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Peter Millowitsch im „EM“-Interview

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r gehört zu den beliebtesten Volksschauspielern des Landes und ist vor allem bei uns im Rheinland populär: Peter Millowitsch (63). Seitdem der Sohn des unvergessenen Willy Millowitsch († 1999) Mitte der Neunziger Jahre die Geschicke des Kölner Volkstheaters in die Hand nahm, schreibt er jährlich gemeinsam mit einer Co-Autorin ein neues Stück, spielt selbst darin und leitet die wirtschaftlichen Geschicke seines Theaters. Schon mit acht Jahren stand er zum ersten Mal mit seinem Vater auf der Bühne an der Aachener Straße in Köln und kehrte nach dem Abitur und einer Schauspielausbildung in Hamburg auch wieder dorthin zurück. „Das Millowitsch“ ist wie das Hänneschen-Theater eine der traditionsreichsten Kölner Institutionen, die weit über die Grenzen der Domstadt hinaus bekannt ist. Ende September beginnt die neue Spielzeit im Millowitsch-Theater und im Frühjahr 2013 wird das Ensemble wieder auf Deutschland-Tournee gehen, die es auch in die Eifel führen wird. Alexander Kuffner sprach mit Peter Millowitsch über das neue Stück, alte Zeiten und die Zukunft des Theaters. Fotos: Kuffner

Herr Millowitsch, Ihr neues Stück „Tanzmariechen XXL“ startet ab 20. September – geben Sie doch einmal eine kurze Zusammenfassung, worum es in dem neuen Schwank geht. Gern – das Stück dreht sich um Anton Blatzheim und sein Kölner Hotel, das „Hotel Schloß Wahn“. Seine Frau, die Leonore, wurde kürzlich aus ihrem Tanzcorps geworfen und leidet sehr darunter. Deswegen bricht sie mit allem, was mit Karneval zu tun hat und erklärt das Hotel zur karnevalsfreien Zone. Jetzt ist Anton aber nicht nur ein totaler Jeck, sondern will sich auch das gute Geschäft an Karneval nicht entgehen lassen. Also schickt er seine Frau über die tollen Tage nach Mallorca, um eben doch für sich und seine Gäste feiern zu können. Leonore aber wittert den Braten und kommt früher zurück. Jetzt hat Anton ein Problem und es entstehen natürlich zahlreiche Irrungen und Wirrungen. Bis Ende März 2013 werden Sie mit dem Stück sechs Vorstellungen pro Woche geben, nur um Weihnachten und um Karneval herum gönnen sie sich ein paar Tage Urlaub. Schlaucht so ein Leben mit zunehmendem Alter mehr als früher? Och, das kann ich so nicht sagen. Das Theaterspielen hier in Köln nicht. Was mich mehr schlaucht als früher, sind die Tourneen. Allerdings – ich bin Abends schon generell ein wenig kaputter als früher. Vielleicht schlafe ich auch schlechter und bin deswegen müder. Bei so vielen Vorstellungen schlafen Sie aber sicher nicht schlechter aufgrund sinkender Besucherzahlen ... (Klopft dreimal auf den Schreibtisch) Toi, toi, toi. Da können wir uns wirklich nicht beschweren. Trotzdem: Werden dem Volkstheater die Zuschauer über kurz oder lang wegsterben, oder können Sie eine neue Generation Besucher ausmachen? Nein, da rückt was nach, das ist

ja das Phänomenale! Als Willy damals starb habe ich gedacht „Jetzt ist Schicht!“. Aber die Leute kamen zum Glück immer weiter und es reißt auch nicht ab. Wenn ich Samstagabends bei der Verbeugung in die lachenden Gesichter gucke, dann sehe ich da so viele junge Leute im Publikum, dass ich denke „Was macht ihr denn hier, habt ihr euch verlaufen?“ Ich dachte tatsächlich, dass unsere Zuschauer so langsam aussterben würden, aber das Gegenteil ist der Fall, was uns sehr freut. Aber Sie haben da jetzt keine Scharen von Teenies sitzen, oder? Nein, dass nicht. Am Anfang einer Vorstellung schaue ich immer ins Publikum und kombiniere so vor mich hin: „Aha, das ist der Vater, das die Mutter, das muss die Tochter sein … Und die beiden da hinten haben der Oma die Karten geschenkt und sind mitgekommen“, und so weiter. Bei einigen meine ich dann zu sehen, dass sie gar keine Lust haben. Die wurden mitgeschleppt oder sind aus Freundlichkeit mitgekommen. Aber nach der Vorstellung klatschen die dann genauso begeistert wie die anderen auch. Bis jetzt haben wir sie immer gekriegt. Wer uns nicht kennt hat ja vielleicht auch eine falsche Vorstellung von dem, was wir hier machen. Viele denken, dass es immer noch so ist, wie zu Willys Zeiten, aber das stimmt ja so nicht mehr. Was hat sich denn verändert? Klar, wir wollen nach wie vor einfach nur gute Unterhaltung bieten und die Leute zum Lachen bringen, aber das Tempo hat sich sehr verändert. Ist das Millowitsch-Theater denn immer noch eine kölsche Institution zu der hauptsächlich

„Ich bin ein Handwerker und Schwänke sind mein Geschäft“

Kölner kommen, oder sind mittlerweile mehr Touristen oder Menschen aus dem Umland unter den Zuschauern? Das teilt sich etwa in der Hälfte. Unter den Kölnern haben wir allerdings ein Stammpublikum, das immer wieder kommt – und dabei immer wieder neue Leute mitbringt. In diversen Kritiken wurden Ihren letzten Stücke attestiert, vom Humor her immer schlüpfriger und zotiger zu werden, wie gehen Sie damit um? Na ja, vor zwei Jahren hieß unser Stück „Wenn im Puff dat Licht ausjeht“ - Klar ging es da etwas schlüpfriger zur Sache. Bei uns gibt es aber keine Nacktheit auf der Bühne, wir benutzen keine Fäkalsprache – also mit so einem generellen Vorwurf kann ich nichts anfangen, das stimmt einfach nicht. Braucht es das, um Publikum anzuziehen?

Nein, wir machen schon mal so kleine Schlenker, klar. Aber so unter der Gürtellinie wie Walter Bockmayer das zum Beispiel macht – nein, überhaupt nicht. Das würden unsere Zuschauer auch gar nicht wollen, auf gar keinen Fall. Es ist bekannt, dass Sie auch gerne ernste Rollen geben, konnten Sie das in der jüngeren Vergangenheit ausleben? Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder ein paar Sachen in diese Richtung unternommen, meist in der Spielzeit Montags und Dienstags, wenn das MillowitschEnsemble Ruhetag hat. In diesem Winter zum Beispiel werde ich an einigen Abenden Gedichte und Balladen lesen. Sehen Sie, es gibt da zwei Aspekte – den wirtschaftlichen und den künstlerischen. Wirtschaftlich kann ich solche Aktionen komplett vergessen, aber es macht mir eben Spaß. Klar kommen da auch Leute, aber das

ist kein Geschäft. Die Schwänke, das ist das Geschäft. Und wenn ich die nicht hätte, könnte ich mir die anderen Dinge nebenbei gar nicht erlauben. Brauchen Sie diesen Ausgleich vom normalen Tagesgeschäft, um sich als Künstler ausdrücken zu können? „Als Künstler ausdrücken“ … nee, nee – Wissen Sie, was ich bin? Ich bin ein Handwerker. Manchmal - ganz ganz manchmal - wird Kunst aus meinem Handwerk. Da muss dann aber wirklich alles passen und es gelingt nur an einem bestimmten Abend. Aber das ist wirklich selten. Wenn Sie die freie Wahl hätten – welche Rolle würden Sie gerne einmal spielen, wenn man Sie ließe? Und wo – Film, Theater oder Fernsehen? Auf jeden Fall im Theater, Film in-

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Meiner persönlichen Meinung nach hatte Ihr Vater in den letzten zwanzig Jahren seiner Karriere, also ab dem Alter von 70, seine beste Zeit als Schauspieler. Sehen Sie das auch so? Ja natürlich, weil er zu dem Zeitpunkt auch durchs Fernsehen unterfüttert wurde. Und dann hat Willy im Alter die tollsten Klassiker spielen können. Streben Sie das auch so an, würden Sie es ihm gerne gleich tun? Ich würde nicht nein sagen. Aber man muss sehen, dass damals ganz klar mit Willys Popularität geworben wurde. Dass er die Rollen auch noch spielen konnte, war eher ein schöner Nebeneffekt ... (Das Telefon klingelt) Entschuldigung … „Millowitsch Theater?“ „Ja! Achso, ja. Sie sprechen aber mit dem Hausmeister.“ „Nein, der ist auf der Probe. Versuchen Sie es morgen Vormittag noch mal.“ „Bitteschön, wiederhören!“ Nee, da hatte ich jetzt keinen Nerv für. Aber die Hausmeister-Nummer funktioniert immer (lacht).

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Nicht schlecht! Aber eine Frage in Richtung Willy hätte ich noch - Wofür könnten Sie Ihrem Vater heute noch vor Dankbarkeit die Stirn küssen? Das habe ich eben auf der Probe wieder gesehen – Dass er mich

Sachen gelehrt hat, die man auf keiner Schauspielschule lernen kann. Das Hundert Mal zitierte Timing ist so wichtig, das kann man jetzt nicht einfach erklären. Aber ob man vor oder nach einem Satz atmet, kann zum Beispiel entscheidend für das Gelingen einer Pointe sein. Solche Sachen gehen nur über Learning by doing in Fleisch und Blut über – und dieses Handwerk habe ich von meinem Vater gelernt.

nicht. Manchmal gucke ich mir allerdings den Rosenmontagszug an.

Jeder wünscht Ihnen sicherlich noch dreißig erfolgreiche Bühnenjahre, aber irgendwann in ferner Zukunft wird auch für Sie der dicke Pitter läuten – Wer übernimmt dann das Zepter im Theater? Niemand, wer soll das machen? Ich habe keine Kinder, die komplette Verwandtschaft hat kein Interesse … Das Millowitsch Theater wird vermutlich irgendwann mit mir aussterben. Das ist zwar traurig, aber so ist es nun mal. Nix ist für die Ewigkeit.

Nach dem Ende der TheaterSpielzeit im März 2013 werden Sie mit dem Ensemble wie jedes Jahr auf Tournee gehen und sicher auch wieder ein paar Gastspiele in der Eifel geben. Nutzen Sie die Eifel auch – wie viele andere prominente Kölsche – als „Naherholungsgebiet“? Oh ja, aber wie! Ich bin ein großer Eifel-Fan. Das ging schon ganz früh los. Als Kind hat man mich immer nach Schwammenauel an den Rursee geschleppt. Da war so ein katholisches Jugendlager, in dem meine beiden Onkel aktiv waren. Damals fand ich es da aber

Sprechen Sie privat eigentlich Kölsch? Zuhause mit minger Frau manchmal, wenn mer joot drop sin. Auf der Bühne kann ich aber kein „richtiges“ Kölsch, sondern nur rheinisch gefärbt sprechen – das würden die ganzen Immis und Auswärtigen Gäste sonst gar nicht verstehen. Sind Sie ein Karnevalsflüchtling? Nein, wir haben an Karneval immer Theaterpause und ich fliehe dann nicht aus der Stadt, aber ich suche ihn auch nicht. Ich habe im Theater so viel um die Ohren, so viel Ping und Paff und Lautstärke und Tamtam – da muss ich Karneval nicht mehr auf die dicke Trumm kloppen. Wenn der Büroangestellte einmal im Jahr ein paar Tage lang richtig auf die Kacke hauen will, dann kann ich das gut nachvollziehen, aber ich brauch das

Was nervt Sie an Köln am meisten? Das kann ich Ihnen genau sagen: Die Ampelphasen auf der Aachener Straße. Die müssen betrunken gewesen sein, als sie die festgelegt haben. Egal ob ich 90 fahre oder ob ich dreißig fahre. Ich habe nie, nie eine grüne Phase.

blöd, weil mir die Butterbrote nicht geschmeckt haben, das weiß ich noch (lacht). Aber später hab ich die Eifel dann schätzen gelernt. Ich bin ja früher viel Motorrad gefahren. Und als ich ein junger Mensch war konnte es passieren, dass ich mich im Sommer morgens um halb sieben auf den Bock geschwungen habe und dann wie ein gehirnamputierter durch die Eifel geknallt bin. Um neun Uhr war ich dann meistens schon wieder zuhause. Kann man ja jetzt erzählen, ist ja verjährt. Aber ich bin auch heute noch gerne da – schöne Landschaft, nette Leute, das ist schon mein Ding. Leider hab ich es verpasst, mir da ein Häuschen zuzulegen. Mein Onkel hat sich vor kurzem in HellenthalKreuzberg niedergelassen, da hab ich ihn kürzlich mal besucht. Das ist ja schön da! Da ist natürlich der Hund so was von begraben … aber gerade das find ich so gut! Und was auch nett ist: Man grüßt sich noch auf der Straße – wildfremde Menschen grüßen einen! Toll!

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teressiert mich nicht. Und da gibt es so viel, dass ich gerne spielen würde. Aber ich bleibe selbst bei solchem Wunschdenken realistisch und darf weder mein Alter noch mein Aussehen vergessen. „Hamlet“ zum Beispiel ging da gar nicht mehr, ich müsste im Rahmen meiner Möglichkeiten bleiben. Den Doolittle aus „My Fair Lady“ zum Beispiel, den würde ich gern mal geben. Oder irgendetwas aus einem Shakespeare, also so richtig klassisch.

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