Empirische Untersuchung der Anglizismen im Deutschen - OAPEN

Empirische Untersuchung der Anglizismen im Deutschen - OAPEN

2 Bamberger Beiträge zur Linguistik Empirische Untersuchung der Anglizismen im Deutschen am Material der Zeitung Die WELT (Jahrgänge 1994 und 2004) ...

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Bamberger Beiträge zur Linguistik

Empirische Untersuchung der Anglizismen im Deutschen am Material der Zeitung Die WELT (Jahrgänge 1994 und 2004)

von Svetlana Burmasova

UNIVERSITY OF BAMBERG PRESS

Bamberger Beiträge zur Linguistik 2

Bamberger Beiträge zur Linguistik

hrsg. von Thomas Becker, Martin Haase, Sebastian Kempgen, Manfred Krug und Patrizia Noel Aziz Hanna

Band 2

University of Bamberg Press 2010

Empirische Untersuchung der Anglizismen im Deutschen am Material der Zeitung Die WELT (Jahrgänge 1994 und 2004)

von Svetlana Burmasova

University of Bamberg Press 2010

Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Informationen sind im Internet über http://dnb.ddb.de/ abrufbar

Diese Arbeit hat der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschafen der Otto-FriedrichUniversität als Dissertation vorgelegen 1. Gutachter: Prof. Dr. Helmut Glück 2. Gutachter: PD Dr. Friederike Schmöe Tag der mündlichen Prüfung: 16. November 2009

Dieses Werk ist als freie Onlineversion über den HochschulschriftenServer (OPUS; http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/) der Universitätsbibliothek Bamberg erreichbar. Kopien und Ausdrucke dürfen nur zum privaten und sonstigen eigenen Gebrauch angefertigt werden. Herstellung und Druck: docupoint GmbH, Magdeburg Umschlaggestaltung: Dezernat Kommunikation und Alumni © University of Bamberg Press Bamberg 2010 http://www.uni-bamberg.de/ubp/ ISSN: 2190-3298 ISBN: 978-3-923507-71-9 eISBN: 978-3-923507-72-6 URN: urn:nbn:de:bvb:473-opus-2445

Vorwort Die vorliegende empirische Untersuchung zum Gebrauch der Anglizismen im Deutschen am Beispiel der Zeitung Die WELT (Jahrgänge 1994 und 2004) stellt die überarbeitete Fassung einer Dissertation dar, die im Wintersemester 2009/2010 von der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg angenommen wurde. Diese Arbeit wäre ohne Unterstützung und Hilfe vieler anderer Personen nicht entstanden. Besonderen Dank schulde ich zunächst Herrn Prof. Dr. Helmut Glück für seine wertvollen Hinweise und seine Betreuung. Alles, was Sie für mich gemacht haben, war nicht selbstverständlich und das weiß ich sehr zu schätzen. Ebenso danke ich Frau Dr. Friederike Schmöe für ihre beispiellose Flexibilität und ihre Tätigkeit als Zweitgutachterin. Ein großer Dank geht aber auch an Dr. Wieland Eins. Ohne seine Kritik und seine Vorschläge wäre mein Forschungsprojekt niemals soweit gekommen. Für die Beratung in den statistischen Fragen danke ich herzlichst Aleksej Ivanov, der mich in allen Phasen der Forschung und Fertigstellung fachlich unterstützt und kompetent beraten hat, sowie Julia Cielebak und Daniel Wan Hussin. Zu Dank verpflichtet bin ich all denen, die das Korrekturlesen zahlreicher Versionen meines Manuskripts übernommen haben, insbesondere Dr. Ulrike Siewert, Karoline Wirth, Ann-Kathrin Thoennes, Monika Aiglstorfer, Jan Christof Meyer, Robert Monz, Markus Neufeld und Amelie Ellinger. Für die finanzielle Unterstützung danke ich vor allem der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die meinen Aufenthalt in Deutschland im Laufe von 18 Monaten und außerdem meine Publikation finanziert hat, sowie DAAD für ein 6-monatiges Stipendium, das mir die ersten Literaturrecherchen und Anschaffung der Nachschlagewerke ermöglicht hat. Herzlichst möchte ich mich schließlich bei meiner Familie und meinen Freunden bedanken, die alle Tiefen und Höhen bei Anfertigung dieser Arbeit mit mir durchlebt und mich stets aufgebaut und ermutigt haben. Bamberg, im Dezember 2009

Svetlana Burmasova 5

Inhaltsverzeichnis 0. Einleitung ............................................................................................. 9 A. Theoretischer Teil .................................................................................. 17 1. Terminologische Überlegungen zum Entlehnungsprozess unter besonderer Berücksichtigung der Entlehnung aus dem Englischen ............................................................................................. 19 1.1. Terminologie des Sprachkontaktes ........................................... 20 1.2. Sprachliche Entlehnung............................................................. 26 1.3. Begriffsbestimmung des Anglizismus ..................................... 32 1.4.a. Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten ........... 35 1.4.b. Kategorien der Anglizismen nach Sachbereichen ................ 57 1.4.c. Kategorien der Anglizismen nach Wortarten ........................ 61 1.5. Entlehnungsbegleitende Faktoren ............................................ 65 1.6. Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen ................................................................................... 81 1.7. Integrationsarten von Entlehnungen ........................................ 94 1.8. Integrationsmodelle ................................................................. 117 2. Forschungslage ................................................................................ 125 B. Empirischer Teil. ................................................................................. 141 3. Beschreibung des Materials ............................................................ 143 3.1. Presse als Materialquelle.......................................................... 143 3.2. Spezielles zu der Zeitung Die WELT ...................................... 149 3.3. Leserschaft von Die WELT ....................................................... 153 3.4. Kriterien für die (Nicht)Aufnahme in das Anglizismenkorpus .............................................................................................. 155 3.5. Zeitlicher Rahmen der Untersuchung .................................... 161 4. Methodische Fragen der Materialaufnahme und Stichprobenauswahl ............................................................................ 164 4.1. Allgemeines zum Auswahlverfahren ...................................... 164 4.2. Überlegungen zur Wahl der Stichprobeneinheit ................... 165 4.3. Vertikale und horizontale Dominanzen in einer Tageszeitung.................................................................................... 166 4.4. Prämissen der Stichprobenverteilung..................................... 169 4.5. Erstellung der Stichprobe ........................................................ 170 4.5.a. Testmenge ........................................................................ 171 4.5.b. Feststellung der Seitenhäufigkeiten ............................... 171 7

4.6. Quantitative Beschreibung von Die WELT 1994/2004 .......... 174 5. Statistische Untersuchung der Anglizismen ................................. 176 5.1. Allgemeine Vorüberlegungen ................................................. 176 5.2. Allgemeines über die Entwicklung des Subsystems Anglizismen innerhalb des deutschen Sprachsystems .................. 177 5.3. Statistische Auswertung der Anglizismen nach Wortarten und Themenbereichen ................................................. 182 5.3.a. Ermittlung der Wortartenverteilung ............................... 183 5.3.b. Relative Häufigkeit und Streuung als quantitative und qualitative Parameter der Veränderungen im Subsystem Anglizismen ............................................................. 187 5.3.c. Berechnungsmodus der relativen Anglizismenhäufigkeit nach Wortarten ........................................................ 191 5.3.d. Relative Häufigkeiten bezogen auf die Sachgebiete innerhalb einzelner Wortarten ................................................. 195 5.3.e. Mittelwert, Varianz und Standardabweichung bezogen auf Wortarten .............................................................. 196 5.3.f. Analyse der empirischen Daten ...................................... 197 5.4. Vergleich der Anglizismenhäufigkeiten in den Jahrgängen 1994/2004 und 1954/1964 ......................................... 203 5.5. Dynamik des Anglizismenauftretens ..................................... 209 C. Zusammenfassung ............................................................................. 213 Ergebnisse I ......................................................................................... 215 Ergebnisse II ........................................................................................ 220 D. Literatur ............................................................................................... 229 Wörterbücher....................................................................................... 231 Sprachwissenschaftliche Literatur...................................................... 231 Internetquellen .................................................................................... 248 E. Anhang................................................................................................. 251 Tafeln zum empirischen Teil ............................................................. 253 Anglizismenliste .................................................................................. 263

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0. Einleitung Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Entlehnung aus dem Englischen in andere Sprachen ist schon einige Jahrhunderte alt und hat seit einigen Jahrzehnten an Aktualität gewonnen. Die führende Rolle der USA in der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie globale gesellschaftliche Umwandlungen der letzten Jahre wie z.B. schneller technischer Fortschritt, Globalisierung und Europäisierung haben Auswirkungen auf die sprachliche Entwicklung europäischer Staaten und der ganzen Welt. Besonders durch die fortschreitende technische Ausstattung der breiten Bevölkerungsmassen wächst der Einfluss der Massenmedien auf den Sprachgebrauch enorm. Der andere hier erwähnte Prozess – die Globalisierung – bewirkt nicht nur Kommunikation: Die Schaffung einer einheitlichen Kulturgemeinschaft führt dazu, dass sich die Wortschätze europäischer Sprachen langsam annähern. Einige Wissenschaftler bezeichnen diesen Prozess als „Harmonisierung der Wortschätze“ der europäischen Sprachen und reden über die daraus resultierende Eurosemantik (vgl. Bär 2000; 21, Béchet-Tsarnos 2005; 92f.). Die Annäherung der Sprachen geschieht vor allem durch die kontinuierlich steigende lexikalische Entlehnung englischer Ausdrücke. Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf den englischen Einfluss auf die deutsche Sprache. Die deutsche Sprache erscheint mir als Untersuchungsobjekt deswegen interessant, weil sie sich, historisch betrachtet, immer mehr als andere Sprachen gegen fremdsprachliche Einflüsse gewehrt hat, indem sie Lehnelemente durch eigene Lexeme ersetzte. 1 Schon U. Weinreich vermerkte, dass Deutsch vermutlich eine strukturell gegen Transfer resistente Sprache ist: “German, Polish, and other languages alleged to be structurally resistant to transfers […]” 1 Dazu einige Beispiele: Während sich das Englische häufig eines Latinismus bediente, schuf das Deutsche auch ein eigenes Synonym, vgl. botany - Botanik/Pflanzenkunde, object – Objekt/Gegenstand, series – Serie/Reihe, tolerance – Toleranz/Duldsamkeit, linguistics – Linguistik/Sprachwissenschaft (Beispiele aus: E. Leisi 1985; 61). Vergleicht man das Russische mit dem Deutschen, ergibt sich ein ähnliches Bild: Den griechischen Begriffen im Russischen entsprechen deutsche Lehnübersetzungen, vgl. телевизор – Fernseher, диаметр – Durchmesser, орфография – Rechtschreibung.

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(Weinreich 1953; Nachdruck 1974; 62). Jüngere Untersuchungen teilen diese Ansicht nicht mehr (s. M. Jabłoński 1990; 142 und C. Földes 1996; 6). Die Notwendigkeit der Beobachtung und der sofortigen und vordringlichen Erforschung des englischen Einflusses auf die deutsche Sprache betont der Schweizer Anglist, E. Leisi: Das Deutsche unterliege einer enormen Veränderung unter diesem Einfluss, und „es wäre absurd, sich jetzt der Erforschung der Vergangenheit zu widmen […], um dann in 200 Jahren mit vieler Mühe die bis dahin verschütteten Quellen unserer Zeit auszugraben, die heute noch ohne weiteres zugänglich sind. Deshalb ist die Erforschung des englischen Einflusses notwendiger und verdienstlicher als viele andere Richtungen“ (Leisi 1985; 254). W. Viereck schreibt im Nachwort zur Dissertation von K. Viereck Folgendes: „Es wäre wünschenswert, die Intensität des englischen Einflusses auf die deutschsprachige Presse weiter zu verfolgen, ähnliche Untersuchungen in bestimmten zeitlichen Abständen, etwa eines Jahrzehntes, zu wiederholen und die Ergebnisse mit den vorliegenden zu vergleichen“ (Viereck 1980b; 430). Dieser Forderung kommt die vorliegende Arbeit nach. Dafür erscheint es angebracht, als Erstes den aktuellen Stand des Subsystems Anglizismen in der deutschen Sprache zu erforschen. Da die Tradition der Anglizismenforschung in der deutschen Linguistik über 50 Jahre zurückreicht, wird es im zweiten Schritt möglich, eine vergleichende Analyse der sprachlichen Veränderungen in einer einige Jahrzehnte umfassenden Zeitspanne durchzuführen. Es fehlt allerdings noch eine Methodik, mit deren Hilfe sich die Dynamik des Anglizismenauftretens in der deutschen Sprache schnell und zuverlässig beobachten lässt. Der überwiegende Teil der Studien zum Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache ist synchron ausgerichtet. Arbeiten, die diese Einflüsse über einen längeren Zeitraum hinweg untersuchen, konzentrieren sich vor allem entweder auf die Wirtschaftssprache (D. Schütte 1996), ausschließlich auf die DDR-Sprache (G. Kristensson 1977) oder auf die Entwicklung vom 13. Jahrhundert bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts (A. B. Stiven 1936, P.F. Ganz 1957, P.M. Palmer 1960, U. Moeller10

Schina 1969). Eine neuere Studie aus diachroner Sicht ist die Arbeit von W. Yang, die sich vier Jahrzehnten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmet. Andere Forschungsschwerpunkte liegen deutlich auf Fragestellungen in der Morphologie, Flexion und Orthographie der Anglizismen. 2 Nur selten ist die Gebrauchshäufigkeit von Anglizismen alleiniger Untersuchungsgegenstand. 3 Dabei erscheint die Erforschung der Verwendungshäufigkeit von Anglizismen in der deutschen Sprache allein deshalb wichtig, weil viele Forscher die Usualität der englischen Lexeme als Kriterium ihrer Integriertheit betrachten. 4 Darüber hinaus weisen die Arbeiten im empirischen Teil methodische Mängel, etwa fehlende Repräsentativität, auf. So wird in den Forschungsarbeiten in der Regel der Quotient „Anzahl der Anglizismen pro Seite“ ermittelt, der das Ergebnis einer Division der gesamten Anglizismenanzahl durch die Anzahl der untersuchten Seiten ist. Einige Wissenschaftler weisen darauf hin, dass man mit diesem Wert vorsichtig umgehen muss. „Den Anteil der Amerikanismen aufgrund von geschätzten Wortzahlen und pauschal über alle Zeitungsseiten zu berechnen führt zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, die nur mit äußerster Vorsicht verwendet werden sollten“ (Engels 1976; 51).

Ferner bemängelt B. Engels, dass kein Versuch unternommen wurde, die Anzahl der Wörter der einzelnen Zeitungsseiten festzustellen und sie in Beziehung zu der Anzahl der Anglizismen auf der jeweiligen Seite zu setzen (vgl. Engels 1976; 51). Seit Engels Untersuchung sind über 30 Jahre vergangen, jedoch hat sich, wie die Analyse der Forschungsliteratur zeigt, niemand bereit erklärt, diesen Mangel zu beheben. Um diese Forschungslücken zu schließen, habe ich mir zum Ziel gesetzt, eine empirische Untersuchung englischer Entlehnungen durchzuführen und mittels statistischer Methoden die Dynamik des Entleh-

2 Z. B. Langner (1995), Augst (1992), Pfitzner (1978), Carstensen (1979b), Eisenberg (2001), Zürn (2001), Nettmann-Multanowska (2003), Adler (2004). 3

Die Arbeiten mit diesem Schwerpunkt werden im Kap. „Forschungslage“ vorgestellt.

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S. Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“.

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nungsprozesses aus dem Englischen ins Deutsche durch den Vergleich zweier Zeitebenen 1994/2004 und 1954/1964 aufzuzeigen. 5 Dieses Ziel muss durch folgende Teilziele näher bestimmt werden: Erstens präzisiert die vorliegende Arbeit theoretische und terminologische Grundlagen der Sprachkontaktforschung unter besonderer Berücksichtigung des Entlehnungsprozesses aus dem Englischen ins Deutsche. Zweitens besteht die zentrale Aufgabe der Arbeit darin, die bisherigen Vermutungen – dass ein weiterer Anstieg der Anglizismenanzahl vorliegt und der Gebrauch von Anglizismen über einen längeren Zeitraum stabil bleibt, oder dass die Anglizismen als „Eintagsfliegen“ und Modeerscheinungen schnell wieder aus dem Sprachgebrauch verschwinden – zu bestätigen oder zu widerlegen. Im Zentrum des Interesses steht auch die Frage, in welchen Themenbereichen das Englische die deutsche Sprache beeinflusst und welches Ausmaß dieser Einfluss annimmt. Deshalb werden drittens die aufgefundenen Anglizismen nach Wortarten und Sachgebieten, genauer nach Zeitungsrubriken, aufgeschlüsselt und es wird die Entwicklung der Verwendungshäufigkeiten von Anglizismen aufgezeigt. Es wurde darauf verzichtet, Aussagen über einzelne Lexeme zu machen. Auf die morphologische Analyse von Anglizismen in der deutschen Sprache sowie Besonderheiten ihrer Schreibung, Flexion und auf ihre stilistische Wirkung wird in dieser Arbeit ebenfalls nicht eingegangen, da dies bereits in zahlreichen anderen Untersuchungen geschehen ist. 6 Einen Exkurs über die erwähnten Fragen enthält allerdings der theoretische Teil der Arbeit. Das Ziel der Untersuchung sowie ihre Teilziele setzten folgende Untersuchungsmethoden voraus: Für die Materialgewinnung wird ein Stichprobenverfahren angewendet, wobei auf das Auswahlverfahren der 5 Aus diesen Fragestellungen wird deutlich, dass sich die vorliegende Arbeit mit der aktuellen Entwicklung der 1990er und 2000er Jahre befasst und durch den Vergleich mit einer früheren Untersuchung von B. Engels (1976) über die Zeitebene 1954/1964 einen diachronen Überblick über 50 Jahre hinweg, von der Nachkriegszeit bis heute, gibt. 6 Z. B. Langner (1995), Augst (1992), Pfitzner (1978), Carstensen (1979b), Eisenberg (2001), Zürn (2001), Nettmann-Multanowska (2003), Adler (2004).

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Stichprobe großer Wert gelegt wird. Innerhalb der Stichprobe werden die Anglizismen mittels der vergleichend-gegenüberstellenden sowie der formalen Analyse bestimmt. Die weitere Bearbeitung des aufgefundenen Materials erfolgt mit Hilfe der quantitativen Analyse. Für die Ermittlung der Veränderungen im Subsystem Anglizismen werden statistische Methoden angewendet. Nach einer Voranalyse der Daten wurde entschieden, die relative Häufigkeit und die Streuung als Kategorien für die Beschreibung der Anglizismen zu wählen. Die berechneten Werte sollen quantitative und qualitative Eigenschaften der Anglizismen beschreiben. Um die Zahlen zu relativieren, werden die Anteile der Anglizismen auf den Zeitungsseiten innerhalb der Stichprobe berechnet. Nach dem in der Sprachstatistik bekannten Textblockgesetz (FrumkinaGesetz) soll die Dynamik der neu auftretenden Anglizismen gemessen werden. Anhand des Vergleichsverfahrens werden im weiteren Verlauf der Arbeit die Tendenzen der Dynamik im Anglizismengebrauch über einen längeren Zeitraum abgeleitet. Die Arbeit ist in neun Teile gegliedert. Der Einleitung, in der das Thema und die Struktur der Arbeit vorgestellt werden, folgt ein Kapitel zu den theoretischen Fragen der Entlehnung. Dieses befasst sich mit den linguistischen Grundlagen der Untersuchung. Skizziert werden die Probleme des Sprachkontakts sowie des Bilingualismus. Anschließend werden verschiedene Konzepte des Entlehnungsprozesses vorgestellt. Im nächsten Abschnitt wird der Begriff Anglizismus definiert. Eine Aufteilung nach Britizismen und Amerikanismen wurde nicht vorgenommen, da diese für die vorliegende Arbeit nicht relevant ist. Mit B. Carstensen und anderen Forschern benutze ich den Begriff Anglizismus als Oberbegriff für Entlehnungen aus allen Varietäten des Englischen. In dieser Arbeit werden unter dem Begriff Anglizismus Lexeme (einschließlich Komposita und Ableitungen) sowie Syntagmen, bei denen englisches Wortmaterial verwendet wurde und wenigstens in Resten noch zu erkennen ist, verstanden. Einen Überblick über die vorhandenen Klassifikationen sprachlicher Entlehnungserscheinungen bietet der nächste Abschnitt. Hier wird auf verschiedene Ansätze zur Verteilung der Anglizismen nach Entlehnungsarten und Wortklassen sowie auf das Problem der Zuordnung von Anglizismen zu einzelnen Sachbereichen eingegangen. 13

Anschließend werden innen- und außersprachliche Faktoren, die sowohl in positiver als auch negativer Weise – fördernd bzw. hemmend – die Entlehnung beeinflussen, vorgestellt und durch Beispiele aus dem Bereich des englisch-deutschen Sprachkontakts erläutert. Dabei wird der historische Rahmen der englischen Einflüsse auf das Deutsche berücksichtigt. Bei der Darstellung des Problems bin ich mir dessen bewusst, dass das Englische nicht als eine einheitliche Sprache funktioniert, sondern vielmehr als ein polydisperses System 7 definiert werden könnte. Wichtig bei der Entwicklung eines Anglizismus ist das Stadium, in dem er seine exogenen Merkmale aufgibt und sich der Zielsprache anpasst. Dieser Prozess wird durch verschiedene Termini beschrieben, deren Interpretationen sich erheblich unterscheiden. Im darauffolgenden Abschnitt wird der Versuch unternommen, diese Termini voneinander abzugrenzen. Im Anschluss daran setzt sich die Arbeit mit der Anpassung als mehrstufigem Prozess der Angleichung des Anglizismus an verschiedene Subsysteme der Sprache auseinander, den man aus zwei Perspektiven betrachten muss: Neben der systemlinguistischen Integration, die phonetische, graphische, morpho-syntaktische und lexikalischsemantische Integration meint, spricht man von der soziolinguistischen Integration. Im nächsten Abschnitt werden einige Integrationsmodelle diskutiert. Das zweite Kapitel der Arbeit gibt einem Überblick über den Forschungsstand auf dem Gebiet der englisch-deutschen Sprachkontaktforschung mit besonderem Akzent auf den empirischen Untersuchungen. Die Forschungsarbeiten werden im Hinblick auf ihre Bedeutung für die vorliegende Arbeit und ihre Aktualität beschrieben. In Kapitel 3 werden die der Materialerhebung zugrunde liegenden Gegebenheiten eingehend erörtert. Als Basismaterial dieser Arbeit dienen Texte aus den zwei Jahrgängen 1994 und 2004 der Tageszeitung Die WELT. Das exzerpierte Material ist das Resultat einer Stichprobenerhebung. Bei dem Selektionsverfahren wurde angestrebt, eine möglichst differenzierte Textgrundlage zu gewinnen, um die qualitativen und 7 Der Terminus „polydisperses System“ wird als ein heterogenes Mehrkomponentensystem verstanden, wobei seine Bestandteile unterschiedliche Größen besitzen (vgl. Lexikon der Chemie 2001, Eintrag „Disperses System“).

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quantitativen Eigenschaften des englischen Lehngutes möglichst vielseitig zu beleuchten. Die Belege sollen die Verwendung von englischsprachigen Elementen in Texten demonstrieren. Die Wahl publizistischer Texte ist dadurch zu erklären, dass sie in ihrer graphisch fixierten Erscheinungsform leicht zugänglich und verifizierbar sind und dass sie als Vermittler und Exponenten verschiedener Formen des öffentlichen Sprachgebrauchs eine wichtige Rolle spielen. Das Hauptgewicht wurde auf die Tageszeitung gelegt, die eine Sonderstellung innerhalb des Pressewesens einnimmt. Sie erscheint periodisch (sechsmal pro Woche) und erreicht oft einen viel größeren Leserkreis als andere Zeitungsgattungen (s. Grafik 2). Dazu kommt, dass sie ein breites Spektrum politischer, wirtschaftlicher und kultureller Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens behandelt, was sie zu einem besonders interessanten Untersuchungsobjekt macht. Des Weiteren wird das Profil von Die WELT erläutert sowie soziale Charakteristika der Leserschaft der Zeitung angeführt. Die Wahl der Jahre 1994 und 2004 soll bestimmte wirtschaftliche, politische und kulturelle Entwicklungsphasen und -perioden so weit wie möglich berücksichtigen. Im abschließenden Unterkapitel werden die Kriterien für die Aufnahme in das Korpus geschildert und Nachschlagewerke für die Bestimmung der Anglizismen vorgestellt. In Kapitel 4 werden die Methodik und die Prinzipien der Materialgewinnung aufgezeigt sowie das Auswahlverfahren und die geleisteten Berechnungen ausführlich beschrieben. Die Zeitungen wurden manuell ausgewertet. Bei ausgezählten Anglizismen sind die Mehrfachentlehnungen, d. h. die Wiederholungen der Lexeme (tokens), inbegriffen. Als Stichprobeneinheit wurde die Seite gewählt. Der letzte Teil – Kapitel 5 – besteht aus der Beschreibung und Interpretation der statistischen Ergebnisse und einigen Bemerkungen zum Entlehnungsprozess. Mittels statistischer Berechnungen und Analysen werden Werte wie Häufigkeit und Streuung ermittelt. Sie müssen Aussagen über das quantitative Ausmaß des englischen Einflusses sowie über Stabilität und Beständigkeit der aufgenommenen Anglizismen ermöglichen. Die Verwendungshäufigkeit der Anglizismen wird nach Sachgebieten und nach Wortarten aufgeschlüsselt. Aussagen über die Verteilung der Anglizismen nach Wortarten sind nutzlos, wenn nicht die prozentualen Anteile der Wortarten innerhalb des deutschen 15

Sprachsystems ermittelt werden. Ich habe es als meine Aufgabe angesehen, diese Werte für die Substantive, Verben und Adjektive im Rahmen des untersuchten Korpus zu errechnen und mit den bereits bekannten Angaben zur Verteilung der Lexeme nach den Wortarten innerhalb des deutschen Sprachsystems zu vergleichen. Die Vorkommenshäufigkeiten von Anglizismen in den Jahrgängen 1994 und 2004 werden in den Abschnitten „Analyse der empirischen Daten“ und „Dynamik des Anglizismenauftretens“ gegenübergestellt. Allgemeine Tendenzen der vorliegenden Arbeit vergleicht der Abschnitt „Vergleich der Anglizismenhäufigkeiten in den Jahrgängen 1994/2004 und 1954/1964“ mit den Ergebnissen der in 70er Jahren von B. Engels durchgeführten Untersuchung. Auf diese Weise wird es möglich sein, die Dynamik des Anglizismengebrauchs zu verfolgen. Die Ergebnisse des Vergleichs werden mit Hilfe einer anderen Methodik (FrumkinaGesetz) überprüft und bestätigt. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einer Zusammenfassung, einem Literaturverzeichnis und einem Anhang. Folgt man W. Viereck, wird das Kapitel mit den Ergebnissen auch keinen vollständigen Überblick bieten. 8 Was es aber leisten kann, ist die Beantwortung der oben skizzierten Kernfragen.

8 „Auf Grund der ständigen Zunahme englischer Entlehnungen im Deutschen auf vielen Gebieten ist es höchst unwahrscheinlich, dass wir jemals eine vollständige wissenschaftliche Studie über den englischen Einfluss aufs Deutsche […] haben werden. Für das gegenwärtige Jahrhundert eine solche Darstellung zu erwarten, ist vollkommen illusorisch: der englische lexikalische und semantische Einfluss hat derartige Dimensionen angenommen, die eine vollständige und zuverlässige Dokumentation unmöglich machen“ (Viereck 2004; 3320).

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A.

Theoretischer Teil

1. Terminologische Überlegungen zum Entlehnungsprozess unter besonderer Berücksichtigung der Entlehnung aus dem Englischen Wie in der Einleitung skizziert, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit den Anglizismen im Deutschen. Unter den Wirkungen des Sprachkontakts auf die beteiligten Sprachen ist aus Sicht der vorliegenden Arbeit vor allem die Entlehnung interessant. Rezipiert man die Fachliteratur zur Frage der Entlehnung, stößt man auf die Problematik unterschiedlicher Auslegungen linguistischer Termini. So füllt z. B. C. Földes (2005; 73ff.) mehrere Seiten mit unterschiedlichen Interpretationen der Begriffe „Kode-Umschaltung“, „Entlehnung“, „Transferenz“. Im folgenden Kapitel sollen die für diese Arbeit relevanten Ansätze und Definitionen der zentralen Begriffe vorgestellt und abgegrenzt werden. Bei der Darstellung des Konzepts der Entlehnung muss man erwähnen, dass die Übernahme von Neuerungen Sprachkontakt voraussetzt, d. h., dass es Entlehnungen ohne Sprachkontakt nicht geben kann. Die einfachste Art des Einflusses, den eine Sprache auf eine andere ausüben kann, besteht in der Entlehnung von Wörtern (vgl. Sapier 1961; 174). Später, mit Blick auf sprachliche Teilsysteme, findet U. Weinreich eine Erklärung dafür, warum gerade das Lexikon einer Sprache so offen für Übernahmen ist. Er geht von der Struktur dieses Teilsystems aus: „Das Vokabular einer Sprache, das ja sehr viel lockerer strukturiert ist als ihr Phonemsystem, ist ohne Frage der Bereich für Entlehnung“ (Weinreich 1977; 79).

In neueren Arbeiten, speziell im Bereich der deutsch-englischen Lehnvorgänge, finden sich in Bezug auf die lexikalische Ebene mit der steigenden Zahl der Übernahmen ins Deutsche mehrfache Bestätigungen von Sapirs Feststellung: “As far as the impact of English on German is concerned, the lexical level is indeed the primary source of influence, as verified by several studies of anglicisms in German” (Onysko 2007; 47f.).

Die Lexik jeder Sprache unterliegt Wandlungen, erstens auf Basis der eigensprachlichen Wörter und Wortbildungselemente (Wortbildung, Bedeutungsveränderung) und zweitens auf der Basis fremdsprachlicher 19

Wörter und Wortbildungselemente (Entlehnung und Lehnwortbildung). Bei lexikalischer Entlehnung und Wortbildung, einschließlich Lehnwortbildung, entstehen neue Lexeme, während der Bedeutungswandel die Modifizierung der Inhaltsseite im neuen Kontext meint. Unter diesen Prozessen nimmt, wie L.V. Vasil´eva 9 schreibt, die Entlehnung einen besonders vielstufigen, vielseitigen und unbeständigen Charakter an (vgl. Vasil´eva 2004; 9). 1.1. Terminologie des Sprachkontaktes Zu bemerken ist, dass die Problematik des Sprachkontakts schon länger wissenschaftlich untersucht wurde: Language contact as a historical fact has been acknowledged since antiquity, but not, however, as a phenomenon worthy of study […] But only in the last decades of the nineteenth century did questions of language contact become an area of scientific interest (Oksaar 1996; 1f.).

Obwohl über die „Sprachen im Kontakt“ seit der Antike und vermutlich noch früher diskutiert wurde und das Thema seit dem 19. Jahrhundert an Interesse gewann – wie das angeführte Zitat belegt –, findet sich der Terminus Sprachkontakt in den von mir rezipierten wissenschaftlichen Arbeiten so gut wie nicht. So äußerte sich z. B. H. Paul zum Phänomen der Sprachmischung. Darunter verstand er im weiten Sinne die Mischung von Individualsprachen, sobald sich zwei Individuen miteinander unterhalten und im engeren Sinne die Beeinflussung einer Sprache durch eine andere bzw. einer Mundart durch eine andere oder aber auch Übernahmen aus einer älteren Epoche der gleichen Sprache, wenn schon Untergegangenes neu aufgenommen wird (vgl. Paul 1995; 390f., Nachdruck der Auflage 1880). Somit verwendete er den Begriff interund intrasprachlich, gleichzeitig aber synchron und diachron. Auch H. Schuchardt (1883) schrieb über die Sprachmischung, indem er dieser die größte Bedeutung unter allen sprachwissenschaftlichen Problemen beimaß und dazu aufforderte, die Sprachmischung und Mischsprachen zu erforschen (vgl. Spitzer 1922; 128ff., auch Oksaar 1984; 662f.).

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Die Transliteration aus dem Russischen wurde in dieser Arbeit nach ISO 9 (1995) vorgenommen.

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Vermutlich steht die von H. Paul (1995; 400) und O. Behagel (1958; 128) verwendete metaphorische Bezeichnung „die Berührung zweier Sprachen“ dem Begriff Sprachkontakt nah. Ebenso befasste sich L.V.Ŝerba mit dem linguistischen Phänomen der Sprachmischung. In seiner Abhandlung „Zum Begriff der Sprachenmischung“ (1925, Nachdruck 1958; 40ff.) kritisierte er den Begriff „Sprachenmischung“ und nannte ihn „einen der verschwommen Begriffe in der modernen Sprachwissenschaft“ (Ŝerba 1958; 40). Des Weiteren versuchte er die Begriffe „Sprachenmischung“, „wechselseitige Einflüsse der Sprachen“, „Entlehnung“ u. a. m. vorwiegend unter der Berücksichtigung des diachronen Aspekts des Sprachkontakts auseinanderzuhalten. Sehr breit interpretierte J. Baudouin de Courtenay die Sprachmischung: Erstens als Mischung von Individualsprachen der Erwachsenen bei der Bildung der eigenen Sprache des Kindes, zweitens als Mischung innerhalb der Familie, drittens als Mischung an den Staatsgrenzen und, viertens als chronologische innensprachliche Mischung wie bei H. Paul (vgl. Baudouin de Courtenay 1963; 363ff.). Bei seinen Ausführungen zum Terminus Sprachbund verstand N.S. Trubeckoj Sprachmischung im Kontext der Babylonischen Sprachverwirrung als Herstellung der Vielfalt von Sprachen und Kulturen (Trubeckoj 1923), was vom linguistischen Konzept der Sprachmischung weit entfernt ist. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass keiner der oben angeführten Wissenschaftler eine klare Definition für Sprachkontakt gab. Autoren verwendeten die Termini Sprachmischung, 10 Sprachkreuzung 11 oder auch Berührung zweier Sprachen. Eingang in die Sprachwissenschaft fand der Terminus Sprachkontakt erst seit den Arbeiten von U. Weinreich, der ihn wie folgt definierte: „In der vorliegenden Untersuchung werden zwei oder mehr Sprachen als miteinander in Kontakt stehend bezeichnet, wenn sie von ein- und denselben Person abwechselnd gebraucht werden“ (Weinreich 1977; 15).

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Z. B. O. Jespersen (2003; 171).

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Z. B. Baudouin de Courtenay (1963; 363ff.).

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Somit beschreibt Weinreichs Begriffsbestimmung die Bedingungen des Sprachkontakts unter dem psycholinguistischen Blickwinkel, denn sie ist ganz auf die einzelnen sprechenden Menschen bezogen und ruft die Frage hervor, was in den sprechenden Individuen vorgeht, wenn sie abwechselnd zwei oder mehr Sprachen gebrauchen. 12 Diese Tatsache wirkt irritierend und veranlasst Forscher, wie z. B. G. Tesch dazu, zu behaupten, dass Weinreichs Verständnis des Sprachkontakts zu eingeschränkt sei (vgl. Tesch 1978; 55). Tatsächlich berücksichtigt auch U. Weinreich die Gruppen von Zweisprachigen und somit den soziokulturellen Rahmen des Sprachkontakts, indem er die Bedingungen erfasst, unter denen der Einfluss einer Sprache auf die andere möglich ist (vgl. Weinreich 1977; 18). Schon er sieht ein, dass Sprachkontakte auf zwei Ebenen funktionieren: Sie sind vor allem im Bewusstsein eines Individuums präsent, aber eine linguistische Bedeutung gewinnen sie nur in der Gesellschaft, denn geht man von den Folgen des Sprachkontakts – Entlehnungen – aus, gelangen nur diejenigen langfristig in den festen Wortschatz, die eine Verbreitung in der Gesellschaft finden. Anders ausgedrückt ist, ein direkter oder indirekter Kontakt von zwei Gemeinschaften ist für den Sprachkontakt wichtig. Nichtsdestotrotz versuchen J. Bechert und W. Wildgen eine soziolinguistische Ergänzung zu Weinreichs Terminus zu liefern. Worin diese besteht, erschließt sich mir jedoch nicht, da sich ihre Definition nicht wesentlich von der Weinreichs unterscheidet: „Zwei oder mehr Sprachen stehen in Kontakt miteinander, wenn sie in derselben Gruppe gebraucht werden“ (Bechert/Wildgen 1991; 1, ebenso Riehl 2004; 11).

A.E. Karlinskij schlägt vor, den Terminus Sprachkontakt linguistisch auszulegen. „In dieser Hinsicht könnte man den Sprachkontakt folgenderweise definieren: zwei Sprachen (A und B) stehen im Kontakt, wenn ein Text in der Sprache A (parole) Elemente und/oder Beziehungen der Sprache B enthält und umgekehrt, ein Text in der Sprache B Elemente und/oder Beziehungen der Sprache A hat, sowie wenn Elemente und/oder Beziehungen der Sprache A in das System

12 Dieser Fall wird in der Linguistik unter dem Konzept der „Kode-Umschaltung“ diskutiert (s. Földes 2005; 73ff., Heller/Pfaff 1996; 594ff., Tesch 1978; 55; Riehl 2004; 19ff.).

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der Sprache B (langue) eindringen und da festzustellen sind, und umgekehrt“ 13 (Karlinskij 1984; 11, meine Übersetzung – S.B.).

Diese Definition behandelt also die Ergebnisse des Sprachkontakts auf allen Sprachebenen sowie im Bereich des Sprachsystems und der Sprachverwendung 14 unter wechselseitigen Einflüssen der Sprachen aufeinander. Im Grunde genommen geht es hier um Entlehnungen oder Interferenzen (vgl. Definitionen in MLS 2004; 2663f. und 4300f.). Eine Definition, die sowohl die Bedingungen für einen Sprachkontakt als auch dessen Folgen beschreibt, ist die von Th. Lewandowski: „Sprachberührung oder gegenseitiges Aufeinanderwirken von Sprachen aufgrund kommunikativer Interaktionen von Sprechern unterschiedlicher Sprachen unter besonderen geographischen, historisch-politischen, kulturellen und sozialen Gegebenheiten mit erkennbaren Einflüssen von Sprachen aufeinander, die als Sprechgewohnheiten und u.U. bleibende Sprachveränderungen manifest werden“ (Lewandowski 1994; 1026f.).

C.M. Riehl dehnt den Begriff des Sprachkontakts auf einzelne Varietäten einer Sprache, z. B. Dialekte, aus und resümiert Sprachkontakt als Aufeinandertreffen verschiedener Sprachen oder Varianten einer Sprache entweder im Kopf eines mehrsprachigen Sprechers oder in mehrsprachigen Gruppen (vgl. Riehl 2004; 12). Dadurch unterscheiden sich die Begriffe Sprachkontakt und Bilingualismus, denn mit Bilingualismus wird vor allem „das Zusammenwirken von zwei Sprachsystemen im Bewusstsein eines Individuums“ (Levickij 2004; 91, meine Übersetzung – S.B.) oder „Charakterisierung des persönlichen (individuellen) sprachlichen Verhaltens“ (Sinner 2001; 126) gemeint. Folglich stehen beim Begriff Sprachkontakt die beteiligten

13 Das Zitat im Original: „В связи с этим значение термина «языковые контакты» можно было бы определить следующим образом: два языка (А и Б) находятся в контакте, если речь (текст), порождаемая на языке А, содержит в себе элементы и/или отношения языка Б, или наоборот, речь на языке Б включает в себя элементы и/или отношения языка А, а также если элементы и/или отношения языка А проникают и обнаруживаются в системе языка Б, и наоборот“. 14

Sprachsystem und Sprachverwendung werden hier im Sinn von P. von Polenz (1973; 127) verstanden, nämlich sozial – abstrakt vs. individuell – realisiert.

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Sprachen und beim Bilingualismus die Fähigkeiten der Sprachträger im Mittelpunkt (ähnlich Bechert/Wildgen 1991; 1ff. und Riehl 2004; 11). 15 Die Begriffe Sprachkontakt und Bilingualismus sind somit nicht identisch, und sie können einander auch nicht als Art und Gattung gegenübergestellt werden. Nach Meinung von A.E. Karlinskij handelt es sich dabei um zwei verschiedene Aspekte (strukturell-substantieller und nichtstrukturell-funktioneller) einer Erscheinung, und zwar der Sprachinteraktion. Trotz einer engen Verbindung zwischen diesen zwei Begriffen ist der Umfang der Inhalte, die sie widerspiegeln, unterschiedlich (vgl. Karlinskij 1984; 12). Sprachkontakt, der individuelle und gruppenorientierte Perspektive beinhaltet, ist somit breiter als Bilingualismus, 16 der ganz und gar an den sprachlichen Fähigkeiten eines Individuums orientiert ist. Somit ist Bilingualismus kein dauerhafter sprachlicher Zustand, sondern ein relatives Konzept, denn das Verhältnis von kontaktierenden Sprachen kann sich in einem dynamischen Kontinuum entsprechend der Funktionsbereiche und Anwendungshäufigkeit der beiden Sprachen immer wieder verschieben (vgl. Gräfe-Bentzien 2001; 53, ähnlich Földes 2005; 11). Da bei Sprachkontakt die eine Sprache ihre Elemente und/oder Strukturmuster vermittelt und die andere diese aufnimmt, ist es angebracht, zwischen folgenden Arten der in Kontakt tretenden Sprachen zu unterscheiden (verschiedene Linguisten nennen verschiedene Bezeichnungen): Kontakt-, Ursprungs-, Quell-, Herkunfts-, Ausgangs-, Geber- oder Modellsprache für die Sprache, die als Quelle gilt, und Ziel-, Nehmer-, Empfänger-, Replika-, Gast- oder Matrixsprache für die Sprache, die die Folgen des Sprachkontakts aufweist. In einigen Fällen gibt es eine Vermittlersprache. Ich werde im Folgenden generell die Termini „Quell-“ bzw. „Zielsprache“ verwenden. 15 Dabei verstehe ich unter Bilingualismus die Fähigkeiten der Sprachträger, Sprache als Muttersprache zu benutzen. Alle andere Sprachkompetenzen, z. B. der sogenannte „Bildungsbilingualismus“ (s. Schulte-Beckhausen 2002; 34f.), gehören zur Fremdsprachenkompetenz. Relevant sind für diese Arbeit also Sprachbenutzer mit deutscher und englischer Sprachkompetenz. 16

Im Hinblick auf die Entlehnung ist zwischen individueller Zweisprachigkeit (Bilingualismus) und Sprachenkompetenz zu unterscheiden. Die muttersprachliche Kompetenz ist als Voraussetzung für die Entlehnung nicht unbedingt erforderlich. Auch geringe Sprachkenntnisse können genügen.

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Auch heute wird das terminologische System der Sprachkontaktforschung noch immer erweitert. So bezeichnet z. B. J. Ajdukovič die Kontaktlinguistik als linguistische Kontaktologie. Im Rahmen seiner Theorie heißt eine Kontakteinheit Kontaktem. „Ein Kontaktem ist ein aktivierter und/oder ein auf einer bestimmten Sprachebene der Zielsprache abgespiegeltes Element der Quellsprache“. 17 Zur Abgrenzung von Kontaktemen auf verschiedenen Sprachebenen führt er einige weitere Termini ein: „Als Kontaktem auf der phonologischen Sprachebene gilt das Kontaktophonem, Kontaktographem, Kontaktem der Lautverteilung, Kontaktem der Betonung, auf der Ebene der Wortbildung Wortbildungskontaktem, auf der morphologischen Ebene morphologisches Kontaktem, auf der semantischen Ebene Kontaktosem, auf der stilistischen Ebene Kontaktostilem, auf der syntaktischen Ebene Kontaktosyntaktem, auf der lexikalischen Ebene lexikalischer Ismus“ (Adjukovič 2004a und 2004b, meine Übersetzung – S.B.).

Aus dem oben Angeführten folgen zwei Aspekte: Erstens ist die Anzahl der Termini in der Sprachkontakt- und Entlehnungstheorie ziemlich groß. Das hat Vor- und Nachteile. Das Positive daran ist, dass die Akkumulation der Termini es ermöglicht, die treffendsten aus diesen zu wählen und dadurch die Terminologie zu vervollständigen. Eine große Anzahl von Termini und ihrer lexikalisch-semantischen Varianten kann jedoch auch nachteilig sein und die Korrelation zwischen den Begriffen und deren Inhalten verletzen, was wiederum die wissenschaftliche Kommunikation der Linguisten erschweren kann. Zweitens wird die bereits etablierte Terminologie nicht einheitlich ausgelegt. Dies wurde an zentralen Begriffen der Sprachkontaktforschung wie z. B. Sprachkontakt und Bilingualismus bereits gezeigt. Im weiteren Verlauf der Arbeit komme ich auf dieses Problem zurück, z. B. bei den Termini Interferenz und Transferenz. 18 Aber auch die Vorstellungen vom Wesen der Entleh17

Das Zitat im Original: „Контактема – это активированный и/или отображаемый на определенном языковом уровне элемент языка-источника в языке-адресате. […] В роли контактемы на фонологическом уровне выступают контактофонема, контактографема, контактема распределения звуков, контактема ударения, на словообразовательном – словообразовательная контактема, на морфологическом – морфологическая контактема, на семантическом – контактосема, на стилистическом – контактостилема, на синтаксическом – контактосинтаксема, а на лексическом уровне – лексический изм“ (Hervorhebung im Original – S.B.).

18

S. dazu Kap. „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“.

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nung variieren. Diese Problematik soll das Thema des nächsten Kapitels sein. 1.2. Sprachliche Entlehnung Aus allen Ergebnissen und Folgen des Sprachkontakts 19 erscheint für die vorliegende Arbeit vor allem die Entlehnung interessant. Trotz umfangreicher Literatur zu Entlehnungsfragen gibt es keine einheitliche Meinung darüber, was Entlehnung eigentlich ist. Die Substrat-Theorie postuliert, dass die Wirkung einer Sprache auf die andere durch die Übernahme oder Entlehnung der Elemente erfolgt: “When an ethnic group gives up its mother tongue because a new language is imposed on it, e.g. by subjugation, it carries over certain elements of the L1 to the L2 and thereby influences the overlying language” (Oksaar 1996; 2). „Je nachdem, ob Wirkungen von der sozial „höherstehenden“ Sprache auf die „tieferstehende“, in umgekehrter Richtung oder zwischen „gleichwertigen“ Sprachen verlaufen, spricht man von Superstrat, Substrat und Adstrat“ (vgl. MLS 2004; 1436).

Die Sub-/Ad-/Superstrat-Konzeption impliziert, dass eine Kontaktsprache verschwindet, aber ihre Spuren in der anderen Kontaktsprache hinterlässt. In dieser Arbeit liegt der Schwerpunkt auf dem Sprachkontakt, bei dem die Kontaktsprachen als eigenständige Einheiten weiter bestehen, auch wenn sie sich gegenseitig beeinflussen. Davon ausgehend wird die Entlehnung nicht als Ursache für Sprachwechsel, sondern als Ursache für Sprachwandel betrachtet, weshalb hier auf die Phänomene Substrat, Superstrat und Adstrat nicht ausführlicher eingegangen wird. Im Weiteren sollen die Ansichten dargestellt werden, die die Entlehnung im Rahmen des Sprachwandels beschreiben. Nach einer Analyse der Sekundärliteratur kam L.V. Vasil´eva zu dem Befund, dass in der Sprachwissenschaft beim Erfassen der inhaltlichen Seite des Entlehnungsprozesses gegensätzliche Ansichten vertreten sind, die eine eigene Logik für die Erklärung der wesentlichen Aspekte

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Zu den Ergebnissen und Folgen des Sprachkontakts s. ausführlich Bechert/Wildgen 1991; 55ff.

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von sprachlichen Entlehnungen im Allgemeinen und speziell von lexikalischen Entlehnungen prägt (vgl. Vasil´eva 2004; 10). Traditionell wird die Entlehnung als Übernahme, Versetzung, Transfer, Übergang, „bringing over“ 20 von Elementen einer Sprache in eine andere dargestellt. Dabei wird die Entlehnung als Hyperonym für Prozess und Ergebnis der Übernahme postuliert. Vgl. z. B. die Definition aus dem Metzler Lexikon Sprache (MLS): Entlehnung (auch: Transferenz. Engl. borrowing, loan, frz. emprunt) Sowohl Prozeß als auch Resultat der Übernahme eines sprachl. Ausdrucks aus einer Spr. A in eine Spr. B, die häufig mit der Übernahme der so bezeichneten und vorher unbekannten oder ungebräuchlichen Gegenstände, Verfahrensweisen usw. durch die Sprachgemeinschaft B einhergeht (MLS 2004; 2663f.).

Als Synonym zum Terminus „Entlehnung“ wird „Transferenz“ 21 angegeben, wobei an einer anderen Stelle im MLS die Transferenz speziell als die augenfälligste und insgesamt am weitesten verbreitete Form der Interferenz, und zwar als die Entlehnung von Lexemen präzisiert wird (vgl. MLS 2004; 4300f.). 22 Ergänzend zu dieser Definition kann hiermit die Erkenntnis von H. Munske angeführt werden, dass die Entlehnung ihren prozesshaften Charakter als Phänomen der Parole hat (vgl. Munske 2004; 159 sowie Fußnote 5 und 160). Davon lässt sich ableiten, dass die Entlehnung als Resultat langue-bezogen beschrieben werden kann. Diesem weit verbreiteten Standpunkt steht die Auslegung der Entlehnung als Bildung der Elemente aus eigenen Sprachmitteln durch kreatives Imitieren, Näherungskopieren oder strukturelles Modellieren nach fremdsprachlichen Mustern gegenüber. Den Gedanken an die Wiederherstellung, Nachbildung oder an das Kopieren bauen L.I. Il´ina und O.V. Syčëva (1998) aus. Das Modell des Entlehnungsprozesses stellen 20 Nach M. Clyne 1991; 160. Vgl. Clynes Definition von Transferenz in Kap. „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“. 21 Anders definiert G. Inghult Transferenz: Er versteht darunter Prozesse der direkten Übernahme sowie der Bedeutungsveränderung unter der Wirkung des Englischen. Das Resultat dieser Prozesse wird „Transferat“ genannt (vgl. Inghult 2002; 2). 22 Zum Begriff „Transferenz“ s. ausführlicher im Kap. „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“. In diesem Kapitel wird das Phänomen der lexikalischen Entlehnung aus unterschiedlichen Blickrichtungen diskutiert.

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L.I. Il´ina und O.V. Syčëva wie folgt vor: Das entlehnte Wort werde ursprünglich in der Nehmersprache geschaffen, weil die Vorstellung vom Übergang der Fremdelemente nicht in das kommunikative Modell der Sprache passe. Der reale Sprachkontakt vollziehe sich über die sprachliche Interaktion bilingualer und monolingualer Sprachträger, indem die Adressaten die Sprachkontexte der Zielsprache in den systemischen Invarianten dieser Sprache interpretierten. Daher könne eine Sprache nichts Fremdes beinhalten. Die Sprache könne nur selbst durch ihre eigenen Mittel neue Elemente schaffen. Diese Stellungnahme teilt T.N. Mamontova (2004; 14). Ursprüngliche lexikalische Innovation, die in Form des interferierten Zitats in der Rede eines Bilingualen vorkommt, wird dann, bei der Dekodierung, in syntagmatischen und paradigmatischen Systemverhältnissen assimiliert, gibt ihre Fremdheit auf und wird zum lexikalischen Invarianten der Zielsprache. Laut dem Konzept über die kreative Nachbildung sind ein fremdsprachliches Lexem, genauer gesagt sein Prototyp, und das entlehnte Wort voneinander völlig getrennt, denn genetisch stamme die Entlehnung nicht von einem fremdsprachlichen Lexem, sondern von seiner spezifischen Variante, die im Redekontext der Zielsprache gebraucht wurde (vgl. Il´ina/Syčëva 1998). Das traditionelle „Übernahme“-Konzept setzt den Prozess der sukzessiven Integration exogener Lexeme im System der Zielsprache voraus, während dessen die Entlehnungen langsam an die Norm 23 angepasst werden. Dabei gilt formale Assimilation 24 als vorrangiges Kriterium für die Zugehörigkeit zu der Zielsprache. Auf diesem formalen Ansatz basiert die traditionelle Einteilung der Entlehnungen in „assimiliert“ und „nichtassimiliert“ oder in Lehn- und Fremdwörter. 25 Unter letzteren 23

S. Näheres zur Norm im Kap. „Integrationsmodelle“.

24

Zum Terminus Assimilation sowie zu den Dimensionen der Integration s. Kap. „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“. 25

Die traditionelle Opposition Fremdwort vs. Lehnwort ist berechtigter Kritik ausgesetzt. „Für die Integration eines fremdsprachlichen Lexems sind strukturelle und vor allem sprachsoziologische Faktoren ausschlaggebend“ (Kirkness 1976; 226). Eine Klärung des Fremdwortbegriffs scheint immer noch nicht gefunden worden zu sein. Mehrere Versuche, den Begriff Fremdwort zu verdeutlichen, wurden im Rahmen des Projekts „Deutsches Fremdwörterbuch“ vom Institut Deutsche Sprache in Mannheim unternommen. A. Kirkness kritisiert den Fremdwortbegriff als ungeeignet, alle fremdsprachliche Einflüsse, und zwar das so genannte innere Lehngut beschreiben zu können. Mehr dazu im Kap. „Kate-

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finden sich durchaus oft gebrauchte, usuelle, aber formal nicht assimilierte Fremdwörter wie z. B. Lexikon, Atlas. Daraus folgt, dass innerhalb des Sprachsystems exogene Subsysteme existieren. 26 Im Rahmen des „Übernahme“-Konzepts werden logischerweise lexikalische Entlehnung, d. h. eigentliche Übernahme, 27 und Lehnübersetzung einander gegenübergestellt. Anders stellt das „kreative“ Konzept die lexikalische Entlehnung dar, und zwar als Kreation von Lexemen aus eigenen Mitteln der Zielsprache nach fremdsprachlichen Mustern. Auf diese Weise entstandene Einheiten als „Fremdwörter“ zu benennen, erscheint den Vertretern dieses Konzepts höchst unlogisch. Genauso unlogisch ist es demnach, diese Lexeme als formal unassimiliert zu bezeichnen. Ihre Zugehörigkeit zur Sprache soll nicht nach formaler Assimilation, sondern nach der Gebrauchsfrequenz bestimmt werden. 28 Usuelle Lexik gehört zur sprachlichen Norm. 29 In diesem Sinn gibt es keine usuellen und nichtassimilierten Fremdwörter, also überhaupt keine Fremdwörter. Somit erklärt das „kreative“ Konzept lexikalische Entlehnung als eine weit gefasste Erscheinung einschließlich aller Typen der Lehnprägung. Allerdings führen die Autoren nicht aus, wie die Usualität von entlehnten Einheiten gemessen werden kann, nach welchen Kriterien sie beschrieben werden soll. Sie machen auch keine Vorschläge, wie die entlehnte Lexik nach dem Grad der Gebräuchlichkeit klassifiziert werden kann. Die Vorlagen zum „kreativen“ Konzept waren in der Literatur noch vor L.I. Il´ina und O.V. Syčëva vertreten. So kritisiert E.N. Gibalo die traditionelle Bezeichnung des Entlehnungsprozesses als „Transfer“ und schreibt, dass das Wort „Transfer“ den mechanischen Charakter des gorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“. Kritik der Dichotomie Fremdwort – Lehnwort s. Kirkness 2007, von Polenz 1979. 26

Vgl. das Modell von P. Eisenberg im Kap. „Integrationsmodelle“.

27

S. ausführlicher zu den Entlehnungskategorien im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“. 28 Auf die formale Einseitigkeit des Fremdwort/Lehnwort-Konzepts haben noch A. Kirkness und W. Müller hingewiesen: „Der herkömmliche Fremdwortbegriff und zumal die traditionelle Fremdwort/Lehnwort-Einteilung berücksichtigt nur die Ausdrucksseite des sprachlichen Zeichens und trägt dessen Bilateralität nicht Rechnung, von pragmatischen und sprachsoziologischen Faktoren ganz zu schweigen“ (Kirkness/Müller 1976; 303f.). 29

Zum Begriff der Norm s. Kap. „Integrationsmodelle“.

29

Entlehnungsprozesses betont. Die Erschaffung und Nachbildung aber weisen auf den kreativen, aktiven Charakter der Entlehnung hin (vgl. Gibalo 1979; 18). Noch mehr Kritik äußert I.F. Narkevič. Er schreibt: „Das Wort „Transfer“ bedeutet offensichtlich die Veränderung des Aufenthaltsortes, Versetzung an eine andere Stelle und deshalb ist es wenig geeignet für die Beschreibung des Entlehnungsprozesses. Am Besten sollte man über die Erschaffung und Entstehung lexikalischer Einheiten nach einem fremdsprachlichen Muster sprechen“ 30 (zit. nach: Gibalo 1979; 18, meine Übersetzung – S.B.).

Ein ähnlicher Gedanke findet sich viele Jahre später bei C. Földes wieder: „Termini wie `Transferenz` deuten laut ihrer Etymologie darauf hin, dass etwas „hinübergetragen“ wird in eine andere Sprache. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um wesentlich mehr: Als Folge der Sprachenkontakte bzw. der Sprachenmischungen entsteht etwas Neues“ (Földes 2005; 73).

Den „kreativen“ Ansatz führen L.I. Il´ina und O.V. Syčëva auf die Junggrammatiker zurück. Die Entlehnung, wie auch jede sprachliche Veränderung, hat laut den Junggrammatikern eine individuelle Herkunft, findet aber allmählich in einem Gebiet Verbreitung und wird üblich (vgl. Paul 1995; 393). Dabei darf man nicht vergessen, dass die Idee der Aktivität und Individualität des Entlehnungsprozesses bei Junggrammatikern auf deren Psychologismus zurückzuführen ist. H. Paul unterscheidet eigentlich zwischen zwei Hauptarten der Beeinflussung durch ein fremdes Idiom. 31 Erstens kann fremdes Material aufgenommen werden. Zweitens kann, ohne dass anderes als einheimisches Material verwendet wird, doch die Zusammenfügung desselben und seine Anpassung an den Vorstellungsinhalt nach fremdem Muster gemacht werden. Die Beeinflussung erstreckt sich dann nur auf das, was Humboldt und Steinthal innere Sprachform genannt haben (vgl. Paul 1995; 392f.). Unter Beachtung der Paulschen Dichotomie wird klar, dass der Entleh30 Zitat im Original: „Слово «перемещение» недвусмысленно означает изменение местопребывания, передвижение в другое место [sic!] и поэтому представляется мало подходящим [sic!] для характеристики сущности заимствования. Проще было бы говорить о создании, о возникновении словарных единиц под влиянием иноязычного образца“. 31

Der Paulschen Dichotomie entspricht Haugens Unterscheidung, vom Blickpunkt der Aufnahmesprache aus gesehen, von zwei grundlegenden Lehnvorgängen: „importation“ und „substitution“ (vgl. Haugen 1969; 402).

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nungsprozess im zweiten Fall als kreativ erfasst werden kann. Beim Sprachkontakt greift die bilinguale Person auf die Sprachmittel der Quellsprache zurück, die immer noch exogen bleiben, wobei es natürlich auf den Grad der Fremdsprachenkompetenz ankommt. Zusammenfassend kann Folgendes festgehalten werden: In diesem Kapitel wurden zwei Theorien der Entlehnung dargestellt. Dabei stellt sich die „kreative“ Theorie dem Konzept der „Übernahme“ gegenüber. Die „kreative“ Sichtweise resultiert daraus, dass die Entlehnung und die nachfolgende Integration des entlehnten Elements nicht auseinandergehalten werden. Genauer gesagt wird der Entlehnungsprozess als der Erstgebrauch durch einen Bilingualen und als nachfolgende Anpassung an das System der Zielsprache dargestellt. Diese zwei Prozesse sind wirklich unmittelbar miteinander verbunden und schwer voneinander zu trennen. 32 Sie folgen direkt nacheinander und können als zwei Stadien eines Prozesses betrachtet werden, sie sind aber trotzdem nicht gleichzusetzen. 33 Die Zweiteilung der Entlehnung in Prozess und Resultat ist mit der Situierung in Bezug auf Synchronie und Diachronie verbunden. Im ersten Fall geht es um das Ergebnis, im zweiten um den Vorgang. Beim kreativen Ansatz steht weniger der eigentliche Entlehnungsprozess als vielmehr sein Resultat in der Zielsprache im Zentrum der Analyse. Daher erfolgt die Gleichsetzung von Entlehnung und Integration, indem man den Entlehnungsprozess syn32 Der Prozess und das Resultat der Entlehnung sind schwer auseinanderzuhalten, denn der Prozess selbst ist unmittelbar nicht erfassbar. Auf dieses Problem hat auch S. Jansen hingewiesen: „Da das mentale Lexikon des Sprechers gewissermaßen eine „black box“ darstellt, können lediglich die jeweils feststellbaren Ergebnisse des Sprachkontakts untersucht werden“ (Jansen 2005; 70, ähnlich Inghult 2002; 22). „Sollen Aussagen über die sprachlichen Mechanismen getroffen werden, auf denen die beobachtbaren Veränderungen basieren, so kann das – außer u.U. durch Introspektion – daher nur auf dem Weg der Rekonstruktion durch den Vergleich von Vor – und Nachbild geschehen“ (ebd.). 33 Bevor ein Element integriert wird, muss es erst entlehnt werden. „Entlehnung ist ein Prozeß nicht nur des Nehmens, sondern zugleich der Anpassung an die Nehmersprache, in Fachtermini: Transferenz und Integration. Übernommen wird eine lexikalische Prägung in der Regel nur in einer spezifischen Verwendung, und gleichsam huckepack mit ihr Erscheinungen des Laut- und Schreibsystems, manchmal auch der Morphologie“ (Munske 2004; 160). Die Faktoren, die Entlehnungs- und Integrationsprozesse begleiten, setzen eine klare Grenze zwischen diesen zwei Prozessen, denn in der Regel wirken die integrationsfördernden Faktoren der Entlehnung entgegen und umgekehrt (ausführlicher dazu im Kap. „Entlehnungsbegleitende Faktoren“).

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chron sieht und folglich als Schöpfungsakt bezeichnet. Die traditionelle Darstellung des Entlehnungsprozesses als Übernahme stellt dagegen offensichtlich den diachronen Aspekt in den Vordergrund und trennt somit die Übernahme von der Schöpfung, die da anfängt, wo das entlehnte Element schon zum Bestandteil der Zielsprache geworden ist. Davon ausgegangen widersprechen sich die beiden Konzepte nicht: Es geht nur um verschiedene Perspektiven (synchron vs. diachron).

1.3. Begriffsbestimmung des Anglizismus Bei der Begriffsbestimmung der Lehnwörter englischer Herkunft stößt man auf einige Probleme. Zum einen ist schon die Bezeichnung der englischen Lehnwörter in der linguistischen Literatur vom etymologischen Standpunkt aus umstritten, da sich das Englische in vielen verschiedenen regionalen, überregionalen und internationalen Erscheinungsformen manifestiert und sich inzwischen auf der ganzen Welt verbreitet hat, 34 so dass Englisch als „geografisch am weitesten verbreitete Sprache der Erde“ gilt (Glück 2000; 109). Eine schon längst in der Linguistik akzeptierte Tatsache ist, dass die meisten Entlehnungen aus dem britischen und amerikanischen Englisch ins Deutsche Eingang finden und andere Varianten nur Einzellexeme liefern. Einfachheitshalber schlägt B. Engels vor, eine geschichtliche Unterteilung auf Grund der politischen Entwicklung vorzunehmen: Vor dem Ersten Weltkrieg sollen die Britizismen dominiert haben, nach 1917 und verstärkt nach 1945 erfolgte die Entlehnung des englischen Wortguts aus dem amerikanischen Englisch. Daher werden entweder Amerikanismen oder Britizismen zum Gegenstand der linguistischen Arbeiten. 35 34

Zu den Erscheinungsformen und Varietäten des Englischen s. Kortmann 2008, Schneider 2008, Burridge/ Kortmann 2008, Mesthrie 2008, Görlach 2002, 2000; 1120ff., 1998, 1995, 1991; 12ff., Levickij 2004; 87, Nettmann-Multanovska 2003; 9, Leisi 1985 und 1999 u. a. m. In der vorliegenden Arbeit wird der Einfachheit halber davon ausgegangen, dass es sich beim heutigen Englisch um ein einheitliches System handelt, das die Entlehnungen liefert, aber in dem Bewusstsein, dass man in der Tat von Varianten des Englischen in regionaler, nationaler und internationaler Hinsicht sprechen kann und muss.

35 An dieser Stelle muss noch betont werden, dass die Unterteilung in Britizismen und Amerikanismen äußerst problematisch ist und bereits von vielen Wissenschaftlern aufgegeben wurden (s. Näheres bei Yang 1990; 8f., ebenso Jabłoński 1990; 16).

32

Für die vorliegende Untersuchung besitzt die Herkunftsfrage der englischen Lehnwörter in Bezug auf die Varietäten des Englischen keine Relevanz. Daher betrachte ich des Weiteren das Gesamtenglisch und wähle als Bezeichnung für das englischsprachige Lehngut den neutralen Terminus Anglizismus, wie auch W. Yang (1990), V.M. Aristova (1978), V. Béchet-Tsarnos (2005), A. Onysko (2007), Ch. Götzeler (2008) u.v.a.m., der ein weites Begriffsfeld umfasst, als Gattungsbegriff alle Varianten des Englischen in sich beschließt und die Zugehörigkeit zur englischen Sprache im Allgemeinen bezeichnet. Zum anderen existiert, wie eine Übersicht der in den sprachwissenschaftlichen Abhandlungen dargestellten Definitionen verdeutlicht, keine einheitliche Begriffsbestimmung: Das Phänomen Anglizismus umfasst im Deutschen ein breites Spektrum von „linguistic units starting with morphemes and ending up with phrases, which are used in German and whose form or meaning or whose form and meaning can be said to originate in English“ (Eisenberg 2004; 126). Die Definitionen gehen entweder von der Form und eventuell Bedeutung oder von der genetischen Herkunft der entlehnten Einheiten aus. Somit vereinigen sie zwei Betrachtungsebenen: Diachron gesehen stammt ein Anglizismus aus dem Englischen und synchron gesehen enthält er englischsprachliche Merkmale. In Bezug auf den Wortschatz ist das Merkmal „Herkunft“ eigentlich von sekundärer Bedeutung. Deswegen erfolgte die Zuordnung zur Kategorie Anglizismus im Rahmen dieser Arbeit nicht allein auf Grund der diachronisch motivierten Entscheidung (auf Grund der Wörterbücher). Ausschlaggebend waren vielmehr phonetische, graphische, semantisch-lexikalische und grammatisch-morphematische Merkmale. 36 Die Kriterien der Anglizität sind also einerseits das Schriftbild (fremdsprachliche, genauer englischsprachige Distribution) an sich, z.B.: Anlautverbindungen sk- (Skatch), sh- (Show), sl- (Slang), sm(smart), andere Buchstabenverbindungen wie -ui- (Bodybuilder), -oa(Floating), -oi- (Spoiler), -gh- (Fight), andererseits die Lautung, und zwar besonders im Hinblick auf die vom Deutschen abweichenden PhonemGraphem-Korrespondenzen, z.B.: oo – [u] (Fast-Food), ea – [i] (Freak), u –

36 In Anlehnung an fremdsprachliche Merkmale von W. Müller (1979; 60ff.) und A. Kirkness/W. Müller (1976; 307).

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[] (Pub), ee – [i] (Barkeeper), a - [ei] (Baby), y – [i] (easy), t – [] (Fiction) u. a. m. 37 Im semantisch-lexikalischen Bereich sind es bestimmte Wortbildungsmittel – Suffixe und Präfixe 38 –, die für Wörter englischer Herkunft charakteristisch sind, z. B.: under- (Understatement, Underground), over(Overweight), out- (Outperformance, Outsourcing), -ity (Facility, Utility), -ness (Fairness). Im grammatisch-morphematischen Bereich ist es z. B. Pluralsuffix -s 39 (Parties). In den Fällen, wo keine exogenen Merkmale vorhanden waren (vgl. z. B. Stress, Poster und grillen), wurde die vermutete englische Herkunft auf Grundlage der eigenen Kenntnis bestimmt und anschließend mit Hilfe von Wörterbüchern nachgeprüft. Auf diese Weise ist es für die vorliegende Untersuchung wichtig, ob die Entlehnung aus dem Englischen an der äußeren Form des Wortes noch zu erkennen ist. Daher ist für diese Arbeit die Definition von D. Schütte von großer Relevanz: „Ein Anglizismus ist ein sprachliches Zeichen, das ganz oder teilweise aus englischen Morphemen besteht, unabhängig davon, ob es mit einer im englischen Sprachgebrauch üblichen Bedeutung verbunden ist oder nicht“ (Schütte 1996; 38).

Lehnübersetzungen, Lehnübertragungen, Lehnbedeutungen u. ä. m. lasse ich außer Acht (ausführlicher dazu im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“). Entlehnungen, die ursprünglich in einer anderen Sprache entstanden sind, aber durch das Englische eine weite Verbreitung im Deutschen

37 Einige dieser Buchstabenverbindungen kommen in den Entlehnungen aus anderen Sprachen vor, wie z. B.: sk- (Skat, lat.-it.) oder gh- (Ghetto, ital.). Sie signalisieren Fremdheit, die im nächsten Schritt durch das Nachschlagen in den Wörterbüchern näher bestimmt wurde. 38

In der neueren Forschungsliteratur werden Wortbildungseinheiten dieser Art als Konfixe aufgefasst.

39

Näheres zum Pluralsuffix -s im Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“.

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gefunden haben, werden in dieser Arbeit als Anglizismen betrachtet. 40 Dies gilt auch für die Fälle, in denen die Anglizismen aus lateinischem oder griechischem Wortmaterial gebildet und mit einer Sache oder einem Sachverhalt aus dem angloamerikanischen in einen anderen Sprachraum transferiert wurden, wie z. B. dt. Video > engl. video. M. Lilienkamp behauptet, dass „in den europäischen Sprachen immer mehr Internationalismen im Grunde angloamerikanische Internationalismen sind“ (Lilienkamp 2001; 46). Er bezeichnet sie als „angloamerikanische Eurolexeme“ oder „Anglolatinismen“ (ebd.). 41 In diesem Fall ist dann das Englische unmittelbare Quellsprache der Entlehnungen, nach der ich diese logischerweise bezeichne, nicht nach der ferneren Etymologie. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich das Definieren des Anglizismus als problematisch erweist, weil unter diesem Konzept viele sehr unterschiedliche sprachliche Einheiten vereinigt werden können. Dem Forscher bleibt überlassen, welche Perspektive er einnimmt: die diachrone (d.h. Herkunft) oder die synchrone (d.h. englischsprachige Merkmale).

1.4.a. Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten Das Subsystem der Anglizismen im deutschen Sprachsystem besteht aus einer Vielzahl verschiedener Entlehnungstypen. 42 Wegen des großen Materialumfangs wäre es ein vergebliches Unterfangen, alle Kategorien von Anglizismen im Rahmen dieser Arbeit berücksichtigen zu wollen. Um die zu analysierenden Kategorien von allen anderen abzugrenzen und eine für diese Arbeit relevante Konstellation zu bestimmen, müssen einige Klassifikationen von Entlehnungen präzisiert werden. Vor allem muss man drei grundlegende Klassifikationen erwäh40

Über die Herkunftsbestimmung der Anglizismen s. Kap. „Kriterien für die (Nicht)Aufnahme in das Anglizismenkorpus“.

41 H. Munske prägt in diesem Zusammenhang den Terminus Eurolatein. Für die Anglizismen heißt es dann bei ihm Eurolatinismen des Englischen (Munske 1996; 88). 42 Eine Differenzierung zwischen Entlehnungskategorien, -typen, -arten, -klassen u. ä. m. wird hier nicht unternommen. Eine Festlegung ist nicht nötig, da es hier um die Ergebnisse der Klassifizierung von Entitäten (hier: Entlehnungsprodukten) geht.

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nen, auf denen die Typologien von Anglizismen basieren, wobei zwei davon aus dem anglophonen Raum von E. Haugen und von U. Weinreich stammen und eine von W. Betz für lateinische Entlehnungen im Deutschen entwickelt worden ist. Sie wurden später von Sprachkontaktforschern viel zitiert und ergaben sich als richtungsweisend. Eine englische Terminologie für die Analyse von Lehnvorgängen erarbeitete E. Haugen, der als Klassiker unter den Theoretikern der lexikalischen Entlehnung gilt. Er hat seine Terminologie mehrfach ausgebaut und ergänzt. Hiermit stütze ich mich auf seine Fassung aus dem Jahr 1969 (Haugen 1969; 402f.). Von der Methode der Entlehnung ausgehend unterscheidet er zwischen: 1.

loanwords: Lehnwörter werden ganz aus der Quellsprache übernommen (pure loanword, no morphemic substitution) oder teils importiert, teils durch indigene Wortbildungselemente ersetzt (loanblend, partial morphemic substitution). Bei direkten Übernahmen (pure loanwords) also spielt phonetische Substitution eine entscheidende Rolle, weil sie davon ausgehend nicht assimiliert (unassimilated), partiell assimiliert (partly assimilated) oder vollständig assimiliert (wholly assimilated) sein können. Bei loanblends werden ebenso drei weitere Gruppen nach der formalen Struktur der Vorbilder und der Art der Wiedergabe der einzelnen Morpheme in stem, derivate und compound unterschieden.

2.

loanshifts: das eigentliche innere Lehngut oder Lehnprägungen, 43 bei denen eine völlige Ersetzung des ursprünglichen MorphemMaterials durch Morpheme der Zielsprache erfolgt. 44 Zwar unter-

43 Der Begriff kommt schon bei O. Jespersen als „Übersetzungsentlehnungen“ oder „Übersetzungslehnwörter“ vor (Jespersen 2003; 197, Nachdruck der Ausgabe 1925). Weitere Termini für das innere Lehngut finden sich bei W. Betz (1949; 20). Mit dem Phänomen der Lehnprägung im Deutschen unter dem Einfluss des Englischen haben sich E. Wallberg (1962), A. Fröhlich (1962), H. Galinsky (1968) auseinandergesetzt. Sie liefern zahlreiche Beispiele, wie auch Anglizismen-Wörterbuch, sowohl von einzelnen Lexemen als auch von syntaktischen Konstruktionen und Redewendungen. 44

Die Kategorien von E. Haugen loanwords, loanblends und loanshifts wurden von H. Fink übernommen und auf die englischen Entlehnungen im Deutschen angewendet. Dementsprechend deutschte er auch Haugens Terminologie ein: Keine Substitution oder Nullsubstitution, Teilsubstitution und Vollsubstitution. Unter Vollsubstitutionen ordnet er Scheinentlehnungen ein (Fink 1968; 9ff.). Wie es ersichtlich ist, fällt Finks Modell grobma-

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nimmt Haugen eine weitere Gliederung dieser Untergruppe; sie wird aber hier nicht im Einzelnen dargestellt, da dieser Aspekt der Entlehnung aus den im weiteren Verlauf des Kapitels erwähnten Gründen nicht den Schwerpunkt meiner Untersuchung bildet. Bei der Behandlung von Mechanismen lexikalischer Interferenz 45 unterscheidet U. Weinreich (1977; 69 – 76) zwei Hauptarten zwischensprachlicher Beeinflussung nach dem Kriterium der Ein- und Mehrgliedrigkeit (aus der Sicht des entlehnenden Sprachteilhabers): Einerseits sind es (1) ´einfache Wörter´ und die in unanalysierter Form transferierten Zusammensetzungen (simple words), andererseits (2) ´zusammengesetzte Wörter und Redewendungen´ (compounds and phrases). Im nächsten Schritt differenziert er nach dem Kriterium „entlehnt vs. lehnübersetzt“, so dass die Gruppe (1) simple words in (1.1) Worttransfer (word transfer), (1.2) semantische Erweiterung (semantic extension) als Folge des Sprachkontakts und (1.3) Formveränderung nach dem Vorbild eines damit verwandten Ausdrucks der Quellsprache allerdings ohne Auswirkungen auf den Inhalt eingeteilt wird. Je nach dem Charakter semantischer Erweiterung liegt (1.2a) Homonymie oder (1.2b) Polysemie vor. Komplexe lexikalische Einheiten (2) compounds and phrases bilden drei andere Untergruppen: (2.1) Transfer von allen Elementen in analysierter Form (transfer in analyzed form), (2.2) Lehnübersetzungen 46 (reproduction loan translation) und (2.3) hybride Zusammensetzungen (hybrid compound). (2.2) Lehnübersetzungen (reproduction loan translation) werden in (2.2a) eigentliche Lehnübersetzungen (loan translation proper), (2.2b) Lehnübertagungen (loan rendition) und (2.2c) Lehnschöpfungen (loan creation) unterteilt. (2.2) Eigentliche Lehnübersetzung kann (2.2aa) mit oder (2.2ab) ohne Bedeutungserweiterung erfolgen. Unter den (2.3) hybriden Zusammensetzungen sind folgende Formen möglich: (2.3a) mit dem übernommenen Stamm und wiedergegebenen (indigenen äquivalenten) Ableitungsaffix, (2.3b) mit exogenen Stamm und transferierten Affix und (2.3c) mit einer sowohl übernommenen als auch substituierten schig aus. Zieht man nur das äußere Lehngut in Betracht, kann das ganze Material in nur zwei Gruppen aufgegliedert werden: Nullsubstitution und Teilsubstitution. 45 Zum Begriff „Interferenz“ s. Kap „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“. 46

In der gängigen Terminologie heißt diese Untergruppe „Lehnprägungen“.

37

Konstituente, woraus sich Wortbildungen mit gleichbedeutenden (tautologischen) Konstituenten aus Quell- und Zielsprache ergeben. Anders als viele Autoren behandelt Weinreichs Klassifikation die Formveränderung eines Lexems nach dem Vorbild eines damit verwandten Ausdrucks der Quellsprache ohne Auswirkungen auf die Inhaltsseite. Das Letzte ist heutzutage, wie man feststellen kann, eine gut belegbare Erscheinung, besonders in der Werbung (vgl. von Polenz 1999; 403), z. B. Kosmetik  Cosmetic, Zigaretten  Cigaretten. 47 Unter Zusammensetzungen führt U. Weinreich nicht nur Komposita, sondern auch Produkte der Derivation an, vgl. Kategorie (2.3), die in die Gruppe compounds (2) eingegliedert ist. Das bedeutet, dass er alle Hybridbildungen (oder Lehnwortbildungen) 48 zu den Zusammensetzungen zählt. Diese Vorgehensweise ist auch in vielen modernen Klassifikationen vertreten, da Unterscheidung die Komposition – Derivation wegen der unscharfen Grenzen einiger Kategorien problematisch ist. 49 Die Kriterien der Klassifikation Weinreichs fokussieren zum einen den strukturellen (Einund Mehrgliedrigkeit) und somit synchronen und zum anderen den diachronen Aspekt („entlehnt“ – „in der Zielsprache gebildet“). In der deutschen Linguistik lieferte W. Betz eine präzise, oft zitierte Klassifizierung 50 des lateinischen inneren Lehnguts 51 im Althochdeutschen (s. z. B. Betz 1949; 27f., überarbeitet 1974, 136f.). Der Verdienst

47

S. dazu Kap. „Integrationsarten“.

48

Näheres zum Terminus im weiteren Verlauf des Kapitels.

49

Auf das Problem der Abgrenzung weist auch G. Harras (2005; 136) hin. S. auch zur Problematik der Affixbestimmung bei Fleischer (2000; 892) und Hacken (2000; 355f.).

50 E. Oksaar (2004; 3166) unternahm eine Übersicht über die lexikalische Lehnterminologie von W. Betz, U. Weinreich und E. Haugen. Da ihre terminologischen Systeme anhand bestimmter Sprachen entwickelt wurden, konnte der Autor keine Allgemeingültigkeit feststellen. Nichtsdestotrotz zeigt der Vergleich der drei Systeme, dass die Ansätze, ungeachtet unterschiedlicher Bezugsrahmen, beträchtliche Ähnlichkeiten aufweisen (ähnlich Jansen 2005; 23). 51

Die Teilung in inneres und äußeres Lehngut nahm noch H. Paul 1880 vor: „Wir müssen zwei Hauptarten der Beeinflussung durch ein fremdes Idiom unterscheiden. Erstens kann fremdes Material aufgenommen werden. Zweitens kann, ohne dass anderes als einheimisches Material verwendet wird, doch die Zusammenfügung desselben und seine Anpassung an den Vorstellungsinhalt nach fremdem Muster gemacht werden; die Beeinflussung erstreckt sich dann nur auf das, was Humboldt und Steinthal innere Sprachform genannt haben“ (Paul 1995; 392f., Nachdruck der Auflage 1880).

38

von W. Betz besteht darin, dass er eine einheitliche Terminologie für inneres Lehngut auf Basis vieler Vorschläge 52 ausgearbeitet hat, die sich durchsetzte und dann die Grundlage für viele spätere Typologisierungen bildete (vgl. z. B. Adler 2004, Moeller-Schina 1969, Steinbach 1984, Yang 1990). Zwar gliedert W. Betz auch in seiner letzten Fassung (1974) die Kategorien Fremdwort, Lehnwort und assimiliertes Lehnwort aus, legt aber einen deutlichen Schwerpunkt auf die sogenannten inneren Einflüsse. Später wurde die Betzsche Klassifikation in Yangs Klassifikation integriert. In Diagramm 1 ist diese von mir durch die Strichlinie hervorgehoben. Lehnwendung und Lehnsyntax als weitere Untergruppen der Lehnprägung blieben in dieser Klassifikation unberücksichtigt. In der deutschsprachigen Literatur ist auch eine Reihe von Klassifikationen des Lehngutes vertreten. Ich beschäftige mich an dieser Stelle vor allem mit Steinbachs und Yangs Klassifikationen, da diese ausführlich direkte Übernahmen behandeln, die für die vorliegende Arbeit wichtig sind (Steinbach 1984; 32, Yang 1990; 16). Die beiden Klassifikationen sind sehr ähnlich bis auf einen einzigen Unterschied, der darin besteht, dass bei W. Yang in der Klasse direkte Entlehnungen die Unterklasse Fremdwort separat behandelt wird. Das nachfolgende Diagramm 1 illustriert diese Klassifikation.

52

S. Betz 1949; 20.

39

Lexikalische Entlehnungsart

Äußeres Lehngut

Inneres Lehngut

Mischkomposita Direkte Entlehnungen

Fremdwort Lehnwort

Fremdes Wort

Lehnbedeutung

Scheinentlehnungen Lehnveränderung Lexikalische Scheinentlehnung

Lehnbildung Lehnübersetzung Lehnübertragung Lehnschöpfung

Semantische Scheinentlehnung

Diagramm 1. Klassifikation von W. Yang (1990) (meine Hervorhebung – S.B.) 40

W. Yang also unterscheidet nach dem formalen Ansatz in erster Linie zwischen äußerem und innerem Lehngut. 45 Inneres Lehngut bilden Lehnprägungen. 46 Die Kalkierung besteht faktisch in der Entlehnung und Nachahmung des Motivationstyps (der inneren Form) einer anderen Sprache durch eigene Sprachmittel (sowohl der formalen als auch der inhaltlichen Seite). Lehnprägung ist demnach die Wiedergabe der Bedeutung eines Wortes aus der Quellsprache durch Sprachmittel der Zielsprache. Ausgehend von der Sprachebene unterscheiden D.E. Rosental, M.A. Telenkova und L. P. Krysin zwischen lexikalischer oder wortbildender (Morphem-für-Morphem-Übersetzung), semantischer (Lehnbedeutung), phraseologischer (wortwörtliche Übersetzung eines Phraseologismus) und syntaktischer Lehnprägung (Nachbildung einer fremden syntaktischen Konstruktion) (vgl. Krysin 2002; 31 und Rosental/ Telenkova 1976; 141f.). Das äußere Lehngut entsteht durch die Übernahme der Ausdrucksseite von sprachlichen Einheiten, vor allem von Wörtern und Morphemen eventuell in leicht veränderter Form entsprechend der Norm der Zielsprache, und durch totale oder partielle Bedeutungsübernahme aus der Quell- in die Zielsprache. Äußeres Lehngut umfasst direkte Entlehnungen, 47 Mischkomposita 48 und Scheinentlehnungen. 49 Jede dieser Grup-

45

Andere Termini dafür sind evidentes und latentes Lehngut (vgl. Carstensen 1979a; 90).

46

Hier verzichte ich auf Weinreichs Terminus „Lehnübersetzung“, denn dieser wird in zweierlei Bedeutung gebraucht, als Oberbegriff und für die Bezeichnung der Untergruppe im eigentlichen Sinne (s. oben). Den Terminus „Lehnprägung“ gebrauche ich in Anlehnung an W. Betz als Oberbegriff für alle Typen des inneren Lehnguts. 47

Ein anderer Terminus zur Bezeichnung direkter Übernahmen ist Materiallentlehnung. Nach dem Grad der Assimilierung unterscheidet W. Gladrow konforme und assimilierte Materialentlehnungen. Bei der konformen Materialentlehnung handelt es sich darum, dass sich entlehntes Wort und Original nur orthographisch und z. T. phonematisch unterscheiden. Assimilierte Materialentlehnungen weisen dagegen lexikalische Suffixe, grammatische Endungen, die typisch für die Zielsprache sind, oder Genusveränderung auf (vgl. Gladrow 1998; 246). 48 Auch Hybridbildungen sowie Semitransferenz (Lilienkamp), hybrid compounds (Weinreich), loanblend (Haugen), Teilsubstitution (Fink), Teilentlehnung genannt. Der Terminus Mischkomposita ist geläufig, wenn diese Lehngruppe auf die Wortklasse der Nomina eingeschränkt wird (vgl. Lilienkamp 2001; 65).

41

pen wird in weitere Untergruppen gegliedert. Für direkte Entlehnungen sind drei Typen möglich: Fremdwort, Lehnwort und fremdes Wort. 50 Auf die Problematik der Opposition Fremdwort vs. Lehnwort komme ich im weiteren Verlauf des Kapitels zurück. Fremde Wörter in Yangs Kategorien, anders genannt Exotismen, 51 sind ihrer Herkunft nach Bezeichnungen für „einen für die betreffende Kultur bzw. Gesellschaft spezifischen Gegenstand oder Sachverhalt“ in der Quellsprache und werden „daher unübersetzt in andere Sprache übernommen“ z. B. dt. Iglu, Kimono, Amok, engl. Rucksack (MLS 2004; 2850). „In ihrer semantisch-funktionalen Selbständigkeit sind die Exotismen beschränkt. Sie markieren spezifische Eigenschaften anderer Völker und können im Allgemeinen auf soziale und nationale Gegebenheiten des Volkes, in dessen 49 Auch Pseudoentlehnung oder Quasientlehnung (Žabina 2001; 65, Zürn 2001; 34) sowie Pseudotransferenz (Lilienkamp 2001; 67ff.), Pseudoanglizismus genannt. Die Problematik der Abgrenzung zum Terminus Lehnwortbildung s. Fußnote 55. 50 Zur Abgrenzung der Fremdwörter von den fremden Wörtern s. Eisenberg/Baurmann 1984; 15ff. sowie Eisenberg 2001; 184. P. Eisenberg vertritt einen anderen Standpunkt als hier dargestellt. Er geht nicht von der Herkunft aus, sondern von der Form: Fremde Wörter enthalten Merkmale, die unter strukturellem Gesichtspunkt nicht zum Kernwortschatz gehören. Demnach sind auch Efeu und Bovist fremd, obwohl nicht entlehnt. Da im Mittelpunkt dieser Untersuchung die Entlehnungen aus dem Englischen stehen, wird dieser Punkt hier nicht weiter ausgeführt. 51

In der Literatur werden neben Exotismen die Bezeichnungen Xenismen und Barbarismen verwendet. Im Grunde genommen unterscheiden sie sich jedoch voneinander. Der Begriff Exotismus ist weiter zu fassen. In der russischsprachigen linguistischen Literatur wird folgende Unterscheidung zwischen Barbarismus und Exotismus getroffen: Die Exotismen werden, obwohl sie völkerspezifische Begriffe sind, die einer Kultur entnommen wurden und ihre deutliche Merkmale tragen, zum Bestandteil des Wortschatzes in der Zielsprache, während die Barbarismen nur zur Beschreibung der Lebensweise eines Volkes in der Zielsprache als Zitatwörter herangezogen werden, ohne in den Wortschatz der Zielsprache eingegliedert zu sein. Das Metzler Lexikon Sprache definiert den Barbarismus als „eine sprachliche Unkorrektheit“ (vgl. MLS 2004; 1178). Der Terminus Xenismus hat eigentlich keinen streng terminologisierten Status und steht für Ausdrücke einer Sprache, die aus anderen Sprachen entlehnt und wenig integriert sind (MLS 2004; 11005). Allerdings gab es Versuche, das Phänomen Xenismus sprachwissenschaftlich zu begründen (z. B. W. Moser 1996). Nach W. Moser markieren Xenismen (Pseudo-)Fremdheit durch Imitation von Fremdem, können auf allen Sprachebenen auftreten und sowohl intra- als auch interlingual sein. Bei einer solchen breiten Auslegung können Entlehnungen, Interferenzfehler und Regionalismen dazu gezählt werden. Im engeren Sinne sind es Mittel, die zum Zweck der Verfremdung eingesetzt werden (vgl. Moser 1996; 14, ähnlich Jung 1993; 213ff.).

42

Sprache sie entlehnt werden, nicht angewandt werden. Ihr Verwenden ist von betreffender Thematik abhängig“ (Pirojkov 2002; 52).

Die andere Gruppe von Yangs Klassifikation – Mischkomposita – enthält zwei weitere Untergruppen: Mischkomposita ohne und mit modellsprachlichem 52 Vorbild. Mischkomposita grenzen einerseits an das innere Lehngut und andererseits an das äußere, da sie sich sowohl aus einheimischen als auch aus fremden Elementen zusammensetzen. 53 Der Terminus scheint mir insofern nicht geglückt zu sein, als er von seiner Semantik her alle Derivationsprodukte ausschließt. Die Kategorie „ohne modellsprachliches Vorbild“ ist ungenau definiert, denn es verschwindet die Abgrenzung zu den Scheinentlehnungen. Einen Sonderfall bildet das Phänomen der Scheinentlehnung, bei der ein Wort aus Wortbildungselementen exogener Herkunft in der Zielsprache neu geprägt wird, das in dieser Form oder Bedeutung in der Quellsprache, auf das es vermutlich zurückzuführen ist, nicht existiert. Zu dieser Kategorie gehören Lehnveränderung, lexikalische Scheinentlehnung und semantische Scheinentlehnung. Lexikalische Scheinentlehnungen machen den Eindruck, als seien sie direkte Übernahmen, weil sie exogene Morpheme beinhalten, sind aber in dieser Form in der vermutlichen Quellsprache nicht zu finden. Ein oft zitiertes Beispiel dafür ist Handy im Deutschen. Das Wort wird wegen seiner englischsprachigen Schreibweise und Aussprache als Anglizismus wahrgenommen, kommt aber in der entsprechenden Bedeutung im Englischen nicht vor. Die Bedeutung dieses Wortes wird im Englischen durch folgende Lexeme wiedergegeben: mobile phone, wireless phone, cell phone oder cellular telephone. 54 Den semantischen Scheinentlehnungen gehören Lexeme an, die formal mit dem jeweiligen modellsprachlichen Lexem zusammenfallen, allerdings eine abweichende Bedeutung aufweisen, vgl. z. B. Slip (engl. panties). Lehnveränderungen entstehen durch Reduktion der Ausdrucksseite, vgl. z. B. Profi nach engl. professional.

52

Modellsprache ist Synonym zum in dieser Arbeit verwendeten Terminus Quellsprache. Vgl. Kap. „Terminologie des Sprachkontakts“.

53

S. zu Mischkomposita weiter im Text.

54

Andere Beispiele für lexikalische Scheinentlehnungen s. weiter im Text.

43

Die Konstituente „Schein-“ bezweifelt die Zugehörigkeit dieser Gruppe zur Kategorie der Entlehnungen: Betrachtet man das Lexem als Ganzes, lassen sich keine Prototypen in der Quellsprache entdecken. So behauptet beispielsweise A. Kirkness, dass die deutschen Lehnwortbildungen hinsichtlich ihrer Herkunft keine Fremdkörper seien, da sie doch im Deutschen entstanden seien. Daher lehnt er den Terminus Fremdwort zu ihrer Bezeichnung ab (vgl. Kirkness 2007; 145 – Hervorhebung im Original). Das Problem löst sich, wenn man sich die Perspektive, aus der man die Scheinentlehnungen untersucht, vor Augen hält. Betrachtet man die Scheinentlehnungen diachron, so kann man A. Kirkness Recht geben: Sie sind in der Zielsprache gebildet und daher keine Entlehnungen. Aus der synchronen Sichtweise sind es jedoch Anglizismen: Sie enthalten formale Merkmale der Anglizität, denn sie bestehen aus entlehnten Wortbildungselementen. Die Scheinentlehnungen werden in der neueren Literatur in die Gruppe der Lehnwortbildungen 55 eingegliedert, neben den Teilentlehnungen. Anders als W. Eins unterscheidet P.O. Müller zwischen Fremdwortbildung (hier: Lehnwortbildung) und Hybridwortbildung: Erste meint die ausschließliche Verwendung von exogenen Morphemen, während zweite exogene und indigene Morpheme kombiniert (vgl. Müller 2005a; 211f.). Demnach meint Fremdwortbildung nach P.O. Müller nichts anderes als Scheinentlehnungen. Ich verwende den Terminus Lehnwortbildung wie die Autoren von DFWB 56 als Oberbegriff für Hybridbildungen und Scheinentlehnungen (s. DFWB 1995; 21*). 55

Der Terminus Lehnwortbildung konkurriert im Gebrauch mit dem Begriff Fremdwortbildung, so P. O. Müller. Er befürwortet die Verwendung des letzteren mit entsprechender Argumentation (s. Näheres Müller 2005b; 22f.). Im weiteren Text verwende ich den Terminus Lehnwortbildung, denn ich greife nicht auf die Differenzierung Fremdwort – Lehnwort zurück. Unter dem Terminus Lehnwortbildung wird hiermit Wortbildung mit entlehnten Elementen verstanden. Dabei erweist sich aus diachroner Perspektive das Charakteristikum „entlehnt“ als unscharf, da unter den entlehnten Wortbildungselementen die Lehnsuffixe -er (aus lat. -ārius) und -ei (fr.-lat. Entlehnungsgrundlage) oder das Präfix erz- (aus lat. archi-) mitberücksichtigt werden sollten (Beispiele von Müller 2005b; 22f.). Da aber die Lehnwortbildungen mit englischen Elementen noch nicht so weit integriert sind, dass sie solche Identifizierungsschwierigkeiten bereiten – wie das mit den Morphemen lateinischer oder französischer Herkunft der Fall ist – bleibt die terminologische Diskussion zu Lehnwortbildung vs. Fremdwortbildung im Rahmen dieser Arbeit ausgeschlossen. 56

Deutsches Fremdwörterbuch.

44

Die Typologie von B. Carstensen, die das Lehngut auch nach der Form kategorisiert, setzt sich zum Ziel, das Chaos unter den vorhandenen Klassifikationen aus dem Weg zu räumen. Der Autor verweist darauf, dass die „Betzsche Terminologie für die Erfassung von nach 1945 ins Deutsche entlehnten Anglizismen nicht recht brauchbar ist“ (Carstensen/Busse 1993; 53* sowie 2001; 53*), da seine Kategorien des inneren Lehnguts „Lehnübersetzung“, „Lehnübertragung“, „Lehnbedeutung“ und „Lehnschöpfung“ schwer voneinander abzugrenzen sind. Daher sieht er sich genötigt, eine neue Systematik zu schaffen. Aus diesem Grund wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft auf der im Jahre 1983 in Paderborn durchgeführten Expertentagung ein neues terminologisches Gerüst entwickelt: ­ aus engl. x, wobei x ein ins Deutsche übernommenes englisches Sprachzeichen ist, z. B. dt. Job aus engl. Job. Zu dieser Kategorie gehören unter anderem auch zwei weitere Unterkategorien. Das sind „Anglizismen, die in englischen Wörterbüchern nicht belegt sind, obwohl sie von englischsprachigen Informanten als möglich oder üblich bezeichnet werden und die im Deutschen verwendeten englischen Wörter, die zwar ein entsprechendes Sprachzeichen im Englischen haben, jedoch nicht in der Bedeutung, die das Wort im Deutschen hat“ (vgl. Carstensen/Busse 1993; 61* sowie 2001; 61*). ­ nach engl. x, wobei das englische Sprachzeichen nicht mehr erkennbar ist, sondern das englische Vorbild mit deutschem Sprachmaterial nachgebildet wird, z. B. dt. Erste Dame nach engl. first lady, ­ zu engl. x, wobei ein englisches Zeichen als Ausgangspunkt der Entlehnung erkennbar ist, das aber im Deutschen morphologisch verändert wurde, dt. Twen zu engl. Twenty (vgl. Carstensen/Busse 1993; 59* und 2001; 59*). Da die Entlehnungsmarkierungen eigentlich für die Arbeit am Anglizismen-Wörterbuch, d. h. für ein praxisorientiertes Projekt, entwickelt wurden, bemühten sich die Autoren um ein besonders einfaches Modell. Mit der weiteren Differenzierung nähme aber auch die Zahl der Schnittflächen zwischen den Einzelkategorien zu. Die erste Gruppe 45

umfasst also neben den direkten Entlehnungen semantische und lexikalische Scheinentlehnungen. Die zweite Gruppe deckt das gesamte innere Lehngut ab, und zur dritten gehören alle Sonderfälle, die auf Grund der Entlehnung und Formveränderung entstehen. Lehnwortschatz

Lexikalische Entlehnung

Semantische Entlehnung

assimiliert an Orthographie assimiliert an Morphologie

Hybridbildungen Scheinentlehnungen

nicht assimiliert (Fremdwörter)

Exotismen Internationalismen

Wortkürzungen

Kurzwörter

Mehrfachentlehnungen

Modewörter

Kontaminationen Abkürzungswörter

Diagramm 2. Klassifikation nach A. Zürn (2002) A. Zürn (2002; 30) baut die Klassifikation weiter aus, indem sie neben den klassischen Gruppen unter Anglizismen die Kategorien Wortkürzungen, Mehrfachentlehnungen und Internationalismen 57 separat darstellt.

57

Auseinandersetzung mit der terminologischen Problematik der Internationalismen s. z. B. A. Kolwa 2001; 10 – 45.

46

Bereits B. Carstensen (1965; 45f.) erwähnt die Kurzwortbildung 58 als eine charakteristische Tendenz des amerikanischen Englisch, die eine „alte innersprachliche Tendenz“ des Deutschen fördert. Das heutige Ausmaß der Kurzwortbildung bestätigt diese Prognose und erlaubt, die Gruppe der Kürzungen getrennt zu behandeln. In der Anglizismenforschung werden sowohl die Kürzungen von Entlehnungen als auch die Entlehnungen von Kurzwörtern betrachtet. 59 So unterteilte S. Gester (2001; 108ff.) die Abkürzungen in Untergruppen, indem sie sich mit den Wortbildungsarten der Anglizismen auseinandersetzte, bettete sie jedoch nicht in eine Klassifikation ein. Bei Mehrfachentlehnungen 60 geht es um die mehrmalige Übernahme derselben Form mit verschiedenen Bedeutungen. 61 In der Tat erweist sich die Bezeichnung für die Untergruppe der Mehrfachentlehnungen als problematisch. D. Duckworth geht mit ihr sehr kritisch um und bemerkt, dass es logischer wäre, sie als „Lehnbedeutungen des schon vorhandenen Lehnworts“ aufzufassen (Duckworth 1977; 55). Für ihn ist „die Mehrfachentlehnung als eine Erscheinung anzusehen, die für den ganzen Lehnvorgang symptomatisch ist. Im Laufe der Zeit kann eine Entlehnung theoretisch immer mehr Bedeutungen des fremden Wortes annehmen […], bis sie ihm in allen Bedeutungsschattierungen vollkommen gleicht. Es kann ja auch vorkommen, dass sie zusätzlichen Bedeutungen erhält, die in der Sprache der Herkunft unbekannt sind“ (Duckworth 1977; 55, ähnlich Schweikle 1990; 231, Zürn 2001; 38f.). Folgt man der Logik von D. Duckworth, sollte man diese Untergruppe nicht separat, sondern als direkte Entlehnungen betrachten. Schwachpunkt der Klassifikation Zürns besteht darin, dass sie versucht, möglichst viele Kategorien von Anglizismen abzudecken, und dabei viele Kriterien anwendet. Dies trägt keinesfalls zur Übersichtlichkeit bei, sondern erschwert im Gegenteil die Zuordnung einzelner Lehnwörter 58

Zur Kurzwortbildung s. Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“.

59

Zur Wortkürzung s. Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“, ebenso V. Balnat (Manuskript 2009). 60 Andere Bezeichnungen dafür: Peregrinismus (Lilinkamp 2001; 64), Rückwanderwörter (ebd.). 61

Ein Beispiel für Mehrfachentlehnungen s. Kap „Entlehnungsbegleitende Faktoren“.

47

zu den entsprechenden Subklassen, so wie das z. B. beim Lexem DVD der Fall ist. Theoretisch kann es gleichzeitig zu mehreren Kategorien zugeordnet werden und somit sowohl eine Wortkürzung als auch ein Internationalismus sein. Unter diesem Gesichtspunkt sind auch andere Kombinationen möglich. Außerdem erscheint die Zuordnung von Mehrfachentlehnungen zu den nicht assimilierten lexikalischen Entlehnungen sowie von Scheinentlehnungen zu den morphologisch assimilierten sehr fraglich. Ebenso stimmt die Zuordnung von Hybridbildungen zu morphologisch integriertem Lehnwortschatz nicht, wenn das terminale Wortbildungselement exogen ist. Einen besseren Überblick über die Entlehnungsarten verschaffen Klassifikationen, die das allein das Assimilationskriterium verwenden. So verfährt z.B. V.S. Vinogradov, der englischsprachige Einflüsse auf das Spanische erforscht. Seine Kategorisierung erstreckt sich auf die Assimilation der Form und der Bedeutung. Bei der formalen Assimilation berücksichtigt er allerdings nur orthographische Anpassung und gliedert drei Gruppen aus, und zwar: 1.

Nichtassimilierte Anglizismen-Wörter, die ihre englische Schreibweise komplett beibehalten haben. Zu dieser Kategorie gehören auch Exotismen wie sheriff, cowboy.

2.

Partiell assimilierte Anglizismen-Wörter. Sie haben ihre ursprüngliche Schreibweise etwas eingebüßt, ihre englischsprachige Herkunft ist aber noch zu erkennen.

3.

Assimilierte Anglizismen-Wörter. 62

Ihnen werden zwei weitere Gruppen angeschlossen: 4.

Nichtassimilierte Anglizismen-Bedeutungen und

62 Die gleichen drei Gruppen, allerdings unter Berücksichtigung der phonologischen und morphologischen Assimilation, gliedern R. Filipović (1996; 42f.) wie auch H. Oeldorf (1990; 43) aus. Die Klassifikation nach dem Prinzip der phonologischen Substitution von R. Filipović gleicht Haugens Kategorien unassimilated, partly assimilated und wholly assimilated.

48

5.

assimilierte Anglizismen-Bedeutungen. Diese Kategorie wird daran erkannt, dass die dazu gehörigen Wörter in wichtigen Nachschlagewerken 63 vorkommen (vgl. Vinogradov 1994; 12).

Von den oben dargestellten Klassifikationen bildet das Modell von W. Yang das Fundament für mein Arbeitsmodell, weil es mir als eines der umfassendsten erscheint. Allerdings bietet es sich an, einiges daran zu ergänzen. Die Kategorie Mischkomposita umfasst in meiner Untersuchung nicht nur eigentliche Komposita, sondern auch Ableitungen, die sowohl aus indigenen als auch aus englischsprachigen Komponenten bestehen, was dem Terminus zu entnehmen ist. Für die Bezeichnung dieser Gruppe gebraucht H. Zindler (1959) den Begriff Mischverbindungen, während sich dafür in der russischen Linguistik der Terminus Halbcalque durchgesetzt hat. E.V. Žabina schlägt vor, Halbcalque und Halbentlehnungen auseinanderzuhalten. Die ersten behalten das innere Modell ihrer exogenen Prototypen (vgl. dt. Campingplatz – engl. camping ground), während die zweiten nach den Wortbildungsmodellen der Zielsprache gebildet worden sind (vgl. durchmixen, Trendwende) (vgl. Žabina 2001; 65f.). Diese beiden Termini sowie den Begriff Mischverbindungen halte ich für gelungener, da sie Derivationsprodukte mit englischsprachigen Elementen nicht ausschließen und diese Untergruppe nicht auf Komposita einschränken. Einige Autoren weisen darauf hin, dass die Frage, wie die Lehnwortbildung zustande kommt, oft schwer zu beantworten ist: Einerseits wird die Lehnwortbildung auf Grund des modellsprachlichen Vorbilds teils übernommen, teils substituiert. Andererseits ist es ebenfalls möglich, dass das entlehnte Wort durch die Anwendung der üblichen Wortbildungsverfahren zur Wortschatzerweiterung herangezogen wird. In diesem Fall hätte man nicht mit der Teilübersetzung einer exogenen Vorlage, sondern mit einer unabhängig entstandenen Neubildung zu tun (vgl. Jansen 2005; 36 und 39). Eine saubere Abgrenzung ist im Fall der synchronen Sichtweise nicht immer möglich und bedarf einer etymologischen Analyse, die klärt, ob eine mögliche fremde Vorlage vorhanden war.

63

Zu Risiken beim Nachweis der Assimilation in den Wörterbüchern s. Kap. „Kriterien für die (Nicht)Aufnahme in das Anglizismenkorpus“.

49

Außerdem werden in der vorliegenden Arbeit die Kategorien Fremdwort und Lehnwort nicht auseinandergehalten, da die Frage Fremdwort vs. Lehnwort in der Linguistik nach wie vor umstritten und äußerst problematisch bleibt. 64 Nach der herkömmlichen Definition ist ein Fremdwort ein aus einer fremden Sprache übernommenes, in Schriftbild und/oder Lautung dem Deutschen nicht oder nur teilweise angeglichenes Wort. 65 Als wesentliche Merkmale von Fremdwörtern gelten demnach die fremde Herkunft, der Mangel an formaler Assimilation, das Verstehen der Entlehnungen durch die Sprachträger, Gebrauchsfrequenz u. a. m. (vgl. Langner 1995; 26, ähnlich N.N. (Zur Geschichte und Funktion des Fremdwortes) 2007; 19). Wie O.B. Šahraj zu Recht bemerkt, liegt der Methode der Einteilung in Fremdwort und Lehnwort somit eine recht heterogene Palette an Kriterien zugrunde, wobei diese unterschiedlichen Ebenen angehören: Das formale Kriterium (Assimilation der Wörter in der Nehmersprache) vertritt den diachronen Ansatz, während das funktionale Kriterium (Gebrauch) synchron ist (vgl. Šahraj 1961; 54). In vielen Fällen bleibt die Unterscheidung zwischen Fremd- und Lehnwort dem Sprachgefühl überlassen und hängt dadurch vom Bildungshintergrund des Beurteilers ab (vgl. Zindler 1959; 10, ähnlich Oeldorf 1990; 40). In der Literatur finden sich viele Vorschläge, das Abgrenzungsproblem zu lösen. So definiert D. Duckworth ein Wort als „fremd“, wenn Schreibung und Lautung nach den deutschen Lautregeln nicht übereinstimmen. Ein Wort kann zum Lehnwort werden, wenn Schreibung und Lautung nach den deutschen Lautregeln tatsächlich übereinstimmen. Bei der Anwendung dieser Kriterien kann das gleiche Wort sowohl zum Fremdwort als auch zum Lehnwort (je nach Aussprache) erklärt werden, wie dies beispielsweise bei dem Wort Job der Fall ist (vgl. Duckworth 1979; 239f.). Aus diesem Grund halten es einige Wissenschaftler für angebracht, den Terminus Fremdwort zu meiden. P. von Polenz schlägt vor, die Kriterien

64

S. dazu Schmöe (1998), Lilipenkamp (2001), von Polenz (1979), Kirkness (2007) u. a. m.

65

Vgl. http://www.ids-mannheim.de/ll/fremdwort/fremdwortbegriff.html, 20.07.2009.

50

Zugriff:

der Einteilung abzuändern und nur vom synchronen Ansatz auszugehen (vgl. von Polenz 1979; 19ff.). Allerdings teilen nicht alle Autoren diese Ansicht, vor allem nicht die Schreiber von Fremdwörterbüchern. Für sie ist die Beantwortung der definitorischen Frage von essentieller Bedeutung, denn Fremdwörter bilden ihr Beschreibungsobjekt. So schlägt das Autorenkollektiv vom DFWB vor, den Terminus Fremdwort breiter auszulegen: „Dagegen wird der Stichwortaufnahme ein allgemeineres Fremdwortverständnis zugrunde gelegt. Demnach werden als Fremdwörter, und damit als Stichwortkandidaten, prinzipiell und primär Wortentlehnungen aus fremden Sprachen verzeichnet“ (Hervorhebung im Original) (http://www.idsmannheim.de/ll/fremdwort/fremdwortbegriff.html, Zugriff: 20.07.2009).

Hinter dieser trivialen Definition steht eine solide sprachgeschichtliche Analyse. Die Zuordnung zu der Fremdwortkategorie stützt sich „auf den diachron-historischen Vergleich mit anderen europäischen Sprachen einschließlich des Neu- bzw. Gelehrtenlateins und des Mittellateins, die als Herkunfts-, Vermittler- oder Vergleichssprachen in Frage kommen; sie stützt sich auch auf historische Kenntnisse über den Verlauf und Grad der Integration des betreffenden Wortbildungsmusters im Deutschen“. 66 Das Kriterium „fremdsprachliche Herkunft“ scheint jedoch bei der Stichwortauswahl ungenügend zu sein, denn dann sollten Wörter wie Wein, Mauer, Keller und Fenster auch aufgenommen werden, was wohl nicht beabsichtigt sein dürfte. In einigen Fällen ist es schwierig, das entlehnte Wort der einen oder der anderen Gruppe zuzuordnen, weshalb die Meinungen von Linguisten stark schwanken können. Ein Beispiel dafür ist H.G. Meyer zu entnehmen (Meyer 1974; 129). Bei Supermarkt (Englisch: super market) schließt H. Fink die Substitution aus. Diese Ansicht würde der Einordnung Fremdwort/Lehnwort entsprechen. B. Carstensen kategorisiert den Anglizismus als Lehnwort, während A. Urbanová ihn als Lehnübersetzung definiert. Auch eine Definition als Mischkompositum mit einem sicheren englischen Vorbild ist möglich. Die Problematik liegt zweifellos im Wesentlichen darin begründet, dass das lateinische Wortbildungselement super- sowohl im Deutschen als auch im Englischen existiert. Eine 66

http://www.ids-mannheim.de/ll/fremdwort/fremdwortbegriff.html, Zugriff: 20.07.2009.

51

Möglichkeit, seine Herkunft zu bestimmen, wäre die Aussprache. Dieses Verfahren erweist sich allerdings als ein schwieriges Unterfangen, denn die im Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary & Thesaurus verzeichnete Aussprache des betonten Vokals ist mit der DUDENAussprache identisch, vgl. ´sū-pr (Webster) und ´zu:p (DUDEN Aussprachewörterbuch). Cambridge English Pronouncing Dictionary führt beide Formen an: ´su:pr und ´sju:- (US). Somit sind die Wörterbücher in der Frage, ob super „englisch“ oder „deutsch“ auszusprechen ist, nicht hilfreich. Auf diese Weise spielt bei der Systematisierung und Kategorisierung der Belege die Subjektivität eine nicht unwesentliche Rolle. Angenommen wird, dass super im Deutschen unter dem englischen Einfluss häufiger verwendet wird, daher sein Status als Anglizismus. 67 Aus dem bereits Ausgeführten geht hervor, dass die Frage nach der Klassifizierung der fremdsprachigen Lexik eine der umstrittensten und aktuellsten unter den Entlehnungsfragen bleibt. Eine große Vielfalt lexikalischer Einheiten englischer Herkunft sowie deren Klassifikationen erzeugt oft Zweifel an ihrer ordnungsgemäßen Struktur und vermittelt einen chaotischen Eindruck. Darüber hinaus deckt der größte Teil der Typologien nur bestimmte Abschnitte des Wortschatzes und lässt andere außer Acht. Die Wahl des Kriteriums für eine Klassifikation hängt aufs Engste mit dem Ziel der Beschreibung und mit den jeweiligen Forschungsinteressen zusammen. Die Problematik der Typologisierung der entlehnten Elemente kann in zwei Punkten zusammengefasst werden. Zum einen werden mehrere Kriterien als Klassifikationsgrundlage gewählt (vgl. z.B. Zürns Klassifikation), d. h. auf verschiedenen Ebenen des Modells werden unterschiedliche Klassifikationskriterien angesetzt, unter dem Vorwand, möglichst viele Kategorien abzudecken. Meistens dient dieser Schritt nicht der Übersichtlichkeit, sondern erzeugt das Gegenteil. Folglich wird es dann schwer, eine Entlehnung dieser oder jener Kategorie zuzuordnen. Beispielsweise entstehen in Bezug auf Synchronie und Diachronie Abgrenzungsschwierigkeiten. Wie P. von Polenz in der Diskussion über Lehn- und Fremdwörter betont, sind die bestehenden Kriterien nicht

67

Mehr zum Präfix super- s. Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“.

52

kohärent. Ebenso trifft diese Unzulänglichkeit (Vermischung der Betrachtungsebenen) bei Lehnwortbildungen (Teilersetzung vs. eigensprachiger Wortbildungsweg) zu. Zum anderen ist der terminologische Apparat der Anglizismenforschung erheblich überladen. Die in diesem Kapitel dargestellten Typologien sind nur ein Bruchteil der tatsächlich existierenden Klassifikationen. Das Problem besteht also darin, dass zusätzlich zu den schon vorhandenen Kategorien neue Bezeichnungen vorgeschlagen werden (vgl. z. B. Termini von C. Földes 2007; 8ff. oder von G. Inghult 2002; 21ff.), was sich nicht unbedingt als erkenntnisfördernd erweist. Im Gegenteil wird dadurch der terminologische Apparat belastet und die wissenschaftliche Kommunikation erschwert. 68 S. Jansen bemängelt auch, dass neuere Publikationen, die auf Arbeiten von U. Weinreich und E. Haugen aufbauen, in der Regel weitere Feindifferenzierungen vornehmen. Diese Problematik birgt aber eine Gefahr in sich: Je mehr Untergruppen gebildet werden, desto uneinheitlicher sind die verwendeten Kriterien (vgl. Jansen 2005; 63f.). Das noch von B. Carstensen (1968; 32) beklagte terminologische Durcheinander existiert also bis heute. Sicherlich verdienen alle Kategorien Berücksichtigung, dies sollte jedoch nicht im Rahmen einer Systematik geschehen. Unter solchen Bedingungen sehe ich es als nicht angebracht an, eine neue Klassifikation zu erarbeiten. Ich grenze die für meine Untersuchung relevanten Kategorien ab, die mehr oder weniger eindeutig definierbar sind. In Anlehnung an die oben skizzierten terminologischen und klassifikatorischen Vorschläge werden im Rahmen der Datenanalyse folgende Untergruppen der lexikalischen Entlehnungen berücksichtigt (veranschaulicht mit einigen Korpusbelegen): •

Direkte Entlehnungen wie z. B.: Babysitter, Barkeeper, Copyrights, Default, Discounter, Underweight. Darunter fallen auch Exotismen und Barbarismen, vgl. z. B .: Wall Street, Broadway, Cowboy. Eine Abgrenzung dieser beiden Gruppen kann nicht immer eindeutig

68

Dieses Problem wird ebenso im Kap. „Terminologie des Sprachkontakts“ angesprochen.

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vollzogen werden. In der vorliegenden Arbeit wird sie nicht angestrebt. •

Lehnwortbildungen: 69 Unter den Vertretern dieser Untergruppe finden sich klassische Beispiele wie z.B.: Handy – mobile phone, Showmaster – host, Talkmaster – host, Beamer - data projector, Dressman - male model, Happy End - happy ending, Shakehands – handshake. 70 Eine genaue Auszählung der Vertreter dieser Gruppe wurde im Rahmen meiner Arbeit nicht unternommen.



Wortkürzungen, wie Bob, Biz, Cola, E-Commerce, auch Akronyme 71 ohne deutsche Basis, bei denen die Anglizität mal mehr, mal weniger zum Ausdruck kommt. Die meisten von ihnen werden ohne Vollform zitiert, vgl. DVD, SUV, USB, CD, SMS.



Mischverbindungen: Wie erwähnt, handelt es sich bei dieser Kategorie um Ableitungen wie Besprayung und Komposita aus exogenen und indigenen Bestandteilen wie Gesichts-Tattoo. Bei Mischkomposita versuchen manche Autoren unter Berücksichtigung der Entlehnungsgeschichte – wie oben angedeutet – zwei Typen zu unterscheiden, und zwar Mischkomposita mit englischem Vorbild, bei denen ein Teil in Gestalt von Lehnübersetzung auftritt (vgl. Haarspray und hair spray), und solchen ohne englische Vorlage, die im Deutschen durch Zusammenfügen des nicht-englischen und des übernommenen englischen Teils gebildet werden (vgl. Managerkrankheit und stress disease). Wissenschaftler deuten auf die Schwierigkeiten bei dieser herkunftsgeschichtlichen Zweiteilung hin:

69

Da die Wortform in der vorliegenden Arbeit als Unterscheidungskriterium der Entlehnungen angenommen wird, gehören die Lehnwortbildungen so gesehen zu den lexikalischen Entlehnungen. 70

Beispiele zum Teil von B. Kettemann. B. Engels z. B. konnte in ihren beiden Korpora 12 Scheinentlehnungen (types) finden, eine davon im Korpus aus dem Jahr 1954, die restlichen im Korpus aus dem Jahr 1964 (s. näher Engels 1976; 62f.). 71 S. zu den anderen Typen der Wortkürzungen Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“.

54

„In manchen Fällen ist es sehr schwer festzustellen, ob der Gesamtausdruck schon im Englischen vorhanden ist oder ob das Mischkompositum erst im Deutschen geprägt worden ist“ (Yang 1990; 15).

In der vorliegenden Untersuchung, in der nicht die Wortentwicklung, sondern ihr Ergebnis wichtiger ist, ist es sinnvoll, alle Mischkomposita zusammenzufassen. In Bezug auf die Reihenfolge der Kompositionsglieder sind beide Fälle vertreten: Das englische Wortbildungselement kann sowohl an erster Stelle als auch an zweiter stehen, vgl. Eventkultur, Jobabbau, Singleleben, Trendwende, TalkSendung, Jungstar, Immobilienconsulting, Erfolgsstory. Allerdings scheinen die Fälle, bei denen der englische Teil an der ersten Stelle steht, deutlich zu überwiegen. Ch. Krause-Braun erklärt dieses Faktum dadurch, dass das Determinatum am Wortende den wesentlichen Informationsgehalt des Wortes ausmacht. Die Gefahr des Nichtverstandenwerdens ist viel größer, wenn es sich hierbei um ein englisches Wort handelt, mit dem die Rezipienten nicht vertraut sind. Zudem werden mit einem indigenen Zweitelement alle Probleme vermieden, die mit der Flexion eines am Wortende stehenden englischen Wortbildungselements auftreten könnten: Indigene Endkonstituente wirkt assimilierend (vgl. Krause-Braun 2002; 160, ähnlich Müller 2005b; 44). Diese Entlehnungskategorien sind in mein Korpus eingeschlossen und gehören zum äußeren Lehngut. Andere Entlehnungskategorien werden dem inneren Lehngut zugeordnet. Sie lassen kein fremdes Material erkennen und werden daher vom Laien gewöhnlich nicht als Entlehnung unter fremdsprachlichem Einfluss angesehen. Hier schneide ich die traditionelle Streitfrage an, ob die Ergebnisse der Entlehnung von den Ergebnissen der strukturellen Ähnlichkeit auf Grund des gemeinsamen Erbes und von den Ergebnissen der inneren Sprachentwicklung unterscheidbar sind. Eine Lehnprägung nachzuweisen kann in der Tat auch für einen Sprachwissenschaftler problematisch sein. So macht z.B . B. Carstensen auf die Schwierigkeiten bei der Feststellung der englischen Herkunft aufmerksam: „Anglizismen dieser Art [des inneren Lehngutes] nachzuweisen, ist schwierig“ (Carstensen/Busse 1993; 61* sowie 2001; 61*).

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Bei der Arbeit am Anglizismen-Wörterbuch konnte B. Carstensen in manchen Fällen den englischen Einfluss nur vermuten und nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bestätigen, dass das englische Element ein Vorbild für die Lehnprägung war. Demzufolge sind einige Lemmata in seinem Wörterbuch mit den Markierungen „wahrsch.“ und „evtl.“ versehen. Tatsächlich kann man in manchen Fällen mit gleicher Wahrscheinlichkeit sowohl Entlehnung als auch indigene Bildung aus eigenen wortbildenden und lexikalischen Elementen vermuten. E. Leisi und W. Viereck bekräftigen die angeführte Aussage: „Die Gruppe der Lehnübersetzungen 72 ist wesentlich problematischer als diejenige der gewöhnlichen Wortübernahmen. … [es] ist oft kaum zu entscheiden, ob man aus der Verwandtschaft des deutschen mit einem englischen Ausdruck auf eine Entlehnung schließen soll. […] Gesetzt, die Erfindung sei im englischen Sprachraum entstanden und erstmals benannt worden, so ist es doch immer noch möglich, dass sie im deutschen Gebiet unabhängig von dem englischen Wort benannt wurde. Es geht also nicht an, aus der bloßen Ähnlichkeit der Ausdrücke automatisch auf Einflüsse zu schließen“ (Leisi 1999; 217, ähnlich Viereck 1980c; 15, Bechert/Wildgen 1991; 81, Onysko 2007; 28).

Das Problem der Klärung der Herkunftsfrage von Entlehnungen ist darauf zurückzuführen, dass der aktuelle Entwicklungszustand der Sprachen das Ergebnis eines jahrhundertelangen ständigen gegenseitigen Austausches von lexikalischen und anderen Elementen ist. In einer Sprache können Elemente unter eigensprachlichem Einfluss entstehen, die strukturell den entsprechenden Elementen einer anderen Sprache ähneln. Aus dem Gesagten kann man schließen, dass bei der Bestimmung des Status eines Lexems, wenn entschieden wird, ob dieses auf Grund der eigenen Wortbildung oder ganz aus einer anderen Sprache übernommen wurde, in vielen Fällen nur hypothetische und keine kategorischen Aussagen gemacht werden können. Das ist der Grund, warum die Lehnprägungen nicht in das analysierte Korpus aufgenommen wurden. Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass es für die Feststellung einer Lehnübersetzung einer detaillierten, 72 Hier werden unter Lehnübersetzungen die Betzschen Lehnprägungen verstanden, da sie als Oberbegriff den „gewöhnlichen Wortübernahmen“ gegenübergestellt werden.

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tieferen Analyse bedürfte. Im Rahmen dieser Untersuchung war dies nicht erfüllbar, da eine sehr umfangreiche Textmenge (etwa 450 Zeitungsseiten) der Analyse unterzogen wurde. Das Material der Untersuchung wird im praktischen Teil der Arbeit nach Themenbereichen und Wortarten klassifiziert. Die Prinzipien dieser Klassifizierung werden im Folgenden näher erörtert. 1.4.b. Kategorien der Anglizismen nach Sachbereichen Autoren, die sich dem Problem der Entlehnung widmen, befassen sich unter anderem mit der onomasiologischen Verteilung. Einheitliche Kriterien für eine Kategorisierung von Entlehnungsbereichen 73 fehlen. Die Bezeichnungen für Entlehnungsbereiche sowie deren Zahl variieren in den Untersuchungen erheblich. Sie hängen vom Objekt der Untersuchung und deren Zielen ab. Die erste Klassifizierung von Anglizismen nach Sachgruppen dürfte von H. Dunger aus dem Jahre 1909 stammen. Er stellte die „Engländerei“ in folgenden Lebensbereichen fest: im häuslichen und gesellschaftlichen Leben, in der Bezeichnung von Speisen und Getränken sowie von Kleidung und Stoffen, im Gewerbe und Handel, in der Seemannsprache, im Verkehr und öffentlichen Leben, in Technik und Wissenschaft (Dunger 1909, Nachdruck 1989).

73

Die Kommunikationsbereiche im deutschen Sprachverkehr, in denen Anglizismen verwendet werden, sind hier von Domänen des Sprachgebrauchs zu trennen. „Domäne des Sprachgebrauchs oder der Sprachwahl sind definiert als abstrakte Konstrukte, die durch zu einander passende Orte, Rollenbeziehungen und Themen bestimmt sind“ (Werlen 2004; 335). Der Terminus Domäne ist also der Begriff zur Beschreibung soziokultureller Konstrukte und beinhaltet somit auch soziales Verhalten als Bedeutungskomponente. Beispiele dafür wären Familie, Arbeitsplatz, Nachbarschaft, Kirche und staatliche Verwaltung. Somit ist der Terminus Domäne breiter zu fassen als der Begriff Themen- oder Sachbereich bzw. bezieht er sich zumindest auf eine andere Dimension als der Sachbereich. Die meisten der hier dargestellten Klassifikationen von Entlehnungsbereichen vermischen beides (vgl. z. B. Urbanová 1966; 107). In der Terminologie der vorliegenden Arbeit werden synonym folgende Termini gebraucht: Themenbereich, Kommunikationsbereich, Themenfeld, Sachgruppe, Sachbereich. Die Domänen eignen sich für diese Untersuchung nicht, denn es wird hier von den Zeitungssparten ausgegangen (ausführlicher s. weiter im Text).

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Eine Reihe von Untersuchungen der Sprache Westdeutschlands stammt aus den 1960er Jahren. In diesen Arbeiten sind Entlehnungsbereiche unterschiedlich eingeteilt: B. Carstensen beschränkt die Einflussbereiche des Englischen auf neun Gebiete – Wirtschafts- und Gesellschaftsleben, Technik, Politik, Sport, Mode, Nahrungsmittel, Tourismus, Musik und leichte Muse (vgl. Carstensen 1965; 28), während die tschechische Linguistin A. Urbanová die entlehnten Anglizismen 13 Bereichen zuordnet, und zwar Politik, Wirtschaft, Technik, Werbung, Fahrzeuge, Sport, Haushalt, Kleidung, Jazz, Filmindustrie und Fernsehen, Jugendsprache, Literatur und Kritik sowie Zeitungen und Zeitschriften (vgl. Urbanová 1966; 107). H. Fink richtet sich bei der Aufteilung des englischen Lehngutes nach den Rubriken der analysierten Zeitungen. So ermittelt er die Anglizismenübernahmen in den Sparten „Stellenmarkt“, „Politik“, „Wirtschaft und Finanzen“, „allgemeine Geschäftswerbung“ und „Feuilleton“ (vgl. Fink 1968; 453). Bei der Untersuchung des sprachlichen Gebrauchs in der DDR listet M. Lehnert die Themenfelder auf, die trotz der historischen Bedingungen englischem Einfluss ausgesetzt waren, und zwar Sport, Tanzmusikterminologie, Bekleidung, Nahrungs- und Genussmittel (vgl. Lehnert 1986). In den Arbeiten aus den 1990er und 2000er Jahren kommen neue Sachbereiche hinzu, die die Entwicklungen der letzen Jahre widerspiegeln. Ein besonders starkes Auftreten englischer Wörter ist nach E. Leisi nach wie vor u.a. in den Bereichen „Wirtschaft“, „Technik“, „Werbung“, „Sport“, „Flugverkehr und Tourismus“, „Wissenschaft“ (z. B. Linguistik: Type, Token, Native Speaker) sowie „Unterhaltung“ und „modernes Leben“ (Lifestyle, easy, Massage), aber auch in der elektronischen Datenverarbeitung zu beobachten (vgl. Leisi 1999; 216). Anhand seines Korpus teilt S.V. Mangušev die vorgefundenen Anglizismen auf folgende Kommunikationsbereichen auf: Unterhaltung (Filmkunst, Musik, Urlaub), Sport, Spitzentechnologien, Fahrzeuge, Mode, Business, zeitgenössische Gesellschaftsprobleme (Drogen etc.), Politik und Essen (vgl. Mangušev 2002; 39f.). M.A. Breiter deckt dagegen mit der Einteilung des englischen Lehngutes nahezu alle Lebensbereiche ab: gesellschaftliches und politisches Leben, 58

Finanzen, Wirtschaft, Handel, Wissenschaft und Technik, Seeterminologie, Militärterminologie, Reisen, Tourismus, Speisen, Getränke, Stoffe und Kleidung, Popmusik und Unterhaltung, Kultur und Kunst, Tiere und Pflanzen, Maß- und Gewichtsbezeichnungen (vgl. Breiter 1997; 41f.). Die schwerpunktmäßig untersuchten Themengebiete lassen einen vorsichtigen Schluss darüber zu, in welchen Sparten man vermehrt Anglizismen erwarten kann. In diesem Sinne dienen die Ergebnisse anderer Studien (vgl. Jabłoński 1990; 3ff., Fink/Fijas/Schons 1997; 24ff., Glahn 2000; 174) als grobe Orientierungshilfe für die hier vorliegende Untersuchung. Immer wieder genannte Bereiche sind „Sport“, „Musik“ und „Kultur“ sowie „Wissenschaft/Technik/Computer“, aber auch „Bekleidung/Mode“, „Nahrung und Genussmittel“ sowie „Wirtschaft“ und „Politik“. B. Carstensen (1965), H. Fink (1968), E. Leisi (1999), R. Glahn (2000) und S.V. Mangušev (2002) beachten bei ihrer Einteilung, welches Sachgebiet dem Einströmen englischer Wörter am meisten ausgesetzt ist. Dabei vermerkt S.V. Mangušev „Unterhaltung und Vergnügen“ als Hautpeinflussgebiete, während E. Leisi und B. Carstensen „Wirtschaft“ und „Politik“ auf den ersten Platz setzen. Eine besondere „Anglizismenfreundlichkeit“ konnte R. Glahn in den Bereichen „Werbung“ und „Sport“ feststellen (vgl. Glahn 2000; 176). In den 1960er Jahren wurde die thematische Gruppe „Jazz“ (z. B. A. Urbanová) gesondert behandelt, da die genannte Musikrichtung zu dieser Zeit populär war, aus Amerika kam und viele Anglizismen in die deutsche Sprache einführte. In den zeitgenössischen Klassifikationen werden Themen wie „Spitzentechnologien“, „elektronische Datenverarbeitung“ (E. Leisi) und „Computer“ ausgegliedert, wobei Yu. Rinner-Kawai bemerkt, dass in den technischen Bereichen der englische Einfluss besonders stark vertreten ist (vgl. Rinner-Kawai 1991; 367). Unter der Fragestellung, wie die Anglizismen in verschiedenen Themenbereichen und Sparten verteilt sind, hat K.-H. Best die Ergebnisse unterschiedlicher Studien aus den Jahren von 1983 bis 2002 statistisch ausgewertet. Dabei hat sein Vergleich ergeben, dass die Resultate der Untersuchungen je nach dem analysierten Publikationsorgan höchst unterschiedlich ausfallen. Die offenbar dominierenden Themenbereiche 59

sind jedoch „Sport“ und „Werbung“. In bestimmten Medien treten Anglizismen auch in den Bereichen „Computer“, „Film“, „Musik“ etc. gehäuft auf (vgl. Best 2003; 19). Oft begegnet man bei thematischen Klassifizierungen dem Problem, dass horizontale und vertikale Stratifikation der Sprache, d. h. Soziolekte bzw. Register einerseits sowie Themen andererseits, vermischt werden (vgl. auch Fußnote 78). Dies ist schon bei H. Dunger (1909, Nachdruck 1989) der Fall (vgl. z. B. Seemannssprache und Bezeichnung von Speisen und Getränken). Aber auch neuere Publikationen gehen dem Problem nicht aus dem Weg: In der Auflistung der am meisten von Anglizismen „betroffenen“ Bereiche stehen bei G. Zifonun (2002; 4) neben „Jugendkultur“ (soziale Schichtung) „Computer und Informationstechnologien“ (themenbezogene Schichtung). In der Regel bereiten die Bezeichnungen der Themenbereiche keine Schwierigkeiten. Sie entstehen bei der Zuordnung lexikalischer Einheiten nach ihrer Semantik in die jeweiligen Gruppen: Polysemie der Wörter führt dazu, dass diese mehreren thematischen Gruppen zugeordnet werden können. Folglich kreuzen sich die Grenzen thematischer Felder und überlappen sich einzelne Gebiete. Um der Verwirrung und den damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Klassifizierung nach Themenbereichen zu entkommen, wurden in der vorliegenden Arbeit die Entlehnungsbereiche entsprechend den Zeitungssparten angelegt. Jede Zeitungsseite ist in der Regel einer Sparte untergeordnet. Diese Regelmäßigkeit ist auch in der Zeitung Die WELT zu verzeichnen. Da die Zeitungsseite in der vorliegenden Untersuchung als Stichprobeneinheit gewählt wurde, kann ich in der Klassifikation von den Rubriken ausgehen. Für meine Arbeit gelten also folgende Gruppen als Entlehnungsbereiche: „Politik“, „Wirtschaft“, „Sport“, „Kultur“, „Wissenschaft und Technik“ sowie „Gesellschaft“. Unter dem Themenfeld „Politik“ wurden die Titelseite von Die WELT sowie die WELT-Sparten „Deutschland“, „Ausland“ und „Forum“ zusammengefasst. Den Themenbereich „Wirtschaft“ bilden die gleichnamige Rubrik „Wirtschaft“ oder „Welt der Wirtschaft“ 74 sowie die Rubriken 74

Die Spartenbezeichnungen aus den beiden untersuchten Jahrgängen unterscheiden sich um einiges.

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„Finanzen“, „Finanzmärkte“ und „Immobilien“. Letztere kommt nicht nur auf gesondert nummerierten Seiten, sondern auch im regulären Teil vor. In diesem Fall wurde sie in den Korpus einbezogen. Im Themenfeld „Kultur“ sind die Zeitungssparten „Welt der Kultur“, „Multimedia & TV“ oder „Medien – Film – Fernsehen“ sowie „Feuilleton“ erfasst. Die Sparte „Magazin“ wurde entsprechend ihrem Inhalt entweder dem Themenbereich „Kultur“ oder „Politik“ zugerechnet. Genauso bedurften die Sparten „Hintergrund“, „Welt im Gespräch“ und „Aus aller Welt“ einer inhaltlichen Analyse, bevor sie einem der Themenfelder „Gesellschaft“, „Kultur“ oder „Politik“ zugeordnet wurden. Die Rubriken „Welt der Wissenschaft“, „Welt der Medizin“, „Umwelt und Natur“, „Welt der Technik“ und „Auto Welt“ habe ich zu einem Themenfeld „Wissenschaft und Technik“ zusammengefasst, da es sich wegen ihrer geringen Zahl als nicht sinnvoll ergab, die in der Stichprobe vertretenen Seiten separat zu analysieren. 1.4.c. Kategorien der Anglizismen nach Wortarten Die Wortartenproblematik in Bezug auf Lehnwörter englischer Herkunft wurde in der Linguistik vielfach diskutiert. Allgemein gilt auch heute noch die Feststellung von O. Jespersen, dass hauptsächlich nominale, bezeichnende Einheiten, Autosemantika, entlehnt werden: „Ganz in der natur der sache liegt es, daß überall eine viel größere geneigtheit besteht, „vollwörter“ (substantiva, adjektiva, begriffsverba) zu entlehnen als „inhaltslose formwörter“ (pronomina, präpositionen, konjunktionen, hilfszeitwörter), eine klasse, der die meisten „grammatischen“ wörter angehören“ (Jespersen 2003; 192, Nachdruck der Ausgabe 1925).

Synsemantika werden äußerst selten entlehnt: „Personal- und demonstrativpronomina, artikel und ähnliches werden kaum jemals aus einer sprache in eine andere übernommen. Sie sind so fest verknüpft mit dem innersten gewebe einer sprache, daß niemand daran denken würde, sie aufzugeben, wie gerne er auch seine rede mit ausdrücken aus einer fremden quelle schmücken möchte“ (Jespersen 2003; 193).

Die Entlehnung von Synsemantika kann nur unter besonderen Bedingungen erfolgen, wenn „außergewöhnliche ursachen eingewirkt haben müssen“ (Jespersen 2003; 193, ähnlich Maslov 1975; 261). 61

Hier muss die Frage gestellt werden, ob sich die wortartspezifischen Kategorien der Quell- und Zielsprache unterscheiden. Eine eindeutige Zuordnung englischer Lehnelemente ist dadurch erschwert, dass diese in der Quellsprache verschiedene Funktionen erfüllen können, da für das Englische der Wortartenwechsel je nach der syntaktischen Funktion charakteristisch ist, vgl.: I book a flight. I buy a book. Wenn in diesem Beispiel das Wort book als Substantiv ebenso wie als Verb fungiert, stellt sich die Frage, ob es bei der Entlehnung in der jeweils gleichen Funktion oder nur als Morphemmaterial übernommen wird. Vermutlich geht der Entlehnung die Voranalyse des Kontexts voran, nach der die modellsprachliche syntaktische Funktion des zu entlehnenden Lexems die Grundlage für die nachfolgende Wortartenzuweisung in der Zielsprache bietet. Die Übernahme bedeutet nicht unbedingt einen wortkategorialen Wandel: Englische Lexeme im Deutschen sind meist Resultat von Sprachkontakt. Daher werden sie in einem bestimmten Kontext wahrgenommen. Ihre morphologische Verwendbarkeit ist im Deutschen damit vorgegeben: Sie werden im Deutschen in vergleichbaren Kontexten wie im Englischen verwendet. Alle Forscher erkennen Substantive als die größte Wortklasse unter den Entlehnungen (H. Fink, K. Viereck, E. Haugen, T.G. Linnik, W. Yang, B. Engels, M. Jabłoński u. a. m.). Verben werden, wie manche Autoren feststellen konnten, nicht so leicht übernommen wie Adjektive, denn in dem von ihnen untersuchten Material überwiegen die Adjektive zahlenmäßig über die Verben (vgl. Fink 1968; 20, Glahn 2000; 141, Plümer 2000; 142, Onysko 2007; 131). Diese Entwicklung widerlegt die Untersuchung von W. Yang. Seinen Ergebnissen zufolge steht der Häufigkeit nach das Verb vor dem Adjektiv, anschließend folgt das Adverb (vgl. Yang 1990; 28f.). Anhand zweier Stichproben aus der Zeitung Die WELT stellt B. Engels fest, dass im Jahr 1954 die Verben über die Adjektive dominieren, während 1964 das Bild umgekehrt ist. Diese Tatsache lässt vermuten, dass verbale und adjektivische Anglizismen immer um die Gebrauchsfrequenz konkurrieren (vgl. Engels 1976; 58). Bei der Untersuchung von internationalen Anglizismen konnte M. Jablonski eine andere Gesetzmäßigkeit entdecken: In seiner Stichprobe 62

nimmt die verbale Gruppe in Bezug auf die Verwendungsfrequenz die letzte Stelle ein. Davor stehen mit fallender Tendenz Adjektive, Adverbien und Phrasen (vgl. Jabłoński 1990; 150). In ihrer Abhandlung über allgemeine Probleme der Entlehnung schreibt T.G. Linnik, dass im Vergleich zu Substantiven, Adjektiven und Verben andere lexikalisch-grammatischen Klassen – quantitativ gesehen – nicht zahlreich sind (vgl. Linnik 1989; 104ff.). Als Erklärung dafür, warum die entlehnten Anglizismen quantitativ nicht gleichmäßig nach Wortarten verteilt sind, werden semantische, strukturelle oder außersprachliche Faktoren genannt. So wird z. B. die Dominanz der Substantive bei den entlehnten Wortarten durch die Notwendigkeit erklärt, neue Sachen, seltener neue Begriffe und noch seltener neue Eigenschaften zu bezeichnen, sowie auch dadurch, dass den Wortarten verschiedene Funktionen und Eigenschaften im Sprachsystem zukommen (vgl. Linnik 1989; 110). Andere Gründe sind, dass Substantive präzise Konzepte liefern und im Gegensatz zu Verben und Adjektiven „morphologisch neutral“ sind, d. h. sich ohne größere Veränderungen dem System der deutschen Sprache anpassen können (vgl. Riehl 2004; 81), während „verbs and adjectives bear a higher syntactic and semantic load“ (Onysko 2007; 45, Fußnote 2, ähnlich Field 2002; 115f.). E. Haugen schreibt: “The fact that many nouns and verbs are borrowed, but few prepositions, interjections, pronouns, or conjunctions is quite simply correlated with the fact that the language has many of the former and few of the latter” (Haugen 1969; 407).

T.G. Linnik glaubt, ebenso wie E. Haugen, dass der Grund für quantitative Differenzen der entlehnten Wortarten verschiedene Wurzeln hat und vor allem in der Relation der Wortarten im Sprachsystem besteht. Offensichtlich ist in allen Sprachen der Welt die lexikalischgrammatische Klasse der Substantive die umfangreichste, 75 deshalb überwiegen substantivische Entlehnungen über die anderen Wortarten. Außerdem muss man die Besonderheiten der zahlenmäßigen Vertei75 So machen z. B. im Deutschen die lexikalisierten Repräsentanten der Substantive rund die Hälfte des gesamten Wortschatzes aus (vgl. MLS 2004; 9497). S. ausführlicher Kap. „Ermittlung der Wortartenverteilung“.

63

lung der Wortarten für jede einzelne Sprache berücksichtigen (vgl. Linnik 1989; 111). Anders gesagt ist es nicht korrekt, die Wortarten zahlenmäßig miteinander zu vergleichen. Der Vergleich kann nur innerhalb einer Wortart erfolgen. 76 Für die vorliegende Untersuchung kamen ursprünglich vier Hauptwortarten in Frage, weil diese, wie oben dargestellt, am häufigsten unter den Entlehnungen vorkommen. Für Adverbien ließen sich im Zuge der Untersuchung keine Belege finden. So beschränkte ich mich auf Substantive, Verben und Adjektive. 77 Die Zuweisung der Korpusbelege zu den genannten Wortarten ergab einige Schwierigkeiten, insbesondere erwiesen sich die Partizipien als problematisch. Entschieden werden musste, ob das Partizip als verbale oder nichtverbale Form behandelt werden soll. In der Literatur herrschen unterschiedlichen Meinungen zur Wortartenklassifikation der Partizipien (s. dazu Zhou 1993; 383ff.). Ich habe die Partizipien ihren syntaktischen Funktionen entsprechend zugewiesen und mich dabei auf die Wortartenklassifikation der IDSGrammatik gestützt. Partizipien I werden als Adjektive klassifiziert, da sie keine Flexionsformen von Elementen der Wortklasse Verb sind, sondern durch Wortbildung aus Verben entstandene Adjektive (vgl. Erb 2005; 92). „Es liegt deshalb nahe, das Part1 aus dem verbalen Paradigma herauszunehmen und es als deverbales Adjektiv anzusehen“ (Eisenberg 2006; 201).

Etwas anders ist es beim Partizip II. Auch hier gilt die Einstufung als Adjektiv, sobald sich syntaktische Eigenschaften eines Adjektivs erkennen lassen, und zwar prädikativer oder adverbialer Gebrauch sowie Flektierbarkeit 78 und Steigerung. Gehört das Partizip II aber dem Verbalkomplex an, d. h. steht es in Verbindung mit haben/sein oder werden zum Ausdruck von Perfekt oder Passiv, so ist es als infinite Verbform anzusehen.

76

Dazu im Kap. „Statistische Auswertung der Anglizismen nach Wortarten und Themenbereichen“.

77

Mitglieder anderer Wortarten kommen im Untersuchungskorpus nicht vor, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass der englische Einfluss auf das Deutsche im Vergleich zu dem des Lateinischen und Französischen relativ jung ist.

78

In der Regel wird in attributiver Funktion, d. h. links vom Nomen, flektiert.

64

Die Aufbereitung des bisherigen Forschungsstandes zur Klassifikation der Anglizismen nach Wortarten hat gezeigt, dass sich die entlehnten Anglizismen auf vier Hauptwortarten verteilen: Substantive, Verben, Adjektive und Adverbien. Die Substantive sind die größte Gruppe, die Verben und Adjektive konkurrieren zahlenmäßig miteinander. In diesen Vergleichen steckt allerdings ein methodischer Fehler: Man operiert mit absoluten Werten, ohne sie in Relation zur Verteilung der Wortarten im Lexikon zu setzen. 1.5. Entlehnungsbegleitende Faktoren In diesem Kapitel geht es vor allem darum, die Frage zu beantworten, warum und wie (unter welchen Bedingungen) exogene Einheiten übernommen werden. Allgemein gilt hier: Ein Ereignis oder Zustand A ist die Ursache für die Wirkung B, wenn B von A herbeigeführt wird. In dieser Arbeit wird zwischen den Begriffen Motiv, Ursache, Grund, Anlass, Bedingung (Voraussetzung) und Faktor nicht unterschieden. Über die genaue Abgrenzung herrscht in der Literatur ohnehin keine Einigkeit. 79 Ihnen ist gemein, dass sie Kausalität bezeichnen, d. h. die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Bei der vorliegenden Betrachtung der Motive wird nicht berücksichtigt, ob die Motive kausal voneinander abhängig oder nebenläufig sind und in welcher kausalen Abhängigkeit sie zueinander stehen. Relevant ist nur die Richtung „Ursache → Entlehnung“. Daher ist eine feine Differenzierung zwischen den oben erwähnten Begriffen für die vorliegende Untersuchung nicht erforderlich. Der Einheitlichkeit halber entscheide ich mich für den Terminus Faktor. Die Motive des Lexemtransfers 80 bilden ein Konglomerat, aus dem einzelne Motive nur schwer zu isolieren sind. Selten ist ein einziges Motiv überzeugend. Vielmehr wirken mehrere Faktoren zusammen, und gelegentlich sogar gegeneinander (Lilienkamp 2001; 75).

Trotz der Feststellung von M. Lilienkamp, dass sich die Entlehnungsmotive schwer isolieren lassen, versuchen viele Autoren, sie im Rahmen wissenschaftlicher Analysen zu klassifizieren. 79

Näheres zur Differenzierung s. D. Schütte (1996; 75ff).

80

In der Terminologie dieser Arbeit Entlehnung.

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Entlehnung kann extern oder intern bedingt sein. Daher gliedert man die Entlehnungsfaktoren in Bezug auf Sprache in außer- und innensprachliche. 81 Eine Übersicht von beiden Gruppen ist bei L.P. Krysin (1968), L.V. Vasil´eva (2004), V.M. Aristova (1978), U. Weinreich (1977; 79ff.), B. Engels (1976), V. Béchet-Tsarnos (2005; 139ff.) gegeben. Das andere Klassifikatorenpaar ist das Erschweren bzw. Vorantreiben 82 der Entlehnung. Die Klassifikation nach diesen Parametern schlägt B. Engels (1976; 74ff.) vor. H.C. Langner (1995; 41ff.) beschreibt mit dem gleichen Klassifikatorenpaar die die phonologische und graphematische Integration beeinflussenden Faktoren. Da Integration als ein Teil des Entlehnungsprozesses verstanden wird (s. Kap. „Sprachliche Entlehnung“), führe ich Entlehnung und Integration beeinflussende Faktoren zusammen. Man muss aber an dieser Stelle bemerken, dass nicht alle Faktoren für beide Prozesse (Entlehnung und Integration) gleichgerichtet sind. So z. B. kann hohes Ansehen der Fremdsprache der Integration entgegenwirken, bekräftigt aber das Motiv für die Entlehnung. Das gleiche gilt für die beiden anderen Faktoren wie Fremdsprachenkenntnisse 81 V. Béchet-Tsarnos verwendet Termini „interne“ und „externe“ Gründe (2005; 139f.), wobei schon U. Weinreich von internen oder sprachinternen Faktoren schreibt. Zudem bemängelt die Autorin, dass Fragen nach Ursachen und Motiven für die Übernahme von Anglizismen eher im Hintergrund der Forschungen standen (ebd.). Sie versucht, diesen Mangel zu beheben, wobei ihre Ausführungen im Wesentlichen an Weinreichs Entlehnungsmotive angelehnt und nicht wirklich erkenntnisgewinnend sind. Unter Weinreichs Namen verkauft sie auch Motive von anderen Autoren wie „Imponiergehabe“ (Aufnahmebereitschaft der Deutschen und Imponiergehabe werden in dieser Arbeit nicht diskutiert, da diese Faktoren nicht wertfrei sind und daher unwissenschaftlich). Einige Motive von U. Weinreich, z. B. „Zweisprachigkeit“ und „Wunsch nach komischen Effekten“, schließt sie aus, ohne dies zu begründen. In der Tat sind die Ursachen für Entlehnungen sehr weit zu verstehen, auch als stilistische, politische, kulturelle, historische usw. Aus dieser Perspektive betrachtet, sind sie keinesfalls „im Hintergrund der Forschungen“ (s. o.). Denken wir an stilistische Wirkungen von Anglizismen. Im Grunde genommen sind sie nichts anderes als Motive von Entlehnungen (s. weiter im Text). Dieser Aspekt wurde von H. Galinsky (1975) und J. Pfitzner (1978) erforscht. 82 Die lexikalische Entlehnung hervorrufenden Faktoren sind schon bei U. Weinreich zu finden (1977; 79ff.). G. Inghult (2002; 43ff.) teilt die Faktoren je nachdem, ob sie direkte Übernahme oder Lehnprägung begünstigen (in seinen Termini „Adoption“ bzw. „Reproduktion“). Diese Teilung ist für die vorliegende Arbeit nicht relevant, da ich die Lehnprägungen nicht berücksichtige. Einige von seinen Kategorien, die für direkte Übernahmen in Frage kommen, sind meistens schon bekannte und noch von U. Weinreich behandelte Motive (z. B. Form, stilistische Merkmale, Bedeutung).

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und fachsprachliche Kommunikation. Der andere von H.C. Langner erwähnte Faktor – Etymologie der Entlehnungen – begünstigt jedoch beide Prozesse. Zu den entlehnungserschwerenden Faktoren zähle ich den Sprachpurismus. Er wirkt allerdings integrationsfördernd. 83 Die hier aufgezählten Faktoren möchte ich nicht im Einzelnen ausführen, da sie von H.C. Langner bereits dargestellt worden sind. Sie lassen sich noch durch einige weitere Faktoren ergänzen. Die Klassifikation von B. Engels beinhaltet neben beiden genannten Klassifikatoren „Erschweren bzw. Erleichtern der Entlehnung“ einen weiteren und somit ergibt sich ein dreigliedriger Raster aus „Faktoren, die der Entlehnung entgegenwirken“, „Faktoren, die die Entlehnung erleichtern“ und „Faktoren, die die Entlehnung verursachen“. Da die entlehnungserleichternden Faktoren genauso wie die entlehnungsverursachenden Faktoren eine kausale Beziehung zur Entlehnung haben, werden sie in dieser Arbeit in eine Gruppe gefasst. In die Gruppe der entlehnungserschwerenden Faktoren fallen zuerst formale Faktoren, nämlich das Aufeinandertreffen zweier phonologischer Systeme der Geber- und Nehmersprache. Sobald das erste Stadium der Entlehnung durch bilinguale Sprecher abgeschlossen ist, entspricht das Lehngut nicht mehr seinem ursprünglichen quellsprachlichen Lautbild. Die Laute werden meistens durch ähnliche Laute der Zielsprache ersetzt. 84 Ein entsprechendes Beispiel führt B. Engels an: Ihrer Beobachtung nach wird das Wort job nicht mehr als amerikanisches [] oder britisches [] ausgesprochen, sondern als [] 85 oder [] (vgl. Engels 1976; 74f.). Ebenso zu der Gruppe der formalen Gründe, die dem Entlehnen entgegen wirken, rechnet B. Engels (vgl. Engels 1976; 75) die Divergenz in der Phonem-Graphem-Relation. Bekanntlich unterscheiden sich das lautli83

Noch ein von H.C. Langner genannter integrationsfördernder Faktor – das Alter der Entlehnungen – kann nicht als entlehnungsbegleitender Faktor klassifiziert werden, daher wird er hier nicht behandelt. 84

S. zur phonologischen Integration im Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“.

85

In der Transkription des Anglizismen-Wörterbuchs [] (2001; 731).

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che Bild und die graphische Darstellung eines Lexems im Englischen essentiell voneinander (z. B. ice [ais]). Deswegen kann es problematisch sein, das Schrift- und Lautbild zu einem Lexem zuzuordnen, wenn es nicht gleichzeitig gehört und gelesen wird. Auch semantische Schwierigkeiten können dem Entlehnungsprozess einen Stein in den Weg legen. Nichtverstehen von fremdsprachlichen Einheiten verursacht Fehlinterpretationen der Bedeutung durch Sprachträger der Zielsprache. Eine exemplarische Untersuchung zur Kenntnis der englischen Wirtschaftsterminologie bei Unternehmern, Führungskräften und Mitarbeitern der neuen und alten Bundesländer hat gezeigt, dass sich das durchschnittliche Anglizismenverständnis auf 62,0% in Westdeutschland und auf 46,4% in Ostdeutschland beläuft (vgl. Effertz/ Vieth 1996; 175). In den der Umfrage zugrunde liegenden MultipleChoice-Fragebogen waren eine korrekte Definition und vier Distraktoren zu jedem Terminus angegeben. Da Distraktoren irritierend wirkten, konnte der Kontext der Definition in diesem Fall keine große Hilfe leisten. Die Ergebnisse wären vielleicht besser, wenn die Termini in einem größeren Kontext gebraucht wären, weil bei der Unkenntnis oder bei dem Nichtverstehen eines Wortes dessen Bedeutung durch den Kontext rekonstruierbar wäre. Ein anderer möglicher Grund für niedrige Werte einer solchen Untersuchung könnte darin liegen, dass sich die ausgewählten Termini nicht einer großen Gebrauchshäufigkeit erfreuen, denn generell gilt: Je größer die Gebrauchshäufigkeit eines Wortes ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es richtig verstanden wird. Jedoch sollte für die beschriebene Untersuchung dies nicht zutreffen, denn die Termini hätten usuell und allgemein bekannt sein müssen, denn die Auswahl erfolgte aus den Fachbüchern, die in die Thematik der allgemeinen Betriebswirtschaftslehre einführen, aus Wirtschaftsteilen von Tageszeitungen und Wirtschaftsnachrichten des deutschen Fernsehens (vgl. Effertz/ Vieth 1996; 30). Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass die Untersuchung von A. Effertz und U. Vieth sehr spezifisch ist, da nach der Kenntnis marktwirtschaftlicher Terminologie bei den Wirtschaftlern gefragt wurde. Aus diesem Grund dürften die Werte für die ganze Sprachgemeinschaft dann noch kleiner sein, was die Untersuchung von W. Viereck deutlich 68

zeigt: Laut seinen Studien aus den 80er Jahren betrug der durchschnittliche Verständnisgrad der 39 untersuchten Anglizismen 30% und der durchschnittliche Gebrauchsgrad 28% 86 (vgl. Viereck 1980a; 277f.). Eine neuere, jedoch auch sehr spezifische Untersuchung wurde von der Agentur für Benennungsmarketing ENDMARK GmbH im Jahr 2006 durchgeführt. 87 Die Umfrage von insgesamt 1.072 Personen im Alter von 14 bis 49 Jahren in den vier Städten (Hamburg, Köln, Leipzig und München) zielte darauf ab, die Frage über das Verständnis der Werbebotschaften (Claims) zu beantworten. Dabei wurden die Claims nicht im Kontext der jeweiligen Werbung (Anzeige oder Spot) untersucht, sondern separat. Ausgewählt wurden zwölf „rein englische“ Claims (d. h. keine Mischformen) hochfrequenter bundesweiter EndverbraucherWerbung aus den Branchen: Automobil, Telekommunikation, Touristik, Nahrungsmittel, Bekleidung und Versicherungen (jeweils verschiedener Preis- und Zielgruppensegmente). Die Ergebnisse der Auswertung haben gezeigt, dass je nach dem Claim die Verständniswerte sehr stark streuen: von 55% bis 8%. Jedoch liegt der höchste Wert nur bei 55% der Befragten, die die Werbebotschaft „Feel the difference“ richtig verstanden haben. Diese Studie liefert deutliche Indizien dafür, dass englische Werbebotschaften in Deutschland nur von einer Minderheit voll und ganz im Sinne des Absenders verstanden werden. Ein anderer entlehnungserschwerender Faktor fußt auf dem hohen Sprachbewusstsein der Sprachteilhaber mit der Fremdsprachenkompetenz, wenn diese durch bewusste Bemühungen exogene Einheiten in der Konversation mit einsprachigen Gesprächspartnern vermeiden (vgl. Engels 1976; 77). Allerdings beherrscht die gebildete Oberschicht der Gesellschaft Fremdsprachen, vor allem Englisch. Es entsteht auf solche Weise offensichtlich ein Widerspruch zwischen guten Englischkenntnissen und dem Bemühen, möglichst keine exogenen Wörter zu gebrauchen. Die Lösung dieses Konflikts sieht B. Engels darin, dass ein zweisprachiger Sprecher nicht bei jeder Kommunikation Entlehnungen 86

Die Gründe für die niedrigen Werte dürften die gleichen sein wie bereits erwähnt, nämlich der fehlende Kontext bei der Umfrage und die niedrige Gebrauchshäufigkeit der ausgewählten Begriffe.

87 Die Ergebnisse der Claim-Studie wurden mir freundlicherweise von Martin Widenka zur Verfügung gestellt.

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vermeidet, sondern nur im Gespräch mit einem einsprachigen Gesprächspartner, wo er womöglich vermutet, nicht verstanden zu werden (vgl. ebd.). Starkes sprachliches Bewusstsein, und damit die Bemühungen, exogene Einheiten zu vermeiden, verbindet B. Engels (1976; 77) mit dem Typ des Schulabschlusses. Diesen Faktor rechnet sie zu den stilistischen Gründen der Entlehnung. Nach meiner Meinung ist er eher ein psychologisch-pragmatischer Faktor. In die andere Gruppe von Faktoren des Entlehnungsprozesses gehören die Faktoren, die die Entlehnung begünstigen. Darunter wird nochmal zwischen außer- und innensprachlichen Faktoren unterschieden. Zu den außersprachlichen Faktoren, die die Entlehnung fördern, wird Fremdsprachenkompetenz gezählt (Langner 1995; 43). Englisch wird an vielen Schulen weltweit als erste Fremdsprache unterrichtet. Außerdem sind für viele Fachleute Englischkenntnisse im Berufsleben ein Muss. Beide Tatsachen führen dazu, dass Englisch als Fremdsprache in der breiten Masse der Bevölkerung gesprochen oder zumindest verstanden wird, was die Entlehnung und den Gebrauch der Anglizismen in ihrer ursprünglichen Form veranlasst. Dies untermauert folgendes Zitat: Was die aktuelle Situation in Deutschland anbetrifft, so verfügt ein großer Teil der erwachsenen Bevölkerung über zumindest rudimentäre Englischkenntnisse. Diese Englischkenntnisse sind die Grundlage dafür, dass viele Anglizismen unübersetzt adoptiert werden (vgl. Glück 2000; 110, ähnlich 2004b; 144f.).

Stilistische Motive für Entlehnung überschneiden sich eigentlich mit deren stilistischen Funktionen (zu Funktionen von Anglizismen s. Pfitzner 1978, Galinsky 1975, Spillner 1996; 151). Da sie von angeführten Autoren bereits beschrieben worden sind, liste ich sie nur auf: Kolorit (Lokal-, Fach- oder Sozialkolorit), sprachliche Ausdruckskraft (Auffälligkeit, Bildhaftigkeit, Wortspiele, Ausdrucksverstärkung und -variation), Sprachökonomie 88 (Kürze, Präzision), Ton (Humor, Parodie, Ironie), Affekt (Aufwertung, Abwertung und Verhüllung), Verlangen nach Synonymen. Es kann bei dieser Aufzählung irritierend erscheinen, warum stilistische Funktionen von Anglizismen, d. h. deren Wirkung, als Moti88 „Das Bedürfnis, neue Dinge, Personen, Lokalitäten und Begriffe zu bezeichnen“, steht bei U. Weinreich im engen Zusammenhang mit dem Prinzip der Sprachökonomie, weil „es ökonomischer ist, vorgefertigte Bezeichnungen zu benutzen, als die Dinge neu zu beschreiben; denn die wenigsten Sprachbenutzer sind Dichter“ (Weinreich 1977; 79f.).

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ve auftreten können. Wie kann denn sein, dass Ursache und Folge gleich sind? Das sind sie nicht. Außer Frage steht, dass Motiv und Wirkung völlig unterschiedliche Kategorien sind. Sie stehen in einer kausalen Abhängigkeit zueinander: Es wird entlehnt mit dem Grund, eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Aus dieser Sicht kann man behaupten, dass die Motive die gleichen Namen haben dürfen wie die Wirkung selbst. Ein Beispiel: Sprachökonomie ist eine Folge der Entlehnung. Umgedreht dargestellt: Der Bedarf an Sprachökonomie hat zur Entlehnung geführt. So gesehen kann die Kausalkette wie folgt dargestellt werden: Ursache (Bedarf nach einem bestimmten stilistischen Effekt) → Entlehnung → stilistischer Effekt bzw. Wirkung von der Entlehnung. Wie im Kapitel „Terminologische Überlegungen zum Entlehnungsprozess unter besonderer Berücksichtigung der Entlehnung aus dem Englischen“ erwähnt, ist die sprachliche Entlehnung die Folge von Sprachund Kulturkontakten. Sprachkontakte trugen immer zur sprachlichen Entwicklung bei. Sie sind ein weiterer entlehnungsfördernder Faktor. Im zeitgenössischen Lexikon sind zahlreiche Spuren der Kontakte mit anderen Sprachen vorhanden, z. B. mit dem Lateinischen, Französischen, Englischen, Italienischen, Russischen, Tschechischen etc. Den stärksten Einfluss erfuhr die deutsche Sprache aber von Seiten des Lateinischen, Französischen und Englischen. Der Prozess der Entlehnung war aus diesen Sprachen wellenartig. Die Intensivierung der Entlehnung erfolgte auf Grund bedeutender historischer Ereignisse sowie auf Grund politischer, sozialer und anderer Umwälzungen. Für die vorliegende Arbeit steht der Einfluss des Englischen auf die Entwicklung des deutschen Lexikons im Mittelpunkt. Diese Entwicklung wurde von P. F. Ganz seit 1200 und von P. von Polenz seit der Englischen Revolution (1649) verfolgt und beschrieben (Ganz 1957; 24ff., von Polenz 1994; 101ff.). Kulturhistorische Ursachen für Entlehnungen leiten sich von der historischen Entwicklung der Beziehungen Deutschlands zu englischsprachigen Ländern (zuerst England und dann die USA) ab. W. Viereck unterscheidet drei Entlehnungsphasen aus dem Englischen: erstens die vor

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dem Ersten Weltkrieg, zweitens die Zwischenkriegszeit 89 und drittens die nach dem Zweiten Weltkrieg (Viereck 2004; 3319). Schon im späten 17. Jahrhundert war der Einfluss Englands auf Deutschland spürbar. Der Grund dafür war wohl, dass das Interesse an England, dessen politischer Ordnung, philosophischen Ideen, Dichtkunst, Lebensweise und Mode bei den Deutschen – ungeachtet der mangelnden Englischkenntnisse unter breiten Bevölkerungsschichten – aufblühte, bekräftigt durch Reiseberichte und allgemeine Beschreibungen von England. P. F. Ganz schreibt von vier Hauptzentren in den deutschsprachigen Ländern, von denen englische Einflüsse ausstrahlen: Hamburg, Zürich, Leipzig und Göttingen (vgl. Ganz 1957; 14ff., ähnlich von Polenz 1994; 101ff.). Utopisch wäre es zu glauben, dass ausschließlich die Vormachtstellung Englands in der Welt, seine industrielle Spitzenstellung und sein hochentwickelter Journalismus die Übernahme der Anglizismen in die deutsche Sprache verursachten. In der Tat liegen die Gründe dafür tiefer: etwa in der diplomatischen Stellung Englands auf der internationalen Ebene und zwar in der internationalen Sprachpolitik. Seit 1800 begann England in seinen internationalen Kontakten Französisch durch Englisch zu ersetzen. Seit 1850 verschickten die britischen Gesandten ihre Schreiben an fremde Regierungen nur noch auf Englisch. Im weiteren Verlauf verstärkten die angelsächsischen Länder (Großbritannien und die USA) ihre sprachliche Expansion (vgl. Stark 2002; 93f.). Nach dem Ersten Weltkrieg erlitten das Deutsche und das Französische Rückschläge; das letztere verlor mit dem (französisch und englisch redigierten) Vertrag von Versailles 1919 sein zwei Jahrhunderte altes Vorrecht, ausschließlich die Sprache der Diplomatie zu sein (vgl. Leisi 1985; 247). Zudem bekämpften sich die deutsch- und französischsprachigen Länder nach dem Krieg gegenseitig in einem Boykott und Gegenboykott gegen die Wissenschaftsinstitutionen und die Verwendung der Sprachen (vgl. Ammon 2002; 141, Reinbothe 2006). Am Anfang des 20. Jahrhunderts mag die Verbreitung der nationalistischen Idee während des Ersten Weltkrieges als ein auf den Entleh89 Den zeitlichen Rahmen vor dem Ersten Krieg und zwischen den beiden Weltkriegen haben in ihren Untersuchungen A. B. Stiven (1936), P. F. Ganz (1957), Ph. M. Palmer (1960) und U. Moeller-Schina (1969) abgedeckt.

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nungsprozess negativ wirkender Faktor gelten. Dies kann anhand der zeitgenössischen Beobachtungen von A. Stiven geschlossen werden. A. Stiven schreibt: „Die vaterländische Selbstbesinnung zu Beginn des Krieges veranlaßte einen verschärften Kampf gegen das Fremdwort und vor allem gegen die Engländerei der Vorkriegsjahre“ (Stiven 1936; 111).

Dieser Kampf soll allerdings nicht lange gehalten haben, denn „andererseits verlor sich der neue Fremdwörterkampf vielfach in Äußerlichkeiten, und die neue Einstellung war nur auf einigen Gebieten von Dauer. Zahlreiche Fremdwörter, die während des Krieges verpönt waren, kehrten schnell in den Sprachgebrauch zurück“ (ebd.).

Ob die nationalsozialistische Diktatur ebenso eine negative Rolle beim Entlehnungsprozess spielte, bleibt fraglich. Die Darstellungen dieses Problems sind in der rezipierten Literatur äußerst kontrovers. Einerseits ist bekannt, dass Hitler sich pauschal gegen Eindeutschungen wandte (vgl. Führererlaß vom 19. November 1940, Simon 1989; 74). Im Nationalsozialismus spielte die Sprache nur eine sekundäre Rolle (vgl. Coulmas 1995; 62f. und 66), daher wird der Eindruck erweckt, dass Sprache nicht als zu „pflegendes“ oder zu „schützendes“ Gut behandelt war. Der Grund dafür kann folgender sein: „Hitler also realized that the concept of nationality based on language would force him to accept as Germans many whom he despised and intended to exterminate” (Coulmas 1995; 62).

Andererseits berichtet Simon über regionale Maßnahmen vom Allgemeinen Deutschen Sprachverein im Elsass, die bis zu Einlieferungen in das Sicherungslager gingen (vgl. Simon 1989; 79), die eindeutig für den Kampf gegen Fremdwörter sprechen. Auch A. Stiven weist darauf hin, dass „gerade heutzutage das Fremdwort schärfstens bekämpft wird. Heute ist nun diese Frage zu einer völkischen Frage geworden. Sie hängt mit den politischen Ereignissen aufs engste zusammen“ (Stiven 1936; 111). Ebenso behauptet P. von Polenz Folgendes: „Stärker als in Österreich und der Schweiz ist Deutschland noch bis in die Nachkriegszeit gekennzeichnet von zahlreichen planmäßig verdeutschenden Wortbildungen aus indigenen Bestandteilen“ […] (von Polenz 1999; 285).

Ein eindeutiges Urteil über die Auswirkungen der historischen Ereignisse dieser Epoche auf die Intensität des Entlehnungsprozesses ist mit 73

äußerster Vorsicht und nur nach einer sorgfältigen Recherche zu treffen, die im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich war. Zu Beginn der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts tritt das amerikanische anstelle des britischen Englisch, da die Rolle der Weltmacht auf die USA übergeht. Kulturgeschichtliche Aspekte haben den Entlehnungstrieb nach dem Zweiten Weltkrieg um einiges verstärkt, indem fremde Wörter auf Grund von Schuldgefühlen und mangelndem Patriotismus leichter Eingang ins Deutsche fanden und schneller akzeptiert wurden. „Das Jahr des Zusammenbruchs, 1945, brachte uns neue Sprachverhältnisse. Dem Minderwertigkeitsgefühl der Besiegten erschien alles, was aus dem Westen kam, als besser“ (Fröhlich 1962; 19).

Besonders nach den Ereignissen von 1945, als der Streit zwischen den Siegermächten um die Kontrolle über das besiegte Deutschland zu dessen Spaltung in einen West- und Ostteil führte, begann für die Bevölkerung Westdeutschlands die Zeit der Kontakte zu den westlichen Staaten, vor allem zu Großbritannien und zu den USA. Die rasante Nachkriegsentwicklung forderte von der deutschen Sprache, neue Sachen bzw. Sachverhalte aus den Bereichen „Handel“, „Wirtschaft“, „Technik“, „Politik“, „Mode“, „Tourismus“ u. a. m. benennen zu können. Zudem wollte man die nationalsozialistischen bzw. angestammten „preußischen Terminologien“ abschaffen (vgl. Glück/Sauer 1997; 90). Die genannten Themenbereiche erfuhren den Import von unzähligen Bezeichnungen aus dem Englischen. Ebenso der Bereich „Musik“, denn „in den 50er Jahren hatte der Jazz in Deutschland seine große Zeit“. Ausgestrahlt wurde diese Musik durch einen britischen und einen amerikanischen Radiosender (vgl. Glück/Sauer 1997; 91). Die amerikanische Popmusik genießt auch heute ein großes Ansehen in der ganzen Welt. 90 Infolge der Stationierung britischer und amerikanischer Soldaten in Westdeutschland sowie dank der zahlreichen Austauschprogramme wächst die Zahl der direkten Sprachkontakte.

90 Speziell zur Übernahme von Anglizismen in die französische, deutsche und spanische Popkultur s. Untersuchung von M. Lilienkamp (2001).

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D. Crystal (vgl. Crystal 2000; 16ff., ebenso Béchet-Tsarnos 2005; 40) nennt für die rasante Entwicklung des Englischen zur Weltsprache folgende Gründe: •

Politische Vormachtstellung: Kolonialisierung durch Großbritannien vom 16. bis zum 19. Jahrhundert;



Technische Vormachtstellung: Industrialisierung durch Großbritannien vom 17. und 18. Jahrhundert;



Wirtschaftliche Vormachtstellung: Aufstieg der USA zur weltweit führenden Wirtschaftsmacht im 19. Jahrhundert;



Kulturelle Vormachtstellung: Popularisierung der amerikanischen Lebensgewohnheiten im 20. Jahrhundert;



Wissenschaftliche Vormachtstellung: Attraktivität des Bildungs- und Forschungsmarktes der USA und Großbritanniens. 91

D. Crystal betrachtete wohl diese Gründe aus historischer Perspektive. Sie sind aber genauso gut auf die aktuelle Situation anwendbar und können als Motive für die Entlehnung gelten. Nun beziehen sich die genannten Bereiche der Vormachtstellung heutzutage auf die USA. Viele ziffernmäßige Belege dafür liefert V. Béchet-Tsarnos (2005; 41ff.). Sie weist darauf hin, dass „in verschiedenen Branchen die Marktanteile amerikanischer Unternehmen derart vorherrschend sind, dass man beinahe von monopolähnlichen Stellungen sprechen könnte“ (ebd.). Dies bekräftigt sie durch Beispiele aus der Computer-, Werbe- und Tourismusbranche. Ebenso seien die USA in der Lieder-, Film- und Buchproduktion absolute Vorreiter. Ein weiteres markantes Beispiel liefere hierfür die Presse: Die Nachrichtenagenturen mit führender Marktposition Reuter in London und Associated Press in New York seien englischsprachig. 92 36% der Internetseiten seien englischsprachig und rund 91 Die aufgelisteten Gründe können durch Ammons Faktoren erweitert werden, nämlich durch „numerical strength“ (number of speakers of the language) und „study strength“ (number of learners of the language as a foreign language) (Ammon 1995; 28ff.). 92

Allerdings gelten die beiden genannten Nachrichtenagenturen nicht als führend für die deutsche Presselandschaft. Laut den Ausführungen von V. Schulze ist die von deutschen Zeitungen meist genutzte Agentur dpa (Deutsche Presse-Agentur) (vgl. Schulze 2001; 1682).

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75% der E-Mail-Kommunikation finde auf Englisch statt (vgl. BéchetTsarnos 2005; 47). Leider sind nicht alle von V. Béchet-Tsarnos erwähnten Statistiken überprüfbar, da die Angaben zu Quellen fehlen. Englisch als Arbeitssprache wird in rund 85% der internationalen Organisationen eingesetzt (Crystal 2003; 87; ebenso Béchet-Tsarnos 2005; 47, ähnlich Glück 2000; 109), z. B. bei der UNO und bei europäischen Organisationen, darunter auch bei der Europäischen Zentralbank, 93 wobei weder Großbritannien noch die USA der Europäischen Währungsunion angehören. In der Wissenschaft waren in den letzten hundert Jahren die deutsche, englische und französische Sprache mehr oder weniger gleichwertige Wissenschaftssprachen, 94 obwohl F. Stark eine stärkere Position der deutschen Sprache bis zur zweiten Hälfte der 1930er Jahre zumisst (vgl. Stark 2002; 97). Seit den 70er Jahren beobachtete U. Ammon die Publikationssprache der wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Aus seinen Daten (s. Tabellen 1 und 2 aus: Ammon 1999; 672 ff.) wird ersichtlich, dass die Zahl der Publikationen auf Englisch in den naturwissenschaftlichen Disziplinen innerhalb von 16 Jahren um 16% und in den geisteswissenschaftlichen Disziplinen innerhalb von 21 Jahren um die gleiche Zahl kontinuierlich anstieg. Für die deutsche Sprache ist im gleichen Zeitraum eine Gegentendenz zu beobachten: Die Zahl der deutschen Publikationen schrumpft je nach dem Wissensbereich um die Hälfte bis zum

93 Englisch ist in der Europäischen Zentralbank die einzige Arbeitssprache, obwohl diese ihren Sitz in Deutschland (Frankfurt am Main) hat (vgl. Ammon 2002; 149). 94

Die Relationen fallen je nach wissenschaftlicher Disziplin unterschiedlich aus (vgl. Ammon 1999; 672). 1936 schrieb A. Stiven mit Verweis auf die Untersuchung von S.P.E. Tract (1934): „Vergleicht man damit den Einfluss des Deutschen auf den englischen Wortschatz, so zeigt sich, daß sich dieser fast ausschließlich auf die Wissenschaften und zwar die Naturwissenschaften erstreckt insbesondere (schon seit dem 17. Jh.) auf die Mineralogie und Geologie, im 19 Jh. Auf die Biologie, Medizin und Philosophie, seit 1900 auch auf die Psychologie.“ (Stiven 1936; 111). Ebenso nach U. Ammon erreichte Deutsch hohe Anteile an der Weltgesamtheit wissenschaftlicher Publikationen in den Naturwissenschaften, nämlich in Biologie, Chemie, Physik, Medizin und Mathematik (vgl. Ammon 1999; 669).

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Drittel. 95 Bedenkt man die gegenwärtige Stellung des Englischen, sollte die Dynamik von diesem Prozess die gleiche bleiben und sich vermutlich noch um einiges beschleunigt haben. Leider sind mir keine aktuellen Daten bekannt, die diese Vermutung untermauern. Tabelle 1. Publikationenanteil in den naturwissenschaftlichen Disziplinen (in %) (nach Angaben von U. Ammon 1999; 674) Englisch Deutsch

1980 74,6 3,5

1984 77,1 3,3

1988 80,5 2,9

1992 87,2 1,6

1996 90,7 1,2

Tabelle 2. Publikationenanteil in den geisteswissenschaftlichen Disziplinen (in %) (nach Angaben von U. Ammon 1999; 676) 96 Englisch Deutsch

1974 66,6 8

1978 69,1 5,2

1982 69,9 6

1986 70,6 5,4

1990 71,7 5,7

1995 82,5 4,1

Beispiele für weitere soziale, politische und wirtschaftliche Entwicklungen, die Motive für die Entlehnung sind und sein könnten, lassen sich fortsetzen (s. z. B. Glück/Sauer 1997; 90ff.). Offensichtlich ist eine unmittelbare kausale Abhängigkeit zwischen der Erweiterung des kommunikativen Raums und Entlehnung: Der kommunikative Faktor begünstigt die Entlehnung, indem durch die Entwicklung der modernen Massenmedien sowie technische Innovationen die Gren95 Bei solchen Statistiken ist zu berücksichtigen, ob die Tendenzen anhand gleicher Titel herausgestellt werden. Arbeitet man nur mit den periodischen Bibliographien oder bibliographischen Datenbanken, läuft man Gefahr, dass die nicht indexierten sowie die aus der Indexlisten verschwundenen Journale nicht berücksichtigt bleiben. Tatsächlich ist die Zahl der nicht indexierten Periodika erstaunlich groß: Für medizinische Publizistik sind mehr als 1100 deutschsprachige Fachjournale in Medline nicht indexiert (vgl. Baethge 2008; 38). 96 Die Tabellen geben die Befunde in komprimierter Form wieder. Je nach wissenschaftlicher Disziplin dürfte besonders unter Geisteswissenschaften die Quote für das Deutsche etwas höher liegen, z. B. in der Archäologie, Theologie oder Klassischen Philologie (vgl. Ammon 1999; 675f., 2009; 28, auch Skudlik 1990; 214ff.).

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zen zwischen Sprachgemeinschaften verschwimmen. In jedem Erdteil kann über das Internet die Information in jeder beliebigen Sprache erhalten werden, was natürlich die Übernahme exogener Elemente unterstützt. Jedoch kann die Informationsmenge, die durch diese Massenmedien strömt, wegen ihrer hohen Konzentration nicht mehr kritisch wahrgenommen, geschätzt und ausgelesen werden, was viele Entlehnungen zur Folge haben kann. So steigen der Gebrauch von Anglizismen und ihre Verbreitungsgeschwindigkeit im Zeitalter grenzenloser Kommunikation um ein vielfaches an. Bei der Verbreitung des angloamerikanischen Einflusses spielt der demographische Faktor auch eine wichtige Rolle. Weiter zunehmende Mobilität zwischen den Ländern fördert weltweit Zwei- und Mehrsprachigkeit (vgl. Timina 2003; 8). Bei der Erweiterung der Europäischen Union kann man diesen Prozess sehr deutlich beobachten, wo Mehrsprachigkeit im Rahmen des einheitlichen europäischen Raums durch viele verschiedene Bildungsprogramme für Jugendliche und junge Erwachsene unterstützt wird (vgl. ERASMUS, LINGUA, Jugend für Europa usw.). Zu den linguistischen oder innersprachlichen Gründen für Entlehnung werden etymologische und formale Faktoren gezählt. Das Englische und das Deutsche sind verwandte Sprachen und gehören der germanischen Sprachgruppe an. Es existieren daher viele verwandte Wörter. In beiden Sprachen ist auch ein umfangreiches griechisches, lateinisches und französisches Erbe vorhanden. Die dazu gehörigen Wörter sind meistens Internationalismen, deren Bedeutung auf den Entlehnungswegen vielen Wandlungen unterliegen kann. Ein Beispiel von B. Engels illustriert dies deutlich: Service ist im Deutschen eine Mehrfachentlehnung. 97 Das Wort stammt aus dem Französischen und wurde durch das britische Englisch in der Bedeutung „1. Geschirr, 2. Bedienung“ in Hotels und Gaststätten entlehnt. Im britischen Englisch erfuhr es eine Bedeutungserweiterung „3. Aufschlag im Tennis“ und wurde zurück an das Französische und weiter an das Deutsche gegeben. Unter dem Einfluss des amerikanischen Englisch kam eine weitere Bedeutung 97 S. Näheres zum Terminus im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“.

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hinzu: „4. Kundendienst“. In dieser Bedeutung fand das Wort eine weite Verbreitung in vielen Sprachen der Welt (Beispiel aus: Engels 1976; 79f.). Nach B. Engels können wortformale Faktoren zur Aufnahmebereitschaft der Zielsprache beitragen. Dabei handelt es sich um morphologische und graphematische bzw. phonematische Gründe. Laut Engels Ausführungen wird die Originalform der Entlehnung beibehalten, wenn sie kurz (ein- bis zweisilbiges Simplex) ist. Gewisse graphematische und phonematische Ähnlichkeiten zwischen dem Deutschen und dem Englischen erleichtern die Einführung des exogenen Materials (vgl. Engels 1976; 83f.). Das ist aber zu oberflächlich gesehen. Bei den Lexemen wie Pop, Test stimmt dies völlig. Bei Einsilbern wie z.B. Boy und fair sollte gerade die Originalform, d.h. die Phonem-Graphem-Relation, der Entlehnung entgegenwirken. Die formale Seite kann nur der eine Grund sein. Der Grund hier leitet sich aus den sprachstatistischen Studien ab, die ergeben haben, dass die kürzeren Wörter häufiger gebraucht werden, 98 folglich schneller bilingualen Sprechern bzw. Sprechern mit Englischkompetenz einfallen und leichter Verbreitung finden können. Daher bleibt die Frage offen, ob die Form der kurzen Anglizismen oder deren Häufigkeit ihre Aufnahme fördert. Offensichtlich ist bei Beantwortung dieser Frage Multikausalität in Betracht zu ziehen, bei der mehrere Auslöser (Ursachen) zusammen oder nebeneinander zur gleichen Zeit wirken. Die Ausgliederung der Faktoren aus einem komplex wirkenden „Bündel“ ist nur für wissenschaftliche Beschreibungs- und Analysezwecke nützlich. Folgende Tabelle 3 soll die in diesem Kapitel beschriebenen Faktoren zusammenfassend veranschaulichen.

98 „Am häufigsten werden kurze Wörter genutzt; je mehr Laute oder Silben ein Wort hat, desto seltener kommt es vor. Besonders eindrucksvoll kommt diese Tatsache in Zipfs Übersicht zu Kaedings Erhebungen zum Ausdruck: Unter knapp 11 Millionen laufenden Wörtern machen die einsilbigen fast 50% aus, während ein einziges 15-silbiges Wort nur ein einziges Mal vorkam“ (Best 2006; 21).

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Tabelle 3. Übersicht über die entlehnungsbegleitenden Faktoren Faktoren erschwerend, blockierend, hemmend, störend, entgegenwirkend

außersprachlich • • •

innensprachlich •

Sprachpurismus; hohes Sprachbewusstsein; kulturgeschichtliche Aspekte.

• erleichternd, unterstützend, fördernd

• • • • •

• • •

Sozialpsychologischer Faktor (hohes Ansehen des Englischen, Signalfunktion für Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe bzw. Schicht); Fremdsprachenkompetenz; fachsprachliche Kommunikation; soziokulturelle Wertungen (Prestige von den USA: politische, technische, wirtschaftliche, wissenschaftliche, kulturelle Vormachtstellung); kulturgeschichtliche Aspekte (historische Ereignisse sowie politische, soziale und andere Umwälzungen, z.B. industrielle Spitzenstellung und internationale Sprachpolitik Englands); kommunikativer Faktor; demografischer Faktor; Sprachkontakt.

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• • • • • •

Formale Faktoren (intersprachlich-strukturelle Unterschiede im Deutschen und Englischen, Beispiel: Graphem-Phonem-Relation, phonologische, d.h. strukturelle Distanz zwischen S1 und S2); semantischer Faktor (Schwierigkeiten beim Verstehen). Etymologischer Faktor (griechisch-lateinischfranzösisches Erbe); formale Faktoren (Kürze, graphematische und phonematische Ähnlichkeit); Nominationsbedarf; stilistische Faktoren (nach H. Galinsky und J. Pfitzner); Gebrauchshäufigkeit (nach U. Weinreich); semantische Differenzierung (nach U. Weinreich).

1.6. Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen Bei der traditionellen Darstellung der Entlehnung als „Übernahme“ (s. ausführlicher Kap. „Sprachliche Entlehnung“) wird eine klare Grenze zwischen dem Moment der Entlehnung und dem nachfolgenden Funktionieren eines fremden Lexems in der Nehmersprache gezogen. Der Anglizismus, wie jede sprachliche Neuerung, erlebt bei der Aufnahme in ein Sprachsystem, bevor er zum allgemeinen Wortschatzbestand gehört, bestimmte Entwicklungsphasen, indem er auf den unterschiedlichen Sprachebenen Veränderungen unterliegt. 99 Diesen Prozess stellt A. Bergmann als Destandardisierung des Sprachsystems durch Entlehnung und darauffolgende Neuordnung des Standards – Standardisierung – dar (s. ausführlicher bei Bergmann 2002; 10f.). 100 Die Eindeutschung also ist ein Abschnitt zwischen dem Moment der Entlehnung, der der parole angehört, und dem Zustand des Angepasstseins oder der Norm, die sich dem Bereich der langue anschließt. 101 Das ist an sich ein dynamischer und sehr differenzierter Prozess des Zusammenfügens und Zusammenwachsens. 102 Für den Bereich der Lexik kann dies z. B. bedeuten, dass sprachliche Einheiten ihren Platz im Hinblick auf das Verhältnis zwischen dem Zentrum und der Peripherie ändern. 103 Die Phase zwischen der Anglizismusaufnahme und dem nachfolgenden Funktionieren in der Sprache, während derer der Zustand der Exklusion und der Separation für das übernommene Element aufgehoben wird, wird durch verschiedene Termini benannt. In der linguistischen Literatur zur angegebenen Problematik bin ich folgenden Termini begegnet:

99

S. ausführlicher Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“.

100

Zur Norm in Bezug auf Integration s. auch Kap. „Integrationsmodelle“.

101

G. Schank (1979; 34ff.) umschreibt diesen Prozess mit einem Integrationsmodell (s. ausführlicher Kap. „Integrationsmodelle“). Zur Abgrenzung „Rede“ – Norm – System s. Coseriu (1979; 50ff.). Bei E. Coseriu wird das Konzept der Norm je nach dem Kriterium für die Einteilung entweder zu parole oder zu langue zugerechnet, vgl. Coseriu 1979; 57f. Hier wird die „soziale Norm“ im Sinne von Coseriu gemeint. 102

S. ausführlicher Kap. „Integrationsmodelle“.

103

Eine kritische Auseinandersetzung mit den Kriterien der Einteilung des Lexikons in „peripher“ und „zentral“ s. Schmöe (1998; 18f.).

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Adaptation, Akkommodation, Integration, Anpassung, Assimilation, Interferenz, Transferenz, Transformation, Inkorporation, Eindeutschung, Eingliederung, Einbürgerung, Habitualisierung, Stabilisierung und Etablierung. Trotz aller Bemühungen um eine einheitliche, einleuchtende, stabile und in sich geschlossene Metasprache werden diese Begriffe oder genauer einige davon in der Fachdiskussion mitunter synonym verwendet, 104 was bestimmte Inkonsequenzen mit sich bringt. Die Forschungsliteratur zu dieser Thematik ist sehr heterogen und meiner Meinung nach noch recht unausgegoren. Bei differenzierter Betrachtung wird jedoch deutlich, dass hinter diesen Begriffen bisweilen unterschiedliche Sichtweisen stehen. Daher erscheint eine Differenzierung bei diesen äußerst facettenreichen Begriffen angebracht. Die Formulierungen in der Forschungsliteratur bezüglich des Begriffs Integration, die Integration als asymmetrische Relation darstellen, setzt P. Eisenberg einer heftigen Kritik aus. Demnach gibt es einen stabilen Kern und eine instabile Peripherie, wobei ein ständiger Sog in Richtung auf den stabilen Kern besteht. P. Eisenberg hält diese Beschreibung nicht für zutreffend, da seiner Meinung nach auch die Peripherie stabile Bestandteile aufweist und den Kern beeinflussen kann. Will man die Integration von Fremdwörtern beschreiben, muss man sowohl von einer Integration ins Kernsystem sprechen als auch nach stabilen Bestandteilen der Peripherie suchen. Diese bezeichnet P. Eisenberg als Epizentren. Es liegt also eine symmetrische Relation vor, wo es heißt, dass A und B „sich integrieren“ und gleichermaßen der Integration ausgesetzt werden können (vgl. Eisenberg 2001; 183f., ähnlich H. Wegener 2003). 105 Diesen Ausführungen von P. Eisenberg ist zuzustimmen. Wobei man sagen muss, dass die Idee der gegenseitigen Wechselwirkung viel früher in der Literatur vertreten wurde. In der Definition von O.S. Ahmanova heißt Integration Fusion von Sprachen, Annäherung der Sprachen aneinander und Nivellierung ihrer Unterschiede beim Prozess der Vereinigung in eine Sprache (vgl. Ahmanova 1966; 178).

104

Vgl. z. B. von Polenz (2000; 42) verwendet synonym Termini Integration, Assimilation, Eingliederung und Eindeutschung.

105

Zu Eisenbergs Integrationsmodell s. auch Kap. „Integrationsmodelle“.

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Der Integration wird auch eine weitere Bedeutung beigemessen: Es ist nicht nur eine Wechselwirkung zweier Sprachsysteme im Fall des Bilingualismus auf Grund des Sprachkontakts, sondern auch die „Eingliederung eines Elementes einer Ebene des Sprachsystems in eine andere Ebene desselben Sprachsystems“ (MLS 2004; 305). B. Carstensen betrachtet die Integration unmittelbar in Bezug auf die Anpassung der englischen Entlehnungen, setzt sie mit der phonologischen, orthographischen und grammatischen Anpassung gleich: „Integration ist die Sammelbezeichnung für alle Verfahren der allmählichen Anpassung des englischen Fremdwortes an das deutsche phonologische und flexivische System und an die Schreibung des Deutschen“ (Carstensen 1979b; 155).

Im Grunde genommen schreibt hier B. Carstensen von der Konformität der Ausdrucksseite mit den Regeln des aufnehmenden Sprachsystems, vernachlässigt jedoch den Inhalt. Auf diese Weise berücksichtigt er weder systemlinguistische Integration, die Form und Inhalt gleichermaßen betrifft, noch andere Dimension der Integration (vgl. dazu Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“). Ebenso einseitig ist die Definition von D. Schütte (1996; 28). In ihrer Auslegung bedeutet Integration keineswegs die vollständige Anpassung an das aufnehmende Sprachsystem, sondern lediglich eine soziale Sanktionierung durch die Sprachgemeinschaft. 106 Somit bezieht ihr Integrationsbegriff nur die soziolinguistische Ebene mit ein. 107 Methodisch korrekter geht G. Tesch (vgl. 1978; 38, ähnlich Allenbacher 1999; 33, Földes 2005; 244) vor, indem er zwei Dimensionen der Integration unterscheidet: soziolinguale und systemlinguistische Integration. 108 Von der soziolinguistischen Integration lässt sich reden, wenn die 106 Diese Sanktionierung wird in der vorliegenden Untersuchung anhand des Gebrauchsanstiegs von Anglizismen in den Die WELT-Ausgaben operationalisiert. 107 P. von Polenz hebt die Bedeutung einer sprachsoziologischen Integration hervor (vgl. von Polenz 2000; 43). 108 Die beiden Aspekte der Integration greift C. Földes wieder auf. Er schreibt von der Integration im System und in der Verwendung, und zwar von der Stabilisierung und Etablierung (vgl. Földes 2005; 243). Obwohl er selbst die unterschiedlichen Dimensionen der Integration auseinander hält, vermischt er weitgehend die Ebenen, indem er beispielsweise die Stabilisierung der Etablierung voranstellt oder indem er bei der Beschrei-

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Abweichung vom Sprachbrauch 109 ein fester Bestandteil des Sprachverkehrs wird, was vom Beobachter als Veränderung des Sprachbrauchs registriert wird. 110 Systemlinguistische Integration bezieht sich, wie erwähnt, gleichermaßen auf Form und Inhalt. Der Verlauf der soziolinguistischen Integration wurde von K.-H. Best skizziert, indem der Sprachwandelprozess erfasst wurde (vgl. Best 2001a; 102, Best 2001b; 263f., ähnlich Altmann et al. 1983). 111 Beide stehen nicht zwingend in einem Korrelationsverhältnis zueinander: „Lingual integriertes Lehngut kann soziolingual nicht integriert sein und umgekehrt“ (Tesch 1978; 38, ähnlich Földes 2005; 244 sowie Kap. „Integrationsmodelle“). Der Terminus Assimilation wird in der linguistischen Literatur vor allem in Bezug auf phonologische Prozesse, auf Lautwandel und dessen Ergebnis gebraucht. Damit wird Angleichung zwischen Lautsegmenten im Redestrom bezüglich eines oder mehrerer Merkmale gemeint. Wie in der Phonetik hat der Begriff in der Kontaktlinguistik eine breite Verwendung gefunden. E.B. Žabina versucht, die Begriffe Assimilation und Integration auseinanderzuhalten. Eine saubere Trennung gelingt ihr jedoch nicht. Nach ihrer Meinung ist der Begriffsumfang bei der Assimilation enger. Ihre Grundlage bildet das Evolutionsprinzip des entlehnten Elements in der Nehmersprache. Diesem Prozess wird vor allem direktes Lehngut ausgesetzt, das formale Merkmale der Gebersprache aufweist. Unter der bung des Habitualisierungsprozesses den erstmaligen Gebrauch in einer individuellen Äußerung auf das eine Ende der Achse setzt und die Integration ins System der Zielsprache auf das andere Ende, d. h. Verwendung und systemlinguistische Integration in einer Dimension betrachtet (vgl. ebd.). 109 Die Existenzformen von Sprache nach P. von Polenz: Sprachkompetenz, Sprachsystem, Sprachverwendung, Sprachbrauch, Sprachnorm und Sprachverkehr (s. Näheres von Polenz 1973; 122 – 127). 110

Sozilinguistische Integration erfolgt durch soziale Akzeptanz, nämlich durch breite und intensive Verwendung eines Lexems in unterschiedlichen Stilen, bei verschiedenen Autoren, besonders bei den Autoren unterschiedlicher Generationen und aus unterschiedlichen sozialen Gruppen. In diesem Zusammenhang sind die Bedingungen für die Integration der Anglizismen in der Publizistik besonders günstig, nahezu ideal, da an jeder Ausgabe viele Mitarbeiter unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Lebensauffassungen und mit eigenem sozialen Umfeld mitwirken. 111

S. ausführlicher dazu Kap. „Forschungslage“.

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Integration versteht die Autorin systembezogene Angepasstheit exogener Lexeme. Sie besteht darin, dass die lexikalische Einheit eine andere, zweite (angepasste) Form erlangt. Assimilation ist die Erscheinungsform der Integration auf der Ebene der direkten Entlehnungen (vgl. Žabina 2001; 97 und 179). Aus den Ausführungen von E.B. Žabina folgt, dass eigentlich beide Termini den Prozess der formalen Anpassung beschreiben. Außerdem vermerkt sie, dass Assimilation folgende Formen beinhaltet: phonetische, graphische, grammatische (morphologische) und lexikalisch-semantische Assimilation. Somit widerspricht E.B. Žabina sich selbst, indem sie behauptet, dass Lehnprägungen auf Grund ihrer indigenen Form nicht assimiliert werden müssen: Lexikalischsemantische Assimilation betrifft das innere Lehngut ebenso gut wie das äußere. Die Unterscheidung der beiden Begriffe könnte aus der Soziologie übernommen werden, wo diese Begriffe im Konzept der Migration bzw. Zuwanderung auseinander gehalten werden. Das Lexikon zur Soziologie (2007) liefert folgende Definitionen für beide Begriffe: Integration ist die Eingliederung, insbesondere Akzeptierung eines Individuums in seiner Gruppe (vgl. Fuchs-Heiritz 2007; 301). Assimilation, genauer soziale Assimilation, meint Angleichung eines Individuums oder einer Gruppe an die soziale Umgebung durch Übernahme ähnlicher Verhaltensweisen und Einstellungen (vgl. Fuchs-Heiritz 2007; 61). Während Assimilation auf perfekte und spurenlose Eingliederung der zugewanderten Gruppen abzielt, wird Integration als ein Dachbegriff verwendet, der die Multikulturalität toleriert. Integration schließt somit eigene kulturelle Freiräume nicht aus, sondern bewahrt sie. Folglich ist der Begriffsgehalt der Integration umfassender und setzt nicht totales Aufgeben der exogenen Merkmale (Fremdheit) voraus. Synonymisch zur „phonetischen“ Definition der Assimilation wird Akkommodation im Sinne „phonetischer Anpassung“ (MLS 2004; 22) oder „phonetische Adaptation“ (Ahmanova 1966; 35) verwendet. Der Begriff Adaptation wurde in die Linguistik im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Adaptations- und Anpassungstheorie von A. Ludwig und mit der Evolutions- und Entwicklungstheorie von F. von Schlegel eingeführt (Delbrûck 2003; 78ff.) und in die Kontaktlinguistik übernommen, wo er „Veränderung eines Wortes zwecks seiner Anpas85

sung an die Anforderungen des Sprachsystems“ bezeichnet (Apažev 1996; 9). Allerdings wird nicht spezifiziert, um welche Art der Veränderung es gehen soll. Adaptieren wird vom MLS als „Anpassung eines linguistischen Elements an eine veränderte Umgebung, ggf. durch partielle Umformung dieses Elements“ ausgelegt (MLS 2004; 248). Somit ist die Formveränderung, d.h. systemlinguistische Ebene gemeint. S. Rot betrachtet Akkommodation, Adaptation und Assimilation als drei Stufen des Eingliederungsvorgangs vom lexikalischen Lehngut in das lexikalisch-semantische Mikrosystem der Zielsprache. “This process starts with phonetic/phonological adjusting of the „plane of expression“ (or sound envelope) of the lexical borrowing to the demands of the phonetic/phonological system of the receptor-language (phonetic substitution, phonological substitution, changes in the character and functions of “border marks” [word-stress; vowel harmony, etc.]), it is followed by its grammatical (syntactic, morphological) assimilation, then by its lexico-semantic incorporation, and ending with its word-formational assimilation” (Rot 1991; 42).

Mit diesen Termini wird also systemlinguistische Integration beschrieben, wobei unklar bleibt, auf welche Prozesse sich diese Termini beziehen. Der Terminus Transformation mit seinem begrifflichen Gehalt eignet sich gut für die Beschreibung des Integrationsprozesses. Allgemein gesehen bezeichnet eine Transformation die Veränderung der Gestalt. In dieser Bedeutung findet sich der Begriff in vielen verschiedenen Wissenschaften. In der Sprachwissenschaft kann man beispielsweise das Modell von der Transformation als einem völligen Umbruch, einem Wechsel (z. B. in Bezug auf den Sprachwandel, vgl. K.H. Schmidt 1979; 34f.) nennen, wobei hier die Graduierung vom Prozess der Aneignung bis zur Evolution des Systems reichen kann. Der am häufigsten definierte Begriff Interferenz, der aber auch bis jetzt keine klar umrissene Bedeutung hat, war der Gegenstand zahlreicher Abhandlungen. Ursprünglich in der Sprache der Physik beheimatet, ist dieses Wort über die Fachsprache der Psychologie in die Fachsprache der Linguistik eingedrungen (vgl. Bach 1977; 241). 112

112 Offen bleibt die Frage, wem die Einführung des Begriffs in die Linguistik zu verdanken ist. Einige Wissenschaftler verweisen auf die Vertreter der Prager Schule, die diesen Ter-

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Sprachgeschichtlich scheint man unter Interferenz die Übernahme von semantischen und syntaktischen Kategorien oder auch Klassen von einer (meist kulturell höher stehenden) Sprache in eine andere zu verstehen. Im Gegensatz dazu bezieht sich die Verwendung des Begriffs Interferenz in späteren Arbeiten auf die Wechselwirkung zweier Sprachsysteme im Individuum, besonders bei Studien zu Bilingualismus und zum Zweitspracherwerb (vgl. Kufner 1977; 127). Die seit 1953 klassisch gewordene Definition von Interferenz stammt von U. Weinreich. Darin wendet er den Terminus zur Bezeichnung des negativen Einflusses einer Sprache auf eine andere im Kontext des Bilingualimus bzw. der Fremdsprachenkompetenz an: „Abweichung von den Normen der einen wie der anderen Sprache, die in der Rede von Zweisprachigen als Ergebnis ihrer Vertrautheit mit mehr als einer Sprache, d. h. als Ergebnis des Sprachkontaktes vorkommen“ (Weinreich 1977; 15).

Dementsprechend scheint jede Neuprägung bzw. Übernahme aus anderen Sprachen ein Verstoß gegen die Norm zu sein. Diese weit gefasste Definition erfährt in der Arbeit von U. Weinreich eine Differenzierung, indem er zwischen der Interferenz in Rede und Sprache unterscheidet. Im ersten Fall sind interferierte Elemente ein Teil des Diskurses als Realisierung einer verbalen interaktionalen Kompetenz des Sprechers, bedingt durch Kenntnis einer anderen Sprache, im zweiten gehören sie zur Norm. Auf diese Weise leistet U. Weinreich die Unterscheidung zwischen Interferenz und Integration. „In Rede ist Interferenz gleichsam der Schwemmsand eines Stromes; in der Sprache ist sie der sedimentierte Sand, der sich am Boden eines Sees abgelagert hat. Diese zwei Stadien der Interferenz sollten unterschieden werden. In Rede kommt sie in den Äußerungen des zweisprachigen Sprechers als Resultat seiner persönlichen Kenntnis der anderen Sprache vor, wobei selbst die gleiche Interferenz jedesmal wieder eine neue Erscheinung ist. In der Sprache hingegen finden sich Interferenzerscheinungen, die, nachdem sie des häufigeren in der Rede Zweisprachiger vorgekommen sind, zur festen Gewohnheit wurden und sich institutionalisiert haben“ (Weinreich 1977; 27f.). minus in Gebrauch genommen haben. Andere Forscher aber sehen A. Meillet als ersten, bei dem der Terminus in den Vorlesungen 1924 – 1925 in Benutzung war (Kondakova 2004; 12). Wieder andere erwähnen in dieser Hinsicht U. Weinreich, der 1953 nach vereinzelten Vorbildern in der Prager Schule und der psychologischen Fachsprache den Terminus eingeführt hat (Schottmann 1977; 16).

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Auf Grund dieser Definition präzisiert B. Spillner die erwähnten Ebenen als individuell (parole-bezogen) und kollektiv-sozial bzw. regional (langue-bezogen). Im ersten Fall wird damit eine sprachliche Fehlleistung in einer Zielsprache/Fremdsprache bezeichnet, die durch unzulässige Übertragung einer vorher gelernten Sprache (meistens der Muttersprache) entsteht, 113 während im zweiten Fall darunter eine historisch bedingte Übernahme eines Elements aus einer anderen Sprache (meistens einer Nachbarsprache) und Integrierung in das System der eigenen Sprache verstanden wird. Das entlehnte Element wird allenfalls als „fremd“ empfunden, ist aber durchaus nicht fehlerhaft (vgl. Spillner 1996; 145). In Anlehnung an diese Einteilung der Interferenz ergeben sich zwei Perspektiven. Die eine betrachtet Interferenz „als synchron beobachtbaren Prozess auf der Ebene der Sprachverwendung“, die andere analysiert das Lehnphänomen „als Resultat eines diachronen Prozesses und als integrierten Bestandteil im Sprachsystem“ (vgl. Rindler Schjerve 1983; 81). Daraus kann man schließen, dass die oben beschriebenen Dimensionen der Integration mit den beiden Ebenen der Interferenz resonieren. E. Haugen weist darauf hin, dass Interferenz nicht immer eine Abweichung von der geltenden sprachlichen Norm sei, denn diese Erscheinung kann schon in der Gebersprache normwidrig sein. Deshalb „kann man das Vorhandensein der Interferenz nur dann feststellen, wenn wir als Ausgangsbasis den Sprachzustand nehmen, der der Zweisprachigkeit vorausging“ (Haugen 1956; 12). Des Weiteren schränkt E. Haugen den Terminus auf die reine parole-Erscheinung ein, insofern bei der Reproduktion fremder Muster in einer Sprache zu gleicher Zeit zwei linguistische Systeme auf eine sprachliche Einheit angewandt werden. A. Urbanová interpretiert die Interferenz im engsten Zusammenhang mit der Integration. In ihrer Vorstellung wirkt – so wie bei E. Haugen – Interferenz auf der parole-Ebene, während Integration Weinreichs zweites Stadium der Interferenz, Interferenz in langue, meint. Interferenz 113

Noch enger spezifiziert MLS (2004; 4301) die Interferenz in diesem Zusammenhang als „die Übertragung phonetischer Charakteristika der eigenen (Mutter-)Sprache (S1) auf eine (zu lernende) Fremdsprache (S2)“.

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geht in Integration über, während die Abweichungen von der Sprachnorm besonders nach längerem Sprachgebrauch zum Bestandteil der Norm werden können, d. h. in das Sprachsystem eingeschlossen werden, mindestens in eine der sprachlichen Ebenen: bezüglich der Phonologie, Morphologie und Syntax ist die Form einer Spracheinheit von der Interferenz betroffen, während auf der lexikalischen und semantischen Ebene der Inhalt des Wortes interferiert wird. Eine Integration liegt beispielsweise bei den Lehnübersetzungen vor oder in den Fällen, in denen das fremde Element völlig in das heimische System eingegliedert ist. Die Grenzen zwischen Interferenz und Integration sind daher fließend (vgl. Urbanová 1966; 97f.). In der neueren Forschung wurde der Sinngehalt des Begriffs erweitert, so dass Interferenz als Oberbegriff für alle Typen der Wirkung einer Sprache auf eine andere beim Sprachkontakt auf allen sprachlichen Ebenen auftritt (vgl. z. B. MLS 2004; 4300). So behält z. B. H. C. Langner die traditionelle Begriffsbestimmung „im engeren Sinn, als individuelle Abweichungen von der Norm einer Sprache auf Grund der Kenntnis einer anderen Sprache“, unterscheidet davon aber Interferenz im weiteren Sinn, als Oberbegriff für Vorgänge und Ergebnisse von Sprachkontakten schlechthin“ (Langner 1995; 20). 114 W. F. Mackey unterscheidet zwischen borrowing und interference. Während das Erste zum Bestandteil des Lexikons wird, kommen Interferenzen nur in der Rede der Bilingualen vor: „It is the difference between the code und the message, between language und discourse“ (Mackey 2005; 1491). Eine solche Auslegung ist mit Weinreichs interference in speech und interference in langue verwandt. Eine von dieser Meinung abweichende Interpretation schlägt P. Allenbacher vor: Interferenz sei als wechselseitige 115 Beeinflussung und Neuorganisation der relativ widerstandsfähige Teilsysteme der Ausdrucksseite wie Phonologie, Morpho114

Auf die Typen von Interferenz wie „negative“ Interferenz oder Hyperkorrektion (s. dazu J. Kabatek 1997; 237ff.) wird hier nicht eingegangen, da es im ersten Fall um NichtRealisierungen aus dem Bestreben, mögliche Interferenzen zu vermeiden, und im zweiten Fall um offensichtliche sprachliche Fehler geht. Die beiden Fälle bleiben meistens auf der individuellen Ebene und stellen nur im gegebenen Diskurs vorkommende Hapaxlegomena dar. In der Regel finden sie keine Verbreitung.

115

MLS hebt hervor, dass Interferenzen auch einseitig sein können (2004; 4300).

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logie und Syntax zu verstehen, während Entlehnung dagegen als „Transfer eines Fremdelements“ wohl die Lexik hervorheben soll (vgl. Allenbacher 1999; 28). MLS versteht Entlehnung als ein Teil von Interferenz: „Die augenfälligste und insgesamt am weitesten verbreitete Interferenz ist die Entlehnung von Lexemen (Transferenz)“ (MLS 2004; 4300).

Ein zusätzliches Unterscheidungskriterium zwischen Entlehnung und Interferenz schlägt G. Tesch vor. Er besteht seiner Meinung nach darin, dass „das Konzept der Entlehnung (Vorgang und) Ergebnis aus der Perspektive nur einer Sprache (der gebenden oder der empfangenden) sieht, während das Konzept der Interferenz beide Blickrichtungen in Betracht zieht“ (Tesch 1978; 37). Eine weitere Bedeutungskomponente zum Sinngehalt des Interferenzbegriffs schafft P. von Polenz: „Wird das code-switching in einzelnen Positionen innerhalb von Sätzen vollzogen […], handelt es sich um Interferenzen (vgl. Polenz 2000; 42, Hervorhebung im Original). Hier setzt von Polenz Interferenz mit Kode-Switching gleich. Ebenso verfahren M. Mathiot und D. Rissel: “Interference is simply the use of a lexical unit from one language while speaking another. It is an aspect of code switching” (Mathiot/Rissel 1996; 124). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Interferenz als Vorgang wie als Ergebnis, als borrowing (Entlehnung) wie als loan (Lehngut), aber auch als integration (Eingliederung) (Galinsky 1977; 464) und als KodeUmschaltung verstanden wird. Um den mehrdeutigen Begriff Interferenz zu vermeiden und eine neue konsistente Terminologie aufzubauen, wählt M. Clyne den Terminus Transferenz für den Vorgang und Transfer für das Ergebnis 116 (Schottmann 1977; 17), wobei dieser Versuch nicht geglückt zu sein scheint. Der Terminus ist auch in den Arbeiten von U. Weinreich zu finden und 116

In seiner späteren Publikation korrigiert M. Clyne den Begriffsgehalt der Transferenz, indem er mit Transferenz sowohl Prozess als auch Resultat beschreibt und für einzelne Sprachtransferenz-Fälle den Terminus Transfer verwendet: „[...] the term transference is employed for the process of bringing over any items, features or rules from one language to another, and for results of this process. Any instance of transference is a transfer“ (Clyne 1991; 160, Hervorhebung im Original).

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wird nicht weniger breit interpretiert als die Interferenz. Bei U. Weinreich bedeutet er die Übernahme der nicht-zugehörigen Elemente aus einer anderen Sprache. In dieser Bedeutung wird der Terminus von anderen Linguisten verwendet (s. Oksaar 1984; 664, Langner 1995; 20). Zur terminologischen Verwirrung trägt M. Lilienkamp bei, indem er Clynes Bezeichnungen für Vorgang und Ergebnis beim Sprachkontakt umdreht: „Transferenzen sind zunächst definiert als Lexeme […], die mit Form- und/oder Inhaltsseite aus dem Englischen transferiert wurden, und sind somit die Ergebnisse eines Vorgangs, der als Lexemtransfer bezeichnet wird“ (Lilienkamp 2001; 24f.).

Speziell soziale Akzeptanz und somit soziolinguale Dimension der Integration hebt F. Schmöe mit dem Terminus Transferenz hervor: „Wenn Entlehnungen schließlich gewohnheitsmäßig auch von anderen Mitgliedern der Sprachgemeinschaft verwendet werden, spricht man von Transferenzen“ (Schmöe 1998; 21).

In Bezug auf Transferenz greife ich wiederholt auf die Definition des MLS zurück, das Transferenz speziell als die augenfälligste und insgesamt am weitesten verbreitete Form der Interferenz, und zwar die Entlehnung von Lexemen präzisiert (vgl. MLS 2004; 4300f.). Demnach ist Transferenz zu einem die lexikalische Entlehnung, zu anderem ein Teil der Interferenz, wie dies schon oben skizziert wurde. In der Lehr- und Lernpsychologie wird Transferenz als „positiver“ Transfer verstanden, d. h. Übertragung vorhandener sprachlicher Erfahrung beim Fremdsprachenerwerb von einer Sprache (Muttersprache bzw. ersterlernter Fremdsprache) auf eine andere (Fremdsprache), wobei die Kenntnisse über das System der Muttersprache bzw. der bereits erlernten Fremdsprache beim Fremdsprachenerwerb eine wertvolle Hilfe leisten (s. ausführlicher Tesch 1978; 57ff.). Auf diese Weise werden aus der Sicht des Fremdsprachenerwerbs Interferenz und Transferenz als negativer und positiver Transfer gegenübergestellt (vgl. z. B. Gass/Arbor 1996; 559, ähnlich Juhász 1970; 30). Unter „psychologischem Blickpunkt“ gesehen geht es in beiden Fällen (Transferenz und Interferenz im engeren Sinn) um denselben Prozess der Nutzung vorheriger Sprachkompetenz. Nur ist das linguistische 91

Ergebnis unterschiedlich: Es kann geglückt sein und bei der Produktion der Texte in einer Fremdsprache helfen, während „negative“ Übertragung für das Entstehen von Fehlern verantwortlich ist (vgl. Kabatek 1997; 233f., Juhász 1970; 32). Was die Theorie der Entlehnung angeht, umfasst Transferenz die Fragen zum Resultat der Wirkung einer Sprache auf die andere, das sich nicht in der Rede, sondern im System der beeinflussten Sprache findet, d. h. im Charakter der Spracheinheiten und in den Regeln ihrer funktionalen Beschaffenheit. Weniger kontrovers werden Termini Habitualisierung und Inkorporation in der linguistischen Literatur verwendet. Beim Begriff Habitualisierung, der ursprünglich in der Soziologie beheimatet ist, steht eher soziolinguistische Ebene der Integration im Vordergrund. Im linguistischen Umfeld, in Verbindung mit dem Eindeutschungsprozess der entlehnten Elemente, bedeutet er die Aufnahme in die Norm durch soziale Sanktionierung (vgl. z. B. bei Schottmann 1977; 16). Im Allgemeinen gesehen sind Habitualisierungen zu den automatischen Abläufen erstarrte Gewohnheiten. Als sprachliche Habitualisierungen könnten Gesprächs- oder Routineformeln bezeichnet werden (vgl. Ripfel 1989; 196). Inkorporation wurde in der Arbeit von A. Zürn (2001; 170) im Kontext der grammatischen und orthographischen Anpassung verwendet. Somit ist die systemlinguistische Dimension der Integration gemeint. Keine strenge terminologische Auslegung haben in den linguistischen Publikationen Bezeichnungen Anpassung, Einbürgerung, Eingliederung, Eindeutschung, Stabilisierung und Etablierung. Erwähnenswert ist die Unterscheidung in der russischen Linguistik zwischen osvoenie (Aufnahme) und usvoenie (Aneignung), 117 fundiert auf de Saussures Dichotomie „Rede“ vs. „Sprache“. Betrachtet werden diese Prozesse als zwei Stadien der Integration, wobei usvoenie die Erschließung eines Lexems in die Rede bedeutet, während osvoenie die Eingliederung in das Sprachsystem repräsentiert (vgl. Vasil´eva 2004; 39). 117

Im Original: „освоение“ и „усвоение“.

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„Usvoenie ist ein schneller augenblicklicher Prozess, im Gegensatz dazu ist die nachfolgende osvoenie eines entlehnten Wortes ein langsamer Vorgang, der sukzessiv verläuft“ (Efremov 1958, zit. nach Vasil´eva 2004; 14, meine Übersetzung – S.B.). 118

Ebenso wie bei der Klassifizierung der Anglizismen herrscht in der Linguistik eine große Uneinigkeit bei der Bezeichnung des Eindeutschungsprozesses. Die gleiche Bezeichnung kann kontrovers gebraucht werden, wie dies bei Interferenz der Fall ist. Jedoch auch synonymer Gebrauch unterschiedlicher Termini sorgt für Verwirrung. Die Auseinandersetzung mit den Definitionen der Begriffe, die den Integrationsweg eines entlehnten Lexems beschreiben, macht deutlich, dass einige von ihnen als Stadien oder unterschiedliche Seiten der Eingliederung des exogenen sprachlichen Materials angesehen werden können (vgl. z. B. Akkommodation). Eine Stabilisierung der Terminologie ist bisher nicht erfolgt. Hinsichtlich der Metasprache dieser Arbeit werde ich der terminologischen Einheitlichkeit halber im Weiteren für die Bezeichnung der Eingliederung der exogenen Elemente den Terminus Integration gebrauchen, da dieser Begriff nicht nur die linguistische Seite der Eingliederung, sondern auch soziolinguistische berücksichtigt und somit den Inhalt dieses Prozesses adäquat wiedergibt. Er hat auch keine weiteren Bedeutungskomponenten wie z. B. Interferenz. In der Forschungsliteratur, wie L.V. Vasil´eva (2004; 16) schreibt, sind einige Ansätze bezüglich der Integration vertreten. Der erste Ansatz war etwa bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts dominierend, Integration war ausschließlich als eine formale Angleichung und Erschließung eines anderssprachlichen Elements in das Sprachsystem zu verstehen. Diese Betrachtungsweise bildet die Grundlage für die traditionelle Dichotomie Fremdwort vs. Lehnwort. Der zweite Ansatz akzentuiert die funktionale Integration der Entlehnungen, was in sich den lexikalischen und semantischen Aspekt der Eindeutschung sowie auch die Usualität erschließt. 118 Das Zitat im Original: „Усвоение представляет собой быстрый, мгновенный процесс, наоборот, дальнейшее освоение заимствованного слова – это процесс, который, прежде всего, связан со временем и поэтому протекающий постепенно“.

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Die aktuelle Forschungslage weist einen komplexeren Ansatz bei der Analyse fremder Elemente auf: Neben den formalen Merkmalen der Eingliederung wird der lexikalisch-semantische und soziolinguistische Aspekt in Betracht gezogen. Die dargestellten Interpretationen der gängigsten Termini zur Beschreibung des Anpassungsprozesses sind in der Tabelle 4 zusammengefasst. Der lernpsychologische Aspekt wird hier nicht berücksichtigt, da er in Bezug auf das analysierte Korpus keine Relevanz besitzt. Tabelle 4. Terminologische Abgrenzung der gängigsten Termini zur Beschreibung des Anpassungsprozesses

Integration Assimilation Akkommodation Adaptation Interferenz Transferenz Inkorporation Habitualisierung

Systemlinguistische Ebene + + + + + + + -/+

Soziolinguistische Ebene + + + +

Die Termini Anpassung, Einbürgerung, Eingliederung, Eindeutschung, Transformation, Stabilisierung und Etablierung sind nicht spezifiziert. 1.7. Integrationsarten von Entlehnungen Traditionell 119 spricht man von mehreren Anpassungsstadien der entlehnten Elemente in der Zielsprache, die sich zum Teil daraus ergeben, dass man bei der Beschreibung von Integrationsmechanismen mit verschiedenen Ebenen zugleich operiert (vgl. dazu Földes 1996; 57f. und 119 Eine andere Sichtweise auf den Anpassungsprozess wird im Kap. „Sprachliche Entlehnung“ dargestellt.

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2005; 245): Setzt man sich mit der formalen Anpassung an die Normen der Zielsprache, d. h. an die phonologischen, morphologischen und graphischen Teilsysteme der Sprache, so ist ein systemlinguistisches Kriterium gemeint. Untersucht man die Verständlichkeit, setzt man den Akzent auf das psycholinguistische Kriterium. Geht man von der Geläufigkeit und Verbreitung in der Sprachgemeinschaft aus, steht das soziolinguistische Kriterium im Mittelpunkt. Sucht man schließlich nach den Äquivalenten in der anderen Sprache, so verwendet man ein kontrastivlinguistisches Kriterium. Auf der Ebene der systemlinguistischen Integration werden traditionell drei Typen der formalen Integration unterschieden: phonetische, orthographische und grammatische (morphologische oder auch morphosyntaktische) Integration (vgl. z. B. Korotkih 1974; 12, Wienold 1979; 106). Phonetische Integration Die phonetische Assimilation wird als Anpassung an die Laute der Zielsprache verstanden, indem fremde Laute durch Laute, die nach dem Gehöreindruck den muttersprachlichen am ähnlichsten sind, substituiert werden (vgl. Maslov 1975, Paul 1995, Bloomfield 2001, Campbell 1996; 98, Weinreich 1977; 30). Einen ähnlichen Standpunkt vertritt P. Eisenberg: „Wie die Wörter im amerikanischen oder britischen Englisch artikuliert werden, ist für den Durchschnittssprecher des Deutschen ohne Belang. Er wird den Stammvokal in Boss nicht über [] hinaus öffnen, das [l] in cool nicht palatalisieren usw.“ (Eisenberg 2001; 187).

Nach L. Bloomfield kann ein Bilingualer, der eine Fremdsprache gut beherrscht, eine exogene Form originalgetreu aussprechen. Er wird sie aber höchstwahrscheinlich durch die Laute der eigenen Sprache ersetzen, um sich die „Muskelanstrengung“ zu ersparen (vgl. Bloomfield 2001; 531f.). Diese generalisierende Feststellung wird von U. Weinreich spezifiziert, indem er bei der Wahl einer Aussprachevariante zwischen ein- und zweisprachigen Sprechern unterscheidet: Zweisprachige 120 120

U. Weinreich fasst nach E. Haugen die Einsprachigen und diejenigen Zweisprachigen zusammen, die es erst als Erwachsene wurden, gegenüber denen, die von Kindheit an zweisprachig waren (vgl. Weinreich 1977; 46).

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behalten fremde Phoneme in Lehnwörtern bei, was im Gegensatz zu Bloomfields Aussage steht, während Einsprachige eine lautliche Anpassung vornehmen (vgl. Weinreich 1977; 46). Noch detaillierter geht B. Carstensen auf das Problem ein. Er stellt fest, „dass der Grad der Integration englischen Wortmaterials in der Aussprache in Abhängigkeit von Alter, Bildungsgrad, Dialekt und besonders den Englischkenntnissen des individuellen Sprechers sehr unterschiedlich sein kann“ (Carstensen/Busse 1993; 81* und 2001; 81*). Wie ein bestimmtes Lexem mündlich tatsächlich realisiert wird, ist äußerst schwer zu überprüfen. Man muss davon ausgehen, dass eventuell mehrere Aussprachevarianten bestehen. Daher kann die Behauptung, dass im Gegenwartsdeutschen grundsätzlich die ursprüngliche Phonem-Graphem-Relation bei bestimmten Lauten beibehalten wird, nur als Spekulation gelten. 121 Die Möglichkeit der Aneignung einiger fremder Artikulationen ist jedoch nicht prinzipiell auszuschließen: „Wenn die Entlehner verhältnismäßig vertraut mit der Gebersprache oder wenn die entlehnten Wörter recht zahlreich sind, dann können fremde Laute, die akustisch keinem einheimischen Phonem ähneln, in einer mehr oder weniger genauen Wiedergabe bewahrt werden, die dem muttersprachlichen Lautsystem Gewalt antut“ (Bloomfield 2001; 533, ähnlich Vachek 1975; 192).

Ein mögliches Motiv für die Selektion der Aussprachevariante zugunsten einer originalnahen Aussprache kann darin begründet liegen, dass die Quellsprache ein hohes kulturelles oder soziales Ansehen genießt (vgl. Weinreich 1977; 46). Übertragen auf die heutige Sprachsituation in Deutschland trifft diese Behauptung von U. Weinreich zu, da Englisch zur Weltsprache geworden ist. Als eine Art phonetischer Assimilation betrachten Linguisten die Übertragung von Akzentregeln der Muttersprache 122 auf exogene Wörter (vgl. 121 Nach H.-G. Schmitz werden in den Wörtern Hearing, Park-and-ride und Rock(musik) der alveolare Approximant [r], und in Slogan, Show, Container, Lady der Diphthong statt der eingedeutschten Formen mit [o:] oder [e:] artikuliert (Beispiele aus: Schmitz 2002; 140). Zur Auseinandersetzung mit der Problematik der Graphem-Phonem-Verhältnisse s. Schmöe (1998; 181). 122

Zur Kritik am Begriffs Muttersprache aus Sicht der Mehrsprachigkeit s. C. Földes (2005; 19).

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Campbell 1996; 100f.). Veränderungen unterliegt auch die Silbenstruktur entsprechend den systemischen Gesetzmäßigkeiten der Zielsprache (Paul 1960; 463ff., ebenso Maslov 1975; 258). 123 Mit Beispielen aus dem Korpus kann dies nicht belegt werden, da diese auf der verschrifteten Form der Sprache fußen. Graphematische Integration Die graphematische Integration englischer Entlehnungen vollzieht sich durch Veränderungen des Schriftbildes entsprechend der neuen Distribution, wobei dieser Prozess häufig vom Zeitpunkt und vom Weg der Entlehnung beeinflusst wird. Heutzutage werden Entlehnungen meistens durch schriftlichen Verkehr hauptsächlich durch moderne Medien und nicht mehr ausschließlich von Individuum zu Individuum an Sprachgrenzen vermittelt (s. Glück 2000; 111f., Schmöe 1998; 22). Aus diesem Grund bewahren viele Entlehnungen ihr ursprüngliches Schriftbild, vgl.: engl. team, cool - dt. Team, cool. In der Zielsprache erfährt die ursprüngliche Phonem-Graphem-Relation eine allmähliche Veränderung unter dem Druck des Sprachsystems: vgl. z. B. die partielle orthographische Anpassung nach der Aussprache: Ketchup → Ketschup. Ausgehend von Graphem-Phonem-Beziehungen erarbeitete H. Munske eine Typologie der Integrationsmöglichkeiten (s. Tabelle 5). H.C. Langner überarbeitete diese, indem sie die graphemische Integration mit der phono-graphemischen vereinigte, da sie entsprechend ihrem Untersuchungsthema von der Anpassung der Schreibung ausging. H.C. Langner spricht von zwei Integrationsmöglichkeiten der Wörter mit fremder Graphem-Phonem-Relation: „Phonetic spelling“ (Anpassung der Schreibung an die quellsprachliche Aussprache) und „Spelling Pronunciation“ (Anpassung der Aussprache an die quellsprachliche Schreibung) (vgl. Langner 1995; 108f.). Im Rahmen dieser Untersuchung spielen graphemische und grapho-phonemische Integration eine Rolle, denn gemäß der Definition des Anglizismus (s. Kap. „Begriffsbestimmung des Anglizismus“) werden die Belege vor allem nach der Form, die Merkmale von Anglizität aufweist, ausgewählt (mit einigen wenigen Ausnahmen, die nicht ins Gewicht fallen). 123

Näheres zu den zu entlehnenden phonetischen Erscheinungen bei Campbell 1996; 99ff.

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Tabelle 5. Integrationsarten nach H. Munske (1987; 84f.) Integrationsart Graphemische Integration Phono-graphemische Integration

Aussprache übernommen angepasst

Schreibung angepasst

Grapho-phonemische Integration („Leseaussprache“)

angepasst

übernommen

angepasst

Beispiel frz. liqeur – dt. Likör frz. saison – schwed. sesong frz. élan – dt. Elan

Bei der graphischen Analyse der Belege zeigt sich vor allem Folgendes: Eine der auffälligsten Besonderheiten der deutschen Rechtschreibung ist, dass Substantive mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben werden (vgl. Eichhoff 1979; 118). Dementsprechend ist ein für die deutsche Sprache relevanter Aspekt der Integration die Großschreibung der entlehnten Substantive, z. B.: Run, Bar, Song. Da diese Regelung dem Englischen fremd ist, werden die in einen deutschen Text aufgenommenen englischen Substantive erstmal klein geschrieben. Je weiter sie die Integration durchlaufen, desto eher verlieren sie diese Besonderheit. Allerdings weist eine Reihe von Substantiven im Korpus eine doppelte Schreibweise auf: (1) „elder statesman“: Elder Statesman, (2) „Equal weight“ : „Equal-Weight“ : „Equalweight“, (3) „missing link“: „Missing link“, (4) Heavy-metal- : Heavy-Metal-, (5) one-man-show : One-Man-Show. Dies gilt auch für Komposita, bei denen die Schreibung des zweiten Kompositionsgliedes schwankt, wie die Beispiele (2) und (4) zeigen. Zu fragen ist hier allerdings, in welche Richtung die Integration verläuft: ob von der englischen Kleinschreibung auf die deutsche Großschreibung umgeschaltet wird (klein → groß) oder ob die Kleinschreibung des zweiten Kompositionsgliedes als eine Vorstufe der Zusammenschreibung zu 98

gelten hat und dementsprechend hier ein Wechsel des Anfangsbuchstabens von groß auf klein erfolgt (groß → klein), vgl. Beispiel (4). Die erste Möglichkeit (klein → groß) scheint wahrscheinlicher zu sein, vgl. Beispiel (5). Die Bindestrichschreibung, ein weiterer Aspekt der graphischen Integration, verdeutlicht, dass das ursprüngliche Syntagma als ein Kompositum analysiert wird. „Die deutsche Sprache ist dafür bekannt (oder berüchtigt), dass in vielen Fällen die Wortbildungen zur Verfügung stehen oder neu entstehen, wo man in anderen Sprachen syntaktische Gruppen verwendet“ (von Polenz 2000; 36).

Im Englischen gelten andere Regeln für die Schreibung von Komposita. Auch getrennte Schreibweise ist hier möglich. Obwohl dies für das Deutsche normwidrig ist, werden im ersten Schritt des Anpassungsprozesses die Formen in der Regel getrennt geschrieben. Vgl.: „Customer Service“, Depositary Shares, „Fair play“, “First Mover”, Late Night Show, Lean Management, Lean Production, Lean Government. Auf dem Weg der Konventionalisierung wird die normwidrige Getrenntschreibung im Deutschen durch Bindestrichschreibung ersetzt. Vgl.: Park-Distance-Control, Business-Class, Cash-Cows, Design-FoodFirma, Dream-Teams, Inline-Skaters, Line-Sharing, MinidiscPlayer. Die registrierten Doppelformen (mit und ohne Bindestrich) lassen den graphematischen Integrationsprozess verfolgen. Vgl.: Cash Flow : Cash-flow : Cashflow, „Equal weight“ : „Equal-Weight“: „Equalweight“, Grid-Girls : Gridgirls, Handi-Cap : Handicap, High-Tech- : Hightech-, Super-Wahljahr : Superwahljahr.

99

Zum letzten Beispiel muss man anmerken, dass die Herkunft des Präfixes 124 super- umstritten ist. In Frage gestellt wird, dass seine Herkunft auf den englischen Einfluss zurückzuführen ist. Das ursprünglich aus dem Lateinischen stammende Präfix muss einen Gebrauchsanstieg durch den englischen Einfluss erfahren haben, daher wird es den Anglizismen zugeordnet (s. dazu Kap. „Begriffsbestimmung des Anglizismus“). Ein weiteres Argument für seinen Anglizismenstatus ist aus dem angeführten Beispiel ersichtlich: super- wird durch einen Bindestrich abgetrennt, was für die deutsche Schreibung von Präfigierungen untypisch ist. Sehr deutlich schimmert hier das Modell durch, das der Schreibweise der englischen Entlehnungen zu Grunde liegt (vgl. oben die Formen mit der Bindestrichschreibung). Schließlich wurden auch Beispiele für die Zusammenschreibung von Komposita registriert, vgl. Liftgirl. Generell erfüllt die Bindestrichschreibung der Kompositionsglieder im Deutschen die Funktion der Verständlichkeitserleichterung und Transparenz im Fall der unübersichtlichen Komposita (vgl. Donalies 2002; 58). Dies trifft vor allem Komposita, die aus indigenen und exogenen Wortbildungselementen bestehen, vgl.: Windows-Betriebssystem-Software, Unternehmenssoftware-Anbieter. Jedoch scheint die Einsetzung der Binnenstrichschreibung aus diesen Gründen nicht berechtigt zu sein, wenn es um die Zusammensetzungen aus exogenen Wortbildungselementen geht. Sie sind wegen ihrer überwiegenden Zweigliedrigkeit 125 – zumindest den Korpusbelegen nach – ohnehin übersichtlich. Die Bindestrichschreibung erklärt sich in diesem Fall eher als Übergangsstufe von der Getrennt- zur Zusammenschreibung auf dem Weg der Integration in das deutsche Sprachsystem, wie dies oben an Beispielen gezeigt wurde. Charakteristisch für das Anfangsstadium des Entlehnungsprozesses ist die Schreibung in Anführungszeichen (s. ausführlicher Götzeler 2008; 225ff.). Sie führt auf den Zitatstatus des Lehnguts zurück. M. Clyne stuft Anführungsstriche, den kleinen Anfangsbuchstaben bei Substantiven 124

Super tritt auch in der lexematisierten Form als Adjektiv auf, dazu weiter im Text.

125

Zweigliedrig heißt hier aus zwei Kompositionsgliedern bestehend. Zweigliedrigkeit hat in diesem Sinne nichts mit der Binalität der Komposita zu tun (vgl. Näheres Donalies 2002; 63).

100

sowie den Bindestrich als Zeichen eines geringen Integrationsgrades ein (vgl. Clyne 1975; 30f.). Vgl. „Fair play“, „First Mover”, „good governance“, „good man“. Der Einsatz von Anführungszeichen kann jedoch neben der Markierung der Fremdheit andere Gründe haben, z. B. Markierung der lexikalischen Neuerungen (vgl. Götzeler 2008; 225), die Kennzeichnung von Namen und Titeln (z.B. Namen von Veranstaltungen, Namen bzw. Titeln von Institutionen, Theaterstücken, Filmen u.a.m.). Ein weiterer Grund wäre die modalisierende Funktion von Anführungszeichen, wenn sie die Geltung, die Glaubwürdigkeit einer Formulierung relativieren (vgl. Burger 1990; 52). Diese Funktionen haben speziell mit der Entlehnung nichts zu tun, können aber für die entlehnten Phänomene genauso gut in Einsatz kommen wie für die indigenen. Die Unterscheidung wäre durch eine Kontextanalyse möglich, die jedoch im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht realisierbar wäre. Fasst man die angesprochenen Aspekte der Zusammen- bzw. Getrennt-, Groß- bzw. Kleinschreibung sowie den Einsatz der Anführungsstriche zusammen, so mag die graphische Integration in folgender Abfolge verlaufen. Die eckigen Klammern verdeutlichen hypothetische, nicht im Korpus belegte Beispiele. Bei der letzten Form verschwinden die Anführungsstriche als Marker der Fremdheit und des Zitatstatus:

„Equal weight“→ [„Equal-weight“] → „Equal-Weight“ → „Equalweight“ → [Equalweight].

Die Beispiele für graphematische Änderungen wären unter anderem die Ersetzung der Grapheme durch , und durch , durch . Vgl.: Club – Klub, Disco – Disko, district – Distrikt, helicopter - Helikopter, boycott – Boykott, clone – Klon, telematics - Telematik, check – Scheck, shock – Schock, ketchup – Ketschup u. a. m. 126 126

Die Herkunft der hier angeführten Beispiele soll nicht irritieren. Wie im Kap. „Begriffsbestimmung des Anglizismus“ erwähnt, gilt in dieser Arbeit nicht die fernere Etymologie, sondern die unmittelbare Quellsprache der Entlehnungen (d. h. das Englische), aus der eine Sache oder ein Sachverhalt übernommen wurde, oder unter deren Einfluss die Gebrauchsfrequenz der Entlehnung gestiegen ist.

101

Wie B. Carstensen feststellen konnte, kommen in manchen Fällen die graphematisch schon einmal assimilierten Formen unter dem Einfluss des Englischen auf die nicht-assimilierte Form zurück (ähnlich Jung 1993; 221, „Reanglisierung“ 127 von Götzeler 2008; 197 Fußnoten 159 und 160.), vgl. z. B. Cosmetic, Camera (Carstensen 1965; 34 und Langner 1995; 42), Yacht (Langner 1995; 41), Concert (Die WELT 1994), Disco (Die WELT 2004), Director (Die WELT 2004), Code (Die WELT 2004), Direct- (Die WELT 1994). Insbesondere in der Werbung wird diese Schreibweise gern eingesetzt (vgl. dazu Langner 1995; 42f.), vermutlich als stilistischer Effekt. Grammatische Integration Neben der Integration von Anglizismen ins Laut- und Schriftsystem des Deutschen sind auch andere Integrationsbereiche von Bedeutung. Bei der grammatischen Integration erhält das entlehnte Wort in der Regel neue grammatische Kategorien der Zielsprache unabhängig davon, ob es sie auch in der Gebersprache hatte. Dazu seien hier einige Bespiele angeführt: Verben Die Anpassung der verbalen Anglizismen an das verbale Paradigma erfolgt durch Infinitivbildung auf –(e)n. Bei der geschlossenen Endsilbe entstehen keinerlei Probleme: scannen, shoppen, recyceln, relaxen, starten, talken, boxen, floppen, chipen, jetten, jobben, mailen, modeln, foulen, stoppen, boomen, stylen, testen, sprinten, charten, kidnappen, leasen, managen. Anders ist es bei offenen Endsilben, vgl. *sightsee-en.

127

H.C. Langner konnte die „Reanglisierungserscheinungen“ im DUDEN feststellen: „Die Tendenz, Anglizismen anzugleichen, ist etwa ab der 15. Auflage wieder rückläufig. Als Reanglisierungserscheinungen lassen sich die Wiederaufnahmen von (z. T. in älteren Auflagen getilgten) fremdsprachlichen Varianten […] anführen.“ (Langner 1995; 176).

102

Bei der Bildung der Präsens- und Präteritumformen weisen die entlehnten Verben nach rechts das normale Flexionsverhalten der schwachen Verben des Kernwortschatzes auf, vgl.: Konjugation im Präsens: sie startet und Bildung des Präteritums: foulte, trainierten. Problemlos bildbar sind beide Partizipialformen: Partizip Präsens: boomend, Partizip Perfekt: relaxt, gesprintet, gestoppt, durchgestylt, getestet, gechartet, computerisiert, gefoult, gekidnappt, geleast, gemanagt. Beim Verb relaxt entfällt die Präfigierung ge- im Partizip Perfekt, weil die erste Silbe unbetont ist und „ein Part 2 in der Regel nicht mit zwei unbetonten Silben anfängt“ (Eisenberg 2006; 255). Adjektive Adjektivische Anglizismen werden in attributiver Stellung flektiert, vgl. nach fairer Verständigung, die cleveren Gäste, sein progressiv gestyltes Coupé. Allerdings weist diese Regel auch Ausnahmen auf: vgl. *sexy-e Erscheinung, *super-es Angebot, *top-e Leistung. Die Gründe für ihre Unflektierbarkeit können unterschiedlich sein: Man kann von einer offenen Endsilbe wie bei sexy ausgehen oder von konkurrierenden Komposita, vgl. Superangebot, Topleistung, die offensichtlich im Gebrauch bevorzugt werden, da sie die Unsicherheiten bei der Flexion kaschieren. Neben der Deklination werden entlehnte Adjektive nach den Regeln der deutschen Steigerung kompariert (vgl. Eisenberg 2006; 181ff.). Exemplarisch ist hier aus meinem Korpus lediglich den Superlativ der Fairste 128 zu nennen. Substantive Substantivische Anglizismen erhalten die Flexionselemente der Zielsprache, indem sie sich in das jeweilige Kasus-, Numerus- bzw. Genusparadigma einfügen. Numerusintegration. Der s-Plural ergibt sich als besonders funktional bei exogenen Lexemen, die noch nicht etabliert sind, z. B.: 128

Abweichend von der englischen Form fairest.

103

Cash-Cows, Claims, Containments, Departments, Dream-Teams, Drinks, Facts, Fans, Fellows, Girls, Singles, Skateboards, Sounds. Die Erklärung für eine leichte Handhabung bei der Bildung des sPlurals findet sich in seiner nichtsilbischen Natur und niedrigen Sonorität: Beim s-Plural liegt die Morphemgrenze innerhalb der Silbengrenze, d. h. das Basismorphem wird nicht auf zwei Silben aufgespalten. Somit sind s-Pluralformen im Gegensatz zu den Pluralformen mit silbischen Suffixen maximal singularähnlich, strukturbewahrend (s. ähnlich Eisenberg 2006; 165). Der n-Plural ist auch nichtsilbisch, aber im Unterschied zum s-Plural ein Sonorant und lässt sich aus prosodischen Gründen nicht ohne Vorbehalt mit allen möglichen Stammausgängen kombinieren: Er kann an den Stammauslaut treten, wenn das Wort auf einen Vokal (außer -ei, -au) oder auf die Suffixe -el, -er ausgeht (vgl. Helbig/Buscha 2005; 215, Fußnote 3). Nach Obstruenten wird es automatisch silbisch (vgl. Wegener 2003). Konträr zu der Meinung von G. Zifonun, die den s-Plural als einen typischen Fremdwortplural, der nicht unbedingt für Integration spricht, bezeichnet (vgl. Zifonun 2002; 5), behauptet H. Wegener, dass der ursprünglich fremde 129 s-Plural […] jedenfalls heute kein Fremdwort-Plural mehr ist, sondern der reguläre Pluralmarker 130 für semiotisch oder phonologisch markierte, spezielle Wörter oder Wortklassen wie Onomatopoetika, Eigennamen, finaler unbetonter Vollvokal oder unassimilierte Fremdwörter. Vgl.: Schmidts, Achs, Laptops, Opas (vgl. Wegener 2003). „Die s-Zwischenstufe ist im Falle der Anglizismen und Gallizismen im Allgemeinen identisch mit dem fremden, englischen oder französischen Plural, weshalb dieser als aus der Gebersprache mitentlehnt erscheint“ (ebd.).

Tatsächlich ist es schwer zu unterscheiden, ob die Pluralform mit sSuffix im Deutschen gebildet wird oder ob das Substantiv in der Pluralform entlehnt wird. Diese Frage wirft H. Wegener ebenso auf und argumentiert zu Gunsten der Annahme, dass die Pluralform erst von deutschen Sprechern ausgebildet wird (vgl. ebd., ebenso Schmöe 1998; 129 „Der Status des s-Plurals als nativ oder fremd ist in der Forschung nicht geklärt“ (Götzeler 2008; 204, ebenso von Polenz 1978; 83f.). 130 Ebenso misst F. Schmöe dem s-Plural in der deutschen Substantivflexion einen festen Platz zu (1998; 193).

104

190f.). Allerdings stellt sich die Frage, ob bei den Substantiven mit dem auslautenden –y das Gleiche gilt. Es sind in dieser Kategorie zwei Möglichkeiten der Pluralbildung festzustellen: Zum einen wird in vielen Fällen bloß s-Suffix angehängt, vgl.: Homestorys, Ladys, während in der englischen Sprache dies ein Normverstoß wäre. Zum anderen wurden auch die Pluralformen mit dem englischen Ausgang -ies im Korpus belegt, vgl.: Rowdies, Securities. Das erste Beispiel wäre ein weiteres Argument für Wegeners These. Im zweiten Fall kann es offensichtlich nicht eindeutig entschieden werden, ob es sich um eine Formübernahme handelt oder ob hier ein Analogieausgleich vorliegt. H. Wegener (2003) bezeichnet Suffix -s als „Übergangsplural, eine temporäre Lösung“ bei Fremdwörtern und Neologismen, das eine Zwischenstufe im Integrationsprozess darstellt und schließlich von den nativen Pluralformen abgelöst werden kann, sobald die „einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben und morphologisch analysiert sind“ (ebd.). Zugleich schließt die Linguistin nicht aus, dass der Zeitpunkt erreicht ist, wo der Assimilationsprozess bei Entlehnungen aus dem Englischen aus verschiedenen Gründen 131 heute länger dauert und seltener erfolgt als früher oder gänzlich unterbleibt. Die Substantive mit auslautender Schwasilbe greifen nicht auf den sPlural zurück. Einfacher scheint hier die Lösung zu sein, dass solche Nomen aufgrund ihres Auslauts unmarkiert bleiben, d.h. für die Pluralbildung als unauffällig gelten und damit sofort der allgemeinen Regel zugänglich sind. Sie greifen auf den Ø-Plural wie die indigenen Lexeme auf -er, 132 z. B.: Computer, Bestseller, Bodybuilder, Camper, Container, Counter, Dealer, Decoder, Designer, Entertainer. Auslaut auf -s verhindert das Auftreten des s-Plurals, 133 vgl.: Boss – Bosse, Box – Boxen. Im Englischen wird in diesen Fällen Plural auf -es gebildet, 131 Die möglichen Gründe dafür sieht H. Wegener (2003) im hohen Prestige des Englischen und in der relativ großen Vertrautheit deutscher Sprecher mit der englischen Sprache. Aber auch häufige und regelmäßige Verwendung von Anglizismen tragen dazu bei. 132

er-Plural wird als deutsches Derivat aufgefasst und erfordert daher Nullendung im Plural (vgl. Schmöe, 1998; 192, Korte 1986, zit. nach Glück/Sauer 1997; 57).

133

Vgl. Schmöe 1998; 192.

105

das die Silbenstruktur des Lexems ändert: Das Basismorphem wird auf zwei Silben aufgespaltet, genauso wie bei den nativen Pluralsuffixen -e oder -en. Der Gebrauch der nativen Pluralsuffixe bedeutet in diesem Fall weniger Aufwand für den Sprachteilhaber mit Deutsch als Muttersprache. Kasusintegration. Die entlehnten Substantive werden in das deutsche Deklinationsparadigma eingefügt: Morphologische Kasusmarkierung -n tritt im Dativ Plural bei den schwaauslautenden Substantiven, vgl.: Thrillern, Teenagern, Top-Performern, Computern. Beim s-Plural tritt ein Dativ-n nicht auf (vgl. Schmöe 1998; 203). Die Markierung -s erhalten maskuline und neutrale Anglizismen im Genetiv Singular, vgl.: Da sich bei den Kommunalwahlen vom 13. Juni die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat dramatisch verschoben haben, scheint auch die Mehrheit für den von 15 Bürgerinitiativen und großen Teilen des intellektuellen Establishments der Stadt abgelehnten Brückenschlag verloren gegangen zu sein (Die WELT 14.7.2004; 23). Da muss man auch mal die Leistung des Managements hinterfragen (Die WELT 18.09.2004; 26). Demgegenüber finden sich auch die Belege, in denen eine Genitivmarkierung entfällt, vgl.: Dieses Verfahren des Online-Banking wurde seit seiner Einführung Mitte der neunziger Jahre noch kein einziges Mal geknackt (Die WELT 9.08.2004; 7). Genusintegration. Das Genus der substantivischen Anglizismen 134 wird im Deutschen nach dem Analogie-Prinzip bestimmt. Es geht hier in erster Linie um formale oder semantische Ähnlichkeit – manchmal sind beide Kriterien im Spiel – sowie auch um das natürliche Geschlecht. Bei Substantiven, die Lebewesen bezeichnen, ist für die Genuszuweisung das natürliche Geschlecht entscheidend, vgl.: die First Lady, die „Eiserne Lady“. Formale Kriterien lassen sich nach M. Schulte134 Näheres zur Frage der Genuszuweisung bei entlehnten Substantiven s. SchulteBeckhausen 2002; Schmöe 1998; 206ff., Schlick 1984; 193ff., Carstensen 1980; 37ff. Genusentlehnung ist aus dem Englischen, das keine Genusdifferenzierung beim Substantiv kennt, nicht möglich (vgl. Schulte-Beckhausen 2002; 34).

106

Beckhausen (2002; 41ff.) wie folgt unterscheiden: Genuszuweisung erfolgt, erstens, nach dem Wortausgang: Feminina sind die Substantive auf: -ence (Assistence), -y (Academy, Erfolgsstory, Society), -ion (action), -ness (Business, Fairness), -ship (Championship, Fellowship), -ity (Corporate Identity), -ance (Outperformance). Die Genuszuweisung nach dem morphologischen Kriterium “versagt” in einigen Fällen wie: das “good governance” und der Bund-Future. Nach M. Schulte-Beckhausen sollen beide Suffixe feminine Formen bilden, was in den angeführten Beispielen nicht der Fall ist. Maskula sind Substantive auf: -er (Babysitter, Barkeeper, Blockbuster, Bodybuilder, Browser, Camper, Kidnapper), -or (Bachelor). Neutra sind Substantive auf: -ment (Appeasement, Entertainment), -ing (Banking, Bartering, Brainstorming, Branding, Briefing, Controlling, Shopping), -et (Ticket), -al (Musical). Zweitens, nach der lautlichen bzw. graphematischen und semantischen Ähnlichkeit, vgl.: die Show – die Schau, der Drink – der Trunk, der Room – der Raum, das House – das Haus. Drittens, nach einem semantischen deutschen Äquivalent, vgl.: das Girl – das Mädchen, der Fight – der Kampf, die City – die Stadt, die Band – die Gruppe, der Hit – der Schlager, der Beat – der Schlag, die SMS – die Nachricht. Viertens, nach einem übergeordneten Gattungsbegriff, vgl.: das Spiel – das Golf, das Poker, der Tanz – der Foxtrott. Viele Einsilber sind maskulin, vgl.: der Boom, der Pool. Einige Substantive können nicht eindeutig einer Geschlechtskategorie zugeordnet werden und weisen somit Varianten auf: der/das Cartoon, der/das Match, der/das Output. Das Phänomen „Genusschwankung“ sieht M. Schulte-Beckhausen als „Ausdruck einer Übergangsphase auf dem Weg zur Etablierung eines einzigen Genus“ (Schulte-Beckhausen 2002; 164 und 165). Bei Genusschwankungen finden sich überwiegend Paare mit Maskulinum und Neutrum. Dies ist dadurch zu erklären, dass Femininum gegenüber Maskulinum und Neutrum semantisch (vgl.

107

Schmöe 1998; 206, ebenso Eisenberg 2006; 173) sowie auch grammatisch 135 markiert ist. Wortbildungsintegration Die formale Angleichung der entlehnten Morpheme bildet das Fundament für deren weitere Verwendung im Rahmen der deutschen Lehnwortbildung. Unter Verwendung der englischen Elemente werden folgende Wortbildungsmuster realisiert, nämlich Komposition, Derivation, Kürzung und Konversion. Dabei gibt es kaum spezifische Integrationsprobleme. So verbinden sich fremde mit nativen Bestandteilen ziemlich frei zu Determinativkomposita 136 (vgl. Eisenberg 2001; 190). In diesem Punkt geht es nicht um Komposita, die aus rein englischen Elementen bestehen, wie z. B. Top-Management oder Internet-Boom. Viel wichtiger ist, im Rahmen der Integration nachzuvollziehen, wie englische und deutsche Kompositionsglieder kombiniert werden, denn die Wortbildungsintegration meint Kombinierbarkeit mit den indigenen Wortbildungselementen. Das englische Kompositionsglied kann als Bestimmungswort dem deutschen voranstehen: Boomjahre, Dumpingpreise, Shopping-Wochenende, Imageschaden, Teamgeist, Online-Dienst, Underground-Künstler, Showrennen, Eventkultur, teamübergreifend, pinkfarben, output-bezogen u. a. m. Weniger vertreten sind im Korpus die Zusammensetzungen, in denen die englische Komponente als Grundwort vorkommt: Bankenpool, Krisenmanagement, Spitzenmanager, Börsencall, Kultursponsoring, EinzelEvents, Prozesscluster, Hochzeitsparty u. a. m. Der mögliche Grund für die etwas eingeschränkte Verbreitung ist der, dass in diesem Fall die flexivischen Probleme entfallen, denn indigene Endkonstituenten wirken assimilierend. 137 Der Herkunft der Komposita wurde im Rahmen der 135 R. Thieroff und P. M. Vogel fassen Maskulina und Neutra zu einem Über-Genus „Nicht-Feminina“ zusammen, da sie sich bezüglich der Pluralbildung gleich verhalten. Ebenso bei der Kasusbildung sind Feminina von den Nicht-Feminina zu unterscheiden, denn die Feminina markieren generell im Singular sowie im Plural keinen Kasus, während dies bei Maskulina und Neutra im Genitiv Singular und Dativ Plural nicht der Fall ist (vgl. Thieroff/Vogel 2009; 40 und 42). 136 Zur Kategorie Mischkomposita und Lehnwortverbindungen s. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“. 137

S. dazu Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“.

108

vorliegenden Arbeit nicht nachgegangen, d. h. es wurde nicht die Frage beantwortet, ob die Komposita in der vorliegenden Form entlehnt wurden oder im Deutschen aus den exogenen Elementen gebildet. Die Komposita mit entlehnten Kompositionsgliedern nennt P. Eisenberg Konfixkomposita, denn ihre Elemente sind nicht wortfähig, jedoch produktiv und besitzen eine lexikalische Bedeutung (vgl. Eisenberg 2006; 242f., anders Eins 2008). Konversionsfälle wurden in der Belegsammlung bei den Substantivierungen verbaler Herkunft festgestellt, z. B.: Genau da aber wurde Sibel Kekilli aus heiterem Himmel entdeckt. Beim Shoppen. Für den Film (Die WELT 13.02.2004; 29). Beim Derivationsprozess werden deutsche Affixe mit englischen Basen durch Präfigierung, Suffigierung bzw. kombinierte Ableitungen mit englischen Wortbildungselementen verbunden, vgl.: Vorstopper, Besprayungen, Stalkerin, Designerin, Managerin (über Kategorie Mischverbindungen s. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“). Ebenso wie bei der Komposition werden durch indigene Endkonstituente Flexionsprobleme beseitigt (s. oben). Offensichtlich ist auch die Tendenz, bei der eine Gruppe von Lexemen mit einem gleichen Affix entlehnt wird, so dass es mit der Zeit ohne Bezug auf die Wörter, mit denen es ursprünglich entlehnt wurde, produktiv wird, indem es neue Wörter in Verbindung mit den eigensprachlichen Stämmen bildet, vgl.: Superbombe, Superbahn, Superhausfrau, superklug, superfein, Superwahljahr und Super-Wahljahr. 138 Super sowie top sind Lexeme geworden. Ursprünglich wurden sie als Präfixe verwendet (vgl. Eisenberg 2006; 245 und 250), aber in der letzten Zeit zunehmend als unflektierbare Adjektive (vgl. Müller 2005b; 30). Für die Klassifizierung der Wortkürzungen liegen mehrere Vorschläge vor. Sie beruhen auf Qualität, Quantität, Position und (Dis-)Kontinuität der aus der Vollform in die Kurzform übernommenen Segmente (vgl. Greule 2007; 120). Die traditionelle Einteilung der Wortkürzungen geht

138

Ausführliche Analyse semantischer Funktionen von super bei G. D. Schmidt (2005; 407 – 415). Speziell zur Herkunftsfrage des Präfix super- s. oben.

109

von dem Mechanismus des Kürzungsvorgangs 139 aus: Wird auf dem schriftlichen Wege gekürzt, entstehen Abkürzungen, während die im mündlichen Sprachgebrauch entstandene Kürzungen Kurzwörter heißen. Die letzten sind als Produkte der Wortbildungsprozesse zu bezeichnen, während mit der Bildung der ersten keine neuen Lexikoneinheiten entstehen (vgl. Kurzwort: CD, Abkürzung: Hbf., z. B.). Kurzwörter werden in weitere Kategorien eingeteilt, nämlich in Akronyme/Initialwörter, Kopfwörter, Schwanzwörter und Klammerformen (vgl. MLS 2004; 120, 135 sowie 5258, ebenso Birkhan 1985; 190ff.). Bei dieser Einteilung gehören die Fälle wie High-Tech-, Hi-Fi-, Postdoc, Profi in keine der genannten Kategorien. Die ersten drei Beispiele werden durch die Reduktion bis auf die ersten Silben eines Syntagmas gebildet, während beim letzten Fall neben der Kürzung Suffigieren vorliegt. Es gibt allerdings auch andere klassifikatorische Vorschläge, die die genannten Fälle berücksichtigen (vgl. z. B. Yang 1990; 152, Götzeler 2008; 209f., Steinhauer 2007; 138ff.: Silbenanfangswörter, Silbenkurzwörter, Suffigierungswörter). Für die Zuordnung der Korpusbelege in die Kategorie der Wortkürzungen wäre zu unterscheiden, ob sie in der gekürzten Form aus dem Englischen entlehnt wurden oder erst im Deutschen entstanden sind. Diese Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil bereits im Englischen gekürzte Bildungen keine Wortkürzungen im Deutschen sind. Lediglich Akronyme fallen wegen ihrer Großschreibung als Kurzwörter eindeutig auf, sind aber vom Standpunkt der deutschen Wortbildung aus ebenso keine Wortkürzungen. „Wortbildung ist ja ein Prozess, der innerhalb einer Sprache stattfindet.“ 140 Die im Korpus auftretenden Kürzungen sind meistens ohne deutsche Basis. Generell wird hier nicht unterschieden zwischen den Wortkürzung, die bereits im Englischen stattgefunden hat, und Kürzungen, die im Deutschen gebildet wurden.

139

Gemeint werden mit dem Kürzungsmechanismus die Wortbildungsprozesse und nicht die Schreibkürzung im Sinne der Verkürzung.

140 Vgl. z. B. GRAMMIS unter dem Stichwort „Kurzwortbildung“, verfügbar unter: http://hypermedia.ids-mannheim.de/pls/public/sysgram.ansicht?v_typ=d&v_id=1401, Zugriff: 20.08.2009.

110

Die entlehnten Akronyme sind als Anglizismen ohne Vorwissen nicht zu erkennen, denn sie enthalten keine formalen Merkmale der Anglizität, vgl: DVD, USB, CD, SMS. Nach der Definition des Anglizismus, die für diese Arbeit gilt (vgl. Kap. „Begriffsbestimmung der Anglizismen“), muss man auf die Vollform zurückgreifen, die sie als Anglizismen kenntlich macht. Die meisten von ihnen werden allerdings ohne Vollform zitiert. Zur Bestimmung bzw. Bestätigung ihrer englischen Herkunft wurden Nachschlagewerke herangezogen (s. Kap. „Kriterien für die (Nicht)Aufnahme in das Anglizismenkorpus“). Bei silbisch gesprochenen Akronymen folgt mit steigender Nutzung des Öfteren die Ausblendung ihres akronymischen Charakters (vgl. Steinhauer 2007; 140), z. B. Radar ← radio detection and ranging, Aids ← acquired immune deficiency syndrome. Es kann davon ausgegangen werden, dass ihre Basislexeme vielen Benutzern unbekannt sind (Görzeler 2008; 211, ebenso MLS 2004; 135). Das Gleiche gilt für Silbenkurzwörter, vgl.: Hi-Fi ← highfidelity, Internet ← interconnected networks. Gesondert zu erwähnen wären die Kürzungen, die Zahlen enthalten wie MP3 ←MPEG-1 Audio Layer 3. Sie sind aus dem fachsprachlichen Bereich in den Allgemeinwortschatz übernommen worden. In den Fachsprachen sind solche Kürzungen des Öfteren anzutreffen (vgl. in der Fachsprache der Chemie: H2O). Neben der formalen Integration verlaufen auf der Inhaltsseite entsprechende semantische Prozesse. Unter der semantischen Integration eines fremdsprachigen Wortes wird in der Regel seine Eingliederung ins lexikalische System der Sprache verstanden. Zu den wichtigsten Merkmalen semantischer Angepasstheit 141 an das Sprachsystem gehören die semantische Unabhängigkeit (Selbständigkeit) sowie die Veränderun-

141

Semantische Merkmale zählt G. Tesch zur postintegrativen Entwicklung lexikalischer Lehnphänomene, da die semantischen Veränderungen im gleichen Maß indigene Lexikoneinheiten betreffen (vgl. Tesch 1978; 133ff.). Hier muss man davon ausgehen, was man unter Integration versteht. Im Sinne vom MLS meint beispielsweise die Integration auch „Eingliederung eines Elementes einer Ebene des Sprachsystems in eine andere Ebene desselben Sprachsystems“ (MLS 2004; 305), s. dazu Kap. „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“. Demnach sind die indigenen Elemente ebenso wie die exogenen der Integration ausgesetzt.

111

gen der semantischen Struktur eines Wortes: Bedeutungsverengung, 142 -erweiterung, -verschlechterung, -verbesserung, Gebrauch im übertragenen Sinn. 143 Entlehnte Wörter können außerdem die Bedeutungsveränderung der benachbarten indigenen Wörter innerhalb des deutschen Wortfeldes verursachen, wo sie einen eigenen Platz einnehmen (vgl. von Polenz 2000; 42). Klassische Bespiele dazu wären Säugling und Baby, Airport und Flughafen. 144 Als weiteres Integrationsmerkmal der exogenen Lexeme gilt metaphorischer Gebrauch, besonders bei phraseologischer Verfestigung (vgl., Schmaus 1970 zit. nach Tesch 1978; 129). Mir sind jedoch dafür in Bezug auf die Anglizismen im Deutschen keine Beispiele bekannt. Neben der semantischen Angepasstheit nennt O.V. Karnauhov im Rahmen der lexikosemantischen Integration zwei weitere für diese Untersuchung bedeutende Merkmale eines integrierten Elements, und zwar Verbreitung (Häufigkeit) sowie regelmäßigen Gebrauch (vgl. Karnauhov 2000; 24). Damit vermischt er beide Dimensionen „System“ und „Verwendung“ und schreibt rein soziolinguistische Kriterien der systemlinguistischen Integration zu. Nach den beiden von O.V. Karnauhov erwähnten Charakteristiken – Verbreitung und regelmäßiger Gebrauch – werden in der vorliegenden Arbeit die Anglizismen ausgewertet. 145 In der linguistischen Literatur bestehen bereits viele Verweise auf die Wichtigkeit dieser Parameter für die Bestimmung der Angepasstheit eines entlehnten Lexems. So zählt J. Androutsopoulos zu den Kennzeichen der Vollintegration der Anglizismen deren Gebrauchshäufigkeit: So sind Anglizismen wie hi, see you, sorry […] vollintegriert, da sie gebräuchliche (meine Hervorhebung – S.B.) Grußwörter bzw. Dialogsignale darstellen“ (Androutsopoulos 1998; 566).

142

H. Munske beschreibt diesen Prozess als „Monosemierung im Sprachkontakt“ (2004; 159). 143

Näheres dazu s. Jabłoński 1990; 120ff.

144

Beispiele sind aus Riehl 2004; 182 und von Polenz 1978; 146.

145

S. dazu Kap. „Relative Häufigkeit und Streuung als quantitative und qualitative Parameter der Veränderungen im Subsystem Anglizismen“.

112

Das bestätigt L.P. Krysin mehrmals in seinen Ausführungen, indem er der regelmäßigen Gebrauchshäufigkeit eines exogenen Elements eine wichtige Rolle im Integrationsprozess zumisst (s. Krysin 2004; 45 und 51 sowie 55ff., ebenso Plümer 2000; 120). Beim Vergleich der grammatischen Integration mit der Gebrauchshäufigkeit kommt er zu dem Schluss, dass das Funktionieren eines exogenen Wortes in der Rede ausschlaggebend ist, um den Grad seiner Angepasstheit zu bestimmen. Genannte Integrationsmerkmale – grammatische Integration und Gebrauchshäufigkeit – setzt er in eine Korrelation zueinander: „Manchmal führt eine hohe Gebrauchshäufigkeit eines undeklinierbaren Wortes in der Rede dazu, dass es deklinierbar wird“ (Krysin 2004; 55ff., meine Übersetzung – S.B.).

Diese Ausführung widerspricht der allgemein bekannten Hypothese, dass hochfrequente Wörter sich dem Sprachwandel widersetzen, die von G. Hentschel noch ergänzt wurde. Seinen Beobachtungen aus den slawischen Sprachen zufolge können hochfrequente Wörter in der Frühphase eines Sprachwandels die Innovation geradezu fördern, während sich ihre konservative Wirkung in der Spätphase bemerkbar macht (vgl. Best 2006; 12). Das ist die Ursache dafür, dass viele Anglizismen heutzutage graphematisch, phonetisch und grammatisch nicht integriert bleiben (s. dazu von Polenz 1999; 403), wenn die soziolinguistische Integration früher als die systemlinguistische auftritt und somit die Verwendung schon in der Frühphase der Entlehnung eine weite Verbreitung findet, bevor die exogenen Elemente eine eingedeutschte Form angenommen haben. Durch die modernen Massenmedien wird schnelle Verbreitung und breite Reichweite gewährleistet. In dieser Hinsicht sollte die soziolinguistische Integration in der linguistischen Forschung mehr Beachtung finden. U. Weinreich sieht die Häufigkeit eines exogenen Wortes als Voraussetzung für seine Aufnahme in die Norm, 146 und somit seine Anerkennung in einer Sprachgemeinschaft:

146

Auf den Zusammenhang zwischen der Norm (нормированность текстов) und der Stabilität in der Verteilung von Gebrauchswahrscheinlichkeiten der Wortformen (устойчивость распределения вероятностей употребления словоформ) wiesen auch R.G. Piotrovski und L.A. Turygina (1971; 15) hin.

113

„In der Rede kommt sie [Interferenz] in den Äußerungen des zweisprachigen Sprechers als Resultat seiner persönlichen Kenntnis der anderen Sprache vor, wobei selbst die gleiche Interferenz jedesmal wieder eine neue Erscheinung ist. In der Sprache hingegen finden sich Interferenzerscheinungen, die, nachdem sie des häufigeren in der Rede Zweisprachiger vorgekommen sind, zur festen Gewohnheit wurden und sich institutionalisiert haben. Ihr Gebrauch ist nicht mehr von Zweisprachigkeit abhängig. Wenn ein Sprecher der Sprache X eine Form fremden Ursprungs nicht als Augenblickserscheinung aus der Sprache Y gebraucht, sondern weil er sie von anderen Sprechern in X-Äußerungen gehört hat, dann kann dieses entlehnte Element vom deskriptiven Standpunkt aus als neuer Teil der Sprache X angesehen werden“ (Weinreich 1977; 28).

Neben der eigentlich linguistischen Integration spielt die psychologische oder psycholinguistische Adaptation entlehnter Wörter eine Rolle (vgl. Bondarec 2004; 50f.). Das psycholinguistische Merkmal besteht in der Wahrnehmung des Wortes als fremd oder nicht fremd. 147 Dieses Merkmal ist allerdings problematisch, da es subjektiv ist (ebd.). Bei der Integration bleibt die Frage strittig, welcher Faktor für die Aufnahme eines entlehnten Wortes in das lexikalische System der Zielsprache ausschlaggebend ist, da die Herausarbeitung von Integrationskriterien einen wichtigen und strittigen Teil der Anglizismenforschung ausmacht. Dazu zählt man Wortbildungsproduktivität (Ganz 1957; 5), semantische Entwicklung, Verbreitung, Häufigkeit, Beschränkung der Verwendungsmöglichkeiten u. a. m. (Schottmann 1977; 26). Diese Vielfalt an Stellungnahmen ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Einordnung in indigene Laut- und Flexionsmuster bei der Übernahme ganzer Sprachzeichen entweder sofort vollkommen sein kann, aber auch auf halbem Wege stehen bleiben oder auf verschiedenen Sprachebenen unterschiedlich konsequent durchgeführt werden kann. Anders gesagt, die Integration verläuft nicht nach einem einheitlichen Muster und ist für jedes einzelne Wort einzigartig. Phonetische, graphische und morphosyntaktische Anpassungen sind keinesfalls unbedingt notwendig. Einerseits kann das exogene Wort, ohne geläufig und gewöhnlich für deutsche Sprachteilhaber geworden zu sein, eine neue verdeutschte Form erhalten. Andererseits können 147

Dieses Merkmal basiert auf den Prozessen der Worterkennung durch den Zugriff auf das mentale Lexikon und den anschließenden Vergleich mit den aktivierten Lexikoneinträgen (zur Beschreibung der Prozessmodelle der Worterkennung s. Prestin 2003; 493f.).

114

schon längst eingebürgerte und geläufige Entlehnungen lautliche und formale Besonderheiten der Quellsprache beibehalten (vgl. Lexikon Lexika, Atlas – Atlanten usw.). 148 Angesichts der vorhandenen Fremdsprachenkompetenzen der deutschsprachigen Sprachteilhaber (s. Zitat von H. Glück im Kap. „Entlehnungsbegleitende Faktoren“) und des intensiven Informationsaustauschs in der modernen Gesellschaft ist das Integrationskriterium Gebrauchsstabilität viel wichtiger für die Integriertheit eines Lexems als seine volle Integration der Laut- und Schriftform. Daher befasse ich mich in der vorliegenden Arbeit nicht mit der Frage, inwieweit die englischen Lexeme im deutschen Sprachsystem phonologisch, morphologisch, syntaktisch und semantisch integriert sind, sondern mit der Frage, inwieweit sie in ihrem Gebrauch gefestigt sind, ob sie gelegentlich oder regelmäßig vorkommen, d.h. ob sie lediglich Adhoc-Charakter haben und nur im gegebenen Diskurs vorkommende Hapaxlegomena darstellen oder eben zur kommunikativen Norm der ganzen Gemeinschaft gehören und gleichmäßig und stabil im Gebrauch sind. Ich untersuche somit die soziale Akzeptanz in der Sprachgemeinschaft. Bei derartigen Fragestellung kommt die nächste Frage: Nach welchen Kriterien misst man Geläufigkeit und Gebräuchlichkeit? Für viele Autoren ist die Fixierung in Wörterbüchern ausschlaggebend (vgl. L.P. Krysin 2004, M.G. Dakohova 1998, O.E. Bondarec 2004, S.V. Mangušev 2002). Sie stufen das entlehnte Wort als „systemsprachlich angepasst“ ein, wenn es in die Wörterbücher aufgenommen worden ist. Dabei geht es um eine geringe Anpassung, wenn das Lexem im Fremdwörterbuch oder im Wörterbuch der Jugendsprache registriert wird. Demgegenüber zeugt die Aufnahme in ein Lexikon von dem abgeschlossenen Integrationsprozess: „Der Entlehnungsprozess ist in der Regel vollzogen, wenn das Wort aus der Sprache S2 im System der Sprache S1 verankert ist, was erstens durch seine Fixierung in allen großen Lexika der Zielsprache nachgewiesen wird und durch

148

Hinweise darauf bei F. Schmöe 1998; 23.

115

graphisch, morphologisch und phonetisch völlig eingedeutschte Formen“ (Mangušev 2002; 50, meine Übersetzung – S.B.). 149

Jedoch gewinnt man bei der kritischen Auseinandersetzung mit der lexikografischen Praxis den Eindruck, dass dieses Kriterium sehr vage ist. Wenn man bedenkt, nach welchen Kriterien die Lemmaselektion 150 erfolgt, so wird einem klar, dass viele angepasste Entlehnungen unberücksichtigt bleiben. Das zweite von Mangušev angesprochene Kriterium wurde in diesem Kapitel bereits diskutiert. Ein anderes oft verwendetes Kriterium für die Geläufigkeit der Anglizismen basiert auf der Bildung der Häufigkeitsklassen nach der Anzahl der Verwendungen von entlehnten Lexemen. Die häufig verwendeten Lexeme werden mit der Etikettierung „Xmal im Korpus“ versehen. Dieses Kriterium ist ebenso inkonsistent wie die Fixierung in den Wörterbüchern. Die ermittelten Angaben „Xmal im Korpus“ haben keinen Bezug zur Realität, denn sie berücksichtigen nicht die allgemeine Verteilung der Wörter im deutschen Lexikon, 151 d. h. sie sind nicht relativiert. Diese Kriterien für Angepasstheit der exogenen Elemente müssen revidiert werden. Die herkömmlichen Mittel der synchronischen Analyse sind für die Beschreibung „gemischter“ und schnell wandelnder Codes wegen der Gebrauchs- und Integrationsschwankungen nicht geeignet. Beim Sprachkontakt handelt es sich um sprachlichen Dynamismus, nicht um Synchronie (Clyne 1975; 40).

Um die Frage über die Gebrauchsstabilisierung beantworten zu können, muss man zwei oder mehrere Sprachzustände beobachten und sie anschließend vergleichen. Nur ein solcher Vergleich ermöglicht eine Aussage über die Entwicklung zur Stabilisierung.

149

Das Zitat im Original: „Процесс заимствования заканчивается, как правило, в тот период, когда слово из Я2 оказывается закрепленным в системе Я1, что подтверждается, во-первых, его фиксацией во всех крупных толковых словарях, а, во-вторых, полностью онемеченной графической, морфологической и фонетической формами“.

150

Zur Kritik der Lemmaselektion in DUDEN s. Glück/Sauer 1997; 172f.

151

S. Kap. „Ermittlung der Wortartenverteilung“.

116

1.8. Integrationsmodelle Wie in Kapitel „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“ beschrieben, stellt P. Eisenberg (2001; 183f., ähnlich Wegener 2003) ein Integrationsmodell mit symmetrischer Relation vor. Die ursprüngliche Teilung in Kern und Peripherie von Seiten des Prager Strukturalismus hält P. Eisenberg für die Beschreibung des Integrationsmodells für nicht zutreffend, da demnach die Bewegung nur in der Richtung der Peripherie auf das Zentrum hin bestehe und dadurch Asymmetrie entstehe. Er erweitert diese Vorstellung dadurch, dass er innerhalb der Peripherie stabile Teile sieht, die den Kern beeinflussen können. Diese bezeichnet P. Eisenberg als Epizentren. Somit sind mindestens zwei unterschiedliche Regelsysteme anzunehmen. Entlehnungen mit exogenen Merkmalen haben demnach eine eigene Grammatik, die von Prinzipien bestimmt wird, die für native Wörter nicht oder weniger gelten. 152 Für die nicht assimilierten Entlehnungen konnte gezeigt werden, dass für sie das Prinzip der Strukturbewahrung Vorrang hat (z. B. bei der Pluralbildung mit dem s-Suffix, ausführlicher s. Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“). Nach dieser Annahme stellt die Integration einen teilweise symmetrischen Prozess dar, bei dem die Entlehnungen zwar integriert werden, aber nicht vollständig. Sie werden demnach nicht einfach an die Beschränkungen der Grammatik der Zielsprache angepasst, sondern behalten Teile ihrer Eigenschaften bei, so dass sie innerhalb der Zielsprache, genauer an deren Peripherie ein oder mehrere Epizentren aufbauen, deren Beschränkungen sich nur teilweise mit denen der Kerngrammatik decken. Es ist anzunehmen, dass für die nativen Formen nicht nur eine Kerngrammatik existiert – die nativen Formen können selbst schon mehrere Schichten mit unterschiedlichen Beschränkungen bilden. Einige indigene Lexeme können durchaus als peripher erscheinen, weil sie nach dem systemlinguistischen Prinzip der Zugehörigkeit zur Kerngrammatik nicht in den Kern passen. Demnach bilden die Entlehnungen mit exogenen Merkmalen zusammen mit anderen speziellen Wörtern mindestens eine besondere Schicht des Lexikons an der Peripherie, die ihre eigene Grammatik hat.

152 Darauf wiesen schon L.I. Il´ina/O.V. Syčёva (1998) hin, vgl. Kap. „Sprachliche Entlehnung“.

117

Dieses Modell baut P. Eisenberg auf dem synchron-systematischen Prinzip auf. Demnach beruht die Unterscheidung zwischen exogenem und indigenem Wortschatz auf den Merkmalen der systemlinguistischen Integration (s. „Integrationsarten von Entlehnungen“ und „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“). Nimmt man andere Integrationskriterien als Grundlage der Einteilung in die Kern und Peripherie, ergeben sich logischerweise andere Relationen und Konstellationen. Eine zum Modell „Zentrum – Peripherie – Epizentren“ alternative Betrachtung der Integration bietet ein auf der Grundlage der Theorieansätze von E.V. Rosen entwickeltes Modell. Dieses ist eine vereinfachte, auf Näherungen beruhende Betrachtung der Wortentwicklung und somit ein „dynamisches“ Modell. Es dient im Wesentlichen dazu, die Entstehung und die Stufen der Entwicklung eines (entlehnten) Wortes aufzuzeichnen und zu veranschaulichen. 153 Folglich bietet es im Unterschied zu Eisenbergs Modell eine diachrone Betrachtung des Entlehnungs- und Integrationsprozesses. Während ― wie E.V. Rosen behauptet ― die Entstehung einer neuen lexikalischen Einheit in einzelnen Fällen mehr oder weniger exakt in historischer, äußerer, objektiver Kalenderzeit, d.h. absolut, datiert werden kann, 154 ist ihre weitere Entwicklung, ihr Funktionieren nur in besonderer, linguistischer, innerer, subjektiver Zeit zu verfolgen, und zwar beim Vergleich mit anderen sprachlichen Erscheinungen oder Tatsachen. Die innere Entwicklungszeit wird durch Veränderungen im linguistischen Status bestimmt (vgl. Rosen 1968; 128). Die innere Entwicklungszeit eines Wortes stellt E.V. Rosen schematisch als einen Abschnitt mit drei Punkten dar. Der erste Punkt N (Novum) ist der Moment der 153

Es gibt auch andere Versuche, die Entwicklung der lexikalischen Lehnphänomene darzustellen. So beschreibt G. Tesch das Modell von G. Bellmann (1971), das vor allem auf semantischen Modifikationen der Integrate beruht (vgl. Tesch 1978; 133ff.).

154 Diese Datierung ist auch bei entlehnten Wörtern nicht immer möglich. „Eine absolute Datierung von Lehnelementen ist – je weiter der Entlehnung zurückliegt, um so weniger – aus verschiedenen Gründen unmöglich [sic!].“ (Tesch 1978; 195) Die Begründung dafür sind fehlende oder widersprüchliche Textbelege. Nur jene Entlehnungen, bei denen klar ist, wo der äußerste Zeitpunkt ihrer Erscheinung in der Nehmersprache liegt, lassen den Moment ihrer Entstehung, vor dem ihre Existenz in der Sprache unmöglich war, exakt bestimmen. Als Beispiel sei an dieser Stelle das Wort Telematik angeführt.

118

Wortentstehung. Auf den Entlehnungsprozess übertragen ist es der Zeitpunkt der Entlehnung. Der zweite Punkt ist L (Lexikalisierung), 155 bei dem es sich um den Verlust der Markierung „neu“ und den Übergang zur Klasse der usuellen Wörter handelt. Beim dritten Punkt E (Eliminierung) gerät das Wort aus dem Gebrauch und verschwindet (vgl. Gulyga/Rosen 1977; 14). In einer früheren Abhandlung nennt E.V. Rosen drei andere Punkte, und zwar N (Novum), A (Akzeptierung) und L (Lexikalisierung). Die Punkte N und L wurden bereits erläutert. Bei der Akzeptierung geht es um den Zeitpunkt, an dem das Wort als Neologismus 156 von der Sprachgemeinschaft akzeptiert (vgl. Rosen 1968; 128), also soziolinguistisch integriert wird. Das zweite Entwicklungsmodell wurde von E.V. Rosen speziell für Neologismen ausgearbeitet. Dadurch erklärt sich, dass der Punkt L als Endpunkt der Entwicklung eines Neologismus markiert wird, d.h. das Wort die Kategorie „Neologismen“ verlässt, während der Punkt E unberücksichtigt bleibt. Vereint man die beiden Modelle von E.V. Rosen, so ergibt sich ein Abschnitt mit vier Punkten: N (Novum), A (Akzeptierung), L (Lexikalisierung) und E (Eliminierung). Die genannten Abschnitte können durch ein Vorstadium ergänzt werden, das dem Punkt N vorangeht. Das ist die sogenannte potentielle Entlehnung, die als Anreiz für die Entlehnung eines exogenen Elements dient und von S.V. Mangušev als Initialphase bezeichnet wird. Die Initialphase der Entlehnung fängt da an, wo der Bedarf an der Verwendung der exogenen Elemente in der parole der Zielsprache vorhanden ist, und endet mit der Fixierung dieser Elemente im Gebrauch eines Individuums oder einer Sprachgemeinschaft (vgl. Mangušev 2002; 47). Dieser Punkt kann als I (Initium) bezeichnet werden. Da die Initialphase mate-

155

Das MLS definiert Lexikalisierung als Prozess und Ergebnis der Aufnahme eines sprachlichen Ausdrucks ins Lexikon einer Sprache, durch die ein komplexer Ausdruck in formaler und/oder semantischer Hinsicht seine Motivation verlieren kann (vgl. MLS 2004; 5526). Offensichtlich versteht E.V. Rosen etwas anderes unter Lexikalisierung, weil sie damit Usualität und Verlust der Markierung „neu“ verbindet.

156

Ein Anglizismus behält bei seiner Entwicklung eine bestimmte Zeit lang den Status des Neologismus, s. ausführlicher dazu S. Gester (2001; 40).

119

riell nicht zur Geltung kommt, wird sie auf der nachfolgenden Achse als Strichlinie wiedergegeben. I

N

A

L

E

Bezieht man das Modell auf Anglizismen, so versteht sich der Punkt I als Motiv der Entlehnung (s. dazu Kap. „Entlehnungsbegleitende Faktoren“). Für Anglizismen ist der Punkt N der Moment, an dem das Wort, das dem System (langue) der Quellsprache angehört, in die Rede (parole) der Zielsprache übernommen wird (vgl. Mangušev 2002; 47). In der Regel wird das entlehnte Element im Punkt N in seiner ursprünglichen orthographischen, phonetischen und grammatischen Form der Quellsprache als „ein Einsprengsel“ gebraucht. Auf dieser Stufe hat die Entlehnung den Status eines Zitatwortes. Nach dem Punkt N bestehen zwei Entwicklungsmöglichkeiten für das entlehnte Wort. Erstens kann das Lehngut als individuelle Ad-hocBildung bestehen bleiben und nicht usuell werden. Ohne den Punkt L zu erreichen, verschwinden okkasionelle Bildungen aus dem Sprachgebrauch. Zweitens können Anglizismen den Rahmen des okkasionellen Gebrauchs überschreiten und sich bis zum Punkt L entwickeln. Allerdings muss man hier erwähnen, dass Rosens Modell keine semantischen und morphosyntaktischen Veränderungen, also Veränderungen auf unterschiedlichen systemsprachlichen Ebenen erwähnt, die ein Lexem durchlaufen kann. Den Hauptakzent setzt sie auf den soziolinguistischen Aspekt (vgl. Usualität, Akzeptierung von Seiten der Sprachgemeinschaft). Schließlich können entlehnte Wörter den Punkt E erreichen, d.h. sie werden aus verschiedenen Gründen archaisiert. Ein Beispiel ist das Kurzwort Pow (engl. prisoner of war – Kriegsgefangener), das 1945/46 aktuell war und heutzutage in Memoiren, die jene Zeit betreffen, angetroffen werden kann. Diese Darstellung der Integration ist sehr abstrakt, denn die Zeitpunkte auf der Achse können lediglich hypothetisch bestimmt werden. Es dient somit nur einer groben Veranschaulichung der lexikalischen Entwick120

lung eines Lexems. Dieses Modell eignet sich eher für die Darstellung der soziolinguistischen Integration, denn es geht hier um die Akzeptanz in der Sprachgemeinschaft (Punkt A) und um Usualität. Da Rosens Modell nicht speziell für den Integrationsprozess des exogenen Lexems entwickelt wurde, fehlen einige Eckpunkte auf der Zeitachse. Der Prozess der Lexikalisierung sollte nicht nur soziale Akzeptanz und Usualität meinen, da exogene Elemente auch an das System der Zielsprache angepasst werden. Daher entspricht der Abschnitt AL dem Prozess der Integration des entlehnten Elements, wie sie im Kapitel „Integrationsarten“ beschrieben wurde, d.h. der sozio- und systemlinguistischen Integration. Der Punkt L bedeutet somit den Übergang in den Kernwortschatz mit Tilgung exogener Merkmale. Schwierig ist es allerdings, die beiden Typen der Integration (system- und soziolinguistische) auf eine Zeitachse zu platzieren, denn sie verlaufen parallel. Dies spiegelt das heuristische Modell von G. Schank (1979; 34ff.). Den Prozess der Eindeutschung eines fremdsprachlichen Lexems stellt er wie folgt dar: Tabelle 6: Integrationsmodell nach G. Schank A

B

C

D

E

Lf wird nicht isoliert in deutschsprachigen Kontexten verwendet

Lf wird erstmals isoliert in deutschsprachigen Kontexten verwendet

Lf wird öfter in deutschsprachigen Kontexten verwendet

Lf wird öfter in deutschsprachigen Kontexten verwendet

Lf wird öfter in deutschsprachigen Kontexten verwendet

Ohne Anpassungen (lautlich etc.)

Mit gen

Mit vollständiger Anpassung

Ohne soziale tung

weite Verbrei-

121

Anpassun-

Mit weiter sozialer Verbreitung

In Punkt A handelt es sich noch um ein nicht-deutschsprachiges Wort. In Punkt B wird das exogene Lexem als Zitat gebraucht, was begleitende Kommentierungen markieren. Lexeme, die den Punkt C erreicht haben, entsprechen der Kategorie des Fremdwortes, während die Lexeme in Punkt E als Lehnwörter eingestuft werden. Der Punkt D ist wahrscheinlich eine „Grauzone“ mit mehr oder minder ausgeprägten Integrationsmerkmalen, in der sich die meisten Belege aus meinem Korpus befinden. G. Schank schlägt dafür keine kategoriale Bezeichnung vor. Offensichtlich geht es hier um partielle Integration, während in Punkt C keine Integration, in Punkt E dagegen volle Integration vorliegt (vgl. Kirkness 1979; 87). Die Punkte A bis E sind als Punkte auf einer Zeitachse zu verstehen und somit als Etappen der Eindeutschung. Zum Modell „Zentrum – Peripherie“ lässt sich hier eine Parallele ziehen, indem die Punkte C und E als Peripherie bzw. Zentrum und Punkt D als ein Zwischenbereich betrachtet werden können. Schanks Modell hat ebenso wie Rosens Modell einen dynamischen Charakter und betrachtet Integration aus diachroner Perspektive. Allerdings dürfen die beiden Typen der Integration (system- und soziolinguistische) nicht in Korrelation zueinander gesehen werden. Die Achse soziolinguistischer Integration kann sich hinsichtlich der Achse systemlinguistischer Integration verschieben, so dass die Lexeme ohne Anpassungen bzw. mit partiellen Anpassungen weite soziale Verbreitung gefunden haben können (dazu ausführlicher im Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“). Von den vorgestellten Modellen eignet sich das Modell von Rosen am besten für die Darstellung der soziolinguistischen Integration. Da meine Untersuchung ebenso diese Dimension der Integration erforscht (s. ausführlicher Kap. „Relative Häufigkeit und Streuung als quantitative und qualitative Parameter der Veränderungen im Subsystem Anglizismen“), könnte das genannte Modell zum Zwecke einer groben Veranschaulichung des Integrationsprozesses auf der soziolinguistischen Ebene herangezogen werden. Abschließend soll in diesem Abschnitt der Begriff der Norm angeführt werden, da das Konzept der Anpassung mit dem der Norm aufs Engste verbunden ist. Das von E. Coseriu ausgearbeitete Konzept der Norm

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(vgl. Coseriu 1979; 49ff.) vereinigt individuelle 157 und soziale Normen, die eine Abstraktion bzw. virtuelle Existenzformen der konkreten Realisierungen der Sprache darstellen. P. von Polenz unterscheidet zwei Dimensionen der Norm (vgl. von Polenz 1973; 125): zum einen den Seins-Aspekt des Normalen (vorherrschender Sprachgebrauch) und zum anderen den Sollens-Aspekt der Vorschrift (durch Verordnungen oder Richtigkeitsurteile regulierter Sprachgebrauch). Um beide Bedeutungen metasprachlich auseinanderzuhalten, führt P. von Polenz die Dichotomie „Sprachbrauch – Sprachnorm“ an (vgl. von Polenz 1973; 125). In späteren Abhandlungen wird allerdings auf diese Terminologie verzichtet, obwohl die Dichotomie selbst beibehalten wird. So unterscheidet K. Gloy zwischen den Normen im weiteren Sinne, die durch statistisch-strukturelle Sachverhalte wie Häufigkeiten, Distributionen, Regelmäßigkeiten usw. zustande kommen, und den Normen im engeren Sinne, d.h. die mit einem moralischen Rechtfertigungsanspruch versehenen Präskriptionen (vgl. Gloy 2004; 392). 158 In beiden Fällen liegt eine soziale Sanktionierung durch die Sprachgemeinschaft vor. Da der sozial sanktionierte Zustand der Sprache zeitlich, räumlich und sozial immer nur relativ fest, d.h. die Norm „als solche historisch veränderbar“ ist, „und zwar unter anderem durch Integration von Entlehnungen“ (Tesch 1978; 29), ist sie vom linguistischen Gesichtspunkt aus immer mehr oder weniger idealisiert, und deshalb muss man innerhalb der Norm ein dynamisches Verhältnis von Konstanten und Variablen ansetzen. Diesen Gedanken äußerte allerdings schon E. Coseriu: „In Wirklichkeit ist die Norm veränderlich, entsprechend der Grenzen der betrachteten Gemeinschaft, und diese Grenzen bilden sich durch Konventionen“ (Coseriu 1979; 56).

157

Die individuelle Norm im Sinn von E. Coseriu ist ein „konstantes Modell in den Redeakten des betreffenden Individuums“ ohne „die noch nie geäußerten und ganz okkasionellen Elemente des Sprechens“ (Coseriu 1979; 56). 158 Die germanistische Diskussion der Norm-Begriffe hat einen aus der Logik stammenden Hintergrund, auf den im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen wird.

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Die Präskriptionen können durch strukturell-statistische Sachverhalte wie Häufigkeiten und Regelmäßigkeiten im Gebrauch verändert werden und umgekehrt. Integration im zeitlichen Ablauf bedeutet somit Bewegung vom individuellen Gebrauch zu den an die Kerngrammatik angepassten Formen, d.h. zum normativen Aspekt der Norm: individuell ↔ normal ↔ normativ. Wie im Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“ gezeigt wurde, verläuft die Integration auf verschiedenen Sprachebenen unterschiedlich konsequent, so dass man kaum von einem einheitlichen Integrationsmuster sprechen kann. Nichtsdestotrotz wurden in der Linguistik schon mehrere Versuche unternommen, die Integration als eine Abfolge oder eine Relation von verschiedenen Integrationszuständen darzustellen. Die dafür entwickelten Modelle sind eine Abstraktion verschiedener Integrationszustände, die entweder aus synchroner oder diachroner Perspektive die Integration aufzeichnen sollen. Die Integrationszustände werden dabei immer in Relation zur geltenden Norm gesetzt.

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2. Forschungslage Der Einfluss des Englischen auf das Deutsche ist vielfach untersucht worden, so dass eine kaum überschaubare Menge an Publikationen zu dieser Thematik existiert. Dies ist nachvollziehbar, denn die kontinuierlich steigende Anzahl von Anglizismen sowie deren Gebrauch in allen sozialen Schichten und in vielen Sachbereichen machen die Anglizismen im Deutschen zu einem reichen Untersuchungsfeld. In Bezug auf die Ansätze und Ziele findet sich daher ein breites Spektrum an Arbeiten mit unterschiedlichen Arten der Materialsammlung, der Genauigkeit der Analyse sowie unterschiedlichen Methoden usw. Über die Forschungslage mit dem Schwerpunkt „Anglizismenforschung“ wurde von verschiedenen Autoren 159 ausführlich berichtet. Deshalb wird die vorliegende Arbeit die Ausführungen zur Forschungslage auf die Studien begrenzen, die vor allem quantitative Beschreibung der Anglizismen anführen. Darunter sind besonders die Publikationen hervorzuheben, die mit sprachstatistischen Methoden arbeiten und über statistische Eigenschaften der Anglizismen forschen. Unter anderem werden einige Arbeiten behandelt, die zwar für die vorliegende Untersuchung nicht hilfreich sind, aber dennoch interessant erscheinen und die neuesten Ergebnisse liefern. Die statistischen Methoden stehen schon seit geraumer Zeit im Dienste der Sprachwissenschaft. H. Meier (1967; 349ff.) führt die Liste der Arbeiten an, in denen unterschiedliche Zählungen mit sprachwissenschaftlichen Zielsetzungen vorgenommen wurden. Die Liste umfasst 106 Schriften aus dem europäischen Raum von 1823 160 bis 1963. 161 Die in diesen Werken erarbeiteten Themen reichen von Laut-, Silben- und Wortstatistik – meistens für Stenographen – über Untersuchungen zu der Sprache einzelner Dichter und Schriftsteller sowie zu der Sprache der Kinder bis zu Untersuchungen für automatische Übersetzung und 159

Z. B. eine Bibliographie im Anglizismen-Wörterbuch (2001).

160

Gabelsberger, Franz X.: Silbenlexikon (1823).

161

Wängler, Hans-Heinrich: Rangwörterbuch neuhochdeutscher Umgangssprache. Marburg 1963.

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methodisch-didaktische Zwecke. Eine separate Liste erstellte H. Meier von den Arbeiten mit statistischen Angaben aus der Literatur zur Fremdwortfrage. Aus seiner zusammenfassenden Darstellung über diese 18 Arbeiten wird ersichtlich, dass die meisten von ihnen das lateinische und französische Erbgut behandeln, was auch verständlich ist, wenn man den Zeitpunkt seiner Untersuchung berücksichtigt. Allerdings räumt er ein, dass die umfassendsten sprachstatistischen Unterlagen in Deutschland von F.W. Kaeding stammen, der das „Häufigkeitswörterbuch der deutschen Sprache“ herausgab. Dies kann wohl bis jetzt stimmen, wenn man bedenkt, wie viel Zählmaterial 162 überarbeitet wurde. Einen Überblick über die Entwicklung der quantitativen Linguistik (QL) in Deutschland seit etwa 1900 hat D. Aichele (2005; 16 – 23) gegeben. Die Anfänge der QL sind jedoch bis in das 19. Jahrhundert zurückzuführen: „Die ersten Zählungen von Einheiten der Sprache oder von Texten wurden schon im vorigen Jahrhundert vorgenommen. In Deutschland waren es wahrscheinlich Förstemann (1846, 1852) und Drobisch (1866)“ (Köhler 2005; 3). Die erste diachrone Untersuchung, in der quantitative Charakteristiken von Anglizismen angeführt sind, stammt vermutlich von H. Dunger (1882 und 1909, Nachdruck 1989). Jüngere diachrone 163 Betrachtungen, die gleichzeitig Angaben zur Häufigkeit 164 geben, stammen aus der Feder von G. Kristensson 1977, K. Viereck 1980, W. Yang 1990, D. Schütte 1996, A. Zürn 2001, M. Adler 2004, V. Béchet-Tsarnos 2005, A. Onysko 2007 u. a. m. Einige dieser Studien werden im Weiteren ausführlicher dargestellt. 162

Zu den methodischen Fehlern in Kaedings Zählverfahren, die sich im Grunde genommen aus seiner Definition des Wortes und seinen Zielen ergeben, s. H. Meier (1967; 7ff.) und W.D. Ortmann (1975; 5ff. und 1979; V).

163 Die Beobachtungen zum englischen Einfluss auf das lexikalische System der deutschen Sprache aus diachroner Sicht haben P.M. Palmer (1933), A. Stiven (1936), P.F. Ganz (1957) und U. Moeller-Schina (1969) unternommen, wobei U. Moeller-Schina deutsche Lehnprägungen aus dem Englischen von der althochdeutschen Zeit bis 1700 untersucht, P.M. Palmer die Zeitspanne von 1492 bis 1800 behandelt, P.F. Ganz mit seiner Arbeit den Zeitraum von 1640 bis 1815 abdeckt und A. Stiven die Geschichte des englischen Einflusses auf den deutschen Wortschatz vom 13. Jahrhundert bis 1935 verfolgt. 164

Zur Begriffserklärung s. Kap. „Relative Häufigkeit und Streuung als quantitative und qualitative Parameter der Veränderungen im Subsystem Anglizismen“.

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Die Streuung wurde im linguistischen Kontext in Verbindung mit der Frequenz bei I. Rosengren angewendet. Der Forscher stellte ein Frequenzwörterbuch der deutschen Zeitungssprache anhand der Zeitungen Die WELT 165 und Süddeutsche Zeitung zusammen. Seine Stichprobe umfasst den zeitlichen Rahmen vom November 1966 bis zum 30. Oktober 1967. Mit statistischen Berechnungen der Frequenz und Streuung beschreibt er nicht speziell die Entlehnungen, sondern den Grundwortschatz des mutmaßlichen Lesers der Zeitung, mit dem er das Gelesene bis zu einem gewissen Grad verstehen kann. Aus dieser Sicht interpretiert er die Frequenz als Maß der Nützlichkeit 166 und Wichtigkeit der Wörter. Er geht von der Annahme aus, dass die frequentesten Wörter nützlicher sind als die seltensten (vgl. Rosengren 1972; XXV). Er führt ein zusammenfassendes Maß für die Frequenz und Streuung (KF) ein. Es ist allerdings nur unter der Voraussetzung anwendbar, dass Kategorien und Stichproben gleich groß sind, d. h. wenn eine gleichmäßige Verteilung vorliegt, wenn die relativen Frequenzen eines Wortes in allen Kategorien gleich sind (vgl. Rosengren 1972; XXXIf). Speziell die Anwendung der statistischen Gesetze für die Anglizismenuntersuchungen trifft man bei W. Müller-Hasemann (1983), K.-H. Best (2001a, 2001b) und S.V. Mangušev (2002). Die Untersuchung von W. Müller-Hasemann zeichnet sich durch eine sorgfältige Stichprobenauswahl aus, die er aus den SPIEGEL-Heften, bei denen er jeden zweiten Jahrgang aus dem Zeitraum von 1949 bis 1979 berücksichtigte, und aus dem Katalog QUELLE 1966 bis 1981 durch Kombination der bestimmter und zufälliger Auswahl 167 traf. Bei der Erfassung des fremdsprachlichen Materials zählte der Autor nur die Wörter als Fremdelemente, die zweifelsfrei als solche erkannt wurden, weil sie direkte englische Elemente enthielten. Auf die Erfassung prob165

Die WELT als Quelle für Untersuchungsmaterial kommt in den Arbeiten von H. Fink 1968, B. Engels 1976, J. Pfitzner 1978, V. Béchet-Tsarnos 2005 vor, wobei B. Engels sich ausschließlich der Untersuchung der Zeitung Die WELT widmet. 166

Dieses Kriterium liegt wahrscheinlich der sprachwissenschaftlichen Diskussion um die Einteilung des Lehngutes in „Luxus-“ und „Bedürfnisentlehnungen“ zugrunde. Ausführlicher Kritisches dazu s. bei Lilienkamp (2001; 58ff.). 167 Rein zufällige Auswahl war wegen der Besonderheiten des Materials nur bedingt erfüllbar (s. W. Müller-Hasemann 1983; 145ff.).

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lematischer Lehnübertragungen, Lehnübersetzungen, Lehnschöpfungen und Lehnbedeutungen wurde verzichtet. Bei der Auswertung der Ergebnisse benutzte er Altmanns Modell für das Piotrowski-Gesetz und stellte fest, dass „völlig unterschiedliches Sprachmaterial (Presse- und Werbesprache) unabhängig voneinander einen mit derselben Funktionsgleichung beschreibbaren Sprachwandelprozess“ ergab (MüllerHasemann 1983; 159). Aus dem Verlauf der Kurven leitete er ab, dass es sich um einen nicht abgeschlossenen Sprachwandelprozess handelt. Bei beiden beschreibenden Funktionen ist zunächst ein logarithmischer Anstieg, d.h. ein eindeutiger Zuwachs an Fremdelementen zu verzeichnen. Beim weiteren Verlauf der Kurve nähert sich der Anteil englischer Fremdelemente asymptotisch einem Grenzwert, d.h. einem niedrigeren Wert an, wird aber immer noch nicht rückläufig, obwohl der Autor das Gegenteil behauptet. Die Übernahme englischer Wörter in das Deutsche bis Mitte des 20. Jahrhunderts hat K.-H. Best anhand der Daten aus dem „Deutschen Fremdwörterbuch“ (DFWB, 1988) unter Anwendung des PiotrowskiGesetzes erfasst (vgl. Best 2003; 9 und 2001b; 267), das den Sprachwandel beschreibt. Den Verlauf des Sprachwandels erfasst er wie folgt (vgl. Best 2001a; 102, Best 2001b; 263f., ähnlich Altmann 1983): Damit Sprache sich wandelt, muss irgendein Mitglied der Sprachgemeinschaft eine Neuerung verwenden. Diese kann von anderen Personen übernommen oder auch verworfen werden. Falls sie akzeptiert und dann weiterhin verwendet wird, kann sie sich zuerst nur langsam, dann mit wachsender Zahl der Kontaktpersonen schneller ausbreiten, bis der von der Sprachgemeinschaft tolerierte Sättigungsgrad erreicht wird. Auf diese Weise kommt der typische s-förmige Verlauf von Sprachwandelprozessen zustande. Ein solches Sprachwandelphänomen wie die Übernahme von Fremdwörtern kann von der Sprachgemeinschaft nur bis zu einem gewissen Grade geduldet werden. Dieses Modell stellt den unvollständig durchgeführten Sprachwandel dar, 168 d. h. denjenigen, bei dem neue Formen sich in einem begrenzten Maß durchsetzen. Das Modell konnte bereits mehrmals erfolgreich getestet werden für französische Entlehnungen im Deutschen sowie slawische Entlehnungen im Ungarischen 168 Diese Überlegungen sind als mathematisches Modell bei Altmann (1981; 60f.) begründet.

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(vgl. Best 2001b; 264ff.). Bezüglich der Entlehnungen aus dem Englischen ins Deutsche nimmt K.-H. Best an, dass sich der Entlehnungsprozess derzeit im mittleren Bereich der s-förmigen Kurve befindet und noch mehrere Jahrhunderte benötigt, um allmählich sein Ende zu finden. Für die Erstellung der Kurve benutzt er ― wie oben bereits erwähnt ― die Befunde von A. Kirkness (1991) und stellt fest, dass der englische Einfluss die Phase der stärksten Zunahme erreicht und sogar überschritten hat. Seine Annahme beruht auf dem Vergleich mit den Entlehnungsprozessen z. B. aus dem Französischen und Lateinischen. Dabei vermerkt er, dass der bisherige Verlauf sich in nichts von dem der Entlehnungen aus den anderen Sprachen unterscheidet (vgl. Best 2001b; 267ff.). Er kommt zu dem ganz wichtigen Schluss, dass die Entlehnungen aus einer Sprache in eine andere einen gesetzmäßigen Verlauf nehmen. Dies dürfte auch für die Übernahme englischer Wörter ins Deutsche gelten. Bei der Erstellung der Prognosen ist K.-H. Best sehr vorsichtig und räumt ein, dass die zukünftige Entwicklung nicht mit Sicherheit vorauszusehen ist, weil sich die Randbedingungen für diesen Prozess so dramatisch ändern können, dass der Sprachwandel an einem bestimmten Punkt seiner Entwicklung eine andere Richtung einschlagen kann, als auf Grund des bisherigen Verlaufs zu erwarten war (vgl. Best 2001b; 268 und 2003; 18f.). Trotzdem sind die sprachstatistischen Beobachtungen von K.-H. Best sehr interessant und statistisch gut begründet. Der Anfechtungspunkt seiner Ergebnisse wäre nur die Datenbasis. Es ist klar, dass sich sein Modell dank einer hinreichenden Datenbasis bewähren konnte. Auf Grund der Probleme bei der lexikographischen Erfassung (s. Kap. „Kriterien für die (Nicht)Aufnahme in das Anglizismenkorpus“, besonders die Widersprüchlichkeit der Kriterien für die Aufnahme der Lexeme in die Wörterbücher) ist jedoch fraglich, ob die Wörterbücher als Basis für Untersuchungen dieser Art herangezogen werden dürfen: Bei der Aufnahme in die Wörterbücher bleiben bei Weitem nicht alle entlehnten Lexeme berücksichtigt. Ferner handelt es sich bei den Wörterbucheinträgen um types, was die wahren Verhältnisse im Sprachgebrauch verzerrt.

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Anhand verschiedener früherer Untersuchungen 169 zeigt K.-H. Best, dass sowohl der Prozess der Übernahme als auch dessen Ergebnis ― die Verteilung der entlehnten Wörter auf verschiedene Themenbereiche ― sich gesetzmäßig verhalten. Dabei beweist er, dass die Diversifikation 170 proportional erfolgt. Er vermittelt, wie stark der Einfluss der Anglizismen auf die deutsche Sprache insgesamt und in ihren verschiedenen Verwendungsbereichen 171 im Besonderen ist. Die synchrone Untersuchung von S.V. Mangušev (2002) zielt darauf ab, die Verwendungshäufigkeit der Entlehnungen aus dem Englischen in aktuellen deutschen Pressequellen sowie die gesamte Anzahl der Anglizismen, die in der deutschen Presse im Umlauf sind, festzustellen. 172 Um die aufgefundenen Amerikanismen und Britizismen quantitativ miteinander zu vergleichen, analysiert der Wissenschaftler das DUDENFremdwörterbuch (1989) sowie die Zeitschriften Der SPIEGEL, FOCUS und DEUTSCHLAND. Bei seinem Stichprobenverfahren wendet er die Methodik von V. García Hoz an, die in der deutschen QL als FrumkinaGesetz bekannt ist und laut Bests Angaben von Zwirner & Zwirner schon 1935 für Lautuntersuchungen angewendet wurde (vgl. Best 2001a; 101). Die Methodik ermittelt, wie häufig eine bestimmte Einheit in Abschnitten eines Textes vorkommt. 173 Im Ergebnis stellt er fest, dass die weit verbreitete Meinung bezüglich der Dominanz der Amerikanismen über die Britizismen nicht zutrifft, wobei die Unterteilung der vorgefundenen Lexeme nach der Herkunft „amerikanisch – britisch“ nach DUDEN-Angaben erfolgt. Viele Forscher (s. Yang 1990; 8, Stiven 1936; 103, Carstensen 1965; 18, Fink 1968; 9) haben bereits die Schwierigkei169 K.-H. Best bezieht die Zahlenwerte aus den Untersuchungen von Müller-Hausen (1983), D. Schütte (1996), H. Fink (1997), Krause-Braun (2002), Glahn (2002), Hampel (1997). 170

Das Diversifikationsgesetz besagt, dass die Häufigkeiten, mit denen verschiedene Formen einer sprachlichen Kategorie (z. B. die Wortarten) in Texten vorkommen, gemäß einem Sprachgesetz vertreten sind (vgl. Altmann 1985; 1991).

171

Dazu ausführlicher im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Sachbereichen“.

172

Aufgaben gleicher Art wurden schon von anderen Wissenschaftlern gelöst, z. B. die Bestimmung des gesamten Umfangs des deutschen Wortschatzes (s. Best 2006; 13ff.).

173

Da ich für die Feststellung der Dynamik der neu auftretenden Anglizismen auch diese Methodik angewendet habe (s. Kap. „Dynamik des Anglizismenauftretens“), wird sie an dieser Stelle nicht ausführlich erörtert.

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ten bei dieser Unterteilung erkannt und weisen darauf hin, dass die Trennung in den meisten Fällen beinahe unmöglich ist. Selbst die etymologische Information im DUDEN bleibt noch zu beweisen. W. Yang meint: „Weder die Wörterbücher der englischen Sprache noch die etymologischen sowie Fremdwörterbücher der deutschen Sprache können uns bei der Aufteilung nach Amerikanismen und Britizismen im heutigen Deutsch helfen, denn sie deuten nur in wenigen Fällen diese Differenzierung an“ (Yang 1990; 8).

Was Manguševs Versuch betrifft, Angaben über die Gesamtzahl der in der Presse funktionierenden Anglizismen zu liefern, so stellt der Forscher fest, dass genaue Angaben nicht brauchbar sind, da der Umfang des analysierten Materials keine Schlüsse auf die gesamte Pressesprache ziehen lässt, und schlägt vor, nur die allgemeine Tendenz in Betracht zu ziehen. In dem untersuchten Korpus trifft er einen Anglizismus unter 100 Wörtern, das entspricht 0,8% aller Wörterverwendungen (token). Ferner unternimmt er eine Verteilung der häufigsten Anglizismen nach Themengruppen. 174 Die meisten Entlehnungen aus dem Englischen sind auf Bereiche wie Show-Business, Musik und Wirtschaft konzentriert. Hochfrequente Anglizismen (einmal unter 10.000 Wörtern) sind eher selten (im untersuchten Korpus 12 Lexeme). Daher sein Schluss, dass die gängige Meinung in der Bevölkerung, das Deutsche sei von Anglizismen „verseucht“, nicht stimme. Ferner listet S.V. Mangušev bestimmte Gesetzmäßigkeiten der Integration von Anglizismen in der deutschen Sprache auf. Als zentrale Maßzahl der Untersuchung wählt N. Plümer die relative Häufigkeit. Dabei ermittelt sie sowohl token- als auch type-Werte. Aus den ermittelten relativen token-Häufigkeiten soll die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Anglizismen in der deutschen und französischen Mediensprache abgeleitet werden (entsprechend der statistischen Definition der Wahrscheinlichkeit nach R. von Mises). Dabei müssen die Zahlenwerte bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die eine davon ist, dass es sich um Zufallsexperimente handeln muss. In der Untersuchung von N. Plümer kann jedoch nicht von Zufallsprobe die Rede sein, da sie die zu untersuchenden Ausgaben nach bestimmten Prämissen

174

Ausführlicher dazu im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Sachbereichen“.

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ausgewählt hat. Sie wollte damit die Verzerrung der Ergebnisse durch die Dominanz einer bestimmten Themenkonstellation vermeiden, was meines Erachtens bei dem gegebenen Untersuchungszeitraum von einem Monat nicht möglich ist. Die zweite Bedingung dafür, dass aus der relativen Häufigkeit die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Anglizismen in Massenmedien abgeleitet werden kann, ist ein ausreichend großer Stichprobenumfang. In Plümers Untersuchung ist keine empirische Begründung dafür angeführt, dass die Stichprobenumfänge ausreichend groß sind. Eine weitere Maßzahl der Untersuchung ist die Verwendungshäufigkeit der Anglizismen, die der token-type-Relation (TTR) gleicht. Sie interpretiert diese Maßzahl als einen Indikator für die Integration der Anglizismen in die jeweilige Sprache. Bei der weitergehenden Auswertung unterteilt sie die Verwendungshäufigkeiten in fünf Häufigkeitsklassen. Es bleibt allerdings unklar, wie diese Einteilung geschieht und welche Kriterien der Bestimmung der Grenzen der Häufigkeitsklassen zugrunde liegen. Beim Vergleich der relativen typeHäufigkeiten sowie der TTR der beiden Stichproben sollen die Stichprobenumfänge nicht zu stark voneinander abweichen, worauf auch die Autorin selber hinweist. Dies trifft aber auf Plümers Untersuchung nicht zu: Die Stichprobe aus den deutschen Medien beträgt 515.577 Wörter und aus den französischen 467.973 Wörter (Plümer 2000; 109). Zwar möchte die Autorin die Ergebnisse ihrer Arbeit auf die gesamte deutsche bzw. französische Mediensprache übertragen, doch kann dies nicht geschehen, da vom Wortschatz her nur der politische Mantelteil analysiert wird. Durch diese Einschränkung des Untersuchungsmaterials können die Ergebnisse nicht als repräsentativ für die gesamte Mediensprache gelten. Der Untersuchung von V. Béchet-Tsarnos liegt ein umfangreiches Untersuchungskorpus (für die jeweilige Sprache über 2 Mio. Wörter) zugrunde, das aus Artikeln aus digitalen griechischen, französischen und deutschen Wirtschaftsmagazinen, Wirtschaftszeitungen sowie Wirtschaftsteilen großer überregionaler Tageszeitungen (darunter auch Die WELT) aus dem Jahr 2000 besteht. Das Ziel der Untersuchung war, die Häufigkeit und Strategien bei der Verwendung der Wirtschaftsanglizismen zu ermitteln. Die Wirtschaftsmedien sind im Korpus nicht gleich verteilt (z. B. macht Financial Times Deutschland 21,6% vom gesamten Korpus aus, während der Anteil der Wirtschaftswoche nur 1,9% 132

beträgt). Außerdem ist das deutsche Fachtextkorpus vielfältiger an Wirtschaftsmedien als die der beiden anderen Sprachen (neun französische, zwölf deutsche und sieben griechische Medien). Im Zuge der Untersuchung unternimmt die Forscherin zwei Schritte: quantitative Untersuchung auf Basis des gesamten Korpus und qualitative Analyse auf Grundlage einer Textauswahl aus dem Gesamtkorpus. Es bleibt allerdings unklar, unter Anwendung welches Verfahrens die Anglizismen aus dem gesamten Korpus für die quantitative Analyse herausgefiltert werden. Die qualitative Untersuchung erfolgte auf Basis der 150 häufigsten Anglizismen im jeweiligen Datenkorpus, weil es wichtig war, die textuelle Einbettung der Wirtschaftsanglizismen zu verfolgen. Der Vergleich der Frequenzen der Wirtschaftsanglizismen ergibt, dass das Deutsche einen dreimal höheren Anteil an Wirtschaftsanglizismen aufweist als die beiden anderen Sprachen. Für die Ermittlung dieser Daten berücksichtigt die Autorin die token-Zahlen. Die Dichte der Wirtschaftsanglizismen wird errechnet, indem die durchschnittlich auftretende Häufigkeit in Verhältnis zum muttersprachlichen Wortschatz gesetzt wird. Für das Deutsche ermittelt sie als Dichtewert, dass nach 125 Wörtern ein Wirtschaftsanglizismus vorkommt. Aus den berechneten Werten kann V. Béchet-Tsarnos schließen, dass im Deutschen mehr Wirtschaftsanglizismen verwendet werden, sie im Gegensatz zum Französischen und Griechischen jedoch an bestimmten Textstellen vermehrt auftreten (vgl. Béchet-Tsarnos 2005; 182). Sie erklärt dies damit, dass im Deutschen des Öfteren um „spontane“ Neologismen handelt und nicht um bereits integrierte Fachtermini. Bei der Verwendung der linguistischen Terminologie verzichtet sie auf die bereits in der Sprachwissenschaft etablierten Bezeichnungen token und type 175 und gebraucht stattdessen für die letzte den Begriff „Lemmata“. Ebenso wie N. Plümer möchte sie aus dem Wert der type-token-Relation Aufschluss über den Grad der Integration erhalten. Vergleiche nach einzelnen Medien, wie V. Béchet-Tsarnos dies in der Tabelle 77 tut, sind jedoch nicht möglich, da die Umfänge der einzelnen Medienkorpora unterschiedlich groß sind und beim Vergleich der type-token-Verhältnisse die Umfänge der untersuchten Texte berücksichtigt werden müssen. Die von V. BéchetTsarnos festgestellte Summe der Lemmata ist im Deutschen um ein 175

S. MLS CD-ROM unter dem Stichwort „Type-token-Relation“.

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Fünffaches höher als im Griechischen und Französischen. 176 Im Wesentlichen erklärt sie dieses Faktum durch die Möglichkeit des Deutschen, Komposita zu bilden. Anhand dieser Tatsache charakterisiert die Autorin das Deutsche als eine dynamische und kreative Sprache im Vergleich zu den beiden anderen untersuchten Sprachen. Darüber hinaus befasst sich die Autorin mit den Ursachen und Motiven für das Zurückgreifen der Journalisten auf Anglizismen. Durch die Befragung der Journalisten, darunter auch aus der Redaktion der Zeitung Die WELT, konnte sie herausfinden, dass sich 90% der Befragten ihrer sprachpflegerischen Funktion bewusst sind. 83% sind zutiefst überzeugt, dass Zeitungen eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung der Anglizismen spielen. 73% glauben, dass sie ein sprachliches Vorbild für die Gesellschaft sein müssen. Überraschenderweise konnte die Forscherin aber feststellen, dass die Journalisten die Übersetzung der englischen Termini ins Deutsche für nicht angemessen halten und englische Begriffe als präzise, kurz und leicht einprägsam einschätzen. Überdies behaupten 34%, dass bei der Übersetzung ein Teil der Information verloren geht. 55% sind der Meinung, durch englische Begriffe dem Leser komplizierte Erklärungen zu ersparen. A. Onysko (2007) versucht mit seiner Untersuchung folgende Fragen zu beantworten: Wächst die Zahl der Anglizismen im Deutschen? Welche Anglizismen werden am häufigsten gebraucht? Im welchem Maß sind die Anglizismen verbreitet? Das Untersuchungskorpus wurde mit Hilfe des Programms Wordsmith Tools 4® anhand eines Stoplist-Verfahrens aus der Zeitschrift Der SPIEGEL 2000 erstellt. Um zu entscheiden, ob Anglizismen vorliegen, betont der Autor die Notwendigkeit der kontextuellen Analyse jedes einzelnen Lexems: Es bestehe praktisch keine andere Möglichkeit, englische und deutsche Homographe abzugrenzen. Somit wird deutlich, dass selbst der Computereinsatz manuelle Bearbeitung nicht unbedingt überflüssig macht. Der Analyse wurden allerdings nur Wörter mit der token-Frequenz 3+ unterzogen, d.h. diejenigen, die im Korpus dreimal und häufiger vorkommen. Diese Anglizismen werden vom Autor als „frequent“ eingestuft. Die 100 häufigsten davon aus dem Jahr 2000 wurden mit den gleichen aus den Ausgaben der früheren 176

Bei diesem Wert muss man allerdings vorsichtig sein, da es sich um den Vergleich der absoluten Zahlen handelt.

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Jahrgänge (1994 – 1999) verglichen, wobei diese Analyse Folgendes zeigt: „the higher the token frequency and the greater the diachronic distribution of an anglicism, the stronger is its position in the German lexicon (Onysko 2007; 117). Mit „diachronic distribution“ meint der Autor hier das Auftreten der gleichen Lexeme im Korpus über mehrere Jahre hinweg: Zwei Drittel der häufigsten Anglizismen aus den Jahrgängen 1994 – 1999 überschneiden sich mit den 100 häufigsten Anglizismen aus dem Jahr 2000. Die token-Frequenzen zwischen den Jahren 1994 und 2000 stiegen um 57%. Daraus folgert A. Onysko, dass im Allgemeinen der Gebrauch der Anglizismen im Deutschen wächst (vgl. Onysko 2007; 129). Die hohe Rate der hybriden Formen (76% der types) zeugt von der wortbildenden Produktivität der Anglizismen in Der SPIEGEL. Die Anglizismen stellen 1,11% aller Tokens im Korpus dar. Diese Daten bestätigen die schon von anderen Forschern angedeuteten Tendenzen. 177 Die Vergleiche des type-token-Verhältnises zeigen eine niedrige Wiederholungsrate von Anglizismen, d. h. nur wenige Anglizismen (4,5%) kommen im untersuchten Korpus oft (zehnmal und häufiger) vor. Die meisten (71%) treten nur einmal auf. A. Onysko setzt die Gesamtwortanzahl in Verhältnis zur Anglizismenanzahl, d. h. er geht von den relativen Werten aus und stellt fest, dass eine Seite in Der SPIEGEL etwa sieben Anglizismen (token) und zwei unterschiedliche Anglizismen (type) enthält. Umgerechnet ist jedes 91. Wort ein Anglizismus. Zu diesen Angaben merkt der Autor an, dass sie sehr abstrakt sind. Folgende Begründung führt er dabei an: “anglicisms are not uniformly dispersed across the whole corpus but have a tendency to cluster according to topic and text-type“ (Onysko 2007; 129), im Speziellen “in articles on business and financial matters, in articles on communication technology, in interviews with English speakers, in articles on foreign affairs, and in reports on fashion, lifestyle, and sports” (Onysko 2007; 116). Die höchste Wachstumsrate zeigen die Themenbereiche „Computer“ und „Kommunikationstechnologien“. Das Dispersionsmaß 178 benutzt er, um zu zeigen, dass Anglizismen nicht gleichmäßig im Korpus

177 Z. B.: Plümer (2000) 0,6% vom Gesamttext, Langer (1996) 1,24%, Engels (1976) und Götzeler (2008; 301) etwa 1%. 178 Dispersionsmaße wurden mit dem Programm Wordsmith Tools 4® nach der Formel von Oakes (1998) für einzelne Lexeme berechnet (vgl. Onysko 2007; 116, Fußnote 2).

135

verteilt sind: The “dispersion values indicate that even the most frequent anglicisms are not uniformly distributed across the corpus” (Onysko 2007; 116). Um der Frage nachzugehen, ob die Zahl der Anglizismen im Deutschen ansteigt, vergleicht er seine Ergebnisse mit den früheren Untersuchungen von W. Yang (1990), N. Plümer (2000) und H. C. Langner (1995). Diese Vergleich sind jedoch nur bedingt möglich ist, denn, erstens wird in Plümers Untersuchung der politische Teil der Zeitungen analysiert, während H. C. Langner sich auf wirtschaftliche Texte aus den Zeitschriften Capital und DM konzentriert. Zweitens handelt es sich bei der Materialgrundlage um unterschiedliche Massenmedien. Und drittens wurden in den vier genannten Arbeiten nicht die gleichen Typen von Anglizismen in das Korpus eingeschlossen. So berücksichtigt W. Yang die Anglizismen in den Anzeigen, schließt die Zitatwörter (code-switching) aber aus, während A. Onysko umgekehrt vorgeht. Allerdings versucht A. Onysko die Materialgrundlagen anzugleichen, indem er aus Yangs Ergebnissen die Anzeigen ausschließt und feststellt, dass die durchschnittliche Wörteranzahl auf der Seite in beiden Arbeiten ungefähr gleich ist. Wenn er auch Unterschiede in den vorgefundenen Werten feststellt, kann er nicht eindeutig feststellen, ob dies auf das Ansteigen der Anglizismen zurückzuführen ist oder auf die Unterschiede in den Datenbasen. In den neueren Publikationen werden neben den Printmedien vermehrt auch elektronische Ausgaben als Untersuchungsgegenstand herangezogen. So konzentriert sich z.B. M. Adlers kontrastive Untersuchung auf den Sprachgebrauch sowohl in den gedruckten als auch in den elektronischen Medien (Radio, Fernsehen, Internet und Zeitungen). Im Mittelpunkt der Arbeit steht zum einen die orthographische, phonologische und grammatische Integration englischer Entlehnungen, zum anderen deren Häufigkeit und Verteilung in den deutschen und schwedischen Massenmedien. Die Untersuchung der Häufigkeit der englischen Entlehnungen zeigt, dass in den deutschen Medien mehr Anglizismen verwendet werden als in den schwedischen, vor allem was die Anzahl der verschiedenen Wörter (types) betrifft (vgl. Adler 2004; 103). Alternativ zu dem in anderen Arbeiten verwendeten und viel kritisierten Wert „Anglizismen pro Seite“ 179 führt sie einen Messwert „Anglizismen pro 179

Kritisiert wird dieser Wert vor allem, da die Seite nicht eindeutig definiert werden kann.

136

100 Wörter“ ein. Im Durchschnitt kommt in allen deutschen Massenmedien (Fernsehen, Radio, Internet und Zeitungen) ein Anglizismus auf 100 Wörter. Wie B. Engels und A. Onysko stellt M. Adler fest, dass der Anteil der Anglizismen an der Gesamttextmenge der deutschen Medien durchschnittlich ca. 1,07% ausmacht, was sie als relativ gering einstuft. Auch wenn der Schwerpunkt dieser Untersuchung auf der sprachlichen Form und der Häufigkeit des Gebrauchs englischer Entlehnungen liegt, wird ebenso der Problematik der innersprachlichen Motivation, genauer der Funktion, die den Anglizismen in den Medien zukommt, nachgegangen. Die wichtigsten Aspekte werden an Hand von Beispielen aus der deutschen Tagespresse veranschaulicht. Das Untersuchungsmaterial basiert auf je drei aufeinander folgenden Ausgaben (Juni 2001) der 5 Tageszeitungen. Dasselbe Verfahren gilt bei der Auswahl der Fernseh- und Radiosendungen. Unter solchen Umständen kann die Repräsentativität der Stichprobe in Frage gestellt werden, da für eine Untersuchung dieser Art erstens die Auswahl von drei Ausgaben nicht ausreichend ist, und da zweitens die Ereignisse, die zu dem jeweiligen Zeitpunkt in der Presse beleuchtet werden, stark die Wortwahl beeinflussen und das verstärkte Vorkommen von bestimmten Anglizismen zur Folge haben können. Sicherlich gewinnt die Arbeit dadurch, dass die Grundgesamtheit eine Mischung aus lokalen und regionalen Zeitungen einerseits sowie seriöser und Boulevardpresse andererseits darstellt. Allerdings beschränkt sich die Wahl der lokalen Zeitungen auf den Raum Leipzig und Thüringen. Unklar bleibt auch, nach welchen Prinzipien die Internetseiten (bundestag.de, berlin.de und frankfurt.de) ausgewählt wurden. D. Schütte führte eine diachrone Analyse der Werbetexte aus dem Zeitraum von 1951 bis 1991 durch. Ihr Untersuchungsmaterial umfasst fünf Jahrgänge: 1951, 1961, 1971, 1981, 1991. Der zehnjährige Abstand zwischen den Stichproben wird von ihr als ausreichend angesehen. Anhand der gewonnenen Daten beschäftigt sich D. Schütte, so wie die vorliegende Untersuchung, mit der Frequenzanalyse, darunter mit der Analyse nach den Wortarten. Zu den weiteren Schwerpunkten ihrer Arbeit gehört die Bestimmung des Integrationsgrades in Anlehnung an die Textsorte (Slogan, Fließtext, Schlagzeile) anhand der Erwähnung in den DUDEN-Wörterbüchern. Bei der Interpretation der Ergebnisse konnte sie einen Anstieg der englischen Einflüsse in der Zeitschriftenwerbung 137

im untersuchten Zeitraum feststellen. Des Weiteren wird anhand von Anzeigen ein gesellschaftlicher Wertewandel verzeichnet. Die inhaltsbezogene Analyse macht deutlich, dass Frequenzen und Funktionen von Anglizismen eng mit inhaltlichen Aspekten der Anzeigengestaltung verknüpft sind (vgl. Schütte 1996; 357f.). Die Arbeit von W. Yang untersucht systematisch Anglizismen aus 24 SPIEGEL-Ausgaben hinsichtlich ihrer Frequenz und Semantik, ihrer Wortbildung und Integration sowie ihrer stilistischen Funktionen. Er wählte je sechs Ausgaben aus den Jahrgängen 1950, 1960, 1970 und 1980. Es ist ersichtlich, dass der Abstand immer zehn Jahre betrug. Bei der Klassifikation nach Kommunikationsbereichen unterscheidet er zwischen sechs verschiedenen Entlehnungsbereichen („Sport“, „Wissenschaft [sic!] und Finanzen“, „Kultur und Bildungswesen“, „Wissenschaft und Technik“, „Innen- und Außenpolitik“ sowie „Werbung und Anzeigen“). Bei der Ausrechnung der Verwendungsfrequenz wurden von ihm absolute Zahlen ermittelt, die er dann ― so wie auch viele andere Linguisten ― in relative Werte umzuwandeln versucht, indem er die Zahl der Anglizismen durch die gesamte Seitenanzahl in der Auswahlmenge dividiert. A. Zürn hat als erste versucht, die Wortarten nicht miteinander zu vergleichen, sondern die Veränderungen aus diachroner Sicht innerhalb einer Wortart zu registrieren. Dafür hat sie die Verteilung der Wörter allgemein innerhalb der Wortarten der deutschen Sprache ermittelt. Obwohl sich auch die vorliegende Arbeit mit der Berechnung der relativen Häufigkeit der Wortarten im zu analysierenden Korpus beschäftigt, haben Zürns Ergebnisse hierfür keinen Nutzen gebracht, da die von ihr ermittelten Werte nicht dem types-Gebrauch entsprechen: Laut den Zählungen, die sie W.D. Ortmann 180 (1979; XXXI) und der DUDEN Grammatik (1984; 91) entnommen hat, sind nur 5,4% aller Wörter Synsemantika. Dies spiegelt die wahren Verhältnisse im deutschen Sprachsystem nicht getreu wider. 181 Ihr Belegmaterial stammt aus 15 Ausgaben der

180

Ortmanns Angaben über die Wortartverteilung basieren auf 5849 Kaeding-Lemmata, d. h. auf tokens-Zählungen.

181

S. auch die Ergebnisse von anderen Studien im Kap. „Ermittlung der Wortklassenverteilung“.

138

drei Wochenzeitungen FOCUS, PROFIL und Der SPIEGEL innerhalb eines begrenzten Zeitraums von fünf Wochen, vom 17. Januar bis zum 14. Februar 1994. Bei einem so kurzen Untersuchungszeitraum besteht die Gefahr, dass die Ereignisse, die in der Presse beleuchtet werden, zu sehr ins Gewicht fallen und die Wortwahl und somit auch den Anglizismengebrauch stark beeinflussen. Das vorgefundene Material wurde manuell ausgewertet, weil keine passenden elektronischen Hilfsmittel zur Verfügung standen. In Zürns Arbeit wurden absolute Zahlen ermittelt. Daneben berechnete sie den Quotienten „die Anzahl der Anglizismen pro Seite“, wobei sie von der gesamten Anglizismenanzahl (tokens) und der gesamten Seitenanzahl im untersuchten Korpus ausging. Ihren Korpus ordnet sie in zwölf verschiedene Kommunikationsbereiche und übernimmt dabei die Rubrikeneinteilung der analysierten Zeitschriften. Ein für die deutsche Sprache bedeutendes und für diese Arbeit hilfreiches Werk, das Ergebnis jahrelanger Arbeit von B. Carstensen und seiner Mitarbeiter, ist das Anglizismen-Wörterbuch (AWB). Es basiert auf etwa 30.000 Belegen, die überwiegend den Printmedien entnommen wurden. Als Anglizismen wurden die aus dem englischen Sprachraum vorwiegend nach dem Zweiten Weltkrieg übernommenen Wörter, Phraseologismen und Wortbildungselemente erfasst, hinzu kommt das innere Lehngut. Jeder Wörterbucheintrag enthält Informationen zur Schreibung, Aussprache, Grammatik, Bedeutung, zu den Entlehnungswegen, syntaktischen Besonderheiten und stilistischen Aspekten. Da Anglizismen oftmals „Eintagsfliegen“ sind, sind die meisten der etwa 3.500 Einträge überholt und nicht mehr im allgemeinen Sprachgebrauch zu finden. Neuere Untersuchungen widmen sich bi- und trilingualen kontrastiven Analysen, um die Fragen zu beantworten, wie unterschiedliche Sprachen mit dem englischen Einfluss umgehen und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sie dabei aufweisen. Eine der untersuchten Sprachen ist in der Regel Deutsch, das verglichen wird mit: Japanisch (Yu. Rinner-Kawai 1991), Französisch (N. Plümer 2000), Tschechisch (S. Gester 2001), Polnisch (K. Nettmann-Multanowska 2003) und Schwedisch (M. Adler 2004). Dreisprachige Vergleiche der Folgen englischer Einflussnahme wurden zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts, wobei am häufigs139

ten Deutsch und Französisch mit anderen Sprachen verglichen werden. M. Jabłoński (1990) vergleicht Deutsch, Französisch und Polnisch, M. Lilienkamp (2001) Deutsch, Französisch und Spanisch, A. Bergmann und A. Kratochvil (2002) Russisch, Tschechisch und Ukrainisch, V. Béchet-Tsarnos (2005) Deutsch, Französisch und Neugriechisch. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Fragen der Entlehnung englischer Elemente in der Sprachwissenschaft durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen und Forschungsprojekten zu diesem Thema vertreten sind. Das Ergebnis vieler Untersuchungen ist, dass der Entlehnungsprozess nicht stehen bleibt, sondern in beschleunigtem Tempo fortschreitet. So leitet sich die Notwendigkeit weiterer Auseinandersetzungen mit dem Thema aus der Dynamik des Entlehnungsprozesses ab.

140

B.

Empirischer Teil

3. Beschreibung des Materials 3.1. Presse als Materialquelle Die Presse wurde in zahlreichen Studien als Materialquelle bei der Untersuchung von Anglizismen im Deutschen herangezogen. So wurden im Zuge der Datensammlung sowohl Magazine (B. Carstensen 1971, W. Yang 1990, Yu. Rinner-Kawai 1991, M. Lilienkamp 2001, A. Zürn 2001, Onysko 2007 u. a. m.) als auch Zeitungen (H. Fink 1968, H.-G. Meyer 1974, W.J. Eggeling 1974, B. Engels 1976, H. Oeldorf 1990 u. a. m.) berücksichtigt, unter letzteren sowohl überregionale als auch regionale. Aus welchen Gründen wurde auch für die vorliegende Untersuchung die Presse den anderen Massenmedien vorgezogen? Wie bereits angedeutet, ist die Zeitung zu einem traditionellen Medium in der Anglizismenforschung geworden. Die Wahl der Zeitung als Quelle der Belege ermöglicht es, die Ergebnisse mit früheren Untersuchungen zu vergleichen unter der Voraussetzung, dass gleiche oder ähnliche Methoden zur Erstellung der Stichproben verwendet wurden, um Gesetzmäßigkeiten und Tendenzen aufzustellen. So war es in der vorliegenden Arbeit der Fall, die auf dem Vergleich zweier Zeitspannen 1954/64 und 1994/2004 basiert. 182 Ein anderer zentraler Grund ist die Praktikabilität. Presse als Materialgrundlage ist leicht zu akquirieren, denn Zeitungen und Zeitschriften werden in der Druckform vertrieben, die älteren Ausgaben auf CD-ROM archiviert. Zur Verfügung steht außerdem eine ganzseitige Internetversion, E-Paper, deren Vorteile 183 darin bestehen, dass sie mit der Druckversion übereinstimmt und jederzeit zugänglich ist. 184

182 Vgl. Kap. „Vergleich der Anglizismenhäufigkeiten in den Jahrgängen 1994/2004 und 1954/1964“. 183

Weitere Vorteile sowie Nachteile von Online-Zeitungen s. H. Rada (1999; 72ff.). Mögliche Risiken und Chancen für die Tageszeitungen, die beim elektronischen Publizieren entstehen, sind von T. Rada (1999; 28f.) beschrieben.

184

Zum Thema „Elektronische Archive und Zeitungsproduktion“ s. T. Lehr 1999; 79f.

143

Eine wichtige Voraussetzung für eine statistische Untersuchung – die Diversität – wird bei der Wahl der Presse als Untersuchungsmaterial geleistet. Dies untermauert das Zitat von P. Storjohann: „Streng genommen stellen Zeitungen und Zeitschriften keine eigene Textsorte dar, sondern setzen sich aus einer Vielzahl verschiedener Texttypen zusammen. Neben politischen Meldungen, Nachrichtentexten und Amtstexten liegen in Zeitungen/Zeitschriften auch Reiseberichte, Lesebriefe, Romanauszüge sowie Berichte aus Kultur und Wissenschaft etc. vor. […] Zusammengenommen enthalten Zeitungen die unterschiedlichsten Texte, die amts-, gebrauchs-, alltags-, bedingt fachsprachlicher, wissenschaftlicher und journalistischer Natur sind und somit ein sehr vielseitiges Bild der Sprache bieten. Ein Korpus, das ausschließlich aus Zeitungen und Zeitschriften besteht, bietet zudem den Vorteil, dass es über die nötige Homogenität verfügt und dabei die verschiedensten Textsorten in sich vereint“ (Storjohann 2005; 62).

Der von P. Storjohann beschriebene Aspekt der Homogenität wird dadurch ergänzt, dass die Presse Züge zweier Konzepte, nämlich der Schriftlichkeit und der Mündlichkeit, in sich vereint. Besonders deutlich lässt sich das an der Pressetextsorte „Interview“ erkennen, die H. Burger im Mittelfeld zwischen beiden Konzepten platziert (Burger 2005; 141ff. und 1990; 50ff.). Auch aus der Perspektive der Textinhalte betrachtet ist ein Zeitungskorpus als Datengrundlage für eine Studie über die Häufigkeit und Stabilität der Anglizismen im Deutschen gut geeignet, weil „zentrale Themen aus Wissenschaft, Politik, Kultur, Geschichte, Wirtschaft, Kunst, Unterhaltung, Musik, Mode, Sport und Verkehr abgedeckt sind“ (ebd.; 63, ähnlich Pfitzner 1978; 36). Da die Presse den standardsprachlichen, öffentlichen und aktuellen Sprachgebrauch dokumentiert, kann sie eine gute Datenbasis für Beobachtungen über den aktuellen Zustand des Lexikons sowie über aktuelle Tendenzen im Gebrauch und in der Verbreitung von Anglizismen bieten. Somit wird eine weitere wichtige Bedingung einer linguistischen Untersuchung, und zwar die Aktualität, erfüllt. Ein weiterer Vorteil von Zeitungen ist, dass sie periodisch erscheinen. Da Zeitungen und Zeitschriften das aktuelle alltägliche Geschehen beleuchten, erfassen sie auch Veränderungen im sprachlichen Gebrauch. Daher eignen sich Zeitungen am besten für diachrone Untersuchungen über sprachliche Entwicklungen. Durch Zeitungen „können Sprachentwicklungen schnell aufgedeckt werden, da sprachliche Neuerungen viel

144

schneller in Zeitungen einfließen als in andere Textsorten“ (Storjohann 2005; 64). Ein anderer Gesichtspunkt ist, dass viele Zeitungen eine große Reichweite haben. Laut statistischen Studien lesen 77% der Bevölkerung Deutschlands regelmäßig Zeitungen, davon 85% im Alter von 40 bis 69 Jahren, 65% im Alter von 20 bis 29 Jahren und 56% im Alter von 14 bis 19 Jahren (vgl. Béchet-Tsarnos 2005; 74, ähnlich Meyn 2004; 73). Auch das Autorenkollektiv von elexiko argumentiert für ein Korpus aus Zeitungen und Zeitschriften, „da sie als Massenmedium eine große LeserInnenschaft erreichen, […] und damit Einfluss auf die LeserInnen hinsichtlich ihrer Wahl sprachlicher Muster ausüben“ (Storjohann 2005; 62). Nach E.V. Kakorina sind die Texte in den Massenmedien, speziell in den Zeitungen, nicht nur ein Spiegel der Sprechweise von Sprachträgern, sondern zum Teil auch die Former ihrer Sprechweise (vgl. Kakorina 1996; 137). Somit hebt E.V. Kakorina eine wichtige Rolle der Sprache der Massenkommunikation bei der Normbildung hervor, die darin besteht, dass die Sprache der Massenmedien durch ihre breite Reichweite eine Etablierung neuer Normen sowie eine schnelle Verbreitung englischer Entlehnungen ermöglicht. Die Rolle der Massenmedien als Initiatoren und Verbreiter sprachlicher Neuerungen, speziell Entlehnungen wurde schon in früheren Untersuchungen erwähnt. Die Bezeichnung der Zeitung als „Popularisator der Anglizismen“ von E.O. Čurûkanova legt das nahe (Čurûkanova o.J.; 119). Die gleiche Meinung vertritt H. Zindler. Nach ihm kann die Zeitung Sprachwandel initiieren, indem sie „eine große Wirkung auf den Leser ausübt, seine Sprache im hohen Maße formt und daher eine der stärksten Kräfte in der Entwicklung des heutigen Deutsch ist“ (Zindler 1959; 1). Allerdings kann diese Meinung nicht ohne Vorbehalt übernommen werden, da sie die wahren Verhältnisse zwischen den Massenmedien nicht zeitgemäß wiedergibt. Die Allensbacher Markt- und WerbeträgerAnalyse (AWA 2008) untersucht die Mediennutzung der Bundesbürger. Auffallend ist die Deutlichkeit, mit der das Internet als Informations-

145

medium zunehmend eine Spitzenposition erobert. 185 Dennoch bleibt ihm in der tagesaktuellen Information immer noch eine untergeordnete Rolle vorbehalten (s. Grafik 1, vgl. Schneller 2008; 29). Grafik 1. Die Rolle der Massenmedien in der tagesaktuellen Information

Trotz der wachsenden Dominanz von Fernsehen 186 und Internet sieht H. Meyn die Zukunft der Zeitungen sehr optimistisch: „Zeitungen werden also unentbehrlich für die Bundesbürger bleiben“ (Meyn 2004; 73). Laut Umfragen 187 werden in einem Haushalt unterschiedliche Medien sich 185 Zum Wachstum von Besuchen auf den Internet-Präsenzen der Zeitungen, exemplarisch von Die WELT, s. im Kap. „Spezielles zu der Zeitung Die WELT“. 186

Geschätzt nach der Reichweite bzw. Auflage dominiert das Fernsehen weitgehend über Tageszeitungen, vgl.: Fernsehen 36,9 Mio. und Zeitungen lediglich 25,5 Mio. (Quelle: http://www.br-online.de/br-intern/medienforschung/mediennutzung/, Zugriff: 24.03.2009, Stand: 2006).

187 Vgl. Köcher 2003; 22, 24 und 31. Diese Daten zeigen die Tendenzen auf und sind für den untersuchten Zeitrahmen (1994/2004) geltend. Neuere Daten von J. Schneller (2008; 11) bestätigen Köchers Feststellung.

146

gegenseitig ergänzend rezipiert. Welche Rolle spielt dabei die Zeitung? Die Zahlen belegen, dass die Reichweiten der Zeitungen stetig sinken (vgl. Grafik 2, auch Kap. „Spezielles zu der Zeitung Die WELT“). Grafik 2. Reichweitenentwicklung der Zeitungsgattungen

Bei diesen Erhebungen wird offensichtlich die Printform der Medienmarken berücksichtigt. Unter diesen Umständen ist die fallende Tendenz nicht überraschend, denn heutzutage sind die meisten Printmarken im Netz vertreten. Ihre Online-Nutzungsfrequenz steigt jedoch stetig (vgl. Schneller 2008; 24 und 27, auch im Kap. „Spezielles zu der Zeitung Die WELT“). Dies bedeutet, dass auf die Zeitungslektüre nicht verzichtet wird. Generell darf man die Zeitung und das Internet als Informationsquellen einander nicht gegenüberstellen, denn die Zeitung benutzt das Web, um ihre Inhalte zu veröffentlichen. Für die vorliegende Arbeit ist schließlich irrelevant, ob die Zeitung als Printausgabe oder als Online-Version gelesen wird. Das Auftreten der zu untersuchenden Einheiten (d. h. Anglizismen) in der Presse war ein weiteres Argument für die Zeitung als Materialquelle 147

für die vorliegende Untersuchung. Tatsächlich kommen die Anglizismen in der Pressesprache 188 relativ oft 189 vor trotz einschlägiger Veränderungen in der Medienlandschaft der letzten Jahrzehnte. Die Pressesprache kann als Indikator für Anglizismengebrauch im Deutschen angesehen werden (vgl. Krause-Braun 2002; 155). Ein Grund für das häufigere Vorkommen von Anglizismen kann vermutlich darin liegen, dass Berichterstatter, die ihre Themen aus dem Ausland (vor allem aus englischsprachigen Ländern) beziehen, mit großer Wahrscheinlichkeit dazu tendieren, Anglizismen statt deren deutschen Äquivalenten, falls es die gibt, zu gebrauchen. Ein weiterer Grund kann der sein, dass die Sprache der Zeitungen, besonders der Tageszeitungen, weniger ausgefeilt ist als z. B. die eines belletristischen Werkes, denn der Journalist steht meistens unter Zeitdruck. Diese Zeitnot kann auch die Entlehnung der Anglizismen begünstigen, 190 denn unter Zeitdruck kann nicht immer eine passende Übersetzung für ein englisches Wort gefunden werden, so dass der englische Terminus übernommen wird. Folglich kann meines Erachtens der zu erwartende höhere Anglizismenanteil durch den Faktor Zeitmangel erklärt werden. Nicht zuletzt werden Anglizismen aus stilistischen Gründen in der Pressesprache verwendet (Näheres s. Pfitzner 1978; 38ff.). 188 Nach der Meinung von P. von Polenz (1999; 504f.) gibt es Zeitungssprache als homogener Sprachstil aller Rubriken- und Textsorten nicht. Immerhin wird sie in der Linguistik als Phänomen beschrieben, das einheitliche Merkmale aufweist wie Nominalisierung, satzwertige Infinitivgruppen, häufiger Fremdwortgebrauch u. a. m. (vgl. von Polenz 1999; 505f.). In der vorliegenden Arbeit wird davon ausgegangen, dass die Zeitung als Medium ihre eigne Praktiken des Umgangs mit der Sprache hat (z. B. eigene Textsorten oder die oben erwähnten Merkmale), die sie von der übrigen Sprachrealität deutlich abheben (vgl. auch Schmitz 2005; 1616). 189

Der durchschnittliche Wert des Anglizismenanteils von 1% am Gesamttext der deutschen Pressesprache (s. Ergebnisse von Onysko 2007, Engels 1976, Mangušev 2002, Adler 2004, Plümer 2000, Langner 1995 im Kap. „Forschungslage“) ist für Autosemantika in der Tat relativ hoch, vgl. über die Verwendungshäufigkeit im Kap. „Allgemeines über die Entwicklung des Subsystems Anglizismen innerhalb des deutschen Sprachsystems“ sowie über Verteilung der Wörter nach den Wortarten im Kap. „Ermittlung der Wortklassenverteilung“.

190 Zu anderen Faktoren, die den Entlehnungsprozess beeinflussen, s. Kap. „Entlehnungsbegleitende Faktoren“.

148

Für die Anglizismen, die den Eingang auf die Zeitungsseiten schon gefunden haben, dürfte gelten, dass sie einen hohen Integrationsgrad besitzen, denn das häufige Vorkommen in unterschiedlichen Sprachstilen, im Sprachgebrauch vieler Journalisten, die verschiedenen Generationen angehören und aus verschiedenen sozialen Gruppen stammen, ist schon an sich ein Indikator der sozialen Integration. Unter Berücksichtigung all dieser Aspekte (Aktualität, Periodizität, Zugänglichkeit, diachrone Vergleichbarkeit, Diversität, Homogenität, breite Reichweite, Verbreitung und Etablierung sprachlicher Neuerungen sowie Vorkommen der Anglizismen) scheint die Pressesprache für die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit und für linguistische Datenauswertung gut geeignet zu sein. Sie entspricht auch den Forderungen dieser Arbeit gegenüber dem Untersuchungsmaterial (s. Kap. „Allgemeines zum Auswahlverfahren“). Allerdings sei darauf hingewiesen, dass auf Grund dieser Untersuchung die Aussagen über die deutsche Sprache im Allgemeinen nur bedingt gemacht werden dürfen, da nur die Pressesprache und nur die von Die WELT erforscht wurde. 3.2. Spezielles zu der Zeitung Die WELT Wie bereits erwähnt, wurde für die Untersuchung der Anglizismen in der deutschen Sprache die Zeitung Die WELT gewählt. Das entscheidende Motiv dafür war eine Vorstudie zur Die WELT von B. Engels, die eine Vergleichsbasis bietet. Im Folgenden soll Die WELT kurz porträtiert werden. Dieses Periodikum erscheint täglich (außer sonntags), 191 ist überregional und gehört zu den führenden Zeitungen Europas. Wie aus dem Geschäftsbericht des Axel-Springer-Verlags ersichtlich ist, wird die Zeitung in 130 Ländern verbreitet. Die durchschnittlich verkaufte Auflage betrug im Jahr 1994 210.849 Exemplare. 192 Die Auflagenentwicklung zeigt, dass sie ihren Höhepunkt im Jahr 2001 mit 255.159 Exemplaren erreichte

191

WELT KOMPAKT und WELT am SONNTAG wurden beachtet.

192

Datenquelle: http://www.mediapilot.de/images/20050601/TM04-_ueberregionale_

AboZeitungen.pdf, Zugriff: 7.10.2008.

149

und danach kontinuierlich abstieg. Im Jahr 2004 betrug die verkaufte Auflage 203.376 Exemplare, 193 vgl. Grafik 3: Grafik 3. Auflagenentwicklung von Die WELT

Der Rückgang der Auflage ist nicht nur bei Die WELT zu verzeichnen, sondern gilt als eine allgemeine Tendenz in der deutschsprachigen Presse. 194 V. Béchet-Tsarnos konnte bei den überregionalen Zeitungen einen Rückgang um 2,4% feststellen (Béchet-Tsarnos 2005; 75). Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die meisten Zeitungen 195 durch digitale Vertriebswege neben der traditionellen Papierversion neue Er-

193

Datenquelle: mediadatensueddeutsche.de/home/files/argumente_0708_akt.pdf?ID= 7332580c43012 eb9dece44a59fbb05f0, Zugriff: 7.10.2008.

194 S. dazu Grafik unter http://www.ivw.eu/index.php?menuid=37&reporeid=10# tageszeitungen, Zugriff: 8.06.2009. Vgl. auch Kap. „Presse als Materialquelle“. 195

Ausnahme bildet die Süddeutsche Zeitung mit der leicht angewachsenen verkauften Auflage um 2.8%, vgl.: 1999 – 430.040 Exemplare, 2000 – 434.231, 2001 – 436.051, 2002 – 443.244, 2003 – 432.875, 2004 – 442.297 und Financial Times Deutschland mit ihrem schnellen Auflagenwachstum um 24.3%, vgl.: 2001 - 72.433, 2002 – 82.787, 2003 – 91.177, 2004 – 95.625 Exemplare (Quelle: mediadatensueddeutsche.de/home/files/argumente_ 0708_akt.pdf?ID=7332580c43012 eb9dece44a59fbb05f0, Zugriff: 7.10.2008).

150

scheinungsformen bekommen haben: Online-Ausgabe 196 und E-Paper. Die letzte ist mit der Papierversion identisch. Laut der Daten der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. hatte die Internet-Seite von Die WELT online während des Jahres 2004 42,3 Mio. Nutzungsvorgänge (Besuche). Grafik 4 zeigt die Entwicklung der Nutzungsvorgänge für den Jahrgang 2004 nach den einzelnen Monaten. 197 Grafik 4. Entwicklung der Nutzungsvorgänge (visits) für Die WELT online 2004

Laut einem Bericht des Axel-Springer-Verlags aus dem Jahr 2004 beläuft sich die Reichweite der Zeitung insgesamt auf 650.000 Menschen. Dank des thematischen Ausgleiches der Informationsstruktur, objektiver Informationsvermittlung, neutraler Beleuchtung des Inlands- und Auslandsgeschehen sowie der Vorrangsthemen aus dem wirtschaftlichen Bereich, der gewichteten Analyse von politischen Prozessen und der Betrachtung des Regionalen hat Die WELT den Ruf eines seriösen analytischen Blattes. Die journalistische Qualität der Zeitung wurde 196

Die von H. Rada (1999) durchgeführte Online-Umfrage über die Nutzungsgewohnheiten von Online-Zeitungslesern enthält zwar die Information zu Online-Ausgabe von Die WELT, darf aber leider nicht benutzt werden, da die Stichprobe nicht repräsentativ ist.

197

http://www.ivwonline.de/ausweisung2/search/angebot.php, Zugriff: 8.06.2009.

151

durch mehrere Preise bestätigt, darunter auch eine Auszeichnung im Jahr 1999 für exzellente aktuelle Berichterstattung im Rahmen des European Newspaper Awards, des größten europäischen ZeitungsWettbewerbs. Die WELT positioniert sich als eine unabhängige seriöse politischgesellschaftliche Qualitätszeitung und zeichnet sich durch ihre konservative Haltung aus. Sie richtet sich an Leser mit unterschiedlichen Interessen. Adressaten sind aber vor allem Leser innerhalb der Bildungsschicht. 198 Aus einer solchen Konstellation folgt, dass die Redakteure von Die WELT ein hohes sprachliches Niveau pflegen und ihren Lesern eine bestimmte intellektuelle Reife zumuten. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gebrauch von Anglizismen in einer seriösen Qualitätszeitung im Vergleich z. B. zu einem Unterhaltungsblatt gut überlegt ist, ist sehr hoch. Daher können die Anglizismen in Die WELT vermutlich eine lange Lebensdauer und Stabilität nachweisen. 199 Die WELT, die seit 1946 besteht, ist „das publizistische Flaggschiff […] des Axel-Springer-Konzerns mit Zentralredaktion in Berlin“ (Meyn 2004; 95). Das Axel-Springer-Verlagshaus wurde unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und ist heute der größte Zeitungsverlag des europäischen Kontinents sowie drittgrößter Zeitschriftenverlag Deutschlands mit mehr als 150 Zeitungen und Zeitschriften in 27 Ländern. 200 Da im Nachkriegsdeutschland das Verlangen nach Freiheit besonders hoch war, lautet der dritte von fünf Grundsätzen des Verlagshauses wie folgt: „die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika.“ 201 Eine seiner Aufgaben sieht der Verlag darin, die Rolle der USA positiv darzustellen. Auf Grund der positiven Einstellung gegenüber den USA von Seiten des Verlags kann

198

S. ausführlicher dazu Kap. „Leserschaft von Die WELT“.

199

Außerdem zu den Gründen für das Vorkommen der Anglizismen in der Presse s. Kap. „Presse als Materialquelle“. 200

Quelle: http://www.axelspringer.de/inhalte/unterneh/frame.htm, Zugriff: 27.09.2007.

201

Quelle: http://www.axelspringer.de/artikel/Grundsaetze-und-Leitlinien_40218.html, Zugriff: 17.07.2009

152

eine Präferenz im Gebrauch von Anglizismen in Die WELT erwartet werden. 3.3. Leserschaft von Die WELT Soziologisch-statistische Daten über die Leserschaft von Die WELT aus den Jahren 1994 und 2003 wurden freundlicherweise von der Abteilung „Marktforschung“ des Axel-Springer-Verlags zur Verfügung gestellt. Leider waren die Daten für 2004 nicht zugänglich, aber für eine Untersuchung dieser Art ist es durchaus genügend, die Daten für 2003 auszuwerten, denn – wie der Vergleich der Daten zeigt – wandelt sich die Struktur der Leserschaft sehr langsam. Die wichtigsten Kenndaten sind in Tabelle 7 angeführt. Tabelle 7. Strukturdaten der Leserschaft von Die WELT Gesamtzahl der befragten Leser von Die WELT Männer Frauen

1994 1167 730 437

2003 1185 744 (63 %) 441 (37 %)

Altersgruppen

14 – 19 Jahre 20 – 29 Jahre 30 – 39 Jahre 40 – 49 Jahre 50 – 59 Jahre 60 – 69 Jahre 70 Jahre und älter

3% 17 % 17 % 18 % 26 % 10 % 9%

4% 13 % 17 % 20 % 19 % 15 % 11 %

Ausbildung

Haupt-/Volksschule ohne Lehre Haupt-/Volksschule mit Lehre Allgemeinbildende Schule, mittlere Reife Hochschulreife mit Studium

3,5 % 18 % 32 %

2% 13 % 30 %

47 %

52 %

Berufstätigkeit

in Ausbildung, Schüler, Student berufstätig Rentner nicht berufstätig

10 % 64 % 16 % 10 %

11 % 61 % 23 % 5%

Beruf

Selbständige groß/Freiberufler Selbständige klein und mittel/

3% 10 %

5% 8%

153

Landwirte leitende Angestellte und Beamte sonstige Angestellte und Beamte Facharbeiter sonstige Arbeiter nicht (mehr) berufstätig Nettoeinkommen

1994

2003

15 % 31 % 3% 2% 36 %

12 % 32 % 3% 1% 39 %

bis unter 1 499 DM/749 € 1 500 – 1 999 DM/750 – 999 € 2 000 – 2 499 DM/1 000 – 1 249 € 2 500 – 2 999 DM/1 250 – 1 499 € 3 000 DM und mehr/1 500 € und mehr kein eigenes Einkommen

18 % 8% 9% 9% 44 %

12 % 7% 9% 9% 54 %

12 %

10 %

Haushaltsgröße

1 Person im Haushalt 2 Personen 3 Personen 4 Personen 5 und mehr Personen

15 % 36 % 23 % 20 % 6%

17 % 43 % 19 % 14 % 7%

Wohnortgröße

unter 4.999 Einwohner 5 000 – 19 999 Einwohner 20 000 – 99 999 Einwohner 100 000 – 499 999 Einwohner 500 000 und mehr Einwohner

8% 12 % 12 % 17 % 51 %

7% 12 % 10 % 17 % 53 %

Die hier zusammengetragenen statistischen Daten zeigen, dass die meisten Leser von Die WELT der Altersgruppe von 30 bis 60 Jahren angehören. Der Anteil der Leser mit einem Hochschulabschluss dominiert deutlich. Bei der Verteilung nach dem Nettoeinkommen ist der Anteil der kaufkräftigen Leserschaft am höchsten. Allerdings sind die Angaben über diese Lesergruppe mit dem Einkommen über 3 000 DM bzw. 1 500 € nicht weiter differenziert, was eventuell noch viele interessante Tendenzen verdeckt. Mehr als die Hälfte aller Leser ist in Großstädten wohnhaft. Unter den Erwerbstätigen sind die meisten Leser Angestellte oder Beamte. Vergleicht man die Entwicklung der Leserschaft innerhalb der angegebenen neun Jahre (von 1994 bis 2003), so kann man feststellen, dass Die WELT noch mehr Leser aus der Mittelschicht der Bevölkerung gewinnt. Leicht steigt der Anteil von Lesern im Alter zwischen 40 und 49 Jahren 154

sowie der Anteil von Senioren. Ein Zuwachs um 5% ist unter den hochqualifizierten Lesern mit einem Hochschulabschluss zu verzeichnen. Bemerkenswert ist der Anstieg um 10% unter den gut verdienenden Lesern. Die Zahl der Großstädter unter den Lesern wächst um 2%. Wie die vorliegende Analyse zeigt, hat Die WELT mit einem anspruchsvollen und intellektuellen Publikum zu rechnen. Auf Grund dessen können gute Englischkenntnisse oder zumindest das Verstehen von Anglizismen bei den Lesern vorausgesetzt werden. 3.4. Kriterien für die (Nicht)Aufnahme in das Anglizismenkorpus Für die Aufnahme bzw. Nichtaufnahme der Anglizismen in das Korpus wurde die Etymologie der Belege in den nachfolgend dargestellten Arbeitsschritten festgestellt. Unter Berücksichtigung der Definition und Kategorien der Anglizismen wurden bei der manuellen Textdurchsicht 202 Lexeme oder Elemente markiert, die englische Morpheme enthalten. Bei der Anwendung dieses Verfahrens musste in Zweifelsfällen die Eigenschaft von Korpusbelegen, Anglizismus zu sein, durch Nachschlagewerke überprüft werden. In Frage kommen bei dieser Vorgehensweise folgende Wörterbücher: Anglizismen-Wörterbücher, Fremdwörterbücher, Herkunftswörterbücher sowie einsprachige englische Wörterbücher. 203 Die lexikographische Überprüfung gestattet es, auf einfache Weise eine Trennlinie zwischen Anglizismen und Nichtanglizismen zu ziehen. So einfach die Methode ist, so anfechtbar ist sie auch. Im Folgenden werden die Risiken sowohl im Allgemeinen und als auch bezüglich einzelner Nachschlagewerke erläutert. Erstens: das Verfahren der Lemmatisierung von Anglizismen verläuft bei Wörterbücher-Redaktionen nach unterschiedlichen Prinzipien, wobei sich die Zuverlässigkeit der Angaben in den Wörterbüchern als widersprüchlich erweist (vgl. einige Beispiele bei H.C. Langner 1995; 96f.).

202 Zur Begründung dieser Vorgehensweise s. Kap. „Berechnungsmodus der relativen Anglizismenhäufigkeit nach Wortarten“. 203 Die Möglichkeit, in größeren elektronischen Datenbasen wie elexiko nachzuschlagen, war ausgeschlossen, denn sie enthalten keine Angaben zur Etymologie der Einträge.

155

Zweitens: die Definition des Terminus Fremdwort ist sehr umstritten, 204 daher ergeben sich unterschiedliche Aufnahmekategorien in den verschiedenen Nachschlagewerken. Drittens: die Lexika verzeichnen meistens nur Lexeme, die usuell sind, während okkasionelle 205 Lexeme aus den Nachschlagewerken weitgehend ausgeschlossen bleiben. Im Anglizismen-Wörterbuch werden die Wörter ausgelassen, die „nicht häufig genug belegt“ sind (Carstensen/Busse 1993; 33* und 2001; 33*). Ebenso registriert das Deutsche Fremdwörterbuch nur „den Kernbereich der geläufigen, in die deutsche Standardsprache der Gegenwart fest integrierten Fremdwörter und Fremdwortfamilien in ihrer historischen Entwicklung.“ 206 Daher kann man nicht erwarten, neuere Anglizismen im Stichwortverzeichnis anzutreffen. Speziell beim Deutschen Fremdwörterbuch kommt als weiterer Nachteil hinzu, dass die neubearbeitete Auflage nur die Buchstaben von A bis G umfasst. Viertens: auch den Nachweis durch englische Wörterbücher stellt B. Carstensen in Frage: „Die frühere Wörterbuch-Buchung in der Ursprungssprache ist im Grunde das einzige zur Verfügung stehende Kriterium [Entlehnung nachzuweisen], das sich aber in nicht allen Fällen als ein sicheres erweist“ (Carstensen/Busse 1993, 42* und 2001; 42*).

Wo kein Nachweis anhand schriftlichen Materials möglich ist, weichen die Autoren des Anglizismen-Wörterbuchs auf die Befragung von Muttersprachlern aus: „Anglizismen, […] die von englischen Informanten als möglich z. T. sogar üblich bezeichnet werden, obwohl sie in englischen Wörterbüchern fehlen“ (Carstensen/Busse 1993; 61* sowie 2001; 61*).

Dieses Verfahren kritisiert P. Allenbacher (1999; 27), wobei er die Befragung an sich, als Methode, in Frage stellt: 204

Dazu ausführlicher im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“.

205

Das Problem Okkasionalität vs. Usualität in Bezug auf Lexikalisierung spricht auch M. Lilienkamp an (vgl. Lilienkamp 2001; 187f.). Dabei gilt das Attribut okkasionell nur für einen bestimmten Zeitpunkt und ist folglich synchroner Natur, darüber hinaus bis zu einem gewissen Grad subjektiver Natur (vgl. ebd.; 188). 206

http://www.ids-mannheim.de/ll/fremdwort/neubearbeitung.html, Zugriff: 25.03.2009.

156

„Bei engl. Informanten kann durchaus der Eindruck entstehen, sie hätten es in diesen Fällen tatsächlich mit einem engl. Begriff zu tun. Derartige Einschätzungen werden, wie die gesamte Fremdwort-/Lehnwortdiskussion […] zeigt, in der Regel am Signifikanten festgemacht. Informantenbefragungen sind zudem gegen das Phänomen, das die Psychologie Antworttendenz nennt, nicht gefeit: Formulierungsfehler können bestimmte Antworten suggerieren“ (Allenbacher 1999; 27).

Die Befragung ist trotz Allenbachers Einwänden eine etablierte wissenschaftliche Methode für die Gewinnung von Informationen. Auch Formulierungsfehler lassen sich vermeiden. Sein eigener Vorschlag, zur Nachprüfung der fachspezifischen Termini Fachwörterbücher und quellsprachliche Originaltexte heranzuziehen, ist methodisch sehr mühsam, wenn man an die geringe Wahrscheinlichkeit, den Suchbegriff anzutreffen, denkt. Das Internet als eine umfangreiche Sammlung von Originaltexten wäre an dieser Stelle eventuell eine große Hilfe. Allerdings ergibt sich bei der möglichen abweichenden Schreibweise das Problem, dass der Nachweis der Ursprungssprache fehlschlägt. Auch Fremdwörterbücher sind keine optimalen Nachschlagewerke, da „das Fremdwörterbuch allgemein Fremdwörter und nicht speziell Anglizismen zum Gegenstand hat. Somit kann nicht erwartet werden, dass die Auswahl der aufgenommenen Anglizismen sehr umfangreich ist“ (Krause-Braun 2002; 166). Angesichts der aufgelisteten Probleme bei der lexikographischen Erfassung von Anglizismen ist es offensichtlich, dass das Nachschlagen der etymologischen Information in Wörterbüchern eine unvollkommene Methode ist. Die Suche nach einer idealen Nachschlagequelle kann jedoch ein vergebliches Unterfangen sein. Andere Vorgehensweisen, wie z. B. der Vorschlag von P. Allenbacher, sind zudem sehr aufwendig und nur im Rahmen eines größeren Projekts im Autorenkollektiv zu lösen. Deshalb habe ich auf Aussagen über Entlehnungsvorgänge, die auf Angaben in Wörterbüchern beruhen, nicht verzichtet. Allerdings haben sie im Prinzip als „Arbeitshypothesen“ zu gelten. Den Nachweis von Anglizismen erbrachten also folgende Wörterbücher: Als Hauptnachschlagewerk galt für diese Arbeit das AnglizismenWörterbuch (2001, Nachdruck der ersten Auflage von 1993), begründet von B. Carstensen, fortgeführt von U. Busse und R. Schmude, in drei Bänden, mit etwa 3.500 Einträgen. Überprüft wurden anhand dieses 157

Werkes alle Zweifelsfälle sowie „alte“ 207 Anglizismen, die aus dem Korpus ausgeschlossen wurden. Nicht jedes Lexem wurde in allen Wörterbüchern nachgeschlagen. Wenn durch das Anglizismen-Wörterbuch die englischsprachige Herkunft bestätigt wurde, wurden die anderen Nachschlagewerke vernachlässigt. Im Wesentlichen liegen der Herkunftsbestimmung die Angaben in den DUDEN-Bänden zugrunde: dem DUDEN Fremdwörterbuch (2005), in seiner Digital- und Druckversion mit rund 55.000 Stichwörtern und über 2.000 neuen Einträgen, und dem DUDEN Herkunftswörterbuch (2001) mit 20.000 Wörtern und Redewendungen sowie 300 neuen Lexemen. Ergänzt wurde die Herkunftsbestimmung durch die neu bearbeitete Ausgabe des Deutschen Fremdwörterbuchs (1995 – 2008). Es verzeichnet den Kernbereich der in der deutschen Standardsprache fest verankerten Fremdwörter und Fremdwortfamilien in ihrer historischen Entwicklung von ca. 1450 bis zur unmittelbaren Gegenwart. Gegenwärtig sind 6 Bände verfügbar, die, wie bereits erwähnt, Lemmata mit den Anfangsbuchstaben von A bis G enthalten. Auch auf das Phänomen der Neologismen muss dabei hingewiesen werden. Es dauert einige Zeit, bis ein neu entlehntes Lexem in ein Lexikon Eingang findet (vgl. ähnlich Allenbacher 1999; 26). Daher waren in manchen Fällen bei der Bestimmung der Anglizität deutsche Wörterbücher nicht hilfreich. In diesen Fällen wurden sie durch englische Nachschlagewerke ergänzt. Die neusten direkten Übernahmen finden sich gelegentlich in Standardnachschlagewerken der englischen Sprache. Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary & Thesaurus (2000) in Digitalversion wurde als Standardwerk des amerikanischen Englisch und Oxford English Dictionary, ebenfalls in Digitalform, für das britische Englisch zu Rate gezogen. Die Wahl der beiden Wörterbücher kann durch ein Zitat von E. Leisi begründet werden: „Die Normen, auf denen die heutige englische Hochsprache beruht, sind hauptsächlich die folgenden: Wortbedeutung und Rechtschreibung stützen sich

207

Ausführlicher zur Kategorie der „alten“ Anglizismen s. weiter im Text.

158

auf das Oxford English Dictionary (OED). Auf Webster geben die meisten heutigen Schreibgewohnheiten in den Vereinigten Staaten zurück“ (Leisi 1999; 163).

Bei der Auszählung des der Analyse zugrundeliegenden Korpus blieben folgende Kategorien von Anglizismen unberücksichtigt. Erstens: sogenannte „alte“ Anglizismen. Bei der Bestimmung des Zeitpunkts der Entlehnung richte ich mich nach dem AnglizismenWörterbuch (2001, 2. Auflage) von B. Carstensen. In das Korpus sind die im Wörterbuch registrierten Wörter sowie auch später entlehnte Lexeme einbezogen. Die Verfasser des Anglizismen-Wörterbuchs verzichteten auf die Wörter, die erstens vor 1945 in das Deutsche übernommen sind 208 und zweitens völlig von der Nehmersprache in das Sprachsystem integriert sind, sowohl im systemlinguistischen als auch im soziolinguistischen Sinn, 209 so dass ein Laie diese Lexeme nicht als Anglizismen identifizieren kann. Als Beispiele dafür können Sport, Parlament, Export, Import, Boot, Debatte, Koalition, Opposition 210 etc. genannt werden (vgl. Carstensen/Busse 1993; 35*ff. und 2001; 35*ff.). Ausgehend von dieser Meinung werden in der vorliegenden Arbeit weder diese Lexeme noch deren Ableitungen bei der Auszählung berücksichtigt. Zweitens: Personennamen. 211

208 S. Begründung bei Carstensen/ Busse 1993; 35*f. und 2001: 35*f. Allerdings gilt das nicht für Lexeme, die auch nach 1945 produktiv waren, obwohl vor 1945 entlehnt (s. ausführlicher ebd.; 36*). 209 S. zu den Dimensionen der Integration Kap. „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“ und „Integrationsarten von Entlehnungen“. 210 Zur Herkunft dieser Beispiele s. Kap. „Begriffsbestimmung des Anglizismus“ sowie Fußnote 132. 211

Eigennamen werden in der Sprachstatistik, speziell in der Lexikostatistik, gesondert behandelt: „Diese Benennungen von menschlichen Wesen (manchmal von Tieren oder Gegenständen) oder von geographischen Orten bilden eine ganz besondere Kategorie, von der die meisten Einheiten in der Sprachgemeinschaft nur eine beschränkte und zufällige Verbreitung haben. Man wird sich veranlasst sehen, diese Kategorie gesondert von dem übrigen, den man in Ermangelung eines besseren Ausdrucks den „Gemeinwortschatz“ nennen kann, zu behandeln“ (Muller 1972; 167). Bei G. Tesch (1978; 136) und U. Weinreich (1977; 75f.) finden sich auch einige Hinweise zum Thema „Namensentlehnung“. G. Tesch betont, dass die Übernahme von fremden Eigennamen nach eigenen Regeln verläuft und daher besondere Untersuchungsmethoden erfordert (ebd.). Allerdings erörtert er diese Methoden nicht näher. Bei den genannten Namenskategorien handelt es sich

159

Drittens: geographische Namen (USA). Viertens: Namen von Parteien, Institutionen (NATO), Firmen, Warenzeichen, Währungen (Dollar, Pfund, Cent 212), Musikgruppen, englische Titel von Büchern, Filmen, Musik- und Theaterstücken sowie Zitate. Unter den Warenzeichen gelten diejenigen mit generalisierender Bedeutung, die eine Bedeutungserweiterung erfahren haben und nicht mehr ausschließlich mit dem ursprünglichen Produkt in Verbindung stehen, als Ausnahmen. Walkman wird z. B. als Bezeichnung für alle tragbaren Kassettenrekorder mit Kopfhörern gebraucht. Im Russischen wird mit dem Wort Xerox jede Art von Kopiergerät bezeichnet, nicht nur der Kopierer der Marke Xerox. Nach dem gleichen Prinzip werden geographische Namen ausgezählt und dem Korpus angeschlossen, wenn sie nicht nur in ihrer direkten Bedeutung gebraucht werden, wie z. B. Wallstreet als Bezeichnung der Börse in den USA. Die Namen und Bezeichnungen, die nicht im englischsprachigen Raum entstanden sind, wie z. B. Xetra, ICE, wurden mitgezählt. Alle oben angeführten Gruppen sind Exotismen. 213 Fünftens: nicht registriert werden syntaktische Konstruktionen (Wortverbindungen und Phrasen) wie z. B. „Meet and greet“, “too little and too late” oder „Nobody is perfect“, da sie einer besonderen, tieferen Analyse bedürfen. Quantitativ haben sie kein großes Gewicht im Vergleich zu den Lexemen. Eine Ausnahme bilden Syntagmen, die infolge von morphosyntaktischen Integrationsmechanismen zu Komposita werden können. 214 Generell gilt aber auch: „Englische Wortgruppen entsprechen funktional deutschen Komposita, der Tendenz der Univerbierung im Deutschen steht im Englischen die Neigung gegenüber, Wortgruppen zu verwenden“ (Eins 2008; 238, ähnlich von Polenz 2000; 36).

vor allem um Bezeichnungsnamen und nicht um Entlehnungen im in der vorliegenden Arbeit verwendeten Sinn von Anglizismen (vgl. dazu auch Zürn 2001; 47). 212

Nach der Einführung des Eurocents in den EU-Ländern wird Cent nicht mehr mit dem englischsprachigen Raum in Verbindung gesetzt.

213

Zu den Exotismen s. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“.

214

In der Belegsammlung finden sich einige Bespiele für Konstruktionen, die vom Syntagma zum Wort geworden sind: Cash Flow → Cash-flow → Cashflow, „Equal weight“ → „Equal-Weight“ → „Equalweight“.

160

Somit gilt für diese Untersuchung, dass Fälle wie big grin oder edge city Wortstatus haben. 215 Lehnprägungen werden nicht ins Korpus einbezogen (ausführlich dazu im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei der Selektion des Belegmaterials neben der Definition der Anglizismen und deren festgesetzten Kategorien 216 weitere Kriterien zur Abgrenzung von den übrigen lexikalischen Einheiten eingesetzt wurden. Als hilfreich erwies sich die Konsultation der Wörterbücher. Allerdings gelten die Aussagen, die auf Angaben aus den Wörterbüchern beruhen, auf Grund der geschilderten Probleme der lexikographischen Erfassung als „Arbeitshypothesen“.

3.5. Zeitlicher Rahmen der Untersuchung Für die Erforschung der Entlehnungsprozesse und deren Dynamik in der deutschen Sprache wurden im Rahmen dieser Arbeit die Stichproben aus den Ausgaben von Die WELT aus den Jahren 1994 und 2004 gewonnen, d. h. es wurde ein Abstand von zehn Jahren gewählt. Anschließend wurden die Ergebnisse der Analyse mit der Studie von B. Engels aus dem Jahre 1978 verglichen, die die Ausgaben von Die WELT aus den Jahren 1954 und 1964 analysierte. Aus diachroner Sicht ist eine zehnjährige Entwicklungsperiode einer Sprache außerordentlich kurz. Betrachtet man aber die Sprachentwicklung im Zusammenhang mit den historischen Ereignissen der 1950er bis 1960er und der 1990er bis 2000er Jahre, so werden Impulse erkennbar, die die sprachliche Entwicklung gefördert und beschleunigt haben. Die Ereignisse der Nachkriegsjahre – 1949 Teilung Deutschlands, Anfang des Kalten Krieges, 1961 Mauerbau – gelten eindeutig als Wende-

215 Hier sei auf die Problematik der Wortbestimmung im Beitrag von W. U. Wurzel (2000; 29 – 42) hinzuweisen. 216

S. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“.

161

punkte und hatten sowohl gesellschaftliche, politische und kulturelle Umwälzungen als auch lexikalische Veränderungen 217 zur Folge. Eine ähnliche Situation ist in den 1990er bis 2000er Jahren zu beobachten: In den Jahren 1989/90 kommt es zur Wiedervereinigung Deutschlands. In den darauffolgenden Jahren wird angestrebt, auf allen Ebenen Differenzen zwischen den beiden ehemaligen deutschen Staaten, die infolge der vierzigjährigen Teilung entstanden sind, auszugleichen. Gleichlaufend zu diesen Prozessen wird die Politik der europäischen Integration intensiv vorangetrieben, so dass im Jahre 2004 zehn weitere Länder der Europäischen Union beitreten. Anzunehmen ist, dass bei den historisch wichtigen Ereignissen die Dynamik der sprachlichen Entwicklung rapide steigt. Daher kann der Zeitabstand von zehn Jahren als geeignet und ausreichend für die Feststellung sprachlicher Veränderungen gelten. Der Abstand von zehn Jahren zwischen den einzelnen Jahrgängen bei der Erhebung der Stichproben und Erstellung des Korpus wird auch von vielen anderen Forschern als hinlänglich angesehen (z.B. W. Yang 1990, G. Kristensson 1977, D. Schütte 1996, B. Engels 1976). Der andere Zeitabschnitt von 40/50 Jahren, der in der vorliegenden Untersuchung ebenfalls betrachtet wird und zwei Sprechergenerationen umfasst, ist für einen Generationswechsel und damit für Wertewandel bzw. Änderung gruppenspezifischer Einstellungen genügend. 218

217 „Sprachliche Äußerungen, als deren Herkunftsland die DDR erkennbar war, waren in erster Linie solche aus der Domäne der öffentlichen, politischen Sprache. Es waren ungewohnte Wörter, stereotype Wendungen, topische Attribute, die diese Art von DDRDeutsch kennzeichneten, und sie dienten überwiegend der Bezeichnung institutioneller und politischer Sachverhalte. […] Zweifellos gab (und gibt) es auch „westliche“ Formeln dieser Art, doch wies der öffentliche Sprachgebrauch in der DDR einen vielfach höheren Anteil an politischen Floskeln auf, die in den entsprechenden Zusammenhängen gewissermaßen rituell zu verwenden waren“ (Glück/Sauer 1997; 157ff.). 218

Zwischen den Termini „Wert“ und „Einstellung“ wird hier nicht unterschieden. Mit „Wertewandel“ oder „Einstellungsänderung“ bezeichne ich eine Änderung im vorherrschenden Denk- und Verhaltensmuster einer Person oder einer sozialen Gruppe von Menschen (z. B. einer Bevölkerungs- oder Berufsgruppe), auch auf gesamte Nationen bezogen. Eine Abgrenzung des Werte- vom Einstellungsbegriff unternimmt D. Schütte (1996; 80ff.).

162

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Untersuchung über die sprachlichen Veränderungen zu den Zeiten des Kalten Krieges und der sich vertiefenden Weltspaltung in den 50er bis 60er Jahren des 20. Jahrhunderts sowie auch im Zeitalter der Integration und Globalisierung in den 90er bis 2000er Jahren und deren Vergleich von höchstem Interesse sind.

163

4. Methodische Fragen der Materialaufnahme und Stichprobenauswahl 4.1. Allgemeines zum Auswahlverfahren Bei der Erstellung der Stichprobe wurde in der vorliegenden Arbeit von folgenden Faustregeln ausgegangen: 1. Vielfalt von Verfassern. Die Texte sollten von verschiedenen Autoren stammen. 2. Vielfalt von Sachgebieten und Themen. Das Material sollte so gewählt werden, dass es eine Fülle von Fachgebieten umfasst. Die Anzahl der Themen muss als beliebig groß angesetzt werden. 3. Das Textmaterial sollte aktuell sein, d. h. sich auf den aktuellen Sprachzustand beziehen. 4. Bei der Erforschung des Sprachwandels sollte man den Sprachgebrauch zu mindestens zwei Zeitpunkten beobachten. 5. Die Modellmenge sollte weitere vergleichende Studien ermöglichen. Das Medium „Zeitung“ entspricht im Wesentlichen all diesen Forderungen. In der vorliegenden Untersuchung wurde ein Jahrgang als eine Zeiteinheit erfasst. Eine vollständige Aufnahme aller Zeitungstexte innerhalb eines Jahrgangs kommt im Rahmen dieser Arbeit nicht in Frage, denn das Textkorpus wird nicht als ein Werk in seiner Einmaligkeit betrachtet, sondern als ein Beispiel für die deutsche Gegenwartssprache. Bei einer solchen Aufgabenstellung genügt es, eine ausgewogen zusammengestellte Mischung verschiedener Texte aus einem großen Textkorpus zusammenzufassen. 219 In diesem Fall kann man schon in Teilmengen bestimmte Eigentümlichkeiten des

219 Z. B. wie in der vorliegenden Arbeit, s. Kap. „Methodische Fragen der Materialaufnahme und Stichprobenauswahl“.

164

Wortschatzes großer Textkorpora gut erkennen. 220 Es ist außerdem sinnvoll, in die Stichprobe eine Auswahl aus den Zeitungstexten des gesamten Jahrgangs aufzunehmen. In der vorliegenden Untersuchung wurde eine solche Auswahl angestrebt, denn dies erlaubt, die Wirkung bestimmter Ereignisse auf die thematische Verteilung innerhalb der Stichprobe auszuschließen. 4.2. Überlegungen zur Wahl der Stichprobeneinheit Die Erstellung des Korpus erfolgte in einem mehrstufigen Auswahlverfahren, das dadurch gekennzeichnet ist, dass eine Grundgesamtheit zunächst in Teile (Ausgaben) zergliedert ist. Jeder Teil wird als Primäreinheit bezeichnet. Aus bereits ausgewählten Primäreinheiten werden erneut Stichproben gezogen, die man Sekundäreinheiten (Seiten) nennt. 221 Die Ausgabe gilt in dieser Arbeit nicht als Stichprobeneinheit, denn sie ist schlicht als Zwischenstufe zur Auswahl der eigentlichen Stichproben- und Analyseeinheit hilfreich. Die eigentliche Stichprobeneinheit bzw. die Grundlage für die statistische Textermittlung und -berechnung bildet in dieser Arbeit eine Zeitungsseite. Im Vergleich zu anderen möglichen Stichprobeneinheiten (Ausgabe oder Artikel) bietet sie deutliche Vorteile, obwohl auch Nachteile nachweisbar sind. Zeitungen erscheinen nicht in Seiten, sondern in Ausgaben. Der Umfang der Ausgabe ist jedoch unklar. Es ist erstens fraglich, ob auch Beilagen dazu zählen. In der Regel kann sich die Textmenge einer Zeitung aus einer einheitlich durchnummerierten Grundmenge, regelmäßigen Beilagen mit einer meist gesonderten Nummerierung und unregelmäßigen Beilagen, die entweder eine gesonderte oder gar keine Nummerierung haben, zusammensetzen. Wegen der großen Fülle von Material kann zweitens nur eine begrenzte Anzahl von Ausgaben zur Untersuchung herangezogen werden. 220 S. z. B. Frumkina (1964b; 55) über sprachstatistische Untersuchungen zum Sprachgebrauch verschiedener Autoren. 221

Näheres zum Auswahlverfahren s. im Kap. „Prämissen der Stichprobenverteilung“.

165

Als Aufnahmeeinheit würde auch der einzelne Artikel in Frage kommen. Sein eindeutiger Vorteil ist die thematische Einheitlichkeit, während der Nachteil in den sich erheblich unterscheidenden Umfängen liegt. Die Seite wird im Vergleich zu der Ausgabe formal eindeutig definiert. Ihr kommt die Funktion der inhaltlich-thematischen Gliederung der Ausgabe auf die Sparten zu. Sie hat eine relative thematische Gebundenheit. Ihr Nachteil besteht darin, dass die Zusammenhänge zerrissen werden können, wenn ein Artikel nicht auf eine Seite passt und auf einer anderen fortgesetzt wird. Außerdem kann der Umfang der Seiten unterschiedlich groß sein, zumindest der Umfang des zu analysierenden Materials. Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass auf einer Seite erstens nur eine mehr oder weniger begrenzte Textmenge platziert werden kann, die von dem subjektiven Einfluss des Autors eines Artikels und dem des Chefredakteurs unberührt bleibt, und dass zweitens das Problem des unterschiedlichen Umfangs der Seiten durch Approximation beseitigt werden kann. Bei der Erfassung der Daten größerer Textkorpora kann also ein Durchschnittswert ermittelt werden. 4.3. Vertikale und horizontale Dominanzen in einer Tageszeitung Wenn verschiedene Eigenschaften (Themenwahl, Verfasser, Berichtsformen usw.) gleichmäßig über alle Ausgaben eines Jahrganges auf die Rubriken und das Erscheinungsintervall verteilt wären, so wäre die Gewinnung einer Stichprobe kein Problem. Es könnten in regelmäßigen Abständen etwa gleich große Textmengen an beliebiger Stelle entnommen und zu einer Stichprobe vereinigt werden. Aber die Zeitungen weisen in der Tat in jeder Ausgabe bestimmte dominierende Merkmale auf, die es unmöglich machen, eine zufällige Auswahl zu treffen, ohne Verzerrungen zu vermeiden. Diese Merkmale werden im Folgenden näher dargestellt. Innerhalb der Zeitungsausgabe bzw. -ausgaben erstrecken sie sich in

166

vertikaler und horizontaler Richtung. Daher ist hier die Rede von vertikalen und horizontalen Dominanzen. 222 Vertikale Dominanzen äußern sich in der Gliederung der Zeitungsausgaben in Sparten. In der Regel sind die ersten zwei bis drei Seiten dem aktuellen Geschehen und der Politik gewidmet, während die nächsten Seiten der Wirtschaft und Kultur vorbehalten sind. Auf der letzten Seite steht meistens Vermischtes. Voranstehen können lokale Nachrichten, Sport, Reisen etc. Horizontale Dominanzen hängen mit der Verteilung der Themen innerhalb der Zeitung zusammen. Wie M. Hellmann (vgl. 1968; 55) feststellen konnte, wird bestimmten Themen und Sparten an einigen Wochentagen mehr Platz zugemessen. So nimmt z. B. montags die Sparte „Sport“ mehr Raum ein, dafür fehlen Wirtschafts- und Börsenberichte. Am Wochenende häufen sich die Berichte zum Thema „Reise, Erholung und Freizeit“, mittwochs und samstags verstärkt sich der Anteil von Anzeigen. Eine bestimmte Wochentagsausgabe enthält meist Berichte über Umwelt, Wissenschaft usw. (vgl. z. B. erscheint in der Zeitung Die WELT im Jahr 1994 auf der Seite 9 montags die Sparte WELT im Gespräch, dienstags WELT der Medien, mittwochs WELT der Medizin, donnerstags WELT der Technik, freitags Umwelt und Natur, samstags WELT der Wissenschaft. Auch Leserbriefe werden oft nur an gewissen Wochentagen publiziert). Das Gleiche bestätigt sich bei W. Viereck: „Politische und sonstige Ereignisse können nicht nur die Frequenz, sondern auch die Art der Anglizismen beeinflussen. […] Außerdem können Textsorten in verschiedenen Wochentagsausgaben der Tageszeitungen unterschiedlich gewichtet sein“ (Viereck 1980b; 430).

M. Hellmann (vgl. 1968; 55) schließt nicht aus, dass einige Autoren nur an bestimmten Wochentagen ihre Artikel veröffentlichen. Die Regelmäßigkeiten innerhalb der Quartale konnte er bestenfalls schwach und nur in der Sparte „Wirtschaft“ erkennen, und zwar beim Übergang zu einem neuen Quartal an den statistischen Übersichten, Entwicklungsberichten und Prognosen. Innerhalb eines 222 M. Hellmann spricht von Dominanzen in vertikaler und horizontaler Richtung (1968; 54f.).

167

Jahrgangs konnte M. Hellmann allerdings deutlicher ausgeprägte Tendenzen feststellen. Für das Jahresende und den Jahresbeginn sind zahlreiche Entwicklungsberichte, Prognosen, Bilanzen und Übersichten sowie die Haushaltsverabschiedung typisch. Im Sommer schrumpft die Sparte „Sport“ zugunsten der Sparte „Reise und Urlaub“. Große Feste wie Weihnachten, Ostern etc. sowie auch saisonbedingte Sportarten gehören zu den jährlich wiederkehrenden Dominanzen. Bestimmte Ereignisse wie z. B. Mauerfall, Olympische Spiele, Irak-Krieg und Fußballweltmeisterschaft können ebenso auf Dauer bestimmte Sparten beeinflussen. Sofern Wissenschaftler die Analyse bestimmter Sparten und Sachbereiche nicht anstreben, müssen bei Stichprobenauswahl möglichst gleichmäßig alle Seiten berücksichtigt werden, d. h. alle Seiten müssen entsprechend ihrer Verteilung in der Grundgesamtheit auch in der Stichprobe vertreten sein. Unter solchen Bedingungen kann eine Zufallsstichprobe, die in der Statistik als Ausgangspunkt für signifikante Ergebnisse gilt, nicht in Frage kommen. „Ist bekannt, welche Determinanten die Verteilung des untersuchten Merkmals beeinflussen, empfiehlt es sich, eine Stichprobe zusammenzustellen, die vor allem in Bezug auf diese Determinanten für die Grundgesamtheit spezifisch repräsentativ ist. Eine Stichprobe mit dieser Eigenschaft bezeichnet man als geschichtete oder stratifizierte Stichprobe“ (Bortz 1999; 88).

Für die vorliegende Arbeit war es sinnvoll, eine nach relevanten Merkmalen geschichtete Stichprobe zu ziehen, um bessere Schätzwerte der Populationsparameter zu erzielen. 223 Jede Abweichung von einer gleichmäßig verteilten Auswahl kann zu erheblichen Verzerrungen der Untersuchungsergebnisse führen. Die Bevorzugung eines Monats oder bestimmter Seiten, Sparten und Artikelformen in der Auswahl kann die Zuverlässigkeit der Stichprobe gefährden.

223

Dazu mehr im Kap. „Testmenge“.

168

4.4. Prämissen der Stichprobenverteilung Wichtig ist also bei der Bildung einer Stichprobe, dass eine Gleichverteilung angestrebt wird. Dabei sollten folgende Faktoren im Einzelnen berücksichtigt werden. 1. Themenvielfalt. Damit alle Themen in der Stichprobe vertreten sind und die Dominanzen bestimmter Themen ausgeschlossen werden können, muss jedes Thema entsprechend seines Anteils an der Grundgesamtheit in der Stichprobe gewichtet sein. Da meistens die Rubrik oder das Thema auf der entsprechenden Seite steht, muss jede Seite in die Stichprobe aufgenommen werden. Mit dem Intervall von einer Woche ergibt sich folgendes Raster: Bei der ersten Ausgabe wird Seite 1 ausgewählt, bei der zweiten Ausgabe Seite 2, bei der dritten Ausgabe Seite 3 usw., bis alle in den Ausgaben vorkommenden Seiten in die Stichprobe aufgenommen werden, dann beginnt das Auswahlverfahren wieder mit Seite 1. Wenn Börsennachrichten, die meist nur aus Zahlenspalten bestehen, Werbung und Anzeigen auf die aufzunehmende Seite entfallen, wird die Auswahl nicht auf die nächste Seite einer anderen Ausgabe verschoben, sondern durch die gleich nummerierte Seite ersetzt. Auf diese Weise wird sie bei der nächsten Stichprobe berücksichtigt. Anderenfalls wird das Prinzip der Themenvielfalt nicht erfüllt und es überwiegt eine bestimmte Thematik. 2. Vertretung aller Wochentagsausgaben (außer Sonntag). Es sollen möglichst alle Wochentage (außer Sonntag) in der Stichprobe vorkommen, denn, wie bereits oben erwähnt, können einige Sparten in bestimmten Wochentagsausgaben bestimmten Themen gewidmet sein. Da alle Wochentage in der Stichprobe vertreten sein sollen und das Aufnahmeintervall durchschnittlich eine Woche beträgt, ergibt sich folgender Turnus: In der ersten Woche wird die Montagsausgabe für die Untersuchung herangezogen, in der zweiten Woche die Dienstagsausgabe usw. mit einem Abstand von jeweils acht Tagen. In der sechsten Woche wird die Samstagsausgabe und in der siebten Woche 169

wieder die Montagsausgabe berücksichtigt: Der Abstand beträgt in diesem Fall zwei Tage, weil sonntags keine Ausgabe erscheint. 3. Gleichmäßige Verteilung der Seiten über den ganzen Jahrgang. Jede Seite soll möglichst gleich häufig, entsprechend ihrem Anteil an der Grundgesamtheit, in der Stichprobe vertreten sein, damit eine eventuelle Verzerrung durch politische, sportliche usw. Ereignisse ausgeschlossen ist. 224

4.5. Erstellung der Stichprobe Für die Erstellung einer Stichprobe wurden folgende Schritte unternommen: 1.

Festlegung der Gesamtmenge. Für die vorliegende Arbeit umfasst die Gesamtmenge alle Zeitungsausgaben innerhalb eines Jahrgangs. Dabei ist die Anzahl der Ausgaben der Nummer der letzten Ausgabe gleich. Die Gesamtzahl der im Jahrgang erschienenen Seiten (SaJ) entspricht der Summe aller Zeitungsseiten.

2.

Bestimmung der Grundgesamtheit innerhalb der Gesamtmenge. Die Grundgesamtheit dieser Untersuchung umfasst alle Ausgaben im Jahrgang ohne Beilagen.

3.

Die Gewinnung der Stichprobe aus der Grundgesamtheit erfolgt nach folgendem Schema: eine Ausgabe pro Woche mit dem Aufnahmeintervall von einer Woche. Zur Stichprobe gehören 52 bzw. 53 Ausgaben. 225

4.

Feststellung der Seitenverteilung in der Stichprobe. Damit das Korpus die Grundgesamtheit möglichst gut abbildet, sollte man beachten, dass die Stichprobe proportional zur Grundgesamtheit geschichtet wird. Anders formuliert soll das Vorkommen der Zei-

224

S. dazu Kap. „Vertikale und horizontale Dominanzen in einer Tageszeitung“.

225

Das ist die Ausgabenzahl eines Jahres.

170

tungsseiten in der Grundgesamtheit und in der Stichprobe in den gleichen Proportionen auftreten. 226 4.5.a. Testmenge Für den vierten Schritt wurde auf Grund einer Testuntersuchung der Seitenverteilung in Die WELT ein Quotenschema festgelegt, das in der Stichprobe realisiert werden sollte. Eine Testmenge umfasste alle Ausgaben von Die WELT aus fünf Monaten wie folgt: Ausgaben aus vier Monaten mit einem Intervall von drei Monaten dazwischen, d.h. Januar, April, Juli, Oktober. 227 Zusätzlich wurde in die Testmenge der Monat Februar aufgenommen, da er durch Tageszahl und folglich durch Ausgabenzahl von anderen Monaten abweicht. Ausgezählt wurden insgesamt 123 Ausgaben mit 2.618 Seiten für das Jahr 1994 und 126 Ausgaben mit 3.968 Seiten für das Jahr 2004. Die Ergebnisse der Seitenberechnung sind in der Tafel 1 dargestellt (s. Anhang). 4.5.b. Feststellung der Seitenhäufigkeiten Da die Ausgaben einer Zeitung nicht jeden Tag gleich lang sind, erscheinen nicht alle Seiten gleich häufig in der Grundgesamtheit. Es ist aber notwendig, die Verteilung der einzelnen Seiten in der Grundgesamtheit zu ermitteln, um sie in der Stichprobe berücksichtigen zu

226 Es handelt sich hiermit um eine Quotenstichprobe. Bei ihrer Bildung erfolgt zuerst eine Einteilung der Elemente der Grundgesamtheit in Gruppen wie im Falle der geschichteten Stichprobe. Danach wird der Anteil der einzelnen Gruppen an der Grundgesamtheit bestimmt. Die Stichprobe ist nun so zu ziehen, dass dieses Gruppenverhältnis in der Stichprobe möglichst genau so aussieht wie in der Grundgesamtheit. Bei einer Quotenstichprobe wird angestrebt, die Struktur der Grundgesamtheit in der Stichprobe nachzuahmen (s. mehr zu bewussten Auswahlen M. Monka/W. Voß 2005; 299f.). Quotenstichprobe ist also keine Zufallsstichprobe, sie bildet jedoch besser die Spartenverteilung ab, als es durch eine reine Zufallsauswahl möglich wäre. Dazu im Kap. „Vertikale und horizontale Dominanzen in einer Tageszeitung“. 227 Diesen Auswahlmodus begründet M. Hellmann wie folgt: „Erfahrungsgemäß reicht es aus, etwa jede vierte Woche oder jeden vierten Monat eines Jahrgangs, also ca. ¼ der Jahrgangsmenge, genau auszuzählen. Größere Genauigkeit ist nicht erforderlich, da sie in der Auswahl ohnehin nicht berücksichtigt werden könnte“ (Hellmann 1968; 119).

171

können. Es wurde festgestellt, in welcher Proportion einzelne Seiten über das Jahr hinweg auftreten (Seitenanteile), so dass sie dementsprechend in die Stichprobe aufgenommen werden konnten. Auf Grund der Testmenge war die Ermittlung des Wertes F – der Häufigkeit jeder einzelnen Seite in der Grundgesamtheit – möglich. Dabei stützte ich mich auf folgende Ausführungen von M. Hellmann (vgl. Hellmann 1968; 60): P0 Ausgaben mit der letzten Seite y enthalten p mal y Seiten, P1 Ausgaben mit der letzten Seite y+2 enthalten p1 mal (y+2) Seiten, P2 Ausgaben mit der letzten Seite y+4 enthalten p2 mal (y+4) Seiten usw. Pj n

Ausgaben mit der letzten Seite y+m enthalten

Pj ⋅ ( y + m) S aJ

Seiten.

Dabei bedeutet: m die Differenz zwischen der kleinsten und der größten Ausgabe in Seiten SaJ die Gesamtzahl der Seiten in der Grundgesamtheit. Die Seiten von 1 bis n sind in jeder Ausgabe vertreten, d. h. n-mal, und die Seiten y+1 und y+2 je n – p mal usw. Bei der schematischen Darstellung ergibt sich folgendes Raster: S. 1

n





S. y

n

y∧n

S. y+1 und S. y+2

n–p

S. y+3 und S. y+4

n – (p+p1)

S. y+5 und S. y+6

n – (p+p1+p2)

usw.

Der jeweils ermittelte Wert wird F genannt.

172

Auf Grund der Berechnungen wurden die Klassen je nach der Länge der Ausgaben gebildet (s. Tafel 2 im Anhang). Nach der Formel (2) 228 wurde die Häufigkeit jeder Seite in der Stichprobe berechnet. f =F⋅

SM S aJ

(2)

Dabei bedeutet: F Häufigkeit jeder Seite in der Testmenge, SM Gesamtzahl der Seiten in der Stichprobe, SaJ Gesamtzahl der Seiten in der Grundgesamtheit. Dabei ist S M ein konstanter Wert für jede Stichprobe: Für die StichS aJ proben 1994 und 2004 beträgt er 0,0577 bzw. 0,058. Die genauen Ergebnisse, die z. T. aus Bruchzahlen bestanden, wurden gerundet, da es nur ganze Seiten geben kann (s. Tafel 3 im Anhang). Auf diese Weise wurde festgestellt, wie oft jede Seite in der Stichprobe vertreten sein muss.

228

Nach M. Hellmann (1968; 61).

173

4.6.

Quantitative Beschreibung von Die WELT 1994/2004 Tabelle 7a. Auswahlmodus für Die WELT 1994/2004 1994

2004

Umfang der Grundgesamtheit (SaJ)

305 Ausgaben ≈ 6283 Seiten

307 Ausgaben 9580 Seiten

Stichprobenumfang 229

≈ 151 Seiten (genau 150,79)

229 Seiten

52

53

Stichprobenmenge

2,9 Seiten

4,4 Seiten

Durchschnittliche Seitenzahl pro Ausgabe

20,6

31,2

≈ 0,0577

≈ 0,058

Zahl der berücksichtigten Ausgaben Durchschnittliche pro Ausgabe

SM S aJ

Auswahlquotient

2,4% (nach M. Hellmann)

Aufnahmeeinheit

Seite

Aufnahmeintervall (durchschnittlich)

1 Woche

Das durchschnittliche Erscheinungsintervall lässt sich errechnen als 365/n, wobei n die Nummer der letzten Ausgabe ist. Bei den Tageszeitungen ohne Sonntagsausgabe ergibt sich ein Wert von 1,2. Von der Aufnahme ausgeschlossen wurden die gesondert oder römisch nummerierten Beilagen, und zwar Reise (R), Die Literarische Welt (1, 2,

229

Über die Stichprobengröße besteht in der Literatur keine Einigkeit (s. Aufsatz von K. Masser o.J., in dem verschiedene Parameter angeführt werden). Als Ausgangspunkt für diese Untersuchung wurde folgende untere Grenze genommen: „Immer dann, wenn die Grundgesamtheit mindestens 100mal so groß ist, wie die Stichprobe, bringt eine Zunahme des Stichprobenumfangs generell nur geringe Qualitätsbesserungen“ (ebd.). Ein Blick auf die oben angeführten Daten zeigt, dass diese Forderung für beide Stichproben (1994 und 2004) in jedem Fall erfüllt ist. Daraus kann geschlossen werden, dass die Stichprobengrößen in der vorliegenden Arbeit ausreichend sind.

174

3…), Welt Report (WR), Auto (A), Karriere Welt (B), Immobilien (IM) sowie die Regionalseiten (Berlin und Hamburg). Unter Berücksichtigung der erwähnten Forderungen bezüglich der Stichprobe wurden die aufzunehmenden Seiten bestimmt. Tafel 4 im Anhang enthält die Liste der aufgenommenen Seiten.

175

5. Statistische Untersuchung der Anglizismen 5.1. Allgemeine Vorüberlegungen Die vorliegende Untersuchung zielt darauf ab, Informationen über statistische Eigenschaften 230 der englischen Lexeme in der deutschen Sprache am Beispiel der Zeitung Die WELT zu ermitteln. Der empirische Teil der Arbeit beruht auf Zählungen. Gegen Zählungen äußert sich C. Földes (2005; 250): „Zählungen können also wohl kaum fundiert und differenziert vorgenommen werden, (a) (b) (c)

weil die begriffliche Unterscheidung der einzelnen Typen von Transferenzen beim gegenwärtigen Forschungsstand noch in mancher Hinsicht diffizil ist, weil man selbst bei einer auch noch so akribisch durchgeführten Feldforschung natürlich niemals wirklich alle zum gegebenen Zeitpunkt vorhandenen Elemente restlos inventarisieren kann und weil die Sprach- und Kommunikationsrealität sich ununterbrochen verändert und daher mit einer statischen Erhebung nicht adäquat erfassbar ist“.

Zu Punkt (a): Wenn die Unterscheidung der einzelnen Entlehnungskategorien für die Fragestellung einer Untersuchung wichtig ist, dann werden auch die Kriterien angelegt, nach denen die Kategorien innerhalb dieser Untersuchung abgegrenzt werden. Problematisch können sich die Vergleiche zwischen den unterschiedlichen Untersuchungen wegen der begrifflichen Unstimmigkeiten erweisen. 231 Sie können aber eine empirische Beschreibung der linguistischen Phänomene nicht beeinflussen, denn die Empirie ist meistens auf eine Untersuchung bezogen. Innerhalb einer Untersuchung ist die Terminologie in der Regel einheitlich. Zu Punkt (b): Im Fall einer empirischen Untersuchung müssen bei Anwendung stochastischer Methoden nicht unbedingt alle Merkmalausprägungen total erhoben werden, da die Ergebnisse unter Berücksichtigung des Messfehlers zu verstehen sind.

230

Unter statistischen Eigenschaften werden die untersuchten Phänomene der Häufigkeit und Verteilung (Streuung) der Anglizismen gemeint.

231

Auf dieses Problem wurde bereits im Rahmen dieser Arbeit mehrmals hingewiesen.

176

Zu Punkt (c): Die sprachlichen Veränderungen treten nicht so schnell auf wie von C. Földes behauptet, so dass ihre empirische Untersuchung durchaus sinnvoll ist. Wäre dies nicht der Fall, wären alle Darstellungen linguistischer Phänomene nutzlos. Somit erweist sich die Untersuchung der linguistischen Phänomene, und speziell der Anglizismen, auf der Basis von Zählungen durchaus als berechtigt. Das linguistische Phänomen Anglizismen wurde in der vorliegenden Untersuchung als ein Subsystem innerhalb des deutschen Lexikons betrachtet. Im Rahmen dieser Arbeit bestand mein Anliegen in erster Linie darin, allgemeine Informationen über dieses Subsystem zu sammeln und seine Eigenschaften ohne Bezug auf das System der deutschen Sprache zu erforschen. Speziell fokussiert die Untersuchung die Entwicklungsrichtung im Anglizismengebrauch. Der Entwicklungsprozess ist nur im Fall der diachronen Untersuchung aufzuzeigen. Bei solch einer Betrachtung ist es angebracht, einige Stichproben zu erheben. Auf Grund der oben skizzierten Überlegungen wurden im Rahmen der empirischen Untersuchung folgende Schritte unternommen: Erstens wurden allgemeine Informationen über die Entwicklung des Subsystems „Anglizismen“ ermittelt. Zweitens wurden Häufigkeits- und Streuungsmaßen der Anglizismen analysiert, und drittens wurde die Entwicklungsdynamik statistischer Eigenschaften der Anglizismen innerhalb des untersuchten Zeitraums festgestellt. Diese Schritte werden im Folgenden näher dargelegt. 5.2. Allgemeines über die Entwicklung des Subsystems Anglizismen innerhalb des deutschen Sprachsystems Die Ermittlung allgemeiner Informationen über das Subsystem Anglizismen bestand darin, die Dynamik ihrer Verwendung qualitativ zu bestimmen. Die Lösung dieser Aufgabe ermöglicht es, eine Vorstellung über die allgemeinen Gesetzmäßigkeiten der Anglizismenentwicklung im untersuchten Korpus zu bekommen. Als Kriterium für die Entwicklung des Subsystems Anglizismen kann Steigerung bzw. Minderung der Anglizismenanzahl gelten. Dieses Kri177

terium kennzeichnet das prozentuale Verhältnis der Anzahl der Zeitungsseiten aus Die WELT zum gesamten Umfang der Stichprobe. Wie genau die Berechnung bei der Anwendung dieses Kriteriums war, kann nicht geschätzt werden, da diese Fragestellung eine Indikatorantwort voraussetzt: Die Berechnung kann entweder einen Anstieg oder eine Reduktion der Seitenanzahl mit Anglizismen angeben. Dabei werden die qualitativen Veränderungen im Subsystem Anglizismen nicht berücksichtigt. Um also die Verbreitung der Anglizismen auf den Zeitungsseiten 232 im Allgemeinen festzustellen, wurden zwei Stichproben aus der Zeitung Die WELT aus den Jahren 1994 und 2004 verglichen. Tabelle 8 spiegelt das Ergebnis des Vergleichs wider. Tabelle 8. Allgemeine Information über die Entwicklung des Subsystems Anglizismen Seitenanzahl in der Stichprobe Gesamt Ohne Anglizismen

1994 151 7

2004 229 4

Die Daten aus Tabelle 8 können nicht miteinander verglichen werden, da die Umfänge beider Stichproben unterschiedlich groß sind. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Ausgaben mit der Zeit umfangreicher wurden: 1994 beträgt die durchschnittliche Seitenanzahl 21, 2004 dagegen 31. Die Umfänge beider Stichproben aneinander anzugleichen, wäre in diesem Fall nicht angebracht, da die beiden Stichproben aus den Jahren 1994 und 2004 nach dem gleichen Verfahren erhoben wurden, was eine unanfechtbare Bedingung für die Homogenität der Stichproben bildet und im Weiteren den Vergleich der Ergebnisse ermöglicht. Allerdings lässt sich schon bei diesem Untersuchungsschritt ein wichtiger Schluss ziehen: Die ermittelten Daten zeugen von der Möglichkeit, 232

Die Auswertung könnte natürlich auch zeilenmäßig erfolgen. In diesem Fall aber wäre der Arbeitsaufwand viel zu groß.

178

stochastische Methoden für die Lösung der Fragestellungen bei der Untersuchung der Anglizismen anzuwenden. Dies untermauert das Zitat von K.B. Bektajev: „Bei der Untersuchung der wieder auftretenden Massenerscheinungen müssen Methoden angewandt werden, die die Kategorien Ordnung bzw. Unordnung registrieren können. Zu solchen Methoden gehören in erster Linie die Verfahren der Wahrscheinlichkeitstheorie und der mathematischen Statistik. Die Variabilität der sprachlichen Mittel setzt den Zufall bei der Wahl der linguistischen Einheiten der Ausdrucksseite voraus; die Gesetzmäßigkeiten bei der zufälligen Wahl werden - wie bekannt - auch mit Hilfe statistischer Verfahren untersucht“ (Bektajev 1977; 7, meine Übersetzung – S. B.). 233

An dieser Stelle muss noch bemerkt werden, dass mittels mathematischer Statistik lediglich die Ereignisse untersucht werden, bei denen nicht nur Aussagen über ihre Zufälligkeit gemacht werden können, sondern auch eine objektive Schätzung der relativen Vorkommenshäufigkeit möglich ist. Es ist bekannt, dass stochastische Methoden nicht bei allen Ereignissen mit einem unbestimmten Ausgang angewendet werden können, sondern nur bei solchen, die bestimmte Eigenschaften aufweisen. Erstens müssen die betreffenden Ereignisse Ergebnisse von Versuchen sein, die unter gleichen Bedingungen (bei wiederholter Anwendung des gleichen Instruments auf das gleiche Messobjekt) unbeschränkt viele Wiederholungen zulassen, d. h. reproduzierbar sind. Es geht hier um Reliabilität, also Zuverlässigkeit. Zweitens müssen die Ereignisse statistische Stabilität oder Stabilität der relativen Häufigkeiten haben. Das bedeutet, dass die relative Häufigkeit (Frequenz) eines Ereignisses in unterschiedlichen Versuchsreihen nur unwesentlich variiert (vgl. Kremer 2004; 21). Um die Realisierbarkeit der ersten Bedingung der mathematischen Statistik für diese Untersuchung nachzuprüfen – das ist die Reproduzierbarkeit eines Versuchs –, wurden die Stichproben einer Voranalyse 233 Das Zitat im Original: „При исследовании повторяющихся массовых явлений должны применяться методы, чувствительные к категориям порядка и беспорядка. К таким методам относятся, в первую очередь, приемы теории вероятности и математической статистики. Вариативность средств языка предполагает случайность в выборе лингвистических единиц плана выражения; закономерности же, связанные со случайностью выбора, изучаются, как известно, также с помощью аппарата математической статистики“.

179

unterzogen. Die Ergebnisse davon finden sich in Tabelle 9. Die Voranalyse ergab, dass die Anglizismen im analysierten Korpus eine systematische und häufige Erscheinung sind. Bezüglich der Frequenz muss herausgefunden werden, mit welcher Häufigkeit die Wörter „nicht zu selten und sogar ziemlich gebräuchlich“ sind (Frumkina 1964b; 13). Diesen Kennwert führt R.M. Frumkina ― mit dem Verweis auf das Wörterbuch der portugiesischen Sprache Brasiliens von Ch. Brown ― an: Nach seiner Auffassung werden Wörter mit einer Verwendungshäufigkeit von 0,00001 ― das bedeutet nicht seltener als einmal unter 100 000 Wörtern – als „gebräuchlich“ eingestuft (vgl. Mangušev 2002; 59, Frumkina 1964b; 13). 234 Vorab gesagt beträgt der kleinste vorgefundene Wert der Anglizismenhäufigkeit für diese Untersuchung 0,0002. Verglichen mit dem Kennwert, den R.M. Frumkina anführt, lässt sich Folgendes schließen: Da der untere Wert für die vorliegende Arbeit in den von R.M. Frumkina angegebenen Bereich der usuellen Wörter gehört, erfüllen folglich alle weiteren Ergebnisse meiner Untersuchung diese Bedingung. Nachdem festgestellt wurde, dass die Anzahl der Anglizismen in den Stichproben für eine statistische Untersuchung ausreichend ist, wurden die bei der ersten Approximation ermittelten Daten verglichen, um eine Arbeitshypothese aufzustellen.

234 Es bestehen unterschiedliche Meinungen dazu, was als ein häufiges Lexem gilt. Ohne zahlenmäßige Angaben ist eine Abschätzung fast unmöglich. Die ausdrückliche Erfahrung F. W. Kaedings war, dass „selbst tüchtige Kenner der deutschen Sprache und des Sprachgebrauchs nicht imstande waren, die Häufigkeitszahlen auch nur annähernd sicher zu bestimmen“ (Kaeding 1898; 6). „Die Erfahrung zeigt, dass die intuitive Bewertung dessen, was ein „häufiges“, ein „wenig häufigeres“ oder ein „seltenes“ Wort ist, gewöhnlich fehlerhaft ist […]. Offenbar ist das Auftreten eines beliebigen einzelnen Wortes der Sprache, das zudem kein Hilfswort ist, ein außerordentlich seltenes Ereignis“ (Frumkina 1964a; 240). Diese Aussage von R. M. Frumkina kann mit einem konkreten Bespiel aus dem Frequenzwörterbuch der deutschen Zeitungssprache (Rosengren, 1972) untermauert werden, das anhand von Pressematerial, darunter auch aus Die WELT, erstellt wurde. Aus der Frequenzliste wird ersichtlich, dass beispielsweise das Wort „lesen“ einmal pro 83.917,9 Wörter vorkommt.

180

Vor dem Vergleich der Stichproben aus zwei verschiedenen Jahren ist es ratsam, relative Werte zu berechnen. Das prozentuale Verhältnis D der Seiten mit Anglizismen A zum Umfang der Gesamtmenge N wird nach der Formel (3) berechnet: D=

A ⋅ 100 % N

(3).

Daraus ergeben sich folgende Daten: Tabelle 9. Prozentuales Verhältnis der Seiten mit Anglizismen zum gesamten Umfang der Stichprobe Jahr

D, %

1994

95

2004

98

Anhand der Daten aus Tabelle 9 wird ersichtlich, dass der prozentuale Anteil der Zeitungsseiten mit Anglizismen steigt. Diese Tatsache lässt die Hypothese zu, dass der Anglizismengebrauch im untersuchten Zeitraum zunahm. Es ist klar, dass diese Daten nur allgemeine Tendenzen darstellen und lediglich auf einen impliziten Anstieg im Anglizismengebrauch hindeuten: Die Zahlen sind zu groß, um von einem statistisch signifikanten Anstieg sprechen zu können. Außerdem ist der Fehler nicht berücksichtigt worden, weil dies für die Fragestellung der Hypothesenbildung nicht erforderlich ist. Daher lassen die Daten aus Tabelle 9 keine Schlüsse darüber zu, um wie viel und auf welche Weise der Gebrauch anstieg. Die in diesem Arbeitsschritt durchgeführten Rechnungen erheben keinen anderen Anspruch als die Gewinnung der vorläufigen empirischen Daten, mit deren Hilfe Thesen abgeleitet und Trends aufgezeigt werden können.

181

5.3. Statistische Auswertung der Anglizismen nach Wortarten und Themenbereichen Die Schwerpunkte bei der Untersuchung der Eigenschaften von Anglizismen wurden im Rahmen dieser Arbeit auf zwei Aspekte beschränkt: Zum einen die Analyse nach Wortarten und zum anderen nach Themenbereichen. In Anlehnung an die Zeitungssparten wurden folgende Themenfelder ausgegliedert: Politik, Wirtschaft, Sport, Wissenschaft und Technik, Kultur sowie Gesellschaft. 235 Die entlehnten Wortarten sind Substantive, Verben und Adjektive. 236 Aus diesem Grund konzentriert sich die vorliegende Untersuchung auf die Analyse der genannten Wortarten. Die Untersuchung statistischer Eigenschaften der Anglizismen innerhalb der Wortartentypologie setzt voraus, dass die entsprechenden, zu analysierenden Subsysteme im deutschen Sprachsystem klar umrissen sind. Das Problem ist dadurch bedingt, dass in der Linguistik der Vergleich der Anglizismen, aufgeteilt nach Wortarten, traditionell in einer bestimmten Stichprobe erfolgt, ohne dass die Anteile der entsprechenden Wortarten am gesamten Wortschatz der deutschen Sprache berücksichtigt werden. In den sprachwissenschaftlichen Abhandlungen sind oft folgende oder ähnliche Formulierungen, wie bei J.K. Androutsopoulos anzutreffen: „Es ergibt sich ein relativ konstantes Verteilungsmuster, wobei Substantive ungefähr 90%, Verben und Adjektive 5% und Adverbien einen unbedeutenden Anteil aller Anglizismen ausmachen“ (Androutsopoulos 1998; 549).

Anders gesagt werden Zahlenangaben zu verschiedenen Wortarten miteinander verglichen. Bei einem solchen Verfahren wird ein wichtiger Punkt außer Acht gelassen: Die Wortklasse der Substantive ist zahlenmäßig größer als z. B. die der Verben. Auf diese Tatsache hat bereits T.G. Linnik hingewiesen. 237 Ein anderer Grund, warum der traditionelle Ansatz bei Fragestellungen dieser Art revidiert werden muss, ist durch das Ziel der vorliegenden 235

S. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Sachbereichen“.

236

S. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Wortarten“.

237

S. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Wortarten“.

182

Untersuchung – die Erfassung der Entwicklungsdynamik 238 der Anglizismen – bedingt. Die Analyse der Dynamik setzt einen Vergleich voraus, wobei nur diejenigen Werte verglichen werden dürfen, die eine Wortart beschreiben. Es ist unkorrekt, die Dynamik unterschiedlicher Wortarten miteinander zu vergleichen, da diese in der deutschen Sprache nicht gleich verteilt sind. Logischer wäre es, für die Erfassung der Dynamik von Anglizismen, gegliedert nach Wortarten, eine Analyse innerhalb jeder entsprechenden Wortart durchzuführen. Für die Analyse wird das deutsche Lexikon im Rahmen dieser Arbeit als eine Gesamtheit der nach Wortarten gegliederten Subsysteme betrachtet. Jedes davon beinhaltet noch zwei weitere Gruppen: Eine enthält nur deutsche Lexeme einer entsprechenden Wortart, die andere nur Anglizismen der gleichen Wortart. Die Analyse der statistischen Eigenschaften der Anglizismen im Rahmen der Aufteilung nach Themenbereichen bringt weder Einschränkungen noch Voraussetzungen gegenüber dem Berechnungsteil der Methodik ein. 5.3.a. Ermittlung der Wortartenverteilung Wie bereits oben erwähnt, muss man die relativen Häufigkeiten der Anglizismen berechnen, um eine vergleichende Analyse zu ermöglichen. Bevor die Eigenschaften der Anglizismen im Rahmen der Wortartentypologie untersucht werden können, müssen die Angaben für die allgemeine prozentuale Verteilung der Wörter entsprechend der Wortarten in der deutschen Sprache vorliegen. In der Linguistik wurden bereits früher Versuche unternommen, dieses Problem zu lösen. Der Versuch von A. Zürn (2001), die Verteilung der Wörter allgemein innerhalb der Wortarten der deutschen Sprache zu ermitteln, wurde im Kapitel „Forschungslage“ vorgestellt. Allerdings

238 Ausführlicher zum Versuch, die Dynamik in Bezug auf Lexik zu definieren s. Hammerl (1990; 25). In der vorliegenden Untersuchung wird mit diesem Begriff der diachronische Aspekt von Modellgrößen (von Gebrauchshäufigkeiten der Anglizismen) beschrieben, also die Veränderungen dieser Größen im Laufe der Zeit.

183

können die von ihr errechneten Werte im Folgenden nicht herangezogen werden, da sie ein verzerrtes Bild liefern. Für die Beantwortung der Frage nach der Verteilung der Wörter auf die Wortarten wurde folgendes Experiment durchgeführt: Im Zufallsverfahren wurde eine Stichprobe aus den Texten aus Die WELT gezogen. In jedem Text wurde zuerst die Gesamtzahl der Wörter, dann separat die Anzahl der Substantive, Verben und Adjektive gezählt. Nach der Formel (3) wurde für jede Wortart ihr Anteil am gesamten Wortschatz errechnet, wobei A die Wörteranzahl der entsprechenden Wortart und B die Gesamtzahl der Wörter im Text angibt. Um den Umfang der Texte zu bestimmen, die für die Stichprobe heranzuziehen sind, wurde folgende Formel, die bei R.M. Frumkina (vgl. 1964b; 9 und 90f. sowie 1973; 282) angeführt ist, verwendet:

δ≈

zρ N⋅p

(4).

Dabei bedeutet: N Stichprobenumfang, p die Häufigkeit der Verwendung von jeweiliger Wortart, zρ Konstante, 239 gleich 2, und

δ relativer Fehler, der zwischen 1 und 2% liegt, also 0,01 ≤δ ≤ 0,02. Für die Anwendung der Formel (4) muss man wissen, von welcher annähernden Häufigkeit p auszugehen ist, sonst enthält die Formel zwei Unbekannte. Wenn die Stichprobenauswahl getroffen wird, dann weiß man nicht im Voraus, wie oft die gesuchten Größen (im gegebenen Fall: jeweilige Wortart) darin auftreten werden. In einer praktischen Aufgabe dieser Art kann man davon ausgehen, dass die jeweilige Wortart ein 239

Die Konstante zρ als Bestandteil der Formel zur Bestimmung des relativen Fehlers gibt die Zahl der großen Abweichungen an, die über die untere und obere Grenze hinausgehen. Der für die Konstante zρ gewählte Wert 2 entspricht ρ=0,95. Dies bedeutet, dass die Häufigkeit der Verwendung jeweiliger Wortart in 95 von 100 Fällen (bzw. Stichproben) innerhalb der angeführten Grenzen schwanken wird und nur in fünf Fällen über diese hinausgehen kann (vgl. Frumkina 1964; 92f. und 1973; 284).

184

Zehntel vom Umfang der ganzen Stichprobe ausmacht, also p = N ⋅ 0,1. Somit wird p mit 10% vorgegeben. Bei der weiteren Analyse hat sich diese Annahme bestätigt (s. Tabelle 11). Somit kann die Formel (4) in folgende Formel umgewandelt werden:

N2 ≈

1 2 ⋅  0,1  δ 

2

(5).

Demnach beträgt der Wert für den Stichprobenumfang 316 ≤ N ≤ 633 Wörter. In diesem Intervall werden zum Zweck der Genauigkeit 500 Wörter 240 als Stichprobe gewählt, was auch aus Tafel 5 (s. Anhang) ersichtlich wird. Anhand der Angaben aus Tafel 5 wurden die prozentualen Anteile der entsprechenden Wortarten berechnet. Dafür wurden die Anteile der Wortarten in jedem Text einzeln berechnet, anschließend Mittelwert, Varianz und Standardabweichung ermittelt. Tabelle 10. Mittelwert, Varianz, Standardabweichung und relativer Fehler unter Berücksichtigung der Wortartenverteilung Substantive

Verben

Adjektive

Adverbien

Mittelwert

0,264083

0,125599

0,087478

0,054901

Varianz Standardabweichung

0,002275

0,000729

0,000359

0,000305

0,047697

0,027

0,026552

0,029648

Da über genaue Kennzahlen für die Anteile der einzelnen Wortarten am gesamten Wortschatz nur unter Berücksichtigung des Messfehlers des Experiments gesprochen werden kann, ist es sinnvoll, die das Ausmaß 240

Die gewählte Textlänge ist für die Untersuchung dieser Art ausreichend. Vgl. dazu K.H. Best: „Die Texte dürfen auch nicht zu lang sein: Bei Untersuchungen zur Wortlänge (oder zu Wortarten) etwa nicht mehr als allerhöchstens 2000 Wörter; es genügen aber auch schon Texte von ca. 100 Wörtern Länge.“ (Best 2001a; 131, ähnlich Best 2006; 39).

185

von Abweichungen bezeichnenden Zahlen, d. h. das Konfidenzintervall, und nicht den genau errechneten Wert anzugeben. Die Ergebnisse der Berechnung sind in Tabelle 11 dargestellt. 241 Tabelle 11. Allgemeine prozentuale Verteilung der Wörter (tokens) nach den Wortarten in der deutschen Sprache Anteil am gesamten Wortschatz Wortart der deutschen Sprache, % Substantive

26,4 ± 4,8

Verben

12,6 ± 2,7

Adjektive

8,7 ± 2,7

Adverbien

5,5 ± 3,0

241 Die anhand von einer größeren Datenbank gewonnenen Zahlen über die Verteilung der Wörter im Deutschen nach den Wortarten wurden von Frau Caren Brinckmann vom IDS Mannheim freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Diese Daten sind aus der lexikalischen Datenbank CELEX (verfügbar unter: http://www.ru.nl/celex/, Zugriff: 28.07.2008) gewonnen. In CELEX basieren die Informationen auf einem IDS-Korpus aus dem Jahre 1984 mit rund 5 Mio. Tokens. Danach ergibt sich folgende Verteilung:

Substantive: 1087579 = 21,7% Adjektive: 442969 = 8,9% Numerale/Zahladjektive: 90456 = 1,8% Verben: 872086 = 17,4% Artikel: 247794 = 5,0% Pronomen: 946726 = 18,9% Adverben: 628374 = 12,6% Präpositionen: 356782 = 7,1% Konjunktionen: 328126 = 6,6% Interjektionen: 1550 = 0,0% Dazu noch zwei Anmerkungen: * Zur Wortart "Artikel" zählt CELEX nur "ein" und "der" (und diejeweiligen Flexionsformen). "Dies" u. ä. gehört zur Wortart "Pronomen". * Die Token-Häufigkeiten sind sehr korpusspezifisch. Je nach Textgattung kann die Verteilung deutlich anders aussehen. Zur Verteilung von Wortarten s. auch K.-H. Best (2006; 60f.).

186

Mit dem prozentualen Anteil der Wortarten am gesamten deutschen Wortschatz wurden die Ausgangswerte für die statistische Untersuchung der Anglizismen ermittelt.

5.3.b. Relative Häufigkeit und Streuung als quantitative und qualitative Parameter 242 der Veränderungen im Subsystem Anglizismen Zur quantitativen Charakterisierung eines realen Phänomens dient allgemein und statistisch gesprochen die Häufigkeit. Die Häufigkeit ist der Wert, mit dem die Merkmalsausprägung auftritt. In der linguistischen Literatur werden die Häufigkeit und Frequenz der linguistischen Phänomene synonym gebraucht: Als Frequenz einer lexikalischen Einheit bezeichnet man die Häufigkeit ihrer Verwendung. Sie ist umso größer, je öfter die jeweilige lexikalische Einheit von den Sprachbenutzern im Durchschnitt herangezogen wird, um eine beliebige Bedeutung auszudrücken (vgl. Köhler 1986; 66). Bekanntlich ergibt sich unmittelbar aus einer Erhebung oder Zählung die absolute Häufigkeit. Die absoluten Häufigkeiten hängen stark vom Umfang der Erhebung ab, so dass 242 Nach G.W.F. Hegel kann jede Erscheinung durch Qualitäts- und Quantitätskategorien beschrieben werden, wobei sich die Quantitätskategorie in der Hegelschen Logik unmittelbar an die Exposition der Kategorie der Qualität anschließt. Wie bekannt verfügt jede Erscheinung (z. B. Verwendung der Anglizismen im Deutschen) über bestimmte Eigenschaften, deren Gesamtheit ihre Qualität bildet. Unter „Qualität“ versteht man „die Gesamtheit der Eigenschaften, die auf das hinweisen, was den Gegenstand ausmacht; objektive Definiertheit des Gegenstandes, durch die der Gegenstand dieser und kein anderer ist, durch die er gegen alle anderen Gegenstände abgegrenzt wird und mit deren Verschwinden er aufhört, als dieser Gegenstand zu existieren“ (Kondakow 1983; 401, ähnlich Der Brockhaus 2009; 344). Als „Quantität“ bezeichnet man gemeinhin „die durch Zahlen erfassbare, mengenmäßige Bestimmtheit der Dinge“ (Der Brockhaus 2009; 345). Daher lassen sich Quantitäten stets zählen oder messen. Kurz: „während die Qualität die Bestimmung desjenigen angibt, was etwas ist, und zwar im Sinne des „Fürsichseins“, das einer Sache durch Abgrenzung gegen anderes zukommt“ (Maluschke 1974; 132), drückt die Quantität die Relationen zwischen den gleichartigen Gegenständen aus, aufgehoben von ihrem „Fürsichsein“; sie ist also aufgehobene Sachbestimmtheit. Darauf beruhen das Abzählen von einzelnen Gegenständen und der Übergang zu deren mathematischer Beschreibung. Entsprechend G.W.F. Hegels Ansätzen soll die statistische Analyse der Anglizismen in der deutschen Sprache mathematische Angaben sowohl qualitativer als auch quantitativer Ordnung liefern.

187

sie sich nicht zum Vergleich von Erhebungen unterschiedlichen Umfangs eignen. Um Häufigkeitsverteilungen bezüglich der Dimension unterschiedlicher Grundgesamtheiten oder unterschiedlicher Stichprobenumfänge besser abwägen zu können, berücksichtigt man bei Wiederholungen eines zufälligen Versuchs weniger die absoluten Häufigkeiten als vielmehr die relativen Häufigkeiten. Dabei handelt es sich um die absolute Häufigkeit dividiert durch die Anzahl der Objekte in der Stichprobe. Die relative Häufigkeit weist den Anteil der Merkmalträger an allen Beobachtungen nach. Die relativen Häufigkeiten werden auch dann angegeben, wenn die Verhältnisse des Auftretens verschiedener Werte interessieren und diese sich mit den relativen Häufigkeiten am schnellsten erfassen lassen. In der Wahrscheinlichkeitstheorie wird auf einen engen Zusammenhang zwischen der relativen Häufigkeit eines Ereignisses und der Wahrscheinlichkeit seines Auftretens hingewiesen: Die relative Häufigkeit ist in diesem Fall eine zahlenmäßige Charakterisierung der Wahrscheinlichkeit, mit der ein Ereignis oder eine Merkmalausprägung auftritt. 243 Bei einer größeren Versuchsreihe nähert sich die relative Häufigkeit der Wahrscheinlichkeit des Merkmalauftretens, so dass sie als realer Sachverhalt gedeutet werden kann. In der vorliegenden Arbeit wird mit der relativen Häufigkeit die Wahrscheinlichkeit der Verwendung von Anglizismen geschätzt. In sprachstatistischen Untersuchungen wird die Ansicht vertreten, dass für viele Fragestellungen die Häufigkeit einer sprachlichen Erscheinung nicht aussagekräftig sei und dass sie durch den Wert, der die Verbreitung der sprachlichen Erscheinung in den Texten misst, ergänzt werden müsse (vgl. z. B. Âkubajtis/Rubina 1977; 116). Der vollständigeren Beschreibung einer Verteilung von Merkmalen – wenn die Veränderlichkeit zahlenmäßig erfasst werden soll – dienen also die Streuungsmaße. Der Begriff Streuung (auch Dispersion) be243

Vgl. z. B. R.G. Piotrovskij und L.A. Turygina: "Es ist bekannt, dass die Wahrscheinlichkeit der Verwendung eines Ereignisses, z. B. des Auftretens einer Wortform, durch seine relative Häufigkeit gemessen wird (Piotrovskij/Turygina 1971; 26, meine Übersetzung – S.B.). Das Zitat im Original: „Известно, что вероятность употребления некоторого явления, например появления словоформы, оценивается его относительной частотой“.

188

zeichnet die Tatsache, dass die Ausprägung eines Merkmals innerhalb einer statistischen Menge variiert. Die Streuungsparameter sollen Informationen darüber geben, wie weit oder wie eng die Werte einer Beobachtungsreihe oder Stichprobe beieinander oder um ihren Mittelwert herum liegen, d. h. wie stark diese Werte „streuen“. Diese Parameter sind damit ein Maß für die Gleichartigkeit (Homogenität) bzw. Verschiedenartigkeit (Heterogenität) der Merkmalsausprägungen der Elemente einer statistischen Erhebung und folglich die Parameter qualitativer Ordnung. Von allen Dispersionsparametern ist die Varianz das am häufigsten verwendete Streuungsmaß. Die Vorzüge der Varianz bestehen in folgenden Punkten: Sie wird erstens kaum von zufälligen Extremwerten der Stichprobe beeinflusst, zweitens hängt sie von allen Messwerten der Stichprobe ab, so dass alle Daten berücksichtigt werden, und drittens ist sie ein zuverlässiger Schätzwert für die Streuung in der Grundgesamtheit (vgl. Clauß/Ebner 1977; 88). Das Konzept der Streuung wurde in dieser Arbeit herangezogen, um Stabilität, Beständigkeit oder Veränderlichkeit des Subsystems Anglizismen zu veranschaulichen. Schon L. Bloomfield erkannte, dass neue Formen größeren Schwankungen ausgesetzt sind: „In der Theorie müssen wir natürlich zwischen dieser tatsächlichen Neuerung und den folgenden Wiederholungen durch denselben oder andere Sprecher unterscheiden; die neue Form steht am Anfang einer Laufbahn aus Schwankungen in der Häufigkeit“ (Bloomfield 2001; 531).

U. Weinreich vertritt die Ansicht, dass die Häufigkeit der Wörter und ihre Stabilität im Gebrauch direkt proportional sind: Es ist der Nachweis erbracht worden, dass einem unter gleichen Bedingungen die häufigen Wörter leicht einfallen und dass sie daher stabiler sind; Wörter relativ geringer Häufigkeit sind entsprechend weniger stabil, sie unterliegen eher dem Vergessen und werden eher ersetzt“ (Weinreich 1977; 80).

Nach meiner Meinung reicht Häufigkeit als Kennwert für die Stabilität nicht aus. Relative Häufigkeiten weisen nur darauf hin, welcher prozentuale Anteil der Anglizismen im Deutschen verwendet wird. Damit zeigen sie nicht, wie konstant die Verwendung ist. Die in dieser Arbeit verwendete Charakteristik der Qualität gibt an, inwieweit sich die Angli-

189

zismen im System der deutschen Sprache verwurzelt haben, wie typisch die jeweilige Erscheinung ist. 244 „Man errät schon, daß, wenn die Verteilung einer Erscheinung in den Abschnitten und in den Fragmenten gleichmäßig ist, man darin entweder eine Konstante der Sprache des Autors (des Sprechers) oder nach genauer Überprüfung sogar eine Konstante der Sprache selbst sehen kann. […] wenn sie (Verteilung – Anmerkung S.B.) schließlich überall unregelmäßig ist, wird man anerkennen müssen, daß die Häufigkeit der untersuchten Erscheinung völlig instabil ist“ (Muller 1972; 23).

Das oben Angeführte erläutere ich an einem Gedankenexperiment. Nehmen wir z. B. zwei Stichproben. Jede von ihnen enthält je zwei Texte gleichen Umfangs. Die Texte aus der ersten und zweiten Stichprobe werden als 1.1 und 1.2 bzw. 2.1 und 2.2 durchnummeriert. Nehmen wir an, dass die Texte 1.1 und 1.2 je 10 und 30 Anglizismen, die Texte 2.1 und 2.2 je 20 Anglizismen enthalten. Obwohl der Gesamtwert der aufgefundenen Anglizismen in beiden Fällen gleich 40 ist, besteht ein wesentlicher Unterschied. Im zweiten Fall werden die Anglizismen gleichmäßig verwendet, anders gesagt sie verhalten sich als ein typisches charakteristisches Subsystem, das in das deutsche Sprachsystem organisch eingebaut ist, während in der ersten Stichprobe die Anglizismen nur gelegentlich, konzentriert an bestimmten Textstellen vorkommen. Bei einem solchen gelegentlichen Gebrauch darf das entlehnte Element nicht als typische sprachliche Erscheinung betrachtet werden. Es handelt sich eher um spontane Bildungen auf der Basis englischer Lexeme. Dieser statistische Parameter lässt sich mit Hilfe der Varianz der relativen Häufigkeit messen. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass für die Charakterisierung des Entlehnungsprozesses aus dem Englischen zwei statistische Parameter gewählt wurden: Mittelwert und Varianz der relativen Häufigkeit, wobei der erste Wert die quantitative Seite repräsentiert, während der 244 Statistisch-strukturelle Sachverhalte wie Häufigkeiten, Distributionen, Regelmäßigkeiten usw. werden als Normen im weiten Sinne aufgefasst (vgl. Gloy 2004; 392). Daraus kann man ableiten, dass häufiges und regelmäßiges Auftreten eines sprachlichen Ereignisses möglicherweise von seiner Kodifizierung zeugt. Dieser Schluss ist aber nicht zwingend, da die Regelmäßigkeiten nicht allein durch Zugehörigkeit zur Norm zustande gekommen sein können, sondern auch auf anderem Wege. Zum Begriff der Norm s. Kap. „Integrationsmodelle“.

190

zweite eine qualitative Beschreibung ermöglicht. Im den nachfolgenden Kapiteln soll das Berechnungsverfahren dieser Parameter näher dargestellt werden.

5.3.c. Berechnungsmodus der relativen Anglizismenhäufigkeit nach Wortarten Bei der Untersuchung der statistischen Eigenschaften von Anglizismen wurde jede Zeitungsseite aus den Stichproben 1994 und 2004 nach folgendem Schema analysiert: Erstens wurde jede Zeitungsseite aus der Stichprobe auf Anglizismen hin durchsucht. 245 Zweitens wurden die gefundenen Anglizismen in die Gruppen Ω i ,

i = 1..3 nach ihrer Wortartzugehörigkeit aufgeschlüsselt, wobei der Index i die Zugehörigkeit zu einer der drei genannten Wortarten (Substantive, Verben und Adjektive) angibt. Drittens wurde die gesamte Wörterzahl N 0 auf der zu analysierenden Seite ermittelt. Viertens wurde auf Grund der Angaben aus Tabelle 11 die gesamte Wörteranzahl der entsprechenden Wortart, d.h. die gesamte Wortanzahl der Substantive usw., auf der zu analysierenden Seite nach folgender Formel berechnet:

Ni = ξi ⋅ N0

(6).

Dabei bedeutet:

i = 1..3 , N i die Wortanzahl der entsprechenden Wortklasse auf der Zeitungsseite und

245

Zur Begründung der manuelle Durchsicht s. weiter im Text.

191

ξ i die relative Häufigkeit der gleichen Wortklasse, die nach den Daten aus Tabelle 11 errechnet wurde. So ist die relative Häufigkeit der Substantive ξ1 = 0,26, die relative Häufigkeit der Verben ξ 2 = 0,13 und die relative Häufigkeit der Adjektive ξ 3 = 0,06. Nachdem die Wörteranzahl jeder Wortart auf der jeweiligen Zeitungsseite ermittelt wurde, wurde fünftens die relative Häufigkeit der Anglizismen innerhalb der Wortklasseneinteilung, z. B. die relative Häufigkeit der substantivischen Anglizismen, die relative Häufigkeit der verbalen Anglizismen usw., nach folgender Formel berechnet: ni =

Ωi Ni

(7).

Dabei bedeutet: ni

relative Häufigkeit der jeweiligen Wortklasse,

Ωi

Anzahl der substantivischen bzw. verbalen bzw. adjektivischen Anglizismen pro Seite,

Ni

Anzahl der Wörter der jeweiligen Wortklasse.

Der Berechnungsmodus wurde vom ersten bis zum fünften Punkt für alle Zeitungsseiten der Stichprobe beider Jahrgänge durchgeführt und mit einer vergleichenden Analyse abgeschlossen, die über die Entwicklung der Verwendung von Anglizismen in der deutschen Sprache Schlüsse ziehen ließ. Die oben genannten Punkte bedürfen jedoch noch einiger Ergänzungen. Bei der Ermittlung der lexikalischen Einheiten englischer Herkunft in den Zeitungstexten (s. Punkt 1) stellte sich der Einsatz von Computerprogrammen als problematisch heraus, da es schwierig ist, vorauszusehen, wie sich die Anglizismen im deutschen Sprachsystem nach der Übernahme verhalten werden. Beispielsweise lässt sich eine Veränderung der Schreibweise nicht ausschließen. Daraus resultiert die Frage: Welche Schreibvariante muss in der Suchzeile angegeben werden? Im gegebenen Fall erschwert dieses Problem die Suche nach Lexemen mittels Suchprogrammen. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass die Zeitungsausgaben des Jahrgangs 1994 nur als Mikrofilme zur Verfügung 192

standen. Bevor die Zeitungsseiten untersucht werden konnten, wurden sie ausgedruckt. Um den Drucktext in ein elektronisches Dokument umzuwandeln, wurde der Versuch unternommen, die Seiten aus der Stichprobe zu scannen. Die Qualität war jedoch nicht zufriedenstellend. Die Frage nach der Möglichkeit, ein Suchprogramm für die Bearbeitung des Jahrgangs 1994 einzusetzen, hatte sich damit erledigt. Folglich wurde das Material vorwiegend manuell bearbeitet. Die Auszählung der gesamten Wörterzahl auf den Zeitungsseiten (s. Punkt 2) hätte wegen des großen Zeitaufwands die Arbeit beträchtlich erschwert. Deshalb wurde ein vereinfachtes Verfahren auf Grundlage folgender Überlegungen verwendet: Da das Subsystem der Anglizismen in der deutschen Sprache ein polydisperses System ist, d. h. ein System, in dem eine große Streuung der relativen Häufigkeiten zu beobachten ist, kann absolute Genauigkeit bei der Auszählung der gesamten Wörteranzahl auf der Zeitungsseite vernachlässigt werden und eine vereinfachte Annäherungsmethode dafür eingesetzt werden. So lässt sich der Zeitaufwand reduzieren und die Zuverlässigkeit statistischer Ergebnisse erhöhen, indem man die Methode der Datenapproximation implizit anwendet. Die Approximation der gesamten Wörteranzahl auf der Seite bestand aus folgenden Schritten: Die genaue Wörteranzahl ψ α wurde nur in einigen Zeilen α der Zeitungseite ermittelt, sowie die gesamte Zeilenanzahl β auf der Seite. Anschließend wurde die gesamte erwartete Wörteranzahl ψ β auf der Seite hochgerechnet:

ψ β =ψ α ⋅

β α

Dabei bedeutet:

ψβ

gesamte Wörteranzahl auf der Seite,

ψα β α

genaue Wörteranzahl in α Zeilen, gesamte Zeilenanzahl auf der Seite, ausgezählte Zeilen.

193

(8).

Vor der Anwendung dieser Formel wurde ein Experiment durchgeführt, um die nötige Zeilenanzahl α festzustellen, bei der der Berechnungsfehler der Wörteranzahl auf einer Seite den kleinsten Wert hat. Es ist durchaus sinnvoll, eine optimale Zeilenmenge festzustellen, da eine bestimmte Zeitung, namentlich Die WELT mit ihren charakteristischen Merkmalen bezüglich Schrift, Zeilenabstand und Spaltenbreite, zur Untersuchung herangezogen wurde. Dies lässt die Annahme zu, dass das Verhältnis des Berechnungsfehlers zur Zeilenmenge keine monotone Funktion ist, was für die Feststellung eines optimalen Wertes α sehr hilfsreich ist. Für die Feststellung eines optimalen Wertes α wurde also folgendes Experiment durchgeführt: Es wurden zehn 246 Seiten aus der Zeitung Die WELT ― aus den Jahrgängen 1994 und 2004 je fünf Texte, über das ganze Jahr verteilt ― zufällig ausgewählt. 247 Auf diesen zehn Seiten wurde der Wert ψ β genau nach der Formel (8) für folgende Werte α = 3, 6, 9, 12, 15, 18, 21, 24, 27, 30 ermittelt. Die Ergebnisse der Berechnung sind in Tabelle 11 angeführt. Auf Basis der Werte aus Tabelle 11 wurde die Abweichung für jeden Wert α nach der Formel (9) ermittelt: F=

ψ −ψ β ψ

(9).

Dabei bedeutet: F Abweichung, tatsächliche Wörteranzahl auf der Seite, ψ gesamte erwartete Wörteranzahl auf der Seite. ψβ

246

Diese Textmenge ist ausreichend bei dem festgesetzten Wert der Abweichung unter 10%.

247

Die untersuchten Seiten sind: 25.08.2004 (14), 2.01.2004 (3), 25.5.2004 (26), 20.9.2004 (32), 21.04.2004 (6), 3.1.1994 (2), 10.3.1994 (4, 18.06.1994 (2), 6.07.1994 (6), 22.10.1994 (4).

194

Die Ergebnisse finden sich in Tafeln 6 und 7 im Anhang. Wie aus der letzten Zeile der Tafel 7 (s. Anhang) ersichtlich wird, entspricht der kleinste Wert der Messabweichung bei der Berechnung der gesamten Wörteranzahl auf der Seite der Messgröße α =12. Bei weiteren Berechnungen wurde dieser Wert verwendet. Im nächsten Arbeitsschritt wurden nach der beschriebenen Methodik die erwähnten Werte berechnet und somit statistische Daten gewonnen, die den Gebrauch der Anglizismen in Die WELT, aufgeschlüsselt nach Wortarten und Themenbereichen, veranschaulichen. 5.3.d. Relative Häufigkeiten bezogen auf die Sachgebiete innerhalb einzelner Wortarten Einen Überblick über die errechneten empirischen Daten geben die Tabellen 12, 13 und 14. Vorab muss betont werden, dass die in der vorliegenden Arbeit ermittelten Zahlen nur grundsätzliche Tendenzen widerspiegeln können und sollen. Es kann nicht garantiert werden, dass wirklich alle Anglizismen aus den Zeitungsausgaben herausgesucht wurden. 248 Die hier genannten Zahlen gelten also nur unter Vorbehalt: Sie sind lediglich als Richtwerte zu verstehen, die Tendenzen offenbaren und die Darlegungen veranschaulichen können. Tabelle 12. Mittelwert der relativen Häufigkeit der substantivischen Anglizismen (Ms) nach den Sparten, % Sparte

248

1994

2004

Wirtschaft

1,87

5,44

Politik

0,98

1,82

Sport

5,71

8,84

Wissenschaft und Technik

2,19

1,89

Gesellschaft

1,71

3,05

Kultur

3,36

4,59

Dazu s. Kommentar zu Földes Zitat im Kap. „Allgemeine Vorüberlegungen“.

195

Tabelle 13. Mittelwert der relativen Häufigkeit der verbalen Anglizismen (Mv) nach den Sparten, % Sparte

1994

2004

Wirtschaft

0,09

0,16

Politik

0,08

0,26

Sport

0,37

0,71

Wissenschaft und Technik

0,15

0,15

Gesellschaft

0,12

0,17

Kultur

0,20

0,27

Tabelle 14. Mittelwert der relativen Häufigkeit der adjektivischen Anglizismen (Madj) nach den Sparten, % Sparte

1994

2004

Wirtschaft

0,14

0,16

Politik

0,10

0,04

Sport

0,20

0,18

Wissenschaft und Technik

0,75

0

Gesellschaft

0,19

0,14

Kultur

0,13

1,1

5.3.e. Mittelwert, Varianz und Standardabweichung bezogen auf Wortarten Nachdem die statistischen Eigenschaften der Anglizismen unter Berücksichtigung der Wortarten und der Themenbereiche (Sparten) erforscht wurden, erfolgte die Berechnung der Werte der relativen Anglizismenhäufigkeiten ohne Bezug auf die Verteilung nach Themenbereichen. Analog wurde die Varianz der relativen Häufigkeit für die behandelten Wortarten errechnet. Die Varianz einer Zufallsvariable ist ein quadratisches Maß. Ihr Nachteil für die praktischen Fragestellungen besteht darin, dass sie eine andere Einheit als die Daten besitzt. Für eine anschauliche Charakterisierung 196

der Streuung wäre es nützlicher, ein Ergebnis von gleicher Dimension wie die der relativen Häufigkeit anzuwenden. Dafür eignet sich gut die Standardabweichung, die im Weiteren berechnet wird. Die Standardabweichung ist die Quadratwurzel aus der Varianz und liefert Werte von gleicher Dimension wie die relative Häufigkeit. Dies ermöglicht es, die Standardabweichung aus den unterschiedlichen Messergebnissen miteinander quantitativ zu vergleichen. Tabelle 15 gibt einen Überblick über die errechneten Werte. Tabelle 15. Mittelwert, Varianz und Standardabweichung für die relativen Anglizismenhäufigkeiten unter Berücksichtigung der Wortartenverteilung 1994

2004

0,025

0,0010

Standardabweichung 0,032

0,044

0,0011

Standardabweichung 0,033

Verben

0,0016

0,000015

0,0039

0,0027

0,000016

0,0040

Adjektive

0,0023

0,000027

0,0052

0,0036

0,00011

0,010

Wortart Substantive

Mittelwert

Varianz

Mittelwert

Varianz

5.3.f. Analyse der empirischen Daten Die Zuordnung von Anglizismen zu Kommunikationsbereichen wird im Folgenden getrennt nach Wortarten dargestellt. Dies dient einerseits der Übersichtlichkeit und trägt andererseits der Tatsache Rechnung, dass die semantisch-funktionale Leistung von Entlehnungen je nach Wortart unterschiedlich sein kann. Die Einteilung stützt sich auf die in Die WELT angelegten Sparten. 249 Vergleicht man die empirischen Daten der Jahrgänge 1994 und 2004 aus Tabelle 15 miteinander, lassen sich einige Entwicklungen feststellen. Die Steigerung des Mittelwertes der relativen Häufigkeit bei den Substantiven weist darauf hin, dass sich ihre Zahl fast verdoppelt hat (genau 249

S. die Begründung dafür im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Sachbereichen“.

197

um das 1,8fache gestiegen ist). Der Wert der Varianz als Streuungsmaß ist gleich geblieben. Dies bedeutet, dass sich die Fluktuationen bei der Verwendung der Substantive nicht verändert haben. Auch der Mittelwert der relativen Häufigkeit bei den Verben offenbart die Tendenz des Wachstums in diesem Fall um das 1,7fache. Demgegenüber ändert sich die Varianz nur geringfügig. Die Stellung der englischen Verben erfährt demnach bezüglich ihrer Stabilisierung keine nennenswerten Veränderungen. Bei den Adjektiven ist ein Anstieg beider Parameter zu verzeichnen, d. h. sie sind quantitativ stärker um das 1,6fache vertreten, streuen aber auch um das 4fache mehr. Somit verstärkt sich die Zufälligkeit in ihrem Gebrauch. Dies zeugt davon, dass ihre relativen Häufigkeiten großen Schwankungen ausgesetzt sind. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass 2004 auf die drei analysierten Wortarten innerhalb des Subsystems Anglizismen im Korpus öfter zurückgegriffen wird als 1994, wobei bei den Substantiven und Verben nur die quantitativen Eigenschaften Veränderungen erfahren. Ihre Streuungswerte bleiben gleich bzw. fast gleich. Adjektive streuen jedoch mehr, was bedeutet, dass sie im Gebrauch noch recht unausgewogen sind. Die substantivischen, verbalen und adjektivischen Anglizismen wurden anschließend themenbezogen analysiert. Der Analyse liegen die in den Tabellen 12 bis 14 zusammengetragenen Daten zugrunde. Eine grobe Schätzung der vorliegenden Zahlen zeigt folgende Tendenz auf: Die Zuwachsrate der Entlehnungen überwiegt über den Rückgang ihrer Anzahl, d.h. es kommen mehr neue Entlehnungen zu als alte wieder verschwinden. An dieser Stelle wird detailliert auf die Mechanismen eingegangen, die den allgemeinen Zuwachs der englischen Entlehnungen in der deutschen Sprache verdeutlichen.

198

Tabelle 16. Mittelwert und Varianz für die relativen Häufigkeiten der substantivischen Anglizismen, themenbezogen 1994 Sparte

Mittelwert

2004 Varianz

Mittelwert

Varianz

Wirtschaft

0,0187

0,000152

0,0544

0,001115

Politik

0,0098

0,000072

0,0182

0,000202

Sport

0,0571

0,003210

0,0884

0,000497

Wissenschaft und Technik

0,0219

0,000349

0,0189

0,000062

Gesellschaft

0,0171

0,000159

0,0305

0,000345

Kultur

0,0336

0,000573

0,0459

0,000389

Mittelwerte (alle Sparten) Mittlere Standardabweichung

0,0251

0,001030

0,0436

0,001066

0,0321

0,0326

Wie aus Tabelle 16 ersichtlich wird, steigt der Anteil der substantivischen Anglizismen in den thematischen Bereichen „Wirtschaft“ fast um das 3fache, „Politik“ um das fast 2fache, „Gesellschaft“ um das 1,8fache, „Sport“ um das 1,6fache und „Kultur“ um das 1,4fache. Demgegenüber ist im Kommunikationsbereich „Wissenschaft und Technik“ eine rückläufige Entwicklung zu beobachten, und zwar eine Reduzierung um das 1,2fache. Der Varianzwert geht in den Sachbereichen „Sport“, „Wissenschaft und Technik“ und „Kultur“ um das 6,5fache, 5,6fache bzw. 1,5fache zurück. Dies bedeutet, dass der Gebrauch von substantivischen Anglizismen in den genannten Bereichen regelmäßiger wird. In den Sparten „Wirtschaft“, „Politik“ und „Gesellschaft“ steigen die Varianzwerte dagegen um das 7,4fache, 2,8fache und das 2,2fache an. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die entlehnten Substantive in den letzterwähnten Sachbereichen unregelmäßig, gelegentlich verwendet werden.

199

Tabelle 17. Mittelwert und Varianz für die relativen Häufigkeiten der verbalen Anglizismen, themenbezogen 1994 Sparte

Mittelwert

2004 Varianz

Mittelwert

Varianz

Wirtschaft

0,00085

0,0000033

0,00163

0,0000094

Politik

0,00081

0,0000026

0,00263

0,0000105

Sport

0,00387

0,0000555

0,00707

0,0000352

Wissenschaft und Technik

0,00149

0,0000071

0,00154

0,0000027

Gesellschaft

0,00120

0,0000053

0,00173

0,0000048

Kultur

0,00198

0,0000058

0,00268

0,0000199

Mittelwerte (alle Sparten) Mittlere Standardabweichung

0,00158

0,0000152

0,00268

0,0000162

0,00389

0,00403

Bei den verbalen Entlehnungen aus dem Englischen ist ein Anstieg des Mittelwertes der Häufigkeit in den Bereichen „Politik“ um das 3,3fache sowie „Gesellschaft“ und „Kultur“ um das 1,4fache zu verzeichnen. In den Wissensbereichen „Wirtschaft“ und „Sport“ verdoppelt sich der Mittelwert fast (genau genommen steigt er um das 1,9fache bzw. 1,8fache an). Im Bereich „Wissenschaft und Technik“ steigt der Mittelwert der relativen Häufigkeit nur leicht an. Dieser Tatsache ist zu entnehmen, dass diese Sachgruppe im analysierten Zeitraum nur eine geringe Erweiterung erfahren hat. Allgemein betrachtet werden die Verben also in alle Sparten entlehnt. Die Varianzwerte bei den Verben sinken in den Kommunikationsbereichen „Sport“ und „Wissenschaft und Technik“ um das 1,6fache bzw. 2,6fache, woraus folgt, dass sich die verbalen Anglizismen in den genannten Themengebieten im Gebrauch stabilisieren. Für die Rubrik „Gesellschaft“ ist zu konstatieren, dass der Varianzwert für die Stichprobe 1994 praktisch genau so hoch wie der entsprechende Wert der Stichprobe 2004 ist. Daraus lässt sich ableiten, dass sich die Gebrauchsstabilität der verbalen Anglizismen in diesem Bereich nicht verändert hat. Die Themen „Wirtschaft“, „Politik“ und „Kultur“ weisen hingegen einen Anstieg der Varianzwerte um das 2,9fache, 4fache bzw. 3,4fache auf, d. h. ihre Verwendung bleibt recht instabil. 200

Tabelle 18. Mittelwert und Varianz für die relativen Häufigkeiten der adjektivischen Anglizismen, themenbezogen 1994 Sparte

Mittelwert

2004 Varianz

Mittelwert

Varianz

Wirtschaft

0,00114

0,0000104

0,00159

0,0000184

Politik

0,00152

0,0000092

0,00074

0,0000042

Sport

0,00377

0,0000229

0,01001

0,0001659

Wissenschaft und Technik

0,00910

0,0001750

0,00047

0,0000015

Gesellschaft

0,00320

0,0000314

0,00231

0,0000326

Kultur

0,00099

0,0000051

0,01032

0,0004283

Mittelwerte (alle Sparten) Mittlere Standardabweichung

0,00232

0,0000266

0,00362

0,0001070

0,00516

0,01034

Der Anteil der Anglizismen unter den Adjektiven nimmt in den Sparten „Wirtschaft“, „Sport“ und „Kultur“ um das 1,4fache, 2,7fache bzw. 10,4fache zu, während in den Rubriken „Wissenschaft und Technik“, „Politik“ und „Gesellschaft“ der Mittelwert der Häufigkeit um das 19,4fache, 2,1fache bzw. 1,4fache zurückgeht. Aus diesen Daten wird ersichtlich, dass adjektivische Anglizismen vor allem in die Bereiche „Kultur“, „Sport“ und „Wirtschaft“ intensiver entlehnt wurden. Die Varianzwerte sinken bei den Adjektiven in den Bereichen „Politik“ und „Wissenschaft und Technik“ um das 2,2fache bzw. 116,7fache. In den Rubriken „Wirtschaft“, „Sport“ und „Kultur“ nehmen die Werte um das 1,8fache, 7,2fache, 84fache zu, während im Themenbereich „Gesellschaft“ der Kennwert fast unverändert bleibt. Aus den angeführten Zahlen folgt, dass im politischen und wissenschaftstechnischen Bereich adjektivische Anglizismen im Gebrauch stabilisiert werden. Frappierende Schwankungen der Werte bei den adjektivischen Anglizismen im Vergleich zu Substantiven und Verben zeugen möglicherweise eher von der Instabilität dieses Subsystems im Allgemeinen. Beim Vergleich der ermittelten Daten aus den Jahrgängen 1994 und 2004 lässt sich zusammenfassend festhalten, dass im Themenbereich 201

„Wirtschaft“ die entlehnten Substantive sowie Verben und Adjektive häufiger, aber nicht regelmäßig gebraucht werden. In der Sparte „Politik“ werden die Substantive und Verben häufiger, aber stark spezialisiert verteilt verwendet, während die Adjektive einen Rückgang im Gebrauchswachstum erfahren und in der Verwendung regelmäßiger werden. Im Sachgebiet „Sport“ werden die entlehnten Substantive und Verben häufiger, aber auch stabiler im Gebrauch, während sich bei den Adjektiven ein häufigerer Gebrauch, jedoch mit zurückgehender Regelmäßigkeit verzeichnen lässt. Im Themenbereich „Wissenschaft und Technik“ lässt die Häufigkeit der Anglizismen bei Substantiven und Adjektiven nach, während sie bei den Verben nur leicht ansteigt. Die Varianz sinkt bei allen Wortarten. Daraus kann man schlussfolgern, dass wissenschaftliche Terminologie im Unterschied zu anderen thematischen Bereichen verankert, stabiler gebraucht und allgemein anerkannt wird. Eventuell kann an dieser Stelle von einer Internationalisierung der wissenschaftlichen Wortschätze gesprochen werden. In der Sparte „Gesellschaft“ werden die Substantive häufiger und nicht regelmäßig gebraucht, der Gebrauch der Verben wächst ebenfalls, sie werden im Unterschied zu den Substantiven jedoch regelmäßiger verwendet. Auf die aus dem Englischen entlehnten Adjektive wird seltener zurückgegriffen, wobei die Stabilität im Gebrauch keine nennenswerten Veränderungen erfährt. Der Zugriff auf die substantivischen Anglizismen im Teilbereich „Kultur“ wird häufiger und regelmäßiger, während die entlehnten Verben und Adjektive zwar auch häufiger, aber nicht regelmäßig gebraucht werden. Ohne Bezug auf die einzelnen Wortarten ergibt sich für die Themenbereiche folgende Verteilung der relativen Häufigkeiten:

202

Tabelle 19. Mittelwert der relativen Häufigkeit, themenbezogen Sparte

1994

2004

Wirtschaft

0,02069

0,05762

Politik

0,01213

0,02157

Sport

0,06474

0,10548

Wissenschaft und Technik

0,03249

0,02091

Gesellschaft

0,02150

0,03454

Kultur

0,03657

0,05890

Bemerkenswert ist, dass in allen Themenfeldern außer „Wissenschaft und Technik“ ein Anstieg des Anglizismengebrauchs zu verzeichnen ist. Die stärkste Zunahme, nämlich um das 2,8fache, liegt in der Sparte „Wirtschaft“ vor. In anderen Bereichen schwanken die Werte des Anstiegs vom 1,6fachen bis zum 1,8fachen. Sie sind wie folgt verteilt: in „Politik“ um das 1,8fache, in „Sport“, „Kultur“ und „Gesellschaft“ um das 1,6fache. Wie bereits erwähnt, wird im Bereich „Wissenschaft und Technik“ 1,6 Mal seltener auf die Anglizismen zugegriffen. Dadurch wird deutlich, dass besonders im Themenbereich „Wirtschaft“ verstärkt Anglizismen vorkommen. Absteigend folgen die Sparten „Gesellschaft“, „Politik“, „Sport“ und „Kultur“. 5.4. Vergleich der Anglizismenhäufigkeiten in den Jahrgängen 1994/2004 und 1954/1964 Wie bereits oben angedeutet, lagen der vorliegenden Untersuchung die Ausgaben von Die WELT aus den Jahren 1994 und 2004 zugrunde. Ausgehend von diesem Material wurden Stichproben erhoben, Wörter mit den Kennzeichen der Anglizität herausgesucht und systematisch ausgewertet. Diese Betrachtung gibt Aufschluss über den Integrationsprozess und den Grad der Angleichung durch die Gebrauchshäufigkeit der Anglizismen. Das zugrunde liegende Material wird also ausschließlich im Hinblick auf seine Verbreitung und Regelmäßigkeit im Gebrauch ausgewertet. Eine linguistische Analyse formaler Charakteristika einzelner Lexeme wird in dieser Arbeit nicht angestrebt. 203

B. Engels hat 1976 eine Arbeit vorgelegt, in der ein ähnliches Korpus aus den Jahrgängen 1954 und 1964 von Die WELT hinsichtlich der quantitativen Entwicklung des amerikanischen Einflusses auf die deutsche Zeitungssprache ausgewertet wurde. Ihre vergleichende computerlinguistische Studie zeichnet einen Gebrauchsanstieg der lexikalischen und semantischen Amerikanismen 250 auf und stellt fest, dass der Wert für den Amerikanismen-Anteil im Korpus „weniger als 1% des Textes“ beträgt (Engels 1976; 26). Für die Suchoption hat sie die Ergebnisse von H. Fink aufbereitet und ein Grundlexikon aus den amerikanischen Lexemen seiner Wortliste erstellt. Den Mangel von Engels Arbeit sehen einige Wissenschaftler darin, dass zu viel Wortgut übersehen werden kann: „Mithin bleiben alle Amerikanismen, die Fink nur einmal belegte, bei Engels unberücksichtigt, und Amerikanismen, die Fink übersah, wurden von Engels ebenfalls übersehen.“ (Viereck 1980; 1)

Aus diesem Grund habe ich auf die Anwendung von Computerprogrammen bei der Genese der Daten verzichtet und die Zeitungsseiten manuell ausgewertet. Die aufwendige Methodik der Lektüre hat ihre Vorzüge, die W. Viereck im folgenden Zitat verdeutlicht: „ […] anderenfalls kann auf die eigene Lektüre – in diesem Fall – der Tagespresse keinesfalls verzichtet werden. Eine solche (zeitraubende) Vorgangsweise ist nicht zuletzt auch wichtig für die aus verschiedenen Gründen wünschenswerten systematischen Untersuchungen über die Geschwindigkeit, mit der Anglizismen im Deutschen rezipiert werden, sowie über die Lebensdauer der Anglizismen im Deutschen“ (Viereck 1980b; 431).

Im Ausblick ihrer Arbeit empfiehlt B. Engels, an ihre Arbeit anschließende Forschung zu betreiben, „um die Linie des amerikanischenglischen Einflusses weiterverfolgen zu können“ (Engels 1976; 123). In der vorliegenden Untersuchung wurde der Versuch unternommen, ihrer Empfehlung nachzugehen. Es leuchtet ein, dass die Ergebnisse der beiden Untersuchungen nur bedingt miteinander vergleichbar sind. Detaillierte Vergleiche können auf Grund der unterschiedlichen Definition von Anglizismus in den jeweiligen Untersuchungen nur mit Vorsicht vorgenommen werden. 250

Engels Terminus für die Bezeichnung der englischen Entlehnungen ist „Amerikanismus“ (s. ausführlicher Engels 1976; 5ff.).

204

Daher können die Werte aus beiden Arbeiten nur qualitativ und nicht quantitativ verglichen werden. Unter Berücksichtigung der erwähnten Bedingungen möchte ich Folgendes erreichen: Erstens eine Erforschung der Gesetzmäßigkeiten im Gebrauch der Anglizismen über einen längeren Zeitraum (40 Jahre), zweitens eine Untersuchung von Veränderungen über eine kürzere Zeitspanne – 10 Jahre – zwischen den Jahren 1994 und 2004 bzw. 1954 und 1964, und drittens die Schaffung einer Basis für weitere vergleichende Studien. Die Werte aus Engels Arbeit sind in einer nicht für den Vergleich geeigneten Form dargestellt, und zwar als absolute Zahlen: „Im Jahre 1954 betrug die Häufigkeit der Lexeme 889 und 1964: 2624. Die von mehreren Lexemen gefundenen Wörter müssen auf einmaliges Vorkommen reduziert werden. Ein solches doppelt gefundenes Wort wäre UNOGeneralsekretär, das sowohl unter dem gekürzten Lexem *U*N als auch unter GENERALSEK im Wörterverzeichnis aufgeführt wird. Zählt man diese doppelt gefundenen Wörter nur einmal, dann müssen 1954: 44 und 1964: 251 abgezogen werden und der Endwert beträgt für 1954: 845 und für 1964: 2373. Amerikanismen treten dann 1964 2,8mal so häufig auf wie 1954“ (Engels 1976; 48f.).

Dem angeführten Zitat ist zu entnehmen, dass B. Engels absolute Häufigkeiten vergleicht. Geht man von der Definition der absoluten Häufigkeit aus, 251 so wird klar, dass die absoluten Häufigkeiten der Ereignisse nur in dem Fall verglichen werden können, in dem für jedes untersuchte Ereignis die gleiche Anzahl an statistischen Tests vorliegt. Dieser Gedanke soll durch ein Bespiel erläutert werden. Die absoluten Häufigkeiten der Anglizismen aus den Jahren 1954 und 1964, die 889 und 2624 betragen, dürfen grundsätzlich nicht verglichen werden, da die Messgröße der Anglizismenhäufigkeit nicht der absolute Wert ihrer Vorkommen wäre, sondern die Zahl der Anglizismen in einem bestimmten Textumfang. Im Fall unterschiedlicher Textumfänge können einem Wert der absoluten Häufigkeit verschiedene Werte der relativen Häufigkeit entsprechen. Da ihre Korpora nicht gleich groß sind, versucht B. Engels im weiteren Verlauf der Arbeit, die Werte für 1954 zu extrapolieren. Es handelt sich allerdings nach wie vor um absolute Zahlen. Dies 251 S. Kap. „Relative Häufigkeit und Streuung als quantitative und qualitative Parameter der Veränderungen im Subsystem Anglizismen“.

205

macht einen Vergleich der Daten von B. Engels mit den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung unmöglich. B. Engels hat die Werte sowohl ohne Frequenzen (types) als auch die von mehrfach gefundenen Lexemen (tokens) ermittelt, wobei mich vor allem die token-Zahlen interessieren, da in dieser Arbeit ausschließlich tokens in Betracht gezogen wurden, unabhängig davon, wie oft jedes einzelne Wort vorkommt: Es wurden alle Anglizismenvorkommen gezählt. Die token-Ergebnisse von B. Engels lauten wie folgt: „Die Anzahl der gefundenen AE 252 Wörter und Phrasen ohne [sic!] Frequenzen beträgt 1954: 395 […], 1964 liegen die Werte bei 1021 […]“ (Engels 1976; 49).

Um diese Kennzahlen mit den in dieser Arbeit ermittelten Daten vergleichen zu können, müssen sowohl Anteilswerte (d. h. Mittelwerte der relativen Häufigkeiten), aufgeschlüsselt nach Wortarten, vorliegen, als auch die Gesamtwerte der relativen Häufigkeit, d.h. ohne Berücksichtigung der einzelnen Wortarten. Die Mittelwerte der relativen Häufigkeiten wurden für einzelne Wortarten bereits ermittelt. Die Ergebnisse der Berechnungen sind Tabelle 15 zu entnehmen. Der Zuwachs der Anglizismen im Jahr 2004 im Vergleich zu 1994 wird mit folgender Gleichung errechnet: 3

Sang =

∑ M (2004) ⋅ χ i

i =1 3

∑ M (1994) ⋅ χ i

i =1

i

= 1,7

(10).

i

Dabei bedeutet: Mi relative Häufigkeit der jeweiligen Wortklasse aus Tabelle 15 und

χ i statistische Gewichte, die den prozentualen Verhältnissen jeweiliger Wortarten in der deutschen Sprache (aus Tabelle 11) entsprechen.

252

Abkürzung für „amerikanisches Englisch“.

206

Somit berücksichtigt Formel (10) die Wortartenanteile in der entsprechenden Proportion Mi (2004)/Mi (1994). Beim Vergleich der Ergebnisse von B. Engels mit den Resultaten der vorliegenden Arbeit ergibt sich eine langsamere Zuwachsrate der Anglizismen in der Zeitspanne 1994/2004 im Vergleich zu den Jahren 1954/1964. Dies belegen die folgenden Zahlen: Die Zunahme der Anglizismen in den Jahren 1954/1964 erfolgte um das 2,8fache und das Wachstum der Anglizismenzahl 1994/2004 um das 1,7fache. Auf diese Weise wird ersichtlich, dass sich die Zuwachsrate um das 1,6fache verringert. Um die Daten anschaulich darzustellen und das Anwachsen der Anglizismenzahl anzudeuten sowie die Ergebnisse mit früheren Untersuchungen (z. B. Fink 1968, Meyer 1974) vergleichen zu können, verwendet B. Engels als Messgröße die Dichte der Amerikanismen im Zeitungstext, 253 für die sie durch Berechnungen folgende Kennziffer bekommt: „Im Jahre 1954 wurden [sic!] rund alle 600 Worte ein Amerikanismus registriert, rund alle 1300 Worte wurde ein neuer Amerikanismus (also ohne Wiederholungen von Amerikanismen zu zählen) gefunden. Im Jahre 1964 zeigte sich bereits ein anderes Bild: hier ist rund jedes 200ste Wort ein Amerikanismus und jedes 550ste ein neuer Amerikanismus (ohne Frequenzen)“ (Engels 1976; 50).

Für einen Vergleich dieser Daten mit den Ergebnissen der vorliegenden Arbeit ist der Mittelwert der relativen Häufigkeit den Berechnungen mit Hilfe von Formel (10) zu entnehmen. Dafür wurden die Werte der relativen Häufigkeiten je nach Wortart aus Tabelle 15 verwendet. Anschließend wurde der Gesamtwert der relativen Häufigkeit für alle Wortarten, d. h. eine Summengröße für Substantive, Verben und Adjektive nach folgender Formel errechnet: 3

Wa = ∑ M i χ i

(11).

i =1

Dabei bedeutet: 253

Viele andere Autoren bedienen sich des Parameters „Anglizismus pro Seite“, um die Ergebnisse ihrer Studien anschaulich zu machen. Eine Übersicht quantitativer Arbeiten mit diesem Parameter führt A. Onysko (2007; 142ff.) an.

207

χ i das prozentuale Verhältnis der entsprechenden Wortart i in der deutschen Sprache aus Tabelle 11, Mi der Mittelwert der relativen Häufigkeit der entsprechenden Wortart aus Tabelle 15. Werden die Zahlenwerte in die Formel (11) substituiert, so werden folgende Messgrößen gewonnen: Wa (1994) = 0,00689; Wa (2004) = 0,0118. Das bedeutet, dass 1994 rund alle 145 und 2004 rund alle 85 Wörter ein Anglizismus registriert wurde. Beide verglichene Zeitintervalle – 10 und 40 Jahre – weisen eine Abschwächung der Tendenz auf. Daraus folgt, dass eine Stabilisierung der Anglizismendynamik, aber auch der Gesamtzahl der aus dem Englischen entlehnten Lexeme im Deutschen vorliegt. Bezüglich der Wortartenanteile unter Anglizismen hat B. Engels folgende Prognose gemacht: „Es ist allgemein erwiesen, dass die Gruppe der Substantive den allergrößten Anteil des AE Einflusses absorbiert. Wenn nun der Einfluss über die Jahre hinweg stärker wird, dann sollte auch der Anteil der anderen Wortarten an den AE Wörtern steigen“ (Engels 1976; 58).

Da es in Engels´ Zitat um die Anteile geht, soll der Anteil der Substantive mit der Zeit logischerweise abnehmen, wenn die Anteile der anderen Wortarten ansteigen. Vermutlich geht B. Engels davon aus, dass der Entlehnungsprozess der Substantive einen bestimmten Sättigungsgrad erreicht haben muss, während dies bei anderen Wortarten nicht der Fall sein dürfte. Ihre Erwartung kann anhand des in der vorliegenden Arbeit analysierten Korpus nicht bestätigt werden. Das dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Anteile der Wortarten im Wortschatz des Deutschen nicht gleichmäßig sind: Der Anteil der Substantive ist im Vergleich zu anderen Wortarten viel größer. 254

254

Vgl. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Wortarten“.

208

5.5. Dynamik des Anglizismenauftretens Die oben verwendete Methodik für die Beschreibung der Veränderungen im Subsystem Anglizismen ist recht aufwendig. Im Folgenden soll eine andere Methodik 255 vorgestellt werden, die die Dynamik der neu auftretenden Anglizismen am Beispiel der Zeitungstexte beschreibt. Des Weiteren sollen die Berechnungsergebnisse unter Anwendung der zweiten Methodik mit den Ergebnissen der ersten Methodik verglichen werden. In diesem Kontext ist es notwendig, den Begriff neuer Anglizismus zu erläutern. Ich gebrauche ihn in der Bedeutung „der nie zuvor auf den Zeitungsseiten in der Stichprobe vorgekommene Anglizismus“. Für die Lösung der angedeuteten Aufgabe wurden etwa 70 Zeitungsseiten aus jedem untersuchten Jahrgang analysiert: genau 66 aus dem Jahr 1994 und 73 aus dem Jahr 2004. Die Stichprobenmenge ist ausreichend, da sie einen repräsentativen Querschnitt für eine statistische Analyse dieser Art darstellt. Eine Untersuchung von Frequenzsteigerungen kann sich mit einem relativ begrenzten Korpus begnügen, da es nicht nötig ist, alle Anglizismen des Korpus zu berücksichtigen. 256 Der Zeitungstext des Korpus wurde für jedes untersuchte Jahr in etwa 70 gleich große Intervalle aufgeteilt. 257 Um gleiche Intervalle zu bekommen, wurde eine Seitenmittelung durchgeführt. Dabei wurde angenommen, dass jede analysierte Seite einer durchschnittlichen Seite gleich war. Für das vorliegende Experiment war diese Annahme mög-

255

Auf dieser Methodik fußen „das Gesetz der Wortschatzdynamik“ (vgl. Best 2006; 104f.) und das Textblockgesetz (vgl. Best 2001a; 97 und 2006; 99).

256 Vgl. dazu B. Engels 1976; 14: „Bei einem immer größer werdenden Text nähert sich die Zahl der neuen Wörter immer mehr 0 und bereits verwendete Wörter nehmen immer höhere Frequenzen an. Eine Untersuchung über Frequenzsteigerungen kann sich mit einem relativ begrenzten Korpus begnügen, da es ja nicht nötig ist, alle Amerikanismen zu finden.“ Im Unterschied zu B. Engels gebrauche ich für die Bezeichnung von englischen Entlehnungen den Terminus Anglizismus. Außerdem s. dazu Kap. „Allgemeine Vorüberlegungen“. 257 Das Verfahren der Zählung von Häufigkeiten bestimmter linguistischer Erscheinungen in Textblöcken einer bestimmten Länge unternahmen V. Garsía Hoz (1953) und R.M. Frumkina (s. ausführlicher dazu Frumkina 1964b; 10f. und 1964a; 237f.). Später wurde dieses Sprachgesetz als Frumkina-Gesetz und in der neueren Auflage von Best (2006) als Textblockgesetz benannt (vgl. Best 2001a; 97 und 2006; 99).

209

lich, denn es wurden nicht die Anglizismen exemplarisch, sondern das Auftreten des Ereignisses (hier: neuer Anglizismen) gezählt. Des Weiteren wurde die Anglizismenanzahl im ersten Textblock ermittelt. Im zweiten Textblock wurden die Anglizismen, die im ersten Textblock vorkamen, nicht berücksichtigt. Im dritten Abschnitt wurden die Anglizismen aus beiden ersten Abschnitten nicht mitgezählt usw. Auf diese Weise wurden bei der Auszählung in jedem nächsten Intervall die Anglizismen, die bereits in vorhergehenden Textblöcken auftraten, ausgeschlossen. Bei einer solchen sukzessiven Durchsicht ist die Anzahl der vorgefundenen Anglizismen im Intervall n kleiner als die im Intervall n+1, so dass sich in einem immer größer werdenden Text mit jedem neuen Textblock die Zahl der neuen Wörter immer mehr der Null nähert und bereits verwendete Wörter immer höhere Frequenzen annehmen. Die Durchsicht ergab als Ergebnis die Anzahl der neuen Anglizismen auf jeder Seite. Im nächsten Arbeitsschritt wurde die Summengröße dieser Anglizismen für 1994 und 2004 ermittelt, die 280 bzw. 359 beträgt. Auf Basis der empirischen Daten wurden die gemittelten Werte K für 7 Seiten als Verhältnis der Summe der neuen Anglizismen P zu der Anzahl der Seiten N, auf denen diese Anglizismen vorkommen, verstanden. Die Ergebnisse der Berechnungen sind in Grafik 5 bildlich dargestellt, in dem die Seitenanzahl auf der x-Achse und die Anglizismenanzahl auf der bestimmten Seite auf der y-Achse liegen. Der Kurvenverlauf spiegelt den Verlauf der zunehmenden Verwendung von Anglizismen wider.

210

Grafik 5. Dynamik des Anglizismenauftretens

Die Korrelation zwischen der Anglizismenanzahl und der Seitenanzahl ist durch die Kurve dargestellt, deren Punkte durch das Polynom des zweiten Grades interpoliert 258 sind. Grafik 5 zeigt das Wachstumstempo neuer Anglizismen. Aus seiner Form folgt, dass dieses positiv ist. Der Exponent der ersten Potenz gleicht 9,476 für 2004 und 5,56 für 1994. Daraus ergibt sich die Proportion 1,7. Der gleiche Wert wurde bei der Anwendung der im Kapitel

258

Der Begriff Interpolation bezeichnet eine Klasse von Problemen und Verfahren aus der numerischen Mathematik. Zu gegebenen Messwerten soll eine kontinuierliche Funktion gefunden werden, die diese Daten abbildet. Will man eine schwierig handhabbare Funktion näherungsweise durch eine einfachere darstellen, so kann eine Interpolationsfunktion diese Anforderung der Einfachheit erfüllen. Insbesondere die Polynominterpolation ist ein lineares Interpolationsproblem. Für die Polynominterpolation gilt Φ (x, a0 ,..., an ) = a0 + a1 x + a2 x 2 + a3 x 3 + ... + an x n (vgl. Stoer 1976; 31).

211

„Vergleich der Anglizismenhäufigkeiten in den Jahrgängen 1994/2004 und 1954/1964“ beschriebenen Methode ermittelt. Diese Tatsache spricht für die Richtigkeit der erzielten Ergebnisse. Die im Abschnitt „Vergleich der Anglizismenhäufigkeiten in den Jahrgängen 1994/2004 und 1954/1964“ vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass im Jahre 2004 auf den Zeitungsseiten von Die WELT mehr Anglizismen (tokens) als 1994 im Gebrauch waren. Die Zahl der neuen Anglizismen (types) ist, wie der Kurvenlauf zeigt, geringer als im Jahr 1994. Aus beiden Tatsachen lässt sich ableiten, dass 2004 ein stabiler Kern des Anglizismenbestandes gebraucht wird: Auf bestimmte Anglizismen wird immer wieder zurückgegriffen. Demgegenüber kommen im Jahr 1994 kontinuierlich neue Anglizismen dazu. Anders ausgedrückt fluktuieren sie mehr im Gebrauch. Daher kann man von einer gewissen Stabilisierung in ihrem Gebrauch innerhalb des betrachteten Jahrzehnts sprechen.

212

C.

Zusammenfassung

Liegt ein weiterer Anstieg der Anglizismenanzahl vor? Wird der Gebrauch von Anglizismen über einen längeren Zeitraum stabiler? Oder sind die Anglizismen lediglich Modeerscheinungen und kurzlebige Phänomene? In welchem Ausmaß wird die deutsche Sprache vom Englischen beeinflusst? In welche Themenbereiche werden die Anglizismen bevorzugt aufgenommen? Auf welche Wortarten verteilen sich die entlehnten Anglizismen? Mit diesen Leitfragen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Ihr theoretischer Teil behandelt die metasprachliche Diskussion zu den terminologischen Grundlagen der Sprachkontaktforschung unter besonderer Berücksichtigung des Entlehnungsprozesses aus dem Englischen ins Deutsche (s. Kap. „Ergebnisse I“). Der empirische Teil der Arbeit stellt sowohl die Dynamik des Entlehnungsprozesses aus dem Englischen ins Deutsche durch den Vergleich zweier Zeitebenen 1994/2004 und 1954/1964 als auch die Gebrauchsstabilität dar (s. Kap. „Ergebnisse II“). Im Folgenden werden die Ergebnisse dieser Untersuchung zusammengefasst.

Ergebnisse I Trotz der langjährigen Tradition der Sprachkontaktforschung scheint der Begriff Sprachkontakt erst bei U. Weinreich seinen klaren definitorischen Umriss erhalten zu haben. Schon er unterscheidet klar zwischen individueller und gruppenorientierter Perspektive des Sprachkontakts. Die erste grenzt nah an den Bilingualismus. Beim Begriff Sprachkontakt stehen jedoch die beteiligten Sprachen im Mittelpunkt, beim Bilingualismus dagegen die Fähigkeiten der Sprachträger. Da sprachliche Kompetenz wandelbar ist, erweist sich Bilingualismus als ein dynamisches Konzept (s. ausführlicher Kap. „Terminologie des Sprachkontaktes“). Unter den Folgen des Sprachkontakts ist die lexikalische Entlehnung besonders verbreitet und augenfällig. Die Entlehnung im Allgemeinen wird sowohl als Prozess als auch als Resultat verstanden. In Bezug auf Synchronie und Diachronie ergeben sich unterschiedliche Betrachtungsweisen dieses linguistischen Phänomens. Beim „kreativen“ Ansatz, den L.I. Il´ina und O.V. Syčёva ausgearbeitet haben, steht weniger der eigentliche Entlehnungsprozess als vielmehr sein Resultat in der Zielsprache im Zentrum der Analyse. Daher erfolgt eine Gleichsetzung 215

von Entlehnung und Integration, indem man den Entlehnungsprozess synchron sieht und folglich als Schöpfungsakt bezeichnet. Die traditionelle Darstellung des Entlehnungsprozesses als Übernahme stellt dagegen offensichtlich den diachronen Aspekt in den Vordergrund und trennt somit die Übernahme von der Schöpfung, die da anfängt, wo das entlehnte Element schon zum Bestandteil der Zielsprache geworden ist. Somit betrachten die beiden Konzepte die Entlehnung aus verschiedenen Perspektiven (s. ausführlicher zu beiden Konzepten Kap. „Sprachliche Entlehnung“). Als problematisch erweist sich der Versuch, den Gegenstand dieser Untersuchung, nämlich den Anglizismus zu definieren, denn die sprachlichen Einheiten, die sich unter diesem Begriff zusammenfassen lassen, weisen fundamentale Unterschiede auf. Die in der linguistischen Literatur vertretenen Begriffsbestimmungen umfassen sowohl Morphem- und Lexemmaterial als auch Syntagmen und Phrasen. Aber auch entlehnte Bedeutungen zählen dazu. Diese breite Interpretation der Anglizismen lässt sich nicht vermeiden, denn für die Definition besteht folgende Grundlage: Alle sprachlichen Zeichen, deren englische Herkunft an der Form oder Semantik zu erkennen ist, gehören zu den Anglizismen. Ich habe das Kriterium der Selektion meiner Belege auf die formale Seite beschränkt (s. Begründung dazu in Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“ sowie „Begriffsbestimmung des Anglizismus“). Zusätzlich erschwert sich das Problem der Definition dadurch, dass die Frage nach der Herkunft einer exogenen Einheit oft nicht eindeutig beantwortet werden kann. In diesem Fall ist nicht die fernere (lateinische, griechische oder französische) Etymologie ausschlaggebend, sondern die unmittelbare Quellsprache der Entlehnungen, nämlich das Englische, nach der ich diese logischerweise bezeichne. Aus dem definitorischen Problem leiten sich auch klassifikatorische Schwierigkeiten ab. Der größte Teil der Typologien deckt nur bestimmte Abschnitte des Wortschatzes ab und lässt andere außer Acht. Die Wahl des Kriteriums für eine Klassifikation hängt aufs Engste mit dem Ziel der Beschreibung und mit den Forschungsinteressen zusammen. Die Problematik der Typologisierung der entlehnten Elemente kann grob in zwei Punkten zusammengefasst werden. Zum einen werden zusätzlich zu den schon vorhandenen Kategorien neue Bezeichnungen vorgeschla216

gen (s. einige Beispiele der vorhandenen Typologien im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“), was den terminologischen Apparat erheblich belastet und die wissenschaftliche Kommunikation erschwert. Zum anderen bringen weitere Feindifferenzierungen der vorhandenen Klassifikationen Probleme mit sich: Im Rahmen einer Systematik werden mehrere Kriterien verwendet. Folglich wird es schwer, eine Entlehnung dieser oder jener Kategorie zuzuordnen. Beispielsweise entstehen Abgrenzungsschwierigkeiten in Bezug auf Synchronie und Diachronie. Wie dies P. von Polenz in der Diskussion über Lehn- und Fremdwörter betont, sind die bestehenden Kriterien nicht kohärent (mehr dazu im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“). Ebenso trifft diese Unzulänglichkeit (Vermischung der Betrachtungsebenen) bei Lehnwortbildungen (Teilersetzung vs. eigensprachiger Wortbildungsweg) zu. Unter diesen Bedingungen berücksichtige ich in meinem Korpus folgende Kategorien von Anglizismen, ohne eine neue Klassifikation zu erarbeiten: direkte Entlehnungen, Lehnwortbildungen (Scheinentlehnungen), Wortkürzungen und Mischverbindungen. Bei der Klassifizierung nach Themenbereichen stößt man unweigerlich auf das Problem, dass viele Anglizismen zum Allgemeinwortschatz gehören oder polysem sind und sich keinem bestimmten Themenbereich zuordnen lassen. Nichtsdestotrotz ist die Erforschung der Verteilung nach Themenbereichen nicht sinnlos. Sie lässt erkennen, ob die Anglizismen in bestimmten Themengebieten konzentriert vorkommen oder in allen Bereichen gleichmäßig verteilt sind. Dies lässt Schlüsse über den Verlauf des Integrationsprozesses zu. Als Grundlage der thematischen Klassifikation in der vorliegenden Arbeit dienten die in der Zeitung Die WELT angelegten Sparten (andere Klassifikationsvorschläge im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Sachbereichen“). Die Rezeption der linguistischen Literatur ergibt, dass die meisten entlehnten Wortarten Substantive, Verben, Adjektive und Adverbien sind (Näheres im Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Wortarten“). Mein Korpus enthält allerdings keine Belege für letztgenannte Wortart. Aus diesem Grund konzentriert sich die vorliegende Untersuchung auf die Analyse von Substantiven, Verben und Adjektiven. Partizipien wurden

217

entsprechend ihrer syntaktischen Funktion entweder als Verben oder als Adjektive klassifiziert. Die Entlehnung von Anglizismen wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. Für wissenschaftliche Zwecke werden diese in der Literatur traditionell einzeln betrachtet und verschiedenen Gruppen zugeteilt. Die eine Klassifikation berücksichtigt die Auswirkung dieser Faktoren auf den Entlehnungsprozess (fördernd bzw. hemmend) und die andere ihren Bezug zur Sprache im Allgemeinen (außersprachlich bzw. innensprachlich) (zur Beschreibung der einzelnen Faktoren und zu ihrer Wirkung auf den Entlehnungsprozess s. Kap. „Entlehnungsbegleitende Faktoren“). In der realen Sprachkontaktsituation beeinflusst die Multikausalität die Übernahme bzw. Nichtübernahme der Anglizismen. Die Phase zwischen der eigentlichen Entlehnung der Anglizismen (dem Moment der Übernahme) und ihrem „Funktionieren“, während derer das entlehnte Element seine exogenen Merkmale einbüßt und usuell wird, hat verschiedene Bezeichnungen, z. B.: Adaptation, Akkommodation, Integration, Anpassung, Assimilation, Interferenz, Transferenz, Transformation, Inkorporation, Eindeutschung, Eingliederung, Einbürgerung, Habitualisierung, Stabilisierung und Etablierung. Ebenso wie bei der Klassifizierung der Anglizismen herrscht in der Linguistik große Uneinigkeit bei der Bezeichnung des Eindeutschungsprozesses (ausführlicher zu einzelnen Termini s. Kap. „Eingliederung des exogenen Lehnguts: Terminologische Abgrenzungen“). Wie die Auseinandersetzung mit dem Begriff Interferenz zeigt, kann die gleiche Bezeichnung kontrovers gebraucht werden. Auch synonymer Gebrauch unterschiedlicher Termini sorgt jedoch für Verwirrung. Eine Stabilisierung der Terminologie ist bisher nicht erfolgt. Im Rahmen dieser Arbeit gebrauche ich den Terminus Integration, da dieser Begriff nicht nur die linguistische Seite der Eingliederung, sondern auch die soziolinguistische berücksichtigt und somit den Inhalt dieses Prozesses adäquat wiedergibt. Außerdem enthält der Begriff Integration im Gegensatz zu z. B. Interferenz keine zusätzlichen Bedeutungskomponenten. Die Integration kann auf der formalen Seite verlaufen. Gleichzeitig und parallel können Anglizismen in der Sprachgemeinschaft ihre Verbreitung und Verankerung finden. Phonetische, graphische und morphosyntaktische Anpassungen, also systemlinguistische Integration, sind 218

keinesfalls unbedingt notwendig (ausführlicher zu den einzelnen Aspekten der Integration s. Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“). Einerseits kann das entlehnte Wort, ohne usuell geworden zu sein, eine neue verdeutschte Form erhalten. Andererseits können schon längst soziolinguistisch integrierte und geläufige Entlehnungen lautliche und formale Besonderheiten der Quellsprache beibehalten (vgl. Lexikon – Lexika). In der aktuellen Sprachsituation ist Stabilität im Gebrauch wahrscheinlich wichtiger für die Integriertheit als formale Anpassung, denn die vorhandenen Fremdsprachenkompetenzen der deutschsprachigen Sprachteilhaber und der intensive Informationsaustausch in der modernen Gesellschaft begünstigen den Erhalt der exogenen Ausdrucksseite. Der soziolinguistische Aspekt der Integration lässt sich vor allem dadurch messen, dass man zwei oder mehrere Sprachzustände beobachtet und sie anschließend vergleicht. Nur ein solcher Vergleich ermöglicht Aussagen über die Entwicklung zur Stabilisierung. Kriterien der Usualität wie Registrierung in Wörterbüchern oder Angaben „Xmal im Korpus“ erweisen sich als unwissenschaftlich (s. Kap. „Integrationsarten von Entlehnungen“). In der Linguistik wurden Versuche unternommen, die Integration als ein Kontinuum darzustellen. Eisenbergs Integrationsmodell geht vom aktuellen Sprachzustand aus, indem es die exogenen Elemente in Zentrum und in Peripherie mit Epizentren einteilt werden. Dies geschieht unter Berücksichtigung der formalen Kriterien. Logischerweise ergibt sich aus dieser Teilung, dass Entlehnungen mit exogenen Merkmalen ein eigenes Regelsystem haben, das von Prinzipien bestimmt wird, die für die nativen Wörter nicht oder weniger gelten. Das Modell von Rosen sowie das Modell von G. Schank stellen die Integration im zeitlichen Verlauf dar und enthalten somit eine dynamische Komponente. Rosens Modell geht vor allem von der soziolinguistischen Integration aus, während G. Schank beide Dimensionen der Integration berücksichtigt. Die beiden Modelle versuchen, den Ablauf der Integration vom Zitat-Status einer Entlehnung bis hin zu ihrer vollen Integriertheit zu veranschaulichen und unterstreichen somit den prozesshaften Charakter der Integration (s. mehr im Kap. „Integrationsmodelle“). Im Hinblick auf das Konzept der Norm ist die Integration, auf der Zeitachse dargestellt, eine Bewegung vom individuellen Gebrauch zu den an 219

die Kerngrammatik angepassten Formen, d. h. zum normativen Aspekt der Norm (zu unterschiedlichen Aspekten der Norm s. Kap. „Integrationsmodelle“). Der terminologische Apparat der Sprachkontakt- und Entlehnungstheorie ist sehr ausgebaut, was Vor- und Nachteile hat. Das Positive daran ist, dass die Akkumulation der Termini es ermöglicht, die treffendsten daraus zu wählen, und dadurch die Terminologie zu vervollständigen. Allerdings kann, wie bei der Beschreibung der klassifikatorischen Probleme erwähnt, eine große Anzahl überschüssiger Termini und ihrer lexikalisch-semantischen Varianten für die wissenschaftliche Kommunikation nachteilig sein, da dies zur Verletzung der Korrelation zwischen den Begriffen und deren Inhalten führen kann. Auf dem dargestellten theoretischen Hintergrund basiert die empirische Untersuchung der überregionalen Tageszeitung Die WELT.

Ergebnisse II Ziel des empirischen Teils war es, erstens die Gebrauchsstabilität und – häufigkeit von englischen Entlehnungen, aufgeschlüsselt nach Sachbereichen und Wortarten, unter Anwendung statistischer Methoden und zweitens die Dynamik des Entlehnungsprozesses aus dem Englischen ins Deutsche durch den Vergleich der gewonnenen Daten aus zwei Zeiträumen – 1954/1964 und 1994/2004 – aufzuzeigen. Die vorliegende Untersuchung widmet sich der Analyse des lexikalischen Systems der deutschen Sprache, genauer den lexikalischen Entlehnungen, also direkten Übernahmen von Wörtern und Wortbildungselementen aus dem Englischen (zur Abgrenzung des Untersuchungsgegenstands s. Kap. „Begriffsbestimmung des Anglizismus“ und „Kategorien der Anglizismen nach Entlehnungsarten“). Für die genannte Fragestellung wurde jede einzelne Wortverwendung (tokenVerwendung) gezählt, allerdings nicht mit dem Ziel, Aussagen über jedes einzelne Wort im Korpus zu treffen, sondern um allgemeine Tendenzen des englischen Einflusses auf die deutsche Sprache am Beispiel der Zeitung Die WELT zu konstatieren. Aus der Analyse ausgeklammert blieben Lehnprägungen, sogenannte „alte“ Anglizismen (nach B. Cars220

tensen, s. Kap. „Kriterien für die (Nicht)Aufnahme in das Anglizismenkorpus“), Personennamen, geographische Namen, Namen von Parteien, Institutionen und Firmen, Warenzeichen, Geldeinheiten, Musikgruppen, englische Titel von Büchern, Filmen, Musik- und Theaterstücken oder Zitate und syntaktische Einheiten (ausführlicher dazu s. „Kriterien für die (Nicht)Aufnahme in das Anglizismenkorpus“). Als Materialgrundlage für diese Untersuchung diente, wie bereits erwähnt, die überregionale Tageszeitung Die WELT (zur Charakterisierung von Die WELT s. Kap. „Spezielles zu der Zeitung Die WELT“). Sie entspricht mit ihrer Themen- und Stilvielfalt am ehesten den Forderungen, die an das Untersuchungsmaterial gestellt werden (vgl. Kap. „Allgemeines zum Auswahlverfahren“). Unter Berücksichtigung aller dargestellten Aspekte (Aktualität, Periodizität, Zugänglichkeit, diachrone Vergleichbarkeit, Diversität, Homogenität, breite Reichweite, Verbreitung und Etablierung sprachlicher Neuerungen sowie Vorkommen der Anglizismen) scheint die Pressesprache für die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit und für die linguistische Datenauswertung gut geeignet zu sein (ausführlicher zu den Charakteristika der Presse und Pressesprache s. Kap. „Presse als Materialquelle“). Die Analyse der Leserschaft von Die WELT hat ergeben, dass die Zeitung mit einem anspruchsvollen und intellektuellen Publikum zu rechnen hat. Auf Grund dessen können gute Englischkenntnisse oder zumindest das Verstehen von Anglizismen bei den Lesern vorausgesetzt werden (eine ausführliche Darstellung des Leserschaftsprofils im Kap. „Leserschaft von Die WELT“). Aus Die WELT wurden zwei repräsentative Stichproben gewonnen, die sich auf die Jahrgänge 1994 und 2004 beschränken (s. Kap. „Zeitlicher Rahmen der Untersuchung“, zu methodischen Fragen der Materialaufbereitung und Stichprobengewinnung s. Kap. „Methodische Fragen der Materialaufnahme und Stichprobenauswahl“). Für die Beschreibung des Entlehnungsprozesses aus dem Englischen wurden zwei statistische Werte gewählt: der Mittelwert und die Varianz der relativen Häufigkeit, wobei der erste Wert die quantitative Seite repräsentiert, während der zweite eine qualitative Beschreibung ermöglicht (s. Kap. „Relative Häufigkeit und Streuung als quantitative und 221

qualitative Parameter der Veränderungen im Subsystem Anglizismen“). Bei der Darstellung der Ergebnisse wurde von den relativen Zahlen ausgegangen, was weitere vergleichende Studien zulässt. Der Mittelwert der relativen Häufigkeit beschreibt nicht nur die Frequenz, mit der auf Anglizismen zurückgegriffen wird, sondern weist auch auf einen bestimmten Grad ihrer Integration im Sprachsystem der Nehmersprache hin. Allerdings zeigt dieser Wert nicht, wie typisch die untersuchte Erscheinung und wie konstant ihre Verwendung ist. Das Konzept der Streuung – das Maß hierfür ist die Varianz – wurde in dieser Arbeit herangezogen, um Stabilität, Beständigkeit oder Veränderlichkeit des Subsystems Anglizismen zu veranschaulichen. Hohe Varianzwerte zeugen von einer sporadischen Verwendung der Anglizismen, so dass diese konzentrierter an spezifischen Textstellen auftreten, während niedrige Werte eine gleichmäßige Verteilung im Textkorpus demonstrieren. Im Allgemeinen kann man festhalten, dass sich der Prozess der soziolinguistischen Integration vollzieht, indem die Anglizismen im Gebrauch regelmäßiger werden. Von diesen Überlegungen ausgehend wurden in der vorliegenden Arbeit für die quantitative Beschreibung der Anglizismen die Mittelwerte der relativen Häufigkeiten der Anglizismen für jede Wortart unter Berücksichtigung der Themenbereiche berechnet. Laut wissenschaftlichen Studien (vgl. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Wortarten“) werden Entlehnungen meistens in die Wortklassen der Substantive, Verben und Adjektive übernommen (laut einigen Autoren auch Adverbien). Im Rahmen dieser Untersuchung konzentriere ich mich daher auf die Analyse dieser drei Hauptwortarten. Vergleicht man die empirischen Daten der Jahrgänge 1994 und 2004 miteinander, lassen sich einige Entwicklungen bezüglich der Verteilung der Anglizismen nach Wortarten feststellen. Die Anzahl der entlehnten Substantive verdoppelt sich beinahe im untersuchten Zeitraum. Demgegenüber ändert sich die Varianz nur geringfügig, woraus man schließen kann, dass die Stellung der substantivischen Anglizismen bezüglich ihrer Eindeutschung keine nennenswerten Veränderungen erfährt. 222

Der Mittelwert der relativen Häufigkeit bei den Verben offenbart, dass ihre Anzahl ebenfalls wächst. Der Varianzwert verhält sich wie bei den Substantiven. Dies bedeutet, dass in der Verwendung der verbalen Anglizismen ebenso wie bei den Substantiven keine bedeutenden Veränderungen festzustellen sind. Bei den Adjektiven ist ein Anstieg beider statistischer Kennwerte zu verzeichnen, d. h. sie sind quantitativ stärker vertreten, aber sie streuen auch mehr. Somit verstärkt sich die sporadische Verwendung dieser Wortart. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das Wachstumstempo innerhalb der untersuchten Wortarten ungefähr gleich ist. Nur leicht dominieren die Substantive, ihnen folgen die Verben und Adjektive. Der zahlenmäßige Vergleich zeigt, dass die Unterschiede tatsächlich minimal sind. So ist in der geschilderten Reihenfolge ein Häufigkeitsanstieg um das 1,74fache, 1,69fache bzw. 1,56fache zu verzeichnen. Diese Unterschiede sind so gering, dass sie vernachlässigt werden können. Bei der Rundung verschwinden sie ohnehin. Die Zahlen bestätigen die in der Linguistik weit verbreitete Ansicht, dass mehr Substantive als andere Wortarten entlehnt werden, nicht (s. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Wortarten“). Diese irrenführende Aussage folgt aus dem direkten Vergleich der Wortarten untereinander. Man darf aber in diesem Fall nur Wachstumsraten vergleichen. Bei substantivischen, verbalen und adjektivischen Anglizismen treten Veränderungen nur hinsichtlich ihrer quantitativen Eigenschaften ein. Bei den Adjektiven weist die Distribution eine starke Labilität auf und unterliegt somit Fluktuationen. Bei der thematischen Klassifizierung der Anglizismen stößt man oft auf Schwierigkeiten: Die meisten Wörter können mehreren semantischen Gruppen zugeordnet werden, da sie dem allgemeinen Wortschatz angehören und keine fachspezifischen Merkmale aufweisen. Aus diesem Grund bot es sich an, die Entlehnungsbereiche entsprechend den Zeitungssparten anzulegen. Für die vorliegende Arbeit wurden folgende semantische Gruppen als Entlehnungsbereiche bestimmt: „Politik“, „Wirtschaft“, „Sport“, „Kultur“, „Wissenschaft und Technik“ sowie „Ge-

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sellschaft“ (zur Begründung s. Kap. „Kategorien der Anglizismen nach Sachbereichen“). Die Untersuchung ergab, dass die Verwendung englischer Wörter im Deutschen je nach Sachbereich unterschiedlich ausfällt. Bemerkenswert ist, dass ein Anstieg des Anglizismengebrauchs in allen Themenfeldern außer „Wissenschaft und Technik“ zu verzeichnen ist. Die stärkste Zunahme – um das Dreifache – liegt in der Sparte „Wirtschaft“ vor. In den anderen Bereichen schwanken die Anstiegswerte vom 1,6fachen bis zum 1,8fachen. Sie sind wie folgt verteilt: In „Politik“ beträgt die Zuwachsrate das 1,8fache, in „Sport“, „Kultur“ und „Gesellschaft“ steigt der Wert um das 1,6fache an. Im Bereich „Wissenschaft und Technik“ wird 1,6 Mal seltener auf Anglizismen zugegriffen. Bezüglich der Verwendungshäufigkeit von Anglizismen innerhalb der einzelnen Wortarten konnte, nach Themenkomplexen gegliedert, Folgendes ermittelt werden: Im Themenbereich „Wirtschaft“ werden die substantivischen, verbalen und adjektivischen Anglizismen häufiger, aber nicht regelmäßig gebraucht. In der Sparte „Politik“ treten substantivische und verbale Anglizismen häufiger, aber labil auf, während bei adjektivischen Anglizismen ein Gebrauchsabstieg verzeichnet werden kann und ihre Verwendung stabiler wird. Im Themenbereich „Sport“ werden die analysierten Wortarten häufiger gebraucht. Substantivische und verbale Anglizismen treten gleichmäßiger im Text auf, während Adjektive noch mehr im Gebrauch fluktuieren. Im thematischen Feld „Wissenschaft und Technik“ geht die relative Häufigkeit der Anglizismen bei allen Wortarten außer den Verben zurück, wo sie unverändert bleibt. Auch die Varianz lässt bei allen Wortarten nach. Daher wird die wissenschaftliche Terminologie hier im Unterschied zu anderen thematischen Bereichen verankert, stabiler gebraucht und allgemein anerkannt. Vermutlich kann man in diesem Zusammenhang über die Herausbildung einer internationalen Terminologie sprechen. In der Sachgruppe „Gesellschaft“ werden substantivische Anglizismen häufiger und nicht gleichmäßig gebraucht. Der Gebrauch von Verben nimmt ebenfalls zu, bei den Fluktuationen in ihrem Gebrauch treten 224

jedoch keine Veränderungen ein. Die Adjektive erfahren einen Gebrauchsabstieg, während ihre Streuung ebenso wenig wie die der Verben Wandlungen unterliegt. Der Zugriff auf substantivische Anglizismen im Themenbereich „Kultur“ wird häufiger und regelmäßiger, während verbale und adjektivische Entlehnungen aus dem Englischen ebenfalls häufiger, aber nicht stabil in Gebrauch kommen. Die Jahre zwischen 1990 und 2004 zeichnen sich durch Prozesse einer zunehmenden internationalen Verflechtung in allen Bereichen, durch eine Intensivierung der globalen Beziehungen auf der Ebene von Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten aus. Durch den Vergleich der gewonnenen Daten aus den Jahrgängen 1994 und 2004 konnte eine ansteigende Entlehnungs- und Gebrauchsfrequenz nachgewiesen werden: Der Anglizismengebrauch ist um das 1,7fache gestiegen. Dieser Wert wurde durch die Anwendung einer anderen Methodik, auf der „das Gesetz der Wortschatzdynamik“ (vgl. Best 2006; 104f.) und das Textblockgesetz (vgl. Best 2001a; 97 und 2006; 99) bauen, bestätigt (zur Beschreibung der Methodik s. „Dynamik des Anglizismenauftretens“). Allerdings zeigt der Vergleich mit der Referenzstudie von B. Engels, dass in den Jahren 1954/1964 die Verwendungsfrequenz wesentlich höher liegt als 1994/2004. Das heißt, dass sich das Tempo der Entlehnung von Anglizismen um das 1,6fache verlangsamt hat. Ausgegangen wurde von folgenden Zahlen: Die Zunahme der Anglizismen erfolgte in den Jahren 1954/1964 um das 2,8fache, während 1994/2004 ein Wachstum der Anglizismenzahl um das 1,7fache festzustellen war. Dies kann durch eine gewisse Sättigung beim Entlehnungsprozess, durch eine Stabilisierung der Dynamik von Anglizismen erklärt werden (Näheres im Kap. „Vergleich der Anglizismenhäufigkeiten in den Jahrgängen 1994/2004 und 1954/1964“). Der Kurvenverlauf im Streuungsdiagramm (s. Grafik 5) deutet gleichfalls auf einen Sättigungsprozess hin. Besonders deutlich kommt diese Tendenz bei der Kurve 2004 zum Vorschein: Die Kurve flacht ab, was möglicherweise auf eine Abnahme des Entlehnungstempos hindeuten könnte. Ähnlich sehen die Kurven in den Untersuchungen von K.-H. Best und W. Müller-Hasemann aus (vgl. Kap. „Forschungslage“ sowie Müller-Hasemann 1983, Best 2001a, 2001b und 2003). Umso erstaunlicher war dieses Ergebnis, weil erwartet wurde, 225

dass bei der Untersuchung aus den 1950er – 1960er Jahren – den Jahren des Kalten Krieges – die Entlehnung weniger intensiv war als zur Zeit der Integration und Globalisierung. Für die Anschaulichkeit der Ergebnisse wird in anglizismenbezogenen Untersuchungen die Messgröße Dichte der Amerikanismen im Zeitungstext verwendet (vgl. B. Engels, Kap. „Vergleich der Anglizismenhäufigkeiten in den Jahrgängen 1994/2004 und 1954/1964“). Bei Vergleichen muss man mit dieser Größe jedoch sehr vorsichtig umgehen, da weder die Zeitungsseite als Stichprobeneinheit noch der Begriff Anglizismus eindeutig definierbar sind (s. Kap. „Begriffsbestimmung des Anglizismus“ sowie „Überlegungen zur Wahl der Stichprobeneinheit“). 1994 wurde rund alle 145 und 2004 rund alle 85 Wörter ein Anglizismus registriert. In der Untersuchung von B. Engels liegen die Werte für 1954 bei rund 600 Wörtern und für 1964 bei rund 200 Wörtern. Es bestehen unterschiedliche (auch gegensätzliche) Meinungen bezüglich der Verbreitung von Anglizismen im Deutschen. Selbst erfahrene Linguisten können durch ihre persönliche Beobachtung oder intuitive Bewertung sowie auf Grund der absoluten Zahlen einen falschen Eindruck über die Veränderungen im Subsystem der Anglizismen gewinnen und voreilige Urteile fällen. Ohne quantitative Untersuchungen ist eine Abschätzung fast unmöglich und kann nicht über den Status der Vermutungen und Spekulationen herausgehen. Die vorliegende Arbeit liefert einige gut fundierte Erkenntnisse, die sich nicht einseitig auf die Häufigkeiten beschränken, sondern durch Streuungsmaße ergänzt wurden. Mit anderen Worten: Es konnte nicht nur ein Ansteigen der Verwendung registriert werden. Dies hätte nur einseitige Erkenntnisse geliefert. Die Verwendung der Varianz sowie der Vergleich mit der Referenzstudie von B. Engels hat es ermöglicht festzustellen, dass es zur Zeit eher um den gesteigerten Gebrauch von bereits entlehnten Anglizismen geht als um neue Entlehnungen, was ein Indiz für Integriertheit sein könnte. Den formalen Charakteristika der einzelnen Anglizismen im Zuge der Integration wurde in früheren Untersuchungen große Aufmerksamkeit geschenkt. Diese Arbeit öffnet einen anderen Blickwinkel auf die Integration und stellt durch die Anwendung von statistischen Methoden fest, ob eine Stabilisierung im Gebrauch vorliegt. Die angewandten Metho226

den haben sich bewährt. Speziell die Methode von Frumkina (Frumkina-Gesetz oder Textblockgesetz, s. näher Fußnote 257) auf die Anglizismen angewendet, wie dies in der vorliegenden Arbeit geschah, hat sich als eine einfachere, aber sichere Methode bestätigt. Es kann sich als besonders erkenntnisgewinnend erweisen und ist daher empfehlenswert, mit dieser Methode weitere Untersuchungen durchzuführen und Vergleiche mit früheren Untersuchungen vorzunehmen, um die Dynamik des Entlehnungsprozesses aus dem Englischen ins Deutsche zu verfolgen. Für qualitative Vergleiche bildet die vorliegende Arbeit eine solide Grundlage, da die Berechnungsergebnisse relativiert wurden. Des Weiteren hat die vorliegende Untersuchung einige irrtümliche Schlüsse widerlegt, z. B., dass Anglizismen keine häufige Erscheinung seien, denn laut zahlreichen Studien machen sie etwa 1% des Textes aus. Diese Behauptung trifft nicht zu, da diese Quote für ein linguistisches Phänomen sehr groß ist. Eine andere Aussage, dass unter Anglizismen mehr Substantive entlehnt werden, stimmt nur auf absolute Zahlen bezogen. Das Wachstumstempo aller untersuchten Wortarten ist ungefähr gleich. Alle Ergebnisse dieser Arbeit gelten mit Vorbehalt, insofern sie nicht als absolute Größen, sondern als quantitative Tendenzen zu begreifen sind.

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D.

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249

E.

Anhang

Tafeln zum empirischen Teil Tafel 1. Testmenge aus den WELT-Ausgaben für 1994 und 2004 1994 Ausgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 ∑=123

Seitenanzahl in den WELT-Ausgaben Januar Februar April Juni 22 24 20 18 22 20 22 18 20 20 20 18 22 24 22 18 22 24 22 18 20 24 16 20 20 20 20 20 22 20 22 18 18 22 20 20 18 24 24 18 18 24 22 18 20 22 18 22 22 22 20 18 22 24 24 18 16 20 24 22 18 20 24 20 18 22 22 20 20 20 22 22 22 18 22 20 24 20 18 24 18 24 22 20 20 24 22 22 20 24 24 20 20 22 18 18 18 22 ∑=2618 Seiten

Oktober 22 24 24 24 22 24 20 22 24 24 22 24 22 28 24 22 24 24 22 24 30 24 24 24 18

2004 Ausgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 ∑=126

253

Seitenanzahl in den WELT-Ausgaben Januar Februar April 32 32 32 32 32 32 32 32 28 28 32 32 32 32 32 32 32 32 32 28 32 32 32 32 32 32 28 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 28 32 28 32 32 32 32 28 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 28 32 28 32 32 36 32 28 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 32 ∑= 3968 Seiten

Juni 26 26 28 24 32 32 32 48 32 32 32 32 32 32 32 28 32 32 32 32 32 28 32 32 32 32

Oktober 32 32 28 32 32 32 32 32 28 32 32 32 32 32 28 32 32 36 32 32 28 32 32 32 32 32

Tafel 2. Aufstellung der ausgezählten Ausgaben verschiedener Länge in Klassen 1964* Klasse

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

Länge der Ausgaben in Seiten

Zahl der Ausgaben

12 13/14 15/16 17/18 19/20 21/22 23/24 25/26 27/28 29/30 31/32 33/34 35/36

10 26 35 21 8 10 0 7 4 1 3 5 1

Häufigkeit (F) jeder Seite in der ausgezählten Menge 12*131 2*121 2*95 2*60 2*39 2*31 2*21 2*21 2*14 2*10 2*9 2*6 2*1

∑=131 Seitenzahl in der Testmenge = 2429 * Nach M. Hellmann (1968; 92).

1994 Klasse

1 2 3 4 5 6 7 8

Länge der Ausgaben in Seiten

Zahl der Ausgaben

16 17/18 19/20 21/22 23/24 25/26 27/28 29/30

2 23 30 35 31 0 1 1

∑= 123 Seitenzahl in der Testmenge = 2618

254

Häufigkeit (F) jeder Seite in der ausgezählten Menge 16*123 2*121 2*98 2*68 2*33 2*2 2*2 2*1

2004 Klasse

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

Länge der Ausgaben in Seiten

Zahl der Ausgaben

24 25/26 27/28 29/30 31/32 33/34 35/36 37/38 39/40 41/42 43/44 45/46 47/48

1 2 17 0 103 0 2 0 0 0 0 0 1

∑=126 Seitenzahl in der Testmenge = 3968

Häufigkeit (F) jeder Seite in der ausgezählten Menge 24*126 2*125 2*123 2*106 2*106 2*3 2*3 2*1 2*1 2*1 2*1 2*1 2*1

Tafel 3. Berechnung der Häufigkeit jeder Seite in der Stichprobe 1964* f = F ⋅ 0,0556 Seite F 1 131 2 131 3 131 4 131 5 131 6 131 7 131 8 131 9 131 10 131 11 131 12 131 13 121 14 121 15 95 16 95 17 60 18 60 19 39 20 39 21 31 22 31 23 21 24 21 25 21

f genau 7,28 7,28 7,28 7,28 7,28 7,28 7,28 7,28 7,28 7,28 7,28 7,28 6,73 6,73 5,28 5,28 3,34 3,34 2,17 2,17 1,72 1,72 1,17 1,17 1,17

f rund 8 7 7 7 8 7 7 7 8 7 7 7 7 7 5 5 4 3 2 2 2 2 1 1 1

1994 f = F ⋅ 0,0577 Seite F 1 123 2 123 3 123 4 123 5 123 6 123 7 123 8 123 9 123 10 123 11 123 12 123 13 123 14 123 15 123 16 123 17 121 18 121 19 98 20 98 21 68 22 68 23 33 24 33 25 2

f genau 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 7,09 6,98 6,98 5,65 5,65 3,92 3,92 1,90 1,90 0,12

255

f rund 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 7 6 6 4 4 2 2 -

2004 f = F ⋅ 0,058 Seite F 1 126 2 126 3 126 4 126 5 126 6 126 7 126 8 126 9 126 10 126 11 126 12 126 13 126 14 126 15 126 16 126 17 126 18 126 19 126 20 126 21 126 22 126 23 126 24 126 25 125

f genau 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,3 7,25

f rund 8 7 7 8 7 7 7 8 7 7 8 7 7 7 8 7 7 8 7 7 7 8 7 7 8

1964* f = F ⋅ 0,0556 Seite F 26 21 27 14 28 14 29 10 30 10 31 9 32 9 33 6 34 6 35 1 36 1

f genau 1,17 0,78 0,78 0,56 0,56 0,50 0,50 0,33 0,33 0,05 0,05

f rund 1 1 1 1 1 1 -

1994 f = F ⋅ 0,0577 Seite F 26 2 27 2 28 2 29 1 30 1

f genau 0,12 0,12 0,12 0,06 0,06

* Nach M. Hellmann (1968; 94).

256

f rund 1 -

2004 f = F ⋅ 0,058 Seite F 26 125 123 27 123 28 29 106 106 30 31 106 32 106 33 3 34 3 35 3 36 3 37 1 38 1 39 1 40 1 41 1 42 1 43 1 44 1 45 1 46 1 47 1 48 1

f genau 7,25 7,13 7,13 6,15 6,15 6,15 6,15 0,17 0,17 0,17 0,17 0,06 0,06 0,06 0,06 0,06 0,06 0,06 0,06 0,06 0,06 0,06 0,06

f rund 7 7 7 7 6 6 6 -

Tafel 4. Liste der in die Stichprobe aufgenommenen Seiten der Zeitung Die WELT Nr. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30.

1954* Datum Fr 1.1. Mo 11.1 Di 19.1. Mi 27.1. Do 4.2. Fr 12.2. Sa 20.2. Mo 22.2. Di 2.3. Mi 10.3 Do 18.3. Fr 26.3. Sa 3.4. Mo 5.4. Di 13.4. Mi 21.4. Do 29.4. Fr 7.5. Sa 15.5. Mo 17.5. Di 25.5. Mi 2.6. Do 10.6. Fr 18.6. Sa 26.6. Mo 28.6. Di 6.7. Mi 14.7. Do 22.7. Fr 30.7.

Seite

N I C H T E R M I T T E L T

1964* Datum Do 2.1. Fr 10.1 Sa 18.1. Mo 20.1. Di 28.1. Mi 5.2. Do 13.2. Fr 21.2. Sa 29.2. Mo 2.3. Di 10.3 Mi 18.3. Do 26.3. Fr 3.4. Sa 11.4. Mo 13.4. Di 21.4. Mi 29.4. Fr 15.5. Sa 23.5. Mo 25.5. Di 2.6. Mi 10.6. Do 18.6. Fr 26.6. Sa 4.7. Mo 6.7. Di 14.7. Mi 22.7. Do 30.7.

Seite 1, 2, 4 3, 4 5, 6 7, 8, 9 10, 11, 12 13, 14 15, 16 1, 2, 3 3, 4, 11 1, 5, 6 7, 8, 12 9, 10 11, 12, 13 15, 16 17, 18, 31, 32 1, 13, 14 19, 20 21, 22 3, 4, 13 5, 6, 24, 28 7, 8 5, 9, 10 11, 12 2, 13, 14 1, 15, 16 17, 18, 26, 27 3, 4 5, 6 6, 7, 8 9, 10

1994 Datum Mo 3.1. Di 11.1. Mi 19.1. Do 27.1. Fr 4.2. Sa 12.2. Mo 14.2. Di 22.2. Mi 2.3. Do 10.3 Fr 18.3. Sa 26.3. Mo 28.3. Di 5.4. Mi 13.4. Do 21.4. Fr 29.4. Sa 7.5. Mo 9.5. Di 17.5. Mi 25.5. Do 2.6. Fr 10.6. Sa 18.6. Mo 20.6. Di 28.6. Mi 6.7. Do 14.7. Fr 22.7. Sa 30.7.

257

Seite 1, 2, 3 4, 5, 6 7, 8, 9 10, 11, 12 13, 14, 15 19, 21, 22 16, 17, 18 1, 2, 3 17, 23, 24 4, 5, 6 7, 8 9, 10, 14, 15 11, 12, 13 16, 18, 19, 20 1, 2, 3 4, 5, 20 9, 10, 11 12, 13 6, 7, 8 14, 15, 20 18, 26 16, 17 17, 18, 19 1, 2, 3 4, 5, 10 17, 21, 22 6, 7, 16 8, 9, 20 11, 12, 13 5, 19

2004 Datum Fr 2.1. Sa 10.1 Mo 12.1. Di 20.1. Mi 28.1. Do 5.2. Fr 13.2. Sa 21.2. Mo 23.2. Di 2.3. Mi 10.3 Do 18.3. Fr 26.3. Sa 3.4. Mo 5.4. Di 13.4. Mi 21.4. Do 29.4. Fr 7.5. Sa 15.5. Mo 17.5. Di 25.5. Mi 2.6. Do 10.6. Fr 18.6. Sa 26.6. Mo 28.6. Di 6.7. Mi 14.7. Do 22.7.

Seite 1, 2, 3, 19 5, 6, 7, 8, 9 4, 10, 11, 12, 13 14, 15, 16, 17 18, 19, 20, 21 23, 24, 25, 26 27, 28, 29, 30, 31 4, 15, 21, 32 1, 2, 3, 18, 22 5, 6, 7, 8 9, 10, 11, 12 14, 15, 16, 17 18, 19, 20, 21 23, 24, 26, 29 8, 25, 27, 28 1, 2, 3, 32 4, 6, 7, 22 8, 9, 10, 11, 12 13, 14, 15, 16, 17 4, 5, 18, 19, 20 22, 23, 24, 25 26, 27, 28, 29, 30 8, 9, 31, 32 1, 2, 3, 24 4, 5, 6, 7 10, 11, 12, 13 14, 15, 16, 17 18, 19, 20, 21 11, 23, 24, 25 22, 26, 27, 28, 29

1954* Nr. Datum Seite Sa 7.8. 31. Mo 9.8. 32. Di 17.8. 33. 34. Mi 25.8. 35. Do 2.9. 36. Fr 10.9. 37. Sa 18.9. 38. Mo 20.9. 39. Di 28.9. 40. Mi 6.10. 41. Do 14.10. 42. Fr 22.10. 43. Sa 30.10. 44. Mo 1.11. 45. Di 9.11. 46. Mi 17.11. 47. Do 25.11. 48. Fr 3.12. 49. Sa 11.12. 50. Fr 13.12. 51. Di 21.12. 52. Mi 29.12. 53. * Nach M.Hellmann (1968; 95f.).

1964* Datum Fr 7.8. Sa 15.8. Mo 17.8. Di 25.8. Mi 2.9. Do 10.9. Fr 18.9. Sa 26.9. Mo 28.9. Di 6.10. Mi 14.10. Do 22.10. Fr 30.10. Sa 7.11. Mo 9.11. Di 17.11. Mi 25.11. Do 3.12. Fr 11.12. Sa 19.12. Mo 21.12. Di 29.12.

Seite 5, 13, 14 21, 22 11, 12 1, 2, 8 1, 2 3, 4, 7 5, 6 23, 25 7, 8 9, 10 2, 11, 17 13, 14, 17 14, 15, 16 9, 19, 20 1, 2, 10 3, 4 5, 6, 9 16, 17 7, 8 14, 19, 16, 25 9, 10 11, 12

1994 Datum Mo 1.8. Di 9.8. Mi 17.8. Do 25.8. Fr 2.9. Sa 10.9. Mo 12.9. Di 20.9. Mi 28.9. Do 6.10. Fr 14.10. Sa 22.10. Mo 24.10. Di 1.11. Mi 9.11. Do 17.11. Fr 25.11. Sa 3.12. Mo 5.12. Di 13.12. Mi 21.12. Do 29.12.

258

Seite 14, 15, 16 1, 2, 3 4, 5, 20 6, 7, 18 8, 9, 10, 20 11, 12, 19 13, 14, 15 16, 17, 18 1, 2, 3 7, 8 6, 22 4, 5, 21 18, 19 10, 11, 12 13, 14, 15, 16 17, 23, 24 1, 2, 3, 4 6, 7 8, 9, 10, 21 11, 12, 13 15, 22 9, 14

2004 Datum Fr 30.7. Sa 7.8. Mo 9.8. Di 17.8. Mi 25.8. Do 2.9. Fr 10.9. Sa 18.9. Mo 20.9. Di 28.9. Mi 6.10. Do 14.10. Fr 22.10. Sa 30.10. Mo 1.11. Di 9.11. Mi 17.11. Do 25.11. Fr 3.12. Sa 11.12. Mo 13.12. Di 21.12. Mi 29.12.

Seite 25, 30, 31, 32 1, 2, 3, 16 4, 5, 6, 7 8, 9, 10, 11 12, 13, 14, 15 17, 18, 19, 20 21, 22, 24, 25, 29 23, 26, 27, 28 1, 30, 31, 32 6, 13, 22, 30, 31 1, 2, 3, 4, 5 7, 8, 9, 10 11, 12, 14, 15, 16 13, 17, 18, 29 20, 21, 22, 23, 24 25, 26, 27, 28 29, 30, 31, 32 1, 2, 27, 28 3, 4, 5, 6, 7 8, 9, 10, 11 12, 13, 14, 19 15, 16, 17, 18, 20 21, 22, 23, 25, 26

Tafel 5. Häufigkeitsanalyse der Wortarten in der deutschen Sprache Textnummer 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Gesamte Wörterzahl 585 557 486 585 466 509 541 506 482 521 495 534 512 490 500

Substantive

Verben

Adjektive

Adverbien

199 141 115 157 121 150 155 138 135 91 156 145 95 156 102

57 77 62 72 64 46 40 56 63 84 59 63 90 60 79

38 36 46 39 49 41 68 55 37 34 54 46 40 44 48

30 44 29 39 17 24 16 27 11 36 34 26 38 20 38

259

Tafel 6. Zeilenmäßige Verteilung der Wörteranzahl Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Gesamte Wörteranzahl 1019 1743 2588 2072 2774 2941 2130 2770 2856 1483

Gesamte Zeilenanzahl 244 391 542 413 605 691 535 703 643 367

Wörteranzahl in 3 Zeilen 12 10 6 14 15 13 12 12 13 14

Wörteranzahl in 6 Zeilen 20 20 18 30 29 26 27 21 25 27

Wörteranzahl in 9 Zeilen 32 34 31 43 40 38 39 33 37 36

Wörteranzahl in 12 Zeilen 43 51 41 61 52 43 50 46 51 48

260

Wörteranzahl in 15 Zeilen 58 68 53 72 66 53 65 55 62 60

Wörteranzahl in 18 Zeilen 66 79 64 86 82 65 77 66 72 75

Wörteranzahl in 21 Zeilen 74 95 73 99 96 78 92 81 83 87

Wörteranzahl in 24 Zeilen 81 107 85 110 109 90 104 90 97 98

Wörteranzahl in 27 Zeilen 89 119 97 125 122 102 115 102 108 112

Wörteranzahl in 30 Zeilen 98 130 109 140 137 114 125 114 123 126

Tafel 7. Abhängigkeit der Messabweichung von der Zeilenmenge Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Mittelabweichung

14,9 15,2 27,8 4,77 3,07 0,79 8,84 6,94 7,44 1,01

Abw. in 12 Zeilen, % 14,2 4,66 28,4 1,32 5,49 15,8 4,65 2,71 4,31 1,01

Abw. in 15 Zeilen, % 7,41 1,69 26,0 4,32 4,04 16,9 8,84 6,94 6,94 1,01

Abw. in 18 Zeilen, % 12,2 1,54 25,5 4,77 0,64 15,1 7,45 6,94 9,94 3,11

Abw. in 21 Zeilen, % 15,6 1,48 27,2 6,03 0,29 12,7 10,0 2,10 11,0 2,52

Abw. in 24 Zeilen, % 19,2 0,01 25,8 8,64 0,95 11,9 8,84 4,83 9,00 1,05

Abw. in 27 Zeilen, % 21,1 1,13 24,8 7,72 1,45 11,2 6,98 4,12 9,94 2,65

Abw. in 30 Zeilen, % 21,8 2,79 23,9 6,98 0,40 10,7 4,66 3,56 7,69 3,93

9,08

8,26

8,42

8,73

8,91

9,02

9,11

8,64

Abweichung in 3 Zeilen, %

Abw. in 6 Zeilen, %

Abw. in 9 Zeilen, %

4,22 25,0 58,0 6,98 9,04 1,80 0,47 1,5 2,44 15,5

20,2 25,2 37,2 0,34 5,41 1,81 13,0 11,1 6,19 11,3

12,5

13,2

261

Anglizismenliste Die im Folgenden angeführte Anglizismenliste bildet ein Teil des untersuchten Korpus, da sie im Unterschied zum letzten nur die types enthält. Dies betrifft ebenfalls die Kompositionsglieder: War ein Anglizismus mehrmals Kompositionsglied unterschiedlicher Komposita ist er trotzdem einmal aufgelistet. Legende: /

Abtrennung verschiedener Schreibvarianten.

Anglizismus ist ein Kompositionsglied und kommt im Korpus nur als Determinans vor. (-) Anglizismus ist ein Kompositionsglied und kommt im Korpus sowohl als Determinans als auch als Determinatum oder nur als Determinatum vor. m (Maskulinum), n (Neutrum) oder f (Femininum) geben das Genus an, wenn dieses aus dem Kontext zu erschließen war. Anglizismus

1994

2004

Academy

-

+

access

-

+

Action-/action

+

+

Ad-Hoc-

-

+

Aids

+

+

Airbags

+

+

Airline

-

+

Airports

-

+

Airways-

-

+

„All Activity Vehicle”

+

-

All-Inclusive-

-

+

All-Star-

-

+

„Always On“-

-

+

American Football/AmericanFootball-

-

+

Anti-

+

+

263

Anglizismus

1994

2004

Apartment-

-

+

Appeasement n

-

+

Application Award

-

+

Assistence

+

-

Atom

+

+

„Automotive“

-

+

Award/Awards (-)

-

+

Baby boomer

-

+

Babys-/Baby-

+

+

Babysitter

-

+

Bachelor

-

+

„bad boy“ m

+

-

Ballyhoo

+

-

Band

+

+

Bandy

-

+

Banking (-)

-

+

Bar

+

+

Barkeeper

-

+

Bartering

-

+

Baseball

+

+

Basketball

+

+

Batman

+

-

Beach

+

+

Beach-Boy-

-

+

Beat m

-

+

Beatniks

-

+

Beauties

-

+

besprayt

-

+

Besprayungen

-

+

„best of five“-

+

-

Best-of-

-

+

Bestseller

+

+

„Big Band”

-

+

Big Boß

+

-

„Big Brother”

-

+

264

Anglizismus

1994

2004

Big Daddy

+

-

„Big Five“-

-

+

„big grin”

+

-

Biofeedback

-

+

Bits

-

+

Biz (-)

+

-

Blackouts

-

+

Blockbuster

-

+

„Blue-Box-“

-

+

Blues

+

+

Bluff (-)

-

+

Bluffer

-

+

Board of Directors

+

-

Bob

+

-

Bobfahrer

+

-

Bodybuilder

-

+

„Bodybuilding“

+

+

Bodyguards

+

+

Bogey

-

+

Bonds

-

+

Boni

+

+

„Bookends“

-

+

Boom

+

+

boomen

+

+

boomend

+

+

Boss

+

+

Bottom-up-

-

+

Box

+

+

Box (= Behälter)

-

+

boxen

+

+

Boxen (-) n

+

+

Boxer-

+

+

Boykott (-)

+

+

boykottieren

+

+

Boys (-)

+

+

265

Anglizismus

1994

2004

„Brady Bill“ f

+

-

„Brain gain”

-

+

Brain up

-

+

„Braindrain”

-

+

Brainstorming

-

+

„Branding“

+

-

„Brandweek“

-

+

Bravo-Girl-

-

+

Briefing

+

+

Broadway-

-

+

Broker (-)

+

+

„Brownstone“-

-

+

Browser

-

+

Bucks (-)

-

+

Bull

-

+

Bungalows

-

+

Burn-out-

-

+

Busineß

+

+

Business School

-

+

Business-Class

-

+

Button

-

+

„Buy”

-

+

Buyout-

-

+

Bye-Bye-Burger

+

-

Call-

+

+

Call-by-Call-

-

+

Callgirl

-

+

Campaign

-

+

camp (Adj.)

-

+

Camper

+

-

Camping-

+

+

Camps

+

+

Campus

-

+

Cape n

+

-

Cape Flats

+

-

266

Anglizismus

1994

Capital Fund

-

2004 +

Card (-)

+

-

Care-

+

-

Cash/Cash-

-

+

Cash-Cows

-

+

Cash-flow m /Cashflow/Cash Flow

+

+

Castor

+

-

Catering

-

+

CD

+

+

Centre/Center

+

+

Centre Court

+

-

Centrecourt

-

+

CEO

-

+

Chairman

+

+

Champion

+

+

Championship

-

+

Change (-)

-

+

Chart (-) m

-

+

chartechnisch

-

+

Charter-

-

+

Chartermaschine

+

-

Check-

+

+

Check-In-

+

-

Checkpoint

-

+

Check-up

-

+

Chicken (-)

-

+

„Chief Operating Officer“

-

+

Chip

+

+

chipen

-

+

Circuit

+

-

City

+

+

Claims

+

-

Clan (-)

+

+

„Classics“

-

+

Clean Systems

-

+

267

Anglizismus

1994

2004

Clearing Corporation

-

+

Clearing-Link

-

+

clever

+

+

Clinch

-

+

Clown

+

+

Cluster

-

+

CNE

-

+

Co-

+

+

Coach

+

+

Coca-Cola-

-

+

Cockpit

+

+

Cocktail-

+

+

Code/Codes (-)

+

+

Codierung

-

+

Cola

-

+

Coldplay-

-

+

Collection (-)

-

+

College-

-

+

coloured

+

-

Comcast-

-

+

Comebacks

+

+

Comedy

+

+

Comic-

+

+

Coming Out

-

+

„Common Law“

-

+

„common sense”

-

+

Commonwealth-

+

-

Company

-

+

Compliance-

-

+

Computer

+

+

Computerhackern (D.Pl.)

+

-

computerisiert

+

-

Concepcion

+

-

Concert

+

-

concert-concept

+

-

268

Anglizismus

1994

2004

Connection (-)

+

+

Consult

+

-

Consultant

-

+

Consulter

+

-

Consulting

+

+

Container

+

+

Containments

-

+

Controlling

+

+

„cool”

+

+

co-op-

+

-

COPD-

-

+

Copyrights

-

+

Corporate Bonds

-

+

Corporate Identity

+

-

Corporates-

-

+

Corporation

-

+

Countdown m

+

-

Counter

-

+

Court

+

-

Cowboy-

-

+

Crash-

+

+

Credit-

-

+

Crew f

+

+

Cross Border Leasing

-

+

Crossrates

-

+

„Cruel”

-

+

Cup

+

+

„Cursive”-

-

+

„Customer Service”

-

+

Cut

-

+

Cyber-

-

+

Cyberspace

-

+

Dance-

-

+

Dandy

+

+

Dates

-

+

269

Anglizismus

1994

„D-Day“

+

-

Deal

+

+

Dealer

+

-

Decoder

-

+

Deep Throat

-

+

Default

-

+

„Defence“

-

+

denunzieren

-

+

Departments

+

-

Depositary Shares

+

-

Derby

+

+

Design

+

+

Designer

+

+

Designerin

+

+

Design-Food-Firma

-

+

Development

-

+

Digital-

-

+

digital

+

+

digitalisieren

-

+

Digitalisierung

-

+

Dinner

-

+

Direct-

+

-

Disco-

-

+

Discount-

+

+

Discounter

+

+

Diskette (-)

+

-

Display (-)

-

+

Distrikt

+

+

Dividende

-

+

DJs

-

+

Doors

-

+

Doping

+

+

Dow-Jones-

+

+

Download-

-

+

Dream

+

-

270

2004

Anglizismus

1994

Dream-Teams

+

2004 -

Dreß (-)

-

+

Dressman

+

-

Drinks

+

+

dry

-

+

Dschungel

+

+

DSL-

-

+

Dummy

+

-

Dumping

+

+

durchgestylt

+

-

DVD-

-

+

easy

+

-

EC

-

+

E-Commerce

-

+

edge city

-

+

EHF-

-

+

„elder statesman“/Elder Statesman

+

-

Eleven

-

+

E-Mails/e-mail

+

+

Emoticons

+

-

E-Musik

-

+

Engagement

+

+

engagieren

+

+

Entertainer

-

+

Entertainment

+

-

„Equal-Weight”/„Equal weight“

-

+

Erfolgsstory

+

+

Establishment

+

+

European Masters

-

+

Events/ -

-

+

Evergreens

-

+

Everybody´s darling

+

-

Execution

-

+

Exit-

-

+

„Extras“

-

+

271

Anglizismus

1994

2004

„faceliftend”

+

-

Facelifting

+

-

Facility

-

+

Factoring

+

-

Facts

-

+

fair

+

+

„Fair play“

-

+

Fairneß

+

-

Fairste m

-

+

Fans

+

+

Farm-

-

+

Farmer (-)

+

+

Fashion Watch f

+

-

Fast-Food-

+

+

FC

+

+

Fellows

-

+

Fellowship

-

+

Festivals

+

-

Fiction

-

+

Fight

-

+

First Lady

+

+

„First Mover”

-

+

fit

+

+

Fitness/Fitneß-

+

+

Fixing

+

-

Floater

+

+

Flops

+

+

floppen

-

+

Flyer

-

+

„Flying“-

-

+

Flying Dream

+

-

Football

+

+

Footwork

+

-

„Foreign Affairs”

-

+

Forward-

-

+

272

Anglizismus

1994

2004

Foul

+

+

Four- (-)

+

-

Freak

-

+

Free Float

-

+

Free Kick

+

-

Freenet-

-

+

Free-TV-

-

+

„Frontoffice”

-

+

Frust

+

-

Frustration

+

-

frustriert

-

+

Fun

-

+

Futures (-)

+

+

Gaelic Football

+

-

Gagen (-)/Gags

+

+

Gameboy

-

+

Games-

-

+

Gameshow

+

-

Gangster

+

-

„gate”/Gates-

+

+

Gay

-

+

geblufft

-

+

gecastet

-

+

gechartet

+

-

gedopt

+

+

gefoult

+

+

gekidnappt

+

-

geleast

+

+

gemanagt

+

+

General Standard

-

+

„Generation Tatoo“

-

+

Gen-Food

-

+

Gentlemen/Gentleman

-

+

gepockert

+

+

Germany

-

+

273

Anglizismus

1994

2004

gesprintet

-

+

gestoppt

+

+

gestyltes

+

-

getestet

+

+

Ghostwriter

+

-

Gigabyte

-

+

Girls

-

+

GIs

-

+

Global Clearing

-

+

Global Clearing Link

-

+

Global Mail

-

+

Global Player

-

+

Going Public/Going-Public

+

-

Golden Age

-

+

„golden child”

+

-

„Golden-Four-Jackpot “

+

-

Golf

+

+

Golfer (-)

+

-

golfen

-

+

„Good bye“

+

-

„good governance“

-

+

„good man“

+

-

Goodwill-

-

+

Gospel-

-

+

GPS-

-

+

Graffiti

+

-

Grand-Slam-

+

+

Greatest-Hits-

-

+

Green Zone

-

+

Greenpeace

+

-

Green-Set-

+

-

Gridgirls/Grid-Girls

-

+

Grill-

+

-

„grin“

+

-

groggy

-

+

274

Anglizismus

1994

2004

Group (-)

-

+

„Grunge“

-

+

Hacker

-

+

„Haircut”

-

+

Haker (-)

+

-

Hall

-

+

Hall of Fame/„Hall-of-Fame”-

+

+

Hamburger

-

+

Handicap/Handi-Cap

+

+

Handling

+

-

Handy-

-

+

„happy”

+

-

Happy-End

+

-

Hardliner

-

+

Hardrock

-

+

Hardware-

-

+

Hattrick

+

-

Heavy-metal-/Heavy-Metal-

+

-

Heights

+

-

Helikopter

-

+

Help-

-

+

Hero

+

-

Hi-Fi-

-

+

High-

+

-

High Court

-

+

Highflyer

-

+

Highlight

-

+

Highspeed-/„Highspeed”-

-

+

High-Tech-/Hightech-

+

+

Highways

+

-

Hip-hop-

+

-

hipp

-

+

Hippie

-

+

History-Soap

-

+

Hit

+

+

275

Anglizismus

1994

2004

Hitliste

+

+

Hitparade

+

-

HIV

+

-

Hockey

+

+

„Hold“

-

+

Holding

+

+

Hollywood-

+

+

Hollywood-Star

+

-

Homepage

-

+

Homeshopping-

-

+

Homestorys

-

+

Honeymoon

-

+

Hooligans

+

-

Horror-

-

+

Hosting

-

+

Hot-

+

-

Hot pants

+

-

Hotline

+

+

„Hotspot“

-

+

„house warming party“

-

+

„Hubs“

-

+

Hype (-)

-

+

IC

-

+

ICE

-

+

Image

+

+

IMAX-

-

+

Immorality Act

-

+

Impeachment

+

-

Incentives

-

+

Independent Strategy f

-

+

Indices

-

+

Infocenter

+

-

Infotainment

-

+

„In-line“

-

+

Inline-Skaten

-

+

276

Anglizismus

1994

Inline-Skates

-

2004 +

input-

-

+

Insider

+

+

Insight

-

+

Internet

-

+

Interrail-

+

-

Interviews

+

+

Intraday

-

+

Investment

+

+

„Investmentgrade”

-

+

IPO-

-

+

ISDN-

-

+

IT-

-

+

Jackpot

+

+

Jazz

-

+

Jeans-

-

+

Jeeps

+

+

Jet-

+

+

Jetset

-

+

Jetsetter

-

+

jetten

+

-

Job

+

+

jobben

-

+

Job-sharing

+

-

Jockey

+

+

Joints

+

-

Joint-venture

+

+

Jo-Jo

-

+

Joker

-

+

„Juice“

-

+

Jumbo-

+

-

Jury

+

-

k.o.

+

+

K.-o.-

+

+

„Kabel Digital Home“-

-

+

277

Anglizismus

1994

Keeper

+

2004 +

Ketschup-/Ketchup-

-

+

Keynesianismus

+

-

Kick

-

+

„Kickoff ”

-

+

Kidnapper

+

+

Kidnapping-

-

+

Kids

+

+

Killer (-)

-

+

Kilobit

-

+

Klick (-)

-

+

Klon-

-

+

Klub/Club

+

+

„Knighthawks “

-

+

„Knit Cafes“

-

+

Knock-Out-/Knockout

-

+

Know-how

+

+

Label (-)

-

+

„Lady “

+

+

Laptop

-

+

Last-Minute-

-

+

Late Night Show

+

+

Late-Night-

+

+

„Law-and-order“-

-

+

Layout

-

+

LCD-

-

+

Leader

-

+

Lean Government

+

-

Lean Management

+

-

Lean Production

+

-

Learjet

+

-

Leasing

+

+

Lifestyle-

-

+

Liftgirl

-

+

Lifting

-

-

278

Anglizismus

1994

Lifts

-

+

Liner (-)

-

+

Line-Sharing

-

+

Listing

+

+

live

+

+

Live-

-

+

Lobby (-)

+

+

Lobbyismus

-

+

Lobbyisten

-

+

Loft

-

+

Logistik/Logistik-

+

+

Logo

+

+

Look (-)

+

+

Lord-Richter

-

+

Lounges

+

-

„Love“-

-

+

Madley n

+

-

Magazin

-

+

„magic mushrooms“

-

+

Mail-

-

+

mailen

-

+

Major-

-

+

Make-up-

-

+

Management

+

+

Management-buy-out

+

+

managen

+

+

Manager

+

+

Managerin

-

+

„Managing Director“

-

+

map-hypo

+

-

Marketing

+

+

„Marketperformer“

-

+

„Marktperform“

-

+

Match

+

-

MDax

-

+

279

2004

Anglizismus

1994

2004

Meeting

+

+

Megabit

-

+

Memorial-Day-

-

+

Message f

-

+

Micro-

+

-

Midcaps

-

+

Military

+

-

Mini-

+

+

Minidisc-Player

-

+

Missed

+

-

„missing link“/„Missing link“

-

+

Mix (-)

+

+

Mixed-

+

+

MMS

-

+

modeln

-

+

Monitoring

-

+

MP3-

-

+

MPC-

-

+

Musical

+

+

Musicload

-

+

New Economy/New-Economy-

-

+

New Market

-

+

NGO´s

-

+

Nobody

-

+

No-future-Generation

+

-

Nonsens

+

-

Nonstop-

+

-

Notebooks

-

+

„Offer Period“

-

+

„Office Ladies“

-

+

Off-off-

+

-

Off-Shore-

+

-

Offshoring n

-

+

Okay

-

+

Old-Boys-

-

+

280

Anglizismus

1994

2004

one-man-show/One-Man-Show

+

+

On-line-/Online-

+

+

Online-Banking

-

+

Open

+

+

Open-Air-

-

+

Organizer

-

+

„Originals“

-

+

Out of Bounds

+

-

Outcasts

-

+

Outfit

-

+

Out-of-Area-

-

+

„Outperform“

-

+

Outperformance

-

+

„Outperformer“

-

+

output-/Output

-

+

Outside Area

+

-

Outsourcing-

-

+

„Overweight“-

-

+

Paramount

-

+

Park-and-ride-

+

-

Park-Distance-Control

-

+

Party

+

+

Passed

+

-

Patchwork-

+

+

Pay-

+

-

Payback-

-

+

Pay-TV

+

+

PC

+

+

PDA

-

+

„Peanuts“

+

-

People (-)

-

+

Performance-

+

+

Performer

-

+

Pharmacogenomic

-

+

Pickups

+

-

281

Anglizismus

1994

2004

PIN

-

+

pinkfarben

+

-

Pipeline

+

+

Pixel

-

+

Play or pay/Play-or-pay-

-

+

Play-Off-/Play-off-

+

+

Plot

-

+

pokern

+

-

Poker

+

+

Pool

+

+

Pop-

+

+

Port (-)

-

+

Postdoc

-

+

Poster

-

+

Power

+

+

PR-

+

+

Pretty-Woman-Image

-

+

Prime Standard

-

+

Product-Placement-

-

+

Profi

+

+

Provider (-)

-

+

Prozessor

+

-

Pub

-

+

Publicity-

-

+

Pulp-

-

+

Punker

+

-

Punks

+

+

„purchasing power“

+

-

Push

-

+

Put-

+

+

Putts

-

+

Queen

+

+

„quick fixes“

+

-

Quick Pack

-

+

Quiz

+

+

282

Anglizismus

1994

2004

Radar

-

+

Railtrack

+

-

Rallye (-)

+

+

random sample

+

-

Ranking

-

+

Rapper

+

-

Rate-

+

-

Rating

+

+

Reality

+

+

Real-Life-Soaps

-

+

recyceln

+

-

Recyceln n

+

-

Recycling

+

+

„red herring“

-

+

relaxt

-

+

Remake

-

+

Report (-)

-

+

„representative office“

+

-

Research-

-

+

Rezession

+

-

„Riot Control“

-

+

„Road-Map“

-

+

Road-Pricing

+

-

„Roaring Sixties“

-

+

Rock-

+

+

Rock-´n´-Roll-

+

+

Rollenoffset

-

+

Rookies

+

-

Rowdies

+

-

Royal Mail

-

+

Royal Society f

-

+

Rugby- und Polo-

-

+

Rush

-

+

Rushdie-Effekt

+

-

Sale-and-Lease-Back-

-

+

283

Anglizismus

1994

2004

Sanctuary

-

+

SARS

-

+

scannen

-

+

Scanner (-)

-

+

Schecks

+

-

Schock

+

+

schockiert

-

+

Science-fiction-Film/ScienceFiction-

+

-

Scientology-

-

+

Scout (-)

-

+

„Screener“ (-)

-

+

Securities/Security

-

+

„Sell“

-

+

„sell-off“

+

-

Semiconductor

-

+

Serials

-

+

Server-

-

+

Service

+

+

Set (-)

-

+

Sex

+

+

Sex & Crime/Sex-and-Crime-

-

+

Sex-Appeal

-

+

Sexiness

-

+

sexy

-

+

Shareholder Value

-

+

Sharing (-)

+

-

Sheriffs

+

-

Shirts (-)

+

+

Shooting

-

+

Shooting-Star/Shooting Star

+

+

Shop

+

+

Shop-in-Shop

+

-

shoppen

-

+

Shoppen

-

+

284

Anglizismus

1994

2004

Shopping

-

+

Short-Turbo

-

+

Show

+

+

Showdown m

+

+

„Shuttle“-

+

-

Singles/Singles-

-

+

Sir

+

+

Site f

-

+

Skateboards

-

+

Sketch

+

-

Skinhead-

+

+

Skins

+

-

„Slacker“

-

+

Slapstick

-

+

„slippery slope“

-

+

Slogans

+

+

Slum-

+

-

smart

-

+

Smart Card

-

+

Smart Mail

-

+

smoking gun

-

+

SMS-

-

+

Sneakers

+

-

Snobismus

+

-

Snobs

-

+

Snowboard-

-

+

Soccer

+

-

Social Watch

-

+

Society

-

+

Software

+

+

Song (-)

+

+

Songwriter-

-

+

Sonnyboy

+

-

Soul-

+

-

Sounds

+

+

285

Anglizismus

1994

2004

Special

-

+

Special Effects

+

-

Speed-

+

-

Speed Mail

-

+

Spikes

+

-

Split

-

+

Splitting

+

-

Spoiler

+

-

Sponsor

+

+

Sponsoring (-)

+

+

Sportback

-

+

Sporting

+

-

Spots

+

+

Spray-

-

+

Sprayer

+

+

Spreads

-

+

Sprint

+

+

Sprinter

+

-

Squeeze Out

-

+

Stalker

-

+

Stalkerin

-

+

Stalking

-

+

Standards

+

+

Star

+

+

Starbucks

-

+

Start

+

+

starten

+

+

Starter (-)

-

+

Starting Five

-

+

Start-up

-

+

Statement

-

+

Steak (-)

-

+

Steakhaus

-

+

Stealth-

+

-

Stepp-

-

+

286

Anglizismus

1994

2004

steppen

-

+

Stewardess

-

+

Stewards (-)

-

+

Stick (-)

-

+

Stock-Picking n

-

+

„Stop and go“

+

-

Stopp

+

+

stoppen

+

+

Stores

-

+

Story

+

+

Storylines

-

+

Streaming

-

+

Streik

+

+

streiken

+

-

Stripper-

-

+

Striptease

+

-

„stun grenades“

-

+

Stuntman

+

-

Stunts

-

+

Styling

-

+

Stylisten

-

+

Super-

+

+

super

+

+

Superman-

+

-

Supermärkte

+

+

Superminis

+

-

Supervisor

+

+

Supreme Court

-

+

Surfactant

-

+

„Surfbox“

-

+

surfen

-

+

Surfer

+

+

Surpriseshow

+

-

SUV

-

+

Swap

+

+

287

Anglizismus

1994

2004

„Swatch“-

+

+

Swing

-

+

Swingsters

-

+

Synthesizer-Keyboards

-

+

Talk- (-)

+

+

talken

+

-

Talkmaster

+

-

Talkomanie

+

-

Talkshow

+

+

TAN

-

+

Tattoo (-)

-

+

Team

+

+

Teamplayer

-

+

teamübergreifend

-

+

Tech-

-

+

Teddy-

+

+

Teenager

+

+

Teenie-

-

+

Telefonbanking/Telefon-Banking

+

-

Telekommunikation

+

-

Telematik

-

+

„Tender“

-

+

Tennis

+

+

Test

+

+

testen

+

+

Thatcherismus

+

-

thriller (-)/Thrillern (D./ PL.)

+

+

Ticker

-

+

Ticket

+

+

„Tie-Breack “

+

-

Timing

-

+

Tip/Tipp

+

+

„Toadstools “

-

+

Toeloop (-)

-

+

Toll-Collect-

-

+

288

Anglizismus

1994

2004

Toolbox

-

+

top

-

+

Top-

+

+

Top (= Oberteil)

-

+

Top 100/Tops

-

+

Top 15

-

+

Top 5

-

+

Top Ten f

+

+

topfit

+

-

Topmanager

+

-

Top-Modell

+

-

„Topsecret“

-

+

Touch

-

+

tougher

-

+

Tower

-

+

Townships

+

+

Trader

+

-

Trailer

-

+

Trainee-

-

+

Trainer

+

+

trainieren

+

+

Training

+

+

Tram

+

-

Transfer

+

+

Travel-

-

+

Trawler m

+

-

Treasuries

-

+

Trend

+

+

Trendsetter

-

+

trendy

-

+

Trial

-

+

Tricks

-

+

Trip

+

+

Trucks

+

-

T-Shirt-

+

+

289

Anglizismus

1994

2004

Turnaround m /Turn-around-

+

+

TV-

+

+

„tyranny“

-

+

UI-

-

+

UMTS-

-

+

Undercover-

-

+

Underground-

-

+

„Underperform“

-

+

Understatement

+

+

„Underweight“

-

+

unfair

+

+

Unisex-

-

+

Unit-

+

-

URL

-

+

USB-

-

+

User

-

+

Utility

+

-

Van-

+

-

Variety Show

-

+

Venture-Capital-

-

+

very important

+

-

„very nice“

+

Video-

+

+

Videoclip

+

+

Viererbob

+

-

VIP-

+

+

Voice-over-IP

-

+

vollcomputerisiert

+

-

Volleyball

+

+

Volleyballerinnen

+

+

Volleytor

+

-

Vorstopper

+

-

„Votescript“

-

+

Walkmen

-

+

Wall Street

+

+

290

Anglizismus

1994

Watergate-

+

2004 -

way (-)

+

-

Web-

-

+

Webhoster

-

+

Webhosting

-

+

Webseiten/Web-Seite

-

+

Website f

-

+

Web-Telefon

-

+

Web-Telefonie/Webtelefonie

-

+

Weight Watchers

-

+

„welfare programs“

+

-

Wellness-/Wellness

-

+

West-End-

-

+

White-House-

-

+

Whitewater-

+

-

Wildcard

-

+

Wildwest-

+

-

Wireless-

-

+

„Workaholics“

+

+

Workshop

+

+

World Bowl-

-

+

World-Team-Cup

+

+

World-Trad-Center-/World Trade Center

-

+

„Worst-Case“-

-

+

WTC

+

-

Xetra

-

+

Yacht

+

+

Yankees

-

+

Yuppie-

+

+

291

UNIVERSITY OF BAMBERG PRESS

Liegt ein weiterer Anstieg der Anglizismenanzahl vor? Wird der Gebrauch von Anglizismen über einen längeren Zeitraum stabiler? Oder sind die Anglizismen lediglich Modeerscheinungen und kurzlebige Phänomene? In welchem Ausmaß wird die deutsche Sprache vom Englischen beeinflusst? In welche Themenbereiche werden die Anglizismen bevorzugt aufgenommen? Auf welche Wortarten verteilen sich die entlehnten Anglizismen? Mit diesen Leitfragen beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Ihr empirischer Teil zeigt zum einen die Dynamik des Entlehnungsprozesses aus dem Englischen ins Deutsche durch den Vergleich zweier Zeitebenen 1994/2004 und 1954/1964, zum anderen die Gebrauchsstabilität der Anglizismen im Deutschen auf. Die Aussagen über die Veränderungen im Subsystem der Anglizismen stützen sich auf statistisch ermittelte Daten. Der Mittelwert und die Varianz der relativen Häufigkeit beschreiben dabei quantitative bzw. qualitative Seiten des Entlehnungsprozesses. Alle Ergebnisse dieser Arbeit gelten mit Vorbehalt, insofern sie nicht als absolute Größen, sondern als quantitative Tendenzen zu begreifen sind.

15,- € ISBN 978-3-923507-71-9 ISSN 2190-3298