Engagement hat ein Gesicht - IG Metall @ Daimler

Engagement hat ein Gesicht - IG Metall @ Daimler

Engagement hat ein Gesicht Vorwort 8. März 2011 Liebe Kolleginnen und Kollegen, am 8. März 2011 wird der internationale Frauentag und sein 100. Ge...

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Engagement hat ein Gesicht

Vorwort

8. März 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen, am 8. März 2011 wird der internationale Frauentag und sein 100. Geburtstag gefeiert. Er hat eine lange Tradition und geht auf die Arbeiterinnenbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts zurück. Sie kämpften um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, das Wahlrecht und den 8. Stunden Tag. Wir als Projektgruppe Frauen bei Daimler möchten diesen Tag gebührend feiern und haben hierfür diese Broschüre erstellt. Zum einen bekommt ihr einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte des internationalen Frauentags. Zum anderen möchten wir uns vorstellen und unsere Erfahrungen mit der Frauenarbeit mit Euch teilen! Hierfür standen wir Euch Rede und Antwort. Aktuell möchten wir unser erstes weibliches Vorstandsmitglied Frau Dr. Christine Hohmann-Dennhardt begrüßen. Wir hoffen, dass die Daimler Führungskräfte dies als Anlass dafür nehmen, den Frauenanteil weiterhin zu erhöhen. Wir, die Projektgruppe Frauen, setzen uns bei Daimler weiterhin für die Themen der Frauen ein. Unser Ziel ist klar: Die Verbesserung der Situation von Frauen im gesamten Unternehmen. In den 13 Jahren haben wir einiges erreichen können, aber auch noch viel vor! Herzliche Grüße, Ute Hass Betriebsratsvorsitzende Werk Berlin Vorsitzende der Projektgruppe Frauen des Gesamtbetriebsrats der Daimler AG

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100. Jahre internationaler Frauentag Die Wurzeln des 8. März liegen in den Frauenkämpfen am Anfang des letzten Jahrhunderts. 8. März 1908: Arbeiterinnen der Textilfabrik Cotton in New York traten in den Streik, um für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu kämpfen. Die Fabrikbesitzer schlossen die streikenden Frauen ein. Aus ungeklärten Gründen brach ein Brand aus und zerstörte die Fabrik, 129 Arbeiterinnen starben in den Flammen. 1911 :

II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz in Kopenhagen An der Tagung nahmen über 45.000 Vertreterinnen aus 17 Ländern teil. Themen waren Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht sowie der Kampf gegen den Krieg. Die Resolution zur Einführung des Internationalen Frauentags wurde beschlossen.

Der erste Frauentag fand dann am 19. März 1911 in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern statt.

08. März 1914:

Erstmals findet der Internationale Frauentag am 8. März statt. Grund für die Wahl des Datums war der Streik der Textilarbeiterinnen.

8. März 1917:

Textilarbeiterinnen-Streik in St. Petersburg, Russland der den Übergriff und eine große Arbeiterinnendemonstration auslöste. Diese Kämpfe lösten den Beginn der „Februarrevolution“ aus.

08. März 1931:

Unter dem Motto: "Gegen Krieg und Nazi-Terror - für Sozialismus und Frieden“ gehen Frauen in Deutschland auf die Straße.

Dezember 1977: Die Generalversammlung der UN beschließt, den 8. März als Datum für den Internationalen Frauentag anzuerkennen. 8. März 2003:

Der Leitgedanke der UNICEF ist „Bessere Bildung für Mädchen mit dem Ziel, Mädchen besser vor ungleicher Behandlung und Ausbeutung zu schützen.

8. März 2009: Das Motto „Männer und Frauen vereint, um die Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden“ fordert auf, gegen die andauernde Unterdrückung von Frauen und Mädchen und die besonderen Gefahren sowie das Leid in Kriegsgebieten anzugehen. 08. März 2011: 100 Jahre Internationaler Frauentag

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Nobelpreisträgerinnen und Erfinderinnen Spezialgläser für Augenoptik Glaschemikerin Marga Faulstich (1916 - 1998) Neben den Forschungsarbeiten an klassischen optischen Gläsern befaßte sich Marga Faulstich auch mit Spezialgläsern für die Augenoptik. Ein großer Wurf gelang ihr mit der Entwicklung des hochbrechenden Leichtgewichts-Brillenglases SF 64. Brillenträger mit hohen Dioptrienzahlen haben dadurch zwei bedeutende Annehmlichkeiten erhalten: Die Brille wurde wesentlich leichter und zudem ästhetischer. Diese Innovation fand große internationale Anerkennung: Sie wurde in den USA als eine der hundert bedeutendsten neuen technischen Neuerungen des Jahres 1973 gewürdigt. Fallschirmpaket In den Jahren 1913/1914 machte Katharina Paulus (1868 - 1935), die erste deutsche Berufsluftschifferin, eine bahnbrechende Erfindung: das "Fallschirmpaket".

Nobelpreis Physik 1963 - Maria Goeppert-Mayer Maria Goeppert-Mayer erhält den Nobelpreis für die Entdeckung der nuklearen Schalenstruktur.

Nobelpreis der Chemie 1911 - Marie Curie, geb. Sklodowska "als Anerkennung des Verdienstes, das sie sich um die Entwicklung der Chemie erworben hat durch die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium, durch die Charakterisierung des Radiums und dessen Isolierung in metallischem Zustand und durch ihre Untersuchungen über die Natur und die chemischen Verbindungen dieses wichtigen Elements.“

Scheibenwischanlage Noch bevor Henry Fords erstes Auto in Produktion ging, erfand 1903 die Amerikanerin Mary Anderson den Scheibenwischer.

Nobelpreis Literatur 1966 - Nelly Sachs Nelly Sachs erhält den Preis "für ihre hervorragenden lyrischen und dramatischen Werke, die das Schicksal Israels mit ergreifender Stärke interpretieren“.

Nobelpreis Frieden 1997 - Jody Williams Den Friedensnobelpreis teilen sich zu gleichen Teilen die Internationale Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL) und ihre Koordinatorin Jody Williams.

Frequenzsprungverfahren (Frequency Hopping) Filmschauspielerin Hedy Lamarr, die sich als Nazigegnerin im 2. Weltkrieg auf die Seite der Alliierten stellte, entwickelte eine 1942 patentierte Funkfernsteuerung für Torpedos. Ende der siebziger Jahre erschien zum ersten Mal eine öffentlich zugängliche wissenschaftliche Publikation, die den aktuellen Stand der Forschung zum Thema Spread Spectrum dokumentierte, Anfang der achtziger Jahre begann man mit der zivilen kommerziellen Nutzung (GSM-Mobiltelefone, Notebooks). "It's about time", meinte Hedy, als sie 1997 mit dem Pioneer Award der Electronic Frontier Foundation (EFF) ausgezeichnet wurde.

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Berta Benz Berta und Carl Benz 1894 in einem Benz

Sie wird als Bertha Ringer am 3. Mai 1849 in Pforzheim geboren und heiratet am 20. Juli 1872 im Alter von 23 Jahren Karl Benz. Ohne ihren starken Willen und den unerschütterlichen Glauben an den Erfolg ihres Mannes hätte es die Firma Benz & Co. vermutlich nie gegeben.

Resolute Lebenspartnerin von Karl Benz Bertha Benz gibt ihrem Mann jenen Rückhalt, der den genialen Erfinder und Konstrukteur in schweren Stunden herber Rückschläge an seinem Lebenswerks festhalten lässt. Dank ihres unerschütterlichen Optimismus und der Fähigkeit, schwierige Situationen genau zu analysieren, findet sie immer wieder einen Ausweg. Noch während ihrer Verlobungszeit, als Karl Benz durch seinen Geschäftspartner August Ritter in eine nahezu aussichtlose wirtschaftliche Lage gekommen war, trifft sie kurz entschlossen eine selbstlose, für Karl Benz jedoch existenzielle Entscheidung: Bertha Benz lässt sich ihre Mitgift vorzeitig auszahlen. Die Summe reicht gerade aus, die Schulden zu tilgen und den Geschäftspartner auszuzahlen, um damit künftig alle Entscheidungen selber treffen zu können. Tatkräftige und patente Frau Als Anfang August 1888 der Benz-Patent-Motorwagen nicht die erhoffte Aufnahme beim zahlenden Publikum fand, nimmt Bertha Benz die Lenkkurbel des „Patent-Motorwagens“ selbst in die Hand. Sie führt damit der Öffentlichkeit die Alltagstauglichkeit des Motorwagens in der Praxis vor Augen. Mit ihren Söhnen fährt sie von Mannheim nach Pforzheim und wieder zurück.

Während der Fahrt repariert sie die verstopfte Benzinleitung mit der Hutnadel und die kaputte Zündung mit dem Strumpfband. Ganz nebenbei erfindet sie die Bremsbeläge. Auf der Heimfahrt lässt sie die schnell verschleißenden Bremsklötze bei einem Schuster mit Leder überziehen. Am 5. Mai 1944, zwei Tage nach ihrem 95. Geburtstag, verstirbt Bertha Benz im badischen Ladenburg, dem letzten Wohnsitz der Familie.

Berta Benz mit dem Benz Patentmotorwagen

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Projektgruppe Frauen Die Projektgruppe Frauen wurde vom Gesamtbetriebsrat 1998 ins Leben gerufen. Die Initiative dazu ging von engagierten Betriebsrätinnen aus verschiedenen Standorten aus. Sie hatten beschlossen, sich über diese Projektgruppe besser zu vernetzen, um so wirkungsvoller für die Verbesserung der Situation von Frauen im gesamten Unternehmen eintreten zu können. Eine der Gründungsmitglieder war Ute Hass, die Betriebsratsvorsitzende des Werks Berlin und bis heute Leiterin der Projektgruppe Frauen.

Hintergrund dieser Initiative war die Unzufriedenheit der Interessenvertreterinnen über den niedrigen Frauenanteil auf allen Ebenen der damaligen DaimlerChrysler AG und die Lebens- und Arbeitssituation der beschäftigten Frauen. Die Zielsetzung der Projektgruppe Frauen war und ist daher:

• die Frauenförderung im Unternehmen und in den betrieblichen Interessenvertretungen zu einem Thema zu machen • den Frauenanteil auf allen Ebenen des Unternehmens zu erhöhen. • durch gezielte Lobbyarbeit die Arbeitssituation der Frauen im Unternehmen zu verbessern sowie Rahmenbedingung zur besseren Vereinbarkeit von Familie & Beruf zu schaffen.

Die Projektgruppe erarbeitete einen Forderungs- und Maßnahmenkatalog. Zu lange war über das Thema „Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Unternehmen“ nur geredet worden. Die Kolleginnen wollten mehr als Absichtserklärungen seitens des Unternehmens, sie wollten, dass konkrete Ziele und Maßnahmen vereinbart werden.

Projektgruppe Frauen

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Projektgruppe Frauen Zeitgleich gewann das Thema „Diversity“ durch den Einfluss der Amerikaner im damals deutsch-amerikanischen Unternehmen an Bedeutung. Im März 1999 unterzeichneten die Herren Schrempp und Eaton für den Vorstand eine Erklärung zur Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit in der DaimlerChrysler AG. Dies nahm der Gesamtbetriebsrat zum Anlass, mit dem Unternehmen in Verhandlungen über eine Gesamtbetriebsvereinbarung zum Thema „Frauenförderung“ zu treten. Ziel der Interessenvertretung war es, konkrete Ziele und Maßnahmen zum Thema Frauenförderung und Chancengleichheit im Rahmen einer verbindlichen Vereinbarung festzuschreiben. Die Projektgruppe Frauen begleitete diese Verhandlungen intensiv. Am 1.1.2001 trat die Gesamtbetriebsvereinbarung zur „Förderung von Frauen in der DaimlerChrysler AG“ in Kraft.

Dies war der erste Meilenstein in der Arbeit der Projektgruppe Frauen beim Gesamtbetriebsrat. In den darauf folgenden Jahren wurden auf ihre Initiative weitere wichtige Gesamtbetriebsvereinbarungen abgeschlossen. Geregelt wurden die (nicht nur) für die weiblichen Beschäftigten wichtigen Themen: - Teilzeit - Familienzeit - Kleinkindbetreuung - Fairer Umgang am Arbeitsplatz - Mobiles Arbeiten - Häusliche Krankenpflege Die Verhandlungskommission des Gesamtbetriebsrats wurde jeweils von der PG Frauen fachlich beraten und unterstützt. In Workshops, die einmal im Jahr stattfinden, werden immer wieder neue Ideen geboren. Fazit: In den 13 Jahren seit Gründung der Projektgruppe Frauen hat sich die Situation der weiblichen Beschäftigten im Unternehmen klar verbessert. Der Frauenanteil auf fast allen Unternehmensebenen wurde gesteigert, Beruf und Familie sind besser vereinbar geworden, Diskriminierung wird geahndet. Wir haben damit viel erreicht. Aber wir sind noch längst nicht am Ziel!

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Interviews Monika Tielsch, Werk Sindelfingen

Wie bist du zur frauenpolitschen Arbeit gekommen? In meinem früheren Tätigkeitsbereich fiel mir auf, dass wir Frauen, die schon lange da waren, weniger verdienten als Kollegen die neu in die Abteilung kamen. Da habe ich gleiches Geld für gleiche Arbeit gefordert – hat zwar gedauert, aber meine Kolleginnen und ich wurden umgruppiert! Und so fing alles an… Woher nimmst Du Deine Motivation? Habe einen ausgeprägten „Gerechtigkeitssinn“. Ferner bekomme ich von den Kolleginnen Rückmeldungen, dass sie froh & dankbar für meinen Einsatz sind! Was hat sich ( durch dich ) bewegt? In meinem ersten Jahr als Betriebsrätin war mir aufgefallen, dass auf dem Antragsformular für Schichterkuren explizit drin stand, dass dies nicht für Teilzeitkräfte gilt- dies hatte ich über Erich Klemm an den GBR gemeldet und es wurde erfolgreich geändert. Der Info – und Dialogtreff wird zwischenzeitlich vom HRM Bereich organisiert und ist etabliert. Und und und …

Alexandra Ebert, NDL-Bezirk West

Woher nimmst Du Deine Motivation? Ich mache mir bewusst, dass es der "Weg der kleinen Schritte" ist und halte mir die kleinen Erfolge vor. Was hat sich verändert? Nach dem Motto "steter Tropfen höhlt den Stein" ist schon festzustellen, dass sich insgesamt das Bewusstsein für Familie UND Beruf verändert hat. Nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. Welche Themen werden umgesetzt, welche eher nicht? In den Niederlassungen ist es teilweise nicht so einfach, die Gesamtbetriebsvereinbarungen umzusetzen - das ist zumindest der Standpunkt der GL vor Ort. Leider wird mit diesem "Totschlagargument" fast jeglicher Versuch unterbunden, Familie und Beruf wirklich unter einen Hut zu bekommen. Kolleginnen geben sich meist mit der zweit- oder drittbesten Lösung zufrieden.

Ute Herzberg, NDL- Bezirk Mitte

Wie bist Du zur frauenpolitischen Arbeit gekommen? Im Laufe der Berufsjahre ist nicht schwer zu erkennen, dass Frauen immer benachteiligt werden. Wenn man etwas ändern will, muss man selbst etwas dafür tun. Wie lange bist Du in der PG Frauen? Seit diesem Jahr, jedoch schon seit gut 10 Jahren im Bez.-Frauen-Ausschuss der IG-Metall. Warum bist Du trotz Stolpersteine immer noch dabei? Trotz Gegenwind sind doch immer wieder Erfolge zu verzeichnen.

Barbara Ziller, Werk Wörth

Was hat sich verändert? Die Akzeptanz für mich und meine Kolleginnen im Gremium. Wir werden ernst genommen, was lange Zeit nicht der Fall war. Welche Themen werden umgesetzt, welche eher nicht? Frauenförderung wird immer mehr umgesetzt, man achtet bei Stellenausschreibungen für Führungskräfte mehr auf Bewerbungen von Frauen. Teilzeit ist immer noch sehr schwierig und Rückkehr nach Elterzeit ebenso. Wie wichtig ist frauenpolitische Arbeit für junge Kolleginnen? Mittlerweile sehr wichtig, wir haben mittlerweile sehr engagierte Kolleginnen.

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Interviews Elke Tönjes-Werner,Werk Bremen

Wie lange bist du in der PG-Frauen? Seit ca.12 Jahren - von Anfang an. Worauf bist Du stolz? Dass wir als PG Frauen einige Gesamtbetriebsvereinbarungen (zum Beispiel Teilzeit, Familienzeit) "angestoßen" haben und ich in der Verhandlungskommission dazu sein konnte. Was hat sich durch dich bewegt? Auf betrieblicher Ebene ist es langsam gelungen, eine Kultur aufzubauen, in der der Wunsch nach Teilzeit nichts "unanständiges" mehr ist und zum Beispiel Ablehnungen durch Fachbereiche durch das vereinbarte Schlichtungsverfahren für die Kolleginnen und Kollegen positiv entschieden werden konnten. Claudia Schreiber, Werk Kassel Woher nimmst du deine Motivation? Meine Motivation liegt darin Arbeitszeiten und Kinderbetreuung noch attraktiver zu gestalten, jungen Frauen neue Perspektiven zur beruflichen Weiterentwicklung aufzuzeigen, und auch technische Berufe jungen Mädchen näher zu bringen. Was ist der größte Erfolg für Dich? Die größten Erfolge sehe ich am Kasseler Standort in der Ferienbetreuung, zum 4ten mal haben wir, auch in der Zeit der Krise, Mitarbeiterkindern, deren Angehörigenkindern und Freunden die Pforten unserer hauseigenen Kinderstadt eröffnet. Was hat sich verändert? Frauen sind keine Raritäten mehr auf dem Hallenboden. Die Männer haben sich daran gewöhnt und haben eine neue positivere Einstellung. Außerdem bilden sich viele unserer Mädels weiter, Techniker - oder Meisterschule.

Monika Müller-Bertrand, Werk Untertürkheim Wie bist Du zur frauenpolitischen Arbeit gekommen? Zuerst war ich als Jugendvertreterin aktiv. Nach meiner Weiterbildung zur Technikerin habe ich als Konstrukteurin bei Daimler angefangen. Da habe ich eine engagierte Betriebsrätin kennengelernt. Sie war damals Vorsitzende des Frauenausschusses bei der IG Metall. Da ich selbst Mühe hatte, nach meiner Qualifizierung als Frau im gebärfähigen Alter eine Stelle zu finden, also die Diskriminierung von Frauen am eigenen Leib zu erfahren, setzte ich mich für mehr Chancengleichheit und Gerechtigkeit für Frauen ein. Worauf bin ich stolz? Dass wir in den letzten Jahren den Anteil von Mädchen in der gewerblich-technischen Ausbildung erhöhen konnten. Ein weiterer Erfolg ist, dass wir am Standort Untertürkheim, ein überwiegender Produktionsstandort, nach langem Bemühen zwei Meisterinnen für die Produktion gefunden haben. Es freut mich auch, dass wir mit den Sternchen-Kindergrippen eine Betreuungsmöglichkeit im Unternehmen für viele Frauen schaffen konnten. Jahrelange Forderungen nach betrieblicher Kinderbetreuung gingen dem voran. Welche Themen werden umgesetzt, welche eher nicht? Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat sich unter anderem durch die Schaffung von Kinderbetreuungsmöglichkeiten verbessert. Auch gibt es heute weitaus mehr Bereiche, in denen eine Teilzeittätigkeit möglich ist. Die Rückkehr aus der Elternzeit ist noch immer nicht in allen Bereichen problemlos möglich. Was wir nur minimal verbessern konnten ist eine gerechtere Bezahlung. Frauen brauchen länger, um bei gleicher Tätigkeit, die gleiche Entgeltgruppe zu erreichen, und es gibt Bereiche in denen Frauen eine Weiterentwicklung oder höherwertige Tätigkeiten verweigert werden.

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Interviews Evelyne Gottselig, Werk Mannheim und EvoBus GmbH Was hat sich seit der Gründung verändert? Extrem viel. Hat man zu der Zeit die Themen Frauenförderung, betriebliche Kinderbetreuung, Frauen in Führungspositionen ect. in den Mund genommen, wurde man, wenn man Glück hatte, nur belächelt. Zwischenzeitlich sind diese Themen gesellschaftsfähig. Es liegt zwar noch viel im Argen und trotzdem haben wir gemeinsam viel erreicht. Wir haben in Mannheim zum Beispiel im Oktober letzten Jahres ein Eltern-Kind Zimmer eingerichtet und wollen dieses Jahr erstmals eine sogenannte „Girls-Week“ durchführen. Wie bist du zur PG Frauenarbeit gekommen? Durch die Ansprache einer früheren Betriebsratskollegin. Frisch ausgelernt und gerade zur Vorsitzenden der Jugendund Auszubildendenvertretung gewählt. Auch wenn ich - ehrlich gesagt - diese Initiative belächelt habe. Frauenförderung was sollte das sein? Ich hatte einen gewerblich/technischen Beruf gelernt. Alle Möglichkeiten standen mir offen, bildete ich mir zumindest ein. Doch mir wurden die Augen geöffnet. So ging und geht es vielen Kolleginnen. Welche Themen werden eher nicht umgesetzt? Schwierig ist immer noch der Wiedereinstieg nach der Elternzeit und der Familienpause. Die Zusage auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz wird häufig durch einen befristeten Lohnausgleich abgegolten. Auch einen Steuerkreis für die Themen Frauenförderung gibt es in Mannheim weder bei der Daimler AG noch bei der EvoBus GmbH. Bei EvoBus weigert sich die Unternehmensleitung kontinuierlich, eine (Gesamt-) Betriebsvereinbarung abzuschließen. Durch die fehlenden Steuerkreise ist die Generierung von Maßnahmen schlicht fast nicht möglich und nur mit sehr viel Mehraufwand umsetzbar. Ingrid Baumstark, Werk Gaggenau

Wie bist Du zur frauenpolitischen Arbeit gekommen? Ich bin über meine Kollegin Petra Funke zur frauenpolitischen Arbeit gekommen. Was hat sich durch dich bewegt? Verändert hat sich, dass wir mehr wahrgenommen werden Woher nimmst du deine Motivation? Meine Motivation nehme ich, weil meine Arbeit mir Spaß macht.

Christa Hourani, Zentrale

Wie bist du zur frauenpolitischen Arbeit gekommen? Ich habe selbst 3 Kinder und versuche seit über 25 Jahren, Beruf und Familie zu vereinbaren. Doch im Alltag gab und gibt es genug Stolpersteine, die es immer wieder aus dem Weg zu räumen gilt. Mir war deshalb wichtig, dass wir bei Daimler gute Betriebsvereinbarungen durchsetzen, die es Müttern und Vätern erleichtern, Vereinbarkeit zu leben. Auch der Erhalt der Qualifikation und die Möglichkeit der Weiterentwicklung, insbesondere von Müttern, ist mir - aus meinen eigenen Erfahrungen heraus - ein besonders Anliegen, ebenso wie gute Kinderbetreuung. Wie bist du zur PG Frauen gekommen? Vor über 15 Jahren habe ich über den IG Metall Frauentreff die Betriebsrätin Maria Morgen kennengelernt. Wir organisierten zusammen mit anderen aktiven Frauen neben den Frauentreffs auch ab Mitte der 90er Jahre Infostände zum Internationalen Frauentag in den Betriebsrestaurants bei Daimler in Untertürkheim. Als dann vor 13 Jahren die PG Frauen entstand, war ich sofort begeistert dabei. Hier bot sich mir Gelegenheit, meine Ideen und Ziele für Gleichstellung und Vereinbarkeit einzubringen und bei der Umsetzung mitzuwirken. Was sind deine Ziele für die nächsten Jahre? Mir ist wichtig, dass Frauenförderung nicht nur in den oberen Entgeltgruppen stattfindet, sondern auch in den unteren und mittleren Entgeltgruppen. Deshalb ist ein wichtiges Anliegen von mir, die nächsten Jahre für unsere größte Beschäftigtengruppe in der Zentrale, den Sekretärinnen, Verbesserungen durchzusetzen. Hier geht es um 3 Kernpunkte: Aufwertung des Image dieses Berufes, Durchlässigkeit in andere Profile ermöglichen und gute Qualifizierungsmaßnahmen vereinbaren.

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Interviews Ute Hass, Werk Berlin

Wie lange bist Du in der PG Frauen ? Ich bin eine der Gründerinnen der PG Frauen und seit 1998 Mitglied. Wir waren unzufrieden darüber, dass der Frauenanteil im Betrieb, in der Ausbildung, in den Führungsebenen aber auch im Betriebsrat sehr gering war. Deshalb haben wir Handlungsfelder definiert, die dazu führen sollen, den Anteil der Frauen auf allen Ebenen zu erhöhen und die notwendigen Rahmenbedingungen für das Thema „Beruf und Familie“ zu schaffen. Darüber hinaus haben wir die Erfahrung gemacht, dass Netzwerke eine entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit ist. Was hat sich verändert? Mit der Vereinbarung zur Frauenförderung, in der wir verbindliche Zielkorridore vereinbart haben, ist es uns gelungen, den Anteil der Frauen auf allen Ebenen zu erhöhen. Der Anzahl der weiblich technischen Auszubildenden und der E4-Leiterinnen hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Nach und nach steigt auch die Zahl der Meisterinnen. Auch auf der Vorstandsebene hat das Thema einen neuen Stellenwert bekommen. Die Möglichkeit Beruf und Familie zu vereinbaren ist durch flexible Teilzeitmodelle, Familienzeit und durch unsere Kinderkrippen eindeutig besser geworden. Wir dürfen allerdings nicht nachlassen, das Unternehmen in die Pflicht zu nehmen. Was ist der größte Erfolg für Dich? Ich freue mich besonders darüber, dass wir in allen Werken aktive Kolleginnen gewinnen konnten, die mit Leib und Seele diese Themen treiben, und dass wir jedes Jahr gemeinsam im Rahmen unserer Workshops über unsere Erfahrungen und Erfolge diskutieren und uns immer wieder neue Ziele stecken. Damit hat unser Engagement Gesichter bekommen.

Ute Schmitt, Werk Rastatt

Warum bist Du trotz Stolpersteine immer noch dabei? Es gibt ein gutes Netzwerk untereinander wir können untereinander Rat holen und uns Unterstützung geben. Wir erfinden das Rad nicht neu, wir tauschen uns aus. Weil wir auch schon viel erreicht haben. Woher nimmst Du Deine Motivation? In den PG-Frauen Sitzungen hole ich mir die Energie für meinen entleerten Akku. Worauf bist Du stolz? Über unsere Erfolge als PG – Frauen. Dass ich mir dort Kraft hole und dann mit viel Engagement bei uns im Betriebsrat arbeite. Durch unsere Sitzungen bekomme ich von manchen Themen mehr Hintergrundwissen und werde dadurch sicherer in der Argumentation.

Petra Neuffer-Krautmann, MBVD Wie lange bist Du in der PG Frauen: Seitdem der MBVD einen Sitz im GBR hat, d.h. seit Frühjahr 2010. Woher nimmst Du Deine Motivation: Ich war, bevor ich BR-Mitglied wurde, viele Jahre die Ehefrau eines BRVorsitzenden. Nach seiner Pensionierung brauchte ich eine Weile, die Institution BR wieder zu akzeptieren. Nachdem ich gesehen habe, dass in meinen Augen vieles nicht so läuft, wie ich mir das als Mitarbeiter vorgestellt hatte, habe ich mich aufstellen lassen und wurde in den Betriebsrat gewählt. Die Veränderungen, die ich beeinflussen möchte, sind meine Motivation. Wie wichtig ist frauenpolitische Arbeit für junge Kolleginnen: Sehr wichtig, denn das was die Altvorderen auf den Weg brachten, sollten die jungen Kolleginnen weiterführen und treiben…. Da geht es um die Gleichheit den männlichen Kollegen gegenüber in so vielen Bereichen wie z. B: Frauen in Führungspositionen, NAVI- Gleichheit und vieles mehr.

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Projektgruppe Frauen Ute Haas Werk Berlin Elke Tönjes Werk Bremen Anna Przibylla Werk Düsseldorf Ingrid Baumstark Werk Gaggenau Gritta Schmelt Werk Hamburg Claudia Schreiber Werk Kassel Evelyne Gottselig Werk Mannheim Ute Schmitt Werk Rastatt Monika Tielsch Werk Sindelfingen Monika Müller-Bertrand Werk Untertürkheim Barbara Ziller Werk Wörth Christa Hourani Zentrale Petra Neuffer-Krautmann MBVD Zentrale Alexandra Ebert NDL-Bezirk West Sabine Vitallowitz NDL-Bezirk Süd Ute Herzberg NDL-Bezirk Mitte

Projektgruppe Frauen des Gesamtbetriebsrats verantwortlich: Ute Hass, Betriebsratsvorsitzende Werk Berlin, Telefon: 030 / 7491 - 2055 [email protected]

Projektgruppe Frauen