Feuerwehrhaus und Erweiterung der Friedens- schule in Schwäbisch

Feuerwehrhaus und Erweiterung der Friedens- schule in Schwäbisch

12. Internationales Holzbau-Forum 2006 Feuerwehrhaus und Erweiterung der Friedensschule in Schwäbisch Gmünd Christoph Bijok Dipl.-Ing. Architekt Arch...

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12. Internationales Holzbau-Forum 2006

Feuerwehrhaus und Erweiterung der Friedensschule in Schwäbisch Gmünd Christoph Bijok Dipl.-Ing. Architekt Architektur- u. Stadtplanung München, Deutschland

Fire station and school (Friedensschule) in Schwäbisch Gmünd

Caserma dei pompieri e scuola per la pace a Schwäbisch Gmünd

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C. Bijok

Dokument in Deutsch

Feuerwehrhaus und Erweiterung der Friedens-schule in Schwäbisch Gmünd

C. Bijok

12. Internationales Holzbau-Forum 2006

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Feuerwehrhaus und Erweiterung der Friedens-schule in Schwäbisch Gmünd 12. Internationales Holzbau-Forum 2006

Feuerwehrhaus und Erweiterung der Friedensschule in Schwäbisch Gmünd 1 Einleitung 1.1

Städtebau

Abbildung 1: Feuerwehr und Schule

In Schwäbisch-Gmünds Ortsteil Rehnenhof, 50km östlich von Stuttgart, war durch den Abbruch des baufälligen Fachklassentraktes Raumbedarf in einer Grund- und Hauptschule sowie Raumbedarf für eine grösser gewordene, freiwillige Stadtteilfeuerwehr zu decken. Das abgeschlossene Schul- und Sportgelände dieses ungeordneten Stadtteiles der Nachkriegsjahre wurde durch den Gebäudeabbruch sowie die Anordnung der Neubauten von Schulerweiterung und Feuerwehr öffentlich zugänglich gemacht und als gestalterisch zusammenhängendes, die Freiräume differenzierendes Ensemble errichtet.

1.2

Lageplan

Die von N-W an die Durchgangsstrasse angebundene Zufahrt zum Feuerwehrgebäude, der Zugang zur Schule von S-O vom Kirchplatz aus sowie die fußläufige Öffnung des Geländes im S-W zum Wohngebiet bestimmen die Lage der Baukörper. Getrennt nach ihrer Funktion treten Schule, Feuerwehrgebäude und Turnhalle zueinander in räumliche Beziehung und bilden, fußläufig verbundenen, die Pausenhöfe für Haupt- und Grundschule, den Sportplatz mit Laufbahn sowie den Feuerwehrübungshof aus.

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C. Bijok

Abbildung 2: Lageplan

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1.3

Kommunaler Bauherr

Der Baubeschluss wurde im August 2001 vom Gemeinderat der Stadt Schwäbisch Gmünd gefasst und vom Land Baden-Württemberg mit öffentlichen Mitteln gefördert. Ein publicprivate- partnership wurde nicht in Erwägung gezogen. Schulerweiterung

Nutzfläche

678

m² Umbauter Raum 3.355 m³

Feuerwehr

Nutzfläche

517

m² Umbauter Raum 2.511 m³

Die Landesförderung wurde nach der Baugenehmigung gekürzt. Die Schulerweiterung wurde deswegen auf der Basis eines neuen, deutlich kleineren, kurzfristig vorgelegten Entwurfes ausgeführt. Um bei knappen kommunalen Haushaltsmitteln die Landesförderung nicht zu verlieren, mussten sowohl die engen räumlichen Vorgaben als auch der Fertigstellungstermin von den, die Förderung genehmigenden Behörden OSA und RP eingehalten werden. Baubeginn war im Juli 2003, Fertigstellung im Juni 2005. Der Bauherr verlangte in Erstellung und Unterhalt wirtschaftliche Gebäude. Materialvorgaben erfolgten nicht. Unser nachhaltiger Entwurfsansatz wurde deswegen nur unter der Vorgabe angenommen, die Gesamtbaukosten nicht zu überschreiten. Diese waren auf der Basis der Kostenschätzung, KGR 300 und 400 mit 300 EUR/m³ bzw. 275 EUR/m³ angesetzt, unveränderlich. Sich nach Jahren amortisierende Investitionen in regenerative Gebäudetechnik/-materialen waren geplant wurden aber aus Kostengründen nicht ausgeführt, da eine Gegenrechnung späterer Betriebskostenersparnisse mit den Investitionskosten ausgeschlossen war. Nach Rechnungsabschluss entsprach die Kostenfeststellung aufgrund ständiger Kostenkontrolle und termingerechter variabler (Um-)planung der Kostenschätzung. KGR 100-700

Förderung

Schule

1.688 Mio. EUR

0,323 Mio. EUR

Feuerwehr

0.865 Mio. EUR

0,125 Mio. EUR

1.4

Konzept

Die Planung sah trotzdem ein Ressourcen schonend unter Ausnutzung erneuerbarer Energien konzipiertes, konstruktiv strukturiertes, sich im Bauprozess wandelnden Bauherrenbedürfnissen anpassungsfähiges Gebäude vor, dessen Bauteile größtenteils vorgefertigt waren. Dabei sollte der nachwachsende Rohstoff Holz, verarbeitet von einheimischen Betrieben, möglichst weitgehend in allen Bauteilen eingesetzt werden. Die Gebäudekonstruktion sowie der Innenausbau sind deswegen aus Holz und Holzwerkstoffen gestaltet. Alle Holzbauteile sind in ihrer konstruktiven Materialität belassen worden. Ziel war, eine „pure“ unverhüllte und dadurch wirtschaftliche Architektur entstehen zu lassen.

C. Bijok

Die beruhigende Qualität von warmen, homogenen Räumen aus Holz, dem Vorbild einer „Holzstube“ entlehnt, soll seine Wirkung in einer sozialen Brennpunktschule auf die Menschen im und um das Haus übertragen. Eine „Aggressionsdämmung“ im Innern, bei gutem Wetter ein Lernen in den Außenklassen wie im Baumhain, ist das Ziel.

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1.5

Ökologie

Die durch die Schulerweiterung und durch den Neubau der Feuerwehr versiegelten Flächen entsprechen dem, durch den Abriss des Fachklassentraktes, wieder rückgebauten Boden. Angefallener Aushub wurde als Freianlagenmodellierung wieder eingebaut. Unbelastetes, gebrochenes Abrissmaterial wurde als sickerfähige Auffüllung wieder verwendet. Der alte Baumbestand wurde erhalten, die Gebäude dazu ergänzt. Die Oberflächen- bzw. Dachwässer des Geländes und der Gebäude werden gepuffert in die wasserführenden Schichten zurückgeführt oder in Zisternen gesammelt und genutzt.

2 Erweiterung der Friedenschule 2.1

Raumanordnung

Die 2 unverbundenen, 2-3 geschossigen Bestandsgebäude von Grund- und Hauptschule aus den 50-iger Jahren wurden um einen, im Schwerpunkt liegenden, durch eine gedeckte Brücke angeschlossenen 2-stöckigen Pavillon zu einem 3-bündigen Gebäude ergänzt. Eine gläserne unbeheizte Verbindungshalle schafft als Schulmittelpunkt den neuen gemeinsamen Eingang. Die Klassen- und Fachräume wurden getrennt nach Grund- und Hauptschule in den beiden, aus verputztem, gekalkten Mauerwerk errichteten Bestandsgebäuden untergebracht. Diese wurden, den Charakter ihrer Entstehungszeit bewahrend, renoviert. Die verbleibenden gemeinsamen Sondernutzungen wurden im zentralen Erweiterungsgebäude, dem zum Bestand in seiner Materialität in Kontrast stehenden Pavillon aus Holz, angeordnet.

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C. Bijok

Abbildung 3: Schule von S-O

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Abbildung 4: Grundriss 1.OG

Abbildung 5: Lehrerzimmer

Im Lehrergeschoss befinden sich, orientiert um eine helle gemeinsame Mitte, die Lehrerräume mit Schülerbibliothek und Sekretariat. Das Lehrerzimmer öffnet sich zum Schulhof, die 2 Bibliotheken an den geschlossenen Außenseiten wirken durch das gefilterte Licht der offenen Lamellenschalung der Gebäudeecken introvertiert. Alle Einbaumöbel sind aus (Holz-)werkstoffen gestaltet. Nach Bedarf ermöglicht die konstruktive Struktur des Gebäudes eine kurzfristige Umnutzung des Lehrergeschosses in 2 Klassenzimmer und Schülerbibliothek. Im Erdgeschoss wurden der Musiksaal sowie die Räume der Ganztagesbetreuung mit kleiner Küchentheke untergebracht. Diese können durch eine flexible Wand zu einem Licht durchfluteten, multifunktionalen Saal zusammengelegt werden, der ebenso öffentlichen Veranstaltungen, wie Bezirksratssitzungen offen steht. Die überdachte Pausenfläche wurde als Umgang integriert. Das transparente Erweiterungsgebäude öffnet sich gezielt zum Baumbestand und nimmt diesen atmosphärisch in sein sinnliches Inneres auf. Holz verbindet so das Innen und Außen.

C. Bijok

Abbildung 6: Grundriss EG

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Abbildung 7: Musiksaal

2.2

Planung

Der Planungsaufwand war durch die vorzufertigenden, maßgenauen Holzbauteile sowie die Abstimmung mit den Fachingenieuren und Firmen höher als bei einem monolithischen Betonbau. Bei unverändertem Architektenhonorar ergaben sich für den Bauherrn aber Kosten, Zeit- und Flexibilitätsvorteile. Für die zulässigen Bodenpressungen von max. 125 KN/m² für Streifenfundamente war ein Leichtbau wirtschaftlich, um aufwendigere Gründungen zu vermeiden. Der zweigeschossige Holzbau besteht aus in die Stahlbetonkonstruktion eingespannten, ca. 7m hohen BSHStützen, an die gelenkig angebunden je 2 BSH-Riegel mit h= 0,64m bzw. 0,60m anschließen. Die Riegel sind zusätzlich zweifach unterstützt und bilden dadurch Dreifeldträger. Insgesamt sind 6 Riegel-Stützen-Konstruktionen mit a= 3,65m vorhanden, die teilweise der Witterung ausgesetzt sind.

2.3

Konstruktion

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C. Bijok

Die Decke über EG (22cm) sowie die Dachdecke (20cm) werden aus Holzkastenelementen der Fa. Lignatur ausgeführt. Sie dienen als Scheiben zur Horizontalaussteifung. Dazu werden die Holzkastenelemente untereinander verschraubt und zusätzlich oberseitig 15mm OSB Platten aufgeschraubt. Die vertikale Windaussteifung erfolgt in Binderebene über die Holzstützen und senkrecht dazu in den 4 Außenfeldern des OG über zug- und druckfeste Rundrohrdiagonalen aus Stahl, im EG über 2 mittige Windkreuze. Zur Ableitung der Horizontalkräfte in der Dachscheibe auf die vertikalen Windverbände des OG sind ebenfalls in den 4 Außenfeldern zug- und druckfeste Rundrohre eingebaut. So sind alle windaussteifenden Stahlteile deutlich sichtbar angeordnet. Sämtliche Außen- und Innenwände dienen nur dem Raumabschluß und zur Weiterleitung der Windlasten auf die eingespannten Stützen.

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Abbildung 8: Luftecke innen

Abbildung 9: Deckenmontage

Holzdecken Das statische System der Holzkastendecke entspricht aneinandergereihten Einfeldträgern mit a=3,65m. Zur Vermeidung der Schwingungsanfälligkeit wurde vom Hersteller eine Durchbiegungsbeschränkung von l/500 gefordert. Die obere und untere Lamelle der Holzkastenelementdecke ü.EG ist aus brandschutztechnischen Gründen ( F-30-B ) von 31mm Standardmaß auf 40mm verstärkt worden. Die Hohlräume der Holzkastendecke werden aus schallschutztechnischen Gründen mit Tilgersteinen gefüllt. Die gegen Außenluft angrenzenden Hohlräume wurden mit Dämmung aus Zellulosefasern werkseitig gefüllt. Das Gewicht der HKD beträgt g=0,56 kN/m² das Gewicht der Tilgersteine beträgt g=0,81 kN/m². Dem Gestaltungsansatz, konstruktive Bauteile sichtbar zu lassen, konnte somit entsprochen werden.

2.4

Baudurchführung

Holz-Beton-Verbunddecken wurden als Alternative geprüft aber wegen der deutlich längeren Bauzeit, der nicht vorgefertigten Bauweise sowie der notwendigen deckenunterseitigen Verkleidung, nicht gewählt. Die folierte Holztragkonstruktion wurde einschließlich der Holzkastendecken in 2 Wochen fertig aufgestellt. Die Folgegewerke konnten ohne Zeitverlust durch Trocknungszeiten anschließen.

C. Bijok

Abbildung 10: BSH-Rahmen

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Die integrierte Planung nutzte die Möglichkeiten der Holzkastendecke, HLSE-Installationen inwendig oder in (vor Ort) speziell angepassten Trassen zu führen. Alle Durchführungsöffnungen wurden im Werk in die Elemente eingebaut. Die Deckenuntersichten konnten so leitungsfrei gehalten werden. Eine unserer Ansicht nach effektive Arbeitsverbesserung wäre durch abgestimmte Normteile der Holzkastendecken zur HLSE Durchführung gegeben. Schall-, Brand- und Wärmeschutzbauteile könnten so in die werkseitigen Öffnungen umstandslos eingepasst werden. Im OG konnte die Dimension der Lüftungsleitungen und Schalldämpfer so den Holzkastenquerschnitten angepasst werden, dass dessen schadstofffrei verleimtes Fichtenholz als Lüftungsleitung ohne separate, innenseitige Verrohrung genutzt werden konnte. Als Luftauslaß dienten die werkseitigen Lochungen auf der Unterseite.

Abbildung 11: Detail EL-/ Lüftungskanal

2.4.1

Schallschutz

Die Trennung akustisch sensibler Zonen wie Lehrerzimmer und Musikraum erfolgte mit diesem Deckensystem zum ersten Mal. Bauherr und Bauphysiker verlangten zunächst eine AHD, da noch keine gemessenen Erfahrungswerte dazu vorlagen. Ein eigens dafür erstellter Schallschutznachweis überzeugte beide, dem Deckenaufbau zuzustimmen. Die Anforderungen des Schallschutzes nach DIN 4109, Luftschall R´w = 55 dB wurde mit R`w= 71dB übertroffen, die Anforderungen des Trittschalls L´n,w < 46 dB wurde durch schwimmend verlegtes Parkett als Verbesserungsmaßnahme erfüllt. Für Nebenwegs- und Flankenübertragungen liegen in der DIN 4109 für diesen Deckenaufbau keine verbindlichen Bewertungen vor. Nach Erfahrungswerten wurden deshalb die nichttragenden Außen/Innenwände an der Geschoßdecke akustisch entkoppelt, Installationsöffnungen geschlossen. Ein schallschutztechnisch geprüftes, variables Decken-/ Wandsystem wäre deswegen überlegenswert. 2.4.2

Brandschutz

Für die Holztragkonstruktion einschließlich der Decken in ihrer Funktion als Windaussteifende Scheiben wurde F-30-B gefordert. An die Geschoßdecke sowie die im äußeren Luftraum liegenden Windverbände aus Stahl wurden keine Anforderungen gestellt.

2.5

Vorfertigung

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C. Bijok

Die Fugen an den Schnittstellen von hochwertig vorgefertigten maßhaltigen Bauteilen wie den Holzkastendecken und von Hand in der Werkstatt oder vor Ort gefertigten Bauteilen, wie den Holzrahmenwänden, waren oft größer als die zulässigen (Einbau-) toleranzen. Eine variantenreiche Systematisierung dieser Schnittstellen durch abgestimmte Vorfertigung der Holzbauteile bedeutet ein bauphysikalisch höherwertiges Gebäude. Dem Wesen seiner Möglichkeiten entsprechend entsteht eine präzisere Holzbauarchitektur eigener Sprache, die im besten Falle die Sinnlichkeit ihres handwerklichen Ursprungs behält.

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Abbildung 12: Detail Fassade

2.6

Abbildung 13: Fassade

Außenhülle

Durch die Holzbauweise waren kältebrückenfreie einfache, kostengünstige Detaillösungen möglich. So konnte die massive Holztragkonstruktion an die Außenluft stoßen und ein sichtbarer fließender Innen-/ Außenübergang der Holzkastendecke gestaltet werden. Die nach außen diffusionsoffener werdende, installationsfreie Außenwand besteht aus einer hinterlüfteten Holzrahmenkonstruktion. Die beidseitig luftdichten, mit d= 20 cm Mineralwolle gefüllten Elemente sind raumseitig mit 12mm OSB-Platten als Dampfbremse und außenseitig mit 12mm DWD Platten und Windbahn als winddichte Schicht belegt. Horizontal gegliederte, vorgehängte Fichte 3-S-Platten bilden innen den Raumabschluss. Die Fassade schließen im OG eine horizontale offene unbehandelte Lärchenholzschalung, für die Befestigung an der Stahlunterkonstruktion teilweise als Einhängeelement vorgefertigt, im EG raumhohe gebürstete, grüngraue Fichte 3-S Platten ab.

C. Bijok

Die der Bewitterung ausgesetzten außen liegenden maßhaltigen Bauteile wurden mit einer ölhaltigen, schadstofffreien Farblasur als Witterungsschutz gestrichen. Diese ist regelmäßig zu erneuern.

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Abbildung 14: Schnitt Fassade

2.7

Energie

Mit Bauphysik und Haustechnik wurde der Entwurf nach der ENEV 2001 unter der Bauherrenvorgabe wirtschaftlicher Heizkosteneinsparung –gemessen an den Investitionen – entwickelt. Das Gebäude sollte unter besonderer Berücksichtigung kostengünstiger Bauweisen und Materialen nachweisen, was energetisch und wirtschaftlich vereinbar ist. Der einem Niedrigenergiehaus entsprechende Jahresheizwärmebedarf von 55 kWh/m²a wird erreicht durch ein günstiges Verhältnis von beheiztem Volumen zu wärmetauschender Oberfläche, A/V = 0,57 m-1, ( nahe der Passivhausempfehlung ), Dach- und Wanddämmungen mit U = 0,21 bzw. 0,26 W/(m²K) – größere Dämmstärken hätten durch höhere Baukosten eine nach heutigen Preisen für den Bauherrn unwirtschaftliche Heizkostenersparnis erbracht.

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C. Bijok

Weiter durch die Südorientierung und Raumanordnung des Gebäudes. Die im OG nach SW vorgeschaltete Pufferzone erzielt solare Gewinne von ca. Q = 14.000 kWh/a, die direkt den angrenzenden Räumen zugeführt werden können. Es werden damit ca. 20-25% am Jahresheizwärmebedarf der Schulerweiterung eingespart.

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Abbildung 15: WIGA

Die Raumabkühlung im Winter wird durch beide, nach S-W und N-O vorgeschaltete unbeheizte Pufferzonen verringert, da die Fensterflächen der Innenräume mit ca. 22°C Raumtemperatur an unbeheizte Räume mit ca. 4°C stoßen. Störende Luftumwälzungen an kalten Fensteraußenflächen treten ebenso wie Strahlungskälte nicht mehr auf. Bei ausgeglichenem Klima können die Pufferzonen als u.a. „Silentium“ (im öffentlich geförderten Raumprogramm nicht enthalten) genutzt werden. Sie prägen durch ihre Funktion den Hauscharakter. Im Sommer verhindern sie ein starkes Aufheizen der dahinter liegenden Räume. Natürlicher Sonnenschutz wird durch die Situierung der transparenten Fassadenflächen gegenüber der mächtigen Krone des Spitzahorns in der Zeit von ca. 11.00 -18.00 Uhr erreicht. Für Temperaturspitzen ist ein innenliegender Sonnenschutz angebracht. Der gedeckte Umgang im EG ist mit flexiblen Pufferzonen gleicher Funktion wie im OG nachrüstbar. Räume ohne dauernde Aufenthaltsnutzung, wie die Verbindungshalle, bleiben unbeheizt. Eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Kreuzstromwärmetauscher vermeidet zu 65% Energieverluste durch Stoßlüftung. Die Frischluft wird über eine 50 m lange frostfreie Erdzuleitung vorgewärmt ( ca. 4-5°C ) und vermeidet dadurch weitere 15% an Energieverlusten sowie ein Vereisen des WT. Sommers wird die Anlage zur Kühlung benutzt. Die Gebäudetiefen wurden anhand des Planungskonzeptes, mit einer mittig liegenden Heizwand alle Räume ohne Heizkörper zu beheizen, entwickelt. Die Heizwand wurde im Bauprozeß aus Kostengründen gestrichen, Heizkörper eingebaut.

C. Bijok

Die bestehende Gas-Heizzentrale der Schule wurde erneuert. Eine (de-) zentrale Holzpellettheizung wurde wegen zu hoher Investitionskosten sowie nicht zu finanzierender Bevorratungskapazität nicht weiterverfolgt. Die ausgeführten energetischen Einsparmaßnahmen fordern einen aufmerksamen Nutzer, der das Gebäude nicht konventionell gebraucht.

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Abbildung 16: Querschnitt

3 Neubau Feuerwehr Das Feuerwehrgebäude besteht aus einer eingeschossigen Fahrzeughalle für 3 Fahrzeuge und einem zweigeschossigen Sozialtrakt der mit seiner S-O Seite den Rücken zum Schulgelände ausbildet. Das Gebäude ist nicht unterkellert. Der Feuerwehrübungshof ist, von Schul- und Sportbereichen abgeschirmt, zwischen bestehender Turnhalle und Durchgangsstrasse angeordnet. Zufahrt und Zugang erfolgen von dort. Die freiwillige Ortsteilfeuerwehr benötigt keine zentralen Einrichtungen wie Schlauchwaschanlage und Trockenturm, ebenso keine Unterkünfte wie bei Berufsfeuerwehren. Die innere Erschließung des einfachen Raumprogramms folgt der Vorgabe der kurzen Wege zum Feuerwehrfahrzeug. Erdgeschossig an der Fahrzeughalle liegen die erweiterbaren Umkleiden für ca. 40 Männer und Frauen, direkt angrenzend die Naßräume, die für Stadtteilfeste separat zu nutzen sein sollten. Das funktionelle Gebäude betritt man über den Treppenraum, der zu den im OG gelegenen Sozialräumen führt. Diese sind nach S-O mit dem Saal am Kopfende organisiert. Notwendige Lagerflächen sind in den Einbauschrankzonen der aufgeweiteten Flure untergebracht. Das aus Holz erstellte, schlichte Feuerwehrgebäude arbeitet mit einfachen (Holzbau)details und gewinnt so seine reduzierte Gestalt. Die technisch nicht oder nur unwirtschaftlich aus Holz zu erstellenden Bauteile wie das Hallentor oder die Treppe wurden im Kontrast dazu aus Stahl gestaltet.

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C. Bijok

Abbildung 17: Detail Treppe

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Abbildung 18: Grundriss EG

Abbildung 19: FW-Hallenansicht

C. Bijok

Feuerwehr und Schulerweiterung wirken u.a. durch eine homogene, horizontale Lärchenholzschalung als Ensemble, weichen aber in ihrer Beziehung zum Außenraum voneinander ab. Während die Schulerweiterung sich nach außen öffnet, wirkt der langgestreckte, das Schulgelände abgrenzende Sozialbau der Feuerwehr durch minimierte Fensterflächen geschlossen. Nur die Halle öffnet sich großzügig. Die Gebäudehülle wird jedoch von der unsichtbaren Konstruktion rythmisiert, im Innern strukturieren die sichtbaren konstruktiven Bauteile den Raum.

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3.1

Bauausführung

Feuerwehrgebäude und Schulerweiterung sind konstruktiv im wesentlichen baugleich. Wie bei der Schulerweiterung war für die zulässigen Bodenpressungen von max. 150 KN/m² für Einzelfundamente ein leichter (Holz)-bau wirtschaftlich, um aufwendigere Gründungen im steifen Verwitterungslehm zu vermeiden. Die windaussteifenden Dachdecken wurden aus 16 bzw. 24 cm hohen Holzkastenflächenelementen der Fa. Lignatur ausgeführt. Die Hohlräume wurden hier ebenfalls zur HSE Leitungsführung genutzt. Wie bei der Schulerweiterung erfolgt die vertikale Windaussteifung in Binderebene über die eingespannten Holzstützen und senkrecht dazu über 2 Außenwandelemente bzw. über eingespannte Stahl-Vierendeel Stützen, die mit dem notwendigen LKW Anprallschutz kombiniert sind. Für die Holztragkonstruktion, Decke ü.EG sowie die Treppenhaustrennwand des Sozialgebäudes wurde F-30-B gefordert. Dies wurde durch die gewählten Holzquerschnitte sowie durch die 31mm starken Lamellen der Holzkastenflächenelemente erreicht. Die Gewerke der Feuerwehr, wie die Holzkonstruktion, wurden phasenverschoben zur Schulerweiterung ausgeführt. Kleinere örtliche Betriebe konnten so im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit an den in 2 Lose geteilten Ausschreibungen teilnehmen und konkurrieren. Zudem ermöglichte dies dem Bauherrn, durch rechtzeitige Umplanungen Einsparungen vorzunehmen und das Gesamtkostenlimit zu halten.

Abbildung 20: Längsschnitt

3.2

Energie

Um der ENEV 2001 zu entsprechen, führte die Reduzierung der Fenstertransmissionsfläche und die Erhöhung des geschlossenen Außenwandanteils bei diesem, aus funktionellen Gründen länglichen Gebäude mit A/V = 0,71 m-1, zu einem, knapp dem Niedrigenergiehausstandard entsprechenden Jahresheizwärmebedarf von 68 kWh/m²a. Dies wird ohne kontrollierte Lüftungsanlage erreicht. Vorgesehene Fensterläden mit integrierten Fotovoltaikelementen hätten die Energiebilanz und den Transmissionswärmeverlust von H`= 0,42 W/m²K verbessert, wurden aber aus Kostengründen im Bauprozess gestrichen. Die Fahrzeughalle ist nach DIN 4108 als niedrig zu beheizendes Gebäude eingestuft. Eine bestehende Gas-Heizzentrale wurde erneuert und versorgt Turnhalle und Feuerwehr.

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C. Bijok

Abbildung 21: Ansichten

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Abbildung 22: FW-Saal

C. Bijok

Abbildung 23: Schule

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4 Schlussfolgerungen Im ländlich geprägten Siedlungsraum sowie an den immer noch wachsenden Peripherien der Städte ist Verantwortung für die Ressource Natur, das Verhältnis Haus / Landschaft, gefordert. Ökologische Strategien zur Begrenzung des Flächenverbrauchs, zu den dynamischen Gleichgewichten der Stoffkreisläufe, zu Nachhaltig- und Dauerhaftigkeit unseres Siedelns sind vorhanden, sollen von kommunaler Seite vorbildhaft umgesetzt werden. Auch bei diesem, hier vorgestellten kleinen Projekt war der enorme wirtschaftliche Druck auf die Kommunen, der Kampf um Fördergelder, federführend bei Planung und Ausführung. An gutem Willen und Wissen fehlte es den Bauämtern hier nicht: nachhaltige langfristige Strategien sind jedoch selten mehrheitsfähig. Außer seinen Qualitäten als nachwachsender Rohstoff ist Holz ein sinnliches, auf den Menschen und sein Maß bezogenes Material. Man kann und soll die gebäudekundlichen sowie technischen Grenzen von Holz ausloten: unserer Ansicht nach gilt es aber auch, beim Entwurf von Holzbauten gestalttypologisches zu bedenken: Einige Schüler sprachen mich nach der Einweihung an und sagten: sie hätten diese Schule sehr gern – sie würde so gut riechen. Es hatte zuvor ausgiebig geregnet gehabt.

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C. Bijok

Unser heftig umkämpftes Projekt fand einen alle zufriedenstellenden Abschluß: es wurde mit dem BDA-Preis „Gutes Bauen 2005“ ausgezeichnet.