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Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Österreichisches Institut für Fami...

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Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld
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Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Österreichisches Institut für Familienforschung (ÖIF) Olaf Kapella Andreas Baierl Christiane Rille-Pfeiffer Christine Geserick Eva-Maria Schmidt In Kooperation mit Monika Schröttle (Konsulentin), Universität Bielefeld

Wien 2011

Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend über die Familie & Beruf Management GmbH. Die Verantwortlichkeit für den Inhalt liegt ausschließlich bei den Autorinnen und Autoren.

Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien A-1010 Wien | Grillparzerstraße 7/9 T +43-1-4277-489 01 | F +43-1-4277-9 489 | [email protected] | www.oif.ac.at

Inhalt

Inhaltsverzeichnis

Executive Summary ......................................................................................... Erstellt von Dr. Ewald Filler und Mag. Andreas Kratschmar

7

1

Theoretische und methodische Grundlagen ................................................. 1.1 Gewalt und Gewaltforschung ................................................................... 1.2 Forschungsfragestellung ......................................................................... 1.3 Studiendesign und Methodik . ..................................................................

31 32 39 43



1.4 Stichprobenbeschreibung ........................................................................ 49

2

Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich . .............................................................................................. 2.1 Was drückt die Prävalenz aus? – Methodische Vorbemerkungen ................... 2.2 Die Gewaltformen im Überblick ................................................................ 2.3 Zusammenfassung: Gewaltprävalenz in Österreich .....................................

53 53 58 80

3 Erfahrene Gewalthandlungen im Detail ....................................................... 82 3.1 Psychische Gewalt ................................................................................. 82 3.1.1 Erfahrene psychische Gewalthandlungen ........................................... 82 3.1.2 Individuelle Situationsschilderungen psychischer Gewaltsituationen ...... 86 3.2 Körperliche Gewalt ................................................................................. 90 3.2.1 Erlebte körperliche Gewalthandlungen .............................................. 90 3.2.2 Individuelle Situationsschilderungen körperlicher Gewaltsituationen ...... 94 3.3 Sexuelle Belästigung .............................................................................. 96 3.3.1 Erlebte sexuelle Belästigungen . ....................................................... 96 3.3.2 Übergang von sexueller Belästigung zu körperlicher oder sexueller Gewalt. 99 3.3.3 Individuelle Situationsschilderungen sexueller Belästigung . ................. 100 3.4 Sexuelle Gewalt . ...................................................................................105 3.5 Zusammenfassung: Erfahrene Gewalthandlungen im Detail ......................... 113 4 Schweregrade der erfahrenen Gewalt .........................................................116 4.1 Methodische Vorbemerkung: Bildung der Indikatoren zur Schwere der erfahrenen Gewalt ............................................................................116 4.1.1 Bildung des Schweregrades der Viktimisierung ................................... 117 4.1.2 Bildung des Schweregrad-Scores . ....................................................120 4.2 Schweregrad der Viktimisierung . .............................................................121 4.3 Schweregrad-Score – Gewaltbelastungen im Erwachsenen-Leben ................. 126 4.4 Zusammenfassung: Schweregrad der erfahrenen Gewalt . ........................... 128

3

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

5 Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre . ........130 5.1 Gewalthandlungen innerhalb der letzten drei Jahre nach Gewaltform ............ 131 5.2 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre .............................................. 136 5.2.1 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei psychischer Gewalt ...... 136 5.2.2 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei körperlicher Gewalt . .... 138 5.2.3 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei sexueller Belästigung ... 141 5.2.4 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei sexueller Gewalt ......... 143 5.3 Zusammenfassung: Gewalt innerhalb der letzten drei Jahre . ...................... 146 6

Folgen der Gewalthandlungen .....................................................................148 6.1 Psychische Folgen nach Gewaltform .........................................................150 6.2 Körperliche Folgen nach Gewaltform .........................................................155 6.3 Längerfristige psychosoziale Folgen nach Gewaltform ................................. 161 6.4 Zusammenfassung: Folgen der erfahrenen Gewalthandlungen ..................... 165

7 Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen ..............................166 7.1 Einstellung zu Gewalt und Einschätzung der eigenen Gewaltbereitschaft ........ 166 7.1.1 Einstellung zu Gewalthandlungen .....................................................166 7.1.2 Eigene Gewaltbereitschaft ...............................................................171 7.1.3 Zusammenhang zwischen Einstellung und Gewaltbereitschaft .............. 175 7.2 Täterschaft und Geschlecht .....................................................................178 7.3 Beeinflussung der beteiligten Personen .....................................................186 7.3.1 Beeinflussung des Täters/der Täterin ................................................ 186 7.3.2 Beeinflussung der eigenen Person .................................................... 191 7.3.3 Individuelle Situationsschilderungen zu den Streitsituationen und psychischen Ausnahmezuständen . ............................................. 192 7.3.3.1 Worum ging es beim Streit? .....................................................193 7.3.3.2 Was ist ein „psychischer Ausnahmezustand”? . ............................ 195 7.4 Zusammenfassung: Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen sowie eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen ........................................... 198 8

Reaktionen auf Gewalthandlungen ..............................................................201 8.1 Eigenes Verhalten bzw. eigene Reaktion . .................................................. 201 8.2 Inanspruchnahme von Hilfsangeboten ......................................................204 8.3 Zufriedenheit mit den in Anspruch genommenen Hilfsangeboten .................. 210 8.4 Zusammenfassung: Reaktionen auf Gewalthandlungen ............................... 214

9

Gewalt in der Kindheit .................................................................................216 9.1 Erlebte psychische Gewalt in der Kindheit ................................................. 219 9.2 Erlebte körperliche Gewalt in der Kindheit ................................................. 222 9.3 Erlebte sexuelle Gewalt in der Kindheit .....................................................226 9.4 In Anspruch genommene Hilfsangebote .................................................... 230 9.5 Zusammenfassung: Gewalt in der Kindheit ................................................ 234

4

Inhalt

10 Lebensbedingungen ................................................................................236 10.1 Gelebte und erlebte Partnerschaft ............................................................236 10.1.1 Partnerschaftsstatus und familiale Situation ....................................... 236 10.1.2 Erleben der derzeitigen Partnerschaft . .............................................. 239 10.1.2.1 Attribuierte Eigenschaften des Partners/der Partnerin ................. 239 10.1.2.2 Unterstützung oder Kontrolle? Respekt oder Bedrohung? ............ 241 10.1.2.3 Angstgefühle gegenüber dem Partner/der Partnerin ................... 244 10.1.2.4 Index zum partnerschaftlichen Einfluss . ................................... 246 10.2 Gesundheitszustand ...............................................................................250 10.3 Gewalterfahrungen (Schweregrad-Score) nach Lebensbedingungen .............. 264 10.4 Zusammenfassung: Lebensbedingungen ................................................... 272 11 Eigene Täterschaft . .................................................................................274 11.1 Prävalenz der Täterschaft – die Gewaltformen im Überblick ......................... 275 11.2 Psychische Gewalt – Täterschaft ..............................................................279 11.3 Körperliche Gewalt – Täterschaft . ............................................................281 11.4 Häufigkeit von psychischen und körperlichen Übergriffen . ........................... 284 11.5 Sexuelle Belästigung – Täterschaft ...........................................................286 11.6 Sexuelle Gewalt – Täterschaft .................................................................287 11.7 Zusammenfassung – eigene Täterschaft ................................................... 289 12 Vergleich der Ergebnisse nach Erhebungsmethoden . ..............................290 12.1 Zusammenfassung: Methodeneffekte .......................................................297

Erstellt von Olaf Kapella, Andreas Baierl, Christiane Rille-Pfeiffer, Christine Geserick, Eva-Maria Schmidt – Österreichisches Institut für Familienforschung In Kooperation mit Monika Schröttle (Konsulentin), Universität Bielefeld

13

Literaturverzeichnis ................................................................................298

14

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren .................................................301

15

Abbildungsverzeichnis .............................................................................302

16

Tabellenverzeichnis .................................................................................306

5

Executive Summary

Executive Summary

Die Studie „Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld” stellt eine großangelegte Forschungsarbeit zu dieser Thematik in Österreich dar. Sie bringt Licht in das Dunkelfeld erfahrener und ausgeübter Übergriffe und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Versachlichung der Gewaltforschung sowie zur Objektivierung der öffentlichen Diskussion.

Innovative Methodik Unter Berücksichtigung der Erfahrungen, die aus bisher durchgeführten, internationalen Gewaltstudien gewonnen werden konnten, geht die vorliegende Studie in methodischer Hinsicht einen neuen Weg in der Erforschung des Tabuthemas Gewalt. Der Aufbau der Studie als geschlechtervergleichende Prävalenzstudie macht es möglich, ein differenziertes Instrumentarium zu nützen, das die unterschiedlichen Gewalterfahrungen von Frauen und Männern – und zusätzlich die eigene Täterschaft – erhebt und abbildet. Im Rahmen der Studie konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, mit ein und demselben Instrument die Gewalterfahrungen sowohl von Frauen als auch von Männern zu erfassen, wie dies auch in vielen anderen sensiblen Bereichen der Sozialforschung der Fall ist. Methodisch erfolgreich war auch die Aufdeckung eines zum Teil deutlich größeren Bereichs des Dunkelfeldes von Gewalterfahrungen durch eine Online-Erhebung. Die Teilung der Stichprobe in eine Face-to-Face-Befragung und in eine Online-Befragung stellt in der europäischen Gewaltforschung bislang ein Novum dar. Es zeigt sich mit Blick auf die gewählten Methoden zudem, dass Interviewerinnen ein etwas größeres Dunkelfeld aufzudecken vermögen als ihre männlichen Kollegen. Die Studie ermöglichte eine hohe Aufdeckung an berichteten Übergriffserfahrungen von Frauen und Männern in Österreich. Diese wurden in den drei Segmenten der Studie für n

die Kindheit bis zum 16. Lebensjahr (Kindheitsgewalterfahrungen),

n

den Lebensabschnitt seit dem 16. Lebensjahr und

n

die letzten drei Jahre erfragt.

Sehr wesentlich für die Bewertung einer Handlung als Gewalthandlung ist, ob diese Handlung als bedrohlich oder Angst machend erlebt wurde. Die Berücksichtigung dieser Dimension ermöglicht eine Konkretisierung dessen, was jeweils an Gewalt erlebt wurde. Es wurde zudem nach der Schwere und den Folgen von Übergriffen gefragt, da es laut Wissenschaft auch Gewalthandlungen gibt, die nicht als bedrohlich erlebt werden.

7

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Ergebnisse und Entwicklungen Übergriffe in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sind ein gesellschaftliches Phänomen, von dem nahezu alle Studienteilnehmer/innen berichten. Nur eine kleine Gruppe der befragten Frauen (7,4 %) und Männer (14,7 %) hat noch nie derartige Erfahrungen gemacht. Allerdings ist dazu anzumerken, dass schon kränkende Demütigungen, Einschüchterungen oder Eifersuchtsszenen als „Übergriffe” gezählt werden. Der Vergleich der unterschiedlichen Zeitebenen zeigt unterschiedliche Entwicklungen auf: Dem durch die Dunkelfeldforschung möglich gewordenen Nachweis des Umfangs und der Dimensionen erlebter Gewalt steht eine erhebliche Abnahme von Gewalterfahrungen in jüngster Vergangenheit und in der Kindheit junger Erwachsener gegenüber.

Übergriffe in der Kindheit Die systematische wissenschaftliche Untersuchung von Gewalterfahrungen in der Kindheit ist für die Aufarbeitung der in vielen Bereichen gewaltbelasteten Vergangenheit unserer Gesellschaft ein unverzichtbarer Beitrag. Das getrennte Abfragen von Gewalterfahrungen im Erwachsenenalter und in der Kindheit macht es möglich, eine Verbindung zwischen diesen beiden biografischen Lebensphasen herzustellen. Im ersten Segment der Studie wurden die Gewalterfahrungen der heutigen Erwachsenengeneration (zwischen 16 und 60 Jahren) – also die den Befragten erinnerlichen Ereignisse im Zeitraum von 1950 bis 2010 – erhoben. Die zentralen Ergebnisse der Studie dokumentieren erlebte Gewalterfahrungen in der Kindheit und einen deutlichen Rückgang von Gewalt gegenüber Kindern in den vergangenen Jahrzehnten. In ihrer Kindheit – also bis zum Alter von 16 Jahren – haben etwa drei Viertel der befragten Personen psychische und/oder körperliche Gewalterfahrungen gemacht. Dabei zeigen sich kaum Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Frauen waren in ihrer Kindheit zu 74,8  % von psychischer und zu 72,6  % von körperlicher Gewalt betroffen. Auch hier ist anzumerken, dass beispielsweise die Bestrafung eines Kindes mit vorübergehendem Liebesentzug, das Beschimpftwerden oder auch der seelische Missbrauch von Kindern als Partnerersatz unter die Kategorie der psychischen Gewalterfahrungen fallen. Von den befragten Männern haben 72,8 % psychische und 73,7 % körperliche Übergriffe in ihrer Kindheit erlebt. Bei der sexuellen Gewalt existieren klare geschlechterspezifische Unterschiede: Mit 27,7  % Nennungen waren mehr als doppelt so viele Frauen in ihrer Kindheit sexuellen Übergriffen ausgesetzt wie Männer (12 %).

8

als Kind mit Liebesentzug bestraft. In der Kindheit als Partnerersatz missbraucht worden zu sein, gaben 12,3% der Frauen und 6% der Männer an. Executive Summary Durchgehend – d.h. über alle Einzelhandlungen hinweg – berichten Frauen häufiger als Männer, in ihrer Kindheit Opfer von psychischer Gewalt geworden zu sein. Der Anteil der Frauen liegt dabei meist in etwa doppelt so hoch als jener der Männer.

Abbildung ES 119: In der Kindheit erlebte psychische Gewalthandlungen Abbildung 119: In der Kindheit erlebte psychische Gewalthandlungen

Dies betrifft nicht nur leichte körperliche Übergriffe, sondern auch schwere körperliche Gewalt und eingesperrt 2011. worden zualle sein. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Basis: Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Abbildung ES 121: In der Kindheit erlebte körperliche Gewalthandlungen Abbildung 121: In der Kindheit erlebte körperliche Gewalthandlungen

Auch hinsichtlich des Umfelds, in dem die psychischen Gewalthandlungen in der Kindheit passierten, kristallisieren sich zwei Sozialräume heraus, in denen es besonders häufig zu Gewalthandlungen kam: Das ist zum einen die Schule und zum anderen die Familie. Etwa drei Viertel der befragten Frauen und Männer waren mehr als einmal in der Schule psychischen Gewalthandlungen ausgesetzt. Die Schule als Ort, an dem häufig psychische Gewalt gegenüber den Befragten ausgeübt wurde, wird von Frauen (14,5%) etwas öfter als von Männern (11%) genannt. Über psychische Gewalt in der Familie wurde hingegen vor allem von Frauen berichtet. So haben 67,3% der Frauen als Kind mehr als einmal psychische Übergriffe in der Familie erlebt, bei den männlichen Befragten waren es 54,3%. Knapp ein Fünftel (19%) der befragten Frauen und 7,5% der Männer geben an, dass sie in der Familie sogar häufig psychisch misshandelt wurden. Psychische Gewalt in der Schule haben Frauen in ihrer Kindheit zwar ebenfalls häufiger erlebt als Männer, allerdings ist der Unterschied mit 3 Prozentpunkten nicht so groß wie der 209

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

9

Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit wurden wie auch schon die psychischen Gewalthandlungen überwiegend in der Familie und im schulischen Umfeld erlebt. Die Familie

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Die altersspezifische Betrachtung zeigt, dass die ältere Generation in ihrer Kindheit signifikant häufiger Gewalt erlebt hat als die Jüngeren. Dies wird bei den körperlichen Gewalthandlungen besonders deutlich. Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat dazu geführt, dass die körperliche Züchtigung von Kindern sowohl gesellschaftlich wie auch rechtlich immer weniger toleriert wird. Waren beispielsweise acht von zehn Frauen und fast neun von zehn Männern im Alter von 51 bis 60 Jahren in ihrer Kindheit körperlichen Gewalthandlungen ausgesetzt (Männer: 86,3  %; Frauen 80,8  %), so wird in der Gruppe der heute 16- bis 20-jährigen Frauen und Männer jeweils von rund 55 % von erlebter körperlicher Gewalt berichtet. Der Anteil der in der Kindheit körperlich Misshandelten ist zwischen der ältesten und der jüngsten Altersgruppe somit um rund 25 bis 30 Prozentpunkte zurückgegangen. Ein ebenso signifikanter Rückgang an in der Kindheit erlebten Gewalthandlungen ist bei der sexuellen Gewalt zu beobachten – und zwar sowohl bei Frauen als auch bei Männern. So geben 40,8 % der 51- bis 60-jährigen Frauen und 19,9 % der Männer in dieser Altersgruppe an, in ihrer Kindheit sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen zu sein, wohingegen die Nennungen in der Altersgruppe der heutigen 16- bis 20-jährigen Frauen bei 19,6 % und die der Männer in dieser Altersgruppe bei 6,4 % liegen, was eine Halbierung der Übergriffe bzw. sogar einen Rückgang um zwei Drittel bedeutet.

10

Frau (10,6%) und 4,4% der befragten Männer. Die geschlechterspezifische Betrachtung der sexuellen Gewalthandlungen in der Kindheit zeigt dasselbe Muster wie die der psychischen und körperlichen Gewalt, allerdings noch Summary ausgeprägter. Als Kind mit sexuellen Übergriffen konfrontiert waren Executive vor allem die befragten Frauen, d.h. mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer berichten über sexuelle Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit. Abbildung ES 123: In der Kindheit erlebte sexuelle Gewalthandlungen

Abbildung 123: In der Kindheit erlebte sexuelle Gewalthandlungen

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

Wer in der Kindheit Gewalt erlebt hat, war in der Regel von mehr als einer Gewaltform Waren bei So der war psychischen und körperlichen Gewalt vor(38,7  allem%) die und Familie und (51,5  die Schule betroffen. die Mehrheit der befragten Frauen Männer %) jene Sozialräume, in denen die Befragten als Kinder Gewalthandlungen ausgesetzt waren, in der Kindheit sowohl mit Übergriffen psychischer Art wie auch mit körperlicher Gewalt so kommen Am bei zweithäufigsten sexuellen Übergriffen noch andere Lebensbereiche hinzu, wie etwa die konfrontiert. wurde die Kombination aus allen drei Gewaltformen Nachbarschaft, der Freundeskreis und „andere Lebensbereiche“, die nicht näher definiert angegeben: Demnach hatten 23 % der Frauen und 11 % der Männer Formen psychischer, wurden. körperlicher und sexueller Gewalt in ihrer Kindheit erlebt. Rund 10 % waren – geschlechtsunabhängig – entweder alleineinmal psychischen Übergriffen oder nur körperlichen GewalthandAm häufigsten zumindest sexuellen Gewalthandlungen ausgesetzt waren die lungen ausgesetzt. Sexuelle Gewalterfahrungen in der Kindheit traten beinahe immer nur Befragten in ebendiesen, nicht näher definierten Lebensbereichen (Frauen: 35,6%, Männer: in38,8%). Kombination mit den beiden Gewaltformen auf, alsoheran, sowohl Verbindung mit Zieht man nun anderen die Täter/innen-Liste zur Interpretation so in wird deutlich, dass psychischen als auch mit körperlichen Übergriffen. es sich hier überwiegend um sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum durch unbekannte

männlichesuchten Personen handelte. Frauen An zweiter Stelle als jener Lebensbereiche, in Hilfe denenund die Insgesamt die befragten und Männer Kinder nur sehr selten Befragten zumindest einmal sexuelle Gewalthandlungen erlebten, steht für die Frauen die Unterstützung von außen. Wurde Hilfe in Anspruch genommen, dann dienten vor allem Familie (32,8%) und für die als Männer die Schulebei (30,5%). Freunde und die Familie Anlaufstelle Gewalterfahrungen in der Kindheit. Hingegen wurden institutionelle Hilfsangebote kaum in Anspruch genommen. 215

11

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Übergriffe im Erwachsenenalter Das zweite Segment der Studie erfasst die Gewalterfahrungen der Befragten in deren Erwachsenenalter und somit für den Zeitraum von 1966 bis 2010. Dabei zeigt sich, dass Frauen und Männer am häufigsten von psychischen Gewaltübergriffen betroffen sind: Neun von zehn Frauen (85,6 %) und acht von zehn Männern (78,4 %) berichten von psychischen Übergriffen, und zwar am häufigsten im Kontext von Erwerbsleben und Ausbildung. 39,8 % der Frauen bzw. 30,6 % der Männer haben psychische Übergriffe erlebt und diese auch als bedrohlich wahrgenommen. Psychische Gewalterfahrung bedeutet im Detail z. B.: n

wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien worden zu sein (51,8 % der Frauen, 43,6 % der Männer), was 16,5 % aller Frauen und 17,8 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt worden zu sein (51,9 % der Frauen, 37,4 % der Männer), was 24,6 % aller Frauen und 11,1 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

wiederholt schikaniert, gemobbt oder unterdrückt worden zu sein (35,0  % der Frauen, 27,9 % der Männer), was 13,2 % aller Frauen und 9,9 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht worden zu sein (31,7 % der Frauen, 26,1 % der Männer), was 10,4 % aller Frauen und 8,2 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben.

12

20%

39,8% 29,7%

29,6%

0% Psychische Gewalt

Kapitel 3

Sexuelle Belästigung Executive Summary

Körperliche Gewalt

erlebt und als bedrohlich erlebt

erlebt aber nicht als bedrohlich erlebt

nicht zuordenbar

Abbildung ES 31: Als bedrohlich erlebte Handlungen der psychischen Gewalt Abbildung: Zusatzinformation: Psychische Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

amtstichprobe - einzelne Items

Männer Frauen ungen, was nicht gewollt war 14,5% 24,8% absichtlich vor einem zerstört oder Haustiere 6,0% gequält 8,5% amilie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern 9,1% versucht 10,9% enen Willen wiederholt per Telefon, SMS21,2% oder E-Mail kontaktiert 28,7% olgt, bespitzelt oder aufgelauert 6,2% 9,9% olliert 14,3% 16,8% Eifersucht unter Druck gesetzt 17,4% 27,1% risiert 14,1% 24,1% er systematisch bei anderen schlecht gemacht 26,1% 31,7% 5,3% 8,9% n oder Angst gemacht 19,9% 25,1% . B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen 17,9% oder Herkunft.30,0% kaniert, gemobbt oder unterdrückt 27,9% 35,0% e Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, 37,4% abgewertet 51,9% oder gedemütigt idigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien 43,6% 51,8%

51,8% 43,6%

wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien

51,9%

auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt

37,4%

Frauen

30,0%

benachteiligt, z. B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen oder Herkunft.

17,9%

bedroht worden oder Angst gemacht

Keine als bedrohlich 8,9% psychischen erlebte5,3% erpresst Gewaltpsychische verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht erfahrungen gemacht Gewalterfahrungen

erlebt, psychisch terrorisiert aber nicht 14,4 % zuorden5,9 % durch häufige Eifersucht unter Druck gesetzt bar 39,8 %

39,9 %

Männer

35,0% 27,9%

wiederholt schikaniert, gemobbt oder unterdrückt

25,1% 19,9%

31,7% 26,1%

Keine psychischen Gewalterfahrungen

24,1% 14,1% 27,1% erlebt, 17,4%

aber 16,8% nicht 14,3% zu9,9% orden6,2% bar 28,7%

finanziell kontrolliert

wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert gegen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS oder E-Mail kontaktiert

21,6 % 8,4 %

als bedrohlich erlebte psychische Gewalterfahrungen

30,6 %

39,4 %

21,2% 10,9% 9,1%

Kontakt zur Familie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern versucht

psychische Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder Gewalterfahrungen, Haustiere gequält die nicht als bedrohlich zu etwas gezwungen, was nicht gewollt war erlebt wurden

psychische Gewalterfahrungen, die nicht als bedrohlich erlebt wurden

8,5% 6,0% 24,8% 14,5% 0%

20% Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

ohlich erlebt (auf Gesamtstichprobe) Abbildung: Zusatzinformation: Psychische Gewalt (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) Männer

Frauen ungen, was nicht gewollt war 4,6% 10,5% wiederholt beleidigt, eingeschüchtert wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv absichtlich vor einem zerstört oder Haustiere 2,6% gequält 4,7% oder angeschrien aggressiv angeschrien amilie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern 2,6% versucht 4,1% enen Willen wiederholt per Telefon, SMS oder 4,9%E-Mail kontaktiert 10,2% olgt, bespitzelt oder aufgelauert 2,6% 4,1% auf verletzende und Weise ge­mgemacht, acht, aufArt verletzende Art undlächerlich Weise lächerlich olliert 3,3% 4,6% gehänselt, abgewertet gedemütigt gehänselt, abgewertetoder oder gedemütigt Eifersucht unter Druck gesetzt 4,7% 9,8% risiert 7,2% 13,2% er systematisch bei anderen schlecht gemacht 8,2% 10,4% wiederholt schikaniert, gemobbtgemobbt oder unterdrückt wiederholt schikaniert, oder unterdrückt 2,9% 4,1% n oder Angst gemacht 10,5% 13,9% . B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen oder 5,2%Herkunft. 7,5% benachteiligt, z. B. wegenAussehen Alter, benachteiligt, z. B. wegen Alter, Geschlecht, kaniert, gemobbt oder unterdrückt 9,9% 13,2% Geschlecht, oder Aussehen Herkunft.oder Herkunft e Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, 11,1% abgewertet 16,5% oder gedemütigt idigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien 17,8% 24,6%

24,6% 17,8% 16,5% 11,1% 13,2% 9,9% 7,5% 5,2% 13,9% 10,5%

bedroht worden gemacht bedroht oder wordenAngst oder Angst gemacht

4,1% 2,9%

erpresst erpresst verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht gemacht

10,4% 8,2% 13,2% 7,2%

psychisch terrorisiert psychisch terrorisiert

9,8% 4,7%

durch häufigedurch Eifersucht unter Druck gesetzt häufige Eifersucht unter Druck gesetzt finanziell kontrolliert finanziell kontrolliert

4,6% 3,3%

Frauen

wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert

4,1% 2,6%

Männer

gegen den eigenen wiederholt per Telefon, SMS gegenWillen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS oderkontaktiert E-Mail kontaktiert oder E-Mail

10,2% 4,9%

Kontakt zur Familie Freunden untersagt bzw. zuzu Kontaktoder zur Familie oder Freunden untersagt bzw. verhindern versucht verhindern versucht

4,1% 2,6%

Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder HausGegenstände absichtlich vor einem zerstört oder tiere gequält Haustiere gequält

4,7% 2,6% 10,5% 4,6%

zu etwas gezwungen, was nicht war zu etwas gezwungen, was gewollt nicht gewollt war 0%

20% Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

ne Situationen auf Gesamtstichprobe gerechnet. Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011 (Basis: alle Befragten).

Männer

Frauen 0,7% 0,5% 2,3% 4,4% beraubt 4,5% 3,6% , zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 5,3% bedroht3,0% brüht oder mit etwas Heißem verbrannt 1,0% 0,8% kt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht 3,4% 5,4% zusammengeschlagen 8,8% 4,8% f einen eingeschlagen 14,5% 6,7% em Unbringen gedroht 5,7% 6,6%

30,7% 36,9%

absichtlich weggestoßen

31,7% 34,8%

leichte Ohrfeige gebissen oder gekratzt Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen

10,7% 14,9% 15,4%

13

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Davon, im Erwachsenenleben seit dem 16. Lebensjahr zumindest einen körperlichen Übergriff erlebt zu haben, berichten mehr als jede zweite Frau (56,8 %) und fast zwei von drei Männern (61,4  %). Als bedrohlich wurden diese körperlichen Übergriffe von 29,6 % der Frauen bzw. 27,9 % der Männer erlebt. Aufgeschlüsselt nach einzelnen Gewaltformen zeigt sich: n

30,7  % der Frauen und 36,9  % der Männer berichten davon, „absichtlich weggestoßen” worden zu sein, was 12,9 % aller Frauen und 11,8 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

„eine leichte Ohrfeige” bekamen 31,7 % der Frauen und 34,8 % der Männer, was 11,9 % aller Frauen und 8,3 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

ernsthaft bedroht, körperlich angegriffen oder verletzt worden zu sein, ist 16,5 % der Frauen und 21,1 % der Männer widerfahren, was 11,4 % aller Frauen und 10,2 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

„am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht” wurden 5,4 % der Frauen und 3,4 % der Männer, was 2,8 % aller Frauen und 1,7 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

„verprügelt oder zusammengeschlagen” wurden 4,8 % der Frauen und 8,8 % der Männer, was 3,3 % aller Frauen und 5,2 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

„mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder eine Pistole, bedroht” wurden 3,0 % der Frauen und 5,3 % der Männer, was 2,5 % aller Frauen und 3,6 % aller Männer als bedrohlich erlebten.

Männer erleben körperliche Übergriffe primär im öffentlichen Raum (33  %), Frauen hingegen am relativ häufigsten in einer Partnerschaft (29,1  %) oder in der Familie (25,2 %).

14

Executive Summary

Abbildung ES 33: Als bedrohlich erlebte Handlungen der körperlichen Gewalt

e Situationen auf Gesamtstichprobe gerechnet. Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Männer

Frauen 0,7% 0,5% 2,3% 4,4% beraubt 4,5% 3,6% zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 5,3% bedroht3,0% üht oder mit etwas Heißem verbrannt 1,0% 0,8% t, zu erwürgen oder zu ersticken versucht3,4% 5,4% zusammengeschlagen 8,8% 4,8% einen eingeschlagen 14,5% 6,7% m Unbringen gedroht 5,7% 6,6% t wurde, einen körperlich anzugreifen oder 21,1% zu verletzen 16,5% lagen, das verletzen könnte 7,4% 6,3% h einem geworfen wurde, der verletzten 13,5% könnte 12,2% oder mit der flachen Hand geschlagen14,0% 13,8% t oder gestoßen, dass man taumelte oder 13,2% umgefallen 13,0% ist en oder hart angefasst 20,8% 22,1% oder an den Haaren gezogen 13,3% 15,4% ekratzt 14,9% 10,7% 34,8% 31,7% estoßen 36,9% 30,7%

30,7% 36,9%

absichtlich weggestoßen

Frauen

31,7% 34,8%

leichte Ohrfeige gebissen oder gekratzt

10,7% 14,9%

Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen

15,4% 13,3% 22,1% 20,8%

getreten, gestoßen oder hart angefasst

erlebt, weggeschleudert oder gestoßen, dass man taumelte oder umgefallen ist

aber heftig geohrfeigt oder mit der flachen Hand geschlagen als nicht bedrohlich Gegenstand nach einem geworfen wurde, der verletzten zuKeine könnte erlebte ordenkörperlichen mit etwas geschlagen, das verletzen könnte körperliche bar GewaltGewaltwurde, einen körperlich anzugreifen 2,6 % erfahrungen ernsthaft gedroht oder zu verletzen erfahrungen ernsthaft mit dem Unbringen gedroht

43,2 %

29,6 %

erlebt, aber nicht zuordenbar 3,3 %

13,0% 13,2% 13,8% 14,0% 12,2% 13,5% 6,3% 7,4% 16,5% 21,1%

Keine körperlichen Gewalterfahrungen

6,6% 5,7%

4,8% 8,8%

verprügelt oder zusammengeschlagen

24,6 %

am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht

als bedrohlich erlebte körperliche Gewalterfahrungen

27,9 %

38,6 %

6,7% 14,5%

mit Fäusten auf einen eingeschlagen

absichtlich verbrüht oder mit etwas Heißem verbrannt

Männer

30,2 %

5,4% 3,4% 0,8% 1,0%

mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, bedroht

3,0% 5,3%

überfallen oder beraubt

3,6% 4,5%

körperliche 4,4% eingesperrt 2,3% Gewalterfahrungen, 0,5% die nicht als gefesselt 0,7% bedrohlich erlebt 0% 20% wurden Frauen

40%

60%

80%

körperliche Gewalterfahrungen, die nicht als bedrohlich erlebt 100% wurden

Männer

uf Gesamtstichprobe - als bedrohlich erlebt Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) Männer

Frauen

0,3% 0,3% 1,4% 2,6% beraubt 2,7% 1,8% zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 3,6% bedroht2,5% üht oder mit etwas Heißem verbrannt 0,4% 0,5% t, zu erwürgen oder zu ersticken versucht1,7% 2,8% zusammengeschlagen 5,2% 3,3% einen eingeschlagen 8,1% 4,4% m Unbringen gedroht 3,1% 4,8% t wurde, einen körperlich anzugreifen oder 10,2% zu verletzen 11,4% lagen, das verletzen könnte 3,8% 3,7% h einem geworfen wurde, der verletzten 4,8% könnte 5,0% oder mit der flachen Hand geschlagen 5,7% 8,8% t oder gestoßen, dass man taumelte oder 6,5% umgefallen ist 7,8% en oder hart angefasst 9,0% 13,3% oder an den Haaren gezogen 4,2% 7,4% ekratzt 3,5% 3,0% 8,3% 11,9% estoßen 11,8% 12,9%

12,9% 11,8%

absichtlich weggestoßen absichtlich weggestoßen

11,9% 8,3%

leichte Ohrfeige leichte Ohrfeige

3,0% 3,5%

gebissen gekratzt gebissen oder oder gekratzt

7,4% 4,2%

Arm oder umgedreht oder an den Haaren gezogen Arm umgedreht an den Haaren gezogen

13,3% 9,0%

getreten, gestoßen oder angefasst hart angefasst getreten, gestoßen oder hart weggeschleudert oder gestoßen, dassgestoßen, man taumelte weggeschleudert oder oder umgefallen ist dass man taumelte oder umgefallen ist

7,8% 6,5%

heftigHand geohrfeigt heftig geohrfeigt oder mit der flachen geschlagen oder mit der flachen Hand geschlagen Gegenstand nach einemnach geworfen wurde,geworfen, der verletzten Gegenstand wurde einem könnte der verletzten könnte

5,0% 4,8%

mit etwas geschlagen, das verletzen könnte mit etwas geschlagen, das verletzen könnte

3,7% 3,8%

8,8% 5,7%

gedroht wurde, einen körperlich anzugreifen ernsthafternsthaft gedroht, einen körperlich anzugreifen oder zu verletzen oder zu verletzen

11,4% 10,2% 4,8% 3,1%

ernsthaft dem Unbringen gedroht ernsthaft mit dem mit Unbringen bedroht

4,4% 8,1%

mitauf Fäusten auf eingeschlagen einen eingeschlagen mit Fäusten einen

3,3% 5,2%

verprügelt oder zusammengeschlagen verprügelt oder zusammengeschlagen am Hals gepackt, zu oder zu ersticken am Hals gepackt, zuerwürgen erwürgen oder zu versucht ersticken versucht absichtlich verbrüht oder absichtlich verbrüht oder mit etwas Heißem verbrannt mit etwas Heißem verbrannt mit einer Beispiel einem Messer oder einer mit Waffe, einerzum Waffe, zum Beispiel einem Pistole, bedroht Messer oder einer Pistole, bedroht

Männer

0,5% 0,4% 2,5% 3,6%

überfallen beraubt überfallen oder oder beraubt

1,8% 2,7%

eingesperrt eingesperrt

2,6% 1,4%

gefesselt gefesselt

Frauen

2,8% 1,7%

0,3% 0,3% 0%

20%

Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011 (Basis: Alle Befragten).

15

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Drei Viertel der Frauen (74,2 %) und ein Viertel der Männer (27,2 %) wurden im Erwachsenenalter schon einmal sexuell belästigt. Als bedrohlich wurde diese psychische Übergriffsform von 29,7 % der Frauen bzw. 5,6 % der Männer erlebt. Aufgeschlüsselt in die einzelnen Formen zeigt die Studie: n

davon, dass jemand „zu nahe gekommen” ist und dies „als aufdringlich” empfunden wurde, berichten 55,7 % der Frauen und 16,1 % der Männer, was 18,8 % aller Frauen und 3,4 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

davon, dass sie „auf eine Art und Weise angesprochen worden” sind, die als sexuell belästigend empfunden wurde, berichten 44,7 % der Frauen und 7,8 % der Männer, was 13,1 % aller Frauen und 2,3 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

davon, dass „ihnen nachgepfiffen wurde oder sie angestarrt worden” sind, wodurch sie sich sexuell belästigt fühlten, berichten 42,9  % der Frauen und 2,7  % der Männer, was 8,6 % aller Frauen und 0,8 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

von jemandem „berührt oder zu küssen versucht” worden zu sein, obwohl sie es nicht wollten, davon berichten 34,8 % der Frauen und 7,1 % der Männer, was 12,6 % aller Frauen und 1,4 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

„in unpassenden Situationen: z. B. in der Arbeit, in der Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuelle Angebote” erhalten zu haben, davon berichten 23,3 % der Frauen und 4,3 % der Männer, was 6,3 % aller Frauen und 0,8 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

„über Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt oder bedrängt” wurden nach ihren Angaben 20,0 % der Frauen und 3,7 % der Männer, was 7,4 % aller Frauen und 1,0 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben.

Die sexuelle Belästigung ist jene Gewaltform, die am häufigsten an öffentlichen Orten erfahren wird (Frauen: 51,3 %, Männer: 12,5 %).

16

0,3% 0,3%

gefesselt

0%

20%

40%

Frauen

Gesamtstrichprobe

60%

80%

Männer

100%

Executive Summary

Abbildung: Zusatzinformation: Sexuelle Belästigung (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Abbildung ES 35: Diese Handlungen der sexuellen44,7% Belästigung wurden als 7,8% bedrohlich erlebt

Männer Frauen auf eine Art und Weise gesprochen wurde, die als zwar … 0,7% 2,2% en dadurch sexuell 1,9% belästigt 11,8% sexuell belästigend empfunden wurde ass es nachteilig für 0,4% die Zukunft 3,8% oder das berufliches Fortkommen wäre, wenn man sich nicht sexuell einläst Bildern oder Nacktbilder 1,8% belästigt 6,9% nachgepfiffen oder angestarrt und dadurch sexuell ungewollt verfolgt 2,2% 11,7% belästigt gefühlt hl nicht gewollt 7,1% 34,8% belästigt oder bedrängt 3,7% 20,0% in unpassenden Situationen, z. B. in der Arbeit, es als aufdringlich 16,1% empfunden55,7% wurde r Arbeit, Ausbildung 4,3% oder im Studium, 23,3% belästigende sexuelle Angebote gemacht Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuelle urch sexuell belästigt 2,7%gefühlt 42,9% Angebote gemacht de, die als sexuell 7,8% belästigend44,7% empfunden wurde

42,9% 2,7% 23,3%

Frauen

55,7%

jemand zu nahe gekommen ist, sodass es als aufdringlich empfunden wurde

16,1%

erlebt, über Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt oder aberbedrängt

20,0% 3,7%

nicht zu- versucht, obwohl nicht gewollt Keine berührt oder zu küssen als bedrohlich ordenErfahrungen mit sexuellen Absichtenerlebte ungewollt bar sexueller von jemandem verfolgt Erfahrungen 1,5 % Belästigung sexueller durch das Zeigen von pornografischen Bildern oder Belästigung

7,1% 11,7% 2,2%

erlebt, aber nicht 34,8% zuordenbar 3,0 %

als bedrohlich erlebte Erfahrungen sexueller Belästigung Erfahrungen sexueller 5,6 % Belästigung, die nicht als 18,6 % bedrohlich erlebt wurden 72,8 %

6,9% 1,8%

Nacktbilder belästigt

25,8 % 29,7 % einem zu verstehen gegeben wurde, dass es

3,8% 0,4%

nachteilig für die Zukunft oder das berufliches Fortkommen wäre, wenn man sich nicht sexuell einläst vor einem sich jemand entblößt und einen dadurch 43,0 % sexuell belästigt

11,8% 1,9% 2,2% 0,7%

in andere Weise sexuell belästigt, und zwar …

Erfahrungen sexueller Belästigung, die nicht als bedrohlich erlebt wurden

Männer

4,3%

0%

20%

Frauen

60% 80% Keine Erfahrungen Männer sexueller Belästigung 40%

100%

s wurde als bedrohlich erlebt

Männer Frauen zwar … 0,2% 0,6% en dadurch sexuell 0,8% belästigt 4,4% ass es nachteilig für 0,3% die Zukunft 2,2% oder das berufliches Abbildung: FortkommenZusatzinformation: wäre, wenn man sichSexuelle nicht sexuell Belästigung einläst (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) Bildern oder Nacktbilder 0,6% belästigt 1,8% ungewollt verfolgt 1,0% 5,0% hl nicht gewollt 1,4% 12,6% 13,1% und Weise gesprochen wurde,die dieals als auf eineauf Arteine undArt Weise angesprochen worden, belästigt oder bedrängt 1,0% 7,4% sexuell belästigend empfunden wurde sexuell belästigend empfunden wurde 2,3% es als aufdringlich 3,4% empfunden18,8% wurde r Arbeit, Ausbildung 0,8% oder im Studium, 6,3% belästigende sexuelle Angebote gemacht urch sexuell belästigt 0,8%gefühlt 8,6% 8,6% nachgepfiffen und dadurch sexuell durch Nachpfeifenoder undangestarrt Anstarren sexuell belästigt de, die als sexuell 2,3% belästigend13,1% empfunden wurde

belästigt gefühlt

gefühlt

in unpassenden Situationen,z. B. z. B. in in der der Arbeit, in unpassenden Situationen, Arbeit, Ausbildung oderoder im Studium, belästigende Ausbildung im Studium, belästigendesexuelle sexuelle Angebote erhalten Angebote gemacht

0,8%

6,3% 0,8%

jemand zu jemand nahe gekommen ist, gekommen, sodass es als ist zu nahe sodass es aufdringlich als aufdringlich empfunden empfunden wurde wurde

18,8% 3,4%

Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigtoder oder überüber Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt bedrängt bedrängt

7,4% 1,0% 12,6%

berührt oderoder zu küssen versucht, obwohl nicht berührt zu küssen versucht, obwohl nichtgewollt gewollt

1,4%

von jemandem sexuellen Absichten ungewollt von jemandem mit mit sexuellen Absichten ungewollt verfolgt verfolgt

5,0% 1,0%

durch Zeigen pornografischen Bildernoder oder durch das das Zeigen vonvon pornografischen Bildern belästigt Nacktbilder Nacktbildern belästigt

1,8% 0,6%

zu verstehen gegeben dass für es es wurde zu einem verstehen gegeben, dass eswurde, nach­teilig nachteilig für berufliches die Zukunft oder berufliches die Zukunft oder das Fort­kdas ommen wäre, wenn man sich nicht sexuell einlässt Fortkommen wäre, wenn man sich nicht sexuell

2,2% 0,3%

einläst

vorsich einem sich jemand entblößt und einen sexuell dadurch jemand hat entblößt und andere/n dadurch belästigt sexuell belästigt anderer Weise sexuellund belästigt, in andereinWeise sexuell belästigt, zwar … und zwar …

Frauen Männer

4,4% 0,8% 0,6% 0,2% 0%

20%

Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011 (Basis: alle Befragten).

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Über sexuelle Gewalt berichten 29,5 % der Frauen und 8,8 % der Männer. Die Bedrohlichkeit des Übergriffs wurde in der Studie nicht zusätzlich abgefragt. Im Detail widerfuhr es n

25,7 % der Frauen und 8,0 % der Männer, dass sie von jemandem „intim berührt oder gestreichelt” wurden, obwohl sie sagten oder zeigten, dass sie das nicht wollten;

n

13,5 % der Frauen und 8,0 % der Männer, von jemandem „zu sexuellen Handlungen genötigt” worden zu sein, die sie nicht wollten;

n

8,9 % der Frauen und 2,0 % der Männer, dass jemand versuchte, „gegen meinen Willen in meinen Körper einzudringen oder mich zum Geschlechtsverkehr zu nötigen. Es kam aber nicht dazu”.

n

7,0 % der Frauen und 1,3 % der Männer, dass jemand „gegen meinen Willen mit einem Penis oder etwas anderem in meinen Körper eingedrungen ist”.

18

Executive Summary

Abbildung ES 38: Sexuelle Gewalt (erlebt) – Gesamtübersicht

Männer

1.) 8,0 % 2.) 3,5  % 3.) 2 ,0 % 4. )1 ,3  %

Frauen

1.) 25,7 %

Gewalterfahrungen in Summe 29,5 %

Gewalterfahrungen in Summe 8,8 %

2.) 13,5 %

3.) 8,9 % 4.) 7,0 %

Keine Gewalterfahrungen 70,5 %

Keine Gewalterfahrungen 91,2 %

1.) Jemand hat mich intim berührt oder gestreichelt, obwohl ich gesagt oder gezeigt habe, dass ich dies nicht möchte. 2.) Jemand hat mich zu sexuellen Handlungen genötigt, die ich nicht wollte. 3.) Jemand hat versucht, gegen meinen Willen in meinen Körper einzudringen oder mich zum Geschlechts­verkehr zu nötigen. Es kam aber nicht dazu. 4.) Jemand ist gegen meinen Willen mit einem Penis oder etwas anderem in meinen Körper eingedrungen.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

19

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

In absoluten Zahlen berichteten von insgesamt 2 334 Befragten (davon 1 292 Frauen und 1 042 Männer) 91 (N) Frauen (7 %) und 14 (N) Männer (1,3 %) von der schweren sexuellen Gewalterfahrung, dass gegen ihren Willen mit einem Penis oder etwas anderem in ihren Körper eingedrungen wurde. Sexuelle Gewalt erleben die in der vorliegenden Studie befragten Frauen gleich häufig in der Partnerschaft (10,7 %), an öffentlichen Orten (10,1 %) oder im Freundes- bzw. Bekanntenkreis (10,1 %). Wenn Männer sexuelle Gewalt erleben, dann geschieht dies primär im Freundes- und Bekanntenkreis (3,8 %), an öffentlichen Orten (3,2 %) oder in der Arbeit bzw. am Ausbildungsplatz (2,4 %). Achtundfünfzig Frauen und sieben Männer schilderten zumindest eine körperliche Verletzung als Folge der ihnen widerfahrenen sexuellen Gewaltakte. Eine Anzeige bei der Polizei erstatteten acht Frauen, hingegen kein Mann. Gewalt wird primär in der Kombination von unterschiedlichen Gewaltformen erlebt. Frauen weisen deutlich höhere Prävalenzen auf als Männer, wenn es um die Kombination von unterschiedlichen Gewaltformen geht. So schildert z. B. jede vierte Frau, Gewalterfahrungen in allen vier Gewaltformen gemacht zu haben, im Vergleich zu jedem zwanzigsten Mann.

20

In europäischen Studien finden sich unterschiedliche Zeiträume zur Erhebung von Inzidenzen – einige Studien beschränken sich auf das letzte Jahr, andere auf die letzten drei oder fünf Jahre (vgl. im Überblick Martinez/Schröttle et alExecutive 2005 undSummary 2007). Für die vorliegende Erhebung wurde die Entscheidung aus methodischen Überlegungen getroffen: Es bestand die Befürchtung, dass bei gewissen Gewaltformen, wie z.B. der sexuellen Übergriffe innerhalb letztenzu drei Jahre Gewalt, zu kurzeder Zeiträume wenig Inzidenzen liefern würden und somit die Gewinnung von Informationen in Frage Das dritte Segment der Studiestand. erhob die Gewalterfahrungen der Befragten zwischen 2007 und 2010. Dabei zeigt sich, dass das heutige Gewaltniveau, dem Frauen Ein Überblick über die Gewalterfahrungen der letzten drei Jahre zeigt deutlich, dass Frauen und Männer ausgesetzt sind, gegenüber den Prävalenzen über den gesamten bisherigen in allen Gewaltformen über mehr Erfahrungen in den letzten drei Jahren berichten. Lediglich Lebenszyklus sehr deutlich abgefallen ist. Die Werte für die vergangenen drei Jahre liein Bezug auf körperliche Übergriffe haben Frauen und Männer fast gleich häufig Erfahrungen gen in der Regel sogar unter den „als bedrohlich” empfundenen Wahrnehmungen in den letzten drei Jahren gemacht. Auch hier zeigen sich besonders deutliche Unterschiede von Übergriffen bisherigen Lebenszyklus. in Bezug im aufgesamten die sexualisierte Gewalt, die Frauen deutlich häufiger als Männer erleben. So

berichtet nahezu jede dritte Frau (30,5%) von sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren, gegenüber 6,2% der Männer. Auch hat nahezu jede zehnte Frau (8,5%) in den Abbildung ES 46: Prävalenz der Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren letzten drei Jahren sexuelle Gewalt erlebt, gegenüber 2,1% der Männer. Abbildung 46: Prävalenz der Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

Frauen Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.alle Basis: alle Befragten.

109

21

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

So berichten heute 40,8 % der Frauen und 31,8 % der Männer von innerhalb der letzten drei Jahre gegen sie gerichteten psychischen Gewaltübergriffen. Ihre konkreten Erfahrungen in den vergangenen drei Jahren sind: n

wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien worden zu sein, was 17,3 % aller Frauen (gegenüber 51,8 % im gesamten bisherigen Lebenszyklus bzw. 24,6 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 11,4 % aller Männer (gegenüber 43,8  % im gesamten Lebenszyklus bzw. 17,8  %, die das als bedrohlich erlebt haben) angeben;

n

auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt worden zu sein, worüber 18,7 % aller Frauen (gegenüber 51,9 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 16,5  %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 9,9 % aller Männer (gegenüber 37,4 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 11,1 %, die das als bedrohlich erlebt haben) berichten;

n

wiederholt schikaniert, gemobbt oder unterdrückt worden zu sein, was für 11,0 % aller Frauen (gegenüber 35,0 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 13,2 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 7,2 % aller Männer (gegenüber 27,9 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 9,9 %, die das als bedrohlich erlebt haben) gilt;

n

verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht worden zu sein, was 11,8 % aller Frauen (gegenüber 31,7 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 10,4  %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 9,3  % aller Männer (gegenüber 26,1 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 8,2 %, die das als bedrohlich erlebt haben) zu Protokoll geben.

22

Executive Summary

Abbildung ES 47: Psychische Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen

Männer

psychische Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

psychische Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

40,8 % 59,2 %

Keine psychischen Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

31,8 % 68,2 %

Keine psychischen Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

Abbildung 47: Psychische Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

23

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Davon, innerhalb der letzten drei Jahre zumindest einen körperlichen Übergriff erlebt zu haben, berichten 15,4 % der Frauen (gegenüber 56,8 % im Vergleich zu den entsprechenden Gewalterfahrungen über den gesamten Lebenszyklus) und 15,1 % der Männer (gegenüber 61,4  % der Männer). Aufgeschlüsselt nach den körperlichen Gewaltformen widerfuhr es innerhalb der letzten drei Jahre n

8,9 % aller Frauen, „absichtlich weggestoßen” worden zu sein (gegenüber 30,7 % für den gesamten Lebenszyklus und 12,9 %, die das als bedrohlich erlebt haben), im Vergleich zu 8,5 % aller Männer (gegenüber 36,9 % für den gesamten Lebenszyklus und 11,8 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

„eine leichte Ohrfeige” bekamen 5,1 % aller Frauen (gegenüber 31,7 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 11,9 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 6,4 % aller Männer (gegenüber 34,8 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 8,3 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

ernsthaft bedroht, körperlich angegriffen oder verletzt zu werden, erlebten 3,6 % aller Frauen (gegenüber 16,5 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 11,4 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 4,6 % aller Männer (gegenüber 21,1 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 10,2 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

„am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht” wurden 0,5 % aller Frauen (gegenüber 5,4 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 2,8 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 0,8 % aller Männer (gegenüber 3,4 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 1,7 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

„verprügelt oder zusammengeschlagen” wurden 0,5 % aller Frauen (gegenüber 4,8 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 3,3 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 1,7  % aller Männer (gegenüber 8,8  % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 5,2 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

„mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder eine Pistole, bedroht” wurden in den vergangenen Jahren schließlich 0,3  % aller Frauen (gegenüber 3,0  % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 2,5 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 1,1 % aller Männer (gegenüber 5,3 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 3,6 %, die das als bedrohlich erlebt haben).

24

Executive Summary

Abbildung ES 48: Körperliche Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen

Männer

körperliche Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

körperliche Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

15,4 % 84,6 %

Keine körperlichen Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

15,1 % 84,9 %

Keine körperlichen Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

Abbildung 48: Körperliche Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten. Quelle:

25

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Mit sexueller Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre waren 30,5 % aller Frauen und 6,2  % aller Männer konfrontiert. Im Gesamtzyklus betrachtet waren drei Viertel der Frauen (74,2 %) und ein Viertel der Männer (27,2 %) schon einmal sexuell belästigt worden. Als bedrohlich wurden diese psychischen Übergriffe von 29,7 % der Frauen bzw. 5,6 % der Männer erlebt. Aufgeschlüsselt nach Gewaltformen zeigt sich folgendes Bild: n

davon, dass jemand „zu nahe gekommen” ist, und dies „als aufdringlich” empfunden wurde, berichten für die vergangenen drei Jahre 19,3 % aller Frauen (gegenüber 55,7  % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 18,8  %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 3,6 % aller Männer (gegenüber 16,1 % der Männer für den gesamten Lebenszyklus bzw. 3,4 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

davon, dass sie „auf eine Art und Weise angesprochen” worden sind, die als sexuell belästigend empfunden wurde, berichten 15 % aller Frauen (gegenüber 44,7 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 13,1 %, die das als bedrohlich empfunden haben) und 1,2  % aller Männer (gegenüber 7,8  % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 2,3 %, die das als bedrohlich empfunden haben);

n

davon, dass ihnen nachgepfiffen wurde oder sie angestarrt worden sind, wodurch sie sich sexuell belästigt fühlten, berichten 16,7 % aller Frauen (gegenüber 42,9 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 8,6  %, die das als bedrohlich empfunden haben) und 1,2 % aller Männer (gegenüber 2,7 % für den gesamten Lebenszyklus und 0,8 %, die das als bedrohlich empfunden haben);

n

von jemandem „berührt oder zu küssen versucht” worden zu sein, obwohl sie es nicht wollten, davon berichten 9,4 % aller Frauen (gegenüber 34,8 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 12,6 %, die das als bedrohlich empfunden haben) und 1,8 % aller Männer (gegenüber 7,1 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 1,4 %, die das als bedrohlich empfunden haben);

n

„in unpassenden Situationen: z. B. in der Arbeit, in der Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuelle Angebote” erhalten zu haben, davon berichten 5,9 % aller Frauen (gegenüber 23,3 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 6,3 %, die das als bedrohlich empfunden haben) und 0,7 % aller Männer (gegenüber 4,3 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 0,8 %, die das als bedrohlich empfunden haben);

n

„über Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt oder bedrängt” wurden nach ihren Angaben 5,7 % aller Frauen (gegenüber 20,0 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 7,4 %, die das als bedrohlich empfanden) und 0,8 % aller Männer (gegenüber 3,7 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 1,0 %, die das als bedrohlich empfanden).

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Executive Summary

Abbildung ES 49: Sexuelle Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen

Männer

Erfahrungen sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren

Erfahrungen sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren

6,2 %

30,5 % 69,5 %

Keine Erfahrungen sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren

93,8 %

Keine Erfahrungen sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren

Abbildung 49: Sexuelle Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Über sexuelle Gewalt in den vergangenen drei Jahren berichten rund 8,5 % der Frauen (gegenüber 29,5 % für den gesamten Lebenszyklus) und 2,1 % der Männer (gegenüber 8,8 % für den gesamten Lebenszyklus). Aufgeschlüsselt nach einzelnen sexuellen Gewaltformen widerfuhr es n

9,2 % aller Frauen (gegenüber 31,4 % im gesamten Lebenszyklus) und 1,9 % aller Männer (gegenüber 9,9 % im gesamten Lebenszyklus), dass sie von jemandem „intim berührt oder gestreichelt” wurden, obwohl sie sagten oder zeigten, dass sie das nicht wollten;

n

2,9 % aller Frauen (gegenüber 17,1 % im gesamten Lebenszyklus) und 0,7 % aller Männer (gegenüber 4,3 % im gesamten Lebenszyklus), von jemandem „zu sexuellen Handlungen genötigt” worden zu sein, die sie nicht wollten;

n

1,3 % aller Frauen (gegenüber 11,4 % im gesamten Lebenszyklus) und 0,2 % aller Männer (gegenüber 1,7  % im gesamten Lebenszyklus), dass jemand versucht hat, „gegen meinen Willen in meinen Körper einzudringen oder mich zum Geschlechtsverkehr zu nötigen. Es kam aber nicht dazu.”

n

0,8 % aller Frauen (gegenüber 9,1 % im gesamten Lebenszyklus) und 0,2 % aller Männer (gegenüber 1,2 % im gesamten Lebenszyklus), dass jemand „gegen meinen Willen mit einem Penis oder etwas anderem in meinen Körper eingedrungen ist”.

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Executive Summary

Abbildung ES 50: Sexuelle Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen

Männer

Erfahrungen sexueller Gewalt in den letzten drei Jahren

Erfahrungen sexueller Gewalt in den letzten drei Jahren

2,1 %

8,5 % 91,5 %

Keine Erfahrungen sexueller Gewalt in den letzten drei Jahren

97,9 %

Erfahrungen sexueller Gewalt in den letzten drei Jahren

Abbildung 50: Sexuelle Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Bei einer Betrachtung der Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre, sortiert nach bis zum 40. Lebensjahr besonders häufig von Gewalt betroffen sind. Bei beiden Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher linearer Abfall der Gewalterfahrungen mit zunehmendem Lebensalter, und zwar in fast allen Items der einzelnen Gewaltformen. Nicht ganz so deutlich ist dieser Zusammenhang bei Frauen im Bereich der sexuellen Gewalt ausgeprägt.

Altersgruppen, zeigt sich, und Männer Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. dass Basis:Frauen alle Befragten.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Übergriffe im Geschlechtervergleich Es gibt klare geschlechtsspezifische Unterschiede im Gewalterleben von Frauen und Männern. Einerseits erfahren Frauen deutlich häufiger Gewalt als Männer – und zwar in allen Formen. Die einzige Ausnahme stellt die körperliche Gewalt dar, in der Männer etwas häufiger Übergriffe schildern. Andererseits erleben Frauen nicht nur häufiger Gewalt in den verschiedenen Formen, sondern auch eine stärkere Viktimisierung sowie eine Kombination von Übergriffen aus verschiedenen Gewaltformen. So berichtet jede vierte Frau von Gewalterfahrungen in allen vier abgefragten Gewaltformen im Erwachsenenalter, im Vergleich zu jedem zwanzigsten Mann. Auch in Bezug auf den Schweregrad der Viktimisierung zeigt sich, dass Frauen eine stärkere Viktimisierung aufweisen als Männer. So erleben z. B. 7,3 % der Frauen zumindest in drei Gewaltformen (von vier) sehr schwere Gewalt, gegenüber 1,1 % der Männer. Geschlechterunterschiede zeigen sich auch in Bezug auf die Lebensbereiche, in denen es zu Übergriffen kommt: Männer erfahren z. B. körperliche Gewalt primär an öffentlichen Orten, Frauen (ebenso wie sexuelle Gewalt) dagegen in der eigenen Wohnung oder in der Wohnung anderer, wobei die Täter/innen dem sozialen Nahraum zuzuordnen sind (Familie und Partnerschaft). Einheitlich schildern Frauen wie Männer die Ausbildungsbzw. Arbeitsstelle als primären Lebensbereich für psychische Gewalterfahrungen.

Dr. Ewald FILLER Kinder- und Jugendanwalt des Bundes Mag. Andreas KRATSCHMAR Redaktionskonsulent

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