Garteln ohne Gift - Rudi Anschober

Garteln ohne Gift - Rudi Anschober

Garteln ohne Gif t T ipps fü r e i n e n g esu n de n G a r t e n! 2 3 Inhalt Vorworte 3 Bitte bleibenlassen: Das gehört in keinen Garten! 7 Ges...

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Garteln ohne Gif t T ipps fü r e i n e n g esu n de n G a r t e n!

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Inhalt Vorworte 3

Bitte bleibenlassen: Das gehört in keinen Garten! 7

Gesundes Gedeihen: Was ein Garten braucht. 11

Frische Freude: Gärten der Vielfalt in OÖ. 14

Gut geschützt: Biologischer Pflanzenschutz. 17

Als leidenschaftlicher Hobbygärtner kenne ich die Freuden und die Herausforderungen, die ein Garten mit sich bringt. Eines ist mir dabei besonders wichtig: den eigenen Garten ökologisch zu bewirtschaften und so einen Beitrag zur Erhaltung natürlicher Kreisläufe und einer ­intakten Natur zu leisten! Auf den folgenden Seiten finden Sie viele nützliche Tipps dazu, ­wie man ohne Pestizide gartelt und die Arten­ vielfalt im eigenen Garten unterstützt. Oder lassen Sie sich zum gemeinsamen Garteln inspirieren – auch so wächst die Vielfalt. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei, diese Tipps auszuprobieren – unsere Umwelt und unsere Enkelkinder werden es Ihnen danken!

Wildes Wachstum: Unkraut oder Wildkraut? 21

Gelungenes Garteln: 10 Hausmittel für den Garten. 23

Rudi Anschober Umwelt-Landesrat OÖ

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Jeder Garten kann durch einfache Maßnahmen zur wertvollen Naturoase werden. Es liegt im wahrsten Sinne des Wortes in unseren Händen, wie wir diese Naturräume gestalten wollen. Im Sinne des ökologischen Gärtnerns sollten wir auf den Einsatz um­ weltschädlicher Mittel, wie Pestizide und Kunstdünger, verzichten, denn in Österreich sind bereits viele Tier- und Pflanzenarten in ihrer Existenz bedroht. Gärten können einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Arten­ vielfalt leisten. GLOBAL 2000 setzt sich deshalb für ein naturnahes Gärt­ nern ohne künstliche Chemie ein.

Mag. Dominik Linhard GLOBAL 2000-Pestizidexperte

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Garteln erfreut sich immer größerer Beliebtheit – ob im eigenen Garten, auf der Terrasse oder in einem Gemeinschaftsgarten. Frisches Gemüse und süße Früchte zu ernten, die tierischen Gartenbesucher zu beobachten ist aber mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Es vergrößert die Wert­ schätzung für Lebensmittel, ökologische Zusammenhänge und trägt auch zum Klimaschutz bei. Vorausgesetzt natürlich, dass beim Garteln auf Natur gesetzt wird, keine chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmittel oder Torf verwendet werden. Diese Broschüre und viele weitere Angebote vom Bodenbündnis geben praktische Tipps zum Garteln ohne Gift.

Mag. Norbert Rainer Klimabündnis OÖ

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Bitte bleibenlassen: Das gehört in keinen Garten! Viele HobbygärtnerInnen greifen in der Hoffnung auf rasche und effektive Wirkung zu chemischen Pflanzenschutzmitteln. Was sie dabei nicht bedenken ist, dass so Stoffe in unsere Ökosysteme ge­langen, die für Mensch, Tier und Pflanze gefährlich sein können.

Pe s t i z i d e h a b e n N e b e nw i r ku n g e n: • Pestizide wirken nicht nur auf Schädlinge und „Unkraut“, sondern ungewollt auch auf Nützlinge und stören das natürliche Gleich­­gewicht im Garten. • Bei häufiger Anwendung reichern sich manche Pestizide im Gartenboden an und werden in angrenzende Gewässer oder das Grundwasser ausgewaschen. • Mögliche gesundheitliche Gefahren von Pestiziden für Menschen sind Hautirritationen, Reizung der Atemwege, Übelkeit, Schwindel, hormonelle Störungen, Fruchtbarkeits­ störungen, psychische Beschwerden und sogar ein erhöhtes Risiko für Krebs.

Tipp! Verzichten Sie auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden.

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G ly p h os a t u n d N e o n i co t i n o i d e – i m Ga r t e n f e h l a m Pl a t z .

M i n e r a l d ü n g e r b e l a s te t d i e U mwe l t.

Unkrautvernichtungsmittel, die Glyphosat enthalten, werden weltweit und auch in Österreich am häufigsten eingesetzt. Erfreulicherweise haben einige Garten- und Baumärkte diese Mittel bereits aus dem Sortiment genommen, denn Glyphosat wurde von der WHO als „wahr­ scheinlich krebserzeugend für den Menschen“ eingestuft. Alternativen um den Wildkrautbewuchs einzudämmen finden Sie auf Seite 17.

Mineralische Dünger werden entweder bergmännisch abgebaut oder wie im Fall von Stickstoff-Dünger durch energieintensive chemische Verfahren gewonnen. Untersuchungen zeigen, dass viele Gärten überdüngt sind, da überdosiert wird. Das hat negative Auswirkungen auf die Umwelt, wie z. B. Nitrat im Grundwasser. Außerdem sind „überversorgte Pflanzen“ anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Bevorzugen Sie

Neonicotinoide sind eine Gruppe von Insektenvernichtungsmitteln, die schon in geringsten Mengen z. B. für Bienen giftig sind. Ihnen wird eine Mitschuld am Bienensterben zugeschrieben. Für den Einsatz gelten Beschränkungen, aber es gibt nach wie vor auch im Gartenbereich zugelassene Pflanzenschutzmittelprodukte.

S c h n e c ke n ko r n i s t n i c h t g l e i c h S c h n e c ke n ko r n. Der in manchen Sorten Schneckenkorn ent­ haltenen Wirkstoff Methaldehyd ist für Vögel, Igel, Katzen und Hunde gefährlich. Wenn überhaupt sollte nur Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat eingesetzt werden. Da dadurch aber auch harmlose und nützliche Schnecken, wie der Tigerschnegel, ge­tötet werden, sollte man auf umweltfreund­ liche Alternativen setzen. Siehe Seite 24.

Tipp!

To r f a b b a u ze r s t ö r t M o o r l a n d s c h a f te n. Torf ist in vielen Blumen- und Gartenerden enthalten. Er besteht aus abgestorbenen Torfmoospflanzen, die in den Mooren langsam gewach­ sen sind. Die Bildung von einem Meter Torfschicht im Moor dauert ca. 1000 Jahre! Bei der Gewinnung des Torfs werden die einzigartigen Moorlandschaften zerstört und mit ihnen verschwinden gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

organischen Dünger wie z. B. Kompost!

Tipp! Achten Sie auf 100 % torffreie Erde! Auch Produkte mit der Aufschrift „torfreduziert“ enthalten häufig mehr als 50 % Torf.

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Gesundes Gedeihen: Was ein Garten braucht. In einem Garten gibt es unzählige kleine Helfer, die einem ganz schön viel Arbeit abnehmen. Wenn man sie nur lässt! Käfer und ihre Larven vertilgen Unmengen an Blattläusen. Bienen und Hummeln bestäuben unsere Obstbäume und sorgen dafür, dass ausreichend Früchte produziert werden. Vögel und Igel kümmern sich um lästige Nacktschnecken. Wichtige Nützlinge im Garten sind beispielsweise: Bienen, Hummeln, Laufkäfer, Marienkäfer, Schwebfliegen, Florfliegen, Spinnen, Tigerschnegel, Vögel und Igel. Duldet man eine gewisse Anzahl an Schädlingen, werden sich in kurzer Zeit auch viele Nützlinge im Garten ansiedeln, weil diese aus­reichend Nahrung in Form der Schädlinge vorfinden.

Nahrungspflanzen für Bienen. Apfel, Brombeere, Distel, Efeu, Flocken­ blume, Glockenblume, Klee, Königskerze, Kornblume, Kürbis, Löwenzahn, Nattern­ kopf, Ochsenzunge, Ringelblume, Salbei, Sonnenhut, Ziest.

Tipp! Weil im Hochsommer die meisten Pflanzen bereits verblüht sind, verhungern viele Bienen und Hummeln. Gärten können überlebenswichtige Nahrung liefern. Im Sommer blühen z. B. Braunelle, Bartblume, Taubnesseln, Löwen­zahn, Klee.

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Tipp! Natürliche Feinde von Blattläusen sind z. B. Marienkäfer und ihre Larven, Florfliegenlarven, Ohrenschlüpfer, Schwebfliegen­larven. Zusätzliche Nützlinge kann man anlocken, indem man gezielt ihre Lieblingsblumen an­pflanzt oder Lebensraum (z. B. Brut­plätze) für sie schafft.

N a h r u n g s p f l a n ze n f ü r S c hwe b f l i e g e n. Dille, Disteln, Fenchel, Löwenzahn, Ringelblume, Wilde Möhre und andere Doldenblütler.

Pl a t z s c h a f f e n f ü r Vö g e l , I g e l & C o. Bäume, Hecken und Sträucher sind für viele Vogelarten ideale Nistplätze. Deshalb sollte man sie nicht – oder nur im Herbst und Winter – stark zurück schneiden oder roden! Bevorzugen Sie einheimische Gehölze – die Vögel sind an sie angepasst und können sich von ihren Früchten ernähren. Dichte Hecken und Stauden sowie Holzstöße, Reisighaufen und Natursteinmauern eignen sich ideal als Verstecke für Igel, Eidechsen und andere schüchterne Zeitgenossen.

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V i e l f a l t a u c h i m Ge m ü s e b e e t. Über Duftstoffe, die in die Luft abgegeben werden, oder über Wurzel­aus­scheidungen kommunizieren Pflanzen miteinander. WissenschaftlerInnen nennen das Alle­lopathie. Diese Wechsel­wirkungen können sowohl förderlich als auch hemmend für das Wachstum sein. Diesen Effekt kann man nutzen, indem man Pflanzen, die sich gegenseitig gesund erhalten und den Ertrag fördern, nebeneinander setzt.

Gute Nachbarn im Gemüsebeet:

Schlechte Nachbarn im Gemüsebeet:

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Karotte – Zwiebel/Lauch Fisole – Rote Rübe Sellerie – Lauch Tomaten – Petersilie Gurke – Dille Karotte – Salat – Schnittlauch Salat – Radieschen – Kohlrabi

Salat – Petersilie Tomaten – Fenchel Kohl – Zwiebel Erbsen – Bohnen Erdäpfel – Tomaten

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Gärten der Vielfalt in Oberösterreich.

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G a r t e n t re n d s s p r i e ße n i n O b e r ö s t e r re i c h. Ein blühender Garten mit reicher Ernte ist für viele Menschen ein schöner Zeit­ vertreib, ein Ort zum Verweilen und um Kraft zu tanken. Immer mehr Menschen haben Lust, ein Stück Boden zu bearbeiten – auch wenn sie keinen eigenen Garten haben. Verschiedene Garteninitiativen und Gartenformen, wie etwa das Urban Gardening, Selbsterntegärten, inter­ kulturelle Gärten oder Gemeinschafts­ gärten sind so weltweit entstanden.

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Auch in Oberösterreich wächst die Zahl der Garten­ initiativen stetig. In vielen Städten (z. B. Linz, Schärding, Braunau, ...) wie auch Gemeinden (z. B. Ebensee, Walding, Aigen Schlägl) werden Obst, Gemüse und Kräuter in gemeinschaftlich geführten Gärten gepflegt. Die Bandbreite von aktiven Personen ist groß: Sie reicht von jungen Eltern, die ihren Kindern zeigen wollen, woher das Gemüse kommt und wie es frisch vom Beet schmeckt bis hin zur Pensionistin, die gerne ihr Wissen über das biologische Gärtnern weitergeben will. Diese Initiativen sind vielfältig organisiert – von losen Gruppen bis zum professionellen Verein.

Gemeinschaftsgarten Muldenstraße

Ge e r n te t w i r d n i c h t n u r E s s b a re s.

Ga r te l n f ü r j e d e n.

In den Gärten gedeiht viel mehr als nur selbst­ gezogenes Gemüse, oft gedeiht eine Gemein­ schaft, die im sozialen Miteinander Kommuni­ kations- und Integrati­ onsprozesse ermöglicht.

Seit 2013 unterstützt das Bodenbündnis Gruppen bei der Gründung von Gärten in Oberösterreich, dabei wird auf eine zukunftsfähige Ausrichtung geachtet. Die Angebote reichen von Bodenanalysen bis hin zu Vernetzungstreffen und Exkursionen zum Austausch.

Diese Form der Land­ nutzung sorgt für eine nachhaltige Entwicklung. So sehen viele Teilneh­ Gemeinschaftsgarten merInnen diese Möglich­ Seniorenzentrum Kleinmünchen keit auch als ihren Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Es wird der CO2 Ausstoß durch die regionale Produktion von Lebensmitteln redu­ziert, es fällt weniger Verpackungsmüll an und das Bewusstsein für Biodiversität, Ernährungssouveränität, gesunde Ernährung und die Kostbarkeit der Lebensmittel wird geschärft. Dadurch landet auch weniger Essbares im Müll. In vielen Gärten gibt es bestimmte Grundregeln, die das Miteinander ermöglichen und aufrechterhalten sowie oftmals den natur­nahen und biologischen Anbau fördern.

Allgemeine Informationen und Kontaktmöglich­keiten: • www.bodenbuendnis.or.at • www.land-oberoesterreich.gv.at unter Themen / Umwelt und Natur / Boden • www.land-oberoesterreich.gv.at unter Themen / Umwelt und Natur / Abfall und Ressourcen / Ressourcen aus Abfall / Kompost: Richtig kompostieren in Ihrem Garten

Formen des gemeinsamen Ge n i e ße n s:

1. Bildungslandschaf t mit Biss Schulgärten in Form von Hochbeeten, Naschhecken und Kräuterspiralen.

2. Ge m e i n d e n z u m A n b e i ße n Kostbare Landschaften – Beispiel Ottensheim www.kostbare-landschaften.net

3. Gä r te n d e r V i e l f a l t Viele Garteninitiativen aus Oberösterreich finden Sie auf der BodenbündnisWebsite.

Kindergarten Marchtrenk

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Gut geschützt: biologischer Pflanzenschutz. Um den eigenen Garten gesund zu erhalten, kann man auf einfache vorbeugende Maßnahmen setzen. Die Wahl der richtigen Sorte und des passenden Standortes, die richtige Pflege und Düngung der Pflanzen sind entscheidend. Auch ausgewogene Mischkulturen und der richtige Umgang mit dem Boden tragen dazu bei, dass Pflanzenschutzmittel erst gar nicht notwendig werden.

Ge s u n d e s O b s t. Bei Obst (v. a. Äpfel, Birnen, Sauerkirschen, Stachelbeeren) spielt die Wahl einer robusten und im heimischen Klima herangewachsenen Sorte eine entscheidende Rolle, um häufige Krankheiten zu vermeiden und köstliche Früchte zu ernten – lassen Sie sich beim Kauf beraten! Schützen Sie Ihre Obstbäume vor Frostspann- und Apfelzünslerlarven sowie anderen Raupen mit Hilfe von Raupenleim oder speziellen Leim­ ringen. Gegen den Apfelwickler können sie Fangringe aus Wellpappe verwenden. Eine weitere Möglichkeit, um Obstschädlinge abzufangen, sind Gelbtafeln und Pheromonfallen. Durch die Farbe oder bestimmte Duftstoffe werden die Schädlinge angelockt, und bleiben auf einer Leim­ schicht kleben. Leider werden dadurch aber auch andere Insekten aus dem Verkehr gezogen.

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Natürlich aber wirksam!

Marienkäferlarven fressen während ihrer Entwicklung bis zu 800 Blattläuse.

Tipp! Geeignete Kräuter zur Herstellung von pflanzenstärkenden Kräuterauszügen sind: z. B. Brennnessel, Beinwell, Kamille, Rainfarn oder Ackerschachtelhalm.

Biologische Pflanzenschutzmittel, wie Neem, werden aus Naturstoffen herge­ stellt. Aber auch Naturstoffe sind hoch wirksam – deshalb Gebrauchsanweisung unbedingt genau einhalten! Gegen den Buchsbaumzünsler können Bacillus thu­ ringiensis-Präparat (z. B. Xentari) und bei jungen Raupen auch Neem eingesetzt werden. Treten Krankheiten oder Schäd­ linge massiv auf, sollten Sie auf Nützlinge wie Florfliegenlarven und Marienkäfer setzen. Diese können Sie kaufen oder mit Nützlingsverstecken anlocken.

St a r ke P f l a n ze n.

K r a f t s t a t t C h e m i e.

Tipp!

Auch Pflanzenstärkungsmittel können helfen, denn gesunde und robuste Pflanzen sind wesentlich weniger krankheits- und schädlingsanfällig als schwache. Pflanzenstärkungsmittel sind in Gärtnereien und im Gartencenter erhältlich oder können selbst her­gestellt werden. Siehe Seite 23.

Im Kampf gegen unerwünschte Beikräuter sollten Sie, anstatt zur Chemiekeule zu greifen, lieber Muskelkraft einsetzen und die unerwünschten Pflanzen mechanisch durch Jäten oder Fugenkratzen oder thermisch beispielsweise mit Hilfe von heißem Wasser, Dampf oder Heißluft entfernen.

Eine weitere boden­ schonende Maßnahme zur Unterdrückung von unerwünschtem Pflanzenwuchs ist das Mulchen mit Naturmaterialien, wie Rasenschnitt oder Laub.

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Wildes Wachstum: Unkraut oder Wildkraut? Auch sogenanntes Unkraut kann im Garten wichtige Aufgaben über­ nehmen. Viele Wildkräuter haben sogar gesundheitsfördernde oder heilende Wirkung und eignen sich deshalb hervorragend, um sie in den täglichen Speiseplan zu integrieren. Einige essbare Wildkräuter und Heilkräuter: Ackersenf, Ackerdistel, Beinwell, Borretsch, Brennnessel, Brunnen­ kresse, Gänseblümchen, Giersch, Gundelrebe, Hirtentäschel, Kamille, Löwenzahn, Melde, Salbei, Sauerampfer, Schafgarbe, Spitzwegerich.

Wildblumen dienen vielen Tierarten als Nahrungsgrundlage und tragen so entscheidend zur Förderung der Arten­ vielfalt bei. Aus ökologischer Sicht ist es deshalb sinnvoll, wildwachsende Kräuter und Blumen, zumindest in einem kleinen Eck oder Randstreifen des eigenen Gartens zu tolerieren. So nutzen beispielsweise rund 50 Schmetterlingsarten die Brenn­ nessel als Nahrungsquelle. Manche Schmetterlinge können ohne Brenn­ nesseln nicht überleben (z. B. Kleiner Fuchs, Tag­pfauenauge, Landkärtchen).

Tipp! Nutzen Sie die Wildkräuter in Ihrem Garten! Daraus lassen sich herrlich schmackhafte Salate, gesunde Tees und Gewürze oder sogar heilende Salben herstellen.

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Gelungenes Garteln: 10 Hausmittel für den Garten. 1

M i t K r ä u te r a u f g ü s s e n t u n S i e I h re n Ga r te n p f l a n ze n G u te s ! Ackerschachtelhalmbrühe stärkt die Pflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge. Zur Herstellung werden 15 g getrocknetes (100 g frisches) Kraut in 1 l Wasser für 24 Stunden eingeweicht und anschließend 30 Minuten auf kleiner Flamme gekocht. Nach dem Abkühlen und Abseihen wird die Brühe 1 : 5 mit Wasser verdünnt und über die Pflanzen gegossen. Brennnesseljauche düngt und stärkt die Pflanzen und lockt außerdem Regenwürmer an: In einem Fass (kein Metall!) werden­100 – 200 g getrocknete (2 kg frische) Brennnesseln mit 10 l Wasser angesetzt und für 1,5 – 2 Wochen an einem sonnigen Platz stehen gelassen. Einmal am Tag sollte zwecks Sauerstoff­ zufuhr umgerührt werden. Die Jauche ist fertig, wenn kein Gär­ schaum mehr entsteht und eine dunkle Färbung erkennbar­ist. Im Verhältnis 1 : 10 bis 1 : 20 wird die Jauche mit Wasser verdünnt und in den Wurzelraum der Pflanzen gegossen (nicht auf die Blätter!). Außer Bohnen, Erbsen, Zwiebel und Knoblauch können Sie alle Pflanzen, auch Zierpflanzen, mit Brennnesseljauche behandeln.

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Be kä m p fe n S i e S c h n e c ke n u mwe l t s c h o n e n d ! Nacktschnecken, allen voran die Spanische Wegschnecke/ Kapuzinerschnecke vermehren sich schnell und in großer Zahl. An erster Stelle bei der Bekämpfung der Plagegeister sollte das Absammeln der Schnecken und Eigelege stehen. Vor allem am Morgen, wenn es kühl und feucht ist, erwischt man sie gut. Kleinere Beete kann man mit Schneckenzäunen schützen. Wichtig sind die natürlichen Schneckenjäger, wie Igel, Glühwürmchen, Laufkäfer aber auch die Tigerschnegel. Diese bis 20 Zentimeter lange heimische Nacktschneckenart frisst nämlich nicht an frischen Pflanzen, sondern nur abgestorbenes Material und andere Nacktschnecken und deren Eigelege! Nur das letzte Mittel bei der Bekämpfung der Nacktschnecken sollte Schneckenkorn sein, wobei ausschließlich Produkte mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat verwendet werden sollten. Denn auch dieses tötet alle Schnecken ab, auch die harmlosen und nützlichen.

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Bauen Sie im Garten zwischen anderen Gemüsesorten Knoblauch an, und stecken Sie Knoblauchzehen in die Erde Ihrer Zimmer- und Balkonpflanzen. Blattläuse meiden Pflanzen, die regelmäßig mit Knoblauchsud besprüht werden.

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Ve r we n d e n S i e ü b r i g g e b l i e b e n e n K a f f e e s a t z a l s D ü n g e r. Kaffeesatz nie wegwerfen, sondern in die Biotonne oder noch besser auf den Kompost geben. Er enthält Phosphor, Kalium und andere Mineralstoffe.

N u t ze n S i e F l i e g e n g i t te r. Spannen Sie alte, engmaschige Fliegengitter über das Gemüse­ beet, um Schädlinge fern zu halten. Im Fachhandel gibt es auch spezielles, feinmaschiges Schutzvlies, das Gemüse­beete vor Schädlingsbefall schützt (v. a. bei Kohlgemüse).

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U n k r a u t n a t ü r l i c h ve r m e i d e n. Rasenschnitt oder Laub auf offene Bodenstellen. Das hemmt das Wachstum von Unkraut. Verwenden Sie niemals Rinden­ mulch! Dieser schädigt zarte und empfindliche Pflanzen durch Auswaschung von Gerbsäure in den Boden!

Tigerschnegel ernähren sich von abge­s torbenen Pflanzen, Schnecken und Eigelegen.

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M i t K n o b l a u c h h a l te n S i e Lä u s e fe r n.

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Ba s te l n S i e e i n N e s t f ü r O h re n s c h l ü p fe r. Ohrenschlüpfer helfen im Kampf gegen Blattläuse. Dazu nehmen Sie einen alten Blumentopf, befestigen eine Schnur daran, befüllen ihn mit Stroh oder Holzwolle und schließen die große Öffnung mit Maschendrahtzaun. Stellen Sie den Topf im Frühjahr in die

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Nähe eines Laub- oder Holzhaufens. Die Ohrenschlüpfer finden so sicher ihren Weg aus dem Winterquartier in den Topf. Im Juni hängen Sie den Topf an einen Obstbaum mit Blattlausbefall. Der Topf sollte einen der Äste direkt berühren, damit die Ohren­ schlüpfer ungehindert aus- und einkrabbeln können.

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M a c h e n S i e I h re P f l a n ze n w i d e r s t a n d s f ä h i g . Mischen Sie bei der Pflanzarbeit immer ein paar Hände voll gut abgelagerten Kompost unter die Pflanzerde. Dank der wichtigen Nährstoffe wachsen die Pflanzen schneller an und werden widerstandsfähiger.

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Ge s u n d e To m a te n. Damit Tomatenpflanzen lange gesund bleiben, brauchen sie unbedingt Schutz vor Regen (Überdachung). Sobald die Pflanzen groß genug sind, entfernen Sie die untersten Blätter, damit der in der Erde lebende Krautfäule-Pilz nicht auf die Blätter „über­ springt“. Zusätzlich schützt auch das Mulchen rund um die Pflan­ zen (auch im Topf!) mit Rasenschnitt, Stroh oder Kartonscheiben.

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R i c h t i g e i n ka u fe n. Achten Sie beim Kauf von Pflanzen auf widerstands­fähige Sorten und fragen Sie nach dem richtigen Standort.

Mehr Infos zum Thema Garten und Boden in OÖ: www.bodenbuendnis.or.at Südtirolerstraße 28, 4020 Linz [email protected]

Mehr Infos zum Thema Pestizide im Garten: www.global2000.at/themen/pestizide Neustiftgasse 36, 1070 Wien [email protected]

Gedruckt nach der Richtlinie „Druckerzeugnisse“ des Österreichischen Umweltzeichens. gugler*print, Melk, UWZ-Nr. 609, www.gugler.at

Höchster Standard für Ökoeffektivität. Weltweit einzigartig: Cradle-to-Cradle® Druckprodukte innovated by gugler*.

IMPRESSUM 2. überarbeitete Auflage 2016 Medieninhaber, Herausgeber, Verleger: Klimabündnis Österreich, Prinz-Eugen-Straße 72/Top 1.5, 1040 Wien, Zweigstelle Klimabündnis OÖ, Südtirolerstr. 28/5, 4020 Linz Redaktion: Mag. Gerlinde Larndorfer, DI Renate Schernhorst (Klimabündnis OÖ), DI Renate Leitinger, Mag. Sandra Urban (Land OÖ), Mag. Dominik Linhard (GLOBAL 2000), Klaus Stumvoll (LK OÖ) Fotos: Klaus Stumvoll, Klimabündnis OÖ, GLOBAL 2000 (Mag. Dominik Linhard), iStock, bfi, Magistrat Linz, Stadtteilzentrum Auwiesen Gestaltung: Sandra Berchtold Druck: gugler