Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland

Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland

Friedenstheorie: Aufgabenstellungen, Ansätze, Perspektiven Christoph Weller -Ulrich Eckern · Leonie Herwartz-Emden Rainer-Olaf Schultze (Hrsg.) Redak...

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Friedenstheorie: Aufgabenstellungen, Ansätze, Perspektiven Christoph Weller

-Ulrich Eckern · Leonie Herwartz-Emden Rainer-Olaf Schultze (Hrsg.) Redaktion: Tanja Zinterer

Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland Eine Bestandsaufnahme ~;,

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Wiesbaden 2004 .

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VS VERLAG FÜR SOZIALWISSENSCHAFTEN

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Friedenstheorie: Aufgabenstellungen, Ansätze,

Perspektiven

Christoph Weller

1. Einleitung Gerade Zeiten emotionalisierter Friedensdiskussionen verlangen in besonde­ rer Weise nach friedenstheoretischer Reflexion, um sowohl die Positionen und Argumente der Debatten-GegnerInnen als auch das eigene Denken dar­ aufhin zu befragen, auf welche Annahmen sich die Argumente stützen. 1 Wenn beispielsweise auf allen Seiten von "Frieden" die Rede ist - wird darunter eigentlich immer dasselbe oder zumindest Ähnliches verstanden? Ist dabei Frieden ein Ziel, ein Prozess, eine normative Idee oder einfach nur eine Me­ tapher, welche die Rechtfertigung politischen Handeins erleichtern soll? Wenn von "Gewalt" die Rede ist - wird damit auf die Rechtfertigung von Gegengewalt, auf die Leiden der Opfer oder auf die Begrenztheit des Frie­ dens hingewiesen? Schon die grundlegendsten friedenstheoretischen Begriffe sind in starkem oder gar besonderem Maße umstritten und verlangen daher nach spezieller Aufmerksamkeit. Daher beschäftigt sich die Friedenstheorie unter anderem mit der Begriffsbildung, insbesondere bezüglich zentraler Begriffe wie Konflikt, Frieden und Gewalt (vgl. Bonacker/Imbusch, 1999). Neben solchen begrifflichen Vorverständnissen sind Friedensdiskussio­ nen auch durchsetzt von Theorie-Annahmen, von Vermutungen und Hypothe­ sen über systematische soziale Zusammenhänge, die aber in der subjektiven (Selbst-)Wahrnehmung in der Regel als Wissen über diese Zusammenhänge aufgefasst werden. Im wissenschaftlichen Diskurs gilt dieses Wissen dann aber als mehr oder weniger gesichert beziehungsweise umstritten. Tragen beispielsweise militärische Interventionen in undemokratische Staaten zum Verzicht oder zur Stärkung aggressiver Außenpolitik bei? Unter welchen Bedingungen kann welche Art von Intervention langfristig zu stabilen demo­ kratischen Verhältnissen und friedlichem Außenverhalten eines anderen Lan­ des beitragen? Warum sind Demokratien untereinander so friedlich, wenn sie doch gegenüber Nicht-Demokratien ziemlich aggressiv sein können? Auf diese und ähnliche Fragen gibt es unterschiedliche Antworten, je nach Eine erweiterte Fassung dieses Beitrags erschien als INEF-Report 68/2003. Für hilfreiche Kommentare zu vorhergehenden Fassungen dieses Manuskripts danke ich Volker Böge,

Thorsten Bonacker, Christine Eitler, Dieter Senghaas und Angelika Spelten.

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zugrundeliegender friedenstheoretischer Herangehensweise. Weil jedoch daraus je nach Antwort auch verschiedene Strategien, Handlungsempfehlun­ gen und politische Konsequenzen resultieren, kann eine praxisorientierte Friedensforschung die Ursachen solcher Antwort-Differenzen nicht ignorie­ ren. Außerdem werden mit jeder Theorieaussage auch erkenntnistheoretische Fragen aufgeworfen: Aus welcher Perspektive beobachten wir die Zusam­ menhänge und welchen Einfluss nimmt unsere Art des Beobachtens auf die jeweiligen Erkenntnisse? Kann beispielsweise, wer Freunde oder Familienan­ gehörige bei den Terroranschlägen auf das World-Trade-Center und das Pen­ tagon verloren hat, zur selben Einschätzung über die Gestaltung des Verhält­ nisses zwischen westlicher und islamischer Welt kommen wie jene Menschen, die sich jahrelang dafiir engagiert haben, dass in ihrer bayerischen Gemeinde eine Moschee gebaut werden kann?2 Kann in einem Land, dessen nationale Meisterschaften in verschiedenen Sportarten "World Series", also Weltmeis­ terschaften heißen (vgl. Stichweh, 2000, 234), dasselbe Bild von der Welt entstehen wie in einem Land, dessen Außenpolitiker sich über Jahrzehnte mühsam um die internationale Anerkennung als friedliebendes Land (vgl. Haftendorn, 2001) bemüht haben? Ist möglicherweise die Differenz der Beo­ bachtungsperspektiven und der daraus resultierenden Weltbilder der eigentli­ che Kern bestimmter transatlantischer, - und damit auch friedenspolitischer ­ Differenzen? Welche Perspektive muss die Friedenswissenschaft einnehmen, um so lches erkennen zu können, oder anders gefragt: Auf welcher erkenntnis­ theoretischen Grundlage können wir Weltbilder und die verschiedenen Wege ihres Zustandekommens (friedens-) wissenschaftlich analysieren? Mit diesen Fragen und Beispielen sind drei zentrale AufgabensteIlungen friedenstheoretischer Arbeit angesprochen, an denen in den vergangenen Jahren unterschiedlich intensiv gearbeitet wurde: begriffliche Grundfragen der Friedensforschung, Friedenstheorien als theoretisch-analytische Ansätze zum Verständnis von Friedensbedingungen und erkenntnistheoretische As­ pekte friedenswissenschaftlicher Arbeit (vgl. Calließ/Weller, 2003). Bevor ich auf die friedenstheoretischen Entwicklungen in diesen drei Feldern einge­ he, ist jedoch zunächst der gesellschaftliche und wissenschaftliche Kontext friedenstheoretischer Arbeit auszuleuchten, also jenes Feld, in dem die frie­ denswissenschaftliche Arbeit stattfindet und in dem deren Produkte dann auf ihre KonsumentInnen treffen, denn Hintergrund der hier vorgetragenen Über­ legungen ist kein abstraktes Theorie-Ideal, sondern sie orientieren sich an den Anforderungen und dem Selbstbild einer praxisorientierten Friedenswissen­ schaft. 2

Vgl. die Pressemitteilung "Nach dem Terror: Muslime in Bayern unter Druck" des Bayeri­ schen Rundfunks vom 19.9.2001: ,,[...] Im benachbarten Lauingen dagegen wurde vor fünf Jahren die erste Moschee Bayerns errichtet" (http://www.br-online.de/inhalt/ wir_ueber_uns/pressestelle/aktuelles/6579/; 8.11.2002).

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2. Friedenspolitische Antworten oder friedenstheoretische

Fragen?

Meist waren es die nach-kriegerischen Phasen des (welt-)gesellschaftlichen Zusammenlebens, die zu besonderen Konjunkturen friedenspolitischer und dann auch friedenstheoretischer Debatten gefiihrt haben. So lassen sich auch die aktuellen friedenstheoretischen Fragestellungen und Diskussionsbeiträge nicht unabhängig von ihrem historischen Kontext und den durch ihn aufge­ worfenen Fragen an die Friedensforschung verstehen. Hier ist bis heute, trotz der aktuellen Wendungen des weltpolitischen Geschehens, vor allem der mit dem Ende des Ost-West-Konflikts einhergehende Wandel globaler Konflikt­ formationen wirksam, aber natürlich auch die seit dieser Zeit zunehmenden militärischen Aktionen sogenannter humanitärer Intervention. Doch mögli­ cherweise sind es sogar in weit geringerem Maße der historische Kontext selbst beziehungsweise dessen gesellschaftliche Konstruktion, als vielmehr die ihr entspringenden Anfragen, welche das Themenfeld friedenstheoreti­ scher Debatten vorstrukturieren. Eine wesentliche Rolle hierbei spielt, neben den Beobachtungen und Er­ fahrungen aktueller Kriege und Gewalthandlungen, ein vielfach an die Frie­ densforschung herangetragenes Wissenschaftsverständnis, in dem die Auffas­ sung vorherrscht, Wissenschaft könnte eindeutige Antworten auf gesellschaft­ liche Problemlagen bereitstellen. Entsprechend lässt sich die traditionelle Erwartung an die Friedenswissenschaft auf die Frage zuspitzen: "Was soll getan werden, um den verlorenen Frieden wiederherzustellen?" Die Friedens­ forschung wird also vornehmlich dann gefragt, wenn der Frieden bezie­ hungsweise der Frieden, von dem gerade die Rede ist, schon längst ver­ schwunden ist, also durch Gewalt zerstört worden ist. Und die Friedensfor­ schung wird dann - insbesondere von den Massenmedien - danach gefragt, was man gegen aktuell stattfindende Gewalt tun solle. Dahinter steht wohl die eher diffuse Erwartung, dass die Friedensforschung zur (Wieder-)Herstellung des Friedens - im Gegensatz zu den vorherrschenden Denkweisen staatlicher Außenpolitik - doch anderes als Gegen-Gewalt anzubieten haben müsste. Schon in dieser, traditionellen Erwartungen entsprechenden klassischen Frage an die Friedensforschung steckt ein mindestens dreifaches friedensthe­ oretisches Vorverständnis:

(1) Frieden sei erst dann abhanden gekommen, wenn "wir" davon erfahren, dass irgendwo auf der Welt Menschen unter Gewalt zu leiden haben ­ wenn also das Ausmaß direkter Gewalt so groß ist, dass die Massenme­ dien darüber berichten. (2) Frieden müsste schnell, kurzfristig, möglichst ohne größere Kosten und am besten unter Verzicht aufjegliche Gewalt hergestellt werden können.

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(3) Die Ursache des Unfriedens ließe sich objektiv bestimmen, und nur wer kein Freund des Friedens sei, könnte sich eigentlich der Erwartung ent­ ziehen, daran mitzuwirken, diese Ursachen zu beseitigen und Frieden (wieder) herzustellen. Zweifellos wären alle Friedensforscherinnen und -forscher glücklich, wenn sie diese drei Vorverständnisse teilen und entsprechende Antworten geben könnten. Doch weder die zugrundeliegende begriffliche Annahme (1) vom Frieden als Zustand, in dem keine Informationen über Gewalt bis an unsere Ohren dringen, noch die Friedenstheorie (2), die einen Zusammenhang von schnellen, einfachen, gewaltfreien Maßnahmen und langfristig gesichertem Frieden behaupten könnte, hielte einer Überprüfung anhand aktueller frie­ denswissenschaftlicher Forschungsdaten stand. Und in der Konfliktforschung gehört es schon lange zum gesicherten Wissen, dass sich die subjektiven Konfliktursachen nicht zugunsten irgendeiner objektiven Ursachenanalyse übergehen lassen (vgl. Bonacker, 2002a), weil jeder Konflikt auch mit Diffe­ renzen in den Weltsichten (3) - und damit eben auch über die Konfliktursa­ chen - zumindest einhergeht, wenn nicht gar darin seinen Anfang hat. Auf allen drei genannten Ebenen friedenswissenschaftlicher Reflexion (begriff­ lich, theoretisch-analytisch, erkenntnistheoretisch) hat die Friedenstheorie folglich systematische Überlegungen anzustellen, ob, und wenn ja, wie sie die oben beispielhaft formulierte Frage beantworten und zugleich ihren wissen­ schaftlichen Anspruch einlösen will. Muss das eben skizzierte friedenstheoretische Vorverständnis somit als fraglich gelten, wäre in friedenswissenschaftlicher Hinsicht wohl am konse­ quentesten, auf die Frage, wie sich ein verlorener Frieden wiederherstellen ließe, nicht mit Antworten, sondern mit Rückfragen und der Problematisie­ rung der zugrundeliegenden begrifflichen, theoretisch-analytischen und er­ kenntnistheoretischen Vorverständnisse zu reagieren. Doch abgesehen von den Selbstzweifeln, überhaupt Antworten auf die eigenen Rückfragen zu besitzen, stünde dies außerdem völlig konträr zu der eben beschriebenen Erwartung an die Friedensforschung als praxisorientierter "Lösungswissen­ schaft" beziehungsweise auch zu dem von ihr in weiten Teilen vertretenen Selbstverständnis einer vornehmlich praktisch-politischen Wissenschaft und den damit erzeugten und gestützten Erwartungen, eindeutige Antworten auf friedenspolitische Problemlagen geben zu können. In diesem wissenschaft­ lich-gesellschaftlichen Korsett von Erwartungen, Ansprüchen und theoreti­ schem Wissen aber wird der Raum eng fiir friedenstheoretische Reflexionen­ und entsprechend partiell und ausschnitthaft muss die nachfolgende Darstel­ lung bleiben.

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3. Begriffliche Grundlagen der Friedensforschung Lothar Brock hatte nach dem Ende des Ost-West-Konflikts einen wichtigen Beitrag zur Wiederaufuahme friedenstheoretischer Diskussionen im deutsch­ sprachigen Raum geleistet und in seinen "Überlegungen zur Theoriebildung" (Brock, 1990) vorgeschlagen, "Frieden nicht als Zustand eines sozialen Systems zu begreifen, sondern als eine ,ins Un­ endliche fortschreitende Annäherung' an ein Ziel, dessen konkreter Inhalt sich mit der Geschichte selbst immer weiter voranbewegt und das deshalb prinzipiell nicht abscWie­ ßend definiert werden karm, wohl aber eine kritische Auseinandersetzung mit den beste­ henden Verhältnissen und die Identifizierung von Ansatzpunkten für deren friedensdienli­ che Veränderung erlaubt." (Brock, 1990, 72)

Folgt man dieser begrifflichen Eingrenzung, resultiert daraus die Anforde­ rung, bezogen auf die jeweils aktuelle geschichtliche Situation den Frieden als Ziel inhaltlich zu bestimmen. Für Brock war dies im Jahr 1990 "die ge­ waltfreie Weltgesellschaft [...], in der Konflikte unter Verzicht auf die An­ wendung oder Androhung kollektiver Gewaltanwendung geregelt würden" (Brock, 1990, 72). Würden wir heute, nach den Erfahrungen der vergangenen zwölf Jahre, eine ähnliche inhaltliche Bestimmung des Friedens vornehmen? Insbesondere wenn sie der Brockschen Anforderung genügen soll, "die Iden­ tifizierung von Ansatzpunkten :für die friedensdienliche Veränderung der bestehenden Verhältnisse" zu ermöglichen? Oder müssen wir mit ansehen, wie die Welt mit dem Frieden gar nicht vorankommt oder sich sogar im Rückwärtsgang befindet (vgl. Kaldor, 2000; Münkler, 2002), wie insbesonde­ re das soziale System der internationalen Politik keinerlei "Annäherung" an den Frieden unternimmt, sondern sich ständig weiter von ihm entfernt und sich daher auch die inhaltliche Bestimmung des "Friedens" nicht "voranbe­ wegt", wie Brock (1990, 72) erwartet hatte, sondern auf breiter Front zurück­ gefahren wird und deshalb das Ziel "friedensdienlicher Veränderungen" mög­ licherweise gerade heute bescheidener formuliert werden müsste? Georg Picht hatte schon in der Frühphase der deutschen Friedensfor­ schung behauptet, dass es zum Wesen des Friedens gehöre, "dass er nicht definiert werden kann"3 (Picht, 1975, 46). Der Grund hierfiir liege darin, dass gerade der Streit darum, welche Gesellschaftsordnung als "Frieden" aner­ kannt wird, der eigentliche Gegenstand aller politischen Konflikte sei (Picht, 1975, 46). Folgt man Picht, kann die Friedensforschung sich zwar am politi­ schen Streit um eine friedliche Ordnung intensiv beteiligen, aber sie wird mit den dabei vorgebrachten Positionen und Friedens-Definitionen keine begriff­ liche Grundlage :für friedenstheoretische Ansätze schaffen können. Oder an­ ders formuliert: Ein wissenschaftlicher Friedensbegriff wird niemals in dem 3

Hervorhebung im Original.

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Sinne wissenschaftlich sein können, dass seine intersubjektive Anerkennung über politische Grenzen hinweg unumstritten wäre, und wird sich insofern immer über den theoretischen Kontext, in dem er Verwendung findet, zu plausibilisieren haben. 4 Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Gewaltbegriff, ohne den weder eine Begriffsbestimmung noch eine Theorie des Friedens denkbar erscheint. S Alle Friedensbegriffe nehmen Bezug auf die Gewalt, natürlich in negativer Hin­ sicht. Doch manche Formen von Gewalt - etwa die rechtsstaatlich kontrollier­ te, monopolisierte Gewalt eines demokratischen Staatsapparats - scheinen in den meisten Friedensbegriffen nicht im Gegensatz zum erstrebten Frieden zu stehen (vgl. etwa Senghaas, 1995b), sei er nun ein Zustand, ein Prozess oder ein Ziel. Und die Grenzziehung zwischen diesen zwei Formen der Gewalt, einer legitimen und einer illegitimen Gewalt, lässt sich offenbar weder wis­ senschaftlich noch ethisch dekretieren, sondern wird auf Dauer Gegenstand politischer Auseinandersetzungen bleiben (vgl. Weller, 2003), denn auch die gesellschaftlichen Konventionen und Regeln, was legitime Gewaltanwendung ist, wandeln sich im Rahmen der ständigen politischen Konflikte. Es scheint sogar so zu sein, dass der Streit darüber, wer die genannte Grenzziehung vornehmen darf, Ausgangspunkt vieler Gewalteskalationen ist. Der klassische Bürgerkrieg, der darüber ausbricht, wer die Herrschaft ausüben darf, ist in seinem Kern der Konflikt darüber, wer über die legalen und damit legitimier­ ten Gewaltmittel verfUgt und wer nicht (vgl. Gantzel, 1997). In aktuellen friedenstheoretischen Diskussionen um die begrifflichen Grundlagen der Friedensforschung werden zunehmend konstruktivistische Ansätze entwickelt, um mit der eben skizzierten Problematik systematisch umgehen zu können (vgl. Brücher, 2002; Weller, 2004). Dabei geht es nicht um die direkte Einmischung in den politischen Streit um Friedens- und Ge­ walt-Definitionen, sondern um die wissenschaftliche Beobachtung des Defini­ tionen-Streits als Konflikt-Analyse. Die sprachliche Legitimation politischer Handlungen, beispielsweise mit Hilfe des Begriffs "Frieden", wird als Vor­ aussetzung kollektiver Gewaltanwendung betrachtet. Entsprechend spielen 4

S

So wird auch das Verständnis und die Abgrenzung dessen, was "Friedensforschung" bzw. "Friedenswissenschaft" sei, weder unabhängig vom politisch-gesellschaftlichen, noch vom historischen Kontext festzulegen sein, sondern auf die Anerkennung einer konkreten Kommunikationsgemeinschaft angewiesen bleiben. Und insofern der Frieden ein politi­ scher Begriff ist, wird es auch keine unpolitische Friedenswissenschaft geben können. Vgl. wiederum Picht (1995) sowie gewissermaßen prototypisch Johan Galtungs Grundsatz bei der Auseinandersetzung mit dem Begriff "Frieden", die zumindest implizit den aller­ meisten Friedensbegriffen zugrunde liegt: "Wir beabsichtigen lediglich, die Begriffe ,Frie­ den' und ,Gewalt' so miteinander zu verknüpfen, dass ,Frieden' als ,Abwesenheit von Ge­ walt' verstanden werden kann" (Galtung, 1975, 8). Vgl. jetzt auch Harald Müllers Definiti­ onsansatz: "Frieden ist ein Zustand zwischen bestimmten sozialen und politischen Kollek­ tiven, der gekennzeichnet ist durch die Abwesenheit direkter, verletzender physischer Ge­ walt und in dem deren möglicher Gebrauch gegeneinander in den Diskursen der Kollekti­ ven keinen Platz hat" (Müller, 2003, 219f.).

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die Strategien, mit denen Definitionen und Wirklichkeits-Deutungen durchge­ setzt werden, eine zentrale Rolle bei der Analyse gewaltsamen Konfliktaus­ trags. Wenn beispielsweise der amerikanische Präsident seine Strategie des Präventiv-Krieges als aussichtsreichsten Friedensprozess bezeichnet, hängt die Umsetzung dieser Strategie in entscheidendem Maße davon ab, ob es ihm gelingt, insbesondere der amerikanischen Öffentlichkeit den Glauben zu ver­ mitteln, dass sich die USA mit einem Krieg gegen den Irak auf dem Weg des Friedens befinden. Oder ein anderes Beispiel: Wenn der Bundeskanzler in seiner ersten Stellungnahme vor der Presse die Terroranschläge am 11. Sep­ tember 2001 als "Kriegserklärung gegen die gesamte zivilisierte Welt" be­ zeichnete, konnte kaum mehr jemand erwarten, dass sich die Bundesregierung gegen die hochproblematische militärische Reaktion darauf zur Wehr setzen würde (vgl. dazu Weller, 2002a). Der konstruktivistische Zugriff auf die friedenstheoretische Terminologie geht davon aus, dass mit jeder sprachlichen Bezeichnung, sei es tUr ein Ereig­ nis, einen Tatbestand oder ein Ziel, eine Unterscheidung vorgenommen wird (vgl. Brücher, 2002, 19; Weller, 2002b, 36f.), die bei normativ geladenen Begriffen wie Frieden oder Gewalt immer konfliktiv sein muss, weil bei­ spielweise mit der Bezeichnung "Frieden" etwas anderes immer auch als Nicht-Frieden gekennzeichnet wird. Wer aber an diesem Nicht-Frieden betei­ ligt ist, ihn herbeitUhren oder aufrechterhalten will, ist zumindest der politi­ sche Gegner wenn nicht der gesellschaftliche Feind, denn nach gesellschaftli­ chem Konsens ist der Nicht-Frieden jener Zustand, der im Hinblick auf den Frieden verändert werden soll. Ebenso wird mit der Bezeichnung "Gewalt" eine Handlung negativ bewertet und damit zugleich auf die Möglichkeit eines Handeins verwiesen, das keine Gewalt darstellt. Indem aber somit unterstellt wird, dass auch ohne Gewalt hätte gehandelt werden können, lässt sich dem stattgefundenen Handeln mit Hilfe der Bezeichnung "Gewalt" die Legitimati­ on entziehen. Daran wird sichtbar, dass große politische Macht damit verbun­ den ist, solche Bezeichnungen und Unterscheidungen für ein Kollektiv ver­ bindlich festzulegen, etwa durch Rechtsetzung, Kommunikationsstrategien oder die Anwendung legitimer Gewalt, die dann jedoch in der Regel nicht als "Gewalt" bezeichnet wird. In dieser Einbeziehung des Diskurses, der sprachlich-gesellschaftlichen Auseinandersetzung um die zentralen Begriffe der Friedensforschung und ihre Verwendung, in die friedenstheoretischen Reflexionen über ihre begriff­ lichen Grundlagen steckt ein erhebliches Potenzial für neue friedenstheoreti­ sche Perspektiven. So entwickelte beispielsweise Gertrud Brücher (2002) einen Ausweg aus der oben skizzierten Paradoxie des Friedensbegriffs, indem sie "Frieden als Form" versteht: "Der Friede ist als die Paradoxie der Einheit friedensrelevanter Unterscheidungen mithin stets von der Art und Weise abhängig, in der mit diesen Unterscheidungen umgegangen, welche Friedenswirklichkeit durch diese konstruiert wird im Sinne von projiziert, ange­

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bahnt und vorbereitet. Sobald die Einheit friedensrelevanter Unterscheidungen in den Vordergrund rückt, nähern wir uns dem Frieden, sobald die Differenz thematisiert wird, beschäftigen wir uns mit den Hindernissen rur den Frieden, sobald jedoch die Unterschei­ dung als ganze aus dem Blick gerät und der Friede mit einer der beiden Seiten zusammen­ fällt, wird er systematisch verfehlt." (Brücher, 2002, 363)

Daneben gibt es weitere konstruktivistische Ansätze zur Reflexion des Um­ gangs mit friedenswissenschaftlichen Zentralbegriffen (vgl. Seifert, 1999; Bonacker, 2002b; Baecker, 1997), die vielfältige Anregungen, sowohl rur neue theoretisch-analytische Ansätze zum Verständnis der Hindernisse oder Bedingungen rur Frieden als auch rur intensivierte erkenntnistheoretische Analysen friedenswissenschaftlichen Beobachtens liefern und damit der frie­ denstheoretischen Arbeit wichtige Impulse verleihen.

4. Friedenstheorien Die Vielfalt dessen, was als Frieden bezeichnet wird, bringt unterschiedliche (Teil-) Theorien des Friedens hervor, die sich nicht zwangsläufig widerspre­ chen müssen, die aber auch nicht unbedingt kompatibel miteinander sind. Je nach betrachtetem Ausschnitt gesellschaftlichen Zusammenlebens können sich Friedenstheorien auf die Möglichkeiten, Voraussetzungen oder gar Be­ dingungen zum Beispiel eines familiären Friedens oder auch des Weltfriedens beziehen. Dabei wird die Selbstbezeichnung "Friedenstheorie" in den aller­ meisten Fällen rur solche Ansätze verwendet, die eher rur großräumige ge­ sellschaftliche Zusammenhänge Möglichkeiten gewaltarmen Konfliktaustrags zu identifizieren suchen. Bei der Analyse internationaler Politik ist "Frieden" eine übliche Kategorie, während sie in der Soziologie eher sparsam verwen­ det wird - ein Hinweis, dass auch in der wissenschaftlichen Beschäftigung unter "Frieden" zunächst der Verzicht auf zwischen- und innerstaatlichen Krieg verstanden wird (vgl. Jopp, 1992,37). Für diese großräumigen sozialen Zusammenhänge liegen auch die am dif­ ferenziertesten ausgearbeiteten Friedenstheorien vor. Dies gilt insbesondere für die politologische Teildisziplin Internationale Beziehungen, deren Theo­ rieentwicklung in ihrem Kern als Suche nach Friedenstheorien aufgefasst werden kann (vgl. Meyers, 1994, 124-147; Rittberger/Hummel, 1990, 19), auch wenn in den meisten Fällen eine andere Begrifflichkeit gewählt wird (vgl. Meyers, 1996). Ich kann hier nicht auf die vielfältigen Theoriediskussi­ onen eingehen, die insbesondere in Reaktion auf den Wandel des internatio­ nalen Systems seit 1990 in den Internationalen Beziehungen geruhrt wurden (vgl. dazu Katzenstein u.a., 1998; Hellmann u.a., 2003). Ich will allerdings kurz auf einen Theorieansatz verweisen, welcher gerade in der deutschspra­ chigen Forschung intensiv bearbeitet wird und auch von aktueller friedenspo­

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litischer Bedeutung ist: der sogenannte "Demokratische Frieden". Ihm liegt die empirische Beobachtung zugrunde, dass demokratische Staaten unterein­ ander keine Kriege führen, sehr wohl jedoch gegen nicht-demokratische Staa­ ten. Die Erklärung dieses (Nicht-) Friedens ist umstritten und die Aufmerk­ samkeit der Forschung gilt derzeit in besonderem Maße den Widersprüchen in der bisherigen Theorieentwicklung (vgl. Müller, 2002), um auch die Impli­ kationen für die politische Praxis besser beurteilen zu können. Auch in die­ sem Forschungsfeld haben in letzter Zeit konstruktivistische Ansätze neue Akzente gesetzt (vgl. Schrader, 2003; Geis, 2003), indem sie in den gegensei­ tigen Wahrnehmungen von Staaten als friedliche Demokratien beziehungs­ weise als bedrohliche und friedensgefährdende Nicht-Demokratien ein we­ sentliches Element einer Theorie des Demokratischen Friedens sehen und zu dessen Konzeptualisierung beitragen. In vielen friedenstheoretischen Entwicklungen zeigt sich gleichsam bei­ spielhaft die Rückwirkung der Realgeschichte auf die wissenschaftliche Theo­ riebildung. Waren es in den davor liegenden Epochen immer wieder die Kriege, die verstärkte Anstrengungen in der Kriegsursachen-Forschung be­ wirkt haben (vgl. Meyers, 1990, 59), so war es am Ende des Ost-West­ Konflikts gewissermaßen der ausgebliebene Krieg, der dann logischerweise nicht nach der Analyse von Kriegs-, sondern von Friedens-Ursachen verlang­ te. Damit wurde eine klassische Fragestellung der Friedensforschung förmlich umgedreht und nunmehr versucht, vom Ausbleiben des Krieges her die Be­ dingungen zu erkennen, unter denen die Bereitschaft wächst, trotz Konflikten auf die Anwendung von Gewalt zu verzichten. Dies könnten dann die Ursa­ chen beziehungsweise Bedingungen des Friedens sein (vgl. auch Matthies, 1995, 1997; Matthies u.a., 1996). Trotz der Vielfältigkeit von Friedensbegriffen, der Auseinandersetzungen um die Grenzziehung zwischen legitimer und illegitimer Gewalt und des kontinuierlichen Streits darüber, wer festlegt, was als Frieden gelten darf, lässt sich beobachten, dass das Ausmaß an illegitimer Gewalt und der Grad des Friedens beziehungsweise der sozialen Konstruktion realisierten Friedens sehr unterschiedlich sein können, sei es im Vergleich verschiedener Gesell­ schaften, Staaten oder Regionen, sei es im Vergleich verschiedener Beobach­ tungen derselben sozialen Beziehungen. Und trotz dieser Vielfaltigkeiten bei der Identifikation von "Frieden" gilt die Welt der Demokratien nach weitver­ breiteter Einschätzung als "Zone des Friedens", weil hier nicht nur die Kon­ flikte zwischen Staaten, sondern auch innergesellschaftliche Konflikte in den allermeisten Fällen ohne den Einsatz direkter Gewalt ausgetragen werden. Dieser Befund - auf dem Hintergrund jener Begriffe, die in genau dieser Friedens-Zone den öffentlichen Diskurs bestimmen - liefert den Ausgangs­ punkt, danach zu fragen, wie es kommt, dass Demokratien trotz ihrer hohen gesellschaftlichen Konflikthaftigkeit ein so geringes Gewaltpotenzial aufwei­ sen (vgl. Senghaas, 1995c).

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Die mit dieser Fragestellung nahegelegte induktive Herangehensweise zur Entwicklung einer Friedenstheorie moderner Gesellschaften benutzte Dieter Senghaas zur Komposition eines "Zivilisatorischen Hexagons". Es geht ihm dabei um die Identifikation jener Faktoren, die dazu beitragen, dass die west­ lichen Demokratien auch in ihrem Inneren ein vergleichsweise geringes Ni­ veau gewaltsam ausgetragener Konflikte haben. Dass beispielsweise in unse­ rem Land die Gewaltanwendung beim Umgang mit Konflikten eher die Aus­ nahme als die Regel ist, ist eine tagtägliche Erfahrung unseres gesellschaftli­ chen Zusammenlebens, und wir können uns gewissermaßen selbst befragen, warum wir trotz permanenter Konflikte auf den Einsatz von Gewalt in den allermeisten Fällen verzichten und warum wir im Falle von erlittener Gewalt oder anderen Unrechts nicht mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren, ja solches wahrscheinlich nicht einmal in Erwägung ziehen. Anhand dieser Frage, die es jeder und jedem Einzelnen ermöglicht, sich selbst auf die eigene Friedensfa­ higkeit hin zu prüfen, möchte ich das sogenannte "Zivilisatorische Hexagon" vorstellen, das von sechs konstitutiven Elementen des Friedens in modernen Gesellschaften ausgeht. Anknüpfend an die oben gemachten Anmerkungen zum Gewalt-Begriff können wir davon ausgehen, dass das soziale Zusammenleben immer dann besonders durch Gewalt gefahrdet ist, wenn Einzelne oder Gruppen den Ein­ druck gewinnen, unter Gewalt zu leiden und ihnen Gewaltmittel zur Verru­ gung stehen. Daraus entsteht die Legitimation zur eigenen Gewaltanwendung, weil diese dann als Gegen-Gewalt, also als Mittel zur Herstellung des Frie­ dens angesehen werden kann. Warum sind wir jedoch in aller Regel bereit, auf erlittenes Unrecht, Gewalt und Bedrohung unserer Lebenschancen - sei es durch beabsichtigte Handlungen anderer wie etwa bei einem Raubüberfall, sei es unbeabsichtigt wie beispielsweise bei einem Verkehrsunfall, sei es durch staatliche Gewaltapparate wie Polizei oder Militär oder sei es etwa durch Umweltverschmutzung oder ähnliche negative Einwirkungen auf Lebens­ chancen, hinter denen sich nur schwerlich intentional handelnde Akteure erkennen lassen - nicht mit Gegen-Gewalt zu reagieren? . Die Antwort liegt nicht unmittelbar auf der Hand, weil wir in starkem Maße die gewaltverhindernden Strukturen unserer gesellschaftlichen Ordnung schon internalisiert haben und ihnen daher eher intuitiv als bewusst folgen. Doch gerade im Vergleich mit Gesellschaften, die von Gewalt beherrscht werden, drängt sich eine erste Antwort auf: Weil in einem Rechtsstaat die Aufgabe, unter anderem auch mit Zwangsmaßnahmen rur Gerechtigkeit zu sorgen, an bestimmte staatliche Organe delegiert ist. Aufgrund dieses Prinzips sind wir auch bereit, auf die eigene Verrugung über Gewaltmittel weitgehend zu verzichten und dem Staat ein Gewaltmonopol zuzugestehen. Damit sind zwei zentrale Elemente einer modernen gesellschaftlichen Friedensordnung benannt: Rechtsstaatlichkeit und Gewaltmonopol. Würden die rechtsstaatlichen Regeln zur Herstellung und Durchsetzung

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von Gerechtigkeit allerdings ihrerseits grobe Ungerechtigkeiten beinhalten, wäre es wieder höchst zweifelhaft, ob die dadurch Benachteiligten auf das damit erlittene Unrecht nicht doch mit Gegen-Gewalt reagieren würden. Um diese Gefahr zu reduzieren, scheint in besonderer Weise eine demokratische Herrschaftsform mit Meinungs- und Versammlungsfreiheit geeignet zu sein, denn damit wird sowohl der öffentliche, gesellschaftliche Streit über die Ge­ rechtigkeits-Norm und ihre legislativen Umsetzungen als auch ein Konfliktre­ gelungsverfahren zum Umgang mit unterschiedlichen Interessen institutiona­ lisiert und die gesamte Gesellschaft an der Formulierung der Gerechtigkeits­ Regeln und der Veränderung des Rechts beteiligt. Demokratische Partizipati­ on kann somit als ein drittes Element einer friedlichen Ordnung gelten. Mit diesen drei Elementen ist aber weder gesichert, dass alle Gesell­ schaftsmitglieder wirklich die Möglichkeit beziehungsweise das Gefühl de­ mokratischer Partizipation haben, noch ist ausgeschlossen, dass eine rechts­ staatlich-demokratische Ordnung Lebenschancen so ungleich verteilt, dass diese Ordnung von Teilen der Gesellschaft als ungerecht oder sogar als ge­ walttätig erlebt und folglich mit Gewalt bekämpft werden könnte. Dieser Gefahr lässt sich mit Bemühungen um soziale Gerechtigkeit entgegenwirken. Für das friedliche Zusammenleben muss die formale Gerechtigkeit im Recht durch spürbare Maßnahmen, die insbesondere auf materielle Gerechtigkeit zielen, ergänzt werden. Doch auch mit diesen nunmehr vier Elementen ist nach Senghaas (1995b) ein dauerhafter Frieden innerhalb staatlich verfasster Gesellschaften noch nicht gesichert - und auch für ein Hexagon sind ja noch zwei weitere Elemen­ te nötig: Damit die Austauschprozesse und Konflikte in einer Gesellschaft produktiv ablaufen können, ist dem Zivilisatorischen Hexagon zufolge Erwar­ tungsverlässlichkeit in den sozialen Interaktionsprozessen erforderlich. Diese entsteht aus den vielfältigen Interdependenzen und institutionalisierten Kon­ fliktregelungen, in welche die Mitglieder moderner Gesellschaften eingebun­ den sind, und impliziert eine Kontrolle von Affekten. Daraus resultiert eine konstruktive politische Konfliktkultur, in der Toleranz und Kompromissfahig­ keit zu den selbstverständlichen Orientierungen politischen Handeins gehören und die sich als emotionale Verankerung der gesamten Friedensordnung bei jedem einzelnen Gesellschaftsmitglied verstehen lässt. Bilden diese sechs Elemente jene gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab, in denen nicht nur wir bereit sind, auf die Anwendung von (Gegen-) Ge­ walt zu verzichten, sondern die auch ein breites gesellschaftliches Vertrauen hervorbringen, dass wir auch bei unseren KonfliktkontrahentInnen trotz stän­ dig wechselnder Konfliktsituationen vom Verzicht auf die Anwendung von Gewalt ausgehen können? Dafür ist natürlich bei allen sechs Faktoren ein bestimmtes Maß beziehungsweise ein Mindestmaß an Gewaltmonopolisie­ rung, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, sozialer Gerechtigkeit, Affektkontrolle und konstruktiver Konfliktkultur erforderlich, über welches sich bisher keine

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genauen Angaben machen lässt. Ebenso ist ungewiss, ob sich das Defizit im einen durch ein Mehr in einem anderen Faktor ausgleichen ließe, in welchen unmittelbaren Abhängigkeitsbeziehungen einzelne Faktoren zueinander ste­ hen und ob sie sich möglicherweise partiell gegenseitig hervorbringen oder gar konstituieren. Hypothesen und Einzelbefunde zu diesen Fragen sind zwei­ fellos vorhanden, aber noch unzureichend systematisch untersucht, so dass sich in diesem Feld zahlreiche Anhaltspunkte für theorieorientierte Friedens­ forschung eröffnen. Und noch weit weniger wissen wir bisher, wie eine "nachholende Zivilisierung" aussehen, initiiert und unterstützt werden könnte. Damit aus sechs Punkten ein Hexagon werden kann, müssen die Ver­ bindungslinien zwischen den genannten Faktoren gezogen werden, was in der graphischen Darstellung die wechselseitigen Interdependenzen veranschauli­ chen soll. Damit sind uns jedoch bisher weder Hinweise gegeben, an welchen Ecken des Zivilisatorischen Hexagons primär anzusetzen wäre, wenn eine friedlose Gesellschaft sich "zivilisieren" möchte, noch Anhaltspunkte sicht­ bar, ob der Verzicht auf (Gegen-) Gewalt nur dann zu erwarten ist, wenn alle Ecken des Hexagons in einer staatlichen Ordnungsstruktur, also auf dersel­ ben Ebene sozialer Ordnungsbildung angesiedelt sind. Gerade im Hinblick auf die Zivilisierung weltgesellschaftlicher Beziehungen wäre es von großem Interesse, ob beispielsweise das einzelstaatliche Gewaltmonopol in Verbin­ dung mit globalen Elementen von Rechtsstaatlichkeit, vornehmlich regional ermöglichter demokratischer Partizipation und nur rudimentären Bemühun­ gen um soziale Gerechtigkeit im weltgesellschaftlichen Maßstab schon zum Verzicht auf inter- und transnationale Gewalt und zu einer konstruktiven politischen Konfliktkultur zwischen Staaten führen könnte - um hier nur ein potenzielles Modell eines nicht-staatlichen Hexagons zu skizzieren. Da die weltgesellschaftlichen Entwicklungen (vgl. Senghaas-Knobloch, 1992; Forschungsgruppe Weltgesellschaft, 1996) jedoch auch von einer be­ scheidenen Verwirklichung hexagonaler Zivilisierung noch ein erhebliches Stück entfernt zu sein scheinen, stößt im Hinblick auf die globale Zivilisie­ rung die induktive Herangehensweise schnell an ihre Grenzen. Daraus resul­ tiert jedoch nicht die Irrelevanz der genannten sechs Faktoren rur eine weltge­ sellschaftliche Ordnung, sondern allenfalls eine gewisse Vorsicht bei der Übertragung der Theorie auf ein ihrem Entstehungszusammenhang nur par­ tiell vergleichbares Feld sozialer Zusammenhänge (vgl. auch Senghaas, 2000; Zürn, 2000). Angesichts weltpolitischer Entwicklungen, in denen ganz offen­ sichtlich stärker auf militärische als auf "zivilisatorische" Mittel zur Herstel­ lung von "Frieden" vertraut wird, ist jedoch die Friedensforschung in beson­ derer Weise herausgefordert, auf Alternativen zum Krieg hinzuweisen. Zudem sind gerade jene Gesellschaften und Staaten, die einen anderen als den mit hegemonialer Militärmacht zu erreichenden "Frieden" anstreben, gefragt, auf welchem Wege sich ein solcher angesichts der immerwährenden

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Gefahr, dass Menschen, Gruppen, Gesellschaften, Völker, Staaten aufgrund des Erlebens von Unrecht, Gewalt und der Bedrohung ihrer Lebenschancen zur (Gegen-) Gewalt-Anwendung neigen, erreichen ließe. Von einer Friedens­ theorie lassen sich zu dieser Problemstellung zumindest Anregungen erwar­ ten, die ich bezogen auf zwei Aspekte der internationalen Politik abschlie­ ßend hier in Frageform noch andeuten möchte: Wenn rur den innerstaatlichen Gewaltverzicht die Rechtsstaatlichkeit der gesellschaftlichen Ordnung und die damit einhergehende Möglichkeit einer gerichtlichen Prüfung der Legalität von staatlichen Zwangsmaßnahmen von so entscheidender Bedeutung ist - warum wird dann noch nicht einmal die Möglichkeit einer völkerrechtlichen Überprüfung von Gewalt­ Entscheidungen des UN-Sicherheitsrates in Erwägung gezogen (vgl. Zürn/Zangl, 1999) - geschweige denn die Verpflichtung hierzu verlangt? Wenn offenbar rur den innerstaatlichen Gewaltverzicht die Vermeidung von Ungerechtigkeit bei der Formulierung und Anwendung von Gesetzen eine zentrale Rolle spielt - warum wird dieser Legitimations-Aspekt bei Entschei­ dungen des UN-Sicherheitsrates ohne weiteres ignoriert und dort teilweise ein öffentlicher Kuhhandel zwischen Veto-Staaten betrieben, etwa im Sinne: Lässt Du mich meine, lass' ich Dich Deine Kriege ruhren, und mit entspre­ chenden Resolutionen werden wir uns das Ganze jetzt legalisieren. Oder anders gefragt: Warum spielt die globale Legitimität kollektiver Zwangsmaß­ nahmen eine so untergeordnete Rolle bei der Beurteilung von Resolutionen des UN-Sicherheitsrates? Aus der Übertragung der konstitutiven Elemente innerstaatlichen Frie­ dens auf die Zusammenhänge der internationalen Politik lassen sich solche und ähnliche Fragen ableiten, die möglicherweise auch jenen Fatalismus bremsen können, welcher sich seit der unverblümten Demonstration unipola­ rer Machtverteilung hier und da eingestellt und zur besorgten Suche nach Alternativen zu einer kritiklosen USA-Gefolgschaft geruhrt hat (vgl. Hamm u.a., 2002). Auf diesem Wege lassen sich nicht nur politische Hand­ lungsalternativen entwerfen, sondern auch der friedenstheoretischen Diskus­ sion neue Impulse verleihen. Aus der Übertragung der Motive rur innerstaat­ lichen Gewaltverzicht auf die zwischenstaatlich-weltgesellschaftliche Ebene lassen sich Elemente rur Global Governance in der Friedens- und Sicher­ heitspolitik gewinnen (vgl. dazu Brock, 2001; Nuscheler/Weller, 2002). Dies verdeutlicht das Potenzial, welches in der friedenstheoretischen Arbeit steckt, nicht nur in friedenswissenschaftlicher, sondern auch in praktisch­ friedenspolitischer Hinsicht. Es mangelt nicht an friedenswissenschaftlichen Fragestellungen, deren theorieorientierte Bearbeitung zu friedenspolitisch relevanten Resultaten fiihrt und die angesichts der aktuellen Friedensbedro­ hungen eher heute als morgen aufgegriffen werden sollten.

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5. Erkenntnistheoretische Aspekte von Friedenstheorien Erkenntnistheoretische Überlegungen und Diskussionen dienen dazu, darüber nachzudenken, auf welchem Wege wir das erkennen, was wir erkennen, und welchen Einfluss dieser Erkenntnisweg möglicherweise darauf nimmt, was wir erkannt haben beziehungsweise in Zukunft erkennen können und wollen. Dass verschiedene Menschen die Welt unterschiedlich wahrnehmen, gehört gewissermaßen zu den friedenstheoretischen Grundeinsichten, denn in der Differenz von Welt-Sichten liegt nicht selten eine wesentliche Ursache von Konflikten und damit auch die Gefahr von Gewaltanwendung. Ich hatte oben bei den begrifflichen Aspekten schon darauf hingewiesen, dass besonders die Differenzen darüber, was als legitime Gewalt anerkannt wird, als Kerne poli­ tischer Konflikte gelten können. Was beispielweise vom einen als Gewalt erkannt oder erlebt wird, ist für jemand anderen die Sicherung von Freiheit und Wohlstand. Nun hat sich die Friedensforschung in vielfacher Weise mit dieser Kon­ fliktursache, der Differenz von Weltsichten, beschäftigt und dabei verschie­ denste Einflüsse identifiziert, die dazu führen, dass Kollektive - zumindest mehrheitlich - zu gegensätzlichen Weltsichten kommen können und in den Konflikten darüber auch zur Gewaltanwendung neigen: Nationalismus, Ras­ sismus, Vorurteile, Feindbilder, Propaganda, massenmediale Indoktrination, kulturelle Deutungsmuster, politische Meinungs-Manipulation, Wahrneh­ mungsverzerrungen, kognitive Konsistenz, selektive Wahrnehmung usw. 6 All diese Hypothesen über das Zustandekommen verschiedener Weltsichten, die sich in den meisten Fällen auf die Theorieentwicklung in der Soziologie, Psychologie, Ethnologie oder Kommunikationsforschung stützen, können plausibel verdeutlichen, auf welchen Wegen Konfliktparteien zu ihren diffe­ rierenden Weltsichten gelangen und damit das Potenzial zum Ausbruch von Gewalt erhöhen. Friedensstrategien zielen dann in aller Regel nicht darauf, einzelnen Kon­ fliktparteien die Richtigkeit ihrer WeItsicht zu bestreiten, sondern darauf, sie zu einem empathischen Umgang mit der Weltsichten-Differenz zu motivieren und anzuleiten. Das heißt: sie sollen verstehen, aus welchen Gründen die Gegenseite die Welt anders sieht, also auf welchem Wege diese zu ihrer von der eigenen unterschiedlichen WeItsicht gelangt ist. Damit soll die Basis geschaffen werden zu erkennen, dass auch der eigenen Weltsicht ein ganz bestimmter Erkenntnisweg zugrunde liegt, der, wäre er anders, auch zu einer anderen WeItsicht führen würde. 7 6 7

Vgl. dazu die einschlägigen Handbuchartikel in den Abschnitten 2 und 3 bei Heitmey­ er/Hagan, 2002, 287-895. Eine solche Friedensstrategie setzt das Interesse der Kontliktparteien bzw. wichtiger Akteu­ re oder RepräsentantInnen der Parteien an Interaktion und Kommunikation voraus und

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Mit dieser Friedensstrategie, angewandt auf die eigene wissenschaftliche Weitsicht über Konfliktursachen und den Erkenntnisweg, der dieser Weltsicht zugrunde liegt, tun sich die meisten Friedensforscher und auch Friedensfor­ scherinnen schwer. 8 Dies hieße nämlich, die eigene Arbeit erkenntnistheore­ tisch zu reflektieren und damit die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, dass die eigene friedenwissenschaftliche Überzeugung vornehmlich deshalb von den Einschätzungen anderer Menschen differiert, weil auch den eigenen Er­ kenntnissen die ganze Palette von Wahrnehmungsmustern zugrunde liegt, die in Konfliktsituationen als Friedenshindernis betrachtet werden. Wenn bei­ spielsweise die Herausgeber des Friedensgutachtens in ihrer "Stellungnahme zur gegenwärtigen Situation" den folgenden Sachverhalt· beschreiben: "Es zeichnet sich ein Politikwechsel ab: Militärische Gewalt soll enttabuiert und in das Arsenal gewöhnlicher außenpolitischer Instrumente zurückgeholt wer­ den" (Schoch u.a., 2002, 3), so setzt dies eine ganz bestimmte Wahrneh­ mungsweise voraus, die sich folgendermaßen beschreiben ließe: • • •

Es wird zwischen Kontinuität und Wandel unterschieden. Außenpolitische Instrumente werden danach unterschieden, ob sie militä­ risch oder nicht-militärisch sind. Im außenpolitischen Arsenal befinden sich tabuisierte und nicht­ tabuisierte Instrumente.

Diese Unterscheidungen vorzunehmen ist nicht falsch, aber es ist zugleich auch nicht zwingend. Würde der hier beobachtete Sachverhalt mit einer ande­ ren Wahrnehmungsweise, also anhand anderer Unterscheidungen und Auf­ merksamkeiten wahrgenommen, könnte ein anderer Satz formuliert werden,9 der ebenso eine richtige Beschreibung des Beobachteten wäre, aber durch andere Begriffe und eine andere Akzentsetzung eine andere Weitsicht vermit­ telte. Die erkenntnistheoretische Reflexion der wissenschaftlichen Arbeit zielt dann unter anderem darauf zu überprüfen, wie sich die verwendeten Unter­ scheidungen nachvollziehbar begründen lassen und ob der Weg zur formu­ lierten Erkenntnis auch von anderen - mit anderer Weitsicht - beschritten werden kann. Sie verfolgt zugleich das Interesse, sich der eigenen Vorannah­ men, Beobachtungsweisen und damit verbundener Unterscheidungen bewusst zu werden und deren Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Konstruktion

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kann in Situationen nur begrenzt wahrgenommenen Konfliktpotenzials - und damit zu­ sammenhängendem fehlendem Interesse an konstruktiver Konfliktbearbeitung - auch zur Intensivierung des Konflikts beitragen. Diesen Hinweis verdanke ich Michael Bommes, In­ stitut für Migrationsstudien und interkulturelle Studien der Universität Osnabrück. Mit dieser Neigung sind sie jedoch im Kontext aller Wissenschaften mit Sicherheit nicht allein. Dieser Satz könnte Z.B. lauten: Schon jetzt zeichnen sich die Muster internationaler Politik des 21. Jahrhunderts ab: Außenpolitische Ziele können mit mehr Nachdruck denn je ver­ folgt werden, weil im Arsenal außenpolitischer Instrumente die dafür erforderlichen Mittel bereitstehen.

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der Wirklichkeit (Berger/Luckmann, 1980) zu reflektieren. Und sie ermög­ licht zum Dritten, durch die gezielte Wahl anderer Unterscheidungen alterna­ tive Beschreibungen der Wirklichkeit zu entwerfen, die möglicherweise neue, bisher unentdeckte Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Gerade die Friedens­ forschung mit ihrem Anspruch, auf die - gesellschaftlich konstruierte - politi­ sche Wirklichkeit Einfluss nehmen zu wollen, verschließt zu gerne die Augen vor dem Einfluss, den die gesellschaftlichen Konstruktionen der Wirklichkeit auf ihre wissenschaftlichen Betrachtungen nehmen und verschenkt damit einen erheblichen Teil des Potenzials, welches die Theoriearbeit innerhalb dieses dritten Aufgabenfelds hinsichtlich friedenspolitischer Einflüsse eröff­ net (vgl. Weller, 2002b). In den vergangenen Jahren hat jedoch die Aufinerksamkeit filr die er­ kenntnistheoretischen Aspekte friedenstheoretischer Arbeiten merklich zuge­ nommen. Dabei wurden diese Aspekte vornehmlich als erkenntnistheoretische Kritik friedenswissenschaftlicher Arbeiten diskutiert und nur ansatzweise hier und da in neue friedenstheoretische Entwürfe oder friedenspolitische Wirk­ lichkeitskonstruktionen umgesetzt. Als anschauliches Beispiel filr diese Kritik lässt sich auf die Diskussion um die Feindbild-Forschung verweisen - aus meiner Sicht ein Paradebeispiel dafilr, wie die mangelhafte erkenntnistheore­ tische Reflexion einen ganzen Forschungsstrang in die Bedeutungslosigkeit befördern kann. lo Außerdem kann die Feindbild-Forschung als typisches Beispiel deutschsprachiger Friedens- und Konfliktforschung gelten, denn schon der Begriff "Feindbild" ist eine deutsche Erfindung: Er wurde von Dieter Senghaas zum ersten Mal verwendet, und die Kritische Friedensfor­ schung hat den Begriff dann Anfang der 1970er Jahre in die öffentliche De­ batte gebracht und inhaltlich geprägt (vgl. Weller, 2001, 4-14).11 Schon diese anfängliche Begriffsprägung durch die Kritische Friedens­ forschung zielte stärker auf die praxeologische - und damit politische - Ver­ wendung des Wortes als auf ein wissenschaftliches Konzept. Die mit der Bezeichnung "Feindbild" vorgenommene Unterscheidung war die zwischen der richtigen und einer falschen WeItsicht. Indem einem Feindbild qua Beg­ riffsdefinition Fehlwahrnehmungen zugrunde lagen, war klar, dass ein Feind­ bild immer nur "die anderen" haben konnten. Feindbilder zu erkennen setzte folglich die richtige Sicht der Dinge voraus, oder, um es wissenschaftssozio­ logisch zugespitzt zu formulieren: Mit der Identifikation von Feindbildern versicherte sich die Kritische Friedensforschung der Richtigkeit ihrer Welt­

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Ein anderes Beispiel wäre die feministische Friedensforschung, wenn sie die soziale Kon­ struiertheit von Geschlechterrollen übersieht. Für eine ausgezeichnete Darlegung dieser Kritik sowie die Erläuterung konstruktivistischer Theorieansätze, insbesondere rur das Verhältnis von Militär und Geschlecht, vgl. Seifert 1999,2003 sowie Eifler/Seifert, 1999. Die Dissertation von Dieter Senghaas ("Abschreckung und Frieden"), in welcher das Wort "Feindbild" zum ersten Mal Verwendung fand, erschien 1969. Band 1 der Friedensanaly­ sen mit dem Schwerpunkt "Feindbilder" erschien 1975.

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sicht. Es muss dann nicht weiter überraschen, dass Mitte der 1970er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland keine wissenschaftliche, sondern eine politi­ sche Debatte um die Existenz von Feindbildern ausgetragen wurde, die der damalige Bundesverteidigungsminister in Gang gesetzt hatte (vgl. Weller, 2001, 14-17). Nun ist gegen den politischen Streit um die richtige Friedenspolitik nichts einzuwenden, aber Feindbilder wissenschaftlich zu untersuchen, vor allem ihre Funktionen, ihre Entstehung und ihre Stabilität, war über einige Jahre ein bedeutender Teil der deutschsprachigen Friedensforschung (vgl. HSFK, 1975, 1976, 154-196; Sommer u.a., 1987). Ein Ergebnis davon sind die über 150 Publikationen, die sich mit Feindbildern beschäftigen. 12 Und diese For­ schung hielt - mit wenigen Ausnahmen - an der oben erwähnten, eher poli­ tisch motivierten Begriffsbestimmung fest, konnte aber keine intersubjektiv nachvollziehbaren Angaben darüber machen, wie sich die richtige von der Fehlwahrnehmung unterscheiden ließe (vgl. Frei, 1986). Die Feindbild­ Forschung konnte ganze Listen von Wahrnehmungsmustern, Motiven und Funktionen anführen, warum Menschen dazu neigen, Feindbilder auszubilden und an ihnen festzuhalten (vgl. Weller, 2000, 87-93). Aber kaum jemand in der Feindbild-Forschung hat sich jemals die Mühe gemacht darüber nachzu­ denken, warum eigentlich die Feindbild-Forscherinnen und -Forscher selbst diesen Funktionalitäten und Wahrnehmungsmustern offensichtlich nicht un­ terliegen, denn wie sonst könnten sie gewissermaßen feindbild-frei sein. Genau an dieser Stelle setzt die erkenntnistheoretische Kritik an diesem hier beispielhaft vorgestellten Teil der deutschen Friedensforschung an. Hätte die Feindbild-Forschung versucht, sich ihrer erkenntnistheoretischen Grund­ lage zu versichern, hätte sie wohl gemerkt, dass das Feindbild-Phänomen nicht wissenschaftlich zu erfassen ist, wenn es zwangsläufig mit Fehlwahr­ nehmungen verknüpft wird. Jede Wahrnehmung und Erkenntnis setzt ein Wahrnehmungsmuster voraus, und die Funktionalität von Einstellungen kommt gerade dadurch zustande, dass sie subjektiv als richtig empfunden werden. Aus ihrem Funktionalismus bezüglich der Fehlwahrnehmungen hatte die Feindbild-Forschung die Hypothese abgeleitet, dass beispielsweise auf die negativen Einstellungen gegenüber der Sowjetunion eigentlich niemals ver­ zichtet werden könnte - und zwar völlig unabhängig von dort möglicherweise stattfindenden realen Entwicklungen, die aufgrund des Feindbildes nämlich gar nicht wahrgenommen werden könnten (vgl. z.B. Lißmann u.a., 1975, 61). Nun hat der Feindbild-Zerfall gegenüber der Sowjetunion am Ende der 1980er Jahre diese Hypothese ziemlich deutlich widerlegt; die Realität hat sich gewissermaßen theoriewidrig verhalten. Eine Feindbild-Forschung, die sich nicht auf Fehlwahrnehmungen, sondern auf die, politischen Einstellungen zugrundeliegenden Wahrnehmungsprozesse konzentrierte, hätte diesen Ein­ 12

FUr eine Bestandsaufnahme der Feindbild-Forschung vgl. Weller, 2001; fur den theoreti­ schen Ertrag dieser Forschung vgl. Weller, 2000, 79-101.

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stellungswandel gegenüber der Sowjetunion spätestens nach der öffentlichen Reaktion auf Helmut Kohls Gorbatschow-Goebbels-Vergleich im November 1986 mit einiger Wahrscheinlichkeit prognostizieren können. Und damit wäre ein konstruktiver Beitrag zur damaligen politischen Auseinandersetzung um die sogenannte "Gorbimania" und ein innovativer friedenspolitischer Beitrag dieser Forschung zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung um die Sicher­ heitspolitik in Europa möglich gewesen. So aber bleibt von den vielfachen Forschungsanstrengungen zum Feindbild-Phänomen nicht viel mehr als ein in der Öffentlichkeit und Publizistik gerne verwendeter Begriff, mit dem sich kaum auf ein friedensrelevantes beziehungsweise konfliktverschärfendes Phänomen aufmerksam machen lässt, sondern der primär darur verwendet wird, den politischen Gegner als Fehlwahrnehmer zu diffamieren und die eigene WeItsicht als die einzig richtige herauszustellen. Die Friedensforschung ist wie alle Sozialwissenschaften den Beschrän­ kungen menschlichen Erkennens unterworfen, und weil diese Beschränkun­ gen auch konfliktverschärfende Wirkungen entfalten können, gehören sie zugleich zu den friedenswissenschaftlichen Forschungsgegenständen. Dieser besondere Stellenwert der Möglichkeiten und Grenzen des Erkennens legt nahe, gerade friedenswissenschaftliche Erkenntnisse und das "Wissen" der Friedensforschung erkenntnistheoretisch zu reflektieren. So wie das Wissen um die Einseitigkeit jeder Erkenntnis die Möglichkeit eröffnet, in einer frie­ denstheoretischen Perspektive verschiedene Weltsichten nebeneinander zu betrachten und danach zu fragen, auf welchem Wege sie entstanden sind und ob sie nicht gegenseitig vermittelbar sein könnten, weist die erkenntnistheore­ tische Reflexion auf die Einseitigkeit und Selektivität jeder friedenswissen­ schaftlichen Erkenntnis hin. Das aber eröffnet erweiterte Chancen rur den interdisziplinären wissenschaftlichen Austausch wie auch rur den Einfluss auf politische Entscheidungen, die sich mehr denn je um eine Legitimation durch wissenschaftliche Beratung bemühen. Wenn sich die Friedensforschung als praxisorientierte interdisziplinäre Wissenschaft versteht - und als solche auch wahrgenommen werden will -, kommt sie kaum umhin, ihre friedenstheoreti­ schen Perspektiven weiterzuentwickeln und den entsprechenden theoretischen Anstrengungen erhöhtes Gewicht zu geben. Theoriearbeit steht nicht im Ge­ gensatz zur Praxis-Orientierung, sondern sie ist die Voraussetzung rur eine praktische Sozialwissenschaft: um nämlich im schon ausreichend vielstimmi­ gen politisch-gesellschaftlichen Diskurs als Wissenschaft gehört zu werden.

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