Franz Josef Heinrich - Karin Fischer Verlag

Franz Josef Heinrich - Karin Fischer Verlag

Franz Josef Heinrich Franz Josef Heinrich Biographie Geboren 1930 in Linz als Sohn eines Eisenbahnbeamten. Absolvierte die Lehre eines Büchsenmach...

506KB Sizes 0 Downloads 0 Views

Recommend Documents

Tim Fischer - karin blenskens karin blenskens
Bühnenpartner am Klavier ist wieder Rainer Bielfeldt. Fischer ... Liebe ausgeht“ mit Songs von Rainer Werner Fassbind

Josef Haider - Fischer OG
13.10.2016 - Robert und Maria, Karl und Gabi,. Helmut und Margit, Gerhard und Johanna. Söhne und Schwiegertöchter. Ing

Download - Franz Josef Strohmeier
Zusammenarbeit mit Tom Kühne. Eernadette Sonnenbichler, Anna ... Onkel / Messenger The Black Rider (Tom Waits). Wildere

franz josef hausmann - ZAA
les Sprachliche kann man nur leben, aber nicht beschreiben, denn es ist das Leben, und ..... Montréal: Les Presses de l'

Franz Josef Knape
Lyons, Billy Cartledge, Chack Hayward Slim Hightower, Fred Kennedy, Frank McGrath, Chuck Robertson, Dale van ..... zu ih

Franz Josef Strauß FÜHRERGEBURTSTAG
“Franz Josef hier, Franz Josef da jeder Tag bringt ein neues StraußFestival”, meldete die “Bild-. Zeitung” inmitten der

Franz Josef Furt wäng ler Gewerkschafter - Klartext Verlag
Seiteneinsteiger im Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund . . . 27 .... „Die unteren Bildungsanstalten dürfen nicht

fischer& fischer medien - R. G. Fischer Verlag
Feen, Elfen, Kobolde und schreckliche. Monster bewohnten die Wälder. In den .... sich Gyrlin ohne Zögern für diesen b

Franz Josef Strauß - Die Onleihe
26.05.2017 - in Erholung begeben« wolle und die. Absicht habe, »die Kartage und die. Osterfeiertage privat in Rom zu ver

Kaiser Franz Josef unterstützt - Rockszene
Daughtry laden junge Österreicher ins Capitol ein. 04. September 2014, Von: Redaktion, ... Wem in diesem Zusammenhang di

Franz Josef Heinrich

Franz Josef Heinrich

Biographie Geboren 1930 in Linz als Sohn eines Eisenbahnbeamten. Absolvierte die Lehre eines Büchsenmachers.

1981 Verleihung des Berufstitels »Professor« durch den österreichischen Bundespräsidenten. Mitglied des PEN-Klubs, der »Neuen Literarischen Gesellschaft Marburg/Lahn«, der »Deutschen Lyrikergesellschaft Leipzig« und der Künstlervereinigung MÄRZ.

Ab 1950 Gymnasium für Berufstätige (Arbeitermittelschule).

Franz Josef Heinrich ist Träger zahlreicher Preise und Auszeichnungen, u.a. des Landeskulturpreises von Oberösterreich (Adalbert-Stifter-Preis) und des Kunstwürdigungspreises für Literatur der Landeshauptstadt Linz.

Lyrik

Franz Josef Heinrich

Das unsichtbare Kreuz Dr. Wolfram Hitzeroth Marburg 1989

Schwarzstern Erde rasch edition Bramsche 2005

Das Monument Darmstädter Druckund Verlagsanstalt Darmstadt 1990

Die Schattenharfe Wimmer, Linz 1957

Die rote Tür Kranichfelder Verlag Marburg 1996

Isolationen Kulturamt der Stadt Linz Linz 1959 Lichtzellen Rohrer Verlag, Wien 1961

Die Brandstatt Der Karlsruher Bote Karlsruhe 1968 Essays über Paul Celan, Friedrich Hölderlin und zeitgenössische Lyrik (»Gedichte schreiben heute«).

Atemseil deutscher lyrik verlag Aachen 2008

Zahlreiche Beiträge in Tageszei­ tungen, Zeitschriften und Antholo­ gien.

Romane Die Körper Landesverlag, Linz 1984

Gedichte und Erzählungen des Autors wurden ins Slowakische, Kroatische, Russische sowie Türkische übersetzt. Über den Autor Franz Josef Heinrich s. vor allem die 116 Seiten umfang­ reiche und 1997 vom Land Oberöster­ reich herausgegebene Porträtnummer des Periodikums Die Rampe/Hefte für Literatur, in der neben beispielhaften Texten von Franz Josef Heinrich zahlreiche Literaturwissenschaftler, Kritiker und Schriftsteller in Aufsätzen und Porträts das literarische Gesamt­ werk Heinrichs beschreiben und würdigen.

Die Hungerstadt Gutenberg Verlag Linz 1987

Erde, mein Herz Landesverlag, Linz 1984 Der Turm von Babel Kranichfelder Verlag Marburg 1994 Die Minotaurier rasch edition Osnabrück 1999 Distelreich rasch edition Osnabrück 2000

74

Narbenschrift rasch edition Osnabrück 2002

Meridiane Rohrer Verlag, Wien 1964

1956 Beginn der Berufslaufbahn bei einem internationalen Versicherungskonzern. Erste Veröffentlichungen eines Lyrikbandes 1957, seither Entfaltung eines reichen literarischen Werkes: Neben zahlreichen Lyrikbüchern auch Profilierung als Dramatiker mit Aufführungen im In- und Ausland. Essayist und Verfasser von Erzählungen und Romanen.

Werke

Die Sternwarte diagonal-Verlag Marburg 1992

Die Schule von Xon Karin Fischer Verlag Aachen 2009

Hörspiel Die Nacht der Müllschlucker Linz 1973

Dramen Erzählungen Feldzug nach Nanda Der Karlsruher Bote Karsruhe 1973

Ausgewählte Theaterstücke Winter, Salzburg 1979

Ein Ort für alle Winter, Salzburg 1976 Gehen auf dem Kopf Winter, Salzburg 1981

Franz Josef Heinrich

75

Porträt »Wenn wir […] den Autor Franz Josef Heinrich vorstellen, so zeigen wir zugleich ein wichtiges Kapitel oberösterreichischer Literatur der letzten vier Jahrzehnte. […]. Als Botschafter oberösterreichischer Literatur konnte er auch in Deutschland Anerkennung finden. Franz Josef Heinrich ist […] kein bequemer Geist, Gefälligkeit hat er seinen Lesern, Zuschauern und Diskussionspartnern nie geboten. Er hat es vielmehr als seine Aufgabe gesehen, Ungerechtigkeit aufzuzeigen und anzuprangern, Menschen in Zwiespalt, Abgründigkeit und Krankheit zu zeigen, und war immer auf der Suche nach einer humanen Gesellschaft.« Dr. Josef Pühringer Vorwort In: Die Rampe. Hefte für Literatur Porträt Franz Josef Heinrich o. J. [1997, S. 4]

»In den Fünfzigerjahren nahm er [Franz Josef Heinrich] die damals wirksamen philosophischen Strömungen auf und ließ sich von Albert Camus’ Existenzphilosophie, in der Literatur vor allem von Trakl und Celan und Mallarmé beeinflussen. 76

Franz Josef Heinrich

Dementsprechend schrieb Heinrich anfangs Lyrik […]. In den ersten, 1955 entstandenen Gedichten ist der Ton der Ingeborg Bachmann noch erkennbar, wobei mit dem Nichts aber bereits ein charakteristisches Thema angeschlagen wird. […]. Gegen Ende der Sechzigerjahre wurde seine [Heinrichs] Weltsicht pessimistischer, die Sicht eines ›Menschen unserer Tage, der … unter der Bombe lebt‹. […]. Der größte Teil der [seit 1992 verfassten] Gedichte knüpft an die frühe pessimistische Weltsicht Heinrichs an: die Geworfenheit, Heimatlosigkeit des Menschen. […]. Wenn Schmerz zum Thema wird […], ist man freilich mehr an den Stifterschen Schmerzbegriff erinnert, da daraus neue Kraft erwachsen kann […]. Schließlich ist es der Dichter, von dem sich der Autor [also Franz Josef Heinrich] die positive Zukunftsperspektive erwartet.« Jakob Ebner Franz Josef Heinrich – Porträt eines Autors a.a.O., S. 5 ff.

»Der Lyriker Heinrich war ein Einzelgänger und blieb es auch als Dramatiker und Romanschriftsteller. Was zeichnet diese Lyrik [der zwischen 1957 und 1968 erschienenen fünf Gedichtbände Franz Josef Heinrichs]

nun aus? Vor allem, daß Heinrich bei jenen Traditionen anknüpft, die, wie zum Beispiel der Expressionismus, im deutschsprachigen Raum den Weg zu einer ganz neuen Sprachhaltung zeigten und daß ihr Inhalt sich kompromißlos den Gegenwartsproblemen stellte. Dabei wurde keinem billigen Optimismus das Wort geredet, wie er sich in dieser Zeit des beginnenden Wirtschaftsaufschwungs in Österreich angeboten hätte, sondern ganz im Gegenteil, der Autor äußerte sich mit sehr zweiflerischen, ja kritischen Worten.« Gregor M. Lepka Ironie, Groteske, Sarkasmus im Werk von Franz Josef Heinrich a.a.O., S. 87 ff.

»Heinrichs Sprache ist bilderreich und bildkräftig; die Gedichte leben aus dieser Welthaltigkeit und aus dem derben und welthaltigen Idiom: es ist da nichts, was weggleiten kann, was sich verliert und nicht mehr zu fassen ist. Bei der Beschäftigung mit Heinrichs Werk wird man immer wieder eine Beobachtung machen: daß hier nämlich einer schreibt, der wiederholt und mitunter recht heftig mit all den Dingen konfrontiert worden ist, die den Alltag des Lebens ausmachen. Vielleicht erklärt sich von

daher auch die Wortmächtigkeit, die an einen Poeten des Barock denken läßt […].« Heike Willig Die Lyrik Franz Josef Heinrichs als Ausdruck der Sehnsucht: das Verlangen nach Harmonie in einer zerstückelten Welt a.a.O., S.105 ff.

»Er [Franz Josef Heinrich] sucht in seinen Gedichten nicht nach dem Verbindlichen, sei es nun alter oder neuester Prägung, sondern möchte seinen eigenen Weg gehen, auf dem er eine Schönheit entdeckte, die aus dem Akt des Denkens entspringt und das Denken transzendiert. […]. Um das Mißtrauen, das viele dem Denken entgegenbringen, kümmert er sich wenig. […]. Gedanke, Realität, sogar Technik, haben ihre Größe durch Folgerichtigkeit, Gegebenheit, Notwendigkeit; man kann sich nicht entziehen; in dieser Anerkennung der Notwendigkeiten erweist sich Heinrichs Poesie des Intellekts fast in jedem Gedicht als tragisch.« Herbert Zand Lyrischer Gedanken-Meridian Oberösterreichische Nachrichten 19.12.1964 (Wochenendbeilage)

Franz Josef Heinrich

77

Jeder bin ich ur troja brennend lidice es steigen wer aushebt die tausende jahre die hier lebten aus dem mitternachtsboden sie singen was war mit gesprungenem mund noch einmal herüber seht uns auf denen stille wurde zum land gedenkt unser deren blut laubt aus den buchen wir waren wie ihr wo der völker stimme brennt im alten geröll rinnen die völker zusammen in einer schläfe

frierend vor morokesch erschlagen in sistre so viel angst so viel aschenlocken gesammelt auf einem haupt ur troja brennend lidice die erde trägt narben von unserem leben und noch immer unerlöst aus den schreien tönt die verstümmelte zungen des menschen

meine seele ist eine gespannte saite zwischen himmel und erde auf ihr wandeln sich tage nächte hell und dunkel zu worten silben gedichten bis die träne der amsel im garten meinen schatten aus der luft wäscht bleibt meine seele eine gespannte saite zwischen himmel und erde

Anweisungen geradestehen und widersprechen unverdaulich bleiben zwischen den fettaugen auf jeder suppe den langen geraden weg den kurzen umläufen vorziehen schwerfällig gelten bei den leichtfertigen widersprechen und geradestehen

wieder rast die meute vor dem tor nasan dem hirten verfault am apfel die hand mein herz klopft älter als babel jeder bin ich den sie treiben der gejagt wird gehetzt hungernd durch timur

78

Franz Josef Heinrich

Franz Josef Heinrich

79

mein bett steht in babylon manhattan kalkutta und rom wo die nacht auf den straßen sich mit den schläfern vermählt die nacht ist überall gleich in rio manila paris wo unter cola- und discoreklamen die einen aus geschliffenen gläsern champagner schlürfen und die andern im rinnstein vergehn mein herz schlägt mit denen die bei regen und schnee sich wolken über die köpfe ziehn mit den hunden ihre mahlzeiten teilen wo tauben auf kirchtürmen köteln und vor elend trunkene ihre erbrochenen sterne auf die gehsteige speien ihr unbelehrbaren lacht noch

Vogelscheuche

Die Lampe

erzähl fremder wo du einkehrst daß du mich sahst erzähle von mir nimm den hut ab triefend von der regenstunde stumm auf den feldern steht ein verlorenes volk

immer mehr starb ich meinem inneren zu die worte fielen mir ab die hände das aug und das ohr als die bindenden glieder zur welt

sprich das wort in die stuben das sich erinnernde leise sag zu tun zu halten ist nichts mehr in den dörfern feiern die blasmusiken das aschenfest

ganz still wie einen lautlos atmenden docht führte mich einwärts der stollen der jeder seele eingefädelte weg zu dem gesättigten frieden der öle

erzähl fremder von mir sag daß du mich trafst sag

da riß von der spitze des herzens ein licht sich los

einen löchrigen sack auf die stange gestülpt sah ich sie wehen verbannt in das ackerjahr

und erleuchtete mich als eine lampe von innen

wenn sich die kanaldeckel öffnen und die unterwelt den fluch euch auf die abortwände zinkt

80

Franz Josef Heinrich

Franz Josef Heinrich

81

Du bist mir genug du bist mir genug die mit mir ausläuft eine seifenblase in die weiten des äthers oder als ein raumschiff in die erstaunlichen hoheitsgebiete der seele ich begehre nichts was mir außerhalb liegt ich finde genug an besitz in dem grauen gestein das mein herz ist alles was ich liebe das jeben die distel die freude sind in meinem leben enthalten kein ahne hält mich mit namen kein schlüssel an das verlierbare gut du läßt mir nichts in der hand als die wasser zeichen der leere aber du bist mir genug die aus stille das zepter bildet des freien reiches der luft du bist mir genug phantasie

meinen mantel schenke ich den gauklern und spare den stachel für mich so wird was uns trennt uns wieder verbünden ausgeschrieben bin ich auf schwarzen plakaten wo mein lachen den hundegott pries und nachts lieg ich vor den städten ein wegfahrer ohne gepäck verdächtig den redenden verfolgt von den stummen bin ich der schatten der stets bei dir steht verläßlich daß das unglück ausbricht wenn im dunkeln meine hand anstrebt das geköpfte ziel doch ich bleib leicht und schreib euch lachend mein gesetz auf den abort so zieh ich jetzt weiter der stadt näher zu wo es warm ist im winter und in den portemonnaies die zündschnüre brennen

82

Franz Josef Heinrich

Franz Josef Heinrich

83

Das Haus

Die Stadt

heute wird es nicht dunkel honigfässer voll freude stehen auf hölzernen tischen daß die bienen aus licht unsere stuben durchschwärmen

rot und grün die signale lärm erhärtet in uns der gaskamm glüht auf den öfen wir treiben durch die trockene brandung rotgerüste stocken sich auf grünschienen schwemmen uns weiter räder rotieren rotgerüste und das feilen unter der haut

wir lachen und feiern und niemand ahnt unser geheimnis nur das haus ungestört atmend erinnert sich leise seiner väter und söhne die versunken sind in der zu wasser gewordenen zeit langsam bewegt sich der verhohlene sinn auf das wirkliche zu jedes jahr erneuert die kartoffel im boden unseren bund mit dem leben wir lachen und feiern die hochzeit der bäume doch morgen schon kann die schlage in den nestern der erde unser geheimnis aufstöbern

in uns dröhnt die bewegung blutregen fällt laß uns münden die straße fängt uns auf rot und grün

unser tägliches gelege von tränen so wohnen wir wo der blitz uns versteinern wird unterm dach dem himmel und den reisenden wolken am nächsten

84

Franz Josef Heinrich

Franz Josef Heinrich

85

Sternwarte

Die Spindel

lautlos in meinem innern decke ich das herz für den gast meine gedanken einsame bewohner der stille

wer über sich hinausgelangen will muß in sich selbst hinabsteigen

aus dem verborgenen schweben sie als leichte gestirne heran und werfen ihr licht über mich immer reinere gebilde der freude aufgefunden habe ich unendliche schätze zwischen der vergänglichen erde und dem unsicheren all strahlend den harten diamanten des gedankens

86

Franz Josef Heinrich

die irrtümer glänzen zur welt ausgedehnt in der eigenen tiefe erkennst du den schmerz der mensch ist die spindel gottes um die die schreie sich drehen

Franz Josef Heinrich

87

Vogelschnüre

auf dem atemseil hochsteigen und in gedankentiefe stürzen

jedes jahr bringen die stare aus dem tal der nilkönige den sommer zurück für die keimende saat im boden schnüre aus vogelzügen knüpfen uns an das stille versprechen vom überleben der welt

unten zerschnitten verschnitten unentwirrbar der knoten fehlt fehlt unserer seele das licht?

einen leeren schuh stell ich vor meine tür damit sich der schnee rette vor meinem herd den leeren teller reich ich dem fremden damit die nahrung nicht ende auf meinem tisch den leeren sarg nagle ich zu mit meinen zähnen damit der tod sich fortträgt zu einem anderen leben

88

Franz Josef Heinrich

Franz Josef Heinrich

89