Futur: Der deutsche Forschungsdialog - Bundesministerium für

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Eine erste Bilanz

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Futur : Der deutsche Forschungsdialog

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Impressum

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Herausgeber Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Referat Öffentlichkeitsarbeit 53170 Bonn

BDI: S. 19

Bestellungen Schriftlich an den Herausgeber Postfach 30 02 35 53182 Bonn oder telefonisch unter der Rufnummer 018 05-BMBF02 bzw. 018 05-26 23 02 Fax: 018 05-BMBF03 bzw. 018 05-26 23 03 0,12 Euro/Min. E-Mail: [email protected] Internet: http://www.bmbf.de Redaktion Dr. Sibylle Appel, IFOK Nicole Pollakowsky, IFOK Gestaltung Jochen A. Zeitler, Pixelpark AG Druckerei Zimmermann GmbH, Köln Stand Mai 2003 Gedruckt auf Recyclingpapier

BMBF: S. 5, 6 rechts, 13 Getty Images: Titel links oben, S. 6 links, 7 links, 8, 21, 24, 26–28 (3), 30 (Montage: Pixelpark), 31, 34–37 (5) IFOK: S. 7 rechts, 9–11 (5), 14 links unten, 17 rechts unten, 46–47 (4), 49 (3) Image Source: S. 28 (Montage: Pixelpark) IZT: S. 38–39 Pixelpark: Titel rechts unten, S. 14–17 Illustrationen, 41/43/45 Illustration, 48–49 Grafiken, 52 Grafik Friedrich-Schiller-Universität Jena/ Archiv: S. 23

Eine erste Bilanz

Futur : Der deutsche Forschungsdialog

Futur – eine erste Bilanz Vorwort der Bundesministerin

Futur ist ein voller Erfolg: Im April 2001 habe ich den deutschen Forschungsdialog mit dem Ziel gestartet, Leitvisionen für die künftige Forschungspolitik zu entwerfen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben mit ihren verschiedenen Sichtweisen dazu beigetragen, heute die richtigen Fragen zu stellen, um morgen für wichtige Probleme passende Antworten zu haben. Schon im Sommer 2002 konnten die ersten Ergebnisse von Futur der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Sie finden sie in diesem Heft. Vorausschauende Forschungspolitik muss heute dafür sorgen, dass wir auf die nationalen und globalen Herausforderungen von morgen vorbereitet sind und unsere Zukunftschancen frühzeitig nutzen. Deshalb braucht Deutschland einen partizipativen Foresight-Prozess wie Futur. Denn die Zukunft kümmert sich nicht um die Grenzen der klassischen Fächer und Zuständigkeiten. Viele interessante Problemlösungen entstehen erst, wenn Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen zusammen diskutieren. Mit der Vielfalt der eingesetzten Methoden hat Futur Neuland betreten. Deshalb haben wir Futur von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und internationalen Foresight-Experten begutachten lassen. Ihr Urteil ermuntert uns, Futur fortzusetzen. Ich wünsche mir, dass wir weiter gemeinsam die Zukunft gestalten. Deshalb: Machen Sie mit beim deutschen Forschungsdialog Futur!

Edelgard Bulmahn, Bundesministerin für Bildung und Forschung

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Inhalt

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Futur – eine erste Bilanz Vorwort der Bundesministerin

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Im Mittelpunkt der Mensch – Der deutsche Forschungsdialog Futur

11 „Futur bietet neue Möglichkeiten der Partizipation“ Statement von Dr. Hans-Peter Meister

12 „Forschungspolitik ist Zukunftspolitik und geht alle an“ Interview mit Bundesministerin Edelgard Bulmahn

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Der Weg und das Ziel – Der Futur-Prozess

18 „Es ist wichtig, dass Wissenschaft und Wirtschaft mehr miteinander sprechen“ Interview mit Dr. Michael Rogowski

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Mit Weitblick in die Zukunft – Futur als Foresight-Prozess

22 „Die Bedingungen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit müssen verbessert werden“ Interview mit Prof. Dr. Amélie Mummendey

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Die Futur-Leitvisionen – Wegweiser für die Forschungspolitik 26

Leitvision „Ein Leben lang gesund und vital durch Prävention“

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Leitvision „Das Denken verstehen“

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Leitvision „Leben in der vernetzten Welt: individuell und sicher“

Bilder aus der Zukunft – die Entwicklung von Visionen und Szenarios bei Futur 40

Szenario „Tina und ihr Butler“

46 „Futur – find’ ich gut“ – Die Bewertung des Forschungsdialogs durch Akteure und Foresight-Experten 48

Wer macht mit ? – Die Akteure von Futur

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Wissen für die Zukunft – Das Futur-Konsortium

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Im Mittelpunkt der Mensch – Der deutsche Forschungsdialog Futur

Nicht die technischen Möglichkeiten, sondern die Gesellschaft der Zukunft und ihre Bedürfnisse stehen im Zentrum des deutschen Forschungsdialogs.

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Futur-Tagung in futuristischer Atmosphäre.

Alle Ideen werden festgehalten.

Immer schneller wird der Datenaustausch, immer höher die Speicherkapazität der Rechner. Immer weiter steigt die Geschwindigkeit, mit der Forschung durch neue Erkenntnisse scheinbar Unmögliches möglich macht und so die technologische Entwicklung vorantreibt. Doch bei der Jagd nach Superlativen gerät eine zentrale Frage leicht aus dem Blickfeld: „Was brauchen wir eigentlich?“ Welche Themen werden künftig für den Menschen relevant sein? Und woran müssen wir heute forschen, um den gesellschaftlichen Herausforderungen in Zukunft begegnen zu können?

Diese Fragen will der deutsche Forschungsdialog Futur beantworten. Doch eine umfassende Antwort darauf kann nicht in einem geschlossenen Expertenzirkel gefunden werden. Futur ist deshalb als breiter Dialogprozess angelegt: Rund 1500 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, Querdenker, Forscher, Etablierte und Nachwuchskräfte entwickeln gemeinsam in Workshops, Tagungen und im virtuellen Dialog im Internet Leitvisionen zu relevanten Zukunftsthemen. Sie sollen der künftigen Forschungspolitik als „Wegweiser“ dienen.

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Einer von 21 Arbeitskreisen.

Plenum zum Auftakt der 3. Fokusgruppen-Sitzung.

Um zu tragfähigen Ergebnissen zu gelangen, setzt Futur dabei auf eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden. So wurden beispielsweise in einer „Open Space“-Konferenz aus einer Vielzahl von Ideen 25 Themenprofile entwickelt. Fachlich vertiefende Diskussionen fanden in speziellen Fokusgruppen statt. Kreativität war gefordert in Zukunftswerkstätten und bei der Szenario-Arbeit, deren Ziel es ist, die Zukunft in Geschichten und Bildern anschaulich werden zu lassen. Die daraus entstandenen Leitvisionen beschreiben jeweils eine zentrale Fragestellung

unserer Gesellschaft und leiten daraus Lösungsvorschläge in Form von konkreten Forschungsansätzen ab. Neben den Leitvisionen hat Futur außerdem eine Vielzahl weiterer Themen hervorgebracht, die wichtige Anstöße für die Diskussion in Forschung und Gesellschaft geben. Auf den folgenden Seiten soll der Dialogprozess hin zu den ersten Futur-Leitvisionen nachgezeichnet und eine erste Bilanz des deutschen Forschungsdialogs gezogen werden.

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„Futur bietet neue Möglichkeiten der Partizipation“ Statement von Dr. Hans-Peter Meister

Um in einer zunehmend komVertreter aus den verschiedeplexen Welt die richtigen Weinen Referaten des Bundesmichen stellen zu können, nisteriums für Bildung und braucht es neue Formen der Forschung sowie Projektträger Meinungs- und Entscheides Ministeriums und nicht dungsfindung. Beteiligungszuletzt der Innovationsbeirat und Dialogprozesse stellen treten bei Futur in einen eine zielführende Lösung dar, fruchtbaren Austausch. Über die Politik und Verwaltung erdie inhaltliche Arbeit an den folgreich einsetzen. Mit Futur Themen hinaus kann so weitewurde dieses partizipative Inres „verstecktes“ Wissen gehoDr. Hans-Peter Meister ist strument auch auf den Foreben werden – etwa InformaGeschäftsführer des Futur-Konsight-Bereich übertragen. Der tionen über die jeweiligen sortialführers IFOK. deutsche Forschungsdialog Forschungsaktivitäten sowie setzt hier zukunftsweisende neue Kenntnisse über das Akzente – und das auf zwei Ebenen: Funktionieren der disziplinen- und fachüberZum einen durch neue und innovative Ingreifenden Zusammenarbeit. Diese partizipahalte: Die Identifizierung der Forschungsthetive Erarbeitung der Themen garantiert zudem men bei Futur erfolgt – anders als bei den meidie Ausgewogenheit, die politische „Neutrasten bisherigen Foresight-Prozessen – immer lität“ sowie die Tragfähigkeit des gesamten Proausgehend vom gesellschaftlichen Bedarf. zesses. Neue Sichtweisen und Lösungsansätze ergeben Als Plattform für den Austausch über dränsich zudem durch die interdisziplinäre Ausrichgende Fragen der Gesellschaft bietet der deuttung des Forschungsdialogs: In einem lebendische Forschungsdialog somit eine umfassende gen Austausch diskutieren bei Futur ExpertinGesamtsicht, die schon lange gefordert wird. nen und Experten mit ganz unterschiedlichen Futur setzt diese Forderung erfolgreich um. fachlichen, beruflichen, und gesellschaftlichen Hintergründen. Zum anderen ist es die konsequente Vernetzung im Futur-Prozess, die neue Akzente setzt: Bei Futur arbeiten Akteure zusammen, die bisher noch nicht oder nicht in vergleichbarer Form kooperiert haben. Expertinnen und Experten in den Akteurskreisen, die aus verschiedenen Fachgebieten kommen, Vertreterinnen und

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„Forschungspolitik ist Zukunftspolitik und geht alle an“ Interview mit Bundesministerin Edelgard Bulmahn

Futur: Frau Bundesministerin, die Ermittlung Was ist das Innovative an Futur, wodurch zukünftiger Forschungsschwerpunkte als Aufzeichnet sich Ihrer Meinung nach dieser Foregabe des Bundesministeriums für Bildung sight-Prozess besonders aus? und Forschung (BMBF) ist nicht neu und es Forschungspolitik ist Zukunftspolitik und geht gibt dafür bereits etablierte Methoden und damit alle an. Deshalb ist es konsequent, dass Verfahren. Weshalb haben Sie sich entschloswir mit Futur nicht nur die Fachexperten nach sen, mit Futur einen ganz neuen Weg zu dem Forschungsbedarf der Zukunft fragen, songehen? dern mit breiteren Kreisen in einen Dialog einEdelgard Bulmahn: Futur ersetzt nicht die bistreten. Dieser partizipative Ansatz zeichnet den herigen Instrumente, sondern ergänzt diese. Die Beratungsgremien und TechnoloDurch die interdisziplinäre giefrüherkennungsstudien der Betrachtung erhalten die Themen Fachprogramme sind auch neue Facetten. weiterhin wichtig. Sie gehen jedoch vor allem von der wissenschaftlich-technischen Entwicklung innerhalb ihres Feldes aus. Futur deutschen Forschungsdialog Futur aus. Durch dagegen geht von gesellschaftlichen Entwickdie interdisziplinäre Betrachtung erhalten die lungen und Herausforderungen aus und fragt Themen neue Facetten. themenoffen: Was müssen wir heute forschen, damit wir für morgen und übermorgen die Futur wurde im Sommer 2001 gestartet als möglichen Handlungsoptionen erkennen? breit angelegter gesellschaftlicher Prozess. Welche Bilanz ziehen Sie persönlich aus dem bisherigen Verlauf des deutschen Forschungsdialogs?





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Futur wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.



Mit seiner Methodenvielfalt ist Futur international einmalig. Rund 1500 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft haben sich an Futur beteiligt. Das zeigt, wie hoch das Interesse ist. Und die von Futur erarbeiteten Leitvisionen werden das Portfolio des BMBF bereichern. Immer wieder wird die Ausrichtung von Futur am künftigen Bedarf der Gesellschaft betont. Kann Forschung dazu beitragen, dass wir in Zukunft besser leben? Ich möchte zurückfragen: Wer, wenn nicht die Forscherinnen und Forscher, soll denn innovative Lösungsansätze für die Herausforderungen aufzeigen, vor denen wir heute stehen und in Zukunft stehen werden? Welche künftige Rolle messen Sie in diesem Zusammenhang dem deutschen Forschungsdialog bei? Futur wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, um das BMBF auf wichtige Zukunftsfragen aufmerksam zu machen. Es ist ein Instrument der Strategiebildung des BMBF. Aber

auch andere – die Wirtschaft, die Forschungsorganisationen – werden von den vielfältigen Futur-Ergebnissen profitieren. Ein solcher Austausch über Fachgrenzen hinweg, wie ihn Futur bietet, ist sonst kaum möglich. Zum Schluss ein Blick in die Zukunft aus Ihrer Sicht: Wie sieht Ihre Vision vom Leben im Jahr 2020 aus? Können Sie uns ein MiniSzenario schildern? Meine Vision vom Jahr 2020 ist, dass Deutschland passende Antworten auf die Zukunftsfragen von heute gefunden hat: Alterung der Gesellschaft, Klimawandel, Chancen und Grenzen der Biomedizin. Außerdem wünsche ich mir, dass unsere Schüler wieder weltweit zu den Besten gehören, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Dafür werde ich kämpfen. Edelgard Bulmahn ist seit Oktober 1998 Bundesministerin für Bildung und Forschung.

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Der Weg und das Ziel – Der Futur-Prozess KO-NOMINATIONSPHASE

Leitvisionen erarbeiten, die in konkrete Forschungsfördermaßnahmen umgesetzt werden können – mit diesem Ziel startete der deutsche Forschungsdialog Futur im April 2001. Ein gutes Jahr später, im Juli 2002, lagen die ersten Leitvisionen vor – die Umsetzung in Förderprogramme konnte beginnen. Der Weg zu den Leitvisionen war ein Prozess in mehreren Stufen.

Zum Auftakt des deutschen Forschungsdialogs bestimmte das BMBF und das Futur-Konsortium einen Initiativkreis von über 200 Personen, die gebeten wurden, potenzielle Futur-Akteure zu benennen. Durch ein Schneeballsystem von Nennungen, im Fachjargon Ko-Nomination genannt, entstand so der Kreis der Futur-Akteure, dessen Mitglieder den Futur-Prozess maßgeblich gestalteten.

AUSWAHL DER AKTEURE

DISKURSRUNDE

FUTUR-KONFERENZ

Kriterien für die Benennung waren unter anderem hohe Fachkompetenz, interdisziplinäre und internationale Erfahrung sowie (zukünftige) Führungsverantwortung in leitenden Positionen, aber auch Alter und Geschlecht spielten eine Rolle. Geachtet wurde auf eine ausgewogene Vertretung aller relevanten gesellschaftlichen Bereiche. Neben der Benennung der Akteure gab es auch die Möglichkeit für Interessierte, sich selbst für die Teilnahme an Futur zu bewerben.

Im Frühsommer 2001 trafen sich die Futur-Akteure zu einer ersten Workshopserie – der Diskursrunde von Futur. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sammelten Trends und Themen, die unsere Gesellschaft künftig mit Sicherheit prägen werden, die sie vielleicht prägen könnten, oder die sie wünschenswerterweise prägen sollten. Das Futur-Konsortium gliederte die Fülle an Ideen und Visionen in Themenfelder und fasste jeweils mehrere Ideen zusammen – so entstanden insgesamt über 60 Themenvorschläge.

Ende September 2001 fand in Berlin im Beisein von Bundesministerin Edelgard Bulmahn die Futur-Konferenz statt. Ausgehend von den Ideen der Diskursrunde, galt es hier, eine überschaubare Zahl von Themen für die weitere Vertiefung zu identifizieren. Das Ergebnis waren fachliche Profile für insgesamt 25 Themen. In einer Art Wettbewerb wurden im folgenden Schritt diese 25 Bereiche auf ihre Eignung als forschungsstrategische Leitvision geprüft.

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THEMENBEWERTUNG

THEMENPROFILE

FOKUSGRUPPEN-ARBEIT

Dabei – wie bei allen folgenden Bewertungsprozessen – lagen die folgenden Leitkriterien zugrunde:

In den Monaten Oktober und November 2001 wurden die erarbeiteten 25 Themenprofile unter Berücksichtigung dieser Fragestellungen einer Bewertung durch verschiedene Gremien unterzogen. Dazu gehörte eine internetgestützte Abstimmung der Futur-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer. Außerdem wurden die Themen mit den Fachreferaten und Projektträgern des Ministeriums diskutiert. Auch der Innovationsbeirat, der das BMBF unter anderem zu Prioritäten bei künftigen Forschungsthemen berät, kommentierte die FuturThemen.

Aus den 25 Wettbewerbsprofilen wählte das BMBF Ende November 2001 auf Basis des Bewertungsprozesses und der genannten Futur-Kriterien zwölf Themen aus, die mit hoher Priorität weiterverfolgt werden sollten. In Zukunftswerkstätten, bei zwei Arbeitstreffen im Januar und Februar 2002 sowie in der virtuellen Diskussion im internetgestützten „Workspace“ vertieften die Futur-Akteure in sogenannten Fokusgruppen die ausgewählten Bereiche. Dabei ging es darum, die Themen einzugrenzen, fachlich zu vertiefen und das Forschungsneuland abzustecken.









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Gesellschaftlicher Bedarf und lebensweltlicher Bezug: Benennen die Themen gesellschaftliche Probleme und Anforderungen? Interdisziplinarität: Sind die Themen interdisziplinär, verknüpfen sie zum Beispiel technologische und sozialwissenschaftliche Fragestellungen? Bedeutung als Forschungsthema: Wird mit dem Thema interessantes Forschungsneuland aufgetan? Verdichtungspotenzial: Lässt sich das Thema auf Leitvisionen für die Forschungsförderpolitik zuspitzen?

AUSWAHL 5 AUS 12

SZENARIO-ARBEIT

PRÄSENTATION UND UMSETZUNG

Nach den ersten beiden Sitzungen der Fokusgruppen folgte der nächste Priorisierungsschritt: Die Ergebnisse der Workshops, bei denen die Themenprofile geschärft worden waren, dienten dem BMBF als Basis für die Auswahl der Top-Themen zur vorrangigen Weiterbehandlung. Eine Online-Abstimmung der Futur-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer sowie die Empfehlungen von Innovationsbeirat und BMBF-Fachreferaten unterstützten das Ministerium bei dieser Entscheidung. Die zunächst nicht behandelten Themen können zu einem späteren Zeitpunkt wieder von Futur aufgegriffen werden. Dies gilt für alle im Verlauf des Prozesses generierten Themen.

In Szenario-Workshops arbeiteten die Fokusgruppen-Mitglieder in der nächsten Phase Zukunftsbilder aus, die gesellschaftliche Teilbereiche im Jahr 2020 näher beschreiben. Gleichzeitig erfolgte in Fachgesprächen die weitere fachliche Absicherung der Themen.

Als erste Ergebnisse des deutschen Forschungsdialogs verabschiedete das BMBF Ende Juli 2002 vier Futur-Leitvisionen. Sie enthalten jeweils einen fachlichen Teil, der die Forschungsfelder skizziert und einen Szenarioteil, der die entsprechende Lebenswelt im Jahr 2020 beschreibt. Aus den Leitvisionen leiten spezielle Umsetzungsteams des Ministeriums nun Fördermaßnahmen ab. Parallel zu dieser Umsetzung wird Futur fortgeführt. Ziel ist es, kontinuierlich weitere „Wegweiser“ für die Forschungsförderung zu entwickeln.

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„Es ist wichtig, dass Wissenschaft und Wirtschaft mehr miteinander sprechen“ Interview mit Dr. Michael Rogowski

Futur: Herr Dr. Rogowski, Futur steht für indenster Akteure oder die vom BMBF organinovative Methoden in der Forschungspolitik. sierte Innovations- und Technikanalyse (ITA). Wie beurteilen Sie den Ansatz, ForVon den Leitvisionen erwartet die Wirtschaft, schungsthemen ausgehend vom künftigen dass sie sich im politischen Handeln, das heißt Bedarf in der Gesellschaft zu bestimmen? in Forschungsprogrammen, aber auch in der Dr. Michael Rogowski: Für die Industrie kommt Gestaltung von Rahmenbedingungen, niederes entscheidend auf den künftigen Bedarf in schlagen. Ein Beispiel: Die Leitvision „Ein Leben der Gesellschaft an. Die Unternehmen müssen lang gesund und vital durch Prävention“ vermit den Ergebnissen ihrer Forschung und Entlangt nicht nur, mehr öffentliche und private wicklung am Markt Geld verdienen. Auch die öffentlichen Mittel für Forschung und EntVon den Leitvisionen erwartet die wicklung sind begrenzt und Wirtschaft, dass sie sich im müssen deshalb dort eingepolitischen Handeln, das heißt in setzt werden, wo vordringlicher Bedarf der Gesellschaft Forschungsprogrammen, aber auch besteht. Deshalb hat Futur in der Gestaltung von eine wichtige Aufgabe, die alRahmenbedingungen, lerdings auch im Innovationsniederschlagen. beirat gründlich diskutiert werden muss.





Als Mitglied des Innovationsbeirates haben Sie den deutschen Forschungsdialog von Anfang an begleitet und waren auch am Beschluss der Leitvisionen beteiligt. Welche Impulse erwarten Sie von Futur für die Wirtschaft? Futur kann ein Ideengenerator sein wie zum Beispiel auch die Zukunftswerkstätten verschie-

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Mittel in die Forschung zu investieren, sondern auch die Gesundheitsvorsorge so zu organisieren, dass neue Verfahren schnell angewandt werden. Um dem Leitbild gerecht werden zu können, wird es zu grundlegenden Änderungen in Finanzierung und Organisation des Gesundheitswesens kommen müssen.



Die täglichen Kontakte zwischen zahlreichen Unternehmen und Instituten müssen weiter verstärkt werden.



In den deutschen Forschungsdialog waren ja sowohl Fachleute aus der Wissenschaft wie aus der Wirtschaft einbezogen. Das hatte unter anderem zum Ziel, den Innovationstransfer zwischen diesen beiden Bereichen zu verstärken. Wo sehen Sie den konkreten Nutzen dieses Transfers für die Wirtschaft? Dass Wissenschaft und Wirtschaft mehr miteinander sprechen, ist wichtig. Die täglichen Kontakte zwischen zahlreichen Unternehmen und Instituten müssen weiter verstärkt werden. Der Nutzen liegt auf der Hand: Die Wissenschaft erhält Forschungsfragen aus der Praxis der Unternehmen. Die Unternehmen bekommen Forschungsergebnisse, die sie zu Produkten oder Verfahren weiterentwickeln können. Wenn die Wissenschaft zündende Ergebnisse liefert, ist das für die Unternehmen der Treibstoff für Innovationen.

hier eine wichtige Unterstützung. Der BDI fördert diesen Dialog aktiv, indem er mit den Wissenschaftsorganisationen in Deutschland gemeinsam Symposien über Forschungsstrategien in wichtigen Innovationsfeldern organisiert. Wir haben dies zu Fragen der Energieversorgung der Zukunft, zur vitalen Gesellschaft und zur Internetgesellschaft bereits getan. Ganz wichtige Themen der künftigen Entwicklung unserer Gesellschaft sind aus meiner Sicht intelligente Produktionstechniken und Fragen der Mobilität. Auch weiterhin wird der BDI diesen Dialog unterstützen und gemeinsam mit den Wissenschaftsorganisationen neue Innovationsfelder aufgreifen. Dr. Michael Rogowski ist Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Futur wird weitergehen. Welchen Beitrag kann die Wirtschaft zum deutschen Forschungsdialog leisten? Welche Themen sollten aus Ihrer Sicht konkret von Wirtschaftsseite aus eingebracht werden? Der Forschungsdialog zwischen Wissenschaft und Industrie findet auf verschiedenen Ebenen und insbesondere direkt zwischen Unternehmen und Forschungsinstituten statt – Futur ist

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Mit Weitblick in die Zukunft – Futur als Foresight-Prozess Weltweit steigt der Bedarf an Vorausschau-Prozessen. Futur reiht sich ein in eine Serie von deutschen Foresight-Aktivitäten – und macht einiges anders.

Erfolgreiche Planung zeichnet sich durch Weitblick – englisch: „Foresight“ – aus. Nur wer vorausschauend denkt, kann Zukunft gestalten und verhindern, auf unvorhergesehene Entwicklungen kurzfristig reagieren zu müssen.

Mit Foresight wird ein Prozess bezeichnet, der eine systematische längerfristige Vorausschau betreibt. Gegenstand von Foresight ist die Zukunft von Wissenschaft, Wirtschaft, Technik und Gesellschaft. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den gegenseitigen Abhängigkeiten der einzelnen Gebiete. Ziel ist es, diejenigen Forschungsbereiche und Schlüsseltechnologien zu identifizieren, die künftig große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung haben werden. Die im Rahmen von Foresight durchgeführten Kommunikations- und Bewertungsprozesse geben Politik und Wirtschaft wichtige Hinweise für künftige (Forschungs-) Aktivitäten an die Hand.

Damit sich die Gesellschaft durch Forschung optimal auf die Zukunft vorbereiten kann, sind Foresight-Prozesse wie Futur ein geeignetes und immer häufiger eingesetztes Hilfsmittel.

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In der noch jungen Geschichte von ForesightAktivitäten in Deutschland – die ersten umfassenden Vorausschau-Studien auf nationaler Ebene wurden Anfang der 1990er Jahre durchgeführt – lassen sich drei Phasen unterscheiden: Die erste Untersuchung, die 1993 veröffentlicht wurde, konzentrierte sich vorrangig auf die wissenschaftlich-technologische Entwicklung. Politik und Wirtschaft sollten auf die sich abzeichnenden Technologien des 21. Jahrhunderts aufmerksam gemacht werden. In einer zweiten Phase – zwischen 1993 und 1998 – wurden mehrere Studien nach dem Delphi-Verfahren durchgeführt. Erstmals wurden dabei neben den wissenschaftlichen und technologischen Aspekten auch ökonomische und gesellschaftliche Entwicklungen sowie bildungspolitische Fragen und der daraus entstehende Bedarf mit berücksichtigt. Die dritte Phase begann mit dem Start von Futur im Sommer 2001. Der deutsche Forschungsdialog unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den vorausgegangenen Foresight-Ansätzen. Zum einen ist das Spektrum der in den Futur-Prozess einbezogenen Fachleute

breiter – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Zum anderen ist die Methode, die dem Prozess zugrunde liegt, keine Befragung, sondern ein Dialog: Persönliche Begegnungen der Akteure zur Entwicklung von Ideen und Visionen stehen bei Futur im Mittelpunkt. Neu im Vergleich zu den Vorgänger-Prozessen ist bei Futur auch die Umsetzungsorientierung: Die Ergebnisse in Form von Leitvisionen sollen in konkrete Forschungsfördermaßnahmen umgesetzt werden. Stärker als bei Delphi stehen bei Futur außerdem die gesellschaftlichen Fragestellungen im Zentrum, an denen sich die künftige Forschungspolitik orientieren soll. Viele dieser Merkmale sind – für sich genommen – nicht neu. So gab es etwa bei ForesightProzessen in Großbritannien, Schweden oder Österreich ebenfalls große Teilnehmerkreise mit breitgefächertem fachlichen Hintergrund; auch gesellschaftliche Entwicklungen und künftiger Bedarf – zum Beispiel in einer alternden Gesellschaft – wurden ebenfalls bereits in Vorausschau-Prozessen thematisiert.

Neu an Futur ist jedoch die Kombination der einzelnen Bausteine. Dieser innovative Einsatz der unterschiedlichen Methoden macht den deutschen Forschungsdialog zu einem weltweit einmaligen Foresight-Prozess.

Die Delphi-Methode ist ein Verfahren, bei dem die Befragung von Expertinnen und Experten zu künftigen Entwicklungen in Technik und Gesellschaft im Zentrum steht. Diese Befragung erfolgt schriftlich, in mehreren Fragerunden. Ziel der Delphi-Methode ist es, Bewertungen zur Zukunft von Wissenschaft und Technologie zu erhalten. Um festzustellen, ob ein Konsens möglich ist und um in der Gruppe der Befragten eine Einigung auf Prioritäten zu erreichen, kann die Befragung theoretisch beliebig oft wiederholt werden. Es wurde jedoch festgestellt, dass die Prognosen sich nach der zweiten, spätestens dritten Runde kaum noch ändern. Entwickelt wurde das Verfahren in den 50er Jahren von Olaf Helmer, Theodore Gordon und Norman Dalkey am Rand Institut in den USA. Seit den 70er Jahren findet es vor allem in Japan systematische Anwendung.

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„Die Bedingungen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit müssen verbessert werden“ Interview mit Prof. Dr. Amélie Mummendey

Futur: Frau Professor Mummendey, die raDisziplinen hinweg kann deshalb nicht genug sante Wissensvermehrung der letzten Jahrunterstützt werden. Die Interdisziplinarität zehnte macht das Setzen von Schwerpunkten zum Bewertungskriterium von Forschungsvorin der Forschungspolitik immer wichtiger. haben zu machen, ist in meinen Augen jedoch Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die nicht so sinnvoll. Ich sehe sie eher als Folge, die Rolle von Futur? sich von selbst ergeben sollte. Dafür müssen jeProf. Dr. Amélie Mummendey: Das Setzen von doch die Bedingungen für die interdisziplinäre Schwerpunkten in der Forschungspolitik war Zusammenarbeit weiter verbessert werden. Ein auch bisher schon sehr wichtig. Futur sehe ich gutes Beispiel hierfür ist die Helmholtz-Gein diesem Zusammenhang als einen geeigneten meinschaft, die Programmförderung betreibt, Weg, die Erarbeitung dieser Schwerpunkte transparenter zu machen. Dazu trägt das Die Frage, wie wir Gewinn bringend große Beteiligungspotenzial und zuverlässig für die künftige bei, das der deutsche ForGesellschaft planen können, ist ein schungsdialog bietet. Die umwichtiger Punkt. fassende Einbeziehung von Experten garantiert außerdem die Belastbarkeit der Themen. statt Institutsförderung – dadurch wird die KoWelche Bedeutung wird Ihrer Einschätzung operation zwischen den Disziplinen angebahnt nach das Kriterium der Interdisziplinarität – und nahegelegt. ein wichtiges Kennzeichen des Futur-Prozesses – in der künftigen Forschungslandschaft Welche Leitfragen – wie etwa Interdisziplinahaben? rität oder gesellschaftlicher Bedarf – sollten Neue Entwicklungen entstehen häufig an den die künftige Forschungspolitik Ihrer AuffasRändern oder in Überlappungsbereichen von sung nach bestimmen? Forschungsgebieten. Die Zusammenarbeit über





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Neue Entwicklungen entstehen häufig an den Rändern oder in Überlappungsbereichen von Forschungsgebieten.



Die Frage, wie wir Gewinn bringend und zuverlässig für die künftige Gesellschaft planen können, ist ein wichtiger Punkt. Forschung ist jedoch nur schwer planbar: Viele Innovationen und maßgebliche Entwicklungen waren als solche gar nicht angestrebt – der Laser beispielsweise ist eher „passiert“ und nicht gezielt entwickelt worden. Mindestens genauso wichtig wie die Identifikation und Festlegung von Themen, sind deshalb Identifikation und Realisierung von geeigneten Rahmenbedingungen für die Forschung. Die zentralen Fragen sind: Erstens: Welches sind überhaupt optimale Rahmenbedingungen, für die Forschung, so dass sich Innovationen ereignen können? Und zweitens: Auf welchem Wege und mit welchen Mitteln können wir diese Rahmenbedingungen in unserem Wissenschaftssystem etablieren? Das wäre übrigens ein hervorragender Gegenstand für einen Prozess wie Futur.

hier die Frage, wie wir angesichts von Globalisierung und Öffnung nationaler Grenzen die Potenziale nutzen können und die Probleme vermeiden, die sich aus der Tatsache unterschiedlicher Gruppenidentitäten und sozialer Ungleichheit ergeben. Ernstzunehmende Forschung zu diesem Themenschwerpunkt darf sich nicht nur auf das Individuum beziehen. Sie erfordert vielmehr neben der Mikroebene den Fokus auf der Meso- und der Makroebene sozialer Prozesse und Strukturen – interdisziplinäres Arbeiten ist dementsprechend unerlässlich. Prof. Dr. Amélie Mummendey ist Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates.

Und welche Themenschwerpunkte würden Sie sich in der weiteren Futur-Diskussion wünschen? Von zentraler Bedeutung ist in meinen Augen eine verstärkte Analyse von Themen wie kulturelle Diversität, interkulturelle Konflikte und gesellschaftliche Integration. Zu erforschen ist

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Die Futur-Leitvisionen – Wegweiser für die Forschungspolitik

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Im Zentrum von Futur steht die Gesellschaft der Zukunft – ein Schwerpunkt, der viel Diskussionspotenzial beinhaltet. Welche Bedürfnisse werden wir in Zukunft haben? Welche Themen muss die Forschung schon heute angehen, um die künftigen Herausforderungen bewältigen zu können? Welche Bereiche müssen besonders unterstützt werden? Wo sind Vernetzungen denkbar und sinnvoll? Auf welchen Erkenntnissen kann aufgebaut werden? Antworten auf diese Fragen geben die Futur-Leitvisionen. In der Forschungspolitik des BMBF sind sie ein neues Element, das die Forschungsförderung übergreifend zu den bewährten Fachprogrammen ergänzt.

In der ersten Prozessphase von Futur sind vier Leitvisionen zu den folgenden Themen entstanden: ■

■ ■



Ein Leben lang gesund und vital durch Prävention Das Denken verstehen Leben in der vernetzten Welt: individuell und sicher Den offenen Zugang zu den Lernwelten von morgen schaffen

Die Funktion der Leitvisionen ist mit der von Wegweisern vergleichbar: Die jeweils etwa 15seitigen Dossiers beschreiben die Bedeutung der Themen für Wirtschaft und Gesellschaft und geben den aktuellen Stand der Forschung wieder. In einer detaillierten Analyse untersuchen die Leitvisionen außerdem den Forschungsbedarf für jedes Thema und weisen auf mögliche Wege der Forschungsförderung hin. Wesentlicher Bestandteil jeder Leitvision ist außerdem ein Szenario, das mögliche künftige Alltagssituationen anschaulich beschreibt. Die Szenarios sind keine Wunschbilder, die unbedingt Wirklichkeit werden müssen, sondern Anregungen für die Diskussion über Gestaltungsmöglichkeiten der Zukunft. Die Leitvisionen zeichnen sich aus durch eine fruchtbare Komplexität, die sich vor allem aus der interdisziplinären Herangehensweise und der strikten Bedarfsorientierung ergibt – auch bekannte Themen werden so aus neuen Blickwinkeln und unter neuen Fragestellungen betrachtet. Die Leitvisionen setzen damit wichtige Akzente, die auch der strategischen Orientierung in der Forschungspolitik dienen.

Auf den folgenden Seiten werden einige FuturLeitvisionen – in Kurzfassung – vorgestellt. Neben diesen Forschungsfeldern gibt es natürlich weitere Themen, die für die Gesellschaft von morgen von herausragender Bedeutung sind. Parallel zur Umsetzung der ersten Leitvisionen wird Futur deshalb fortgeführt. Ziel ist es, kontinuierlich weitere „Wegweiser“ für die Forschungsförderung zu entwickeln. So wird beispielsweise das Futur-Thema „Wissen für alle zu fairen Bedingungen“ derzeit weiter vertieft. Auch die Frage, wie die „Lernwelten von morgen“ zu gestalten sind, wird Futur in Zukunft weiter beschäftigen. Das Thema ist ein zentrales Ergebnis von Futur, das von allgemeinem gesellschaftspolitischem Interesse ist und deshalb in einem Zukunftsdialog mit breiten gesellschaftlichen Kreisen diskutiert werden wird. Eine Querschnittsfunktion hat das FuturThema „Individuelle Produkte für den Markt von morgen“. Für zahlreiche Lebensbereiche werden in Zukunft individuelle Produkte und Dienstleistungen relevant sein. Aus diesem Grund sollen die Ergebnisse dieses Futur-Themas künftig als Richtschnur für alle einschlägigen Förderprogramme des BMBF dienen.

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Leitvision

„Ein Leben lang gesund und vital durch Prävention“ Der Fokus der Leitvision „Ein Leben lang gesund und vital durch Prävention“ liegt auf der Herausforderung einer umfassenden Gesundheitsvorsorge, die die Lebensqualität für alle sozialen Gruppen bis ins hohe Alter sichert.

Mit 70 Jahren eine Weltreise, mit 80 noch aktiv im Tennisclub und mit 90 bei Günther Jauch die Million kassieren – wer träumt nicht davon, bis ins hohe Alter gesund und vital durchs Leben zu gehen. Doch die Realität sieht häufig anders aus: Bereits in der Altersgruppe der Sechs- bis Elfjährigen treten heute vermehrt Beschwerden wie Rücken- und Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsmangel oder krankhaftes Übergewicht auf.

Präventives Verhalten bei allen zur verinnerlichten Überzeugung machen Die Ursache solcher „Zivilisationsschäden“ liegt meist im persönlichen Verhalten sowie in Fehlanreizen und gesundheitlichen Belastungen aus der sozialen und physischen Umwelt begründet. Diese Ursachen aufzudecken und ihnen mit Präventionsmaßnahmen zu begegnen, ist Ziel der Leitvision. Denn vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft sowie der sozial ungleich verteilten Gesundheitschancen

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besteht die Gefahr, dass sich die „Gesundheitsschere“ zwischen den sozialen Gruppen und Schichten weiter öffnet. Eine zunehmende Verschlechterung von Gesundheit und Lebensqualität wäre insbesondere für bestimmte Teilgruppen der Gesellschaft die Folge. Die Leitvision zielt darauf ab, präventives Verhalten zu einer verinnerlichten Überzeugung in der Gesellschaft zu machen und so

eine hohe Lebensqualität über die gesamte Lebensspanne für alle sozialen Gruppen zu sichern. Solch konsequent präventives Verhalten hätte auch wirtschaftliche Vorteile: Expertenschätzungen zufolge ließen sich durch langfristige Prävention bis zu 30 Prozent der heutigen Gesundheitsausgaben in Deutschland vermeiden. Aufgabe für Forschung und Entwicklung ist es, die Voraussetzungen für eine effiziente Prävention in der Zukunft zu schaffen. Die Vision beschreibt eine Gesellschaft, die dieses Ziel durch ein möglichst gesundheitsbewusstes Handeln jedes Einzelnen erreicht und in der die Motivation zu solchem Verhalten durch die Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten erhöht wird.

Ganzheitliche Herangehensweise stärker fördern Das BMBF unterstützte bisher vor allem die Entwicklung von Diagnosewerkzeugen. Bei einzelnen Krankheiten wie Aids und Herz-Kreislauf-Krankheiten sind auch Untersuchungen zu präventiven Ansätzen gefördert worden. So wurde zum Beispiel mit der Deutschen Herz-

Kreislauf-Präventionsstudie ein wichtiger Beitrag zur Präventionsforschung finanziert. Der systemische ganzheitliche Ansatz, wie ihn die Leitvision beschreibt, stand bisher jedoch noch nicht im Vordergrund. Forschungsbedarf wurde in folgenden Feldern identifiziert: ■

■ ■

Systematische Datenerfassung und Auswertung Umsetzung Akzeptanz / Ethik

Auf dem Gebiet der systematischen Datenerfassung und der Auswertung gilt es, Verfahren zu entwickeln, mit denen primäre Präventionsmaßnahmen und präventives Handeln bewertet werden können. Dabei sind die Aspekte Qualitätssicherung, Bewertungsverfahren für das Kosten- / Nutzenverhältnis und Effizienz der Maßnahmen zu berücksichtigen. Auf diese Weise lässt sich herausfinden, welche Aspekte die Akzeptanz und Umsetzung von Präventionsmaßnahmen hemmen beziehungsweise fördern. Dadurch wird eine sinnvolle Grundlage für eine flächendeckende Programmentwicklung geschaffen und eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung möglich gemacht. Ansatzpunkt für die Qualitätssicherung und Evaluation der Präventionsmaßnahmen könnte der

Was motiviert zu gesundheitsbewusstem Verhalten?

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jährliche Bericht der Krankenkassen sein, in dem seit 2002 alle Leistungen in der Primärprävention und der betrieblichen Gesundheitsförderung dokumentiert werden. Ein weiteres Forschungsfeld im Bereich der Datenerfassung und Auswertung sind neue Technologien, die die Prävention unterstützen. Beispiele sind neuartige Diagnose- und Früherkennungssysteme mit geringer statistischer Streurate oder die Standardisierung telemetrischer Sensoren. In diesem Zusammenhang sollte auch eine intelligente, präventionsorientierte Datenauswertung entwickelt werden, die alle Anforderungen des Datenschutzes erfüllt und einem effizienten problemorientierten Umgang mit Daten gerecht wird. In der Umsetzung sind erste Erfolge durch Prävention bei großen Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs nachweisbar. Dennoch wird auf den meisten Gebieten das bestehende Wissen über Prävention aktuell nur unzureichend umgesetzt. So wird beispielsweise die Krebsvorsorge noch längst nicht von jedem genutzt. Um diese Umsetzung zu verstärken, besteht erheblicher Forschungsbedarf zu Anreizsystemen und Motivation, (Aus-)Bildung und Erziehung, Professionalisierung und Vernetzung von Prävention, Informationsportalen und Didaktik. Zu klären sind dabei jeweils die Fragen nach der Zielgruppe sowie nach den Kosten beziehungsweise möglichen Finanzierungsmodellen. Fragen der Akzeptanz und der Ethik stellen sich bezüglich der Umsetzung von präventivem Verhalten im gesamten Lebensumfeld und der gesellschaftlichen Konsequenzen. Forschungsund Klärungsbedarf besteht hier beispielsweise zum gesellschaftlichen Umgang mit Krankheit, zur Fragestellung, wo die Potenziale und Grenzen eines „selbstbestimmten versus fremdbestimmten“ Umgangs mit Gesundheitsvorsorge und Krankheit liegen sowie zu Formen der Ei-

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genverantwortung im Bereich der Gesundheitsvorsorge und -versorgung. Diskutiert werden müssen ferner Chancen und Risiken verschiedener Finanzierungs- und Anreizsysteme sowie das Thema „individuelle versus solidarische Risikoabsicherung“. Im gesamten Lebensumfeld gilt: Prävention muss künftig auf breitere Akzeptanz stoßen. Um dies zu gewährleisten, sind auch verstärkt Fragen der Datensicherheit im Zusammenhang mit neuen Techniken und Gesundheitskonzepten zu klären. Die Umsetzung der Leitvision in ein Förderprogramm erfordert eine ausgeprägte interdisziplinäre Zusammenarbeit. Neben Aspekten von „Public Health“ stellen sich sozialwissenschaftliche Fragen nach den gesellschaftlichen Konsequenzen, außerdem sind Aspekte wie Kommunikation, Motivation, Wissensvermittlung und innovative Technologieentwicklung zu beachten.

Szenario-Zusammenfassung

„Han und die Gesundheit“



Wird die Gesundheitsvorsorge in der Zukunft so dient der psychischen Gesundheit und der Baselbstverständlich sein wie heute der Einsatz lance zwischen Arbeiten und Leben. der Krankenkassenkärtchen? Wird die Sorge um Gesundheit als gesellschaftliches Ereignis: die Gesundheit der Menschheit so populär werWenn das Diagnosemobil vor die Schule rollt, den, dass mit dem Studienfach „Public Health“ steht die ganze Schulklasse Schlange. Für die an den Universitäten akademische Größe zu erKinder Theo und Luise gehört der Ganzkörperreichen ist? Das Szenario macht den Alltag der Kernspin zur Routineuntersuchung wie das Zukunft anschaulich. Es vermittelt eine konPulsmessen. Das Unterrichtsfach „Körperkomkrete Vorstellung davon, wie im Jahr 2020 die petenz“ vermittelt den Kindern Wertschätzung Lebenswelt einer Familie aussehen könnte, die der Gesundheit und einen bewussten Lebensgesundheitsbewusst lebt. stil. Der Aupair-Junge Han aus Familienvater Sascha hält Gesunde Ernährung, China erlebt bei einer deutsich mit der lokalen TelearBewegung und schen Familie den Alltag im beiter-Fitnessgruppe auf Wellness gehören Jahr 2020. Schon bei der AnTrab, um einen Versicheselbstverständlich kunft am Flughafen läuft rungsrabatt einstreichen zu der junge Chinese an einem können. Gesundheit soll sich zum Leben „McCheck“, einer öffentliauch lohnen. Ein ausgeklüchen Diagnosekabine, vorbei. Ohne lästige geltes Rabattsystem könnte selbst den faulsten Wartezeiten in Arztpraxen kann darin der geBewegungsmuffel in die Gänge kommen lassundheitliche Zustand analysiert werden. Und sen. Auch die Kommunen, die Sozialpartner das nicht nur auf Flughäfen, um vor dem Abflug und natürlich die Wellness-Unternehmen haben zu prüfen, ob man fit für eine Reise ist, oder sich Gesundheit auf die Fahne geschrieben. In nach der Rückkehr, ob man vielleicht eine TroKooperation entstehen Freizeitangebote für die penkrankheit mit aus dem Urlaub gebracht hat. ganze Familie. Krankenkassenkärtchen werden durch eine Gesundheitstag, Sommerfamilienolympiade, Gesundheitskarte abgelöst. Die persönlichen Tischtennis-Dauerturnier – auch im Berufsleben Daten sind im Chip gespeichert, der auch in der 21-jährigen Tochter Maria hat die Gesundeiner Uhr getragen werden kann. Diese virtuheit einen hohen Stellenwert. Betrieblicher Geelle Gesundheitskarte wird als Zugang zur eleksundheitsschutz, um die „Work-Life-Balance“ zu tronischen Gesundheitsakte genutzt. erhalten, wird selbstverständlich gefördert. Der Bewusstsein im Umgang mit dem eigenen Computer-Arbeitsplatz ist mit einem ÜberarbeiKörper fängt in der Familie an. Gesunde tungswarner in Form einer Miniaturkamera ausErnährung, Bewegung, Wellness – Schlagworte, gestattet. Sie misst die Blinzelfrequenz der die verstärkt um die Jahrtausendwende im allAugen und meldet Alarm. Doch der selbstängemeinen Sprachgebrauch an Bedeutung gedige Telearbeiter Sascha trickst ab und zu diewannen, sind ganz selbstverständlich mit sen Gesundheitsschutz aus: Bei viel Arbeit kurz Leben gefüllt. Haushalte ohne eigene Sauna vor einem Projektabschluss klebt er einfach ein sind die Ausnahme. Alle Lebensmittel sind mit Papier vor die Linse… „intelligenten Etiketten“ versehen, die den gesundheitlichen und ökologischen Wert ausweiDas ausführliche Szenario finden Sie im sen. Das tägliche ausgiebige „Familien-Diner“ Internet unter www.futur.de

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Leitvision

„Das Denken verstehen“ Im Zentrum der Leitvision „Das Denken verstehen“ steht die Funktionsweise des menschlichen Hirns und die Frage, wie die Erkenntnisse aus der Hirnforschung für Informationstechnologie, Medizin und Lernforschung nutzbar zu machen sind.

Wie das Denken funktioniert, ist noch immer ein Geheimnis der Natur. Die Neurowissenschaften machen jedoch in jüngster Zeit zunehmend Fortschritte bei der Beantwortung dieser – auch für unser Selbstverständnis als Menschen – grundlegenden Frage. Dabei spielen Untersuchungsmethoden aus der Physik und der Einsatz modernster Computertechnologie eine immer wichtigere Rolle. Welche Chancen eröffnen sich, wenn wir besser verstehen, wie im Gehirn Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Kreativität stattfinden? Zum einen können aus diesen Erkenntnissen effizientere Lehr- und Lernstrategien erwachsen. Zum anderen ist ein besseres Verständnis von den Vorgängen im Gehirn Voraussetzung, um in der Medizin neue oder verfeinerte Neuroprothesen zu entwickeln, die Behinderungen verringern oder beseitigen können – beispielsweise eine künstliche Netzhaut für Blinde. Und schon jetzt werden in der Technik Verfahren verwendet, die einer Nachahmung

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biologischer Prinzipien entsprechen. Könnte dieser bionische Ansatz – das Lernen von der Natur – nicht auch in der elektronischen Informationsverarbeitung erfolgreich angewendet werden?

Interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Erforschung der Hirnfunktionen Um die Funktion des menschlichen Gehirns – der komplexesten Struktur der biologischen Evolution – aus seiner Struktur und neuronalen Dynamik heraus erklären zu können, ist ein interdisziplinäres Zusammenwirken insbesondere von Neurowissenschaften, theoretischer Physik, Mathematik, Informatik, Biologie, Medizin und Lernforschung nötig. Theoretiker und experimentell arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen vernetzt an diesem gemeinsamen Projekt arbeiten.

Der Zeitpunkt für die Leitvision ist günstig, denn weltweit ist eine Aufbruchstimmung zu beobachten. Neue Herangehensweisen in den Neurowissenschaften lassen hoffen, dem Ziel, das Denken zu verstehen, einen bedeutenden Schritt näher zu kommen. In einigen Ländern ist eine massiv anwachsende Förderung von Forschungs- und Ausbildungsprogrammen zu beobachten. Deutschland sollte hier nicht zurückstehen.

zum Beispiel in der bioanalogen Informationsverarbeitung. Zudem sind die Leistungen der deutschen Wissenschaft im Verständnis neuronaler Prozesse weltweit anerkannt. Dennoch wird durch fehlende Fokussierung das verfügbare Potenzial insgesamt bislang nur unzureichend genutzt.

Gute Forschungsvoraussetzungen weiter ausbauen

Die Leitvision „Das Denken verstehen“ identifiziert Forschungsbedarf auf folgenden miteinander zu verknüpfenden Feldern:

Bereits heute gibt es hierzulande eine beachtliche Zahl von wissenschaftlichen Gruppen mit teilweise sehr gutem Forschungsprofil. Die Voraussetzungen, in Forschung und Anwendung an der Weltspitze mitzuwirken, sind gut –

Wie funktioniert das Denken – zum Beispiel die Vernetzung von Nervenzellen?

Forschungsbedarf in vier zentralen Bereichen

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„Computational Neuroscience“ Bioanaloge Informationsverarbeitung Lehr- und Lernstrategien Neuroimplantate für die Medizin

Die neuronale Dynamik ist gekennzeichnet durch eine hohe Komplexität. Für die Aufklärung der Struktur-Funktionsbeziehungen erscheint deshalb eine enge Kombination von Experiment, Computermodellierung und mathematischer Theoriebildung erfolgversprechend. In den letzten Jahren ist aus diesem Ansatz mit der „Computational Neuroscience“ ein überaus dynamisches neues Forschungsfeld erwachsen. Auf den bisherigen Erfahrungen und Erfolgen aufbauend, sollen nun vor allem die Wechselwirkungen zwischen neuronaler Dynamik und Informationsverarbeitung auf den verschiedenen Organisationsebenen im Gehirn untersucht werden. 31

In der bioanalogen, das heißt von der Biologie lernenden, Informationsverarbeitung sollte sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Entwicklung technischer Systeme fortsetzen. Aktuelle Forschungsschwerpunkte sind beispielsweise die Prinzipien der Selbstorganisation komplexer technischer Interaktionsformen und vernetzter Strukturen, Informationskodierung nach biologischen Vorbildern oder auch die Nutzung der robusten biologischen Prinzipien für autonome Roboter in komplexen natürlichen Umgebungen. Die auf diese Weise gewonnenen neuen Lösungen der Informatik werden ihrerseits wiederum zur Modellbildung und zum Verständnis der Funktionsweise des Gehirns beitragen. Noch in den Anfängen stecken die Modelle zum Verständnis von Lernvorgängen im Gehirn. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch beispielsweise, dass das Gehirn auch noch im Erwachsenenalter eine höhere Plastizität aufweist als bis vor kurzem angenommen. Die Erforschung der Korrelation von Strukturänderungen und Lernvorgängen im Gehirn verspricht demnach neue Möglichkeiten in der Lernforschung und bei der Entwicklung von Lernstrategien. Im Gesundheitsbereich ist das Verständnis der Vorgänge im Gehirn Voraussetzung für die Entwicklung von neuen bzw. verfeinerten Neuroimplantaten. Das künstliche Innenohr ist schon Realität; die Entwicklung einer künstlichen Netzhaut für Blinde ist gegenwärtig Gegenstand intensiver Entwicklungen. Noch im Bereich von Visionen ist die durch Intentionen 32

(Gedanken) gesteuerte Bewegung einzelner Muskelgruppen bei Schlaganfallpatienten oder bei Querschnittsgelähmten.

Kapazitäten in den Neurowissenschaften bündeln Der erste Schritt zur Vision „Das Denken verstehen“ wird darin bestehen müssen, Theorie und Experiment einschließlich der interdisziplinären Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der Neurowissenschaften zusammenzuführen. Dazu bietet es sich an, die hochrangige interdisziplinäre Expertise verstärkt in international sichtbaren Zentren regional zu bündeln. Darüber hinaus sollen durch eine enge Vernetzung der regionalen Knoten experimentelle Daten, Analyse-Methoden, Computermodelle und theoretische Ansätze gezielt ausgetauscht werden. Die Vernetzung zu dem von der OECD vorgesehenen „International Neuroinformatics Coordinating Council“ sollte zentraler Bestandteil dieser Strategie sein. Die Bündelung und der Ausbau existierender – aber bisher unterhalb einer kritischen Masse befindlicher – lokaler Kapazitäten wird eine intellektuelle und strukturelle Umgebung erzeugen, die im internationalen Wettbewerb neue Impulse bewirkt und Raum für innovative und zukunftsträchtige Entwicklungen schafft. Die Arbeit der Zentren sollte durch Forschungsprogramme in den verschiedenen Arbeitsschwerpunkten der Leitvision ergänzt werden.

Szenario-Zusammenfassung

„Ben und die neue Hand“



Was wäre, wenn wir wüssten, wie das Denken Krankheiten wie zum Beispiel Alzheimer getan funktioniert? Das Szenario „Ben und die neue werden. Die Diagnoseverfahren zur FrüherkenHand“ beschreibt den Alltag im Jahr 2020 in nung sind weiter ausgereift. Mit neurodidaktieinem Reha-Zentrum, in dem die Kenntnisse schen Lernstrategien können so nicht nur geüber Hirnfunktionen für die physische und psysunde, sondern auch beeinträchtigte Menschen chische Rehabilitation der Patienten eingesetzt in ihren individuellen Entwicklungsmöglichkeiwerden. ten geprüft und dann, aufbauend auf den verIm Mittelpunkt der Zukunftsvision steht das bliebenen Fähigkeiten, gezielt unterstützt werUnfallopfer Ben. Seine rechte Hand wurde den. durch eine Prothese ersetzt. In der Reha-Klinik Und nicht nur in der Pädagogik haben sich soll er lernen, mit dem neuen Körperteil umzudie Fortschritte der Lernforschung niedergegehen. schlagen: Auch die MaschiIm Gegensatz zu heute nen im Szenario sind – dank Weitgehend sind die im Szenario beder Einsicht in die neuronaeigenständige Roboter len Vorgänge – lernfähig. schriebenen Prothesen „intelligent“ und können – mit entlasten in Service und Noch augenfälliger als bei etwas Übung – durch GePflege das Personal der den „intelligenten“ Prothedanken gesteuert werden. sen, wird diese Tatsache Reha-Klinik Durch intensives Training beim Blick auf die weitgelernt die bioanaloge Elektrohend eigenständig handelnnik in der neuen Hand von Ben und in der Beinden Roboter, die als Service- und Pflegekräfte prothese seines Zimmernachbarn Frank, auf die die Reha-Klinik bevölkern. „Die Servos will ich ankommenden Nervenimpulse aus dem Gehirn nicht mehr missen“, beschreibt ein Pfleger im wie ein normales Organ zu reagieren. Das ZuSzenario die elektronischen Bediensteten. „Sie sammenspiel zwischen Elektronik und Nervenerleichtern uns die Arbeit. Sie werden niemals system verbessert sich durch Übung allmählich. ungeduldig, erledigen alle Gänge, machen die Die täglichen Fortschritte können Ärzte und PaBetten und sorgen sogar für frische Blumen. Im tienten mit Hilfe von weiter entwickelten TomoVergleich zu früher habe ich viel mehr Zeit, graphen verfolgen, die die Arbeit der einzelnen mich um einzelne Patienten individuell zu kümHirnareale abbilden und so bis zu einem gewismern.“ sen Grad das „Denken“ sichtbar machen. Doch trotz aller Vorzüge – etwas befremdGezielter als heute kann im Szenario außerlich wirken die Service-Roboter auch auf die dem Personen mit Hirnerkrankungen oder -verProtagonisten im Jahr 2020 noch: Während Ben letzungen geholfen werden. So geben beiin den „Servos“ lediglich eine Notlösung für alspielsweise weltweit vernetzte Hirnfunktionslein lebende pflegebedürftige Senioren sieht, datenbanken Auskunft darüber, wie unzerwill sein Zimmergenosse Frank nicht verstehen, störte Bereiche des Denkapparats unterstützt dass auch die Elektro-Pfleger nicht vollkommen werden können, um die Funktionen der geschäsind und dass auch ein Roboter das Kaffeeholen digten Areale zu übernehmen. Aber auch im erst einmal lernen muss. Jahr 2020 gibt es keine elektronischen Prothesen, die direkt im Gehirn eingesetzt werden. Das ausführliche Szenario finden Sie im Dennoch kann etwas gegen nervenzerstörende Internet unter www.futur.de

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Leitvision

„Leben in der vernetzten Welt: individuell und sicher“ Die Leitvision „Leben in der vernetzten Welt: individuell und sicher“ befasst sich mit der Frage, wie jedem Menschen in der vernetzten Welt ein sicheres und selbstbestimmtes Leben garantiert werden kann.

Autos mit Navigationssystem, die an jedem Punkt der Erde ihre Position orten können. Handys, die ständige Erreichbarkeit garantieren. E-Mail als Möglichkeit, in Sekunden riesige Datenmengen rund um den Globus zu schicken. Was in den 70er oder 80er Jahren noch für eine futuristische James-Bond-Szenerie getaugt hätte, ist heute für viele Menschen – zumindest in den Industriestaaten – ganz alltäglich. Die Vernetzung unseres beruflichen, privaten und öffentlichen Umfeldes ist unumkehrbar und sie wird weiter zunehmen. Ziel der Leitvision „Leben in der vernetzten Welt: individuell und sicher“ ist es, diese künftige Entwicklung gezielt zu gestalten. Im Zentrum steht dabei der Anspruch, die digitalen Netze stärker als bisher an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Systematisch wird im Rahmen der Leitvision daher die Frage erörtert, welchen Mehrwert die Vernetzung jedem einzelnen Menschen bieten kann.

In der vernetzten Welt soll die Autonomie des Menschen gegenüber der Technik erhalten bleiben.

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Die Autonomie des Menschen gegenüber dem technischen System bleibt gewahrt Die „Personalisierung“ der Interaktion, also die individuelle Ausrichtung der technischen Geräte am persönlichen Bedarf jedes Einzelnen, ist der entscheidende Punkt für die weitere Entwicklung moderner Kommunikationstechnologie. Ziel ist es, Instrumente zu schaffen, die jeden Nutzer in unterschiedlichen Umgebungen und Lebenssituationen individuell unterstützen können. Der gesellschaftliche Bedarf an einer personalisierten Interaktionswelt ergibt sich aus einer Reihe von Entwicklungstrends: Der

Umbau von der Industrie- zur Wissensgesellschaft geht mit einem wachsenden Mobilitätsund Kommunikationsbedarf einher. Die Globalisierung von Arbeits- und Privatleben verstärkt diesen Trend noch. In der Folge werden die sozialen und technischen Kommunikationsnetze immer komplexer. Die einzelnen Nutzer und auch die Gesellschaft als Ganzes verlangen jedoch Transparenz und Gestaltungshoheit bei der oftmals als unkontrollierbar erscheinenden Technik. Die Personalisierung der Interaktionswelten kann diesen Bedürfnissen entgegen kommen. Der Leitvision zugrunde liegt der Anspruch, Autonomie und Individualität des Menschen gegenüber technischen Kommunikationssystemen zu erhalten. Die vernetzte Welt soll ihren Nutzern als verlässliche Infrastruktur dienen: Die Netze und Dienste der Zukunft sind allgegenwärtig und stehen in jeder Situation und an jedem Ort zur Nutzung bereit. Außerdem soll die Umsetzung der Leitvision dazu beitragen, den „digital divide“ zu verhindern. Das heißt, es soll eine Spaltung der Gesellschaft vermieden werden in solche Menschen, die Zugang zu modernen Informations- und Kommunikationsmitteln haben und solche, denen diese Möglichkeiten nicht offen stehen und die deshalb zunehmend Benachteiligungen in Kauf nehmen müssen.

Forschungsbedarf besteht auf technischem und auf sozialwissenschaftlichem Gebiet Eine Reihe von Einzelthemen auf diesem Gebiet wird bereits aktuell vom BMBF gefördert. Auch international wird dem Bereich InternetTechnologie und verteilten Systemen, bei denen Computerressourcen geografisch und über Anwendergruppen hinweg verteilt sind, große Bedeutung beigemessen, etwa im „Information-Society-Technologies“-Programm der EU. Die Herausforderung für die Forschung der Zukunft besteht nun darin, sozialwissenschaftliche Ansätze und sozial-kulturelle Überlegungen mit technologischen Ansätzen zu kombinieren. Daher gilt es, die Verschränkung sozialer und technischer Netze zu erforschen. Neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet sollen eine bessere Gestaltung einer zunehmend vernetzten Welt ermöglichen.

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Die Schwerpunkte des Forschungsbedarfs lassen sich in sechs Bereiche gliedern: Mensch-Maschine-Interaktion / Mobile Endgeräte Benutzer-Schnittstellen gehen gegenwärtig noch oft an den Wünschen und Anforderungen der Nutzer vorbei. Hier müssen innovative Lösungen für die Gestaltung der MenschMaschine-Schnittstelle gefunden werden. Forschungsbereiche sind unter anderem Sprachsteuerung, Visualisierung, komplexere Formen von Sensoriksystemen, Energieversorgung von mobilen Endgeräten, neue Kombinationen von Endgeräten mit Sensorsystemen sowie Mechanismen der Filterung und Personalisierung bei interaktiven Medien. „Embedded systems“ „Embedded systems“ sind Informationssysteme, die ein technisches Umfeld steuern – wie zum Beispiel der Autopilot im Flugzeug – und damit den Menschen das Leben leichter machen. Ihre Einsatzfelder werden vielfältiger. Gefragt ist hier vor allem die anwendungsnahe Forschung zur Umsetzung der vorhandenen Mikrosystemtechnik in die industrielle Praxis. Zu entwickeln sind „Miniaturcomputer“, die integriert in beliebige Geräte oder Alltagsgegenstände dezentrale Steuerungsaufgaben übernehmen, ohne dem Nutzer besondere Qualifikationen abzuverlangen.

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Software-Agenten Im Gegensatz zu „embedded systems“ bewegen sich Software-Agenten eigenständig in einer virtuellen Software-Umgebung oder in der realen Welt. In den Bereichen Verkehr, Logistik und Rettungswesen werden zwar bereits autonome Robotersysteme entwickelt, doch noch sind reale Anwendungen selten. In die Gestaltung solcher Agenten-Systeme sollen Erkenntnisse aus der Soziologie einfließen – hier werden wichtige Hinweise von der neuen Forschungsrichtung Sozionik erwartet. Ziel ist es, insbesondere Prozesse bei der Gestaltung von Interaktionen zwischen Mensch und Technologie sowie Interaktionen von Maschinen untereinander zu optimieren. Netzwerke und Struktur von DiensteAngeboten Neben den global verfügbaren Netzwerken wie Rundfunk und Fernsehen, Telefon und Internet gewinnen die mobilen Netzwerke und die Netzwerke im Nahbereich der direkten Umgebung an Bedeutung. Interessant für die Forschung sind künftig besonders die Ad-hocNetzwerke im mittleren und nahen Entfernungsbereich mit ihren Mechanismen der Selbstkonfiguration. Eine weitere zentrale Fragestellung zielt darauf, Vertrauen und Sicherheit zwischen den Akteuren zu gewährleisten – zum Beispiel durch noch zu entwickelnde „Moderatoren“.

Als unabdingbare Voraussetzung für die Kommunikation über offene Netze muss der Schutz vor Abhören und Fälschen gewährleistet sein. Ebenso wichtig ist die eindeutige Identifizierung der Kommunikationspartner. Bedarf besteht hier besonders an anwendungsnaher Forschung, die die Sicherheit als fest verankerte Eigenschaft der Netze ermöglicht. Aus der Grundlagenforschung sollten Ansätze in den Bereichen Quantenkryptographie und DNAKryptographie einfließen. Dabei sollte die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kryptographen, Informatikern, Physikern und Biologen vertieft werden. Interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Entwicklung von Systemkonzepten Neben den technischen Aspekten sollten auch nichttechnische Faktoren in die Überlegungen einbezogen werden. So ist ein individuelles und sicheres Leben in der vernetzten Welt nur möglich, wenn gemeinsame Regeln und Standards geschaffen werden. Die vernetzte Welt ist kein rechtsfreier Raum. Auf der rechtlichen Ebene ist daher eine (auch internationale) Verständigung nötig. Das zu schaffende Rechtssystem muss außerdem Anreize bieten, um die personalisierte Interaktionswelt auch wirklich sicher zu gestalten. Weitere wichtige Voraussetzungen für eine verstärkte Nutzung der personalisierten Interaktionswelt sind ein effektiver Datenschutz und die Transparenz der im Netz

ablaufenden Vorgänge für die einzelnen Nutzer. Deshalb sollte die Teilnahme Deutschlands an internationalen Standardisierungsprozessen unterstützt werden, um den notwendigen Einfluss auf zukünftige Entwicklungen zu sichern. Um personalisierte Interaktionswelten aufbauen und mit hohem Nutzwert anbieten zu können, sind insbesondere Systemkonzepte notwendig. Die Anforderungen an diese Systeme sind hoch und erfordern interdisziplinäre Zusammenarbeit, denn um die Technik bedarfsgerecht gestalten zu können, sind nicht nur die Ingenieurswissenschaften, sondern auch die Sozialwissenschaften gefordert. Der Forschungsbedarf erstreckt sich auf zahlreiche Fachrichtungen, darunter Informatik, Soziologie, Kognitionswissenschaften, Elektrotechnik, Materialwissenschaften, optische Technologien, Biologie und Psychologie.

Szenario „Tina und ihr Butler“ Das Szenario der Leitvision „Leben in der vernetzten Welt“ vermittelt eine anschauliche Vorstellung davon, wie im Jahr 2020 der Alltag einer fiktiven älteren Person aussehen könnte, die konsequent die Dienste eines unsichtbaren, aber jederzeit nutzbaren Netzwerkhintergrundes in Anspruch nimmt. ▼

Sicherheit

Das komplette Szenario können Sie ab Seite 40 lesen.

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Bilder aus der Zukunft – Die Entwicklung von Visionen und Szenarios bei Futur Szenarios machen die Futur-Leitvisionen anschaulich – die Grundlagen dafür erarbeiteten die Futur-Teilnehmer in Zukunftswerkstätten und Szenario-Workshops.

Die Szenen erinnern an einen Science-FictionFilm: Statt auf der Autobahn im Stau zu stehen, koppeln Verkehrsteilnehmer ihre individuellen Mobile an öffentliche Stromschienen. Wer sich den Arm bricht, bestellt sich beim „KörperteilHomeservice“ einfach einen neuen. Sportbegeisterte gehen dank „Cyberspace“ im eigenen Wohnzimmer auf „Surfin’ Safari“. Doch was wie die verrückten Handlungen von HollywoodStreifen klingt, sind in Wirklichkeit phantasievolle Zwischenprodukte, die während des Arbeitsprozesses bei Futur entstanden sind. Denn um die Zukunft für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aber auch für Nicht-Fachleute vorstellbar und greifbar werden zu lassen, wendet der deutsche Forschungsdialog verschiedene Kreativmethoden an. Bereits in der frühen Phase zwischen November und Dezember 2001 lieferten die Futur-Akteure in sogenannten „Zukunftswerkstätten“ kreatives Material für den weiteren Prozess. „Zukunftswerkstätten heißen so, weil man die Zukunft zwar nicht vorhersagen, wohl aber gestalten kann“, erklärt Dr. Robert Gaßner vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), das als Konsortialpartner die visionäre Arbeit im Futur-Prozess unterstützt. Die „Gestaltung der Zukunft“ erfolgt bei den Zukunftswerkstätten in drei Phasen: Erster Schritt ist die Bestandsaufnahme der Ist-Situation. Danach folgt die Utopiephase, bei der jeder Teilnehmer seine eigenen Ideen von der Zukunft entwickeln darf. „Besonders hier werden Methoden eingesetzt, die zum kreativen Denken anregen“, erläutert Gaßner. „Dazu gehört das Spielen mit Begriffspaaren, aber auch eher künstlerisches Arbeiten wie zum Beispiel Malen

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oder das Basteln von Gegenständen.“ In der Realisierungsphase schließlich lautet die entscheidende Frage: „Was können Forschung, Technik und Bildung dafür tun, dass die positiven Aspekte der Utopien Realität werden?“ Eine weitere im Futur-Prozess angewandte Methode ist die Szenario-Technik: In einem Szenarioprozess ließen die Futur-Akteure im April 2002 ihrer Phantasie freien Lauf, um so die visionären Aspekte der Leitvisionsthemen zu verdeutlichen. „Vor allem für interdisziplinäre Projekte wie Futur ist die Szenario-Technik gut geeignet, um die angestrebten Ziele und Konsequenzen zu konkretisieren“, beschreibt Szenario-Fachmann Gaßner die Vorteile dieser Methode. „Das Zukunftsbild hilft den Experten in der Gruppe festzustellen, ob sie auf dem richtigen Weg sind und in welche Richtung der Prozess weiter voran getrieben werden soll.“ Neben den futuristischen Freizeitmöglichkeiten im Cyberspace entwarfen die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer beispielsweise ein Konzept für Bildungszeitkonten, die nach einem ähnlichen System wie heute Arbeitszeit-

konten funktionieren, und erweiterten den Lehrplan der Schulen um das Fach Gesundheit. Die Ergebnisse der Szenarioarbeit und der Zukunftswerkstätten lieferten dem IZT die Grundlage für das Verfassen der Zukunftsszenarios, die einen zentralen Bestandteil der FuturLeitvisionen bilden. In einer Art erzählerischer Momentaufnahme beschreiben die Szenarios eine mögliche künftige Alltagssituation – wie etwa den Tagesablauf einer Seniorin in der ver-

netzten Welt des Jahre 2020. „Die Futur-Szenarios sind keinesfalls Prognosen im Sinne einer Zukunftsvorhersage“, betont Gaßner, der die Szenarios gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Karlheinz Steinmüller ausformuliert hat. Ziel der „Zukunftserzählungen“ ist vielmehr, noch nicht eingetretene Zustände konkret vorstellbar zu machen und damit die Diskussion über Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten anzuregen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Zukunftswerkstätten entwerfen visionäre Ansätze für eine wünschbare Zukunft.

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Szenario

„Tina und ihr Butler“ „Leben heißt in Kontakt bleiben“, das könnte der Wahlspruch von Tina S. sein. Sie geht zwar bereits stark auf die 70 zu, aber sie steht tatsächlich – wie viele ältere Personen im Jahr 2020 – noch mit beiden Beinen fest im aktiven Leben: Reisen, Ehrenamt, Fitness, Freunde, Verwandte und das „Teilzeitbüro“ mit ihrem Sohn – nein, langweilig wird es für Tina bestimmt nicht.

GERADE MELDET SICH JAMES, der virtuelle soll, O-Ton und -Bild. „Du hast doch nichts daButler, und kündet einen eingehenden Anruf gegen, Oma?“ an: Enkelin Viktoria lässt wieder einmal von sich Nein, das nicht. Aber Tina muss sich erst hören. Nur ungewöhnlich, dass James ein Vietwas zurechtmachen, auch wenn es nur für deogespräch signalisiert, meist ist es ja sonst einen Hausaufsatz ist: Haare prüfen, die Bluseneher Tina, die auch bei kürzeren Gesprächen farbe elektronisch optimieren, soll sie auch mit ihren Enkeln auf das Bild Wert legt, wie etwas Schmuck einblenden lassen? Sie hat ja sonst nur der Hausarzt beim virtuellen Hausbenicht damit gerechnet, dass sie heute sozusasuch. gen ein Fernsehinterview geben muss. Tina setzt sich im Sessel zurecht. James interpretiert ihre Bewegung richtig – ein rotes BlinMIT IHREN 17 JAHREN hat Viktoria noch recht ken zeigt, dass James die winzige Kamera einverworrene Vorstellungen von der Vergangeschaltet hat. genheit. Natürlich gab es in Tinas Jugendzeit „Hallo, Vicki, du hast wohl längst Autos und Fernsehen, wieder Geometrieaufgaben und verabredet hat man Videogespräche am Hals?“ Einen anderen sich auch schon per Telefon, nur bei Bedarf und Grund für einen Anruf mit nur trug man keines mit sich optischem Kanal kann sich herum. „Was der größte Unnotfalls mit Tina kaum denken. terschied war? Vieles war elektronischen „Das war vor zwei Jaheinfacher und eben deshalb Kulissen ren, Oma, in der Zehnten, komplizierter: Du musst dir jetzt brauche ich dich für vorstellen, dass wir es daetwas Besonderes.“ Viktoria zeigt sich ziemmals meist mit toten Apparaten zu tun hatte, lich zerzaust auf dem kleinen Bildschirm. „Ich die nicht mir dir sprachen, sich nichts merkten, brauche dich, tja, als Zeitzeugin. Für einen nicht einmal Telefonnummern. Später, so um Hausaufsatz, Thema ‚Als meine Großeltern die Jahrhundertwende, kamen dann jede jung waren‘.“ Vor allem möchte Viktoria wisMenge von kleinen, mehr oder weniger praktisen, wie ihre „Altvorderen“ damals ohne das schen Gerätschaften auf; aber die tauschten Evernet ausgekommen sind. Und sie braucht, sich noch nicht miteinander aus. Hattest du da der Aufsatz multimedial unterstützt sein eine Telefonnummer in dein Handy eingege-

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ben, wusste dein Laptop sie noch stimmungsaufgaben, verwaltet lange nicht. Um alles musstest du dich den Terminkalender, „schaut“ selbst kümmern. – Technik wurde danach der Haustechnik und berät sie mals oft entwickelt, ohne genau genug bei vielen Alltagsproblemen – von nach dem Mehrwert für den Nutzer zu Versicherung bis Fitness, checkt fragen oder einen Blick auf die sozialen Preise, verhandelt Angebote und Netze zu werfen, die die Technik untervieles mehr. Außerdem ist er unbestützen sollte. Stell dir vor: Noch dingt „verschwiegen“, was insofern nach 2000 hatten wir sogenannte wichtig ist, als er viele von Tinas kleiMehrband-Handys und mussten uns nen Marotten kennt, beispielsweise, aufwändig entscheiden, in welchem dass sie im Fernsehen keine Filme sehen Netz wir kommunizieren wollten… Man musste will, in denen Spinnen auftauchen. Immerhin sich auch selbst überlegen, hat sie James schon über ob und wie man eine E-Mail fünf Jahre angelernt, und er Unzulänglichkeiten verschlüsselt – oder eben weiß mittlerweile schon der Kommunikationsnicht. Einfach war das auch recht genau, wann sie für nicht, eine Zeitlang musste technik – überwunden wen ansprechbar sein will man sogar die sogenannten und um welche Zeit welche durch den ‚öffentlichen Schlüssel‘ Tätigkeiten dran sind. Mitpersonalisierten selbst versenden, – und daunter hat Tina sogar den mals gab es für uns normale Eindruck, dass James schon virtuellen Butler Netznutzer nur eine einzige an ihrer Stimmlage erkennt, Geheimhaltungsstufe. in welcher Verfassung sie Heute haben wir vier Sicherheitslevels – aber sich befindet, und errät, ob sie gerade für eine du merkst gar nichts davon, weil dein Butler Plauderei mit einer ihrer Freundinnen aufgealles erledigt.“ legt ist oder nicht. – Sie muss einfach einmal den Wartungsdienst fragen, ob das möglich ist, KEIN WUNDER, dass Tina große Stücke auf oder sie sich das nur einbildet. „ihren James“ hält: der personalisierte virtuelle „Damals“, erzählt Tina weiter, „kannten die Butler übernimmt Kommunikations- und AbGeräte ihre Nutzer nicht, und falls sie über-

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haupt ein Sprachmodul hatten, plapperte das TINAS FREUNDIN GERTRUDE kündigt an, dass nur ein paar eingespeicherte Phrasen – von Versie sich zum vereinbarten Fitnesstraining verstehen und Erkennen keine Rede. Zu der Zeit späten wird. Sie klingt einigermaßen genervt: hatte ich an meinem Bildschirm eine Liste mit Der Regen hat ihr einen Strich durch die Rechallen möglichen Passwörtern hängen – für den nung gemacht. Zwar hat ihr virtueller Butler Corporate Workspace, für Online-Shopping, rechtzeitig umdisponiert und ihr eine Bus- statt Online-Banking usw. – lauter verschiedene, der üblichen U-Bahn-Verbindung herausgeunmöglich zu merken. sucht, aber sie hat beim (vorverlegten) AufAber weißt du, Viktoria, der größte Unterbruch zu lange gezögert und nun trotz der fürschied ist vielleicht, dass für die alten Leute sorglichen Beratung den Bus „nur noch von hinfrüher die Lebenskreise immer mehr schrumpften gesehen“. Wie lange sie nun an der Halteten; zuerst durften sie nicht mehr arbeiten, stelle frieren muss, verrät Gertrude in ihrer Aufdann wollte der Körper nicht mehr, irgendwann regung nicht, aber James hat sich längst erkunwar man im Haus oder in nur einem Zimmer gedigt: sie wird in etwas mehr als einer halben fangen und außer zwei, drei nahen Verwandten Stunde eintreffen. oder alten Bekannten kümmerte sich niemand mehr um einen. Jetzt lebt hier in unserer WohnDAS „FERNSEHINTERVIEW“ hat Tina doch anlage ein alter Herr, der total ans Bett gefesmehr aufgekratzt, als sie es sich eingestehen selt ist, Pflegestufe 3, falls will. Sie läuft zum Fenster, dir das etwas sagt, aber er also ob Gertrude schon Benutzer werden ist immer noch in mehreren kommen könnte, spielt mit erkannt und Vereinen aktiv und betreut dem Gedanken, die Planung sogar noch das Netzforum für den Sommerurlaub noch verstanden von seinem Golfclub. Sein einmal mit James durchzuKörper will nicht mehr, aber gehen. Aber sie hat sich ihr er kann immer noch überall irgendwie dabei Hotelzimmer und die umliegenden Wandersein. Das hält ihn geistig fit. – Aber jetzt erzähl’ ziele schon zweimal angesehen. Und ob sich doch mal, was dein Freund“, sie sucht eine Seunter den Hotelgästen eine Runde zum Kartenkunde nach dem Namen, dann souffliert James, spielen oder ein Tanzpartner finden lässt, kann „was dein Freund Paul macht.“ James schließlich alleine besser vorabklären. Noch während Viktoria über „ihren Derzeiti„Sie könnten solange bei Dorothee Blumen gen“ ausholt, signalisiert James mit einem so gießen“, erinnert sie James. „Sie haben verdezenten wie altertümlichen Gong-Ton eine sprochen, die Blumen zu versorgen, bis sie aus eintreffende VoiceMail. Im Gegensatz zu vielen ihrem Bildungsurlaub zurück kommt.“ jungen Leuten mag Tina nicht zwei Gespräche Natürlich. Das hatte sie wieder einmal – vergleichzeitig führen, aber Viktoria meint sodrängt. Tina ist ehrlich mit sich. Sie hat es Dorri wieso, dass sie die erhaltenen Informationen versprochen, aber es macht ihr einfach keinen jetzt erst einmal verarbeiten müsse: „Ich melde Spaß, in die fremde Wohnung zu gehen. Sie mich wieder, Oma.“ gibt sich einen Ruck, tritt hinaus in das kleine Atrium des Doppelhauses. Das Schloss klackt

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hinter ihr zu; James „befindet“ sich nun in ihrem Armreif, der außer der Kommunikationsschnittstelle auch den Vitalmonitor beherbergt. Dann steht Tina vor der Nachbartür. Wartet. Wieso öffnet ihr niemand? „Was ist, James?“ Mit dünnem „Armreif-Stimmchen“ erklärt ihr James, dass Dorothees Wohnungstür auf Sicherheitsstufe drei eingestellt ist und neben dem Shakehand der virtuellen Butler eine Identifikation per Stimmprobe verlangt. Du wirst nicht mit einer Tür schimpfen, befiehlt sich Tina und leaste oder artifizielle Pflanzen aufstellen!“ nennt ihren Namen. Einige der Pflanzen wirken ungesund – Drinnen empfängt sie Dorris Butler mit einer haben die schon bei Dorris Abreise so ausgesegeradezu peinlichen Vertraulichkeit: „Hallo hen? Am liebsten würde sich Tina bei Dorri Tina. Wie geht’s?“ – Sie ist hier, um etwas zu errückversichern, doch Dorri ist im Urlaub nicht ledigen, und nicht um mit der Software Smallzu erreichen – wenigstens einmal im Jahr „offtalk zu führen! Aber sie weiß ja, es ist immer Net“, so viel Luxus muss sein. Und ihr Dschinn, ungewohnt, mit einem fremden Butler umzuder Laffe, erklärt sich in diesem Fall für unzugehen. Schon dass der ständig, wo er doch sonst so „Dschinn“, wie Dorri ihren auf Dorris Vorlieben achtet! „offNet“ – Butler nennt, gleich von In der Eile läuft auch Nichterreichbarkeit zwei Bildschirmen als oriennoch ein Blumentopf über, talischer Flaschengeist auf erdige Brühe tropft auf den als Luxus sie blickt, trifft nicht ihren Boden. Und schon kommt Humor. James ist zurückhalder automatische Staubsautend. Zwar hat sie sich vor vier Jahren die Mühe ger angeschnorchelt, geht ihr um die Schuhe. gemacht, sich eine bildhafte Verkörperung für „Dschinn, macht das doch, wenn ich weg bin!“ James zurechtschneidern zu lassen, aber die Doch der Dschinn insistiert: „Dorri möchte braucht sie eigentlich nie. Die Stimme, leicht Nassschmutz immer beseitigt haben, bevor er hanseatisch näselnd, einem berühmten Schauantrocknet.“ Tina jedenfalls ist heilfroh, als sich spieler aus dem vergangenen Jahrhundert die Tür wieder hinter ihr schließt. nachempfunden, genügt ihr fast immer. IHRE STIMMUNG HELLT SICH SCHLAGARTIG DORRI GÖNNT SICH DEN LUXUS, die Blumen AUF, als sie Gertrude kommen sieht. Unter in ihrem kleinen Wintergarten nicht von der Gertrudes Regenschirm spazieren sie zum GeDomotik gießen zu lassen. Was Tina bei sich meinschaftskomplex der Wohnanlage, wo sich mit ein paar Schläuchlein auf James (und die die Fitnessräume befinden. von ihm kontrollierte Haustechnik) übertragen Gertrude, obzwar noch ein paar Jährchen hat, will Dorri lieber selbst in der Hand älter als Tina, geht dem exklusiven Beruf eines behalten – „sonst könnte man ja gleich ge„persönlichen Sekretärs“ nach. Sie betreut meh-

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rere Klienten überwiegend in GeldangelegenEIN VIERTELSTÜNDCHEN SPÄTER sitzen Tina heiten. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist es, und Gertrude gemütlich zusammen bei einem für ihre Klienten die Kontrolle über die zahlreiTässchen Kaffee. Selbstverständlich hat die Kafchen elektronischen und leider oft zu wenig feemaschine Gertrudes Tasse genau nach Gerbeachteten Zahlungen in Verkehrsmitteln, bei trudes Geschmack gebrüht: entkoffeiniert und Entertainment oder Mediennutzungen zu halmit viel Crema. Ob sich aber James noch an ten und so zu verhindern, dass die persönlichen Gertrudes Geschmack erinnert hat oder GertruAusgaben unbemerkt „aus dem Ruder laufen“. des Butler die Sache in die Hand genommen Natürlich wäre dazu auch ein virtueller Butler hat, ist den beiden egal. Hauptsache, der Kaffee in der Lage, aber, wie Gertrude sagt, „manche schmeckt und man hat Gelegenheit, sich über Leute wollen eben die soziale Kontrolle.“ Sie die nächsten Aktivitäten der „Partei für geselllässt dabei offen, welcher Klient den Zahlungsschaftliche Verjüngung und Generationenaussystemen zu wenig vertraut und wer eher das gleich“ auszutauschen. Wie Tina ist Gertrude eigene Konsumverhalten vertrauensvoll konder Ansicht, dass die nachwachsende Generatrolliert sehen möchte. tion durch die rein zahlenmäßige ÜberlegenGertrude ist wie Tina begeisterte Anhängerin heit der Senioren an den Rand gedrängt wird – von VR-Fitness. „Zur Body-Bildung die Seelenbilund das kann weder für die Alten noch für die dung!“, so lautete schon damals das Motto, als Jungen gut sein. Beide sind zunächst über den diese anfangs recht teure „elektronischen LandesverTechnik in kommerziellen band“ Mitglied geworden Fitnesstraining für Fitness-Studios eingeführt und haben aber mittlerKörper und Geist – wurde. Erst vor einigen Jahweile auch schon die eine ren ließen die Betreiber von Arbeiten mit höchster oder andere Veranstaltung Tinas Wohnanlage im eigevor Ort mitgemacht. Flexiblität nen Fitness-Komplex eine Sie sind sich auch einig, solche VR-Cave nachrüsten. dass ein Ausschluss der SeniDiesmal haben die beiden eine Walking-Einoren aus dem Arbeitsmarkt niemandem nutzen heit durch das Tal der Könige ausgewählt. Sie würde. Tina selbst betreibt gemeinsam mit laufen durch echten Sand, das Laufband darunihrem Sohn Karl eine professionelle ter ist fast nicht zu bemerken, die Hitze entFreiwilligenvermittlung und Ehrenamtsagentur. spricht annähernd dem Originalwetter und Da Karl in seinem Zweitberuf als Musiker viel auch die optische Illusion wirkt hinreichend unterwegs ist, haben sie ihr Büro konsequent überzeugend. Dass sie nicht in die Gräber hinvirtualisiert. So können Tina und er fast alles abklettern können, wissen sie natürlich. Und von zuhause oder sogar von unterwegs aus erwährend sie vor sich hin stapfen, frischt ein virledigen. Das spart nicht nur Büromiete, sontueller Guide ihr Wissen über das Alte Reich dern sie können sich auch ausgesprochen flexiauf. – Bis James sich meldet: Trainingsoptimum bel gegenseitig vertreten. erreicht. Für nächste Woche buchen sie eine virtuelle Langlaufloipe rund um eine InuitGEGEN ABEND VERABSCHIEDET SICH GERSiedlung in Grönland. TRUDE. Tina räumt auf. Sie ist ein wenig

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unruhig: In dieser Nacht steht die Fernwartung von James an. Richtig schief gegangen ist dabei noch nie etwas und außerdem gibt es ja ein Backup. Und trotzdem... Wenn sie aufwacht, wird James irgendwo nicht mehr genau derselbe sein. Vielleicht im Gespräch um Nuancen anders reagieren. Und selbst wenn es keine spürbare Veränderung gibt: sie wird auf einen ungewöhnlichen Zungenschlag lauern... Die ersten Tage nach der Inspektion ist ihr stets etwas unheimlich zu Mute, grundlos höchstwahrzeptieren. Dass der Dr.-Ing. ihr einmal sogar scheinlich. Und trotzdem... Eine Inspektion ist vom Update einer Komponente abgeraten hat, eben eine unangenehme Sache, ähnlich wie ein spricht für ihn. Gesundheits-Checkup. Man weiß nie, was herauskommt. AM ABEND MELDET SICH VIKTORIA noch Um die Wartung kommt James allerdings einmal, diesmal nur akustisch. Stolz berichtet nicht herum, denn nur bei regelmäßiger halbsie von ihren guten Noten beim Bewerbungsjährlicher Inspektion durch zertifiziertes Persotraining, das zum Abitur gehört. Anders als zu nal bleibt der VersicheTinas Zeiten findet die erste rungsschutz gegen FehlverBewerbungsrunde (und Fernwartung halten des virtuellen Butlers dementsprechend auch das in der erhalten, etwa die HaftungsTraining) immer im Cyberübernahme, falls James bei space statt und wird „Intimsphäre“ Recherchen oder Verhandgrundsätzlich von beiden lungen ungewollte Kosten Seiten mit geoder sonstige (ideelle) Schäden verursacht. Darschlechtsneutralen Avataren durchgeführt. „Ich über hinaus ist es Tinas ureigenstes Interesse, hätte den Job bekommen“, schwärmt Viktoria zu wissen, ob James noch „sauber“ ist, oder und kommt danach endlich auf den Punkt. „Du etwa durch eingeschleuste illegale KundenbinOma, wenn du Zeit hast, schaue ich morgen dungs-Software auch zu unnötigen Dingen rät. vielleicht mal bei dir vorbei. Du musst mir die Selbstverständlich hat Tina bei der Wahl der alten Familienfotos noch einmal zeigen, vielWartungsfirma größte Sorgfalt walten lassen: leicht kann ich was für meine Hausarbeit braumehrere Angebote, persönliche Gespräche mit chen – ‚Oma mit Jahrhundertwendeden Mitarbeitern. Wer glaubte, sie mit einem Schlepptop‘ oder so. Weshalb lässt du die Fotos elektronischen Verkäufer, einem Verkaufsavatar, eigentlich nicht endlich alle einscannen?“ abspeisen zu können, war schon draußen. Im Weshalb wohl. Tina muss schmunzeln. Ob Prinzip hat sie auch Vertrauen zu diesem Dr.Viktoria käme, wenn die Fotos alle eingescannt Ing. Mehlmann, der James jedes Mal unter die im Netz lägen? Lupe nimmt – einen Service mit wechselnden oder anonymen Betreuern würde sie nicht ak-

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„Futur – find’ ich gut“ – Die Bewertung des Forschungsdialogs durch Akteure und Foresight-Experten

Ein breit angelegter Dialogprozess, bei dem innerhalb von 15 Monaten erste Leitvisionen zu relevanten Forschungsthemen der Zukunft erarbeitet wurden – so stellt sich Futur von außen dar. Aber wie haben die Futur-Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst den deutschen Forschungsdialog erlebt? Wie beurteilen sie den Prozess und die angewandten Methoden? Um das heraus zu finden, hat das Fraunhofer-



Eine neuartige, spannende Erfahrung.



Auf positive Resonanz stieß besonders die Idee von Futur, Entscheidungsprozesse in der Forschungspolitik auf eine breite Basis zu stellen: „Ich fand an Futur gut, dass die Möglichkeit zur Mitgestaltung von künftigen Forschungsschwerpunkten und -themen eröffnet wurde.“ So und ähnlich begründeten viele der Befragten ihre Teilnahme an Futur. Positiv beurteilt wurde auch – besonders in den Kommentaren – die fachübergreifende Zusammensetzung der Fokusgruppen. Dadurch, so ein Teilnehmer, sei mit Futur ein „Forum für angewandte Interdisziplinarität“ entstanden. Die heterogene Zusammensetzung stellte die Gruppen jedoch auch vor nicht immer leicht zu bewältigende Herausforderungen. Kritisiert wurde beispielsweise, dass es nicht immer gelungen ist, die vielen fachlichen Perspektiven und das unterschiedliche Vorwissen der Teilnehmerinnen

Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (isi), als Futur-Konsortialpartner zuständig für die wissenschaftliche Begleitung des Prozesses, im Mai und Juni 2002 eine Umfrage unter den Futur-Akteuren durchgeführt. „Mit der Befragung wollten wir erfahren, wie die Beteiligten den Futur-Prozess einschätzen“, erklärt Dr. Kerstin Cuhls, beim isi verantGut, dass ein interdisziplinärer wortlich für Futur. „Denn so Ansatz gewagt wurde. lassen sich am besten Verbesserungspotenziale identifizieren.“ Die Ergebnisse der Bewertung durch die Teilnehmerinnen und Teilund Teilnehmer produktiv zusammenzuführen. nehmer bildeten zudem die zentrale Grundlage Mehrfach zur Sprache kam auch die knapp befür die Evaluation des Futur-Prozesses durch messene Zeit, in der Ergebnisse generiert wereine internationale Expertenkommission. den mussten. Einige Befragte wünschten sich





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Von den Futur-Akteuren und von einer internationalen Experten-Kommission bekam der deutsche Forschungsdialog gute Noten. Kritikpunkte helfen, Verbesserungspotenzial zu identifizieren.

arbeiten von Leitvisionen für die Forschungspolitik erreicht. Positiv beurteilen die Experten auch die ersten Schritte auf dem Weg zur Umsetzung der Leitvisionen in Förderprogramme. Für die kommende Phase rät die Kommission unter anderem, den Ablauf transparenter zu gestalten und die zur Verfügung stehenden Hintergrund-Informationen in noch größerem Umfang für die Teilnehmer nutzbar zu machen. Ihr zentrales Fazit formulieSeien Sie ruhig mutiger und gehen ren die Foresight-Experten folSie auch Themen an, die heute gendermaßen: „Futur hat wissenschaftlich noch nicht seine Ziele erreicht. Es liegen erschlossen sind ! ausreichend Gründe vor, dieses bahnbrechende Experiment fortzusetzen. Futur ist weltweit der erste Ansatz, gesellschaftsorien„Weitermachen!“ – so lautet auch das Urteil tierte Vorausschau mit der Gestaltung nationaeiner internationalen Kommission von Foreler Forschungspolitik zu verknüpfen. Mit dem sight-Experten, die den deutschen ForschungsInput von Futur ist es möglich, die Erfolgsquote dialog unter anderem auf Basis der AkteursUmfrage bewertet hat. Ziel der Untersuchung durch die achtköpfige Gruppe unter Vorsitz Futur wird seiner Zielsetzung gerecht von Prof. Dr. Luke Georghiou und sollte fortgesetzt werden. von der Universität Manchester war es, das Konzept und die Umsetzung von Futur zu von Innovationen zu verbessern, indem die Anbeurteilen. Die Fachleute nahmen dafür den erkennung und die Berücksichtigung sozialer Futur-Prozess genau unter die Lupe. Ihrer BeFaktoren in technologischen Entwicklungen gewertung zufolge hat Futur seine zentralen Ziele fördert wird.“ wie Partizipation und interdisziplinäres Eraußerdem mehr Transparenz bei den Entscheidungsprozessen. Trotz solcher Kritik an Details überwiegt bei den Befragten klar die Zustimmung zu Futur. Die Beschäftigung mit Zukunftsfragen und die Entwicklung von Zukunftsperspektiven hat viele der Futur-Akteure zur kontinuierlichen Beteiligung am Prozess motiviert.









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Wer macht mit ? – Die Akteure von Futur

Studierende 6% Medien 2% Gesellschaft 21%

Medizin und Psychologie 7%

ohne Angabe 4%

Futur-Akteure gesamt

Wirtschaft 22% Wissenschaft 45%

Die Forschungspolitik stärker am künftigen Bedarf der Gesellschaft auszurichten, ist ein zentrales Anliegen von Futur. Um dieses Ziel zu erreichen, genügt es nicht, die Meinung eines geschlossenen Expertenzirkels einzuholen. Nur durch die Einbeziehung von vielen Menschen mit ganz unterschiedlichem fachlichem Hintergrund – so der Ansatz von Futur – ist es möglich, die Herausforderungen der Zukunft zu benennen und zu bewältigen.

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Wirtschafts- und Rechtswissenschaften 15%

Akteure aus der Wissenschaft

Geistes- und Sozialwissenschaften 24% Mathematik, IT, Naturwissenschaften, Technik 54%

Deshalb wirkten in der ersten Phase von Futur insgesamt rund 1500 Expertinnen und Experten aus zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus verschiedenen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft mit. Die Alterstruktur war breitgefächert und reichte von der studierenden Zwanzigjährigen bis zum emeritierten Professor. Der Frauenanteil lag bei 27 Prozent. Knapp die Hälfte der Futur-Akteure in der ersten Prozessphase war in der Wissenschaft tätig. Dazu kamen 6 Prozent Studierende. Mit einem Anteil von 22 beziehungsweise 21 Prozent waren Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft und aus gesellschaftlichen Bereichen etwa gleichermaßen bei Futur vertreten. Für die Medien waren etwa 2 Prozent tätig.

Auf der Futur-Konferenz diskutierten Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft über die Zukunft

Chemische, medizinische und umwelttechnische Betriebe 17%

Soziale und kirchliche Einrichtungen 6% Sonstige 22% (Zukunftsforschung, Trendberatung, Kunst und Kultur)

Informationstechnologie 12%

Akteure aus gesellschaftlichen Bereichen

Akteure aus der Wirtschaft

Umweltpolitik 18% Dienstleister 38% (Consulting, Anwälte, Finanzdienstleister) Produzierendes Gewerbe 33%

Ein Blick auf die einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen zeigt, dass hier die Vertreterinnen und Vertreter aus den Fachbereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (inklusive Umweltforschung) mit 54 Prozent in der Mehrheit waren. 24 Prozent der Teilnehmenden aus dem Wissenschaftsbereich waren Geistes- oder Sozialwissenschaftler, 15 Prozent Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler und 7 Prozent Mediziner und Psychologen. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Wirtschaftsbereich waren 37 Prozent im Dienstleistungssektor tätig, beispielsweise in der Beratungsbranche, als Anwälte oder als Finanzdienstleister. 33 Prozent vertraten Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe – darunter zahlreiche Großbetriebe. 17 Prozent kamen aus chemischen, medizinischen oder umwelttechnischen Firmen, 12 Prozent aus der Informationstechnologie (IT).

Wirtschaftspolitik 22% (Verbände, Interessengruppen, öffentliche Verwaltung) Bildung 32% (Schule, Bildungs- und Informationsträger)

Ein Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den gesellschaftlichen Sparten kamen aus dem Bildungswesen – also von Schulen oder anderen Bildungsträgern. 22 Prozent der Akteure dieses Bereichs waren in der Wirtschaftspolitik tätig, unter anderem in wirtschaftspolitischen Verbänden, in Interessengruppen oder öffentlichen Verwaltungen. Organisationen aus der Umweltpolitik waren zu 18 Prozent vertreten, soziale und kirchliche Organisationen mit 6 Prozent. Die restlichen 21 Prozent verteilten sich auf kleinere Unternehmen aus vielfältigen Gebieten, wie zum Beispiel Zukunftsforschung und Trendberatung sowie auf Einzelpersonen, die im kulturellen Bereich tätig waren.

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Wissen für die Zukunft – Das Futur-Konsortium Bei der Organisation von Futur ist Teamwork angesagt: Das BMBF hat ein Konsortium aus verschiedenen Instituten und Unternehmen mit der Durchführung des Forschungsdialogs beauftragt. Das Know-how der Konsortialpartner auf Gebieten wie Kommunikations-Management, Zukunftsstudien, SzenarioEntwicklung, Wissensbewertung und Internet-Entwicklung gewährleistet die reibungslose Durchführung des Futur-Prozesses. Orientiert an ihrer Kernkompetenz übernehmen die einzelnen Partner die Federführung für ausgewählte Bereiche.

Die Mitglieder des Konsortiums sind: ■









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Institut für Organisationskommunikation (IFOK) Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) VDI/ VDE-Technologiezentrum Informationstechnik (VDI/ VDE-IT) Pixelpark

Das Institut für Organisationskommunikation (IFOK) mit Sitz in Bensheim und Berlin ist ein unabhängiges Beratungs- und Forschungsinstitut, das Kommunikationsprozesse für Kunden aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik konzipiert, gestaltet und begleitet. IFOK ist Spezialist für die Konzeption und das Management komplexer Kommunikationsprozesse mit partizipativem Charakter. Als Futur-Konsortialführer ist IFOK verantwortlich für Konzeption und Leitung des FuturProzesses sowie für das gesamte Prozessmanagement und die Öffentlichkeitsarbeit. Zu den Aufgaben von IFOK im Futur-Prozess gehören beispielsweise die Gestaltung der Futur-Konferenz, der Fokusgruppen-Treffen, die Betreuung der Diskussion im Workspace – der virtuellen Arbeitsplattform des Prozesses – sowie die inhaltliche Gestaltung der Futur-Homepage.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert das Karlsruher Institut technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Das ISI trägt durch seine Forschungs- und Beratungstätigkeit zu Problemlösungen und notwendigen Strukturänderungen bei. Ganzheitliches Denken sowie interdisziplinäres und anwendungsorientiertes Arbeiten sind traditionelle Stärken des Instituts. In den Futur-Prozess bringt das ISI vor allem seine Erfahrung im Bereich internationaler Foresight-Prozesse (Methodik, Durchführung, Ergebnisse, Umsetzung) ein. Das ISI macht Vorschläge zum konzeptionellen Vorgehen und zur Methodik und begleitet die durchgeführten Workshops wissenschaftlich. Für die Evaluation des Futur-Prozesses durch ein internationales Komitee stellte das ISI außerdem das wissenschaftliche Sekretariat. In diesem Zusammenhang führte das Institut unter anderem eine Befragung zu Futur unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie im Konsortium durch.

Das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) ist eine 1981 gegründete gemeinnützige Forschungseinrichtung mit Sitz in Berlin. Schwerpunkte der Arbeit des IZT sind Zukunftsstudien und die Analyse der Entwicklung und Einführung neuer Technologien sowie die Abschätzung und Bewertung ihrer wirtschaftlichen, politischen, ökologischen und sozialen Folgen. Zu diesen Themen führt das IZT Forschungsprojekte durch, erstellt Gutachten und berät Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft. Darüber hinaus entwickelt das IZT Strategien und Instrumente zur Technikgestaltung sowie zum ökologischen und sozialen Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft. Im Futur-Prozess unterstützt das IZT die visionäre Arbeit von Futur mit der Konzeption und Durchführung von Zukunftswerkstätten und Szenarioworkshops und verfasst – auf Grundlage der Ergebnisse dieser Veranstaltungen – die Szenarios, die zentraler Bestandteil der Leitvisionen sind.

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BMBF

Innovationsbeirat

Auftraggeber

Beratung, Kommentierung

Futur-Konsortium







IFOK

ISI

IZT

Institut für Organisationskommunikation

Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung

Institut für Zukunftsforschung und Technologiebewertung

Projekt- und Prozessmanagement Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Konsortialführung



Wissenschaftliche Begleitung (insbesondere Foresight-Verfahren)

■ ■

Szenarioentwicklung Zukunftswerkstätten

Die VDI / VDE-Technologiezentrum Informationstechnik GmbH (VDI / VDE-IT), Berlin, ist die Management-Beratungstochter des Vereins Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) und des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE). Im In- und Ausland ist die VDI/ VDE-IT in eine Vielzahl interdisziplinärer Innovationsprojekte eingebunden. Als Partner des Bundes, der Länder und der EU entwickelt, organisiert und evaluiert die VDI/ VDE-IT technologiepolitische Förderungsprogramme, auf Bundesebene vor allem für das BMBF und das BMWA. Ihre Aufgaben umfassen auch die Beratung und Unterstützung technologieorientierter Unternehmen, Banken und Beteiligungsgesellschaften in technischen, wirtschaftlichen und sozioökonomischen Fragen. Die VDI/ VDE-IT verfügt über umfassendes technisches, betriebswirtschaftliches und sozioökonomisches Wissen und garantiert damit die Einbindung technologischer Kompetenz in den Futur-Prozess. Den technologischen Input leisten die Berliner vor allem durch die Entsendung von „Themenpaten“ in die Fokusgruppen, durch die technologiepolitische Beratung des Futur-Konsortiums und das Erstellen von Expertisen zu wissenschaftlich-technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. 52

Pixelpark

VDI / VDE-IT Technologiezentrum Informationstechnik



Internet und virtuelle Plattform



Fachliche Begleitung (insbesondere Technologie-Expertise)

Pixelpark wurde 1991 von Paulus Neef in Berlin gegründet. In kurzer Zeit entwickelte sich das Unternehmen zu einem der führenden Full-Service-Internet-Dienstleister in Europa. Bei Futur ist Pixelpark für die virtuelle Umsetzung des Prozesses verantwortlich. Hierzu gehört die Beratung und Unterstützung bei flankierenden Marketing-Maßnahmen, die Konzeption und Design-Entwicklung, aber auch die IT-Umsetzung und der tägliche Support. Pixelparks Fokus liegt auf der umfassenden Betreuung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der Internet-Seiten von Futur und der virtuellen Arbeitsplattform (Workspace).

Weitere Informationen zu Futur beim Futur Projektbüro c/o IFOK GmbH Neue Grünstraße 18 10179 Berlin

Tel: 0 30/53 60 77 27 Fax: 0 30/53 60 77 20 E-Mail: [email protected] www.futur.de Newsletter-Abo unter: [email protected]

BMBF PUBLIK

Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unentgeltlich abgegeben. Sie ist nicht zum gewerblichen Vertrieb bestimmt. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlbewerbern oder Wahlhelfern während eines Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen sowie für Wahlen zum Europäischen Parlament. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen und an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Unabhängig davon, wann, auf welchem Weg und in welcher Anzahl diese Schrift dem Empfänger zugegangen ist, darf sie auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Bundesregierung zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte.