forest stewardship council - FSC Deutschland

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FOREST STEWARDSHIP COUNCIL ARBEITSGRUPPE DEUTSCHLAND E.V.  1996 FOREST STEWARDSHIP COUNCIL A.C. (FSC-SECR-0012) FSC® Controlled Wood Risikoanalyse f...

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FOREST STEWARDSHIP COUNCIL ARBEITSGRUPPE DEUTSCHLAND E.V.  1996 FOREST STEWARDSHIP COUNCIL A.C. (FSC-SECR-0012)

FSC® Controlled Wood Risikoanalyse für Deutschland Registernummer: FSC-CWRA-007-DEU (V 3-1) Bestätigt am: 03 Juni 2011

Risiko Zusammenfassung: 1. Illegal geerntetes Holz: Geringes Risiko 2. Bei der Holzernte werden traditionelle oder bürgerliche Grundrechte verletzt: Geringes Risiko 3. Holz aus Wäldern, deren hohe Schutzwerte durch die Waldbewirtschaftung gefährdet sind: Geringes Risiko 4. Holz aus der Umwandlung von Naturwäldern in Plantagen oder nicht forstliche Nutzung: Geringes Risiko 5. Holz aus Wäldern, die mit gentechnisch veränderten Baumarten bepflanzt sind: Geringes Risiko

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Vorbemerkungen: Das vorliegende Dokument beinhaltet die abschließende Version eines nationalen Controlled Wood Risk Assessment für Deutschland zur Vorlage beim FSC International. Das Risk Assessment wurde von FSC Deutschland im Rahmen des dafür vorgesehenen Verfahrens und unter Einbeziehung entsprechender Interessensgruppen erstellt. Das Ergebnis des deutschen Risk Assessments steht im Kontext strategischer Gesamtüberlegungen von FSC Deutschland. Um den verschiedenen Interessensgruppen den Zugang zum Risk Assessment zu erleichtern und diese strategische Überlegungen näher zu bringen, wurden dem eigentlichen Risk Assessment (vgl. Kapitel 1) begleitende Informationen zur Verfügung gestellt. Diese finden sich in den Kapiteln 7-9 dieses Dokumentes. Diese strategischen Überlegungen waren, neben dem eigentlichen Risk Assessment, Bestandteil der Stakeholderkonsultation. In den Kapiteln 2-6 des vorliegenden Dokumentes wird der formale Rahmen zu einem Nationalen CW Risk Assessment beschrieben.

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Inhalt 1 Risikoabschätzung (Controlled Wood Risk Assessment) für nicht FSC zertifiziertes Holz aus deutscher Forstwirtschaft................................................................................................ 4 1.1

Illegal geerntetes Holz............................................................................................ 4

1.2

Bei der Holzernte werden traditionelle oder bürgerliche Grundrechte verletzt ........ 4

1.3 Holz aus Wäldern, deren hohe Schutzwerte durch die Waldbewirtschaftung gefährdet sind .................................................................................................................... 4 1.4 Holz aus der Umwandlung von Naturwäldern in Plantagen oder nicht forstliche Nutzung ............................................................................................................................. 6 1.5

Holz aus Wäldern, die mit gentechnisch veränderten Baumarten bepflanzt sind.... 7

2

Geltungsbereich, Gegenstand und Selbstverpflichtung.................................................. 8

3

Kontaktdaten ................................................................................................................. 8

4

Zeitlicher Ablauf............................................................................................................. 8

5

Beteiligte Gruppen ......................................................................................................... 8

6

Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Befragung der Interessensgruppen ........... 9

7

Ein Controlled Wood Risk Assessment für Deutschland ...............................................10

8

Was ist Controlled Wood? ............................................................................................10

9 Bedeutung des CW Risk Assessments für den FSC in Deutschland und für die verarbeitende Industrie.........................................................................................................11

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1 Risikoabschätzung (Controlled Wood Risk Assessment) für nicht FSC zertifiziertes Holz aus deutscher Forstwirtschaft 1.1

Illegal geerntetes Holz

Deutschland verfügt bundesweit über eine gut etablierte Waldgesetzgebung, die im Bezug auf die Legalität von Holzerntemaßnahmen verlässlich umgesetzt wird. Die Legalität von Holzerntemaßnahmen wird darin sichergestellt und auf Verwaltungsebene durchgesetzt (STD 40 005; Anh. 2B; 1.1 & 1.2). FSC Deutschland sind kein Fälle von illegaler Holzernte in Deutschland bekannt, durch die eine Gefahr für die Waldfläche oder die Bevölkerung entstanden sind (STD 40 005; Anh. 2B; 1.3). Darüber hinaus sind FSC Deutschland auch keine Fälle von Korruption in Bezug auf Erteilung oder Zuweisung von Holzerntegenehmigungen und anderen Bereichen des Gesetzesvollzugs in Bezug auf die Holzernte in Deutschland und den Handel mit deutschem Holz bekannt (STD 40 005; Anh. 2B; 1.4).  Deshalb bewertet FSC Deutschland die Gefahr von illegaler Holzernte für den deutschen Wald als gering.

1.2

Bei der Holzernte werden traditionelle oder bürgerliche Grundrechte verletzt

Es liegt kein Embargo des UN-Sicherheitsrates gegen Holzexporte aus Deutschland vor (STD40 005; Anh. 2B; 2.1). Nach Kenntnisstand von FSC Deutschland wird Deutschland nicht als Quelle von Konfliktholz betrachtet (STD40 005; Anh. 2B; 2.2). FSC Deutschland sind keine Fälle von Kinderarbeit und keine Verletzung der fundamentalen Prinzipien und Rechte der ILO (International Labour Organisation) an forstlichen Arbeitsplätzen bekannt (STD40 005; Anh. 2B; 2.3). Im Rahmen der deutschen Gesetzgebung sind anerkannte und faire Verfahren verankert, die Konflikte um traditionelle Rechte inklusive Landnutzung regeln. Solche Konflikte sind in Deutschland im Rahmen der Wiedervereinigung 1990 in den neuen Bundesländern bedingt entstanden und wurden auf dem Rechtsweg durch deutsche Behörden konsequent verfolgt und bearbeitet (STD40 005; Anh. 2B; 2.4). Nach Definition der Vereinten Nationen existieren in der Bundesrepublik Deutschland keine Indigenen Völker (siehe auch Dt. FSC-Standard, Prinzip 3) (STD40 005; Anh. 2B; 2.5).  Deshalb bewertet FSC Deutschland die Gefahr, dass bei der Holzernte in Deutschland traditionelle oder bürgerliche Grundrechte verletzt werden als gering.

1.3

Holz aus Wäldern, deren hohe Schutzwerte durch die Waldbewirtschaftung gefährdet sind

Grundsätzlich ist die Waldbewirtschaftung in Deutschland aus Sicht von FSC Deutschland erheblich verbesserungswürdig. Besondere Aufmerksamkeit verdienen hierbei Wälder mit hohem Schutzwert. Der Waldflächenanteil in Deutschland beträgt derzeit ca. 30% der deutschen Gesamtfläche. Ca. 20% der deutschen Waldfläche sind derzeit als Schutzgebiete FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V.  Postfach 5810  D-79026 Freiburg Tel.: +49 (0) 7 61 / 3 86 53 - 50  Fax: +49 (0) 7 61 / 3 86 53 - 79  [email protected]  www.fsc-deutschland.de

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nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der Europäischen Union ausgewiesen1. Der konkrete Schutz dieser Gebiete ergibt sich aus verschiedenen gesetzlichen Regelungen (Bundes- und Landesnaturschutzgesetze, Landeswaldgesetze, FFH-Richtlinie etc.).2 Konkrete Bewirtschaftungsvorgaben zur Sicherung von Schutzgütern in den einzelnen Wälder ergeben sich unmittelbar aus diesen Gesetzen oder aus daraus abgeleiteten verbindlichen Regelungen wie z. B. Schutzgebietsverordnungen oder FFHManagementplänen. Verstöße gegen diese Gesetze oder Regelungen sind Tatbestände, die durch den deutschen Staat verfolgt und sanktioniert werden können. Somit gelten für die Nutzung von Wäldern mit hohem Schutzwert rechtliche Rahmensetzungen, die sich an alle Waldbesitzer in gleichem Maße richten (STD 40 005; Anh. 2B; 3.2). Auch durch diese umfangreichen gesetzlichen Normen und die staatlichen Kontrollmöglichkeiten kann nicht ausgeschlossen werden, dass Forstbetriebe gegen bestehende Gesetze und Regelungen verstoßen. Viele dieser Verstöße werden allerdings von der Verwaltung geahndet und rechtlich sanktioniert. Der deutsche Bericht nach Art. 17 der FFH-Richtlinie aus dem Jahr 2007 bewertet die ökologischen Erhaltungszustände der Lebensraumtypen in deutschen Wald-FFH-Gebieten in Teilflächen Deutschlands (vor allem atlantische und kontinentale Region) als ungünstig. Bis zur nächsten Bewertung nach Art. 17 der FFH-Richtlinie im Jahr 2012 und der darauf basierenden Veröffentlichung des nächsten Berichts muss sich die Erarbeitung und Umsetzung von Schutzgebietesverordnungen und Managementplanungen daher substantiell verbessert haben. Es ist im Kontext des gesetzlichen Rahmens in Deutschland daher, trotz des vielfach als ungünstig bewerteten ökologischen Zustands der FFH-Gebiete, derzeit nicht davon auszugehen, dass durch Verstöße gegen Schutzvorschriften eine flächenhafte Gefährdung der Schutzziele und Schutzgüter von FFH-Gebieten durch die Waldbewirtschaftung stattfindet und dadurch diese Wälder aufgrund der Forstwirtschaft flächenhaft und substanziell gefährdet sind (STD40 005; Anh. 2B; 3.1). Wichtig ist in diesem Kontext auch, dass derzeit der Druck auf die Nutzung des Rohstoffs Holz in ganz Deutschland kontinuierlich steigt. Es ist davon auszugehen, dass durch diesen wachsenden Nutzungsdruck auch das Gefährdungspotential auf besonders schützenswerten Wälder durch Forstwirtschaft in Deutschland ansteigt. Die FSC-Zertifizierung zur Sicherung von Biodiversität in deutschen Wäldern ist daher zentrales strategisches Ziel von FSCDeutschland. Die Anforderungen des CW-Standards verlangen auch eine Prüfung der möglichen Betroffenheit global wichtiger „Schutzkategorien“. Dies sind laut FSC z.B. Biodiversity Hotspots oder Global 200 Ecoregions des WWF. Diese werden im Folgenden evaluiert. In Deutschland finden sich nur im süddeutschen Alpenraum Anteile an einer Global 200 Ecoregion. Die `European-Mediterranean Montane Mixed Forests Region` (Teilregion der Global 200’ Ecoregionen im deutschen nördlichen Alpenraum) erstreckt sich über die Alpenländer und schließt den südlichsten Teil Deutschlands (Alpenregion) ein. Diese Region 1

Laut Erhebungen des BMU: „Meldungen und Ausweisung von FFH Gebieten“ (Stand 2008)

2

Im Internet unter www.fsc-deutschland.de/controlledwood/consult finden Sie ein Dokument mit der Übersicht über die gültigen Gesetze in Deutschland und der EU zu diesem Thema.

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wurde aufgrund der Vielfalt der Nadel- und Mischwäldern (Habitat Typ Temperate Coniferous Forests) ausgewählt. Durch die lange Tradition der Nutzung und durch die hohe menschliche Aktivität sind viele Arten gefährdet. Die Ecoregion-Fläche umfasst in Deutschland den südbayrischen Alpen- und Voralpenraum mit einem Gesamtumfang von ungefähr 15.000 -20.000 Quadratkilometern, von denen allerdings große Teile keine Waldflächen sind. In dieser Region in Deutschland repräsentieren v.a. folgende großflächige Schutzgebiete den Habitattyp: • • •

Nationalpark und Biosphärenreservat Berchtesgaden (20.805 ha), Ammergebirge (18.496 ha), Karwendel und Karwendelvorgebirge (19.000 ha).

Damit stehen insgesamt fast 600 Quadratkilometer unter dem Schutz der Naturschutzgesetze. Hinzu kommen kleinere Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete, die unter der folgenden Internetadresse abgerufen werden können: www.bayern.de/lfu/natur/flaechenschutz/index.html. Durch diese Bereitstellung von großflächigen Schutzgebieten in den deutschen Waldflächen der Ecoregion , in denen forstliche Bewirtschaftungsmaßnahmen stets dem Schutzziel der Flächen untergeordnet sein sollen, ist sichergestellt, dass entsprechende Gebiete nicht substanziell durch forstliche Maßnahmen gefährdet sind. Zusätzlich fällt ein beträchtlicher Anteil der Waldflächen in die Kategorie Schutzwald (Lawinenschutzwald) und ist mit einer weiteren Schutzkategorie belegt in der z.B. Kahlschlag nur in Ausnahmen und nur nach einer behördlichen Genehmigung möglich ist3. Der CW-Standard fordert darüber hinaus die Prüfung, ob weitere Waldformen mit besonderem Schutzwert (STD40 005; Anh. 2B; 3.1) existieren. Dies kann für Deutschland verneint werden. In Deutschland sind nach Definition von Conservation International keine `Global Hotspots` der Biodiversität bekannt und es existieren auch keine großen zusammenhängenden Waldflächen, die von der Conservation International als Wildnis eingestuft werden. Darüber hinaus gibt es in Deutschland weder intakte Forstlandschaften nach der Definition von Greenpeace noch vom World Resources Institute als Frontier Forest deklarierten Flächen.  Der FSC Deutschland bewertet das Risiko der Gefährdung besonders schützenswerter Wälder durch forstliche Eingriffe gegenwärtig als gering.4

1.4

Holz aus der Umwandlung von Naturwäldern in Plantagen oder nicht forstliche Nutzung

Echte „Naturwälder“ sind in Deutschland nicht weit verbreitet, relevante Flächen liegen in aller Regel innerhalb von Schutzgebieten (Nationalparke, Kernzonen von Biosphärenreservaten, Naturschutzgebiete o.ä.). Die Umwandlung von Naturwäldern in

3

BayWaldG (2005): Zweiter Teil, Abschnitt II, Art. 14: Bewirtschaftung des Waldes

4 Im Hinblick auf eine Verbesserung oder Verschlechterung des ökologischen Erhaltungszustands der Waldlebensraumtypen in den FFH-Gebieten müssen die Ergebnisse der nächsten Bewertung im Jahr 2012 abgewartet werden. Und werden dann neu bewertet.

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Plantagen oder nicht forstliche Nutzungen kann in Deutschland daher ausgeschlossen werden. Kommt es in Deutschland zu Waldumwandlung z.B. für Infrastrukturmaßnahmen oder andere Nutzungen aufgrund planungsrechtlicher Genehmigungen, müssen hierfür grundsätzlich Ausgleichsflächen geschaffen oder Ausgleichszahlungen geleistet werden. Nach den Ergebnissen der Bundeswaldinventur wurde im Zeitraum von 1988 bis 2002 etwa 1% der deutschen Waldfläche (rd. 82.000 Hektar) umgewandelt, wobei es sich in keinem Fall um Primärwälder handelte. Es kommt also nicht „in großem Umfang“ zu Umwandlung von Wald in andere Nutzungsformen. Laut Bundeswaldinventur hat die Waldfläche im Beobachtungszeitraum von 1987 bis 2002 zudem bundesweit geringfügig zugenommen (STD40 005; Anh. 2B; 4.1).  Deshalb bewertet FSC Deutschland das Risiko, dass Holznutzung in Deutschland zu einer bedeutenden Entwaldung natürlicher oder naturnaher Wälder führt als gering.

1.5

Holz aus Wäldern, die mit gentechnisch veränderten Baumarten bepflanzt sind

FSC Deutschland ist keine kommerzielle Anpflanzung von gentechnisch veränderten Bäumen in Deutschland bekannt, eine solche Anpflanzung ist in Deutschland ohne entsprechende behördliche Lizenz nicht gestattet. Dem FSC Deutschland sind derzeit auch keine kommerziell ausgerichteten Anbauversuche für gentechnisch veränderte Baumarten in Deutschland bekannt. Bekannt geworden sind dem FSC Deutschland einige wissenschaftliche Freilandversuche (z.B. mit Zitterpappel), deren Holz nicht kommerziell verwertet wird. Auch in Europa sind uns keine kommerziell ausgerichteten und flächenrelevanten Freisetzungsversuche entsprechender Bäume bekannt. In Deutschland haben bislang die Versuche aus einer grundlagen-wissenschaftlichen Motivation (z.B. Risikofolgenabschätzung) und nicht aus kommerziellen Gründen stattgefunden. Absichten, gentechnisch veränderte Bäume in der kommerziellen Forstwirtschaft anzupflanzen, sind derzeit nicht bekannt. Ein flächenhaftes Risiko für das eigenständige Auswildern entsprechender Pflanzen aus wissenschaftlichen Anbauversuchen besteht aus unserer Sicht nicht. (STD 40 005; Anh. 2B; 5.a)  Der FSC Deutschland bewertet das Risiko, dass in Deutschland geerntetes Holz von gentechnisch veränderten Baumarten stammt als gering.

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2 Geltungsbereich, Gegenstand und Selbstverpflichtung Das Controlled Wood Risk Assessment wird von der FSC Arbeitsgruppe Deutschland nach Vorgaben der FSC-PRO 60 002 (V 2.0) durchgeführt. Das Risk Assessment wird für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet. Es werden alle fünf Bewertungskategorien (vgl. Punkt 2: Was ist Controlled Wood?) des FSC Controlled Wood Standards bewertet. Das Risk Assessment wird für alle Arten von Wald in Deutschland, auch von Plantagen, durchgeführt. Die Definition von Wald und Plantagen in Deutschland finden sich im deutschen FSC Waldstandard.

3 Kontaktdaten Das vorliegende Controlled Wood Risk Assessment wird von FSC Deutschland durchgeführt und betreut. Die Ansprechpartner beim FSC Deutschland sind: Thomas Häbe & Uwe Sayer, FSC Deutschland, Nussmannstr. 14, 79098 Freiburg, Tel: +49 761 38653-62, Fax: +49 761 38653-79, E-Mail: [email protected]

4 Zeitlicher Ablauf Folgender Ablauf für das Risk Assessment (RA) ist derzeit geplant: • • • • •

Start der öffentlichen Konsultation (Stakeholderbeteiligung) am 18. März 2011 Ende der öffentlichen Konsultation am 29. April 2011 Überarbeitung des Entwurfs und Einbeziehung der Ergebnisse der öffentlichen Konsultation bis 10. Mai 2011 Verabschiedung des 2. überarbeiteten Entwurfs durch den Vorstand des FSC Deutschland bis Mitte Mai Prüfung der Unterlagen beim FSC International zur formalen Anerkennung ab Juni 2011

5 Beteiligte Gruppen Übersicht über Stakeholder, die aktiv von FSC Deutschland auf diesen Prozess angesprochen wurden Wirtschaftsvertreter • Waldbesitzer alle Besitzarten und Waldbesitzerverbände • Forstunternehmer und assoziierte Verbände • Unternehmen der ersten Verarbeitungsstufe Interessierte soziale Gruppen • Im Wald arbeitende Menschen und diese vertretende Gewerkschaften Organisationen und Institutionen im Themenfeld Erholung Interessierte Umweltgruppen die den Aspekten Biodiversität, Wasser, Boden, Ökosystem und Landschaft interessiert sind •

Naturschutz- & Umweltverbände in Deutschland FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V.  Postfach 5810  D-79026 Freiburg Tel.: +49 (0) 7 61 / 3 86 53 - 50  Fax: +49 (0) 7 61 / 3 86 53 - 79  [email protected]  www.fsc-deutschland.de

Formatiert: Nummerierung und Aufzählungszeichen

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6 Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Befragung der Interessensgruppen Die Version V1-1 dieses Nationalen Controlled Wood Risk Assessments wurde innerhalb der drei FSC Kammern in einem ausgeglichenen Entscheidungsfindungsprozesses entwickelt. Interessensgruppen wurden zur Version V1-1 zwischen 18.03.2011 und dem 29.04.2011 befragt. Wie im Kapitel „Beteiligte Gruppen“ beschrieben, wurde eine breite und ausgewogene Anzahl an Interessensgruppe zur Diskussion eingeladen. Am Ende der Befragungsphase wurden bei der NI einige Kommentare eingereicht: •

Glunz AG, Nettgau



VDS – Verband der Deutschen Säge- und Holzindustrie e.V., Wiesbaden



Zellstoff Stendal GmbH, Arneburg



Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal GmbH, Blankenstein



Berliner Forsten, Berlin



Stefan Salvador, Bad Honnef



Stora Enso Deutschland GmbH, Düsseldorf



Pfleiderer Holzwerkstoffe GmbH, Neumarkt



Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V., Berlin



BSHD – Bundesverband Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V, Berlin

Alle Kommentare der Interessensgruppen wurden geprüft. Es fand sich keine bedeutende Kritik an der Version V1-1 des Risk Assessments. Die Interessensgruppen waren mit der Argumentation einverstanden. Die meisten Kommentare bezogen sich auf die Notwendigkeit eines CW Risk Assessments für Deutschland.

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7 Ein Controlled Wood Risk Assessment für Deutschland Der FSC steht in Deutschland und weltweit für vorbildliche Waldbewirtschaftung und ermöglicht dem Verbraucher sich aktiv für Produkte aus vorbildlicher Waldbewirtschaftung zu entscheiden. Der industriellen Herstellung von FSC zertifizierten Produkten steht häufig ein Mangel an entsprechend FSC-zertifizierten Rohstoffen entgegen. Ein Schritt zur Lösung dieses Problems war die Einführung des FSC-Mix-Labels, welches Unternehmen erlaubt, FSC Produkten einen gewissen Anteil an nicht zerifiziertem Material beizumischen5. Um auszuschließen, dass FSC Produkten Holz aus kontroversen Quellen beigemischt wird, fordert der FSC einen Herkunftsnachweises mit eingehender Risikobewertung für diese nicht-FSC-zertifizierten Anteile. Bei geringem Risiko kann dieses Holz als kontrolliertes Holz, (Controlled Wood = CW) in die Produktion von FSC-Produkten eingespeist werden. Kommt das Material aus einem Gebiet mit unklarem Risiko, sind aufwändige Einzelfallprüfungen im Wald erforderlich. Ob auf Landes-/Regionsebene (z.B. Deutschland) ein geringes oder unklares Risiko für nicht FSC-zertifiziertes Material besteht, kann innerhalb eines formalen Verfahrens, dem „Nationalen Controlled Wood Risk Assessment“, durch nationale FSC Arbeitsgruppen geprüft werden. Dazu werden unter Einbeziehung von Interessenvertretern die verschiedenen CW Anforderungen im Kontext der (deutschen) Forstwirtschaft analysiert und bewertet. Wird in einem Land/Region ein geringes Risiko festgestellt, vereinfacht sich der Controlled Wood Nachweis für alle, die Holz aus diesem Land/Region zu FSC-Mix-Produkten verarbeiten. In Deutschland sind vor allem Industrieunternehmen der ersten Verarbeitungsstufe betroffen (Sägewerke, Spanplattenindustrie, Zellstoff- und Papierhersteller). Deshalb strebt FSC Deutschland den Prozess eines Nationalen Controlled Wood Risk Assessment an. Ein solches Nationales Risk Assessment läuft nach festen formalen Schritten ab6 und beinhaltet die Einbeziehung aller Interessensgruppen. Die Endfassung eines entsprechenden Risk Assessments muss vom FSC International anerkannt werden. Danach ersetzt ein anerkanntes Nationale Risk Assessment alle bisherigen Controlled Wood Analysen die beispielsweise von Unternehmen angefertigt wurden. Jedermann ist eingeladen, sich zu dem vorliegenden ersten Entwurf zu äußern. Bitte wenden Sie sich mit Ihren Meinungen, Anregungen, Änderungswünschen und Fragen an die Geschäftstelle des FSC Deutschland.

8 Was ist Controlled Wood? Material aus nicht zertifizierten Wäldern muss die FSC Controlled Wood Kriterien erfüllen, damit es einem FSC Mix Produkt beigemischt werden darf. Grundvoraussetzung für solches Material ist, dass seine Herkunft eindeutig ist 5

Recycling wird hier zur Vereinfachung als Thema ausgeblendet. Dieses kann – nach eigenen Regeln – auch in FSC Mix Produkten stattfinden. 6

Der formale Rahmen eines Nationalen CW Risk Assessments ist in der FSC PRO 60-002 Vers. 2-0 geregelt.

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Ist die Herkunft des Materials ermittelt, erfolgt für die Herkunftsregion eine Risikoabschätzung im Bezug auf die fünf FSC Controlled Wood Kriterien7. Ist das Ergebnis einer solchen Abschätzung, dass das Risiko gegen eine der Kriterien zu verstoßen gering ist (sog. „low risk“), kann Material aus den geprüften Regionen als Controlled Wood in die Herstellung von FSC-Produkten einbezogen werden. Ergibt die Abschätzung ein unklares Risiko für eines der Kriterien, dann wird die Region mit einem „unspecified risk“ bewertet. Material aus diesen Regionen, kann nur nach einer aufwändigen Prüfung im Herkunftswald in die Herstellung von FSC-Produkten einbezogen werden. Dabei muss nachgewiesen werden, dass in der betreffenden Region die CW-Anforderungen des FSC nicht verletzt wurden. Nach den Anforderungen des FSC für Controlled Wood darf Material nicht • • • • •

aus illegaler Fällung stammen, aus Gebieten stammen, in denen Verletzungen von Traditions- und Menschenrechten stattfinden, aus Gebieten stammen, in denen durch Bewirtschaftung besonders schützenswerte Wälder bedroht sind, aus Wäldern stammen, die in Plantagen umgewandelt wurden und von genetisch veränderten Bäumen stammen.

Controlled Wood ist keine „FSC Zertifizierung light“ und die Erfüllung der beschriebenen Kriterien steht in keinem Vergleich zu den hohen Ansprüchen des FSC an vorbildliche Waldbewirtschaftung. Aus Sicht des FSC besteht auf vielen dieser Flächen Nachbesserungsbedarf bzgl. der Waldbewirtschaftung. Deswegen verbietet der FSC auch, dass allein die Einhaltung von Controlled Wood-Anforderung z.B. mit Hilfe eines CW-Labels kommuniziert werden kann. So wird ausgeschlossen, dass CW beim Verbraucher als Nachhaltigkeitsstandard wahrgenommen wird. Controlled Wood ist also immer nur in Zusammenhang mit FSC Mix Produkten möglich.

9 Bedeutung des CW Risk Assessments für den FSC in Deutschland und für die verarbeitende Industrie Für den Fall dass Deutschland als „low risk“ Gebiet eingestuft würde, hätte das die Folge, dass ständig eine große Menge an Controlled Wood aus Deutschland verfügbar wäre. Diese Situation ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass nur so viele FSC Mix Produkte hergestellt werden können, wie anteilig FSC-zertifiziertes Material in eine Produktion eingebracht wird. Für den Fall dass Deutschland als „unspecified risk“ Gebiet eingestuft würde, könnte das dazu führen, dass aufgrund des komplizierten Nachweissystems (vgl. oben) die Herstellung von FSC-Mix-Produkten so erschwert wird, dass verarbeitende Unternehmen FSC-MixProdukte aus dem Sortiment nehmen. Industrieunternehmen teilen uns mit, dass zusätzlicher Lagerplatz für gesonderte FSC-Produktlininen, die die Herstellung von 100% FSC-Produkten gewährleisten würden, nicht zur Verfügung steht. FSC-Holz würde auf diese Weise in der Verarbeitungskette „versickern“. Dies gilt vor allem für die ersten Verarbeiter in 7

Der Ablauf einer solchen Risikoabschätzung wird im FSC Standard FSC STD 40-005 Vers. 2 geregelt.

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der Wertschöpfungskette (Säger, Papierhersteller, Faserverarbeiter). Langfristig lösbar ist dieses Dilemma nur durch eine große FSC-zertifizierte Waldfläche in Deutschland, die eine langfristige Rohstoffsicherheit für FSC-Holz für Industrieunternehmen gewährleistet. Dies ist das erklärte strategische Ziel von FSC-Deutschland. Für den FSC in Deutschland hätte die Einstufung von Deutschland als low risk Gebiet vermutlich verschiedene Vorteile: • •





Harmonisierung und Transparenz von Risikobewertungen (derzeit durch Unternehmen geführt, durch Zertifizierer geprüft) Vereinfachung der Produktion von industriellen FSC Produkten in Deutschland mit deutschem Holz und damit Schaffung von Märkten und Anreizen für weitere FSC Waldzertifizierungen in Deutschland Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit von FSC-zertifizierten Produkten aus Deutschland gegenüber FSC-zertifizierten Produkten aus anderen Nachbarländern (z.B. Polen, Rumänien etc.) in denen Verfügbarkeit von CW und zertifiziertem Material höher ist Die Möglichkeit Produktionsbedingungen und Risikosituationen vor Ort beurteilen zu können (denn sie geschehen dann buchstäblich vor unseren eigenen Augen).

Bleibt in Deutschland ein entsprechendes Risk Assessment aus, ist es durchaus denkbar, dass die Akzeptanz des FSC im Holzverarbeitenden Sektor weiter auf niederem Niveau stagniert. Es ist sogar zu befürchten, dass das bestehende Engagement einzelner Industrieunternehmen abnimmt. Weiterführende Informationen und Hintergründe rund um das Thema Controlled Wood und FSC-Mix-Produkte erfahren Sie auf unserer Internetseite (www.fscdeutschland.de/controlledwood) und in unserer Geschäftsstelle.

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