Energy Technology Perspectives 2017 - International Energy Agency

Energy Technology Perspectives 2017 - International Energy Agency

Energy Technology Perspectives 2017 Catalysing Energy Technology Transformations Zusammenfassung German translation Secure Sustainable Together IN...

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Energy Technology Perspectives 2017 Catalysing Energy Technology Transformations

Zusammenfassung German translation

Secure Sustainable Together

INTERNATIONALE ENERGIE-AGENTUR Die Internationale Energie-Agentur (IEA) wurde im November 1974 als autonome Institution gegründet. Ihr Hauptauftrag war – und ist – zweigeteilt: die Energieversorgungssicherheit ihrer Mitgliedsländer durch gemeinsame Maßnahmen zur Bewältigung von physischen Störungen der Ölversorgung zu fördern und maßgebliche Forschungsarbeiten und Analysen dazu zu liefern, wie eine verlässliche, erschwingliche und saubere Energieversorgung in ihren 28 Mitgliedsländern und darüber hinaus sichergestellt werden kann. Die IEA führt ein umfassendes Programm zur Energiekooperation zwischen ihren Mitgliedsländern durch, die alle verpflichtet sind, Ölvorräte im Umfang ihrer Nettoölimporte von 90 Tagen zu halten. Die grundlegenden Ziele der IEA lauten wie folgt: n S  icherung des Zugangs der Mitgliedsländer zu einer verlässlichen und umfassenden Versorgung mit allen Energieformen, insbesondere durch Aufrechterhaltung effektiver Krisenkapazitäten zur Bewältigung von Störungen der Ölversorgung. n Förderung nachhaltiger energiepolitischer Maßnahmen, die Wirtschaftswachstum und Umweltschutz in einem globalen Kontext antreiben – vor allem in Bezug auf die Reduzierung der zum Klimawandel beitragenden Treibhausgasemissionen. n Verbesserung der Transparenz der internationalen Märkte durch Erfassung und Analyse von Energiedaten. n U nterstützung der weltweiten Zusammenarbeit im Bereich der Energietechnologie zur Sicherung der künftigen Energieversorgung und Verringerung ihrer Auswirkungen auf die Umwelt, u.a. durch eine Steigerung der Energieeffizienz sowie die Entwicklung und Markteinführung von CO2-armen Technologien. n Ausarbeitung von Lösungen für globale Energieherausforderungen durch Zusammenarbeit und Dialog mit Nichtmitgliedsländern, Wirtschaft, internationalen Organisationen und sonstigen Akteuren.

Die IEA-Mitgliedsländer sind: Australien

© OCDE/IEA, 2017 International Energy Agency Website: www.iea.org

Belgien Dänemark Deutschland Estland Finnland Frankreich Griechenland Irland Italien Japan Kanada Republik Korea Luxemburg Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Polen Portugal Schweden Schweiz Slowakische Republik Spanien Tschechische Republik Türkei Ungarn Vereinigtes Königreich Vereinigte Staaten

Diese Publikation unterliegt bestimmten Einschränkungen in Bezug auf ihre Verwendung und Verbreitung. Die entsprechenden Bedingungen können online eingesehen werden unter: www.iea.org/t&c/

Die Europäische Kommission beteiligt sich ebenfalls an der Arbeit der IEA.

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Energy Technology Perspectives 2017 Catalysing Energy Technology Transformations

Zusammenfassung German translation

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Energy Technology Perspectives 2017

Kurzfassung

Kurzfassung Das Energiesystem entwickelt sich, aber es sind starke politische Signale erforderlich, um seinen Wandel zu beschleunigen und zu lenken Eine Vielzahl von Trends deutet darauf hin, dass sich das globale Energiesystem im Wandel befindet. Der Energiemix wird neu definiert: im Stromsektor decken erneuerbare Energien und der Zubau von Kernenergie den Großteil der steigenden Nachfrage. Auf der Nachfrageseite gewinnen innovative Verkehrstechnologien an Bedeutung, welche die Stromnachfrage voraussichtlich erhöhen werden. Die steigenden Lebensstandards führen dazu, dass mehr Menschen elektrische und elektronische Geräte sowie andere strombetriebene Produkte kaufen, was die Stromnachfrage ebenfalls in die Höhe treibt. Innovationen auf dem Gebiet der Energietechnologien können mehr Vorteile bringen und den Wandel erleichtern, aber es müssen starke politische Signale gesetzt werden. Energy Technology Perspectives 2017 (ETP 2017) verdeutlicht, wie die Energieinnovation, d. h. der umfassendere Einsatz verfügbarer Technologien und die Weiterentwicklung von Technologien in der Innovationspipeline, politische Ziele unterstützen und zugleich sichere, zuverlässige und bezahlbare Energie gewährleisten kann. Der jährlicheTracking Clean Energy Progress (TCEP) Bericht, enthalten in ETP 2017, untersucht, wie sich verschiedene Technologien im Vergleich zu globalen Klimazielen entwickeln. Die Ergebnisse zeigen, dass der Wandel hin zu einem sauberen Energiesystem nicht im Einklang ist mit den erklärten internationalen politischen Zielen. Viele Technologien leiden an einem Mangel an politischer Unterstützung, und dies erschwert ihre verstärkte Einführung. Energieeffizienz, Bioenergie und CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) sind prominente Beispiele für Bereiche, in denen immer noch erhebliches Potenzial für technologische Fortschritte besteht, aber es sind starke politische Signale erforderlich, um angemessene Investitionen zu bewirken. Insgesamt gesehen sind nur einige wenige der untersuchten Energietechnologien auf Kurs die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Der TCEP zeigt jedoch, dass bedeutende Fortschritte erreicht wurden, wenn die Politik klare Signale zum Wert technologischer Innovationen gesetzt hat, wie zum Beispiel bei der Photovoltaik, Onshore-Windkraftanlagen, Elektrofahrzeugen und Energiespeichern.

Ein integrierter Ansatz ist wesentlich für eine nachhaltige Energiezukunft Energietechnologien wirken zusammen und müssen daher gemeinsam entwickelt und eingesetzt werden. Bezahlbare, sichere und nachhaltige Energiesysteme werden einen vielfältigeren Mix an Energiequellen aufweisen und sich stärker auf eine dezentrale Stromerzeugung stützen. Deshalb müssen sie besser integriert und unter Systemgesichtspunkten gesteuert werden. Dies kann die Effizienz steigern und die Systemkosten senken, erfordert aber ein breiteres Spektrum von Technologien und Energieträgern. Jedoch hängt der Erfolg nicht nur von einzelnen Technologien ab, sondern auch davon, wie das gesamte Energiesystem funktioniert. Die wichtigste Herausforderung für energiepolitische Entscheidungsträger wird das Abrücken von einer isolierten, angebotsabhängigen Perspektive zugunsten einer Sichtweise sein, die die Systemintegration ermöglicht. Effektive Planungsinstrumente, unterstützende regulatorische Rahmenbedingungen und ein verstärkter politischer Dialog sind wesentlich. © OECD/IEA, 2017.

Einleitung

Kurzfassung

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Integrierte und vernetzte Stromsysteme sind entscheidend für den Wandel im Energiesektor. Eine verstärkte Elektrifizierung bietet Möglichkeiten zur Erhöhung von Flexibilität, Effizienz und Umweltverträglichkeit der Elektrizitätssysteme. Technologien zur Systemintegration wie Energiespeicher profitieren von sinkenden Kosten, der zunehmend vorteilhafteren regulatorischen Behandlung und einem besseren Verständnis ihres Systemwertes. 2016 stieg der Zubau an neuen Speicherkapazitäten, hauptsächlich Batterietechnologien, um über 50%. Die weit verbreitete Anwendung digitaler Technologien kann dabei helfen, diesen Wandel zu beschleunigen. Die Integration der Energiesysteme und eine verbesserte Laststeuerung (demand response) schaffen neue Chancen für die Optimierung und eine größere Effizienz bei Energiedienstleistungen. Intelligente Energiesysteme ermöglichen eine verbrauchsorientierte Laststeuerung. Technologien, wie die Advanced-Metering-Infrastruktur, intelligente Haushaltsgeräte oder bidirektionale intelligente Stromzähler, unterstützen das Nachfragemanagement und schaffen Anreize für die Verbraucher, um eine aktive Rolle in Energiesystemen zu spielen. Diese Ansätze können eine effizientere Energienutzung fördern und zur Laststeuerung und Systemflexibilität beitragen. Um eine dauerhafte Systemeffizienz und -zuverlässligkeit zu gewährleisten, ist eine langfristige koordinierte Planung für stärkere und intelligentere Infrastrukturinvestitionen erforderlich. Ein effizientes und CO2-armes Energiesystem erfordert nachhaltige Investitionen in vielen Infrastrukturbereichen. In großen Märkten gibt es jetzt schon Engpässe bei den Stromübertragungskapazitäten (z. B. in Deutschland und in der Volksrepublik China), die den künftigen Ausbau der Elektrifizierung und verschiedener erneuerbarer Energien einzuschränken drohen. Der Aufbau der Transport- und der Speicherinfrastruktur für Kohlendioxid (CO2) ist ein weiteres Beispiel: bei den meisten Einzelanwendungen sorgt die Menge an CO2 dafür, dass eine projektspezifische Transport- und Speicherinfrastruktur wahrscheinlich nicht wirtschaftlich ist. Um diese Hürden zu überwinden, sind eine effektive Koordination und Planung auf lokaler bis regionaler Ebene nötig. Der technologische Fortschritt erfordert eine starke politische Unterstützung. Während sich die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit neuer Technologien verbessert, haben die politischen Anreize nicht immer genug Markteinfluss, um die technologischen Entscheidungen in die optimale Richtung zu lenken. Um Vorteile für Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit zu verwirklichen, sind angemessene Marktsignale und –regulierungen notwending, so dass Investitionen gefördert werden. Die Marktkräfte allein werden nicht die erforderlichen Impulse geben. Starke und konsequente, über die verschiedenen Energiesektoren hinweg koordinierte Politikmaßnahmen sollten die energiepolitischen Ziele in allen Facetten der staatlichen und unternehmerischen Entscheidungsfindung einbeziehen, einschließlich Steuerpolitik, internationaler Handel, Städteplanung und Innovation.

Größere Ambitionen für ein nachhaltiges Energiesystem spiegeln sich nicht im Handeln wider Die kritische Herausforderung besteht heutzutage darin, die Dynamik des Wandels im Energiesektor sicherzustellen und seinen Fortschritt zu beschleunigen. Die Ratifizierung des Übereinkommens von Paris und die Aufrufe zur Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zeigen eine starke globale Unterstützung, um Klimawandel und andere Umweltbelange anzugehen. Es sind schnelle und klare Signale im Einklang mit den langfristigen Zielen nötig, um den Energiesektor in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken. Der derzeitige Kurs allein reicht nicht aus. ETP 2017 stellt drei Wege für die Entwicklung des Energiesektors bis 2060 vor. Das Reference Technology Szenario (RTS) liefert ein Basisszenarium, das bestehende energie- und klimabezogene Verpflichtungen von Ländern berücksichtigt, einschließlich der im Übereinkommen von Paris zugesicherten national festgelegten Beiträge (nationally determined contributions). Das RTS - das die derzeitigen Ambitionen der Welt spiegelt - ist nicht mit dem Erreichen globaler Klimaschutzzielen © OECD/IEA, 2017.

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Energy Technology Perspectives 2017

Kurzfassung

vereinbar, stellt aber immer noch eine wesentliche Veränderung dar gegenüber einem auf bisherigen Entwicklungen basierenden „business as usual“ Ansatz. Eine ambitioniertere Dekarbonisierung erfordert erhöhte Anstrengungen und nachhaltiges politisches Engagement. Das 2°C-Szenario (2DS) und das Beyond 2°C-Szenario (B2DS) zeigen jeweils einen schnellen Dekarbonisierungsweg auf, der mit den Zielen internationaler Politik im Einklang steht. Das 2DS war viele Jahre lang das Hauptklimaszenarium der ETPReihe, und hat breite Anwendung bei politischen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft gefunden, um ihre Klimastrategien zu bewerten. Mit dem B2DS wird zum ersten Mal dargelegt, welchen Beitrag saubere Energietechnologien bringen könnten, wenn sie bis an die praktischen Grenzen ausgereizt würden, im Einklang mit den ambitionierteren Bestrebungen der Länder im Übereinkommen von Paris. Sich derzeitig in der Innovationspipeline befindende Technologien benötigen starke politische Unterstützung, um die globalen Klimaziele zu erfüllen. Im B2DS erreicht der Energiesektor Klimaneutralität in 2060, um den künftigen Temperaturanstieg bis 2100 auf 1,75°C zu begrenzen, die Mitte des Zielspektrums aus dem Übereinkommen von Paris. Dieser Weg impliziert, dass alle verfügbaren politischen Instrumente während des Prognosezeitraums in jedem Sektor weltweit eingesetzt werden. Dies würde beispiellose politische Maßnahmen sowie Bemühungen und Engagement seitens aller beteiligten Akteure erfordern.

Koordiniertes Handeln und ein Mix von Technologien sind erforderlich für kosteneffiziente Lösungen Um die kosteneffizientesten Lösungen zu erreichen, sind Maßnahmen in allen Sektoren erforderlich. Sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite des Energiesystems existieren zahlreiche technologische Möglichkeiten. Es wird ein Portfolio von Technologien für sichere und bezahlbare Energiedienstleistungen benötigt, während gleichzeitig auch die Emissionen reduziert werden. Die Elektrifizierung der Endenergiesektoren nimmt zu, aber die Dekarbonisierung der Stromerzeugung bei wachsender Stromnachfrage in Endanwendungen birgt neue Herausforderungen und Chancen. Derzeitige Trends würden den Anteil der Elektrizität am Energieverbrauch in allen Endenergiesektoren von derzeit 18% auf 26% im Jahr 2060 im RTS erhöhen, was relativ betrachtet den höchsten Anstieg unter allen Energieträgern bedeuten würde. Die Elektrifizierung der Endenergiesektoren kann also eine Verschiebung von der direkten Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen auf CO2-armen Strom ermöglichen. Im 2DS und im B2DS wird Strom zum größten Endenergieträger, knapp vor Erdöl. Die Substitution macht sich besonders im Verkehrssektor bemerkbar, wo Strom zum wichtigsten Energieträger für den landgebundene Verkehr im B2DS wird. Dekarbonisierter Strom ist das Rückgrat für den Wandel zu sauberen Energien. Der globale Stromsektor kann im Rahmen des 2DS bis 2060 Netto-CO2-Emissionen von Null erreichen. Dies erfordert eine verstärkte Einführung eines Technologieportfolios, das 74% Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien beinhaltet (einschließlich 2% nachhaltiger Bioenergie mit CO2-Abscheidung und –Speicherung [BECCS]), 15% aus Kernenergie, 7% aus fossil-befeuerten Kraftwerken mit CCS und den Rest aus erdgasgefeuerter Stromerzeugung. Effizientere Gebäude unterstützen den gesamten Wandel im Energiesystem. Der beschleunigte Einsatz von hocheffizienten Energiediensten, wie Beleuchtung und Kühlung, und Elektrogeräten könnte zwischen heute und 2030 50 EJ einsparen, was fast drei Vierteln der heutigen globalen Stromnachfrage entspricht. Diese Einsparungen würden gleichzeitig den verstärkten Einsatz von Strom in anderen Bereichen ohne zusätzliche Belastungen für den Stromsektor ermöglichen. Technologie und Politik können den Verkehrssektor in Richtung höherer Nachhaltigkeit lenken. Die Elektrifizierung stellt die wichtigste kohlenstoffarme Strategie für den Verkehrssektor dar. Dieser Trend ist schon teilweise in Gang gekommen mit einem Bestand an © OECD/IEA, 2017.

Einleitung

Kurzfassung

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Elektrofahrzeugen, der gemäß RTS bis 2030 um das Achtundzwanzigfache auf zwei Millionen Fahrzeuge wachsen soll. Das 2DS erhöht dieses Ziel auf 160 Millionen Fahrzeuge, während das B2DS im selben Zeitrahmen 200 Millionen Elektrofahrzeuge auf den Straßen erfordert, was bedeutet, dass bis 2060 90% aller Fahrzeuge im Straßenverkehr Elektroautos sein müssen. Eine beschleunigter Ausbau der Elektromobilität erfordert größere technologische Entwicklungen und Infrastrukturinvestitionen auf Grundlage starker politischer Unterstützung. Politische Maßnahmen und Technologien, die den Bedarf an Individualverkehr reduzieren - wie zum Beispiel bessere Städteplanung und verstärkte Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln - können den Einsatz neuer Technologien erleichtern und die notwendigen Investitionen erheblich reduzieren. Energieintensive Branchen sind wesentliche Akteure in einer Strategie für eine nachhaltige Umgestaltung. Die Energienachfrage unter den Endenergiesektoren ist in der Industrie am höchsten und wird im Rahmen des RTS bis 2060 voraussichtlich um zwei Drittel ansteigen. Es gibt Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung in der Produktion, zur Maximierung des Einsatzes lokal verfügbarer Ressourcen und zur Optimierung des Materialeinsatzes. Technologien, die bisher noch nicht kommerziell verfügbar sind, spielen eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung von Industrieprozessen: 18% der kumulierten Reduzierung an direkten CO2-Emissionen im 2DS und 36% im B2DS. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Innovation in wirtschaftlich strategischen Sektoren wie der Eisen- und Stahlerzeugung sowie der Zement- und chemischen Industrie zu unterstützen. Es besteht ein erhebliches Potenzial für Energieeinsparungen in der Wärmebereitstellung, Klimatisierung und Kühlung, das noch weitgehend ungenutzt geblieben ist. Derzeit entfallen rund 40% des Endenergieverbrauchs auf die Heizung und Klimatisierung bzw. Kühlung in Gebäuden und der Industrie — ein größerer Anteil als der Verkehrssektor (27%). Zusätzlich basieren 65% dieser Energiedienstleistungen auf fossilen Energieträgern. Energieeffizienz und der Umstieg auf saubere Endenergieträger (einschließlich CO2-armen Stroms und Fernwärme) können den fossilen Energieverbrauch für Wärmebereitstellung, Klimatisierung und Kühlung bis 2060 gegenüber heute halbieren. Je höher die Ziele zur CO2-Reduzierung gesteckt werden, umso kritischer werden negative Emissionen, insbesondere bei der Stromerzeugung und bei der Brennstoffbereitstellung. Im B2DS ergibt BECCS 2060 fünf Gigatonnen an „negativen Emissionen“. Diese negativen Emissionen sind wesentlich dafür, dass der Energiesektor bis 2060 eine neutrale CO2-Bilanz erreicht. Während für BECCS-Technologien noch wesentliche Herausforderungen bewältigt werden müssen, kompensieren sie Restemissionen in anderen Bereichen des Energiesystems, in denen die direkte Reduzierung technisch zu schwierig oder zu teuer wäre. Dies erfordert massive technologische Lernprozesse und den Ausbau von nachhaltiger Bioenergiebereitstellung und CCS, beides Bereiche, die bisher hinterherhinken.

Innovation muss in allen Entwicklungsphasen unterstützt werden, von der frühen Forschung bis zur endgültigen Präsentation und zum vollen Einsatz. Sowohl inkrementelle als auch radikale Innovationen sind notwendig für den Wandel hin zu einem neuen Energiesystem. Den Regierungen kommt eine wichtige Rolle zu, wenn es darum geht, eine zuverlässige, langfristige Unterstützung in allen Phasen der Innovation sicherzustellen – von der Grundlagen - und angewandten Forschung bis zur Entwicklungs-, Demonstrations- und Markteinführungsphase. Die Allokation von Ressourcen für die verschiedenen Technologien muss sowohl kurz- als auch langfristige Chancen und Herausforderungen der Innovation berücksichtigen sowie dem Niveau des technologischen Entwicklungsstands Rechnung tragen (Abbildung 1.1).

© OECD/IEA, 2017.

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Energy Technology Perspectives 2017

1.1. Energietechnologischer Innovationsprozess

We bewerb ohne finanzielle Unterstützung

Erste

Innovationsstufen

Geringer Kostenund Leistungsunterschied Nischenmärkte

Großer Kostenund Leistungsunterschied

Transfers

Erstes kommerzielles Projekt

Prototypen- und Demonstraonsphase FE&D

Zweite Generation (Lernen aus früheren Projekten)

Lernen: Learning-by-doing, Skaleneffekte Öffentliche Unterstützung: rückläufige, technologieneutrale, ganzheitliche Unterstützung Private Maßnahmen: Projektmaßnahmen, Unternehmensanleihen

Zweite Welle

Well e

Kontinuierliche stufenweise Verbesserungen

Einsatz auf Lernen: Learning-by-doing, Skaleneffekte breiter Ebene Öffentliche Unterstützung: beschleunigte Einführung, Markt-Pull-Polik, Systemintegraon Private Maßnahmen: Unternehmens- und Haushaltsbudget; Rentenmärkte

Dritte Welle

Abbildung

Kurzfassung

Lernen: Demonstraon, Kenntnisaustausch, Projektgröße Öffentliche Unterstützung: Schaffung von Märkten, technologiespezifische Unterstützung Private Maßnahmen: PPPs, Risikokapital, Unternehmensanleihen, Eigenkapitalgeber Lernen: F&E, Kenntnisaustausch

Dritte Generation (Leistungsverbesserung durch laufende F&E)

Öffentliche Unterstützung: strategisch ausgerichtete F&E Private Maßnahmen: Business Angel, Unternehmens-F+E

Zeit

Anmerkung: PPP = public-private partnerships (öffentlich-private Partnerschaften), FE&D = Forschung, Entwicklung und Demonstration. F&E = Forschung und Entwicklung.

Kernaussage

Energietechnologien benötigen Unterstützung in allen Innovationsstadien.

Eine internationale Kooperation zwischen verschiedenen Regierungsebenen und dem Privatsektor ist von entscheidender Bedeutung. Eine multilaterale Zusammenarbeit kann die Kosteneffizienz der energietechnologischen Innovation verbessern und Vertrauen schaffen, so dass auf weltweiter Ebene Fortschritte erzielt werden. Die Globalisierung fördert einen erheblich offeneren Innovationsrahmen, der dazu beiträgt, Ressourcen zu bündeln, um die Forschung und Entwicklung (F+E) zu beschleunigen, Demonstrationsprojekte zu finanzieren und die schnellere Markteinführung erprobter Technologien zu fördern. Für die erfolgreiche Einführung innovativer Technologien, die lokale politische und Umweltziele erreichen und zu den globalen Nachhaltigkeitszielen beitragen können, sind steigende lokale Innovationskapazitäten erforderlich. Bestehende Initiativen, wie die Technologiekooperationsprogramme (Technology Collaboration Programmes) der IEA sowie das Clean Energy Ministerial und Mission Innovation müssen gut in allen politischen Entscheidungsfindungsprozessen verankert werden.

© OECD/IEA, 2017.

Einleitung

Kurzfassung

Wichtige Empfehlungen für politische Entscheidungsträger 

Regierungen sollten eine Vision für eine nachhaltige Energiezukunft entwickeln, um den vielfältigen energiepolitischen Herausforderungen zu begegnen und die Fortschritte in Richtung auf die festgelegten Ziele zu verfolgen. Die Festlegung von Strategien und die Sicherstellung des Fortschritts hin zu einem langfristigen Energiewandel, der die Ziele von Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Luftqualität erfüllt, werden entscheidend sein, damit der Energiesektor optimal auf vielfältige Herausforderungen antworten und politische Ziele erreichen kann.



Die internationale Zusammenarbeit muss verbessert werden, um globale Ziele zu erreichen. Gemeinsame Innovationsprogramme schaffen Marktchancen, die sowohl den Herstellern als auch den Nutzern von Technologien zugutekommen und zur kosteneffizientesten Umgestaltung der globalen Energiesysteme beitragen. Die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, um Kapazitäten aufzubauen und bewährte Praktiken zu teilen, können lokale Maßnahmen, angepasst an die jeweiligen Gegebenheiten, unterstützen.



Die politische Unterstützung für Technologien sollte in allen Phasen des Innovationszyklus verstärkt werden. Die öffentliche Unterstützung sollte messbar sein und alle Phasen der Innovation (einschließlich Forschung, Entwicklung, Demonstration und Einführung) erfassen, um sowohl inkrementelle als auch radikale Innovationen sowie die Einführungsmaßnahmen für spezifische Technologien zu fördern. Initiativen wie die Technologiekooperationsprogramme (Technology Collaboration Programmes) der IEA, das Clean Energy Ministerial und Mission Innovation sind wichtige Plattformen zur Koordinierung und Beschleunigung globaler Bemühungen.



Politische, finanzielle und und marktbezogene Mechanismen müssen angepasst werden, um neue Geschäftsmodelle zu unterstützen, die durch die Veränderung der technologischen Landschaft ermöglicht werden. Marktdesigns und -regulierungen sollten die Möglichkeit nutzen, die sich durch den verstärkten Zugang zu Energieinformationen ergeben, um neue Transaktionsmodelle für Energie zu ermöglichen. Zwischen nationalen, regionalen und lokalen Regierungen und anderen Akteuren im Energiesektor müssen ein stärkerer institutioneller Dialog und eine bessere Koordinierung geschaffen werden, um den Wandel im Energiesektor zu beschleunigen und neuartige Lösungen zu finden.



Politische Entscheidungsträger sollten ein besseres Verständnis von Chancen und Herausforderungen entwickeln, die sich aus der steigenden Digitalisierung im Energiesektor ergeben. Die Digitalisierung und der Energiesektor wachsen zusammen und bringen sowohl neue Chancen als auch Risiken. Es werden bessere Daten und rigorosere Analysen benötigt, um sicherzustellen, dass die Digitalisierung und der Wandel der Energielandschaft in der sinnvollsten und kosteneffizientesten Weise zusammenarbeiten.

© OECD/IEA, 2017.

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Dieses Dokument wurde ursprünglich auf Englisch veröffentlicht. Die IEA hat zwar im Rahmen des Möglichen sichergestellt, dass die deutsche Übersetzung dem englischen Original getreu ist, kleine Abweichungen sind jedoch nicht auszuschließen.

This publication reflects the views of the IEA Secretariat but does not necessarily reflect those of individual IEA member countries. The IEA makes no representation or warranty, express or implied, in respect of the publication’s contents (including its completeness or accuracy) and shall not be responsible for any use of, or reliance on, the publication. Unless otherwise indicated, all material presented in figures and tables is derived from IEA data and analysis.

This document, as well as any data and any map included herein are without prejudice to the status of or sovereignty over any territory, to the delimitation of international frontiers and boundaries and to the name of any territory, city or area.

IEA Publications, International Energy Agency Website: www.iea.org Contact information: www.iea.org/aboutus/contactus

Typeset in France by IEA, June 2017

Cover design: IEA. Photo credits: © PhotoObsession. The paper used has been produced respecting PEFC’s ecological, social and ethical standards

IEA/OECD possible corrigenda on: www.oecd.org/about/publishing/corrigenda.htm

© OECD/IEA, 2017.

Explore the data behind Energy Technology Perspectives 2017

www.iea.org/etp2017 The IEA is expanding the availability of data used to create the Energy Technology Perspectives publication. Please visit the restricted area of the ETP website, www.iea.org/etp2017.

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Energy Policies Beyond IEA Countries series

Energy Technology Perspectives series

Energy Statistics series

World Energy Outlook series

Energy Policies of IEA Countries series

Oil

Gas

Coal

Renewable Energy

World Energy Investment series

Market Report Series Energy Efficiency

Energy Technology Perspectives 2017 Catalysing Energy Technology Transformations Das globale Energiesystem steht kurz vor einem historischen Umbruch. In der diesjährigen Ausgabe ihrer umfassenden Publikation zu Energietechnologien legt die Internationale Energie-Agentur den Schwerpunkt auf die Chancen und Herausforderungen eines breiteren und schnelleren Wechsels zu CO2-armen Technologien. Dabei werden auch neue Szenarien behandelt, die in ihren Zielsetzungen weit über jene hinausgehen, die die IEA in der Vergangenheit veröffentlicht hat. Fortschritte in Energietechnologien beeinflussen nach wie vor die Perspektiven für den Energiesektor, treiben Veränderungen der Geschäftsmodelle, der Energienachfrage und der Versorgungsstrukturen voran und wirken sich auf regulatorische Maßnahmen aus. Entscheidungen, die im Energiesektor getroffen werden, haben verstärkt Einfluss auch auf Versorgungssicherheit, Luftqualität, Klimawandel und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Energy Technology Perspectives 2017 beschreibt, welche Auswirkungen diese Trends und der technologischer Fortschritt auf jene Entwicklungen im Energiesektor haben, die für die Versorgungssicherheit und ökologische Nachhaltigkeit in den nächsten Jahrzehnten entscheidend sein werden. Zum ersten Mal untersucht ETP 2017, in welchem Maße saubere Energietechnologien dazu beitragen können, die neu gesteckten Ziele in Sachen Klimawandel zu erreichen, wenn technologische Innovationen konsequent und bis an ihre praktischen Grenzen umgesetzt werden. Die Analyse zeigt, dass dies zwar ein politisches Handeln erfordern würde, das weit über alles, was in der Vergangenheit getan wurde, hinausgeht, dann aber ein Niveau an Treibhausgasemissionen erreicht werden könnte, das der Mitte der Zieltemperaturspanne des globalen Klimaschutzabkommens von Paris entspricht. Außerdem zeigen die Analysen, dass politisches Handeln - unabhängig von der Art und Weise, wie der Wandel im Energiesektor umgesetzt wird - entscheidend ist, um durch eine systematische und koordinierte Vorgehensweise sicherzustellen, dass die flächendeckende Einführung sauberer Energietechnologien zu einem Nutzen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit sowie weiterer energiepolitischer Zielsetzungen führt. ETP 2017 umfasst darüber hinaus den jährlichen Tracking Clean Energy Progress Report der IEA, der zeigt, dass die derzeitigen Fortschritte bei der Entwicklung und beim Ausbau sauberer Energietechnologien noch nicht ausreichen. Es wird aufgezeigt, dass wesentliche Fortschritte dort erzielt werden konnten, wo die Politik klare Signale für den Wert technologischer Innovationen gesetzt hat. Viele Technologien leiden jedoch nach wie vor unter mangelnder finanzieller und politischer Unterstützung.

Mit dem Kauf der ETP 2017 erhalten Sie außerdem Zugriff auf ein umfassendes Online-Angebot an Daten, Abbildungen und Datenvisualisierungen. Weitere Informationen finden Sie unter: www.iea.org/etp2017

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