Fischereiverein Neustift An das Amt der Tiroler Landesregierung

Fischereiverein Neustift An das Amt der Tiroler Landesregierung

Fischereiverein Neustift An das Amt der Tiroler Landesregierung Abteilung Raumordnung z. H. Herrn Hofrat Rauter Landhaus 6020 Innsbruck Neustift, am...

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Fischereiverein Neustift

An das Amt der Tiroler Landesregierung Abteilung Raumordnung z. H. Herrn Hofrat Rauter Landhaus 6020 Innsbruck

Neustift, am 4. August 2005

Sehr geehrter Herr Hofrat! Wir entnehmen der Homepage der Tiroler Landesregierung, dass Tiroler Bürger und Institutionen eingeladen sind, eine Stellungnahme zum vorliegenden „Synthesebericht“ abzugeben. Der Fischereiverein Neustift hat derzeit 130 Mitglieder, fast ausschließlich Gemeindebürger von Neustift, und beobachtet daher mit großem Interesse die Vorgänge seit der Veröffentlichung des Tiwag-Optionenberichts. Unser Verein bewirtschaftet im Auftrag der Gemeinde das Revier Nr. 49 Ruetzbach. Wir haben dafür ein sehr detailliertes Konzept ausgearbeitet, das eine naturnahe Bewirtschaftung zum Ziel hat, näheres dazu unter http://www.fischereiverein-neustift.at/. Von heraus ragender Bedeutung ist dabei die Erhaltung des letzten wesentlichen Bestandes der Tiroler Innäsche mit eigenständiger Reproduktion. Dieses Konzept wurde vom Neustifter Gemeinderat zustimmend zur Kenntnis genommen. Die von der Tiwag geplanten Kraftwerke würden massiv in den Wasserhaushalt unseres Tales eingreifen und an der Fischerei tiefgreifende Schäden anrichten. Daher protestieren wir gegen diese Pläne und haben in unserem Ausschuss einstimmig beschlossen, diese Kraftwerksprojekte abzulehnen! Die Begründungen dafür finden Sie in der angeschlossenen Stellungnahme. Wir bitten Sie, unsere Bedenken den politischen Entscheidungsträgern zu übermitteln.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Müller Obmann

Fischereiverein Neustift im Stubaital Stellungnahme zur fachlichen Prüfung des TIWAG Optionenberichts Der Fischereiverein Neustift lehnt die von der Tiwag geplanten Kraftwerke mit aller Entschiedenheit ab. Leider geht der vorgelegte Synthesebericht mit keinem Wort auf die Auswirkungen dieser Projekte (Option 9 und 11) auf die Fischerei ein. Daraus ist wohl zu schließen, dass der Fischerei von den Autoren des Berichts ein zu vernachlässigender Stellenwert zugeordnet wird. Dem gegenüber weisen wir darauf hin, dass ein höchst aktiver Fischereiverein mit immerhin 130 Mitgliedern in einer an Einwohnerzahl eher kleinen Gemeinde wie Neustift eine bedeutende soziale Gruppierung darstellt. Die Ruetz – letzter verbliebener Genpool für die Tiroler Innäsche! Mit unserem erfolgreichen Äschenprojekt leisten wir einen weit über die lokale Bedeutung hinaus gehenden Beitrag zur Erhaltung der höchst gefährdeten Innäsche. Die obere Ruetz, besonders das Revier Nr. 49 (Gemeinde Neustift), weist einen der letzten selbst reproduzierenden Bestände der Innäsche in Tirol auf. Daneben gibt es nur noch einen nennenswerten Bestand in der unteren Brandenberger Ache flussabwärts der Tiefenbachklamm und in bescheidenem Ausmaß im letzten Abschnitt der Ötztaler Ache, flussabwärts des untersten Wanderhindernisses. Der Tiroler Alpenzoo entnimmt die Mutterfische zur Nachzucht von Besatzäschen für den Inn mittlerweile aus der Ruetz! Dort hat sich durch die langjährige Hege und Pflege unter Leitung des Gewässerwarts Helmut Müller ein stabiler Äschenbestand aufgebaut. Wer hier Kraftwerke baut, rottet die Innäsche in Tirol aus! Diese Gefährdung der Äsche in Tirol ist in erster Linie auf Beeinträchtigungen durch die EWirtschaft zurück zu führen. Der dadurch bedingte Schwallbetrieb mit hohen Sedimentfrachten hat die Reproduktion der Äsche im gesamten Tiroler Inn und im Ziller zum Erliegen gebracht. Die Äsche ist ein Kieslaicher, deren Laich durch die täglichen Wasserstandsschwankungen abgetötet wird. Außer am Inn ist dieselbe Situation mit den Tiwag-Kraftwerken an der Drau in Osttirol herbei geführt worden. Die Ausrottung einer ganzen Art ist nicht nur für sich genommen eine ökologische Katastrophe, sondern zieht unabsehbare Folgen für das gesamte betroffene Ökosystem nach sich. Ähnlich stellt sich an Inn und Drau die Situation für die heimische Bachforelle dar, diese kommt allerdings in vielen anderen Gewässern noch selbst reproduzierend vor.

Die Innäsche bildet einen auch für Laien unterscheidbaren lokalen Stamm der Äsche (Thymallus Thymallus), einem immer selteneren Fisch aus der Familie der Coregonen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stämmen (z.B. in Drau, Etsch oder ostösterreichischen Flüssen), die an der Unterseite sowie an Bauch- und Afterflossen gelblich-orange gefärbt sind, weist die Innäsche an diesen Körperpartien eine silbergraue bis blaugraue Färbung auf. Äschen aus dem Inn waren überdies für ihren außerordentlich großen Wuchs bekannt.

Zu so stattlicher Größe wuchs einst die Innäsche heran

Eine Realisierung der geplanten Kraftwerke hindert unseren Verein an der ordnungsgemäßen Einhaltung der Vorschriften aus dem Tiroler Fischereigesetz. Eine Umsetzung des ökologisch begründeten Bewirtschaftungskonzeptes wäre nicht länger möglich. Der Schwallbetrieb würde auch die letzten verbliebenen Laichplätze der heimischen Bachforelle zerstören. Aus einem naturnah bewirtschafteten Bergbach würde vermutlich ein wertloses „Put an Take“- Gewässer, das von der Befischung kurzfristig eingebrachter Besatzfische gekennzeichnet wäre. Mit den nachfolgenden Ausführungen informieren wir auszugsweise über die Situation an der Ruetz, die derzeit noch das typische Abflussverhalten eines alpinen Gletscherbaches aufweist. Wir können uns auch nicht vorstellen, dass eine Ableitung der Bäche aus dem Stubaital mit dem Verschlechterungsverbot gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie vereinbar ist. Gesetzliche Vorgaben 2002 hat der Tiroler Landtag ein neues Fischereigesetz beschlossen. Die zentrale Vorgabe für alle Fischereiausübungsberechtigten lautet, sie „haben die Fischereireviere derart nachhaltig zu bewirtschaften, dass ein nach Art, Altersstufe und Besatzdichte der Beschaffenheit des jeweiligen Fischwassers entsprechender Fischbestand vorhanden ist“. Am 22. Dezember 2000 ist die Europäische Wasserrahmenrichtlinie in Kraft getreten. Hauptanliegen der Richtlinie ist zum einen die Rechtslage in der EU auf dem Gebiet des Wasserwesens zu bündeln und zum anderen dem Gewässer- und Grundwasserschutz neue Impulse zu verleihen. Ziel ist die Verbesserung des Zustandes der aquatischen Ökosysteme (Verschlechterungsverbot!) und der langfristige Schutz der Wasserressourcen. Beschreibung des Reviers Das Ruetzbachrevier 49 der Gemeinde Neustift im Stubaital umfasst die Ruetz samt allen Nebengewässern von der alten Zeggerbrücke in Neustift-Neder (ca. 885 m) flussaufwärts bis zu den Quellen. Fischereilich bedeutend ist die Strecke der Ruetz ab der unteren Reviergrenze bis etwa auf die Höhe von Ranalt (ca. 17 km) und Teile des Oberbergbaches. Die Ruetz ist ein alpiner Gletscherbach mit einem entsprechenden tages- und jahreszeitlichen Abflussverhalten. Das Gesamt-Einzugsgebiet umfasst 321 km2 bei einem Gefälle von 3.507 m (Zuckerhütl) bis 670 m (Mündung in die Sill). Der Großteil des befischbaren Reviers fließt durch landwirtschaftlich genutztes Gelände (Wiesen und Äcker) oder durch Siedlungen. Meist begleitet ein schmaler Gehölzstreifen die Ufer, Auwaldreste sind kaum vorhanden. Zum Schutz vor Hochwässern wurden die Ufer seit Jahrhunderten an neuralgischen Stellen mit Steinschlichtungen verbaut, teilweise war dadurch in den Talböden sogar eine Dammfluss-Situation entstanden. Nach den letzten Schadhochwässern (1987) wurde die Ruetz im Bereich des Dauersiedlungsraums ab Ranalt in ein starres Regelprofil mit steilen Natursteinböschungen gezwängt und über längere Strecken eingetieft. In Erosionsstrecken (Falbeson, Klausäuele – Raisenwald, Krößbach – Schaller, Unterläufe des Oberberg- und Pinnisbaches) wurde zusätzlich die Bachsohle mit Querwerken abgetreppt, die flussaufwärts ein unüberwindliches Wanderhindernis für Fische darstellen. Im unmittelbaren Ortsbereich von Neustift wurde das Prallufer mit senkrechten Ufermauern gesichert. Flussaufwärts der Straßenbrücke in Schaller, im Kompetenzbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung wurden die Verbauungsmaßnahmen sichtbar härter ausgeführt als im unterhalb gelegenen Verantwortungsbereich des Wasserbauamts. Eine gewisse Flussdynamik beschränkt sich seither auf kleinräumige Bereiche (Klausäuele, je zwei Geschiebesperren in Krößbach und Ranalt, Raisenwald). Die Eintiefung in den Talbecken hat zu einem Absinken des Grundwasserspiegels und in Folge zu einer Reduktion der Wasserführung in den Lohbächen geführt.

Gewässergüte, Nutzungen Die Ruetz transportiert die großteils gereinigten Abwässer der Siedlungen, Wirtschaftsbetriebe und Freizeitanlagen im gesamten Tal ab. Mit der Stubaier Gletscherbahn und vorgelagerten Infrastrukturen, die Tagesfrequenzen bis zu 10.000 Besuchern aufweist, ist ein erheblicher Belastungsfaktor bereits nahe den ersten Quellwässern situiert. Gerade Skisportanlagen bringen durch eine der natürlichen Wasserführung gegenläufige Belastungskurve und ihre große Höhenlage schwer bewältigbare Anforderungen an die Abwasserreinigung mit sich. Dieser Umstand hat zu spürbaren Verschlechterungen im Fischbestand der Ruetz geführt. Der Revierabschnitt unterhalb von Mutterberg war vor Errichtung der Gletscherbahn noch fischereilich interessant, heute finden sich Fische erst ab der Einmündung der größeren unbelasteten Seitenbäche, Langetalbach und Falbesoner Bach. Mit dem Anschluss der Gletscherbahn und der Hotels in Mutterberg an die Kanalisation sollte sich dieser Zustand wieder bessern. Nach einem Bericht des Umweltbundesamtes wies die Ruetz bei Fulpmes in den Jahren 1999 und 2000 die biologische Güteklasse II auf Neben der bereits dargestellten Nutzung als Vorfluter für Abwässer wird das Gewässersystem energiewirtschaftlich, zur Trinkwassergewinnung, zur Schotterentnahme, zur Fischzucht und als Freizeitanlage genutzt. Abgesehen vom abgeleiteten Oberbergbach weist die Ruetz derzeit noch ein natürliches Abflussregime auf. Fischbestand, Reproduktion Erfreulich ist die gelungene Ansiedlung von Innäschen im Neustifter Revier. In den 90er Jahren wurde begonnen, Brütlinge und einsömmrige Äschen in die Teiche der Falbesoner Lohe einzubringen, was mittlerweile zu einem beachtlichen Bestand der im Inn selbst äußerst bedrohten Äsche geführt hat. Das Äschenprogramm hat offenbar zu einer erfolgreichen Reproduktion geführt. So lässt sich ihr Laichgeschäft an bestimmten Stellen (Klausäuele und obere Geschiebesperre in Krößbach) gut beobachten und es konnten auch schon befruchtete Äscheneier sowie Brütlinge nachgewiesen werden. Die natürliche Reproduktion der autochthonen Bachforelle ist aufgrund von Gewässerverschmutzungen (auch infolge von Baumaßnahmen während der Laichzeit) und vor allem wegen des Verlusts an geeigneten Laichhabitaten durch die Gewässerverbauung bedrohlich zurück gegangen. Es gibt im gesamten Revierverlauf nur wenige Stellen, an denen im Oktober/November laichende Bachforellen zu beobachten bzw. Laichgruben zu sehen sind. Leider sind durch menschliche Eingriffe auch die Lohen für das Laichgeschäft weit gehend verloren gegangen. Bewirtschaftungsziele Nachhaltigkeit sichern Gemäß Tiroler Fischereigesetz soll die Bewirtschaftung folgende Ziele verfolgen: a) einen der Beschaffenheit der jeweiligen Gewässer entsprechenden artenreichen und gesunden Bestand an Wassertieren nach § 2 Abs. 1 zu erhalten, erforderlichenfalls wieder herzustellen oder zu schaffen und b) die Lebensgrundlagen für diese Wassertiere zu erhalten, erforderlichenfalls wieder herzustellen oder zu schaffen. Angewendet auf das Neustifter Revier bedeutet dies: · den Bestand an heimischen Bachforellen und deren Reproduktion stützen · das Äschenprogramm fortsetzen

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einen Bestand an Mühlkoppen wieder aufbauen Restrukturierungsmöglichkeiten realisieren Lohen als Laichgewässer rückgewinnen Verschlechterungen aktiv bekämpfen fischereiliche Nutzung optimieren

Verschlechterungen aktiv bekämpfen Bei sämtlichen Wassernutzungen (Schotterentnahme, Kraftwerke...) müssen die Interessen der Fischerei nachdrücklich vertreten werden. Der von der Gemeinde genannte Bewirtschafter muss zu allen relevanten Verhandlungen zugezogen und gehört werden. Dabei sind die hier genannten Ziele zu vertreten.