ECUADOR '88 -

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Tiibinger Universitatszeitung ECUADOR '88 eine biologische Exkursion nach Sudamerika Von Klaus Riede gang bereits in Venezuela. Wir uberflogen den O...

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ECUADOR '88 eine biologische Exkursion nach Sudamerika Von Klaus Riede

gang bereits in Venezuela. Wir uberflogen den Orinoko, das venezolanische und kolumbianische Hochland und landeten schliefllich zwischen den imposanten, schneebedeckteil Vulkanen Ecuadors in der Hauptstadt Quito. Ecuador, rnit einer Flkhe von 280000 qkrn ungefahr so groR wie die Bundesrepublik, ist ein fiir lateinamerikanische Verhaltnisse kleines Land, fiir

Wie die Nnrren I ~ u f e nwir bis ;<'lit u ~ ~ ~ I i e r ; in den ersterl drei Tugen kZinner~wir tlichts bestimr7~er1,da tnun inltner eirierr Grgcnstnrld wegwi$f, ~ r r 3 1eitltr~nnclertr zu erxreifen. Borrj~landv~rsichcrte,duo er von Sinllrrr komrnerl ~ w r d e , wenn die W~irldcr tticht bald aufllorcn. (Alexnndcr vopr H ~ i r n boldt: Briel an Wilhelnl von Humholdt arcs U ~ t n ~ a nvotn d l . J ~ r l 1799) i

Eine Exkursion nach Siidarncrika - das scheint selbst in] Zeitalter des Ferntourismus ungcwohnlich, und noch vor zehn Jahren hltte ich dies fiir otopisch gehaltcn. Die Idee hierzu kam mir wahrend mciner eigenen Forschungsarbciten in Ecuadur, WO ich vun 1983 bis 1985 Hcuschrecken dcr Kronenregion des Tieflandregenwaldes untersuchte. Zurn Sammeln der oieist noch unbekannten Artcn begitb ich mich an die nPionierfront.. w u e n t l i i ~ ~der p von den Erdiilgesellschaftcn angelegten StraBen Holzf ller und Sicdler BBume fiillen. In den geschlagenen Urwaldriesen fnnd ich natiirlich nicht nur ,~rneine
Aus eigencr Erfahrung wuate ich, daL3 an-

gesichts der tropischen Vielt'alt die Konzentration auf ein bestirnmtes Thema hilfreich ist. Jeder Teilnehmer bereitete sich nuf ein selbst gewihltes Therna vor: Bodo Kraul3 wahltc Spinnen, Barbel Hartung Wanzen und Susanne Schmid Baumsteigedrosche. Michael Koltzenburg und Joa-

Da5 nachtaktivv Opossum. ein surlamcrikanischcs Reutcltier. entticckten wir bei ciner niichtlichen Exkursirln mit Stirnlampcn. Bild: Grammer

chim Grarnrner wlhltcn Beispiele fijr die geradc in den Tropen so hiiufigen innig verflochtenen 1.ebensgemeinschaften zwischen verschiedenen 0rg;tnismen wie Symhiosen zwischei-i Arneisen und Pflanzen orlcr die Ubertragung der ChagisKrankhcit durch Raubwanzen dcr Gattung 7'rintor?ln. Ein weiteres Ziel war dic Arbeit i11der Kronenregion rnit mudernen Klettcrtechnikrsn, wils durch die Tcilnahme von Wnlter Junger. Mitarbeitcr des Lehrstuhls ~ 1 1 derfiihrener Bergsteiger. rniiglich wurde. Fritz-Olaf L.chmann wollte mit Videotcchnik ein intercssantes Verhalten von Motten, die sich auf t~reiten Blattern drehen, dokumentlcren. Es begann dic Vorbereitui-igsphase. in der Literatur, Salnrnelgcrat und Chenlikalien zur Konservierungvon Tier- und Pfliinzenmaterial. trnnsport;lble Sonnenkullektoren zi1111Bctrciben einer Videoanlage sowie die Kletcerausriistung beschafft wurden. Zur Vol.bercitung pehiirte auch die Kontaktaufnahme nlit ecundorianischerl Kollegcn sowie ein Besuch in1 Natiirkundlichen Muscuin Rosenstein in Stuttparl. Allerdings waren dort die ims intcressierenden Tiergruppen sehr spirlich vertreten. In1 Gespriich mit dem Kustos. Dr. Till Osten. kamerl wir illif dic Idee, tiaB das Museum unser gesammeltcs Material erhalte11sollte. Endlich war es soweit: rnit all unserem Material und 100 Tutensuppen Proviant fiir den ,)Notfall*< flogen wir abends in Frankfurt ab und siihen dcn Sonnenauf-

Biologcn jedoch ein Land der Superlative. Da sind einmal die bekannten GalhpagosInseln, deren cinmnlige Fauna so wichtig fiir die Entwicklung der Evolutionsbiologie war. Auf dem Festland fiihren die das Land in Nord-Siidrichtung durchziehenden Anden zur Aushildung zahlreichcr unterschiedlicher Mikroklimata. in denen jeweik speziell angepaote Tier- und Pflanzenartcn - sugenannte ucndemischecc Arten - leben. Jeder Vulkan, der aus dem Tieflandregenwald hcnorragt, hat seinen neigenencc Bergregcnwald, und auch innerhnIh dcs nmazonischen Tieflandes fiihren Badenverhaltnisse: Rcgenmenge und biogeographische Verhlltnisse zu starken Untcrschiedcn auf engstem Raum. so daO wir es auch auf dcm Festland rnit rInseln<( zu tun haben und das ganze Land gcradezu als gigantisches Labor der Evolution bezeichnet werden kiinnte.

Die A trderi ~vrsrseire Eine erste Rundreise fuhrtc uns zuerst in das Gebiet uln Santo Domingo de 10s Culorados, wo Niederschlage von mehr als 4000 inmlJ;~hrund relativ gute vulkanische Boden zur Entwicklung eines iippigen Tieflandregenwaldes fiihrten, dcr aher grol.ltentcils Bananen- und Olpalmenplantagen zurn Opfer gefallen ist - seit 1960 wurden 95 G/o vernichtet, was das Aussterben von schatzungsweise 50000 Tier- und Pflanzenarten in dcn letztcn 25 Jahren zur

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Tiibinger Universitatszeitung Folge hatte! Erste okologische Folgen der Entwaldung der Westseite sind bereits deutlich sichtbar, etwa in der Provinz Guayas. Die im Suden angrenzende peruanische Kiistenwuste breitet sich nach Nor:den aus. WO vor zehn Jahren noch Kaffee und Bananen angebaut werden konnten, ist dies inzwischen nicht mehr m6glich. Das okologische Desaster an der Westseite ist eine Ursache fijr dle Siedlerstrorne an die neue Front irn n e u erschlossenen Amazonien, dem Oriente. Die Reise fiihrte uns weiter in den Bergregenwald, den Kiistenregenwald, die Mangrovensumpfe von San Lorenzo an der kolumblanischen Grenze. Von San Lorenzo gibt es eine Bahnverbindung nach dein 2500 m hoch gelegenen rbarra. Wghrend der achtstiindigen Bahnfahrt durchfahren wix noch einmal samtliche Vegetationszonen vom Tieflandregenwald bis zur tropischen Hochgebirgsvegetation, den Pararnos. Man schatzt, daO der Unterschied zwischen Pflanzenformationen , die 100 Hohenmeter auseinanderliegen, einer Entfernung von 80 km in der Ebene entspricht. Wahrend dieser ersten Reise haben wir zwar schon vie1 Material gesammelt, doch blieb uns an den einzelnen Ortell zu wenig Zeit fiir grundlichere Untersuchungen. Daher war fur den zweiten Teil der Exkur- sion ein zweiwochiger Aufenthalt an einem Oxt im Amazonastiefland geplant.

5 innerhalb eines Tages nach Misahualli geIangen - wenn nicht die StraRe durch Erdrutsche oder gar wie 1987 durch ein Erdbeben unpassierbar ist. Am Rio Napo leben die Tiefland-Quichuas, eine der gro13ten Indiancrgruppen des Tieflands. Ihre Nachbarn sind die Waorani, die auf der rechten Seite des Napo vor allem das Waldesinnere bewohnen. Die Quichua-Gemeinde Santa Rosa, WO wir uns einquartieren wollten, ist zwei Kanustunden von Misahualli entfernt. Bevor wir jedoch zu acht im Dnrf einfallen wurden, rvollte ich uns anmelden. Als wir zu zweit dort eintrafen, wurde gerade eine Hochzeit gefeiert, so da13 alle der weit verstreut siedelnden Dorfbewohner am Schulplatz waren. Unser indianischer Bootsfiihrer stellte uns dem nPresidente
Zahlreichc buntc und seltsam gefor~nteSchrnetterlinge kommen regelmafiig zu uns nns Flufiufcr, -'urn die seltenen Mineralstoffe aufzuIecken, an denen der so iippig erscheinende Unvald sehr arm Bild: KrauR ist. H i e r ein Urania-Falter, ein tagaktiver Nachtschmetterling.

Francisco de Orellana brauchte noch mehrere Monate, als er 1591 von Quito ins dstlich gelegene Amazonastiefland, den ~Orientecc,aufbrach. Von Puerto Misahualli ab ist der Rio Nap0 schiffoar, und Orellana, der Entdecker des Amazonas, fuhr bis zu dessen Miindung. Seit der Entdeckung des Erdtils vor ca. 20 Jahren im ~ O r i e n t e akann man auf neuen Strafien

chete bequem fortbewegen: die hohe, dichte Kronenregion 1aBt so wenig Licht durch, dal3 die jungen Baume in der Bodenregion nur dilnne Baumchen sind. Sic warten darauf, daD ein groRer Baum fallt, urn in der entstandenen Lichtung seinen Platz einzunehmen. Michael Koltzenburg, der sich fiir Ameisen-Pflanzen-Symbiosen interessiert, fand gleich, was er suchte, denn in der Krautschicht gibt es Melastomataceen-Arten,

die an ihrer Blattbasis hohle Verdickungen, sog~nannte Domatien, ausbilden. Darin leben Ameisen, die die Pflanze vor FraOfeinden scliutzen und moglicherweise mit Nahrstoffen versorgen. Inzwischen befinden sich einige Exemplare dieser Pflanze irn Botanischen Garten der Universitiit. Aber nicht jeder findet bei diesem ersten Gang minecc Tiere. Unser Blick ist noch ungeschult - ab und zu zeigt unser Fiihrer auf ein gut getarntes Insekt, an dem wir alle vorbeigelaufen sind. Vogelrufe hallen durch den Wald: >)Warnrufec<,erklart uns Edison, sjetzt wissen aIle Tiere, daR wir kommen!cc Eine Gruppe von zehn Menschen bleibt im Wald nicht unbemerkt, und so kehren wir beeindruckt vorn Wald, aber enttauscht, was unsere Projekte angeht, zuriick. Die biologische Feldarbeit in diesen artenreichen Biotopen unterscheidet sich grundsatzlich vun der in subtropischen und gemafiigten Zonen: aufgrund der hohen Artenzahl existieren von den meisten Arten nur wenige Individuen. Tiefgreifendere Untersuchungen zur Lebensgeschichte einzelner Arten, wie dies uns teilweise vorschwebte, waren somit in der kurzen Zeit sehr schwierig. Es war nun notig, daB wir uns aufteilten, urn den unterschiedlichen Projekten gemal3 zu arbeiten. In der Kronenregion Walter Junger begann inzwischen init Juans und Edisons Hilfe mit dem Bau einer PIattform. Wir wahlten einen stabilen, epiphytenbeladenen Baurn aus, Walter erklomm ihn rnit dem Bergseil, wahrend Juan im sfree climbing# an herunterhangenden Lianen emporkletterte. Auf diesem Baum war jedoch ein Nest von stacheIlosen Bienen, die zwar nicht stechen: sich aber zu hunderten in den Haaren festhiingen. Wir wahlten eiilen neuen Baum. Das Material fur die Plattform stamrnte aus dem Wald. Edison beriet uns bei der Auswahl der Holzer fur Gelander und Boden, und nach einem Tag Arbeit war die Plattform fertig. Nun konnten wir ubrigen mit Hilfe von Jiirnar-Klemmen in einer Art nspannertechnik~am Kletterseil aufsteigcn. Dabei darf man dem Stamm nicht zu nahe kommen, da sich dort gerne Spinnen und Schlangen aufhalten. *No& ein Neuland gibt es zu entdecken nicht zu unseren Fuaen, sondern 30-60 m dariibera, schrieb bereits urn die Jahrhundertwende der ZDologe William Beebe. Diese Worte sind auch nocb nach 80 Jahren giiltig. Der erste Eindruck von der Kronenregion ist iiberwaltigend: eine mehrere Dezimeter starke Humusschicht auf den dicke11 Asten der ausladenden Krone ist die Grundlage fur die iippigen Epiphyten und Farne, die wir nun aus nachster Nahe bewundern konnen. Unter uns konnen wir in die Kronen niedrigerer Baume schauen - die Palmen sehen von oben noch eleganter aus. Als Walter einmal auf der Plattform iibernachtete, besuchte ihn eine Affengruppe. Doch unsere Bewegungsfreiheit war auf die Plattform beschrankt, so daB wir rnit

Tiibinger Universitatszeitung; indirekten Methoden arbeiten muflten. So hangten wir in den verschiedenen Hohenzonen Flugfallen auf - ihr Inhalt gibt AufschIul3 iiber Aktivitatsrhythmus und Hohenpraferenz der verschiedenen Insektenarten. AuBerdem wurden von der Plattform aus rnit einem Richtmikrophon die Lautauaerungen der irn Bereich van 100-10000 Hz rufenden Tiere in vier Ricbtungen und zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten registriert. Hierzu gehoren Affen, Vogel, Frosche, Grillen, Laubheuschrecken, Zikaden und andere mehr. Im Labor wurden diese Aufnahmen rnit einem akustischen Anaiysator untersucht. Phoneme individueller Arten sind gut zu erkennen. Zur Zeit priife ich, o b die Vertei1ung dieser Phoneme ein guter Indikator &r die Artenvielfalt an den einzelnen Meaorten ist.

die jeweiligen SpeziaIisten verschickt oder, fails Literatur vorhanden war, von uns bestirnmt. Fur viele tropische Tiergruppen gibt es allerdings weltweit nur einen oder gar keine Spezialisten. Oft stellt sich erst nach Jahren heraus, daa eine bisher unbekannte Art gesammelt wurde. Die Ergebnisse der Auswertung schienen uns so interessant, daR wir beschlossen, eine Ausstellung vorzubereiten. Zur Eroffnung Anfang November 1988 zeigten wir auch zwei 9Ominiitige Videofilme, die aus insgesamt 20 Stunden Videoaufnahmen zusamrnengeschnitten wurden. Videos und Ausstellung fanden groaen Anklang, die Ausstellung ist noch bis Semesterende zu besichtigen. Die Ttopen gehoren zu den interessantesten, aber leider auch zu den gefihrdetsten Lebensriiumen der Erde. Derzeit schwinden die Regenwiilder so schnell, dal3 die Biologen einen aussichtslosen Wettkampf gegen die Urwaldzerstorung fuhren: es gibt rnindestens dreima! so viel Arten als bisher bekannt, rnanche Biologen rechnen sogar rnit 30 Millionen! Ein Groheil hiervon bewohnt Tieflandregenwllder, die viel schneller zerstort als erforscht werden! Naturhistorische Museen werden da bestenfalls zu Mausoleen. Dennoch ist die Sysiphusarbeit der Biologen nicht um-

sonst. Nicht zuletzt die fiir manche zu kiihnen Hochrechnungen des Zoologen T.Erwin haben in den USA eine groOe offentliche Diskussion uber die Erhaltung der ~Biodiversitataausgelost. Auch die diesjahrige Hitzewelle in den USA war ein kltiner Vorgeschmack der moglichen Auswirkungen der Regenwaidvernichtung auf das Weltklima. Inzwischen werden die ersten, wenn auch noch zaghaften politischen Konsequenzen gezogen. So sollen beispielsweise Weltbankprojekte in Zukunft auf ihre Umweltvertraglichkeit gepriift werden. Ecuador hat in Form sogenannter ndept-nature swapsa Schuldentitel gegen ~Naturccan Umweltschutzorganisationen verkauft. Unter anderem sol1 im Nationalpark Yasuni, der Heimat der Waorani-Indianer, ein Schutzprogramrn die Koexistenz von Erddlgesellschaften und Regenwald errnoglichen. Ob es gelingt, Entwicklung in Harmonie rnit und nicht gegen die Natur zu vollziehen, ist eine offene Frage, die vor allem auch an uns, die hochindustrialisierten entwickelten Lander, zu stellen ist. Bis jetzt lautet unsere Antwort wohi nur: nentweder oderu . . .

International Foundation for Science: Forderung fiir Wissenschaftler aus Entwicklungslandern

Pharmazie und Toxikologie. Bewilligt werden konnen (nach einer Qualitatsbegutachtung) Forschungsmittel bis zu 12000 U S Dollar mit Verliingerungsmoglichkeit, die fur Ausriistung, Verbrauchsmaterial, Reisekosten, Literaturbeschaffung etc. verwendet werden konnen. Dariiber hinaus organisiert die IFS f i r die von ihr geforderten Wissenschaftler regionale Workshops und Ausbildungskurse. Eine Liste von Beispielen fiir von der IFS gforderte Projekte moge veranschaulichen, worum es der Organisation geht: Untersuchung der Newcastle Krankheit, die die Hiihncrzucht in Malaysia bedroht, Forschungen zur Solarenergie in Indonesien, zur Energiegewinnung aus Biomasse in Thailand, Untersuchungen zur Wechselwirtschaft im Ackerbau Nigerias, zu Futterpflanzen in Marokko, zu MykorrhiZen in Kuba oder zur Zucht von Weichtieren als Proteinlieferanten in Chile. Es ware sicher in vielen Fdlien hilfreich, wenn Tiibinger Wissenschaftler ihre KOoperationspartner in Entwicklungslandern auf die Forderungsmoglichkeiten der IFS hinweisen wiirden und wenn junge wissenschaftliche Mitarbeiter aus Entwicklungsliindern rnit der Moglichkeit vertraut gemacht wiirden. nach ihrer Riickkehr an eine Forschungsinstitution ihres Heimatlandes als Antragsteller bei der IFS auftreten zu konnen. Nahtre Informationen konnen angefordert werden bei: Dr. Car1 Heinz Schiel, Prkident der International Foundation of Science, c10 Deutsche Forschungsgemeinschaft, Postfach 205004,5300 Bonn 2

In vielen Bereichen der Universitat wer-

In luftiger Hohe entdecken wir die fiir uns ncue und noch wenig erforschte Welt der Kronenregion, auch Ncanopym genannt. Es ist rnit relativ einfachen technischen Mitteln moglich, sich dieses Neuland zu erschlielen. Bild: Riede

Ein Hijhepunkt unseres Aufenthalts war

ein Ausflug zu einer versteckt im Wald gelegenen Lagune, WO wir den urtiirnlich anmutenden Hoatzin (Ophistocomw hoafzin) beobachten koonten. Seine Jungen erinnern an den Archaeopterix und haben am Fliigelende Kralien, rnit denen sie in ihr Nest, das am Ufer angelegt wird, zuriickklettern konnen, falls sie hinausfallen.

Ruckreise, Auswertung Wir kamen rnit all unserem Material wohlbehalten bis auf einige Parasiten in Tiibingen an. Nun begann der schwierige Teil der Auswertung. Mit Hilfe des Stuttgarter Museums wurden die 5000 von uns gesammelten Insekten prapariert und rnit Etiketten versehen. Das Material wurde dann an

den intensive Kooperationsbeziehungen mit E n d e r n der Dritten Welt unterhalten - dies spiegelt sich auch deutjich in den Beitragen zur ~TubingerUniversitatszeit u n g ~wider, in denen recht hiiufig iiber derartige Kooperationen berichtet wird. Es scheint daher angebracht, eine Institution vorzustellen, die sich auf weltweit einmalige Weise der Fiirderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Dritten Welt verschrieben hat: die 1972 gegrundete ,International Foundation for science^ (IFS), deren Geschliftsstelle ihren Sitz in Stockholm hat und deren Prbident zur Zeit rnit Dr. Cari Heinz Schiel ein Deutscher ist. Im Laufe ihres Bestehens hat die IFS annahernd 1500 junge Forscher aus 88 Landern gefordert. Ihr jahrlicher Etat betragt zur Zeit etwa 4,5 Millionen US Dollar. Bewerben konnen sich Wissenschaftler aus Entwicklungsliindern, die an einer einheirnischen Forschtingsinstitution titig sind und deren Forschungsprojekt sich auf eines der folgenden Gebiete bezieht: Hydroiogie und Wasserwirtschaft, Tierzucht, Pflanzenziichtung, Forstwissenschaft, Ernahrungswissenschaft, Erforschung alternativer Energien und naturliche organische Substanzen in Chemie, Biochemie.

Dr. Klaur Riede, Institut fiir Biokybemerik, isl wissenschafilicher Angestcllter im SFB 307 - * Neurobiologie des Verhaltensu