Franz Josef Strauß - Die Onleihe

Franz Josef Strauß - Die Onleihe

(…) in Erholung begeben« wolle und die Absicht habe, »die Kartage und die Osterfeiertage privat in Rom zu verbringen, wie ich es auch die letzten Jah...

2MB Sizes 0 Downloads 4 Views

Recommend Documents

Franz Beckenbauer - Die Onleihe
07.04.2017 - von Walt Disney rezitieren. - Gegen Sie ist Johnny Knoxville von Jackass so gefährlich wie Pastinake von H

Download - Franz Josef Strohmeier
Zusammenarbeit mit Tom Kühne. Eernadette Sonnenbichler, Anna ... Onkel / Messenger The Black Rider (Tom Waits). Wildere

franz josef hausmann - ZAA
les Sprachliche kann man nur leben, aber nicht beschreiben, denn es ist das Leben, und ..... Montréal: Les Presses de l'

Franz Josef Knape
Lyons, Billy Cartledge, Chack Hayward Slim Hightower, Fred Kennedy, Frank McGrath, Chuck Robertson, Dale van ..... zu ih

Franz Josef Strauß FÜHRERGEBURTSTAG
“Franz Josef hier, Franz Josef da jeder Tag bringt ein neues StraußFestival”, meldete die “Bild-. Zeitung” inmitten der

Kaiser Franz Josef unterstützt - Rockszene
Daughtry laden junge Österreicher ins Capitol ein. 04. September 2014, Von: Redaktion, ... Wem in diesem Zusammenhang di

Franz-Josef Schütte - CDU Erwitte
... des Ehrenamtes! Am 25. Mai wählen gehen. Baugebiet „Westernfeld“. Service Wohnanlage. Kindergarten „Regenbogen“. Sch

Franz Josef Strauß - H-Net
Am 3. Oktober 2008 jährte sich der Todestag von. Franz Josef Strauß zum zwanzigsten Mal. Mit ei- ner ganzen Reihe von Ve

16. Publikationen - Franz Josef Krafeld
Edition Temmen. Bremen 2009, 395 S., 19,90€. In: Sozialwissenschaftliche Literaturrundschau 33.Jg., Nr.60, H.1/2010, S

Veranstaltungsort Universitätsklinikum Regensburg Franz-Josef
Veranstaltungsort. Universitätsklinikum Regensburg. Franz-Josef-Strauß-Allee 11. 93053 Regensburg (s. Karte). Kursraum Η

(…) in Erholung begeben« wolle und die Absicht habe, »die Kartage und die Osterfeiertage privat in Rom zu verbringen, wie ich es auch die letzten Jahre getan habe.«3 Kein Wort von der bevorstehenden Verlobung. Woher diese Schweigsamkeit? Marianne Zwicknagl ist wahrlich keine Braut, die man verstecken müsste: hübsch, gebildet, aus gutem Haus; der Brauereibesitzer Max Zwicknagl, ihr Vater, den Strauß im Frankfurter Wirtschaftsparlament kennen und schätzen gelernt hat, zählt in der CSU zu den Honoratioren der angenehmeren Art. Auch in Bonn hat sein Name einen guten Klang. Aber das Schweigen – merkwürdig bei einem, der stets im Rufe stehen wird, zu viel zu sagen – ist leicht zu erklären. Es soll das letzte Reservat von Privatheit einer durch und

durch öffentlichen Existenz schützen. Mit den Jahren werden die Räume für Nichtöffentliches immer kleiner – umso wichtiger ist es für Strauß, dass sie nach anderen Regeln funktionieren. Gewiss, auch der Privatmann Strauß sieht es nicht ungern, für sein Politikerdasein bewundert zu werden, aber dessen andere Seite – der ständige Kampf, die vielen Zweifel an ihm – soll niemals in die Privatheit eindringen. Wer mit Strauß als Freund zu tun hat und ihm dieses Maß an Ruhe nicht gönnt, von dem wendet er sich ab. Für die Ehe gilt das noch viel mehr. Lange hat er sich danach gesehnt, Ausschau gehalten nach dem Glück seines Lebens, einem Ruhepunkt, einer Gemeinschaft, in der er sich – anders als in der Politik – nicht ständig beweisen muss. In Zeiten, da Vermählungen

hochpolitische Angelegenheiten waren, wäre Strauß wohl nicht zurechtgekommen. Für die immer wieder anklingende Nachrede, die Hochzeit mit Marianne Zwicknagl habe auch politischen oder wirtschaftlichen Zwecken gedient, gibt es keine Anhaltspunkte. Denn als Strauß vor den Traualtar tritt, ist er schon viel zu lange ein Mann aus eigenem Recht – von Rang und Gewicht gehört er zweifellos zu den ersten in Staat und Gesellschaft –, als dass er darauf angewiesen wäre, in die bayerische Honoratiorenfamilie Zwicknagl einzuheiraten, um so seinen rasanten sozialen Aufstieg aus kleinen bürgerlichen Verhältnissen abzurunden. Auch wenn am Tag der Hochzeit die Gier der Illustrierten nach schönen Bildern groß ist, einige der besten Reporter zum Ereignis eilen

und eine beträchtliche öffentliche Aufmerksamkeit das Fest begleitet, sollte für Strauß eigentlich nichts anderes gelten als für jedermann: Dieser Tag sollte der privateste aller privaten Tage in seinem Leben sein. Doch diese Privatheit ist ihm nicht vergönnt. »Demokratisch heißt jedermanns Sklave sein dürfen«,4 so schrieb Karl Kraus, und bräuchte man einen Beweis für den Wahrheitsgehalt dieser sarkastischen Bemerkung: Die Hochzeit von Franz Josef Strauß bietet ihn. Die Bedürfnisse der sich im Wirtschaftswunderland auf voyeuristische Vergnügungen einstellenden Öffentlichkeit sind dabei noch der geringere Teil, mag sich die Braut auch berechtigte Sorgen machen, dass ihre »Hochzeit zu einem Rummel ausarten könnte, wie es bei der armen Maria Schell der Fall war«.5 Vergleichsweise

harmlos sind auch die politischen Rücksichtnahmen, die bei der Erstellung der Gästeliste zu bedenken sind: Am besten bittet man das ganze Kabinett und verstreut großflächig Einladungen über die Führungsriegen der Unionsparteien und der Bundestagsfraktion, den Verteidigungsausschuss nicht zu vergessen! Allerdings muss sich kaum einer genötigt sehen, der Trauung auch gegen die Stimme des eigenen Herzens beizuwohnen. Denn alles geht ja ein wenig plötzlich. Wem dies noch nicht Vorwand genug ist, sich kurzfristig indisponibel zu erklären – Strauß ist anerkannt, gewiss, und seine Gaben werden allenthalben bewundert, aber die persönliche Verbundenheit mit den Bonner Kollegen reicht kaum über Parteifreundschaften hinaus, nein, richtig mögen tun ihn hier die