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Kulturgut I. Quartal 2017 hold Schaffer: Das Pellerhaus in Nürnberg. Nürnberg/Berlin 1934. – Gerhard Seibold: Die Viatis und Peller. Beiträge zur Ge...

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hold Schaffer: Das Pellerhaus in Nürnberg. Nürnberg/Berlin 1934. – Gerhard Seibold: Die Viatis und Peller. Beiträge zur Geschichte ihrer Handelsgesellschaft, In: H. Kellenbenz, J. Schneider, G. Phillip (Hrsg.): Forschungen zur internationalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 12. Köln/Wien 1977. – Swetje Bolduan: Das Pellerhaus in Nürnberg. Seine Architektur, Raumdisposition und Funktion bis zur Mitte

des 17. Jahrhunderts. Unveröffentl. Mag. Bamberg 2008. – Matthias Böckel (Hrsg.): Pellerhaus Nürnberg. Nürnberg 2009. Herzlichen Dank an Wibke Ottweiler, Germanisches Nationalmuseum, und Harald Pollmann, Altstadtfreunde Nürnberg, für Hinweise und Untersuchungen.

Die Nürnberger Fayencemanufaktur Geschichte und Erzeugnisse BL I CKP U NK T F EB RUA R . 2012 jährte sich die Gründung der Nürnberger Fayencemanufaktur zum 300. Mal. Unweit des heutigen Neubaus des Germanischen Nationalmuseums an der Stadtmauer war eine Manufaktur errichtet worden, die heute kaum mehr bekannte Tonwaren herstellte: Fayencen, Geschirre aus Ton, die mit einer weißen, zinnoxidhaltigen Glasur überzogen sind und rein äußerlich dem Porzellan ähneln. In den zeitgenössischen Quellen ist daher auch immer von „porcelain“ (auch porcelaine) die Rede, wenn es um diese Erzeugnisse ging. Nach dem Vorbild der Hanauer, Frankfurter und Ansbacher Manufakturen erhielt die Reichsstadt Nürnberg zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine Fayencefabrik, die auch der Rat der Stadt als förderwürdiges Unternehmen ansah. An der Spitze des Unternehmens standen ein Zinngießer (Christoph Marx, 1669–1731), ein Goldschmied (Heinrich Gottfried Anton Hammon, 1656–1723) und ein Kaufmannssohn (Johann Conrad Romedi, 1704–1720), die sich im Juni 1712 zu einem Konsortium zusammenschlossen. Zur Unterstützung in technischer Hinsicht wurde ein aus der Ansbacher Manufaktur kommender Fayencier, Johann Caspar Ripp (1681–1726), hinzugezogen. Das Dreierkonsortium, insbesondere Marx und Hammon, versprachen sich über die Einnahmen aus dem Verkauf der produzierten Ware hinaus Einkünfte durch Beschlagen der Hohlgefäße (Kannen und Krüge) mit Zinn- und Silbermontierungen. Es stellte sich allerdings recht schnell heraus, dass Ripp keinerlei Kenntnisse über die Herstellung von Glasuren und die Brennvorgänge hatte, was zu kostenträchtigen Experimenten und Streitereien führte. Noch ehe es zur Klärung der Vorfälle kam, floh Ripp Anfang Mai 1713 aus der Stadt. Die Anfangsphase der Manufaktur war sehr schwierig. Nach kaum eineinhalb Jahren kam es an der Unternehmensspitze zu Veränderungen. Der Goldschmied Hammon hatte den finanziellen Aufwand wohl unterschätzt, den die Errichtung und der Betrieb einer Manufaktur mit sich

Abb. 1: Kugelbauchige Vase, Georg Friedrich Grebner, Nürnberg, dat. 1718, Fayence, hellblau glasiert, blau bemalt, H. 24,5 cm, Inv. LGA 4931 (Foto: Georg Janßen).

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brachte. Ende 1714 verkaufte er seinen Drittelanteil wieder. Und schließlich musste nach dem frühen Tod des Johann Conrad Romedi 1720 ein neuer Partner gefunden werden. All diese Schwierigkeiten zu Beginn hatten für die Nürnberger Fayenceherstellung einschneidende Folgen. Zwischen 1712 und 1715 kam es offenbar zu keiner regulären Produktion, das bisher früheste Erzeugnis trägt das Datum 1716. Eine umfänglichere Herstellung scheint erst ab 1718 bzw. 1720 in Gang gekommen zu sein. Der Maler Georg Friedrich Grebner Das ist vor allem am Oeuvre des sehr begabten Malers Georg Friedrich Grebner (nachgew. ab 1715, gest. nach 1744) ersichtlich. Neben Johann Adam Wöhrlin (nachgew. 1715) trat er im August 1715 als Lehrling in die Manufaktur ein. Für Kost und Logis musste der Lehrling bzw. dessen Vater jeweils selbst sorgen. Der Lohn betrug im ersten

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Lehrjahr einen Gulden und steigerte sich in den folgenden Jahren jeweils um ein Viertel-Gulden. Arbeitete ein Lehrling über zwölf Stunden hinaus, erhielt er Extraentlohnung. Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang, welche Vorgaben die Manufakturleitung den Lehrlingen machte. Sie durften nur nach vorgegebenen Mustern oder nach den Vorgaben eines Meisters malen; Glasurfehlstellen auf den Fayencen mussten mit Motiven übermalt werden; „Sutteleien“ mussten in jedem Fall unterbleiben; sie sollten „hurtig“ arbeiten und jedes Objekt mit dem Anfangsbuchstaben ihres Nachnamens bezeichnen. Über all ihre Arbeiten war ein Verzeichnis zu führen, das dem Lehrherrn wöchentlich zu übergeben war, und alle Fabriksinterna waren mit Stillschweigen zu behandeln. Die früheste von Grebner bemalte Fayence ist eine Vase (Abb. 1), die 1718 datiert ist. Nach dem Ende seiner Lehrzeit blieb er bis Mitte

Abb. 2: Titelseite der Publikation: Silvia Glaser: Nürnberger Fayencen. Geschichte und Erzeugnisse einer Manufaktur in der Reichsstadt. Nürnberg 2016 (Foto: Chandra Moennsad).

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des Jahres 1731 in der Fabrik und gehörte zu den produktivsten und in Bezug auf die Vielfalt seiner Dekore vielseitigsten Malern. Blau und bunt bemalte Fayencen Die von ihm entwickelten Dekore und Dekorelemente wurden frühzeitig auch von anderen Malern rezipiert. Neben der Dekorierung in Blau auf weißem bzw. hellblauem Glasurgrund bemühte man sich frühzeitig, die Fayencen auch farbig zu bemalen. Besonders im Werk von vier Malern lassen sich solche Buntbemalungen nachweisen: bei Justus Alexander Ernst Glüer, Philipp Conrad Schwab (1708– 1740), Nikolaus Pössinger und Christian Magnus Sichart. Glüer kam 1719 aus Erlangen in die Reichsstadt. Seine in kräftigen Buntfarben gemalten Dekore sind meist biblischer Thematik (Hochzeit zu Kana, Sündenfall, Gleichnis vom Zinsgroschen). Glüer wechselte 1737 an die Fayencemanufaktur in Oettingen-Thiergarten. Ein weiterer wichtiger Buntmaler ist Philipp Conrad Schwab, der 1708 in Nürnberg geboren wurde. Zwischen 1727 und 1731 entstanden herausragende Arbeiten, unter denen besonders eine Faltschale zum Reformationsjubiläum 1730 (Veröffentlichung der Confessio Augustana) gehört. Sie zeigt neben einem Altar stehend Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen (1585–1656, reg. ab 1611) und Martin Luther (1483–1546). Es wäre denkbar, dass die Stadt Nürnberg solche Geschirre in Auftrag gab. Ein weiterer, bislang nicht bekannter Maler ist Christoph Magnus Sichart, der als einer der wenigen chinoise Motive in seinem Oeuvre aufweist. Zwischen 1728 und 1730 entstanden Teller mit Chinesen im Garten zwischen Teehäusern und exotischen Pflanzen. Formpalette Die Formenpalette der Manufaktur bestand vor allem aus Trink- und Schenkgefäßen. Insbesondere Walzenkrüge bilden ein Haupterzeugnis. Gerade solche Trink- und Schenkgefäße wurden in der Stadt von den ansässigen Zinngießern und insbesondere von der weitverzweigten Zinngießerfamilie Marx beschlagen, d. h. mit Zinndeckeln bzw. Zinnmontierungen versehen und bildeten damit eine wichtige Einnahmequelle für dieses Gewerk. Häufig sind die Motive auf den Fayencen religiösen Inhalts, Heiligendarstellungen, Marienbilder und biblische Szenen. Fayencen mit sol-

chen Bemalungen verkauften sich gut, gerade auch in den katholischen Gebieten nördlich und südlich der Reichsstadt Nürnberg. Geschirre, insbesondere Teller und Platten, sind mit Wappen bemalt, vor allem mit Patrizierwappen. Die ratsfähigen Familien gaben offenbar umfängliche Bestellungen an die Fabrik, oft aus Anlass von Hochzeiten, Besitzvermehrungen oder Standeserhebungen. Die Manufaktur nach 1751 Die Manufaktur war lange Zeit ein Familienunternehmen, denn das Führungsgremium bestand im Grunde aus Mitgliedern der Familie Marx. Beim Tod von Ursula Marx (1667-1751), der Witwe des Fabrikgründers, 1751 zeigte sich aber, dass das Unternehmen hoch verschuldet war. Die Erben verkauften deshalb alle ihre Anteile an Peter Fischer und Georg Salomon Kees. Nach deren Tod betrieb der Kaufmann Johann Tobias Egkert (Eckert) die Fabrik noch einige Jahre, deren Produktion umfasste in dieser Phase hauptsächlich Spruchteller. 1817 verkaufte Egkert die Fabrik an Johann Heinrich Strunz, der sie noch bis 1840 führte. Durch eine systematische Auswertung der im Nürnberger Stadtarchiv und im Staatsarchiv erhaltenen Quellen ist es nun gelungen, die Manufakturgeschichte erstmals umfassend darzustellen. Die Durchsicht der Nürnberger Kirchenbücher im Landeskirchlichen Archiv der EvangelischLutherischen Kirche in Bayern erbrachte eine Reihe bislang nicht bekannter Maler, die erhaltenen Fayencen zugeordnet werden können. All diese Ergebnisse fanden Eingang in den gut bebilderten Bestandskatalog, der die fast 400 Objekte erstmals dokumentiert und kontextualisiert (Abb. 2). Der Katalog wird Anfang 2017 erscheinen. Ab Februar 2017 wird parallel zur Bucherscheinung im Südwestbau des Germanischen Nationalmuseums eine Auswahl von Nürnberger Fayencen zu sehen sein. 

S ilvia G laser

Literatur: Silvia Glaser: Nürnberger Fayencen. Geschichte und Erzeugnisse einer Manufaktur in der Reichsstadt. Nürnberg 2016.

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