Expeditionsschiff (Barkentine) GAUSS - Schiffe-und-mehr

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Expeditionsschiff (Barkentine) GAUSS Die GAUSS wurde speziell für die deutsche Antarktisexpedition von 1901-1903 unter Erich von Drygalski gebaut. Nach dieser Fahrt wurde sie an Kanada verkauft und dort unter dem Namen „Arctic“ zur Erforschung und Inbesitznahme der nordkanadischen Inselwelt eingesetzt. Die deutsche Antarktisexpedition von 1901 hatte eine lange Vorgeschichte. Dem hartnäckigen Drängen Erich von Drygalskis und seiner Mitstreiter war es zu verdanken, dass 1899 der Bau eines geeigneten Forschungsschiffs bewilligte wurde. Beim Entwurf des Schiffs wurden ausländische Erfahrungen berücksichtigt. Insbesondere der für starke Eispressungen geeignete und daher im Unterwasserbereich runde, sehr stark gebaute Rumpf wurde der berühmten norwegischen FRAM entlehnt. Das Schiff wurde in Kiel gebaut, lief im April 1901 vom Stapel und konnte schon drei Monate später an den Auftraggeber abgeliefert werden. Der Taufname GAUSS ehrt die Leistungen von Carl Friedrich Gauß, der als erster die die Lage der magnetischen Pole berechnet hatte. Schon am 11. August 1901 lief die GAUSS zur ihrer Südpolarfahrt aus. An Bord waren fünf Forscher, fünf Offiziere und 22 Seeleute. Expeditionsleiter war Erich von Drygalski und Kapitän der GAUSS war Hans Ruser. Auf dem Weg durch den Atlantik offenbarten sich schnell einige Schwächen des neuen Schiffs. Die

Daten und Fakten in Kürze Land: Deutschland / Kanada Schiffstyp: Barkentine mit Hilfsmotor Stapellauf: 2. April 1901 Indienststellung: 1901 Umbenennungen: 1904 in “Arctic” Bauwerft: Howaldtswerke, Kiel Besatzung: 27 + 5 Forscher unter deutscher Flagge Verbleib: Verrottet ab 1925 Technische Daten Verdrängung: 1450 Tonnen Länge: 46 m über Deck Breite: 11,0 m Tiefgang: 4,8 m Segelfläche: ca. 1000 qm Motor: Dreifach-ExpansionsDampfmaschine auf eine Schraube wirkend Geschwindigkeit: 7 kn unter Maschine oder Segeln Kapitäne Hans Ruser 1901 – 1903 Joseph E. Bernier 1904 – 1911 und 1922-1925

GAUSS neigte wegen des runden Rumpfes zum Rollen und war auch kein schneller Segler. Aber dafür war sie auch nicht gebaut worden. Trotzdem wurde auf dem Weg nach Süden intensiv geforscht. Die Männer nahmen zum Beispiel Bodenproben aus 3000 Metern Wassertiefe. Nach kurzem Aufenthalt im Kapstadt segelte man weiter zu den Kerguelen-Inseln im südlichen indischen Ozean und errichtete dort eine kleine Station, auf der fünf Männer zurück blieben.

Polarforschungschiff GAUSS 1901 im Bau bei den Kieler Howaldtswerken, Fotograf unbekannt, keine Schutzrechte bekannt.

Von den Kerguelen segelte man weiter nach Süden und sichtete am 21. Februar 1902 einen bislang unbekannten antarktischen Küstenstreifen. Beim Versuch, näher an die Küste heran zu segeln, wurde die GAUSS am 1. März ca. 50 Meilen vor dem Festland vom Eis eingeschlossen.

Zusammengestellt für www.schiffe-und-mehr.com, 2009. Copyright K. Intemann 2009.

www.schiffe-und-mehr.com Jetzt zeigten sich die Vorzüge der GAUSS. Ein Jahr lang hielt das hölzerne Schiff den gewaltigen Eispressungen stand. Die Crew nutzte die Zeit zu Forschungen und Hundeschlitten-Expeditionen zum antarktischen Festland. Am 8. Februar 1903 konnte die Crew das Schiff wieder aus der eisigen Umklammerung lösen und erreichte später den offenen Ozean. Nachdem man dem die vier überlebenden Männer des KerguelenTeams abgeholt hatte – der Meteorologe Enzensberger warf kurz vor den Ankunft der GAUSS verstorben, segelte man zurück über Kapstadt zurück nach Kiel, wo man am 23. November 1903 eintraf. Die GAUSS wurde von Deutschland nicht mehr benötigt und daher 1904 an Kanada verkauft. Als „Arctic“ segelte sie sieben Jahre unter dem Kommando von JosephElzear Bernier durch die nordkanadische

Inselwelt und überwinterte 1906-1907 vor Baffin Island, 1908-1909 vor Melville Island und 1910-1911 im Admirality Inlet. Aufgrund der fünfjährigen Präsenz in diesen Gewässern hat Kapitän Bernier die arktischen Inseln am 1. Juli 1909 offiziell für Kanada in Besitz genommen. Die „Arctic“ wurde danach bis in die zwanziger Jahre unter anderem als Versorgungsschiff für Siedlungen im hohen Norden Kanadas eingesetzt und ab 1922 für vier Jahre für Explorationsaufgaben reaktiviert, wieder unter dem dann 70 Jahre alten Kapitän Bernier. Nach diesen erneuten Fahrten war das Schiff stark mitgenommen und wurde auf Abbruch verkauft. Die starke Holzkonstruktion widerstand aber den Bemühungen des Abwrackers und so ließ man das Schiff langsam verrotten.

Polarforscher ERICH VON DRYGALSKI Erich von Drygalski wurde am 9. Februar 1865 in Königsberg geboren. Er studierte Geografie und schloss seine Ausbildung 1887 mit seiner Dissertation über Eisbedeckungen nordischer Regionen ab, ein Zeichen für Interesse an den Polgebieten. Von 1891 bis 1893 leitete er zwei Expeditionen nach Grönland. Die Forschungsergebnisse nutzte er für seine Habilitation im Jahre 1898. Im selben Jahr wurde er Dozent in Berlin und zum Leiter der geplanten Südpolarexpedition ernannt, die er dann von 1901 bis 1903 leitete. Ab 1906 lebte und lehrte er als Professor in München. Er heiratete 1907 und wurde Vater von vier Töchtern. 1910 nahm er an seiner letzten großen Expedition teil, die unter der Leitung von Graf Zeppelin stand und nach Spitzbergen führte. 1934 ging er in den Ruhestand und verstarb am 10. Januar 1949 in München.

Erich von Drygalski, Foto ca. 1920 von H. Noack, existierende Schutzrechte nicht bekannt.

Literaturempfehlungen Erich von Drygalski, „Zum Kontinent des eisigen Südens“, 1904. Das knapp 700 Seiten starke Buch ist als Reprint im Verlag Fines Mundi, Saarbrücken, erhältlich. Zusammengestellt für www.schiffe-und-mehr.com, 2009. Infos zum Copyright siehe Website.