, Amar Bose, Sabeer Bhatia (Designer und Erfinder der Webportals ARZOO.com und hotmail.com), Vinod Dham (Designer des elektronischen Chips), Fareed Zakharia (Chefredakteur von Foreign Affairs, z.Z. Redakteur der ausländischen Ausgabe von Newsweek), Vinod Gupta (Gründer und CEO der Firma Info USA Inc.), Zubin Mehta (Dirigent der New Yorker Philharmonie), Lord Meghnath Desai (London School of Economics), Bikhu Parekh (Politikwissenschaftler an der University of Hull), Prof. Jagdish Bhagwati (Ökonom), die alle weltbekannt sind. Das gleiche gilt für die Literaten Vikram Seth, Shashi Tharoor, Salman Rushdie, Jampa Lehr etc. Es überrascht nicht, dass die indische Regierung den Antrag der NRIs auf doppelte Staatsbürgerschaft genehmigt hat. Seit Januar 2002 haben die 22 Vgl.

hierzu „Canadian Capers “ (Kommentar), Times of India, Mumbai, v. 23.3.2000. hierzu Das Gurucharan, PIOs. The New Investors, Times of India, Mumbai, v. 24.1.1999. 24 Khan Nasima H., „Dual Citizenship “, India Today International v. 21.1.2002, S.28. 25 Vgl. hierzu Minwalla Shabnam, a.a.O. 26 1 crore = 10 Millionen. 27 Vgl. „At Home Abroad “ (Editorial), India Today International v. 21.1.2002, S.5. 23 Vgl.

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NRIs in den USA, in Großbritannien, Kanada, in einigen Ländern Europas, Australien, Neuseeland und Singapur die Möglichkeit, die doppelte Staatsbürgerschaft zu beantragen. Wie es offiziell heißt: „At a function at Vigyan Bhavan on January 8th, 2002, Vajpayee accepted a report of the High Level Committee of the Indian diaspora and declared that the issue of dual citizenship was resolved. [...] Dual citizenship can be offered to Indians settled abroad without having to amend the constitution. Now it is only the amendment of the relevant sections of the Citizenship Act of 1955 [...] Dual nationality would be now available only to citizens of countries that already provide it. The US, Canada, UK and some other European countries, Australia, New Zealand and Singapore have been identified [...] Dual nationality will not allow voting rights or the right to contest elections to elected bodies in India. “ 28 Das Hauptziel dieser Regelung ist es, das Finanz- und Wissenspotenzial der NRIs optimal zu nutzen und sie fester an ihr Heimatland zu binden. Man erwartet auch ca. 600 Millionen US$ als Einbürgerungsgebühren für die Staatskasse: „According to a conservative estimate, even if a third of the 20 million NRIs opt for it, each will pay one hundred dollars as the initial processing fee for dual citizenship passport. The amount adds up to more than 600 million dollars at a go. “ 29 So heißt es in offiziellen Kreisen. Vermutlich fühlt sich die indische Diaspora, mit oder ohne doppelte Staatsbürgerschaft eher indisch als amerikanisch. Nur die zweite und dritte Generation der Inder im Ausland hat Probleme mit ihrer Identität, trotz des Doppelpasses. Wie Punnamparambil die Situation treffend analysiert: „Auch im Ausland tendieren viele Non-Resident-Inder dazu, Subkulturen zu bilden und in ghettoähnlichen Festungen zu leben. Ein großes Problem ist der in den USA und Großbritannien bereits akut gewordene Generationskonflikt. “ 30

4

Indische Diaspora und kulturelle Identität

Inder sind bekannt dafür, dass sie flexibel sind und sich an fremde Kulturen anpassen können, ohne ihre eigene kulturelle Identität dabei zu verlieren. Auch in der fremden Umgebung schaffen sie sich ihre eigenen soziokulturellen Räume. Das Gefühl und Verlangen nach einer kulturellen Identität wird aktuell im Ausland, wenn sich die Minderheit gegen die „Leitkultur “ der Mehrheit behaupten will. In diesem Fall spricht man von der indischen, pakistanischen, chinesischen Identität. Eine kulturelle Identität manifestiert sich in Religion, Sprache, Bekleidung, Essgewohnheiten, Verhalten und Denkweise (z.B. bei In28 Vgl.

hierzu, Khan Nasima H., a.a.O. hierzu Sengupta Ratnottam u. Singh Gurumukh, „Dual Citizenship Can Get Government $ 600 Million “, Times of India, Mumbai, v. 13.1.2002, S.7. 30 Vgl. Punnamparambil Jose, „Non-resident Indians (NRIs). Etwa 15 Millionen Inder sind ’draußen’ “, Das Parlament, Nr.8-9, 19/26, Februar 1993. 29 Vgl.

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Indische Diaspora

dern oder anderen Asiaten „Wir-Gefühl “ statt „Individualität “), Solidarität, Verwandtschaftsbeziehungen, Musik, Kunst, Tradition usw. Kulturelle Identität ist ein Sammelbegriff, um ein Volk von einem anderen zu unterscheiden. Aufgrund ihrer Geschäftstüchtigkeit und Kreativität ist es den Indern gelungen, ein Stück Indien – Little India – (wie Chinatown) in den westlichen Ländern entstehen zu lassen. Dabei geben sie ihrer kulturellen Identität eine aktuelle Form: „As the numbers of Indians abroad grew, so did the need for a common identity based on culture, religion and politics of their homeland. “ 31 Ein „Little India “ findet man in den USA, Großbritannien, Kanada, Singapur u.a. mit Lebensmittelläden, Kleidern (Salwar Kameez, Sarees), Schmuck, Musik, Räucherstäbchen, Süßigkeiten, kurzum: mit vielen indischen Spezialitäten. „Ask any expatriate Indian living in the US about the most famous desi address there and pat comes the reply: Jackson Heights. Located in Queensborough of New York city, this ethnic suburb is the Mecca for all Indian Americans [...]. The sights, sounds and smells here are all unmistakably Indian and right from the aloo tikki vendor to the roadside paanwala to the haberdasher selling kurta pyjamas, one can flavour the best of India in this desi Times Square [...] Bollywood hits waft out of the Indian music shops where one can get CDs and videos of the latest Hindi films. Jackson Heights has a plethora of immigration lawyers, marriage bureaus and travel agencies specialising in tomes of exotic Indian destinations. “ 32 Es gibt viele Hindutempel, Jain Derasars, Sikh Gurudwaras, Moscheen und viele religiöse Zentren – Ashrams, International Society for Krishna Consciousness (ISKON), Vereine, Organisationen und Institutionen, die der indischen Diaspora im Gastland helfen und sie unterstützen. Beispielsweise soll es in den USA 400 Tempel geben. Die indische Diaspora hat solche Gemeinschaften überall aufgebaut. Auslandsinder sind in solchen sozialen Netzen sehr gut eingebunden und unterhalten enge Kontakte mit Freunden, Verwandten und Institutionen in Indien selbst. Bei den alljährlichen religiösen Festen kommen die verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen und fühlen sich wie zu Hause. Hochzeitszeremonien und andere soziale Ereignisse werden genauso gefeiert wie daheim. Neue Kommunikationstechniken wie Internet, E-Mail, E-Commerce, Voice Mail, Fernsehen usw. haben entscheidend zur Verstärkung der kulturellen Identität beigetragen. „Indians and People of Indian Origin (PIOs) not only communicate with the family through the Net, they now perform online pujas, exchange greetings, buy and sell property, access news, information and entertainment [...] The creation of a global Indian ’dot-com-munity’, dubbed by a journalist friend as ’dot-kaum’ has had the dual impact of allowing Indians to access the world and the Indian diaspora to re-access India, both instan31 Vgl.

32 Vgl.

Praful Patel, „Mississippi Masala “, a.a.O. Mahajan Vikrant, „Little India Inc. “, Times of India , Mumbai, v.13.3.2001, S.12.

Sushila Gosalia

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taneously. This easy accessibility creates a community and that community creates new possibilities – economic, cultural, diplomatic. Consequently, despite its low share of world trade, India may acquire a high share of global, social and cultural interaction. “ 33 NRIs haben sogar ihre eigenen Portal-Websites entwickelt, um pujas, Pilgerreisen, Zeremonien, Glückwünsche, Feste, Lieder, Filme etc. online zu erleben. Die Websites Mantraonline.com, Shadionline.com, Induslive.com sind die bekanntesten. Sogar die indischen Gottheiten verfügen über ihre eigenen Homepages. Dies ist nur möglich in jenen Gastländern wie in den USA, Kanada etc., die eine staatliche Politik des Multikulturalismus betreiben. Die o.g. Länder sind stolz auf ihre Einwanderer und geben ihnen die Möglichkeit, ihre kulturelle Identität zu pflegen und zu bewahren. Vereine und Institutionen werden vom Staat finanziell und juristisch unterstützt und gefördert. Im Gegensatz zu den USA, Kanada, Großbritannien, Südostasien, Trinidad und Tobago, Südafrika, Mauritius, Mozambique usw. ist es den Ländern Westeuropas noch nicht gelungen, ihren Einwanderern diese Freiheiten einzuräumen.

5

Resümee

Trotz der Verschärfung der Einreisebestimmungen in den klassischen Einwanderungsländern wie USA und Kanada nach dem 11. September 2001 werden viele Inder immer noch auswandern. Die neuen Zielländer sind dieses Mal Australien, Neuseeland, Norwegen usw.: „Indian immigrants’ success in America, achieved in such a short time, only highlights what is now becoming very clear to policymakers in the US, Europe and the international institutions. That it is not only free trade in goods and free movement of capital that benefits everyone in the international economy, but so also does the free movement of labour across nations. “ 34

33 Vgl.

Basu Sanjaya, „Dotcom Diaspora “, a.a.O. Desi “ (Editorial), Times of India, Mumbai, v. 12.4.2001, S.10.

34 „American

Manuskriptbearbeitung: Vera Rathje Satz und Textgestaltung in LATEX auf Linux: Ruth Cordes, Dörthe Riedel Gesamtherstellung: einfach-digital print edp GmbH, Hamburg ISSN 1436-1841 ISBN 3-88910-280-8 Copyright Institut für Asienkunde Hamburg 2002

CIP-Titelaufnahme: Indien 2002. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft/ hrsg. von Werner Draguhn. – Hamburg : IFA, 2002. – 428 S. ISSN 1436-1841 ISBN 3-88910-280-8

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