Geschwister und Power im

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18 kultur Von Brüdern und Schwestern 2. November 2007 Geschwister und Power im Die Berühmtesten Alice und Ellen Kessler, 71, sind Revue-Ikonen. D...

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18

kultur

Von Brüdern und Schwestern

2. November 2007

Geschwister und Power im

Die Berühmtesten Alice und Ellen Kessler, 71, sind Revue-Ikonen. Die tanzenden und singenden Zwillinge aus Deutschland begeisterten das Publikum schon in den Fünfzigerjahren – rund um den Globus.

Von Christina Gubler

Kreativität zu zweit macht Tanz, Rock und Klassik doppelt spannend: vor allem, wenn die Duos Geschwister sind.

Die Harmonischen Die Zwillinge Güher und Süher Pekinel, 54, zeigten schon als Kinder am Klavier grosse Harmonie. Heute spielen die türkischen Pianistinnen in der Topliga der Klassik.

POP: BIANCA UND SIERRA CASADY Die Unterhalterinnen Alexandra, 33, und Schwester Anita, 30, sorgen als Geschwister Hofmann in der volkstümlichen Schlagerwelt für Kurzweil und gute Laune. Seit genau 20 Jahren!

Die Glamourösen Mary Kate und Ashley Olsen (21) traten bereits als Kleinkinder im Fernsehen auf. Obwohl sie keine eineiigen Zwillingsschwestern sind, treten sie fast immer als doppeltes Lottchen auf – in Filmen und auf dem roten Teppich sowieso.

Geboren 1980 (Sierra) und 1982 (Bianca) in den USA – sind zusammen als Cocorosie unterwegs. Gelten als schräge Stars der unabhängigen Musikszene. Erfolg: Erobern mit ihrem ersten Album «La Maison de mon Rêve» (2004) die Musikwelt.

Bianca über Sierra: «Als Kind hat sie nie gesprochen, nur gesungen.» Sierra über Bianca: «Sie hat ihre maskuline Seite entdeckt.» Jetzt: Konzerte der USMusikgruppe in Basel (18.11., www.kaserne-basel.ch) und Fribourg (19.11., www.fri-son.ch)

Jede Bewegung stimmte, als Jirí und Otto Bubenícek 2004 ihr furioses Doppel in John Neumeiers «Odysee» tanzten. Die Körper der beiden Stars des Hamburg Balletts verschmolzen zu einem. Die Kritiker jubelten. Hinter der Sensation stecken Gene: Jirí und Otto sind Zwillinge und trainieren seit je zusammen. «Wir wissen im Voraus, was der andere macht.» Kein Einzelfall: Die symbiotische Beziehung zwischen

Geschwistern bringt immer wieder herausragende künstlerische Leistungen hervor. In allen Sparten.

Die Buben Sie gelten als schlechtfrisierteste Twins: Bill und Tom Kaulitz (18) aus Magdeburg machen seit ihrer Kindheit zusammen Musik und verdrehen nun in der Band «Tokio Hotel» kleinen Mädchen den Kopf.

Die Rocker Family Affairs rocks – das wissen Edward (50) und Alex Van Halen (54) nur allzu gut (so wie die GallagherBrüder von Oasis). Eddie spielt Gitarre, Alex Schlagzeug – zusammen verkauften sie Millionen von Alben. Nach langer Pause geben sie gerade ihr Comeback. Die Tournee begann am 27. September in Charlotte, USA. LINKBOX auf www.punkt.ch

BALLETT: JIRÍ UND OTTO BUBENÍCEK Geboren 1974 als eineiige Zwillinge in Polen. Gelten als Perfektionisten der synchronen Bewegung. Erfolg: Absolvierten das Tanzkonservatorium in Prag. Wurden 1993 ans Hamburger Ballett berufen und von John Neumeier zu ersten Solisten

ernannt – und daraufhin weltberühmt. Otto über Jirí: «Er mag andere Frauen als ich.» Jirí über Otto: «Er fühlt jede Regung von mir – und ich von ihm.» Jetzt: Zu sehen sind die beiden Tanzstars am Martinu-Festival in Basel (4.11., www.martinu.ch)

KU Geboren 1962 (Dinos) und 1966 (Jake) in England. Gelten als Ekel-Ästheten, die keine Tabus kennen. Erfolg: Kunstmulti Charles Saatchi ist ihr grosser Fan, Nomination 2003 für den renommierten Turner-Preis.

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Kreativität Doppel-Pack Sierra Casady, die mit ihrer Schwester Bianca die Band Cocorosie bildet, erklärt das Phänomen so: «Zwischen uns existiert eine kreative Nähe wie zu sonst niemandem. Wir sind zusammen mehr, als unsere einzelnen Teile.» Die beiden wohnen zusammen, sollen gar den gleichen Liebhaber haben. Eine Nähe, die andere Paare für ihre Arbeit nicht nötig finden. Im Gegenteil: Er habe kürzlich ein Werk seines Bruders Jake angeschaut und festgestellt, dass es ja sein eigenes sei, sagt Künstler Dinos Chapman. Das sei

beängstigend – er sei deshalb froh, dass er sein eigenes Leben führe. Noch weiter ging Jirí Bubenícek. Er tanzt neuerdings an der Dresdner Oper, erstmals ohne Otto. Das sei nötig für die Weiterentwicklung, «ich bin ein eigenständiges Individuum». Ihre Einmaligkeit zu zweit beweisen sie trotzdem noch ab und zu: etwa diesen Sonntag in Basel.

Tänzerin spielt Tänzerin Los Angeles Dita von Teese, die Ex des Schockrockers Marilyn Manson, soll in einem Film über Mata Hari die Hauptrolle übernehmen. Martha Fiennes, die Regisseurin des Projekts, ist überzeugt: «Dita ist perfekt für den Part.» Von Teese kennt man als Burlesque-Tänzerin, und Mata Hari war in der Zeit vor und während des Ersten Weltkriegs als exotische Nackttänzerin bekannt. Die Dreharbeiten für den Streifen sollen Ende 2008 beginnen.

Potter gegen Potter

KLAVIER: KATIA & MARIELLE LABÈQUE Geboren 1950 (Katia) und 1952 (Marielle) in Frankreich. Gelten als Nonkonformistinnen des Klassikbusiness. Erfolg: Konzertieren als Klavier-Duo mit den weltbesten Orchestern – mit einem Repertoire von Bach bis Gershwin.

Katia über Marielle: «Mit ihr zu spielen ist ein Geschenk.» Marielle über Katia: «Sie bleibt am Morgen gern im Bett und schaut fern.» Jetzt: Zu hören sind die beiden Pianistinnen am Lucerne Festival (19. November, www.lucernefestival.ch)

London «Harry Potter»-Autorin Joanne K. Rowling verärgert die Fans. In den USA hat sie Klage gegen die Veröffentlichung eines Potter-Lexikons eingereicht. Das Buch des Autors Steve Vander Ark, das im Dezember in Grossbritannien erscheinen sollte, verletze ihre Urheberrechte. Eigentlicher Grund ist, dass Rowling selber eine Potter-Enzyklopädie plant und damit nochmals kräftig Kasse machen will. Sie behauptet indes, ihr Buch für einen guten Zweck rausbringen zu wollen.

Bewegung für Bewegung Zürich Der Berliner Filmemacher Harun Farocki hat für den Zürcher Verkehrsknotenpunkt Limmatplatz einen Videofilm gedreht. Das 43-minütige Werk «Übertragung» ist dort ab heute für ein Jahr auf einem Flachbildschirm zu sehen. Der Film dokumentiert Verhaltensformen und ritualisierte Handbewegungen, die Menschen bei Statuen oder Mahnmalen anwenden. Ein Beispiel sei das Vietnam Veterans Memorial in Washington, dessen Besuchende die Namen der Gefallenen abtasten.

Schock für Schocker

REGIE: JOEL UND ETHAN COEN

Jake über Dinos: «Er macht seine Kunst für mich, ich meine für ihn.» Dinos über Jake: «Er ist nicht mein siamesischer Zwilling.» Jetzt: Ihre diesjährige Werkschau in Liverpool brachte der Kulturstadt 2008 schon im Vorfeld weltweite Aufmerksamkeit.

Bilder: Key

KUNST: JAKE UND DINOS CHAPMAN

Geboren 1954 (Joel) und 1957 (Ethan) in Minneapolis, Minnesota, USA. Gelten als Meister der schwarzen Komödie, die ihre schrägen Geschichten abseits des Mainstreams erzählen – und als sehr wortkarg. Erfolg: Goldene Palme für «Barton Fink» (1991),

Oscar für «Fargo» (1996), «Big Lebowski» nominiert für Goldenen Bär. Joel über Ethan: «Er übernimmt das Tippen.» Ethan über Joel: «Er tippt schlechter als ich.» Jetzt: «Burn after Reading» mit John Malkovich, George Clooney, Brad Pitt, kommt 2008 ins Kino.

Kentucky Nach einem Auftritt im US-Bundesstaat Kentucky flogen der finnischen Heavy-Metal-Band Lordi harte Metall-Geschosse um ihre Masken, mit denen die Eurovision-Sieger von 2005 jeweils auftreten. Sie gerieten auf der Strasse mitten in eine wilde Schiesserei der Drogenszene. Die Musiker blieben unverletzt und kamen mit dem Schrecken davon. Als die Polizei eintraf, kreiste sie die maskierten Finnen ein, derweil die Schützen flüchten konnten. (sda/net)