Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld

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Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Impressum Herausgeber: Österreic...

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Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Impressum Herausgeber: Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien Grillparzerstraße 7/9, A-1010 Wien Lektorat:

Mag. Dr. Eva DRECHSLER

Layout:

Mag. Hannes RINNERHOFER

Druck:

Wograndl Druck GmbH

Wien 2011

Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Österreichisches Institut für Familienforschung (ÖIF) Olaf Kapella Andreas Baierl Christiane Rille-Pfeiffer Christine Geserick Eva-Maria Schmidt In Kooperation mit Monika Schröttle (Konsulentin), Universität Bielefeld

Wien 2011

Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend über die Familie & Beruf Management GmbH. Die Verantwortlichkeit für den Inhalt liegt ausschließlich bei den Autorinnen und Autoren.

Österreichisches Institut für Familienforschung an der Universität Wien A-1010 Wien | Grillparzerstraße 7/9 T +43-1-4277-489 01 | F +43-1-4277-9 489 | [email protected] | www.oif.ac.at

Inhalt

Inhaltsverzeichnis

Executive Summary ......................................................................................... Erstellt von Dr. Ewald Filler und Mag. Andreas Kratschmar

7

1

Theoretische und methodische Grundlagen ................................................. 1.1 Gewalt und Gewaltforschung ................................................................... 1.2 Forschungsfragestellung ......................................................................... 1.3 Studiendesign und Methodik . ..................................................................

31 32 39 43



1.4 Stichprobenbeschreibung ........................................................................ 49

2

Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich . .............................................................................................. 2.1 Was drückt die Prävalenz aus? – Methodische Vorbemerkungen ................... 2.2 Die Gewaltformen im Überblick ................................................................ 2.3 Zusammenfassung: Gewaltprävalenz in Österreich .....................................

53 53 58 80

3 Erfahrene Gewalthandlungen im Detail ....................................................... 82 3.1 Psychische Gewalt ................................................................................. 82 3.1.1 Erfahrene psychische Gewalthandlungen ........................................... 82 3.1.2 Individuelle Situationsschilderungen psychischer Gewaltsituationen ...... 86 3.2 Körperliche Gewalt ................................................................................. 90 3.2.1 Erlebte körperliche Gewalthandlungen .............................................. 90 3.2.2 Individuelle Situationsschilderungen körperlicher Gewaltsituationen ...... 94 3.3 Sexuelle Belästigung .............................................................................. 96 3.3.1 Erlebte sexuelle Belästigungen . ....................................................... 96 3.3.2 Übergang von sexueller Belästigung zu körperlicher oder sexueller Gewalt. 99 3.3.3 Individuelle Situationsschilderungen sexueller Belästigung . ................. 100 3.4 Sexuelle Gewalt . ...................................................................................105 3.5 Zusammenfassung: Erfahrene Gewalthandlungen im Detail ......................... 113 4 Schweregrade der erfahrenen Gewalt .........................................................116 4.1 Methodische Vorbemerkung: Bildung der Indikatoren zur Schwere der erfahrenen Gewalt ............................................................................116 4.1.1 Bildung des Schweregrades der Viktimisierung ................................... 117 4.1.2 Bildung des Schweregrad-Scores . ....................................................120 4.2 Schweregrad der Viktimisierung . .............................................................121 4.3 Schweregrad-Score – Gewaltbelastungen im Erwachsenen-Leben ................. 126 4.4 Zusammenfassung: Schweregrad der erfahrenen Gewalt . ........................... 128

3

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

5 Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre . ........130 5.1 Gewalthandlungen innerhalb der letzten drei Jahre nach Gewaltform ............ 131 5.2 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre .............................................. 136 5.2.1 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei psychischer Gewalt ...... 136 5.2.2 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei körperlicher Gewalt . .... 138 5.2.3 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei sexueller Belästigung ... 141 5.2.4 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei sexueller Gewalt ......... 143 5.3 Zusammenfassung: Gewalt innerhalb der letzten drei Jahre . ...................... 146 6

Folgen der Gewalthandlungen .....................................................................148 6.1 Psychische Folgen nach Gewaltform .........................................................150 6.2 Körperliche Folgen nach Gewaltform .........................................................155 6.3 Längerfristige psychosoziale Folgen nach Gewaltform ................................. 161 6.4 Zusammenfassung: Folgen der erfahrenen Gewalthandlungen ..................... 165

7 Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen ..............................166 7.1 Einstellung zu Gewalt und Einschätzung der eigenen Gewaltbereitschaft ........ 166 7.1.1 Einstellung zu Gewalthandlungen .....................................................166 7.1.2 Eigene Gewaltbereitschaft ...............................................................171 7.1.3 Zusammenhang zwischen Einstellung und Gewaltbereitschaft .............. 175 7.2 Täterschaft und Geschlecht .....................................................................178 7.3 Beeinflussung der beteiligten Personen .....................................................186 7.3.1 Beeinflussung des Täters/der Täterin ................................................ 186 7.3.2 Beeinflussung der eigenen Person .................................................... 191 7.3.3 Individuelle Situationsschilderungen zu den Streitsituationen und psychischen Ausnahmezuständen . ............................................. 192 7.3.3.1 Worum ging es beim Streit? .....................................................193 7.3.3.2 Was ist ein „psychischer Ausnahmezustand”? . ............................ 195 7.4 Zusammenfassung: Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen sowie eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen ........................................... 198 8

Reaktionen auf Gewalthandlungen ..............................................................201 8.1 Eigenes Verhalten bzw. eigene Reaktion . .................................................. 201 8.2 Inanspruchnahme von Hilfsangeboten ......................................................204 8.3 Zusammenfassung: Reaktionen auf Gewalthandlungen ............................... 210

9

Gewalt in der Kindheit .................................................................................212 9.1 Erlebte psychische Gewalt in der Kindheit ................................................. 215 9.2 Erlebte körperliche Gewalt in der Kindheit ................................................. 218 9.3 Erlebte sexuelle Gewalt in der Kindheit .....................................................222 9.4 In Anspruch genommene Hilfsangebote .................................................... 226 9.5 Zusammenfassung: Gewalt in der Kindheit ................................................ 230

4

Inhalt

10 Lebensbedingungen ................................................................................232 10.1 Gelebte und erlebte Partnerschaft ............................................................232 10.1.1 Partnerschaftsstatus und familiale Situation ....................................... 232 10.1.2 Erleben der derzeitigen Partnerschaft . .............................................. 235 10.1.2.1 Attribuierte Eigenschaften des Partners/der Partnerin ................. 235 10.1.2.2 Unterstützung oder Kontrolle? Respekt oder Bedrohung? ............ 237 10.1.2.3 Angstgefühle gegenüber dem Partner/der Partnerin ................... 240 10.1.2.4 Index zum partnerschaftlichen Einfluss . ................................... 242 10.2 Gesundheitszustand ...............................................................................246 10.3 Gewalterfahrungen (Schweregrad-Score) nach Lebensbedingungen .............. 260 10.4 Zusammenfassung: Lebensbedingungen ................................................... 268 11 Eigene Täterschaft . .................................................................................270 11.1 Prävalenz der Täterschaft – die Gewaltformen im Überblick ......................... 271 11.2 Psychische Gewalt – Täterschaft ..............................................................275 11.3 Körperliche Gewalt – Täterschaft . ............................................................277 11.4 Häufigkeit von psychischen und körperlichen Übergriffen . ........................... 280 11.5 Sexuelle Belästigung – Täterschaft ...........................................................282 11.6 Sexuelle Gewalt – Täterschaft .................................................................283 11.7 Zusammenfassung – eigene Täterschaft ................................................... 285 12 Vergleich der Ergebnisse nach Erhebungsmethoden . ..............................286 12.1 Zusammenfassung: Methodeneffekte .......................................................293

Erstellt von Olaf Kapella, Andreas Baierl, Christiane Rille-Pfeiffer, Christine Geserick, Eva-Maria Schmidt – Österreichisches Institut für Familienforschung In Kooperation mit Monika Schröttle (Konsulentin), Universität Bielefeld

13

Literaturverzeichnis ................................................................................294

14

Verzeichnis der Autorinnen und Autoren .................................................297

15

Abbildungsverzeichnis .............................................................................298

16

Tabellenverzeichnis .................................................................................302

5

Executive Summary

Executive Summary

Die Studie „Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Umfeld” stellt eine großangelegte Forschungsarbeit zu dieser Thematik in Österreich dar. Sie bringt Licht in das Dunkelfeld erfahrener und ausgeübter Übergriffe und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Versachlichung der Gewaltforschung sowie zur Objektivierung der öffentlichen Diskussion.

Innovative Methodik Unter Berücksichtigung der Erfahrungen, die aus bisher durchgeführten, internationalen Gewaltstudien gewonnen werden konnten, geht die vorliegende Studie in methodischer Hinsicht einen neuen Weg in der Erforschung des Tabuthemas Gewalt. Der Aufbau der Studie als geschlechtervergleichende Prävalenzstudie macht es möglich, ein differenziertes Instrumentarium zu nützen, das die unterschiedlichen Gewalterfahrungen von Frauen und Männern – und zusätzlich die eigene Täterschaft – erhebt und abbildet. Im Rahmen der Studie konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, mit ein und demselben Instrument die Gewalterfahrungen sowohl von Frauen als auch von Männern zu erfassen, wie dies auch in vielen anderen sensiblen Bereichen der Sozialforschung der Fall ist. Methodisch erfolgreich war auch die Aufdeckung eines zum Teil deutlich größeren Bereichs des Dunkelfeldes von Gewalterfahrungen durch eine Online-Erhebung. Die Teilung der Stichprobe in eine Face-to-Face-Befragung und in eine Online-Befragung stellt in der europäischen Gewaltforschung bislang ein Novum dar. Es zeigt sich mit Blick auf die gewählten Methoden zudem, dass Interviewerinnen ein etwas größeres Dunkelfeld aufzudecken vermögen als ihre männlichen Kollegen. Die Studie ermöglichte eine hohe Aufdeckung an berichteten Übergriffserfahrungen von Frauen und Männern in Österreich. Diese wurden in den drei Segmenten der Studie für n

die Kindheit bis zum 16. Lebensjahr (Kindheitsgewalterfahrungen),

n

den Lebensabschnitt seit dem 16. Lebensjahr und

n

die letzten drei Jahre erfragt.

Sehr wesentlich für die Bewertung einer Handlung als Gewalthandlung ist, ob diese Handlung als bedrohlich oder Angst machend erlebt wurde. Die Berücksichtigung dieser Dimension ermöglicht eine Konkretisierung dessen, was jeweils an Gewalt erlebt wurde. Es wurde zudem nach der Schwere und den Folgen von Übergriffen gefragt, da es laut Wissenschaft auch Gewalthandlungen gibt, die nicht als bedrohlich erlebt werden.

7

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Ergebnisse und Entwicklungen Übergriffe in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sind ein gesellschaftliches Phänomen, von dem nahezu alle Studienteilnehmer/innen berichten. Nur eine kleine Gruppe der befragten Frauen (7,4 %) und Männer (14,7 %) hat noch nie derartige Erfahrungen gemacht. Allerdings ist dazu anzumerken, dass schon kränkende Demütigungen, Einschüchterungen oder Eifersuchtsszenen als „Übergriffe” gezählt werden. Der Vergleich der unterschiedlichen Zeitebenen zeigt unterschiedliche Entwicklungen auf: Dem durch die Dunkelfeldforschung möglich gewordenen Nachweis des Umfangs und der Dimensionen erlebter Gewalt steht eine erhebliche Abnahme von Gewalterfahrungen in jüngster Vergangenheit und in der Kindheit junger Erwachsener gegenüber.

Übergriffe in der Kindheit Die systematische wissenschaftliche Untersuchung von Gewalterfahrungen in der Kindheit ist für die Aufarbeitung der in vielen Bereichen gewaltbelasteten Vergangenheit unserer Gesellschaft ein unverzichtbarer Beitrag. Das getrennte Abfragen von Gewalterfahrungen im Erwachsenenalter und in der Kindheit macht es möglich, eine Verbindung zwischen diesen beiden biografischen Lebensphasen herzustellen. Im ersten Segment der Studie wurden die Gewalterfahrungen der heutigen Erwachsenengeneration (zwischen 16 und 60 Jahren) – also die den Befragten erinnerlichen Ereignisse im Zeitraum von 1950 bis 2010 – erhoben. Die zentralen Ergebnisse der Studie dokumentieren erlebte Gewalterfahrungen in der Kindheit und einen deutlichen Rückgang von Gewalt gegenüber Kindern in den vergangenen Jahrzehnten. In ihrer Kindheit – also bis zum Alter von 16 Jahren – haben etwa drei Viertel der befragten Personen psychische und/oder körperliche Gewalterfahrungen gemacht. Dabei zeigen sich kaum Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Frauen waren in ihrer Kindheit zu 74,8  % von psychischer und zu 72,6  % von körperlicher Gewalt betroffen. Auch hier ist anzumerken, dass beispielsweise die Bestrafung eines Kindes mit vorübergehendem Liebesentzug, das Beschimpftwerden oder auch der seelische Missbrauch von Kindern als Partnerersatz unter die Kategorie der psychischen Gewalterfahrungen fallen. Von den befragten Männern haben 72,8 % psychische und 73,7 % körperliche Übergriffe in ihrer Kindheit erlebt. Bei der sexuellen Gewalt existieren klare geschlechterspezifische Unterschiede: Mit 27,7  % Nennungen waren mehr als doppelt so viele Frauen in ihrer Kindheit sexuellen Übergriffen ausgesetzt wie Männer (12 %).

8

als Kind mit Liebesentzug bestraft. In der Kindheit als Partnerersatz missbraucht worden zu sein, gaben 12,3% der Frauen und 6% der Männer an. Executive Summary Durchgehend – d.h. über alle Einzelhandlungen hinweg – berichten Frauen häufiger als Männer, in ihrer Kindheit Opfer von psychischer Gewalt geworden zu sein. Der Anteil der Frauen liegt dabei meist in etwa doppelt so hoch als jener der Männer.

Abbildung ES 119: In der Kindheit erlebte psychische Gewalthandlungen Abbildung 119: In der Kindheit erlebte psychische Gewalthandlungen

Dies betrifft nicht nur leichte körperliche Übergriffe, sondern auch schwere körperliche Gewalt und eingesperrt 2011. worden zualle sein. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Basis: Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Abbildung ES 121: In der Kindheit erlebte körperliche Gewalthandlungen Abbildung 121: In der Kindheit erlebte körperliche Gewalthandlungen

Auch hinsichtlich des Umfelds, in dem die psychischen Gewalthandlungen in der Kindheit passierten, kristallisieren sich zwei Sozialräume heraus, in denen es besonders häufig zu Gewalthandlungen kam: Das ist zum einen die Schule und zum anderen die Familie. Etwa drei Viertel der befragten Frauen und Männer waren mehr als einmal in der Schule psychischen Gewalthandlungen ausgesetzt. Die Schule als Ort, an dem häufig psychische Gewalt gegenüber den Befragten ausgeübt wurde, wird von Frauen (14,5%) etwas öfter als von Männern (11%) genannt. Über psychische Gewalt in der Familie wurde hingegen vor allem von Frauen berichtet. So haben 67,3% der Frauen als Kind mehr als einmal psychische Übergriffe in der Familie erlebt, bei den männlichen Befragten waren es 54,3%. Knapp ein Fünftel (19%) der befragten Frauen und 7,5% der Männer geben an, dass sie in der Familie sogar häufig psychisch misshandelt wurden. Psychische Gewalt in der Schule haben Frauen in ihrer Kindheit zwar ebenfalls häufiger erlebt als Männer, allerdings ist der Unterschied mit 3 Prozentpunkten nicht so groß wie der 209

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

9

Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit wurden wie auch schon die psychischen Gewalthandlungen überwiegend in der Familie und im schulischen Umfeld erlebt. Die Familie

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Die altersspezifische Betrachtung zeigt, dass die ältere Generation in ihrer Kindheit signifikant häufiger Gewalt erlebt hat als die Jüngeren. Dies wird bei den körperlichen Gewalthandlungen besonders deutlich. Die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat dazu geführt, dass die körperliche Züchtigung von Kindern sowohl gesellschaftlich wie auch rechtlich immer weniger toleriert wird. Waren beispielsweise acht von zehn Frauen und fast neun von zehn Männern im Alter von 51 bis 60 Jahren in ihrer Kindheit körperlichen Gewalthandlungen ausgesetzt (Männer: 86,3  %; Frauen 80,8  %), so wird in der Gruppe der heute 16- bis 20-jährigen Frauen und Männer jeweils von rund 55 % von erlebter körperlicher Gewalt berichtet. Der Anteil der in der Kindheit körperlich Misshandelten ist zwischen der ältesten und der jüngsten Altersgruppe somit um rund 25 bis 30 Prozentpunkte zurückgegangen. Ein ebenso signifikanter Rückgang an in der Kindheit erlebten Gewalthandlungen ist bei der sexuellen Gewalt zu beobachten – und zwar sowohl bei Frauen als auch bei Männern. So geben 40,8 % der 51- bis 60-jährigen Frauen und 19,9 % der Männer in dieser Altersgruppe an, in ihrer Kindheit sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen zu sein, wohingegen die Nennungen in der Altersgruppe der heutigen 16- bis 20-jährigen Frauen bei 19,6 % und die der Männer in dieser Altersgruppe bei 6,4 % liegen, was eine Halbierung der Übergriffe bzw. sogar einen Rückgang um zwei Drittel bedeutet.

10

Frau (10,6%) und 4,4% der befragten Männer. Die geschlechterspezifische Betrachtung der sexuellen Gewalthandlungen in der Kindheit zeigt dasselbe Muster wie die der psychischen und körperlichen Gewalt, allerdings noch Summary ausgeprägter. Als Kind mit sexuellen Übergriffen konfrontiert waren Executive vor allem die befragten Frauen, d.h. mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer berichten über sexuelle Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit. Abbildung ES 123: In der Kindheit erlebte sexuelle Gewalthandlungen

Abbildung 123: In der Kindheit erlebte sexuelle Gewalthandlungen

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

Wer in der Kindheit Gewalt erlebt hat, war in der Regel von mehr als einer Gewaltform Waren bei So der war psychischen und körperlichen Gewalt vor(38,7  allem%) die und Familie und (51,5  die Schule betroffen. die Mehrheit der befragten Frauen Männer %) jene Sozialräume, in denen die Befragten als Kinder Gewalthandlungen ausgesetzt waren, in der Kindheit sowohl mit Übergriffen psychischer Art wie auch mit körperlicher Gewalt so kommen Am bei zweithäufigsten sexuellen Übergriffen noch andere Lebensbereiche hinzu, wie etwa die konfrontiert. wurde die Kombination aus allen drei Gewaltformen Nachbarschaft, der Freundeskreis und „andere Lebensbereiche“, die nicht näher definiert angegeben: Demnach hatten 23 % der Frauen und 11 % der Männer Formen psychischer, wurden. körperlicher und sexueller Gewalt in ihrer Kindheit erlebt. Rund 10 % waren – geschlechtsunabhängig – entweder alleineinmal psychischen Übergriffen oder nur körperlichen GewalthandAm häufigsten zumindest sexuellen Gewalthandlungen ausgesetzt waren die lungen ausgesetzt. Sexuelle Gewalterfahrungen in der Kindheit traten beinahe immer nur Befragten in ebendiesen, nicht näher definierten Lebensbereichen (Frauen: 35,6%, Männer: in38,8%). Kombination mit den beiden Gewaltformen auf, alsoheran, sowohl Verbindung mit Zieht man nun anderen die Täter/innen-Liste zur Interpretation so in wird deutlich, dass psychischen als auch mit körperlichen Übergriffen. es sich hier überwiegend um sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum durch unbekannte

männlichesuchten Personen handelte. Frauen An zweiter Stelle als jener Lebensbereiche, in Hilfe denenund die Insgesamt die befragten und Männer Kinder nur sehr selten Befragten zumindest einmal sexuelle Gewalthandlungen erlebten, steht für die Frauen die Unterstützung von außen. Wurde Hilfe in Anspruch genommen, dann dienten vor allem Familie (32,8%) und für die als Männer die Schulebei (30,5%). Freunde und die Familie Anlaufstelle Gewalterfahrungen in der Kindheit. Hingegen wurden institutionelle Hilfsangebote kaum in Anspruch genommen. 215

11

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Übergriffe im Erwachsenenalter Das zweite Segment der Studie erfasst die Gewalterfahrungen der Befragten in deren Erwachsenenalter und somit für den Zeitraum von 1966 bis 2010. Dabei zeigt sich, dass Frauen und Männer am häufigsten von psychischen Gewaltübergriffen betroffen sind: Neun von zehn Frauen (85,6 %) und acht von zehn Männern (78,4 %) berichten von psychischen Übergriffen, und zwar am häufigsten im Kontext von Erwerbsleben und Ausbildung. 39,8 % der Frauen bzw. 30,6 % der Männer haben psychische Übergriffe erlebt und diese auch als bedrohlich wahrgenommen. Psychische Gewalterfahrung bedeutet im Detail z. B.: n

wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien worden zu sein (51,8 % der Frauen, 43,6 % der Männer), was 16,5 % aller Frauen und 17,8 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt worden zu sein (51,9 % der Frauen, 37,4 % der Männer), was 24,6 % aller Frauen und 11,1 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

wiederholt schikaniert, gemobbt oder unterdrückt worden zu sein (35,0  % der Frauen, 27,9 % der Männer), was 13,2 % aller Frauen und 9,9 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht worden zu sein (31,7 % der Frauen, 26,1 % der Männer), was 10,4 % aller Frauen und 8,2 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben.

12

20%

39,8% 29,7%

29,6%

0% Psychische Gewalt

Kapitel 3

Sexuelle Belästigung Executive Summary

Körperliche Gewalt

erlebt und als bedrohlich erlebt

erlebt aber nicht als bedrohlich erlebt

nicht zuordenbar

Abbildung ES 31: Als bedrohlich erlebte Handlungen der psychischen Gewalt Abbildung: Zusatzinformation: Psychische Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

amtstichprobe - einzelne Items

Männer Frauen ungen, was nicht gewollt war 14,5% 24,8% absichtlich vor einem zerstört oder Haustiere 6,0% gequält 8,5% amilie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern 9,1% versucht 10,9% enen Willen wiederholt per Telefon, SMS21,2% oder E-Mail kontaktiert 28,7% olgt, bespitzelt oder aufgelauert 6,2% 9,9% olliert 14,3% 16,8% Eifersucht unter Druck gesetzt 17,4% 27,1% risiert 14,1% 24,1% er systematisch bei anderen schlecht gemacht 26,1% 31,7% 5,3% 8,9% n oder Angst gemacht 19,9% 25,1% . B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen 17,9% oder Herkunft.30,0% kaniert, gemobbt oder unterdrückt 27,9% 35,0% e Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, 37,4% abgewertet 51,9% oder gedemütigt idigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien 43,6% 51,8%

erlebt, aber nicht zuordenbar

51,8% 43,6%

wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien

51,9%

auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt

37,4%

Frauen

30,0%

benachteiligt, z. B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen oder Herkunft.

17,9%

bedroht worden oder Angst gemacht

Keine als bedrohlich 8,9% psychischen erlebte5,3% erpresst Gewaltpsychische verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht erfahrungen gemacht Gewalterfahrungen

25,1% 19,9%

31,7% 26,1%

Keine psychischen Gewalterfahrungen

24,1% 14,1%

psychisch terrorisiert

5,914,4 %  % durch häufige Eifersucht unter Druck gesetzt 39,8 % 39,9 %

Männer

35,0% 27,9%

wiederholt schikaniert, gemobbt oder unterdrückt

27,1% erlebt, 17,4%

aber 16,8% nicht 14,3% zu9,9% orden6,2% bar 28,7%

finanziell kontrolliert

wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert gegen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS oder E-Mail kontaktiert

21,6 % 8,4 %

als bedrohlich erlebte psychische Gewalterfahrungen

30,6 %

39,4 %

21,2% 10,9% 9,1%

Kontakt zur Familie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern versucht

psychische Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder Gewalterfahrungen, Haustiere gequält die nicht als bedrohlich zu etwas gezwungen, was nicht gewollt war erlebt wurden

psychische Gewalterfahrungen, die nicht als bedrohlich erlebt wurden

8,5% 6,0% 24,8% 14,5% 0%

20% Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

ohlich erlebt (auf Gesamtstichprobe) Abbildung: Zusatzinformation: Psychische Gewalt (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) Männer

Frauen ungen, was nicht gewollt war 4,6% 10,5% wiederholt beleidigt, eingeschüchtert wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv absichtlich vor einem zerstört oder Haustiere 2,6% gequält 4,7% oder angeschrien aggressiv angeschrien amilie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern 2,6% versucht 4,1% enen Willen wiederholt per Telefon, SMS oder 4,9%E-Mail kontaktiert 10,2% olgt, bespitzelt oder aufgelauert 2,6% 4,1% auf verletzende und Weise ge­mgemacht, acht, aufArt verletzende Art undlächerlich Weise lächerlich olliert 3,3% 4,6% gehänselt, abgewertet gedemütigt gehänselt, abgewertetoder oder gedemütigt Eifersucht unter Druck gesetzt 4,7% 9,8% risiert 7,2% 13,2% er systematisch bei anderen schlecht gemacht 8,2% 10,4% wiederholt schikaniert, gemobbtgemobbt oder unterdrückt wiederholt schikaniert, oder unterdrückt 2,9% 4,1% n oder Angst gemacht 10,5% 13,9% . B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen oder 5,2%Herkunft. 7,5% benachteiligt, z. B. wegenAussehen Alter, benachteiligt, z. B. wegen Alter, Geschlecht, kaniert, gemobbt oder unterdrückt 9,9% 13,2% Geschlecht, oder Aussehen Herkunft.oder Herkunft e Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, 11,1% abgewertet 16,5% oder gedemütigt idigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien 17,8% 24,6%

24,6% 17,8% 16,5% 11,1% 13,2% 9,9% 7,5% 5,2% 13,9% 10,5%

bedroht worden gemacht bedroht oder wordenAngst oder Angst gemacht

4,1% 2,9%

erpresst erpresst verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht gemacht

10,4% 8,2% 13,2% 7,2%

psychisch terrorisiert psychisch terrorisiert

9,8% 4,7%

durch häufigedurch Eifersucht unter Druck gesetzt häufige Eifersucht unter Druck gesetzt finanziell kontrolliert finanziell kontrolliert

4,6% 3,3%

Frauen

wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert

4,1% 2,6%

Männer

gegen den eigenen wiederholt per Telefon, SMS gegenWillen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS oderkontaktiert E-Mail kontaktiert oder E-Mail

10,2% 4,9%

Kontakt zur Familie Freunden untersagt bzw. zuzu Kontaktoder zur Familie oder Freunden untersagt bzw. verhindern versucht verhindern versucht

4,1% 2,6%

Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder HausGegenstände absichtlich vor einem zerstört oder tiere gequält Haustiere gequält

4,7% 2,6% 10,5% 4,6%

zu etwas gezwungen, was nicht war zu etwas gezwungen, was gewollt nicht gewollt war 0%

20% Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

ne Situationen auf Gesamtstichprobe gerechnet. Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011 (Basis: alle Befragten).

Männer

Frauen 0,7% 0,5% 2,3% 4,4% beraubt 4,5% 3,6% , zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 5,3% bedroht3,0% brüht oder mit etwas Heißem verbrannt 1,0% 0,8% kt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht 3,4% 5,4% zusammengeschlagen 8,8% 4,8% f einen eingeschlagen 14,5% 6,7% em Unbringen gedroht 5,7% 6,6%

30,7% 36,9%

absichtlich weggestoßen

31,7% 34,8%

leichte Ohrfeige gebissen oder gekratzt Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen

10,7% 14,9% 15,4%

13

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Davon, im Erwachsenenleben seit dem 16. Lebensjahr zumindest einen körperlichen Übergriff erlebt zu haben, berichten mehr als jede zweite Frau (56,8 %) und fast zwei von drei Männern (61,4  %). Als bedrohlich wurden diese körperlichen Übergriffe von 29,6 % der Frauen bzw. 27,9 % der Männer erlebt. Aufgeschlüsselt nach einzelnen Gewaltformen zeigt sich: n

30,7  % der Frauen und 36,9  % der Männer berichten davon, „absichtlich weggestoßen” worden zu sein, was 12,9 % aller Frauen und 11,8 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

„eine leichte Ohrfeige” bekamen 31,7 % der Frauen und 34,8 % der Männer, was 11,9 % aller Frauen und 8,3 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

ernsthaft bedroht, körperlich angegriffen oder verletzt worden zu sein, ist 16,5 % der Frauen und 21,1 % der Männer widerfahren, was 11,4 % aller Frauen und 10,2 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

„am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht” wurden 5,4 % der Frauen und 3,4 % der Männer, was 2,8 % aller Frauen und 1,7 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

„verprügelt oder zusammengeschlagen” wurden 4,8 % der Frauen und 8,8 % der Männer, was 3,3 % aller Frauen und 5,2 % aller Männer als bedrohlich erlebten;

n

„mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder eine Pistole, bedroht” wurden 3,0 % der Frauen und 5,3 % der Männer, was 2,5 % aller Frauen und 3,6 % aller Männer als bedrohlich erlebten.

Männer erleben körperliche Übergriffe primär im öffentlichen Raum (33  %), Frauen hingegen am relativ häufigsten in einer Partnerschaft (29,1  %) oder in der Familie (25,2 %).

14

Executive Summary

Abbildung ES 33: Als bedrohlich erlebte Handlungen der körperlichen Gewalt

e Situationen auf Gesamtstichprobe gerechnet. Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Männer

Frauen 0,7% 0,5% 2,3% 4,4% beraubt 4,5% 3,6% zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 5,3% bedroht3,0% üht oder mit etwas Heißem verbrannt 1,0% 0,8% t, zu erwürgen oder zu ersticken versucht3,4% 5,4% zusammengeschlagen 8,8% 4,8% einen eingeschlagen 14,5% 6,7% m Unbringen gedroht 5,7% 6,6% t wurde, einen körperlich anzugreifen oder 21,1% zu verletzen 16,5% lagen, das verletzen könnte 7,4% 6,3% h einem geworfen wurde, der verletzten 13,5% könnte 12,2% oder mit der flachen Hand geschlagen14,0% 13,8% t oder gestoßen, dass man taumelte oder 13,2% umgefallen 13,0% ist en oder hart angefasst 20,8% 22,1% oder an den Haaren gezogen 13,3% 15,4% ekratzt 14,9% 10,7% 34,8% 31,7% estoßen 36,9% 30,7%

30,7% 36,9%

absichtlich weggestoßen

Frauen

31,7% 34,8%

leichte Ohrfeige gebissen oder gekratzt

10,7% 14,9%

Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen

15,4% 13,3% 22,1% 20,8%

getreten, gestoßen oder hart angefasst

erlebt, weggeschleudert oder gestoßen, dass man taumelte oder umgefallen ist

aber heftig geohrfeigt oder mit der flachen Hand geschlagen als nicht bedrohlich Gegenstand nach einem geworfen wurde, der verletzten zuKeine könnte erlebte ordenkörperlichen mit etwas geschlagen, das verletzen könnte körperliche bar GewaltGewaltwurde, einen körperlich anzugreifen 2,6 % erfahrungen ernsthaft gedroht oder zu verletzen erfahrungen ernsthaft mit dem Unbringen gedroht

43,2 %

29,6 %

erlebt, aber nicht zuordenbar 3,3 %

13,0% 13,2% 13,8% 14,0% 12,2% 13,5% 6,3% 7,4% 16,5% 21,1%

Keine körperlichen Gewalterfahrungen

6,6% 5,7%

4,8% 8,8%

verprügelt oder zusammengeschlagen

24,6 %

am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht

als bedrohlich erlebte körperliche Gewalterfahrungen

27,9 %

38,6 %

6,7% 14,5%

mit Fäusten auf einen eingeschlagen

absichtlich verbrüht oder mit etwas Heißem verbrannt

Männer

30,2 %

5,4% 3,4% 0,8% 1,0%

mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, bedroht

3,0% 5,3%

überfallen oder beraubt

3,6% 4,5%

körperliche 4,4% eingesperrt 2,3% Gewalterfahrungen, 0,5% die nicht als gefesselt 0,7% bedrohlich erlebt 0% 20% wurden Frauen

40%

60%

80%

körperliche Gewalterfahrungen, die nicht als bedrohlich erlebt 100% wurden

Männer

uf Gesamtstichprobe - als bedrohlich erlebt Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) Männer

Frauen

0,3% 0,3% 1,4% 2,6% beraubt 2,7% 1,8% zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 3,6% bedroht2,5% üht oder mit etwas Heißem verbrannt 0,4% 0,5% t, zu erwürgen oder zu ersticken versucht1,7% 2,8% zusammengeschlagen 5,2% 3,3% einen eingeschlagen 8,1% 4,4% m Unbringen gedroht 3,1% 4,8% t wurde, einen körperlich anzugreifen oder 10,2% zu verletzen 11,4% lagen, das verletzen könnte 3,8% 3,7% h einem geworfen wurde, der verletzten 4,8% könnte 5,0% oder mit der flachen Hand geschlagen 5,7% 8,8% t oder gestoßen, dass man taumelte oder 6,5% umgefallen ist 7,8% en oder hart angefasst 9,0% 13,3% oder an den Haaren gezogen 4,2% 7,4% ekratzt 3,5% 3,0% 8,3% 11,9% estoßen 11,8% 12,9%

12,9% 11,8%

absichtlich weggestoßen absichtlich weggestoßen

11,9% 8,3%

leichte Ohrfeige leichte Ohrfeige

3,0% 3,5%

gebissen gekratzt gebissen oder oder gekratzt

7,4% 4,2%

Arm oder umgedreht oder an den Haaren gezogen Arm umgedreht an den Haaren gezogen

13,3% 9,0%

getreten, gestoßen oder angefasst hart angefasst getreten, gestoßen oder hart weggeschleudert oder gestoßen, dassgestoßen, man taumelte weggeschleudert oder oder umgefallen ist dass man taumelte oder umgefallen ist

7,8% 6,5%

heftigHand geohrfeigt heftig geohrfeigt oder mit der flachen geschlagen oder mit der flachen Hand geschlagen Gegenstand nach einemnach geworfen wurde,geworfen, der verletzten Gegenstand wurde einem könnte der verletzten könnte

5,0% 4,8%

mit etwas geschlagen, das verletzen könnte mit etwas geschlagen, das verletzen könnte

3,7% 3,8%

8,8% 5,7%

gedroht wurde, einen körperlich anzugreifen ernsthafternsthaft gedroht, einen körperlich anzugreifen oder zu verletzen oder zu verletzen

11,4% 10,2% 4,8% 3,1%

ernsthaft dem Unbringen gedroht ernsthaft mit dem mit Unbringen bedroht

4,4% 8,1%

mitauf Fäusten auf eingeschlagen einen eingeschlagen mit Fäusten einen

3,3% 5,2%

verprügelt oder zusammengeschlagen verprügelt oder zusammengeschlagen am Hals gepackt, zu oder zu ersticken am Hals gepackt, zuerwürgen erwürgen oder zu versucht ersticken versucht absichtlich verbrüht oder absichtlich verbrüht oder mit etwas Heißem verbrannt mit etwas Heißem verbrannt mit einer Beispiel einem Messer oder einer mit Waffe, einerzum Waffe, zum Beispiel einem Pistole, bedroht Messer oder einer Pistole, bedroht

Männer

0,5% 0,4% 2,5% 3,6%

überfallen beraubt überfallen oder oder beraubt

1,8% 2,7%

eingesperrt eingesperrt

2,6% 1,4%

gefesselt gefesselt

Frauen

2,8% 1,7%

0,3% 0,3% 0%

20%

Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011 (Basis: Alle Befragten).

15

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Drei Viertel der Frauen (74,2 %) und ein Viertel der Männer (27,2 %) wurden im Erwachsenenalter schon einmal sexuell belästigt. Als bedrohlich wurde diese psychische Übergriffsform von 29,7 % der Frauen bzw. 5,6 % der Männer erlebt. Aufgeschlüsselt in die einzelnen Formen zeigt die Studie: n

davon, dass jemand „zu nahe gekommen” ist und dies „als aufdringlich” empfunden wurde, berichten 55,7 % der Frauen und 16,1 % der Männer, was 18,8 % aller Frauen und 3,4 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

davon, dass sie „auf eine Art und Weise angesprochen worden” sind, die als sexuell belästigend empfunden wurde, berichten 44,7 % der Frauen und 7,8 % der Männer, was 13,1 % aller Frauen und 2,3 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

davon, dass „ihnen nachgepfiffen wurde oder sie angestarrt worden” sind, wodurch sie sich sexuell belästigt fühlten, berichten 42,9  % der Frauen und 2,7  % der Männer, was 8,6 % aller Frauen und 0,8 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

von jemandem „berührt oder zu küssen versucht” worden zu sein, obwohl sie es nicht wollten, davon berichten 34,8 % der Frauen und 7,1 % der Männer, was 12,6 % aller Frauen und 1,4 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

„in unpassenden Situationen: z. B. in der Arbeit, in der Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuelle Angebote” erhalten zu haben, davon berichten 23,3 % der Frauen und 4,3 % der Männer, was 6,3 % aller Frauen und 0,8 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben;

n

„über Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt oder bedrängt” wurden nach ihren Angaben 20,0 % der Frauen und 3,7 % der Männer, was 7,4 % aller Frauen und 1,0 % aller Männer als bedrohlich erlebt haben.

Die sexuelle Belästigung ist jene Gewaltform, die am häufigsten an öffentlichen Orten erfahren wird (Frauen: 51,3 %, Männer: 12,5 %).

16

0,3% 0,3%

gefesselt

0%

20%

40%

Frauen

Gesamtstrichprobe

60%

80%

Männer

100%

Executive Summary

Abbildung: Zusatzinformation: Sexuelle Belästigung (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Abbildung ES 35: Diese Handlungen der sexuellen44,7% Belästigung wurden als 7,8% bedrohlich erlebt

Männer Frauen auf eine Art und Weise gesprochen wurde, die als zwar … 0,7% 2,2% en dadurch sexuell 1,9% belästigt 11,8% sexuell belästigend empfunden wurde ass es nachteilig für 0,4% die Zukunft 3,8% oder das berufliches Fortkommen wäre, wenn man sich nicht sexuell einläst Bildern oder Nacktbilder 1,8% belästigt 6,9% nachgepfiffen oder angestarrt und dadurch sexuell ungewollt verfolgt 2,2% 11,7% belästigt gefühlt hl nicht gewollt 7,1% 34,8% belästigt oder bedrängt 3,7% 20,0% in unpassenden Situationen, z. B. in der Arbeit, es als aufdringlich 16,1% empfunden55,7% wurde r Arbeit, Ausbildung 4,3% oder im Studium, 23,3% belästigende sexuelle Angebote gemacht Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuelle urch sexuell belästigt 2,7%gefühlt 42,9% Angebote gemacht de, die als sexuell 7,8% belästigend44,7% empfunden wurde

42,9% 2,7% 23,3%

Frauen

55,7%

jemand zu nahe gekommen ist, sodass es als aufdringlich empfunden wurde

16,1%

erlebt, über Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt oder aberbedrängt

20,0% 3,7%

nicht zu- versucht, obwohl nicht gewollt Keine berührt oder zu küssen als bedrohlich ordenErfahrungen mit sexuellen Absichtenerlebte ungewollt bar sexueller von jemandem verfolgt Erfahrungen 1,5 % Belästigung sexueller durch das Zeigen von pornografischen Bildern oder Belästigung

7,1% 11,7% 2,2%

erlebt, aber nicht 34,8% zuordenbar 3,0 %

als bedrohlich erlebte Erfahrungen sexueller Belästigung Erfahrungen sexueller 5,6  Belästigung, % 18,6 % die nicht als bedrohlich erlebt wurden 72,8 %

6,9% 1,8%

Nacktbilder belästigt

25,8 % 29,7 % einem zu verstehen gegeben wurde, dass es

3,8% 0,4%

nachteilig für die Zukunft oder das berufliches Fortkommen wäre, wenn man sich nicht sexuell einläst vor einem sich jemand entblößt und einen dadurch 43,0 % sexuell belästigt

11,8% 1,9% 2,2% 0,7%

in andere Weise sexuell belästigt, und zwar …

Erfahrungen sexueller Belästigung, die nicht als bedrohlich erlebt wurden

Männer

4,3%

0%

20%

Frauen

60% 80% Keine Erfahrungen Männer sexueller Belästigung 40%

100%

s wurde als bedrohlich erlebt

Männer Frauen zwar … 0,2% 0,6% en dadurch sexuell 0,8% belästigt 4,4% ass es nachteilig für 0,3% die Zukunft 2,2% oder das berufliches Abbildung: FortkommenZusatzinformation: wäre, wenn man sichSexuelle nicht sexuell Belästigung einläst (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) Bildern oder Nacktbilder 0,6% belästigt 1,8% ungewollt verfolgt 1,0% 5,0% hl nicht gewollt 1,4% 12,6% 13,1% und Weise gesprochen wurde,die dieals als auf eineauf Arteine undArt Weise angesprochen worden, belästigt oder bedrängt 1,0% 7,4% sexuell belästigend empfunden wurde sexuell belästigend empfunden wurde 2,3% es als aufdringlich 3,4% empfunden18,8% wurde r Arbeit, Ausbildung 0,8% oder im Studium, 6,3% belästigende sexuelle Angebote gemacht urch sexuell belästigt 0,8%gefühlt 8,6% 8,6% nachgepfiffen und dadurch sexuell durch Nachpfeifenoder undangestarrt Anstarren sexuell belästigt de, die als sexuell 2,3% belästigend13,1% empfunden wurde

belästigt gefühlt

gefühlt

in unpassenden Situationen,z. B. z. B. in in der der Arbeit, in unpassenden Situationen, Arbeit, Ausbildung oderoder im Studium, belästigende Ausbildung im Studium, belästigendesexuelle sexuelle Angebote erhalten Angebote gemacht

0,8%

6,3% 0,8%

jemand zu jemand nahe gekommen ist, gekommen, sodass es als ist zu nahe sodass es aufdringlich als aufdringlich empfunden empfunden wurde wurde

18,8% 3,4%

Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigtoder oder überüber Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt bedrängt bedrängt

7,4% 1,0% 12,6%

berührt oderoder zu küssen versucht, obwohl nicht berührt zu küssen versucht, obwohl nichtgewollt gewollt

1,4%

von jemandem sexuellen Absichten ungewollt von jemandem mit mit sexuellen Absichten ungewollt verfolgt verfolgt

5,0% 1,0%

durch Zeigen pornografischen Bildernoder oder durch das das Zeigen vonvon pornografischen Bildern belästigt Nacktbilder Nacktbildern belästigt

1,8% 0,6%

zu verstehen gegeben dass für es es wurde zu einem verstehen gegeben, dass eswurde, nach­teilig nachteilig für berufliches die Zukunft oder berufliches die Zukunft oder das Fort­kdas ommen wäre, wenn man sich nicht sexuell einlässt Fortkommen wäre, wenn man sich nicht sexuell

2,2% 0,3%

einläst

vorsich einem sich jemand entblößt und einen sexuell dadurch jemand hat entblößt und andere/n dadurch belästigt sexuell belästigt anderer Weise sexuellund belästigt, in andereinWeise sexuell belästigt, zwar … und zwar …

Frauen Männer

4,4% 0,8% 0,6% 0,2% 0%

20%

Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011 (Basis: alle Befragten).

17

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Über sexuelle Gewalt berichten 29,5 % der Frauen und 8,8 % der Männer. Die Bedrohlichkeit des Übergriffs wurde in der Studie nicht zusätzlich abgefragt. Im Detail widerfuhr es n

25,7 % der Frauen und 8,0 % der Männer, dass sie von jemandem „intim berührt oder gestreichelt” wurden, obwohl sie sagten oder zeigten, dass sie das nicht wollten;

n

13,5 % der Frauen und 8,0 % der Männer, von jemandem „zu sexuellen Handlungen genötigt” worden zu sein, die sie nicht wollten;

n

8,9 % der Frauen und 2,0 % der Männer, dass jemand versuchte, „gegen meinen Willen in meinen Körper einzudringen oder mich zum Geschlechtsverkehr zu nötigen. Es kam aber nicht dazu”.

n

7,0 % der Frauen und 1,3 % der Männer, dass jemand „gegen meinen Willen mit einem Penis oder etwas anderem in meinen Körper eingedrungen ist”.

18

Executive Summary

Abbildung ES 38: Sexuelle Gewalt (erlebt) – Gesamtübersicht

Männer

1.) 8,0 % 2.) 3,5  % 3.) 2 ,0 % 4. )1 ,3  %

Frauen

1.) 25,7 %

Gewalterfahrungen in Summe 29,5 %

Gewalterfahrungen in Summe 8,8 %

2.) 13,5 %

3.) 8,9 % 4.) 7,0 %

Keine Gewalterfahrungen 70,5 %

Keine Gewalterfahrungen 91,2 %

1.) Jemand hat mich intim berührt oder gestreichelt, obwohl ich gesagt oder gezeigt habe, dass ich dies nicht möchte. 2.) Jemand hat mich zu sexuellen Handlungen genötigt, die ich nicht wollte. 3.) Jemand hat versucht, gegen meinen Willen in meinen Körper einzudringen oder mich zum Geschlechts­verkehr zu nötigen. Es kam aber nicht dazu. 4.) Jemand ist gegen meinen Willen mit einem Penis oder etwas anderem in meinen Körper eingedrungen.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

19

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

In absoluten Zahlen berichteten von insgesamt 2 334 Befragten (davon 1 292 Frauen und 1 042 Männer) 91 (N) Frauen (7 %) und 14 (N) Männer (1,3 %) von der schweren sexuellen Gewalterfahrung, dass gegen ihren Willen mit einem Penis oder etwas anderem in ihren Körper eingedrungen wurde. Sexuelle Gewalt erleben die in der vorliegenden Studie befragten Frauen gleich häufig in der Partnerschaft (10,7 %), an öffentlichen Orten (10,1 %) oder im Freundes- bzw. Bekanntenkreis (10,1 %). Wenn Männer sexuelle Gewalt erleben, dann geschieht dies primär im Freundes- und Bekanntenkreis (3,8 %), an öffentlichen Orten (3,2 %) oder in der Arbeit bzw. am Ausbildungsplatz (2,4 %). Achtundfünfzig Frauen und sieben Männer schilderten zumindest eine körperliche Verletzung als Folge der ihnen widerfahrenen sexuellen Gewaltakte. Eine Anzeige bei der Polizei erstatteten acht Frauen, hingegen kein Mann. Gewalt wird primär in der Kombination von unterschiedlichen Gewaltformen erlebt. Frauen weisen deutlich höhere Prävalenzen auf als Männer, wenn es um die Kombination von unterschiedlichen Gewaltformen geht. So schildert z. B. jede vierte Frau, Gewalterfahrungen in allen vier Gewaltformen gemacht zu haben, im Vergleich zu jedem zwanzigsten Mann.

20

In europäischen Studien finden sich unterschiedliche Zeiträume zur Erhebung von Inzidenzen – einige Studien beschränken sich auf das letzte Jahr, andere auf die letzten drei oder fünf Jahre (vgl. im Überblick Martinez/Schröttle et alExecutive 2005 undSummary 2007). Für die vorliegende Erhebung wurde die Entscheidung aus methodischen Überlegungen getroffen: Es bestand die Befürchtung, dass bei gewissen Gewaltformen, wie z.B. der sexuellen Übergriffe innerhalb letztenzu drei Jahre Gewalt, zu kurzeder Zeiträume wenig Inzidenzen liefern würden und somit die Gewinnung von Informationen in Frage Das dritte Segment der Studiestand. erhob die Gewalterfahrungen der Befragten zwischen 2007 und 2010. Dabei zeigt sich, dass das heutige Gewaltniveau, dem Frauen Ein Überblick über die Gewalterfahrungen der letzten drei Jahre zeigt deutlich, dass Frauen und Männer ausgesetzt sind, gegenüber den Prävalenzen über den gesamten bisherigen in allen Gewaltformen über mehr Erfahrungen in den letzten drei Jahren berichten. Lediglich Lebenszyklus sehr deutlich abgefallen ist. Die Werte für die vergangenen drei Jahre liein Bezug auf körperliche Übergriffe haben Frauen und Männer fast gleich häufig Erfahrungen gen in der Regel sogar unter den „als bedrohlich” empfundenen Wahrnehmungen in den letzten drei Jahren gemacht. Auch hier zeigen sich besonders deutliche Unterschiede von Übergriffen bisherigen Lebenszyklus. in Bezug im aufgesamten die sexualisierte Gewalt, die Frauen deutlich häufiger als Männer erleben. So

berichtet nahezu jede dritte Frau (30,5%) von sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren, gegenüber 6,2% der Männer. Auch hat nahezu jede zehnte Frau (8,5%) in den Abbildung ES 46: Prävalenz der Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren letzten drei Jahren sexuelle Gewalt erlebt, gegenüber 2,1% der Männer. Abbildung 46: Prävalenz der Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

Frauen Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.alle Basis: alle Befragten.

109

21

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

So berichten heute 40,8 % der Frauen und 31,8 % der Männer von innerhalb der letzten drei Jahre gegen sie gerichteten psychischen Gewaltübergriffen. Ihre konkreten Erfahrungen in den vergangenen drei Jahren sind: n

wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien worden zu sein, was 17,3 % aller Frauen (gegenüber 51,8 % im gesamten bisherigen Lebenszyklus bzw. 24,6 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 11,4 % aller Männer (gegenüber 43,8  % im gesamten Lebenszyklus bzw. 17,8  %, die das als bedrohlich erlebt haben) angeben;

n

auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt worden zu sein, worüber 18,7 % aller Frauen (gegenüber 51,9 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 16,5  %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 9,9 % aller Männer (gegenüber 37,4 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 11,1 %, die das als bedrohlich erlebt haben) berichten;

n

wiederholt schikaniert, gemobbt oder unterdrückt worden zu sein, was für 11,0 % aller Frauen (gegenüber 35,0 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 13,2 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 7,2 % aller Männer (gegenüber 27,9 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 9,9 %, die das als bedrohlich erlebt haben) gilt;

n

verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht worden zu sein, was 11,8 % aller Frauen (gegenüber 31,7 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 10,4  %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 9,3  % aller Männer (gegenüber 26,1 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 8,2 %, die das als bedrohlich erlebt haben) zu Protokoll geben.

22

Executive Summary

Abbildung ES 47: Psychische Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen

Männer

psychische Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

psychische Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

40,8 % 59,2 %

Keine psychischen Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

31,8 % 68,2 %

Keine psychischen Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

Abbildung 47: Psychische Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

23

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Davon, innerhalb der letzten drei Jahre zumindest einen körperlichen Übergriff erlebt zu haben, berichten 15,4 % der Frauen (gegenüber 56,8 % im Vergleich zu den entsprechenden Gewalterfahrungen über den gesamten Lebenszyklus) und 15,1 % der Männer (gegenüber 61,4 % der Männer über deren gesamten Lebenszyklus). Aufgeschlüsselt nach den körperlichen Gewaltformen widerfuhr es innerhalb der letzten drei Jahre n

8,9 % aller Frauen, „absichtlich weggestoßen” worden zu sein (gegenüber 30,7 % für den gesamten Lebenszyklus und 12,9 %, die das als bedrohlich erlebt haben), im Vergleich zu 8,5 % aller Männer (gegenüber 36,9 % für den gesamten Lebenszyklus und 11,8 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

5,1  % aller Frauen, „eine leichte Ohrfeige” bekommen zu haben (gegenüber 31,7  % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 11,9  %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 6,4 % aller Männer (gegenüber 34,8 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 8,3 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

3,6  % aller Frauen, ernsthaft bedroht, körperlich angegriffen oder verletzt worden zu sein (gegenüber 16,5 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 11,4 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 4,6 % aller Männer (gegenüber 21,1 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 10,2 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

0,5  % aller Frauen, „am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht” worden zu sein (gegenüber 5,4 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 2,8 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 0,8 % aller Männer (gegenüber 3,4 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 1,7 %, die das als bedrohlich erlebt haben).

n

„Verprügelt oder zusammengeschlagen” wurden 0,5 % aller Frauen (gegenüber 4,8 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 3,3 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 1,7  % aller Männer (gegenüber 8,8  % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 5,2 %, die das als bedrohlich erlebt haben).

n

„Mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder eine Pistole, bedroht” wurden in den vergangenen Jahren schließlich 0,3  % aller Frauen (gegenüber 3,0  % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 2,5 %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 1,1 % aller Männer (gegenüber 5,3 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 3,6 %, die das als bedrohlich erlebt haben).

24

Executive Summary

Abbildung ES 48: Körperliche Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen

Männer

körperliche Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

körperliche Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

15,4 % 84,6 %

Keine körperlichen Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

15,1 % 84,9 %

Keine körperlichen Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

Abbildung 48: Körperliche Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten. Quelle:

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Mit sexueller Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre waren 30,5 % aller Frauen und 6,2  % aller Männer konfrontiert. Im Gesamtzyklus betrachtet waren drei Viertel der Frauen (74,2 %) und ein Viertel der Männer (27,2 %) schon einmal sexuell belästigt worden. Als bedrohlich wurden diese psychischen Übergriffe von 29,7 % der Frauen bzw. 5,6 % der Männer erlebt. Aufgeschlüsselt nach Gewaltformen zeigt sich folgendes Bild: n

davon, dass jemand „zu nahe gekommen” ist, und dies „als aufdringlich” empfunden wurde, berichten für die vergangenen drei Jahre 19,3 % aller Frauen (gegenüber 55,7  % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 18,8  %, die das als bedrohlich erlebt haben) und 3,6 % aller Männer (gegenüber 16,1 % der Männer für den gesamten Lebenszyklus bzw. 3,4 %, die das als bedrohlich erlebt haben);

n

davon, dass sie „auf eine Art und Weise angesprochen” worden sind, die als sexuell belästigend empfunden wurde, berichten 15 % aller Frauen (gegenüber 44,7 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 13,1 %, die das als bedrohlich empfunden haben) und 1,2  % aller Männer (gegenüber 7,8  % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 2,3 %, die das als bedrohlich empfunden haben);

n

davon, dass ihnen nachgepfiffen wurde oder sie angestarrt worden sind, wodurch sie sich sexuell belästigt fühlten, berichten 16,7 % aller Frauen (gegenüber 42,9 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 8,6  %, die das als bedrohlich empfunden haben) und 1,2 % aller Männer (gegenüber 2,7 % für den gesamten Lebenszyklus und 0,8 %, die das als bedrohlich empfunden haben);

n

von jemandem „berührt oder zu küssen versucht” worden zu sein, obwohl sie es nicht wollten, davon berichten 9,4 % aller Frauen (gegenüber 34,8 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 12,6 %, die das als bedrohlich empfunden haben) und 1,8 % aller Männer (gegenüber 7,1 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 1,4 %, die das als bedrohlich empfunden haben);

n

„in unpassenden Situationen: z. B. in der Arbeit, in der Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuelle Angebote” erhalten zu haben, davon berichten 5,9 % aller Frauen (gegenüber 23,3 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 6,3 %, die das als bedrohlich empfunden haben) und 0,7 % aller Männer (gegenüber 4,3 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 0,8 %, die das als bedrohlich empfunden haben);

n

„über Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt oder bedrängt” wurden nach ihren Angaben 5,7 % aller Frauen (gegenüber 20,0 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 7,4 %, die das als bedrohlich empfanden) und 0,8 % aller Männer (gegenüber 3,7 % für den gesamten Lebenszyklus bzw. 1,0 %, die das als bedrohlich empfanden).

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Executive Summary

Abbildung ES 49: Sexuelle Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen

Männer

Erfahrungen sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren

Erfahrungen sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren

6,2 %

30,5 % 69,5 %

Keine Erfahrungen sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren

93,8 %

Keine Erfahrungen sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren

Abbildung 49: Sexuelle Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Über sexuelle Gewalt in den vergangenen drei Jahren berichten rund 8,5 % der Frauen (gegenüber 29,5 % für den gesamten Lebenszyklus) und 2,1 % der Männer (gegenüber 8,8 % für den gesamten Lebenszyklus). Aufgeschlüsselt nach einzelnen sexuellen Gewaltformen widerfuhr es n

9,2 % aller Frauen (gegenüber 31,4 % im gesamten Lebenszyklus) und 1,9 % aller Männer (gegenüber 9,9 % im gesamten Lebenszyklus), dass sie von jemandem „intim berührt oder gestreichelt” wurden, obwohl sie sagten oder zeigten, dass sie das nicht wollten;

n

2,9 % aller Frauen (gegenüber 17,1 % im gesamten Lebenszyklus) und 0,7 % aller Männer (gegenüber 4,3 % im gesamten Lebenszyklus), von jemandem „zu sexuellen Handlungen genötigt” worden zu sein, die sie nicht wollten;

n

1,3 % aller Frauen (gegenüber 11,4 % im gesamten Lebenszyklus) und 0,2 % aller Männer (gegenüber 1,7  % im gesamten Lebenszyklus), dass jemand versucht hat, „gegen meinen Willen in meinen Körper einzudringen oder mich zum Geschlechtsverkehr zu nötigen. Es kam aber nicht dazu.”

n

0,8 % aller Frauen (gegenüber 9,1 % im gesamten Lebenszyklus) und 0,2 % aller Männer (gegenüber 1,2 % im gesamten Lebenszyklus), dass jemand „gegen meinen Willen mit einem Penis oder etwas anderem in meinen Körper eingedrungen ist”.

28

Executive Summary

Abbildung ES 50: Sexuelle Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen

Männer

Erfahrungen sexueller Gewalt in den letzten drei Jahren

Erfahrungen sexueller Gewalt in den letzten drei Jahren

2,1 %

8,5 % 91,5 %

Keine Erfahrungen sexueller Gewalt in den letzten drei Jahren

97,9 %

Erfahrungen sexueller Gewalt in den letzten drei Jahren

Abbildung 50: Sexuelle Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Bei einer Betrachtung der Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre, sortiert nach bis zum 40. Lebensjahr besonders häufig von Gewalt betroffen sind. Bei beiden Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher linearer Abfall der Gewalterfahrungen mit zunehmendem Lebensalter, und zwar in fast allen Items der einzelnen Gewaltformen. Nicht ganz so deutlich ist dieser Zusammenhang bei Frauen im Bereich der sexuellen Gewalt ausgeprägt.

Altersgruppen, zeigt sich, und Männer Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. dass Basis:Frauen alle Befragten.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Übergriffe im Geschlechtervergleich Es gibt klare geschlechtsspezifische Unterschiede im Gewalterleben von Frauen und Männern. Einerseits erfahren Frauen deutlich häufiger Gewalt als Männer – und zwar in allen Formen. Die einzige Ausnahme stellt die körperliche Gewalt dar, in der Männer etwas häufiger Übergriffe schildern. Andererseits erleben Frauen nicht nur häufiger Gewalt in den verschiedenen Formen, sondern auch eine stärkere Viktimisierung sowie eine Kombination von Übergriffen aus verschiedenen Gewaltformen. So berichtet jede vierte Frau von Gewalterfahrungen in allen vier abgefragten Gewaltformen im Erwachsenenalter, im Vergleich zu jedem zwanzigsten Mann. Auch in Bezug auf den Schweregrad der Viktimisierung zeigt sich, dass Frauen eine stärkere Viktimisierung aufweisen als Männer. So erleben z. B. 7,3 % der Frauen zumindest in drei Gewaltformen (von vier) sehr schwere Gewalt, gegenüber 1,1 % der Männer. Geschlechterunterschiede zeigen sich auch in Bezug auf die Lebensbereiche, in denen es zu Übergriffen kommt: Männer erfahren z. B. körperliche Gewalt primär an öffentlichen Orten, Frauen (ebenso wie sexuelle Gewalt) dagegen in der eigenen Wohnung oder in der Wohnung anderer, wobei die Täter/innen dem sozialen Nahraum zuzuordnen sind (Familie und Partnerschaft). Einheitlich schildern Frauen wie Männer die Ausbildungsbzw. Arbeitsstelle als primären Lebensbereich für psychische Gewalterfahrungen.

Dr. Ewald FILLER Kinder- und Jugendanwalt des Bundes Mag. Andreas KRATSCHMAR Redaktionskonsulent

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1 – Theoretische und methodische Grundlagen

1 Theoretische und methodische Grundlagen Allgemeine Vorbemerkung Die hier nun vorliegende Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern (2011), die erste empirische Repräsentativuntersuchung über die verschiedenen Ausprägungen und das tatsächliche Ausmaß der einerseits in der Familie und andererseits im nahen sozialen Umfeld vorfindbaren Gewalt, wurde in einem Dreischritt aufgebaut; im Wege einer detaillierten Befragung von insgesamt 1 292 Frauen und 1 042 Männern im Alter zwischen sechzehn und sechzig Jahren wurden 1. die von ihnen über ihren gesamten bisherigen Lebenszyklus gemachten Gewalterfahrungen 2. die von ihnen innerhalb der letzten drei Jahre erinnerlichen Gewalterfahrungen sowie 3. ihre jeweiligen „Kindheitsgewalterfahrungen” im Rückblick zu erforschen versucht. Durch diesen Dreischritt sollte ein möglichst umfassender Einblick in die Erfahrungswelten der befragten Frauen und Männer bezüglich der vier zentralen Gewaltformen gewonnen werden:

a) Verletzungen der psychischen Integrität der Betroffenen durch psychische Übergriffe b) körperliche Gewalt c) sexuelle Belästigung d) sexuelle Gewalt Mit dem Ziel der Untersuchung, eine reale Vorstellung von den jeweiligen gewaltbelasteten Situationen zu vermitteln, werden in den einzelnen Abschnitten ergänzend zu den statistisch ausgewerteten Daten auch Erfahrungsberichte von Gewaltbetroffenen wiedergegeben. Um weiters Zusammenhänge zwischen den erfolgten Gewalthandlungen, den Orten des Geschehens, den näheren situativen Umständen seitens der betroffenen sowie der handelnden Personen herstellen zu können, hat die vorliegende Untersuchung es unternommen, sämtliche relevant erscheinenden Faktoren auszuleuchten, aus denen Aufschlüsse über das gesellschaftliche Gewaltphänomen in all seinen Dimensionen erwartet werden konnten.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

1.1 Gewalt und Gewaltforschung Der Begriff Gewalt wird abhängig vom jeweiligen Kontext, etwa bei Polizei, Justiz, Beratung oder im Gesundheitswesen, von der subjektiven Deutung sowie vom historischen, kulturellen und politischen Hintergrund sehr unterschiedlich definiert. Auch in der sozial- und politikwissenschaftlichen Forschung kommen unterschiedliche Begriffe von Gewalt zur Anwendung (vgl. Heitmeyer/Schröttle 2006:15). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gewalt als: „De(n) absichtliche(n) Gebrauch von angedrohtem oder tatsächlichem körperlichem Zwang oder psychischer Macht gegen die eigene oder eine andere Person, gegenüber einer Gruppe oder Gemeinschaft, der entweder konkret oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklungen oder Deprivation führt.” (WHO 2002/6) Während in der WHO-Definition stärker die gesundheitlichen Folgen von Gewalt Berücksichtigung finden, fokussieren sozialwissenschaftliche Definitionen häufiger auf die verschiedenen Täter-Opfer-Kontexte und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie auf Machtungleichgewichte, die diese charakterisieren (vgl. im Überblick unterschiedlicher Gewaltphänomene: Heitmeyer/Schröttle 2006). Gewalt und ihre unterschiedlichen Ausprägungen sind seit vielen Jahrzehnten Thema der sozialwissenschaftlichen Forschung. Gewaltforschung befasst sich mit unterschiedlichen Phänomenen, angefangen von Gewalt im sozialen Nahraum über Gewalt im öffentlichen Raum und Gewalt in Institutionen bis hin zu organisierter Kriminalität sowie politisch motivierter und staatlicher Gewalt (vgl. im Überblick: Heitmeyer/Schröttle 2006, Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen 2001). Die Gewaltforschung hat sich inzwischen stark ausdifferenziert und fokussiert zumeist auf spezifische Gewaltphänomene, die verschiedene Täter-Opfer-Kontexte, Ursachen und Folgen von Gewalt beschreiben, etwa Jugendgewalt, Gewalt gegen Frauen, Kindesmisshandlung oder Terrorismus. Neuerdings findet auch eine stärkere Beschäftigung mit Gewalt gegen Männer statt (vgl. Pflegerl et al. 2001; Lenz 2006, Jungnitz et al. 2007). Der Begriff „Gewalt im sozialen Nahraum” umfasst „schädigende interpersonale Verhaltensweisen, intendiert oder ausgeübt in sozialen Situationen, die bezüglich der beteiligten Individuen durch Intimität und Verhäuslichung gekennzeichnet sind” (Godenzi 1996: 27). Er bezieht sich auf körperliche, sexuelle und psychische Gewalt, die in engen sozialen Beziehungen ausgeübt wird, etwa innerhalb der Familie und durch Beziehungspartner, aber auch in anderen, durch sozialräumliche Nähe gekennzeichneten Alltagskontexten wie Schule, Ausbildung und Berufswelt sowie Freundes-/Bekanntenkreis und Nachbarschaft. Eine eindeutige und umfassende einheitliche Begriffsbestimmung dessen, was als Gewalt zu bezeichnen ist, gibt es nicht; vielmehr kann es sich hinsichtlich der individuellen, fachlichen und berufsgruppenspezifischen Wahrnehmung stark unterscheiden und hängt auch von dem jeweiligen inhaltlichen Interesse an der Fragestellung ab. So bezieht sich etwa die kriminologische Gewaltforschung vor allem auf strafrechtlich relevante Handlungen und Sicherheitsaspekte, medizinisch und psychologisch orientierte Forschung hingegen stärker

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1 – Theoretische und methodische Grundlagen

auf Gewaltformen, die mit Verletzungsfolgen und/oder psychischen Schädigungen bzw. Störungen in einem Zusammenhang stehen, während sozial- und politikwissenschaftliche Gewaltforschung zusätzlich auch Beziehungsdynamiken und gesellschaftspolitisch relevante Aspekte wie Diskriminierung und Macht inkludiert. Zentrale Forschungstraditionen in Bezug auf Gewalt in engen sozialen Beziehungen sind die US-amerikanische Familiengewaltforschung (Family Violence Research) und die internationale Forschung zu Gewalt gegen Frauen (Violence Against Women oder Women Abuse research).1 Darüber hinaus stellen Forschungen zu Kindesmisshandlung und Kindesvernachlässigung inzwischen einen dritten großen Forschungszweig dar. Patriarchatskritische Forschung zu Gewalt gegen Frauen wirft Vertretern der Familiengewaltforschung vor, sie individualisiere Gewalt in Paar- und Familienbeziehungen und verschleiere auf unzulässige Weise die geschlechtsspezifischen Komponenten von Gewalt, die auf ungleichen Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern einerseits und auf einer Dominanz männlicher Täterschaft andererseits beruhen (Dobash und Dobash 1979, 1983 und Martin 1985, zit. n. Godenzi 1996: 21; Schröttle 2010; Gloor/Meier 2003). Die Familiengewaltforschung widerspricht dem und betrachtet das Schlagen von Frauen und Kindern vor allem als Phänomen familialer Beziehungen und weniger als Ausdruck gesellschaftlicher Machtungleichheiten (Gelles 1987, zit. n. Godenzi: 22). Ihre Intention, eher individuelle und familienorientierte Erklärungsansätze für alle familialen Gewaltformen zu beschreiben, findet allerdings dort ihre Grenze, wo die gesellschaftlichen und politischen Ursachen und Wirkungen individueller Gewalthandlungen und ihre Funktionen beim Aufbau und Erhalt von Machtverhältnissen unberücksichtigt bleiben (Gloor/Meier 2003; Schröttle 2010, vgl. auch die Forschungen zum Zusammenhang von Politik und individueller Gewalt in: Schröttle 1999). Für die vorliegende Forschungsarbeit sind vor allem empirische Studien relevant, die sich mit dem Ausmaß und der Verbreitung von Gewalt in der Bevölkerung befassen, die sogenannten „Gewaltprävalenzstudien”. Sie versuchen anhand von repräsentativen Befragungen das tatsächliche Gewaltvorkommen einschließlich des Dunkelfeldes von Gewalt aufzudecken, also auch jener Gewalt, die nicht polizeilich gemeldet und statistisch erfasst oder in anderen Institutionen (zum Beispiel in Krankenhäusern und Beratungsstellen) bekannt wurde. Da ein großer Teil der Gewalt gegen Kinder, Frauen und Männer im sozialen Nahraum, insbesondere in engen sozialen Beziehungen, niemals zur Anzeige kommt, bilden die statistischen Daten der polizeilichen Kriminalstatistik nur einen kleinen Ausschnitt der tatsächlichen Realität gewaltsamer Handlungen in Familien- und Paarbeziehungen ab. Polizeiliche Kriminalstatistiken können weder das Ausmaß der Gewalterfahrungen von Frauen und Männern noch deren geschlechtsspezifische Verteilungen bei Tätern, Täterinnen und Opfern realistisch nachzeichnen (Goldberg et al 2005). Das gilt auch für Befragungen, die innerhalb von bestimmten Institutionen, etwa Krankenhäusern und Beratungseinrichtungen, durchgeführt werden, da sie ebenfalls nur von einem Teil der Gewaltbetroffenen genutzt werden und nur diesen Ausschnitt abbilden (Schröttle 2005 und GIG-net 2009). Für die Einschätzung der Ausmaße von Gewalt auf breiterer gesellschaftlicher Ebene sind bevölkerungsbasierte Dunkelfeldstudien auf der Basis repräsentativer Befragungen, wie sie auch mit der vorliegenden Österreichischen Gewaltprävalenzstudie erstellt wurden, bes1

Einen guten Überblick über beide Ansätze gibt Godenzi (1996). Vgl. auch Schröttle 2010. Zu Gewaltprävalenzstudien im europäischen Raum vgl. Martinez/Schröttle 2005, 2006. Eine internationale Perspektive auf VAWPrävalenzforschung geben Johnson et al 2008; WHO 2005 und EGGSI, European Commission 2010.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

ser geeignet. Auch diese können aber trotz der inzwischen verfeinerten und hoch spezialisierten Methoden einer sensiblen Befragung niemals das gesamte Ausmaß der Gewalt erfassen, da z.  B. ein Teil der gewaltbetroffenen Frauen und Männer Dritten gegenüber keine Auskunft über erlebte Gewalt gibt, diese nicht erinnert oder verdrängt hat; zudem ist davon auszugehen, dass gerade Personen, die unter schwerster Gewalt und Kontrolle etwa in Paar- und Familienbeziehungen leiden, auch als Interviewpartner/innen schwieriger zu gewinnen sind. Insofern können die repräsentativen bevölkerungsbasierten Viktimisierungs- und Gewaltprävalenzstudien nicht das gesamte Dunkelfeld der tatsächlich ausgeübten Gewalt aufdecken (vgl. Schröttle 2005, Expertise für den Gender-Datenreport 2005 und GIG-net 2009). Im Bereich der Dunkelfeldstudien zu Gewalt gegenüber Frauen und Männern gibt es zum einen repräsentative kriminologische Viktimisierungsstudien, etwa den British Crime Survey, der in regelmäßigem Abstand das Ausmaß von Gewalt und Kriminalität erfasst (Walby/ Allen 2004), oder in Deutschland die großen Viktimisierungsstudien, die in den 1990erJahren erstellt wurden (Kury et al. 1996, KFN-Studie 1995). Da kriminologische Studien die Erfassung von erlebter Gewalt zumeist im Kontext von Fragen zu strafrechtlich relevanten Delikten und zur Kriminalitätsfurcht erfassen, können sie Gewalt im öffentlichen Raum, die eindeutiger als Verbrechen wahrgenommen wird, besser abbilden als Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Diese wird von den Befragten oftmals nicht als strafwürdiges Verhalten bzw. als kriminelle Handlung definiert und deshalb in allgemeinen kriminologischen Befragungen nicht genannt. Um Erkenntnisse über Gewalt im sozialen Nahraum zu gewinnen, sind oft zusätzliche sozialwissenschaftliche Befragungen und Befragungsmodule notwendig, die mit entsprechend geeigneten Frageformulierungen direkt auf Gewalt in engen sozialen Beziehungen abzielen. Die Prävalenzraten von Gewalt im sozialen Nahraum und von besonders stark tabuisierten Gewaltformen wie sexueller Gewalt und Gewalt in Paarbeziehungen sind nachweislich höher, wenn in Befragungen und Befragungsmodulen direkt auf den Kontext von Familien und Paarbeziehungen eingegangen wird (vgl. u.  a. Walby/Allen 2004, Wetzels 1997, Schröttle/Müller 2004). Sie steigen zudem an, wenn spezifische Methoden gewählt werden, die das Vertrauen der Befragten in die Anonymität der Befragung erhöhen und eine Beantwortung der hochsensiblen bzw. tabuisierten Fragen erleichtern, etwa durch eine Listenabfrage konkreter Gewalthandlungen, bei der die Befragten nur mit Kennbuchstaben antworten und keine Gewalterlebnisse direkt schildern müssen, oder durch den Einsatz schriftlicher Zusatzfragebögen zur Erfassung besonders sensibler Themenbereiche (vgl. Walby/Allen 2004, Wetzels 1997, Schröttle/Müller 2004, GIG-net 2008). Auch eine intensive Schulung der eingesetzten interviewenden Personen im Vorfeld der Befragung mit dem Ziel, eine möglichst vorurteilsfreie, sensible, sichere und neutrale Herangehensweise zu gewährleisten und die Durchführung der Interviews in einer ruhigen, geschützten Atmosphäre ohne Anwesenheit Dritter zu ermöglichen, trägt zu einer erhöhten Aufdeckung bestehender Dunkelfelder bei.2 Die vorliegende Studie ordnet sich ein in den Kontext sozialwissenschaftlicher geschlechtersensibler Viktimisierungsstudien und hat ihre Methodik in enger Anlehnung an die deutsche Gewaltprävalenzstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland” (Schröttle/Müller 2004) und an die Erfahrungen der damals parallel laufen2

Gerade bei Befragungen zu häuslicher Gewalt ist der Schutz der Befragten besonders relevant; vgl. auch die ethischen Standards zur Erforschung von Gewalt gegen Frauen, WHO (2001).

34

1 – Theoretische und methodische Grundlagen

den Pilotstudie zu Gewalt gegenüber Männern in Deutschland (Jungnitz et al. 2007) entwickelt. Die Fragebögen dieser Studien, in denen sexuelle ebenso wie körperliche und psychische Gewalt erfasst wurden, dienten als Grundlage. Sie wurden dann aber sowohl inhaltlich als auch methodisch weiterentwickelt, um verschiedene Gewaltkontexte ebenso wie Gewalt gegen Männer noch besser erfassen und gleichermaßen die Täterschaft wie auch die Opferwerdung von Menschen beiderlei Geschlechts vergleichend untersuchen zu können. Die Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit der befragten Frauen und Männer spielten ebenfalls eine Rolle. Darüber hinaus wurden Schweregrade, Folgen und Bedrohlichkeit der erlebten Gewalt mit einer teilweise von den deutschen Studien adaptierten (Schröttle/Ansorge 2009), teilweise aber neu entwickelten Methodik erfasst, die es ermöglicht, bei jeder erlebten Gewalthandlung zusätzlich festzuhalten, ob diese als bedrohlich erlebt wurde. Ähnlich wie die Studien der Familiengewaltforschung befragt die vorliegende Studie Frauen und Männer primär als von Gewalt Betroffene, sekundär auch als potenzielle Täter. Anders als diese bezieht sie sich aber auf innerhäusliche Gewalt und solche im sozialen Nahraum ebenso wie auf außerhäusliche Gewalt. Sie vermag zudem schwere und einseitige Misshandlungen zu erfassen. Gewalt wird nicht bloß im Rahmen von Partnerkonflikten und Streit erfasst. Darüber hinaus unterscheidet sie sich von der sogenannten Family-ViolenceForschung durch ihre kritische Perspektive auf Aspekte von Macht und Geschlecht, die in einigen zusätzlichen Fragen zu Geschlechterbeziehungen und Gewaltbereitschaft ihren Ausdruck findet, aber auch im Rahmen einer geschlechtersensiblen Analyse und Interpretation der Ergebnisse. Außerdem sind in die methodische Entwicklung des Fragebogens und der Konzeption Kenntnisse aus der internationalen Gewaltprävalenzforschung eingeflossen, die bei der Koordination eines Subnetworks zur Gewaltprävalenzforschung einer Europäischen Forschungsvernetzung (CAHRV) und der dabei entwickelten Standards für die europäische empirische Gewaltforschung gewonnen werden konnten.3

Abbildung 1: Typologie der Gewalt (WHO) Violence

Interpersonal

Self-directed

Suicidal behaviour

Nature of violence

Selfabuse

Family / partner

Child

Partner

Collective

Community

Elder

Acquaintance

Social

Political

Economic

Stranger

Physical Sexual Psychological Deprivation or neglect

Quelle: WHO (2002), Seite 7.

3

Vgl. Schröttle/Martinez 2005, 2006 und 2007.

35

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Die individuelle Gewaltbetroffenheit und das individuelle Gewalterleben von Menschen, die im Rahmen dieser Studie befragt werden, aber auch die individuelle und gesamtgesellschaftliche Bewertung dieser Gewalt sind durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt. Ein zentrales Unterscheidungskriterium im Rahmen der Gewaltprävalenzforschung ist zunächst die Form: Handelt es sich um einen körperlichen oder psychischen Übergriff, oder um eine Form von sexueller Gewalt oder sexueller Belästigung? Während dies bei körperlichen Übergriffen und bei eindeutig erzwungenen sexuellen Handlungen relativ leicht zu bestimmen ist, sind die Grenzen bei psychischer Gewalt und sexueller Belästigung teilweise schwieriger zu erfassen. Hier überlässt die quantitative Gewaltforschung eine Bewertung und Einordnung dessen, was erlebt wurde, nicht den Befragten selbst, da dies zu viele Unschärfen in der Messung von Gewalt hervorbringen würde, sondern gibt für die jeweilige Gewaltform Antwortvorgaben zu konkreten Handlungen, welche der/die Befragte erlebt haben könnte. In quantitativen Untersuchungen zu den Ausmaßen und Erscheinungsformen von Gewalt wird zumeist nicht direkt und auf allgemeiner Ebene nach dem Erleben von „Gewalt” gefragt, da die Frage, was „Gewalt” ist, individuell sehr unterschiedlich eingeschätzt werden kann; vielmehr fragen sie nach dem Erleben konkreter Handlungen, zum Beispiel: „Wurden Sie geschlagen, getreten, gestoßen, verprügelt … etc.”, um möglichst vergleichbare Daten hervorbringen zu können.4 Abbildung 2: Dimensionen des individuellen Gewalterlebens

•  Partnerschaft •  Kind-Eltern •  Arbeitsbeziehungen •  Bekannte •  Fremde

•  Geschlecht •  sexueller Orientierung •  Migrationshintergrund •  soziale Stellung

•  psychische Gewalt •  physische Gewalt •  sexuelle Belästigung •  sexuelle Gewalt

TäterOpferKontext

Form

Gesellschaftliche Diskriminierung

Konkrete Handlungen

Schweregrad der Handlungen

Subjektive Bewertung •  bedrohlich •  Angst machend •  gewalttätig •  schmerzhaft •  nicht bedrohlich •  etc.

Häufigkeit

•  beleidigt worden •  Ohrfeige •  zu küssen versucht •  zu sexuellen Handlungen gezwungen •  etc.

•  mäßige (leichte), •  mittlere, •  schwere Gewalt

•  konkrete Anzahl •  Kategorien (häufig, selten, nie, …) •  Inzidenz (Zeitraum)

Quelle: Eigene Darstellung ÖIF. 4

Vgl. zu einem Überblick bisheriger europäischer Gewaltprävalenzstudien und ihrer Methodik, sowie zur Vergleichbarkeit der Daten im Überblick: Martinez/Schröttle et al. 2006, Schröttle/Martinez et al. 2007.

36

1 – Theoretische und methodische Grundlagen

Diese einzelnen Handlungen können jedoch sehr verschiedene Ausprägungen und auch unterschiedliche kontextspezifische Bedeutungen und Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, im Rahmen der Gewaltprävalenzforschung auch zusätzlich nach der Schwere, Bedrohlichkeit und den Folgen dieser Handlungen zu fragen. So kann zum Beispiel die Handlung „wurde getreten” von einem relativ harmlosen Tritt beim Vorbeigehen bis hin zu sehr schwerer und lebensbedrohlicher Gewalt mit erheblichen Verletzungsfolgen reichen (Beispiel: U-BahnSchläger). Auch macht es einen Unterschied, ob diese Handlung als bedrohlich oder Angst machend erlebt wurde. Eine Einbeziehung solcher Aspekte ermöglicht erst eine Konkretisierung und faktische Verobjektivierung dessen, was jeweils an Gewalt erlebt wurde. Ein weiterer Faktor zur Einordnung und Bewertung der Handlungen und des Schweregrades der erlebten Gewalt ist, ob es sich um einmalige oder um fortgesetzte Gewalt gehandelt hat. So macht es zum Beispiel einen großen Unterschied, ob im Rahmen einer Familien- oder Paarbeziehung eine einmalige Ohrfeige gegeben wurde, die sich nicht wiederholt hat, oder ob es sich um regelmäßige und systematische Übergriffe handelt, durch die Misshandlungsbeziehungen in der Regel geprägt sind und die oft besonders schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Betroffenen haben (Schröttle/Hornberg et al. 2009, Schröttle/Ansorge 2009). Der Täter-Opfer-Kontext ist ein weiteres Kriterium für die Beschreibung und Einordnung einer Handlung als „Gewalt”. So wird unter Umständen ein Schlag ins Gesicht der Mutter durch ein Kleinkind, das auf ihrem Schoß sitzt, anders zu bewerten sein als der Schlag ins Gesicht durch einen Unbekannten im öffentlichen Raum, und dies wiederum anders als eine ebensolche Handlung durch den Beziehungspartner. Auch eine Schlägerei zwischen Erwachsenen wird eine andere Bewertung erfahren als eine körperliche Auseinandersetzung zwischen Kindern/Jugendlichen und Geschwistern (welche natürlich ebenfalls nicht banalisiert werden sollte). Ein weiter Faktor: Handelt es sich um eine Form von Gewalt, die eingebettet ist in einen Kontext von gesellschaftlichen Über-/Unterordnungs-Verhältnissen und Diskriminierung? So wird eine verbale Beleidigung, die in einen rassistischen Bezug einzuordnen ist, eine andere Bedeutung haben als eine, die sich lediglich individuell auf eine Person bezieht. Auch Gewalt gegen Frauen durch Männer oder Gewalt gegen homosexuelle Frauen und Männer durch Heterosexuelle hat im Rahmen einer patriarchalen und heteronormierten Gesellschaft eine spezifische Bedeutung, da sie gesellschaftliche Über-/UnterordnungsVerhältnisse nutzt und festigt und in diskriminierende Gesellschaftsstrukturen eingebettet ist (Schröttle 1999; Schröttle 2010). Die Bewertung und Schwere einer Gewalthandlung bemisst sich deshalb nicht allein nach der konkret genannten Handlung, sondern nach einer Vielzahl von Faktoren. Eine Gewalthandlung ist als umso schwerwiegender einzuordnen, je eher n

es sich um einen per se schwerwiegenden Übergriff handelt (z. B. Verprügeln, Vergewaltigung),

n

sie konkrete schädigende Folgen hat (Verletzungsfolgen, psychische Probleme, psychosoziale Folgen),

n

sie als bedrohlich und Angst machend erlebt wird,

n

es sich um fortgesetzte und systematische Gewalt handelt,

37

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern n

das Gewaltopfer wehrlos ist (sei es körperlich oder psychisch),

n

die Gewalt in gesellschaftliche Über-/Unterordnungs-Verhältnisse und Diskriminierungen eingebunden ist.

Darüber hinaus kann auch die Nähe der Beziehung oder das Ausnutzen von Abhängigkeitsverhältnissen eine Rolle in der Bewertung der Schwere der Gewalt spielen. Zum Beispiel wird von Gewaltopfern berichtet, dass gerade die Nähe der Beziehung, etwa bei einem prügelnden Partner, als besonderer Vertrauensverlust erlebt wurde und fortgesetzte Demütigungen gerade im Kontext von Familien- und Paarbeziehungen, die vielfach von ökonomischen und psychischen Abhängigkeiten geprägt sind, sich als besonders schädigend erweisen (Schröttle/Hornberg et al. 2009). Viktimisierungsstudien bilden konsequent die Aussagen der Befragten ab, da den Forschern und Forscherinnen nur diese Informationen zur Verfügung stehen. Bei einer Studie wie der vorliegenden, bei der beide Geschlechter nach Opferwerdung und Täterschaft befragt werden, ist jedoch zu berücksichtigen, dass gerade im Geschlechtervergleich unterschiedliche Wahrnehmungen und Sensibilisierungen in Bezug auf die (Schwere der) eigene(n) Täterschaft und Opferwerdung bestehen können und auch Unterschiede im Hinblick auf sozial erwünschtes Antwortverhalten. So wird zum Beispiel aus der Täterarbeit berichtet, dass männliche Gewalttäter ihr Gewalthandeln oftmals herunterspielen und banalisieren und/ oder sich selbst als Opfer von Gewalt darstellen, um das eigene Handeln zu rechtfertigen. Aus der sozialwissenschaftlichen Forschung ist darüber hinaus bekannt, dass Frauen eigene Täterschaft oftmals sensibler und kritischer beschreiben (vgl. Schröttle/Müller 2004) und schneller eine eigene (Mit-)Schuld an erlebter Gewalt konstruieren (Schröttle 2010). Letzteres wird auch aus der Arbeit mit weiblichen Gewaltopfern in Frauenberatungsstellen berichtet, ist aber auch anhand von wissenschaftlichen Untersuchungen belegt (Glammeier 2010). In Bezug auf männliche Opferwerdung ist außerdem davon auszugehen, dass viele körperliche Übergriffe eher heruntergespielt und banalisiert bzw. normalisiert werden, da Opfersein mit der männlichen Geschlechteridentität kollidiert (Lenz 2006; HagemannWhite/Lenz 2002). Solche Mechanismen können einen erheblichen verzerrenden Einfluss auf die Ergebnisse der Opferwerdung und Täterschaft von Frauen und Männern im Rahmen von Gewaltprävalenzstudien haben, die im Zuge der Auswertung und Interpretation der Ergebnisse kritisch einzubeziehen sind.

Gewaltschutz in Österreich Die gesellschaftliche Haltung zu Gewalt und die konkreten Wirkungen auf das individuelle Verhalten der Normadressaten werden maßgeblich durch die jeweiligen gesetzlichen Regelungen in einem Land mitbestimmt (vgl. Bussmann et al. 2010 und Bussmann et al. 2009). Österreich nimmt im internationalen Vergleich zweifellos eine Vorreiterrolle in Bezug auf Schutz vor Gewalt in der Familie ein. So hat Österreich mit dem Kindschaftsrechts-Änderungsgesetz 1989 als viertes Land weltweit nach Schweden (1979), Finnland (1983) und Norwegen (1987) das absolute Gewaltverbot in der Erziehung eingeführt. Vorausgegangen war dem die Neuordnung des Kindschaftsrechtes im Jahr 1977, womit das bis dahin

38

1 – Theoretische und methodische Grundlagen

geltende Züchtigungsrecht der Eltern abgeschafft wurde. Als rechtspolitischer Meilenstein auf dem langen und beschwerlichen Weg hin zu einer gewaltfreieren Gesellschaft ist indes das im Jahr 1997 in Kraft getretene Gewaltschutz-Gesetz anzusehen. Zentrales rechtliches Instrumentarium dieses Gesetzes ist die sogenannte Wegweisung des Gewalttäters/ der Gewalttäterin bzw. das Betretungsverbot der gemeinsamen Wohnung gegenüber dem Gewalttäter/der Gewalttäterin. Im Rahmen dieser gesetzlichen Regelung wurden der Exe­ kutive neue Befugnisse eingeräumt, u.  a. wurde auch den Jugendwohlfahrtsträgern die Möglichkeit gegeben, als Sachwalter des Kindes den gewalttätigen Elternteil im Namen des gefährdeten Kindes wegzuweisen. Das im Jahr 2009 in Kraft getretene zweite Gewaltschutzgesetz umfasst Neuregelungen des Gewaltschutzes etwa hinsichtlich der Dauer des Betretungsverbotes oder in der Neuschaffung eines Straftatbestandes, welcher Gewalt über einen längeren Zeitraum als fortgesetzte Gewaltausübung definiert und mit erhöhten Strafen bedroht. Mit dem Familienrechts-Änderungsgesetz 2010 wurde ein weiterer Schritt zum Schutz vor Gewalt in der Familie unternommen. So wurde im Interesse eines effektiven Schutzes von Kindern vor Gewalt eine allgemeine Schutzpflicht für volljährige Personen, die nicht nur vorübergehend im selben Haushalt mit dem Elternteil leben und mit dem leiblichen Elternteil des Kindes in familiärer Beziehung stehen, eingeführt. (Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend 2009; Haller et al. 2010; Kapella et al. 2009). Zuletzt wurde mit dem Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern vom 15. Februar 2011 das Recht von Kindern auf Gewaltfreiheit verfassungsgesetzlich (Art. 55) verankert.

1.2 Forschungsfragestellung Die Kernfragestellung einer Gewaltprävalenzstudie besteht in der Aufdeckung von Gewalthandlungen, die eine Person im Laufe ihres Lebens erlebt hat. Die besondere methodische Herausforderung liegt einerseits in einer möglichst umfassenden Erhebung der Wirklichkeit einschließlich der Aufdeckung des sogenannten Dunkelfeldes der Gewalterfahrungen (vgl. Kapitel 1.1), andererseits aber auch in der Operationalisierung, also der Ausformulierung des Erhebungsinstrumentes, um die Komplexität von Gewalt darzustellen. Gewalterfahrungen gehören zu einem sensiblen Lebensbereich, bei dem auch sozialwissenschaftliche Untersuchungen an ihre Grenzen stoßen. Oft sind derartige Erfahrungen selbst für den betroffenen Menschen nur bedingt rational verfüg- und abrufbar und bleiben somit „im Dunkeln”. Eine besondere Herausforderung für sozialwissenschaftliche Studien ist es daher, diese Erinnerungen und Erfahrungen über eine wissenschaftliche Befragung

5

Artikel 5

(1) Jedes Kind hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, die Zufügung seelischen Leides, sexueller Missbrauch und andere Misshandlungen sind verboten. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung. (2) Jedes Kind als Opfer von Gewalt oder Ausbeutung hat ein Recht auf angemessene Entschädigung und Rehabilitation. Das Nähere bestimmen die Gesetze.

39

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

zugänglich zu machen, also das sogenannte „Dunkelfeld” aufzudecken. Der Begriff „Dunkelfeld” wird in der vorliegenden Studie als die Gesamtheit aller erfahrenen Gewalthandlungen verstanden, die nicht polizeilich erfasst und/oder institutionell sichtbar geworden sind (zum Beispiel durch Anzeigeerstattung und polizeiliche Kriminalstatistik sowie Erhebungen von Frauenhäusern). Zentrale Frage ist, inwieweit es mit dem vorliegenden Studiendesign gelingt, Gewalthandlungen bestmöglich aufzudecken oder nicht. Bisher standen in Österreich zur Abschätzung des Dunkelfeldes lediglich die offizielle Anzeigenstatistik1.2undForschungsfragestellung die Gerichtsstatistik zur Verfügung. Beide Zugänge geben nur einen Die Kernfragestellung einer Gewaltprävalenzstudie liegt in der Gewalt, Aufdeckung wie von andere Studien begrenzten Einblick in das tatsächliche Ausmaß der erfahrenen Gewalthandlungen, die eine Person im Laufe ihres Lebens erlebt hat. Die besondere

in Europa zeigen (siehe Kapitel 1.1). methodische Herausforderung dieser Studien liegt einerseits in einer möglichst umfassenden Abbildung

Erfassung der Wirklichkeit einschließlich der Aufdeckung des sogenannten Dunkelfeldes der Gewalterfahrungen (vgl. Kapitel 1.1), andererseits aber auch in der Operationalisierung, also der Dunkelfeld Ausformulierung des Erhebungsintrumentes, um die Komplexität von Gewalt zu 3: erfassen. Abbildung 3: Dunkelfeld

Quelle: Eigene Darstellung ÖIF. Quelle: Eigene Darstellung ÖIF.

Mit der vorliegenden Prävalenzstudie konnte nun ein weitaus größerer Bereich des

DunkelfeldesPrävalenzstudie aufgedeckt werden, alskonnte dies bishernun möglich warweitaus und somit eine in Österreich Mit der vorliegenden ein größerer Bereich des Dunbestehende Datenlücke geschlossen werden. Zusätzlich konnte eine auch in der kelfeldes aufgedeckt werden, als dies bisher möglich war. Damit wurde eine in Österreich europäischen Gewaltforschung bestehende Lücke geschlossenen werden, nämlich der direkte Geschlechtervergleich, bislang lediglich im auch Rahmen irischen bestehende Datenlücke geschlossen.der Zusätzlich war dies im einer Hinblick auf eine Lücke in Gewaltprävalenzstudie (Watson/Parsons 2005) und des British Crime Survey (Walby/Allen der europäischen Gewaltforschung möglich, nämlich beim direkten Geschlechtervergleich, 2005) im Hinblick auf Partnergewalt untersucht wurde. Die Befragung von Frauen und Männer Österreich zu einer ihren jeweiligen in verschiedenen der bislang lediglichin im Rahmen irischenGewalterfahrungen Gewaltprävalenzstudie (Watson/Parsons Lebensbereichen im Rahmen der vorliegenden Studie erlaubt einen direkten Vergleich 2005) und deszwischen British Crime Survey (Walby/Allen 2005) im Zusammenhang mit PartnergeFrauen und Männern. walt untersucht worden war. Die Befragung zu ihren jeweiligen Gewalterfahrungen in ver20 schiedenen Lebensbereichen erlaubt einen direkten Vergleich zwischen Frauen und Männern in Österreich im Rahmen der vorliegenden Studie.

Um die Komplexität von Gewalthandlungen möglichst umfassend zu untersuchen und darstellen zu können, ging die vorliegende Prävalenzstudie in ihrem Design unterschiedlichen inhaltlichen und methodischen Fragestellungen und Schwerpunkten nach, die im Folgenden kurz skizziert werden:

40

1 – Theoretische und methodische Grundlagen

Prävalenz und zeitliche Dimension der erfahrenen Gewalt von Frauen und Männern Die meisten der bisherigen europäischen repräsentativen Studien zum Thema Gewalt in der Familie bzw. im sozialen Nahraum wurden ausschließlich im Hinblick auf die Viktimisierung von Frauen bzw. Kindern durchgeführt (vgl. Schröttle/Martinez 2005, 2007). Zentrales Ziel der vorliegenden Studie war es hingegen, ein möglichst umfassendes Bild der Gewalterlebnisse von Frauen und Männern zu erhalten. Die Gewalterlebnisse umfassten daher drei zeitliche Dimensionen:

n

Gewalterfahrungen der 16- bis 60-jährigen Frauen und Männer über den gesamten Lebenszyklus,

n

Gewalterfahrungen innerhalb der der Befragung vorangegangenen drei Jahre 2007 – 2010 (s. u.) und

n

den Rückblick auf Gewalterfahrungen in der Kindheit.

Die Gewalterlebnisse wurden systematisch nach folgenden Gewaltformen abgefragt: n

Psychische Gewalt

n

Körperliche Gewalt

n

Sexuelle Belästigung

n

Sexuelle Gewalt

Grundsätzlich ging es um alle Lebensbereiche, in denen es zu Gewalterfahrungen gekommen ist. Allerdings hat die vorliegende Studie besonders auf Gewalterlebnisse im familialen bzw. sozialen Nahraum fokussiert.

Prävalenz und Inzidenzraten der Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre Neben der Prävalenz der Gewalterfahrungen im gesamten Leben ging es – wie oben erwähnt – in der vorliegenden Studie auch um das Erheben jener Gewalthandlungen, die in einem bestimmten Zeitraum in der Familie bzw. dem sozialen Nahraum neu angefallen sind; ferner um die Frage, von welchen Personen diese ausgeübt worden sind, sowie um die Erfassung der entsprechenden Inzidenz. In einigen wissenschaftlichen Bereichen (z. B. der Medizin) werden Inzidenzraten für das letzte Jahr berechnet. Für die vorliegende Forschungsfragestellung erschien jedoch ein etwas größerer Zeitraum – der mit drei Jahren festgelegt wurde – sinnvoller, um auch in Teilaspekten sowie bei jeder der abgefragten Gewaltformen Inzidenzen nachzuweisen.

Täter/innen in der Familie und im sozialen Nahraum Wer übt Gewalt aus? Wer sind die Täter bzw. die Täterinnen? Neben der grundsätzlichen Analyse, ob die Gewalt primär durch Täter und/oder Täter innen ausgeübt wird, ging es vor allem um die detaillierte Erhebung, wer die Täter/innen der letzten drei Jahre im familialen Bereich bzw. im sozialen Nahraum gewesen sind (Inzidenz). Zu diesem Zweck wurde

41

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

für die Studie eine vierzig Personen umfassende Täter/innen-Liste entwickelt, die neben den Kategorien „männliche bekannte”/„männliche unbekannte” bzw. „weibliche bekannte”/ „weibliche unbekannte” Personen enthielt, die aber auch sehr detailliert alle Personen im näheren sozialen Umfeld auflistete, z. B. Vater/Mutter, Cousin/Cousine, Stiefbruder/Stiefschwester, Nachbar/Nachbarin.

Folgen der Gewalthandlungen Um einen Eindruck über den Schweregrad von Gewalthandlungen zu erhalten, wurden für jede Gewaltform mögliche Folgen der Gewalthandlungen abgefragt. Einerseits ging es um direkte psychische und physische Folgen, andererseits aber auch um langfristige psychosoziale Folgen wie z. B. die Trennung vom Partner/von der Partnerin, den Auszug aus der gemeinsamen Wohnung oder einen Arbeitsplatzwechsel.

Kontext gewalttätiger Handlungen Durch unterschiedliche Fragestellungen sollte die Studie auch erlauben, einen Eindruck vom jeweiligen situativen Kontext, in dem es zu gewalttätigen Übergriffen kommt, zu gewinnen. So wurden die Respondenten einerseits im Rahmen einer offenen Frage gebeten, die jeweiligen Gewaltsituationen stichwortartig zu beschreiben. Andererseits wurde versucht, den Kontext über spezifische Angaben zur Gewaltsituation zu erschließen: Standen der Täter/ die Täterin oder die Person selbst z. B. unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol? An welchen Orten (z. B. eigene Wohnung, Auto) kam es zu diesen Übergriffen? Wie sind die handgreiflichen Auseinandersetzungen entstanden? Hat die andere Person begonnen oder man selbst? Welches Verhältnis besteht zwischen Täter/in und Opfer?

Eigene Täterschaft Gewalt ist ein komplexes gesellschaftliches Phänomen und umfasst mehrere Dimensionen. Die Erhebung eigener Opfer-Erfahrungen von Frauen und Männern ist zentrale Zielsetzung der vorliegenden Prävalenzstudie. Um jedoch einen vertiefenden Einblick in die Komplexität von Gewalthandlungen zu erhalten, wurden im Rahmen dieser Erhebung auch Angaben zur eigenen Täterschaft abgefragt, d.  h. es wurde eruiert, inwieweit die Respondenten selbst schon Gewalt gegenüber anderen Personen angewendet hatten und in welcher Form dies erfolgte. Die Beantwortung der Fragen zu Gewalt gestaltete sich niederschwelliger, wenn die Befragten sich in Bezug auf einzelne Handlungen gleichermaßen als Opfer und als Täter/in von Gewalt einstufen konnten.

Mehrdimensionale methodische Zugänge Einzigartig an der vorliegenden Gewaltforschungsstudie ist ihre methodische Vorgehensweise zur Aufdeckung der Prävalenz. Das Studiendesign wurde konsequent auf die Beantwortung der folgenden Fragen ausgerichtet:

42

1 – Theoretische und methodische Grundlagen n

Erleben Männer und Frauen Gewalt in der Familie und im sozialen Nahraum, und wenn ja, wie häufig?



Vorgehen in der Studie: Bei Frauen und Männern wurde das gleiche Erhebungsinstrument eingesetzt. Zum ersten Mal werden Prävalenzen parallel für Männer erhoben, was einen direkten Geschlechtervergleich erlaubt.

n

Welcher methodische Zugang deckt eine höhere Prävalenz auf? Ist das in diesem Bereich bisher übliche Face-to-Face-Interview oder etwa eine selbst auszufüllende OnlineVersion des Fragebogens effizienter? Dies wurde im Rahmen der Studie geprüft.



Vorgehen in der Studie: Rund tausend Respondenten wurden in Face-to-Face-Interviews befragt, etwa ebenso viele Respondenten wurden mittels eines Online-Fragebogens in einem offline rekrutierten Panel befragt (Details siehe Kapitel 1.3).

n

Wer deckt bei männlichen Respondenten eine höhere Prävalenz auf, Interviewer oder Interviewerinnen?



Vorgehen in der Studie: Die Hälfte der Männer wurde von Interviewern in der Faceto-Face-Befragung interviewt und die andere Hälfte von Interviewerinnen. Aus forschungsethischen Gründen wurde diese methodische Fragestellung nur bei den befragten Männern angewendet; in zahlreichen Violence-Against-Women-Surveys ist es Standard, Frauen nur durch Frauen befragen zu lassen, weil insbesondere sexuelle Gewalt gegenüber männlichen Interviewern nur schwer zu berichten ist (siehe auch die Standards in: Martinez/Schröttle et al. 2007 und die WHO Standards 2001).

1.3 Studiendesign und Methodik Die Entwicklung eines geeigneten Erhebungsinstrumentes (Fragebogen) für diese Forschungsfragestellung war zentral für das vorliegende Forschungsvorhaben. Ursula Müller und Monika Schröttle (2004) haben im Rahmen ihrer Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland – Ergebnisse der repräsentativen Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland” ein Instrumentarium auf Basis einer ausführlichen Literaturstudie bereits vorhandener Prävalenzstudien vorgestellt. Dieses Erhebungsinstrument sowie die damit gemachten Erfahrungen waren, wie bereits erwähnt, zusammen mit anderen Viktimisierungsstudien und Statistiken die Basis zur Entwicklung eines Fragebogens für die österreichische Prävalenzstudie. Die Weiterentwicklung des deutschen Fragebogens wurde in enger Kooperation mit einer Reihe von Fachleuten in Österreich und Deutschland vorgenommen. Um möglichst viele Erfahrungen aus Deutschland in die Erstellung des österreichischen Fragebogens einzubringen, wurde Monika Schröttle als Konsulentin für das gesamte Projekt gewonnen. HansJoachim Lenz, Gewaltforscher mit Schwerpunkt Gewalt gegen Männer, wurde ebenfalls als Konsulent zur Modifizierung des Erhebungsinstrumentes hinzugezogen. Vor allem die spezifischen Erfahrungen von Experten, Expertinnen und Personen aus der Praxis in Österreich sollten in die Entwicklung des Fragebogens einfließen. So wurden die unterschiedlichsten Organisationen, Institutionen und Personen, die im Bereich Gewaltforschung und Gewaltberatung arbeiten, zur Mitarbeit an der Erstellung des Fragebogens eingeladen. Zentrale

43

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Beiträge zur Entwicklung des Fragebogens kamen dankenswerter Weise vor allem von der Projektleitung im Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, von den Kinderund Jugendanwälten, den Frauenhäusern und Gewaltschutzzentren, Kinder- und Jugendärzten und -ärztinnen, dem Weißen Ring, der Männerabteilung des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz sowie den verschiedenen Fachabteilungen des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend. Die intensive Kooperation mit verschiedenen Akteuren führte zur Entwicklung eines vollkommen neu strukturierten und um viele inhaltliche Bereiche erweiterten Fragebogens sowie zu unterschiedlichen methodischen Adaptionen. Dieses neue Instrumentarium sowie die Erfahrungen damit sollen mit diesem Bericht auch einem erweiterten Kreis vorgestellt und zur Diskussion vorgelegt werden. Der entwickelte Fragebogen wurde durch das Forscher/innen-Team in mehreren Pre-Tests überprüft. Bei den Pre-Test-Interviews wurde besonderer Wert auf die Annahme und Verständlichkeit bei Frauen und bei Männern gelegt. Zusätzlich wurde dank der Unterstützung von NEUSTART Wien der Fragebogen auch an Gewalttäter/innen getestet, um sicherzustellen, dass damit nicht nur Opfer-Erfahrungen, sondern auch die eigene Täterschaft erhoben werden. Die vorliegende Untersuchung basiert auf einer Befragung von 2 334 Personen im Alter von sechzehn bis sechzig Jahren (davon 1 292 Frauen und 1 042 Männer), die sich, wie bereits beschrieben, in eine Face-to-Face befragte Gruppe (1 036 Personen) und eine online befragte Gruppe (1 298 Personen) teilen. Befragung und Feldarbeit wurden vom Marktforschungsinstitut market durchgeführt Die dargestellte Herausforderung der Aufdeckung des Dunkelfeldes im Rahmen der Erhebung der Gewaltprävalenz kann analog zu allgemeinen empirischen Studien in drei Teilbereiche gegliedert werden: 1. Die Auswahl der zu untersuchenden Beobachtungseinheiten muss repräsentativ für die festgelegte Zielgruppe sein. In diesem Fall sind das alle Österreicher und Österreicherinnen im Alter zwischen sechzehn und sechzig Jahren. In der vorliegenden Studie stellen die befragten Personen die Beobachtungseinheiten dar, es kann sich grundsätzlich aber auch um Haushalte, Unternehmen, Paare etc. handeln. Die Repräsentativität der ausgewählten Stichprobe ist gewährleistet, wenn jede Österreicherin und jeder Österreicher im Alter zwischen sechzehn und sechzig Jahren die gleiche Chance haben, in die Stichprobe aufgenommen, das heißt kontaktiert zu werden, unabhängig von Wohnort, Beruf, Geschlecht etc. und unabhängig auch davon, ob sie oder er Gewalt erlebt hat oder nicht. 2. Generell muss bei empirischen Studien davon ausgegangen werden, dass bei einem Teil der ausgewählten Personen Antworten für den gesamten Fragebogen nicht vorliegen. Ob und wie sich das Antwortverhalten auf die Repräsentativität einer Studie auswirkt, hängt vom Ausmaß und den Gründen für die Nichtbeantwortung der Fragen ab. Unterscheidet sich in diesem Fall die Antwortbereitschaft abhängig vom Grad der erlebten Gewalt, führt dies zu einer Verzerrung der Ergebnisse. 3. Schließlich müssen die Antworten auf die Fragen den Tatsachen entsprechen. Ein unwahres Antwortverhalten kann sowohl am Inhalt der Frage, an der Formulierung

44

1 – Theoretische und methodische Grundlagen

der Fragestellung oder an der Art der Befragung liegen, aber auch an einem sozial erwünschten Antwortverhalten des/der Befragten (siehe Kapitel 1.1). Im Rahmen dieser Studie wurden parallel zwei verschiedene Erhebungsmethoden (Faceto-Face- und Online-Erhebung) für dieselbe Grundgesamtheit eingesetzt. Diese Vorgehensweise schafft Ansatzpunkte für die Überprüfung der Qualität der Ergebnisse und liefert neue Erkenntnisse in der Anwendung von Untersuchungsmethoden in der Gewaltforschung. Für die Face-to-Face-Befragung erfolgte die Auswahl der Stichprobe auf Basis einer Quotierung nach Alter, Geschlecht, Ort, Bildung und Berufstätigkeit. Bei Quotenstichproben besteht im Vergleich zu Zufallsstichproben die Gefahr, Personen auszuwählen, die – unter Einhaltung der Quote – eine hohe Antwortbereitschaft aufweisen, sympathischer und leichter zu erreichen sind. Im Rahmen dieser Untersuchung wurde von den Studienleitern darauf geachtet, dass die Interviewer/innen ihnen unbekannte Personen außerhalb ihres Heimatbezirkes und Bundeslandes an zufällig zugeordneten Orten auswählten und befragten. Die Interviewer/innen waren erfahrene Mitarbeiter/innen des Marktforschungsinstituts market, die zusätzlich eine spezielle Schulung zum Thema Gewalt erhielten. Ziel und Zweck dieser Schulung, die auch entlang des Konzeptes der deutschen Gewaltprävalenzstudien entwickelt wurde, war einerseits die Motivierung der Mitarbeiter/innen für die Mitarbeit an der bevorstehenden Studie. Andererseits sollte Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Gewalt kein Phänomen in einer spezifischen Bevölkerungsgruppe ist, sondern dass Frauen und Männer von vielen unterschiedlichen Formen von Gewalt betroffen sind. Es ging aber auch um die „Ent-Ängstigung”, zu diesem Thema eine Befragung durchzuführen. Die Interviewer/innen sollten auf alle möglichen Fälle von Reaktionen vorbereitet sein und sich sicher fühlen. Sie sollten außerdem eine vertrauensvolle Atmosphäre herstellen, die es den Befragten erleichtert, auch über schwierige Lebensereignisse wie Gewalt zu sprechen. Die zentralen Inhalte der Schulung wurden in einem Interviewer-/ innen-Handbuch festgehalten. Im Rahmen einer ganztägigen Interviewer-Schulung wurden unterschiedliche Themen behandelt: n

Vorstellung des Fragebogens

n

Aufbau des Fragebogens

n

Methodische Bemerkungen zur Studie

n

Informationen zu Formen und Definition von Gewalt

n

Spezifische Techniken und Informationen zur Gesprächsführung



– Umgang mit dem Erhebungsinstrument



– Umgang mit emotionalen Reaktionen im Face-to-Face-Interview



– Informationen über Beratungsstellen in Österreich

Die Motivation der kontaktierten Personen zur Teilnahme an der Studie erfolgte sowohl bei der Face-to-Face-Befragung als auch bei der Online-Erhebung nicht im Wege der Information über die eigentliche Zielsetzung der Studie, nämlich eine Untersuchung zum Thema Gewalterfahrungen durchzuführen. Um eine mögliche Vorab-Selektion der Befragten durch die deklarierte Einladung zur Teilnahme an einer „Gewaltstudie” zu vermeiden, wurde die

45

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Befragung unter dem Titel „Familien- und Paarbeziehungen. Unter besonderer Berücksichtigung von Schwierigkeiten und belastenden Situationen” durchgeführt. Die Face-to-Face-Interviews wurden computerunterstützt durchgeführt. Dies ermöglicht eine komplexe Filterführung in Abhängigkeit von einzelnen Antworten und eine technische Überprüfung der Antworten bereits während des Interviews. Im Fall von besonders sensiblen Fragen (z. B. konkret erlebten Gewalthandlungen) wurde die Frage vom Interviewer vorgelesen, die Befragten konnten die Antworten aber selbstständig am Computer ausfüllen, ohne dass der Interviewer/die Interviewerin die Antworten sehen konnte. Die Face-to-Face-Befragung der Frauen in der Stichprobe wurde ausschließlich von Interviewerinnen durchgeführt, Männer wurden je zur Hälfte von Interviewern und von Interviewerinnen befragt. Somit kann für die männlichen Befragten überprüft werden, ob das Geschlecht des Interviewers einen Effekt auf das Antwortverhalten aufweist. Parallel zur Face-to-Face-Befragung fand eine Online-Erhebung statt. Der Online-Link zum Fragebogen wurde jedoch nicht über Webseiten und Verteiler verbreitet, sondern an eine Zufallsauswahl von Personen eines Online-Panels versandt. Das vom Marktforschungsin­ stitut market betreute Panel umfasst 15 000 Personen, die während der letzten fünf Jahre rekrutiert wurden. Die Rekrutierung erfolgte offline, das heißt über telefonische Kontaktaufnahme mit den Personen. Vorteile der Offline-Rekrutierung sind eine hohe Qualität der persönlichen Angaben der Panelisten und ein geringer Einfluss des Internet-Verhaltens der Teilnehmenden, da die Chance, am Panel teilzunehmen, weniger stark durch das InternetVerhalten bestimmt wird. Statistik Austria weist über die Computernutzung der letzten zwölf Monate folgende Zahlen der Europäischen Erhebung über den IKT-Einsatz in Haushalten aus:

Frauen

Männer

16–24 Jahre

97,1 %

95,6 %

25–34 Jahre

91,7 %

94,9 %

35–44 Jahre

87,9 %

90,6 %

45–55 Jahre

78,3 %

84,4 %

Quelle: Statistik Austria, Europäische Erhebung über den IKT-Einsatz in Haushalten 2010. Erstellt am 17.11.2010. Befragungszeitpunkt: Mai und Juni 2010. Altersangaben für über 55-Jährige sind zusammengefasst bis zum Alter von 74 Jahren – für die vorliegende Studie nicht relevant, da nur Personen bis zum Alter von 60 Jahren befragt wurden.

Potenziale und Grenzen von Online-Befragungen zum Thema Gewalt sind von Treibel und Funke (2004) diskutiert worden. Neben den Vorteilen der Objektivität, weitgehenden Anonymität und Unabhängigkeit von Zeit und Ort können durch den Einsatz des Online-Panels viele der erwähnten Limitationen einer „freien” Online-Befragung mittels zufälliger Verbreitung des Fragebogens behoben werden, da verlässliche Daten zu den Befragten zur Verfügung stehen.

46

1 – Theoretische und methodische Grundlagen

Aus der Beschreibung der beiden zeitgleich durchgeführten Erhebungsmethoden lassen sich folgende Unterschiede in der Herangehensweise zusammenfassen: Das Online-Panel exkludiert weitgehend Personen ohne Internetzugang, durch die OfflineRekrutierung wird dieses Problem etwas reduziert. Weiters wird die Teilnahmebereitschaft durch die finanzielle Vergütung des Zeitaufwands des Panels beeinflusst, was sich auf die Zusammensetzung der Stichprobe auswirken kann. Im Zusammenhang mit Marktforschungsstudien wurde diese Thematik zum Beispiel in Göritz (2004) diskutiert. Die Befragungssituation unterscheidet sich grundsätzlich zwischen Face-to-Face-Erhebung und Online-Erhebung. Die Online-Befragung ist von Ort und Zeit unabhängig. Bei der Faceto-Face-Erhebung werden die Befragten persönlich zur Teilnahme aufgefordert. Während der Befragung kommt es zu einer Interaktion zwischen Interviewer und Befragten und somit zu einer möglichen Beeinflussung des Antwortverhaltens. Um den Interviewereffekt zu untersuchen, wurden in dieser Studie Männer sowohl von weiblichen als auch männlichen Personen befragt. Im Folgenden wird untersucht, inwieweit die Methode tatsächlich einen Einfluss auf das Antwortverhalten im konkreten Fall hat. Erkenntnisse aus Untersuchungen zu anderen Themen wie beispielsweise Konsumverhalten, politischen Einstellungen etc. lassen sich nur bedingt auf das Thema Gewalt übertragen. Aus der Stichprobenbeschreibung in Kapitel 1.4 ist ersichtlich, dass die Face-to-Face- und die Online-Stichprobe hinsichtlich ihrer soziodemografischen Struktur einander ähnlich sind. Das Durchschnittsalter der Online-Stichprobe ist etwas höher, der Anteil der Verheirateten in der Online-Stichprobe größer als in der Face-to-Face Gruppe (32,5  % vs. 44,9  % bei Frauen und 36,6 % vs. 49,3 % bei Männern), und die Befragten in der Online-Stichprobe sind generell höher gebildet; jedoch befinden sich auch in dieser Gruppe 36 % Frauen und 45 % Männer mit Pflichtschul- oder Lehrabschluss. Vergleicht man die beiden Stichproben hinsichtlich des Antwortverhaltens, zeigen sich für große Teile des Fragebogens sehr geringe Differenzen. Für spezielle, sehr sensible Fragengruppen, etwa zur subjektiven Gesundheit oder zu Erfahrungen von sexueller Belästigung und sexueller Gewalt, werden Unterschiede sichtbar. Die Befragten der Online-Stichprobe schildern einen schlechteren Gesundheitszustand sowie höhere Belastungen sexueller Belästigung und sexueller Gewalt. In Kapitel 12 wird im Detail auf den Methodenvergleich eingegangen. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass das Antwortverhalten zum Thema Gewalt nur punktuell und in geringem Ausmaß von der Erhebungsmethode beeinflusst wird. Abbildung 4 vergleicht als Beispiel das Antwortmuster für alle neunzehn Items der körperlichen Gewalt für die beiden Methoden.

47

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 4: Methodenvergleich – Face-to-Face-Befragung gegenüber Online-Befragung zu der Frage nach erlebter körperlicher Gewalt (gesamt)

Abbildung 4: Methodenvergleich – körperliche Gewalt (gesamt)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Die Erkenntnisse aus diesen Auswertungen zeigen, dass die vorliegenden Ergebnisse robust Die Erkenntnisse aus diesen Auswertungen zeigen, die vorliegenden gegenüber methodischen Effekten sind und dass erlauben uns in denErgebnisse weiterenrobust Kapiteln auf eine gegenüber Effekten was den Verzicht auf eine getrennte Darstellung indavon sind getrenntemethodischen Darstellung nachsind, Methode zu verzichten. Ausgenommen den weiteren Kapiteln nach Methode erlaubt. Ausgenommen davonKapitel sind Fragenblöcke, für Fragenblöcke, für die sich ein Methodeneffekt zeigte (siehe 12). die sich ein Methodeneffekt zeigte (siehe Kapitel 12).

48

1 – Theoretische und methodische Grundlagen

1.4 Stichprobenbeschreibung Die folgenden Tabellen geben einen Überblick über die befragten Frauen und Männer in 1.4 Stichprobenbeschreibung Bezug auf zentrale statistische Merkmale wie z. B. Altersstruktur, Bildung, Familienstand sowie Bundesländerverteilung. Die folgenden Tabellen geben einen Überblick über die befragten Frauen und Männer in

Bezug auf zentrale statistische Merkmale wie z. B. Altersstruktur, Bildung, Familienstand

Einleitend erfolgt eine kurze Gegenüberstellung der erhobenen Stichprobe mit dem statissowie Bundesländerverteilung. tischen Schnitt der österreichischen Bevölkerung (Angaben der Statistik Austria):

Einleitend erfolgt eine kurze Gegenüberstellung der erhobenen Stichprobe mit dem Schnitt der österreichischen Bevölkerung der Statistik Austria): Tabelle 1:statistischen Bevölkerung in Österreich und Stichprobe der (Angaben vorliegenden Studie. Tabelle 1: Bevölkerung in Österreich und Stichprobe der vorliegenden Studie.

Stichprobe der vorliegenden Studie

Österreichische Bevölkerung (Statistik Austria)









6

Geschlecht 51,3 %

48,7 %

55,4 %

44,6 %

Alter7 16 bis 20 Jahre

9,5 %

9,9 %

7,5 %

7,5 %

21 bis 30 Jahre

20,7 %

20,9 %

24,8 %

19,6 %

31 bis 40 Jahre

22,2 %

21,9 %

23,6 %

22,7 %

41 bis 50 Jahre

26,7 %

27,1 %

23,6 %

25,6 %

51 bis 60 Jahre

20,9 %

20,2 %

20,5 %

24,6 %

Höchster Bildungsabschluss8 Pflichtschule

27,6 %

21,4 %

8,7 %

7,7 %

Pflichtschule mit Lehre

25,7 %

40,5 %

28,2 %

40,1 %

Fachschule

17,2 %

11,5 %

21,2 %

16,1 %

AHS/BHS

17,2 %

15,6 %

29,0 %

23,9 %

Universität/FH

0,3 %

10,9 %

12,8 %

12,2 %

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten und Statistik Austria – eigene Berechnungen ÖIF, siehe Angaben in Fußnoten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten und Statistik Austria – eigene Berechnungen ÖIF, siehe Angaben in Fußnoten.

6

Quelle: Statistik Austria, Statistik des Bevölkerungsstandes. Erstellt am: 19.05.2011. Eigene Berechnung ÖIF.

7

Quelle: Statistik Austria, Statistik des Bevölkerungsstandes. Erstellt am: 19.05.2011. Eigene Berechnung ÖIF.

8

Quelle: Statistik Austria, Bildungsstandregister 2008. Erstellt am 11.02.2011. Eigene Berechnung ÖIF, für die 6 Quelle: Statistik Austria, Statistik des Bevölkerungsstandes. Erstellt am: 19.05.2011. Altersgruppe der 15- bis 59-Jährigen.

Eigene Berechnung ÖIF. 7 Quelle: Statistik Austria, Statistik des Bevölkerungsstandes. Erstellt am: 19.05.2011. Eigene Berechnung ÖIF. 8 49 Berechnung Quelle: Statistik Austria, Bildungsstandregister 2008. Erstellt am 11.02.2011. Eigene ÖIF, für die Altersgruppe der 15- bis 59-Jährigen.

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Tabelle 2: Stichprobenbeschreibung (1) Tabelle 2: Stichprobenbeschreibung (1)

Gesamt

♀ N

Face-to-Face

♂ %

N

♀ %

N

Online

♂ %

N

♀ %



N

%

755

58,2

N

%

543

41,8

Geschlecht Frauen

1292

537

55,4

Männer

1.042

51,8 499

44,6

48,2

Alter 16 bis 20 Jahre

97

7,5

78

7,5

53

9,9

50

10,0

44

5,8

28

5,2

21 bis 30 Jahre

320

24,8

204

19,6

132

24,6

104

20,8

188

24,9

100

18,4

31 bis 40 Jahre

305

23,6

237

22,7

126

23,5

116

23,2

179

23,7

121

22,3

41 bis 50 Jahre

305

23,6

267

25,6

117

21,8

132

26,5

188

24,9

135

24,9

51 bis 60 Jahre

265

20,5

256

24,6

109

20,3

97

19,4

156

20,7

159

29,3

Höchster Bildungsabschluss Pflichtschule

113

8,7

80

7,7

64

11,9

52

10,4

49

6,5

28

5,2

Pflichtschule mit Lehre

364

28,2

418

40,1

140

26,1

205

41,1

224

29,7

213

39,2

Fachschule

274

21,2

168

16,1

92

17,1

56

11,2

182

24,1

112

20,6

AHS/BHS

375

29,0

249

23,9

189

35,2

131

26,3

186

24,6

118

21,7

Universität/FH

166

12,8

127

12,2

52

9,7

55

11,0

114

15,1

72

13,3

Erwerbsstatus Vollzeit unselbstständig Teilzeit unselbstständig

424

32,8

647

62,1

187

34,8

309

61,9

237

31,4

338

62,2

270

20,9

61

5,9

107

19,9

32

6,4

163

21,6

29

5,3

75

5,8

111

10,7

29

5,4

56

11,2

46

6,1

55

10,1

190

14,7

107

10,3

103

19,2

66

13,2

87

11,5

41

7,6

79

6,1

2

0,2

22

4,1

57

7,5

2

0,4

im Haushalt

149

11,5

1

0,1

54

10,1

95

12,6

1

0,2

Arbeitslos

41

3,2

36

3,5

17

3,2

22

4,4

24

3,2

14

2,6

Pension

64

5,0

77

7,4

18

3,4

14

2,8

46

6,1

63

11,6

Selbstständig Ausbildung (z. B. Studium) Mutterschutz / Karenz

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

50

1 – Theoretische und methodische Grundlagen

Tabelle 3: Stichprobenbeschreibung (2) Tabelle 3: Stichprobenbeschreibung (2)

Gesamt

♀ N

Face-to-Face

♂ %

N

♀ %

N

Online

♂ %

N

♀ %



N

%

N

%

Berufliche Stellung angelernte/r Arbeiter/in

45

6,5

48

6,8

25

8,5

23

6,7

20

5,0

25

6,8

Facharbeiter/in

53

7,6

139

19,6

31

10,5

96

28,2

22

5,5

43

11,7

473

68,2

345

48,7

189

64,3

131

38,4

284

71,0

214

58,3

105

15,1

160

22,6

46

15,6

85

24,9

59

14,8

75

20,4

2

0,7

1

0,3

1

0,3

3

0,9

11

2,8

10

2,7

2

0,6

1

0,3

Angestellte/r, Beamter/in nicht leitend Angestellte/r, Beamter/in leitend Landwirt/in

3

0,4

1

0,1

Selbstständig, Freie Berufe

11

1,6

13

1,8

In Ausbildung

2

0,3

2

0,3

1

0,3

Haushaltseinkommen pro Monat (netto) unter € 700

48

5,2

15

1,9

30

8,6

11

3,3

18

3,1

4

0,9

€ 701–1.000

80

8,6

35

4,5

36

10,3

16

4,7

44

7,6

19

4,3

€ 1.001–1.500

156

16,8

79

10,2

72

20,6

45

13,4

84

14,5

34

7,7

€ 1.501–2.000

164

17,7

140

18,0

62

17,7

71

21,1

102

17,6

69

15,7

€ 2.001–2.500

139

15,0

134

17,3

62

17,7

52

15,4

77

13,3

82

18,7

€ 2.501–3.000

136

14,6

131

16,9

30

8,6

39

11,6

106

18,3

92

21,0

€ 3.001–3.500

96

10,3

96

12,4

26

7,4

39

11,6

70

12,1

57

13,0

€ 3.501–4.000

56

6,0

51

6,6

14

4,0

22

6,5

42

7,3

29

6,6

über € 4.001

54

5,8

95

12,2

18

5,1

42

12,5

36

6,2

53

12,1

Eigenes Nettoeinkommen pro Monat unter € 700

145

19,0

37

5,7

62

21,3

18

6,7

83

17,6

19

5,0

€ 701–1.000

181

23,8

57

8,7

72

24,7

29

10,7

109

23,1

28

7,3

€ 1.001–1.500

240

31,5

187

28,6

94

32,3

74

27,4

146

31,0

113

29,5

€ 1.501–2.000

135

17,7

192

29,4

40

13,7

83

30,7

95

20,2

109

28,5

€ 2.001–2.500

45

5,9

104

15,9

18

6,2

35

13,0

27

5,7

69

18,0

€ 2.501–3.000

10

1,3

32

4,9

2

0,7

12

4,4

8

1,7

20

5,2

€ 3.001-3.500

3

0,4

22

3,4

2

0,7

7

2,6

1

0,2

15

3,9

€ 3.501-4.000

1

0,1

10

1,5

5

1,9

1

0,2

5

1,3

über € 4.001

2

0,3

12

1,8

7

2,6

1

0,2

5

1,3

1

0,3

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

51

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Tabelle 4: Stichprobenbeschreibung (3) Tabelle 4: Stichprobenbeschreibung (3)

Gesamt

♀ N

Face-to-Face

♂ %

N

♀ %

N

Online

♂ %

N





%

N

%

N

%

Familienstand Single/Alleinstehend

266

21,0

237

22,9

156

29,7

144

29,0

110

14,9

93

17,3

Verheiratet

503

39,8

447

43,2

171

32,5

182

36,6

332

44,9

265

49,3

In fixer Partnerschaft

370

29,2

293

28,3

143

27,2

141

28,4

227

30,7

152

28,3

Geschieden

86

6,8

52

5,0

32

6,1

26

5,2

54

7,3

26

4,8

Verwitwet

40

3,2

5

0,5

24

4,6

4

0,8

16

2,2

1

0,2

Staatsangehörigkeit Österreich Andere

1231

95,3

1016

97,5

499

92,9

479

96,0

732

97,0

537

98,9

61

4,7

26

2,5

38

7,1

20

4,0

23

3,0

6

1,1

Bundesland Burgenland

22

1,7

45

4,3

12

2,2

20

4,0

10

1,3

25

4,6

Kärnten

93

7,2

62

6,0

46

8,6

22

4,4

47

6,2

40

7,4

222

17,2

182

17,5

93

17,3

82

16,4

129

17,1

100

18,4

256

19,8

219

21,0

94

17,5

94

18,8

162

21,5

125

23,0

Salzburg

87

6,7

96

9,2

37

6,9

53

10,6

50

6,6

43

7,9

Steiermark

209

16,2

128

12,3

95

17,7

65

13,0

114

15,1

63

11,6

Tirol

91

7,0

80

7,7

29

5,4

46

9,2

62

8,2

34

6,3

Vorarlberg

52

4,0

48

4,6

17

3,2

30

6,0

35

4,6

18

3,3

Wien

260

20,1

182

17,5

114

21,2

87

17,4

146

19,3

95

17,5

Niederösterreich Oberösterreich

Religionszugehörigkeit Christlich

985

94,8

797

93,8

416

94,1

380

91,6

569

95,3

417

95,9

Islamisch

10

1,0

16

1,9

6

1,4

10

2,4

4

0,7

6

1,4

1

0,1

1

0,2

36

4,2

24

5,8

24

4,0

12

2,8

Jüdisch Andere

44

4,2

20

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

52

4,5

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

2 Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich 2.1 Was drückt die Prävalenz aus? Methodische Vorbemerkungen Prävalenzen drücken die Häufigkeit der erlebten Übergriffe bzw. der Gewalt gegenüber Frauen und Männern im gesamten bisherigen Lebenszyklus oder in einem bestimmten Erfassungszeitraum (Kindheit, Jugend, innerhalb der letzten drei Jahre) aus. Sie bieten somit eine Möglichkeit, den Grad der Betroffenheit der Bevölkerung durch Gewalt in unserer Gesellschaft quantitativ zu erfassen. Grundsätzlich sind vor allem im sensiblen Bereich der Gewalt, und hier besonders im Bereich der innerfamilialen Gewalt, Feststellungen zu Möglichkeiten und Grenzen der Sozialforschung sowie der Erhebung von Prävalenzen und der Aufdeckung des Dunkelfeldes zu machen. Die Datengewinnung in diesem Bereich hängt sehr stark davon ab, ob und inwieweit die einzelnen Personen bereit sind, Angaben zu unterschiedlichen erlebten Gewaltformen zu machen. Hier sei besonders auf den äußerst sensiblen und oft schambesetzten Bereich der sexuellen Gewalt verwiesen. Nicht nur die grundsätzliche Bereitschaft, Angaben zu machen, ist eine zentrale Voraussetzung zur Datengewinnung, sondern auch die nötige Selbstreflexion, gewalttätige Übergriffe, sofern diese der eigenen Erinnerung zugänglich sind, sich einzugestehen und diese auch wiederzugeben. Außerdem ist der Grad der sozial erwünschten Antworten in diesem Bereich nicht zu unterschätzen: Kann die Gewalt, die durch den eigenen Partner oder die eigene Mutter erfahren wird, zugegeben werden? Können Männer in unserer Gesellschaft auch Gewalthandlungen, die sie durch Frauen erlebt haben, ansprechen? Können Frauen, die durch Gewalthandlungen ihres Partners massiv in ihrem Selbstwertgefühl verletzt wurden, darüber berichten? Können Frauen und Männer über sexuelle Gewalterfahrungen in der Kindheit sprechen? Die erhobenen Daten zur Verbreitung von Gewalthandlungen in einer Gesellschaft sind selbstverständlich auch durch sozio-kulturelle Muster, das aktuelle Diskussionsklima und medial transportierte Bilder mitbestimmt. So müssen Interpretationen auch immer vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Realität und Geschichte des jeweiligen Landes geschehen. In Österreich ist z. B. zu berücksichtigen, dass nach wie vor ein Machtungleichgewicht zwischen den Geschlechtern besteht, welches sich in ungleichen Bildungschancen, ungleichen sozialen Ressourcen und entsprechend ungleichen beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten zeigt. Gewalt gegen Frauen in der Familie und im sozialen Nahraum wird seit Jahrzehnten thematisiert und durch entsprechende Gesetzgebungsakte wie z. B. die beiden Gewaltschutzgesetze bekämpft (siehe Kapitel 1.1). Gewalt gegen Männer in der Familie bzw. im Beziehungskontext ist dagegen noch ein relativ neues Thema, und Frauen als Täterinnen sind ein selten diskutiertes gesellschaftliches Phänomen. Je mehr ein Thema

53

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

sensibel öffentlich diskutiert wird, desto größer ist auch die Chance einer Reflexion der eigenen Erfahrungen durch Individuen, und desto wahrscheinlicher ist es, dass in Interviews im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen darüber berichtet wird. Eine weitere Feststellung zur Prävalenz bezieht sich darauf, dass die in der Untersuchung gewonnenen Daten alle Gewalthandlungen in einer Bevölkerung gleichwertig berücksichtigen und zunächst nicht bewerten. In Prävalenzstudien wird die quantitative Verbreitung der Gewalt durch ganz unterschiedliche Fragestellungen und Gewalthandlungen abgebildet. Es können sowohl allgemeine Fragen zu erlebter Gewalt in unterschiedlichen Formen gestellt oder auch ganz konkrete Gewalthandlungen abgefragt werden. Hier werden den Respondenten leichte bis schwere Formen von Gewalterfahrungen zur Nennung angeboten. Im Nachhinein errechnet sich die jeweilige Prävalenz aus dem Verhältnis der Personen, die mindestens eine Gewalthandlung angegeben haben, zur Gesamtzahl der befragten Personen. Hier wird z.  B. das „absichtliche Weggestoßenwerden” zunächst genauso zur Gewalterfahrung gezählt und auf die gleiche Ebene gestellt wie das „Verprügeltwerden”. Eine Differenzierung nach Schwere und möglichen Folgen erfolgt in differenzierten Gewaltprävalenzstudien meist in den anschließenden vertiefenden Analysen, drückt sich aber nicht direkt in den zunächst ermittelten Prävalenzen aus. Allerdings bieten die so gewonnenen Zahlen einen grundsätzlichen Einblick in den Verbreitungsgrad von psychischen, körperlichen und sexuellen Übergriffen in unserer Gesellschaft und sind somit Ausgangspunkt für weitere gesellschaftliche Diskussionen zum Gewalt-Phänomen. Die Einbeziehung von Schweregraden, Häufigkeiten und Folgen unterstützt die Möglichkeit der Qualifizierung und Differenzierung von Handlungen als leichte, mittelschwere und schwere Gewalt. Die Übergänge werden weiterhin fließend sein, ebenso die Bewertung einer Handlung als Gewalt, da diese sehr stark vom individuellen Erleben, aber auch von disziplinären Zugängen abhängen (siehe Kapitel 1.1). Eine wissenschaftlich fundierte Bewertung, welche Gewalthandlungen nun „schlimmer” sind als andere, ist jedoch nicht ohne Weiteres möglich und kann nicht über die Prävalenz vorgenommen werden. In der vorliegenden Studie wurde daher versucht, die erlebte Gewalt anhand von bestimmten, wissenschaftlich geprüften Kriterien unterschiedlichen Schweregraden zuzuordnen. Darüber hinaus wurden erlebte Gewalthandlungen, deren Häufigkeit und Folgen grundsätzlich in differenzierter Weise für jede Gewaltform ausgewiesen. Trotz dieser kritischen Vorbemerkungen zur Begrenzung der Aussagekraft von Gewaltprävalenzstudien kann die zentrale Leistung der vorliegenden Studie nicht geschmälert werden – im Gegenteil. Mit dieser Untersuchung liegen für Österreich erstmalig repräsentative Angaben zur Prävalenz unterschiedlicher Gewaltformen vor – unterschieden in Prävalenz im Erwachsenenalter (ab sechzehn Jahren bis zum 60. Lebensjahr), in die Prävalenz der erlebten Gewalt heutiger Erwachsener in der Kindheit (bis sechzehn Jahre – siehe Kapitel 9) und hinsichtlich der Prävalenz von Gewalt in den vergangenen drei Jahren 2007 – 2010. Diese Studie zeichnet sich des Weiteren durch eine sehr behutsame Vorgehensweise bei der Operationalisierung der Forschungsfragen in konkrete Fragebogeninhalte und Antwortmöglichkeiten aus. So wurde z.  B. bei Fragen nach den einzelnen Gewaltausprägungen bewusst darauf geachtet, dass sie von Männern wie Frauen gleichermaßen beantwortet werden können. Zudem wurde die jeweilige Gewalthandlung von einer gleichzeitigen Bewertung dieser Handlung entkoppelt (z. B. wurde die Aussage „Ich wurde so angebrüllt, dass mir dies Angst machte” getrennt in „wurde angebrüllt” und die daran anschließende

54

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Zusatzfrage, ob dies bedrohlich gewesen sei). Dies ermöglicht erstmals, geschlechtsspezifische Unterschiede in der individuell wahrgenommenen Bedrohlichkeit und Schwere einzelner Handlungen gleichzeitig zu erfassen; damit leistet sie einen auch methodisch wichtigen Beitrag zur geschlechtersensiblen Gewaltforschung, die für die Konkretisierung und Verobjektivierung von Gewalthandlungen auch „weiche Faktoren” wie die individuellen Unterschiede in der Wahrnehmung und Bedrohlichkeit von Handlungen einbezieht. Formulierungen wurden sehr bewusst im Hinblick auf eventuelle Interpretationsmöglichkeiten und Schlussfolgerungen bei den Respondenten – und hier vor allem den Opfern – gewählt. Zum anderen wurde versucht, die Prävalenz durch mehrere Fragen bzw. Zugänge abzubilden, die nachfolgend dargestellt werden: Grundsätzlich wurden vier Ausprägungsformen von Gewalt unterschieden: n

psychische Gewalt

n

körperliche Gewalt

n

sexuelle Belästigung

n

sexuelle Gewalt.

Zur Aufdeckung der Prävalenz in der jeweiligen Gewaltform wurde für das Erwachsenenalter (ab sechzehn Jahren) ein Vorgehen in zwei voneinander unabhängigen Schritten gewählt. Zu jeder Gewaltform wurde einleitend eine allgemeine Eingangsfrage zu der jeweiligen Gewaltform gestellt. Für die psychische Gewalt lautete diese z. B.: „Viele Menschen machen Erfahrungen, die sie als verletzend oder belastend empfinden. Hat Sie seit Ihrem 16. Lebensjahr schon einmal jemand wegen Ihres Aussehens oder Auftretens, Ihrer Denk-, Verhaltens- oder Arbeitsweise abgewertet? Oder wurden Sie schon wiederholt gedemütigt, beschimpft, erniedrigt oder lächerlich gemacht?” (Frage P-1) Für die körperliche Gewalt lautete die Frage z. B.: „In der Familie, der Partnerschaft oder auch im Bekannten- und Freundeskreis kann es manchmal zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kommen. Wie häufig haben Sie persönlich seit Ihrem 16. Lebensjahr Situationen erlebt, in denen jemand Sie körperlich angegriffen hat, Sie zum Beispiel geschlagen, geohrfeigt, an den Haaren gezogen, getreten oder mit einem Gegenstand geschlagen hat?” (Frage K-1) Die allgemeine Eingangsfrage wurde von den Respondenten mit einer Angabe zur Häufigkeit beantwortet. In einer zweiten darauffolgenden Frage wurde die jeweilige Gewaltform mit unterschiedlichen Items definiert bzw. wurden detailliert die konkret erfahrenen Handlungen abgefragt. Die Items in den jeweiligen Gewaltformen versuchen unterschiedliche Schweregrade und Ausprägungsformen abzudecken. So wurden z. B. in der psychischen Gewalt u. a. folgende Items gebildet: n

Wurde wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien.

n

Wurde durch häufige Eifersucht unter Druck gesetzt.

n

Gegenstände wurden absichtlich vor mir zerstört oder Haustiere wurden gequält.

Ein weiteres Beispiel: Die sexuelle Gewalt wurde bewusst als eine eigene Gewaltform,

55

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

differenziert von der spezifischen Gewaltform der sexuellen Belästigung und mit wenigen, aber sehr konkreten Items abgefragt, beispielsweise: n

Jemand hat mich intim berührt oder gestreichelt, obwohl ich gesagt habe oder gezeigt habe, dass ich dies nicht möchte.

n

Jemand ist gegen meinen Willen mit einem Penis oder etwas anderem in meinen Körper eingedrungen.

Die Anzahl der abgefragten Gewalthandlungen variiert jeweils nach den unterschiedlichen Gewaltformen (psychische Gewalt – körperliche Gewalt – sexuelle Belästigung – sexuelle Gewalt). Die psychische Gewalt wurde mit fünfzehn speziellen Items konkretisiert, die körperliche mit neunzehn Items, die sexuelle Belästigung mit elf Items und die sexuelle Gewalt mit vier Items. Dieses zweistufige Vorgehen, das bereits in vorangegangenen Gewaltprävalenzstudien angewandt wurde (vgl. Martinez/Schröttle et al. 2007; Schröttle/Müller 2004; Jungnitz et al. 2006), erlaubte es, einerseits eine grundsätzliche Prävalenz zu erheben und andererseits ein umfassendes Bild der konkret erfahrenen Gewalt zu erhalten. Diese Vorgehensweise erwies sich als hilfreich zur besseren Aufdeckung von Prävalenzen. Ein Teil der Respondenten verneinte zwar die allgemeine Frage zur Gewaltform, fand allerdings in den einzelnen Items einige Handlungen, die sie doch erlebt hatten. Derselbe Wechsel zwischen den verschiedenen Zugängen zur Erfassung der Prävalenz erfolgte auch umgekehrt: So gaben Respondenten Gewalthandlungen zwar in der allgemeinen Frage an, verneinten allerdings sämtliche konkreten Items der spezifischen Gewalthandlungen. Bei der Bildung der Prävalenzen für die sexuelle Gewalt wurde auf dieses zweistufige Vorgehen verzichtet, da aus vorangegangenen Studien hervorging, dass dies hier nicht zur höheren Aufdeckung von Gewalt beiträgt (vgl. Schröttle/Müller 2004). In der allgemeinen „Frage 1” zu Erlebnissen von sexueller Gewalt wurde in Hinblick auf eine sensible geschlechtervergleichende Aufdeckung eine etwas weichere Formulierung gewählt: Zunächst geht es um ungewollte sexuelle Handlungen, die Sie seit Ihrem 16. Lebensjahr erlebt haben, auch wenn diese aus Ihrer Sicht nicht so schlimm waren. Wie häufig haben Sie seit diesem Alter ungewollte sexuelle Handlungen erlebt, zu denen Sie von männlichen oder weiblichen Personen gedrängt wurden oder zu denen Sie psychisch oder moralisch unter Druck gesetzt wurden? Diese Formulierung misst nicht die dringend nötigen Aspekte sexueller Gewalt im engeren Sinne wie z.  B. erzwungene Handlungen oder solche, die gegen den eigenen Willen geschehen. Aus diesem Grund wurde zur Bildung der Prävalenz nur die „Frage 2” verwendet, die mit ihren vier Ausprägungen sexuelle Gewalt definiert, z. B. sexuelle Handlungen, zu denen man genötigt wurde; oder das versuchte bzw. durchgeführte Eindringen mit einen Penis oder etwas anderem in den eigenen Körper gegen den eigenen Willen. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch einmal darauf verwiesen, dass für die gesamten deskriptiven Auswertungen die unterschiedlichen Erhebungsmethoden nicht unterschieden wurden, sondern eine Gesamtauswertung der Daten aus der Face-to-FaceBefragung und jener aus der Online-Erhebung erfolgt. Vor allem bei den Angaben zur erlebten Gewalt ergeben sich aber deutliche Unterschiede je nach Erhebungsmethode, die an anderer Stelle dokumentiert werden (siehe Kapitel 12).

56

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Abbildung 5: Erhebung der Prävalenz Abbildung 5: Erhebung der Prävalenz

Quelle: Eigene Darstellung ÖIF.

Quelle: Eigene Darstellung ÖIF.

57

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

2.2 Die Gewaltformen im Überblick Die Prävalenz der erfahrenen Gewalthandlungen bildet sich aus den Angaben von repräsentativ befragten Frauen und Männern im Alter zwischen sechzehn und sechzig Jahren in Österreich (n = 2 334). Grundsätzlich muss bei den Angaben der Prävalenz beachtet werden, dass zur Bildung dieser Zahlen unterschiedliche Situationen abgefragt wurden. Diese Situationen reichen von eher weicheren Formen wie z. B. „wiederholt beleidigt worden zu sein” über „bedroht werden”, „gebissen oder gekratzt” werden bis hin zu schwereren Formen der Gewalt wie z. B. „Psychoterror” oder „verprügelt werden”. Die in dieser Studie präsentierten Prävalenzzahlen bilden somit die Summe aller erlebten Übergriffe bzw. Gewalthandlungen, von ihrer schwächsten bis zu ihrer stärksten Form. Alle angegebenen Zahlen in diesem Kapitel beziehen sich auf die Gesamtheit der befragten Frauen und Männer. Wie bereits erwähnt handelt es sich bei der Prävalenz um Werte, die aus einer Reihe von unterschiedlichen Fragen (u. a. zu Einzelhandlungen) gebildet worden sind und die ohne detaillierte und vertiefende Darstellungen nichts über die unterschiedliche Qualität und die Schweregrade der Gewalterfahrung aussagen. Sie beziehen sich zunächst auf sämtliche erhobenen Täter-Opfer-Kontexte; an anderer Stelle wird sich jedoch auch noch zeigen, dass Frauen und Männer Gewalt in recht unterschiedlichen Lebensbereichen erlebt haben. Deshalb ist noch einmal auf die Bildung der Prävalenzzahlen zu verweisen: Einerseits wurden Angaben zu Gewalterfahrungen über sog. Einstiegsfragen erhoben, andererseits über konkret erlebte Handlungen. Bei beiden Zugängen wurde mitunter auch eine weite Definition der Gewalt in der jeweiligen Form vorgenommen. Die für Österreich erstmals erhobenen Daten zeigen je nach Gewaltform und Geschlecht der befragten Personen eine unterschiedliche Prävalenz. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle noch einmal die Möglichkeit des Geschlechtervergleichs von Gewalt in unterschiedlichen Lebensbereichen, die ein Novum auch in der europäischen Gewaltforschung darstellt.9 Grundsätzlich konnte festgestellt werden, dass die meisten Österreicher/innen Erfahrungen mit Übergriffen in zumindest einer Gewaltform, von ihrer schwächsten bis zu ihrer stärksten Ausprägung, gemacht haben. Die häufigsten Übergriffe sind psychischer Natur: Acht von zehn Männern (78,4 %) und nahezu neun von zehn Frauen (85,6 %) berichten über zumindest eine Erfahrung mit psychischen Übergriffen in ihrem Leben, seit sie 16 Jahre alt sind. Konkret abgefragt wurden Situationen, die in einem Spektrum von „wurde wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien” bis „wurde finanziell kontrolliert”, „erpresst” oder „psychisch terrorisiert” liegen. Ein kurzer Blick in die Detailauswertung zur psychischen Gewalt zeigt, dass die beiden Antwortmöglichkeiten „wurde wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien” und „wurde auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt” von je in etwa 50 % der betroffenen Frauen innerhalb der psychischen Übergriffe genannt wurden. Bei Männern wurde die Antwort „wurde wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien” am häufigsten (43,6 %) genannt. Körperliche Übergriffe stehen an zweiter

9

Die British Crime Survey Prävalenzstudie (vgl. Walby 2004) und eine soeben fertiggestellte finnische Studie (Heiskanen et al. 2011) fokussieren stärker auf die häusliche Gewalt.

58

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Stelle: Fast zwei Drittel der Männer (61,4  %) und mehr als jede zweite Frau (56,8  %) berichten von körperlichen Übergriffen, wobei noch gezeigt werden wird, dass sich die Lebensbereiche, in denen Frauen und Männer diese Gewalt erfahren, geschlechtsspezifisch unterscheiden. Als körperliche Übergriffe wurden im Fragebogen Handlungen abgefragt, die von „ich wurde absichtlich weggestoßen” über „ich bekam eine leichte Ohrfeige” bis „ich wurde verprügelt oder zusammengeschlagen” oder „ich wurde gefesselt” reichen. Ein besonders deutlicher Geschlechterunterschied besteht bei den Formen der sexuellen Gewalt und der sexuellen Belästigung: So berichten drei Viertel (74,2 %) der Frauen von sexueller Belästigung, demgegenüber etwa ein Viertel der Männer (27,2 %). Die Differenzierung zwischen sexueller Belästigung und sexueller Gewalt, die beide mit einem eigenen Fragenkatalog behandelt wurden, ist essenziell. Unter sexuelle Belästigung fallen demnach Handlungen wie „mir wurde nachgepfiffen oder ich wurde angestarrt und ich fühlte mich dadurch sexuell belästigt”, „ich wurde durch das Zeigen von pornografischen Bildern oder Nacktbildern belästigt” bis zu „jemand hat sich vor mir entblößt und mich dadurch sexuell belästigt”. Nahezu jede dritte Frau (29,5 %) und knapp jeder zehnte Mann (8,8 %) berichten von einer sexuellen Gewalterfahrung im engeren Sinne.10

10

Sexuelle Gewalt wurde in der vorliegenden Studie definiert als: intime Berührungen, obwohl gezeigt bzw. gesagt wurde, dass dies nicht erwünscht ist; Nötigung zu sexuellen Handlungen; versuchter Geschlechtsverkehr gegen den eigenen Willen; vollzogener Geschlechtsverkehr gegen den eigenen Willen.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 6: Prävalenz von bedrohlicher und nicht bedrohlicher Gewalt im Erwachsenen-Leben nach Gewaltform Abbildung: Prävalenz von bedrohlicher und nicht bedrohicher Gewalt im Erwachsenenleben nach Gewaltform

!

Männer 100%

bt ohlich abererlebt nicht nicht als zuordenbar bedrohlich erlebt erlebt 39,4% 8,4% 30,2% 3,3% 18,6% 3,0%

78,4% 61,4% 27,2%

78,4%

8,8%

80% 8,4%

61,4%

bt ohlich abererlebt nicht nicht als zuordenbar bedrohlich erlebt erlebt 39,9% 5,9% 24,6% 2,6% 43,0% 1,5% 29,5%

60% 85,6% 56,8% 74,2%

3,3% 39,4% 30,2%

40%

27,2% 3,0% 20% 30,6%

18,6%

27,9%

8,8%

5,6%

0% Psychische Gewalt erlebt und als bedrohlich erlebt

Körperliche Gewalt

Sexuelle Belästigung

erlebt aber nicht als bedrohlich erlebt

Sexuelle Gewalt

nicht zuordenbar

erlebt

Frauen 100%

85,6% 74,2% 80%

5,9% 1,5%

56,8% 60%

39,9% 2,6% 43,0% 24,6%

40%

20%

29,5%

39,8% 29,6%

29,7%

Körperliche Gewalt

Sexuelle Belästigung

0% Psychische Gewalt erlebt und als bedrohlich erlebt

erlebt aber nicht als bedrohlich erlebt

Sexuelle Gewalt

nicht zuordenbar

erlebt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Gewalt in ihren vielschichtigen Ausprägungen ist ein gesellschaftliches Phänomen, von dem nahezu alle Menschen betroffen sind. Lediglich 14,7 % der Männer und 7,4 % der Frauen geben an, überhaupt keine körperlichen, psychischen oder sexuellen Übergriffe erlebt zu haben. Nimmt man die Gewalterfahrungen in der Kindheit aus Sicht der heutigen Erwachsenen dazu, zeigt sich, dass 7,7 % der Männer und 4,9 % der Frauen über keine einzige Gewalterfahrung verfügen, weder in der Kindheit noch im Leben als Erwachsene. Gewalt­ erfahrungen werden meist in verschiedenen Ausprägungen gemacht, vor allem Frauen berichten deutlich stärker über Erfahrungen in mehreren Gewaltformen. So berichtet jede fünfte Frau (20,7 %) von Gewalt in allen vier Formen (d. s. psychische Übergriffe, körperliche Gewalt, sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt), gegenüber 5,5 % der Männer.11

11

60

Dies ist zum einen damit zu erklären, dass Frauen grundsätzlich häufiger sexuelle Gewalt und sexuelle Belästigung erlebt haben. Eine andere Erklärung ist, dass Frauen häufiger von systematischer Misshandlung durch Partner im Erwachsenenleben betroffen sind, die sich oft in der Überschneidung und Verbindung unterschiedlicher Gewaltformen äußert.

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Jede vierte Frau (25,6  %), hingegen nur 15,9  % der Männer, berichten über dreifache Gewalterfahrungen, und zwar von psychischer und körperlicher Gewalt sowie von sexueller Belästigung, Männer berichten am häufigsten über psychische und körperliche Gewalt­ erfahrungen: So macht jeder dritte Mann (32,9  %) Erfahrungen nur mit diesen beiden Gewaltformen (Frauen 7,5 %). Am zweithäufigsten berichten Männer allerdings bereits nur von einer Gewaltform – der psychischen Gewalt (18,1 %). Abbildung 7: Prävalenz der Gewalterfahrungen in unterschiedlichen Gewaltformen Abbildung 7: Prävalenz der Gewalterfahrungen in unterschiedlichen Gewaltformen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:alle alleBefragten. Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:

Psychische Übergriffe erleben Frauen wie Männer am häufigsten im Kontext von Ausbildung und Erwerbsleben (Frauen 49,4%; Männer 46,6%). Gefolgt von psychischer Gewalt in der Partnerschaft, wobei Frauen häufiger Opfer psychischer Übergriffe in einer Partnerschaft werden als Männer. So berichten 44,6% der Frauen von zumindest einmaligen psychischen 61 Übergriffen in der Partnerschaft, während dies nur von 28,2% der Männer berichtet wird. Körperliche Übergriffe erleben Männer primär im öffentlichen Raum – jeder dritte Mann

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Frauen wie Männer erleben psychische Übergriffe am häufigsten im Kontext von Ausbildung und Erwerbsleben (Frauen 49,4 %; Männer 46,6 %), gefolgt von psychischer Gewalt in der Partnerschaft, ein Lebensbereich, in dem Frauen häufiger Opfer werden als Männer. So wird von 44,6 % der Frauen zumindest von einem einmaligen psychischen Übergriff in der Partnerschaft berichtet, während dies bei Männern nur in 28,2 % der Fälle zutrifft. Während Männer körperliche Übergriffe primär im öffentlichen Raum erleben – jeder dritte Mann (33,0 %) hatte zumindest eine derartige Erfahrung – erleben Frauen körperliche Gewalt am häufigsten im engen sozialen Nahraum, innerhalb ihrer Partnerschaft (29,1 %) oder in der Familie (25,2 %). Hingegen findet die sexuelle Belästigung von Frauen primär im öffentlichen Bereich statt: So gibt jede zweite Frau (51,3 %) an, bislang zumindest einmal an einem öffentlichen Ort belästigt worden zu sein. Aber auch Männer erfahren sexuelle Belästigung primär im öffentlichen Raum sowie am Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Damit ist der öffentliche Bereich jener Ort, wo sexuelle Belästigung am häufigsten erlebt wird. Der vorliegenden Studie zufolge erleben Frauen sexuelle Gewalt im engeren Sinn gleich häufig in der Partnerschaft, an öffentlichen Orten und im Freundes- bzw. Bekanntenkreis: Etwa jede zehnte Frau berichtet von zumindest einer sexuellen Gewalthandlung, die sie in einem dieser Lebensbereiche erlitten hat. Wenn Männer überhaupt von sexueller Gewalt betroffen sind, dann am ehesten im Freundes- und Bekanntenkreis (3,8 %), an öffentlichen Orten (3,2 %) sowie in der Arbeit bzw. am Ausbildungsplatz (2,3 %).

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Die eng definierte sexuelle Gewalt erleben Frauen der vorliegenden Studie nach gle en erleben Frauen die sexuelle Belästigung primär im öffentlichen Bereich: So gibt häufig in der Partnerschaft, an öffentlichen Orten und im Freundes- bzw. Bekanntenkreis: weite Frau (51,3%) an, bislang mindestens einmal an öffentlichen Orten belästigt etwa jede zehnte Frau berichtet von zumindest einer erlittenen sexuellen Gewalthandlung n zu sein. Auch Männer werden primär im öffentlichen Raum sowie am Arbeits- oder einem dieser Lebensbereiche. Wenn und Männer sexuelle Gewalt dann am häufigst 2– Prävalenz – psychische, körperliche sexualisierte Gewalt erleben, in Österreich dungsplatz sexuell belästigt. Damit ist die sexuelle Belästigung jene Gewaltform, die im Freundes- und Bekanntenkreis (3,8%), an öffentlichen Orten (3,2%) sowie in der Arb entlichen Orten am stärksten erlebt wird. bzw. am Ausbildungsplatz (2,3%). Abbildung 8: Überblick über die Gewaltformen in den jeweiligen

ng definierte sexuelle Gewalt erleben Frauen der vorliegenden Studie nach gleich Lebensbereichen Abbildung 8: Überblick über die Gewaltformen in den jeweiligen Lebensbereichen in der Partnerschaft, an öffentlichen Orten und im Freundes- bzw. Bekanntenkreis: In ede zehnte Frau berichtet von zumindest einer erlittenen sexuellen Gewalthandlung in dieser Lebensbereiche. Wenn Männer sexuelle Gewalt erleben, dann am häufigsten undes- und Bekanntenkreis (3,8%), an öffentlichen Orten (3,2%) sowie in der Arbeit m Ausbildungsplatz (2,3%).

ung 8: Überblick über die Gewaltformen in den jeweiligen Lebensbereichen

gen erleben Frauen die sexuelle Belästigung primär im öffentlichen Bereich: So gibt zweite Frau (51,3%) an, bislang mindestens einmal an öffentlichen Orten belästigt n zu sein. Auch Männer werden primär im öffentlichen Raum sowie am Arbeits- oder dungsplatz sexuell belästigt. Damit ist die sexuelle Belästigung jene Gewaltform, die entlichen Orten am stärksten erlebt wird.

ng definierte sexuelle Gewalt erleben Frauen der vorliegenden Studie nach gleich in der Partnerschaft, an öffentlichen Orten und im Freundes- bzw. Bekanntenkreis: In ede zehnte Frau berichtet von zumindest einer erlittenen sexuellen Gewalthandlung in dieser Lebensbereiche. Wenn Männer sexuelle Gewalt erleben, dann am häufigsten eundes- und Bekanntenkreis (3,8%), an öffentlichen Orten (3,2%) sowie in der Arbeit am Ausbildungsplatz (2,3%).

ung 8: Überblick über die Gewaltformen in den jeweiligen Lebensbereichen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. (Häufigkeiten zusammengefasst: häufig, gelegentl

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten (Häufigkeiten zusammengefasst: häufig, gelegentlich, selten, einmal.) Prozentwerte die gesamte Stichprobe selten, einmal). Prozentwerte auf die auf gesamte Stichprobe gerechnet. gerechnet.

Im Rahmen der körperlichen und sexuellen Gewalthandlungen wurde zusätzlich erhoben, welchen Orten die Gewalthandlungen stattgefunden haben. Auch hier zeigen sich bei eine Geschlechtervergleich deutliche Unterschiede: Frauen erleben den größten Teil d ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. (Häufigkeiten zusammengefasst: häufig, gelegentlich, einmal.) Prozentwerte auf die gesamte Stichprobe gerechnet. Gewalthandlungen in der eigenen Wohnung bzw. in der Wohnung von anderen – also einem nahen sozialen Umfeld. Männer dagegen erleben die Übergriffe u Gewalthandlungen hauptsächlich an öffentlichen Orten, wie z.B. auf der Straße, in Lokal

hmen der körperlichen und sexuellen Gewalthandlungen wurde zusätzlich erhoben, an 42 en Orten die Gewalthandlungen stattgefunden haben. Auch hier zeigen sich bei einem lechtervergleich deutliche Unterschiede: Frauen erleben den größten Teil der thandlungen in der eigenen Wohnung bzw. in der Wohnung von anderen – also in nahen sozialen Umfeld. Männer dagegen erleben die Übergriffe und thandlungen hauptsächlich an öffentlichen Orten, wie z.B. auf der Straße, in Lokalen

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Deutliche Unterschiede zeigen sich beim Geschlechtervergleich auch in Bezug auf die Örtlichkeiten, an denen die körperlichen beziehungsweise sexuellen Gewalthandlungen stattgefunden haben: Frauen erleben den größten Teil der Gewaltübergriffe in der eigenen Wohnung bzw. in der Wohnung von anderen – also in einem nahen sozialen Umfeld. Männer dagegen erleben derartige Übergriffe an öffentlichen Orten, wie z.  B. auf der Straße, in Lokalen oder am Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz. Zur Veranschaulichung: Zumindest jede zweite Frau (55,9 %) erfährt körperliche Gewalt und jede dritte Frau (32,3 %) erlebt sexuoder auch am Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz. Zur Veranschaulichung: Zumindest jede elle Gewalt der eigenen in der Männer zweite Frauin(55,9%) erlebt Wohnung körperlichebzw. Gewalt undWohnung jede drittevon Frauanderen (32,3%)(32,3 %). sexuelle Gewalt erfahren körperliche Gewalt imein Regelfall öffentlichen Raum, auf der Straße (39,8 %), in der eigenen Wohnung, bzw. weiteresimDrittel der Frauen erlebt sexuelle Gewalt in der inWohnung Lokalen,von Restaurants etc. (36,8 %); jedem dritten Mann (33,7 %) widerfährt sexuelle anderen (32,3%). Männer erleben körperliche Gewalt am häufigsten auf der Gewalt in der Wohnung von anderen, 28,3 % in Lokalen bzw. Restaurants. Straße (39,8%), gefolgt von Gewalterfahrungen in Lokalen, Restaurants, etc. (36,8%). Jeder

dritte Mann (33,7%) erlebt sexuelle Gewalt in der Wohnung von anderen und 28,3% in Lokalen bzw. Restaurants. Abbildung 9: Orte der körperlichen und sexuellen Gewalterfahrungen Abbildung 9: Orte der körperlichen und sexuellen Gewalterfahrungen

,

Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011. Basis: Basis: alle in in derder jeweiligen Gewaltform. Quelle: alle Befragten Befragtenmit mitErfahrungen Erfahrungen jeweiligen Gewaltform.

Welche Gewalt erfassen diese Prävalenzzahlen nun im Detail? Mit dem vorliegenden Erhebungsinstrument wurde versucht, neben der Erhebung der allgemeinen Prävalenz in den unterschiedlichen Gewaltformen auch einen Einblick in die Struktur der jeweils erlebten Übergriffe zu bekommen. In diesem Kapitel werden die wichtigsten Kategorien beschrieben, um die Prävalenzzahlen interpretieren zu können. Detailliertere Analysen sind in den jeweiligen Folgekapiteln zu finden. Die erhobenen Prävalenzzahlen werden im Folgenden anhand der am häufigsten erfahrenen Übergriffe in der jeweiligen Gewaltform, der subjektiven Einschätzung der Bedrohlichkeit 64 dieser jeweils erfahrenen Übergriffe, des Schweregrades der Übergriffe sowie der geschilderten Folgen dieser Übergriffe beschrieben. Die Grundgesamtheit stellen dabei alle

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Welche Gewalt erfassen diese Prävalenzzahlen nun im Detail? Mit dem vorliegenden Erhebungsinstrument wurde versucht, neben der Erhebung der allgemeinen Prävalenz in den unterschiedlichen Gewaltformen auch einen tiefer liegenden Einblick in die Struktur der jeweils erlebten Übergriffe zu bekommen. In diesem Kapitel werden somit die wichtigsten Kategorien beschrieben, um die Prävalenzzahlen interpretieren zu können. Detailliertere Analysen sind in den jeweiligen Folgekapiteln zu finden. Die erhobenen Prävalenzzahlen werden im Folgenden einerseits anhand der am häufigsten erfahrenen Übergriffe in der jeweiligen Gewaltform und andererseits anhand der subjektiven Einschätzung ihrer Bedrohlichkeit, des Schweregrades sowie der geschilderten Folgen beschrieben. Die Grundgesamtheit stellen dabei alle Befragten dar.

Psychische Übergriffe Frauen erleben psychische Gewalt eher als bedrohlich als Männer – so haben 39,8 % der Frauen und 30,6 % der Männer zumindest einen psychischen Übergriff erlebt, der für sie bedrohlich war. Hingegen sind hinsichtlich der am häufigsten genannten psychischen Übergriffe bzw. bei derartiger Gewalt kaum geschlechterspezifische Unterschiede auszumachen. So rangieren sowohl bei Frauen wie bei Männern die jeweils vier gleichen Ausprägungen von Gewalt auf den ersten Plätzen. Es variiert lediglich die Reihenfolge der erfahrenen Übergriffe. Frauen schildern in Bezug auf erlebte psychische Übergriffe am häufigsten, „auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt” worden zu sein (Frauen 51,9 %; Männer 37,4 %). Dieses Item rangiert bei Männern auf Platz zwei. Aus den ihnen widerfahrenen psychischen Übergriffen berichten Männer am häufigsten davon, „wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien” worden zu sein (Männer 43,6 %, Frauen 51,8 %), was wiederum die zweithäufigste Nennung bei den Frauen ist. Während Frauen am fünfthäufigsten von Lebensalltagserfahrungen berichten, in denen sie z. B. „wegen Alter, Geschlecht, Aussehen oder Herkunft benachteiligt” worden sind, wird von Männern auf Rang fünf der erfahrenen psychischen Übergriffe davon berichtet, sie seien „entgegen ihrem Willen wiederholt per Telefon, SMS oder E-Mail kontaktiert worden”. Die psychischen Übergriffe wurden von Frauen deutlich stärker als bedrohlich erlebt als von Männern. So gibt z.  B. jede vierte Frau (24,6  %) an, dass sie „auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt” wurde und dies als bedrohlichen Übergriff erlebt hatte. Dies geben 17,8  % der Männer an. Dieses Item stellt auch jene psychische Gewaltform dar, die von Frauen und Männern am stärksten als bedrohlich erlebt wurde.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer

Abbildung 12: Prävalenz häufigster psychischer Übergriffe nach Bedrohlichkeit – Frauen

Abbildung 12: Prävalenz häufigster psychischer Übergriffe nach Bedrohlichkeit – Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Alle befragten Frauen.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Alle befragten Frauen.

Abbildung 13: Prävalenz häufigster psychischer 45 Übergriffe nach Bedrohlichkeit Abbildung 13: Prävalenz häufigster psychischer Übergriffe nach Bedrohlichkeit – Männer – Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer

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Psychische Übergriffe erleben Frauen und Männer am häufigsten im beruflichen Kontext und in der Partnerschaft. So gibt jede zweite Frau (49,5%) an, psychische Übergriffe zumindest

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Psychische Übergriffe erleben Frauen und Männer am häufigsten im beruflichen Kontext und in der Partnerschaft. So gibt jede zweite Frau (49,5 %) an, zumindest einmal einen psychischen Übergriff im Arbeitsumfeld erlebt zu haben (Männer 46,6  %). Die Partnerschaft steht auf dem zweiten Rang jener Lebensbereiche, in denen Frauen und Männer psychischen Übergriffen ausgesetzt sind, Frauen allerdings deutlich häufiger als Männer: So berichten 44,5 % der Frauen, zumindest einmal in der Partnerschaft psychischen Übergriffen ausgesetzt gewesen zu sein, gegenüber 28,1 % der Männer. Und etwas mehr als jede zehnte Frau (12,5 %) gibt an, psychische Übergriffe in der Partnerschaft „häufig” zu erleben, gegenüber 4,2 % der Männer. Am seltensten erleben Frauen psychische Übergriffe im Freundes- und Bekanntenkreis (43,3 % „nie”), Männer in der Familie (41,9 % „nie”).

Abbildung 14: Lebensbereiche, in denen es zu psychischer Gewalt kam Abbildung 14: Lebensbereiche, in denen es zur psychischen Gewalt kam

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

Die körperliche Gewalt ist die einzige Gewaltform, in der Männer von geringfügig mehr Übergriffen berichten, als Frauen. So geben 61,4% der Männer und 56,8% der Frauen an, körperliche Übergriffe erlebt zu haben. Allerding beide Geschlechter die erfahrene körperliche Gewalt ähnlich häufig als bedrohlich erleben – 27,9% der Männer und 29,6% der Frauen haben zumindest einen körperlichen Übergriff als bedrohlich erlebt. Wobei es sich sowohl um leichte und mäßige Formen der körperlichen Gewalt ("leichte Ohrfeige", "absichtliches Wegstoßen"), aber auch um tendenziell schwere oder ernsthafte Gewalthandlungen ("Beißen oder Kratzen"; "Arm umdrehen oder an den Haaren ziehen"; 67 "Treten, Stoßen oder hart Anfassen"; "ernsthafte Drohung, mich körperlich anzugreifen oder zu verletzen"; siehe Abbildung 15 und Abbildung 16) handelt.

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Körperliche Gewalt Die körperliche Gewalt ist der vorliegenden Gewaltprävalenzstudie zufolge die einzige Gewaltform, von der Männer geringfügig mehr Übergriffe berichten als Frauen. So geben 61,4 % der Männer und 56,8 % der Frauen an, körperliche Übergriffe gegen sie erlebt zu haben. Beide Geschlechter empfinden die erfahrene körperliche Gewalt ähnlich häufig als bedrohlich – 29,6 % der Frauen und 27,9 % der Männer haben zumindest einen körperlichen Übergriff als bedrohlich erlebt. Bei den hier in Frage kommenden Übergriffen handelt es sich einerseits um leichte Formen körperlicher Gewalt („leichte Ohrfeige”, „absichtliches Wegstoßen”), und andererseits um tendenziell schwerere Gewalthandlungen („Beißen oder Kratzen”; „Arm umdrehen oder an den Haaren ziehen”; „Treten, Stoßen oder hart Anfassen”; „ernsthafte Drohung, mich körperlich anzugreifen oder zu verletzen”. Frauen erleben körperliche Übergriffe etwas häufiger als bedrohlich als Männer. So schildern etwa 13,3  % der Frauen, dass sie getreten, gestoßen oder hart angefasst wurden und diesen körperlichen Übergriff als bedrohlich erlebt haben. Dies gilt nur für knapp jeden zehnten Mann (9,0 %). Auch erleben die Frauen eine leichte Ohrfeige eher als bedrohlich – 11,9 % der Frauen und 8,3 % der Männer nehmen dies so wahr.

68

22,1% 14,9%

20%

16,5%

15,4%

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich 0%

sen oder gekratzt

Prävalenz - zumindest ein Item erlebt

leichte Ohrfeige

absichtlich weggestoßen getreten, gestoßen oder ernsthaft bedroht, hart angefasst körperlich angegriffen oder verletzt zu werden

mein Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen

Abbildung 17: Prävalenz häufigster körperlicher Übergriffe nach Bedrohlichkeit erlebt – Frauen Frauen

Grafik 17

100% erlebt und als bedrohlich erlebt

80%

erlebt, aber nicht als bedrohlich erlebt

nicht zuordenbar

Grafik 16

Grafik 15

Männer

Frauen

100%

100%

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60% zu werden

80%

40%

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80%

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30,7% 22,1%

19,7%

20%

40%

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nn als bedrohlich erlebt

36,9%

16,5%

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40%

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14,9%

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11,4% zu werden

Prävalenz - zumindest ein Item erlebt

leichte Ohrfeige

absichtlich weggestoßen

en oder gekratzt

ticht als zuordenbar bedrohlich erlebt 3,3% 36,9% 34,8% zu werden 21,1% 20,8% 14,9%

ticht als zuordenbar bedrohlich erlebt 2,6% 31,7% 30,7% 22,1% zu werden 16,5% 15,4%

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11,4%

21,1%

20,8%

0% 20%

3,5%

erlebt und als bedrohlich erlebt

15,4%

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14,9%

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getreten, gestoßen oder ernsthaft bedroht, Arm umgedreht oder an hart angefasst körperlich angegriffen den Haaren gezogen oder verletzt zu werden erlebt aber nicht als bedrohlich erlebt

nicht zuordenbar

0%

Quelle:

0%

- zumindest absichtlich leichte OhrfeigeFrauen. ernsthaft bedroht, getreten, gestoßen oder gebissen oder gekratzt ÖIF Prävalenz Prävalenzstudie 2011. weggestoßen Basis: Alle befragten ein Item erlebt körperlich angegriffen hart angefasst oder verletzt zu werden

Prävalen ein I

erlebt Abbildung 18: Prävalenz häufigster körperlicher Übergriffe nach Bedrohlichkeit – Männer Männer Grafik 18

Frauen

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100% 100% erlebt und als bedrohlich erlebt

erlebt, aber nicht als bedrohlich erlebt

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80% 80%

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60%

60%

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20% 27,9%

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Prävalenz - zumindest ein Item erlebt

absichtlich weggestoßen

leichte Ohrfeige

0%

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3,5%

0%

ernsthaft bedroht, getreten, gestoßen oder gebissen oder gekratzt körperlich angegriffen hart angefasst oder verletzt zu werden

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Deutliche Geschlechterunterschiede zeigen sich in Bezug auf die Lebensbereiche, in denen es zu körperlichen Übergriffen kommt: Frauen sind körperlichen Übergriffen primär in der Partnerschaft und in der Familie, also im engsten sozialen Lebensraum, ausgesetzt. Nahezu jede dritte Österreicherin (29,1 %) berichtet von zumindest einem körperlichen ÜberDeutliche Geschlechterunterschiede zeigen sich in Bezug auf die Lebensbereiche, in denen griff, der in der Partnerschaft vorgekommen ist (siehe Abbildung 8), gegenüber 18,0  % es zu körperlichen Übergriffen kommt: Frauen erleben körperliche Übergriffe primär in der der Männer. 5,7 % der österreichischen Frauen erleben körperliche Übergriffe „häufig” und Partnerschaft und der Familie, also im engsten sozialen Lebensraum. Nahezu jede dritte 8,0 % „gelegentlich” in der Partnerschaft, gegenüber nur 2,0 % der Männer, die von „häuÖsterreicherin (29,1%) berichtet von zumindest einem körperlichen Übergriff in der fig” erlebter körperlicher Gewalt in der Partnerschaft berichten. Partnerschaft (siehe Abbildung 8), gegenüber 18,0% der Männer. 5,7% der österreichischen Frauenerfahren erleben körperliche körperliche Übergriffe Übergriffe am sogar "häufig" an und 8,0% "gelegentlich" in der Männer häufigsten öffentlichen Orten. So berichGegenüber z.B. zumindest 2,0% der Männer die „häufig“ Gewalt in der tetPartnerschaft. jeder dritte Mann (33,0 %), schon einmal einem körperliche körperlichen Übergriff an Partnerschaft erleben. einem öffentlichen Ort (17,5 % der Frauen) ausgesetzt gewesen zu sein. Mehr als jeder zehnte österreichische Mann (11,5  %) erlebt körperliche Übergriffe „gelegentlich” bzw. Männer erleben körperliche Übergriffe am häufigsten an öffentlichen Orten. So berichtet „häufig” an öffentlichen Orten (3,7 % der Frauen). jeder dritte Mann (33,0%) von zumindest einem körperlichen Übergriff an einem öffentlichen Ort (17,5% der Frauen). Mehr als jeder zehnte österreichische Mann (11,5%) erlebt körperliche Übergriffe "häufig" bzw. "gelegentlich" Orten (3,7% der Frauen). Abbildung 19: Lebensbereiche, in denen esan zuöffentlichen körperlicher Gewalt kam Abbildung 19: Lebensbereiche, in denen es zur körperlichen Gewalt kam

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.

Die bereits bei der körperlichen Gewalt sichtbaren Geschlechterunterschiede zeigen sich noch wesentlich markanter bei der Häufigkeit der sexualisierten Gewalt Formen. So berichten deutlich mehr Frauen von Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen als dies Männer tun: Drei von vier Frauen (74,2%) haben Erfahrungen mit sexueller Belästigung, gegenüber jedem vierten Mann (27,2%). Auch in Bezug auf die Bedrohlichkeit der erlebten sexuellen Belästigung zeigen sich deutlich Unterschiede im Geschlechtervergleich: Nahezu jede dritte Frau (29,7%) hat zumindest eine Situation der sexuellen Belästigung als bedrohlich erlebt, 70hingegen gerade einmal 5,6% der Männer. 50

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Sexuelle Belästigung Noch markantere Geschlechterunterschiede als bei körperlichen Gewaltformen zeigen sich aufgrund der deutlich häufigeren Berichte von Frauen über Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen in Bezug auf die Häufigkeit der sexualisierten Gewaltformen: Drei von vier Frauen (74,2 %) berichten über Erfahrungen mit sexueller Belästigung, hingegen nur jeder vierte Mann (27,2  %). Auch hinsichtlich der Bedrohlichkeit der erlebten sexuellen Belästigung zeigen sich deutlich Unterschiede im Geschlechtervergleich: Während nahezu jede dritte Frau (29,7  %), zumindest eine Situation der sexuellen Belästigung als bedrohlich erlebt hat, trifft dies gerade einmal auf 5,6 % der Männer zu. Es sind in erster Linie folgende Situationen, welche von den befragten Frauen und Männern als sexuelle Belästigung empfunden wurden: n

Mir ist jemand so nahe gekommen, dass ich es als aufdringlich empfand.

n

Es wurde auf eine Art und Weise mit mir gesprochen, die ich als sexuell belästigend empfand.

n

Ich wurde berührt oder zu küssen versucht, obwohl ich es nicht wollte.

n

Mir wurden in unpassenden Situationen, z. B. in der Arbeit, Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuelle Angebote gemacht.

Lediglich in einer Ausprägung der fünf häufigsten Nennungen zur sexuellen Belästigung gibt es einen klaren Unterschied zwischen Frauen und Männern: Während sich beinahe jede zweite Frau (42,9 %) sexuell belästigt fühlte, weil ihr nachgepfiffen oder weil sie angestarrt wurde, fehlen derartige Erfahrungswerte bei Männern nahezu gänzlich. Männer hingegen berichten eher davon, über Telefon, E-Mail oder in Briefen sexuell bedrängt oder belästigt worden zu sein. Die deutlichsten geschlechterspezifischen Unterschiede zeigen sich bei der Bedrohlichkeit der sexuellen Belästigung: So hat etwa jede fünfte Frau (18,8  %) jene Belästigung als aufdringlich und auch als bedrohlich empfunden, wenn jemand ihr zu nahe gekommen ist; dasselbe trifft hingegen nur auf 3,4 % der Männer zu. Während Frauen sexuelle Belästigungen relativ häufig als bedrohlich erleben, haben Männer bei den ihnen widerfahrenen sexuellen Belästigungen relativ selten angegeben, diese als bedrohlich erlebt zu haben.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 22: Prävalenz häufigster sexueller Belästigung nach Bedrohlichkeit Abbildung 22: Prävalenz häufigster sexueller Belästigung nach Bedrohlichkeit – Frauen – Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Alle befragten Frauen.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Alle befragten Frauen. Abbildung 23: Prävalenz häufigster sexueller Belästigung nach Bedrohlichkeit – Männer

Abbildung 23: Prävalenz häufigster sexueller Belästigung nach Bedrohlichkeit Abbildung 23: Prävalenz häufigster sexueller Belästigung nach Bedrohlichkeit – Männer – Männer Abbildung 22: Prävalenz häufigster sexueller Belästigung nach Bedrohlichkeit – Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Alle befragten Männer. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Alle befragten Männer.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Alle befragten Frauen. Abbildung 23: Prävalenz häufigster sexueller Belästigung nach Bedrohlichkeit – Männer

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2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Hinsichtlich der Lebensbereiche, in denen es zur sexuellen Belästigung von Männern und Frauen gekommen ist, zeigt sich folgendes Muster: Während jede zweite Frau (51,3 %) davon berichtet, zumindest einmal an einem öffentlichen Ort sexuell belästigt worden zu sein, trifft dies nur auf jeden zehnten Mann (12,5 %) zu. „Häufig” sexuelle Belästigung an Wenn auch in einem deutlich anderen Ausmaß kommt es zur sexuellen Belästigung an öffentlichen Orten erlebt zu haben, wird von 7,3 % der Frauen berichtet, und von 3,7 % in Männern und Frauen primär an öffentlichen Orten oder am Arbeitsplatz bzw. Ausbildung. So der Arbeit jede bzw.zweite Ausbildung. Männern sexuelle Belästigungen nicht schildert Frau (51,3%) undhingegen hingegenwiderfahren nur jeder zehnte Mann (12,5%), zumindest nur insgesamt in weitaus geringerem Ausmaß, sondern auch anderen Lebensbereichen, einmal an einem öffentlichen Ort sexuell belästigt worden zu in sein. 7,3% der Frauen erleben und dort eher selten oder gerade nur einmal. "häufig" sexuelle Belästigung an öffentlichen Orten und 3,7% in der Arbeit bzw. Ausbildung.

Männer erleben sexuelle Belästigungen offenbar in nur geringemüber Ausmaß, darüber andehinaus Entsprechend berichten Männer in der offenen Antwortkategorie grundsätzlich

ihre Erfahrungen in den verschiedenen Lebensbereichen selten einmalig refanden Lebensbereiche, in denen sexuelle Belästigungen stattgefundeneher haben, wieoder z. B. beim statt. „Bundesheer”, „in der Politik” sowie „im Rahmen der Therapie”. Frauen wiederum schildern Erfahrungen von sexueller Belästigung im „Internet” und am „Telefon”, im „Urlaub” sowie Männer berichten im Rahmen der offenen Antwortkategorie auch über andere „bei ehrenamtlicher Tätigkeit”.

Lebensbereiche als Frauen, in denen es zur sexuellen Belästigung kam, wie z.B. dem "Bundesheer", "in der Politik" sowie "im Rahmen der Therapie". Frauen schildern sexuelle Belästigung 24: im "Internet" und am "Telefon", im es "Urlaub" sowie "bei ehrenamtlicher Tätigkeit". Abbildung Lebensbereiche, in denen zu sexueller Belästigung kam Abbildung 24: Lebensbereiche, in denen es zur sexuellen Belästigung kam

Quelle: 2011. Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

Nahezu jede dritte Frau (29,5%) berichtet von einer eng definierten sexuellen Gewalt und nicht ganz jeder zehnte Mann (8,8%). Im Rahmen der sexuellen Gewalterfahrungen werden am häufigsten "intime Berührungen bzw. intimes Streicheln" erlebt, obwohl gesagt oder gezeigt wurde, dass man das nicht möchte: Jede dritte Frau (31,4%) kann von einer derartigen Gewalterfahrung berichten, hingegen nur knapp jeder zehnte Mann (9,9%). Jede zehnte Frau (9,1%) hat erlebt, dass mit einem Penis oder etwas anderem gegen ihren Willen in ihren Körper eingedrungen wurde und auch jede zehnte Frau (11,4%) gibt an, ein versuchtes Eindringen gegen ihren Willen erlebt zu haben. Diese Erfahrungen machen 73 Männer äußerst selten: So berichten 1,7% der Männer von einem Eindringen mit einem Penis oder etwas anderem gegen ihren Willen in ihren Körper und 2,6% von dem Versuch einzudringen gegen den eigenen Willen.

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Sexuelle Gewalt Nahezu jede dritte Frau (29,5  %) und nicht ganz jeder zehnte Mann (8,8  %) berichten von sexueller Gewalt im enger definierten Sinn. Aus der Bandbreite der sexuellen Gewalterfahrungen wird am häufigsten von „intimen Berührungen bzw. intimem Streicheln” trotz entgegengesetzter und verbal deklarierter Willensäußerung berichtet: Jede vierte Frau (25,7 %) kann von einer derartigen Gewalterfahrung berichten, obwohl sie „gesagt oder gezeigt” hatte, dass sie das nicht wolle; dasselbe trifft gerade einmal auf knapp jeden zehnten Mann (8,0 %) zu. Von den Frauen geben 8,9 % an, dass gegen ihren Willen versucht worden ist, mit einem Penis oder etwas anderem in ihren Körper einzudringen; 7,0 % haben konkret erlebt, dass mit einem Penis oder etwas anderem gegen ihren Willen in ihren Körper eingedrungen wurde. Männer hingegen berichten von derartigen Erfahrungen äußerst selten: Gerade einmal 1,3 % der befragten Männer berichten von einem ihren entgegengesetzten Willen missachtenden Eindringen mit einem Penis oder etwas anderem in ihren Körper; 2,0 % von einem entsprechenden Versuch. Fragen nach der Bedrohlichkeit dieser sexuellen Gewalthandlungen wurden nicht gestellt, da alle angebotenen Items relativ belastende Ereignisse ansprechen und eine derartige Nachfrage von Opfern als banalisierend oder als Nichternstnehmen dieser Gewalterfahrung missverstanden hätte werden können. Allerdings wurde hinsichtlich der erlebten sexuellen Gewalterfahrungen nachgefragt, ob bei den Betroffenen in der einer oder anderen Situation schon einmal Angst aufgekommen ist, ernsthaft oder lebensbedrohlich verletzt zu werden. Dies traf bei jeder fünften Frau und bei jedem zehnten Mann zumindest einmal zu (siehe Kapitel 3.4).

74

Die Bedrohlichkeit dieser sexuellen Gewalthandlungen wurde nicht abgefragt, da alle angebotenen Items relativ belastende Ereignisse ansprechen und eine Nachfrage zur Bedrohlichkeit von Opfern als banalisierend oder als nicht ernstnehmen der Erfahrung hätte erlebt werden können. Allerding wurde im Rahmen der sexuellen Gewalt gefragt, ob in einer 2 – Prävalenz – psychische, körperliche sexualisierte Gewalt in Österreich oder mehreren dieser Situationen schon und einmal Angst bestand, ernsthaft oder lebensbedrohlich verletzt zu werden – dies trifft auf jede fünfte Frau und jeden zehnten Mann, zumindest einmal zu (siehe Kapitel 3.4).

Abbildung 25: Prävalenz sexueller Gewalt bei Frauen – konkrete Items Abbildung 25: Prävalenz sexueller Gewalt an Frauen – konkrete Items

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen.

Abbildung 26: Prävalenz sexueller Gewalt bei Männern – konkrete Items Abbildung 26: Prävalenz sexueller Gewalt an Männern – konkrete Items

55

Quelle: ÖIF ÖIF Prävalenzstudie 2011. befragtenMänner. Männer. Quelle: Prävalenzstudie 2011.Basis: Basis: alle alle befragten

Sexuelle Gewalt erleben Frauen in unterschiedlichen Lebensbereichen. So geben jeweils zehn Prozent der Frauen an, zumindest einmal sexuelle Gewalt in der Partnerschaft, im Freundes- und Bekanntenkreis aber auch an öffentlichen Orten zu erleben (siehe Abbildung

75

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Die Lebensbereiche, in denen es zu sexuellen Gewalthandlungen kam, lassen sich wie folgt kategorisieren: Jeweils zehn Prozent der Frauen geben an, zumindest einmal sexuelle Gewalt in der Partnerschaft (10, 7 %), im Freundes- und Bekanntenkreis (10,1 %), aber auch an öffentlichen Orten (10,1 %) erlebt zu haben (siehe Abbildung 8). „Häufiger” (2,6 %) oder „gelegentlich” (3,0 %) ist die Partnerschaft jener Lebensbereich, in dem Frauen nach ihren Angaben mit sexueller Gewalt konfrontiert werden. Männer hingegen machen sexuelle Gewalterfahrungen am ehesten im Freundes- und Bekanntenkreis (3,8  % zumindest einmal in diesem Bereich) sowie an öffentlichen Orten (3,2 %). Um möglichst präzise Zuordnungen zu ermöglichen, konnten die Respondenten andere Lebensbereiche, in denen es zu sexuellen Gewalthandlungen kam, innerhalb einer offenen Antwortkategorie beschreiben. Frauen nannten hier die Bereiche „Urlaub” und Aufenthalte in medizinisch-sozialen Einrichtungen, z. B. im Rahmen einer Rehabilitation oder im Kontext „Betreutes Wohnen”. Männer hingegen notierten, dass sie „beim Bundesheer” oder auch „in der Jugendherberge” Opfer sexueller Gewalt wurden. Abbildung 27: Lebensbereiche, in denen es zur sexuellen Gewalt kam Abbildung 27: Lebensbereiche, in denen es zur sexuellen Gewalt kam

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Eine Auswertung nach Alter der Befragten zeigt deutliche Unterschiede innerhalb der Altersgruppen und Geschlechter, wobei diese in der Form der psychischen Gewalt am geringsten ausgeprägt sind. So berichten ältere Frauen deutlich häufiger von sexuellen 76 Gewalterfahrungen; nahezu jede zweite Frau im Alter von 51 bis 60 Jahren (45,3%) hat zumindest einen sexuellen Übergriff erlitten, im Vergleich jede vierte Frau im Alter von 16 bis 20 Jahren (24,7%). Männer dagegen schildern deutlich häufiger körperliche

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Hinsichtlich der Häufigkeit psychischer, körperlicher beziehungsweise sexueller Gewalterfahrungen zeigt eine Auswertung nach dem Alter der Befragten deutliche Unterschiede einerseits innerhalb der Altersgruppen und andererseits hinsichtlich des Geschlechts auf, wobei die Unterschiede in der Form der psychischen Gewalt am wenigsten ausgeprägt sind. Insgesamt berichten ältere Frauen deutlich häufiger von sexuellen Gewalterfahrungen; so hat nahezu jede zweite Frau im Alter von 51 bis 60 Jahren (45,3 %) zumindest einen sexuellen Übergriff erlitten, hingegen jede vierte Frau im Alter von 16 bis 20 Jahren (24,7 %). Männer jüngeren Alters schildern hingegen deutlich häufiger körperliche Gewalterfahrungen: So geben drei von vier Männern in der Altersgruppe der 16- bis 20-Jährigen an, körperliche Gewalterfahrungen gemacht zu haben, dagegen gerade etwas mehr als die Hälfte der Männer ab 31 Jahren. Dies entspricht auch den Ergebnissen der internationalen Gewaltforschung, die aufzeigen, dass Männer, wenn sie körperliche Gewalt erleben, am häufigsten in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter betroffen sind, Frauen dagegen häufiger im Alter von zwanzig bis etwa vierzig Jahren, was auf eine höhere Betroffenheit durch Gewalt in der Paarbeziehung hinweist (vgl. Schröttle 2010). Bei der Gewaltform der sexuellen Belästigung zeigt sich mit zunehmendem Alter der Männer ein linearer Anstieg der Häufigkeit dieser Erfahrungen. Abbildung 28: Prävalenz nach Gewaltform und Alter der Befragten Abbildung 28: Prävalenz nach Gewaltform und Alter der Befragten

Quelle: Quelle: ÖIF ÖIF Prävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis: Basis: alle alle Befragten. Befragten.

Auch hinsichtlich der höchst abgeschlossenen Schulbildung zeigen sich einige Unterschiede: So weisen z.B. Frauen mit einem Studienabschluss die höchsten Nennungen bei fast allen Gewaltformen auf, ausgenommen der körperlichen Gewalt. Ganz umgekehrt verhält es sich bei Männern: Hier sind es vor allem jene mit Pflichtschulabschluss ohne 77 Lehre, die in fast allen Gewaltformen, mit Ausnahme der sexuellen Belästigung, die höchsten Nennungen haben.

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Unterschiede lassen sich auch hinsichtlich der höchsten abgeschlossenen Schulbildung ausmachen: So weisen z. B. Frauen mit einem Studienabschluss die höchsten Nennungen bei beinahe allen Gewaltformen – ausgenommen bei körperlicher Gewalt – auf. Gänzlich umgekehrt verhält es sich bei Männern: Hier sind es vor allem jene mit Pflichtschulabschluss ohne Lehre, die in beinahe allen Gewaltformen, mit Ausnahme der sexuellen Belästigung, die höchsten Nennungen vornehmen. Konkret zeigt sich z. B. bei Männern mit einer Pflichtschule ohne Lehre eine deutlich höhere Prävalenz der körperlichen Gewalt (75,0 %) als bei allen anderen Bildungsabschlüssen. Bei Frauen verhält es sich, wie bereits erwähnt, umgekehrt. Frauen mit einem Studienabschluss weisen z. B. bei der sexuellen Belästigung eine Prävalenz von 86,1 % auf, gegenüber 68,1 % der Frauen mit Pflichtschulabschluss ohne Lehre. Von sexueller Gewalt sind 37,3 % der Frauen mit Studienabschluss betroffen, im Vergleich zu 32,7 % der Frauen, die lediglich einen Pflichtschulabschluss haben. Männer mit geringerer Bildung erleben häufiger körperliche Gewalt und Frauen mit entsprechender Bildung häufiger sexuelle Belästigung; dieses Ergebnis kann damit in Zusammenhang stehen, dass in diesen Bildungsgruppen Gewalt von und zwischen jüngeren Männern häufiger vorkommt und auch sexuelle Belästigung gegenüber Frauen weniger problematisiert wird. Frauen mit der höchsten Bildung haben darüber hinaus aber häufiger andere Formen von Gewalt genannt – dies kann unterschiedliche Gründe haben. Grundsätzlich ist nicht davon auszugehen, dass es bei Gewalt in Paarbeziehungen zwingend einen Bildungs- und Schichtzusammenhang geben muss; vielmehr kam auch die deutsche Gewaltprävalenzstudie zum Ergebnis, dass Frauen in gehobenen Bildungsschichten und Soziallagen nicht seltener und auch nicht weniger schwere Formen von Gewalt in Paarbeziehungen erfahren, was ja die am häufigsten von Frauen genannte Gewaltform ist (vgl. Schröttle/Ansorge 2009). Auch wurde in der deutschen Gewaltprävalenzstudie bereits festgestellt, dass Frauen mit den höchsten Bildungsabschlüssen am häufigsten sexuelle Gewalt angegeben haben (vgl. ebd. und Schröttle/Müller 2004). Letzteres könnte mit einer stärkeren Sensibilisierung für sexuelle Übergriffe, aber auch mit einer erhöhten Mobilität und Selbstständigkeit dieser Gruppe von Frauen in Zusammenhang stehen sowie mit häufigerem Partnerwechsel, mehrere Faktoren, die Gelegenheiten für sexuelle Übergriffe erhöhen. Die stärkere Betroffenheit durch psychische (und körperliche?) Gewalt in Paarbeziehungen, die sich auch in der deutschen Studie bei den höher gebildeten Frauen ab 45 Jahren abzeichnete, könnte darüber hinaus mit Geschlechterkämpfen um Positionen im Zusammenhang stehen, denn in der deutschen Studie hatten dies höher gebildete Frauen vor allem dann erlebt, wenn sie mit dem Mann in Hinblick auf Bildung, Beruf und Einkommen auf Augenhöhe waren.

78

könnte darüber hinaus mit Geschlechterkämpfen um Positionen im Zusammenhang stehen, denn in der deutschen Studie hatten dies höher gebildete Frauen vor allem dann erlebt, wenn sie mit dem Mann in Hinblick auf Bildung, Beruf und Einkommen auf Augenhöhe 2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich waren. Abbildung 29: Prävalenz nach Gewaltform und Bildung Abbildung 29: Prävalenz nach Gewaltform und Bildung

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten.

59

79

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

2.3 Zusammenfassung: Gewaltprävalenz in Österreich Die für Österreich erstmals erhobenen Daten zeigen je nach Gewaltform und Geschlecht der befragten Personen eine unterschiedliche Prävalenz. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die meisten Österreicher/innen über Gewalterfahrungen in zumindest einer Gewaltform verfügen. Die psychische Gewalt ist jene Gewaltform, die von den Befragten am häufigsten genannt wird – neun von zehn Frauen und acht von zehn Männern berichten von zumindest einer psychischen Gewalterfahrung. Etwa jede dritte Frau und knapp jeder zehnte Mann berichten von sexuellen Gewalterfahrungen, seit sie sechzehn Jahre alt gewesen sind. Erfahrungen von sexueller Belästigung geben drei Viertel der Frauen und ein Viertel der Männer an. Über körperliche Gewalterfahrungen berichtet jeweils mehr als die Hälfte der befragten Männer und Frauen. Grundsätzlich erleben Frauen Gewalt bedrohlicher als Männer. Gewalt wird primär in der Kombination von verschiedenen Gewaltformen erlebt. Frauen schildern deutlich höhere Prävalenzen, wenn es um die Kombination unterschiedlicher Gewaltformen geht. So berichtet etwa jede vierte Frau, Erfahrungen in allen vier Gewaltformen gemacht zu haben, hingegen nur jeder zwanzigste Mann. Jeder dritte Mann schildert Erfahrungen mit psychischer und körperlicher Gewalt, im Gegensatz wird über Erfahrungen mit psychischer und körperlicher Gewalt von knapp jeder zehnten Frau berichtet. Je nach Gewaltform werden die Gewalterfahrungen in unterschiedlichen Lebensbereichen gemacht. So schildern Frauen und Männer primär die Arbeits- bzw. Ausbildungsstelle als den Lebensbereich, in dem es vorrangig zu psychischen Übergriffen kommt. An zweiter Stelle der Lebensräume im Bereich der psychischen Gewalt steht die Partnerschaft, und zwar mit deutlich häufigeren Nennungen von Frauen als von Männern. Körperliche Gewalterfahrungen machen Männer überwiegend im öffentlichen Raum, Frauen dagegen im engen sozialen Nahraum, in der Partnerschaft und in der Familie. Zu sexueller Belästigung kommt es bei den Frauen primär im öffentlichen Raum beziehungsweise am Arbeitsplatz oder am Ort einer Ausbildung. Sexuelle Gewalt erleben Frauen in der Partnerschaft, an öffentlichen Orten und im Freundes- und Bekanntenkreis, Männer hingegen vor allem im Freundes- und Bekanntenkreis sowie an öffentlichen Orten. In Bezug auf die Orte, an denen Gewalterfahrungen gemacht werden, zeigen sich ebenfalls deutliche Geschlechterunterschiede: Frauen erleben körperliche und sexuelle Gewalt primär in der eigenen Wohnung bzw. in der Wohnung von anderen. Männer werden mit körperlicher Gewalt hauptsächlich an öffentlichen Orten wie z.  B. auf der Straße und in Lokalen konfrontiert. Sexuelle Gewalt erleben Männer primär in der Wohnung von anderen bzw. ebenfalls in Lokalen. Deutliche Unterschiede in der Prävalenz erlebter Gewalt im Erwachsenenalter (ab sechzehn Jahren) zeigen sich auch für die verschiedenen Alterskohorten. So berichten 40  % der Frauen im Alter über 51 von sexuellen Gewalterlebnissen, gegenüber rund jeder vierten Frau im Alter bis 30 Jahre. Jüngere Männer berichten deutlich stärker über körperliche Gewalterfahrungen als ältere Männer – drei Viertel der 16- bis 20-Jährigen, gegenüber etwas mehr als der Hälfte der Männer ab 31 Jahren.

80

2 – Prävalenz – psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt in Österreich

Frauen mit einem Studienabschluss weisen grundsätzlich die höchste Prävalenz in allen Gewaltformen – ausgenommen der körperlichen Gewalt – auf, besonders in den Formen der sexualisierten Gewalt. Bei Männern verhält es sich gerade umgekehrt: Männer mit Pflichtschulabschluss ohne Lehre weisen in allen Formen die höchsten Prävalenzen auf, mit Ausnahme der sexuellen Belästigung.

81

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

3 Erfahrene Gewalthandlungen im Detail In den folgenden Kapiteln werden die Erfahrungen der Frauen und Männer innerhalb der vier Gewaltformen im Detail beschrieben. Um die Komplexität der erfahrenen Gewalt besser fassen zu können, wurde in der vorliegenden Untersuchung grundsätzlich zwischen der Erhebung der konkret erfahrenen Gewalthandlung und deren subjektiver Bewertung durch die Befragten selbst (d. h. ob diese konkrete Gewalthandlung jeweils als bedrohlich erlebt wurde oder nicht) unterschieden (siehe dazu auch Abbildung 31). Im Rahmen der Fragen zu den psychischen und körperlichen Gewaltformen sowie zur sexuellen Belästigung wurde den Befragten die Möglichkeit geboten, die konkret erlebten Situationen stichwortartig zu beschreiben. Diese kurzen Schilderungen bieten einen erweiterten Einblick in die erlebten Gewaltsituationen von Männern und Frauen und illustrieren somit die kategorisiert erhobenen Handlungen der jeweiligen Gewaltform. Wichtiger methodischer Hinweis: Da das vorliegende Kapitel die jeweilige Gewaltform im Detail erörtert, werden als Grundgesamtheit nur jene Frauen und Männer herangezogen, die Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform haben. Aufgrund dieser methodischen Vorgangsweise kommt es natürlich zu deutlich höheren Betroffenheitswerten als im Kapitel 2, in dem die Betroffenheit durch Gewalt von Frauen und Männern in Österreich insgesamt dargestellt worden war. Die Darstellung der Gesamtübersicht der erfahrenen Gewalt erfolgt jeweils anhand zweier verschiedener Abbildungen: Die erste Abbildung zeigt die Verteilung bezogen auf die gesamte Stichprobe (= alle Befragten), die zweite Abbildung ist auf jene bezogen, welche die jeweilige Gewaltform erlebt haben (diese Zahlen sind auch in den Text aufgenommen).

3.1 Psychische Gewalt 3.1.1 Erfahrene psychische Gewalthandlungen Die psychische Gewalt ist jene Gewaltform, welche von den Befragten am häufigsten erlebt wird. Frauen erleben sie etwas häufiger als Männer, d. h. 85,6 % gegenüber 78,4 % berichten zumindest von einem erlebten Übergriff in dieser Gewaltform. Den Befragten wurden fünfzehn unterschiedliche Items angeboten, die unterschiedliche Handlungen bzw. Situationen der psychischen Gewalt abbilden. Geschlechterspezifische Unterschiede bei psychischen Übergriffen zeigen sich in einigen Situationen. Die folgenden Aussagen beziehen sich, wie oben ausgeführt, ausschließlich auf Männer und Frauen, die psychische Gewalt erlebt haben. Wenngleich die ersten vier am häufigsten genannten Übergriffe von betroffenen Frauen und Männern gleich oft genannt wurden (lediglich die Rangreihung unterscheidet sich), werden trotzdem geschlech-

82

24,6%

40%

20%

39,8% 29,6%

29,7%

Körperliche Gewalt

Sexuelle Belästigung

3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail 0% Psychische Gewalt erlebt und als bedrohlich erlebt

erlebt aber nicht als bedrohlich erlebt

nicht zuordenbar

Abbildung 30: Psychische Gewalthandlungen (erlebt) – Gesamtübersicht

Kapitel 3

samtstichprobe - einzelne Items Abbildung: Zusatzinformation: Psychische Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Männer Frauen wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv wiederholt beleidigt, eingeschüchtert wungen, was nicht gewollt war 14,5% 24,8% absichtlich vor einem zerstört oder Haustiere 6,0% gequält 8,5% oder angeschrien aggressiv angeschrien Familie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern 9,1% versucht 10,9% genen Willen wiederholt per Telefon, SMS21,2% oder E-Mail kontaktiert 28,7% aufArt verletzende Art undlächerlich Weise lächerlich auf verletzende und Weise ge­mgemacht, acht, rfolgt, bespitzelt oder aufgelauert 6,2% 9,9% gehänselt, abgewertetoder oder gedemütigt gedemütigt gehänselt, abgewertet rolliert 14,3% 16,8% Eifersucht unter Druck gesetzt 17,4% 27,1% rorisiert 14,1% 24,1% wiederholt schikaniert, oder unterdrückt gemobbtgemobbt oder unterdrückt der systematisch bei anderen schlecht gemacht 26,1% 31,7% wiederholt schikaniert, 5,3% 8,9% en oder Angst gemacht 19,9% 25,1% benachteiligt, z. B. wegen Alter, Geschlecht, benachteiligt, z. B. wegenAussehen Alter, z. B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen 17,9% oder Herkunft.30,0% oder Herkunft.oder Herkunft Geschlecht, Aussehen hikaniert, gemobbt oder unterdrückt 27,9% 35,0% de Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, 37,4% abgewertet 51,9% oder gedemütigt leidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien 43,6% 51,8%

51,8% 43,6% 51,9% 37,4% 35,0% 27,9% 30,0% 17,9% 25,1% 19,9%

bedroht oder wordenAngst oder Angst gemacht bedroht worden gemacht

8,9% 5,3%

erpresst erpresst verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht gemacht

31,7% 26,1% 24,1% 14,1%

psychisch terrorisiert psychisch terrorisiert

27,1% 17,4%

häufige Eifersucht unter Druck gesetzt durch häufigedurch Eifersucht unter Druck gesetzt

16,8% 14,3%

finanziell kontrolliert finanziell kontrolliert

9,9% 6,2%

wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert gegenWillen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS gegen den eigenen wiederholt per Telefon, SMS oder E-Mail oder kontaktiert E-Mail kontaktiert

28,7% 21,2%

Kontaktoder zur Familie oder Freunden untersagt bzw. Kontakt zur Familie Freunden untersagt bzw. zuzu verhindern versucht verhindern versucht Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder HausHaustiere gequält tiere gequält

Männer

8,5% 6,0% 24,8% 14,5%

zu etwas gezwungen, wasgewollt nicht gewollt war zu etwas gezwungen, was nicht war 0%

20% Frauen

drohlich erlebt (auf Gesamtstichprobe)

Frauen

10,9% 9,1%

Basis: alle Befragten

40%

60%

80%

100%

Männer

Zusatzinformation: Psychische Gewalthandlungen (erlebt) Basis: nicht alle sondern nur jene, die Gewalt psychische Gewalt erlebt(Basis: haben. Zusatzinformation: Psychische bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht alle Befragten) Abbildung 30:Befragten, Psychische Abbildung: Gewalthandlungen (erlebt) – (als Gesamtübersicht

Männer Frauen wungen, was nicht gewollt war 4,6% 10,5% wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv absichtlich vor einem zerstört oder Haustiere 2,6% gequält 4,7% wiederholt beleidigt, eingeschüchtert angeschrien Familie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern 2,6% versucht 4,1% genen Willen wiederholt per Telefon, SMS oder 4,9%E-Mail kontaktiert 10,2% oder aggressiv angeschrien rfolgt, bespitzelt oder aufgelauert 2,6% 4,1% auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, rolliert 3,3% 4,6% auf verletzende Artgehänselt, und Weise lächerlich ge­macht, abgewertet oder gedemütigt Eifersucht unter Druck gesetzt 4,7% 9,8% gehänselt, abgewertet oder gedemütigt rorisiert 7,2% 13,2% der systematisch bei anderen schlecht gemacht 8,2% 10,4% wiederholt schikaniert, gemobbt oder unterdrückt 2,9% 4,1% en oder Angst gemacht 10,5% 13,9% wiederholt schikaniert, gemobbt oder unterdrückt z. B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen oder 5,2%Herkunft. 7,5% benachteiligt, z. B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen hikaniert, gemobbt oder unterdrückt 9,9% 13,2% benachteiligt, z. B. wegen Alter, oder Herkunft. de Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, 11,1% abgewertet 16,5% oder gedemütigt Geschlecht, Aussehen oder Herkunft leidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien 17,8% 24,6%

24,6% 17,8% 16,5% 11,1% 13,2% 9,9% 7,5% 5,2% 13,9% 10,5%

bedroht worden oder Angst gemacht

bedroht worden oder Angst gemacht

4,1% 2,9%

erpresst

erpresst

10,4% 8,2%

verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht

verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht gemacht

13,2% 7,2%

psychisch terrorisiert

psychisch terrorisiert

9,8% 4,7%

durch häufige Eifersucht unter Druck gesetzt

durch häufige Eifersucht unter Druck gesetzt

finanziell kontrolliert

4,6% 3,3%

wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert

4,1% 2,6%

finanziell kontrolliert

wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert

10,2% 4,9%

gegen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS

gegen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS oder E-Mail kontaktiert oder E-Mail kontaktiert

Kontakt zur Familie oder Freunden untersagt bzw. zu

4,1% 2,6%

Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder

4,7% 2,6%

Kontakt zur Familie oder Freunden bzw. zu verhindernuntersagt versucht verhindern versucht

Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder HausHaustiere gequält tiere gequält

10,5% 4,6%

zu etwas gezwungen, was nicht gewollt war

zu etwas gezwungen, was nicht gewollt war

0%

20% Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.

lne Situationen auf Gesamtstichprobe gerechnet.

Zusatzinformation: Körperliche Gewalt - Gesamtübersicht (Basis:erlebt alle Befragten) Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Abbildung: 2011. Basis: alle Befragten, die(erlebt) psychische Gewalt haben.

Männer

Frauen 0,7% 0,5% 2,3% 4,4% er beraubt 4,5% 3,6% e, zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 5,3% bedroht3,0% rbrüht oder mit etwas Heißem verbrannt 1,0% 0,8% ackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht 3,4% 5,4% er zusammengeschlagen 8,8% 4,8% uf einen eingeschlagen 14,5% 6,7%

absichtlich weggestoßen leichte Ohrfeige

30,7% 36,9% 31,7%

Das Spezifikum dieser Untersuchung liegt u.a. in der 34,8% Abfrage der subjektiven Einschätzung 10,7% gebissen oder gekratzt 14,9% d.h., ob diese als bedrohlich empfunden der erfahrenen Übergriffe bzw. Gewalthandlungen,

83

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

terspezifische Unterschiede deutlich. So ist der am häufigsten genannte Übergriff bei von psychischer Gewalt betroffenen Frauen (60,7 %), „auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt” worden zu sein. Diese Situation wurde auch von 47,7 % der von psychischer Gewalt betroffenen Männer erlebt. Sie liegt damit bei ihnen auf Rang zwei, dies allerdings mit einer Differenz von 13 Prozentpunkten. Männer, die psychische Übergriffe erfahren haben, berichten am häufigsten davon, „wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien” worden zu sein (55,6 %), gegenüber 60,5 % der von psychischer Gewalt betroffenen Frauen. Rund jede dritte betroffene Frau (31,6  %) wird „häufig durch Eifersucht unter Druck gesetzt”, gegenüber jedem fünften betroffenen Mann (22,2 %). Frauen schildern auch deutlich häufiger, zu etwas gezwungen worden zu sein, was sie nicht wollten, und psychisch terrorisiert worden zu sein (siehe auch Abbildung 30 mit der detaillierten Itemliste der erfahrenen psychischen Übergriffe). Das Spezifikum dieser Untersuchung liegt, wie oben bereits ausgeführt, u. a. in der Abfrage der subjektiven Einschätzung der erfahrenen Übergriffe bzw. Gewalthandlungen, ob die erinnerlichen Übergriffe als bedrohlich empfunden wurden oder eher nicht. Grundsätzlich zeigt sich bei Frauen und Männern, dass nahezu alle erlebten psychischen Übergriffe von zumindest einem Drittel bis zur Hälfte der Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Situation auch als bedrohlich erlebt werden. Männer mit derartigen Erfahrungen erleben allerdings nahezu sämtliche dieser Situationen als weniger bedrohlich im Vergleich zu den Frauen. Ausgenommen sind jedoch einerseits jene Situationen, in denen Männer z.  B. wegen des Alters, Geschlechts, Aussehens oder der Herkunft benachteiligt wurden, beziehungsweise die Situation, in der es um Erpressung ging. Beide Situationen haben Männer häufiger als bedrohlich empfunden. Anzumerken ist hier allerdings, dass deutlich mehr Frauen über diskriminierende Erfahrungen verfügen (Frauen 35,0 %; Männer 22,9 %), dass aber solche Diskriminierungserfahrungen für Männer anscheinend öfter auch eine bedrohliche Situation darstellen. Diese Auswertungen verweisen weiter darauf, dass einige klassische Situationen häuslicher psychischer Gewalt in Paarbeziehungen, wie etwa extreme Eifersucht und Kontrolle, ökonomische Gewalt durch Abhängigkeit, Isolation von Freunden/Familienangehörigen und das Zerstören von Gegenständen bei betroffenen Frauen, deutlich stärker in einen Bedrohungskontext eingebunden sind. Demgegenüber erfahren Männer benachteiligende Situationen oder persönliche Abwertungen als bedrohlicher. So erlebt z. B. mehr als jede zweite Frau die Situation, dass Gegenstände absichtlich vor ihr zerstört oder Haustiere gequält werden, als bedrohlich – gegenüber 43,5 % der Männer.

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28,7% 21,2%

gegen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS oder E-Mail kontaktiert

10,9% 9,1%

Kontakt zur Familie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern versucht

8,5%

Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder Haustiere gequält

6,0% 3– Erfahrene Gewalthandlungen im Detail 24,8% 14,5%

zu etwas gezwungen, was nicht gewollt war 0%

20%

ohlich erlebt (auf Gesamtstichprobe)

40%

60%

80%

100%

Abbildung 31: Diese Handlungen der psychischen Gewalt wurden als bedrohlich erlebt Frauen

Männer

Abbildung: Zusatzinformation: Psychische Gewalt (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Männer Frauen ungen, was nicht gewollt war 4,6% 10,5% wiederholt beleidigt, eingeschüchtert wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv absichtlich vor einem zerstört oder Haustiere 2,6% gequält 4,7% oder angeschrien aggressiv angeschrien amilie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern 2,6% versucht 4,1% enen Willen wiederholt per Telefon, SMS oder 4,9%E-Mail kontaktiert 10,2% olgt, bespitzelt oder aufgelauert 2,6% 4,1% auf verletzende und Weise ge­mgemacht, acht, aufArt verletzende Art undlächerlich Weise lächerlich olliert 3,3% 4,6% gehänselt, abgewertet gedemütigt gehänselt, abgewertetoder oder gedemütigt Eifersucht unter Druck gesetzt 4,7% 9,8% risiert 7,2% 13,2% er systematisch bei anderen schlecht gemacht 8,2% 10,4% wiederholt schikaniert, gemobbtgemobbt oder unterdrückt wiederholt schikaniert, oder unterdrückt 2,9% 4,1% n oder Angst gemacht 10,5% 13,9% . B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen oder 5,2%Herkunft. 7,5% benachteiligt, z. B. wegenAussehen Alter, benachteiligt, z. B. wegen Alter, Geschlecht, kaniert, gemobbt oder unterdrückt 9,9% 13,2% Geschlecht, oder Aussehen Herkunft.oder Herkunft e Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, 11,1% abgewertet 16,5% oder gedemütigt idigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien 17,8% 24,6%

bedroht worden gemacht bedroht oder wordenAngst oder Angst gemacht erpresst erpresst verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht gemacht psychisch terrorisiert psychisch terrorisiert durch häufigedurch Eifersucht unter Druck gesetzt häufige Eifersucht unter Druck gesetzt

24,6% 17,8% 16,5% 11,1% 13,2% 9,9% 7,5% 5,2% 13,9% 10,5% 4,1% 2,9% 10,4% 8,2% 13,2% 7,2% 9,8% 4,7%

finanziell kontrolliert finanziell kontrolliert

4,6% 3,3%

wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert

4,1% 2,6%

gegen den eigenen wiederholt per Telefon, SMS gegenWillen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS oderkontaktiert E-Mail kontaktiert oder E-Mail Kontakt zur Familie Freunden untersagt bzw. zuzu Kontaktoder zur Familie oder Freunden untersagt bzw. verhindern versucht verhindern versucht

10,2% 4,9%

Frauen

4,1% 2,6%

Männer

bei betroffenen Frauen deutlich stärker in4,7%einen Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder HausGegenstände absichtlich vor einem zerstört oder tiere gequält Haustiere gequält 2,6%

Bedrohungskontext eingebunden sind. Demgegenüber erleben Männer benachteiligende Situationen oder Abwertung als 10,5% zu etwas als gezwungen, was So nicht gewollt war zu Frauen. etwas gezwungen, waserlebt nicht gewollt war bedrohlicher z.B. mehr als jede zweite Frau mit Erfahrungen der 4,6% Basis: alle Befragten Situation, dass Gegenstände absichtlich vor ihr zerstört werden oder Haustiere gequält 0% 20% 40% 60% 80% 100% werden, diese als bedrohlich – gegenüber 43,5%Männer der Männer Erfahrungen in dieser Frauen Situation.

Zusatzinformation: Psychische Gewalthandlungen (als bedrohlich erlebt) – Gesamtübersicht Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) Abbildung 31:Befragten, Diese Handlungen dernur psychischen wurdenGewalt als bedrohlich erlebt Basis: nicht alle sondern jene, dieGewalt psychische erlebt haben.

ne Situationen auf Gesamtstichprobe gerechnet.

Männer Frauen 0,7% 0,5% 2,3% 4,4% beraubt 4,5% 3,6% , zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 5,3% bedroht3,0% brüht oder mit etwas Heißem verbrannt 1,0% 0,8% kt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht 3,4% 5,4% zusammengeschlagen 8,8% 4,8% f einen eingeschlagen 14,5% 6,7% em Unbringen gedroht 5,7% 6,6%

30,7% 36,9%

absichtlich weggestoßen

wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien leichte Ohrfeige auf verletzende Art und Weise lächerlich ge­macht, gebissen oder gekratzt gehänselt, abgewertet oder gedemütigt Arm umgedreht oderoder an den Haaren gezogen wiederholt schikaniert, gemobbt unterdrückt

31,7% 34,8% 10,7% 14,9% 15,4%

benachteiligt, z. B. wegen Alter, Geschlecht, Aussehen oder Herkunft bedroht worden oder Angst gemacht erpresst verleumdet oder systematisch bei anderen schlecht gemacht psychisch terrorisiert durch häufige Eifersucht unter Druck gesetzt finanziell kontrolliert wiederholt verfolgt, bespitzelt oder aufgelauert gegen den eigenen Willen wiederholt per Telefon, SMS oder E-Mail kontaktiert Kontakt zur Familie oder Freunden untersagt bzw. zu verhindern versucht Gegenstände absichtlich vor einem zerstört oder Haustiere gequält zu etwas gezwungen, was nicht gewollt war

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die die jeweilige Situation erlebt haben.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

3.1.2 Individuelle Situationsschilderungen psychischer Gewaltsituationen12 Von jenen Frauen, die im Rahmen der Befragung bei einer offenen Frage nähere Angaben über ihre psychischen Gewalterfahrungen machten, finden sich vielfältige Angaben, welche sehr konkrete Erfahrungen in den verschiedensten Lebensbereichen widerspiegeln. Die – empirisch nicht repräsentativen – Schilderungen der genannten Frauen über ihre psychischen Gewalterfahrungen stehen teilweise in Verbindung mit körperlicher Gewalt, aber auch mit sexueller Belästigung und sexueller Gewalt, insbesondere in der „Beziehung/ Partnerschaft”: „Ich wurde von meinem geschiedenen Ehemann eingeschüchtert, aggressiv angeschrien, betrogen und auch einmal geschlagen” (Frau, I 2070) „Bedingt durch seine (krankhafte) Eifersucht fühlte ich mich oftmals sehr verletzt – sogar einige Male – völlig grundlos – geohrfeigt!” (Frau, I 2129) „Ex-Partner war ein ‚Schläger’. Nach einiger Zeit hat er mich als seinen ‚Besitz’ angesehen und mich eingesperrt und dauernd verprügelt.” (Frau, I 1675) „Sexuell zu etwas gezwungen, finanzielle Abhängigkeit ausgenutzt.” (Frau, I 1296) In ihren Beziehungen – so geben die Frauen an – tritt psychische Gewalt häufig in Form von „Beleidigungen”, „Beschimpfungen”, „Drohungen” und „Demütigungen” im Zuge von „Streitereien”, „Meinungsverschiedenheiten”, aber auch im normalen Alltag immer wieder auf. Viele Äußerungen zu „Eifersuchtsszenen” weisen weiters auf psychische Gewalt durch eifersüchtige, kontrollierende und dominante Partner hin: „Eifersuchtsdramen ohne Ende, Selbstbewusstsein schleichend zerstört, die Haustüre wurde fast eingetreten, weil sie von mir verschlossen war.” (Frau, I 1381) „Extreme Eifersucht, selbst wenn man sich mit seiner Mutter oder Schwester trifft, Eifersuchtsanfälle, Verdächtigungen und Anschuldigungen ohne Grund.” (Frau, I 1978) „Mein Ex-Freund hat mich mit seiner Eifersucht verändert, ich traute mich mit niemandem der männlich war zu reden, da er glaubte, alle wollen nur das eine von mir.” (Frau, I 2156) Manchen Frauen scheint es wichtig, bei dieser offenen Frage zu betonen, dass solche Szenen für sie nicht bedrohlich waren oder sich die Bedrohung in Grenzen hielt: „Beängstigend, aber nicht so, dass ich große Angst hatte, teilweise total stressig wegen der Eifersucht.” (Frau, I 1552) Auch eine Alkoholkrankheit, Drogenabhängigkeit, ein schwieriges berufliches Umfeld oder eine Depression des Partners werden gelegentlich in Zusammenhang mit der erlebten psychischen Gewalt erwähnt, um die Hintergründe dieser Gewalterfahrungen zu erklären oder

12

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Die Möglichkeit, die erlebten Übergriffe und Situationen stichwortartig in einer offenen Frage zu schildern, wurde nicht von allen Befragten in Anspruch genommen; daher stellen die in diesem Kapitel beschriebenen Situationen nur einen Teilausschnitt der gesamten Stichprobe dar, illustrieren aber anschaulich die erfahrenen Übergriffe.

3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

das Verhalten des Partners zu entschuldigen:13 „Mann ist sehr guter Mensch, aber leider jähzornig durch Alkoholeinfluss.” (Frau, I 757) „Im Zusammenhang mit Alkohol hat mein Mann manchmal die Kontrolle verloren und mich verbal und körperlich angegriffen – oft auch in Verbindung mit Eifersucht, z. B. die Treppe hinuntergestoßen, versucht, mich aus dem Haus zu sperren.” (Frau, I 1756) Am Rande erwähnt: Als eine sehr häufige Art der psychischen Belästigung werden von beiden Gruppen – Frauen wie Männern – Werbeanrufe von unbekannten Firmen genannt. Frauen schildern außerdem sexistische SMS oder sexuell belästigende Telefonanrufe wie zum Beispiel folgende Aussagen: „In regelmäßigen Abständen wurde ich mit unterdrückter Nummer angerufen, die ersten paar Mal, die abgehoben worden ist, stöhnte jemand ins Telefon.” (Frau, I 1255) „Terrorisiert per Telefon: unbekannter Anrufer hat wiederholt angerufen ohne seinen Namen zu nennen. Hat hauptsächlich in das Telefon gestöhnt, laut geatmet und nichts gesagt.” (Frau, I 1555) Manche Frauen schilderten psychische Gewaltvorkommnisse in ihrer Jugend durch die Herkunftsfamilie. Dabei werden Väter und Mütter genannt, die Druck, Kontrolle und Zwang ausgeübt haben, traditionelle Werte hochhielten, aggressiv aufgetreten sind, Beleidigungen ausgesprochen haben oder negativen Einfluss auf das Selbstwertgefühl ausübten: „Geht von den Eltern aus. Vater. Wurde brutalst behandelt.” (Frau, I 293) „Bin in einem sehr traditionellen Elternhaus aufgewachsen, konnte nicht selbst entscheiden, wie ich mein Leben gestalte. Wurde ‚gezwungen’, früh zu heiraten.” (Frau, I 699) „Meine Mutter war sehr impulsiv und konnte recht laut werden.” (Frau, I 698) „Hatte eine cholerische Mutter, habe meinen erwünschten Beruf nicht lernen dürfen.” (Frau, I 1023) „Meine Mutter hat Kontakt zu leiblichem Vater untersagt, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.” (Frau, I 1028) Aber auch aktuelle Erfahrungen mit Geschwistern, Eltern oder weiteren Verwandten („Streitereien”, „Beschimpfungen”, „Drohungen”) werden angesprochen: „Ich wurde von meiner Schwiegermutter jahrelang schikaniert und teilweise sogar unterdrückt. Sie hat Intrigen gegen mich geschmiedet, dadurch habe ich mich stark psychisch terrorisiert gefühlt.” (Frau, I 883) „Selbstwert herabgesetzt: Wenn ich Erfolg habe, habe ich Glück – nicht direkt geschafft und schon gar kein Lob (Mutter, Schwiegermutter).” (Frau, I 226)

13

Aus der Praxisarbeit mit von Partnergewalt betroffenen Frauen und gewalttätigen Partnern, aber auch aus der Forschung ist bekannt, dass Frauen in aktuellen Paarbeziehungen ihre Partner häufig damit entschuldigen und entlasten, dass der Alkohol als eigentlicher Grund für die Gewalttätigkeit interpretiert wird. Es handelt sich hier vielfach um ein Konstrukt, das einerseits die von Gewalt betroffene Frau entlastet, weil sie sich damit nicht eingestehen muss, einen gewalttätigen und gefährlichen Partner zu haben, von dem sie sich besser trennen sollte. Aber auch der gewalttätige Partner profitiert davon, weil er dann keine Verantwortung für sein Gewalthandeln mehr übernehmen muss (denn Schuld ist der Alkohol). Solche „schizophrenen” Konstruktionen können sich teilweise über Jahre hinweg halten. Täterarbeit versucht hier, die Muster der Leugnung eigener Verantwortlichkeit für das Gewalthandeln zu durchbrechen.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

„Die Verwandten von meinem Mann wollten mich unter Druck setzen, wenn ich das nicht mache was sie wollen, wird mein Mann enterbt. …” (Frau, I 1809) Die weiblichen Befragten schildern des Weiteren psychische Gewalterfahrungen, deren Ursache in der Zugehörigkeit zu ihrer Geschlechtsgruppe zu finden ist, wobei diese Erfahrungen meist in Zusammenhang mit ihrem beruflichen Werdegang auftreten, beispielsweise, wenn es um „Gehaltsforderungen” geht, oder hinsichtlich der „Arbeitssuche”, weil man als Frau „noch keine Kinder” oder „schon vier Kinder” hat, oder aber „nur” Hausfrau ist: „Empfinde als Hausfrau und Nichterwerbstätige finanzielle Abhängigkeit und Kontrolle als erniedrigend; möchte andererseits für meine halbwüchsigen Kinder da sein, solange sie sich noch begleiten lassen. Bin aber mittlerweile (auf eigene, mühsame Weise) unabhängiger geworden.” (Frau, I 2246) Fasst man die Aussagen bezogen auf den Lebensbereich Arbeitsplatz zusammen, so erleben Frauen nach ihren Schilderungen vor allem Mobbing, häufig durch Kolleginnen, aber auch Kollegen sowie durch Vorgesetzte (explizit werden überwiegend weibliche Vorgesetzte genannt), von denen sie „gemobbt, schikaniert und aggressiv angeschrien” wurden.14 „Gemobbt von der Chefin, in der Arbeit psychisch terrorisiert.” (Frau, I 1458) „Gemobbt, schikaniert und aggressiv angeschrieben wurde ich von meinem letzten Chef. Ich musste die Juristen der Arbeiterkammer in Anspruch nehmen.” (Frau, I 2070) „Schikaniert, gemobbt und unterdrückt – im Beruf – ehem. Chef – ebenso von ihm lächerlich gemacht und abgewertet.” (Frau, I 1326) „In meiner Lehrzeit wurde ich von der Chefin regelmäßig angeschrien und schikaniert.” (Frau, I 698) „In der Kollegenschaft habe ich mich für Gemobbte eingesetzt und wurde deshalb ebenfalls gemobbt (ca. ein halbes Jahr).” (Frau, I 2152) Hohe berufliche Positionen – wie es bei den Aussagen der Männer der Fall ist – werden in der Gruppe der Frauen nie als Grund für psychische Gewalterfahrungen am Arbeitsplatz genannt. Ist bei Männern der Ort psychischer Gewalt die private Beziehung, so handelt es sich zumeist um eifersüchtige, stalkende Lebensgefährten/Lebensgefährtinnen, Ehefrauen oder auch deren Ex-Partner, die genannt werden. Im Zuge von Trennungen oder „schwierigen Scheidungsphasen” erleben Männer psychische Gewalt durch ihre (Ex-)Partner/innen, wobei es auch vorkommt, dass die Männer selbst daran nicht unbeteiligt sind. „Meine Ex-Frau wusste von einer außerehelichen Beziehung in meiner zweiten Ehe und hat mich darauf hin verlassen.” (Mann, I 236) „Übertriebenes Misstrauen und übertriebene Eifersucht durch meine Ex-Frau und durch meine neue Partnerin. Deshalb lebe ich seit meiner Scheidung alleine bzw. nur mehr in einer Wochenendbeziehung.” (Mann, I 2187) „Werde immer und überall kontrolliert: Extreme, grundlose aber sehr krankhafte Eifersucht der Partnerin.” (Mann, I 629) 14

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Wird z. B. auch deutlich durch die häufige Nennung der Täter/Täterinnen in den letzten drei Jahren: bekannte weibliche und/oder männliche Person, die nicht zur Familie gehört (siehe auch Kapitel 5.2.1).

3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

Zudem erleben Männer psychische Gewalt in der Beziehung durch streitsüchtige oder dominante Frauen – „Terror” oder „Druck” in der Beziehung/Ehe: „Meine erste Partnerin war sehr dominant und hat mich unter Druck gesetzt. Habe dann die Beziehung beendet.” (Mann, I 763) Vereinzelt ordnen Männer Benachteiligungen in der Familie oder Beleidigungen seitens der Eltern ebenfalls den psychischen Gewalterfahrungen zu. Im Beruf und im Arbeitsumfeld ereignen sich bei Männern am häufigsten psychisch gewaltvolle Situationen. Dabei drehen sich die Schilderungen der psychischen Gewalterfahrungen am Arbeitsplatz meist um Konflikte mit Arbeitskollegen und Arbeitskolleginnen oder mit Vorgesetzten. „Auf meinem Arbeitsplatz wird nicht gerade zimperlich umgegangen.” (Mann, I 953) „Ein Kollege wollte meinen Job und hat alles getan, mich schlecht zu machen und jeden Fehler, auch die, die ich gar nicht gemacht habe, meinem Chef zugetragen.” (Mann, I 236) „Vorgesetzter fühlte sich fachlich unterlegen und ließ seinen Frust an mir aus, ich sorgte dafür, dass er abgelöst wurde, danach nie wieder.” (Mann, I 355) Von „Unstimmigkeiten” über „Mobbing” bis hin zum „Burn-Out” ist in einzelnen Schilderungen die Rede. Allerdings kann der Beruf an sich (beispielsweise im Sicherheitsbereich oder im Juwelenhandel) oder die höhere berufliche Position für Männer bisweilen Ursache dafür sein, Opfer von psychischer Gewalt zu werden: „Bei meiner Arbeit als Türsteher in einer Disco kommt es ab und zu bedrohlichen Situationen und Sachbeschädigungen.” (Mann, I 704) „Als Betriebsrat erlebt man solche Situationen ständig.” (Mann, I 1008) „Wenn man beruflich eine etwas exponiertere Funktion hat, hat man nicht nur Freunde.” (Mann, I 1067) Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass sich die Männer in ihren Schilderungen eher nicht als (wehrlose) Opfer konstruieren, sondern vielmehr die psychischen Übergriffe (als „Teil des Spiels”) normalisieren und die entsprechenden Situationen tendenziell in einer Weise darstellen, als ob sie diese unter Kontrolle (gebracht) hätten. Für Männer wird darüber hinaus deren politische oder religiöse Einstellung häufig zum Auslöser von gegen sie gerichtete psychische Gewalt, etwa bei politisch motivierten Demon­ strationen, wenn es zu Konflikten mit „politischen Mitbewerbern” oder „Gegnern” kommt, oder wenn jemand „wegen meiner politischen Einstellung und meines Auftretens auf offener Straße massiv bedroht worden” ist. Unter den Schilderungen finden sich auch generelle Einschränkungen durch den Staat oder Bedrohungen aufgrund politischer oder religiöser Einstellungen, jedoch werden psychische oder körperliche Gewalterfahrungen durch exekutive Einrichtungen (Polizisten, „Kontrolle durch den Staat, Verfolgung durch den Staat, viel Korruption”, Finanzbehörden) ausschließlich von Männern beschrieben:

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

„Man steht in gewissen Dingen sehr hilflos da, gewisse Behörden (Finanzprüfung) haben in den letzten fünf Jahren jegliche Bürgernähe verloren, spielen das gesamte Register der Einschüchterung, Schikane, unrichtiger Behauptungen.” (Mann, I 1370) Psychische Gewalt und Diskriminierung aufgrund des Alters oder Aussehens werden von den befragten Frauen und Männern im Rahmen der offenen Antwortkategorie gleichermaßen angesprochen. Frauen berichten von Erfahrungen psychischer Gewalt aufgrund ihres Übergewichts („Demütigungen”, „Hänseleien”, „Beleidigungen”), Männer erwähnen ebenfalls vereinzelt negative Erfahrungen, bei denen ihr Gewicht im Mittelpunkt stand. Steht die psychische Gewalterfahrung in Zusammenhang mit der Zugehörigkeit der befragten Personen zu einer bestimmten ethnischen Gruppe bzw. einem Migrationshintergrund, so werden in den Aussagen bei Männern und Frauen beide Aspekte angesprochen: einerseits der aufgrund der eigenen Migrationsgeschichte oder Herkunft erfahrene Rassismus, andererseits die psychische Gewalt, ausgehend von Menschen mit Migrationshintergrund oder einer anderen Kultur oder Religion. Nicht nur im beruflichen oder im familiären/partnerschaftlichen Umfeld treten psychische Gewalthandlungen auf – Männer wie auch Frauen berichten gleichermaßen über psychische Gewalt im Freundes- bzw. Bekanntenkreis: genannt werden hier Nachbarschaftskonflikte, psychische Gewalt bei sportlichen Aktivitäten, etwa in Vereinen, aber auch Streitereien in Lokalen oder in Bars. Frauen sprechen außerdem Konflikte mit Freundinnen, beispielsweise „Freundinnen, die eifersüchtig auf meine Beziehung waren” an. Frauen wie Männer erleben in ihren Beziehungen psychische Gewalt durch als dominant beschriebene Partner beziehungsweise Partnerinnen. Insbesondere Eifersucht seitens des Partners/der Partnerin wird als Ursache für diese Erfahrungen von Frauen wie von Männern genannt. Allerdings wurde weiter oben und in den konkreten Beschreibungen der Frauen und Männer sichtbar, dass es sich bei den Frauen häufiger um psychische Gewalt durch Partner gehandelt hat, eingebunden in massive Bedrohungs- und Gewaltkontexte, welche auch körperliche und sexuelle Gewalt oder deren Androhung umfassen. Sie verweisen in der Tendenz stärker auf systematische Misshandlungskontexte mit multiplen Gewaltformen, welche bereits in der Auswertung der Betroffenheit durch unterschiedliche Gewaltformen in Kap. 2.2 sichtbar geworden waren.

3.2 Körperliche Gewalt 3.2.1 Erlebte körperliche Gewalthandlungen 61,4 % der Männer und 56,8 % der befragten Frauen geben an, zumindest mit einer der insgesamt neunzehn im Fragebogen aufgelisteten körperlichen Übergriffsmöglichkeiten Erfahrung gemacht zu haben; damit stellt die körperliche Gewalt jene Gewaltform dar, von welcher Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Die beiden am häufigsten genannten Übergriffe sind eher den leichteren körperlichen Gewaltformen zuzuordnen: absichtlich weggestoßen werden (Frauen 54,0 %; Männer 60,2 %)

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3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

oder eine leichte Ohrfeige bekommen (Frauen 55,7 %; Männer 56,7 %). Diese Gewaltformen werden häufig auch in Kombination mit anderen Gewalthandlungen erlebt. Ein nicht unerheblicher Teil der befragten Männer und Frauen mit körperlicher Gewalterfahrung berichtet aber auch von bisweilen sehr schwerer, ja zum Teil lebensbedrohlicher körperlicher Gewalt: Immerhin jeder siebte von körperlicher Gewalt betroffene Mann (14,4 %) und 8,4 % der betroffenen Frauen geben an, verprügelt oder zusammengeschlagen worden zu sein. 8,6  % der von körperlicher Gewalt betroffenen Männer und 5,3  % der Frauen sind mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, bedroht worden. Während Frauen häufiger davon berichten, eingesperrt (Frauen 7,8  %; Männer 3,8 %), am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht worden zu sein (Frauen 9,5 %; Männer 5,5 %), geben Männer mit 23,6 % deutlich häufiger als Frauen an, dass mit Fäusten auf sie eingeschlagen wurde (Frauen 11,9 %). Grundsätzlich werden alle erlebten körperlichen Übergriffe von Frauen und Männern in hohem Ausmaß als bedrohlich erlebt – allerdings deutlich häufiger mit zunehmenden schweren körperlichen Gewalthandlungen: Das absichtliche Weggestoßenwerden war zum Beispiel für 42,2  % der Frauen mit körperlichen Gewalterfahrungen bedrohlich (und für 31,9 % der Männer), wohingegen es von 65,5 % der Frauen und von 55,6 % der Männer als bedrohlich empfunden wurde, mit Fäusten geschlagen zu werden. Insgesamt wird die Bedrohlichkeit körperlicher Gewaltübergriffe sowohl für Frauen wie auch für Männer – auf hohem Niveau – erlebt, allerdings sind im Geschlechtervergleich deutliche Unterschiede im Erleben des jeweiligen Übergriffes feststellbar: Wenig verwunderlich erleben Frauen nahezu alle Situationen körperlicher Gewaltausübung als signifikant bedrohlicher als Männer, wobei anzumerken ist, dass Frauen generell schwerere Formen von Gewalt erfahren (siehe Kapitel 4). Wird eine „leichte Ohrfeige” von Frauen deutlich häufiger als bedrohlich erlebt als von Männern (Frauen 42,2 %; Männer 31,9 %), so zeigen sich die Unterschiede in der Bedrohlichkeit besonders deutlich in jenen Fällen, in denen Frauen absichtlich verbrüht oder mit etwas Heißem verbrannt worden sind: 60,0  % der Frauen mit körperlicher Gewalterfahrung erlebten solche Gewalthandlungen als bedrohlich, demgegenüber lediglich 40,0 % der Männer. Umgekehrt wird von Männern im Vergleich zu Frauen das Überfallenwerden (Männer 59,6 %; Frauen 50,0 %) oder eingesperrt zu werden (Männer 62,5 %; Frauen 59,6 %) als bedrohlicher erlebt. Die stärkere Bedrohungswahrnehmung von Frauen in Bezug auf die überwiegende Zahl der genannten Gewalthandlungen kann dahingehend interpretiert werden, dass Frauen allgemein mehr Gewalt in engen sozialen Beziehungen erleben und sie dieser Gewalt schwieriger entgehen können. Diese wird auch häufiger wiederholt und systematisch, oft in Kombinationen von psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt, ausgeübt (vgl. Schröttle/ Ansorge 2009 bzw. Kapitel 4 der vorliegenden Studie). Zudem kann sie auch damit in Zusammenhang stehen, dass Frauen aufgrund ihrer Situation weniger gelernt haben, sich gegen körperliche Gewalt aktiv zur Wehr zu setzen und sich selbst zumeist mehr als Objekt denn als Subjekt von Gewalt erfahren (vgl. Glammeier 2010). Zugleich ist es aber auch möglich, dass Männer in den Interviews die subjektive Bedrohungswahrnehmung tendenziell stärker herunterspielen, um im Rahmen ihrer Geschlechterrolle nicht als unmännlich, feige oder wehrlos zu gelten.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 32: Körperliche Gewalthandlungen (erlebt) – Gesamtübersicht

e Situationen auf Gesamtstichprobe gerechnet. Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Männer

Frauen 0,7% 0,5% 2,3% 4,4% beraubt 4,5% 3,6% zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 5,3% bedroht3,0% üht oder mit etwas Heißem verbrannt 1,0% 0,8% t, zu erwürgen oder zu ersticken versucht3,4% 5,4% zusammengeschlagen 8,8% 4,8% einen eingeschlagen 14,5% 6,7% m Unbringen gedroht 5,7% 6,6% t wurde, einen körperlich anzugreifen oder 21,1% zu verletzen 16,5% lagen, das verletzen könnte 7,4% 6,3% h einem geworfen wurde, der verletzten 13,5% könnte 12,2% oder mit der flachen Hand geschlagen14,0% 13,8% t oder gestoßen, dass man taumelte oder 13,2% umgefallen 13,0% ist en oder hart angefasst 20,8% 22,1% oder an den Haaren gezogen 13,3% 15,4% ekratzt 14,9% 10,7% 34,8% 31,7% estoßen 36,9% 30,7%

30,7% 36,9%

absichtlich weggestoßen absichtlich weggestoßen

31,7% 34,8%

leichte Ohrfeige leichte Ohrfeige gebissen gekratzt gebissen oder oder gekratzt

10,7% 14,9%

Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen

15,4% 13,3% 22,1% 20,8%

getreten, gestoßen oder angefasst hart angefasst getreten, gestoßen oder hart weggeschleudert oder gestoßen, dassgestoßen, man taumelte weggeschleudert oder oder umgefallen ist dass man taumelte oder umgefallen ist

13,0% 13,2%

heftig geohrfeigt heftig geohrfeigt oder mit der flachen Hand geschlagen oder mit der flachen Hand geschlagen Gegenstand nach einemnach geworfen wurde,geworfen, der verletzten Gegenstand wurde einem könnte der verletzten könnte

12,2% 13,5%

13,8% 14,0%

6,3% 7,4%

mit etwas geschlagen, das verletzen könnte mit etwas geschlagen, das verletzen könnte gedroht wurde, einen körperlich anzugreifen ernsthafternsthaft gedroht, einen körperlich anzugreifen

16,5%

21,1% oder zu verletzen oder zu verletzen der Frauen Die stärkere Bedrohungswahrnehmung in Bezug auf viele der genannten 6,6% 5,7%

ernsthaft dem Unbringen gedroht ernsthaft mit dem mit Unbringen bedroht

Gewalthandlungen kann auch damit in Zusammenhang stehen, dass Frauen mehr Gewalt in 6,7%

mitauf Fäusten auf eingeschlagen einen eingeschlagen mit Fäusten einen

14,5% engen sozialen Beziehungen erleben, der sie schwieriger entgehen können und die auch 4,8% 8,8%

verprügelt oder zusammengeschlagen häufiger wiederholt und systematisch, oft in Kombinationen vor psychischer, körperlicher und verprügelt oder zusammengeschlagen

am Hals gepackt, zu oder zu ersticken am Hals gepackt, zuerwürgen erwürgen oder zu 5,4% 3,4% versucht ersticken sexueller Gewalt ausgeübt wird (vgl.versucht Schröttle/Ansorge 2009 bzw. Kapitel 4 der vorliegenden absichtlich verbrüht oder 0,8% oder mit etwas Heißem verbrannt 1,0% mit Heißem verbrannt Studie). Zudemabsichtlich kannverbrüht sieetwas auch damit in Zusammenhang stehen, dass Frauen aufgrund ihrer Frauen mit einer Beispiel einem Messer oder einer mit Waffe, einerzum Waffe, zum Beispiel einem 3,0% 5,3% Pistole, bedroht oder einer Pistole, Situation weniger Messer gelernt haben, sichbedroht gegen körperliche Gewalt aktiv zur Wehr zu setzen und

Männer

3,6%

überfallen beraubt oder oder beraubt sich selbst zumeist mehrüberfallen als Objekt denn als 4,5% Subjekt von Gewalt erfahren (vgl. Glammeier 4,4% 2,3%

eingesperrt eingesperrt

2010).

gefesselt gefesselt

0,5% 0,7%

Basis: alle Befragten

Zugleich ist es aber auch möglich, dass Männer in den Interviews die subjektive 0% 20% 40% 60% 80% 100%

Bedrohungswahrnehmung tendenziell stärker um im Rahmen ihrer Frauen herunterzuspielen, Männer

uf Gesamtstichprobe - als bedrohlich erlebt

Geschlechterrolle nicht als unmännlich, feig oder wehrlos zu gelten.

Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) Zusatzinformation: Körperliche Gewalthandlungen (erlebt) – Gesamtübersicht Männer Frauen Basis: nicht alle Befragten, sondern nur jene, die –körperliche Gewalt erlebt haben. 32: Körperliche Gewalthandlungen (erlebt) Gesamtübersicht 0,3% Abbildung 0,3%

1,4% 2,6% beraubt 2,7% 1,8% zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 3,6% bedroht2,5% üht oder mit etwas Heißem verbrannt 0,4% 0,5% t, zu erwürgen oder zu ersticken versucht1,7% 2,8% zusammengeschlagen 5,2% 3,3% einen eingeschlagen 8,1% 4,4% m Unbringen gedroht 3,1% 4,8% t wurde, einen körperlich anzugreifen oder 10,2% zu verletzen 11,4% lagen, das verletzen könnte 3,8% 3,7% h einem geworfen wurde, der verletzten 4,8% könnte 5,0% oder mit der flachen Hand geschlagen 5,7% 8,8% t oder gestoßen, dass man taumelte oder 6,5% umgefallen ist 7,8% en oder hart angefasst 9,0% 13,3% oder an den Haaren gezogen 4,2% 7,4% ekratzt 3,5% 3,0% 8,3% 11,9% estoßen 11,8% 12,9%

12,9% 11,8%

absichtlich weggestoßen

11,9% 8,3%

leichte Ohrfeige

absichtlich weggestoßen

3,0% 3,5%

gebissen oder gekratzt

leichte Ohrfeige

7,4% 4,2%

Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen

gebissen oder gekratzt

13,3% 9,0%

getreten, gestoßen oder hart angefasst

Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen

weggeschleudert oder gestoßen, dass man taumelte oder umgefallen ist angefasst getreten, gestoßen oder hart

7,8% 6,5% 8,8% 5,7%

heftig geohrfeigt oder mit der flachen Hand geschlagen weggeschleudert oder gestoßen,

dass man taumelte oder umgefallen ist

Gegenstand nach einem geworfen wurde, der verletzten könnte heftig geohrfeigt

5,0% 4,8%

oder mit der flachen Hand geschlagen mitwurde etwas geschlagen, das verletzen könnte Gegenstand nach einem geworfen, der verletzten könnte ernsthaft gedroht wurde, einen körperlich anzugreifen

3,7% 3,8% 11,4% 10,2%

oder zu verletzen mit etwas geschlagen, das verletzen könnte

4,8% 3,1%

ernsthaft mit dem Unbringen gedroht ernsthaft gedroht, einen körperlich anzugreifen oder zu verletzen

4,4% 8,1%

mit Fäusten auf einen eingeschlagen

ernsthaft mit dem Unbringen bedroht

3,3% 5,2%

verprügelt oder zusammengeschlagen

mit Fäusten auf einen eingeschlagen

am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht verprügelt oder zusammengeschlagen absichtlich oderzu miterwürgen etwas Heißem verbrannt am Hals verbrüht gepackt, oder zu ersticken versucht

2,8% 1,7% 0,5% 0,4%

mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder einer absichtlich Pistole, bedrohtverbrüht oder

2,5% 3,6%

mit etwas Heißem verbrannt oder beraubt mit einer Waffe, zumüberfallen Beispiel einem Messer oder einer Pistole, bedroht

1,8% 2,7% 2,6% 1,4%

eingesperrt

überfallen oder beraubt

gefesselt

eingesperrt gefesselt

0,3% 0,3% 0% Frauen

20%

40%

60%

80%

100%

Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in körperlicher Gewalt.

92

3,4%

versucht absichtlich verbrüht oder mit etwas Heißem verbrannt

0,8% 1,0%

mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, bedroht

3,0% 5,3%

überfallen oder beraubt

3,6% 4,5%

3– 4,4%Erfahrene Gewalthandlungen im Detail eingesperrt 2,3%

gefesselt

0,5% 0,7% 0%

20%

40%

60%

80%

100%

Abbildung 33: Diese Handlungen körperlicher Frauen MännerGewalt wurden als bedrohlich erlebt uf Gesamtstichprobe - als bedrohlich erlebt Abbildung: Zusatzinformation: Körperliche Gewalt (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) Männer

Frauen

0,3% 0,3% 1,4% 2,6% beraubt 2,7% 1,8% zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, 3,6% bedroht2,5% üht oder mit etwas Heißem verbrannt 0,4% 0,5% t, zu erwürgen oder zu ersticken versucht1,7% 2,8% zusammengeschlagen 5,2% 3,3% einen eingeschlagen 8,1% 4,4% m Unbringen gedroht 3,1% 4,8% t wurde, einen körperlich anzugreifen oder 10,2% zu verletzen 11,4% lagen, das verletzen könnte 3,8% 3,7% h einem geworfen wurde, der verletzten 4,8% könnte 5,0% oder mit der flachen Hand geschlagen 5,7% 8,8% t oder gestoßen, dass man taumelte oder 6,5% umgefallen ist 7,8% en oder hart angefasst 9,0% 13,3% oder an den Haaren gezogen 4,2% 7,4% ekratzt 3,5% 3,0% 8,3% 11,9% estoßen 11,8% 12,9%

12,9% 11,8%

absichtlich weggestoßen absichtlich weggestoßen

11,9% 8,3%

leichte Ohrfeige leichte Ohrfeige

3,0% 3,5%

gebissen gekratzt gebissen oder oder gekratzt

7,4% 4,2%

Arm oder umgedreht oder an den Haaren gezogen Arm umgedreht an den Haaren gezogen

13,3% 9,0%

getreten, gestoßen oder angefasst hart angefasst getreten, gestoßen oder hart weggeschleudert oder gestoßen, dassgestoßen, man taumelte weggeschleudert oder oder umgefallen ist dass man taumelte oder umgefallen ist

7,8% 6,5%

heftigHand geohrfeigt heftig geohrfeigt oder mit der flachen geschlagen oder mit der flachen Hand geschlagen Gegenstand nach einemnach geworfen wurde,geworfen, der verletzten Gegenstand wurde einem könnte der verletzten könnte

5,0% 4,8%

mit etwas geschlagen, das verletzen könnte mit etwas geschlagen, das verletzen könnte

3,7% 3,8%

8,8% 5,7%

gedroht wurde, einen körperlich anzugreifen ernsthafternsthaft gedroht, einen körperlich anzugreifen oder zu verletzen oder zu verletzen

11,4% 10,2% 4,8% 3,1%

ernsthaft dem Unbringen gedroht ernsthaft mit dem mit Unbringen bedroht

4,4% 8,1%

mitauf Fäusten auf eingeschlagen einen eingeschlagen mit Fäusten einen

3,3% 5,2%

verprügelt oder zusammengeschlagen verprügelt oder zusammengeschlagen am Hals gepackt, zu oder zu ersticken am Hals gepackt, zuerwürgen erwürgen oder zu versucht ersticken versucht absichtlich verbrüht oder absichtlich verbrüht oder mit etwas Heißem verbrannt mit etwas Heißem verbrannt mit einer Beispiel einem Messer oder einer mit Waffe, einerzum Waffe, zum Beispiel einem Pistole, bedroht Messer oder einer Pistole, bedroht

2,8% 1,7% 0,5% 0,4%

überfallen beraubt überfallen oder oder beraubt

1,8% 2,7%

eingesperrt eingesperrt

2,6% 1,4%

gefesselt gefesselt

Frauen

2,5% 3,6%

Männer

0,3% 0,3% 0% Frauen

Basis: alle Befragten 20%

40%

60%

80%

100%

Männer

Zusatzinformation: Körperliche Gewalthandlungen (als bedrohlich erlebt) – Gesamtübersicht Basis: nicht alle Befragten, sondern nur jene, die körperliche Gewalt erlebt haben. Abbildung 33: Diese Handlungen der körperlichen Gewalt wurde als bedrohlich erlebt absichtlich weggestoßen leichte Ohrfeige gebissen oder gekratzt Arm umgedreht oder an den Haaren gezogen getreten, gestoßen oder hart angefasst weggeschleudert oder gestoßen, dass man taumelte oder umgefallen ist heftig geohrfeigt oder mit der flachen Hand geschlagen Gegenstand wurde nach einem geworfen, der verletzten könnte mit etwas geschlagen, das verletzen könnte ernsthaft gedroht, einen körperlich anzugreifen oder zu verletzen ernsthaft mit dem Unbringen bedroht mit Fäusten auf einen eingeschlagen verprügelt oder zusammengeschlagen am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht absichtlich verbrüht oder mit etwas Heißem verbrannt mit einer Waffe, zum Beispiel einem Messer oder einer Pistole, bedroht überfallen oder beraubt eingesperrt gefesselt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, welche die jeweilige Situation erlebt haben.

93

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

3.2.2 Individuelle Situationsschilderungen körperlicher Gewaltsituationen15 Etliche der beschriebenen körperlichen Gewalterfahrungen wurden von Männern und Frauen in ihrer Jugend bzw. im jungen Erwachsenenalter sowie in der Herkunftsfamilie gemacht (beispielsweise Ohrfeigen von Vater oder Mutter). Auch in der Gruppe der befragten Frauen finden sich dabei Aussagen, angefangen von „harmlosen Rangeleien”, „Kindheitssachen” über Bedrohungen mit Messer oder Luftdruckgewehr durch ein Familienmitglied bis hin zu „heftigen Schlägen und Tritten von meiner Mama, meinem Papa und meinem Bruder”. „Ich wurde von meinem sehr dominanten Vater während meiner ganzen Kindheit und Jugend laufend geohrfeigt und teilweise auch geschlagen. Als ich mit 19 Jahren einmal den Mut hatte, ihm meine Meinung dazu zu sagen, hat er mich rausgeworfen.” (Frau, I 1542) Meist wird bei Bestrafungen durch die Eltern auch der eigene angebliche Fehler genannt: „Ungehorsam”, „als ich nicht um 22 Uhr zu Hause war”, „weil ich meiner Mutter nicht immer gefolgt habe” oder die „schlechten Noten in der Schule”. Wird eine Situation mit dem Partner angesprochen, so liegt diese meist lange zurück bzw. wird sein Verhalten danach und der Auslöser dafür geschildert. Frauen beschreiben zudem Situationen, die sich in ehemaligen Beziehungen ereignet haben, in denen Ex-Partner „handgreiflich”, „rabiat” und „gewalttätig” waren: „Mein Ex-Mann war ab und zu gewalttätig, wenn etwas nicht so gemacht wurde, wie er es sich vorgestellt hatte.” (Frau, I 265) Gleichzeitig betonen Frauen, dass sie sich gewehrt beziehungsweise aus dieser Beziehung gelöst haben, dass es eine Ursache für die Gewalttätigkeit des Mannes gab („Alkoholsucht”, „Eifersucht”, „Hilflosigkeit”, „Ohnmacht”, etc.), oder sie berichten von körperlichen Gewalthandlungen, zu welchen sie selbst in bestimmten Situationen gegriffen haben: „aus Wut”, „wenn mein Freund und ich streiten”, „ich schlage zurück!”. Erwähnen Frauen körperliche Gewalterfahrungen durch Unbekannte, handelt es sich vielfach um Diebstähle, Raubüberfälle, aber auch um Rangeleien in Menschenmengen oder um körperliche Gewalt durch alkoholisierte Männer: „Vor Kurzem bei einem Fußballmatch, Stänkerei von anderen Betrunkenen, die auf unseren Plätzen standen und dann handgreiflich wurden, auch mir gegenüber.” (Frau, I 1416) Im beruflichen Umfeld erleben Frauen körperliche Gewalt durch Kunden, Patienten/Klienten in der Ausübung ihrer Arbeit als Sozialarbeiterinnen, als Kindergärtnerinnen, Pflegerinnen oder Kellnerinnen. Aus den Schilderungen der befragten Männer zur offenen Frage erfährt man von „Ohrfeigen im Elternhaus” und vielfach von den Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen: „Kinderspiele”, „Auseinandersetzung unter Jugendlichen, nichts Besonderes”, „dumme Jungmännergeschichten halt”.

15

94

Die Möglichkeit, die erlebten Übergriffe und Situationen stichwortartig in einer offenen Frage zu schildern, wurde nicht von allen Befragten in Anspruch genommen; daher stellen die in diesem Kapitel beschriebenen Situationen nur einen Teilausschnitt der gesamten Stichprobe da, illustrieren jedoch anschaulich die erfahrenen Übergriffe und Gewalthandlungen.

3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

Doch auch von „ernstlicher Gewalt in der Zeit zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr” ist teilweise die Rede. Wenn vonseiten der Eltern körperliche Gewalt erfahren wurde, wird in einigen Fällen der eigene Fehler als Erklärung mitgenannt: „sicher nicht grundlos”, „wenn ich nicht ganz brav war”, „ich war frech”. Im familiären Umfeld tauchen bei Männern wie bei den befragten Frauen nicht zuletzt auch Streitigkeiten mit Geschwistern auf, aber auch körperliche Gewalt, die von Kindern aus der Verwandtschaft ausgeht. Aus der Gruppe der Männer, welche von ebenso gewalttätigen (Ex-)Partnerinnen berichten, schildert einer die „Angst, sich zu wehren (da ich körperlich überlegen war), und sie zu verletzen!”, für einen anderen „war das nie wirklich bedrohlich”. Hingegen stellen die männlichen Befragten Situationen im öffentlichen Raum weitaus vielfältiger und detaillierter, aber auch bedrohlicher dar. Die gewaltbehafteten Erlebnisse werden überwiegend auf problemanfällige Situationen bei Feiern, Festen oder Lokalbesuche zurückgeführt, aber es wird auch von Gewalterfahrungen an anderen öffentlichen Orten (Straße, öffentliche Verkehrsmittel etc.) berichtet, wobei Provokationen, Bedrohungen, „Rangeleien”, „Handgemenge”, „Raufereien”, Schlägereien”, Überfälle und Diebstähle als Anlässe der Gewalt genannt werden: „Bei einem Dorffest wurde ich angepöbelt und musste mich körperlich zur Wehr setzen, um nicht verletzt zu werden.” (Mann, I 911) „Auf der Straße wurde ich von zwei unbekannten Männern zusammengeschlagen.” (Mann, I 111) „Als junger Erwachsener wurde ich auf der Straße grundlos von einem Betrunkenen zusammengeschlagen und verletzt.” (Mann, I 702) In vielen Fällen werden auch das polizeiliche Eingreifen und die Folgen des Zwischenfalls (Verurteilung der Täter, Krankenhaus- oder Gefängnisaufenthalte) geschildert. Männer erleben außerdem aufgrund ihres Berufes (Polizist, Türsteher, Geschäftsinhaber) körperliche Gewalt: „Vor Jahren von einer Prostituierten im Dienst mit Zigarette verletzt.” (Mann, I 1371) „Angriffe während meiner Tätigkeit als Sicherheitsorgan.” (Mann, I 1524) Wie bereits bei der psychischen Gewalt schildern die Männer zur offenen Frage bei der körperlichen Gewalt Erfahrungen auch mit Exekutivorganen: „Ich habe schon oft von der Polizei und von verschiedenen fremden Personen Schläge bekommen.” (Mann, I 658) „Die Polizei hat mich mit einem gesuchten Straftäter verwechselt → mit gezogener Waffe eine Ausweiskontrolle.” (Mann, I 2041) Im Allgemeinen zeigt sich eher in den Aussagen der Frauen die Tendenz, die Ursachen für die erlittenen körperlichen Gewalterfahrungen auch bei sich selbst zu suchen, beispielsweise wenn die erfahrene Gewalt als „verdient” empfunden wird: „es setzte richtig Schläge, als sie mich beim Rauchen erwischte”; oder aber wenn die Frauen sich selbst als „aggressiv” und provokant einschätzen: als „ich die Ohrfeige so richtig herausgefordert hab”. Aber auch Männer geben beispielsweise an, eine Frau verteidigt oder aber die „Ohrfeige verdient zu haben”. Während Frauen in höherem Ausmaß von körperlicher Gewalt im familiären oder privaten Umfeld der Partnerschaft berichten, schildern Männer eher körperliche Gewalterfahrungen, welche sie im öffentlichen Umfeld oder mit Unbekannten gemacht haben.

95

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Generell fällt auf, dass Frauen ihre Erinnerungen konkreter beschreiben und ihr zumeist männliches Gegenüber in der dargestellten Situation benennen (Vater, Partner, Bruder, Unbekannter), während Männer in ihren Ausführungen eher allgemein bleiben und vage, zusammenfassende Angaben machen. Außerdem werden vor allem jugendliche oder kindliche Raufereien verharmlost und als „normal” oder „üblich” dargestellt, manchmal werden Raufereien auch mit dem damals betrunkenen Zustand in Verbindung gebracht.

3.3 Sexuelle Belästigung 3.3.1 Erlebte sexuelle Belästigungen Von erlebter sexueller Belästigung berichtet etwa jeder vierte Mann (27,2 %), jedoch drei von vier Frauen (74,2 %), womit für Frauen der Betroffenheitsgrad bei dieser Gewaltform im weiteren Sinn nahezu den dreifachen Wert erreicht. Was die Häufigkeit der erlebten Situationen aus den insgesamt elf Items von unterschiedlichen Formen sexueller Belästigung betrifft, zeigt sich bei den befragten Frauen und Männern ein ähnliches Bild; hingegen gibt es größere Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinsichtlich der Dimension der Betroffenheit. Frauen und Männer schildern am häufigsten die Situation, dass ihnen jemand zu nahe gekommen ist, sodass es von ihnen als aufdringlich empfunden wurde. Drei Viertel (75,1 %) der von sexueller Belästigung betroffenen Frauen gaben an, eine solche Situation erlebt zu haben, demgegenüber bestätigten 59,4 % der von sexueller Belästigung betroffenen Männer derartige Erfahrungen. Die von Frauen und Männern geschilderte zweithäufigste Form von sexueller Belästigung: Es wurde mit ihnen in einer Art und Weise gesprochen, die sie als sexuell belästigend empfanden. Nahezu zwei Drittel der sexuell belästigten Frauen (60,2  %) und nahezu jeder dritte Mann (28,6  %) gaben dies an. Frauen machten mit allen in der Befragung angebotenen Formen sexueller Belästigung deutlich häufiger die Erfahrung als Männer (siehe Abbildung 34). Als bedrohlich erlebt wurden nahezu sämtliche Situationen von sexueller Belästigung von zumindest der Hälfte der betroffenen Frauen wie auch Männer, ausgenommen jene, in der Frauen und Männer sich durch Nachpfeifen oder Angestarrtwerden sexuell belästigt fühlen: Diese eher „weichen” Formen der sexuellen Belästigung werden aber von jeder dritten betroffenen Frau (35,9 %) und selbst von 42,1 % der gegebenenfalls betroffenen Männer als bedrohlich wahrgenommen. Auch wenn etwa die Hälfte sämtlicher im Fragebogen vorgegebenen Situationen von Frauen wie auch von Männern als ähnlich bedrohlich wahrgenommen wird, gibt es dennoch deutliche Unterschiedlichkeiten zwischen den Geschlechtern: Während Männer, die – ungewollt – von jemandem in sexueller Absicht verfolgt wurden, diese Situation allesamt als bedrohlich einstufen, trifft dies gerade auf drei Viertel (73,6 %) der Frauen zu. Hingegen wird von Frauen die Situation, dass sich jemand vor ihnen entblößt und sie dadurch sexuell belästigt, als stärker bedrohlich (Frauen 78,1 %; Männer 53,3 %) empfunden.

96

mtstrichprobe

3,6%

Pistole, bedroht überfallen oder beraubt

1,8% 2,7%

eingesperrt

2,6% 1,4%

3 gefesselt

0,3% –0,3% Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

0%

40%

Frauen

60%

80%

100%

Männer

Abbildung 34: Sexuelle Belästigung (erlebt) – Gesamtübersicht Abbildung: Zusatzinformation: Sexuelle Belästigung (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Männer Frauen und Weise gesprochen wurde,die dieals als auf eineauf Arteine undArt Weise angesprochen worden, … 0,7% 2,2% sexuell belästigend empfunden wurde dadurch sexuell 1,9% belästigt 11,8% sexuell belästigend empfunden wurde es nachteilig für 0,4% die Zukunft 3,8% oder das berufliches Fortkommen wäre, wenn man sich nicht sexuell einläst ern oder Nacktbilder 1,8% belästigt 6,9% nachgepfiffen dadurch sexuell durch Nachpfeifenoder undangestarrt Anstarrenund sexuell belästigt ewollt verfolgt 2,2% 11,7% gefühlt belästigt gefühlt cht gewollt 7,1% 34,8% stigt oder bedrängt 3,7% 20,0% in unpassenden Situationen,z. B. z. B. in in der der Arbeit, als aufdringlich 16,1% empfunden55,7% wurde in unpassenden Situationen, Arbeit, beit, Ausbildung 4,3% oder im Studium, 23,3% belästigende sexuelle Angebote gemacht Ausbildung oder im Studium, belästigendesexuelle sexuelle Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuell belästigt 2,7%gefühlt 42,9% Angebote erhalten Angebote gemacht die als sexuell 7,8% belästigend44,7% empfunden wurde

urde als bedrohlich erlebt

20%

44,7% 7,8% 42,9% 2,7% 23,3% 4,3%

jemand zu jemand nahe gekommen ist, gekommen, sodass es als ist zu nahe sodass es aufdringlich als aufdringlich empfunden empfunden wurdewurde

55,7% 16,1%

Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigtoder oder überüber Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt bedrängt bedrängt

20,0% 3,7% 34,8%

berührt oderoder zu küssen versucht, obwohl nicht berührt zu küssen versucht, obwohl nichtgewollt gewollt

7,1%

von jemandem sexuellen Absichten ungewollt von jemandem mit mit sexuellen Absichten ungewollt verfolgt verfolgt

11,7% 2,2%

durch Zeigen pornografischen Bildernoder oder durch das das Zeigen vonvon pornografischen Bildern belästigt Nacktbilder Nacktbildern belästigt

6,9% 1,8%

zu verstehen gegeben dass für es es wurde zu einem verstehen gegeben, dass eswurde, nach­teilig nachteilig für berufliches die Zukunft oder berufliches die Zukunft oder das Fort­kdas ommen wäre, wenn man sich nicht sexuell einlässt Fortkommen wäre, wenn man sich nicht sexuell

3,8% 0,4%

einläst

vorsich einem sich jemand entblößt und einen sexuell dadurch jemand hat entblößt und andere/n dadurch belästigt sexuell belästigt

1,9%

anderer Weise sexuell belästigt, in andereinWeise sexuell belästigt,und undzwar zwar… …

2,2% 0,7%

Frauen

11,8%

0%

Männer Basis: alle Befragten

20%

Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

Zusatzinformation: Sexuelle Belästigung (erlebt) – Gesamtübersicht Basis: nicht alle Befragten, sondern nur jene, die sexuelle Belästigung erlebt haben. Abbildung 34: Sexuelle Belästigung (erlebt) – Gesamtübersicht

Männer Frauen … 0,2% 0,6% dadurch sexuell 0,8% belästigt 4,4% es nachteilig für 0,3% die Zukunft 2,2% oder das berufliches Fortkommen Zusatzinformation: wäre,Weise wenn man sichSexuelle nicht sexuell Belästigung einläst die (als als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) aufAbbildung: eine Art und angesprochen worden, ern oder Nacktbilder 0,6% belästigt 1,8% sexuell belästigend empfunden wurde ewollt verfolgt 1,0% 5,0% cht gewollt 1,4% 12,6% 13,1% aufNachpfeifen eine Art und Weise gesprochen wurde, die als durch und Anstarren sexuell belästigt stigt oder bedrängt 1,0% 7,4% sexuell belästigend empfunden wurde gefühlt 2,3% als aufdringlich 3,4% empfunden18,8% wurde beit, Ausbildung 0,8% oder im Studium, 6,3% belästigende sexuelle Angebote gemacht sexuell belästigt 0,8%gefühlt 8,6% in unpassenden Situationen, z. B. in der sexuell Arbeit, 8,6% nachgepfiffen oder angestarrt und dadurch die als sexuell 2,3% belästigend13,1% empfunden wurde Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuelle

belästigt gefühlt

Angebote erhalten

in unpassenden Situationen, z. B. in der Arbeit, jemand ist belästigende zu nahe gekommen, Ausbildung oder im Studium, sexuelle sodass es als aufdringlich empfunden wurde Angebote gemacht

0,8%

6,3% 0,8% 18,8%

jemand zu nahe ist,belästigt sodass esoder als über Telefon, E-Mail oder gekommen Brief sexuell aufdringlich empfunden wurde bedrängt

3,4% 7,4% 1,0%

über Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt oder

berührt oder zu küssen versucht, bedrängtobwohl nicht gewollt

12,6%

von jemandem mit sexuellen ungewollt berührt oder zu küssen versucht,Absichten obwohl nicht gewollt verfolgt

1,4% 5,0% 1,0%

mitpornografischen sexuellen Absichten ungewollt durchvon dasjemandem Zeigen von Bildern oder verfolgt Nacktbildern belästigt es wurde zu das verstehen gegeben, dass es nach­ teiligoder für durch Zeigen von pornografischen Bildern die Zukunft oder das berufliches Fort­kommen wäre, Nacktbilder belästigt wenn man sich nicht sexuell einlässt

einem zu verstehen gegeben wurde, dass es

jemand hat nachteilig sich entblößt und andere/n sexuell für die Zukunft oder dadurch das berufliches belästigt Fortkommen wäre, wenn man sich nicht sexuell

einläst vor einem sichinjemand entblößt einenbelästigt, dadurch anderer Weiseund sexuell sexuell belästigt und zwar … in andere Weise sexuell belästigt, und zwar …

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.

1,8% 0,6% 2,2% 0,3% 4,4% 0,8% 0,6% 0,2% 0%

20%

40%

60%

80%

100%

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der sexuellen Belästigung. Frauen

Männer

97

wurde als bedrohlich erlebt

sexuell belästigt

1,9% 2,2% 0,7%

in andere Weise sexuell belästigt, und zwar …

0% 20% 40% 60% 80% 100% Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Frauen

Männer

Abbildung 35: Diese Handlungen der sexuellen Belästigung wurden als bedrohlich erlebt

Männer Frauen ar … 0,2% 0,6% dadurch sexuell 0,8% belästigt 4,4% es nachteilig für 0,3% die Zukunft 2,2% oder das berufliches Abbildung: FortkommenZusatzinformation: wäre, wenn man sichSexuelle nicht sexuell Belästigung einläst (als bedrohlich erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten) dern oder Nacktbilder 0,6% belästigt 1,8% ngewollt verfolgt 1,0% 5,0% nicht gewollt 1,4% 12,6% 13,1% und Weise gesprochen wurde,die dieals als auf eineauf Arteine undArt Weise angesprochen worden, ästigt oder bedrängt 1,0% 7,4% sexuell belästigend empfunden wurde sexuell belästigend empfunden wurde 2,3% s als aufdringlich 3,4% empfunden18,8% wurde rbeit, Ausbildung 0,8% oder im Studium, 6,3% belästigende sexuelle Angebote gemacht h sexuell belästigt 0,8%gefühlt 8,6% 8,6% nachgepfiffen und dadurch sexuell durch Nachpfeifenoder undangestarrt Anstarren sexuell belästigt , die als sexuell 2,3% belästigend13,1% empfunden wurde

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gefühlt

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0,8%

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jemand zu jemand nahe gekommen ist, gekommen, sodass es als ist zu nahe sodass es aufdringlich als aufdringlich empfunden empfunden wurde wurde

18,8% 3,4%

Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigtoder oder überüber Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt bedrängt bedrängt

7,4% 1,0% 12,6%

berührt oderoder zu küssen versucht, obwohl nicht berührt zu küssen versucht, obwohl nichtgewollt gewollt

1,4%

von jemandem sexuellen Absichten ungewollt von jemandem mit mit sexuellen Absichten ungewollt verfolgt verfolgt

5,0% 1,0%

durch Zeigen pornografischen Bildernoder oder durch das das Zeigen vonvon pornografischen Bildern belästigt Nacktbilder Nacktbildern belästigt

1,8% 0,6%

zu verstehen gegeben dass für es es wurde zu einem verstehen gegeben, dass eswurde, nach­teilig nachteilig für berufliches die Zukunft oder berufliches die Zukunft oder das Fort­kdas ommen wäre, wenn wäre, man sich einlässt Fortkommen wennnicht man sexuell sich nicht sexuell

2,2% 0,3%

einläst

vorsich einem sich jemand entblößt und einen sexuell dadurch jemand hat entblößt und andere/n dadurch belästigt sexuell belästigt anderer Weise sexuellund belästigt, in andereinWeise sexuell belästigt, zwar … und zwar …

Frauen

4,4% 0,8%

Männer

0,6% 0,2% 0%

Basis: alle Befragten 20%

Frauen

40%

60%

80%

100%

Männer

Zusatzinformation: Sexuelle Belästigung (als bedrohlich erlebt) – Gesamtübersicht Basis: nicht alle Befragten, sondern nur jene, die sexuelle Belästigung erlebt haben. Abbildung 35: Diese Handlungen der sexuelle Belästigung als bedrohlich erlebt

auf eine Art und Weise angesprochen worden, die als sexuell belästigend empfunden wurde durch Nachpfeifen und Anstarren sexuell belästigt gefühlt in unpassenden Situationen, z. B. in der Arbeit, Ausbildung oder im Studium, belästigende sexuelle Angebote erhalten jemand ist zu nahe gekommen, sodass es als aufdringlich empfunden wurde über Telefon, E-Mail oder Brief sexuell belästigt oder bedrängt berührt oder zu küssen versucht, obwohl nicht gewollt von jemandem mit sexuellen Absichten ungewollt verfolgt durch das Zeigen von pornografischen Bildern oder Nacktbildern belästigt es wurde zu verstehen gegeben, dass es nach­teilig für die Zukunft oder das berufliches Fort­kommen wäre, wenn man sich nicht sexuell einlässt jemand hat sich entblößt und andere/n dadurch sexuell belästigt in anderer Weise sexuell belästigt, und zwar …

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, welche die jeweilige Situation erlebt haben.

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3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

3.3.2 Übergang von sexueller Belästigung zu körperlicher oder sexueller Gewalt

Sexuelle Belästigung stellt eine Gewaltform dar, die häufig in Verbindung mit anderen 3.3.2auftritt Übergang vonselten sexueller Belästigung zursexueller körperlichen sexuellen Gew Gewaltformen und nicht zu körperlicher oderdie auch Gewaltoder führt. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Studie auch genau jener Aspekt der sexuellen Sexuelle Belästigung ist eine zuForm der Gewaltformen Gewalt, die bildet. häufig in Verbindung mit ande Belästigung beleuchtet, der den Übergang anderen

Gewaltformen auftritt und oft zu körperlicher oder auch sexueller Gewalt führt. Aus die

So gibt jede zehnte von sexueller Belästigung betroffene Frau an, dass eine sexuelle BeGrund war es den Autorinnen und Autoren der vorliegenden Studie wichtig, genau je lästigung konkret sowohl zu körperlichen Übergriffen wie auch zu ungewollten sexuellen Aspekt der sexuellen Belästigung zu beleuchten, der den Übergang zu einer ande Handlungen, somit zu sexueller Gewalt geführt hat. Dasselbe trifft auf rund 5 % der beGewaltform bildet. troffenen Männer zu.

Vor allemJede Frauenzehnte in einem höheren Lebensalter berichten über dass diese Erfahrung: So gibt davon betroffene Frau gibt an, sexuelle Belästigung sowohl jede fünfte Frau der 51bis 60-Jährigen mit sexueller Belästigungserfahrung an, sexuelle körperlichen Übergriffen als auch zu ungewollten sexuellen Handlungen, also zur sexue Belästigung habe in ihrem hat. Leben zu ungewollten (siehe AbGewalt, geführt Das Gleiche trifftsexuellen auf rund Handlungen 5% der vongeführt sexueller Belästigung betroffe bildung 37). Männer zu.

Vor allem Frauen in einem höheren Lebensalter schildern diese Erfahrung. Jede fünfte F der 51- bis 60-Jährigen gibt an, dass sexuelle Belästigung in ihrem Leben zu ungewo sexuellen Handlungen geführt die hat zu (siehe Abbildungoder 37). sexueller Gewalt Abbildung 36: Sexuelle Belästigung, körperlicher führt

Abbildung 36: Sexuelle Belästigung, die zur körperlichen oder sexuellen Gewalt führt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nicht alle Befragten, sondern nur jene, die sexuelle Gewalt erlebt haben.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die sexuelle Belästigung erlebt haben.

99

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 37: Sexuelle Belästigung, die zur körperlichen oder sexuellen Abbildung 37: Sexuelle Belästigung, die zur körperlichen oder sexuellen Gewalt führt nach Alter Gewalt führt, nach Alter

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten, sondern nur jene, die sexuelleerlebt Gewalt erlebt haben. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. nicht Basis:alle alle Befragten, die sexuelle Belästigung haben.

3.3.3 Individuelle Situationsschilderungen sexueller Belästigung16 Werden Frauen von einem Unbekannten sexuell belästigt, so tendieren die Beschreibungen in der offenen Frage häufig zu einer verharmlosenden Darstellung der fraglichen Situation: „Beim Ausgehen kann das schon mal vorkommen.” Vielfach wollen diese Frauen in ihren Schilderungen zu verstehen geben, dass sie, wenn sie sich im öffentlichen Raum bewegen, oder vor allem wenn Alkohol im Spiel ist, damit rechnen, (sexuell) belästigt zu werden. Tendenziell scheint sodann ein derartiges Verhalten beinahe als entschuldbare Sache, wie sich überhaupt eine Tendenz zu einer Normalisierung oder Banalisierung von sexueller Belästigung zeigte. Mit dem Wort „normal” werden solche Erfahrungen abgeschwächt dargestellt bzw. „nicht ernst genommen” oder überhaupt „ignoriert”, und schließlich wird sexuelle Belästigung in ihrer Bedeutung für die Frauen von diesen selbst bisweilen deutlich heruntergespielt, wie z. B. „ist nur lästig” oder „peinlich” bzw. „es gibt immer solche Männer”.  

16

Die Möglichkeit, die erlebten Übergriffe und Situationen in einer offenen Frage zu schildern, wurde nicht von allen Befragten in Anspruch genommen; daher stellen die in diesem Kapitel beschriebenen Situationen nur einen Teilausschnitt der gesamten Stichprobe da, illustrieren aber anschaulich die erfahrenen Übergriffe und Gewalthandlungen.

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3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

„Nachgepfiffen macht mir nichts aus, mir wurde sogar schon an den Hintern gegrapscht.” (Frau, I 923) „Das Nachpfeifen nehme ich nicht ernst und der Exhibitionist ist ein armer Mann, den ich ignoriert habe!” (Frau, I 363) „Sexuell belästigt habe ich mich nicht gefühlt, wenn mir ein Mann auf der Straße nachpfeift oder mich anstarrt.” (Frau, I 1379) „Große Brust, schlanke Figur … deshalb werde ich immer angestarrt. Finde das aber nicht als Bedrohung sondern als Belästigung.” (Frau, I 1780) „Aufdringlich und unangenehm waren alle Situationen, aber nicht so, dass ich Angst hatte, dass mir jetzt etwas angetan werden würde.” (Frau, I 1885) „Ich bin eine ausgesprochen attraktive Person und arbeite mit mehr als 50 Männern zusammen, da bleiben solche Situationen nicht aus. Sie sind aber keinesfalls bedrohlich gewesen. Aber es ist ständig ein Kollege hinter mir her, der glaubt er könnte was erreichen.” (Frau, I 2268) Sexuelle Belästigung durch Frauen kommt in den offenen Antworten der Frauen nicht vor – häufig wird das Geschlecht des Gegenübers aber auch gar nicht explizit erwähnt, wobei aber angenommen werden kann, dass es sich in den Schilderungen jedenfalls um Männer handelt. Wenn Frauen von sexuellen Belästigungen durch Unbekannte berichten, so sind dies einerseits häufig Schilderungen über Erfahrungen mit Exhibitionisten, welche sehr wohl als unangenehm geschildert werden, andererseits Schilderungen von massiveren Aufdringlichkeiten wie körperlichen Berührungen (z.  B. Hand, Bein, Penis) im öffentlichen Raum oder „Anmache beim Fortgehen”. „Bei einem Konzert wurde ich von einem deutlich älteren Mann mit eindeutigen Anmachsprüchen belästigt (ging sogar so weit, dass er mich meinem Mann ‚abkaufen’ wollte).” (Frau, I 1821) „In der Straßenbahn ein fremder Mann, der sich neben mich gesetzt, eindeutige Anspielungen gemacht hat und auch schon eindeutig erregt war.” (Frau, I 1349) „In der Straßenbahn stellte sich ein Mann so an mich, dass sein Penis an meiner Schulter reibt.” (Frau, I 395) „Beim … Durchgang bin ich einmal einem Exhibitionisten begegnet. Er hatte nur einen Mantel an, einen Hut auf und war darunter vollkommen nackt! Im Zug saß mir ein Mann gegenüber, der mich immer wieder mit seinem Fuß streifte.” (Frau, I 370) „Bei einem Konzert hat sich jemand hinter mir sehr dicht herangedrängt und meinen Po begrapscht.” (Frau, I 1618) „Ein fremder Mann hat mich auf der Straße auf meine Strumpfhose angesprochen, dass ihm meine Strumpfhose sehr gut gefällt.” (Frau, I 2198) „Ein Exhibitionist in der Straßenbahn, war mir sehr unangenehm.” (Frau, I 2161) „Ein Fremder auf einem Autobahnparkplatz belästigte mich mit sexuellen Angeboten, als ich gerade mit meinem Auto angekommen war, das habe ich als sehr bedrohlich erlebt. Ich konnte mit dem Auto flüchten.” (Frau, I 1420) 101

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Neben den unbekannten Personen schildern Frauen aber auch sexuelle Übergriffe durch Partner wie z. B.: „Mein Ehemann wollte mich auf diese Weise stimulieren, ich habe es aber als aufdringlich, ekelig und schmutzig erlebt.” (Frau, I 1756) Als bedrohlich werden derartige Erlebnisse dann beschrieben, wenn die konkrete Situation entweder als ausweglos, als nicht einschätzbar oder außer Kontrolle erlebt wird, z. B. in geschlossenen Räumen stattfindet, sexuelle Gewalt wahrscheinlich wird, und wenn sich keine anderen Personen in der Umgebung befinden, oder wenn der Mann unter Alkoholeinfluss steht und „sich nicht mehr in der Hand” hat, und schließlich wenn derartige Erfahrungen wiederholt gemacht werden. „Als ich ca. 18 war, hat sich in einem beinahe leeren Zugabteil ein Mann zu mir gesetzt und mich unentwegt angestarrt – vor allem auf meine Beine und meinen Busen. Das war mir sehr unangenehm, ich habe mich gefürchtet und deshalb das Abteil verlassen.” (Frau, I 2063) „In einer Situation ist es für mich bedrohlich gewesen, weil ich den Mann immer wieder getroffen habe und er mich immer angestarrt hat und mir so Angst gemacht hat.” (Frau, I 701) Einige Erfahrungen werden auch mit sonstigen Unbekannten geschildert, beispielsweise in Urlauben durch Einheimische oder durch andere Urlauber, aber auch durch Migranten in Österreich: „Waren in Tunesien in Urlaub, da sind die einheimischen Männer nicht zu unterschätzen.” (Frau, I 2065) „Vorwiegend von Ausländern wurde ich angesprochen und belästigt, aber durch ein sicheres Auftreten und mithilfe von Begleitpersonen konnte ich Folgen und Taten abwenden.” (Frau, I 1285) „Häufige sexuelle Belästigungen im öffentlichen Raum durch jugendliche Migranten (UBahn, Straße). Einer hat mir sogar zwischen die Beine gegriffen.” (Frau, I 1300) Auffallend häufiger Ort sexueller Belästigung von Frauen ist der Arbeitsplatz: durch Kollegen, Chefs oder aber auch Patienten/Kunden (bei der Arbeit als Kellnerin „kommt das einfach immer wieder vor”). Dabei reichen die Situationen von frauenfeindlichen Äußerungen über aufdringliche Angebote bis hin zu explizit sexueller Gewalt. Auffallend ist außerdem, dass hierbei selten konkrete Details bezüglich des eigenen Abwehrverhaltens in diesen Situationen angegeben werden. Dies könnte auf eine größere Befangenheit der Frauen im Arbeitsumfeld hinweisen, oder aber auch auf die Erfahrung der Machtlosigkeit. „Mit Anfang 20 wurde ich von meinem 50-jährigen Arbeitskollegen mehrfach sexuell belästigt, trotzdem ich es meinem Vorgesetzten erzählt hatte.” (Frau, I 2257) „An der Arbeitsstelle wurde ich von einem Kollegen auf den Boden gezerrt. Ein Nachbar hat angerufen und hat mir ein eindeutiges Angebot gemacht.” (Frau, I 1474) „Musste bei einem Kollegen einen Schlüssel holen, dieser war in einer Lade, der Kollege hat die Lade vor mir aufgemacht und da lagen pornographische Hefte, die ich angreifen musste, um den Schlüssel zu erreichen. Ich wurde dabei vom Kollegen grinsend begutachtet.” (Frau, I 2276) 102

3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

„Patient macht bei Intimpflege entsprechende Bemerkungen.” (Frau, I 1505) „Ein viel älteres Vorstandsmitglied meiner Ex-Firma hat dies mit mir gemacht.” (Frau, I 1557) „Zwei Chefs, bei denen ich damals auch wohnte, besuchten mich in meinem Zimmer bzw. lockten mich in ihre Zimmer und versuchten mich zu berühren und zu küssen.” (Frau, I 1998) „Im Zuge eines Vorstellungsgespräches wurde ich zu sexuellen Handlungen aufgefordert.” (Frau, I 2316) Frauen schildern sexualisierte Gewaltvorkommnisse aber auch in ganz anderen Bereichen, wie z. B. in der Reha-Klinik, bei ehrenamtlichen Tätigkeiten oder am Telefon. „Vergewaltigt mit 12 Jahren, Patient hat mich missbraucht in der Reha Klinik. Ich war auch Patient. Anzeige bei der Polizei in Wien.” (Frau, I 1495) „Ein vermeintlicher Arzt eines Krankenhauses erinnerte mich telefonisch an einen vereinbarten Untersuchungstermin und in weiterer Folge wurde er verbal sehr aufdringlich.” (Frau, I 1565) „In meiner ehrenamtlichen Arbeit, durch vorübergehende Mitarbeiter (Freigänger, Langzeitarbeitslose) – ganz einfach ein unangenehmes Gefühl für mich und auch dieselbe Beobachtung bei anderen mitarbeitenden Frauen gemacht.” (Frau, I 1506) Einzelne Frauen geben auch Auskunft über ihre Reaktion auf sexuelle Belästigungen; sie geben z. B. an, dass sie flüchten konnten bzw. „mit solchen Situationen aber sehr gut umgehen” können. „Schnellbahn, Mann setzt sich zu meinem 4er-Sitz, keine andere Person in unmittelbarer Nähe, er hat sich die Hose aufgemacht, hat nur gelacht als ich aufgestanden bin und ihn angeschrien habe, er sei pervers und bescheuert.” (Frau, I 1792) „Mann einer Verwandten wollte mich küssen, obwohl ich mich wehrte, und biss ihm dann in die Lippe.” (Frau, I 1950) „Ein Vermieter von einer externen Wohnung, der die Situation genutzt hat, mich alleine im Gang anzutreffen, ich habe ihm gedroht laut zu schreien und dass ich’s allen erzähl.” (Frau, I 2247) „Trotz meiner neuen Beziehung werde ich von einem Bekannten immer wieder um Sex gebeten, lehne es immer ab, habe ihm wiederholt erklärt, dass ich meinem Partner treu bin.” (Frau, I 1328) „Sexueller Missbrauch – Vergewaltigung ist bedrohlich, man fühlt sich ausgeliefert, weiß nicht welche Handlung richtig ist, da man den Täter nicht kennt und einschätzen kann. Vielleicht wäre ein NEIN, ein SCHREI, die FLUCHT möglich gewesen.” (Frau, I 1625) Berichten umgekehrt Männer in den offenen Angaben zu Fragen über sexuelle Belästigung durch Frauen, dann wird die Belästigung kaum in einem Bedrohungskontext dargestellt. Vielmehr verweisen die Beschreibungen oft auf den Kontext mangelnder Attraktivität oder das unangebrachte Auftreten des weiblichen Gegenübers, wie z. B. Frauen, die eine Staatsbürgerschaft erlangen wollen, oder Frauen, die am Türsteher vorbei in die Disco wollen.

103

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Schließlich werden solche Situationen von den betroffenen Männern in einer Weise dargestellt, dass sie ohnedies die Kontrolle über das Geschehen gehabt hätten. „Eine Frau wollte etwas von mir, aber ich habe überhaupt nicht auf sie reflektiert.” (Mann, I 2222) „Unattraktive Frau, die mich wollte, ich sie aber nicht.” (Mann, I 543) Umgekehrt aber fühlen sich etliche Männer vor allem dann sexuell belästigt, wenn dies von einem anderen Mann ausgeht: „Schwule beim Versuch Sex zu bekommen.” (Mann, I 77) „Ein Mann hat mich bis zu einem Pissoir verfolgt und neben mir onaniert.” (Mann, I 1739) „Einmal im Zug von einem fremden Mann mit homosexuellen Avancen.” (Mann, I 2083) „Ein Schwuler hat mich ziemlich massiv belästigt.” (Mann, I 46) „In einem Pub am WC von einem Mann auf sexuelle Kontakte angesprochen.” (Mann, I 2306) Sexuell belästigt fühlen sich Männer auch durch Medien, wenn sie beispielsweise unerbetene Mails samt Bildmaterial oder „Anrufe eine Sex-Hotline” erhalten: „Man wird von Bekannten immer wieder mit schlüpfrigen Darstellungen via Internet beschickt.” (Mann, I 1652) Während Männer sexuelle Belästigung in (ehemaligen) Beziehungen lediglich andeuten, ohne weitere konkrete Angaben zu machen, wird die sexuelle Belästigung von Frauen durch ihre (Ex-)Partner von den Betroffenen relativ detailliert beschrieben: (Ex-)Partner, die kein Nein akzeptieren konnten, welche die Frauen sexuell genötigt haben, zum Beispiel: „Vom Ehemann zum Geschlechtsverkehr gezwungen und hinterher als Brett und Eisklotz im Bett bezeichnet und als schlechte Ehefrau und minderwertig hingestellt worden.” (Frau, I 1516)

104

3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

3.4 Sexuelle Gewalt Anders als bei der Abfrage nach den erlebten psychischen Übergriffen, den körperlichen Gewalterfahrungen und den verschiedenen Formen von sexueller Belästigung wurde das Abfragemuster zu den von den Respondenten gemachten Erfahrungen sexueller Gewalt aus forschungsethischen Gründen leicht verändert: Es wurde auf die subjektive Bewertung der gewaltbetroffenen Frauen und Männer verzichtet, ob die jeweils erlebten Situationen als bedrohlich empfunden wurden. Um mögliche Retraumatisierungen bei der Schilderung von sexueller Gewalt zu vermeiden, gab es zu den sexuellen Gewalterfahrungen keine offene Antwortkategorie, in welcher die jeweils erlebten Situationen im Detail zu beschreiben gewesen wären. Es wurde lediglich abgefragt, welche Situationen erlebt worden seien, ob dies innerhalb der letzten drei Jahre der Fall gewesen sei, und wie häufig die genannten Situationen konkret erlebt worden seien. Von sexuellen Gewalterfahrungen berichten etwa jede dritte Frau (29,5 %) und etwa jeder elfte Mann (8,8 %). Zur näheren Determinierung dieser Gesamtheit wurden den Befragten vier unterschiedliche Varianten sexueller Gewalt zur Nennung vorgelegt. Grundsätzlich wurde jede Gewaltform in der vorliegenden Untersuchung mit einer etwas allgemeiner gehaltenen Frage zur jeweiligen Gewaltform eingeleitet und anschließend mit einer detaillierten Frage zu einzelnen, konkreten Situationen ergänzt. Beide Fragen wurden zur Bildung der Prävalenz der jeweiligen Gewaltform herangezogen (siehe auch Kapitel 2.1). Auf diese Vorgehensweise wurde bei der Abfrage der sexuellen Gewalterfahrungen verzichtet, da die allgemeine Einleitungsfrage etwas „weicher” formuliert war als die konkreten Items der einzelnen Situationen.17 So wurde in der Einleitungsfrage betreffend die ungewollten sexuellen Handlungen beispielsweise der Begriff „gedrängt” statt „gezwungen” bzw. „genötigt” verwendet. Um den zentralen definitorischen Aspekt der Nötigung bzw. des Zwanges bei sexueller Gewalt nicht zu verfälschen, wurde die Einleitungsfrage nicht zur Bildung der Prävalenz der sexuellen Gewalterfahrungen herangezogen. Obschon für diesen Abschnitt – wie skizziert – eine leicht veränderte Vorgehensweise gewählt wurde, soll dennoch jenes veränderte Ergebnis, wenn beide Fragen zur Bildung der Prävalenz herangezogen werden, in dieser Darstellung nicht vorenthalten werden, zumal dadurch das Dunkelfeld um einen weiteren Teil von sexualisierter Gewalt betroffener Frauen und Männern aufgedeckt wird. So geben unter Berücksichtigung beider Fragen – der einleitenden und der detaillierteren Frage – zur sexuellen Gewalt (siehe auch Kapitel 2.1) 35,2 % der Frauen und 12,8 % der Männer an, sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. Die Bezugsgröße der weiteren in diesem Abschnitt dargestellten Auswertungen der vier spezifizierten Ausprägungen von sexueller Gewalt (Abb. 38) ist immer die Gesamtanzahl jener Frauen und Männer, die grundsätzlich von eigenen sexuellen Gewalterfahrungen berichteten. Von dieser Gesamtheit jener Frauen und Männer, die über eigene sexuelle Ge-

17

Konkret lautete die Einleitungsfrage: „Zunächst zu ungewollten sexuellen Handlungen, die Sie seit Ihrem 16. Lebensjahr erlebt haben, auch wenn diese aus ihrer Sicht vielleicht nicht so schlimm waren. Wie häufig haben Sie seit diesem Alter ungewollte sexuelle Handlungen erlebt, zu denen Sie von männlichen oder weiblichen Personen gedrängt wurden oder zu denen Sie psychisch oder moralisch unter Druck gesetzt wurden?” (Häufigkeit konnten angegeben werden: häufig, gelegentlich, selten, einmal, nie).

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

walterfahrungen berichteten (29,5  % aller befragten Frauen und 8,8  % aller befragten Männer) wurde das an intimen Körperteilen Berührt- oder Gestreicheltwerden, obwohl gegenüber der handelnden Person gesagt oder gezeigt wurde, dass dies nicht erwünscht sei, gleichermaßen von den gewaltbetroffenen Frauen (87,1 %) und Männern (90,2 %) als die primäre Gewalt-Situation genannt. Über sehr schwere Formen sexueller Gewalt wird häufiger von Frauen berichtet. Während 45,7  % der gewaltbetroffenen Frauen angeben, zu sexuellen Handlungen genötigt worden zu sein, trifft dies auf 39,1 % der betroffenen Männer zu. Jede dritte von sexueller Gewalt betroffene Frau (30,2 %) berichtet davon, dass jemand versucht hat, gegen ihren Willen in ihren Körper mit dem Penis oder mit einem Gegenstand einzudringen versucht worden ist (Männer 22,8 %); jede vierte Frau (23,9 %) mit sexueller Gewalterfahrung gibt an, dass gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr vollzogen wurde (Männer 15,2 %). Hinsichtlich der Häufigkeit der jeweils erlebten sexuellen Gewaltsituationen finden sich bei Frauen deutlich höhere Nennungen: Demnach sahen sich 13,6 % der von sexuellen Übergriffen betroffenen Frauen mehrmals intimen Berührungen gegen ihren Willen ausgesetzt, wohingegen dies gerade auf 3,5 % der betroffenen Männer zutrifft. Von der Gesamtheit jener Frauen und Männer, die über eigene sexuelle Gewalterfahrungen berichteten, erlitten 3,3 % der Frauen ein mehrmaliges sexuelles Eindringen gegen ihren Willen (Männer 0,5 %).

106

3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

alt

Abbildung 38: Sexuelle Gewalt (erlebt) – Gesamtübersicht

amm (die jetzt unter dem Kreisdiagramm ist)

ungsüberschrift: Zusatzinformation: Sexuelle Gewalt (erlebt) - Gesamtübersicht (Basis: alle Befragten)

Frauen % Willen mit einem 7,0% Penis oder etwas anderem in meinen Körper eingedrungen. %n meinen Willen 8,9% in meinen Körper einzudringen oder mich zum Geschlechtsverkehr zu nötigen. Es kam aber nicht dazu. %len Handlungen 13,5% genötigt, die ichJemand nicht wollte.hat mich intim berührt oder gestreichelt, Jemand hat michhabe, intimdass berührt oder gestreichelt, obwohl ich %hrt oder gestreichelt, 25,7% obwohl ich gesagt oder gezeigt ich dies nicht möchte. obwohl ich gesagt oder gezeigt habe, dass ich

gesagt oder gezeigt habe, dass ich dies nicht möchte.

dies nicht möchte.

8,0%

Jemand hat mich zu sexuellen Handlungen

Jemand hat mich zu sexuellen Handlungen genötigt, die ich genötigt, die ich nicht wollte. nicht wollte.

25,7%

13,5% 3,5%

Jemand hat versucht, gegen meinen Willen in

8,9% Jemandmeinen hat versucht, gegen meinen Willenoder in meinen Körper einzudringen michKörper zum einzudringen oder mich zum Geschlechtsverkehr zu nötigen. 22,8%) und jede vierte betroffene Frau (23,9%) Geschlechtsverkehr zu nötigen. Es kam aber nicht dazu. 2,0%

kam aber nicht dazu. GeschlechtsverkehrEsvollzogen wurden

berichtet davon, dass gegen ihrem Willen (Männer 15,2%).

ist gegenAbfragemuster meinen Willen mit einem 7,0% Das Jemand spezifische zur sexuellen Gewalt im vorliegenden Instrumentarium Jemand ist gegen mit einem Penis oder etwas Penis odermeinen etwasWillen anderem in meinen Körper anderem in meinen Körper eingedrungen. erlaubt auch einen Einblick in die Häufigkeit der jeweils erlebten Gewaltsituation. Frauen eingedrungen. 1,3%

berichten deutlich stärker von mehrmaligen Erlebnissen der jeweiligen Gewaltsituationen als Männer. So erlebten z.B. 13,6% der 0% betroffenen Frauen intime gegen ihren 20% 40% 60% Berührungen 80% 100% Willen mehrmals, gegenüber 3,5% der Frauen betroffenen Männer Männer. Basis: Auchalleberichten Befragten 3,3% der betroffenen Frauen von einem mehrmaligen sexuellen Eindringen gegen ihren Willen, im Männersample sind es 0,5%. Zusatzinformation: Sexuelle Gewalt (erlebt) – Gesamtübersicht

Abbildung – Gesamtübersicht Basis: nicht 38: alle Sexuelle Befragten,Gewalt sondern(erlebt) nur jene, die sexuelle Gewalt erlebt haben.

Jemand hat mich intim berührt oder gestreichelt, obwohl ich gesagt oder gezeigt habe, dass ich dies nicht möchte.

Jemand hat mich zu sexuellen Handlungen genötigt, die ich nicht wollte.

Jemand hat versucht, gegen meinen Willen in meinen Körper einzudringen oder mich zum Geschlechtsverkehr zu nötigen. Es kam aber nicht dazu.

Jemand ist gegen meinen Willen mit einem Penis oder etwas anderem in meinen Körper eingedrungen.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis: alle Befragten, die sexuelle Gewalt erlebt haben. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 39: Häufigkeit der erlebten sexuellen Gewalt Abbildung 39: Häufigkeit der erlebten sexuellen Gewalt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die sexuelle Gewalt erlebt haben.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nicht alle Befragten, sondern nur jene, die sexuelle Gewalt erlebt haben.

Vertiefende Analysen zeigen weiters, dass sexuelle Gewalterfahrungen im Regelfall in der Weitere vertiefende Analysen in Bezug auf die erlebten sexuellen Gewaltsituationen zeigen Kombination unterschiedlicher Begehungsformen gemacht werden. So berichtet etwa jede deutlich, dass sexuelle Gewalt primär in der Kombination von unterschiedlichen Situationen zweite von Sexualgewalt betroffene Frau (47,9 %) zumindest von zwei unterschiedlichen erlebt wird. So berichtet jede zweite betroffene Frau (47,9) zumindest zwei unterschiedliche sexuellen Gewaltsituationen (Männer: 42,4  %). Jeder achten von Sexualgewalt berichsexuelle Gewaltsituationen erlebt zu haben und 42,4% der betroffenen Männer. Immerhin tenden Frau (13,6  %) ist jede der abgefragten Situationen bereits widerfahren (8,7  % mehr als jede zehnte betroffene Frau (13,6%) hat alle abgefragten Situationen einmal oder der Männer). Von einer einzigen solchen sexuellen Gewaltsituation wiederum berichtet mehrmals erlebt und 8,7% der Männer. Ein Drittel der betroffenen Frauen (34,9%) und der gleichermaßen ein Drittel der Frauen (34,9  %) wie auch der Männer (34,8  %). Aus der betroffenen Männern (34,8%) hat jeweils eine Situation einmal erlebt. So geben z.B. 27,3% Gesamtheit jener Frauen und Männer, die über eigene sexuelle Gewalterfahrungen berichdergeben betroffenen an, an, einmal intim berührt oder gestreichelt worden zu sein,zuobwohl sie teten, 27,3 % Frauen der Frauen ein einziges Mal der Situation ausgesetzt gewesen oder gezeigt dass siegestreichelt das nicht möchten undobwohl 28,3%sie derdieser betroffenen sein,gesagt von jemandem intimhaben, berührt oder zu werden, Person Männer. zu verstehen gegeben hatten, dies nicht zu wollen (28,3 % der Männer).

An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass diese Auswertungen sich auf alle von sexueller Gewalt betroffenen Frauen und Männer beziehen, grundsätzlich aber angemerkt werden muss, dass deutlich mehr Frauen von sexuellen Gewalterlebenissen berichten, als Männer.

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3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

Abbildung 40: Kombination von erlebten sexuellen Gewaltsituationen

Abbildung 40: Kombination von erlebten sexuellen Gewaltsituationen Abbildung 40: Kombination von erlebten sexuellen Gewaltsituationen

Abbildung 40: Kombination von erlebten sexuellen Gewaltsituationen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die sexuelle Gewalt Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nicht alle Befragten, sondern nur jene, die sexuelle Gewalt erlebt haben.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die sexuelle Gewalt erlebt haben.

Quelle: Gewalterlebnisse ÖIF Prävalenzstudie 2011. alle Befragten, die sexuelle Gewalt erlebt haben. in ihrer sexuellen Sexuelle sindBasis: für jede fünfte von derartigen Sexuelle Gewalt Übergriffen Erlebnisse sind für jede fünfte Frau und für Integrität betroffene Frau und für jeden zehnten Mannum eng mit Ängsten um verknüpft: das eigene Le- fünfte Frau (20 Ängsten das eigene Leben Sexuelle Gewalt Erlebnisse sind für jede fünfte Frau und für jeden zehnten Mann engJede mit ben verknüpft: Jede fünfte von sexueller Gewalterfahrung Frau (20,4 %) und (11,1%) alsberichtende Folge der Gewalt zumindest einmal Ängsten um das eigene Leben verknüpft: Jede fünftehat Frau (20,4%) undsexuellen jeder zehnte Mann jeder zehnte Mann (11,1 %) haben als Folge der sexuellen Gewalt zumindest einmal Angst Sexuelle Gewalt Erlebnisse sind für jede fünfte Frau und für jeden zehnten Mann eng mit lebensgefährlich verletzt zu werden. (11,1%) hat als Folge der sexuellen Gewalt zumindest einmal Angst gehabt ernsthaft oder Ängsten um dasoder eigene Leben verknüpft: Jede fünfte Frau (20,4%) und jeder zehnte Mann gehabt, ernsthaft lebensgefährlich verletzt zu werden. lebensgefährlich verletzt zu werden. Abbildung 41: Angst, Angst bei sexueller Gewalt ernsthaft (11,1%) hat als Folge der sexuellen Gewalt zumindest einmal gehabt ernsthaft oderoder lebensbedrohli Abbildung 41: Angst,verletzt bei sexueller Gewalt ernsthaft oder lebensbedrohlich verletzt zu werden lebensgefährlich zu werden. Abbildung 41: Angst, bei sexueller Gewalt ernsthaft oder lebensbedrohlich Abbildung Angst, bei sexueller Gewalt ernsthaft oder lebensbedrohlich verletzt zu werden verletzt zu41:werden

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die sexuelle Gewalt Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nicht alle Befragten, sondern nur jene, die sexuelle Gewalt erlebt haben.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die sexuelle Gewalt erlebt haben.

89

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, 89die sexuelle Gewalt erlebt haben.

89

109

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Detailauswertung „gegen den Willen erfolgtes sexuelles Eindringen” Mit dem forschungsrelevanten Ziel, differenziertere Erkenntnisse aus den Nennungen der von schweren Formen von sexueller Gewalt betroffenen Gruppe von Frauen und Männern zu gewinnen, wurden zu der Grundaussage, dass gegen ihren Willen mit einem Penis oder mit einem Gegenstand in ihren Körper eingedrungen wurde, zusätzliche Indikatoren ausgewertet. Es handelt sich dabei um allfällige körperliche Verletzungsfolgen der sexuellen Gewalthandlungen oder um eine Anzeigeerstattung bei der Polizei, welche dieses Item in die Nähe des Straftatbestands der Vergewaltigung (§ 201 StGB) rücken.18 Von den Frauen und Männern, die von schweren sexuellen Gewalterfahrungen berichteten, gaben 91 (N) Frauen (7 %) und 14 (N) Männer (1,3 %) in der vorliegenden Erhebung an, dass gegen ihren Willen mit einem Penis oder etwas anderem in ihren Körper eingedrungen wurde. Dieser Gruppe ist diese spezifische Form der sexuellen Gewalt mehrheitlich in Folgende Tabelle gibt einen Überblick über jene Frauen und Männer, die sexuelle Gewalt in Verbindung mit sonstiger körperlicher Gewalt (Frauen: 5,8 % Männer: 0,8 %) und psychider Hinsicht erlebt haben, dass zumindest gegen ihren Willen mit einem Penis oder etwas schen Gewaltformen widerfahren (zur Bildung des Schweregrades der Viktimisierung siehe anderem in den eigenen Körper eingedrungen wurde. Dieses Item kommt dem auch Kapitel 4). der Vergewaltigung am nächsten. Um eine noch differenzierteren Blick auf Straftatbestand von betroffenen Frauen und zeigt Männern zudass ermögliche, wird sie imFrauen Hinblickund auf sieben Beidiese den Gruppe körperlichen Verletzungsfolgen sich, achtundfünfzig die geschilderten körperlichen Verletzungsfolgen der sexuellen Gewalt und ob Anzeige bei Männer zumindest eine körperliche Verletzung als Folge der ihnen widerfahrenen sexuelder Polizei erstattet wurde oder nicht, beschrieben. len Gewaltakte schilderten, wobei es sich bei diesen Verletzungen in erster Linie um blaue Grundsätzlich haben 91 (N) Frauen undMagen14 (N) Männer in der vorliegenden oder Erhebung Flecken/Prellungen/Hämatome, um bzw. Bauchschmerzen um auch allgemeine davon berichtet, dass gegen ihren Willen mit einem Penis oder etwas anderem in ihren Schmerzzustände handelte. Fünf der betroffenen Frauen gaben an, als Folge der erfahreKörper eingedrungen wurden. Die überwiegende Mehrheit dieser betroffenen Frauen und nen sexuellen Gewalthandlung eine Fehlgeburt erlitten zu haben. Männer haben neben der spezifischen Form der sexuellen Gewalt auch zumindest schwere körperliche und psychische Gewalt erlebt (zur Bildung des Schweregrad der Viktimisierung siehe auch Kapitel 4). Tabelle 5: Schweregrad der Viktimisierung von Personen, die ein sexuelles Eindringen erlebt der haben Tabelle 5: Schweregrad Viktimisierung von Personen, die ein sexuelles Eindringen erlebt haben

Schweregrad der Viktimisierung nach der sexuellen Gewaltsituation, dass gegen den Willen mit einem Penis oder etwas anderem in den Körper eingedrungen wurde.





(N)

(N)

Schweregrad der Viktimisierung bei körperlicher Gewalt Keine körperliche Gewalt erlebt

16

6

Mäßige/Leichte körperliche Gewalt erlebt

1

0

Schwere körperliche Gewalt erlebt

47

6

Sehr schwere körperliche Gewalt erlebt

27

2

Schweregrad der Viktimisierung bei psychischer Gewalt Keine psychische Gewalt erlebt

4

4

Schwere psychische Gewalt erlebt

24

4

Sehr schwere psychische Gewalt erlebt

63

6

Mäßige/Leichte psychische Gewalt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die erlebt haben, dass gegen ihren Willen mit einem PenisÖIF oderPrävalenzstudie etwas anderem in2011. ihren Körper wurde. Quelle: Basis:eingedrungen alle Befragten, die erlebt haben, dass gegen ihren Willen mit einem Penis oder etwas anderem in ihren Körper eingedrungen wurde.

Bei einer Betrachtung der körperlichen Verletzungsfolgen zeigt sich, dass 58 der betroffenen Frauen und 7 der betroffenen Männer zumindest eine körperliche Verletzungsfolge aufgrund der erlebten sexuellen Gewalt geschildert haben. Am häufigsten handelte es sich bei den 110erlittenen Verletzungsfolgen um blaue Flecken/Prellungen/Hämatome und um Magen- bzw. Bauchschmerzen sowie Schmerzen allgemein. 5 der betroffenen Frauen gaben sogar ein eine Fehlgeburt aufgrund der erfahrenen sexuellen Gewalt erlitten zu haben.

3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

Tabelle 6: Körperliche Verletzungsfolgen von Personen, die ein sexuelles Tabelle 6: Körperliche von Personen, die ein sexuelles Eindringen erlebt haben Eindringen erlebtVerletzungsfolgen haben

Körperliche Folgen nach der sexuellen Gewaltsituation, dass gegen den Willen mit einem Penis oder etwas anderem in den Körper eingedrungen wurde.





(N)

(N)

blaue Flecken, Prellungen, Hämatome

35

2

offene Wunden

10

4

Verletzungen im Genitalbereich

28

3

Bauch- bzw. Magenschmerzen

31

4

Verstauchungen, Zerrungen

10

2

Knochenbrüche

4

1

Kopfverletzungen

9

2

Gehirnerschütterung

5

2

Schmerzen

42

5

Innere Verletzungen

5

1

Fehlgeburt

5

0

Andere Verletzungen

4

1

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die erlebt haben, dass gegen ihren Willen mit einem PenisÖIF oderPrävalenzstudie etwas anderem in2011. ihren Körper wurde. Quelle: Basis:eingedrungen alle Befragten, die erlebt haben, dass gegen ihren Willen mit einem Penis oder etwas anderem in ihren Körper eingedrungen wurde.

Vor der nächsten muss grundsätzlich darauf hingewiesen werden, dass Hilfsangebote wurden Grafik, nach solchen sexuellen Gewalterlebnissen wenig in Anspruch geHilfsangebote wenig nach Gewalterlebnissen in Anspruch genommen (siehe Kapitel 8.2) nommen (siehe Kapitel 8.2). Am häufigsten wurde infolge einer sexuellen Gewalterfahrung wurden. Nach der sexuellen Gewalterfahrung, dass jemand gegen den eigenen Willen mit der Art, dass jemand gegen den eigenen Willen mit einem Penis oder einem Gegenstand einem Penis oder etwas anderem in den eigenen Körper eingedrungen ist, wurde am in dessen bzw. deren Körper eingedrungen ist, eine Beratungsstelle aufgesucht bzw. mehäufigsten eine Beratungsstelle aufgesucht, bzw. medizinische Hilfe in Anspruch genommen. dizinische Hilfe bei beansprucht. Eine Anzeige bei der PolizeiFrauen erstatteten achtauch Frauen, Eine Anzeige der Polizei erstatteten 8 Frauen, 6 dieser berichteten von sechs vonzumindest ihnen berichteten auch von zumindest einer Verletzungsfolge durch die einer körperlichen Verletzungsfolge durch körperlichen die sexuelle Gewalt. Kein Mann hat eine Anzeige erstattet. sexuelle Gewalt. Kein Mann hat eine Anzeige erstattet.

18

§ 201 (1). Wer eine Person mit Gewalt, durch Entziehung der persönlichen Freiheit oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben (§ 89) zur Vornahme oder Duldung des Beischlafes oder einer dem Beischlaf gleichzusetzenden geschlechtlichen Handlung nötigt, ist mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren zu bestrafen.



(2) Hat die Tat eine schwere Körperverletzung (§ 84 Abs.1) oder eine Schwangerschaft der vergewaltigten Person zur Folge oder wird die vergewaltigte Person 91 durch die Tat längere Zeit hindurch in einen qualvollen Zustand versetzt oder in besonderer Weise erniedrigt, so ist der Täter mit Freiheitsstrafe von fünf bis zu fünfzehn Jahren, hat die Tat aber den Tod der vergewaltigten Person zur Folge, mit Freiheitsstrafe von zehn bis zu zwanzig Jahren oder mit lebenslanger Freiheitsstrafe zu bestrafen.

111

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Tabelle In Anspruch genommene von Personen, die ein Tabelle 7:7: In Anspruch genommene Hilfeleistungen Hilfeleistungen der Personen, die ein sexuelles Eindringen erlebt sexuelles Eindringen erlebt haben haben

Andere Folgen der sexuellen Gewaltsituation, dass gegen den Willen mit einem Penis oder etwas anderem in den Körper eingedrungen wurde.





(N)

(N)

Medizinische Hilfe in Anspruch genommen

21 (16*)

2 (2*)

Polizei eingeschaltet

13 (11*)

1 (1*)

Andere Person hat Polizei eingeschaltet

7 (5*)

3 (2*)

Anzeige erstattet

8 (6*)

0

29 (22*)

1 (0*)

8 (5*)

0

Beratungsstelle aufgesucht An Kriseneinrichtung gewendet

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die erlebt haben, dass gegen ihren Willen mit einem Quelle: Prävalenzstudie 2011. Körper Basis: alle Befragten, die erlebt haben, dass gegen ihren Willen mit einem Penis oder ÖIF etwas anderem in ihren eingedrungen wurde. Penis in oder etwas anderem in ihren Körper eingedrungen wurde. *Zahlen Klammer bedeuten, dass diese Personen zumindest eine körperliche Verletzungsfolge aufgrund der erlebten sexuellen Gewalt geschildert haben. *Zahlen in Klammer bedeuten, dass diese Personen zumindest eine körperliche Verletzungsfolge aufgrund der erlebten sexuellen Gewalt geschildert haben.

92

112

3 – Erfahrene Gewalthandlungen im Detail

3.5 Zusammenfassung: Erfahrene Gewalthandlungen im Detail Psychische Übergriffe sind von den in der vorliegenden Gewaltprävalenzstudie befragten Frauen und Männer die am häufigsten genannten Gewalterfahrungen. Unangefochtener Spitzenreiter der von Frauen (51,9 %) erfahrenen psychischen Übergriffe ist es einerseits, „auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt worden zu sein” (Männer: 37,4  %), gleichauf mit dem Item „wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien worden zu sein” (Frauen: 51,8  %; Männer 43,6 %). „Wiederholt schikaniert, gemobbt oder unterdrückt” fühlen sich 35 % der Frauen und 27,9 % der Männer. Die erfahrenen Übergriffe in ihre psychische Integrität werden von einem Drittel bis zur Hälfte der betroffenen Frauen und Männer als bedrohlich erlebt. Dabei zeigt sich, dass betroffene Frauen manche klassische Situation häuslicher psychischer Gewalt in Paarbeziehungen, wie etwa extreme Eifersucht und Kontrolle, ökonomische Gewalt, die vom Partner betriebene Isolation von Freunden oder Familienangehörigen oder das Zerstören von Gegenständen, deutlich häufiger als Bedrohung empfinden. Im Gegensatz dazu werden von Männern benachteiligende Situationen oder persönliche Abwertungen als bedrohlicher erlebt. In den konkreten Situationsbeschreibungen der Respondenten zu den offenen Fragen wird aber auch deutlich, dass psychische Übergriffe gegen Frauen von diesen häufig im Kontext von gewaltbelasteten Paarbeziehungen geschildert werden, in denen zusätzlich auch körperliche und/oder sexuelle Gewalt eine Rolle spielt. Körperliche Gewalterfahrungen gehören zu jener Gewaltform, mit der Männer öfter als Frauen Erfahrung machen. Von sämtlichen in Frage kommenden körperlichen Übergriffen rangiert die Situation, „absichtlich weggestoßen worden zu sein”, auf dem vordersten Rang der Nennungen (Männer: 36,9 %; Frauen 30,7 %), unmittelbar gefolgt von der „leichten Ohrfeige” (Frauen: 31,7 %; Männer 34,8 %). Von schweren Gewaltformen wie z. B. „verprügelt oder zusammengeschlagen” werden beziehungsweise davon, dass mit Fäusten auf einen eingeschlagen worden ist, wird von 14,4 % bzw. 23,6 % der Männer, hingegen in einem deutlich geringerem Ausmaß von Frauen (8,4 % bzw. 11,9 %) berichtet. Primärer Ort des Geschehens dieser Körpergewalterfahrungen ist der öffentliche Raum (Männer: 33 %; Frauen: 17,5 %), eine Partnerschaft (Frauen: 29,1 %; Männer: 18,0 %), gefolgt von der Familie (Frauen 25,2 %; Männer 18,0 %). Körperliche Gewalt wird von Frauen in nahezu allen Ausprägungen als deutlich bedrohlicher wahrgenommen als von Männern. Immerhin drei Gewaltformen aus insgesamt neunzehn abgefragten Items werden von Männern und Frauen (beide 51,4 %) als gleich bedrohlich erlebt („ich wurde am Hals gepackt, zu erwürgen oder zu ersticken versucht” beziehungsweise von Männern sogar als bedrohlicher erlebt: „ich wurde überfallen oder beraubt” (Männer: 59,6 %; Frauen 50,0 %) bzw. „ich wurde eingesperrt” (Männer: 62,5 %; Frauen: 59,6 %). Als die häufigste Form der als sexuelle Belästigung empfundenen Situationen nennen Frauen, wenn „mir jemand zu nahe gekommen ist, sodass ich es als aufdringlich empfand” (Frauen: 75,1 %; Männer: 59,4 %), gefolgt davon, dass „auf eine Art und Weise mit mir

113

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

gesprochen wurde, die ich als sexuell belästigend empfand” (Frauen: 44,7  %; Männer: 7,8 %). Weitere 42,7 % der sich sexuell belästigt fühlenden Frauen erlebten dies solcherart, wenn „mir nachgepfiffen oder ich angestarrt wurde und ich mich dadurch belästigt fühlte” (Frauen 57,8 %; Männer 9,9 %). Während von 34,8 % der sich sexuell belästigt fühlenden Frauen dieses Item angegeben wurde, weil „ich berührt oder zu küssen versucht wurde, obwohl ich es nicht wollte” (Männer: 26,1 %), schilderten 23,3 % aus dieser Gruppe von betroffenen Frauen „unpassende Situationen, z. B. in der Arbeit, Ausbildung oder im Studium”, wo ihnen „belästigende sexuelle Angebote gemacht wurden” (Männer: 4,3 %). Die Bedrohlichkeit sexueller Belästigung ist insgesamt relativ hoch ausgeprägt: So empfinden zumindest jede zweite Frau und jeder zweite Mann nahezu alle erlebten Situationen als bedrohlich. Jede zehnte von sexueller Belästigung tangierte Frau wiederum berichtet, dass eine solche weitere körperliche oder sexuelle Gewalthandlungen nach sich zieht; dasselbe trifft hingegen nur auf jeden zwanzigsten Mann zu, der sexuelle Belästigung erlebt hat. Von der Gesamtheit jener Frauen und Männer, die über sexuelle Gewalterfahrungen berichten – das sind 29,5 % aller befragten Frauen und 8,8 % aller befragten Männer – geben Frauen (87,1 %) und Männer (90,2 %) als primäre Gewalt-Situation das an intimen Körperteilen Berührt- oder Gestreicheltwerden an, obwohl gegenüber der handelnden Person gesagt oder gezeigt wurde, dass dies nicht erwünscht sei. Während 45,7 % der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen erklären, zu sexuellen Handlungen genötigt worden zu sein, trifft dies auf 39,1 % der betroffenen Männer zu. Jede dritte von sexueller Gewalt betroffene Frau (30,2 %) berichtet davon, dass jemand versucht hat, gegen ihren Willen in ihren Körper mit dem Penis oder mit einem Gegenstand einzudringen (Männer 22,8 %). Jede vierte Frau (23,9 %) mit sexueller Gewalterfahrung gibt an, dass gegen ihren Willen Geschlechtsverkehr vollzogen wurde (Männer 15,2 %). Frauen erleben sexuelle Gewaltsituationen in deutlich häufigerem Ausmaß als Männer: So sahen sich 13,6 % der von sexuellen Übergriffen betroffenen Frauen mehrmals intimen Berührungen gegen ihren Willen ausgesetzt. Davon berichten aber nur 3,5 % der von sexueller Gewalt betroffenen Männer. Für jede fünfte Frau und jeden zehnten Mann mit sexuellen Gewalterlebnissen sind diese eng mit Ängsten um das eigene Leben verknüpft.

114

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

4 Schweregrade der erfahrenen Gewalt Die Erhebung von Gewalterfahrungen stellt für jede sozialwissenschaftliche Studie eine besondere Herausforderung dar. Sie liegt darin, valide Antworten auf die Frage zu finden, wie sich mit quantitativen Verfahren die Komplexität und Vielschichtigkeit der erfahrenen Gewalthandlungen (siehe dazu auch Kapitel 1.1) an Männern und Frauen abbilden lässt. Um einen Eindruck über die Schwere der konkret erlebten Gewalterlebnisse zu erhalten, wurden mit dem verwendeten Fragebogen-Instrument Gewaltübergriffe in mehreren Dimensionen abgefragt. Aus den so gewonnenen Daten ließ sich eine Verknüpfung unterschiedlicher Ebenen herstellen, die dann in multidimensionalen Analysen zu drei unterschiedlichen Indikatoren zusammengefasst wurden. Die Bildung der Indikatoren sowie die Ergebnisse zur Schwere der erlebten Gewalt beruhen zum Teil auf den Überlegungen und Vorarbeiten bei der Auswertung der Schweregrade von Gewalt, wie sie in der deutschen und in anderen europäischen Gewaltprävalenzstudien erfolgt sind (vgl. Schröttle/Ansorge 2009; Schröttle/Martinez et al. 2006 und 2007). Die Indikatoren wurden im Rahmen der vorliegenden Studie auf der Basis der spezifischen In­strumente der Befragung noch weiterentwickelt, wie im folgenden Kapitel dargestellt wird.

4.1 Methodische Vorbemerkung: Bildung der Indikatoren zur Schwere der erfahrenen Gewalt Zur Lösung der Frage, wie sich die Schwere der einer Person widerfahrenen Gewalt erfassen lässt, werden in der Gewaltforschung unterschiedliche Parameter herangezogen. Dementsprechend wurden durch die vorliegende Studie eine Reihe unterschiedlicher Indikatoren erhoben, welche in einer Zusammenschau einen Eindruck vom Schweregrad der jeweils erlebten Gewalt vermitteln sollten. Zur Darstellung der erlebten Schwere der Gewalthandlungen wurde einerseits der Schweregrad der Viktimisierung gebildet. Dieser gibt einen Eindruck pro Gewaltform über die Schwere der erlebten Gewalt. Andererseits wurde der Schweregrad-Score entwickelt, womit sich die Gewaltbelastung von Frauen und Männern über alle Gewaltformen hinweg darstellen lässt.

116

4 – Schweregrade der erfahrenen Gewalt

4.1.1 Bildung des Schweregrades der Viktimisierung Die Basis für den Schweregrad der Viktimisierung bilden die folgenden Parameter: a) die Schwere der jeweilig erlebten Gewalthandlung bzw. Gewaltsituation b) allfällige Folgen der Gewalthandlungen (psychische, körperliche und langfristige Folgen) c) die subjektive Bewertung der Bedrohlichkeit einer Situation d) die Häufigkeit der erlebten Situation. Zur Bildung des Schweregrades der Viktimisierung wurden die einzelnen Items der jeweiligen Parameter folgendermaßen kategorisiert:

A) Schwere der erlebten Gewalthandlung bzw. Gewaltsituation Je nach Gewaltform wurde für die möglichen Nennungen eine Anzahl unterschiedlicher Gewalthandlungen bzw. Übergriffe zur Auswahl angeboten. Um den jeweiligen Grad der Schwere der jeweiligen Gewaltform zu bestimmen, wurden die einzelnen Gewalthandlungen je einer der folgenden drei Kategorien zugeordnet: n

mäßig schwere Gewalthandlungen

n

schwere Gewalthandlungen

n

sehr schwere Gewalthandlungen

Eine solche Zuordnung wurde auf Basis einer systematischen Untersuchung von Schweregraden körperlicher und sexueller Gewalt vorgenommen, wie sie von Schröttle/Ansorge 2009 vorgelegt wurde und sich aufgrund der Vergleichbarkeit der verwendeten Fragestellungen auf diese Studie übertragen ließ.19 Während die körperlichen Gewaltübergriffe und die sexuellen Gewalthandlungen anhand der konkreten Situationen diesen Kategorien zugeordnet werden konnten, war es in Bezug auf die Bereiche der psychischen Gewalt sowie der sexuellen Belästigung nicht möglich, einzelne Situationen bzw. Handlungen als „sehr schwere”, „schwere” oder „mäßige” Gewalt zu klassifizieren, da es dazu noch keine systematischen Studien hinsichtlich der Schweregrade von sexueller Belästigung und psychischer Gewalt bezogen auf erlebte Einzelhandlungen gibt. Daher wurde zur Bestimmung der Schwere der erlebten Gewalt in diesen beiden Gewaltformen die Anzahl der erlebten Items der psychischen Gewalt (maximal fünfzehn Items) und der sexuellen Belästigung als Hilfskonstruktion herangezogen (maximal elf Items). Dabei wird davon ausgegangen, dass eine Viktimisierung durch viele verschiedene Handlungen aufgrund der Kumulation

19

In der Studie von Schröttle/Ansorge (2009) wurden verschiedene Situationen von körperlicher und sexueller Gewalt daraufhin untersucht, ob sie mit einer höheren Wahrscheinlichkeit gesundheitliche/psychische Folgen hatten und/oder als bedrohlich erlebt wurden. Es ergab sich eine Klassifizierung der Gewalthandlungen, die auch auf andere europäische Studien übertragen werden kann, welche oft mit recht ähnlichen Itemlisten arbeiten. Die frühere Klassifizierung der Schweregrade im Rahmen der Conflict-Tactic-Scales, wie sie etwa im British Crime Survey noch heute verwendet wird, ist in der Einteilung demgegenüber zu grob und zu ungenau und gilt vielfach als veraltet. Auch wurde sie hinsichtlich der Folgen der Gewalt nicht systematisch wissenschaftlich überprüft (vgl. auch Martinez/Schröttle et al. 2007).

117

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

die Schwere der Viktimisierung durch Gewalt tendenziell erhöht.20 Konkret bedeutet dies für die psychische Gewalt und die sexuelle Belästigung: n

leichte bis mäßige Viktimisierung durch psychische Gewalt/sexuelle Belästigung =



das Erleben von exakt einer einzigen solchen Situation bzw. Gewalthandlung

n

schwere Viktimisierung durch psychische Gewalt/sexuelle Belästigung =



das Erleben von zwei bis drei unterschiedlichen Übergriffen bzw. Gewalthandlungen

n

sehr schwere Viktimisierung durch psychische Gewalt/sexuelle Belästigung =



das Erleben von mindestens vier unterschiedlichen Übergriffen oder Gewalthandlungen

Zur Bestimmung der Schweregrade der Viktimisierung bei körperlicher Gewalt wurden die unterschiedlichen körperlichen Gewalthandlungen (insgesamt neunzehn verschiedene Items) analog zur Studie von Schröttle/Ansorge (2009) in leichte bis mäßig schwere körperliche Übergriffe, in tendenziell schwere oder ernsthafte Gewalthandlungen und in sehr schwere und lebensbedrohliche körperliche Gewalthandlungen unterteilt. Zur Bestimmung der Schweregrade der Viktimisierung bei sexueller Gewalt wurden die vier zur Auswahl stehenden sexuellen Gewalthandlungen ebenfalls in drei Kategorien unterteilt: n

mäßige sexuelle Gewalt =



ungewollte intime Berührungen (Item 1)

n

schwere sexuelle Gewalt =



erzwungene sexuelle Handlungen (Item 2) sowie das versuchte sexuelle Eindringen (Item 3)

n

sehr schwere sexuelle Gewalt =



das vollendete Eindringen (Item 4)21

B) Folgen der Gewalthandlungen Im Rahmen der Erhebung wurden unterschiedliche Folgen von Gewalthandlungen je nach Gewaltform erhoben: bei der körperlichen und sexuellen Gewalt psychische, körperliche und langfristige Folgen; bei der psychischen Gewalt und der sexuellen Belästigung psychische und langfristige Folgen.

20

Abgestützt wird dieses Vorgehen durch die Studie von Schröttle/Ansorge (2009), bei der im Hinblick auf psychische Gewalt in Paarbeziehungen aufgezeigt werden konnte, dass eine Kumulation verschiedener Gewalthandlungen im Bereich psychischer Gewalt die Belastungen der Betroffenen erhöhen und die Anzahl genannter Handlungen ein entsprechend sinnvoller Indikator sein kann. Wird er wie in der vorliegenden Studie mit weiteren zusätzlichen Indikatoren verknüpft (zum Beispiel Häufigkeit und Bedrohlichkeit erlebter Handlungen), so wird seine Aussagekraft zur Messung der Schwere der Viktimisierung noch erhöht.

21

Dass vollendete Vergewaltigung auch hinsichtlich der Folgen von den Opfern als besonders schwerwiegend erlebt wurde, noch schwerwiegender als versuchte Vergewaltigung, konnte anhand von Betroffenenaussagen in Schröttle/Ansorge (2009) verifiziert werden. Die beiden vorangegangenen Kategorien gehen davon aus, dass erzwungene Handlungen ein höheres Gewaltniveau implizieren als unerwünschte, aber nicht erzwungene sexuelle Handlungen. Sie folgen aber auch einer strafrechtlichen Qualifizierung, bei der die Anwendung von Zwang und psychisch-moralischem Druck ein Indikator für die Qualifizierung von sexueller Gewalt ist. Das heißt nicht, dass im Einzelfall Handlungen, die nicht erzwungen oder erpresst, aber aufgedrängt sind, nicht als geradeso belastend erlebt werden können.

118

4 – Schweregrade der erfahrenen Gewalt

Zur Unterscheidung der Schwere der erlebten Gewalt wurde die Nennung von zumindest einer der abgefragten Folgen je nach Gewaltform herangezogen. Wurde mindestens eine Folge im Sinne von Verletzungsfolgen, psychischen Problemen oder psychosozialen Folgen in Bezug auf die erlebte Gewalt genannt, dann wurde dies als ein weiterer Indikator für das Vorliegen einer schweren Viktimisierung gewertet.

C) Subjektive Bewertung der Bedrohlichkeit einer Gewalthandlung Ein Spezifikum der vorliegenden Studie liegt darin, dass den an der Untersuchung beteiligten Frauen und Männern in Zusammenhang mit der Abfrage der verschiedenen erfahrenen Gewalthandlungen jeweils eine Zusatzfrage gestellt wurde, nämlich ob diese Situation auch als bedrohlich erlebt worden sei. Das Erleben der Gewalthandlungen als Bedrohung wurde als ein weiteres Kriterium zur Bestimmung der Schwere der erfahrenen Gewalt herangezogen.

D) Häufigkeit der erlebten Gewalt Für die Bestimmung des Schweregrades einer Viktimisierung wurde weiters die Häufigkeit der erlebten Gewalthandlungen als Zusatzindikator herangezogen. In Übereinstimmung mit der methodischen Diskussion der internationalen Gewaltprävalenzforschung (vgl. u. a. Martinez/Schröttle 2006, 2007) wird davon ausgegangen, dass Menschen durch häufigere Gewalterfahrungen intensiver viktimisiert werden. Für die Bildung eines Indikators zur jeweiligen Häufigkeit der erlebten Gewaltform wurde eine Frage herangezogen, zu der die Befragten angeben konnten, in welchen Lebensbereichen sie die angegebenen Gewalthandlungen in welcher Häufigkeit erfahren haben. Diese Fragen boten die Kategorien „häufig”, „gelegentlich”, „selten”, „einmal” und „nie” zur Auswahl. Zur Unterscheidung der jeweiligen Schwere der erfahrenen Gewalt wurden die Häufigkeiten folgendermaßen kategorisiert: n

Hohe Häufigkeit = in einem Lebensbereich zumindest einmal „häufig” oder „gelegentlich” oder in verschiedenen Lebensbereichen mindestens „selten”.

n

Mittlere Häufigkeit = nur einmal „selten” in einem Lebensbereich oder mehrmals „einmal” in einem Lebensbereich.

n

Niedrige Häufigkeit = in einem Lebensbereich „einmal”.

119

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Auf Basis dieser einzelnen Indikatoren, die einen Einblick in die jeweils erlebte Schwere der Gewalterfahrungen geben sollen, wurde der Schweregrad der Viktimisierung mit den drei folgenden Kategorien pro Gewaltform gebildet: n

mäßige Viktimisierung bzw. Gewalterfahrung bedeutet hinsichtlich der: a) Schwere der Gewalt: leichte bis mäßig schwere Gewalthandlungen bzw. eine Handlung erlebt b) Folgen der Gewalt: keine Folgen c) Bedrohung: keine Bedrohung d) Häufigkeit: Die jeweilige Gewalt einmal in einem Lebensbereich erlebt

n

schwere Viktimisierung bzw. Gewalterfahrung bedeutet hinsichtlich der: a) Schwere der Gewalt: schwere Gewalthandlungen bzw. einige unterschiedliche Gewalterhandlungen b) Folgen der Gewalt: entweder Folgen oder Bedrohlichkeit genannt c) Bedrohung: Bedrohlichkeit oder Folgen genannt d) Häufigkeit: Die jeweilige Gewalt mehrmals in einem Lebensbereich oder einmal in unterschiedlichen Lebensbereichen genannt

n

sehr schwere Viktimisierung bzw. Gewalterfahrungen bedeutet hinsichtlich der: a) Schwere der Gewalt: sehr schwere Gewalthandlungen bzw. verschiedene Gewalthandlungen b) Folgen der Gewalt: zumindest eine Folge genannt c) Bedrohung: zumindest ein Item als bedrohlich erlebt d) Häufigkeit: Die jeweilige Gewalt häufig bzw. mehrmals in einem bzw. mehreren Lebens­bereichen erlebt.

4.1.2 Bildung des Schweregrad-Scores Neben der Darstellung durch den Schweregrad der Viktimisierung ging es im Hinblick auf die erlebte Schwere der Gewalterfahrungen auch darum, einen Einblick in die gesamte Gewaltbelastung der Frauen und Männer über alle Gewaltformen hinweg zu erlangen. Zu diesem Zweck wurde der sogenannte „Schweregrad-Score” entwickelt. Dieser vermittelt einerseits einen Eindruck von der gesamten Schwere der Gewaltbelastungen, und andererseits können damit auch Zusammenhänge des Schweregrades von erlebter Gewalt mit anderen Faktoren durch weitere Fragestellungen erklärt werden. Zum Beispiel: Ist die Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes von den jeweils gemachten Gewalt­erfahrungen und deren Schweregrad abhängig? Unterscheiden sich Personen mit sehr schweren Gewalt­ erfahrungen (beispielsweise in der Kindheit) von Personen ohne derartige Erfahrungen? Zur Berechnung des Schweregrad-Scores diente der Grad der Viktimisierung, wie in diesem Kapitel beschrieben, als Grundlage. Beim Grad der Viktimisierung wurden unterschiedliche Variablen zusammengefügt, um letztlich die Schwere der jeweils erlebten Gewalt in eine leichte, schwere oder sehr schwere Form einteilen zu können. Bei der Bildung des Scores wurden dann konkret „Punkte” für die Schwere der erfahrenen Gewalt pro Gewaltform vergeben. Es gab 0 Punkte für keine Gewalt und 3 Punkte für sehr schwere Gewalt in dieser Form. Maximal konnten so 12 Punkte vergeben werden. Die Gruppe mit 12 Punkten hat sehr schwere Gewalt in allen vier Formen erlebt. 120

4 – Schweregrade der erfahrenen Gewalt

4.2 Schweregrad der Viktimisierung Den im folgenden Abschnitt detaillierten Ergebnissen ist vorauszuschicken, dass Frauen grundsätzlich in allen Gewaltformen, außer bei körperlicher Gewalt, den stärkeren Grad an Viktimisierung aufweisen. So lässt sich z. B. bei einem knappen Drittel (30,3 %) der Frauen eine sehr schwere Viktimisierung durch psychische Gewalt erkennen, gegenüber jedem fünften Mann (18,8 %). Sehr schwere Viktimisierung durch sexuelle Gewalt haben jede fünfte Frau (19,1 %) und jeder zwanzigste Mann (5,1 %) erlebt. Wurde Gewalt erlebt, handelt es sich meist um einen schweren Grad der Viktimisierung – außer bei der sexuellen Gewalt gegen Frauen. Hier haben Frauen primär sehr schwere sexuelle Gewalthandlungen angegeben. Männer geben zum größten Teil eine mäßige Viktimisierung durch sexuelle Gewalt an.

Abbildung 42: Grad der Viktimisierung nach Gewaltform im Überblick Abbildung 42: Grad der Viktimisierung nach Gewaltform im Überblick

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:alle alleBefragten. Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:

Psychische Gewalt ist jene Gewaltform, die von Frauen und Männern am häufigsten erlebt wird. Nur jeder fünfte Mann (21,5%) und mehr als jede zehnte Frau (14,4%) waren verschont von Opfer-Erfahrungen mit psychischer Gewalt. Die Gewalterfahrungen sind primär als schwere bzw. sehr schwere körperliche Gewalt einzuordnen. So schildert jede zweite Frau (49,4%) sowie jeder zweite Mann (50,8%) in ihrem bisherigen Leben, seit sie 16 Jahre alt 121 sind, eine Viktimisierung durch schwere psychische Gewalt. Sehr schwere Viktimisierung durch psychischer Gewalt waren nahezu jede dritte Frau (30,3%) und jeder fünfte Mann (18,8%) ausgesetzt. Lediglich 0,4% der Männer berichten von mäßigen psychischen

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Die von Frauen und Männern am häufigsten erlebte Gewaltform ist die psychische Gewalt, also Übergriffe in deren psychische Integrität. Diese reichen von der Benachteiligung wegen des Alters, des Geschlechts, des Aussehens oder der Herkunft über auf verletzende Weise der Lächerlichkeit preisgegeben, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt zu werden bis hin zu wiederholten Beleidigungen, Einschüchterungen oder aggressivem Angeschrienwerden (Abb. 12). Nur jeder fünfte Mann (21,5 %) und mehr als jede achte Frau (14,4 %) waren gänzlich von psychischen Gewalterfahrungen verschont geblieben. Die Gewalterfahrungen sind primär als schwere bzw. sehr schwere körperliche Gewalt einzuordnen. So schildern jede zweite Frau (49,4 %) sowie jeder zweite Mann (50,8 %) eine Viktimisierung durch schwere psychische Gewalt in ihrem bisherigen Leben, seit sie 16 Jahre alt sind. Sehr schwerer Viktimisierung durch psychische Gewalt waren nahezu jede dritte Frau (30,3 %) und jeder fünfte Mann (18,8  %) ausgesetzt. Lediglich 0,4  % der Männer berichten von mäßigen psychischen Gewalterfahrungen in ihrem bisherigen Leben als Erwachsene. Das verweist darauf, dass Personen, die im Rahmen dieser Studie Handlungen psychischer Gewalt angegeben haben, zumeist schwerer davon betroffen waren und dass das methodische Instrument generell eher dazu geeignet ist, schwerere psychische Gewaltbetroffenheit zu erfassen. Tabelle 8: Schweregrad der Viktimisierung bei psychischer Gewalt Tabelle 8: Schweregrad der Viktimisierung bei psychischer Gewalt

Schweregrad der Viktimisierung psychische Gewalt



mäßige psychische Gewalt schwere psychische Gewalt

♂ 0,4 % (n = 4)

49,4 % (n = 638)

50,8 % (n = 529)

sehr schwere psychische Gewalt

30,3% (n=392)

18,8 % (n = 196)

genannt, aber nicht zuordenbar

5,9 % (n = 76)

8,3 % (n = 87)

14,4 % (n = 186)

21,6 % (n = 226)

keine psychische Gewalt erlebt Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Körperliche Gewalt wurde von beinah der Hälfte der befragten Frauen und Männern erlebt. Allerdings nahezu jede zweite Frau (45,8%) verfügt über keine körperlichen Körperliche Gewalt und wurde von beinahe der Hälfte befragten Frauen und Männern Gewalterfahrungen 41,8% der Männer. Überdersehr schwere körperliche erlebt, wohingegen verfügt nahezuknapp jede jeder zweite FrauMann (45,8 %) der Frau Männer über keiGewalterfahrungen zehnte (9,2%)und und 41,8 % jede zehnte (9,4%). nerlei Gewalterfahrungen verfügen. Von sehr schweren körperlichen GewalterAm körperliche häufigsten erleben Frauen und Männer schwere Formen der körperlichen Gewalt, nämlich 39,9% der Frauen und 46,3% der Männer. fahrungen berichten knapp jeder zehnte Mann (9,2 %) und jede zehnte Frau (9,4 %). Am

häufigsten erleben Frauen und Männer schwere Formen der körperlichen Gewalt, nämlich 39,9 % der Frauen und 46,3 % der Männer. Tabelle 9: Schweregrad der Viktimisierung bei körperlicher Gewalt

Schweregrad der Viktimisierung





mäßige körperliche Gewalt

4,8 % (n = 62)

2,7 % (n = 28)

schwere körperliche Gewalt

39,9 % (n = 516)

46,3 % (n = 482)

sehr schwere körperliche Gewalt

9,4 % (n = 122)

9,2 % (n = 96)

körperliche Gewalt

122

genannt, aber nicht zuordenbar keine körperliche Gewalt erlebt

0,1 % (n = 1) 45,8 % (n = 591)

41,8 % (n = 436)

Körperliche Gewalt wurde von beinah der Hälfte der befragten Frauen und Männern erlebt. Allerdings nahezu jede zweite Frau (45,8%) verfügt über keine körperlichen Gewalterfahrungen und 41,8% der Männer. Über sehr schwere körperliche Gewalterfahrungen verfügt knapp jeder zehnte Mann (9,2%) und jede zehnte Frau (9,4%). 4 –schwere Schweregrade erfahrenen Gewalt Am häufigsten erleben Frauen und Männer Formen derder körperlichen Gewalt, nämlich 39,9% der Frauen und 46,3% der Männer.

Tabelle 9: Schweregrad der Viktimisierung bei körperlicher Gewalt Tabelle 9: Schweregrad der Viktimisierung bei körperlicher Gewalt

Schweregrad der Viktimisierung





mäßige körperliche Gewalt

4,8 % (n = 62)

2,7 % (n = 28)

schwere körperliche Gewalt

39,9 % (n = 516)

46,3 % (n = 482)

sehr schwere körperliche Gewalt

9,4 % (n = 122)

9,2 % (n = 96)

körperliche Gewalt

genannt, aber nicht zuordenbar keine körperliche Gewalt erlebt

0,1 % (n = 1) 45,8 % (n = 591)

41,8 % (n = 436)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Vor allem bei der sexuellen Belästigung wird ein deutlicher Geschlechterunterschied erkennbar. Nahezu dreisexuellen Viertel der Männer (72,8 %) keine Erfahrungen mit sexueller Vor allem bei der Belästigung wird ein haben deutlicher Geschlechterunterschied erkennbar. Nahezu drei Viertel der Männer haben Erfahrungen sexueller Belästigung, gegenüber jeder vierten Frau(72,8%) (25,8 %). Imkeine Hinblick auf denmit Grad der ViktimiBelästigung, gegenüber jeder vierten Frau (25,8%). Im Hinblick auf den Grad der sierung zeigt sich, dass jede zweite Frau (53,3 %) vor allem schwere sexuelle Belästigung Viktimisierung zeigt sich, dass jede zweite Frau (53,3%) vor allem schwere sexuelle erlebt hat und nur knapp jeder fünfte Mann (17,7 %). 14,4 % der Frauen und 1,6 % der Belästigung erlebt hat und knapp jeder fünfte Mann (17,7%). 14,4% der Frauen und 1,6% Männer haben Erfahrungen mit sehr schwerer sexueller Belästigung. der Männer haben Erfahrungen mit sehr schwere sexuellen Belästigung. Tabelle 10: Schweregrad der Viktimisierung bei sexueller Belästigung 101 Belästigung Tabelle 10: Schweregrad der Viktimisierung bei sexueller

Schweregrad der Viktimisierung





mäßige sexuelle Belästigung

5,0 % (n = 65)

4,9 % (n = 51)

schwere sexuelle Belästigung

53,3 % (n = 689)

17,7 % (n = 184)

sehr schwere sexuelle Belästigung

14,4 % (n = 186)

1,6 % (n = 17)

1,4 % (n = 19)

3,0 % (n = 31)

25,8 % (n = 333)

72,8 % (n = 759)

sexuelle Belästigung

genannt, aber nicht zuordenbar keine sexuelle Belästigung erlebt Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Von sexueller Gewalt Gewalt istsind nahezu jede dritte betroffen fast jederund zehnte Von sexueller nahezu jede Frau dritte(29,5%) Frau (29,5  %)und betroffen fast jeder Mann (8.8%), um gekehrt blieben 70,5% der Frauen und 91,2% der Männer in ihrem zehnte Mann (8,8 %), umgekehrt blieben 70,5 % der Frauen und 91,2 % der Männer in bisherigen Leben, seit sie 16 Jahre alt sind, von sexuelle Gewalt verschont. Jede fünfte Frau ihrem bisherigen Leben, seit sie 16 Jahre alt sind, von sexueller Gewalt verschont. Jede (19,1%) verfügt über eine sehr schwere sexuelle Gewalterfahrung und jeder zwanzigste fünfte Frau (19,1 %) und jeder zwanzigste Mann (5,1 %) verfügt über eine sehr schweMann (5,1%). Weitere 9,7% der Frauen verfügen über schwere sexuelle Gewalterfahrungen, re aber sexuelle Gewalterfahrung. Weitere 9,7  % der über schwere sexuelle nur 3,6% der Männer. Gewalterfahrungen im Frauen sexuellenverfügen Bereich waren bei beiden Gewalterfahrungen, aber nur 3,6 % der Männer. Geschlechtern überwiegend schwer oder sehr schwer.Gewalterfahrungen im sexuellen Bereich waren bei beiden Geschlechtern überwiegend schwer oder sehr schwer. Tabelle 11: Muster der Gewaltbetroffenheit bei sexueller Gewalt

Schweregrad der Viktimisierung sexuelle Gewalt mäßige sexuelle Gewalt





0,7 % (n = 9)

0,2 % (n = 2)

123

Mann (8.8%), um gekehrt blieben 70,5% der Frauen und 91,2% der Männer in ihrem bisherigen Leben, seit sie 16 Jahre alt sind, von sexuelle Gewalt verschont. Jede fünfte Frau (19,1%) verfügt über eine sehr schwere sexuelle Gewalterfahrung und jeder zwanzigste Mann (5,1%). Weitere 9,7% der Frauen verfügen über schwere sexuelle Gewalterfahrungen, Österreichische zur Gewalt an Frauen aber nur 3,6% der Prävalenzstudie Männer. Gewalterfahrungen im sexuellen Bereich und warenMännern bei beiden Geschlechtern überwiegend schwer oder sehr schwer.

Tabelle 11: Muster der Gewaltbetroffenheit bei sexueller Gewalt Tabelle 11: Muster der Gewaltbetroffenheit bei sexueller Gewalt

Schweregrad der Viktimisierung





mäßige sexuelle Gewalt

0,7 % (n = 9)

0,2 % (n = 2)

schwere sexuelle Gewalt

9,7 % (n = 125)

3,6 % (n = 37)

sehr schwere sexuelle Gewalt

19,1 % (n = 247)

5,1 % (n = 53)

70,5 % (n = 911)

91,2 % (n = 950)

sexuelle Gewalt

genannt, aber nicht zuordenbar keine sexuelle Gewalt erlebt Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Neben der Betrachtung (anhand des Grades der Viktimisierung) des Gewaltausmaßes, dem Frauen und Männer in jeder Gewaltform ausgesetzt sind, stellt sich auch die Frage, wie sich Neben der Betrachtung des Gewaltausmaßes, dem Frauen und Männer in jeder Gewaltform dieausgesetzt Gewalterlebnisse vondes Frauen Männern zusammensetzen. Gewaltformen sind, anhand Gradesund der Viktimisierung, stellt sich auch dieWelche Frage, wie sich treten besonders oft in welchen Kombinationen auf? Diese Zusammenhänge den die Gewalterlebnisse von Frauen und Männern zusammensetzten. Also zwischen welche einzelnen Gewaltformen liefernofteinen weiteren Einblick –auf? auf Diese qualitativer Ebene – in die Gewaltformen treten besonders in welchen Kombinationen Zusammenhänge 102 Gewalterfahrungen von Frauen und Männern. Für alle sechs möglichen Kombinationen der vier untersuchten Gewaltformen wurde das Gamma-Assoziationsmaß22 berechnet, das Werte zwischen −1 (maximaler negativer Zusammenhang) und 1 (maximaler positiver Zusammenhang) annehmen kann. Ein Wert nahe 0 bedeutet keinen Zusammenhang. Das Gamma-Assoziationsmaß wird nicht dadurch beeinflusst, dass unterschiedliche Gewaltformen eine unterschiedliche Prävalenz aufweisen. Tabelle 12 und Tabelle 13 zeigen die Gamma-Werte getrennt für Männer und Frauen für alle Kombination der vier Gewaltformen. Grundsätzlich sind alle Gewaltformen positiv korreliert, d. h. Personen, die eine hohe Gewaltbelastung in einer Gewaltform schildern, berichten auch überdurchschnittliche Gewaltbelastungen in anderen Gewaltformen. Gewalterfahrungen sind also primär eine Kombination von Übergriffen aus unterschiedlichen Gewaltformen. Sehr stark ist dieser Zusammenhang zwischen sexueller Belästigung und sexueller Gewalt, wobei dies bei Männern in einem noch höheren Ausmaß der Fall ist als bei Frauen (Gamma_Männer = 0,79, Gamma_Frauen = 0,69). Konkret heißt dies, dass Männer und Frauen besonders oft eine Kombination aus sexueller Belästigung und sexueller Gewalt erleben. Ebenfalls hoch ist der Zusammenhang zwischen körperlicher und psychischer Gewalt, dieser ist bei Frauen etwas stärker ausgeprägt (Gamma_Männer = 0,66, Gamma_Frauen = 0,68).

22

Das Gamma-Assoziationsmaß ist eine statistische Maßzahl, die den Zusammenhang zwischen zwei ordinal skalierten Merkmalen misst.

124

stark ist dieser Zusammenhang zwischen sexueller Belästigung und sexueller Gewalt, wobei dies bei Männern in einem noch höheren Ausmaß der Fall ist als bei Frauen (Gamma_Männer = 0.79, Gamma_Frauen = 0.69). Konkret heißt dies, dass Männer und Frauen besonders oft eine Kombination sexueller Belästigung und sexueller Gewalt 4 –aus Schweregrade der erfahrenen Gewalt erleben. Ebenfalls hoch ist der Zusammenhang zwischen körperlicher und psychischer Gewalt, dieser ist bei Frauen etwas stärker ausgeprägt ist als bei Männern (Gamma_Männer 0.66, Gamma_Frauen = 0.68). Frauen und Männern ergeben sich für körperliche und Die=größten Unterschiede zwischen sexuelle Gewalt: Bei Frauen sind diese beiden Gewaltformen stärker assoziiert als bei MänDie größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern ergeben sich für körperliche und nern (Gamma_Männer = 0,35, Gamma_Frauen = 0,46). Psychische Gewalt ist bei Frauen sexuelle Gewalt: Bei Frauen sind diese beiden Gewaltformen stärker assoziiert als bei grundsätzlich stärker mit anderen Gewaltformen korreliert als bei Männern.

Männern (Gamma_Männer = 0,35, Gamma_Frauen = 0,46). Psychische Gewalt ist bei

Auch daringrundsätzlich zeigt sich wieder, oben bereits anhand von als anderen Auswertungen Frauen stärkerwie mitweiter anderen Gewaltformen korreliert bei Männern. dokumentiert, dass Frauen in der Tendenz häufiger Kombinationen unterschiedlicher ForAuch zeigt sichhaben, wieder,was wiemit weiter oben bereits anhand vondurch anderen Auswertungen men vondarin Gewalt erlebt deren höherer Betroffenheit Gewalt in Famidokumentiert, dass Frauen in der Tendenz häufiger Kombinationen unterschiedlicher lien- und Paarbeziehungen zusammenhängt; diese sind eher durch multiple Formen von Formen von Gewalt erlebt haben, was mit deren höheren Betroffenheit durch Gewalt in Gewalt gekennzeichnet.

Familien- und Paarbeziehungen zusammenhängt, welche eher durch multiple Formen von Gewalt gekennzeichnet sind.

Tabelle 12: Gamma-Assoziationsmaße zwischen Gewaltformen für Männer Tabelle 12: Gamma-Assoziationsmaße zwischen Gewaltformen für Männer

Männer

P

K

körperliche Gewalt (K)

0,66

sexuelle Belästigung (B)

0,54

0,48

sexuelle Gewalt (S)

0,47

0,35

B

0,79

Quelle: ÖIFÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: allealle Befragten. Quelle: Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten. P =Ppsychische Gewalt; K =Kkörperliche Gewalt; B= Belästigung; SS = =sexuelle = psychische Gewalt; = körperliche Gewalt; B sexuelle = sexuelle Belästigung; sexuelleGewalt. Gewalt.

Tabelle 13: Gamma-Assoziationsmaße zwischen Gewaltformen für Frauen Tabelle 13: Gamma-Assoziationsmaße zwischen Gewaltformen für Frauen

Frauen 22

P körperliche Gewalt (K)

0,68

sexuelle Gewalt (S)

0,51

K

B

Das Gamma-Assoziationsmaß ist eine statistische Maßzahl, die den Zusammenhang zwischen zwei ordinal skalierten misst. sexuelleMerkmalen Belästigung (B) 0,61 0,46

103 0,46

0,69

Quelle: ÖIFÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: allealle Befragten. Quelle: Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten. P =Ppsychische Gewalt; K =Kkörperliche Gewalt; B= Belästigung; SS = =sexuelle = psychische Gewalt; = körperliche Gewalt; B sexuelle = sexuelle Belästigung; sexuelleGewalt Gewalt.

125

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

4.3 Schweregrad-Score – Gewaltbelastungen im Erwachsenen-Leben Auch Darstellung des Schweregrad-Scores zeigt deutlich, dass Frauen in der Zusam4.3 dieSchweregrad-Score – Gewaltbelastungen im Erwachsenen-Leben menschau aller Gewaltformen häufiger schwere bzw. sehr schwere Formen von Gewalt Auch als die Männer. Darstellung des einerseits Schwergrad-Scores zeigt deutlich, dass Frauen in der erleben Dies wird durch die Bildung des Mittelwertes über den geZusammenschau aller Gewaltformen häufiger schwere bzw. sehr schwere Formen von samten Schweregrad-Score hinweg deutlich: Frauen weisen einen Mittelwert von 5,3 und Gewalteinen erleben, als Männer. durch die Bildung Mittelwertes über den Männer Mittelwert vonDies 3,5 wird auf. einerseits Andererseits zeigt sich dasdes aber auch in der detailgesamten Schweregrad-Score hinweg deutlich: Frauen weisen eine Mittelwert von 5,3 lierten Darstellung der Verteilung der Punkte von 0 bis 12 des Scores nach Männernund und Männer einen Mittelwert von 3,5 auf. Andererseits zeigt sich das aber auch in der Frauen. In der folgenden Grafik sind die Balken der Frauen vor allem in den schwereren detaillierten Darstellung der Verteilung der Punkte von 0 bis 12 des Scores, nach Männern Formen der erlebten Gewalt (ab 6 Punkten) stärker ausgeprägt als die der Männer. So erund Frauen. In der folgenden Grafik sind die Balken der Frauen vor allem in den schwereren leben z. B. 7,3 % der Frauen zumindest in drei Gewaltformen sehr schwere Gewalt (11 und Formen der erlebten Gewalt (ab 6 Punkte) stärker ausgeprägt als die der Männer. So 12 Score-Punkte zusammen), gegenüber 1,1 % der Männer.23 erleben z.B. 7,3% der Frauen zumindest in drei Gewaltformen sehr schwere Gewalt (11 und 12 Score-Punkte zusammen), gegenüber 1,1% der Männer.23 Abbildung 43: Schwere der Gewaltbelastung insgesamt – Schweregrad-Score Abbildung 43: Schwere der Gewaltbelastung insgesamt – Schweregrad-Score

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Quelle: ÖIF Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alle Befragten. Befragten.

Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit erhöhen eindeutig das Risiko, auch im Erwachsenen-Alter schwere Gewalt zu erfahren. Erwachsene Frauen und Männer mit schweren bzw. sehr schweren Gewalterfahrungen verfügen nahezu alle über 23 Die im Rahmen des Schweregrad-Scores ermittelte Gruppe, die keine Gewalt erlebt hat, ist etwas größer als Gewalterfahrungen in der Kindheit. So berichten z.B. Frauen, die als Erwachsene sehr die Gruppen ohne Gewalterfahrungen, die im Kapitel „Prävalenz” ausgewiesen werden. Dies liegt in der unterschwere Gewalt in allen Formen haben (12 Punkte im jeder Schweregrad-Score) schiedlichen Berechnung begründet. Zurerfahren Bildung der Prävalenzen wurden bei Gewaltform Frage 1 zu und

Frage 2 herangezogen (Näheres siehe Kapitel 2.1). Zur Ermittlung des Schweregrad-Scores lediglich Frage 2, mit den konkreten Items der Gewalthandlungen.

23

Die im Rahmen des Schweregrad-Score ermittelte Gruppe die keine Gewalt erlebt haben, ist etwas größer, als die Gruppen ohne Gewalterfahrungen die im Kapitel „Prävalenz ausgewiesen werden“. 126 Dies liegt in der unterschiedlichen Berechnung begründet. Zur Bildung der Prävalenzen wurde bei jeder Gewaltform Frage 1 und Frage 2 herangezogen (Näheres siehe Kapitel 2.1). Zur Ermittlung des Schweregrad-Score lediglich Frage 2, mit den konkreten Items der Gewalthandlungen.

4 – Schweregrade der erfahrenen Gewalt

Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit erhöhen eindeutig das Risiko, auch im Erwachsenen-Alter schwere Gewalt zu erfahren. Erwachsene Frauen und Männer mit schweren bzw. sehr schweren Gewalterfahrungen verfügen nahezu alle über Gewalterfahrungen in der Kindheit. So berichten z. B. Frauen, die als Erwachsene sehr schwere Gewalt in allen Formen erfahren haben (12 Punkte im Schweregrad-Score) zu 100  % von körperlichen, 95,2  % von psychischen und 76,2  % von sexuellen Gewalterfahrungen in der Kindheit. 100% von körperlichen, 95,2% von über psychischen und 76,2% von sexuellen In der Gruppe der Frauen, die im Erwachsenen-Leben gar keine Gewalterfahrungen der Kindheit. Gegenüber die im erwachsenen verfügen (0 Gewalterfahrungen Punkte auf Score),inberichtet immerhin noch den jedeFrauen, dritte Frau (34,2 %) über Leben über gar keine Gewalterfahrungen verfügen (0 Punkte auf Score), jede dritte Frau dieser Gruppe körperliche Gewalt, während 28,1 % psychische und 3,5 % sexuelle Gewalterfahrungen als (34,2%) berichtet allerdings immer noch über körperliche, 28,1% über psychische und 3,5% Kind schildern. Das verweist auf den starken Zusammenhang von Gewalt in der Kindheit über sexuelle Gewalterfahrungen als Kind. Das verweist auf den hohen Zusammenhang von und Erwachsenen-Leben, aber auch auf die Möglichkeit, diesen Kreislauf von Gewalt trotz Gewalt in der Kindheit und Erwachsenenleben, aber auch auf die Möglichkeit diesen der erfahrenen Kindheitsgewalt zu beenden. Dieser Zusammenhang gilt auch für Männer, Kreislauf von Gewalt trotz der erfahrenen Kindheitsgewalt im Erwachsenenleben zu wobei hier beachtet werden muss, dass diese in einem deutlich geringeren Ausmaß sehr beenden. Dieser Zusammenhang gilt auch für Männer, wobei hier beachtet werden muss, schwere sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt erlebt haben.24

dass diese in einem deutlich geringeren Ausmaß sehr schwere sexuelle Belästigung und 24 In diesem Zusammenhang noch einmal darauf hingewiesen, dass 7,7 % der Männer sexuelle Gewalt sei erlebt haben. und 4,9  % der Frauen angeben, in ihrem gesamten bisherigen Leben überhaupt keine In diesem Zusammenhang noch einmal darauf hingewiesen, 7,7% Gewalterfahrungen gemacht zu haben,sei also weder in der Kindheit noch imdass Leben als der Er- Männer und wachsene. 4,9% der Frauen angeben, in ihrem gesamten bisherigen Leben überhaupt keine

Gewalterfahrungen gemacht zu haben, also in der Kindheit und im Leben als Erwachsene (ohne Abbildung).

Abbildung 44: Schweregrad-Score nach Gewalterfahrungen in der Kindheit – Frauen Abbildung 44: Schweregrad-Score nach Gewalterfahrungen in der Kindheit – Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

24

Der Zusammenhang von Gewalt in der Kindheit und im Erwachsenen-Leben hat sich bislang in zahlreichen empirischen Studien bestätigt; vgl. u. a. Schröttle/Martinez et al. 2006, Schröttle/Ansorge 2009. Auch ein Zusammenhang zwischen männlicher Täterschaft und Gewalt in Kindheit und Jugend konnte festgestellt werden; vgl. u. a. Wetzels 1997.

127 24

Der Zusammenhang von Gewalt in der Kindheit und im Erwachsenenleben hat sich bislang in

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 45: Schweregrad-Score nach Gewalterfahrungen in der Kindheit – Männer Abbildung 45: Schweregrad-Score nach Gewalterfahrungen in der Kindheit – Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

4.4

Zusammenfassung: Schweregrad der erfahrenen Gewalt

4.4 Zusammenfassung: Schweregrad der erfahrenen Gewalt

Um das Ausmaß und die Schwere der erlebten Gewalt von Frauen und Männern im Erwachsenenleben besser erfassen zu können, wurden für die vorliegende Studie zwei Um das Ausmaß und die Schwere der erlebten Gewalt Frauen und Männern im Erwachunterschiedliche Indikatoren anhand von von multidimensionalen Analysen gebildet: Zuerst senen-Leben besser erfassen zu können, wurden für die vorliegende Studie zwei unterwurden die erlebten Gewalthandlungen in jeder Gewaltform zu einem sogenannten schiedlicheSchweregrad Indikatoren anhand von multidimensionalen Analysen wurden der Viktimisierung zusammengefasst, wobeigebildet: FaktorenZuerst wie z.B. die Schwere der die erlebten Gewalthandlungen in jeder Gewaltform zu einem sogenannten Schweregrad erlebten Gewalthandlungen, die Häufigkeit und Folgen der Gewalt sowie die Bedrohlichkeit der Viktimisierung zusammengefasst, wobei Faktoren wie z. B.des dieGrades Schwere erlebten der Gewalt eine Rolle gespielt haben. Zur Abbildung derder Viktimisierung wurden Gewalthandlungen, Häufigkeit und Folgen der Gewalt sowie deren Bedrohlichkeit eine Rolle pro Gewaltform drei Kategorien gebildet: Eine mäßige Viktimisierung, eine schwere und eine gespielt haben. Abbildung des Grades der Als Viktimisierung Gewaltform sehr Zur schwere Viktimisierung. zweiter wurden Indikatorpro wurde auf drei Basis des KategorienViktimisierungsgrades gebildet: Eine mäßige,ein eine schwere und eine sehr schwere Viktimisierung. Als „Schweregrad-Score“ entwickelt, der über alle Gewaltformen zweiter Indikator auf Basis des Viktimisierungsgrades ein „Schweregrad-Score” ent-es möglich, hinweg wurde die Schwere der jeweils erlebten Gewalt misst. Mit diesem Score ist wickelt, der über alle Gewaltformen hinweg die Schwere der jeweils erlebten Gewalt misst. einen Einblick in die über Gewalt induzierte Gesamt-Belastung von erwachsenen Frauen und Mit diesemMännern Score istzueserhalten. möglich, einen Einblick in die über Gewalt induzierte Gesamt-Belastung von erwachsenen Frauen und Männern zu erhalten.

Frauen weisen grundsätzlich eine stärkere Viktimisierung auf, dies zeigt sich in einer

Frauen weisen grundsätzlich eine stärkere Viktimisierung auf, dies zeigt sich in einer BeBetrachtung der einzelnen Gewaltformen, in der Frauen – außer bei der körperlichen Gewalt trachtung der einzelnen Gewaltformen, in der Frauen – außer bei der körperlichen Gewalt – schwerere Gewalt erleben als Männer. Dies gilt auch für die Betrachtung über alle – schwerere Gewalt erleben als Männer. Dies gilt auch für der die Betrachtung über alle GewaltGewaltformen hinweg. So erleben z.B. 7,3% Frauen zumindest in drei Gewaltformen formen hinweg. So erleben z. B. 7,3 % der Frauen zumindest in drei Gewaltformen (von (von vier) sehr schwere Gewalt, gegenüber 1,1% der Männer. vier) sehr schwere Gewalt, gegenüber 1,1 % der Männer.

Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann haben in ihrem bisherigen Leben als Erwachsene

Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann haben in ihrem bisherigen Leben als Erwachsene sehr schwere psychische Gewalterfahrungen gemacht. Der am weitesten verbreitete Grad sehr schwere psychische Gewalterfahrungen gemacht. Der am weitesten verbreitete

128

der Viktimisierung stellt für Frauen und Männer die schwere psychische Gewalt dar – jede/r zweite Befragte sind dieser Kategorie zuzuordnen. Jeder fünfte Mann und mehr als jede zehnte Frau verfügen über gar keine Opfer-Erfahrungen von psychischer Gewalt. 107

4 – Schweregrade der erfahrenen Gewalt

Grad der Viktimisierung stellt für Frauen und Männer die schwere psychische Gewalt dar – jede/r zweite Befragte sind dieser Kategorie zuzuordnen. Jeder fünfte Mann und mehr als jede zehnte Frau verfügen über gar keine Erfahrungen als Opfer von psychischer Gewalt. Männer verfügen etwas häufiger als Frauen über (sehr) schwere körperliche Gewalt­ erfahrungen (Männer 55,3 %; Frauen 49,0 %). Rund jede zehnte Frau und jeder zehnte Mann haben sehr schwere körperliche Gewalterfahrungen. Rund 40  % der Männer und etwas mehr Frauen sind noch nie Opfer körperlicher Gewalt geworden. Geschlechterunterschiede werden vor allem bei der sexuellen Belästigung deutlich: Nahezu drei Viertel der Männer sind noch nie sexuell belästigt worden, jedoch nur jede vierte Frau. Zwei Drittel der Frauen, aber nur jeder fünfte Mann erleben Formen der (sehr) schweren sexuellen Belästigung. Von sexueller Gewalt sind nahezu jede dritte Frau und fast jeder zehnte Mann betroffen. Jede fünfte Frau und jeder zwanzigste Mann verfügen über sehr schwere sexuelle Gewalterfahrungen. Mehr als jede zehnte Frau und 2,9 % der Männer erleben mehrmalige schwere sexuelle Gewalthandlungen mit körperlichen, psychischen und/oder langfristigen psychosozialen Folgen. Sexuelle Gewalt ist bei Frauen und Männern eng mit den Erfahrungen von sexueller Belästigung verbunden. Wie es scheint, besteht ein enger Zusammenhang zwischen Gewalt in Kindheit und Jugend und Gewalt im Erwachsenenleben. Die vorliegende Studie zeigt deutlich, dass Gewalterfahrungen in der Kindheit das Risiko erhöhen, auch im Erwachsenenalter schwere Gewalt zu erfahren. Erwachsene Frauen und Männer mit (sehr) schweren Gewalterfahrungen haben ihre ersten als Kind gemacht. Das verweist auf die langfristig schädigenden Auswirkungen von Gewalt und Grenzverletzungen gegenüber Kindern und Jugendlichen.

129

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

5 Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre

5 Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre eigene Fragebatterie richtete den Blick ausschließlich auf die Gewalterfahrungen in-

Eine nerhalb der letzten drei Jahre. Hierbei wurden die rezenten Gewalterfahrungen abgefragt Eine eigene Fragebatterie richtete den Blick ausschließlich auf die Gewalterfahrungen und auch erhoben, wer diedrei Täter und Täterinnen waren. entlang der letzten Jahre. Hierbei wurden die rezenten Gewalterfahrungen abgefragt

und auch erhoben, wer die Täter und TäterinnenZeiträume waren. zur Erhebung von InzidenIn europäischen Studien finden sich unterschiedliche zen – einige Studien beschränken sich auf das letzte Jahr, andere auf die letzten drei oder In europäischen Studien finden sich unterschiedliche Zeiträume zur Erhebung von fünf Jahre (vgl. im Überblick Martinez/Schröttle et al. 2005 und 2007). Für die vorliegende Inzidenzen – einige Studien beschränken sich auf das letzte Jahr, andere auf die letzten drei Erhebung wurde die Entscheidung für einen dreijährigen Zeitraum aus methodischen Überoder fünf Jahre (vgl. im Überblick Martinez/Schröttle et al 2005 und 2007). Für die legungen getroffen: Es bestand die Befürchtung, dass bei gewissen Gewaltformen wie z. B. vorliegende Erhebung wurde die Entscheidung aus methodischen Überlegungen getroffen: der sexuellen Gewalt zu kurze Zeiträume zu wenig Inzidenzen liefern würden und somit die Es bestand die Befürchtung, dass bei gewissen Gewaltformen, wie z.B. der sexuellen Gewalt, zu kurze Zeiträume zu wenig Inzidenzen liefern würden und somit die Gewinnung Ein Überblick über die Gewalterfahrungen von Informationen in Frage stand. der letzten drei Jahre zeigt deutlich, dass Frauen Gewinnung von Informationen in Frage stand.

in allen Gewaltformen von mehr Erfahrungen berichten. Lediglich in Bezug auf körperliche Ein Überblick über die Gewalterfahrungen der letzten drei Jahre zeigt deutlich, dass Frauen Übergriffe haben Frauen und Männer fast gleich häufig Erfahrungen gemacht. Auch hier in allen Gewaltformen über mehr Erfahrungen in den letzten drei Jahren berichten. Lediglich zeigen sich besonders deutliche Unterschiede in Bezug auf die sexualisierte Gewalt, die in Bezug auf körperliche Übergriffe haben Frauen und Männer fast gleich häufig Erfahrungen Frauen deutlich häufiger als Männer erleben. So berichtet nahezu jede dritte Frau (30,5 %) in den letzten drei Jahren gemacht. Auch hier zeigen sich besonders deutliche Unterschiede von sexueller Belästigung in den letzten drei Jahren, gegenüber 6,2 % der Männer. Auch in Bezug auf die sexualisierte Gewalt, die Frauen deutlich häufiger als Männer erleben. So hat nahezu jede zehnte Frau (8,5  %) in den letzten drei Jahren sexuelle Gewalt erlebt, berichtet nahezu jede dritte Frau (30,5%) von sexueller Belästigung in den letzten drei gegenüber 2,1 % der Männer.

Jahren, gegenüber 6,2% der Männer. Auch hat nahezu jede zehnte Frau (8,5%) in den letzten drei Jahren sexuelle Gewalt erlebt, gegenüber 2,1% der Männer.

Abbildung 46: Prävalenz der Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren Abbildung 46: Prävalenz der Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.alle Basis: alle Befragten.

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5 – Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre

5.1 Gewalthandlungen innerhalb der letzten drei Jahre nach Gewaltform Die in den jeweiligen Gewaltformen aufgelisteten konkreten Situationen bzw. Übergriffe wurden in unterschiedlich hohem Ausmaß von Frauen und Männern in ihrem bisherigen Leben erfahren (siehe Kapitel 3). Eine Einschränkung des Zeitraumes der erlebten Gewaltformen zeigt, dass Frauen und Männer, die über Erfahrungen in den einzelnen Gewaltformen verfügen, je nach Gewaltform in einem nicht unerheblichen Ausmaß auch über solche in den letzten drei Jahren berichten. Dies trifft besonders stark für die psychische Gewalt sowie die sexuelle Belästigung zu. Der Geschlechtervergleich zeigt, dass Frauen auch in den letzten drei Jahren deutlich häufiger Gewaltübergriffe erlebt haben. So berichtet jede fünfte Frau (19,3 %), ihr sei jemand so nahe gekommen, dass es ihr unangenehm gewesen sei; jede zehnte Frau berichtet (9,4  %), sie sei zu berühren oder zu küssen versucht worden. Auch einzelne Items der psychischen Gewalt, wie z. B. auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht worden zu sein (18,7 %), werden von nahezu jeder fünften Frau berichtet. Jede zehnte Frau (9,2 %) erwähnt, dass sie intim berührt oder gestreichelt wurde, obwohl sie gesagt oder gezeigt hat, dass sie dies nicht möchte. 0,8 % der Frauen berichten in diesem Zeitraum von einem Eindringen mit einem Penis oder etwas anderem gegen ihren Willen in ihren Körper. Männer schildern Gewalthandlungen innerhalb der letzten drei Jahre deutlich seltener. Am häufigsten berichten sie von psychischen und körperlichen Übergriffen. Jeder zehnte Mann gibt an, wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien (11,4  %), auf verletzende Art und Weise lächerlich gemacht (9,9 %) sowie auch durch wiederholte Telefonate, SMS oder E-Mails gegen den eigenen Willen kontaktiert worden zu sein (9,1 %). Der häufigste körperliche Übergriff, von dem knapp jeder zehnte Mann berichtet, ist absichtlich weggestoßen worden zu sein (8,5 %). Die häufigste sexualisierte Gewalt in den letzten drei Jahren stellt bei Männern das intim Berührt- bzw. Gestreicheltwerden gegen den deklarierten Willen dar (1,9 %). Hingegen 0,2 % der Männer berichten von einem Eindringen mit einem Penis oder etwas anderm gegen ihren Willen in ihren Körper. Generell ist zu vermuten, dass Gewalterfahrungen in den letzten drei oder fünf Jahren besser erinnert werden als solche, die weiter zurückliegen (mit Ausnahme sehr gravierender Situationen). Das verweist darauf, dass bei Lebenszeitprävalenzen von einem höheren Dunkelfeld auszugehen ist als bei Gewalt in kürzeren Erfassungszeiträumen und unter Bezugnahme auf die jüngere Vergangenheit.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 47: Psychische Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre Abbildung 47: Psychische Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

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5 – Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre

Abbildung 48: Körperliche Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Abbildung 48: Körperliche Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 49: Sexuelle Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre

Abbildung 49: Sexuelle Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

113 134

5 – Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre

Abbildung 50: Sexuelle Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre Abbildung 50: Sexuelle Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre

Frauen Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Bei einer Betrachtung der Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre, sortiert nach Altersgruppen, zeigt sich, dass Frauen und Männer bis zum 40. Lebensjahr besonders häuBetrachtung dersind. Gewalterfahrungen innerhalb der letzten Jahre, sortiert nach fig Bei voneiner Gewalt betroffen Bei beiden Geschlechtern gibt esdrei einen deutlichen linearen Altersgruppen, zeigt sich, dass Frauen und Männer bis zum 40. Lebensjahr besonders Abfall der Gewalterfahrungen mit zunehmendem Lebensalter, und zwar in fast allen Items häufig von Gewalt betroffen sind. Bei beiden Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher linearer der einzelnen Gewaltformen. Nicht ganz so deutlich ist dieser Zusammenhang im Bereich Abfall der Gewalterfahrungen mit zunehmendem Lebensalter, und zwar in fast allen Items der sexuellen Gewalt ausgeprägt. der einzelnen Gewaltformen. Nicht ganz so deutlich ist dieser Zusammenhang bei Frauen im Bereich der sexuellen Gewalt ausgeprägt. Einige konkrete Beispiele für diesen Zusammenhang: n

Einige für diesen Zusammenhang (Näheres siehe Tabellen 4 -schildern, 11 im 25,8 %konkrete der 16-Beispiele bis 20-jährigen und 12,8 % der 21bis 30-jährigen Frauen in Anhang): den letzten drei Jahren absichtlich weggestoßen worden zu sein, gegenüber 3,0 % der

51-• bis25,8% 60-jährigen Frauen. der 16- bis 20-jährigen und 12,8% der 21- bis 30-jährigen Frauen schildern, in n 14,1 % derletzten Männer 16 und 20 Jahren wurden in den letzten drei Jahren den dreizwischen Jahren absichtlich weggestoßen worden zu sein, gegenüber 3,0%getreder 51- bis 60-jährigen Frauen. gegenüber 2,2 % der 41- bis 50-jährigen Männer. ten, gestoßen oder hart angefasst, n

17,9 % der 1620-jährigen 14,7 % der 21bis 30-jährigen Frauen wurden zu • 14,1% der bis Männer zwischen und 16 und 20 Jahren wurden in den letzten drei Jahren berühren oder zu küssenoder versucht, obwohl sie es nicht2,2% wollten, 4,9 % der getreten, gestoßen hart angefasst, gegenüber der gegenüber 41 – 50-jährigen 41- bisMännern. 50-jährigen und 5,3 % der 51- bis 60-jährigen Frauen.

• Bei 17,9% der 16 – 20-jährigen und 14,7% der 21 – 20-jährigen Frauen wurde Dass Gewalt überwiegend in der ersten erlebt wird, bereits zahlreiche versucht sie zu berühren oder zuLebenshälfte küssen, obwohl sie es nichthaben wollten, gegenüber andere Gewaltprävalenzstudien aufgezeigt. Dies bestätigt sich in der vorliegenden Unter4,9% der 41 – 50-jährigen und 5,3% der 51 – 60-jährigen Frauen. 25 suchung im Hinblick auf die Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre. 114 25

Vgl. u. a. Kury et al. 1996; Wetzels et al. 1995, Schröttle/Martinez et al. 2006; Schröttle/Müller 2004.

135

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

5.2 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre Wie bereits erwähnt, wurden die Gewalterfahrungen von Frauen und Männern einerseits für das gesamte Leben als Erwachsene bzw. in der Kindheit abgefragt und andererseits spezifisch für die letzten drei Jahre. Für die Gewalthandlungen in diesem Zeitraum konnten die Befragten genau angeben, wer der bzw. die Täter/in war und wie oft sie Gewalt durch diese Person erfahren hatten. Zu diesem Zweck wurde den Befragten eine Täter/innen-Liste mit vierzig möglichen Nennungen vorgelegt, die vor allem auf die Familie und den sozialen Nahraum fokussierte. Die Häufigkeit der erlebten Gewalthandlungen durch den Täter bzw. die Täterin wurde in folgenden Kategorien erhoben: „einmal”, „zwei- bis dreimal”, „vier- bis zehnmal” und „häufiger”. Allgemeine Aussagen über die Täter/innen variieren sehr stark und sind abhängig von der Gewaltform und dem Geschlecht des Opfers. Daher werden im Folgenden die einzelnen Gewaltformen mit den am häufigsten genannten Täter/innen pro Gewaltform detaillierter beschrieben.

5.2.1 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei psychischer Gewalt In den letzten drei Jahren haben Frauen am häufigsten psychische Gewalt durch den ExPartner erlebt, 178 (n) Frauen berichten davon. Das ergibt eine Inzidenz von 138 auf tausend Frauen in Österreich, also fast jede siebte Frau. Ein Blick auf die Häufigkeit der vom Ex-Partner erlittenen psychischen Übergriffe zeigt, dass der größte Teil der Frauen derartige psychische Gewalt häufiger als zehn Mal erlebt hat: 77 der 178 Frauen geben dies an. Der derzeitige Partner rangiert bei Frauen auf Platz 9 der zehn häufigsten Täter/innen von psychischer Gewalt, von tausend Frauen in Österreich erlebten also in den letzten drei Jahren 69 psychische Gewalt durch ihn.26 Abgesehen von der Partnerschaft erleben Frauen psychische Gewalt vor allem durch weibliche und männliche bekannte Personen oder durch Freundinnen bzw. Freunde, auch die eigenen Eltern befinden sich unter den zehn häufigsten Personen. Jede zehnte Frau in Österreich (102 von tausend) erfährt z. B. psychische Gewalt durch eine weibliche bekannte Person, die nicht zur Familie, zum Freundes- oder Bekanntenkreis gehört. Männer erleben psychische Gewalt am häufigsten durch männliche bekannte Personen (hochgerechnet auf tausend Männer in Österreich schildern dies 99), also etwa jeder zehnte Mann, und am zweithäufigsten durch männliche unbekannte Personen. Die Ex-Partnerin rangiert auf Platz 4 der zehn häufigsten Täter/innen (74 von tausend Männern) und die derzeitige Partnerin auf Platz 8. Insgesamt haben 45 von tausend Männern in Österreich in den letzten drei Jahren psychische Gewalt durch die derzeitige Partnerin erfahren, 29 davon häufiger als zehn Mal durch die Ex-Partnerin. Damit haben Männer deutlich seltener

26

Einschränkend festzuhalten ist an dieser Stelle, dass es im Hinblick auf Gewalt durch den aktuellen Partner ein höheres Dunkelfeld geben dürfte als bei solcher durch Ex-Partner. Wie sich auch in anderen Untersuchungen gezeigt hat, ist Gewalt durch den aktuellen Partner in höherem Maße tabuisiert und wird in Studien weniger angegeben als Gewalt durch frühere Partner, welche insgesamt auch kritischer beurteilt wird (vgl. Schröttle/ Ansorge 2009).

136

5 – Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre Tabelle 14: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – psychische Gewalt psychische Gewalt durch Partnerinnen oder Ex-Partnerinnen angegeben, waren aber gleich häufig wie Frauen durch männliche/weibliche bekannte Personen davon betroffen, allerdings häufiger als Frauen durch unbekannte männliche Personen.

Psychische Gewalt in den letzten drei Jahren schildern hauptsächlich Frauen und Männer Tabelle 14: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – psychische Gewalt zwischen einundzwanzig und vierzig Jahren. Tabelle 14: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – psychische Gewalt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit psychischen Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre. Tabelle 15: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – psychische

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit psychischer Gewalterfahrung innerhalb der letzten Gewalt Frauen drei Jahre.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit psychischen Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre. Tabelle 15: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach

Häufigkeit und Alter – psychische Gewalt Frauen Tabelle 15: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – psychische Gewalt Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Frauen mit psychischer Gewalterfahrung innerhalb der letzten drei Jahre.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Frauen mit psychischen Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre. 137

Tabelle 16: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten Jahre nach Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt andrei Frauen und Häufigkeit Männernund Alter – psychische Gewalt Männer

Tabelle 16: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – psychische Gewalt Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Männer mit psychischer Gewalterfahrung innerhalb der letzten drei Jahre.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Männer mit psychischen Gewalterfahrungen innerhalb der letzten 5.2.2 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei körperlicher Gewalt drei Jahre.

Körperliche Übergriffe erlebten Frauen in den letzten drei Jahren primär in der Partnerschaft, und zwar am häufigsten durch den Ex-Partner und am zweithäufigsten durch den derzeitigen Partner. So schildern 42 von tausend Frauen in Österreich, dass sie in diesem Zeitraum körperliche Gewalt durch ihren Ex-Partner erfahren haben, 31 von tausend Frauen in Österreich berichten von körperlicher Gewalt durch den derzeitigen Partner. Knapp die Hälfte dieser Frauen hat mehr als vier Mal körperliche Gewalt durch den Ex-Partner angegeben und mehr als die Hälfte der Frauen ein- bzw. zwei- bis dreimal durch den derzeitigen Partner. Neben der Partnerschaft ist die Familie ein weiterer zentraler Bereich, in dem Frauen körperliche Gewalt in den letzten drei Jahren erfahren haben. So rangieren die Mutter auf Platz 4, der Vater auf Platz 5 und der eigene Bruder auf Platz 8 der zehn häufigsten Täter-/innen. Männer erleben körperliche Gewalt dagegen am häufigsten durch nicht bekannte bzw. nur flüchtig bekannte Männer. So berichten 69 von tausend österreichischen Männern von körperlichen Übergriffen in den letzten drei Jahren durch männliche unbekannte Personen. Am zweithäufigsten nennen Männer männliche bekannte Personen, die nicht zur Familie, zum Freundes- oder Bekanntenkreis gehören. Männer erlebten körperliche Übergriffe durch diese Personen primär einmal bzw. zwei- bis dreimal. Die Partnerschaft als Ort der körperlichen Übergriffe spielt bei Männern eine weniger zentrale Rolle. Die Ex-Partnerin rangiert auf Platz 4 und die derzeitige Partnerin auf Platz 10 der zehn häufigsten Täter/innen. So erlebten z. B. sechs von tausend Männern in Österreich in den letzten drei Jahren körperliche Übergriffe durch die derzeitige Partnerin. Sie waren damit nur ein Fünftel so oft von Gewalt in der aktuellen Paarbeziehung betroffen wie Frauen;

138

118

5 – Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre

bei Männern handelte es sich dabei allerdings, anders als bei den Frauen, überwiegend um eine einmalige Situation. 23 von tausend Männern haben darüber hinaus körperliche Übergriffe durch die Ex-Partnerin in den letzten drei Jahren erlebt, was etwa der Hälfte der Betroffenheit durch Ex-Partner bei den Frauen entspricht. Beide Geschlechter haben hier überwiegend mehrmalige Handlungen angegeben. Über die Schwere der Gewalt ist dadurch noch nichts ausgesagt. Körperliche Gewalt durch den Ex-Partner und den derzeitigen Partner haben Frauen in den letzten drei Jahren primär im Alter zwischen einundzwanzig und vierzig Jahren erlebt. Neunzehn der 31- bis 40-jährigen Frauen haben in den letzten drei Jahren körperliche Gewalt durch den Ex-Partner erlebt, gegenüber acht der 41- bis 50-jährigen Frauen. Männer zwischen sechzehn und vierzig Jahren berichten hauptsächlich über körperliche Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren. Tabelle 17: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – körperliche Gewalt Tabelle 17: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – körperliche Gewalt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit körperlicher Gewalterfahrung innerhalb der letzten drei Jahre.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit körperlichen Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre.

Tabelle 18: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – körperliche Gewalt Frauen

139

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit körperlichen Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre.

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt andrei Frauen und Häufigkeit Männernund Alter – körperliche Tabelle 18: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten Jahre nach Gewalt Frauen Tabelle 18: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – körperliche Gewalt Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Frauen mit körperlicher Gewalterfahrung innerhalb der letzten drei Jahre.Tabelle 19: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter

– körperliche

Gewalt Männer Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Frauen mit körperlichen Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre. Tabelle 19: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – körperliche Gewalt Männer

120

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Männer mit körperlicher Gewalterfahrung innerhalb der letzten drei Jahre.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Männer mit körperlichen Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre.

140

5 – Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre

5.2.3 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei sexueller Belästigung Sexuelle Belästigung erleben Frauen und Männer am häufigsten durch unbekannte oder entfernt bekannte Personen des jeweils anderen Geschlechtes, Frauen allerdings durchaus häufiger als Männer. So erlebten 152 von tausend Frauen in Österreich sexuelle Belästigungen in den letzten drei Jahren durch männliche unbekannte Personen, gegenüber fünfzehn von tausend Männern in Österreich durch weibliche unbekannte Personen. Am zweithäufigsten werden bekannte Personen, die nicht zur Familie, zum Freundes- oder Bekanntenkreis gehören, genannt (einundneunzig von tausend Frauen und elf von tausend Männern). Frauen erlebten sexuelle Belästigung auch stärker in der Partnerschaft als Männer. So befindet sich der Ex-Partner auf Platz 4 und der derzeitige Partner auf Platz 6 der zehn häufigsten Täter/innen. Bei Männern ist die derzeitige Partnerin bzw. der derzeitige Partner nicht unter den häufigsten Tätern/innen vertreten. Sexuelle Belästigung erleben Frauen und Männer auch durch das eigene Geschlecht. So ist bei Männer auf Platz 3 der zehn häufigsten Täter/innen die männliche unbekannte Person, die in den letzten drei Jahren sexuelle Belästigungen ausgeübt hat, und bei Frauen die Freundin bzw. Bekannte auf Platz 7. Das heißt, acht von tausend Frauen in Österreich erfahren sexuelle Belästigung durch eine Freundin bzw. Bekannte und sieben von tausend Männern durch eine männliche unbekannte Person. Weibliche unbekannte Personen wurden von den Männern, aber nicht von den Frauen als sexuell belästigende Personen genannt. Frauen im Alter zwischen einundzwanzig und vierzig Jahren berichten am häufigsten von sexueller Belästigung durch männliche unbekannte bzw. männliche bekannte Personen. So schildern z. B. 83 der 21- bis 30-jährigen Frauen in den letzten drei Jahren eine sexuelle Belästigung durch eine männliche unbekannte Person, gegenüber 23 der 51- bis 60-jährigen Frauen.

141

Belästigung durch männlich unbekannte, bzw. männlich bekannte Personen. So schildern z.B. 83 der 21 – 30-jährigen Frauen in den letzten drei Jahren eine sexuelle Belästigung durch eine männlich unbekannte Person, gegenüber 23 der 51 – 60-jährigen Frauen. Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Tabelle 20: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – sexuelle Belästigung Tabelle 20: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – sexuelle Belästigung

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrung sexueller Belästigung innerhalb der letzten Tabelle 21: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle drei Jahre. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mitdrei Erfahrung sexueller Belästigung innerhalb der letzten

Belästigung drei Jahre. Frauen

122

Tabelle 21: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Belästigung Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Frauen mit Erfahrung sexueller Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Frauen mit Erfahrung sexueller Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre. Tabelle 22: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Belästigung Männer 142

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Frauen mit Erfahrung sexueller Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre.

5Tabelle – Gewalthandlungen und innerhalb Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre 22: Häufigste Täter/innen der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Belästigung Männer Tabelle 22: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Belästigung Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Männer mit Erfahrung sexueller Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Männer mit Erfahrung sexueller Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre.

5.2.4 Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre bei sexueller Gewalt Sexuelle Gewalt haben Frauen in den letzten drei Jahren am häufigsten durch männliche 123 und Bekanntenkreis gehören, und bekannte Personen, die nicht zur Familie, zum Freundesam zweithäufigsten durch männliche unbekannte Personen erlebt. Konkret: 29 von tausend Frauen in Österreich haben sexuelle Gewalt in den letzten drei Jahren durch männliche bekannte Personen erlebt und 25 von tausend Frauen durch männlich unbekannte Personen. Frauen erleben sexuelle Gewalt auch in der Partnerschaft. So liegt der Ex-Partner auf Rang 4 und der derzeitige Partner auf Rang 5 der zehn häufigsten Personen, durch die sexuelle Gewalt verübt wurde. Das heißt, 22 von tausend Frauen in Österreich haben durch den Ex-Partner in den letzten drei Jahren sexuelle Gewalt erfahren und 16 von tausend Frauen durch den derzeitigen Partner. Auch Frauen werden von Frauen als Täterinnen angegeben, wenn auch in deutlich geringerem Ausmaß als Männer. In der Studie gaben zwei Frauen an, in den letzten drei Jahren sexuelle Gewalt durch ihre derzeitige Partnerin erlebt zu haben (1,3 % der befragten Frauen leben derzeit in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, siehe Kapitel 10.1). Frauen wurden in einigen Fällen sexueller Gewalt auch in Bezug auf Freundinnen, Bekannte und Nachbarinnen genannt. Bei sexueller Gewalt durch Freunde bzw. Bekannte und durch die männlichen unbekannten bzw. bekannten Personen handelt es sich primär um einmalig ausgeübte sexuelle Handlungen. Ganz anders stellen sich die sexuellen Gewalterfahrungen der Frauen in der Partnerschaft dar. Sexuelle Gewalt durch den Ex-Partner haben die Frauen in den letzten drei

143

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Jahren am häufigsten mehr als zehnmal erlebt, und über die Hälfte der Frauen erlebte die sexuelle Gewalt durch den derzeitigen Partner zumindest zwei- bis dreimal. Männer erfuhren in diesem Zeitraum sexuelle Gewalt primär durch Frauen, meist handelte es sich dabei um eine Freundin oder eine Bekannte (zehn von tausend Männern). Am zweithäufigsten war die Täterin eine unbekannte Person (neun von tauend Männern). Die Nachbarin erlebten sechs von tausend als Täterin, die derzeitige Partnerin drei von tausend Männern. Innergeschlechtliche sexuelle Gewalt (Mann – Mann/Frau – Frau) erleben Männer seltener als Frauen. Nur der „männlichen Bekannte” findet sich bei Männern unter den häufigsten Tätern (vier von tausend Männern nennen ihn). Tabelle 23: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – sexuelle Gewalt

Frauen



Männer


Täter/in


(n=1042)
 Fälle
der
letzten
3
Jahre
 (n)


Täter/in
 10
häufigste
–
sexuelle
Gewalt


10
häufigste
–
sexuelle
Gewalt
 Erhebung


Erhebung


auf
1.000
 Personen


1


Männliche
bekannte
Person,
 die
nicht
zur
Familie,
zum
 Freundes‐
und
Bekanntenkreis
 gehört


37


29


2


Männliche
unbekannte
Person


32


25


3


Freund
/
Bekannter


30


23


4


Ex‐Partner


28


22


5


LerzeiMger
Partner


21


16


6


Nachbar


4


3


auf
1.000
 Personen


1


Freundin
/
Bekannte


10


10


2


Weibliche
unbekannte
Person


9


9


3


Weibliche
bekannte
Person


7


7


4


Nachbarin


6


6


(n=1292)
 Fälle
der
letzten
3
Jahre
 (n)


5


Männliche
bekannte
Person


4


4


7


Weibliche
unbekannte
Person


3


2


6


LerzeiMge
Partnerin


3


3


7


Freundin
/
Bekannte


3


2


8


LerzeiMge
Partnerin


2


2


8


Nachbarin


2


2


8


Weibliche
bekannte
Person,

 die
nicht
zur
Familie,
zum
 Freundes‐
und
Bekanntenkreis
 gehört


2


2


Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit sexueller Gewalterfahrung innerhalb der letzten drei Jahre.

144

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrung sexueller Gewalt innerhalb der letzten drei Jahre.

5 – Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre Tabelle 24: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Gewalt Frauen Tabelle 24: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Gewalt Frauen

25: Häufigste Täter/innen letztenGewalterfahrung drei Jahre nach Häufigkeit und Alter Quelle:Tabelle ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alleinnerhalb Frauen mitder sexueller innerhalb der letzten drei Jahre. Gewalt Männer

– sexuelle

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Frauen mit Erfahrung sexueller Gewalt innerhalb der letzten drei Jahre. Tabelle 25: Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Gewalt Männer

126

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Männer mit sexueller Gewalterfahrung innerhalb der letzten drei Jahre.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Männer mit Erfahrung sexueller Gewalt innerhalb der letzten dre Weitere Angaben zum Geschlecht der Täter/innen hinsichtlich aller im bisherigen Leben Jahre. gemachten Gewalterfahrungen sind in Kapitel 7.2 beschrieben.

Weiter Angaben zum Geschlecht der Täter/innen auf alle im bisherigen Leben gemachten Gewalterfahrungen sind im Kapitel 7.2. beschrieben. 145

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

5.3 Zusammenfassung: Gewalt innerhalb der letzten drei Jahre Psychische und sexualisierte Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren schildern Frauen deutlich häufiger als Männer. Körperliche Übergriffe haben Frauen und Männer nach eigenen Angaben gleich häufig erlebt, psychische Übergriffe sind hingegen jene Gewaltform, die von allen Befragten auch in diesem Zeitraum am häufigsten erfahren worden sind. Jede zehnte Frau berichtet von sexuellen Gewalterfahrungen. Eine Betrachtung der Gewalterfahrungen, sortiert nach Altersgruppen, zeigt, dass Frauen und Männer bis zum Alter von vierzig Jahren besonders häufig betroffen sind. Gewalt als Erfahrung, die überwiegend in der ersten Lebenshälfte erlebt wird, wurde bereits in zahlreichen anderen Gewaltprävalenzstudien aufgezeigt und durch die vorliegende Studie ebenfalls bestätigt. Bei beiden Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher linearer Abfall der Gewalterfahrungen mit zunehmendem Lebensalter. Wie an anderer Stelle dieser Studie gezeigt wurde, erleben Frauen und Männer die psychische und körperliche Gewalt, über das gesamte bisherige Leben betrachtet, überwiegend durch männliche Täter, die sexualisierten Gewaltformen hingegen stärker durch das jeweils andere Geschlecht. In Bezug auf Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren wurde den Befragten eine ausführliche Täter/innen-Liste vorgelegt, die auf den familialen und sozial nahen Raum fokussiert. Psychische Gewalt haben Frauen in den letzten drei Jahren primär durch den Ex-Partner, durch weibliche und männliche bekannte Personen sowie durch Freundinnen bzw. Freunde erlebt. Der derzeitige Partner rangiert bei Frauen als Täter von psychischen Übergriffen weiter hinten. Männer erlebten psychische Gewalt hauptsächlich durch männliche bekannte und unbekannte Personen sowie durch Freunde, Bekannte und die Ex-Partnerin. Körperliche Gewalt erlebten Frauen in den letzten drei Jahren hauptsächlich in der Partnerschaft – durch den Ex-Partner oder durch den derzeitigen Partner. Neben der Partnerschaft ist die Familie ein weiterer zentraler Ort, an dem Frauen mit körperlichen Übergriffen durch die eigene Mutter und den eigenen Vater konfrontiert worden sind. Im Gegensatz dazu erlebten Männer körperliche Gewalt primär durch männliche nicht bekannte bzw. durch männliche bekannte Personen, die nicht zur Familie oder zum Freundes- und Bekanntenkreis gehörten, also eher durch Personen, die nicht zum engen sozialen Umfeld zählten. Die Ex-Partnerin nimmt Platz vier der zehn häufigsten Täter/innen ein. Sexuelle Belästigung erlebten Frauen und Männer in den letzten drei Jahren am häufigsten durch unbekannte oder entfernt bekannte Personen des jeweils anderen Geschlechts. Die Partnerschaft als Ort, an dem es auch zur sexuellen Belästigung kommt, spielt bei Frauen eine stärkere Rolle. So sind bei ihnen der Ex-Partner und der derzeitige Partner unter den zehn häufigsten Tätern/Täterinnen von sexueller Belästigung vertreten, bei Männern nicht. Durch männliche bekannte Personen, die nicht zur Familie oder zum Freundes- und Bekanntenkreis gehören, und durch männliche unbekannte Personen haben Frauen in den

146

5 – Gewalthandlungen und Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre

letzten drei Jahren sexuelle Gewalt am häufigsten erfahren. Diese sexuellen Gewalterlebnisse waren einmalig ausgeübte Handlungen, im Gegensatz zu jenen in der Partnerschaft: Hier schilderten Frauen, sexuelle Gewalterlebnisse am häufigsten durch den Ex-Partner mehr als zehn Mal in den letzten drei Jahren erlitten zu haben. Männer erlebten sexuelle Gewalt in den letzten drei Jahren am häufigsten durch Freundinnen oder durch eine Bekannte. Am zweithäufigsten war die Täterin eine unbekannte Person. Innergeschlechtliche sexuelle Gewalt (Mann – Mann/Frau – Frau) erlebten Männer seltener als Frauen. Einschränkend ist festzuhalten, dass Übergriffe durch den derzeitigen Partner bzw. die derzeitige Partnerin stärker tabuisiert sind als Gewalt durch den Ex-Partner/die Ex-Partnerin und somit das Dunkelfeld in Bezug auf die derzeitige Partnerin/den derzeitigen Partner deutlich höher liegen dürfte.

147

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

6 Folgen der Gewalthandlungen Im Rahmen der Prävalenzstudie wurden die Folgen der Gewalthandlungen in unterschiedlichen Dimensionen erfasst. Für alle Gewaltformen wurden psychische Folgen (21 Items) und längerfristige psycho-soziale Folgen (acht Items, bei psychischer Gewalt zehn Items) erfasst. Bei körperlicher und sexueller Gewalt wurden zusätzlich noch körperliche Verletzungsfolgen (zwölf Items) der jeweiligen Gewalthandlungen abgefragt. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Auswirkungen je nach Gewaltform dargestellt und beschrieben. Einleitend soll zuerst ein Überblick über die unterschiedlichen Folgen (psychische, körperliche oder längerfristige) bzw. deren unterschiedliche Kombinationen gegeben werden. Grundsätzlich zeigt sich, dass Gewalterfahrungen in den meisten Gewaltformen Folgen, ja sogar eine Kombination unterschiedlicher Folgen, nach sich ziehen. Die wenigsten Folgen werden bei der sexuellen Belästigung beschrieben – rund die Hälfte der Frauen (44,5 %) und der Männer (57,5 %) schildern bei dieser Gewaltform keine Folgen. Psychische und sexuelle Gewalt bleibt dagegen so gut wie nie folgenlos. Der Blick auf die folgenden beiden Grafiken zeigt, dass – außer bei der sexuellen Belästigung – in allen Gewaltformen die Kombinationen von Folgen unterschiedlicher Art dominieren. So schildern drei Viertel der Männer (73,4 %) und 82,0 % der Frauen bei psychischer Gewalt eine Kombination von zumindest einer psychischen und einer psychosozialen langfristigen Folge; bei der körperlichen Gewalt berichten 41,3 % der Frauen als Auswirkung der erlebten Übergriffe eine Kombination von zumindest je einer psychischen, einer körperlichen und einer psychosozialen längerfristigen Folge.

148

dominieren in allen Gewaltformen die Kombinationen von zumindest einer Folge pro unterschiedliche Art der Folgen, die abgefragt wurden. Z.B. schildern drei Viertel der Männer (73,4%) und 82,0% der Frauen bei psychischer Gewalt eine Kombination von zumindest einer psychischen und zumindest einer psychosozialen Folge. Bei der 6 – Folgen derlangfristigen Gewalthandlungen körperlichen Gewalt schildern 41,3% der Frauen als Auswirkung der erlebten Übergriffe eine Kombination von zumindest einer psychischen, zumindest einer körperlichen und zumindest einer psychosozialen längerfristigen Abbildung 51: Überblick über FolgenFolge. bei psychischer Gewalt und sexueller Belästigung

Abbildung 51: Überblick über Folgen bei psychischer Gewalt und sexueller Belästigung

ÖIF Prävalenzstudie 2011. alle Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

130 Abbildung 52: Überblick über die Kombination von Folgen bei körperlicher und sexueller Gewalt Abbildung 52: Überblick über die Kombination von Folgen bei körperlicher und sexueller Gewalt

Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten Befragtenmit mit Erfahrungen Erfahrungen in in der der jeweiligen jeweiligen Gewaltform. Quelle: Gewaltform.

6.1

Psychische Folgen nach Gewaltform

149

Psychische Folgen schildern die befragten Personen besonders häufig nach psychischen

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

6.1 Psychische Folgen nach Gewaltform Psychische Folgen schildern die befragten Personen besonders häufig nach psychischen Übergriffen. Neun von zehn Frauen (87,8 %) und acht von zehn Männern (79,1 %) nennen zumindest eine psychische bzw. gesundheitliche Beschwerde. Bei sexueller Belästigung berichten die Hälfte der Frauen (52,7 %) und ein gutes Drittel der Männer (38,1 %) von psychischen Folgen.

Abbildung 53: Überblick über psychische Folgen nach Gewaltform Abbildung 53: Überblick psychische Folgen, nach Gewaltform

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle mit in Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Befragten Erfahrungen der jeweiligen Gewaltform.

In Bezug auf die Komplexität der geschilderten psychischen Folgen auf die unterschiedlichen In Bezug auf die Komplexität der geschilderten psychischen Folgen unterschiedlichen erlebten Gewaltformen zeigt sich grundsätzlich, dass nach Frauen und Männer primär eine Kombinationzeigt von sich unterschiedlichen Folgen berichten. einer erlebten Gewaltformen grundsätzlich, psychischen dass Frauen und Männer primär Die eineNennungen Komeinzelnen Folge schwanken je nach Gewaltform und Geschlecht zwischen jedem/jeder bination von unterschiedlichen psychischen Folgen berichten. Die Nennungen einer einzelzehnten bzw. Befragten. und Geschlecht zwischen jedem/jeder zehnten nen Folge schwanken je fünften nach Gewaltform bzw. fünften Befragten.

Auffallend ist, dass Frauen deutlich komplexere psychische Folgen schildern. So nennt mehr

Auffallend ist, dassdritte Frauen psychische Folgenzumindest schildern.sechs So nennt als jede Fraudeutlich (36,3%)komplexere nach psychischen Übergriffen unterschiedliche mehr als jede drittegegenüber Frau (36,3 %) psychischen Übergriffen zumindest sechs unterFolgen, jedemnach fünften Mann (21,0%). Bei sexueller Gewalt nennt mehr als jede schiedliche fünfte Folgen, gegenüber jedem fünften Mann (21,0 %). Bei sexueller Folgen, Gewalt bei nennt Frau (22,6%) zumindest sechs unterschiedliche psychische Männern sind mehr als jede fünfte Frau (22,6 %) zumindest sechs unterschiedliche psychische Folgen, es 4,3%. bei Männern sind es 4,3 %.

150

6 – Folgen der Gewalthandlungen

Abbildung 54: Komplexitätsgrad der psychischen Folgen Abbildung 54: Komplexitätsgrad der psychischen Folgen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Bei den am häufigsten geäußerten psychischen Folgen nach Gewalthandlungen zeigen sich In Bezug auf die am häufigsten geäußerten psychischen Folgen nach Gewalthandlungen interessante Platz 1 nimmt bei 1Männern Frauengenannten das „Grüzeigen sich Geschlechterunterschiede. interessante Geschlechterunterschiede. Platz der am und häufigsten beln über die Folgen Situation” ein.Männern Beide Geschlechter diese Folge in jeder Gewaltform psychischen ist bei und Frauen nennen das „Grübeln über die Situation“. Beide am häufigsten, Frauen aber deutlich öfter als Männer. Die zweithäufigste psychische Folge Geschlechter nennen diese Folge in jeder Gewaltform am häufigsten, Frauen aber deutlich von Gewalterfahrungen ist bei den Frauen durch Folge eine eher sich selbst gerichtete öfter als Männer. Die zweithäufigste psychische auf auf Gewalterfahrungen ist bei psyden chische besetzt, nämlich „angeschlagene Selbstwertgefühl, Gefühlbesetzt, von ErniedriFrauenFolge durch eine eher aufdas sich selbst gerichtete psychische Folge dass gung”. Männer schildern an zweiter Gefühl Stelle der Folgen „Ärger oder Rachegefüh„angeschlagene Selbstwertgefühl, vonpsychischen Erniedrigung“. Männer schildern an zweiter Stelle derbei psychischen Folgen den dort „Ärger oder Rachegefühle“, außer bei der sexuellen le”, außer der sexuellen Gewalt; überwiegen die Scham- und Schuldgefühle.

Gewalt; dort überwiegen die Scham- und Schuldgefühle.

Unter den fünf häufigsten Nennungen der psychischen Folgen finden sich bei Frauen und Männern jeweils Probleme mit dem anderen Geschlecht,Folgen also bei Frauen im UmUnter den fünf häufigsten Nennungen der psychischen finden sichProbleme bei Frauen und gang mit Männern und bei Männern Probleme im Umgang mit Frauen (siehe Abbildung 55 Männern jeweils Probleme mit dem anderen Geschlecht, also bei Frauen Probleme im und Abbildung 56). Umgang mit Männern und bei Männern Probleme im Umgang mit Frauen (siehe Abbildung

55 und Abbildung 56).

Neben den zwanzig (im Fragebogen angebotenen) Folgen bestand noch die Möglichkeit, weitere psychische Folgen im Rahmen einer Folgen offenen Antwortkategorie zu nennen. Nur Neben den 20 (im Fragebogen angebotenen) bestand noch die Möglichkeit, weitere wenige der Befragten davon gemacht. Bei den handelt es sich psychische Folgen im haben Rahmen einerGebrauch offenen Antwortkategorie zu Angaben nennen. Nur wenige der ausschließlich um Einzelnennungen, welche oft die bereits vorgegebenen Kategorien noch Befragten haben davon Gebrauch gemacht. Bei den Angaben handelt es sich ausschließlich etwas stärker eingrenzen, „Angst vorgegebenen auszugehen” oder „leichternoch Ärger”. Es wurden um Einzelnennungen, die wie oft z. B. die bereits Kategorien etwas stärker aber auch einzelne weitere Folgen geschildertoder wie z. B. „Burn-out”, der auch Haut eingrenzen, wie z.B. "Angst auszugehen" "leichter Ärger". „Probleme Es wurdenmit aber einzelne„Hörsturz” weitere Folgen geschildert, "Probleme mit derzuHaut (Akne)", (Akne)”, oder auch Gefühlewie wiez.B. z. B."Burn-Out", „ausgegrenzt sein”, „alleine sein”, „Ohn"Hörsturz" oder auch Gefühle, wie z.B. "ausgegrenzt Sein", "alleine zu sein", "Ohnmacht". macht”.

Zur detaillierten Auseinandersetzung mit den einzeln genannten psychischen Folgen unterschieden nach Geschlecht und Gewaltform siehe Tabellen 12 – 28 im Anhang. 133

151

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 55: Häufigste psychischen Folgen – Frauen Abbildung 55: Häufigste psychischen Folgen – Frauen

Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten Befragtenmit mit Erfahrungen Erfahrungen in in der der jeweiligen jeweiligen Gewaltform. Quelle: Gewaltform.

152

134

6 – Folgen der Gewalthandlungen

Abbildung 56: Häufigste psychische Folgen – Männer Abbildung 56: Häufigste psychische Folgen – Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Autoaggressive werden vonvon einem geringen Teil der Autoaggressive Folgen Folgender derGewalthandlungen Gewalthandlungen werden einem geringen Teil Beder fragten geschildert. Da allerdings Suizidgedanken und Selbstverletzungen für die psychoBefragten geschildert. Da allerdings für die psycho-sozial Unterstützung von Gewaltopfern soziale Unterstützung Gewaltopfern ein zentraler Aspekt Aspekt sind, werden diese beiden Suizidgedanken und von Selbstverletzungen doch ein zentraler sind, werden diese Folgen dargestellt. beidengesondert Folgen gesondert dargestellt. Vor allem psychische und körperliche Gewalterfahrungen führen bei jeder zehnten Frau zu Vor allem psychische und körperliche Gewalterfahrungen führen bei jeder zehnten Frau zu Selbstmordgedanken (11,4 %). Männer schildern mit 7,7 % bei der psychischen Gewalt Selbstmordgedanken (11,4%). Männer schildern mit 7,7% bei der psychischen Gewalt eine eine etwas geringere Betroffenheit von dieser spezifischen psychischen Folge. zwanetwas geringere Betroffenheit durch diese spezifische psychische Folge. JedeJede zwanzigste zigste Frau (5,3 %) schildert als Folge von psychischen Übergriffen auch autoaggressives Frau (5,3%) schildert als Folge von psychischen Übergriffen auch autoaggressives Verhalten Verhalten in Form von Selbstverletzung. in Form von Selbstverletzung.

153

135

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 57: Autoaggressive psychische Folgen nach Gewaltform Abbildung 57: Autoaggressive psychische Folgen, nach Gewaltform

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

154

136

6 – Folgen der Gewalthandlungen

6.2 Körperliche Folgen nach Gewaltform Körperliche Verletzungsfolgen wurden sowohl bei körperlicher als auch bei sexueller Ge6.2 Körperliche Folgen, nach Gewaltform walt abgefragt. Verletzungsfolgen werden deutlich häufiger als eine Folge der körperlichen Gewaltanwendung genannt. Nahezu zwei wurden Drittel der Frauen Männer als mitauch Erfahrungen Körperliche Verletzungsfolgen sowohl bei und körperlicher bei sexueller Gewalt von körperlichen Übergriffen schildern entsprechende Verletzungsfolgen. Nach sexuellen abgefragt. Verletzungsfolgen werden deutlich häufiger als eine Folge der körperlichen Gewalterfahrungen schildern deutlich mehr Frauen Verletzungsfolgen (38,5 %) als Männer Gewaltanwendung genannt. Nahezu zwei Drittel der Frauen und Männer mit Erfahrungen (19,4 %). von körperlichen Übergriffen schildern körperliche Verletzungsfolgen. Nach sexuellen

Gewalterfahrungen schildern deutlich mehr Frauen Verletzungsfolgen (38,5%) als Männer Abbildung(19,4%). 58: Überblick über körperliche Folgen nach Gewaltform Abbildung 58: Überblick über körperliche Folgen nach Gewaltform

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: mit alle Erfahrungen Befragten mitinErfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Bei den körperlichen zeigt sich in Bezug die Komplexität derdie geschilBei den Verletzungsfolgen körperlichen Verletzungsfolgen zeigtaufsich in Bezug auf Komplexität der derten körperlichen Folgen ein ähnlicher Trend wie bei den psychischen: Primär wird von geschilderten körperlichen Folgen ein ähnlicher Trend wie bei den psychischen Folgen: Frauen und Männern eine Kombination unterschiedlicher Verletzungen Primär werden von Frauen und Männern eine beschrieben. Kombination unterschiedlicher

Verletzungsfolgen beschrieben. Allerdings gibt es keinen so starken geschlechterspezifischen Unterschied wie bei den psychischen Folgen. Frauen und Männer schildern eine ähnliche Komplexität und weichen Allerdings gibt es keinen so starken geschlechterspezifischen Unterschied wie bei den minimal voneinander ab. Verletzungsfolgen nach sexueller Gewalt zeigen allerdings einen psychischen Folgen. Frauen und Männer schildern als Verletzungsfolgen von körperlicher Unterschied Gewalt zwischen Männern und Frauen: Frauen schildern häufiger eine einzige körpereine ähnliche Komplexität und weichen minimal voneinander ab. Verletzungsfolgen liche Verletzungsfolge, allerdings auch stärker vier bis fünf verschiedene. nach sexueller Gewalt zeigen allerdings einen Unterschied zwischen Frauen und Männern: Frauen schildern häufiger eine einzige körperliche Verletzungsfolge, allerdings auch stärker vier bis fünf verschiedene.

155

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 59: Komplexitätsgrad der körperlichen Folgen Abbildung 59: Komplexitätsgrad der körperlichen Folgen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: 2011. alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in derGewaltform. jeweiligen Gewaltform.

Rund die Hälfte der Frauen und die Hälfte der Männer schildern als primäre Verletzungsfolge

Etwa die Hälfte der Frauen und die Hälfte der Männer schildern als primäre Verletzungsbei körperlichen Gewaltanwendungen blaue Flecken bzw. Prellungen oder Hämatome sowie folge bei körperlichen Gewaltanwendungen blaue Flecken bzw. Prellungen oder Hämatome Schmerzen. Jeder vierte Mann gibt als Verletzungsfolge der körperlichen Gewaltanwendung sowie Schmerzen. Jeder vierte Mann gibt als Verletzungsfolge der körperlichen Gewaltanoffene Wunden und Kopfverletzungen bzw. Verletzungen im Gesichtsbereich an. wendung offene Wunden und Kopfverletzungen bzw. Verletzungen im Gesichtsbereich an.

Bei Gewalt sexueller Gewalt nenntFraurund jedeblauefünfte Frau ebenfalls blaue Bei sexueller nennt etwa jede fünfte ebenfalls Flecken/Prellungen/HäFlecken/Prellungen/Hämatome, aber auch Bauchbzw. Magenschmerzen sowie Schmerzen matome, aber auch Bauch- bzw. Magenschmerzen sowie Schmerzen allgemein. Männer allgemein. Männer geben diesedeutlich Verletzungsfolgen einem deutlich Ausmaß bei geben diese Verletzungsfolgen in einem geringereninAusmaß bei der geringeren erlebten seder erlebten sexuellen Gewalt an. xuellen Gewalt an. derberichten Frauen nennen eine Fehlgeburt Folge der erfahrenen körperlichen oder 5,8  % der5,8% Frauen von einer Fehlgeburt als als Folge der erfahrenen körperlichen sexuellen Gewalt. oder sexuellen Gewalt.

156

138

6 – Folgen der Gewalthandlungen

Abbildung 60: Körperliche Verletzungsfolgen nach Geschlecht (1) Abbildung 60: Körperliche Verletzungsfolgen nach Geschlecht (1) Abbildung 60: Körperliche Verletzungsfolgen nach Geschlecht (1)

körperliche Gewalt sexuelle Gewalt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. 61: Körperliche Verletzungsfolgen nach Geschlecht (2) AbbildungAbbildung 61: Körperliche Verletzungsfolgen nach Geschlecht (2) Abbildung 61: Körperliche Verletzungsfolgen nach Geschlecht (2)

körperliche Gewalt sexuelle Gewalt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

139 139

157

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Blaue Flecken/Prellungen/Hämatome sowie allgemeine Schmerzen wurden von mehr als jeder vierten Frau und jedem vierten Mann bereits mehrmals als Verletzungsfolgen körperlicher Gewalt erlebt. Zusätzlich geben rund jede fünfte Frau und jeder fünfte Mann an, diese Verletzungsfolgen seit ihrem 16. Lebensjahr bereits einmal erlebt zu haben. Als häufigste Verletzungsfolge der sexuellen Gewalt schildern rund 15 % der Frauen, sowohl Bauch- und Magenschmerzen sowie allgemeine Schmerzen mehrmals erlebt zu haben. Körperliche Verletzungsfolgen durch sexuelle Gewalt schildern Männer deutlich weniger häufig: 8,7 % der Männer nennen allgemeine Schmerzen als die häufigste Verletzungsfolge sexueller Gewalt, die sie bereits mehrmals erlebt haben. Eine altersspezifische Betrachtung zeigt einen Anstieg körperlicher Gewalterfahrungen mit dem Lebensalter bei Männern und Frauen. Bei sexuellen Gewalterfahrungen gilt dies auch für Frauen, bei Männern sticht besonders die Gruppe der 16- bis 20-Jährigen hervor, die am öftesten körperliche Verletzungsfolgen schildern. Allerdings sind diese Ergebnisse nur bedingt interpretierbar, da es sich um eine äußerst kleine Gruppe von Männern (n = 8) handelt.

158

sexuelle Gewalt körperliche Gewalt nbrüche einmal 1,0% 2,3% mehrmals 1,0% 1,2% chungen, einmal Zerrungen, Muskelfaserris-se 4,3% 6,1% mehrmals 3,0% 7,8% bzw. Magenschmer-zen einmal 6,8% 5,5% mehrmals 15,0% 16,4% ngen im einmal genitalen Bereich 8,0% 1,4% mehrmals 5,0% 2,1% Wunden, einmal z. B. Schnitt-wunden,4,3% Haut-abschürfungen, 8,4% Verbrennungen mehrmals 2,0% 5,2% ecken einmal / Prellungen / Hämatome 12,2% 24,8% Männer mehrmals 10,0% 28,0%

6,8%
 2,9%


einmal


andere
Verletzungen
 inn

einmal 1,3% 2,4% mehrmals 1,0% 1,0% erletzungen einmal 1,0% 0,7% mehrmals 1,3% 1,1% zen einmal 8,8% 19,3% mehrmals 14,9% 27,3% rschüt-terung einmal 1,0% 3,0% mehrmals 1,3% 2,3% etzun-gen einmal / Verletzungen im Gesichtsbereich 2,3% 8,4% mehrmals 2,7% 4,7%

Verst Ze Knochenbrüche

 Musk

urt

2,0%
 1,5%


mehrmals


3,9%
 1,5%


einmal


1,5%


6 – Folgen der Gewalthandlungen

0%


20%


40%


körperliche
Gewalt


60%


80%


4,3%


mehrmals


2,4%


einmal


100%
 0%


sexuelle
Gewalt


Abbildung 62: Körperliche Verletzungsfolgen nach Häufigkeit – Frauen (1) Kopfverletzun‐ gen
/
 Verletzungen
im
 Gesichtsbereich


28,0%


mehrmals


10,0%
 Männer 2 24,8%


einmal


12,2%


Gehirnerschüt‐ terung


5,4%
 5,2%
 2,9%
 2,0%


mehrmals
 mehrmals


13,7%
 8,4%


einmal
 einmal


1,5%
 4,3%


Schmerzen


2,1%
 2,4%
 5,0%


mehrmals
 mehrmals


1,4%
 4,4%
 8,0%
 1,5%


einmal
 einmal
 mehrmals
 mehrmals


16,4%
 15,0%


innere
 Verletzungen


1,5%


27,3%


8,7%
 5,5%
 6,8%


einmal
 einmal
 mehrmals


1,4%


mehrmals
 einmal


6,1%
 4,3%


körperliche Gewalt sexuelle Gewalt

1,2%
 1,4%


mehrmals
 einmal


Fehlgeburt


4,3%
 7,8%
 3,0%


1,0%
 1,5%
 2,3%
 4,3%
 1,0%
 2,4%


einmal
 mehrmals


0%


20%


40%


körperliche
Gewalt


einmal


60%


80%


80%


100%
 0%


uelle
Gewalt


20%


40%


60%


80%


100%


Abbildung 63: Körperliche Verletzungsfolgen nach Häufigkeit – Frauen (2) Frauen 2

andere
 Verletzungen


Fehlgeburt


innere
 Verletzungen


Schmerzen


Gehirnerschüt‐ terung


Kopfverletzun‐ gen
/
 Verletzungen
im
 Gesichtsbereich


Frauen

60%


e
Gewalt


80%


100%


8,4

einmal


2,3%
 2,3%
 1,3%


mehrmals


3,0%
 1,0%


einmal


mehrmals


einmal


8,8

mehrmals


1,1%
 1,3%


einmal


0,7%
 1,0%


mehrmals


1,0%
 1,0%


4,7%
 2,7%


mehrmals


8,4%


einmal


2,3%
 2,3%
 1,3%


mehrmals


3,0%
 1,0%


einmal


27,3%


mehrmals


14,9%
 19,3%


einmal


8,8%


mehrmals


1,1%
 1,3%


einmal


0,7%
 1,0%


mehrmals


1,0%
 1,0%
 2,4%
 1,3%


einmal


körperliche Gewalt sexuelle Gewalt

4,6%
 3,1%


mehrmals


1,8%
 1,0%


einmal
 0%


20%


40%


körperliche
Gewalt


60%


80%


2,4%
 1,3%


einmal


4,6%
 3,1%


mehrmals


1,8%
 1,0%


einmal
 0%


100%


sexuelle
Gewalt


Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. 60%


4,7%
 2,7%


mehrmals


20,9%


andere
 Verletzungen


Verstauchungen,
 Bauch‐
bzw.
 Zerrungen,
 Schmerzen
 Magenschmer‐ Verletzungen
im
 andere
Verletzungen
 innere
Verletzungen
 Gehirnerschüt‐terung
 genitalen
Bereich
 Knochenbrüche

 Muskelfaserris‐se
 zen


offene
Wunden,
 z.
B.
SchniM‐ Kopfverletzun‐gen
/
 wunden,
Haut‐ Verletzungen
im
 blaue
Flecken
/
 Prellungen
/
 abschürfungen,
 Gesichtsbereich
 Hämatome
 Verbrennungen


Frauen 1

100%


sexuelle
Gewalt


Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

159

Kopfverletzun-gen einmal / Verletzungen im Gesichtsbereich 1,5% 13,7% mehrmals 2,9% 5,4%

Kopfverletzun-gen einmal / Verletzungen im Gesichtsbereich 2,3% 8,4% mehrmals 2,7% 4,7%

sexuelle Gewalt körperliche Gewalt Knochenbrüche einmal 1,5% 3,9% mehrmals 1,5% 2,0% Verstauchungen, einmal Zerrungen, Muskelfaserris-se 2,9% 6,8% mehrmals 2,8% 8,7% Bauch- bzw. Magenschmer-zen einmal 2,9% 8,2% mehrmals 5,7% 7,3% Verletzungen im einmal genitalen Bereich 5,9% 2,0% mehrmals 1,5% 0,8% offene Wunden, einmal z. B. Schnitt-wunden,5,9% Haut-abschürfungen, 12,8% Verbrennungen mehrmals 2,9% 9,5% blaue Flecken einmal / Prellungen / Hämatome 1,5% 23,6% mehrmals 4,4% 26,3%

sexuelle Gewalt körperliche Gewalt Knochenbrüche einmal 1,0% 2,3% mehrmals 1,0% 1,2% Verstauchungen, einmal Zerrungen, Muskelfaserris-se 4,3% 6,1% mehrmals 3,0% 7,8% Bauch- bzw. Magenschmer-zen einmal 6,8% 5,5% mehrmals 15,0% 16,4% Verletzungen im einmal genitalen Bereich 8,0% 1,4% mehrmals 5,0% 2,1% offene Wunden, einmal z. B. Schnitt-wunden,4,3% Haut-abschürfungen, 8,4% Verbrennungen mehrmals 2,0% 5,2% blaue Flecken einmal / Prellungen / Hämatome 12,2% 24,8% Männer mehrmals 10,0% 28,0%

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 64: Körperliche Verletzungsfolgen nach Häufigkeit – Männer (1)

sexuelle Gewalt körperliche Gewalt dere Verletzungen einmal 1,0% 1,8% mehrmals 3,1% 4,6% hlgeburt einmal 1,3% 2,4% mehrmals 1,0% 1,0% nere Verletzungen einmal 1,0% 0,7% mehrmals 1,3% 1,1% hmerzen einmal 8,8% 19,3% mehrmals 14,9% 27,3% ehirnerschüt-terung einmal 1,0% 3,0% mehrmals 1,3% 2,3% pfverletzun-gen einmal / Verletzungen im Gesichtsbereich 2,3% 8,4% mehrmals 2,7% 4,7%

4,4%
 23,6%


einmal


1,5%


2,9%
 12,8%


einmal


5,9%
 0,8%
 1,5%


mehrmals


7,3%
 5,7%


mehrmals


8,2%


einmal


2,9%
 8,7%


mehrmals


2,8%
 6,8%
 2,9%


einmal


körperliche Gewalt

2,0%
 1,5%


mehrmals


sexuelle Gewalt

3,9%
 1,5%


einmal
 0%


20%


40%


körperliche
Gewalt


60%


80%


2,9%


einmal


1,5%
 2,4%


mehrmals


1,5%
 4,4%


einmal


1,5%


mehrmals


Schmerzen


2,0%
 5,9%


einmal


5,4%


mehrmals


Gehirnerschüt‐terung


9,5%


mehrmals


sexuelle Gewalt körperliche Gewalt ochenbrüche einmal 1,0% 2,3% mehrmals 1,0% 1,2% rstauchungen, einmal Zerrungen, Muskelfaserris-se 4,3% 6,1% mehrmals 3,0% 7,8% uch- bzw. Magenschmer-zen einmal 6,8% 5,5% mehrmals 15,0% 16,4% rletzungen im einmal genitalen Bereich 8,0% 1,4% mehrmals 5,0% 2,1% ene Wunden, einmal z. B. Schnitt-wunden,4,3% Haut-abschürfungen, 8,4% Verbrennungen mehrmals 2,0% 5,2% aue Flecken einmal / Prellungen / Hämatome 12,2% 24,8% Männer mehrmals 10,0% 28,0%

Kopfverletzun‐gen
/
 Verletzungen
im
 Gesichtsbereich


26,3%


mehrmals


8,7%

einmal


andere
Verletzungen
 innere
Verletzungen


Frauen

offene
Wunden,
 z.
B.
SchniM‐ Verstauchungen,
 Bauch‐
bzw.
 wunden,
Haut‐ blaue
Flecken
/
 Zerrungen,
 Magenschmer‐ Verletzungen
im
 abschürfungen,
 Prellungen
/
 genitalen
Bereich
 Verbrennungen
 Knochenbrüche

 Muskelfaserris‐se
 zen
 Hämatome


Männer 1

4,3%
 1,4%


mehrmals


1,4%


einmal


1,5%
 4,3%


mehrmals


2,4%


einmal


100%
 0%


sexuelle
Gewalt


Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

60%


80%


28,0%


mehrmals


einmal
 mehrmals


10,0%


24,8%
 5,4%


12,2%


einmal


einmal


5,2%
 2,0%


Gehirnerschüt‐ terung


2,9%


mehrmals


13,7%


8,4%
 4,3%


1,5%


Schmerzen


2,1%
 5,0%


1,5%


4,4%


einmal


1,4%
 1,5%


8,0%
 16,4%
 8,7%
 15,0%


mehrmals
 mehrmals


einmal


einmal


5,5%
 6,8%


27,3%


innere
 Verletzungen


einmal


20,9%


einmal
 einmal


7,8%
 3,0%


Fehlgeburt


mehrmals


1,4%


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 4,3%
 1,4%
 1,5%


mehrmals


1,2%
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körperliche Gewalt

4,3%


mehrmals


einmal


2,3%
 2,4%
 1,0%


sexuelle Gewalt

einmal
 0%


20%


40%


körperliche
Gewalt
 20%


40%


60%


80%


100%


60%


80%


100%


Frauen 2 Frauen

Kopfverletzun‐ gen
/
 Verletzungen
im
 Gesichtsbereich


2,3%
 2,3%
 1,3%


mehrmals


3,0%
 1,0%


einmal


mehrmals


einmal


8

mehrmals


1,1%
 1,3%


einmal


0,7%
 1,0%


mehrmals


1,0%
 1,0%


mehrmals


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4,7%
 2,7%
 8,4%
 2,3%


2,4%
 1,3%


einmal


4,6%
 3,1%


mehrmals


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 1,0%


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 0%


sexuelle
Gewalt


Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

t‐

8,

einmal


4,3%


mehrmals


0%


160

4,7%
 2,7%


mehrmals


2,4%


mehrmals


mehrmals


100%


sexuelle
Gewalt


Männer 2

andere
 Verletzungen


offene
Wunden,
 z.
B.
SchniM‐ Verstauchungen,
 Bauch‐
bzw.
 blaue
Flecken
/
 wunden,
Haut‐ Kopfverletzun‐gen
/
 Zerrungen,
 Magenschmer‐ Verletzungen
im
 abschürfungen,
 Verletzungen
im
Prellungen
/
 genitalen
Bereich
 Knochenbrüche

 Muskelfaserris‐se
 zen
 Verbrennungen
 andere
Verletzungen
 innere
Verletzungen
 Schmerzen
 Gehirnerschüt‐terung
 Gesichtsbereich
Hämatome


Abbildung 65: Körperliche Verletzungsfolgen nach Häufigkeit – Männer (2)

Kopfverletzun‐ gen
/
 Verletzungen
im
 Gesichtsbereich


Frauen 1

6 – Folgen der Gewalthandlungen

6.3 Längerfristige psychosoziale Folgen nach Gewaltform Neben psychischen und körperlichen Verletzungsfolgen wurden im Rahmen der vorliegenden Studie auch die sogenannten längerfristigen psychosozialen Folgen der Gewalthand6.3 Längerfristige psychosoziale Folgen, nach Gewaltform lungen in allen Gewaltformen abgefragt. Darunter befinden sich Items wie z. B. Trennung/ ScheidungNeben vom Partner/von der und Partnerin, Umzug bzw. Auszug aus derwurden Wohnung, psychischen körperlichen Verletzungsfolgen im ArbeitsRahmen der vorliegenden Studie die sogenannten längerfristigen psychosozialen der platzwechsel – also Folgen, dieauch eine erhebliche Umstellung bzw. Neuorientierung des Folgen persönlichen Gewalthandlungen Lebens bedeuten. in allen Gewaltformen abgefragt. Darunter befinden sich Items wie z.B. Trennung/Scheidung vom Partner/der Partnerin, Umzug bzw. Auszug aus der Wohnung, Am stärksten werden längerfristige Folgen im Rahmen der erlebten psychischen Gewalt Arbeitsplatzwechsel – also Folgen, die eine erhebliche Umstellung bzw. Neuorientierung des geschildert; die wenigsten längerfristigen Folgen bei Männern und Frauen verursacht die persönlichen Lebens bedeuten. sexuelle Belästigung. Am stärksten werden längerfristige Folgen im Rahmen der erlebten psychischen Gewalt Das Leben von Frauen ist grundsätzlich stärker durch längerfristige psychosoziale Folgen in geschildert. Die sexuelle Belästigung verursacht am wenigsten längerfristige Folgen bei allen Gewaltformen betroffen. So schildern zwei Drittel der Frauen (66,3 %), dass es durch Männern und Frauen. psychische Gewalthandlungen zumindest zu einer längerfristigen Folge in ihrem Leben gekommen sei, gegenüber mehrist alsgrundsätzlich jedem zweiten Mann (56,1 %). Bei sexuellen GewaltDas Leben von Frauen stärker durch längerfristige psychosoziale Folgen in allen Gewaltformen betroffen, als daszumindest der Männer. schildern zwei Drittel der Frauen handlungen nennen doppelt so viele Frauen eineSo längerfristige Folge (Frauen (66,3%),21,7 %). dass es durch psychische Gewalthandlungen zumindest zu einer längerfristigen 41,5 %; Männer Folge in ihrem Leben kam, gegenüber mehr als jedem zweiten Mann (56,1%). Bei sexuellen Gewalthandlungen schildern doppelt so viele Frauen zumindest eine längerfristige Folge (Frauen 41,5%; Männer 21,7%). Abbildung 66: Überblick über längerfristige Folgen nach Gewaltform Abbildung 66: Überblick längerfristige Folgen nach Gewaltform

ÖIF Prävalenzstudie 2011. alle mit Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Quelle: Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Basis: Befragten Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

In Bezug auf den Grad der Komplexität der längerfristigen Folgen (wie viele unterschiedliche Formen von längerfristigen Folgen werden genannt?) zeigen sich wieder deutliche Geschlechterunterschiede. Frauen schildern deutlich vielfältigere längerfristige Folgen: So 161 geben 41,6% der Frauen an, bei psychischen Übergriffen zumindest zwei unterschiedliche längerfristige Folgen erlebt zu haben, gegenüber 27,7% der Männer. Auch bei sexueller

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

In Bezug auf den Grad der Komplexität der längerfristigen Folgen – dies wird daran gemessen, wieviele unterschiedliche Formen von längerfristigen Folgen genannt werden – zeigen sich wieder deutliche Geschlechterunterschiede. Frauen schildern deutlich vielfältigere längerfristige Folgen: So geben 41,6 % an, bei psychischen Übergriffen zumindest zwei unterschiedliche längerfristige Folgen erlebt zu haben, gegenüber 27,7 % der Männer. Auch bei sexueller Gewalt schildern Frauen wesentlich stärkere längerfristige Folgen: 41,5 % der Frauen geben zumindest eine längerfristige Folge bei sexueller Gewalt an – aber mehr als drei Viertel der Männer (78,3 %) schildern überhaupt keine Folge. zumindest eine längerfristige Folge bei sexueller Gewalt an – aber mehr als drei Viertel der Männer (78,3%) schildern überhaupt keine Folge. Abbildung 67: Komplexitätsgrad der längerfristigen Folgen Abbildung 67: Komplexitätsgrad der längerfristigen Folgen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: allealle Befragten mitmit Erfahrungen in in der Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten Erfahrungen derjeweiligen jeweiligenGewaltform. Gewaltform.

Hinsichtlich der häufigsten längerfristigen Folgen nennen Frauen an erster Stelle den Abbruch von Beziehungen den Menschen, dielängerfristigen primär für die Gewalthandlungen Was sind nun die am zu häufigsten genannten Folgen? Am häufigstenverantnennen wortlich sind.den So geben rundvon 40 %Beziehungen der Frauen bei und körperlicher Gewalt Frauen Abbruch zupsychischer den Menschen, die primär für an, die So geben rund 40% der Frauen psychischer und sich Gewalthandlungen vom Partner/von verantwortlich der Partnerin sind. getrennt zu haben (Trennung und bei Scheidung), oder körperlicher Gewalt an, sich vom Partner/der Partnerin getrennt zu haben (Trennung und auch bei psychischer Gewalt, den Kontakt zu Freunden bzw. Bekannten abgebrochen zu Scheidung) oder beiFrau derkommt psychischen Gewalt, den und Kontakt zu Freunden bzw. haben. Für knapp jedeauch zehnte es durch psychische körperliche GewaltanBekannten abgebrochen haben.in Für knapp jede zehnte Frau kommt es durch psychische wendung zum Bruch mit derzu Familie, der sie aufgewachsen sind. Männer schildern diese und körperliche Gewaltanwendung auch zum Bruch mit der Familie, in der sie aufgewachsen Form der Konsequenz in deutlich geringerem Ausmaß – jedoch etwas stärker, wenn es sich sind. Männer schildern diese Form der Konsequenz in einem deutlich geringeren Ausmaß – um Freunde bzw. Bekannte handelt. jedoch etwas stärker, wenn es sich um Freunde bzw. Bekannte handelt. Als Folge von psychischen Gewalthandlungen geben jede fünfte Frau und jeder fünfte Mann Als Folge vonArbeitsplatz psychischengewechselt Gewalthandlungen gibt jede fünfte Frau und jeder fünfte Mann weiters an, den zu haben. Die häufigste Reaktion von Frauen auf weiter an, den Arbeitsplatz gewechselt zu haben. Die häufigste Reaktion von Frauen auf sexuelle Gewalt ist die Trennung bzw. Scheidung vom Partner bzw. von der Partnerin: Mehr sexuelle Gewalt ist die Trennung bzw. Scheidung vom Partner bzw. der Partnerin: Mehr als als jede vierte Frau nennt diese Folge (27,3 %). jede vierte Frau nennt diese Folge (27,3%). 162

Ein Analyse der längerfristigen Folgen nach Altersgruppen der Frauen deckt interessante Ergebnisse auf: Die Trennung vom Partner/der Partnerin als Folge psychischer und körperlicher Gewalthandlungen nennen primär Frauen in der Altersgruppe der 21- bis 50-

6 – Folgen der Gewalthandlungen

Ein Analyse der längerfristigen Folgen nach Altersgruppen der Frauen zeigt: Die Trennung vom Partner/der Partnerin als Folge psychischer und körperlicher Gewalthandlungen nennen primär Frauen in der Altersgruppe der 21- bis 50-Jährigen. Die Scheidung vom Partner schildern primär Frauen zwischen vierzig und sechzig Jahren; als Folge sexueller Gewalt ziehen primär Frauen der Altersgruppe 40+ diese Konsequenzen. Der Abbruch der Beziehung zu Freunden bzw. Bekannten ist besonders hoch in der jüngsten Alterskategorie, nämlich unter den 16- bis 20-Jährigen (27,8 % der Frauen).

hoch in der jüngsten Alterskategorie, nämlich unter den 16- bis 20-Jährigen (27,8% der

Bei Männern fällt am stärksten die Gruppe der 16- bis 20-Jährigen mit längerfristigen Frauen). (ohne Abbildung, siehe Abbildungen 21 - 24 im Anhang) Konsequenzen durch sexualisierte Gewalt auf; allerdings sind diese Ergebnisse nur be-

dingt da stärksten es sich um sehr kleine handelt. So schildert z. B. in Bei interpretierbar, Männern fällt am dieeine Gruppe der 16-Gruppe bis 20-Jährigen durch längerfristige dieser Altersgruppe jeder vierte Mann (25,0 %) den Umzug bzw. Auszug aus dernur Wohnung Konsequenzen durch sexualisierte Gewalt auf, allerdings sind diese Ergebnisse bedingt da es sich um sowie eine sehr Gruppe Männern So schildert alsinterpretierbar, Folge von sexueller Gewalt jederkleine fünfte Mann von (18,2 %) denhandelt. Kontaktabbruch zu z.B. in dieser Altersgruppe MannBelästigung. (25,0%) denAnsonsten Umzug bzw. Auszug aus ein der Freunden bzw. Bekannten alsjeder Folgevierte sexueller zeigen Männer Wohnung als Folge von sexueller Gewalt sowie jeder fünfte Mann (18,2%) den stärker homogenes Verhalten in den unterschiedlichen Altersgruppen als Frauen.

Kontaktabbruch zu Freunden bzw. Bekannten als Folge von sexueller Belästigung. Ansonsten zeigen Männer ein stärker homogenes Verhalten in den unterschiedlichen Altersgruppen als Frauen (ohne Abbildung, siehe Abbildungen 25 - 28 im Anhang).

Abbildung 68: Längerfristige Folgen nach Gewaltform (1) Abbildung 68: Längerfristige Folgen, nach Gewaltform (1)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: jeweiligen Gewaltform. Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:alle alleBefragten Befragtenmit mitErfahrungen Erfahrungen in in der jeweiligen

163

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 69: Längerfristige Folgen nach Gewaltform (2) Abbildung 69: Längerfristige Folgen nach Gewaltform (2)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

146 164

6 – Folgen der Gewalthandlungen

6.4 Zusammenfassung: Folgen der erfahrenen Gewalthandlungen In der vorliegenden Studie wurden psychische, körperliche und längerfristige Folgen der erfahrenen Gewalthandlungen abgefragt. Vor allem Kombinationen derartiger Folgen wurden bei allen Formen der Gewalt von Frauen, die auch insgesamt öfter Gewaltfolgen nannten, deutlich häufiger berichtet als von Männern. Am meisten berichten Frauen und Männer von psychischen Folgen. Neun von zehn Frauen und acht von zehn Männern erleben zumindest eine psychische Beschwerde nach Gewalthandlungen. Allerdings zeigen die Daten eine deutliche Komplexität der psychischen Folgen. Oft liegt eine Kombination unterschiedlicher psychischer Folgen durch Gewalthandlungen vor, vor allem im weiblichen Sample. Beispielsweise nennen mehr als jede dritte Frau und jeder fünfte Mann nach psychischen Übergriffen zumindest sechs unterschiedliche psychische Folgen (von einundzwanzig möglichen). Am häufigsten wird von Frauen und Männern als psychische Folge das „Grübeln über die Situation” angeführt. Am zweithäufigsten nennen Frauen das „angeschlagene Selbstwertgefühl, Gefühl von Erniedrigung” und Männer „Ärger oder Rachegefühle”. Depressionen als psychische Folge von Gewalt werden in allen Formen häufiger von Frauen als von Männern beschrieben. Körperliche Verletzungsfolgen wurden für die körperliche und die sexuelle Gewalt abgefragt. Zwei Drittel der Frauen und Männer schildern zumindest eine körperliche Verletzungsfolge nach körperlicher Gewalt, nach sexueller Gewalt beschreiben mehr als jede dritte Frau und jeder fünfte Mann Verletzungsfolgen. Primär werden von Frauen und Männern „blaue Flecken/Prellungen/Hämatome” sowie allgemein „Schmerzen” als Verletzungsfolge berichtet. Eine Mehrheit der Befragten führt eine Kombination unterschiedlicher Verletzungsfolgen an, wobei sich hier nicht die oben genannten geschlechtsspezifischen Unterschiede zeigen. Längerfristige psychosoziale Folgen von Gewalt werden am häufigsten bei der psychischen Gewalt beschrieben. Frauen sind grundsätzlich stärker durch längerfristige Folgen der erlebten Gewalthandlungen betroffen als Männer. Zwei Drittel der Frauen schildern zumindest eine längerfristige Folge nach psychischen Übergriffen, gegenüber etwas mehr als jedem zweiten Mann. Dies kann auch darauf zurückgeführt werden, dass Frauen häufiger als Männer Beziehungstaten erlebt haben. Bei sexueller Gewalt beschreiben doppelt so viele Frauen wie Männer zumindest eine längerfristige psychosoziale Folge. Primär handelt es sich bei den längerfristigen Folgen um Trennung bzw. Scheidung vom Partner/von der Partnerin, den Kontaktabbruch zu Freunden und Bekannten sowie um den Bruch mit der Herkunftsfamilie.

165

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

7 Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen Gewalt in der Partnerschaft, der Familie oder dem sozialen Nahraum ist ein komplexes Phänomen. Es ist oftmals eingebettet in eine spezifische Interaktion der betreffenden Personen oder durch spezielle Misshandlungsmuster gekennzeichnet; es ist aber auch abhängig von der eigenen Einstellung zu Gewalt und der eigenen Bereitschaft, gewalttätig zu werden. Um einen Einblick in den situativen Kontext, in dem es zu Gewalthandlungen kommt, zu gewinnen, wurden unterschiedliche Kontextbedingungen abgefragt. Einerseits ging es um die eigene Einstellung zum Thema Gewalt. Was wird als Gewalt definiert und was nicht? Wie beschreibe ich eine grundsätzliche Einstellung zu Gewalt? Wie wahrscheinlich ist es aber auch, dass ich in bestimmten Situationen z. B. handgreiflich werde? Andererseits wurde versucht, den Kontext der Gewalthandlungen im Sinne geschlechterspezifischer Täterschaft und situativer Spezifika abzubilden. Es ging zum Beispiel darum, eine Beeinflussung durch Alkohol, Drogen, Medikamente, eine Streitsituation oder einen psychischen Ausnahmezustand abzufragen.

7.1 Einstellung zu Gewalt und Einschätzung der eigenen Gewaltbereitschaft Ob eine Person selbst Gewalt anwendet und wie eine potenzielle Opferrolle erlebt wird, hat auch damit zu tun, wie sie sich gegenüber dem Thema Gewalt positioniert – und zwar allgemein, aber auch in Bezug auf die eigene Gewaltbereitschaft und die Bereitschaft zur Gegenwehr. Ist die „berühmte Ohrfeige” in der Kindererziehung vielleicht doch akzeptabel? Und ist es zu rechtfertigen, wenn man sich bei einem körperlichen Angriff in gleicher Weise wehrt? Wo verläuft die Grenze dessen, was eine Person für sich persönlich als vertretbar hält? Und wie gewaltbereit sind die Befragten eigentlich? Diese Selbsteinschätzungen wurden im Fragebogen erhoben und sind Thema des vorliegenden Kapitels.

7.1.1 Einstellung zu Gewalthandlungen In der Einstiegsfrage zu den eigenen Einstellungen zu Gewalt wurde den Befragten eine Liste mit zehn Aussagen vorgelegt, denen sie zustimmen oder die sie ablehnen konnten (vierpolige Skala von „stimme zu” bis „stimme nicht zu”): n

„Eine Ohrfeige hat Kindern in der Erziehung noch nicht geschadet.”

n

„Beschimpfungen in einer Partnerschaft sind grundsätzlich abzulehnen.”

n

„Bei einem körperlichen Angriff ist es in Ordnung zurückzuschlagen, um sich zu wehren.”

n

„Manchmal muss man Menschen zu ihrem Glück zwingen.”

n

„Gewalt in jeder Form lehne ich grundsätzlich ab.”

166

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

n

„Sex durchzusetzen oder es zu versuchen, auch wenn der Partner bzw. die Partnerin nicht möchten, ist unter bestimmten Umständen in Ordnung.”

n

„In unserer Gesellschaft wird es zunehmend wichtiger, sich auch körperlich zur Wehr setzen zu können.”

n

„Wenn Reden nichts nützt, muss man sich auch in einer Partnerschaft manchmal körperlich durchsetzen.”

n

„Um etwas durchzusetzen, findet sich schon immer ein Weg.”

n

„Manchmal provozieren Partner/innen so, dass sie selbst schuld sind, wenn sie härter angefasst werden.” • "Wenn Reden nichts nützt, muss man sich auch in einer Partnerschaft manchmal

körperlich durchsetzen." • "Um etwas durchzusetzen, findet sich schon immer ein Weg." Anhand dieser Aussagen sollte beurteilt werden, wie sehr und unter welchen Umständen • "Manchmal provozieren Partner/innen so, dass sie selbst Schuld sind, wenn sie der/die Befragte zu Tätlichkeiten und zu Grenzüberschreitungen anderen gegenüber bereit härter angefasst werden." ist.

Bei der Auswertung können nun drei Gruppen unterschieden werden, was den Umfang Anhand dieser Aussagen sollte beurteilt werden, wie sehr und unter welchen Umständen der Zustimmung/Ablehnung anlangt. Die größte Ablehnung („stimme nicht zu”) haben der/die Befragte zu Tätlichkeiten und zu Grenzüberschreitungen anderen gegenüber bereit dabei die Items erfahren, Sex in der Partnerschaft „durchzusetzen” (Männer 86,2 %; Frauist. en 93,1 %), generelles „körperliches Durchsetzen in der Partnerschaft” (Männer 84,3 %; Frauen 87,1 %) und diekönnen Schuldzuweisung an provozierende Partner/innen (Männer 65,4 %; Bei der Auswertung nun drei Gruppen unterschieden werden, was den Umfang der Frauen 75 %). Dabei zeigtanlangt. der Geschlechtervergleich, dass Frauennicht diese Aussagen stärker Zustimmung/Ablehnung Die größte Ablehnung ("stimme zu") haben dabei die ablehnen als Männer. in der Nuancierung zwischen „stimme weniger und Items erfahren, Sex Besonders in der Partnerschaft "durchzusetzen" (Männer 86,2%; Frauenzu” 93,1%), generelles der Partnerschaft" 84,3%; Frauen 87,1%) „stimme nicht"körperliches zu” zeigen Durchsetzen sich Frauen in kompromissloser (= (Männer antworten häufiger „stimme undzu”). die Schuldzuweisung an provozierende Partner/innen (Männer nicht Vor allem beim Item, dass provozierende Partner schon 65,4%; einmal Frauen „härter75%). anDabei zeigt der Geschlechtervergleich, dass Frauen diese Aussagen stärker ablehnen als gefasst” werden dürften, zeigt sich eine vehemente Ablehnung bei drei von vier Frauen Männer. Besonders der Nuancierung zwischen "stimmeDas weniger "stimme nicht zu" (75 %), aber „nur” beiinzwei von drei Männern (65,4 %). heißtzu" einund Drittel der Männer zeigen sich Frauen kompromissloser (= antworten häufiger "stimme nicht zu"). Vor allem und ein Viertel der Frauen hält Gewalt in der Partnerschaft unter bestimmten Umständen Item, dass provozierende Partner schon angefasst" dürften, zeigt für beim legitim bzw. sieht eine Verantwortung nichteinmal beim "härter Täter/der Täterin,werden wenn der Partner sich vehemente Ablehnung bei drei von vier Frauen (75%) aber "nur" bei zwei von drei bzw. dieeine Partnerin provoziert.

Männern (65,4%). Das heißt, ein Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen hält Gewalt in der Partnerschaft unter bestimmten Umständen als legitim bzw. sieht eine Verantwortung nicht beim 70: Täter/der Täterin, wenn der die Partner bzw. dieabgelehnt Partnerin provoziert. Abbildung Gewalthandlungen, eindeutig werden Abbildung 70: Gewalthandlungen, die eindeutig abgelehnt werden

Quelle: ÖIFÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: allealle Befragten. Quelle: Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten.

167

Zustimmung der Befragten gibt es in gehäufter Form andersrum vor allem bei jenen zwei Items, welche Gewalt ablehnen, und zwar entweder allgemein oder als "Beschimpfung" in

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Zustimmung der Befragten gibt es in gehäufter Form hingegen vor allem bei jenen beiden Items, welche Gewalt ablehnen, und zwar entweder allgemein oder als „Beschimpfung” in der Partnerschaft. Die Aussage „Gewalt in jeder Form lehne ich grundsätzlich ab” trifft bei 78,9 % der Frauen auf absolute Zustimmung („stimme zu”), bei Männern mit 67,0 % doch deutlich weniger. Männer scheinen sich diesem generellen Statement auf Gewaltverzicht nicht ohne Vorbehalt anschließen zu wollen. Denn immerhin ein Drittel antwortet hier anders (wenn man die Aussage „stimme eher zu” auch als gewissen „Vorbehalt” deutet). Dem Verzicht auf verbale Gewalt innerhalb der Partnerschaft stimmen ebenfalls die meisten hier anderweitig (wenn man die Aussage "stimme eher zu" auch als gewissen "Vorbehalt" Befragten zu: Dass nämlich „Beschimpfungen in der Partnerschaft” nicht zu tolerieren sei-

deutet).

en, bejaht etwa jede dritte Person vorbehaltlos (Ausprägung „stimme zu”; Frauen 69,4 %; Dem Verzicht aufAuch verbale Gewalt innerhalb dereine Partnerschaft sprechen ebenfalls meisten Männer 66,6 %). wenn Frauen häufiger „kompromisslosere” Haltungdie bezüglich Befragten zu: von DassGewalt nämlich "Beschimpfungen in der Partnerschaft" nicht zu tolerieren seien, der Ablehnung zeigen, ist der Geschlechterunterschied hier geringer.

dem stimmt etwa jede dritte Person vorbehaltlos zu (Ausprägung "stimme zu"; Frauen 69,4%; Männer 66,6%). Auch wenn Frauen häufiger eine "kompromisslosere" Haltung (bzgl. Abbildung 71: Gewalt) Positionierung Ablehnung von zeigen, istzu derGewaltverzicht Geschlechterunterschied dieses Mal geringer. Abbildung 71: Positionierung zu Gewaltverzicht

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:alle alleBefragten. Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:

Bei den restlichen geteilteMeinung Meinungunter in Bezug auf AblehBei den restlichenfünf fünfAussagen Aussagenherrscht herrscht eine eine eher her geteilte den Befragten in nung oder DieBefürwortung. untere Abbildung reiht Abbildung die Einstellungen Grad dernach ZuBezug aufBefürwortung. Ablehnung oder Die untere reiht dienach Einstellungen Grad der Zustimmung, beginnend mit der höchsten Zustimmung unter denInFrauen. In dieser stimmung, beginnend mit der höchsten Zustimmung unter den Frauen. dieser Reihung Reihung erfährt das "Zurückschlagen bei körperlichen Angriffen, um sich selbst zu wehren" erfährt das „Zurückschlagen bei körperlichen Angriffen, um sich selbst zu wehren” die die höchste Zustimmung: 56,4% der Frauen und 53,9% der Männer akzeptieren diese Form höchste Zustimmung: 56,4 % der Frauen und 53,9 % der Männer akzeptieren diese Form derGewalt Gewalt(aggregierte (aggregierte Antworten Antworten "stimme "stimme eher zu"). Die Die fast Abbildung "in gleiche der „stimmezu" zu”und und „stimme eher zu”). Stücke" verteilten Balken illustrieren jedoch, wie unterschiedlich hier geantwortet wurde, d.h. macht jedoch auch deutlich, wie unterschiedlich hier geantwortet wurde: fast zu gleichen fast wird zu gleichen Teilen wird die körperliche Gegenwehr eher/grundsätzlich abgelehnt oder Teilen die körperliche Gegenwehr eher/grundsätzlich abgelehnt oder eher/grundsätzeher/grundsätzlich als akzeptable Form der Gewalt bewertet. Ebenso verhält es mit dem lich als akzeptable Form der Gewalt bewertet. Ebenso verhält es sich mit demsich – auch in– auch inhaltlich ähnlichen – Item "In unserer Gesellschaft wird es zunehmend wichtiger, sich haltlich ähnlichen – Item „In unserer Gesellschaft wird es zunehmend wichtiger, sich auch auch körperlich zur Wehr setzen zu können". Auch hier bekunden die Befragten jeweils zu körperlich zur Wehr setzen zu können”. Auch hier bekunden die Befragten jeweils zu fast fast gleichen Teilen Ablehnung oder Zustimmung. Das heißt: Die Beurteilung, ob ein gleichen Teilen Ablehnung oder Zustimmung. Die Beurteilung, ob ein gewalttätiges Regewalttätiges Reagieren ("Gegenwehr") auf selbst erfahrene physische Gewalt in Ordnung agieren („Gegenwehr”) auf selbst erfahrene physische Gewalt in Ordnung ist, ruft äußerst ist, ruft äußerst unterschiedliche Meinungen hervor. Interessant dabei ist, dass Frauen eine unterschiedliche Meinungen hervor. Interessant dabei ist, dass Frauen eher eine Gewalt gewalt-tolerierendere Haltung in Bezug auf körperliche Gegenwehr hier eher einnehmen als tolerierende Haltung in Bezug auf körperliche Gegenwehr einnehmen als die befragten die befragten Männer. Männer.

Eine Gewaltform, die fast immer als "Bild" herhalten muss, wenn es um die Frage der eigenen Position in Gewalt-Themen geht, ist die "Ohrfeige", die "Kindern in der Erziehung noch nie geschadet hat". Auch hier antworten die Befragten relativ unterschiedlich, d.h. es 168 gibt kontroverse Meinungen: Der jeweils größte Teil der Befragten lehnt diese Gewaltform vollkommen ab ("stimme nicht zu"; Männer 37,9%; Frauen 52,6%), jedoch gibt es auch

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

Eine Gewaltform, die beinahe immer als „Bild” herhalten muss, wenn es um die Frage der eigenen Position in Gewalt-Themen geht, ist die „Ohrfeige”, die „Kindern in der Erziehung noch nie geschadet hat”. Auch hier antworten die Befragten relativ unterschiedlich, d. h. es gibt kontroverse Meinungen: Der jeweils größte Teil der Befragten lehnt diese Gewaltform vollständig ab („stimme nicht zu”; Männer 37,9 %; Frauen 52,6 %), jedoch gibt es auch Befürwortende: 7,1  % der Frauen und 9,9  % der Männern stimmen ohne Vorbehalt zu. Hier fällt ein deutlicher Geschlechterunterschied auf: Männer befürworten die Ohrfeige für Kinder häufiger als die Frauen.

Abbildung 72: Geteilte Beurteilung der Gewalt-Themen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:alle alleBefragten. Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:

vorgestellten Aussagen auf Jahre) Alters- werden und Bildungszusammenhänge InDie denoben mittleren Lebensjahren (21 wurden bis 30, zudem 31 bis 40 Gewalthandlungen in hin untersucht und es wurden dabei die folgenden Erkenntnisse gewonnen Dieses (siehe der Tendenz seltener toleriert als von den jüngsten und ältesten Alterskohorten. Abbildungen 29 -gilt 36 im des Berichts):und ist z. B. erkennbar in der Aussage, dass Antwortverhalten fürAnhang beide Geschlechter „provokative” Handlungen des Partners/der Partnerin Gewalt rechtIn den mittleren Lebensjahren (21-30, 31-40 Jahre)durchaus werden körperliche Gewalthandlungen in der fertigen könnten oder dass körperliche Gewalt dann ihre Rechtfertigung findet, „wenn ReTendenz seltener toleriert als von den jüngsten und ältesten Alterskohorten. Dieses den nichts mehr nützt”. und zwar inund besonders deutlicher in Ausprägung, giltdass für Antwortverhalten gilt fürGleiches, beide Geschlechter ist z.B. erkennbar der Aussage, die"provokative" Ohrfeige für Kinder: Dieserdes stimmen in der Altersgruppe der 31- biskörperliche 40-JährigenGewalt etwa Handlungen Partners/der Partnerin durchaus 21,7 % der Männer undoder 15,2 % Frauen zu, während beiRechtfertigung den Älteren und Jüngeren rechtfertigen könnten dassder körperliche Gewalt dannes ihre findet, "wenn zuReden etwa 40,0 % (Männer) bzw. um die 20,0 % (Frauen) sind. nichts mehr nützt". Gleiches, und zwar in besonders deutlicher Ausprägung, gilt für die Ohrfeige für Kinder: Dieser stimmen in der Altersgruppe der 31- bis 40-Jährigen etwa 21,7% der Männer und 15,2% der Frauen zu, während die Älteren und Jüngeren zu etwa 40,0% (Männer) bzw. um die 20,0% (Frauen) zustimmen. 169

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 73: Beurteilung konkreter Gewaltformen (Auswahl) nach Alter Abbildung 73: Beurteilung konkreter Gewaltformen (Auswahl) nach Alter

Achse 50%

Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis: Ausprägungen „wahrscheinlich“ + „eher wahrscheinlich“. Quelle: Basis:alle alleBefragten. Befragten. Ausprägungen „wahrscheinlich” + „eher wahrscheinlich”.

Die Auswertung nach erreichtem Bildungsniveau zeigt den generellen Trend, dass Personen Die Auswertung nach erreichtem Bildungsniveau zeigt den generellen Trend, dass Personen mit akademischer Ausbildung (Studium) tendenziell Gewalt eher ablehnen, vor allem im mit akademischer Ausbildung (Studium) tendenziell Gewalt eher ablehnen, vor allem im Vergleich zu Personen mit dem niedrigsten Bildungsabschluss (siehe dazu die ausführlichen Vergleich zu Personen dem niedrigsten Bildungsabschluss. ist dieser ZusamAbbildungen 33 - 36 im mit Anhang). Jedoch ist dieser Zusammenhang Jedoch nicht überall zu finden. menhang überall finden. So zeigt vor allem das Item zur von GeSo zeigt nicht vor allem das zu Item zur Rechtfertigung von Gegenwehr ("BeiRechtfertigung einem körperlichen genwehr körperlichen Angriff ist essich in Ordnung zurückzuschlagen, umBild, sich zu Angriff ist(„Bei es ineinem Ordnung zurückzuschlagen, um zu wehren") ein uneinheitliches wehren”) ein uneinheitliches Bild,vorher und esschon bestätigt sich damit die vorher getroffene und es bestätigt sich damit die getroffene Feststellung, dassschon Gegenwehr höchst unterschiedliche Beurteilungen erfährt – so Beurteilungen auch innerhalberfährt der – jeweiligen Feststellung, dass Gegenwehr höchst unterschiedliche so auch inBildungsschicht. nerhalb der jeweiligen Bildungsschicht. Die Abbildungillustriert illustriert dieAntwortverteilung Antwortverteilung verschiedene Items, deren Diefolgende untere Abbildung die für für dreidrei verschiedene Items, deren Beurteilung scheinbar durch die Bildungsvariable beeinflusst wird und die auch schon von Beurteilung anscheinend durch die Bildungsvariable beeinflusst wird und die auch schon der der Altersvariablen abhängig waren. zeigen sich sich deutliche deutliche Unterschiede Unterschiede in in der der Einvon Altersvariablen abhängig war. So So zeigen Einschätzung, ob eine Ohrfeige für Kinder angemessen ist, ob man bei einem schätzung, ob eine Ohrfeige für Kinder angemessen ist, ob man bei einem provozierenden provozierenden Verhalten innerhalb der Partnerschaft mit körperlicher Gewalt reagieren darf Verhalten innerhalb der Partnerschaft mit körperlicher Gewalt reagieren darf und ob in der und ob körperliche Gewalt in der Partnerschaft dann ein "körperliches Durchsetzen" Partnerschaft dann ein „körperliches Durchsetzen” gerechtfertigt scheint, wenn „Reden gerechtfertigt scheint, wenn "Reden nichts nützt". Gerade im letzten Fall lehnen akademisch nichts nützt”. Gerade im letzten Fall lehnen akademisch Gebildete diese Gewalt ab bzw. Gebildete diese Gewalt ab bzw. stimmen nur zu sehr geringen Prozentsätzen zu (Männer stimmen nur zu sehrAndersrum geringen Prozentsätzen zuBildungssegment (Männer 0,9 %;(Pflichtschulabschluss) Frauen 2,0 %). Umge0,9%; Frauen 2,0%). halten im unteren kehrt im unteren Bildungssegment der Männer und 6,5% halten der Männer und 6,9% der Frauen bei(Pflichtschulabschluss) Scheitern der verbalen 6,5 % Paar-Kommunikation 6,9 % Frauen bei Scheitern der verbalen Paar-Kommunikation einen tätlichen Übergriff einen der tätlichen Übergriff für gerechtfertigt. für gerechtfertigt. Inwieweit es sich hierbei jeweils um sozial erwünschtes Antwortverhalten handelt, kann an dieser Stelle nicht beurteilt werden, ist aber nicht unwahrscheinlich.

152 170

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

Abbildung 74: Beurteilung konkreter Gewaltformen (Auswahl) nach Bildung Abbildung 74: Beurteilung konkreter Gewaltformen (Auswahl) nach Bildung

Achse 50%

Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis: Ausprägungen „wahrscheinlich“ + „eher wahrscheinlich“. Quelle: Basis:alle alleBefragten. Befragten. Ausprägungen „wahrscheinlich” + „eher wahrscheinlich”.

7.1.2 Eigene Gewaltbereitschaft 7.1.2 Eigene Gewaltbereitschaft Die unter 7.1.1 beschriebenen Einstellungen zum Thema Gewalt können auch einen Einfluss Die unter 7.1.1 beschriebenen Einstellungen zum Thema Gewalt können auch einen Eindarauf haben, inwieweit man selbst bereit ist, tatsächlich Gewalt anzuwenden. Insbesondere fluss darauf haben, inwieweit tatsächlich Gewalt anzuwenden. InsbeJugendstudien deuten daraufman hin, selbst dass bereit Gewaltist, befürwortende Einstellungen auch die 27 sondere Jugendstudien deuten darauf hin, dass Gewalt befürwortende Einstellungen Gewaltbereitschaft von Menschen erhöhen. Andererseits ist aber auch denkbar, dassauch ist aber aucheinnehmen, denkbar, dass die Gewaltbereitschaft von Menschen erhöhen.27 Andererseits Menschen, die eine theoretische strikt-ablehnende Haltung gegenüber Gewalt Menschen, theoretisch eine strikt ablehnende Haltung gegenüber GewaltPersonen einnehmen, im Einzelfalldie durchaus gewalttätig handeln oder dass andersrum gewaltbejahende im Alltag noch nie Gewalt angewendet haben, vielleicht auch, weil sich noch keine im Einzelfall durchaus gewalttätig handeln, oder umgekehrt Gewalt bejahende Personen entsprechende bedrohliche Situation ergeben hat vielleicht oder Aggressionen anderwärtig im Alltag noch nie Gewalt angewendet haben – dies auch, weil sich noch keine kompensiert werden. Der folgende Abschnitt beschreibt deshalb, wie die Befragten ihre entsprechende bedrohliche Situation ergeben hat oder Aggressionen anderweitig kompeneigene Gewaltbereitschaft einschätzen, wie wahrscheinlich sie in vorgegebenen siert werden. Der folgende Abschnitt d.h. beschreibt deshalb, wie diesieben Befragten ihre eigene Szenarien selbst Gewalt anwenden würden. Hier wird also noch keine tatsächliche Gewaltbereitschaft einschätzen, d. h. wie wahrscheinlich sie in sieben vorgegebenen SzeTäterschaft, sondern die potenzielle Bereitschaft angezeigt. Konkret wurde die Frage wie narien selbst Gewalt anwenden würden. Hier wird also noch keine tatsächliche Täterschaft, folgt eingeleitet: "Wie stark ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie bei den folgenden Situationen sondern die potenzielle Bereitschaft werden angezeigt. Frage so eingeleitet: handgreiflich werden?". Differenziert sollteKonkret entlangwurde einer die vierpoligen Skala von „Wie stark ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie bei den folgenden Situationen handgreiflich "wahrscheinlich" bis "völlig unwahrscheinlich". Es ging um eigenes "handgreiflich Werden" in werden?” Differenziert werden sollte entlang einer vierpoligen Skala von „wahrscheinlich” den folgenden sieben Situationen: bis „völlig unwahrscheinlich”. Ich könnte handgreiflich werden, wenn … • • • • • • •

"ich von Fremden körperlich bedroht werde" "ich mich provoziert fühle, z.B. durch Berührungen oder Beschimpfungen" " ich Alkohol getrunken habe" "die Kinder mich gewaltig nerven und ich gestresst bin" "ich meinen Willen bei meinem Partner bzw. meiner Partnerin durchsetzen möchte" "ich mir bei einem Streit nicht anders zu helfen weiß" "ich erfahre, dass mein Partner/meine Partnerin mich betrogen hat"

27 Sozum zumBeispiel Beispieldie dieJugendstudien Jugendstudien kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. 27 So desdes Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Es ging um eigenes „Handgreiflichwerden” in den folgenden sieben Situationen, wenn ... n

„ich von Fremden körperlich bedroht werde”

n

„ich mich provoziert fühle, z. B. durch Berührungen oder Beschimpfungen”

n

„ich Alkohol getrunken habe”

n

„die Kinder mich gewaltig nerven und ich gestresst bin”

n

„ich meinen Willen bei meinem Partner bzw. meiner Partnerin durchsetzen möchte”

n

„ich mir bei einem Streit nicht anders zu helfen weiß”

n

„ich erfahre, dass mein Partner/meine Partnerin mich betrogen hat”.

In der unteren Abbildung ist deutlich erkennbar, dass eine körperliche Bedrohung durch Fremde als der wahrscheinlichste Auslöser für eigene Gewaltanwendung erachtet wird – zumindest innerhalb der Liste der vorgegebenen Situationen. Rund ein Viertel der Männer (24,3 %) und knapp ein Drittel der Frauen (31,3 %) würden hier „wahrscheinlich” selbst handgreiflich werden, und nur etwa zwei von zehn Personen erachten eigene Gewalt in diesem Kontext als „völlig unwahrscheinlich” (Männer 17,1 %; Frauen 18,0 %). Auf Rang 2 entlang dieser Liste (absteigend geordnet nach Ausprägung „wahrscheinlich”) rangiert die Situation, dass man sich „provoziert fühlt, z. B. durch Berührungen oder Beschimpfungen” (Männer 3,9 %; Frauen 5,0 %). Damit kann zunächst einmal festgehalten werden, dass die eigene Gewaltbereitschaft vor allem im Zusammenhang mit subjektiv so gedeuteten Angriffen und Provokationen, also als Reaktion, als am wahrscheinlichsten erachtet wird. Außerdem fällt in dieser Zusammenstellung bei einem Geschlechtervergleich auf, dass in fast allen Items die befragten Frauen eine größere Gewaltbereitschaft bei sich selbst vermuten als das Männer tun – zumindest gilt das für die im Interview berichtete Einschätzung. Lediglich im Zusammenhang mit dem Item Alkoholkonsum („wenn ich Alkohol getrunken habe”) geben Männer eine höhere Wahrscheinlichkeit als Frauen an („wahrscheinlich” und „möglicherweise”: Männer 11,5 %; Frauen 7,7 %). Dieses Ergebnis ist erstaunlich, denn es widerspricht der faktischen Täterschaft bei körperlicher Gewalt, die nach Angaben der Opfer überwiegend von Männern ausgegangen war. Demnach schätzen Männer ihre faktische Gewaltbereitschaft geringer ein als ihre tatsächliche; bei Frauen ist das Gegenteil der Fall. Die geringste Wahrscheinlichkeit, selbst mit Gewalt zu reagieren, besteht nach Selbsteinschätzung in der Situation, dass man „seinen Willen beim Partner bzw. bei der Partnerin durchsetzen möchte” („völlig unwahrscheinlich” und „kaum”: Männer 99,3 %; Frauen 98,2 %).

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das Gegenteil der Fall. Die geringste Wahrscheinlichkeit, selbst mit Gewalt zu reagieren, besteht nach 7 – Gewaltbereitschaft und man Kontext derWillen Gewalthandlungen Selbsteinschätzung in der Situation, dass "seinen beim Partner bzw. bei der Partnerin durchsetzen möchte" ("völlig unwahrscheinlich" und "kaum": Männer 99,3%; Frauen 98,2%).

Abbildung 75: Wahrscheinlichkeit eigener Gewaltanwendung in verschiedenen Situationen Abbildung 75: Wahrscheinlichkeit eigener Gewaltanwendung in verschiedenen Situationen

Quelle:Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alleBasis: Befragten. ÖIF Prävalenzstudie 2011. alle Befragten.

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Die oben vorgestellten sieben Szenarien wurden auch auf die Alters- und Ausbildungsverteilung hin untersucht. Dafür wurden die Ausprägungen „wahrscheinlich” und „eher wahrscheinlich” aggregiert. Die untere Abbildung 76 zeigt also die Wahrscheinlichkeit für eigene Gewaltanwendung nach Alterskohorten sortiert. Dabei ist das Bild eher uneinheitlich, aber es lassen sich doch einige Trends erkennen: n

Besonders die Frauen der jüngsten Alterskohorte (16 bis 20 Jahre) zeigen sich bei Bedrohung und Provokation gewaltbereit. Bei körperlicher Bedrohung durch Fremde erachten 37,6 % der 16- bis 20-Jährigen, aber „nur” 26,7 % der 51- bis 60-Jährigen eigene Gewaltreaktionen als wahrscheinlich. Bei Männern hingegen zeigt sich hier kein interpretierbarer Altersverlauf.

n

Auch die 16- bis 20-jährigen Männer zeigen eine Besonderheit: In Situationen, die insgesamt wenig (oder gar keine) Gewaltbereitschaft provozieren, gibt es gerade in diesem Alter doch einige, die hier eigenes Gewaltpotenzial verorten. Konkret geht es um die Items „wenn ich meinen Willen bei meinem Partner bzw. meiner Partnerin durchsetzen möchte” (1,7 %, andere Altersgruppen 0 %), „Partnerin hat mich betrogen” (5,2 %) und „wenn ich mir bei einem Streit nicht anders zu helfen weiß” (3,1 %).

n

Ebenfalls ein geschlechterspezifischer Unterschied zeigt sich in der Situation „nervender Kinder”. Während Frauen aller Altersgruppen (mit Ausnahme der 16- bis 20-Jährigen) eine (sehr geringe!) Neigung zu Gewalt verspüren, gibt es so gut wie keinen einzigen Mann, der diese Situation kennt.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 76: Wahrscheinlichkeit eigener Gewaltanwendung nach Alter

Abbildung 76: Wahrscheinlichkeit eigener Gewaltanwendung nach Alter Wahrscheinlichkeit, handgreiflich zu werden – Männer

Wahrscheinlichkeit, handgreiflich zu werden – Frauen

Achse 50%

Quelle: ÖIF ÖIF Prävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. Befragten. Ausprägungen „wahrscheinlich” + „eher wahrscheinlich”. Quelle: 2011.Basis: Basis:alle alle Befragten. Ausprägungen „wahrscheinlich“ + „eher wahrscheinlich“.

Was das Bildungsniveau angeht, zeigt sich vor allem für drei Items der deutliche Trend, dass sich Personen bildungsferner Schichten eher zur Wehr setzen würden als BildungsnaWas das Bildungsniveau angeht, zeigt sich vor allem für drei Items der recht deutliche Trend, he. Und zwar gilt das für die Reaktion auf „körperliche Bedrohung durch Fremde”, das „Prodass sich Personen bildungsferner Schichten deutlich eher zur Wehr setzen würden als voziertfühlen” und für die Situation, dass man vom Partner bzw. der Partnerin betrogen Bildungsnahe. Und zwar gilt das für die Reaktion auf "körperliche Bedrohung durch Fremde", wurde. In letzterem Fall antizipieren unter den akademisch Gebildeten 1,3 % der Frauen "das provoziert Fühlen" und für die Situation, dass man vom Partner bzw. der Partnerin und 0 % der Männer eigene Gewalt, unter den Personen mit Pflichtschulabschluss sind es betrogen wurde. Im letzten Fall antizipieren unter den Studierten 1,3% der Frauen und 0% 9,0 % der Frauen und immerhin 10,3 % der Männer.

der Männer eigene Gewalt, unter den Personen mit Pflichtschulabschluss sind es 9,0% der Außerdem erkennbar, dassder Personen Frauen undist immerhin 10,3% Männer.mit akademischem Abschluss häufiger 0 % laden. Das bedeutet, die Gesamtheit dieser Befragten lehnt die eigene Gewaltbereitschaft kom-

Außerdem ist gilt erkennbar, Personen akademischem auf 0% plett ab. Dies vor allemdass für Männer, bei mit denen dies bei sechsAbschluss der siebenhäufiger abgefragten laden (das der heißt: Gesamtheit dieser die eigene Gewaltbereitschaft Situationen Falldie ist. Bei den Frauen ladenBefragten „nur” zwei lehnt Situationen auf 0 %. Auch an diekomplett Dies gilt vordamit allemdie füroben Männer, bei denen das bei sechs der sieben abgefragten ser Stelleab). bestätigt sich festgestellt Tendenz, dass Frauen eine (marginal) Situationen der Fall ist. Beibekunden den Frauen "nur" zwei Situationen auf 0%. Auch an dieser höhere Gewaltbereitschaft alsladen Männer. Stelle bestätigt sich damit die oben festgestellt Tendenz, dass Frauen eine (marginal) höhere Gerade beim letztgenannten Item, aber auch den anderen Aussagen zu eigenen GewaltbeGewaltbereitschaft bekunden als Männer. reitschaft wird sichtbar, dass es sich vielfach um sozial erwünschtes Antwortverhalten und weniger um realistische Selbsteinschätzungen handelt,nach denn faktisch werden in Österreich Abbildung 77: Wahrscheinlichkeit eigener Gewaltanwendung Bildung noch immer rund 70 % (siehe Kapitel 9) der Kinder körperlich bestraft.

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7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

Abbildung 77: Wahrscheinlichkeit eigener Gewaltanwendung nach Bildung Wahrscheinlichkeit, handgreiflich zu werden – Männer

Wahrscheinlichkeit, handgreiflich zu werden – Frauen

Achse 50% Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Ausprägungen „wahrscheinlich“ + „eher wahrscheinlich“.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Ausprägungen „wahrscheinlich” + „eher wahrscheinlich”.

7.1.3 Zusammenhang zwischen Einstellung und Gewaltbereitschaft Eingangs zu diesem Kapitel wurde die Frage gestellt, ob es einen Zusammenhang zwischen den Einstellungen zu Gewalt und der (hypothetischen) Bereitschaft gibt, in spezifischen Situationen Gewalt anzuwenden. An dieser Stelle wird diese Frage nochmals aufgegriffen, indem einzelne Fragestellungen dieser beiden Bereiche (Einstellung und Gewaltbereitschaft) gekreuzt ausgewertet wurden. Zunächst geht es um Personen, die sich offenbar dem Grundsatz der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlen, d. h. der Aussage „Gewalt in jeder Form lehne ich grundsätzlich ab” uneingeschränkt zugestimmt haben („stimme zu”). Das sind in der Stichprobe 67,0 % der Männer und 78,9 % der Frauen. Sie werden der Einfachheit halber fortan als „Gewaltfreie” bezeichnet. Würden diese Personen auch in einzelnen Situationen – ihrer Einschätzung nach – auf Gewalt verzichten? Die untere Abbildung gibt darüber Auskunft. Von allen Personen, die angeben, Gewalt generell abzulehnen, sagt immerhin noch mehr als ein Viertel, sie könnten handgreiflich werden, wenn sie „von Fremden körperlich bedroht werden” (24,7 %). Das sich Wehren scheint also für jeden Vierten der „Gewaltfreien” dennoch eigene Gewalt zu rechtfertigen. In den anderen Bereichen gibt es kaum Zustimmung, meist

157

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uneingeschränkt zugestimmt haben ("stimme zu"). Das sind in der Stichprobe 67,0% der Männer und 78,9% der Frauen. Sie werden der Einfachheit halber fortan als "Gewaltfreie" bezeichnet. Würden diese Personen auch in einzelnen Situationen – ihrer Einschätzung nach – auch auf Gewalt verzichten? Die zur untere Abbildung darüber Auskunft. Von allen Österreichische Prävalenzstudie Gewalt an gibt Frauen und Männern Personen, die angeben, Gewalt generell abzulehnen, sagen immerhin noch mehr als ein Viertel, dass sie handgreiflich werden könnten, wenn sie "von Fremden körperlich bedroht würde tatsächlich verzichtet, wenn Kinder (0,4 % Gewaltwerden" (24,7%). auf Das Gewalt sich Wehren scheint z. B. also für jeden„die Vierten der nerven” "Gewaltfreien" dennoch zustimmung) oder in Streitsituationen, in denen man sich nicht zu helfen weiß (0,5  % eigene Gewalt zu rechtfertigen. In den anderen Bereichen gibt es kaum Zustimmung, meist würde tatsächlich auf Gewalt verzichtet, z.B. wenn "die "Kinder nerven" (0,4% Gewaltzustimmung). Gewaltzustimmung) oder in Streitsituationen, in denen man sich nicht zu helfen weiß (0,5% Gewaltzustimmung). Tabelle 26: Wann würden „Gewaltfreie” handgreiflich werden? Tabelle 26: Wann würden „Gewaltfreie“ handgreiflich werden?

… aber Gewalt in jeder Form lehne ich grundsätzlich ab

Ich könnte handgreiflich werden, wenn …

Zustimmung

ich von Fremden körperlich bedroht werde

24,7 %

ich mich provoziert fühle, z. B. durch Berührungen oder Beschimpfungen

3,4 %

ich Alkohol getrunken habe

0,9 %

die Kinder mich gewaltig nerven und ich gestresst bin ich meinen Willen bei meinem Partner bzw. meiner Partnerin durchsetzen möchte ich mir bei einem Streit nicht anders zu helfen weiß ich erfahre, dass mein Partner/meine Partnerin mich betrogen hat

0,4 % 0,1 % 0,5 % 2,0 %

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die jede Gewalt grundsätzlich ablehnen (n = 1 638); und alleQuelle: Befragten, die bei Situationen wahrscheinlich” angegeben ÖIF Prävalenzstudie 2011.jeweils Basis: „wahrscheinlich”/ alle Befragten, die „eher jede Gewalt grundsätzlich ablehnen haben. (n = 1.638; und alle Befragten, die bei Situationen jeweils wahrscheinlich/eher wahrscheinlich angegeben haben.

detailliertereAbbildung Abbildung 78 78 unten unten erlaubt erlaubt außerdem DieDie detailliertere außerdemeinen einenVergleich Vergleichder der"Gewaltfreien" „Gewaltfreien” denjenigen, die die sich gegen Gewaltfreiheit ausgesprochen habenhaben (in der (in mitmitdenjenigen, sich nicht nichteindeutig eindeutig gegen Gewaltfreiheit ausgesprochen der Abbildung: „ambivalent”).28 Die Zusammenstellung illustriert, dass es sehr wohl einen 158 Zusammenhang zwischen der Positionierung als „gewaltfrei” und eventuell vermuteter Gewaltbereitschaft in konkreten Situationen gibt: Menschen, die generell Gewalt ablehnen, geben auch eine geringere Wahrscheinlichkeit für eigene Gewaltbereitschaft an. Besonders stark ist dieser Zusammenhang abermals im Kontext des körperlichen Fremdangriffs: 18,1 % der männlichen Gewaltfreien, aber 36,1 % der Ambivalenten würden hier handgreiflich werden (Frauen: 29,1 % vs. 40,7 %). Bei Frauen fällt auf, dass sie dreimal häufiger angeben, bei einem Partner-Betrug handgreiflich werden zu können, wenn sie nicht grundsätzlich der Gewalt abschwören (8,6 % vs. 2,3 %; bei Männern: 3,5 % vs. 1,6 %).

28

Auf die Aussage „Gewalt in jeder Form lehne ich grundsätzlich ab” haben sie geantwortet mit „stimme eher zu”, „stimme weniger zu”, „stimme nicht zu”.

176

Gewaltbereitschaft in konkreten Situationen gibt: Menschen, die generell Gewalt ablehnen, geben auch eine geringere Wahrscheinlichkeit für eigene Gewaltbereitschaft an. Besonders stark ist dieser Zusammenhang abermals im Kontext des körperlichen Fremd-Angriffs: 18,1% der männlichen Gewaltfreien, aber 36,1% derKontext Ambivalenten hier handgreiflich 7 – Gewaltbereitschaft und der würden Gewalthandlungen werden (Frauen: 29,1% vs. 40,7%). Bei Frauen fällt auf, dass sie dreimal häufiger angeben bei einem Partner-Betrug handgreiflich werden zu können, wenn sie nicht grundsätzlich der Gewalt abschwören (8,6% vs. 2,3%; bei Männern:handgreiflich 3,5% vs. 1,6%). Abbildung 78: Wann würden „Gewaltfreie” werden? Abbildung 78: Wann würden „Gewaltfreie“ handgreiflich werden?

Achse 50%

Quelle: ÖIFÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten. bzgl. „handgreiflich „wahrscheinQuelle: Prävalenzstudie 2011. alle Basis: alle Ausprägungen Befragten. Ausprägungen bzgl. werden”: handgreiflich werden: lich” (im Gegensatz zu „möglicherweise”, „kaum”, „völlig unwahrscheinlich”).

wahrscheinlich (im Ggs. zu möglicherweise, kaum, völlig unwahrscheinlich").

Die gleiche Grundsatzaussage zur Gewaltfreiheit („Gewalt in jeder Form lehne ich grundDie gleiche Grundsatzaussage zur Gewaltfreiheit ("Gewalt in jeder Form lehne ich sätzlich ab”) wurde außerdem noch einmal mit anderen Statements gekreuzt, die zwar grundsätzlich ab") wurde außerdem noch einmal mit anderen Statements gekreuzt, die zwar nicht konkrete Handlungen, aber Haltungen abbilden. Würden die selbstbekundeten „Genicht konkrete Handlungen, aber Haltungen abbilden. Würden die selbst-bekundeten waltfreien” diesem Grundsatz uneingeschränkt folgen, dürften sie andere Gewalt bejahen"Gewaltfreien" diesem Grundsatz uneingeschränkt folgen, dürften sie andere gewaltde Statements nicht unterstützen – so zunächst die Annahme. Die nächste Darstellung bejahende Statements nicht unterstützen – so zunächst die Annahme. Die untere zeichnet jedoch ein anderes Bild. Denn wiederum wird die Eigenwehr von etwa der Hälfte Darstellung jedoch zeichnet ein anderes Bild. Denn wiederum wird die Eigenwehr von etwa in Betracht gezogen (Frauen 51,4 %: Männer 46,1 %), und auch die Ohrfeige für Kinder der Hälfte in Betracht gezogen (Frauen 51,4%: Männer 46,1%), und auch die Ohrfeige für wird von denjenigen, die grundsätzlich Gewalt ablehnen, nicht ausgeschlossen: 14,9  % Kinder wird von denjenigen, die grundsätzlich Gewalt ablehnen nicht ausgeschlossen: 14,9% der Frauen und sogar 24,6 % der „gewaltfreien” Männer finden, dass sie „in der Erziehung der Frauen und sogar 24,6% der "gewaltfreien" Männer finden, dass sie "in der Erziehung noch nochnie niegeschadet geschadethat”. hat." 28

Auf die Aussage "Gewalt in jeder Form lehne ich grundsätzlich ab" haben sie geantwortet mit "stimme eher zu", "stimme weniger zu", "stimme nicht zu".

159

177

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Tabelle 27: Wann ist für „Gewaltfreie” Gewalt dennoch in Ordnung? Tabelle 27: Wann ist für „Gewaltfreie“ Gewalt dennoch in Ordnung?

… aber Gewalt in jeder Form lehne ich

Ich stimme den folgenden Aussagen (eher) zu

Zustimmung





14,9 %

24,6 %

51,4 %

46,1 %

3,4 %

5,2 %

2,7 %

3,3 %

9,6 %

10,4 %

grundsätzlich ab Eine Ohrfeige hat Kindern in der Erziehung noch nicht geschadet. Bei einem körperlichen Angriff ist es in Ordnung zurückzuschlagen, um sich zu wehren. Sex durchzusetzen oder es zu versuchen, auch wenn der Partner bzw. die Partnerin nicht möchten, ist unter bestimmten Umständen in Ordnung. Wenn Reden nichts nützt, muss man sich auch in einer Partnerschaft manchmal körperlich durchsetzen. Manchmal provozieren Partner/innen so, dass sie selbst schuld sind, wenn sie härter angefasst werden.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die jede Gewalt grundsätzlich ablehnen; und alle Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die jede Gewalt grundsätzlich ablehnen; und alle BefragBefragten, die weiteren Aussagen zustimmen/eher zustimmen. ten, die weiteren Aussagen zustimmen/eher zustimmen.

7.2 Täterschaft und Geschlecht Der Zugang zu den Tätern bzw. Täterinnen von Gewalthandlungen in der vorliegenden Studie erfolgt über zwei Strategien. Einerseits wurde bei jeder Gewaltform grundsätzlich abgefragt, ob die geschilderten Übergriffe bzw. Gewalthandlungen ausschließlich von Männern oder Frauen, überwiegend von Männern oder Frauen oder von Männern und Frauen im gleichen Ausmaß erfolgen. Um die Ergebnisse dieser Frage geht es im folgenden Kapitel. Neben dieser allgemeinen Frage wurde auch für die Gewalthandlungen innerhalb der letzten drei Jahre eine vierzig Items umfassende Täter/innen-Liste vorgelegt, um einen detaillierten Einblick in die Täterschaft zu erhalten (Näheres siehe Kapitel 5.2). Ob man eher von einem Täter oder einer Täterin angegriffen wird, variiert je nach Gewaltform und Geschlecht des Opfers. Grundsätzlich zeigt sich, dass psychische und körperliche Gewalt bei Frauen und Männern primär durch Männer ausgeübt wird. Bei sexualisierter Gewalt zeigen sich geschlechterspezifische Muster. So erleben Frauen sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt fast ausschließlich durch Männer, umgekehrt Männer eher durch Frauen. Jede dritte Frau und jeder dritte Mann erleben 160 psychische Gewalt im gleichen Ausmaß durch Männer und Frauen. 20,1 % der Männer und 15,3 % der Frauen nennen überwie-

178

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

gend oder ausschließlich Frauen als Täterinnen. Hauptsächlich männliche Täter nennen jeweils die Hälfte der befragten Männer und Frauen. Körperliche Übergriffe erleben rund zwei Drittel der Frauen und Männer primär (überwiegend und ausschließlich) durch Männer. Jede vierte Frau gibt an, körperliche Gewalt im selben Ausmaß durch Männer und durch Frauen zu erleben, gegenüber 14,4 % der Männer. Körperliche Übergriffe primär durch Frauen schildern 17,9 % der Männer und 11,2 % der Frauen. Deutliche Geschlechterunterschiede zeigen sich bei den sexualisierten Gewaltformen. So erleben nahezu alle Frauen sexuelle Belästigung (95,9 %) und sexuelle Gewalt (98,9 %) primär durch Männer. Bei sexueller Belästigung geben 3,9 % der Frauen an, diese durch Frauen und Männer im gleichen Ausmaß erfahren zu haben. Männer erleben sexuelle Belästigung (60,5 %) und sexuelle Gewalt (53,4 %) mehrheitlich durch Frauen. 15,1 % der Männer erleben sexuelle Belästigung durch Männer und Frauen im gleichen Ausmaß und 7,0 % erleben die sexuelle Gewalt in gleichem Ausmaß durch Männer und Frauen. Im Gegensatz zu den Frauen werden Männer durch das eigene Geschlecht deutlich stärker Opfer: So geben 39,5 % der Männer an, sexuelle Gewalt primär durch Männer erlebt zu haben, und jeder vierte Mann (24,3 %) erlebt sexuelle Belästigung primär (überwiegend und ausschließlich) durch Männer.

Abbildung 79: Täter/innen allgemein nach Gewaltformen Abbildung 79: Täter/innen allgemein nach Gewaltformen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.2011. Basis:Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in derinjeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie alle Befragten mit Erfahrungen der jeweiligen Gewaltform.

179

Eine Aufschlüsselung der Täterschaft nach Alterskategorien der Befragten zeigt, dass jüngere Frauen in der psychischen und vor allem bei der körperlichen Gewalt deutlich mehr

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Eine Aufschlüsselung der Täterschaft nach Alterskategorien der Befragten zeigt, dass jüngere Frauen bei psychischer und vor allem bei körperlicher Gewalt deutlich mehr Täterinnen nennen als ältere Frauen. So gibt z. B. nahezu jede zweite Frau zwischen 16 und 20 Jahren (45,7 %) an, körperliche Gewalt von Männern und Frauen im gleichen Ausmaß zu erleben und jede vierte Frau der 21- bis 30-Jährigen (26,4 %), gegenüber 17,5 % der 51bis 60-Jährigen. Frauen als primäre Täterinnen (ausschließlich und überwiegend) körperlicher Gewalt nennt nahezu jede fünfte Frau in der Gruppe der 21- bis 30-Jährigen (18,1 %), gegenüber 4,9  % der 41- bis 50-jährigen Frauen bzw. 9,5  % der 51- bis 60-jährigen Frauen. Diese Ergebnisse legen zwei Vermutungen nahe: Erstens wenden jüngere Frauen selbst deutlich stärker körperliche Gewalt an. Dies dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass jüngere Frauen häufiger auch Übergriffe durch Schwestern und die Mutter sowie durch andere Frauen/Mädchen in gleichaltrigen Peer Groups erleben (aber auch ausüben). Und zweitens: Die Sensibilität gegenüber Frauen als Täterinnen ist gestiegen, und Frauen thematisieren Gewalterfahrungen durch das eigene Geschlecht stärker. Bei sexualisierter Gewalt zeigt sich diese Tendenz nicht. Auch bei Männern zeigt sich ein ähnlicher Trend: So schildern jüngere Männer stärker psychische und körperliche Gewalterfahrungen durch das eigene Geschlecht, was auch auf männliche Peer Group-Erfahrungen und körperliche Auseinandersetzungen zwischen männlichen Jugendlichen bzw. jungen Männern zurückgeführt werden kann. Bei älteren Männern nehmen die Erfahrungen mit Gewalt durch das andere Geschlecht zu. Dieser Trend ist bei Männern in den sexualisierten Gewaltformen nicht so stark ausgeprägt. Frauen als Täterinnen spielen vor allem im Zusammenhang mit körperlicher Gewalt bei jüngeren Frauen eine stärkere Rolle als bei jüngeren Männern. Letztere erleben Gewalt mehrheitlich durch Männer. Vermutlich verweist bei beiden Geschlechtern die Zunahme von Täter/innen des jeweils anderen Geschlechts mit dem Alter auf den Anstieg von Gewalt in Paarbeziehungen, die von Frauen im Hinblick auf körperliche Gewalt am häufigsten in den mittleren Lebensjahren erlebt wird und bei Männern tendenziell häufiger in den späteren Lebensjahren. Dabei ist nicht auszuschließen, dass es sich hier um zunehmende körperliche Gegenwehr von Frauen oder um Reaktionen auf zuvor erlebte Gewalt in Beziehungen handelt.

180

Vermutlich verweist bei beiden Geschlechtern die Zunahme von Täter/innen des jeweils anderen Geschlechts mit dem Alter auf den Anstieg von Gewalt in Paarbeziehungen, die von Frauen im Hinblick auf körperliche Gewalt am häufigsten in den mittleren Lebensjahren 7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen erlebt wird und bei Männern tendenziell häufiger in den späteren Lebensjahren, wobei nicht auszuschließen ist, dass es sich dabei um zunehmende körperliche Gegenwehr von Frauen oder um Reaktionen auf zuvor erlebte Gewalt in Beziehungen handelt.

Abbildung 80: Täter/innen allgemein bei Frauen nach Alter (1) Abbildung 80: Täter/innen allgemein bei Frauen nach Alter (1)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten mit Erfahrungen der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Frauen alle befragten Frauen mitinErfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Abbildung 81: Täter/innen allgemein bei Frauen nach Alter (2) Abbildung 81: Täter/innen allgemein bei Frauen nach Alter (2)

163

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. 181

Abbildung 82: Täter/innen allgemein bei Männern nach Alter (1)

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Abbildung 82: Täter/innen allgemein bei Männern nach Alter (1) Abbildung 82: Täter/innen allgemein bei Männern nach Alter (1)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Abbildung 83: Täter/innen allgemein bei Männern nach Alter (2) Abbildung 83: Täter/innen allgemein bei Männern nach Alter (2)

164

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

182

Körperliche und sexuelle Gewalt scheint bei Frauen häufig in ein missbräuchliches Beziehungsmuster eingebettet zu sein, denn jede zweite Frau erfährt diesbezüglich Gewal durch ein und dieselbe Person. Sexuelle Belästigung und psychische Gewalt erfahren

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

Körperliche und sexuelle Gewalt scheint bei Frauen häufig in ein missbräuchliches Beziehungsmuster eingebettet zu sein, denn jede zweite Frau erfährt diesbezüglich Gewalt durch ein und dieselbe Person. Sexuelle Belästigung und psychische Gewalt erfahren Frauen primär durch mehrere verschiedene Personen. Männer nennen hingegen unterschiedliche Täter und Täterinnen, außer im Bereich der sexuellen Gewalt. Hier schildert jeder zweite Mann, dass die sexuellen Gewalterfahrungen durch ein und dieselbe Person erfolgen. Abbildung 84: Ein und derselbe Täter/dieselbe Täterin oder mehrere Personen nachAbbildung Gewaltformen 84: Ein und derselbe Täter/dieselbe Täterin in oder mehrere Personen nach Gewaltformen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Je älter die Personen sind, desto eher wird vor allem psychische und körperliche Gewalt Je älter dieauch Personen sind, desto eher wird durch vor allem und Person körperliche Gewalt, aber die sexuelle Belästigung ein psychische und dieselbe erlebt. Dies gilt für aber auch die sexuelle Belästigung durch ein und dieselbe Person erlebt. Dies gilt für MänMänner wie Frauen. Diese altersabhängige Konstanz der Täter-Person ist vor allem bei ner wie Frauen. Diese Täter-Person allem bei weibli-gewertet weiblichen Opfernaltersabhängige zu beobachten,Konstanz was als der weiterer Hinweis ist aufvor Beziehungsgewalt chen Opfern beobachten, was als auf Beziehungsgewalt gewertet wer-(62,5%), werdenzu kann. So schildern z.B.weiterer nahezu Hinweis zwei Drittel der 51- bis 60-jährigen Frauen den kann. z. B. nahezu zweidieselbe Drittel der 51- bis 60-jährigen Frauen 28,8% (62,5 %), dass So sieschildern körperliche Gewalt durch Person erfahren, gegenüber der 16- bis dass sie körperliche Gewalt durch dieselbe Person erfahren, gegenüber 28,8 % der 16bis 20-jährigen Frauen, bzw. 51,0% der 21- bis 30-jährigen Frauen. 20-jährigen Frauen bzw. 51,0 % der 21- bis 30-jährigen Frauen.

Bei der sexuellen Gewalt erlebt rund jede zweite Frau und rund jeder zweite Mann durch alle

Sexuelle Belästigung erleben Frauen und Männer primär durch mehrere verschiedene PerAlterskategorien hinweg die sexuelle Gewalt durch ein und dieselbe Person. Lediglich die sonen, sexuelle Gewalt dagegen wird von rund jeder zweiten Frau in allen Altersgruppen Gruppe der 16- bis 20-Jährigen zeigen die geringste Konstanz in der Täter-Person. durch ein und dieselbe Person erlebt. Männer erleben sexuelle Gewalt durch ein und dieselbe Person deutlich stärker in jüngeren Altersgruppen.

183

20%

25,6%

29,4%

35,9%

32,6%

27,6%

37,9%

20%

37 30,0%

23,7% 21,3% Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt 16,0% an Frauen und Männern 8,0% 0%

0%

16 bis 20

21 bis 30

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

16 bis 20

21 bis 30

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

16 bis 20

21 b

Abbildung 85: Ein und derselbe Täter/dieselbe Täterin oderGewalt mehrere Personen psychische Gewalt körperliche – Frauen nach Alter (1) ein und dieselbe Person

mehrere verschiedene Personen

sexuelle Belästigung sexuelle Gewalt 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 51 bis 60 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 51 bis 60 37,9% ein und dieselbe Person 30,0% 37,1% 39,6% 37,7% 37,5% 71,4% 64,3% 50,0% 44,4% 47,1% 62,1% mehrere verschiedene70,0% 62,9% 60,4% 62,3% Frauen 62,5% 28,6% und körperliche 35,7% 50,0% 52,9% psychische Gewalt 55,6% Personen

51 bis 60

9% 1%

100%

sexuelle Belästigung 16 bis 20 21 bis 30

51 bis 60

7% 3%

100%

62,5% ein und dieselbe Person 14,0% 80% 37,5% mehrere verschiedene86,0% Personen

17,0% 83,0%

31 bis 40

41 bis 50

22,9% 77,1%

51 bis 60

20,4% 79,6%

sexuelle Gewalt 16 bis 20 21 bis 30

21,2% 78,8%

44,4% 55,6%

31 bis 40

53,3% 46,7%

41 bis 50

48,8% 51,2%

49,0%

49,0% 51,0%

50,6%

37,5%

80%

46,3%

Männer sexualisierte Gewalt 63,3%

65,2%

67,4%

71,5%

100%

77,5%

60%

51 bis 60

46,7% 53,3%

71,2% 60%

86,0%

83

14,0%

17

16 bis 20

21 b

28,6% 35,7%

80% 40%

64,1%

50,0% 60,4%

62,9%

62,1%

62,3%

62,5% 51,0%

60%

34,8%

32,6%

28,5%

22,5%

52,9%

40%

62,5%

70,0% 20%

55,6%

49,4%

53,7% 20%

36,7% 28,8%

40% 0%

16 bis 20

35,9%

20%

37,9%

21 bis 30

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

71,4% 16 bis 20

0%

64,3% 21 bis 30

37,5% ein und dieselbe Person

30,0%

41 bis 50

50,0% körperliche Gewalt 44,4%

psychische Gewalt 39,6% 37,7%

37,1%

31 bis 40

51 bis 60 47,1%

mehrere verschiedene Personen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. 0%

41 bis 50

51 bis 60

16 bis 20

21 bis 30

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

16 bis 20

21 bis 30

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

Abbildung 86: Ein und derselbe Täter/dieselbe Täterin oder mehrere Personen mehrere verschiedene Personen – Frauen nach Alter (2) ein und dieselbe Person sexuelle Belästigung

sexuelle Gewalt

Frauen sexualisierte Gewalt 100%

37,5%

80%

46,3%

46,7% 55,6%

60%

86,0%

83,0%

77,1%

79,6%

51,2%

53,3%

51,0%

48,8%

46,7%

49,0%

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

78,8%

40%

62,5% 53,7%

41 bis 50

53,3% 44,4%

20%

14,0%

17,0%

16 bis 20

21 bis 30

22,9%

20,4%

21,2%

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

0%

51 bis 60

sexuelle Belästigung ein und dieselbe Person

16 bis 20

21 bis 30

sexuelle Gewalt mehrere verschiedene Personen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

184

Männer

psychische Gewalt körperliche Gewalt sexuelle Belästigung 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 51 bis 60 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 51 bis 60 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 4 21,3% 23,7% 25,6% 29,4% 16,0% 27,6% 32,6% 35,9% 37,9% ein und dieselbe Person 30,0% 37,1% ein und dieselbe Person8,0% 78,7% 76,3% 74,4% 70,6% 84,0% 72,4% 67,4% 64,1% 62,1% mehrere verschiedene70,0% 62,9% mehrere verschiedene92,0% Personen Personen

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

Frauen

psychische Gewalt körperliche Gewalt sexuelle Belästigung Abbildung Ein derselbe Täterin oder mehrere 16 bis87: 20 21 bis 30und 31 bis 40 41 bis 50 Täter/dieselbe 51 bis 60 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 51 bis 60 Personen 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 4 34,8% 22,5% 28,5% 32,6% 36,7% 28,8% 51,0% 49,4% 53,7% 62,5% ein und dieselbe Person 14,0% 17,0% ein und dieselbe Person – Männer nach Alter (1)71,5% 77,5% 67,4% 63,3% 71,2% 49,0% 50,6% 46,3% 37,5% mehrere verschiedene86,0% 83,0% mehrere verschiedene65,2% Personen Personen

Männer psychische und körperliche Gewalt

100%

100%

80%

80%

74,4%

76,3%

78,7%

60%

70,6%

72,4%

62,

62,1%

64,1%

67,4%

70,0% 60%

84,0%

92,0%

40%

40%

20%

25,6%

21,3%

23,7%

21 bis 30

31 bis 40

29,4%

35,9%

37,9%

41 bis 50

51 bis 60

32,6%

27,6%

20%

37, 30,0%

16,0%

8,0% 0%

0%

16 bis 20

41 bis 50

51 bis 60

16 bis 20

21 bis 30

psychische Gewalt

31 bis 40

ein und dieselbe Person

mehrere verschiedene Personen

Gewaltform. 100%

sexuelle Belästigung sexuelle Gewalt Abbildung Ein derselbe Täter/dieselbe Täterin mehrere Personen 16 bis 20 21 bis 3088: 31 bis 40 und 41 bis 50 51 bis 60 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 oder 51 bis 60 37,5% 17,0% 22,9% 20,4% 21,2% 44,4% 53,3% 48,8% 46,7% 49,0% – Männer nach Alter (2) 83,0% 77,1% 79,6% 78,8% 55,6% 46,7% 51,2% 53,3% 51,0% 46,3%

51 bis 60

62,5% ein und dieselbe Person 14,0% 80% 37,5% mehrere verschiedene86,0% Personen

49,0%

71,5%

77,5%

80%

50,6%

63,3% Männer sexualisierte Gewalt 67,4% 71,2%

65,2% 100% 60%

21 b

körperliche Gewalt

sexuelle Belästigung sexuelle Gewalt 51 bis 60 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 51 bis 60 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 51 bis 60 ,9% 37,9% ein und dieselbe Person 30,0% 37,1% 39,6% 37,7%Frauen 37,5% 71,4% und körperliche 64,3% 47,1% psychische Gewalt 44,4% in der Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer mit 50,0% Erfahrungen jeweiligen ,1% 62,1% mehrere verschiedene70,0% 62,9% 60,4% 62,3% 62,5% 28,6% 35,7% 50,0% 55,6% 52,9% Personen 100%

,7% ,3%

16 bis 20

60%

86,0%

83

14,0%

17

16 bis 20

21 b

28,6% 35,7%

80% 40%

40%

50,0% 64,1%

60,4%

62,9%

62,1%

62,3%

60% 20%

51,0%

34,8%

32,6%

28,5%

22,5%

21 bis 30

31 bis 40

41 bis 50

35,9%

37,9%

41 bis 50

51 bis 60

37,1%

39,6%

21 bis 30

31 bis 40

30,0%

53,7% 20%

28,8%

51 bis 60

71,4% 16 bis 20

0%

21 bis 30 64,3%

psychische Gewalt 20%

49,4%

36,7%

40% 0%

16 bis 20

55,6%

62,5%

70,0%

52,9% 62,5%

31 bis 40

41 bis 50

körperliche 50,0% Gewalt 44,4%

37,7% 37,5% ein und dieselbe Person

51 bis 60 47,1%

mehrere verschiedene Personen

0%

16 bis 20

t

41 bis 50

51 bis 60

16 bis 20

21 bis 30

sexuelle Belästigung ein und dieselbe Person

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

sexuelle Gewalt mehrere verschiedene Personen

Frauen sexualisierte Gewalt Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. 100%

37,5%

185 80%

46,3%

46,7% 55,6%

51,2%

53,3%

51,0%

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

7.3 Beeinflussung der beteiligten Personen 7.3.1 Beeinflussung des Täters/der Täterin Eine Einschätzung des Kontextes, in dem es zu Gewalthandlungen in der Familie bzw. im sozialen Nahraum kam, sollte auch durch die Frage abgebildet werden, ob man selbst oder der Täter bzw. die Täterin unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen gestanden ist oder die Gewaltsituation durch einen Streit bzw. einen psychischen Ausnahmezustand bestimmt war. Diese Fragen wurden für alle Gewaltformen, außer für die psychische Gewalt, abgefragt. Alkohol spielt bei der Hälfte der geschilderten Gewaltsituationen nach Aussagen der Betroffenen die zentralste Rolle: So berichten Frauen und Männer, dass rund jeder zweite Täter bzw. jede zweite Täterin bei den körperlichen Übergriffen, den sexuellen Belästigungen und der sexuellen Gewalt zumindest einmal unter dem Einfluss von Alkohol stand. Männer und Frauen schildern dies in fast jeder Gewaltform gleich, einzige Ausnahme ist die sexuelle Gewalt, bei der Männer etwas häufiger berichten, der bzw. die Täter/in sei unter dem Einfluss von Alkohol gestanden (59,8 % Männer vs. 46,8 % Frauen). Der Einfluss anderer Drogen spielt nur eine sehr geringe Rolle in den Gewaltsituationen. Relativierend muss jedoch hinzugefügt werden, dass Alkohol häufig von Opfern auch als entschuldigender Grund insbesondere bei Gewalt in Familien- und Paarbeziehungen angegeben wird, um sich nicht eingestehen zu müssen, eine/n gewalttätige/n Partner/Partnerin bzw. ein solches Familienmitglied zu haben. Zugleich zeigt sich in der vorliegenden Auswertung auch, dass ein relevanter Anteil der Taten in keinem Zusammenhang mit Alkohol gestanden ist. Insofern sollte die Rolle von Alkohol für die Täterschaft bei Gewalt weder über- noch unterschätzt werden. Zu körperlichen Übergriffen kommt es besonders häufig in Streitsituationen. Zwei Drittel der Frauen (67,1 %) und jeder zweite Mann (49,0 %) geben an, die körperlichen Übergriffe seien zumindest einmal in einer Streitsituation mit der befragten Person selbst erfolgt. Für die sexualisierten Gewaltformen trifft dies für rund jede zehnte Frau und für anteilsmäßig etwa halb so viele Männer zu. Auch der psychische Ausnahmezustand des Täters/der Täterin wird von etwa jeden fünften Frau (19,1 %) als ein situativer Kontext von körperlicher Gewalt angegeben und von 14,7 % der Männer.

186

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

Abbildung 89: Täter/in stand unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen Abbildung 89: Täter/in stand unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen

Abbildung 89: Täter/in stand unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

90: Täter/in unter dem Einfluss einer Streitsituation oder psychischemoder Ausnahmezustand Abbildung Abbildung 90: Täter/in stand unter dem Einfluss einer Streitsituation Abbildung 90: Täter/in unter dem Einfluss einer Streitsituation oder psychischem Ausnahmezustand psychischem Ausnahmezustand

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

170 170

187

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Eine Differenzierung nach Altersgruppen zeigt deutliche Unterschiede. So schildern zwei Drittel bis drei Viertel der Männer in den Altersgruppen bis zu vierzig Jahren, dass der Täter bzw. die Täterin der jeweiligen Gewaltform unter dem Einfluss von Alkohol gestanden sei. Besonders hoch ist die Beeinflussung der Täter-Person bei der sexuellen Gewalt – hier berichten drei Viertel (75,0 %) der 31- bis 40-jährigen Männer, dass der Täter/die Täterin unter dem Einfluss von Alkohol gestanden sei, gegenüber rund jedem zweiten Mann der Altersgruppen der über 41-Jährigen. Bei Frauen zeigt sich dieser Trend vor allem im Rahmen der sexuellen Belästigung. Drogen spielen eine eher untergeordnete Rolle und wenn, dann ebenfalls eher in den Altersgruppen bis zu vierzig Jahren. Eine Beeinflussung der Gewalthandlungen durch eine Streitsituation mit dem Opfer bzw. durch einen psychischen Ausnahmezustand beim Täter/der Täterin spielt vor allem bei der körperlichen Gewalt eine Rolle. Hier zeigt sich ein linearer Anstieg mit dem Lebensalter des Opfers, d. h. je älter das Opfer ist, desto eher ist der körperliche Übergriff in eine Streitsituation eingebettet oder durch einen psychischen Ausnahmezustand des Täters/der Täterin bedingt. Auch hier zeigt sich wieder ein Hinweis auf Beziehungstaten, bei denen Täter/in und Opfer einander kennen. Dies zeigt sich bei Männern und Frauen.

188

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

Abbildung 91: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Alkohol bzw. Drogen – Männer Abbildung 91: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Alkohol bzw. Drogen – Männer

Abbildung 91: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Alkohol bzw. Drogen – Männer

Quelle: Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis:Basis: alle befragten Männer mit mit Erfahrungen in der jeweiligen ÖIF Prävalenzstudie alle befragten Männer Erfahrungen in der jeweiligenGewaltform. Gewaltform.

Abbildung 92: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Alkohol bzw. Drogen – Frauen Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Abbildung 92: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Alkohol bzw. Drogen – Frauen Abbildung 92: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Alkohol bzw. Drogen – Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

172 Quelle: Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis:Basis: alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligen ÖIF Prävalenzstudie alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligenGewaltform. Gewaltform. 172 189

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 93: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Streit bzw. Ausnahmesituation – Männer Abbildung 93: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Streit bzw. Ausnahmesituation – Männer

Abbildung 93: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Streit bzw. Ausnahmesituation – Männer

ÖIF Prävalenzstudie alle befragten Männer Erfahrungen in der jeweiligenGewaltform. Gewaltform. Quelle: Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis:Basis: alle befragten Männer mit mit Erfahrungen in der jeweiligen Abbildung 94: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Streit bzw. Ausnahmesituation – Frauen

Abbildung 94: Beeinflussung desalle Täters/der Täterin durch Streit bzw. Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: befragten Männer mit Erfahrungen in der jeweiligen Ausnahmesituation – Frauen Abbildung 94: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Streit bzw. Ausnahmesituation – Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

173 mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen

190

173

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

7.3.2 Beeinflussung der eigenen Person

Laut eigenen standender Frauen und Männer 7.3.2 Angaben Beeinflussung eigenen Personin den jeweiligen Gewaltsituationen auch selbst unter dem Einfluss von Alkohol – Männer allerdings deutlich häufiger. So geben 43,5 %Laut an, sie seien bei sexuellen Gewalthandlungen, ihnen widerfahren sind, selbst eigenen Angaben standen Frauen unddie Männer in den jeweiligen Gewaltsituatione unter dem Alkohol gestanden; Frauen–sind es 18,3 %. Ein Drittel der häufiger. MänauchEinfluss selbst von unter dem Einfluss vonbei Alkohol Männer allerdings deutlich 43,5% de ner (34,2 %) und 13,9 % derdass Frauen bei körperlichen Übergriffen selbst Männer geben an, siestanden bei sexuellen Gewalthandlungen, die unter ihnendem widerfahren sind Einflussselbst von Alkohol und Einfluss bei der sexuellen Belästigung vierte Mann (26,5  und Ein Drittel de unter dem von Alkohol standen.jeder Unter Frauen sind es %) 18,3%. 14,4 %Männer der Frauen. Davon betroffen sind vor allem Frauen und Männer bis vierzig Jahre. (34,2%) und 13,9% der Frauen standen bei körperlichen Übergriffen selbst unte

dem Einfluss Alkohol und bei Ausnahmezustand der sexuellen Belästigung vierte Mann (26,5%) un Medikamente oder einvon eigener psychischer spielte bei jeder Frauen und Männern so14,4% gut wie keine Rolle. der Frauen.

Medikamente oder eine eigener psychischer Ausnahmezustand spielte bei Frauen un Männer so gut wie keine Rolle.

Abbildung 95: Ich selbst stand unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen Abbildung 95: Ich selbst stand unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen der jeweiligen Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit in Erfahrungen in Gewaltform. der jeweiligen

Gewaltform.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung selbststand stand unter Einfluss von von Medikamenten oder einem psychischen Abbildung 96: 96: IchIch selbst unterdem dem Einfluss Medikamenten oder Ausnahmezustand einem psychischen Ausnahmezustand

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

7.3.3 Individuelle Situationsschilderungen zu den Streitsituationen Für bis 40-jährigen Frauen und Männer spielt der Einfluss von Alkohol nicht nur ein unddie psychischen Ausnahmezuständen

Rolle, weil die Täter-Person angetrunken/betrunken war, sondern diese Altersgruppe stan

Einige der Befragten haben angegeben, dass der Gewaltausbruch von einer „psychischen auch selbst bei Übergriffen häufig unter dem Einfluss von Alkohol, am häufigsten be Ausnahmesituation” oder von einem Streit begleitet war. Vor allem Opfer von körperlicher Gewalthandlungen. SoZwei berichten zwei Drittel der 21-bis Männe Gewaltsexuellen geben diese beiden Kontexte an: Drittel z.B. der Frauen und jeder zweite 30-jährigen Mann und jede dritte FrauStreit (31,9%), bei sexuellen Gewalterfahrungen selbst alkoholisie hatten (64,3%) von einem vorausgegangenen berichtet, und rund 17 % der Befragten waren zu sein. über 51-Jährigen das psychischen jeder dritte Mann (36,4%) und 5,0% de davon gewesen ausgegangen, dassUnter sich den der/die Angreifer/in in ist einem AusnahmezuFrauen. haben müsse. Im Fall von sexualisierter Gewalt spielen psychische Ausstand befunden nahmesituationen und Streit hingegen kaum eine Rolle (vgl. Kapitel 7.3.1).

Drogen spielen bei Frauen so gut wie keine Rolle, bei den Männern sticht vor allem di

Was heißt nun „psychischer Ausnahmezustand”, und worum ging es beim „Streit”? Da inAltersgruppe der 16-bis 20-Jährigen heraus. Hier gibt jeder zehnte Mann (10,0%) bei de nerhalb dieser Formulierungen verschiedene Kontexte vorstellbar sind, wurde im Interview sexuellen Belästigung und nahezu jeder zweite Mann (42,9%) bei sexueller Gewalt an genauer nachgefragt. Die Interviewten hatten die Möglichkeit, die „psychische Ausnahselbst unter dem Einfluss von Drogen gestanden zu haben. mesituation” oder den Streit in ihren eigenen Worten kurz zu skizzieren, entweder schriftlich (Online-Fragebogen) oder mündlich (Face-to-Face-Interview). Keine Unterscheide nach Altersgruppen zeigen sich fürIhre die Antworten Frage, obwurden man als Opfer unte textlich ausgewertet. Die folgenden beiden Abschnitte stellen diese Ergebnisse zusammen. dem Einfluss von Medikamenten stand oder sich in einem psychischen Ausnahmezustan Dabei ist zu berücksichtigen, dass aus den Notizen nicht immer hervorgeht, wer genau der befand. Lediglich zeigt sich für Männer, die körperliche Gewalt erfahren haben, ein lineare Angreifer bzw. die Angreiferin war, weil die Befragen darauf verzichteten, dies anzugeben, Anstieg nach Lebensalter, wenn es darum geht, ob sie sich selbst in einem psychische sondern vor allem die Situation beschrieben haben. Lediglich nach Geschlecht der BefragAusnahmezustand befunden haben. ten selbst konnte sortiert werden. Demnach ist die Zusammenstellung eher als themenbasierte (nicht personenbasierte) Illustration zu verstehen.

192

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

7.3.3.1 Worum ging es beim Streit? Die ausführlichsten Erläuterungen finden sich bei den Befragten, die körperliche Gewalt erlebt haben.29 Insgesamt erklären von den 858 Personen, die hier ein Kreuz gesetzt haben (= Streit ging voraus), 692 diesen Streit in ihren eigenen Worten genauer. Die qualitativtextliche Auswertung repliziert prinzipiell die Ergebnisse zur individuellen Schilderung der Gewaltsituationen aus Kapitel 3. So bestätigt sich vor allem ein oben bereits erkennbarer Geschlechterunterschied: Streitsituationen, die in körperliche Gewalt münden, finden für Männer deutlich häufiger im öffentlichen Raum oder im beruflichen Kontext statt. Typische Beispiele, die Männer zur Beschreibung von Streitsituationen im öffentlichen Raum benutzen, sind: „Betrunkener suchte Streit und als ich nicht reagierte, schlug er zu” (Mann); „Sie wissen ja, wie das ist, wenn zwei Gruppen von ‚feindlichen Fans’ aufeinandertreffen und es jemand übertreibt”, „Härteeinlagen bei einem Fußballspiel” (Männer); „Warteschlange im Kino” (Mann); „Meistens im Straßenverkehr mit Ausländischen (türkisch/arabischer Personenkreis) und in letzter Zeit mit Radfahrern” (Mann); „Person hatte sich vorgedrängelt, ich sprach sie darauf an, daraus entwickelte sich der Streit” (Mann); „um die Frauen bei der Faschingssitzung”, „Wirtshausstreitigkeiten”, „Handgemenge in der Disco”, „Kneipen-Schlägereien” (Männer). Für den beruflichen Kontext stehen die folgenden Zitate: „über Arbeitserfolg”, „wegen Pausenzeit bei der Arbeit”, „fachlich bezogener Streit”, „Kündigung”, „oft im Betrieb, daher oft der Wechsel mit Kündigung” (alle Zitate von Männern). Frauen hingegen erinnern sich vor allem an Gewalterfahrungen, die sie (ab einem Alter von 16 Jahren)30 mit den Eltern hatten, und erwähnen Streit mit weiblichen Bezugspersonen. Hier finden sich auch die ausführlichsten und emotionalsten Beschreibungen unter allen Erläuterungen (z. B. im Vergleich zur Schilderung von partnerschaftlichen Streit-Situationen): „Jedes Mal Belangloses: das Zimmer nicht aufgeräumt (oder nicht zur Zufriedenheit der Mutter), nicht ordnungsgemäß Staub gewischt, falsch geschaut, falsch gestanden, falsch geatmet, sie konnte aus allem einen Streit machen, meine Existenz genügte” (Frau); „Autoritätsproblem, weil ich mich als Tochter nicht so verhalte, wie es gewünscht wird” (Frau);

29

Die dazugehörige Frage lautete: „Standen die Person bzw. die Personen, von denen Sie angegriffen wurden, bei einer oder mehreren der zuvor beschriebenen Situationen (Anm.: körperliche Gewalt) unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen oder war die Situation durch andere Faktoren wie z. B. einen Streit bestimmt?” – Bei Antwort „einen Streit mit Ihnen”: „welchen? _____________”

30

Der Fragekontext machte diese Alterseinschränkung; Gewalterfahrungen in der Kindheit wurden an anderer Stelle abgefragt.

193

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

„Mein Vater, der die Misshandlungen durchgeführt hat, war ganz einfach anderer Meinung als ich. Und als Jugendliche DURFTE ich keine eigene Meinung haben” (Frau); „Typischer Mutter-Tochter-Streit – keine Mithilfe im Haushalt meinerseits” (Frau); „Vater war mit Freund nicht einverstanden” (Frau). Ein großer Anteil der Befragten bringt außerdem zum Ausdruck, dass es im Gewalt provozierenden Streit eigentlich um Alltagsstreitigkeiten oder „Banalitäten” ging. Man könnte daraus lesen, dass der Grund für den Gewaltausbruch für die Betroffenen kaum situativ zuordenbar ist: „Allgemeine Dinge”, „Alltagsstreit”, „Banalitäten”, „gestritten wurde ohne Grund”, „nichts Dramatisches”, „Kleinigkeiten, die zum Auszucken geführt haben”, „um nichts!” (alle Zitate von Frauen); „Immer nur Lächerlichkeiten, keine großen Probleme”, „im Grunde bedeutungslose Kleinigkeiten”, „nebulöse Anlässe” (alle Zitate von Männern). Weitere Dimensionen, die bei der Erklärung der Gewaltsituation eine Rolle spielten, waren Probleme in der Verwandtschaft („Erbangelegenheit”, „es ging um die Pflege von Mama”), Geldangelegenheiten („es ging ums Geld”, „Streit war geschäftlicher Natur”) und Beziehungsprobleme, v. a. im Zusammenhang mit erlebter Eifersucht und außerehelichen (sexuellen) Beziehungen („Untreue meines Ex-Mannes”, „Ehebruch”). Dabei ist zu unterscheiden, dass Eifersuchts-Streitigkeiten von Frauen eher innerhalb der Partnerschaft zu Gewalterleben führte („mein Partner glaubte immer, dass ich untreu war”), während ein paar Männer angaben, dass Eifersuchts-Streitigkeiten (vermutlich) unter den beteiligten Männern ausgetragen wurden: „Streit um Frau”, „wegen Mädchen”, „Streit um Partnerin”. Genaugenommen kennt man das Geschlecht der anderen Person nicht; es wäre auch möglich, dass der „Streit um Frau” zwischen einem Mann und einer Frau stattgefunden hat. Dies bleibt offen. Ebenfalls erwähnt wurden Streitsituationen wegen Alkohol- und Drogenmissbrauchs („Ehestreit wegen Alkoholkonsum”, „weil ich geraucht hatte”). Für die Formen der sexualisierten Gewalt (sexuelle Gewalt + sexuelle Belästigung) gab es etwas weniger Konkretisierungen, welche die Befragten der Antwort „Streitsituation” beifügten, und zwar vor allem, wenn es um sexuelle Belästigung ging. Insgesamt haben 186 Personen gesagt, dass der sexualisierten Gewalt ein Streit vorausging, und 53 von ihnen haben das in eigenen Worten erläutert. Weil von diesen Gewaltformen vor allem Frauen betroffen sind, kommen auch mehr Ausführungen von ihnen. So liegt z. B. keine einzige konkrete Beschreibung jener Männer vor, die Opfer sexueller Gewalt geworden waren und angegeben hatten, dass hier ein Streit vorausgegangen war. Die Frauen skizzierten hingegen unterschiedliche Streitsituationen, die zu sexueller Gewalt (z. B. Eindringen mit einem Penis oder etwas anderem gegen den eigenen Willen) geführt hatten. Sie betreffen meist den Beziehungskontext (wobei aus den Zitaten nicht immer hervorgeht, ob der Angriff vom Partner oder überhaupt von einem Mann ausging), aber mitunter auch den Erwerbskontext: „Beziehungskrise”; „Wir wollten nach der Trennung Sachen austauschen, er wollte noch Sex von mir und nötigte mich dazu”; „Er hat mich einfach seine MACHT spüren lassen”; „Wegen Ablehnung, Zurückweisung”; „Über Leistungen in der Arbeit”; „Mobbing”; „Kinder” (alle Zitate von Frauen).

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7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

War der sexuellen Belästigung (also der „schwächeren” Form sexualisierter Gewalt) ein Streit vorausgegangen, dann hat es sich nach Erläuterungen von neun Männern und neunzehn Frauen um die folgenden Themen gehandelt: Die Männer nannten beziehungsrelevante Streit-Themen, z. B. „krankhafte Eifersucht der Partnerin”, „Beziehungsstreit” oder „Ende der Beziehung”, die dazu führten, dass sie (vermutlich von der Partnerin) sexuell belästigt wurden. Außerdem gab es Streit-Situationen, die nicht unbedingt in einen partnerschaftlich-intimen Kontext eingebettet erscheinen und mit sexueller Belästigung vergolten werden. Die Männer nannten etwa „sarkastische Heimzahlung”, „über Lebensweise” und „um ausgeborgtes Geld”. Dabei bleibt jedoch unklar, wer die angreifende Person war, d. h. ob der Streit um ausgeborgtes Geld mit der (Sexual-)Partnerin ausgefochten wurde oder mit einer anderen Frau/einem anderen Mann. Die Frauen nannten für die Streitthemen, die der sexuellen Belästigung vorausgingen, vornehmlich Beziehungsthemen, wobei es um „Trennung” geht, ebenso um „Eifersucht”, generell um „Beziehungsstreit” oder um „Zurückweisung”, die der Angreifer wohl empfunden hatte. Außerdem gibt es, wie bei den Männern, Nennungen, die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder in anderen geschäftlich-professionellen Bereichen thematisieren. So ging es um „Arbeitsverteilung”, „Konflikt am Arbeitsplatz” oder um sexuelle Belästigung im Vereinsleben: „Es ging darum, wie man einen Verein RICHTIG leitet. Unterschiedliche Anschauungspunkte.” Für die beiden Gewaltformen der körperlichen und sexualisierten Gewalterfahrung lässt sich vergleichend zusammenfassen, dass die Streitsituationen, aus denen ein Angriff resultiert, ganz verschieden sein können, oft „banal”, wie die Befragten es formulierten, oft in Beziehungs-, aber auch in anderen Kontexten, in denen es mitunter um Macht und Kontrolle geht. Inwieweit sich die Streitsituationen zwischen beiden Gewaltformen in der „Qualität” unterscheiden, ist aufgrund der wenigen, aber komplexen Nennungen bei der sexualisierten und körperlichen Gewalt nur schwer abzuleiten.

7.3.3.2 Was ist ein „psychischer Ausnahmezustand”? Wie bereits erwähnt haben einige Befragte angegeben, dass die Gewaltsituation von einem „psychischen Ausnahmezustand” beeinflusst war. Bei körperlicher Gewalt haben zwischen 15 und 19 % gemeint, dass der Täter/die Täterin sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden habe, und zwischen 5 und 9 % sagten dies über sich selbst. Eine geringere Rolle spielte die psychische Verfassung bei sexualisierter Gewalt. Hier hatten zwischen 2 und 7 % angegeben, dass die Situation in diese Richtung beeinflusst gewesen sei – entweder von ihnen selbst oder von der angreifenden Person. Was verstehen die Befragten nun genau unter einem „psychischen Ausnahmezustand”? Von den 184 Personen, die körperlich angegriffen worden waren und gesagt hatten, der/ die Täter/in habe sich in einem solchen Zustand befunden, erläuterten 70 Frauen und 57 Männer diesen Zustand genauer.31 Die vorgenommenen Erläuterungen sind dabei auf den ersten Blick recht heterogen: Zunächst machen einige Personen Angaben, die darauf hindeuten, dass sie die andere Person 31

Die dazugehörige Frage lautete: „Standen die Person bzw. die Personen, von denen Sie angegriffen wurden, bei einer oder mehreren der zuvor beschriebenen Situationen (Anm.: körperliche Gewalt) unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen oder war die Situation durch andere Faktoren wie z. B. einen Streit bestimmt?” – Bei Antwort „einen psychischen Ausnahmezustand”: „welchen? _____________”

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

nicht ganz ernst nehmen; die Begründung gleicht eher einer allgemeinen Anschuldigung oder gar Beleidigung („Der Typ ist hirnmäßig nicht ganz auf der Palme”, „nicht denkfähig”, „hysterisch”). Die Formulierung „hysterisch” wurde dabei nur von Männern verwendet. Im Gegensatz dazu nennt eine Reihe von Personen das Vorliegen schwerer psychischer Erkrankungen, die den Begriff des „psychischen Ausnahmezustands” im Sinne einer krankheitsbedingten Bewusstseinseinschränkung oder -veränderung im medizinischen Sinn durchaus erfüllen. Hier geht es zum Beispiel um „Borderline”, „Depressionen”, „Aggression bei Demenzkranken”, um eine „geistig behinderte und psychotische Frau, die ich betreuen musste und die mehrmals handgreiflich gegen mich wurde”, oder um einen Sohn mit „Asperger-Syndrom mit Depressionen und Angststörungen”. Auch kurzfristige, medizinisch erklärbare Bewusstseinsausfälle wurden genannt wie z.  B. der „Zuckerschock” oder der „Nervenzusammenbruch” des Partners. Ein weiteres Feld zur Erklärung sind Umstände, welche den Angreifer bzw. die Angreiferin nach Meinung der Betroffenen beeinflusst haben. Diese Umstände liegen dabei schon weiter zurück oder sind situativ entstanden, so wie zum Beispiel unerwartete Schicksalsschläge: hier wurde genannt der „Unfall eines Bekannten” oder der „Tod der Ehefrau”. In diesen beiden Beispielen klingt bereits der Begriff des „Verlustes” an, und er wird auch in anderen Dimensionen erkennbar, z. B. ganz deutlich in den folgenden Beispielen, die als situative Angst, jemanden zu verlieren, codiert worden. Dahingehende Formulierungen sind die „Angst um das Leben der Ehefrau”, „Angst, mich zu verlieren”, „Selbstmordabsicht geäußert” oder auch „die Angst um seinen Hund”. Was hier anklingt, wird in einer weiteren Kategorie noch deutlicher, denn auch die Kategorie der Existenzängste beinhaltet Verlust-Erfahrungen, zum Beispiel auf beruflicher Ebene: Hier geht es geht um „radikale Veränderung durch Kündigung”, „Mann hatte Job verloren” oder „Pensionsschock”. All diese Aussagen sind so zu verstehen, dass die Opfer von Gewalt die angreifende Person als jemanden zeichnen, der/die körperlich aggressiv wird, weil Gewohntes wegfällt oder wegzufallen droht. Dabei fällt auf, dass Frauen dahingehende Aussagen häufiger machen, was übrigens auch als ein den Täter entlastendes Moment durch das Opfer zu sehen ist. In den Erläuterungen der Männer kommen mit Verlust assoziierte körperliche Angriffe seltener vor. Auch hier ist wiederum zu beachten, dass die Befragten meist nicht erläutern, von wem sie angegriffen wurden, d.  h. es bleibt unklar, welches Geschlecht die angreifende Person hat. Eine weitere Kategorie sind Partnerschaftskrisen, welche im Verständnis der Befragten einen psychischen Ausnahmezustand beim anderen hervorgerufen haben. Hier kamen Aussagen wie: „ausgelöst durch die bevorstehende Scheidung”; „Krise in der Ehe”; „Eifersucht”; „Krankhafte Eifersucht”; „Ich hatte eine Affäre mit seiner Freundin”. Besonders die trennungs-konnotierten Aussagen deuten wiederum auf den Verlust-Aspekt. Während die bislang genannten Kategorien psychische Verfassungen beschreiben, die ad hoc ausgelöst worden oder aufgetreten sind, also die Gewaltsituation unmittelbar begleiten (z. B. Schicksalsschlag oder psychische Krankheit), gibt es auch einige Nennungen, die so etwas wie eine „aufgestaute” Belastung beschreiben, welche sich schließlich entlädt. Hierzu zählen länger andauernde Belastungssituationen, z. B. im familialen Kontext: „erhöhte körperliche und seelische Belastung über einen längeren Zeitraum”; „Überforderung der Mutter”; „Pflege von Mama”; „Stress durch kranken Sohn der Partnerin”. Aber auch länger zurückliegende Traumata, die wohl nicht unmittelbar mit der jetzigen Situation zu tun haben müssen, werden von den Befragten als psychisch bedingte Auslöser beschrieben.

196

7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

Genannt wurde hier: „Verfolgungswahn noch aus der Kriegszeit”; „Mein Vater hat Kriegstrauma”; „Trauma von früher (Verkehrsunfall)”. Zuletzt gibt es noch eine Kategorie, die nur selten genannt wurde. Hier ging es um das Mitmachen bei Gewalt, das ein Mann mit den Worten „Fanrandale” erwähnte. Offenbar wurde hier eine mit Gewalt aufgeladene Situation als Auslöser für einen psychischen Ausnahmezustand gedeutet, der bei seinem Gegenüber körperliche Gewalt provozierte. Geschlechterunterschiede sind für die vorliegende Zusammenstellung deshalb nicht interpretierbar, weil hier – weitaus seltener als oben in der Erläuterung der Streitsituationen – nicht erkennbar wird, wer der Angreifer/die Angreiferin war und damit auch nicht, ob es sich um einen Mann oder um eine Frau handelte. Was einen etwaigen eigenen „psychischen Ausnahmezustand” derjenigen angeht, die körperlich angegriffen wurden, sind die Ergebnisse wenig gehaltvoll.32 Die Befragten hatten in der Vielzahl der Fälle noch einmal extra notiert, dass sie selbst sich in keinem Ausnahmezustand befunden hätten („keine!!!!”, „ich selbst nicht!”, „keine Besonderheit”) oder haben Situationen angeführt, die den obigen entsprechen, hier vor allem die „Trennung”. Einzelne Personen gaben an, „Depressionen” gehabt zu haben oder machten Notizen zu eher situativen Gemütszuständen, wie „Wut”, „Zorn”, „Erregung” oder „Angst”. Eine Frau beschreibt sich als selbst „nicht zurechnungsfähig, da mein ganzes Leben zu dem Zeitpunkt am Abgrund stand und alles dunkel und grau wurde in meinem Leben”. Eine andere erläutert, wie sie die Suizid-Drohung des Partners in einen „psychischen Ausnahmezustand” versetzt habe, und schreibt sich die daraus resultierende Verletzung zum Teil selbst zu: „Mir wurde etwas vorgeworfen, was nicht stimmte, und angedroht, dass sich der Partner umbringt, dann habe ich im psychischen Ausnahmezustand dem Partner das Messer weggenommen und wurde dadurch selbst verletzt.” Wie werden die psychischen Ausnahmesituationen des Täters bzw. der Täterin bei sexualisierter Gewalt expliziert?33 Von den fünfundvierzig Frauen und zwanzig Männern, die Opfer von sexueller Belästigung oder sexueller Gewalt geworden waren und gesagt hatten, der/die Täter/in habe sich in einem solchen Zustand befunden, erläuterten achtzehn Frauen und sechs Männer dies genauer. Dieser Anteil der Personen, die zur Erklärung der Begleitumstände bereit waren, ist damit geringer als beim Themenkreis der körperlichen Gewalt. Psychische Ausnahmesituationen, welche sexuelle Gewalt begleitet hatten, sind mit den obigen vergleichbar (körperliche Gewalt). Auch hier spielen Verlustängste in verschiedenen Kontexten eine Rolle („Arbeitsplatzverlust”; „Diese Frau wollte sich gerade von ihrem Mann trennen”) und ebenso psychische Krankheiten („geistig behinderter Mann”; „Schizophrenie, Wahnerkrankung, Essstörung”). Hinzu kommen zwei Nennungen (von Frauen), welche die psychische Ausnahmesituation der angreifenden Person mit einem nicht zu kontrollierenden Sexualtrieb erklären („Übererregung”, „Erregung”). Für die sexuelle Belästigung 32

Die dazugehörige Frage lautete: „Standen Sie selbst bei einer oder mehreren der zuvor beschriebenen Situationen (Anm.: körperliche Gewalt) unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen oder war die Situation durch andere Faktoren wie z. B. einen Streit bestimmt?” – Bei Antwort „einen psychischen Ausnahmezustand”: „welchen? _____________”

33

Die dazugehörige Frage lautete: „Standen die Person bzw. die Personen, von denen Sie angegriffen wurden, bei einer oder mehreren der zuvor beschriebenen Situationen (Anm.: sexuelle Gewalt oder sexuelle Belästigung) unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen oder war die Situation durch andere Faktoren wie z. B. einen Streit bestimmt?” – Bei Antwort „einen psychischen Ausnahmezustand”: „welchen? _____________”

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

wiederholt sich das Thema der allgemeinen Anschuldigungen („Der Exhibitionist ist sicherlich psychisch nicht ganz gesund”), und es werden auch wieder die obigen Themen der psychischen Krankheiten („geistig behinderter Mann”; „Klientin in akuter Psychose”) genannt sowie beziehungstypische Verlustängste („Situation der Trennung bzw. Scheidung”; „Trennungsabsicht”). Aber auch „allgemeinere” negative Gefühle wie „Überforderung”, „Ärger, Wut” und „Stress” wurden genannt, um einen „psychischen Ausnahmezustand” der angreifenden Person zu beschreiben. Ebenso nannte eine Frau die sexuelle „Erregung” des Angreifers/der Angreiferin. Insgesamt sind die Nennungen heterogen und unterscheiden sich kaum von jenen, die den „psychischen Ausnahmezustand” von körperlich Gewalttätigen beschrieben haben. Lediglich die Konnotation sexueller Erregung ist hier spezifisch, wird aber nur von sehr wenigen Personen (drei) genannt. Nur wenige Personen haben Angaben zu ihrem eigenen psychischen Ausnahme­zustand gemacht, den die von ihnen erfahrene sexualisierte Gewalt begleitet hat. Von den sechsundzwanzig Frauen und sechs Männern, die Opfer von sexueller Belästigung oder sexueller Gewalt geworden waren und gesagt hatten, sie selbst hätten sich in einer psychischen Ausnahmesituation befunden, explizierten das zweiundzwanzig Frauen und nur zwei Männer. Die genannten Themen stimmen mit den obigen überein. Es stellt sich mitunter die Frage, ob die Befragten tatsächlich von sich selbst sprechen, denn sie erwähnen z. B. „Trennungsangst”, „Erregung”, „Eifersucht” und „paranoide Schizophrenie”. Möglicherweise wurde die Frage34 missverstanden.

7.4 Zusammenfassung: Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalt­ handlungen sowie eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen Die Mehrheit der Befragten distanziert sich von Gewalt: Das wurde im Vergleich von verschiedenen Situationen, die Gewalt hervorrufen könnten, deutlich. Dies gilt sowohl für die Tolerierung von Gewalthandlungen anderer als auch für die eigene Gewaltbereitschaft. Jedoch wird erkennbar, dass Gewalthandlungen durchaus situativ beurteilt und deshalb manches Mal eher mehr oder eher weniger toleriert werden. Die größte Ablehnung von einzelnen Gewalthandlungen findet sich dabei im Kontext der Partnerschaft: Besonders die Situationen „Mit Hilfe von Gewalt Sex in der Partnerschaft durchsetzen” oder „den eigenen Willen durchsetzen” werden von der allergrößten Mehrheit abgelehnt. Doch finden sich gerade im Partnerschaftskontext auch Gewalt rechtfertigende Einschätzungen, nämlich dort, wo dem Partner/der Partnerin – der eigenen Einschätzung nach – eine (Mit-)Schuld zugeschrieben wird, z. B. im Kontext von Fremdgehen oder Pro-

34

Die dazugehörige Frage lautete: „Standen Sie selbst bei einer oder mehreren der zuvor beschriebenen Situationen (Anm.: sexuelle Gewalt oder sexuelle Belästigung) unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen oder war die Situation durch andere Faktoren wie z. B. einen Streit bestimmt?” – Bei Antwort „einen psychischen Ausnahmezustand”: „welchen? _____________”

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7 – Gewaltbereitschaft und Kontext der Gewalthandlungen

vokation: Immerhin ein Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen hält Gewalt in der Partnerschaft für legitim, wenn diese vom Partner bzw. der Partnerin provoziert worden sei. Besonders kontrovers wird das Thema Gegenwehr beurteilt. Jeweils eine Hälfte der Befragten erachtet ein „Zurückschlagen bei körperlichen Angriffen” für gerechtfertigt, die andere nicht. Gleichzeitig ist das Thema Gegenwehr aber jenes, welches die Befragten am ehesten zu eigenen Gewaltanwendungen motivieren würde. Entlang von verschiedenen Szenarien werden eigene Handgreiflichkeiten am ehesten dort vermutet, wo man von „Fremden körperlich bedroht” wird oder sich durch „Berührungen oder Beschimpfungen provoziert fühlt”. Auffallend ist, dass Frauen häufiger Gewalt befürwortende Einstellungen abgelehnt und sich als gewaltbereiter positioniert haben als dies Männer tun, was in einem gewissen Widerspruch zu ihrer geringeren faktischen Täterschaft nach Aussagen männlicher und weiblicher Gewaltopfer steht. Auch gaben Frauen im Interview bei fast allen Gewaltsituationen häufiger an, dass sie sich körperlich zur Wehr setzen würden. Dies trifft vor allem für die 16- bis 20-jährigen Frauen zu. Bildung spielt ebenfalls eine große Rolle: Es wurde gezeigt, dass sich Personen bildungsferner Schichten nach eigener Einschätzung deutlich eher körperlich zur Wehr setzen würden als Bildungsnahe. Ein genereller Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Gewaltbereitschaft (d. h. auch für andere Kontexte) war jedoch kaum erkennbar, auch wenn die Tendenz besteht, dass vor allem akademisch Gebildete seltener angeben, in spezifischen Situationen physische Gewalt anzuwenden. Wie wirken Einstellungen und tatsächliche Gewaltbereitschaft zusammen? Immerhin geben 79 % der Männer und 67 % der Frauen an, dass sie „Gewalt grundsätzlich in jeder Form ablehnen”. Die sog. „Gewaltfreien” geben tatsächlich weniger oft an, in spezifischen Situationen „wahrscheinlich” handgreiflich zu werden. Doch auch sie zeigen sich situativ gewaltbereit: Unter ihnen akzeptieren ein Viertel der Männer und 14,9 % der Frauen die Ohrfeige in der Kindererziehung; weiters würden sich 18,1 % der Männer und 29,1 % der Frauen bei körperlichen Angriffen von Fremden zur Wehr setzen. Und etwa jede/r Zehnte der Gewalt ablehnenden Personen stimmt der Aussage zu, dass Partner/innen manches Mal „so provozieren, dass sie selbst schuld sind, wenn sie härter angefasst werden.” Eine zentrale Kontextbedingung, in der es zu Gewalthandlungen kommt, ist der Alkohol. Rund die Hälfte der Frauen und Männer gibt an, dass der Täter bzw. die Täterin unter dem Einfluss von Alkohol bei körperlichen und sexuellen Gewalthandlungen sowie bei der sexuellen Belästigung stand. Aber Alkohol spielt auch für die Opfer von Gewalthandlungen selbst eine Rolle: Männer geben deutlich häufiger als Frauen an, bei den erfahrenen Gewalthandlungen auch selbst unter dem Einfluss von Alkohol gestanden zu sein. Dies trifft auf knapp die Hälfte der Männer mit sexueller Gewalterfahrung zu, gegenüber knapp jeder fünften Frau; es gilt zudem für ein Drittel der Männer und für 13,9 % der Frauen bei körperlichen Übergriffen. Eine weitere Kontextbedingung von Gewalthandlungen ist die Streitsituation mit dem Opfer selbst. So geben z. B. zwei Drittel der Frauen und jeder zweite Mann an, dass die körperlichen Übergriffe zumindest einmal in einer Streitsituation mit der befragten Person selbst erfolgt sind.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Drogen, Medikamente und der psychische Ausnahmezustand des Täters/der Täterin bzw. des Opfers scheinen eine eher untergeordnete Rolle als Kontextbedingungen für Gewalthandlungen zu spielen. Die Entstehung von handgreiflichen Auseinandersetzungen sieht die überwiegende Mehrheit der Frauen und Männer darin begründet, dass meist die andere Person mit dem körperlichen Angriff begonnen hat. Etwas mehr als jeder zehnte Mann und jede zehnte Frau berichten, dass beide gleichzeitig mit den körperlichen Angriffen begonnen haben. Hierzu ist jedoch einschränkend zu bemerken, dass es aus der Forschung Hinweise darauf gibt, dass Frauen eher auf eine vermeintliche „Mitschuld” rekurrieren könnten als auf eine tatsächliche Gewaltinitiative, während es aus der Täterarbeit Hinweise darauf gibt, dass Männer häufiger die eigene Gewaltinitiative herunterspielen. Das könnte auch erklären, warum Männer so viel häufiger faktisch als Täter in Erscheinung treten, als sie sich bei dieser Frage als Täter zu erkennen geben. Wer Täter/Täterin ist, variiert je nach Gewaltform und Geschlecht des Opfers. Grundsätzlich zeigt sich, dass psychische und körperliche Gewalt bei Frauen und Männern überwiegend durch Männer ausgeübt wurde. So erlebten jede zweite Frau und jeder zweite Mann psychische Übergriffe überwiegend bzw. ausschließlich durch Männer, und etwa jede dritte Frau und jeder dritte Mann durch Frauen und Männer im gleichen Ausmaß. Bei körperlichen Übergriffen schildern rund zwei Drittel der Frauen und Männer primär männliche Täter. Bei den sexualisierten Gewaltformen zeigen sich deutliche geschlechterspezifische Muster: Frauen erleben sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt fast ausschließlich durch Männer. Männer erleben beide Gewaltformen mehrheitlich durch Frauen, jedoch auch zu einem nicht unerheblichen Teil durch das eigene Geschlecht: Sexuelle Gewalt wird von 39,5 % der Männer primär durch männliche Täter erlebt (ausschließlich bzw. überwiegend), und jeder vierte Mann schildert sexuelle Belästigungen ausschließlich bzw. überwiegend durch das gleiche Geschlecht. Jüngere Altersgruppen schildern das eigene Geschlecht häufiger als Täter bzw. Täterin; so nennen beispielsweise jüngere Frauen bei körperlicher Gewalt deutlich mehr Täterinnen, als dies ältere Frauen tun. Auch jüngere Männer bezeichnen sowohl bei psychischer als auch bei körperlicher Gewalt häufiger das eigene Geschlecht als Täter. Die Zunahme von Täter/innen des jeweils anderen Geschlechts mit dem Alter verweist vermutlich auf einen Anstieg von Gewalt in Paarbeziehungen. Körperliche und sexuelle Gewalt scheint bei Frauen häufig in ein missbräuchliches Beziehungsmuster eingebettet zu sein, denn jede zweite Frau erfährt diesbezügliche Gewalt durch ein und dieselbe Person, sexuelle Belästigung und psychische Gewalt hingegen primär durch verschiedene Personen. Männer nennen ebenfalls unterschiedliche Täter und Täterinnen, außer im Bereich der sexuellen Gewalt. Hier schildert jeder zweite Mann sexuelle Gewalterfahrungen durch ein und dieselbe Person.

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8 – Reaktionen auf Gewalthandlungen

8 Reaktionen auf Gewalt handlungen Neben den unterschiedlichen Folgen von Gewalthandlungen interessierte im Rahmen der Studie auch die Opfer-Reaktion auf die widerfahrene Gewalt. Ob institutionelle Hilfe in Anspruch genommen wurde und inwieweit die genutzten Hilfsangebote zufriedenstellend waren, wurde ebenfalls erhoben.

8.1 Eigenes Verhalten bzw. eigene Reaktion Im Rahmen der körperlichen und sexuellen Gewalt sowie der sexuellen Belästigung wurden die Befragten der Studie gebeten, ihre Reaktion auf die Gewalterfahrung einzuschätzen. Frauen schildern deutlich stärkere Reaktionen auf erfahrene Gewalthandlungen. In nahezu allen Reaktionen und bei allen Gewaltformen haben Frauen die häufigeren Nennungen. Die beiden einzigen Reaktionen, die Männer häufiger nennen: sich bei körperlicher Gewalt tatkräftig gewehrt (Männer 30,0 %; Frauen 21,7 %) sowie sexuelle Gewalt ignoriert zu haben (Männer 23,99 %; Frauen 13,4 %). Alle anderen Reaktionen nennen Frauen (deutlich) häufiger. Bei sexueller Gewalt unterscheiden sich Frauen besonders stark in ihren Reaktionen von Männern: n

Sie fühlen sich sexueller Gewalt deutlich stärker ausgeliefert. Nahezu die Hälfte der Frauen gibt an, sich hilflos zu fühlen (45,4 % Frauen; 20,7 % Männer). Frauen wussten häufiger nicht, wie sie sich zur Wehr setzen sollten (23,4 % Frauen; 13,0 % Männer).

n

Frauen sind durch sexuelle Gewalterlebnisse stärker belastet als Männer (29,4 % Frauen; 16,3 % Männer).

n

Sexuelle Gewalt ist für Frauen deutlich stärker mit Angst besetzt – 28,6 % der Frauen und 5,4 % der Männer hatten Angst bei sexuellen Gewalthandlungen.

n

Frauen reagieren bei sexueller Gewalt aktiver als Männer: So wehren sich Frauen doppelt so häufig tatkräftig wie Männer und werden auch doppelt so häufig wütend (tatkräftig gewehrt: 23,6 % Frauen; 10,9 % Männer; wütend geworden: 41,2 % Frauen; 21,7 % Männer).

Auch bei körperlicher Gewalt fühlen Frauen sich deutlich hilfloser (47,4 % Frauen; 24,9 % Männer) und schildern häufiger, Angst gehabt (39,1 % Frauen; 22,1 % Männer), sich nicht gewehrt bzw. sich nicht zu wehren getraut zu haben. Die im vorangegangenen Kapitel beschriebene eigene Einschätzung der Frauen, sich bei Gewaltsituationen zu wehren, die sie häufiger als Männer genannt hatten, bestätigt sich demnach in der Realität konkreter Gewaltsituationen nicht.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 104: Eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen nach Gewaltform und Abbildung 104: Eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen nach Gewaltform und Geschlecht (1) Geschlecht (1) Abbildung 104: Eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen nach Gewaltform und Geschlecht (1)

Frauen Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Abbildung 105: Eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen nach Gewaltform und Abbildung 105: Eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen nach Gewaltform und Geschlecht (2) Abbildung 105: Eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen nach Gewaltform und Geschlecht (2) Geschlecht (2)

Frauen Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

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8 – Reaktionen auf Gewalthandlungen

Im Frageblock zur körperlichen Gewalt wurde den Teilnehmenden noch eine Zusatzfrage vorgelegt, wie sie bei handgreiflichen Auseinandersetzungen reagiert haben. Nahezu drei Viertel der Frauen (72,7 %) und Männer (70,2 %) versuchten, bei handgreiflichen Ausein­ Im Frageblock zur körperlichen Gewalt wurde den Teilnehmenden noch eine Zusatzfrage andersetzungen der Situation möglichst zu entkommen. Dies ist die am häufigsten gedazu vorgelegt, wie sie bei handgreiflichen Auseinandersetzungen reagiert haben. Nahezu nannte Reaktion auf Auseinandersetzungen. An zweiter steht sowohl, drei handgreifliche Viertel der Frauen (72,7%) und Männer (70,2%)Stelle versuchten, bei handgreiflichen sich in der RegelAuseinandersetzungen, mit körperlichen Mitteln zu wehren, oder aber sich grundsätzlich der Situation möglichst zu entkommen. Dieses istnicht die am häufigsten körperlich zu wehren. Knapp jeder fünfte Mann (17,7 %) und jede zehnte Frau (11,9 %) genannte Reaktion auf handgreifliche Auseinandersetzungen. An zweiter Stelle steht sowohl geben an, bei handgreiflichen Auseinandersetzungen kräftig haben. Auch sich in der Regel mit körperlichen Mitteln zuzugeschlagen wehren oder zu aber sich grundsätzlich nicht körperlich jeder fünfte MannAussagen (17,7%) und jedeeigenen zehnte Frau hier zeigt sich wieder, dasszu beiwehren. FrauenKnapp die eher allgemeinen zu den Re- (11,9%) gibt an, von bei handgreiflichen zugeschlagen zu haben. Auch hier aktionen auf Gewalt der Reaktion inAuseinandersetzungen konkreten Situationenkräftig abweichen. zeigt sich wieder, dass bei Frauen die eher allgemeinen Aussagen zu den eigenen Reaktionen auf Gewalt von der Reaktion in konkreten Situationen abweichen. Abbildung 106: Reaktion bei handgreiflichen Auseinandersetzungen Abbildung 106: Reaktion bei handgreiflichen Auseinandersetzungen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen körperlicher Gewalt.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen körperlicher Gewalt.

Im Rahmen der offenen Antwortmöglichkeiten wurden von Männern und Frauen nur sehr wenige weitere Reaktionen angegeben, die im Folgenden kurz zusammengefasst werden: So schilderten Männer und Frauen als weitere Reaktionen, bei körperlicher Gewalt die Polizei gerufen zu haben bzw. durch „gut zureden” versucht zu haben, die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Beide Geschlechter schildern vereinzelt auch „davonzulaufen” als eine andere Reaktion. Weitere Gefühle, wie z. B. gekränkt, schockiert zu sein, wurden vereinzelt von Frauen geschildert. 193 203

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

8.2 Inanspruchnahme von Hilfsangeboten Den an der Studie Teilnehmenden wurde eine Liste unterschiedlicher Vorgehensweisen der Hilfesuche vorgelegt. Die Befragten konnten angeben, bei welchen Institutionen sie sich Unterstützung und Hilfe geholt hatten. Folgende Items wurden vorgegeben: n

Medizinische Hilfe geholt

n

Selbst Polizei eingeschaltet

n

Andere Person hat Polizei oder Jugendamt eingeschaltet

n

Anzeige erstattet

n

Beratungsstelle bzw. Therapeuten/Therapeutin aufgesucht

n

An Kriseneinrichtung gewendet, wie z.  B. Gewaltschutzzentrum/Interventionsstelle, Frauenhaus, Krisenzentrum

Von den angebotenen Hilfseinrichtungen wird am stärksten medizinische Hilfe sowie Unterstützung durch eine Beratungsstelle bzw. eine therapeutische Fachkraft in Anspruch genommen. Medizinische Unterstützung und solche durch Beratungsstellen bzw. Therapeuten holt sich etwa jede fünfte Frau nach körperlichen Gewaltübergriffen; auch jeder fünfte Mann sucht dann medizinische Unterstützung, allerdings nur jeder zehnte die Unterstützung einer Beratungsstelle bzw. eines/einer Therapeuten/in. Am seltensten suchen von Gewalt betroffene Frauen und Männer eine Kriseneinrichtung auf. Am ehesten wird diese von Frauen in Anspruch genommen, die körperliche Gewalterfahrungen (6,5 %) oder sexuelle Gewalterfahrungen (4,1 %) machen mussten. Bei körperlichen Gewalterfahrungen werden die Hilfseinrichtungen bzw. Hilfsleistungen am stärksten in Anspruch genommen. So geben z. B. etwa jede fünfte Frau und jeder fünfte Mann mit körperlichen Gewalterfahrungen an, medizinische Hilfe beansprucht bzw. die Polizei selbst eingeschaltet zu haben. Etwa jede fünfte Frau hat auch eine Beratungsstelle bzw. therapeutische Stelle aufgesucht. Mehr als jede zehnte Frau (14,1  %) und jeder zehnte Mann (10,2 %) haben nach psychischen Gewalterfahrungen medizinische Hilfe akzeptiert. Medizinische Hilfe sowie Beratungsleistungen werden von Frauen stärker in Anspruch genommen als von Männern. Mehr als jede zehnte Frau (11,3 %) nimmt nach sexueller Gewalterfahrung medizinische Hilfe in Anspruch, gegenüber 5,1 % der Männer. Jede fünfte Frau (21,7 %) nimmt Beratung/Therapie nach körperlichen Übergriffen in Anspruch, gegenüber jedem zehnten Mann (10,7 %); bei sexueller Gewalt taten dies 16,0 % der Frauen und 2,6 % der Männer.

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8 – Reaktionen auf Gewalthandlungen

Abbildung 107: In Anspruch genommene Hilfsangebote nach Gewaltform und Geschlecht Abbildung 107: In Anspruch genommene Hilfsangebote nach Gewaltform und Geschlecht

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Befragten Erfahrungen der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle mitinErfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

Der Blick auf eine altersspezifische Inanspruchnahme zeigt deutliche Geschlechterunterschiede: Frauen nehmen mit zunehmendem Lebensalter fast alle Hilfsangebote häufiger in Anspruch als jüngere. Bei Männern zeigt sich dies nicht. Einige Beispiele verdeutlichen diese Ergebnisse: 14.3% der Frauen im Alter von 21 bis 30 Jahren nahmen bei psychischen Gewalterfahrungen Beratung/Therapie in Anspruch, gegenüber 21,0% der 51- bis 60-Jährigen. Oder jede zehnte Frau unter 30 Jahren nahm bei sexueller Gewalt Beratung/Therapie in Anspruch und jede fünfte Frau (22,2%) im Alter von 51 bis 60 Jahren. Weiter nahm bei psychischer Gewalt jede fünfte Frau über 50 Jahre (21,0%) medizinische Hilfe in Anspruch und 7,2% der Frauen im Alter von 21 bis 30 Jahren. Einerseits kann zur Erklärung dieses Trends bei Frauen die Tatsache angeführt werden, dass mit zunehmendem Lebensalter auch die Erfahrungen mit Gewalt in zum Teil länger andauernden Gewaltbeziehungen steigen und somit die Wahrscheinlichkeit eine Hilfsleistung in Anspruch genommen zu haben, erhöht ist. Bei Männern spielen andere Täter-OpferKontexte eine größere Rolle und es wird weniger fortgesetzte Gewalt durch einen Täter/in 205

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Der Blick auf eine altersspezifische Inanspruchnahme zeigt deutliche Geschlechterunterschiede: Frauen nehmen mit zunehmendem Lebensalter fast alle Hilfsangebote häufiger in Anspruch als jüngere. Bei Männern zeigt sich dies nicht. Einige Beispiele verdeutlichen diese Ergebnisse: 14,3 % der Frauen im Alter von 21 bis 30 Jahren suchten bei psychischen Gewalterfahrungen Beratung/Therapie auf, gegenüber 21,0 % der 51- bis 60-Jährigen. Jede zehnte Frau unter dreißig Jahren nahm bei sexueller Gewalt Beratung/Therapie in Anspruch und jede fünfte Frau (22,2 %) im Alter von 51 bis 60 Jahren; weiters nahm bei psychischer Gewalt jede fünfte Frau über 50 Jahren (21,0 %) medizinische Hilfe in Anspruch, aber nur 7,2 % der Frauen im Alter von 21 bis 30 Jahren. Einerseits kann zur Erklärung dieses Trends bei Frauen die Tatsache angeführt werden, dass mit zunehmendem Lebensalter auch die Erfahrungen mit Gewalt in zum Teil länger andauernden Gewaltbeziehungen steigen und somit die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, eine Hilfsleistung in Anspruch genommen zu haben. Bei Männern spielen andere Täter-Opfererlebt. Allerdings scheinen auch unabhängig davon Frauen grundsätzliche leichter von Kontexte eine größere Rolle, und es wird weniger fortgesetzte Gewalt durch eine/n TäterHilfsangeboten Gebrauch zu machen als Männer. /in erlebt. Allerdings scheinen auch unabhängig davon Frauen grundsätzlich leichter von Hilfsangeboten Gebrauchnach zu machen Männer. Eine Unterscheidung Bildungals und der Inanspruchnahme von Hilfsangeboten zeigt bei

und Frauen, Personen mitInanspruchnahme einem Pflichtschulabschluss (ohne oder mit bei Lehre) EineMännern Unterscheidung nachdass Bildung und der von Hilfsangeboten zeigt sowie und Personen mit einem Fachschulabschluss am stärksten Gebrauch Männern Frauen, dass Personen mit einem Pflichtschulabschluss (ohne oder mitvon Leh-den unterschiedlichen Hilfsangeboten machen. Eine Ausnahme stellt bei den meisten re) sowie Personen mit einem Fachschulabschluss am stärksten Gebrauch von den unterGewaltformen die Inanspruchnahme vonAusnahme Beratung bzw. durch Personen mit einem schiedlichen Hilfsangeboten machen. Eine stelltTherapie bei den meisten Gewaltformen Studienabschluss dar (ohne Abbildung, siehe Anhang Abbildungen 37 40). Auch in der die Inanspruchnahme von Beratung bzw. Therapie durch Personen mit einem Studienabdeutschen Gewaltprävalenzstudie ist festgestellt worden, dass Frauen in gehobenen schluss dar. Auch in der deutschen Gewaltprävalenzstudie ist festgestellt worden, dass Soziallagen am ehesten therapeutische Angebote in Gewaltsituationen nutzen, während Frauen in gehobenen Soziallagen am ehesten therapeutische Angebote in GewaltsituatioFrauen in schwierigeren sozialen Lagen eher Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen nen nutzen, während Frauen in schwierigeren sozialen Lagen sich eher an Frauenhäuser nutzen (vgl. Schröttle/Ansorge 2009). und Frauenberatungsstellen wenden (vgl. Schröttle/Ansorge 2009). Abbildung 108: Hilfseinrichtungen nach Alter – psychische Gewalt Abbildung 108: Hilfseinrichtungen nach Alter – psychische Gewalt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

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8 – Reaktionen auf Gewalthandlungen

Abbildung 109: Hilfsangebote nach Alter – körperliche Gewalt Abbildung 109: Hilfsangebote nach Alter – körperliche Gewalt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 110: Hilfsangebote nach Alter – sexuelle Belästigung Abbildung 110: Hilfsangebote nach Alter – sexuelle Belästigung

Quelle:ÖIF ÖIF Prävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. alle Befragten mit Erfahrungen in derin jeweiligen Gewaltform. Quelle: 2011.Basis: Basis: alle Befragten mit Erfahrungen der jeweiligen Gewaltform.

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8 – Reaktionen auf Gewalthandlungen

Abbildung 111: Hilfsangebote nach Alter – sexuelle Gewalt Abbildung 111: Hilfsangebote nach Alter – sexuelle Gewalt Abbildung 111: Hilfsangebote nach Alter – sexuelle Gewalt

Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis: alle mitmit Erfahrungen in derinjeweiligen Gewaltform. Quelle: alleBefragten Befragten Erfahrungen der jeweiligen Gewaltform. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Basis: alle Befragten mit Erfahrungen in der jeweiligen Gewaltform.

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8.3 Zusammenfassung: Reaktionen auf Gewalthandlungen Frauen schildern deutlich stärker Reaktionen auf die erfahrenen Gewalthandlungen in allen Gewaltformen. Männer zeigen nur bei der körperlichen Gewalt eine stärkere Reaktion in der Form, „sich tatkräftig gewehrt zu haben” sowie bei sexueller Gewalt, „es ignoriert zu haben”. Durch sexuelle Gewalterfahrungen werden Frauen deutlich stärker belastet als Männer. Sie fühlen sich einerseits stärker ausgeliefert; so berichtet nahezu jede zweite Frau, sich hilflos zu fühlen (gegenüber jedem fünften Mann), und jede vierte Frau wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Frauen schildern häufiger, Angst gehabt zu haben. Sie reagieren auch tatkräftiger, wehren sich doppelt so häufig und werden doppelt so häufig wütend wie Männer. Bei körperlicher Gewalt zeigen sich ebenfalls Geschlechterunterschiede in Bezug auf die Reaktion: Nahezu jede zweite Frau fühlt sich hilflos (im Vergleich zu jedem vierten Mann), und Frauen empfinden deutlich stärker Angst in diesen Situationen. Bei handgreiflichen Auseinandersetzungen versuchen die Befragten primär, der Situation zu entkommen, und verzichten auf körperliche Gegenwehr (jeweils etwa die Hälfte der Befragten). Die andere Hälfte der Männer wehrt sich körperlich, dies traf bei Frauen weniger zu. Knapp jeder fünfte Mann und jede zehnte Frau haben bei handgreiflichen Auseinandersetzungen kräftig zugeschlagen. Am stärksten wurden von Frauen und Männern medizinische Hilfe sowie die Unterstützung durch eine Beratungsstelle bzw. eine therapeutische Fachkraft in Anspruch genommen. Hilfseinrichtungen bzw. Hilfeleistungen werden am stärksten nach körperlichen Gewalterfahrungen in Anspruch genommen. So geben z. B. rund jede fünfte Frau und jeder fünfte Mann an, medizinische Hilfe nach körperlichen Übergriffen in Anspruch genommen zu haben. Etwas weniger häufig machen Frauen und Männer eine polizeiliche Anzeige (16,5 % Frauen, 18,5 % Männer). Frauen nehmen medizinische Hilfe sowie das Unterstützungsangebot von Beratungsstellen bzw. Therapeuten und Therapeutinnen doppelt so häufig in Anspruch; so z. B. jede zehnte Frau nach sexuellen Gewalterlebnissen medizinische Hilfe, aber nur jeder zwanzigste Mann. Jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann nehmen nach sexueller Gewalterfahrung Beratung bzw. eine Therapie in Anspruch. Dies dürfte an der höheren Verletzungsquote sowie den gravierenderen psychischen und psychosozialen Folgen für Frauen nach sexueller Gewalt liegen. Nach Alterskategorien betrachtet zeigt sich, dass Frauen mit zunehmendem Lebensalter auch stärker die Hilfsangebote in Anspruch nehmen. Das kann insofern mit den Täter-Opfer-Kontexten der Gewalt zusammenhängen, wenn ein Täter/eine Täterin (oft der Partner) wiederholt Gewalt ausübt. Es ist ebenso wahrscheinlich, dass Frauen grundsätzlich leichter Gebrauch von Hilfsangeboten machen und hier eine geringere Schwelle sehen als Männer.

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8 – Reaktionen auf Gewalthandlungen

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

9 Gewalt in der Kindheit Ein Themenbereich der vorliegenden Prävalenzstudie beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die befragten Personen in ihrer Kindheit Gewalterfahrungen gemacht haben. Als Kindheit wird hierbei die Lebensphase bis zum Alter von 16 Jahren definiert. Analog zu den Gewalterfahrungen im Erwachsenenalter wurde zwischen drei Gewaltformen unterschieden: psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt. Ebenfalls erhoben wurden Informationen zu den Lebensbereichen, in denen die Übergriffe passierten, sowie zu den Täter-Personen und der von den Kindern damals in Anspruch genommenen Hilfe (Personen und Institutionen). In ihrer Kindheit – also bis zum Alter von 16 Jahren – haben etwa drei Viertel der befragten Personen psychische und/oder körperliche Gewalterfahrungen gemacht. Dabei zeigen sich kaum Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Frauen waren als Kind zu 74,8 % von psychischer und zu 72,6 % von körperlicher Gewalt betroffen. Von den befragten Männern haben 72,8 % psychische und 73,7 % körperliche Übergriffe als Kind erlebt. Ein ganz anderes Bild zeigt sich hingegen bei der sexuellen Gewalt: Hier existieren klare geschlechterspezifische Unterschiede hinsichtlich der Frage, ob die Befragten in ihrer Kindheit sexuelle Gewalterfahrungen gemacht haben oder nicht. Mit 27,7 % waren mehr als doppelt so viele Frauen sexuellen Übergriffen ausgesetzt wie Männer (12 %).

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kaum Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Frauen waren als Kind zu 74,8% v psychischer und zu 72,6% von körperlicher Gewalt betroffen. Von den befragten Männe haben 72,8% psychische und 73,7% körperliche Übergriffe als Kind erlebt. Ein ganz ander – Gewalt in der Kindheit Bild zeigt sich hingegen bei der 9 sexuellen Gewalt: Hier existieren kla geschlechterspezifische Unterschiede hinsichtlich der Frage, ob die Befragten in ihr Kindheit sexuelle Gewalterfahrungen gemacht haben oder nicht. Mit 27,7% waren mehr a Abbildung 116: Prävalenz inFrauen der Kindheit doppelt so viele sexuellen Übergriffen ausgesetzt als Männer (12%). Abbildung 116: Prävalenz in der Kindheit

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Eine altersspezifische Betrachtung zeigt, dass ältere Menschen signifikant häufiger Gewalt ihrer Betrachtung Kindheit erlebt als jüngere Menschen. deutlich wird dies Eine altersspezifische zeigt,haben dass ältere Menschen signifikantBesonders häufiger Gewalt Zusammenhang mit körperlichen Gewalthandlungen. Die gesellschaftliche in ihrer Kindheit erlebt haben als jüngere. Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang Entwicklung d Jahrzehnte hatDie dazu geführt, dass Entwicklung die körperliche von Kindern imm mit körperlichenletzten Gewalthandlungen. gesellschaftliche derZüchtigung letzten Jahrweniger sozial und rechtlich akzeptiert wird. Dies zeigt sich auch anhand zehnte hat dazu geführt, dass die körperliche Züchtigung von Kindern sozial und rechtlich der empirisch Daten. Waren acht anhand von zehn und Männer Alter von 51 bis immer weniger akzeptiert wird. beispielsweise Dies zeigt sich auch derFrauen empirischen Daten. im Waren Jahren Kind körperlichen Gewalthandlungen ausgesetzt, so berichten beispielsweise acht von als zehn Frauen und Männer im Alter von 51 bis 60 Jahren als Kindin der Gruppe d 16bis 20-jährigen Frauen und Männer jeweils rund 55% von erlebter körperlicher Gewa körperlichen Gewalthandlungen ausgesetzt, so berichten in der Gruppe der 16- bis 20-jährigen Frauen und Männer jeweils rund 55 % von erlebter körperlicher Gewalt. Der Anteil 206 der körperlichen Misshandlungen in der Kindheit ist also um rund 25 bis 30 Prozentpunkte zwischen der ältesten und der jüngsten Altersgruppe zurückgegangen. Ein ebenfalls signifikanter Rückgang an in der Kindheit erlebten Gewalthandlungen ist bei der sexuellen Gewalt zu beobachten – und zwar sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Von den 51- bis 60-jährigen Frauen geben 40,8 % an, sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen zu sein, in der Altersgruppe der 16- bis 20-jährigen Frauen waren es 19,6  % (Männer: 19,9 % versus 6,4 %). Der geringste altersspezifische Effekt zeigt sich im Zusammenhang mit der psychischen Gewalt, die Frauen als Kind erlebt haben. Hier liegt der Unterschied zwischen der ältesten und der jüngsten Gruppe bei nur vier Prozentpunkten. Die Männer folgen hingegen der allgemeinen Tendenz der beiden anderen Gewaltformen, d. h. es ist ein deutlicher Rückgang an in der Kindheit erlebten psychischen Gewalthandlungen feststellbar. Dieser liegt bei rund 25 Prozentpunkten zwischen der ältesten und jüngsten Altersgruppe.

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Der geringste altersspezifische Effekt zeigt sich im Zusammenhang mit der psychischen Gewalt, die Frauen als Kind erlebt haben. Hier liegt der Unterschied zwischen der ältesten und der jüngsten Gruppe bei nur vier Prozentpunkten. Die Männer folgen hingegen der Österreichische Gewalt and.h. Frauen Männern allgemeinen TendenzPrävalenzstudie der beiden anderenzur Gewaltformen, es ist und ein deutlicher Rückgang an in der Kindheit erlebten psychischen Gewalthandlungen feststellbar. Dieser liegt bei rund 25 Prozentpunkten zwischen der ältesten und jüngsten Altersgruppe. Abbildung 117: Prävalenz von Gewalt in der Kindheit nach Alter

Abbildung 117: Prävalenz Gewalt in der Kindheit nach Alter

Quelle: Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis: Basis: alle Befragten.

Im Im Folgenden wird wird nun der Frage nachgegangen, nachgegangen, ob ob die die befragten befragten Frauen und und Männer Männer in in ihrer Kindheit Form von von Gewalthandlung erlebterlebt habenhaben oder verschiedenen Kindheit jeweils jeweilsnur nureine eine Form Gewalthandlung oder ob sie Formen von Gewalt ausgesetzt waren. Als Ausgangshypothese gilt hierbei, dass sofern verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt waren. Als Ausgangshypothese gilt–hierbei, als Kind Gewaltals erlebt wurde – eserlebt sich meist einesich Kombination dass – sofern Kind Gewalt wurdeum – es meist um aus eineverschiedenen Kombination Geaus verschiedenen Gewaltformen handelte. waltformen handelte. Überhaupt keine Gewalterfahrungen Gewalterfahrungenaus aus ihrer Kindheit haben 13,4  der Frauen und Überhaupt keine ihrer Kindheit haben 13,4% der%Frauen und 16,0% 16,0 % der Männer. Die Mehrheit der befragten der befragten Männer der Männer. Die Mehrheit der befragten Frauen Frauen (38,7%)(38,7 %) und der und befragten Männer (51,5%) (51,5 %) hingegen war als Kind sowohl mit psychischer als auch mit körperlicher Gewalt hingegen war als Kind sowohl mit psychischer als auch mit körperlicher Gewalt konfrontiert. konfrontiert. Am zweithäufigsten gaben die 207 Respondenten und -innen die Kombination aus allen drei Gewaltformen an: Psychische, körperliche und sexuelle Gewalt als Kind erlebten 23 % der Frauen und 11 % der Männer. Unabhängig vom Geschlecht waren jeweils rund 10 % entweder nur psychischen oder nur körperlichen Gewalthandlungen ausgesetzt. Sexuelle Gewalt in der Kindheit trat fast immer nur in Kombination mit den anderen beiden Gewaltformen auf, also sowohl mit psychischen als auch körperlichen Übergriffen. Es bestätigt sich daher die vorab formulierte und in anderen Forschungen ebenfalls verifizierte These (vgl. u. a. Deegener, 2006), dass Gewalthandlungen, die Kinder erleben, überwiegend nicht nur auf eine Gewaltform beschränkt bleiben. In rund sechs von zehn Fällen haben in der Kindheit gemachte Gewalterfahrungen sowohl eine psychische als auch eine körperliche Komponente.

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Gewaltformen auf, also sowohl mit psychischen als auch körperlichen Übergriffen. Es bestätigt sich daher die vorab formulierte und in anderen Forschungen ebenfalls verifizierte These (vgl. u.a. Deegener, 2006), dass Gewalthandlungen, die Kinder erleben, 9– Gewalt in der Kindheit überwiegen nicht nur auf eine Gewaltform beschränkt bleiben. In rund sechs von zehn Fällen haben in der Kindheit gemachte Gewalterfahrungen sowohl eine psychische als auch eine körperliche Komponente. Abbildung 118: Prävalenz von Gewalt in der Kindheit: Kombination erlebter Gewaltformen

Abbildung 118: Prävalenz Gewalt in der Kindheit: Kombination erlebter Gewaltformen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: 2011. alle Befragten.

9.1

Erlebte psychische Gewalt in der Kindheit

9.1 Erlebte inerlebten der Kindheit Die erste psychische Analyse zu den inGewalt der Kindheit Gewalthandlungen

bezieht sich auf psychische Gewalt. Die im Rahmen der vorliegenden Studie errechnete Prävalenz der als Kind erlebten psychischen Gewalt liegt für die befragten Frauen bei 74,8% und für die Die erste Analyse zuMänner den in der Kindheit erlebten Gewalthandlungen bezieht sich auf nach psy- konkreten befragten bei 72,8% (siehe Abbildung 116). Differenziert man diese chische Gewalt. Die im Rahmen der vorliegenden Studie errechnete Prävalenz der als Kind Handlungen, so kristallisieren sich zwei Formen von Übergriffen heraus, welche die Frauen erlebten psychischen liegtKindheit für die befragten Frauen häufig bei 74,8 % für die befragund MännerGewalt in ihrer vergleichsweise erlebtund haben. Dabei geht es um ten Männer bei 72,8  % (siehe 116). man dieseDie nach konkreten Demütigungen und umAbbildung AngebrülltoderDifferenziert Beschimpft-Werden. Mehrheit der Befragten Handlungen, so 50%) kristallisieren sich zwei Formen vonmehr Übergriffen heraus, welche die Frauen wurden (über hat solche Übergriffe als Kind als einmal erlebt. Häufig gedemütigt und Männer in ihrer vergleichsweise häufighäufig erlebtangebrüllt haben. Dabei es um wurden De16,8% der Kindheit Frauen und 8,6% der Männer, oder geht beschimpft 15,9% derund Frauen und 7,6% der Männer. mütigungen um Angebrülltoder Beschimpftwerden. Die Mehrheit der Befragten (über 50 %) hat solche Übergriffe als Kind mehr als einmal erlebt. Häufig gedemütigt wurden Körperlicher und seelischer Vernachlässigung in ihrer Kindheit ausgesetzt waren ein 16,8 % der Frauen und 8,6 % der Männer, häufig angebrüllt oder beschimpft 15,9 % der knappes Viertel der befragten Frauen (23,8%) und 14% der befragten Männer. Ein auch hier Frauen und 7,6 % der Männer.

bei den Frauen deutlich höherer Prozentsatz der Frauen (27,9%) und Männer (17,8%) wurde

Körperlicher und seelischer Vernachlässigung in ihrer Kindheit ausgesetzt waren ein knappes Viertel der befragten Frauen (23,8 %) und 14 % 208 der befragten Männer. Ein auch hier bei den Frauen deutlich höherer Prozentsatz der Frauen (27,9 %) und Männer (17,8 %) wurde als Kind mit Liebesentzug bestraft. In der Kindheit als Partnerersatz missbraucht worden zu sein, gaben 12,3 % der Frauen und 6 % der Männer an. Durchgehend – d. h. über alle Einzelhandlungen hinweg – berichten Frauen häufiger als Männer, in ihrer Kindheit Opfer von psychischer Gewalt geworden zu sein. Der Anteil der Frauen liegt dabei meist in etwa doppelt so hoch wie jener der Männer.

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als Kind mit Liebesentzug bestraft. In der Kindheit als Partnerersatz missbraucht worden zu sein, gaben 12,3% der Frauen und 6% der Männer an. Österreichische zur Gewalt hinweg an Frauen und Männern Durchgehend – Prävalenzstudie d.h. über alle Einzelhandlungen – berichten Frauen häufiger als

Männer, in ihrer Kindheit Opfer von psychischer Gewalt geworden zu sein. Der Anteil der Frauen liegt dabei meist in etwa doppelt so hoch als jener der Männer.

Abbildung 119: In der Kindheit erlebte psychische Gewalthandlungen Abbildung 119: In der Kindheit erlebte psychische Gewalthandlungen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.2011. Basis:Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie alle Befragten.

Auch hinsichtlich des Umfelds, in dem die psychischen Gewalthandlungen in der Kindheit geschehen, kristallisieren zwei in Sozialräume heraus, in denen es besondersinhäufig zu Auch hinsichtlich des sich Umfelds, dem die psychischen Gewalthandlungen der Kindheit Gewalthandlungen kam: Das sich ist zum einen die Schule und zum anderen Familie. häufig Etwa zu passierten, kristallisieren zwei Sozialräume heraus, in denen esdie besonders drei Gewalthandlungen Viertel der befragten Frauen Männer waren mehr als in der Schule psychi-Etwa kam: Das und ist zum einen die Schule undeinmal zum anderen die Familie. schen Gewalthandlungen ausgesetzt. Die Schule als Ort, an dem häufig psychische Gewalt drei Viertel der befragten Frauen und Männer waren mehr als einmal in der Schule gegenüber den Befragten ausgeübt wurde, wird von Frauen (14,5 %) etwas öfter als von psychischen Gewalthandlungen ausgesetzt. Die Schule als Ort, an dem häufig psychische Männern (11 %) genannt. Gewalt gegenüber den Befragten ausgeübt wurde, wird von Frauen (14,5%) etwas öfter als

Männern Gewalt (11%) genannt. Übervon psychische in der Familie wurde hingegen vor allem von Frauen berichtet. So haben 67,3 % der Frauen als Kind mehr als einmal psychische Übergriffe in der FamiÜber psychische Gewalt in der Familie wurde hingegen vor allem von Frauen berichtet. So lie erlebt, den männlichen waren 54,3 %. Knapp einÜbergriffe Fünftel (19 %) habenbei 67,3% der Frauen Befragten als Kind mehr alseseinmal psychische in der der Familie befragten Frauen und 7,5  % der Männer geben an, dass sie in der Familie sogar erlebt, bei den männlichen Befragten waren es 54,3%. Knapp ein Fünftel häufig (19%) der psychisch misshandelt wurden. befragten Frauen und 7,5% der Männer geben an, dass sie in der Familie sogar häufig psychisch misshandelt wurden.haben Frauen in ihrer Kindheit zwar ebenfalls häufiger Psychische Gewalt in der Schule erlebt als Männer, allerdings ist der Unterschied mit drei Prozentpunkten nicht so groß wie Psychische Gewalt in der Schule haben Frauen in ihrer Kindheit zwar ebenfalls häufiger der geschlechterspezifische Unterschied bei der im familiären Umfeld erlebten Gewalt mit erlebt als Männer, allerdings ist der Unterschied mit 3 Prozentpunkten nicht so groß wie der 11,5 Prozentpunkten. 209

216

9 – Gewalt in der Kindheit

geschlechterspezifische Unterschied bei der im familiären Umfeld erlebten Gewalt mit 11,5 Prozentpunkten. Abbildung 120: Psychische Gewalthandlungen in der Kindheit: Wo erlebt? Abbildung 120: Psychische Gewalthandlungen in der Kindheit: Wo erlebt?

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Neben der Frage, in welchem Lebensbereich die psychischen Übergriffe erlebt wurden, ist auch vonder zentraler Wichtigkeit, durch wen diese wurden, also jeneist Neben Frage, in welchem Lebensbereich die Handlungen psychischen gesetzt Übergriffe erlebt wurden, nach Die folgende zeigt eine Rangreihung zehn also von die denFrage Beauchden vonTätern/innen. zentraler Wichtigkeit, durchTabelle wen diese Handlungen gesetzt der wurden, fragten am häufigsten als Täter/in genannten Personen. Die erste Spalte weist die Absolutnach den TäterInnen. Die folgende Tabelle zeigt eine Rangreihung der 10 von den Befragten zahl Nennungen aus, diegenannten zweite Spalte den entsprechenden Wert auf die tausend Personen am der häufigsten als Täter/in Personen. Die erste Spalte weist Absolutzahl der gerechnet (Inzidenz). Nennungen aus, die zweite Spalte den entsprechenden Wert auf 1.000 Personen gerechnet

(Inzidenz). Von beiden Geschlechtern wurden nahezu die gleichen Personen als Täter/innen angegeben, die Rangreihung voneinander abweicht.als Während für Männer ein Von wenngleich beiden Geschlechtern wurdenetwas nahezu dieselben Personen Täter/innen angegeben, Mitschüler als die Täter an erster Stelle steht, war es für Frauen primär die eigene Mutter, die wenngleich Rangreihung etwas voneinander abweicht. Während für Männer ein psychische Gewalt ausgeübt hat. Auf tausend Personen gerechnet, haben also 409 Männer männlicher Mitschüler als Täter an erster Stelle steht, war es für Frauen primär die eigene einen Mitschüler als Täter angegeben undhat. 408 Frauen eigene gerechnet, Mutter. Mutter, die psychische Gewalt ausgeübt Auf 1.000die Personen haben also 409 Männer einen Mitschüler als Täter und eigene Mutter. Insgesamt entfallen die ersten fünfangegeben Nennungen auf408 dieFrauen eigenedie Mutter, den eigenen Vater, einen Mitschüler, eine Mitschülerin und einen Lehrer. Dies spiegelt den zuvor beschriebenen Insgesamt entfallen die ersten fünf Nennungen auf die eigene Mutter, den eigene Vater, Befund wider, dass vor allem in den Lebensbereichen Familie und Schule Gewalterfahruneinen Mitschüler, eine Mitschülerin und einen Lehrer. Dies spiegelt den zuvor beschriebenen gen gemacht werden.

Befund wider, dass vor allem in den Lebensbereichen Familie und Schule für Gewalterfahrungen gemacht werden.

210 217

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Tabelle 28: Psychische Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt?

Tabelle 28: Psychische Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt?

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nur jene, die psychische Gewalt in der Kindheit erlebt haben. Erklärung: Die Tabelle zeigt eine Rangreihung der zehn von den die Befragten am häufigsten alsder Täter/in psychischer Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nur jene, psychische Gewalt in Kindheit erlebt haben. Gewalt genannten Personen. Die erste Spalte weist die Absolutzahl der Nennungen aus, die zweite Spalte den entsprechenden Wert auf tausend Personen gerechnet (Inzidenz).

9.2

Erlebte körperliche Gewalt in der Kindheit

Ein weiterer Themenkomplex beschäftigt sich mit der erlebten körperlichen Gewalt in de Kindheit. Die Gewalthandlungen wurden dabei in drei Kategorien (leichte körperliche Gewalt schwere körperliche Gewalt und eingesperrt werden) sowie nach der erlebten Häufigkei Diekörperliche Prävalenz bezüglich der in der erlebten körperlichen Gewalt liegt de 9.2 abgefragt. Erlebte Gewalt inKindheit der Kindheit vorliegenden Studie für die Frauen bei 72,6% und für die Männer bei 73,7% (siehe Abbildung 116).

Ein weiterer Themenkomplex beschäftigt sich mit der erlebten körperlichen Gewalt in der Kindheit. Die mehr Gewalthandlungen wurden dabei in drei Kategorien (leichte körperliche Ge-70,9%) waren Etwas als zwei Drittel der befragten Personen (Frauen: 67,2%, Männer: walt, schwere körperliche Gewalt und Eingesperrtwerden) sowie nach der erlebten Häufigin ihrer Kindheit mehr als einmal mit leichten körperlichen Übergriffen, wie z.B. leichte keit abgefragt. Prävalenz liegtwerden, in der vorliegenden Studie die Frauen 14,1% bei 72,6 % Ohrfeige,Die weggeschubst Klaps auf den Po,für konfrontiert. der und Frauen und 8,2% für dieder Männer bei 73,7 % (siehe Abbildung 116). Männer erlebten Übergriffe dieser Art als Kind sogar häufig.

Etwas mehr als zwei Drittel der befragten Personen (Frauen: 67,2  %, Männer: 70,9  %) mehr als mehr einmal schwere (z.B.wie Schläge mit einem warenÜber in ihrer Kindheit als erlebte, einmal mit leichtenkörperliche körperlichen Gewalt Übergriffen, z.  B. oder verprügelt werden) berichten der Frauen 16,7% der Männer leichteGegenstand Ohrfeige, weggeschubst werden, Klaps auf den Po, 14,4% konfrontiert. 14,1 % und der Frauen Als Kind häufig körperlich schwer misshandelt 6,1% der befragten Frauen und 3,0% und 8,2 % der Männer erlebten Übergriffe dieser Art als wurden Kind sogar häufig.

der befragten Männer.

Über mehr als einmal erlebte, schwere körperliche Gewalt (z. B. Schläge mit einem Gegenstand Etwas oder verprügelt berichten 14,4 % der Frauen und13,8%, 16,7 %Männer: der Männer. Als wurde in de mehr alswerden) jede/r zehnte Respondent/in (Frauen: 11,3%) Kind häufig körperlich schwer misshandelt wurden 6,1 % der befragten Frauen und 3,0 % Kindheit mehr als einmal eingesperrt. Der Anteil derer, die sogar häufig eingesperrt wurden der befragten Männer.

liegt unter den befragten Frauen bei 2,6% und unter den befragten Männern bei 1,4%.

218

Wie auch schon bei der psychischen Gewalt zeigt sich, dass es vor allem Frauen sind, die zu einem größeren Anteil als Männer in ihrer Kindheit häufig körperliche Gewalt erlebt haben

9 – Gewalt in der Kindheit

Etwas mehr als jede/r zehnte Respondent/in (Frauen: 13,8 %, Männer: 11,3 %) wurde in der Kindheit mehr als einmal eingesperrt. Der Anteil derer, die sogar häufig eingesperrt wurden, liegt unter den befragten Frauen bei 2,6 % und unter den befragten Männern bei 1,4 %. Wie auch schon bei der psychischen Gewalt zeigt sich, dass es vor allem Frauen sind, die zu einem größeren Anteil als Männer in ihrer Kindheit häufig körperliche Gewalt erlebt haben. Dies betrifft nicht nur leichte körperliche Übergriffe, sondern auch schwere körperliche Gewalt und eingesperrt worden zu sein.

Dies betrifft nicht nur leichte körperliche Übergriffe, sondern auch schwere körperliche Gewalt und eingesperrt worden zu sein.

Abbildung 121: In der Kindheit erlebte körperliche Gewalthandlungen Abbildung 121: In der Kindheit erlebte körperliche Gewalthandlungen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit wurden wie auch schon die psychischen Gewalthandlungen überwiegend in der Familie und im schulischen Umfeld erlebt. Die Familie Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit wurden wie auch schon die psychischen ist dabei jener soziale Nahraum, in dem die befragten Frauen und Männer am häufigsten Gewalthandlungen überwiegend in der Familie und im schulischen Umfeld erlebt. Die Familie überist körperliche Übergriffe berichteten. waren etwa drei Frauen Viertel der Personen dabei jener soziale Nahraum, in So dem die befragten undbefragten Männer am häufigsten (Frauen: 75,5 %, Männer: 70,8 %) als Kind mehr als einmal durch Familienmitglieder mit über körperliche Übergriffe berichteten. So waren in etwa drei Viertel der befragten Personen körperlicher Gewalt konfrontiert. An zweiter Stelle der Lebensbereiche, in denen körper(Frauen: 75,5%, Männer: 70,8%) als Kind mehr als einmal durch Familienmitglieder mit lichekörperlicher Übergriffe erlebt stehtAn diezweiter Schule: Im schulischen Umfeld mehr als einmal Gewaltwurden, konfrontiert. Stelle der Lebensbereiche, in denen körperliche Gewalt erlebt zu haben, gabensteht ein Drittel der Frauen (35,6 %) Umfeld und mehr alsals dieein Hälfte Übergriffe erlebt wurden, die Schule: Im schulischen mehr Malder Gewalt Männer (54,1  %) an.gab Die ein anderen wieals z. die B. der Freundeserlebt zu haben, Drittelabgefragten der Frauen Lebensbereiche, (35,6%) und mehr Hälfte der Männer kreis, die Lehre/Arbeit oder die Nachbarschaft, spielen eine vergleichsweise geringe Rolle die (54,1%) an. Die anderen abgefragten Lebensbereiche, wie z.B. der Freundeskreis, hinsichtlich des Gewalterlebens. Lehre/Arbeit oder die Nachbarschaft spielen eine vergleichsweise geringe Rolle hinsichtlich

des Gewalterlebens. 17% der befragten Frauen und 8,7% der befragten Männer gaben an, körperliche Gewalt in der Familie sogar häufig erlebt zu haben. Häufig in der Schule mit dieser Form von Gewalt 219 konfrontiert waren 3,7% der Frauen und 6,3% der Männer. Besonders für Frauen ist damit die Familie jener Lebensbereich, in dem die meiste körperliche Gewalt als Kind erlebt wurde.

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

17 % der befragten Frauen und 8,7 % der befragten Männer gaben an, körperliche Gewalt in der Familie sogar häufig erlebt zu haben. In der Schule waren 3,7 % der Frauen und 6,3 % der Männer damit oft konfrontiert. Besonders für Frauen ist damit die Familie jener Lebensbereich, in dem die meiste körperliche Gewalt als Kind erlebt wurde. Für Männer ist neben der Familie vor allem das schulische Umfeld für häufige Gewalterfahrungen relevant.

Abbildung 122: Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit: Wo erlebt? Abbildung 122: Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit: Wo erlebt?

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

Die zentrale Rolle der Familie als jener Lebensbereich, in dem am relativ häufigsten Die zentrale Rolle der Familie als erlebt jener wurden, Lebensbereich, dem aminrelativ häufigsten körperliche Übergriffe in der Kindheit bestätigtinsich auch der Analyse der körperliche Übergriffe der Kindheit erlebt bestätigt genannten sich auch in der Analyse der Täter/innen. An erster in und zweiter Stelle derwurde, am häufigsten Personen, welche TäterInnen. An erster und zweiter Stelle der am häufigsten genannten Personen, welche jene Gewalthandlungen ausgeübt haben, stehen die eigene Mutter und der eigene Vater.

jene Gewalthandlungen ausgeübt haben, stehen die eigene Mutter und der eigene Vater.

Die befragten Männer haben zu 42,2 % den Vater und zu 37,6 % die Mutter als Täter/in angegeben. BeiMänner den Frauen ist zu die42,2% Reihenfolge umgekehrt: haben als Kind durch Die befragten haben den Vater und zu 48,4 % 37,6% die Mutter als Täter/in angeben. den Frauen ist die Reihenfolge umgekehrt: ihre MutterBei körperliche Gewalt erfahren, 38,5 % durch den48,4% Vater.haben als Kind durch ihre

Mutter körperliche Gewalt erfahren, 38,5% durch den Vater.

Täter/innen aus dem schulischen Umfeld – als zweitem Lebensbereich, in dem hauptsächlich körperliche erlebt wurde – werden an dritter und vierter Stelle genannt. AllerTäterInnen aus Gewalt dem schulischen Umfeld – als zweitem Lebensbereich, in dem hauptsächlich dings ist – im Vergleich Familie – der Prozentsatz rundStelle 18 %genannt. bei den Allerdings Frauen und körperliche Gewalt erlebtzur wurde – werden an dritter undmit vierter ist zwischen 22 und 29 % bei den Männern deutlich niedriger. – im Vergleich zur Familie – der Prozentsatz mit rund 18% bei den Frauen und zwischen 22

und 29% bei den Männern deutlich niedriger. Vergleicht man nun also die psychische Gewalt mit der körperlichen Gewalt hinsichtlich der TäterInnen, so zeigt sich, dass die erste Gewaltform annähernd gleich häufig sowohl in der Familie als auch durch Personen im schulischen Umfeld bzw. bei den Männern sogar

220

9 – Gewalt in der Kindheit

Vergleicht man nun also die psychische Gewalt mit der körperlichen Gewalt hinsichtlich der Täter/innen, so zeigt sich, dass die erste Gewaltform annähernd gleich häufig sowohl in der Familie als auch durch Personen im schulischen Umfeld bzw. bei den Männern sogar häufiger in der Schule als in der Familie passierte. Körperliche Übergriffe in der Kindheit wurden hingegen sowohl von Männern als auch von Frauen zu einem höheren Prozentsatz durch die eigene Familie erlebt, und hier vor allem durch die Mutter und den Vater. Tabelle 29: Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt? Tabelle 29: Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt?

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nur jene, die körperliche Gewalt in der Kindheit erlebt haben.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nur jene, die körperliche Gewalt in der Kindheit erlebt haben.

9.3

Erlebte sexuelle Gewalt in der Kindheit

Die dritte hier untersuchte Gewaltform sind sexuelle Übergriffe, die in der Kindheit erlebt wurden. Dabei wurden drei Gruppen von Gewalthandlungen abgefragt, deren Klassifizierung nicht nur die Handlung benennt, sondern gleichzeitig auch den Schweregrad des Übergriffes widerspiegelt. Wie in der Übersichtsgrafik dargestellt (siehe Abbildung 116), ergab die vorliegende Studie hinsichtlich der als Kind erlebten sexuellen Gewalt insgesamt eine Prävalenz von 27,7% bei den befragten Frauen und 12,0% bei den befragten Männern. Diese Prävalenz ist auch im Vergleich zu anderen nationalen Gewaltprävalenzstudien als sehr hoch einzustufen. So hatte in Deutschland nur etwas jede zehnte befragte Frau sexuellen Missbrauch in Kindheit und Jugend angegeben. Dies dürfte aber auch an der breiteren Definition der vorliegenden Studie liegen, die auch belästigende Bemerkungen in die Prävalenz sexueller Gewalt mit einbezieht. Betrachtet man die einzelnen Ausprägungen im engeren Sinn zeigt sich, dass 20,7% der Frauen und 8,1% der Männer körperliche Berührungen in der Kindheit erlebt haben, die sie als sexuelle belästigend oder bedrängend empfunden haben.221 In einer engen Definition von sexuellem Missbrauch berichtet jede zehnte Frau (9,8%) und jeder zwanzigste

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

9.3 Erlebte sexuelle Gewalt in der Kindheit Die dritte hier untersuchte Gewaltform sind sexuelle Übergriffe, die in der Kindheit erlebt worden sind. Dabei wurden drei Gruppen von Gewalthandlungen abgefragt, deren Klassifizierung nicht nur die Handlung benennt, sondern gleichzeitig auch den Schweregrad des Übergriffes widerspiegelt. Wie in der Übersichtsgrafik dargestellt (siehe Abbildung 116), ergab die vorliegende Studie hinsichtlich der als Kind erlebten sexuellen Gewalt insgesamt eine Prävalenz von 27,7 % bei den befragten Frauen und 12,0 % bei den befragten Männern. Diese Prävalenz ist auch im Vergleich zu anderen nationalen Gewaltprävalenzstudien als sehr hoch einzustufen. So hatte in Deutschland nur etwa jede zehnte befragte Frau sexuellen Missbrauch in Kindheit und Jugend angegeben. Dies dürfte aber auch an der breiteren Definition der vorliegenden Studie liegen, die belästigende Bemerkungen ebenfalls in die Prävalenz sexueller Gewalt einbezieht. Betrachtet man die einzelnen Ausprägungen im engeren Sinn, zeigt sich, dass 20,7 % der Frauen und 8,1 % der Männer körperliche Berührungen in der Kindheit erlebt haben, die sie als sexuell belästigend oder bedrängend empfunden haben. In einer engen Definition von sexuellem Missbrauch berichtet jede zehnte Frau (9,8 %) und jeder zwanzigste Mann (4,2 %) von ungewollten sexuellen Handlungen, die in ihrer Kindheit an ihnen vorgenommen wurden (ohne Abbildung). Mit sexuell belästigenden oder bedrängenden Bemerkungen bzw. Beobachtungen in der Kindheit konfrontiert worden zu sein, gaben ein Fünftel der befragten Frauen (21,8  %) und 8 % der befragten Männer an. Annähernd gleich viele Frauen (22,1 %) und Männer (8,5 %) waren als Kinder sexuellen Übergriffen in Form von Berührungen, die als belästigend oder bedrängend empfunden wurden, ausgesetzt. Die schwerste Form sexueller Übergriffe, nämlich das Vornehmen sexueller Handlungen an der eigenen Person, erlebten jede zehnte Frau (10,6 %) und 4,4 % der befragten Männer. Die geschlechterspezifische Betrachtung der sexuellen Gewalthandlungen in der Kindheit zeigt das gleiche Muster wie die der psychischen und körperlichen Gewalt, allerdings noch ausgeprägter. Als Kind mit sexuellen Übergriffen konfrontiert waren vor allem die befragten Frauen, d. h. mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer berichten über sexuelle Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit.

222

Frau (10,6%) und 4,4% der befragten Männer. Die geschlechterspezifische Betrachtung der sexuellen Gewalthandlungen in der Kindheit zeigt dasselbe Muster wie die der psychischen und körperlichen Gewalt, allerdings noch 9 –waren Gewalt der ausgeprägter. Als Kind mit sexuellen Übergriffen konfrontiert vor in allem dieKindheit befragten Frauen, d.h. mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer berichten über sexuelle Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit. Abbildung 123: In der Kindheit erlebte sexuelle Gewalthandlungen

Abbildung 123: In der Kindheit erlebte sexuelle Gewalthandlungen

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

Waren bei der psychischen und körperlichen Gewalt vor allem die Familie und die Schule jene Sozialräume, in denen die Befragten als Kinder Gewalthandlungen ausgesetzt waren, Waren bei der psychischen und körperlichen Gewalt vor allem die Familie und die Schule so kommen bei sexuellen Übergriffen noch andere hinzu, wie etwa die Nachbarschaft, der jene Sozialräume, in denen die Befragten als Kinder Gewalthandlungen ausgesetzt waren, Freundeskreis und „andere Lebensbereiche”, die nicht näher definiert wurden.

so kommen bei sexuellen Übergriffen noch andere Lebensbereiche hinzu, wie etwa die

Am häufigsten zumindest einmal sexuellen Gewalthandlungen ausgesetzt BeNachbarschaft, der Freundeskreis und „andere Lebensbereiche“, die nichtwaren näher die definiert fragten in eben diesen, nicht näher definierten Lebensbereichen (Frauen: 35,6 %, Männer: wurden. 38,8 %). Zieht man nun die Täter/innen-Liste zur Interpretation heran, so wird deutlich, Am häufigsten zumindest einmal sexuellen Gewalthandlungen ausgesetzt waren die dass es sich hier überwiegend um sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum durch unbeBefragten in ebendiesen, nicht näher definierten Lebensbereichen (Frauen: 35,6%, Männer: kannte männliche Personen handelte. An zweiter Stelle jener Lebensbereiche, in denen die 38,8%). Zieht man nun die Täter/innen-Liste zur Interpretation heran, so wird deutlich, dass Befragten zumindest einmal sexuelle Gewalthandlungen erlebten, steht für die Frauen die es sich hier überwiegend um sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum durch unbekannte Familie (32,8 %) und für die Männer die Schule (30,5 %).

männliche Personen handelte. An zweiter Stelle jener Lebensbereiche, in denen die

Gerade waszumindest die systematisierte sexuelle Misshandlung –erlebten, also die steht in einem bestimmten Befragten einmal sexuelle Gewalthandlungen für die Frauen die Umfeld erlebten Gewalthandlungen – betrifft, zeigen sich für Frauen und Familiehäufig (32,8%) und fürsexuellen die Männer die Schule (30,5%). Männer sehr unterschiedliche Muster. Betrachtet man also jene Lebensbereiche, in denen die Befragten als Kinder häufig sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren, so sind dies für 215 Männer durchwegs andere Sozialräume als für Frauen. Ist für Letztere mit 6,5 % die Familie jener Ort, an dem die sexuellen Gewalthandlungen am öftesten passierten, so berichten Männer über drei Lebensbereiche, in denen sie als Kind häufig sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren: in der Lehre bzw. Arbeit mit 3,5 %, in der Schule mit 3,3 % und im Internat mit 2,9 %.

223

die Befragten als Kinder häufig sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren, so sind dies für Männer durchwegs andere Sozialräume als für Frauen. Ist für Frauen mit 6,5% die Familie jener Ort, an dem am häufigsten die sexuellen Gewalthandlungen passierten, so berichten Österreichische Gewalt an Frauen und Männern Männer über drei Prävalenzstudie Lebensbereiche, in zur denen sie häufig als Kind sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren: in der Lehre bzw. Arbeit mit 3,5%, in der Schule mit 3,3% und im Internat mit 2,9%. Abbildung 124: Sexuelle Gewalt in der Kindheit: Wo erlebt?

Abbildung 124: Sexuelle Gewalt in der Kindheit: Wo erlebt?

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis:alle alleBefragten. Befragten.

Hinsichtlich der sexuellen Gewalt in der Kindheit ergibt sich ein anderes Täter/innen-Profil Hinsichtlich der sexuellenoder Gewalt in der Kindheit ergibt sich ein anderes Täter/innenprofil wie als bei den psychischen körperlichen Gewalthandlungen. Während Letztere primär bei nahestehenden den erlebten psychischen körperlichen Während letztere primär von Personen oder ausgeübt wurden,Gewalthandlungen. waren die Täter/innen bei sexuellen Gevon nahestehenden Personen ausgeübt wurden, waren die Täter/innen bei sexuellen walthandlungen am häufigsten unbekannte männliche Personen (Frauen: 8,4 %, Männer: Gewalthandlungen am häufigsten unbekannte, männliche Personen (Frauen: 8,4%,(6,2 %) Männer: 3,8 %). An zweiter Stelle auf der Täter/innen-Liste stehen – sowohl bei den Frauen 3,8%). Stelle auf der Täter/innenliste stehen –oder sowohl bei den Frauen (6,2%) als als auchAn beizweiter den Männern (3,3 %) – männliche Freunde Bekannte.

auch bei den Männern (3,3%) – männliche Freunde oder Bekannte.

Insgesamt waren die weiblichen Befragten als Kind häufiger – und zwar mehr als doppelt Insgesamt die weiblichen Befragten als Kind häufiger – und zwar mehr als doppelt so so oft – vonwaren sexueller Gewalt betroffen.

oft – von sexueller Gewalt betroffen als die männlichen Befragten.

Es zeigt sich auch, dass die Frauen überwiegend durch Männer sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren, dendie zehn häufigsten Täter/innen-Nennungen entfallenÜbergriffen neun auf Es zeigt sich d. h. auch,von dass Frauen überwiegend durch Männer sexuellen männliche Dievon befragten Männer warenTäter/innen-Nennungen als Kind zwar ebenfallsentfallen am relativ häuausgesetztPersonen. waren, d.h. den zehn häufigsten neun auf figsten (d. h. die ersten drei Nennungen auf der Täter/innen-Liste) mit männlicher Täter216 von den zehn am häufigsten genannten schaft konfrontiert, insgesamt waren allerdings Täter/innen die Hälfte Frauen.

224

häufigsten (d.h. die ersten drei Nennungen auf der Täter/innenliste) mit männlicher Täterschaft konfrontiert, insgesamt waren allerdings von den zehn am häufigsten genannten Täter/innen die Hälfte Frauen. 9 – Gewalt in der Kindheit

Tabelle 30: Sexuelle Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt?

Tabelle 30: Sexuelle Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt?

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nur jene, die sexuelle Gewalt in der Kindheit erlebt haben.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nur jene, die sexuelle Gewalt in der Kindheit erlebt haben.

Stellt man die Frage nach dem Alter der Täter/innen, so wurden die sexuellen Übergriffe mehrheitlich durch erwachsene Personen über 18 Jahre ausgeübt. 72,6 % der betroffenen Frauen und man 60 %die der Frage betroffenen gaben an,TäterInnen, als Kind sexuelle Gewalt die durch einen Stellt nach Männer dem Alter der so wurden sexuellen Übergriffe Erwachsenen erlebt zu haben. mehrheitlich durch erwachsene Personen über 18 Jahre ausgeübt. 72,6% der Frauen und

60% der gabeneinan, als Kind durch einen Erwachsenen sexuelle Gewalt erlebt zu Allerdings zeigtMänner sich hierbei eindeutiger geschlechterspezifischer Unterschied: Und zwar haben. dahingehend, dass die befragten Männer häufiger sexuelle Gewalterfahrungen durch Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren erlebt haben als die befragten Frauen. Auch liegt – Allerdings zeigt sich hierbei ein eindeutiger geschlechterspezifischer Und zwar wie bereits beschrieben – der Prozentsatz der Frauen, die durch Erwachsene mitUnterschied: sexuellen dahingehend, dasswaren, die befragten häufigerüber sexuelle Gewalterfahrungen Übergriffen konfrontiert um zwölfMänner Prozentpunkte dem Wert für die Männer. durch Kinder im und AlterMänner von bis zu 14 Jahren erlebt haben als über die befragten Frauen. Auchdurch liegt – wie bereits Frauen berichten annähernd gleich häufig erlebte sexuelle Gewalt beschrieben der Prozentsatz der Frauen, die durch Erwachsene mit sexuellen Übergriffen Jugendliche bis 18 – Jahre. konfrontiert waren um 12 Prozentpunkte über dem Wert für die Männer. Frauen und Männer berichten annähernd gleich häufig über erlebte sexuelle Gewalt durch Jugendliche bis 18 Jahre.

217 225

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 125: Sexuelle Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt? – NachAbbildung Alter Täter/innen 125: Sexuelle Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt? – nach Alter Täter/innen

Quelle: ÖIFQuelle: Prävalenzstudie 2011. Basis: nur Basis: jene, die in Gewalt der Kindheit haben. ÖIF Prävalenzstudie 2011. nursexuelle jene, dieGewalt sexuelle in dererlebt Kindheit erlebt haben.

9.4

In Anspruch genommene Hilfsangebote

9.4 In genommene Im Anspruch Rahmen der vorliegenden Studie sollteHilfsangebote auch die Frage untersucht

werden, ob und in welchem Ausmaß sich Kinder, die Gewalt erleben, Unterstützung suchen bzw. Hilfsangebote nutzen. Wie die einschlägige Literatur ausführlich beschreibt, muss davon ausgegangen Im Rahmen der vorliegenden Studie sollte auch die Frage untersucht werden, ob und in werden, dass es in der Regel sehr lange dauert, bis Kinder sich einer anderen Person welchem Ausmaß Kinder, die Gewalt erleben, Unterstützung suchen bzw. Hilfsangebote anvertrauen und über die Gewalterlebnisse sprechen. nutzen. Wie die einschlägige Literatur ausführlich beschreibt, muss davon ausgegangen werden, Diese dass es in derwird Regel sehr dauert, bis Kinder sich einer anderen bestätigt: Person anThese auch mitlange der vorliegenden Untersuchung empirisch Insgesamt suchten sich befragten Frauen und Männer als Kinder nur sehr selten Hilfe und vertrauen und über diedie Gewalterlebnisse sprechen.

Unterstützung von außen. Wenn man davon ausgeht, dass drei Viertel der befragten

Diese These wird auch mit der vorliegenden Untersuchung empirisch bestätigt: Insgesamt Personen psychische und/oder körperliche Gewalt und 27,7% der Frauen bzw. 12% der suchten die befragten Frauen und Männer als Kinder nur sehr selten Hilfe und UnterMänner sexuelle Gewalt erlebt haben, ist das Ausmaß der in Anspruch genommenen Hilfe stützung von außen. Wenn man davon ausgeht, dass drei Viertel der befragten Personen erschreckend gering. psychische und/oder körperliche Gewalt und 27,7  % der Frauen bzw. 12  % der Männer sexuelle Von Gewalt haben, ist das Ausmaß Anspruch genommenen Hilfeeinen erschredenerlebt befragten Frauen haben sichder nurin13,3% an eine Freundin bzw. Freund und ckend gering. 12,9% an die Eltern gewandt. Bei den Männern sind diese Prozentsätze noch geringer: 9,5%

haben die Eltern um Hilfe gebeten, 7,8% einen Freund oder eine Freundin. An eine andere

Von den befragten Frauen haben sich nur 13,3 % an eine Freundin bzw. einen Freund und erwachsene Person gewandt, haben sich 6,3% der befragten Frauen und 3,9% der 12,9 % an die Eltern gewandt. Bei den Männern sind diese Prozentsätze noch geringer: befragten Männer. Eine Beratungsstelle aufgesucht bzw. eine Therapie gemacht, haben 9,5 % haben die Eltern um Hilfe gebeten, 7,8 % einen Freund oder eine Freundin. An eine 4,5% der Frauen (Männer: 2,1%). Alle anderen Hilfsangebote wurden kaum in Anspruch andere erwachsene Person gewandt haben sich 6,3  % der befragten Frauen und 3,9  % genommen. der befragten Männer. Eine Beratungsstelle aufgesucht bzw. eine Therapie gemacht haben 4,5 % der Frauen (Männer: 2,1 %). Alle anderen Hilfsangebote wurden kaum in Anspruch genommen.

226

218

9 – Gewalt in der Kindheit

Abbildung 126: Gewalt in der Kindheit – in Anspruch genommene Hilfsangebote Abbildung 126: Gewalt in der Kindheit – in Anspruch genommene Hilfsangebote

Quelle: Prävalenzstudie 2011. 2011.Basis: Basis: jene, die Gewalt der Kindheit erlebt haben (Mehrfach­ Quelle: ÖIF ÖIF Prävalenzstudie nurnur jene, die Gewalt in der in Kindheit erlebt haben (Mehrfachantworten). antworten).

Da die Gewaltforschung davon ausgeht, dass die gesellschaftliche Entwicklung der verganDa die Gewaltforschung davon ausgeht, dass die gesellschaftliche Entwicklung der genen Jahrzehnte auch einen veränderten Umgang der Gesellschaft mit Gewalt nach sich vergangenen Jahrzehnte auch einen veränderten Umgang der Gesellschaft mit Gewalt nach gezogen, ist interessant, ob und wie sich die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten nach sich zog, ist interessant, ob und wie sich die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten nach dem Alter der Befragten verändert hat. Dazu wurden die fünf am häufigsten genannten dem Alter der Befragten verändert hat. Dazu wurden die fünf am häufigsten genannten Hilfsangebote herangezogen, die da sind: an Freund/in gewandt, an andere erwachsene Hilfsangebote herangezogen, die da sind: an Freund/in gewandt, an andere erwachsene Person gewandt, an Eltern gewandt, eine Beratungsstelle aufgesucht bzw. eine Therapie Person gewandt, an Eltern gewandt, eine Beratungsstelle aufgesucht bzw. eine Therapie gemacht und Anzeige erstattet.

gemacht und Anzeige erstattet.

Insgesamt zeigt sich die klare Tendenz, dass sich die befragten Frauen und Männer umso Insgesamt zeigt sich die klare Tendenz, dass sich die befragten Frauen und Männer umso häufiger Unterstützung gesucht haben, je jünger sie sind. Dies trifft vor allem auf die nicht häufiger Unterstützung gesucht haben, je jünger sie sind. Dies trifft vor allem auf die nicht institutionalisierte Hilfe – wie etwa die Eltern oder Freunde über die erlebten Übergriffe zu institutionalisierte Hilfe – wie etwa die Eltern oder Freunde über die erlebten Übergriffe zu informieren – zu und wird besonders deutlich bei den befragten Männern. Haben sich nur informieren – zu und wird besonders deutlich bei den befragten Männern. Haben sich nur 7,2 % der Männer im Alter von 51 bis 60 Jahren als Kind an ihre Eltern gewandt, so wa7,2% der Männer im Alter von 51 bis 60 Jahren als Kind an ihre Eltern gewandt, so waren es ren es unter den 16- bis 20-Jährigen dreimal so viele, nämlich 23,2 %. Hilfe bei Freunden unter den 16- bis 20-Jährigen dreimal so viele, nämlich 23,2%. Hilfe bei Freunden gesucht, gesucht haben 5,1 % in der ältesten Gruppe versus 21,4 % in der jüngsten Gruppe. Ein haben 5,1% in der ältesten Gruppe versus 21,4% in der jüngsten Gruppe. Ein ähnliches Bild ähnliches Bild zeigt sich bei den befragten Frauen: Die älteste Gruppe hat zu 9,2 % Hilfe zeigt sich bei den befragten Frauen: Die älteste Gruppe hat zu 9,2% Hilfe durch die Eltern durch die Eltern und zu 10,8 % Hilfe durch Freunde in Anspruch genommen, bei der jüngsund zu 10,8% Hilfe durch Freunde in Anspruch genommen, bei der jüngsten Gruppe waren ten Gruppe waren es 16,5  % (Eltern) bzw. 19  % (Freunde). Während bei den Männern es 16,5% (Eltern) bzw. 19% (Freunde). Während bei den Männern auch die Unterstützung auch die Unterstützung durch andere erwachsene Personen bei jüngeren Altersgruppen durch andere erwachsene Personen bei jüngeren Altersgruppen signifikant ansteigt, ist bei signifikant ansteigt, ist bei kein den Effekt Frauenzudiesbezüglich kein Effekt zu sehen. den Frauen diesbezüglich sehen.

227

219

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Bei den denhier hieruntersuchten, untersuchten,institutionalisierten institutionalisierten Formen Formen der derUnterstützung Unterstützung (Beratungsstelle (Beratungsstelle Bei bzw. Therapie, Therapie, Anzeige) Anzeige) sind sind sowohl sowohl bei bei den den befragten befragten Frauen Frauen als als auch auch bei bei den den befragten befragten bzw. Männern keine altersspezifischen Unterschiede zu erkennen. Männern keine altersspezifischen Unterschiede zu erkennen. Es Eskann kann also alsofestgehalten festgehalten werden, werden, dass dass vor vor allem allem Freunde Freunde und und die die Familie Familie als als Anlaufstelle Anlaufstelle bei Gewalterfahrungen Gewalterfahrungen in in der der Kindheit Kindheit an an Bedeutung Bedeutung gewonnen gewonnen haben. haben. Dies Dies deutet deutet darauf darauf bei hin, dass dassdie dieerlebte erlebteGewalt Gewalt jungen Menschen stärker kommuniziert – damit und damit hin, vonvon jungen Menschen stärker kommuniziert – und ententtabuisiert – wird als dies noch die ältere Generation getan hat. tabuisiert – wird, als dies noch die ältere Generation getan hat. Abbildung 127: Gewalt in der Kindheit – in Anspruch genommene

Abbildung 127: Gewalt in der Kindheit – in Anspruch genommene Hilfsangebote, Frauen Hilfsangebote nach Alter, Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nur jene Frauen, die Gewalt in der Kindheit erlebt haben (Mehrfach­ Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: nur jene Frauen, die Gewalt in der Kindheit erlebt haben antworten).

(Mehrfachantworten).

228

220

9 – Gewalt in der Kindheit

Abbildung 128: Gewalt in der Kindheit – in Anspruch genommene Hilfsangebote nach Alter, Männer Abbildung 128: Gewalt in der Kindheit – in Anspruch genommene Hilfsangebote, Männer

Quelle: ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. Basis: nur Männer, jene Männer, die in Gewalt in dererlebt Kindheit erlebt haben Quelle: 2011. Basis: nur jene die Gewalt der Kindheit haben (Mehrfach­ (Mehrfachantworten). antworten).

229

221

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

9.5 Zusammenfassung: Gewalt in der Kindheit In ihrer Kindheit – also bis zum Alter von 16 Jahren – haben etwa drei Viertel der befragten Personen psychische und/oder körperliche Gewalterfahrungen gemacht. Die im Rahmen der vorliegenden Studie errechnete Prävalenz der als Kind erlebten psychischen Gewalt liegt für die befragten Frauen bei 74,8 % und für die befragten Männer bei 72,8 %, für die erlebte körperliche Gewalt bei 72,6  % (Frauen) bzw. bei 73,7  % (Männer). Es gibt also kaum Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Befragten. Ein ganz anderes Bild zeigt sich hingegen bei der sexuellen Gewalt, wo klare geschlechterspezifische Unterschiede festzustellen sind. Mit 27,7 % waren mehr als doppelt so viele Frauen sexuellen Übergriffen ausgesetzt wie Männer (12 %). Eine altersspezifische Betrachtung zeigt, dass ältere Menschen signifikant häufiger Gewalt in ihrer Kindheit erlebt haben als jüngere. Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang bei körperlichen Gewalthandlungen: So ist der Anteil der körperlichen Misshandlungen in der Kindheit zwischen der ältesten und der jüngsten Altersgruppe um rund 25 bis 30 Prozentpunkte zurückgegangen. Gewalthandlungen, die Kinder erleben, bleiben meist nicht nur auf eine Gewaltform beschränkt. In rund sechs von zehn Fällen haben in der Kindheit gemachte Gewalterfahrungen sowohl eine psychische als auch eine körperliche Komponente. Waren Kinder psychischen Gewalthandlungen ausgesetzt, so handelte es sich hierbei mehrheitlich um Demütigungen bzw. Angebrüllt- oder Beschimpftwerden. Die Mehrheit der Respondent/innen (über 50 %) hat solche Übergriffe als Kind mehr als einmal erlebt. Es kristallisierten sich zwei Sozialräume heraus, in denen es besonders häufig zu psychischen Gewalthandlungen kam: Das ist zum einen die Schule und zum anderen die Familie. Etwa drei Viertel der befragten Frauen und Männer waren mehr als einmal in der Schule psychischen Gewalthandlungen ausgesetzt. Über psychische Gewalt in der Familie wurde vor allem von Frauen berichtet. Von beiden Geschlechtern wurden nahezu die gleichen Personen als Täter/innen angegeben. Während allerdings bei den Männern ein Mitschüler als Täter an erster Stelle steht, war es für Frauen primär die eigene Mutter, die psychische Gewalt ausgeübt hat. Etwas mehr als zwei Drittel der befragten Personen waren in ihrer Kindheit mehr als einmal mit leichten körperlichen Übergriffen (wie z. B. leichte Ohrfeige, Weggeschubstwerden, Klaps auf den Po) konfrontiert. Über mehr als einmal erlebte, schwere körperliche Gewalt (z. B. Schläge mit einem Gegenstand oder Verprügeltwerden) berichten 14,4 % der Frauen und 16,7 % der Männer. Wie auch schon bei der psychischen Gewalt zeigt sich, dass es vor allem Frauen sind, die zu einem größeren Anteil als Männer in ihrer Kindheit häufig körperliche Gewalt erlebt haben. Dies betrifft nicht nur leichte körperliche Übergriffe, sondern auch schwere körperliche Gewalt und eingesperrt worden zu sein. Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit wurden – wie auch schon die psychischen Gewalthandlungen – überwiegend in der Familie und im schulischen Umfeld erlebt. Die Familie ist dabei jener soziale Nahraum, von dem die befragten Frauen und Männer am vergleichsweise häufigsten über körperliche Übergriffe berichteten. Die anderen abgefragten Lebensbereiche wie z. B. der Freundeskreis, die Lehre/Arbeit oder die Nachbarschaft spielen eine vergleichsweise ge-

230

9 – Gewalt in der Kindheit

ringe Rolle hinsichtlich des Gewalterlebens. An erster und zweiter Stelle der am häufigsten genannten Personen, welche jene Gewalthandlungen ausgeübt haben, stehen die eigene Mutter und der eigene Vater. Täter/innen aus dem schulischen Umfeld – als zweitem Lebensbereich, in dem hauptsächlich körperliche Gewalt erlebt wurde – werden an dritter und vierter Stelle genannt. Als Kind mit sexuellen Übergriffen konfrontiert waren vor allem die befragten Frauen, d. h. mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer berichten über sexuelle Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit. Mit als sexuell belästigend oder bedrängend erlebten Bemerkungen bzw. Beobachtungen in der Kindheit konfrontiert worden zu sein, gaben ein Fünftel der befragten Frauen und etwa einer von zehn der befragten Männer an. Annähernd gleich viele Frauen und Männer waren als Kinder sexuellen Übergriffen in Form von Berührungen, die als belästigend oder bedrängend empfunden wurden, ausgesetzt. Die schwerste Form sexueller Übergriffe, nämlich das Vornehmen sexueller Handlungen an der eigenen Person, erlebten jede zehnte Frau und 4,4  % der befragten Männer. Waren bei der psychischen und körperlichen Gewalt vor allem die Familie und die Schule jene Sozialräume, in denen die Befragten als Kinder Gewalthandlungen ausgesetzt waren, so kommen bei sexuellen Übergriffen noch solche hinzu wie etwa die Nachbarschaft, der Freundeskreis und „andere Lebensbereiche”. Am häufigsten zumindest einmal sexuellen Gewalthandlungen als Kind ausgesetzt waren die Befragten in eben diesen anderen Lebensbereichen. Zieht man nun die Täter/innen-Liste zur Interpretation heran, so wird deutlich, dass es sich hier überwiegend um sexuelle Übergriffe im öffentlichen Raum durch unbekannte männliche Personen handelte. An zweiter Stelle jener Lebensbereiche, in denen die Befragten zumindest einmal sexuelle Gewalthandlungen erlebten, steht für die Frauen die Familie und für die Männer die Schule. Ist für Frauen die Familie jener Ort, an dem am häufigsten die sexuellen Gewalthandlungen passierten, so berichten Männer über drei Lebensbereiche, in denen sie als Kinder/Jugendliche häufig sexuellen Übergriffen ausgesetzt waren: in der Lehre bzw. Arbeit, in der Schule und im Internat. Die befragten Frauen waren überwiegend sexuellen Übergriffen von Männern ausgesetzt, d. h. von den zehn häufigsten Täter/innen-Nennungen entfallen neun auf männliche Personen. Die befragten Männer waren als Kinder zwar ebenfalls am relativ häufigsten mit männlicher Täterschaft konfrontiert, insgesamt waren allerdings von den zehn am häufigsten genannten Tätern/innen die Hälfte Frauen. Insgesamt suchten die befragten Frauen und Männer als Kinder nur sehr selten Hilfe und Unterstützung von außen. Wurde Hilfe in Anspruch genommen, dann dienten vor allem Freunde und die Familie als Anlaufstelle bei Gewalterfahrungen in der Kindheit. Hingegen wurden institutionelle Hilfsangebote kaum in Anspruch genommen. Insgesamt zeigt sich die klare Tendenz, dass die befragten Frauen und Männer umso häufiger Unterstützung gesucht haben, je jünger sie sind.

231

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

10 Lebensbedingungen Um einen Eindruck von den Lebensbedingungen der befragten Frauen und Männer zu erhalten, wurden unterschiedliche Informationen erhoben. Es ging hier um Informationen 10 Lebensbedingungen zum Partnerschaftsstatus und zur allgemeinen familialen Situation, aber auch konkret um die derzeitige Partnerschaft und wie diese erlebt wird. Außerdem wurden in der Studie Um einen Eindruck über die Lebensbedingungen der befragten Frauen und Männer zu Angaben zum eigenen Gesundheitszustand erhoben. Hierbei ging es um eine allgemeine erhalten, wurden unterschiedliche Informationen erhoben. Es ging hier um Informationen Einschätzung des Gesundheitszustandes, psychische und somatische Beschwerden in den zum Partnerschaftsstatus und zur allgemeinen familialen Situation, aber auch konkret um die letzten zwölf Monaten sowie um die Einschätzung, ob unterschiedliche Lebensbereiche akderzeitige Partnerschaft und wie diese erlebt wird. Außerdem wurden in der Studie Angaben tiv beeinflusst werden Gesundheitszustand können. zum eigenen erhoben. Hierbei ging es um eine allgemeine

Einschätzung des Gesundheitszustandes, psychische und somatische Beschwerden in den letzten 12 Monaten, sowie um die Einschätzung, ob unterschiedliche Lebensbereiche aktiv 10.1 Gelebte erlebte Partnerschaft beeinflusst werdenund können. 10.1.1

Partnerschaftsstatus und familiale Situation

10.1

Gelebte und erlebte Partnerschaft

Alle Befragten wurden zunächst nach ihrem aktuellen Partnerschaftsstatus befragt („Haben Sie derzeit einen Partner/eine Partnerin?”) und wurden um weitere statistische Angaben zu 10.1.1 Partnerschaftsstatus und familiale Situation ihrer Partnerschaft gebeten. So zeigt sich, dass insgesamt rund drei Viertel der Befragten in Alle Befragtenleben, wurden zunächst nach ihremals aktuellen befragt ("Haben einer Partnerschaft Männer etwas häufiger Frauen Partnerschaftsstatus (75,0 % vs. 71,9 %). Folglich Sie derzeit einen Partner/eine Partnerin?") und wurden um weitere statistische Angaben zu sind 25,0 % der Männer und 28,0 % der Frauen zum Zeitpunkt der Befragung alleinstehend. ihrer Partnerschaft gebeten. So zeigt sich, dass insgesamt rund drei Viertel der Befragten in Als Partnerschaftsmodell dominiert dabei die Ehe: Von den Befragten mit Partner/in sind einer Partnerschaft leben, Männer etwas häufiger als Frauen (75,0% vs. 71,9%). Folglich 45,3 % der Männer und 41,4 % der Frauen verheiratet; hingegen leben 29,7 % der Männer sind 25,0% der Männer und 28,0% der Frauen zum Zeitpunkt der Befragung alleinstehend. und 30,5 % der Frauen in einer fixen Partnerschaft ohne Trauschein.35

Als Partnerschaftsmodell dominiert dabei die Ehe: Von den Befragten mit Partner/in sind 45,3% der Männer und 41,4% der Frauen verheiratet; hingegen leben 29,7% der Männer und 30,5% Frauen in einer fixen Partnerschaft ohne Trauschein.36 Abbildung 129:der Partnerschaftsstatus Abbildung 129: Partnerschaftsstatus

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

35

Ein genauerer Blick in die bestehenden Partnerschaften (Subsample: Befragte mit

Diese Zahlen wurden aus einer weiteren Frage zum „derzeitigen Familienstand” eruiert (wie sie üblicherweise Partner/in) zeigterhoben außerdem: in der Familienstatistik wird). Da dort keine Mehrfachantworten möglich waren (z.  B. konnte eine geschiedene Frau nicht angeben, ob sie derzeit in einer Partnerschaft lebt, sie musste sich entweder für die Antwortmöglichkeit „verheiratet” oder „geschieden” entscheiden), wurden die oben genannten Anteile auf Basis der Frage nach derzeitiger Partnerschaft ermittelt. 36

232

Diese Zahlen wurden aus einer weiteren Frage zum "derzeitigen Familienstand" eruiert (wie sie üblicherweise in der Familienstatistik erhoben wird). Da dort keine Mehrfachantworten möglich waren (z.B. konnte eine geschiedene Frau nicht angeben, ob sie derzeit in einer Ehe lebt, sie musste sich entweder für die Antwortmöglichkeit "verheiratet" oder "geschieden" entscheiden), wurden die oben

10 – Lebensbedingungen

Ein genauerer Blick in die bestehenden Partnerschaften (Subsample: Befragte mit Partner/in) zeigt außerdem: n

2,2 % der Männer und 1,3 % der Frauen führen eine gleichgeschlechtliche Beziehung.

n

Die Partnerschaftsdauer der momentan bestehenden Beziehung („seit wie vielen Jahren/Monaten haben Sie diese/n Partner/in?”) verteilt sich recht gleichmäßig, so dass sowohl Personen mit einer Partnerschaftsdauer von höchstens einem Jahr als auch solche erreicht wurden, deren Beziehung bereits 31 Jahre und mehr besteht. Lediglich Personen, deren Beziehung zwischen zwei und fünf Jahren andauert, wurden geringfügig häufiger erreicht.

n

Die meisten Paare sind altershomogen. Die Stichprobe bestätigt jedoch das bekannte Phänomen, dass häufiger Frauen als Männer einen älteren Partner wählen. Besonders deutlich wird das in der Gruppe der 16- bis 20-jährigen Frauen: 53,7 % von ihnen haben einen Partner, der zwischen 21 und 30 Jahren alt ist. Hingegen haben nur 16,7 % der männlichen Vergleichsgruppe eine ältere Partnerin (siehe Tabelle 31).

Tabelle 31: Dauer der aktuellen Partnerschaft

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in Partnerschaft. Orange-farbene Kästchen: Beide sind in derselben Altersgruppe.

233

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Für alle Personen wurde – unabhängig vom derzeitigen Partnerschaftsstatus (= Grundgesamtheit) – außerdem erhoben: Ein geringer Teil der Befragten ist bereits geschieden (Männer 5,0 %; Frauen 6,8 %) oder verwitwet (Männer 0,5 %; Frauen 3,2 %). Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten hat eigene (leibliche oder adoptierte) Kinder, nämlich: 55,6 % der Männer und 58,2 % der Frauen. Dabei dominiert deutlich die ZweiKind-Familie. Etwa ein Viertel aller Befragten ist Mutter oder Vater von zwei Kindern (Männer 24,8 %; Frauen 27,6 %).

Abbildung 130: Eigene Kinder

Kinder

100% Männer

Frauen

80%

60% 44,3%

41,7%

40% 18,1% 19,0%

20%

24,8%

27,6%

8,2%

8,9% 3,2% 2,0%

0% Keine Kinder

1 Kind

2 Kinder

3 Kinder

4 Kinder

1,4%

0,8%

5+ Kinder

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Zusammenleben im Haushalt 17,9%

Lebt allein Männerim gemeinsaDie Frage nach der sozialen Wohnsituation („Mit wem leben Sie derzeit 18,1% men Haushalt?”, Mehrfachnennungen möglich) 57,8% zeigt, dass rund 18 % der Befragten allein Frauen Partnerin 0,5% leben. Die anderen wohnen vor allem mit dem/der (gegengeschlechtlichen) Partner/in zu0,9% Partner sammen (Männer 57,8 %; Frauen 57,1 %) oder mit eigenen Kindern, wobei mehr Mütter 57,1% als Väter die Wohnung mit diesen28,6% teilen (Männer 28,6 %; Frauen 40,1 %). Andere HausEigene Kinder 40,1% haltsmitglieder (Freunde, Freundinnen, Stiefkinder und sonstige Familienmitglieder) sind 2,3% Stiefkinder nur selten zugegen. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften bilden in der Stichprobe 0,1% nur selten eine Wohngemeinschaft: 0,9 % der Männer und 0,5 % der Frauen geben an, in 17,4% Sonst. Familie 15,3% einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft zusammenzuwohnen. 1,4% 1,4%

Freunde/Freundinnen 0%

234

20%

40%

60%

80%

100%

10 – Lebensbedingungen

Abbildung 131: Personen im Haushalt

Abbildung 1: Personen im Haushalt 17,9% 18,1%

Lebt allein Partnerin

Frauen

57,8%

0,5% 0,9%

Partner

57,1% 28,6%

Eigene Kinder Stief kinder

Männer

40,1%

2,3% 0,1% 17,4% 15,3%

Sonst. Familie

1,4% 1,4%

Freunde/Freundinnen 0%

20%

40%

60%

80%

100%

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

10.1.2 derder derzeitigen Partnerschaft 1.1.1 Erleben Erleben derzeitigen Partnerschaft

Den Fragen zur generellen Partnerschafts-Situation folgten im Interview einige Fragen, die DenErleben Fragen generellen Partnerschafts-Situation folgtendieimeinen Interview Fragen, die a auf das derzur Partnerschaft rekurrierten. Wie nehmen diejenigen, Partner/ Partnerschaft rekurrierten. nehmen diejenigen, die einen Partne eineErleben Partnerin der haben, die Zweierbeziehung im AlltagWie wahr? Gibt es Gefühle von Geborgenheit und Unterstützung? Wie sieht es aus mit Angst oder Abhängigkeiten, die man von Geborg Partnerin haben, die Zweierbeziehung im Alltag wahr? Gibt es Gefühle gegenüber dem Anderen empfindet? Insgesamt wurden den Studiund Unterstützung? Wie sieht es aus vier mit Fragenkomplexe Angst oder Abhängigkeiten, die man gege enteilnehmern hierzu gestellt.

dem Anderen empfindet? Fragenkomplexe gestellt.

Insgesamt

wurden

den

Studienteilnehmern

hierzu

10.1.2.1 Attribuierte Eigenschaften des Partners/der Partnerin

In einer ersten Frage ging es um die Einschätzung, inwieweit bestimmte Eigenschaften im Partner/in der Partnerin erkannt werden. Die Befragten sollten einschätzen, inwieweit sie 1.1.1.1 Attribuierte Eigenschaften des Partners/der Partnerin ihren „derzeitigen Partner” bzw. ihre „derzeitige Partnerin als partnerschaftlich, dominant, gleichgültig oder abhängig erleben”. Pro Eigenschaft konnten sie mit „eher ja” und „eher In einer ersten Frage ging es um die Einschätzung bestimmter Eigenschaften des Pa nein” antworten. Dabei zeigt die untere Darstellung (Abbildung 132) zunächst ein positives der Partnerin. Die Befragten sollten einschätzen, inwieweit sie ihren „derzeitigen P Antwortverhalten: Die große Mehrheit der Befragten erlebt im Anderen ein „partnerschaftbzw. ihre (Männer „derzeitige Partnerin als partnerschaftlich, dominant,diegleichgültig oder abh liches” Handeln 97,3 %; Frauen 94,6 %). Die anderen Eigenschaften, ein eher erleben“. Pro Eigenschaftstiften konnten sie werden mit „eher und „ehernicht nein“ antworten. Dabei ze unausgewogenes Paarverhältnis dürften, zwarja“ mehrheitlich attribuiert, jedoch verteilt sich die Einschätzung – grob2) vereinfacht – etwa : 20. Im Einzelnen zeigt untere Darstellung (Abbildung zunächst ein 80positives Antwortverhalten: Die sich:Mehrheit Etwa 18 der bis 19  % erleben eine/nimdominanten Partner/in (Männer 18,0  %;Handeln Frauen (Männer 9 Befragten erlebt Anderen ein „partnerschaftliches“ 19,1  %), rund jede/r Zehnte erlebt Gleichgültigkeit (Männer 10,0  %; Frauen 14,9  %), Frauen 94,6 %). Die anderen Eigenschaften, die ein eher unausgewogenes Paarver und etwa 15  % meinen, bei der Partnerin/beim Partner Abhängigkeit erkennen zu könstiften dürften, werden zwar mehrheitlich nicht zugeschrieben, die Detailanalyse zeig nen (Männer 14,5 %; Frauen 16,1 %). Auch wenn die Geschlechterunterschiede marginal

folgendes Bild: Etwa 18 bis 19 % erleben eine/n dominanten Partner/in (Männer 18 Frauen 19,1 %), rund jede/r Zehnte erlebt Gleichgültigkeit (Männer 10,0 %; Frauen 14 und etwa 15 % meinen, bei der Partnerin/beim Partner Abhängigkeit 235 erkennen zu k (Männer 14,5 %; Frauen 16,1 %). Auch wenn die Geschlechterunterschiede margina ist das Muster konstant: Frauen beschreiben ihren Partner seltener als partnersch

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

sind, ist das Muster konstant: Frauen beschreiben ihren Partner seltener als partnerschaftlich orientiert und schreiben ihm häufiger die anderen drei Eigenschaften zu (Dominanz, Gleichgültigkeit, Abhängigkeit), die ungleiche Verhältnisse widerspiegeln.

abhängig

gleichgültig

dominant

partnerschaf tlich

Abbildung 132: Attribuierte Eigenschaften des Partners/der Partnerin

5,4%

94,6%

Frauen

2,7%

97,3%

Männer

Frauen

19,1%

80,9%

Männer

18,0%

82,0%

Männer

85,1%

14,9%

Frauen

90,0%

10,0%

Frauen

Männer 0%

16,1%

83,9%

14,5%

85,5% 20%

40%

eher ja

60%

80%

100%

eher nein

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

Interessanterweise ist demnach nicht die Kombination festzustellen, dass Frauen sich etwa häufiger als Partnerin eines dominanten Mannes und Männer sich häufiger als Partner einer abhängigen Partnerin wahrnehmenist – solch eine Verteilung man möglicherweise nach dass Frauen Interessanterweise demnach nicht diehätte Kombination festzustellen, den herrschenden Geschlechterstereotypen erwartet. Vielmehr sehen Frauen alle eher häufiger als Partnerin eines dominanten Mannes und Männer sichnehäufiger als Pa gativen Eigenschaften häufiger in ihren Partnern als umgekehrt.

abhängigen Partnerin wahrnehmen – solch eine Verteilung hätte man mögl Frauen

Eine Unterteilung der Antworten nach Alterskohorten (16–20; 21–30; 31–40; Vielmehr 41–50; 51–sehen aufgrund der gängigen Geschlechterstereotype erwartet. 60) zeigt zudem die folgenden Tendenzenhäufiger (ohne Grafik): negativen Eigenschaften in ihren Partnern als umgekehrt. n

n

Mit Blick auf die „Partnerschaftlichkeit” stellen die jüngsten Männer und die ältesten Eine Unterteilung der Antworten nach (16–20; 21–30; 31–40; 41–5 Frauen die beiden gegensätzlichsten Gruppen: Am Alterskohorten häufigsten als „partnerschaftlich” zeigt zudemMänner die folgenden Tendenzen: beschreiben demnach der beiden jüngsten Alterskohorten zwischen 16 und 30 Jahren ihre Partnerin (je 100 %); am seltensten zutreffend ist diese Eigenschaft aus Mit Blick auf die(9,9 %). „Partnerschaftlichkeit“ stellen die jüngsten Männe Sicht der 51- •bis 60-jährigen Frauen

ältesten Frauenvordie beiden gegensätzlichsten Gruppen: Auch „Dominanz” erleben Frauen allem, wenn sie älter sind (27,3 % der 51- bis Am häufi „partnerschaftlich“ beschreiben demnach beiden jüngsten Alte 60-jährigen Frauen). Dabei gilt für beide Geschlechter, dass die Männer mittleren der Geburtenkohorten (21 bis 40zwischen Jahre), das die ihre sich potenziell Familiengrün16heißt undPersonen, 30 Jahren Partnerin in(jeder100 %); am seltensten zut dungsphase befinden, seltener ein dominantes Verhalten im Partner/in der Partnerin diese Eigenschaft aus Sicht der 51- bis 60-jährigen Frauen (9,9 %). erkennen. Gleichzeitig dreht sich in dieser Phase das Geschlechterverhältnis um: Männer nehmen ihre Partnerin häufiger als erleben dominantFrauen wahr als umgekehrt, während in der • Auch „Dominanz“ vor allem, wenn sie älter sind (27,3 % d jüngsten und ältesten Kohorte die Frauen mehr Dominanz erleben. 60-jährigen Frauen). Dabei gilt für beide Geschlechter, dass die

236

Geburtenkohorten (21 bis 40 Jahre), das heißt Personen, die sich poten Familiengründungsphase befinden, seltener ein dominantes Verhalten im der Partnerin erkennen. Gleichzeitig dreht sich in dieser Ph Geschlechterverhältnis um: Männer nehmen ihre Partnerin häufiger als

10 – Lebensbedingungen

n

Das Erleben von „Gleichgültigkeit” beim Partner/bei der Partnerin zeigt keine Muster nach Alter. Lediglich eine Gruppe von Befragten fällt auf: Die jüngsten Männer (16 bis 20 Jahre) erleben deutlich häufiger eine gleichgültige Partnerin (41,2 %) als alle anderen Subgruppen (diese variieren zwischen 5 % und 27 %). Es gilt lediglich, dass Frauen mehr Gleichgültigkeit als Männer erleben – aber eben mit Ausnahme der jüngsten Alterskohorte.

n

Auch bei der Einschätzung von „Abhängigkeit” fällt die jüngste männliche Alterskohorte auf: Die 16- bis 20-jährigen Männer erleben mit 37,4 % häufiger eine abhängige Partnerin als alle anderen Subgruppen (diese variieren zwischen 10 % und 25 %). Ansonsten lässt sich kein alters- oder geschlechtertypisches Muster erkennen.

10.1.2.2 Unterstützung oder Kontrolle? Respekt oder Bedrohung? Eine weitere Frage eruierte den direkten Einfluss des Partners/der Partnerin auf die eigene Person. Mit der Einschätzung, ob man sich „eingeschränkt”, „unterstützt”, „alleingelassen” oder „kontrolliert” fühlt, wurden damit sowohl positive als auch negative Implikationen erhoben. Konkret gefragt wurde: „Wie stark wird Ihr tägliches Leben durch Ihren derzeitigen Partner bzw. Ihre derzeitige Partnerin beeinflusst?” Daraufhin sollten die vier Gefühlszustände auf einer Skala von 1 bis 4 („sehr”, „ziemlich”, „wenig”, „gar nicht”) eingeschätzt werden. Dabei erhält das „Unterstütztwerden” insgesamt die größte Zustimmung: 84,7 % der Frauen und 89,2  % der Männer sagten, dass sie sich „sehr” oder „ziemlich” von ihrem derzeitigen Partner/ihrer derzeitigen Partnerin unterstützt fühlen. Aber das bedeutet auch, dass sich 15,3 % (Frauen) bzw. 10,8 % (Männer) nur „wenig” oder „gar nicht” unterstützt fühlen. Vom Gefühl, „alleingelassen” zu werden, wird hingegen am wenigsten – wenn auch insgesamt nicht selten – berichtet: Immerhin 4,9 % der Männer und fast doppelt so viele Frauen (9 %) antworten hier mit „sehr” oder „ziemlich”. Das heißt: Fast jede zehnte Frau erlebt in ihrem Alltag das Gefühl, vom Partner „alleingelassen” zu werden. Ein aktiv negativer Einfluss wurde mit den beiden nächsten Items erhoben: Vom Partner/ von der Partnerin „eingeschränkt” fühlt sich immerhin fast jede/r zweite Befragte zumindest „ein wenig” (Frauen 46,1 %; Männer 48,7 %). Bewusst kontrolliert fühlen sich jedoch wiederum weniger – aber gar nicht so wenige – der Befragten: Zwar verneinen jeder zweite Mann und sogar zwei von drei Frauen, überhaupt kontrolliert zu werden („gar nicht” mit 50,3 % bzw. 65,3 %), aber es sind doch auch 7,9 % der Frauen und 9,9 % der Männer, die sich „sehr” oder „ziemlich” kontrolliert fühlen.

237

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

kontrolliert

eingeschränkt alleingelassen

unterstützt

Abbildung 133: Wie sehr fühlen Sie sich durch Ihren Partner/Ihre Partnerin …

Frauen

45,5%

Männer

42,2%

47,0%

Frauen

7,4%

13,0% 2,3%

39,2%

30,1%

9,5% 1,3%

60,9%

1,6% Männer

3,7%

18,1%

77,0%

1,2% Frauen

46,1%

1,9% 5,8%

Männer 1,7% 9,8%

6,1%

Frauen

46,2% 48,7%

39,8%

26,8%

65,3%

1,8% Männer

7,9% 2,0% 0%

39,8% 20% sehr

50,3% 40% ziemlich

60% wenig

80%

100%

gar nicht

Quelle: Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft. ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

Insgesamt kann im Geschlechtervergleich die Beobachtung festgehalten werden, dass Männer häufigerlässt ein aktives Mittun der Partnerin wirkezu,esdass nun Männer positiv häufiger („unter- ein Insgesamt der Geschlechtervergleich die erleben, Interpretation stützt”) oder negativ („eingeschränkt”, „kontrolliert”), Frauen das eher aus aktives Mittun der Partnerin erleben, wirke es während nun positiv („unterstützt“) oderPassinegativ vität resultierende „Alleingelassenwerden” häufiger erleben. („eingeschränkt“, „kontrolliert“), während Frauen eher das aus Passivität resultierende

„Alleingelassenwerden“ Eine weiterer Fragekomplexhäufiger stellte erleben. in sechzehn Aussagen abermals fundamentale Gefühlslagen und situative Kontexte zusammen, die von den Befragten als entweder zutrefEine weiterer Fragekomplex stellte in sechzehn Aussagen abermals fundamentale fend („stimmt eher”) nicht Kontexte („stimmt zusammen, eher nicht”)die für von ihreden derzeitige Partnerschaft Gefühlslagen undoder situative Befragten als entweder bewertet werden sollten. Gereiht nach der Häufigkeit ihrer Zustimmung (Basis: Männer) zutreffend („stimmt eher“) oder nicht zutreffend („stimmt eher nicht“) für ihre derzeitige zeigt die untere Abbildung zunächst die Verteilung von Gefühlen und Situationen, die als Partnerschaft bewertet werden sollten. Gereiht nach der Häufigkeit ihrer Zustimmung (Basis: negativ gelten zeigt können dabei in unmittelbarem mit dem und Handeln des Männer) die und untere Abbildung zunächst dieZusammenhang Verteilung von Gefühlen Situationen, Partners/der Partnerin stehen. die als negativ gelten können und dabei in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Handeln des Partners/der Partnerin stehen.

So zeigt sich, dass unter den zwölf Items die Kontrolle sozialer Kontakte ganz oben steht. 21,3 % Männer derzwölf Frauen sagen, sie hättensozialer einen Partner/eine Partnerin, Soder zeigt sich, und dass20,2 % unter den Items die Kontrolle Kontakte ganz oben steht. welche/r „kontrolliert, mit wem ich mich treffe und Kontakt habe”. Auch das am zweithäu21,3 % der Männer und 20,2 % der Frauen sagen, sie hätten einen Partner/eine Partnerin, figstenwelche/r genannte Item stehtmit im Kontext undund zwarKontakt sagt mehr als jede „kontrolliert, wem ich„Kontrolle”, mich treffe habe“. Auchzehnte das am zweithäufigsten genannte Item steht im Kontextwie „Kontrolle“: Mehr als jede zehnte Person Person, dass der Partner/die Partnerin „kontrolliert, viel Geld ich wofür ausgebe” (Mänsagt, dass der Partner/die Partnerin „kontrolliert, wie viel Geld ich wofür ausgebe“ (Männer ner 15,2 %; Frauen 12,4 %). Es fällt jeweils auf, dass sich Männer etwas mehr von Frauen

15,2 %; Frauen %). Es Gerade fällt jeweils auf, dass sich Männer etwases mehr von Frauen kontrolliert fühlen als 12,4 umgekehrt. im finanziellen Kontext scheint interessant, kontrolliert fühlen als umgekehrt. Gerade im finanziellen Kontext scheint es interessant, dass dass die traditionell männliche Aufgabe des „Geldverteilers” hier nicht mehr erkennbar ist traditionell Aufgabe des „Geldverteilers“ hier nicht mehrzuschreiben. erkennbar istAuch und im und imdie Gegenteil diemännliche Männer der Stichprobe diese Rolle eher den Frauen Gegenteil die Männer der Stichprobe diese Rolle eher den Frauen zuschreiben. Auch das drittgereihte Item „hindert mich, mein Leben so zu gestalten, wie ich es will” (Männerdas drittgereihte Item „hindert mich, mein Leben so zu gestalten, wie ich es will“ (Männer 13,5 %; 13,5  %; Frauen 14,5  %) kann als Kontrolle verstanden werden, wobei hier der Kontext Frauen 14,5 %) kann als erlebte allgemeine Form von Kontrolle verstanden werden. verschwommen bleibt und auch nicht klar ist, inwieweit es eine aktive Behinderung gibt oder jeweils die generellen „Umstände”, zu häufiger haben, das Lebenskonzept be-und Dass allerdings die Kontrolle bei einen FrauenPartner deutlich auch in bedrohliche einflusst haben. Misshandlungskontexte eingebunden ist und sich hier möglicherweise unterschiedliche

238

Dimensionen von Einschränkung und Kontrolle abbilden, wird mit Blick auf die Auswertungen zu Gewalt durch Partner deutlich. Vorsichtige Andeutungen in dieser Richtung zeigen sich auch darin, dass Einschüchterungsversuche und Drohungen durch den Partner von den

10 – Lebensbedingungen

Dass allerdings die Kontrolle bei Frauen deutlich häufiger auch in bedrohliche und Misshandlungskontexte eingebunden ist und sich hier möglicherweise unterschiedliche Qualitäten von Einschränkung und Kontrolle abbilden, ist mit Blick auf die Auswertungen zu Gewalt durch Partner an dieser Stelle hervorzuheben. Vorsichtige Andeutungen in dieser Richtung zeigen sich auch darin, dass Einschüchterungsversuche und Drohungen durch den Partner von den Frauen deutlich häufiger genannt wurden als von den Männern. Auch zwei weitere, oft in Misshandlungskontexte eingebundene Aussagen wurden von den FrauFrauen deutlich häufiger genannt wurden als von den Männern. Auch zwei weitere, oft in en häufiger genannt: „stellt mich vor Aussagen anderen bloß”, „gibt Gefühl, nichtsgenannt: wert zu Misshandlungskontexte eingebundene wurden vonmir dendas Frauen häufiger sein” anderenbloß“, abhängig zu sein.” „stellt bzw. mich „vom vor anderen „gibt mir das Gefühl, nichts wert zu sein“ bzw. „vom anderen

abhängig zu sein.“

Abbildung 134: Negative Verhaltensweisen des/der derzeitigen Partners/

Abbildung 4: Negative Verhaltensweisen des/der derzeitigen Partners/Partnerin Partnerin

15,2% 12,4%

kontrolliert, wie viel Geld ich wofür ausgebe hindert mich, mein Leben so zu gestalten, wie ich es will

13,5% 14,5%

gibt mir das Gefühl, an allem schuld zu sein

12,8% 15,2% 11,6% 16,3%

trifft Entscheidungen, die mich oder uns betreffen, allein ohne mich zu fragen

7,8% 13,2%

gibt mir das Gefühl, von ihm bzw. ihr abhängig zu sein

6,5% 9,4%

gibt mir das Gefühl, nichts wert zu sein

3,6% 5,6%

droht damit, sich selbst etwas anzutun

3,4% 2,5%

droht, mir die Kinder wegzunehmen bzw. den Kontakt zu ihnen einzuschränken

3,4%

stellt mich vor anderen bloß

11,2%

2,7% 5,7%

schüchtert mich ein und macht mir Angst droht mir und, oder meinen Kindern was anzutun

Männer Frauen

21,3% 20,2%

kontrolliert, mit wem ich mich treffe und Kontakt habe

0% 2,4% 0%

20%

40%

60%

80%

100%

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen vor allem in den Einschätzungen; Frauen berichten häufiger, ihrGeschlechtern Partner gebe ihnen das „Gefühl, voninihm zu sein” Unterschiede zwischen den bestehen vor allem denabhängig Einschätzungen; (Frauen 13,2 %; Männer 7,8 %), und erleben auch deutlich öfter, er „stelle (sie) vor Frauen berichten häufiger, ihr Partner gebe ihnen das „Gefühl, von ihm abhängig zuandesein“ ren bloß” (Frauen 11,2 %; Männer 3,4 %). (Frauen 13,2 %; Männer 7,8 %), und erleben auch deutlich öfter, er „stelle (sie) vor anderen

bloß“ (Frauen 11,2 die %; Männer 3,4deutlich %). Generell erkennen Befragten häufiger positive Verhaltensweisen an ihrem Partner/ihrer Partnerin. Die Zustimmung zu den vier vorgegebenen Bereichen Respekt, GeGenerell erkennen die Befragten deutlich häufiger positive Verhaltensweisen an ihrem borgenheit, Entscheidungen und Unterstützung beträgt überallRespekt, um die Partner/ihrer partnerschaftliche Partnerin. Die Zustimmung zu den vier vorgegebenen Bereichen 90 %. Der Trend, dass Frauen ihren Partner kritischer beurteilen alsbeträgt umgekehrt, Geborgenheit, partnerschaftliche Entscheidungen und Unterstützung überallist umauch die hier erkennbar: Immer fällt die weibliche Zustimmung zu positiven Eigenschaften 90 %. Der Trend, dass Frauen ihren Partner kritischer beurteilen als umgekehrt, ist auchihres hier Partners etwas verhaltener aus als bei den Männern. erkennbar: Immer fällt die weibliche Zustimmung zu positiven Eigenschaften ihres Partners etwas verhaltener aus als bei den Männern.

Abbildung 5: Positive Verhaltensweisen des/der derzeitigen Partners/Partnerin 239

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 135: Positive Verhaltensweisen des/der derzeitigen Partners/ Partnerin

respektiert meine Wünsche und Meinungen

93,4% 92,2%

gibt mir das Gefühl von Geborgenheit

93,4% 90,7%

entscheidet gemeinsam mit mir, was in der Beziehung geschieht

90,7% 88,6%

unterstützt mich in dem, was mir wichtig ist

89,4% 86,0% 0%

20%

40%

Männer Frauen

60%

80%

100%

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

10.1.2.3 Angstgefühle gegenüber dem Partner/der Partnerin Eine weitere Frage bezog sich auf das von Angst, das vom Verhalten des Partners/ 1.1.1.3 Angstgefühle gegenüber demGefühl Partner/der Partnerin

der Partnerin hervorgerufen wird. Erhoben wurde entlang einer fünfpoligen Skala zur HäuEine weitere Frage bezogAngstgefühlen, sich auf dasund Gefühl von lautete Angst,entsprechend: das vom Verhalten des figkeit von diesbezüglichen die Frage „Haben Partners/der Partnerin hervorgerufen wird. Erhoben entlang fünfpoligen Sie häufig, gelegentlich, selten oder nie Angst vor demwurde Verhalten Ihreseiner derzeitigen Part- Skala ners bzw. Ihrer Partnerin gehabt?” die Häufigkeit von diesbezüglichen Angstgefühlen. Die Frage lautete: „Haben Sie häufig,

gelegentlich, selten nie Angst vor dem Verhalten Ihres derzeitigen Partners bzw. Ihrer Hier berichten rundoder drei Viertel, dass das noch nie der Fall gewesen sei (Frauen 76,0 %; Partnerin gehabt?“ Darin wird erkennbar, dass es im statistischen Schnitt geringfügig häuMänner 72,8 %). figer Männer sind, die von Angstgefühlen berichten. „Häufige” Angstgefühle haben Frauen

Hier berichten rund drei Viertel, dass das noch nie der Fall gewesen sei (Frauen 76,0 %; und Männer etwa zu gleichen Anteilen (Frauen 1,2 %; Männer 1,1 %), von „gelegentlichen” Männer 72,8 %). Im statistischen Schnitt sind es geringfügig häufiger Männer, die von oder „seltenen” Angsterfahrungen berichten aber jeweils etwas mehr Männer als Frauen. Angstgefühlen berichten. „Häufige“ Angstgefühle haben Frauen und Männer etwa zu gleichen Anteilen (Frauen 1,2 %; Männer 1,1 %), von „gelegentlichen“ oder „seltenen““ Abbildung 136:berichten Angst vor dem Verhalten Partners/der Angsterfahrungen aber jeweils etwasdes mehr Männer als Partnerin Frauen. Abbildung 6: Angst vor dem Verhalten des Partners/der Partnerin 1,2% Frauen

5,3%

12,1% 5,4%

76,0%

1,1% Männer

6,0%

0%

16,5% 3,5%

20%

häufig

72,8%

40%

gelegentlich

60%

selten

80%

einmal

100%

nie

Quelle: ÖIF ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten in einer Partnerschaft. Quelle: Prävalenzstudie 2011. alle Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

240

Mit steigendem Lebensalter häufen sich jedenfalls die Angst-Erlebnisse. Es zeigt sich aber nicht, dass eine längere Beziehungsdauer mit häufigerem Angsterleben einhergeht. Die

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

10 – Lebensbedingungen

Außerdem lässt sich erkennen: Mit steigendem Lebensalter häufen sich die Angst-ErlebAußerdem lässt sich erkennen: Mit steigendem Lebensalter häufen sich die A nisse. Dies gilt für beide Geschlechter (ohne Grafik). Die einfache Begründung, ältere Erlebnisse. für beide (ohne Grafik). Begründung, Personen könntenDies eben gilt auf eine längereGeschlechter Zeitspanne zurückblicken, in der Die sich einfache mehr „MögPersonen könnten ebenergeben, auf eine längere zurückblicken, lichkeiten” für solche Erlebnisse scheint jedoch Zeitspanne nicht haltbar. Denn es zeigt sichin der sich nicht, dass eine längere mit häufigerem Angsterleben einhergeht. Die "Möglichkeiten" für Beziehungsdauer solche Erlebnisse ergeben, scheint jedoch nicht haltbar. Denn es Prozentwerte sind nahezu gleich verteilt. Die untere Grafik bildet dies ab. Das heißt, Angst sich nicht, dass eine längere Beziehungsdauer mit häufigerem Angsterleben einhergeh vor dem Partner/der Partnerin kann sowohl in „jungen” als auch in bereits lange bestehenProzentwerte sind nahezu gleichverteilt. Die untere Grafik bildet dies ab. Das heißt, den Beziehungen auftreten.

vor dem Partner/der Partnerin kann sowohl in "jungen" als auch in bereits lange besteh Beziehungen auftreten.

Abbildung 137: Angst vor dem Verhalten des Partners/der Partnerin nach Beziehungsdauer Abbildung 137: Angst vor dem Verhalten des Partners/der Partnerin nach Beziehungsdauer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

232

241

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

10.1.2.4 Index zum partnerschaftlichen Einfluss Um nach den eben vorgestellten Einzelfragen einen zusammengefassten Überblick zu erhalten, inwieweit Befragten ihren Partner/ihre Partnerin eher als positiv oder negativ im 10.1.2.4 Index die zum partnerschaftlichen Einfluss Partnerschaftsalltag erleben, wurde ein einfacher Index mit zwei Ausprägungen gebildet. nach die denoben eben vorgestellten Einzelfragen einen zusammengefassten Er Um verknüpft vorgestellten Fragen (insgesamt 25) und fasst in zwei TypenÜberblick diejeni- zu erhalten, inwieweit die Befragten ihrengeantwortet Partner/ihrehaben Partnerin als positiv oder gen zusammen, die ausnahmslos positiv (Typeher 1), und jene, die aufnegativ min- im Partnerschaftsalltag wurde ein einfacher mit zwei Ausprägungen gebildet. Er destens eine der Fragenerleben, so geantwortet haben, dass Index ein problematischer Aspekt enthalten Fragen und fast in und zweiUnterstützung Typen diejenigen warverknüpft (Typ 2).die Dasoben heißtvorgestellten zum Beispiel: Eine (insgesamt Person, die 25) Geborgenheit zusammen, die ausnahmslos positiv geantwortet haben (Typ 1) und jene, die auf mindestens erfährt, noch nie Angst in der Partnerschaft hatte, sich aber finanziell kontrolliert fühlt,

eine Typ der 2Fragen so geantwortet dass ein von problematischer Aspekt war (Typ wurde zugeordnet. Demnachhaben, sind Personen Typ 1 jene, die eineenthalten Partnerschaft 2). Das zum Beispiel: Eine Aspekt Person,des die partnerschaftlichen Geborgenheit und Unterstützung führen, dieheißt (zumindest unter dem Einflusses) alserfährt, „ideal”noch nie Angst in der Partnerschaft hat, sich aber finanziell kontrolliert fühlt, wurde Typ 2 beschrieben werden könnte und vermutlich gar nicht so häufig zu finden sein würde – so zugeordnet. Demnach36 sind Personen von Typ 1 jene, die eine Partnerschaft führen, die unsere Vorab-Annahme.

(zumindest unter dem Aspekt des partnerschaftlichen Einflusses) als "ideal" beschrieben werden könnte und vermutlich gar nicht so häufig zu finden sein würde – so unsere Vorab37 Abbildung Index zum partnerschaftlichen Einfluss Annahme. 138: Abbildung 138: Index zum partnerschaftlichen Einfluss

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011 – eigene Darstellung.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011 – eigene Darstellung.

36

Weil sich die Fragen auf das Erleben des Partners/der Partnerin beziehen, sind nur Aussagen darüber möglich, 37 Fragen auf Erleben generell. des Partners/der beziehen, der sindeigenen nur Aussagen undWeil nicht sich etwa die Aussagen über diedas Partnerschaft Hierzu fehltPartnerin es an Einschätzungen Person. Das heißt: Der/die Befragte mag etwa eine partnerschaftliche, unterstützende, nicht von Angst darüber möglich, und nicht etwa Aussagen über die Partnerschaft generell. Hierzu geprägte fehlt es an Atmosphäre erleben, kann aber selbst durchaus kontrollierend oder bedrohend handeln. Dies ist bei der InterEinschätzungen über die eigene Person. Das heißt: Der/die Befragte mag etwa eine pretation des Index zu berücksichtigen.

partnerschaftliche, unterstützende, nicht von Angst geprägte Atmosphäre erleben, kann aber selbst durchaus kontrollierend oder bedrohend handeln. Dies ist bei der Interpretation des Indexes zu 242berücksichtigen.

233

10 – Lebensbedingungen

Unter den Befragten verteilen sich die Typen des partnerschaftlichen sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern Typ 2, d. h. die nich Unter den Befragten verteilen sich die Typen des partnerschaftlichen Einflusses nun so, dass Partnerschaft DasTypheißt, 59,2 % der Männer und 57,4 % d 37 sowohl bei den Frauen als auchüberwiegt. bei den Männern 2, d. h. die nicht ideale/idealisierte PartnerschaftAussagen, überwiegt. Das 59,2 % der Männer und 57,4 %sondern der Frauenauch machen„negativ-amb dieheißt, einen nicht nur positiven, Aussagen, die einen nicht nur Ob positiven, sondern auch um „negativ-ambivalenten” Einfluss wahrnehmen. es sich hierbei eine Kombination vieler und ge wahrnehmen. Ob es sich hierbei um eine Kombination vieler und gefährlicher Einflüsse handelt (z. B. „droht damit, mir was anzutun“) oder ob es vielleicht nur ein handelt (z. B. „droht damit, mir was anzutun”) oder ob es vielleicht nur eine Nennung gibt „stellt mich vor anderen bloß“,der kann aufgrund der heterogenen wie „stellt mich vor anderen bloß”, kann aufgrund heterogenen Zusammensetzung des Zusamme Index nicht abgeleitet werden. werden. nicht abgeleitet

Festgehalten werden kann aber, dass rund vier von zehn Befragten ihre Partnerschaft in Festgehalten werden kann aber, berichten, dass rund vier von zehn einem idealen Licht wahrnehmen oder dies zumindest d. h. es wurde entlangBefragten ih von 25 Fragen kein auch nur imLicht weitesten Sinne problemhafter Aspekt angegeben.berichten, d. h. es einem idealen wahrnehmen oder dies zumindest

25 Fragen kein auch nur im weitesten Sinne problemhafter Aspekt angeg

Abbildung 139: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin

Abbildung 9: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin 100%

ausschließlich positiv (Typ 1) 80%

59,2%

(auch) negativambivalent (Typ 2)

57,4%

60%

40%

20%

40,8%

42,6%

Männer

Frauen

0%

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten in einer Partnerschaft.

Die oben beschriebene Verteilung von ungefähr 60 : 40 (bei beiden Geschlechtern) zeigt jedoch größere Verschiebungen, wenn man den Blick auf die altersspezifische Verteilung richtet. Die als wenigsten wahrgenommenen Partnerschaften haben dabei 16- bis Dieamoben beschriebene Verteilung von ungefähr 60die: 40 (bei beiden G 20-jährigen jedoch Männer: drei ViertelVerschiebungen, von ihnen (75  %) laden auf man dem Negativ-Index. Derdie alterssp größere wenn den Blick auf Positiv-Index wird am meisten von 31- bis 40-jährigen Frauen besetzt. In fast allen Alrichtet. Die als am wenigsten positiv wahrgenommenen Partnerschaften tersgruppen (mit Ausnahme der 41- bis 50-Jährigen) zeigen sich Frauen dabei leicht pobis1620-jährigen Männer: drei Viertel vonkehrt ihnen (75 in%)anderem landen auf dem sitiver (bei den bis 20-Jährigen stark positiver). Außerdem ein oben Zusammenhang entdeckter Trend Männer wievon Frauen (potenziellen)Frauen be Positiv-Index wirdwieder: am meisten 31-zeigen bis im40-jährigen Familiengründungsalter positivere Gefühle gegenüber ihrem Partner/ihrer Partnerin als die Altersgruppen (mit Ausnahme der 41- bis 50-Jährigen) zeigen sich F jüngsten und ältesten Alterskohorten.

positiver (bei den 16- bis 20-Jährigen stark positiver). Außerdem kehrt e Zusammenhang entdeckter Trend wieder: Männer wie Frauen zeige 37 „Idealisiert” bedeutet, dass man die Beziehung idealer darstellt, als Gefühle sie vielleicht sein mag; entwederihrem vor sich Partner/ihr Familiengründungsalter positivere gegenüber selbst oder dem/der Interviewer/in gegenüber. jüngsten und ältesten Alterskohorten. 243

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

51-60 Jahre

41-50 Jahre

31-40 Jahre

21-30 Jahre

16-20 Jahre

Abbildung 140: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin Abbildung 10: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin nach Alter nach Alter 34,1%

Frauen

65,9%

25,0%

Männer

75,0%

Frauen

44,3%

Männer

44,0%

55,7% 56,0%

47,9%

Frauen

52,1%

43,8%

Männer Frauen Männer

56,3%

41,3%

58,8%

42,8%

57,2%

Frauen

37,5%

62,5%

Männer

36,5%

63,5%

0%

20%

40%

nur positiv (Typ 1)

60%

80%

100%

(auch) negativ (Typ 2)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle2011. Befragten in einer Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Basis: alle Partnerschaft. Befragten in

einer Partnerschaft.

Unterteilt nach Beziehungsdauer liefert das Sample jedoch keine Hinweise darauf, dass Unterteilt nach bestehende Beziehungsdauer liefert eher dasvon Sample jedoch keine Hinweise dar junge oder bereits länger Partnerschaften positiven oder negativen oderdem bereits längerPartnerin bestehende Partnerschaften eher von positiven oder Gefühlenjunge gegenüber Partner/der dominiert werden. Auch diese Feststellung wurde weiter oben bereits vorgenommen, und sie findet sich – nicht ganz überraschend – Bild ist une Gefühlen gegenüber dem Partner/der Partnerin dominiert werden. Das auch in der Index-Bildung wieder. Das Bild ist Muster nicht erkennbar; Muster sind nicht erkennbar. Esuneinheitlich; gibt ein „Auf undsind Ab“, was die (geschlechtersp es gibt ein „Auf und Ab”, was die (geschlechterspezifische) Verteilung nach BeziehungsVerteilung nach Beziehungsdauer angeht. dauer angeht.

244

31+ Jahre

26-30 Jahre

21-25 Jahre

16-20 Jahre

11-15 Jahre

6-10 Jahre

2-5 Jahre

bis 1 Jahr

Abbildung 11: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin nach Beziehungsda Frauen

52,8%

47,2%

Männer

47,8%

52,2%

Frauen

56,0%

44,0%

Männer

40,9%

59,1%

Frauen

39,6%

60,4%

Männer

39,4%

60,6%

Frauen Männer

Frauen Männer

46,3%

53,7% 68,2%

31,8%

Frauen Männer

43,9%

56,1%

Frauen Männer

54,0%

46,0%

52,8%

47,2% 34,5% 28,8% 41,0%

65,5% 71,2% 59,0%

Frauen

39,2%

60,8%

Männer

38,1%

61,9%

Unterteilt nach Beziehungsdauer liefert das Sample jedoch keine Hinweise darau junge oder bereits länger bestehende Partnerschaften eher von positiven oder ne Gefühlen gegenüber dem Partner/der Partnerin dominiert werden. Das Bild ist unein 10 – Lebensbedingungen Muster sind nicht erkennbar. Es gibt ein „Auf und Ab“, was die (geschlechterspez Verteilung nach Beziehungsdauer angeht.

31+ Jahre

26-30 Jahre

21-25 Jahre

16-20 Jahre

11-15 Jahre

6-10 Jahre

2-5 Jahre

bis 1 Jahr

Abbildung 141: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin Abbildung 11: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin nach Beziehungsdaue nach Beziehungsdauer Frauen

52,8%

47,2%

Männer

47,8%

52,2%

Frauen

56,0%

44,0%

Männer

40,9%

59,1%

Frauen

39,6%

60,4%

Männer

39,4%

60,6%

Frauen

54,0%

46,0%

Männer

43,9%

56,1%

Frauen

46,3%

53,7%

Männer

68,2%

31,8%

Frauen

52,8%

47,2%

Männer

65,5%

34,5%

Frauen

71,2%

28,8%

Männer

59,0%

41,0%

Frauen

39,2%

60,8%

Männer

38,1%

61,9%

0%

20%

40% nur positiv (Typ 1)

60% 80% (auch) negativ (Typ 2)

Quelle:Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis:2011. alle Befragten einer Partnerschaft. ÖIF Prävalenzstudie Basis: in alle Befragten in einer

100%

Partnerschaft.

Im Zusammenhang mit den durchaus erkennbaren Mustern im biografischen Verlauf ließe sich daraus interpretierend schlussfolgern, dass die Wahrnehmung (und wohl auch die Präsenz) von Beziehungsdynamiken möglicherweise mehr von generellen Persönlichkeitsentwicklungen und altersspezifischen Erwartungen in verschiedenen Lebens- und Familienphasen abhängig ist als (ausschließlich) von situativen Paardynamiken.

245

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

10.2 Gesundheitszustand Gesundheitszustand 10.2 Grundsätzlich schätzen drei Viertel der befragten Frauen und Männer ihren

Grundsätzlich schätzen drei Viertel der befragten Frauen und Männer ihren allgemeinen Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Befragung als "gut" bzw. "sehr gut" ei Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Befragung als „gut” bzw. „sehr gut” ein – rund die Hälfte der Frauen undbeschreibt Männer ihren beschreiben ihren Gesundheitszustand als gut u Hälfte der Frauen und Männer Gesundheitszustand als gut und rund ein Viertel als sehr Ein gut. weiteres gibt den eigenen Gesundheitszustand als Viertel alsgut. sehr EinViertel weiteres Viertel gibt den eigenen zurzeit Gesundheitszustan mittelmäßig an. Männer und Frauen zeigen prinzipiell ein ähnliches Antwortverhalten (siemittelmäßig an. Männer und Frauen zeigen prinzipiell ein ähnliches Antwortverh he Abbildung 142).

Abbildung 142).

Eine Unterscheidung nach Alter zeigt, dass vor allem Frauen und Männer bis zum dreißigsten Lebensjahr ihren Gesundheitszustand besonders positiv bewerten: So geben eine sehr Eine Unterscheidung nach Alter zeigt, dass vor allem Frauen und Männ gute Gesundheit 43,1 % der Männer zwischen 21 und 30 Jahren an, gegenüber 13,7 % der dreißigsten Lebensjahr ihren Gesundheitszustand besonders positiv bewerten 51- bis 60-Jährigen. In der weiblichen Stichprobe sind es ein Drittel (34,0 %) der 16- bis eine sehr gutegegenüber Gesundheit 43,1% der zwischen 21-30 Jahren an, gegen 20-jährigen Frauen, 16,6 % der 51bisMänner 60-jährigen Frauen (siehe Abbildung 143). der 51-bis 60-Jährigen. In der weiblichen Stichprobe sind es ein Drittel (34,

Besonders gesund fühlen sich Frauen und16,6% Männer der mit Abschluss der Matura (AHS/BHS): 20jährigen Frauen, gegenüber 51-bis 60-jährigen Frauen (siehe Abbild Jeder dritte Mann (34,7 %) und jede dritte Frau (32,4 %) mit Matura als höchstem Bildungsabschluss derzeitigen allgemeinen Gesundheitszustand als sehr gutder Matura Besondersschätzen gesundihren fühlen sich Frauen und Männer mit Abschluss ein – gegenüber jeder fünften Frau (21,2 %) und jedem vierten Mann (26,0 %) mit StuJeder dritte Mann (34,7%) und jede dritte Frau (32,4%) mit Matura al dium oder Pflichtschule mit Lehrabschluss (Frauen 19,8  %; Männer 24,2  %) (siehe Ab­ Bildungsabschluss schätzen ihren derzeitigen allgemeinen Gesundheitszustand bildung 144).

ein – gegenüber jeder fünften Frau (21,2%) und vierten Mann (26,0%) mit S Pflichtschule mit Lehrabschluss (Frauen 19,8%; Männer 24,2%) (siehe Abbildung

Abbildung 142: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes

Abbildung 142: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. 246

10 – Lebensbedingungen

Abbildung 143: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach Alter Abbildung 143: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach Alter

Abbildung 143: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach Alter

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Basis: alle Befragten.

Abbildung 144: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach Bildung Quelle: ÖIF144: Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Abbildung Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach Bildung Abbildung 144: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach Bildung

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: allealle Befragten.

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247

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Eine Selbsteinschätzung in Bezug auf gesundheitliche Veränderung über die letzten Jahre zeigt für rund die Hälfte der Befragten Stabilität. Jedoch gibt auch je rund ein Viertel der Eine Selbsteinschätzung in Bezug auf gesundheitliche Veränderung über die letzten J befragten Männer und Frauen an, dass ihr Gesundheitszustand über die letzten Jahre „etzeigt für rund die Hälfte der Befragten Stabilität. Jedoch gibt auch je rund ein Vierte was schlechter” geworden sei, und weitere 5 % sagen „viel schlechter”. Für rund ein Vierund Frauen dass ihr Gesundheitszustand über die letzten Jahre "e tel derbefragen befragten Männer Männer (23,0 %) und an, Frauen (27,8 %) hat sich der Gesundheitszustand schlechter" geworden sei, und für weitere 5% sagen "viel schlechter". Für rund ein Vierte verbessert.

befragten Männer (23,0%) und Frauen (27,8%) hat sich der Gesundheitszustand verbess Abbildung 145: Einschätzung der Veränderungen des Gesundheitszustandes Abbildung 145: Einschätzung der Veränderungen des Gesundheitszustandes

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Die Einschätzung zur Gesundheits-Stabilität birgt altersspezifische Unterschiede. Es zeigt sich ein linearer Anstieg mit steigendem Lebensalter in der Einschätzung von Frauen und Die Einschätzung zur Gesundheits-Stabilität birgt altersspezifische Unterschiede. Es Männer bezüglich der Verschlechterung ihres eigenen Gesundheitszustandes über die letzten Jahre „etwas schlechter” und „viel schlechter” zusammengefasst): So ge- von Frauen sich(Kategorien ein linearer Anstieg mit steigendem Lebensalter in der Einschätzung ben jeder vierte Mann (25,0  %) und jede fünfte Frau (20,0  %) der 16bis 20-Jährigen Männer bezüglich der Verschlechterung ihres eigenen Gesundheitszustandes über an, dass sich ihr Gesundheitszustand über die letzten Jahre hat, zusammengefasst): gegenüber letzten Jahre (Kategorien „etwas schlechter“ undverschlechtert „viel schlechter“ So 38,0 % der Männer und 36,1 % der Frauen über 51 Jahre.

jeder vierte Mann (25,0%) und jede fünfte Frau (20,0%) der 16-bis 20-Jährigen an, dass Auch zeigt sich dieser Trend in der Beschreibung derJahre gesundheitlichen Verbesserungen. ihr Gesundheitszustand über die letzten verschlechtert hat, gegenüber 38.0% Jüngere Frauen und und 36,1% Männer der berichten deutlich häufiger, Männer Frauen über 51 Jahre.ihr Gesundheitszustand habe sich

in den letzten Jahren verbessert, als dies ältere Menschen tun. So beschreiben jeder dritte Mann (34,2 %) undsich jededieser dritte Frau (32,7 %) der 16- bis 20-Jährigen ihren GesundheitsAuch zeigt Trend in der Beschreibung der gesundheitlichen. Jüngere Frauen zustand als (viel) besser (Kategorien zusammengefasst), gegenüber knapp jedem vierten Männer geben deutlich häufiger an, dass sich ihr Gesundheitszustand in den letzten Ja Mann (22,3 %) undhat, jeder im Alter 51 Jahren. verbessert alsvierten dies Frau ältere(26,6 %) Menschen tun.von Soüber beschreibt jeder dritte Mann (34,2%)

Die Gruppe der 21-Frau bis 30-jährigen Männer fällt20-Jährigen besonders auf. Hier Gesundheitszustand beschreibt der größte als (viel) be jede dritte (32,7%) der 16- bis ihren Anteil (Kategorien unter den Frauen und Männern, dass gegenüber ihr Gesundheitszustand übervierten die letzten Jahre zusammengefasst), knapp jedem Mann (22,3%) und in etwa gleich geblieben sei – 61,3 % der Männer geben dies an. vierten Frau (26,6%) im Alter von über 51 Jahren.

248

Die Gruppe der 21- bis 30-jährigen Männer fällt besonders auf. Hier beschreibt der gr Anteil unter den Frauen und Männern, dass ihr Gesundheitszustand über die letzten Jah etwa gleich geblieben sei – 61,3% der Männer geben dies an.

10 – Lebensbedingungen

Abbildung 146: Einschätzung der Veränderungen des Gesundheitszustandes nach Alter

Abbildung 146: Einschätzung der Veränderungen des Gesundheitszustandes nach Alter

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Bezüglich der der Gestaltung Gestaltung ihres Lebensbereichen Bezüglich ihres Lebens Lebens und undder derunterschiedlichen unterschiedlichen Lebensbereichesehen sehen sich die befragten Frauen und Männer mehrheitlich als "sehr" oder "ziemlich" sich die befragten Frauen und Männer mehrheitlich als „sehr” oder „ziemlich”ininder derLage, Lage, diese aktiv zu beeinflussen. Besonders stark aktiv beeinflussbar sind aus Sicht der Frauen diese aktiv zu beeinflussen. Besonders stark aktiv beeinflussbar sind aus Sicht der Frauen und Männer Männer die die Partnerschaft Frauen undund 78,6% der% und Partnerschaft sowie sowiedas dasFamilienleben: Familienleben:80,8% 80,8  der % der Frauen 78,6  Männer sehen die Partnerschaft als sehr bzw. ziemlich beeinflussbar und 79,0% der Frauen der Männer sehen die Partnerschaft als sehr bzw. ziemlich beeinflussbar und 79,0 % der und 76,5% der Männer das Familienleben. Am wenigsten beeinflussbar erscheinen die Frauen und 76,5 % der Männer das Familienleben. Am wenigsten beeinflussbar erscheinen Erwerbssituation und die eigene finanzielle Situation: 13,5% der Frauen und 14,6% der die Erwerbssituation und die eigene finanzielle Situation: 13,5 % der Frauen und 14,6 % Männer haben das Gefühl, das Arbeitsleben überhaupt nicht beeinflussen zu können und der Männer haben das Gefühl, das Arbeitsleben überhaupt nicht beeinflussen zu können, jeder zehnte Mann (10,1%) und jede zehnte Frau (11,0%) sagen dies über die eigene und jeder zehnte Mann (10,1 %) und jede zehnte Frau (11,0 %) sagen dies über die eigene finanzielle Situation. finanzielle Situation.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 147: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können Abbildung 147: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.2011. Basis: alle Befragten.

Das Das Gefühl, die einzelnen Lebensbereiche aktiv aktiv beeinflussen zu können, hängt starkstark vomvom Gefühl, die einzelnen Lebensbereiche beeinflussen zu können hängt AlterAlter sowie der Bildung der befragten Männer und und Frauen ab. Dies trifft trifft besonders deutlich sowie der Bildung der befragten Männer Frauen ab. Dies besonders deutlich für das Arbeitsleben und die finanzielle Situation zu. für das Arbeitsleben und die finanzielle Situation zu. Grundsätzlich zeigt sich in Bezug auf das Lebensalter (siehe Abbildung 148 und Abbildung Grundsätzlich zeigt sich in Bezug auf das Lebensalter (siehe Abbildung 148 und Abbildung 149), dass die eigenerlebte Kompetenz zur Beeinflussung mit zunehmendem Lebensalter 149), dass die eigenerlebte Kompetenz zur Beeinflussung mit zunehmendem Lebensalter abnimmt. Dies wird besonders in den Lebensbereichen deutlich, die eng mit dem Erwerbsabnimmt. Dies wird besonders in den Lebensbereichen, die eng mit dem Erwerbsleben leben verknüpft sind: Die finanzielle Situation überhaupt nicht beeinflussen zu können, verknüpft sind, deutlich: Die finanzielle Situation überhaupt nicht beeinflussen zu können haben nur 7,9 % der Frauen und 4,1 % der Männer im Alter zwischen 16 und 20 Jahren haben nur 7,9% der Frauen und 4,1% der Männer im Alter zwischen 16 und 20 Jahren, angegeben, gegenüber jeder fünften Frau (19,7  %) und jedem fünften Mann (20,0  %) gegenüber jeder fünften Frau (19,7%) und jedem fünften Mann (20,0%) über 51 Jahren über 51 Jahren. Noch deutlicher ist dies für den Lebensbereich der eigenen Arbeitssituation angegeben. Noch deutlicher ist dies für den Lebensbereich der eigenen Arbeitssituation erkennbar: Hier Hier haben jede dritte FrauFrau und jeder dritte dritte Mann Mann das Gefühl, diesen Leerkennbar: hatrund rund jede dritte und jeder das Gefühl, diesen bensbereich überhaupt nicht aktiv beeinflussen zu können. Allerdings zeigt auch die jüngsLebensbereich überhaupt nicht aktiv beeinflussen zu können. Allerdings zeigt auch die te Alterskohorte Unsicherheiten in ihrer in Erwerbssituation: 17,1  %17,1% Männer und 14,0  jüngste Alterskohorte Unsicherheiten ihrer Erwerbssituation: Männer und % 14,0% Frauen in der Altersgruppe der 16bis 20-Jährigen sehen überhaupt keine Möglichkeit, ihr Frauen in der Altersgruppe der 16- bis 20-Jährigen sehen überhaupt keine Möglichkeit, ihr eigenes Arbeitsleben zu beeinflussen. Dies zeigt deutlich eine gewisse eigenes Arbeitsleben zu beeinflussen. Dies zeigt deutlich eine gewissePerspektivenlosigPerspektivenlosigkeit keit der der jungen jungenMenschen MenschenininBezug Bezugauf aufdie dieArbeitssituation. Arbeitssituation. Unterschiede nach Alter in Bezug auf die Lebensbereiche Familie und Partnerschaft zeigen Unterschiede nach Alter in Bezug auf die Lebensbereiche Familie und Partnerschaft zeigen sich nur bei Frauen. Hier fällt die Gruppe der 16- bis 20-jährigen Frauen auf, die beson-

sich nur bei Frauen. Hier fällt die Gruppe der 16- bis 20-jährigen Frauen auf, die besonders negativ in Bezug auf die Beeinflussbarkeit der Partnerschaft ist: Jede zehnte Frau sieht überhaupt keine Möglichkeit, diesen Bereich zu beeinflussen und jede fünfte Frau (22,8%) 250 sieht sich hierzu nur "ein bisschen" im Stande. 241

10 – Lebensbedingungen

ders negativ in Bezug auf die Beeinflussbarkeit der Partnerschaft ist: Jede zehnte Frau sieht überhaupt keine Möglichkeit, diesen Bereich zu beeinflussen, und jede fünfte Frau (22,8 %) sieht sich hierzu nur „ein bisschen” imstande. In Bezug auf die höchste abgeschlossene Berufsbildung (siehe Abbildung 150 und Abbildung 151) zeigt sich besonders in den Lebensbereichen der eigenen finanziellen Situation und der Arbeitssituation, dass vor allem Frauen und Männer mit Pflichtschulabschluss die Beeinflussbarkeit dieser Bereiche besonders kritisch bewerten: 22,0  % der Frauen und 17,9 % der 16- bis 20-jährigen Männer sind der Meinung, ihre finanzielle Situation überhaupt nicht beeinflussen zu können, 48,5 % der Männer und 41,3 % der Frauen dieser Alters- und Bildungsgruppe geben hier nur „ein bisschen” an. Frauen und Männer mit einem abgeschlossenen Studium fühlen sich bezüglich einer Einflussnahme auf die finanzielle Situation deutlich kompetenter. Der Lebensbereich der eigenen Erwerbsarbeit macht die kritische Haltung der Pflichtschulabsolventen und -innen noch deutlicher: Jede fünfte Frau (25,6 %) und etwas mehr als jeder fünfte Mann (27,6  %) mit Pflichtschulabschluss sind der Meinung, die eigene Arbeitssituation überhaupt nicht beeinflussen zu können, gegenüber 12,6 % der Männer und 5,1 % der Frauen mit Studienabschluss.

251

Der Lebensbereich der eigenen Erwerbsarbeit macht die kritische Haltung der Pflichtschulabsolventen/innen noch deutlicher: Jede fünfte Frau (25,6%) und etwas mehr als jeder fünfte Mann (27,6%) mit zur Pflichtschulabschluss der Meinung, die eigene Österreichische Prävalenzstudie Gewalt an Frauen sind und Männern Arbeitssituation überhaupt nicht beeinflussen zu können, gegenüber 12,6% der Männer und 5,1% der Frauen mit Studienabschluss. Abbildung 148: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, Abbildung Überzeugung Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, nach Alter – Frauen nach Alter 148: – Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: befragten Frauen. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.alle Basis: alle befragten

Frauen.

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10 – Lebensbedingungen

Abbildung 149: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, Abbildung Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, nach Alter – Männer nach Alter 149: – Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 150: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, Abbildung 150: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, nach Bildung – Frauen nach Bildung – Frauen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen.

Abbildung 151: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, nach Bildung – Männer

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10 – Lebensbedingungen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen. Abbildung 151: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, Abbildung 151: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, nach Bildung – Männer nach Bildung – Männer

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer.

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255

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Was schildern Frauen und Männer nun als konkrete psychische und somatische Beschwerden der letzten zwölf Monate? Zur Auswahl standen neunzehn Items. Innerhalb dieser Fragestellung zeigen sich eindeutige Geschlechterunterschiede. Frauen sind in den letzten zwölf Monaten deutlich stärker durch gesundheitliche Einschränkungen beeinträchtigt als Männer. Besonders im Hinblick auf das Belastungsempfinden unterscheiden sich Männer und Frauen doch sehr deutlich (Mehrfachnennungen waren möglich): n

Jede dritte Frau (33,1 %) und jeder fünfter Mann (20,0 %) geben an, in den letzten zwölf Monaten häufig unter Stress bzw. Überlastung gelitten zu haben.

n

Jede vierte Frau (25,3 %) hat eine allgemeine Schwäche bzw. Müdigkeit gespürt (12,2 % der Männer).

n

17,4 % der Frauen hatten das Gefühl, dass ihnen alles über den Kopf wächst (5,7 % der Männer).

n

Weitere 17,4 % der Frauen schilderten Nervosität/Anspannung (8,3 % der Männer).

Doppelt so viele Frauen wie Männer schildern in den letzten zwölf Monaten Stimmungsprobleme: Rund jede zehnte Frau gab an, unter Depressionen bzw. Niedergeschlagenheit sowie Antriebslosigkeit bzw. Unentschlossenheit gelitten zu haben, gegenüber jedem zwanzigsten Mann. Aber auch konkrete somatische Beschwerden wie z. B. Kopfschmerzen (17,3 % Frauen; 7,0 % Männer) oder Schlaflosigkeit bzw. Schlafstörungen (16,8 % Frauen; 9,8 % Männer) werden von Frauen häufiger geschildert. Das Gefühl, nicht mehr leben zu wollen, hatten in den letzten Monaten fast jede fünfte Frau (17,7 %) und 14,4 % der Männer zumindest selten. Gedanken zu autoaggressiven Handlungen (Selbstverletzungen) hatten 8,5 % der Frauen und 6,6 % der Männer, zumindest „selten”.

256

10 – Lebensbedingungen

Abbildung 152: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Abbildung Frauen (1) 152: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Frauen (1) Abbildung 152: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Frauen (1)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis:Basis: alle befragten Frauen. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie alle befragten Frauen.

Abbildung 153: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Frauen (2) Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen.

Abbildung 153: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Frauen (2) 153: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Frauen (2) Abbildung

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Frauen.

246

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie alle befragten Frauen. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis:Basis: alle befragten Frauen.

246 257

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 154: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Abbildung Männer (1) 154: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Männer (1) Abbildung 154: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Männer (1)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie alle befragten Männer. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis:Basis: alle befragten Männer. Abbildung 155: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Männer (2) Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer.

Abbildung 155: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Abbildung Männer (2) 155: Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Männer (2)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten Männer.

247

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis:Basis: alle befragten Männer. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie alle befragten Männer.

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10 – Lebensbedingungen

Die stärkere gesundheitliche Einschränkung der Frauen in den letzten zwölf Monaten zeigt sich auch in der Analyse der genannten Kombination von unterschiedlichen psychischen und somatischen Beeinträchtigungen. Mehr als jede dritte Frau (35,8 %) gibt elf bis fünfDieunterschiedliche stärkere gesundheitliche Einschränkung der Frauen in den letzten Monaten22,6 %). zeigt sich zehn psychische und somatische Beschwerden an12(Männer auch in der Analyse der genannten Kombination von unterschiedlichen psychischen und somatischen Beeinträchtigungen. Mehr als jede dritte Frau (35,8%) gibt 11 bis 15 unterschiedliche und somatische Beschwerden an Beeinträchtigungen (Männer 22,6%). Abbildung 156:psychische Kombination von gesundheitlichen der letzten zwölf Monate Abbildung 156: Kombination von gesundheitlichen Beeinträchtigungen der letzten zwölf Monate

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie alle Befragten. Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie2011. 2011. Basis: Basis: alle

Stressund Überlastungsgefühle nehmenbei beiFrauen Frauenlinear linear steigendem Lebensalter Stressund Überlastungsgefühle nehmen mitmit steigendem Lebensalter ab: ab: So So schildern der16-bis 16- bis 20-jährigen Frauen, den letzten zwölfhäufig Monaten häufig schildern45,2 % 45,2% der 20-jährigen Frauen, in deninletzten 12 Monaten Stress Stress empfunden zu haben, gegenüber 23,2 % der Frauen über Ähnlich 51 Jahre. Ähnlich verhält empfunden zu haben, gegenüber 23,2% der Frauen über 51 Jahre. verhält es sich es mit sich mitGefühl, dem Gefühl, dass einem häufig allesKopf über den Kopf wächst. ImJahr vergangenen dem dass einem häufig alles über den wächst. Im vergangenen haben das 21,5%das der21,5 % 16- bis der 20-jährigen jedoch nur 12,3% der nur Frauen über der 51 Jahre so über Jahr haben 16- bis Frauen, 20-jährigen Frauen, jedoch 12,3 % Frauen empfunden. Männer zeigen diesen Trend nicht so deutlich, er erscheint nur im 51 Jahre so empfunden. Männer zeigen diesen Trend nicht so deutlich, er erscheint nur im Zusammenhangmitmit Stress Überlastungs-Symptomen (ohne Abbildung, siehe Zusammenhang Stress undund Überlastungs-Symptomen. Abbildungen 41 - 46 im Anhang). In Zusammenhang mit der höchsten abgeschlossenen Bildung zeigt sich, dass es vor allem In Zusammenhang höchst abgeschlossenen zeigtLehre) sich, dass esdie vor besonders allem Männer und Frauen mit mit der Pflichtschulabschluss (mit Bildung oder ohne sind, Männer und Frauen mit Pflichtschulabschluss (mit oder ohne Lehre) sind, die besonders häufig gesundheitliche Beschwerden innerhalb der letzten zwölf Monaten angeben. häufig gesundheitliche Beschwerden in den letzten 12 Monaten angeben (Näheres siehe So Abbildungen berichten z. B. 27,7 % der Frauen mit Pflichtschulabschluss ohne Lehre von häufigen 47 - 52 im Anhang). Kopfschmerzen gegenüber 11,5 % der Frauen mit einem Studienabschluss. Oder 14,4 % So berichten z.B. 27,7% der Frauen mit Pflichtschulabschluss ohne Lehre von häufigen der Frauen mit Pflichtschulabschluss hatten in den letzten zwölf Monaten häufig das Gefühl, Kopfschmerzen gegenüber 11,5% der Frauen mit einem Studienabschluss. Oder 14,4% der nichts wert sein. Unter den Akademikerinnen es 5,6 %. Letztere nennen jedoch Frauen mitzu Pflichtschulabschluss hatten in den letztensind 12 Monaten häufig das Gefühl, nichts in Wert gleichem Ausmaß Stress und Überlastungs-Symptome wie Pflichtschulabsolventinnen zu sein. Unter den Akademikerinnen sind es 5,6%. Letztere nennen jedoch in gleichem (37,0 % und 37,2 %). 248 259

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Auch bei Männern zeigt sich dieser Trend: So gibt z.  B. jeder dritte Mann (33,3  %) mit Pflichtschulabschluss an, in den letzten zwölf Monaten häufig unter Stress bzw. Antriebslosigkeit gelitten zu haben, gegenüber 17,5 % der Akademiker. Weiters berichteten 15,6 % der Männer mit Pflichtschule vom häufigen Gefühl in diesem Zeitraum, ihnen wachse alles über den Kopf, gegenüber 4,8  % der Männer mit einem Studienabschluss. Auch haben Pflichtschulabsolventen häufiger unter Schlafstörungen sowie Nervosität bzw. Anspannung gelitten.

10.3 Gewalterfahrungen (Schweregrad-Score) nach Lebensbedingungen Wie bereits an mehreren Stellen des vorliegenden Berichtes erwähnt, ging es neben der Erhebung von Gewalt-Prävalenzen im Bereich der Familie bzw. im sozialen Nahraum auch darum, einen Eindruck in die unterschiedlichen Zusammenhänge und Kontextbedingungen von Gewalthandlungen zu erhalten. So ist es von Interesse, die grundsätzlich erhobenen Informationen zu den Lebensbedingungen wie z. B. die Wahrnehmung der aktuellen Partnerschaft, aber auch den eigenen Gesundheitszustand in Abhängigkeit von den gemachten Gewalterfahrungen zu analysieren, um der Frage nachzugehen, ob der Schweregrad der erfahrenen Gewalt die Sicht bzw. die Lebensgestaltung beeinflusst. Dazu wird der gebildete Schweregrad der Gewalterfahrungen (Näheres siehe Kapitel 4) mit zentralen Fragestellungen der Lebensbedingungen betrachtet. Die Wahrnehmung des positiven Einflusses der derzeitigen Partnerin/des derzeitigen Partners (siehe auch Kapitel 10.1.2.4) hängt bei Frauen und Männern ebenfalls von den bisher gemachten Gewalterfahrungen ab. Je schwerer die erfahrene Gewalt ist, desto weniger wird der Einfluss der derzeitigen Partnerschaft als positiv gesehen. Aber auch hier zeigt die zusammenfassende Darstellung des Schweregrad-Scores anhand von Mittelwerten diesen Trend sehr deutlich. Beschreibt im Mittel noch rund die Hälfte der Männer (0,55) und Frauen (0,48) ohne Gewalterfahrungen und ohne Gewalt in den letzten drei Jahren durch die Partnerin/den Partner den Einfluss ihres/r derzeitigen Partners/Partnerin als positiv, sind es bei den Männern mit schweren Gewalterfahrungen, z. B. Schweregrad-Score 10, im Mittel 0,21 und bei Frauen mit einem Schweregrad-Score von 12 im Mittel 0,27.

260

zeigt die zusammenfassende Darstellung des Schweregrad-Scores anhand von Mittelwerten diesen Trend sehr deutlich. Beschreiben im Mittel noch rund die Hälfte der Männer (0,55) und Frauen (0,48) ohne Gewalterfahrungen und ohne Gewalt in den letzten drei Jahren 10 – Lebensbedingungen durch die Partnerin/den Partner den Einfluss ihres derzeitigen Partners/Partnerin als positiv, sind es bei den Männern mit schweren Gewalterfahrungen, z.B. Schweregrad-Score 10, im Mittel 0,21157: und Schweregrad-Score bei Frauen mit einemnach Schweregrad-Score von des 12 im Mittel 0,27. Abbildung positivem Einfluss Partners/der Partnerin Abbildung 157: Schweregrad-Score nach positivem Einfluss des Partners/der Partnerin

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alleBasis: Befragten, derzeit in die einerderzeit Partnerschaft und in den letzten Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. alle die Befragten, in eineleben Partnerschaft haben drei Jahren keine Gewalt durch den Partner/die Partnerin erfahren haben. letzten drei Jahren keine Gewalt durch den Partner/die Partnerin erlebt haben. *Kategorien sind bei Männern bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahlen.

und in den

*Kategorien sind bei Männern bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahlen.

Die Erfahrung mit Gewalt scheint nicht nur einen Einfluss auf die Partnerschaft und die Die detailliertere Aufschlüsselung eines positiven Einflusses des Partners bzw. der Partnerin Wahrnehmung des jeweiligen Partners zu haben, sondern auch auf jene des eigenen Genach den einzelnen und demDieser Grad Einfluss der Viktimisierung findet sich sundheitszustandes bzw. Gewaltformen der eigenen Gesundheit. kann einerseits durch dieim Anhang Abbildungen 53 und 54. subjektive Wahrnehmung des eigenen Gesundheitszustandes nach dem Schweregrad der gemachten Gewalterfahrungen und andererseits auch nach der Überzeugung, unterschiedliche Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können,250 nachgewiesen werden. Dies verdeutlicht zusammenfassend der Schweregrad-Score: Mit zunehmenden Gewalt­ erfahrungen wird der derzeitige Gesundheitszustand von Frauen und Männern deutlich schlechter eingeschätzt.

261

Dies verdeutlicht zusammenfassend der Schweregrad-Score: Mit zunehmenden Gewalterfahrungen wird der derzeitige Gesundheitszustand von Frauen und Männern deutlich schlechter Prävalenzstudie eingeschätzt. Zur detaillierten des Österreichische zur GewaltDarstellung an Frauender undWahrnehmung Männern eigenen Gesundheitszustandes nach Grad der Viktimisierung und einzelnen Gewaltformen siehe Abbildungen 55 - 58 im Anhang. Abbildung 158: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach

Abbildung 158: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach Schweregrad-Score Schweregrad-Score

Quelle: Quelle: ÖIF ÖIF Prävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis: Basis: alle alle Befragten. Befragten. Mittelwerte. Mittelwerte. *Bei den den Männern Männern wurde wurde aufgrund aufgrundder dergeringen geringenFallzahl Fallzahldie diePunkte Punkte11 11und und12 12zusammengefasst. zusammengefasst. *Bei

Die Ergebnisse bestätigen in diesem Punkt zahlreiche andere nationale und internationale Studien, die einen sehr starken Zusammenhang von Gesundheit und Gewalt im Leben von Die Ergebnisse bestätigen in (vgl. diesem Punkt zahlreiche andere nationale und internationaMenschen festgestellt haben Ergebnisse im Überblick: Schröttle/Hornberg et al 2009) le Studien, die einen sehr starken Zusammenhang von Gesundheit und Gewalt im Leben und sie zeigen auf, dass dieser für Männer wie für Frauen gilt, wenn sie von vergleichbaren von Menschen festgestellt haben (vgl. Ergebnisse im Überblick: Schröttle/Hornberg et al. Schweregraden von Gewalt betroffen sind. 2009), und sie zeigen auf, dass dieser für Männer wie für Frauen gilt, wenn sie von ver-

Auch die Auswertung der gesundheitlichen Beschwerden gleichbaren Schweregraden von Gewalt betroffen sind. der letzten 12 Monate zeigt eine Abhängigkeit der (jemals) erlebten Gewalt. Zur Analyse wurden nicht alle abgefragten Auch die Auswertung der gesundheitlichen Beschwerden in den letzten zwölf Monaten zeigt psychischen und somatischen Beschwerden herangezogen, sondern nur jene, die eine Abhängigkeit von der (jemals) erlebten Gewalt. Zur Analyse wurden nicht alle abgebesonders häufig genannt wurden. Männer und Frauen mit einer starken Gewaltbelastung fragten psychischen und somatischen Beschwerden herangezogen, sondern nur jene, die (hoher Score) schildern deutlich häufiger gesundheitliche Beschwerden wie

besonders häufig genannt wurden. Männer und Frauen mit einer starken Gewaltbelastung (hoher Score) schildern deutlich häufiger gesundheitliche Beschwerden wie Stress/Über251 lastung, allgemeine Schwäche bzw. Müdigkeit, Kopfschmerzen sowie das Gefühl, dass ihnen alles über den Kopf wächst. Besonders deutlich wird der Unterschied bei dem Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst: Befragte, die nicht über Gewalterfahrungen verfügen, schildern, dieses Gefühl so gut wie nie in den letzten zwölf Monaten gehabt zu haben (im Mittelwert 0,3/0,5); Personen mit sehr schweren Gewalterfahrungen in allen Gewaltformen (Schweregrad-Score 12 Punkte) hingegen fast alle – Männer im Mittel 2,7 und Frauen im Mittel 2,5.

262

Monaten so gut wie nie das Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst, gehabt zu haben (im Mittelwert 0,3/0,5). Personen mit sehr schweren Gewalterfahrungen in allen Gewaltformen (Schweregrad-Score 12 Punkte) schildern fast alle, in den letzten 12 Monaten diese Gefühl gehabt zu haben – Männer im Mittel 2,7 und Frauen im Mittel 2,5. 10 – Lebensbedingungen

Zur Vertiefung sind detaillierter Abbildungen nach Grad der Viktimisierung und Gewaltform von ausgewählten Beschwerden im Anhang zu finden (Abbildungen 67 - 74). Abbildung 159: Schweregrad-Score und Beschwerden – Stress/Überlastung Abbildung 159: Schweregrad-Score und Beschwerden – Stress/Überlastung

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. 2011. Basis:Basis: alle Befragten. Mittelwerte. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie alle Befragten. Mittelwerte. Gestrichelte Linie bedeutet bei Männern nur bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahl. Gestrichelte Linie bedeutet bei Männern nur bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahl.

Abbildung 160: Schweregrad-Score und Beschwerden – allgemeine Schwäche/ Müdigkeit Abbildung 160: Schweregrad-Score und Beschwerden – allgemeine Schwäche/Müdigkeit

252

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Mittelwerte. Gestrichelte Linie bedeutet bei Männern nur bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahl.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Mittelwerte. Gestrichelte Linie bedeutet bei Männern nur bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahl. Abbildung 161: Schweregrad-Score und Beschwerden – Kopfschmerzen

263

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Mittelwerte. Gestrichelte Linie bedeutet bei Männern nur bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahl.

Abbildung 161: Schweregrad-Score und Beschwerden – Kopfschmerzen Abbildung 161: Schweregrad-Score und Beschwerden – Kopfschmerzen

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Mittelwerte. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Mittelwerte. Gestrichelte Linie bedeutet bei Männern nur bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahl.

Gestrichelte Linie bedeutet bei Männern nur bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahl.

Abbildung 162: Schweregrad-Score und Beschwerden – „alles wächst den Kopf” und Beschwerden Abbildung 162:über Schweregrad-Score 253– alles wächst über den Kopf

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Mittelwerte. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Mittelwerte. Gestrichelte Linie bedeutet bei Männern nur bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahl.

Gestrichelte Linie bedeutet bei Männern nur bedingt interpretierbar, da geringe Fallzahl.

264

Die Analysen in diesem Kapitel untersuchten den Einfluss der Gewalterfahrungen -

10 – Lebensbedingungen

Die Analysen in diesem Kapitel untersuchten den Einfluss der Gewalterfahrungen – gemessen an Hand des Schweregrad-Scores – auf die Lebensbedingungen der befragten Männer und bzw. auf deren Wahrnehmung ihrer Lebensbedingungen. Neben den eigenen Gewalterfahrungen und dem Geschlecht existieren naturgemäß zahlreiche weitere Faktoren, welche die Lebensbedingungen einer Person beeinflussen, zum Beispiel das Alter, die Ausbildung, das soziale Umfeld, die Herkunft. Diese Faktoren können nicht als voneinander unabhängige Einflussgrößen betrachtet werden. Es muss untersucht werden, ob der Einfluss eines bestimmten Faktors, zum Beispiel des Schweregrad-Scores, von anderen Merkmalen der befragten Person beeinflusst wird bzw. ob der Einfluss des Schweregrad-Scores durch andere Merkmale erklärt werden kann. Um diese Abhängigkeitsstruktur zu berücksichtigen, werden beispielhaft für die Frage nach dem allgemeinen Gesundheitszustand und nach dem Gefühl, dass den Befragten alles über den Kopf wächst, multiple Regressionsanalysen durchgeführt. Als potenzielle erklärende Merkmale in der Regressionsanalyse stehen neben Schweregrad-Score und Geschlecht noch Alter und Ausbildung zur Verfügung. Lesebeispiel und Erläuterungen zur Regressionsanalyse und den folgenden Tabellen: Das Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst, wurde anhand einer Skala mit den Kategorien „nie (0)”, „selten (1)”, „gelegentlich (2)” und „häufig (3)” gemessen. Tabelle 32 zeigt, dass mit steigendem Alter das Gefühl, alles wachse einem über den Kopf, signifikant weniger häufig erlebt wird. Die Häufigkeit nimmt mit jedem zusätzlichen Lebensjahr um durchschnittlich 0,008 Einheiten ab (siehe Spalte „Koeffizient” in Tabelle 32). Das 95 %-Konfidenzintervall für diese Abnahme liegt zwischen -0,012 und -0,005. Besser veranschaulichen lässt sich dieser Effekt, wenn man einen 20- und einen 50-jährigen Befragten vergleicht: Der negative Alterseffekt bedeutet eine niedrigere Häufigkeit für den 50-Jährigen, mit der das Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst, erlebt wird. Die Differenz beträgt 0,24 Einheiten (0.008 x 30 Jahre), das entspricht etwa einer viertel Kategorie auf der Skala mit den Kategorien „nie”, „selten”, „gelegentlich”, „häufig”. Der Erklärungsgehalt von Bildung ist weniger groß, anhand der Koeffizienten lassen sich im Vergleich zur Referenzkategorie „Studium” etwas erhöhte Häufigkeiten für das Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst, für Befragte mit Pflichtschulabschluss feststellen (Differenz: 0,160, P-Wert: 0,07). Der Einfluss des Schweregrad-Scores ist analog zur Darstellung in Abbildung 162 positiv: Je höher der Schweregrad-Score, umso häufiger wird das Gefühl berichtet, alles wachse einem über den Kopf. Wie stark der Schweregrad-Score dieses Gefühl bestimmt, kann am Beispiel von zwei Personen mit einem Schweregrad-Score von 2 bzw. 10 veranschaulicht werden: Die Person mit einem Score von 10 erlebt dieses Gefühl um ca. eine Kategorie häufiger (0,122 x 8 = 0,98, z. B. von „selten” auf „gelegentlich”), angenommen alle sonstige Eigenschaften der Person (Geschlecht, Alter, Ausbildung) sind identisch. Wichtig ist zu bemerken, dass der Einfluss des Schweregrad-Scores auf das Gefühl, alles wachse einem über den Kopf, sowohl in der Einzelbetrachtung in Abbildung 162 als auch in der Regressionsanalyse, unter Einbeziehung weiterer Erklärungsgrößen, hoch signifikant

265

werden: Die Person mit einem Score von 10 erlebt das Gefühl, dass ihr alles über den Kopf wächst, um ca. eine Kategorie häufiger (0,122 x 8 = 0,98, z.B. von „selten“ auf „gelegentlich“), angenommen alle sonstige Eigenschaften der Person (Geschlecht, Alter, Ausbildung) sind identisch.

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern Wichtig ist zu bemerken, dass der Einfluss des Schweregrad-Scores auf das Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst, sowohl in der Einzelbetrachtung in Abbildung 162 als ist auch und somit durch die Merkmale Alter und Bildungweiterer ersetzt Erklärungsgrößen, werden kann. Dieshoch stützt in dernicht Regressionsanalyse, unter Einbeziehung diesignifikant Hypothese, dass die Schwere der Gewalterfahrungen im Erwachsenenalter einen kauist und somit nicht durch die Merkmale Alter und Bildung ersetzt werden kann. DiesEinflussfaktor stützt die Hypothese, dass die Schwere der Gewalterfahrungen im Erwachsenenalter salen auf dieses Gefühl darstellt. einen kausalen Einflussfaktor auf das Gefühl, dass einem alles üben den Kopf wächst, darstellt. Tabelle 32: Regressionsanalyse für „das Gefühl, dass mir alles über den Kopf Tabelle 32: Regressionsanalyse für „das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst“ wächst”

Koeffizient

KIUntergrenze

KIObergrenze

p-Wert

Konstanter Term

0,913

0,730

1,095

< 0,001

Schweregrad

0,121

0,108

0,135

< 0,001

Geschlecht = männlich

- 0,297

- 0,380

- 0,215

< 0,001

Geschlecht = weiblich

Referenz - 0,008

- 0,012

- 0,005

< 0,001

Bildung = Pflichtschule

0,159

- 0,014

0,332

0,072

Bildung = Lehre

0,049

- 0,079

0,177

0,453

Bildung = Fachschule

- 0,019

- 0,160

0,122

0,790

Bildung = AHS, BHS

0,076

- 0,057

0,209

0,265

Parameter

Alter

Bildung = Studium

Referenz

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. KI = Konfidenzintervall. KI = Konfidenzintervall.

Die Ergebnisse der Regressionsanalyse für den allgemeinen Gesundheitszustand sind in 255 Tabelle 33 dargestellt. Der allgemeine Gesundheitszustand wurde an Hand einer Skala mit den Kategorien „sehr gut (1)”, „gut (2)”, „mittelmäßig (3)”, „schlecht (4)” und „sehr schlecht (5)” gemessen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich der allgemeine Gesundheitszustand mit steigendem Schweregrad-Score verschlechtert. Betrachtet man wieder die beiden hypothetischen Personen, die sich nur im Schweregrad-Score unterscheiden, so hat die Person mit Schweregrad-Score 10 einen um eine halbe Kategorie (0,064 x 8 = 0,51) schlechteren prognostizierten Gesundheitszustand als die Person mit Schweregrad-Score 2. Praktisch bedeutet dies, die Verschlechterung bewegt sich um eine halbe Kategorie von z. B. „gut” in Richtung „mittelmäßig”. Das Alter beeinflusst den allgemeinen Gesundheitszustand ebenfalls negativ, d. h. je höher das Alter, desto schlechter der allgemeine Gesundheitszustand. Die Verschlechterung pro Jahr beträgt durchschnittlich 0,011 Einheiten, was beim Vergleich einer 20- und einer 50-jährigen Person zu einer Differenz von einer drittel Kategorie führt. Der Einfluss der Bildung auf den allgemeinen Gesundheitszustand ist signifikant: Personen mit Pflichtschul- bzw. Lehrabschluss berichten einen schlechteren Gesundheitszustand als Personen mit Hochschulabschluss. Analog zur Analyse des Gefühls, dass einem alles über den Kopf wächst, kann festgehalten werden: Der Einfluss der Gewalterfahrungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand kann

266

Person zu einer Differenz von einer drittel Kategorie führt. Der Einfluss der Bildung auf den allgemeinen Gesundheitszustand ist signifikant: Personen mit Pflichtschul- bzw. Lehrabschluss berichten einen schlechteren Gesundheitszustand als 10 – Lebensbedingungen Personen mit Hochschulabschluss. Analog zur Analyse des Gefühls, dass einem alles über den Kopf wächst, kann festgehalten nicht durchdass die Merkmale Alter und Ausbildung ersetzt werden; somit wird die werden, der EinflussGeschlecht, der Gewalterfahrungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand Annahme eines kausalen Zusammenhangs unterstützt – Gewalterfahrungen imund bisherigen nicht durch die Merkmale Geschlecht, Alter und Ausbildung ersetzt werden kann somit die beeinflussen Annahme eines Zusammenhangs unterstützt wird – so beeinflussen Leben starkkausalen die Wahrnehmung des eigenen Gesundheitszustandes. Gewalterfahrungen im bisherigen Leben stark die Wahrnehmung des eigenen Gesundheitszustanden. Tabelle 33: Regressionsanalyse für die Einschätzung des eigenen allgemeinen Tabelle 33: Regressionsanalyse für die Einschätzung des eigenen allgemeinen Gesundheitszustandes Gesundheitszustandes Koeffizient

KIUntergrenze

KIObergrenze

p-Wert

Konstanter Term

1,238

1,087

1,389

< 0,001

Schweregrad

0,064

0,053

0,075

< 0,001

Geschlecht = männlich

0,069

0,000

0,137

0,049

Geschlecht = weiblich

Referenz

Parameter

Alter

0,011

0,008

0,013

< 0,001

Bildung = Pflichtschule

0,289

0,145

0,434

< 0,001

Bildung = Lehre

0,165

0,058

0,271

0,002

Bildung = Fachschule

0,065

- 0,052

0,182

0,277

Bildung = AHS, BHS

0,004

- 0,107

0,115

0,942

Bildung = Studium

Referenz

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. KI = Konfidenzintervall. KI = Konfidenzintervall.

256

267

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

10.4 Zusammenfassung: Lebensbedingungen Bei der soziodemografischen Verteilung der Stichprobe bezüglich des Partnerschaftsstatus zeigt sich eine ausgewogene Verteilung verschiedener Paar-Merkmale: Rund drei Viertel der Befragten leben in einer festen Partnerschaft. Die Hälfte der Befragten hat eigene Kinder. 2,2 % der Männer und 1,3 % der Frauen führen eine gleichgeschlechtliche Beziehung. Es wurden Personen erreicht, die erst seit Kurzem oder auch schon sehr lange (über 30 Jahre) mit ihrem Partner/ihrer Partnerin zusammen sind. Was die Wahrnehmung der Zweierbeziehung im Alltag angeht, stimmt jeweils die Mehrheit positiv formulierten Aspekten zu (z. B. erlebte Unterstützung, Geborgenheit) und lehnt negativ formulierte ab (z. B. Schuldzuweisungen, Bloßstellen vor anderen). Auch erkennt die große Mehrheit (96 %) beim Partner/bei der Partnerin ein „partnerschaftliches” Handeln. Ungleichheit stiftende Eigenschaften (Dominanz, Gleichgültigkeit, Abhängigkeit) attribuieren ungefähr nur je zwei von zehn Personen. Bildet man einen Index aus den verschiedenen Negativ-Situationen, Negativ-Eigenschaften, Positiv-Situationen und Positiv-Eigenschaften, so zeigt sich, dass die „ideale Partnerschaft” von immerhin rund 40 % der Befragten genannt wird. „Ideale Partnerschaft” heißt hier, dass die Befragten entlang von 25 Fragen zum Partner-Verhalten ausschließlich positive Einschätzungen abgaben; wer mindestens eine negative Nennung machte, wurde der anderen Gruppe zugeordnet. Dabei gibt es keinen Zusammenhang zur Beziehungsdauer, d. h. sowohl in jungen als auch lange bestehenden Beziehungen sind Problemfelder denkbar; sie werden nicht etwa häufiger von jenen berichtet, die schon lange in einer Paarbeziehung leben. Negative Gefühle und Situationen, die im Zusammenleben mit einem Partner/einer Partnerin verursacht werden, nehmen die Befragten am häufigsten im Zusammenhang mit sozialer Kontrolle wahr (Kontrolle, mit wem man sich trifft; Kontrolle, wofür man Geld ausgibt). Es fällt jeweils auf, dass sich Männer etwas mehr von Frauen kontrolliert fühlen als umgekehrt. Nur wenige Befragte erleben im Paaralltag Schuldzuweisungen und Bedrohungen („schüchtert mich ein und macht mir Angst”; „droht mir und/oder meinen Kindern was anzutun”; „droht damit, sich selbst etwas anzutun”). Diese konkreten Bedrohungen werden nie von mehr als 6 % der Befragten genannt. Angst vor dem Partner/vor der Partnerin haben rund ein Viertel der Befragten (Männer wie Frauen). Dabei haben ältere Personen häufiger Angst als junge. Jedoch besteht auch hier kein Zusammenhang zur Beziehungsdauer. Drei Viertel der befragten Männer und Frauen schätzen ihren derzeitigen Gesundheitszustand im Allgemeinen als (sehr) gut ein. Für rund die Hälfte der Befragten ist der Gesundheitszustand in den letzten Jahren gleich geblieben. Für etwa jeden vierten bzw. jede vierte Befragte/n hat sich der Gesundheitszustand über die letzten Jahre allerdings verschlechtert. Alter und Bildung bestimmen sehr stark das subjektive Gesundheitsempfinden, aber auch die konkreten gesundheitlichen Beeinträchtigungen der letzten zwölf Monate. Vor allem Frauen und Männer bis zum 30. Lebensjahr und solche mit höherer Schulbildung schätzen

268

10 – Lebensbedingungen

ihren allgemeinen Gesundheitszustand als sehr gut ein. So geben jede dritte Frau und jeder dritte Mann mit Matura an, dass der allgemeine Gesundheitszustand sehr gut ist, gegenüber jeder fünften Frau und jedem vierten Mann mit Pflichtschulabschluss. Mit steigendem Lebensalter nehmen Männer und Frauen eine Verschlechterung ihres allgemeinen Gesundheitszustandes wahr. Die meisten Lebensbereiche können aus Sicht der befragten Männer und Frauen durch sie selbst aktiv beeinflusst werden. Besonders stark trifft dies für die Lebensbereiche Familie und Partnerschaft zu. Jene Lebensbereiche, die eng mit der Erwerbstätigkeit verknüpft sind (Arbeitssituation und Finanzen), erachten die Befragten als weniger beeinflussbar. Auch hier zeigt sich ein deutlicher Einfluss der Alters- und Bildungsvariablen. Je älter und je weniger gebildet eine Person ist, desto weniger erlebt sie die Kompetenz, ihr Leben aktiv zu beeinflussen; das gilt v. a. für das Erwerbsleben und ihre finanzielle Lage. Als konkrete gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate gelten vor allem Stress und Überlastung. Frauen und Männer unterscheiden sich dabei deutlich in der Angabe von psychischen und somatischen Beschwerden. Frauen nennen grundsätzlich stärkere gesundheitliche Probleme. Besonders deutlich wird dies bei solchen, die das Belastungsempfinden beschreiben, wie z. B. Stress/Überforderung, allgemeine Schwäche bzw. Müdigkeit sowie das Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst. Personen mit Pflichtschulabschluss schildern deutlich häufiger Beschwerden in den letzten zwölf Monaten, vor allem jüngere Frauen signifikant öfter psychische und somatische. Eine Analyse nach Schweregrad der erlebten Gewalthandlungen (sog. „Schweregrad-Score”) zeigt deutlich: Je gravierender die Gewalterfahrung war, desto ungünstiger erscheinen den Befragten ihre Lebensbedingungen und -bereiche. Männer und Frauen beschreiben zum Beispiel den Einfluss des derzeitigen Partners bzw. der derzeitigen Partnerin als weniger ideal, wenn sie über schwere Gewalterfahrungen verfügen. Und auch der allgemeine Gesundheitszustand wird von Frauen und Männern mit schweren Gewalterfahrungen deutlich negativer bewertet, psychische und somatische Beschwerden werden signifikant öfter geschildert. Wenn Menschen in starkem Ausmaß Gewalt erleben, „trübt” dies also durchaus das spätere Leben, z. B. was die Bewertung des eigenen Gesundheitszustands, der Partnerschaft und das Zutrauen angeht, sein eigenes Leben beeinflussen zu können.

269

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

11 Eigene Täterschaft Ein weiteres Novum in der Gewaltforschung der vorliegenden Studie ist, dass die Befragten nicht nur von erlittener Gewalt berichten sollten, sondern explizit danach gefragt wurden, ob sie selbst auch bereits einmal Gewalt angewendet haben, sprich selbst zum Täter oder zur Täterin geworden sind.38 Analog zur Darstellung der Opfer-Erfahrungen wird in diesem Kapitel zunächst ein Überblick über die Gewaltformen gegeben, in denen die Befragten nach eigenen Angaben tätlich geworden sind, so dass eine Aussage zur Prävalenz in Österreich aus Täter/innen-Perspektive möglich ist. Einschränkend ist allerdings vorweg anzumerken: Es ist nicht davon auszugehen, dass alle Männer und Frauen, die Täter/Täterinnen geworden sind, dies im Rahmen eines Interviews auch berichten werden. Ist schon das Offenlegen eigener Opfer-Erfahrungen schwer, so gilt dies für die eigene Täterschaft erst recht, denn wer Gewalt ausübt, setzt sich damit selbst ins Unrecht. Gerade hoch tabuisierte und gesellschaftlich abgelehnte Formen von Gewalt (zum Beispiel sexuelle Gewalt, Gewalt gegen Frauen, schwere Kindesmisshandlung, andere hoch kriminelle Handlungen) dürften deshalb nicht durchgängig offen berichtet worden sein. Darüber hinaus gibt es in Forschung und sozialer Praxis auch Hinweise darauf, dass Frauen in der Tendenz eigene Täterschaft relativ kritisch bewerten, während männliche Täter das eigene Gewalthandeln oft herunterzuspielen versuchen.39 Dies darf natürlich nicht auf alle Männer und Frauen verallgemeinert werden sondern zeigt lediglich Tendenzen auf, die für die Interpretation der vorliegenden Daten wichtig sind. Das (freilich eher heikle) Thema Täterschaft wurde im Interview an zwei Stellen aufgegriffen: Zum einen wurde den Befragten eine Liste mit Gewalt-Szenen vorgelegt, für die sie nicht nur angeben konnten, ob sie diese Situation als Opfer erlebt hatten, sondern auch, ob sie sich selbst schon einmal so verhalten hatten. Eine Frage lautete also zum Beispiel: „Haben Sie schon erlebt, dass Sie von jemandem erpresst wurden?”, und daraufhin konnten die Befragten ein Kreuz setzen bei „das habe ich schon erlebt” und/oder bei „habe mich so verhalten”. Diese Fragetechnik wurde für die psychische Gewalt verwendet (fünfzehn Items), für die körperliche Gewalt (neunzehn Items) und für die sexuelle Belästigung (zehn Items). Im Bereich der sexuellen Gewalt wurde aus ethischen Gründen auf diese Fragetechnik verzichtet, d.  h. Personen, die Opfer sexueller Gewalt geworden waren, wurden nicht sogleich gefragt, ob sie denn auch selbst schon einmal sexuelle Gewalt angewendet hätten; dies wurde im Fragebogendesign an einer späteren Stelle für die sexuelle Gewalt nachgeholt. Ein weiterer Zugang zur Erhebung der Täterschaft waren konkrete, über den Fragebogen „verstreute” Einzelfragen zur Anwendung von psychischer und körperlicher Gewalt. Um die Prävalenz der Täterschaft abzubilden, wurden prinzipiell die beiden Zugänge kombiniert, das heißt ob z. B. jemand (mindestens) einmal körperliche Gewalt angewen-

38

Es ist uns wichtig, das Thema geschlechterneutral zu behandeln und damit auch weibliche Täterinnen in das Blickfeld zu rücken, die in der Gewaltforschung lange Zeit unbeachtet geblieben sind. Trotzdem werden wir aus orthografischen Gründen auf den Begriff der „Täterinnenschaft” verzichten und jenen der „Täterschaft” verwenden, die wir nach männlicher und weiblicher Täterschaft unterscheiden.

39

Dies ist zum einen aus der Praxis der internationalen Täterarbeit über gewaltbereite Männer berichtet worden; zum anderen zeigte sich auch in der Forschung, dass Frauen eigene Gewalthandlungen benennen (als Erste tätlich geworden zu sein), wenn sie damit, wie offene Nachfragen ergaben, eigentlich meinten, eine (Mit-) Schuld zu haben, provoziert zu haben (vgl. Schröttle/Müller 2004).

270

11 – Eigene Täterschaft

det hat, wurde aus dem Frageblock körperliche Gewalt (Zugang 1) und den Einzelfragen (Zugang 2) eruiert und in einem „Ja-Nein-Schema” abgebildet (ist in dieser Gewaltform in mindestens einer Situation Täter/-in geworden oder nicht). Eine Ausnahme gibt es aus den o. g. Gründen im Bereich der sexuellen Gewalt: Diese Fragen zu sexueller Gewalt erhielten – aufgrund einer so nicht beabsichtigten Filterführung – nur Personen mit Opfer-Erfahrung in diesem Bereich; eine Entscheidung, die bei der Auswertung dazu führte, dass die Täterschaft für sexuelle Gewalt nun nicht auf die österreichische Gesellschaft hochgerechnet werden kann.40 Deshalb fehlt diese Gewaltform in der folgenden einleitenden Darstellung. Sie wird aber im letzten Unterkapitel nachgeholt. Als Altersgrenze für alle Erhebungs-Zugänge zur Täterschaft galt das 16. Lebensjahr; nur Handlungen, die man „seit dem 16. Lebensjahr” vollzogen hatte, sollten angegeben werden. Das heißt, eine Ohrfeige, die man vielleicht als Kind einmal verteilt hatte, wurde nicht gezählt.

11.1 Prävalenz der Täterschaft – die Gewaltformen im Überblick Die untere Darstellung zeigt die Verteilung der Gewaltformen, von welchen die Befragten angegeben haben, diese zumindest einmal angewendet zu haben. Analog zu den Gewalt­ erfahrungen als Opfer ist auch hier die psychische Gewalt die am weitesten verbreitete: 93,2 % der Männer und 95,7 % der Frauen berichten, diese (seit ihrem 16. Lebensjahr) in der einen oder anderen Weise angewendet zu haben. Außerdem geben etwa sechs von zehn Personen an, mindestens einmal körperlich gewalttätig gewesen zu sein (Männer 57,0 %; Frauen 59 %). Diese Zahlen sind recht identisch mit jenen der selbst erlittenen Gewalterfahrungen: Dort hatten 61,4  % der Männer und 56,8  % der Frauen von einer Opfer-Erfahrung berichtet, allerdings waren Männer deutlich häufiger als Täter genannt worden. Ähnliches gilt für die psychische Gewalt. Für diese beiden Gewaltformen (körperliche + psychische) kann man deshalb schließen, dass sie in der Gesellschaft relativ weit verbreitet sind, wenigstens wenn es darum geht, dass man zumindest einmal eine solche Situation – als Opfer oder Täter/in – erlebt hat. Anders gestaltet sich das für die sexuelle Belästigung, wobei allerdings darauf hinzuweisen ist, dass bei der Bildung der Prävalenz nur auf den Zugang durch Frage 1 (ausführliche Einzelitems pro Gewaltform) zurückgegriffen werden konnte. Hier gibt es aus Täter/innenPerspektive kaum Nennungen: 9,2 % der Männer und 2 % der Frauen geben an, dass sie mindestens einmal sexuell belästigt haben. Diese Zahlen erscheinen vor allem dann als eher gering, wenn man sie mit jenen der Opfer-Erfahrungen vergleicht: Immerhin drei Viertel der Frauen und ein Viertel der Männer haben sexuelle Belästigung erfahren. Hier

40

Möglicherweise hätte aber hierzu die Befragung auch gar keine realistischen Angaben generieren können, siehe einleitende Bemerkung zu diesem Kapitel.

271

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

mag eine Rolle spielen, dass die Täterschaft im sexuellen Kontext eine gesellschaftlich besonders stark sanktionierte Form der Gewalt darstellt und sich ein tatsächlicher Täter bzw. eine Täterin auch im Interview bedeckt hält.41

Abbildung 163: Prävalenz nach Gewaltform (eigene Täterschaft) Abbildung 163: Prävalenz nach Gewaltform – eigene Täterschaft und Opferrolle

Quelle: ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten. Quelle: ÖIF 2011. Basis: alle alle Befragten.

Was die geschlechterspezifische Täterschaft angeht, ähneln sich die Aussagen von Frauen und Männern im Bereich der psychischen und physischen, nicht aber im Bereich der sexuell Was die geschlechterspezifische Täterschaft angeht, ähneln sich die Aussagen von Fraubelästigenden Gewalt: 9,2% der Männer, aber nur 2,0% der Frauen haben angegeben en und Männern im Bereich der psychischen und physischen, nicht aber im Bereich der jemand anderen zum Beispiel zum Küssen gedrängt zu haben, jemandem zu nahe sexuell belästigenden 9,2 %gemacht der Männer, aberdie nurvom 2,0 % der Frauen haben angegekommen zu sein oderGewalt: Anspielungen zu haben, Gegenüber als sexuell geben, jemand anderen zum Beispiel zum Küssen gedrängt zu haben, jemandem aufdringlich empfunden worden sind (zur kompletten Liste siehe weiter unten). Im Bereichzu nahe gekommen sein odersind Anspielungen zu haben, vom als sexuell der sexuellenzu Belästigung Männer nachgemacht eigener Aussage eherdie Täter alsGegenüber Frauen.

aufdringlich empfunden worden sind (zur kompletten Liste siehe weiter unten). Im Bereich Unterschieden wurde außerdem nach Alter, jedoch zeigen sich hier kaum größere der sexuellen Belästigung sind Männer nach eigener Aussage eher Täter als Frauen. Abweichungen zwischen den Alterskohorten. Einzig auffallend ist beim männlichen Sample ein deutlicher Rückgang der körperlichen in der mittleren Alterskategorie Unterschieden wurde außerdem nach Gewaltanwendung Alter, jedoch zeigen sich hier kaum größere Abwei(31 bis 40 Jahre). Diese liegt hier bei 48,9%, während sie bei den ältesten und bei Sample den chungen zwischen den Alterskohorten. Einzig auffallend ist beim männlichen ein jüngsten Männern etwa zwei Drittel beträgt. Auch ansonsten zeigen sich die 31bis 40deutlicher Rückgang der körperlichen Gewaltanwendung in der mittleren Alterskategorie jährigen Männer tendenziell gewaltloser. Eine ähnliche Tendenz, aber weniger ausgeprägt, (31 bis 40 Jahre). Diese liegt hier bei 48,9 %, während sie bei den ältesten und bei den zeigt sich bei den Frauen. jüngsten Männern etwa zwei Drittel beträgt. Auch ansonsten zeigen sich die 31- bis 40-jährigen Männer tendenziell gewaltloser. Eine ähnliche Tendenz, aber weniger ausgeprägt, gibt es bei den Frauen.

41

Interessanterweise ist jedoch nicht der Effekt erkennbar, dass im personenbasierten Face-to-Face-Interview weniger von sexueller Täterschaft berichtet wurde als online, wie man es vielleicht erwarten würde. Zum Vergleich der Erhebungsmethoden bezüglich des Antwortverhaltens siehe ausführlicher im Kapitel 12.

272

11 – Eigene Täterschaft

Abbildung 164: Eigene Täterschaft nach Gewaltform, Geschlecht und Alter Abbildung 164: Eigene Täterschaft nach Gewaltform, Geschlecht und Alter

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

Ebenfalls gesondert ausgewertet wurde nach dem höchsten erreichten Ausbildungsniveau

Ebenfalls gesondert ausgewertet wurde nach dem höchst erreichten Ausbildungsniveau der der Befragten. Auch hier gibt es die größten Unterschiede im Bereich der körperlichen GeBefragten. Auch hier gibt es die größten Unterschiede im Bereich der körperlichen Gewalt. walt. Es ist deutlich erkennbar, dass die Anwendung von physischer Gewalt mit steigendem Es ist deutlich erkennbar, dass die Anwendung von physischer Gewalt mit steigendem Bildungsniveau abnimmt. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Unter Männern Bildungsniveau abnimmt. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Unter Männern mit mit Pflichtschulabschluss sind zum Beispiel 63,8 % nach eigenen Angaben seit ihrem 16. Pflichtschulabschluss sind zum Beispiel 63,8% nach eigenen Angaben seit ihrem 16. Lebensjahr handgreiflich geworden. Unter Männern mit akademischem Abschluss berichLebensjahr handgreiflich geworden. Unter Männern mit akademischem Abschluss sagen es ten dies 52,0 % (Frauen: 66,4 % vs. 56,0 %). Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass "nur" 52,0% (Frauen: 66,4% vs. 56,0%). Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass hierbei sozial erwünschtes Antwortverhalten bei den höher gebildeten Personengruppen eineeine beauch sozial erwünschtes Antwortverhalten bei den höher gebildeten Personengruppen einflussende Rolle spielt. beeinflussende Rolle spielt.

273

263

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 165: Eigene Täterschaft nach Gewaltform, Geschlecht und Ausbildungsniveau Abbildung 165: Eigene Täterschaft nach Gewaltform, Geschlecht und Ausbildungsniveau

Quelle: Prävalenzstudie2011. 2011. Basis: Basis: alle Quelle: ÖIFÖIF Prävalenzstudie alleBefragten. Befragten.

11.2

Psychische Gewalt - Täterschaft

Ob man selbst bereits einmal psychische Gewalt jemandem gegenüber angewendet hat, wurde zunächst in 15 Items (Zugang 1) abgefragt, wobei die Antwort auf ein "ja – nein" beschränkt blieb. Die untere Abbildung zeigt sie Häufigkeit der Nennungen nach Geschlechtern getrennt. Gereiht wurde nach Häufigkeit unter den männlichen Befragten, wobei die Frauen ein fast identisches Ranking haben: An der Spitze liegt die Aussage, man habe jemanden bereits "wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien" (Männer 19,0%; Frauen 14,8%). Und auch auf Platz zwei rangiert eine eher auf verbale Äußerungen beschränkte psychische Gewalt: "auf verletzende Art und Weise jemanden lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt" (Männer 15,0%, Frauen 9,2%). Die weiteren Nennungen liegen allesamt unter 7%, das heißt, diese Formen der psychischen Gewalt wurden von weniger als jedem Zehnten seit dem 16. Lebensjahr ausgeübt. Am seltensten wurde angegeben, man habe bereits einmal jemanden "erpresst" (Männer und Frauen je 1,3%).

264

274

11 – Eigene Täterschaft

11.2 Psychische Gewalt – Täterschaft Ob man selbst bereits einmal psychische Gewalt jemandem gegenüber angewendet hat, wurde zunächst in fünfzehn Items (Zugang 1) abgefragt, wobei die Antwort auf ein „ja – nein” beschränkt blieb. Die untere Abbildung zeigt die Häufigkeit der Nennungen nach Geschlechtern getrennt. Gereiht wurde nach Häufigkeit unter den männlichen Befragten, wobei die Frauen ein fast identisches Ranking haben: An der Spitze liegt die Aussage, man habe jemanden bereits „wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien” (Männer 19,0 %; Frauen 14,8 %). Und auch auf Platz zwei rangiert eine eher auf verbale Äußerungen beschränkte psychische Gewalt: „auf verletzende Art und Weise jemanden lächerlich gemacht, gehänselt, abgewertet oder gedemütigt” (Männer 15,0 %, Frauen 9,2 %). Die weiteren Nennungen liegen allesamt unter 7 %, das heißt, diese Formen der psychischen Gewalt wurden von weniger als jedem Zehnten seit dem 16. Lebensjahr ausgeübt. Am seltensten wurde angegeben, man habe bereits einmal jemanden „erpresst” (Männer und Frauen je 1,3 %). Abbildung 166: Psychische Übergriffe (selbst ausgeübt) Abbildung 166: Psychische Übergriffe (selbst ausgeübt)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, in mindestens einer Form psychische Gewalt ausgeQuelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, diedie in mindestens einer Form psychische Gewalt übt haben. ausgeübt haben.

Im Vergleich zur erlebten Gewalt – die gleichen Fragen wurden ja auch zur Opfererfahrung gestellt – zeigt sich übrigens, dass die Befragten häufiger angeben, Opfer als Täter/in geworden zu sein. Auch dort hatte das Item "wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressive angeschrien" auf dem ersten Platz rangiert, allerdings lagen die Prozentangaben weitaus höher: 56,3% der Frauen und 48,6% der Männer hatten diese Situation als Opfer erlebt. 275 Im Geschlechterkontext zeigt sich außerdem ein spiegelbildliches Opfer-Täter-Verhältnis: Im

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Im Vergleich zur erlebten Gewalt – die gleichen Fragen wurden ja auch zur Opfer-Erfahrung gestellt – zeigt sich übrigens, dass die Befragten häufiger angeben, Opfer als Täter/in geworden zu sein. Auch dort hatte das Item „wiederholt beleidigt, eingeschüchtert oder aggressiv angeschrien” auf dem ersten Platz rangiert, allerdings lagen die Prozentangaben weitaus höher: 56,3 % der Frauen und 48,6 % der Männer hatten diese Situation als Opfer erlebt. Im Geschlechterkontext zeigt sich außerdem ein spiegelbildliches Opfer-Täter-Verhältnis: Im Opfer-Kontext hatten wir gesehen, dass alle Situationen psychischer Gewalt häufiger von Frauen erlebt werden als von Männern. Das heißt, Frauen sind häufiger Opfer von psychischer Gewalt. Nun zeigt sich umgekehrt, dass die Täterschaft durchwegs männlich ist. Für jedes der fünfzehn Items geben mehr Männer als Frauen an, in diesem Kontext schon einmal gewalttätig geworden zu sein. Hier fällt nun auf, dass diese Tendenz scheinbar nicht mit der oben dargestellten Täter-Prävalenz zusammenpasst. Dort waren Frauen als diejenigen erschienen, die etwas häufiger psychische Gewalt anwenden. Der Grund für diese unterschiedlichen Tendenzen könnte in der Item-Platzierung innerhalb des Fragebogens bzw. der unterschiedlichen Zugangsweise zur Erhebung der eigenen Täterschaft liegen und wie Männer und Frauen darauf reagieren. Wird die Täterschaft über den Zugang 1 erhoben (Frage nach der Täterschaft ist direkt an die Frage der Opferwerdung nach einzelnen Gewalthandlungen gekoppelt) geben mehr Männer als Frauen eine Täterschaft an. Zugang 2 erhebt die eigene Täterschaft über Fragen, die im Fragebogen in einem Bereich platziert sind, bei dem es um die allgemeine Einstellung zur Gewalt geht. Im Zugang 2 geben Frauen häufiger als Männer eine eigene Täterschaft an (Zugang 2 – siehe Kapitel 11.4). Dadurch, dass die abgefragten Situationen im Zugang 1 und Zugang 2 teilweise identisch sind, liegt der Schluss nahe, dass die Platzierung im Fragebogen einen Einfluss auf das Antwortverhalten haben dürfte. Diese Feststellung bewahrheitet sich auch in dem nun folgend betrachteten Bereich der körperlichen Gewalt. Grundsätzlich vermag Zugang 2 auch eine höhere eigene Täterschaft aufzudecken als Zugang 1.

276

11 – Eigene Täterschaft

11.3 Körperliche Gewalt – Täterschaft Analog zur psychischen Gewalt sollten die Befragten entlang von neunzehn Items (Zugang 1) angeben, ob sie diese Situation schon einmal aus Täter/innen-Perspektive erlebt hatten („das habe ich schon gemacht”). Dabei fiel die Bejahung sehr zurückhaltend aus; von den neunzehn Items hatten nur zwei eine Zustimmung von mehr als 15 %. Diese sind auf Platz 1 das „absichtliche Wegstoßen” (Männer 22,5 %; Frauen 12,9 %), auf Platz 2 das „leichte Ohrfeigen” (Männer 17,3 %; Frauen 16,6 %). In Platz 3 unterscheiden sich die Geschlechter: Männer haben zu 10,2 % „jemanden getreten, gestoßen oder hart angefasst”, während auf der weiblichen Rangliste körperlicher Gewalt das „Beißen oder Kratzen” auf Platz 3 steht (5,2 %). Dieses rangiert bei Männern erst auf Rang 12 (mit 2,5 %). Mit Ausnahme dieses Items geben Männer hier, insbesondere auch bei den schweren Gewalthandlungen, öfter als Frauen an (pro Situation), dass sie zum Täter geworden sind. Außerdem zeigt sich, dass die männliche Täterschaft gegenüber der weiblichen vor allem dann ausgeprägter ist, wenn es um Kräfte fordernde Tätlichkeiten geht. Zum Beispiel wird das Item „jemanden weggeschleudert oder gestoßen, dass er/sie taumelnd umfiel” von 7,6 % der Männer und nur von 1,5 % der Frauen angegeben. Im (geschlechterunabhängigen) Vergleich der Gewaltformen zeigt sich außerdem, dass lebensbedrohliche Gewaltanwendungen („jemanden mit einer Waffe, z. B. Messer, Pistole, bedroht”; „jemandem ernsthaft mit Mord gedroht”) von kaum jemandem genannt wurden (Werte zwischen 0 % und 1 %). Abbildung 167: Körperliche Übergriffe (selbst ausgeübt)

Abbildung 167: Körperliche Übergriffe (selbst ausgeübt)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die in mind. einer Form körperliche Gewalt ausgeübt haben.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die in mind. 1 Form körperlicher Gewalt ausgeübt haben

Im Vergleich zwischen erlebter und ausgeübter Gewalt ist zweierlei festzustellen: Erstens 277 werden diese Situationen öfter als Opfer denn als Täter/in erlebt, d.h. (viel) weniger Personen geben jeweils an, selbst Täter/in geworden zu sein als Opfer. Zweitens ist jedoch

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Im Vergleich zwischen erlebter und ausgeübter Gewalt ist zweierlei festzustellen: Erstens werden diese Situationen öfter als Opfer denn als Täter/in erlebt, d. h. (viel) weniger Personen geben jeweils an, selbst Täter/in geworden zu sein als Opfer. Zweitens ist jedoch die Rangliste der Situationen recht ähnlich: Auch aus Opferperspektive rangieren die beiden Items des „absichtlichen Wegstoßens” und der „leichten Ohrfeige” auf Platz 1 und 2. Der Vergleich dieser beiden Perspektiven lässt außerdem den Schluss zu, dass Kräfte fordernde und schwerere Gewalthandlungen eher von Männern ausgehen als von Frauen und dabei auf beide Geschlechter gerichtet sind. Exemplarisch steht dafür die Situation „jemanden treten, stoßen oder hart anfassen”: 10,2  % der Männer vs. 4,2  % Frauen geben hier eine eigene Täterschaft an, aber beide Geschlechter wurden gleichermaßen Opfer dieser Gewalt­art (25,2 % Frauen; 24,6 % Männer). Welchen Personen die Befragten gegenüber körperlich gewalttätig wurden, das wurde in einer eigenen Frage genauer erforscht (Zugang 2). Sie lautet: „Manchmal sind Auseinandersetzungen handgreiflich. Sind Sie schon einmal handgreiflich gegenüber den folgenden Personen geworden?” Es sollte entlang einer Liste mit sieben Items geantwortet werden. Die Ergebnisse sind, gereiht nach den abnehmenden Häufigkeiten der männlichen Befragten, unten abgebildet. Demzufolge wenden Männer nach eigenen Angaben physische Gewalt vor allem gegenüber Kindern (22,0 %), gegenüber nicht bekannten Personen (20,5 %) oder bekannten Personen (15,4 %) an. Frauen wiederum geben ebenfalls an erster Stelle Gewalt gegen Kinder an, sogar zu einem größeren Prozentsatz als Männer (27,7 %), dann folgen aber – hier unterscheidet sich die Reihenfolge – der Ex-Partner (14,9 %) und der Partner (11,9 %). Abbildung 168: Personen, gegenüber denen man handgreiflich geworden ist

Abbildung 168: Personen, gegenüber denen man handgreiflich geworden ist

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten (Mehrfachantworten möglich). Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten (Mehrfachantworten möglich).

Im Hinblick auf Gewalt gegenüber Kindern zeigt sich dagegen kein prinzipieller W 278 zwischen den Angaben zur Täterschaft und zur Viktimisierung. Die Zahl eindrucksvoll, dass eine Täterschaft im Hinblick auf körperliche Gewalt am

11 – Eigene Täterschaft

Im Hinblick auf Gewalt gegenüber Kindern zeigt sich dagegen kein prinzipieller Widerspruch zwischen den Angaben zur Täterschaft und zur Viktimisierung. Die Zahlen stellen eindrucksvoll dar, dass eine Täterschaft im Hinblick auf körperliche Gewalt am häufigsten gegenüber Kindern berichtet wird. Auch im Viktimisierungsteil dieser Befragung hatte sich analog gezeigt, dass mehr Personen von körperlichen Gewalterfahrungen in der Kindheit als von solchen seit ihrem 16. Lebensjahr berichtet haben. Die Prävalenz körperlicher Gewalterfahrung im Erwachsenenalter liegt bei etwa 60 % (vgl. Kapitel 2.2), im Kindheitsalter jedoch um 75 % (vgl. Kapitel 9). Da oben gezeigt wurde, dass die Gewalt meist von den eigenen Eltern ausgeht und weitaus weniger von anderen erwachsenen Personen, kann die Gewalt gegenüber „Kindern” so interpretiert werden, dass es die „eigenen Kinder” sind, gegenüber denen man die Hand erhoben hat. Daraus folgt: Innerfamiliale, körperliche Gewalt trifft am häufigsten Kinder. Außerdem lässt sich für das Erwachsenenleben ein geschlechterspezifisches Erleben feststellen, und zwar „verharren” beide Geschlechter in jeweils einem Kontext: Männer geben an, Gewalt vor allem mit (un)bekannten Personen zu erleben als auch anzuwenden, während Frauen hier Täterschaft und Opferwerdung im Partnerschafts-Kontext angeben. Auffallend wenige Männer nennen eine Täterschaft im Partnerschaftskontext, obwohl im Hinblick auf Viktimisierung von Frauen dieser quantitativ und im Hinblick auf die Schwere der Gewalt eine große Rolle gespielt hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese bei Männern zu hoch tabuisiert ist und nicht berichtet oder auch geleugnet wird.

279

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

11.4 Häufigkeit von psychischen und körperlichen Übergriffen Eine weitere Frage zielte auf das Ausmaß und die Täterschaft (Zugang 2) bisher angewendeter Gewalthandlungen und lautete: „Auseinandersetzungen bzw. Streitsituationen kommen unter erwachsenen Menschen öfters vor. Ist Ihnen seit dem 16. Lebensjahr Folgendes öfters, selten, einmal oder nie passiert?” – Daraufhin sollten Aussagen zu zehn Situationen gemacht werden, in denen es um körperliche oder psychische Gewalt ging. Die untere Abbildung zeigt die Verteilung nach Geschlecht getrennt. Am weitesten verbreitet ist das verbale „Lautwerden” in einem Streit: 57,3 % der Frauen und 37,7 % der Männer geben an, dass ihnen dies schon „öfters” passiert sei. Nur 5,6 % der Frauen und 10,4 % der Männer haben noch „nie” lautstark jemand anderen beschimpft. Es fällt auf, dass die vier am häufigsten genannten Gewalthandlungen psychischer Natur sind: „Laut geworden”, „Gespräch verweigert”, „Person längere Zeit ignoriert” und „Drohungen ausgesprochen”. Mindestens zwei Drittel der Befragten haben in erwachsenem Alter mindestens einmal nach eigenen Angaben in dieser Weise reagiert. Unter den körperlichen Gewalthandlungen ist die „Ohrfeige” am weitesten verbreitet: Etwa ein Viertel der Befragten (Frauen häufiger als Männer) haben diese mindestens einmal angewendet. Gefährlichere Körperverletzungen („jemanden mit einem Gegenstand schlagen”, „körperlich verletzen”) stehen am Ende der Liste. Hier ist in der direkten Fragestellung (Zugang 2) der Trend zu erkennen, dass es (im Unterschied zu Zugang 1) fast immer Frauen sind, welche häufiger als Männer angeben, in dieser Weise gewalttätig geworden zu sein. Lediglich bei den – insgesamt kaum besetzten – Items „Person zu etwas gedrängt”, „körperlich verletzt” und „mit Gegenstand geschlagen” geben die Männer (in sehr geringem Maße) eher an, dies bereits einmal getan zu haben.

280

11 – Eigene Täterschaft

gedroht

95,8% 96,8% 91,0% 94,3% 89,6% 91,3% 86,6% 77,8% 78,3% 74,4% 77,4% 72,7% 70,3% 69,0% 34,3% 25,0% 32,9% 23,6% 10,4% 5,6%

jdn. zu etwas Gegenständ Absichtliche gedrängt e geworfen Demütigung Ohrfeige

nie 2,2% 1,2% 4,2% 2,8% 3,1% 2,3% 6,9% 10,7% 6,6% 8,9% 10,3% 13,2% 6,7% 6,7% 9,1% 8,5% 6,7% 5,3% 2,9% 2,4%

mit Gegenstand körperlich geschlagen verletzt

mal

jdn. lange Gespräch laut ignoriert verweigert geworden

Abbildung 169: Häufigkeit von psychischer + körperlicher Gewalt (selbst ausgeübt) 57,3%

Frauen Männer

Frauen

25,1%

41,3%

5,3%

19,0%

Frauen

2,6% 1,9%

Frauen

2,3%

Männer

2,2%

Frauen

1,9% 1,1%

Frauen

1,1% 5,3%

69,0%

13,2%

14,4%

72,7% 77,4%

8,9%

74,4%

6,6%

9,6%

78,3%

10,7%

77,8%

6,9%

5,4%

25,0% 34,3%

70,3%

10,3%

13,0%

Männer

8,5%

6,7%

11,6% 10,4%

32,9%

9,1%

6,7%

19,1%

5,6%

10,4%

23,6%

6,7%

39,5%

3,9%

Männer

5,3%

42,4%

17,1%

Frauen

2,9%

41,6%

18,0%

Männer

Männer

49,0%

29,4%

Frauen Männer

2,4%

34,7%

37,7%

86,6%

2,3%

91,3%

0,7% Männer

6,6% 3,1%

89,6%

0,6% 2,3% 2,8%

Frauen

94,3%

Männer

1,1% 3,8% 4,2% 0,6% 1,4% 1,2% 0,5% Männer 1,4% 2,2%

91,0%

Frauen

0%

10%

96,8% 95,8% 20%

30%

40% öfters

50% selten

60% einmal

70%

80%

90%

100%

nie

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten.

281

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

11.5 Sexuelle Belästigung – Täterschaft Die dritte FormBelästigung von selbst angewendeter 11.5 Sexuelle - TäterschaftGewalt, die alle Befragten sowohl aus Täter-

/innen- als auch Opfer-Perspektive für sich situativ einschätzen sollten, ist die sexuelle

Die dritte FormHier von wurden selbst angewendeter Gewalt,1) dievorgelegt. alle Befragten sowohl Täter/innenBelästigung. zehn Items (Zugang Es zeigt sich aus jedoch kaum eine als auch Opfer-Perspektive für sicherwähnt situativ einschätzen sollten, ist dielediglich sexuelle durch Belästigung. Prävalenz, da diese wie bereits bei sexualisierter Gewalt Zugang Hier wurden 10 Items (Zugang 1) vorgelegt. Es zeigt sich jedoch kaum eine Prävalenz, da 1 gebildet wird. Für das weibliche Sample gibt es kein einziges Item, das über 1 % lädt; diese wie bereits erwähnt bei sexualisierte Gewalt lediglich durch Zugang 1 gebildet wird. lediglich die Situation „jemandem nachgepfiffen oder jemanden angestarrt, so dass er/ Für es kein einziges Item, das überder 1% Frauen lädt; lediglich die Situation siedas sichweibliche dadurch Sample sexuell gibt belästigt fühlte” wurde von 0,9 % angegeben. Bei den "jemandem nachgepfiffen oder angestarrt, so an, dassdass er/sie sich dadurch sexuell Männern waren das 7,1 %. Vonjemanden ihnen geben noch 3,9 % sie einmal „mit jemandem belästigt wurde vongesprochen 0,9% der Frauen Bei den Männernempfunden waren das 7,1%. auf einefühlte" Art und Weise haben,angegeben. die als sexuell belästigend wurde” Von ihnen geben noch 3,9% an, dass sie einmal "mit jemandem auf eine Art und Weise (Frauen 0,7 %), und 3,3 % der Männer haben schon einmal „jemanden versucht zu küssen, gesprochen haben, die als sexuell belästigend empfunden wurde" (Frauen 0,7%) und 3,3% obwohl er/sie es nicht wollte” (Frauen 0,5  %). Die weiteren Prozentwerte sind allesamt der Männer haben schon einmal "jemanden versucht zu küssen, obwohl er/sie es nicht derart gering, dass sich eine weitergehende Auswertung nicht anbietet. Festgehalten wollte" (Frauen 0,5%). Die weiteren Prozentwerte sind allesamt derart gering, dass sich eine werden kann lediglich, dass die Befragten kaum von Situationen berichten, in denen sie weitergehende Auswertung nicht anbietet. Festgehalten werden kann lediglich, dass die selbst sexuell belästigt haben, Frauen noch weniger als Männer, obwohl so viele Frauen und Befragten kaum von Situationen berichten, in denen sie selbst sexuell belästigt haben, Männer angaben, sexuell belästigt worden zu sein. Frauen noch weniger als Männer, obwohl so viel Frauen und Männer angaben, sexuell belästigt worden zu sein.. Abbildung 170: Sexuelle Belästigung (selbst ausgeübt)

Abbildung 170: Sexuelle Belästigung (selbst ausgeübt)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: Befragten, in mind. einer Form sexuelle Belästigung ausgeübt Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: allealle Befragten, diedie in mindestens einer Form sexueller Belästigung haben. haben. ausgeübt

282

11 – Eigene Täterschaft

11.6 Sexuelle Gewalt – Täterschaft Wie oben bereits erläutert, wurden zum Thema der Täterschaft im Kontext sexueller Gewalt nur jene befragt, die im Erwachsenenalter auch selbst Opfer geworden waren. Diesen wur11.6 Sexuelle - Täterschaft de die folgende Frage gestellt:Gewalt „Wie häufig haben Sie eine andere Person zu ungewollten sexuellen Handlungen gedrängt oder gezwungen?” Die untere Grafik zeigt die Verteilung Wie oben bereits erläutert, wurden zum Thema der Täterschaft im Kontext sexueller Gewalt entlang einer Häufigkeitsskala. Dabei wurde die große Mehrheit selbst „nie” sexuell gewaltnur jene befragt, die im Erwachsenenalter auch selbst Opfer geworden waren. Diesen wurde tätig (Männer 61,9 %; Frauen 80,4 %). Das heißt aber umgekehrt, dass mehr als jeder die folgende Frage gestellt: "Wie häufig haben Sie eine andere Person zu ungewollten dritte Mann, der Opfer sexueller Gewalt war, mindestens einmal selbst zum Täter geworden sexuellen Handlungen gedrängt oder gezwungen?" Die untere Grafik zeigt die Verteilung ist. Die genauen Zahlen hierzu lauten für Männer, dass 4,8 % von ihnen „häufig”, 9,5 % entlang einer Häufigkeitsskala. Dabei wurde die große Mehrheit selbst "nie" sexuell „gelegentlich”gewalttätig und 23,8 % „selten” sexuelle Gewalt angewendet haben. Keiner der Männer (Männer 61,9%; Frauen 80,4%). Das heißt aber andersrum, dass mehr als jeder wurde genaudritte „einmal” zum Täter. Anders sieht das bei Frauen aus: Etwa 20 % von Mann, der Opfer sexueller Gewalt war, mindestens einmal selbst zumden Täter geworden Frauen mit sexueller mindestens einmal dass selbst4,8% Täterin diesem ist. Die Gewalterfahrung genauen Zahlen wurden hierzu lauten für Männer, voninihnen "häufig", 9,5% Bereich. Genauer sind es 0,9 %, die „häufig” Täterin wurden, 6,5 % haben „gelegentlich” "gelegentlich" und 23,8% "selten" sexuelle Gewalt angewendet haben. Keiner der Männer Gewalt angewendet, 3,7 % "einmal" „selten” und Damitdas wird deutlich, wurde genau zum 8,4 % Täter.„einmal”. Anders sieht bei Frauendass aus:Männer, Etwa 20% von den die Opfer vonFrauen sexueller geworden waren, häufiger im Bereich der sexuellen mit Gewalt sexueller Gewalterfahrung wurden Täter mindestens einmal selbst Täterin in diesem Gewalt wurden als weibliche Opfer sexueller Gewalt – wobei hier die Einschränkung des Bereich. Genauer sind es 0,9%, die "häufig" Täterin wurden, 6,5%, die "gelegentlich" Gewalt Samples berücksichtigt werden muss (nur Personen, die selbst Opfer sexueller Gewalt angewendet haben, 3,7% gaben "selten" an und 8,4% "einmal". Damit wird deutlich, dass sind). Männer, die Opfer von sexueller Gewalt geworden waren, häufiger Täter im Bereich der

sexuellen Gewalt wurden als weibliche Opfer sexueller Gewalt – wobei hier die Einschränkung des Samples berücksichtigt werden muss (nur Personen, die selbst Opfer Abbildung 171: Häufigkeit von sexueller Gewalt (selbst ausgeübt) sexueller Gewalt sind). Abbildung 171: Häufigkeit von sexueller Gewalt (selbst ausgeübt)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die in mindestens einer Form selbst sexuelle Gewalt erlebt haben.

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die in mind. einer Form selbst sexuelle Gewalt erlebt haben.

Diejenigen, die in der obigen Frage etwas anderes als "nie" angegeben hatten, die also mindestens einmal sexuelle Gewalt gegenüber jemandem angewendet hatten, wurden weiter befragt, "um welche Handlungen es sich dabei gehandelt" hat. Für die untere Auswertung ist allerdings zu beachten, dass nur sehr wenige Befragte hier geantwortet haben (8 Männer und 20 Frauen), so dass die Prozentwerte nur eine geringe 283 Aussagekraft haben.

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Diejenigen, die in der obigen Frage etwas anderes als „nie” angegeben hatten, also mindestens einmal sexuelle Gewalt gegenüber jemandem angewendet hatten, wurden weiter befragt, „um welche Handlungen es sich dabei gehandelt” habe. Für die untere Auswertung ist allerdings zu beachten, dass nur sehr wenige Befragte hier geantwortet haben (acht Männer und zwanzig Frauen), so dass den Prozentwerten nur geringe Aussagekraft zukommt. Abbildung 172: Sexuelle Handlungen (selbst ausgeübt) Abbildung 172: Sexuelle Handlungen (selbst ausgeübt)

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die in mindestens einer Form selbst sexuelle Gewalt

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten, die in mind. einer Form selbst sexuelle Gewalt erlebt erlebt haben. haben.

284

11 – Eigene Täterschaft

11.7 Zusammenfassung – eigene Täterschaft Auch bei der eigenen Täterschaft ist – analog zu den Gewalterfahrungen aus Opfer-Perspektive – psychische Gewalt am meisten prävalent: Etwa 95 % haben seit ihrem 16. Lebensjahr mindestens eine Form der psychischen Gewalt angewendet. Diese wird am häufigsten in Form von „wiederholten Beleidigungen, Einschüchterungen oder in aggressivem Anschreien” ausgeübt. Beide Geschlechter gaben dies gleich häufig an. Körperlich gewalttätig werden nach eigenen Aussagen etwa 60 % der erwachsenen Österreicher und Österreicherinnen. Diese Anteile sind recht identisch mit jenen der selbst erlittenen Gewalterfahrungen, widersprüchlich ist allerdings, dass Männer und Frauen mehr Gewalt durch Männer berichtet haben, während Männer nicht häufiger eine eigene Täterschaft bei körperlicher Gewalt angeben als Frauen. Am weitesten verbreitet ist die körperliche Gewalt als „absichtliches Wegstoßen” und als „leichte Ohrfeige”, und zwar bei beiden Geschlechtern. Diese beiden Situationen wurden auch aus Opfer-Perspektive am häufigsten erlebt. Lebensbedrohliche Gewaltanwendungen (z.  B. Morddrohungen) wurden von kaum jemandem genannt. Die Auswertungen zeigen außerdem, dass körperliche Gewalt vor allem auf Kinder gerichtet ist. Es bestätigt sich damit in den Täterschafts-Angaben, was auch in den Angaben zur Viktimisierung berichtet wurde: dass körperliche Gewalt sich am häufigsten gegen Kinder richtet. Mehr Personen berichten von körperlichen Gewalterfahrungen in der Kindheit als von solchen seit ihrem 16. Lebensjahr. Bei psychischer und körperlicher Gewalt zeigen sich Unterschiede in Bezug auf die Erhebung der eigenen Täterschaft (unterschiedliche Zugänge erfolgten nur bei diesen beiden Gewaltformen). Ein Zugang, der nicht direkt an Opfer-Erfahrungen gekoppelt ist, sondern an einen eher allgemeinen Teil im Fragebogen gebunden ist, scheint ein höheres Ausmaß der eigenen Täterschaft aufzudecken. Für den Bereich der sexuellen Belästigung gibt es kaum Angaben zur eigenen Täterschaft (Männer 9 %; Frauen 2 %), demnach wird hier weitaus weniger von eigener Täterschaft als von Opfer-Erfahrungen berichtet. Männer sind nach eigener Aussage eher Täter als Frauen und geben hier vor allem das „Hinterherpfeifen” an (7 %). Die Prävalenz der Täterschaft von sexueller Gewalt bildet nur das Vorkommen unter jenen ab, die selbst Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Für jene gilt: Die große Mehrheit der Opfer gab an, selbst „nie” sexuell gewalttätig geworden zu sein (Männer 61,9 %; Frauen 80,4 %). Das heißt aber umgekehrt, dass mehr als jeder dritte Mann und jede fünfte Frau, die Opfer sexueller Gewalt waren, angegeben haben, mindestens einmal selbst zum Täter/zur Täterin sexueller Gewalt geworden zu sein. Unterschiede nach Alter und Bildungsniveau gibt es vor allem im Bereich der körperlichen Gewalt: So zeigt sich beim männlichen Sample ein Rückgang der körperlichen Gewaltanwendung in der mittleren Alterskategorie (31 bis 40 Jahre). Außerdem ist für alle Befragten deutlich erkennbar, dass die Angaben der Täterschaft von physischer Gewalt mit steigendem Bildungsniveau abnehmen. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen – es kann allerdings auch mit sozial erwünschtem Antwortverhalten bei den höher Gebildeten in Zusammenhang stehen.

285

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

12 Vergleich der Ergebnisse nach Erhebungsmethoden Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden zeitgleich für dieselbe Zielgruppe mit demselben Instrumentarium unterschiedliche Befragungsmethoden eingesetzt. Wie bereits in Kapitel 1.3 beschrieben, wurden die Interviews mit einem Teil der Befragten persönlich, d.  h. Face-to-Face geführt und mit den restlichen Befragten mittels Online-Fragebogen. Zusätzlich kamen bei den Face-to-Face-Interviews der Männer sowohl männliche als auch weibliche Interviewer zum Einsatz, um zu überprüfen, ob ein unterschiedliches Antwortverhalten je nach Geschlecht des Interviewers gegeben ist und dies zu einem unterschiedlichen Aufdeckungsgrad des Dunkelfeldes führt. Die Verwendung unterschiedlicher Befragungsmethoden im Rahmen derselben Studie ermöglicht wertvolle Einblicke in den Effekt einer Methode auf das Ergebnis der Erhebung, vor allem auch bei einem so sensiblen Thema, der Aufdeckung des Dunkelfeldes von Gewalt in der Familie bzw. im sozialen Nahraum. Erfahrungen aus anderen Bereichen (z. B. der Marktforschung) zur Studienplanung und zum Studiendesign sowie zum Einsatz von spezifischen Erhebungsmethoden lassen sich nicht unbedingt auf sensible Bereiche der Sozialforschung übertragen. In diesem Sinne leistet die vorliegende Studie auch einen Beitrag zur Methodendiskussion in diesem Bereich, da sie mit demselben Instrumentarium und zum selben Zeitpunkt die Daten erhoben hat. In Kapitel 1.3 wurde bereits festgehalten, dass der Vergleich der Face-to-Face- und der Online-Stichprobe hinsichtlich des Antwortverhaltens für große Teile des Fragebogens sehr geringe Differenzen zeigt; somit wurde in den bisherigen Kapiteln auf eine getrennte Darstellung der Ergebnisse verzichtet. Dieser Abschnitt analysiert jene Fragen, für die sich aber sehr wohl Unterschiede in Abhängigkeit von der Befragungsmethode zeigen. Dies betrifft vor allem sensible Fragestellungen wie solche zur subjektiven Gesundheit und zu Erfahrungen von sexueller Belästigung und sexueller Gewalt. So schildern z. B. die Befragten der Online-Stichprobe einen schlechteren Gesundheitszustand und höhere Belastungen durch sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt. Im Folgenden werden die zentralen Unterschiede der verschiedenen methodischen Zugänge beschrieben:

Höhere Prävalenzen der Opfer-Erfahrungen durch Online-Befragung Bei den Fragen zur den Gewalterfahrungen zeigt sich, dass die Online-Erhebung ein höheres Dunkelfeld an erfahrenen Gewalthandlungen aufzudecken vermag als die Face-to-FaceBefragung. Besonders deutlich wird dies im sensiblen Bereich der sexualisierten Gewalt. In der Face-to-Face-Befragung berichtet jede fünfte Frau (21,2  %) von einer sexuellen Gewalterfahrung, gegenüber jeder dritten Frau (35,4 %) in der Online-Erhebung. Auch bei der sexuellen Belästigung zeigen sich deutliche Unterschiede in den Erhebungsmethoden: 82,4 % der befragten Frauen berichten in der Online-Erhebung von sexueller Belästigung, in der Face-to-Face-Befragung sind es um 20 Prozentpunkte weniger Frauen (62,8  %).

286

12 – Vergleich der Ergebnisse nach Erhebungsmethoden

Auch bei Männern zeigen sich in allen Gewaltformen höhere Prävalenzen in bei der OnlineErhebung, allerdings nicht so ausgeprägt. Das verweist darauf, dass die Online-Methode in höherem Maße Dunkelfelder von Gewalt, gerade in tabuisierten Bereichen wie sexueller Gewalt, aber auch der Opferwerdung von Männern aufzudecken vermag.

Bereichen wie sexueller Gewalt, aber auch der Opferwerdung von Männern, aufzudecken vermag. Abbildung 173: Prävalenz nach Gewaltform und Erhebungsmethode Abbildung 173: Prävalenz nach Gewaltform und Erhebungsmethode

Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011. Basis: Basis: alle Quelle: alle Befragten. Befragten.

Aber auch in Bezug auf die als Kind erfahrenen Gewaltübergriffe zeigt sich in allen Aber auch in Bezug auf die als Kind erfahrenen Gewaltübergriffe zeigt sich in allen GewaltGewaltformen, das der Zugang über die online Befragung ein höheres Dunkelfeld von formen, dass der Zugang über die Online-Befragung ein höheres Dunkelfeld von Gewalt­ Gewalterfahrungen aufdeckt, als die Face-to-Face Befragung. So berichten z.B. rund zwei erfahrungen So berichten z. B. zwei Drittel Befragung der Frauenvon und körperlichen Männer in der Drittel der aufdeckt. Frauen und Männer in derrund Face-to-Face Face-to-Face-Befragung von körperlichen – in Online-Befragung Gewalterfahrungen – in der online BefragungGewalterfahrungen sind es dagegen 81,4% derder Männer und 77,9% sind es dagegen 81,4 % der Männer und 77,9 % der Frauen. Oder jede dritte Frau (32,3 %) der Frauen die von körperlichen Gewalterfahrungen in der Kindheit berichten. Oder jede des Online-Samples berichtet von sexuellen Gewalterfahrungen als Kind, gegenüber jeder dritte Frau (32,3%) des online Samples berichtet von sexuellen Gewalterfahrungen als Kind, fünften Fraujeder (21,2 %) Face-to-Face-Sample. gegenüber fünftenim Frau (21,2%) im Face-to-Face Sample.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 174: Prävalenz von Gewalt in der Kindheit nach Erhebungsmethode Abbildung 174: Prävalenz Gewalt in der Kindheit nach Erhebungsmethode

ÖIF Prävalenzstudie 2011. alle Befragten. Quelle: ÖIFQuelle: Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Basis: Befragten.

Höhere Prävalenz der eigenen Täterschaft durch Online-Erhebung

Höhere Prävalenz der eigenen Täterschaft durch Online-Erhebung

Nicht nur in Bezug zur Aufdeckung des Dunkelfeldes der Opfererfahrungen zeigen sich

Nicht nur in Bezug zur Aufdeckung des Dunkelfeldes der Opfer-Erfahrungen zeigen sich UnUnterschiede in den Erhebungsmethoden, sondern auch beim sensiblen Thema der eigenen terschiede in den Erhebungsmethoden, sondern auch beim sensiblen Thema der eigenen Täterschaft, also inwieweit man selbst Täter bzw. Täterin geworden ist. Hier sind die Täterschaft, also inwieweit man selbst Täter bzw. Täterin geworden ist. Hier sind die UnUnterschiede zwischen Face-to-Face Befragung und online Befragung zwar weniger deutlich terschiede zwischen Face-to-Face-Befragung und Online-Befragung zwar weniger deutlich ausgeprägt, als bei der Prävalenz der Opfererfahrungen, aber auch hier zeigt sich, dass ausgeprägt als bei der Prävalenz der Opfer-Erfahrungen, aber auch hier zeigt sich, dass etetwas mehr eigene Täterschaft durch die online Befragung zugegeben wird. So berichten was mehr eigene Täterschaft bei der Online-Befragung zugegeben wird. So berichten z. B. z.B. 53,9% der Männer im Face-to-Face Interview davon, dass sie selbst körperliche Gewalt 53,9 % der Männer im Face-to-Face-Interview davon, dassBefragung. sie selbst körperliche Gewalt angewendet haben, gegenüber 59,9% bei der online angewendet haben, gegenüber 59,9 % bei der Online-Befragung.

288

276

12 – Vergleich der Ergebnisse nach Erhebungsmethoden

Abbildung 175: Eigene Täterschaft nach Erhebungsmethode Abbildung 175: Eigene Täterschaft nach Erhebungsmethode

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle Befragten. * Bei sexueller Gewalt sind nur jene Personen befragt worden, die auch sexuelle Gewalt erlebt haben – Abfrage* Bei wurde sexueller Gewalt gegenüber sind nur jene PersonenGewaltformen. befragt worden, die auch sexuelle Gewalt erlebt haben – schema verändert den anderen

Abfrageschema wurde verändert, gegenüber den anderen Gewaltformen.

Eine höhere Online-Aufdeckung der eigenen Täterschaft zeigt sich auch in dem zweiten Eine höhere online Aufdeckung der eigenen Täterschaft zeigt sich auch in dem zweiten Zugang im Fragebogen zur eigenen Täterschaft: Im allgemeinen Frageblock zur Definition Zugang im Fragebogen zur eigenen Täterschaft: Im allgemeinen Frageblock zur Definition von Gewalt wurde anhand von Auseinandersetzungen bzw. Streitsituationen abgefragt, invon Gewalt, wurde anhand von Auseinandersetzungen bzw. Streitsituationen abgefragt, wieweit man selbst auch schon einmal übergriffigwurde. wurde. Hier inwieweit man selbst auch schon einmalhandgreiflich handgreiflich oder oder psychisch psychisch übergriffig Hier nennen Online-Befragte Itemsöfter, öfter,die die verbale Gewalthandlungen beschreiben: nennen Online-Befragte jene jene Items verbale Gewalthandlungen beschreiben: n

n

öfters bei Auseinandersetzungen laut geworden: • öfters bei Auseinandersetzungen laut wurde: Online: 55,5%, Face-to-Face: 39,8% Online: 55,5 %, Face-to-Face: 39,8 % • öfters bei Auseinandersetzungen das Gespräch verweigerte: Online: 28,1%, Face-to-

öftersFace: bei Auseinandersetzungen das Gespräch verweigert: 19,6% Online: 28,1 %, Face-to-Face: 19,6 %jemanden bewusst ignoriert habe: Online: 24,7%, • öfters bei Auseinandersetzungen Face-to-Face: 17,5% n öfters bei Auseinandersetzungen jemanden bewusst ignoriert: • bei Auseinandersetzungen eine Drohung ausgesprochen habe: Online: 35,7%, Face Online: 24,7 %, Face-to-Face: 17,5 % to-Face: 23,8% n bei Auseinandersetzungen eine Drohung ausgesprochen: Online: 35,7 %, Face-to-Face: 23,8 %

Höhere Prävalenzen durch weibliche Interviewerinnen bei Männern in der Face-toFace Befragung Eine weitere methodische Fragestellung dieser Studie bezog sich auf das Geschlecht des Interviewers und ob dieses einen Unterschied beim Grad der Aufdeckung des Dunkelfeldes 277 289

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Höhere Prävalenzen durch Interviewerinnen bei Männern in der Face-to-FaceBefragung Eine weitere methodische Fragestellung dieser Studie bezog sich auf das Geschlecht des Interviewers und ob dieses einen Unterschied beim Grad der Aufdeckung des Dunkelfeldes bei männlichen Respondenten in der Face-to-Face-Befragung macht. Grundsätzlich zeigen die Daten geringe Unterschiede in den Prävalenzen bei Männern. Tendenziell decken Interbei männlichen Respondenten in der Face-to-Face-Befragung macht. Grundsätzlich zeigen viewerinnen bei Männern ein etwas höheres Dunkelfeld als Interviewer auf. So berichten die Daten geringe Unterschiede in den Prävalenzen bei Männern. Tendenziell decken z. B. 77,2 % der Männer den Interviewerinnen von psychischen Gewalterfahrungen, geweibliche Interviewerinnen bei Männern ein etwas höheres Dunkelfeld als männliche genüber 69,6 % bei Interviewern. Bei der sexuellen Gewalt verdoppeln sich die Nennungen

Interviewer auf. So berichten z.B. 77,2% der Männer den weiblichen Interviewerinnen von

in der Online-Befragung – von 4,6 % auf 9,1 %, wenn Männer nicht durch Männer, sondern psychischen Gewalterfahrungen, gegenüber 69,6% gegenüber männlichen Interviewern. Bei durch Frauen befragt werden.

der sexuellen Gewalt verdoppeln sich die Nennungen in der Online-Befragung – von 4,6% auf 9,1%, wenn Männern nicht durch Männer sondern durch Frauen befragt werden. in der Online-Erhebung. Abbildung 176: Prävalenzen nach Gewaltform bei Männern und Geschlecht des Interviewers

Abbildung 176: Prävalenzen nach Gewaltform bei Männern und Geschlecht des Interviewers

Quelle: Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragtenMänner Männerder derFace-to-Face-Befragung. Face-to-Face Befragung. Quelle: ÖIFÖIF Prävalenzstudie 2011. Basis: alle befragten

Interviewerinnen decken nichtbei nur Männern ein höheres Dunkelfeld bei MänWeibliche Interviewerinnen decken nicht der nur Opfer-Erfahrungen ein höheres Dunkelfeld der nern auf, sondern sie eine höhere Prävalenz der eine eigenen Täterschaft Opfererfahrungen beischeinen Männernauch auf, sondern sie scheinen auch höhere Prävalenzvon der Männern DieMännern Unterschiede sind zwar aber es zeigt sich bei einigen eigenenaufzudecken. Täterschaft von aufzudecken. Diegering, Unterschiede sind zwar gering, aber es Gewaltformen eine Tendenz. So berichteteine z. B.Tendenz. jeder vierte (25,4 %) im Face-to-Facezeigt sich bei einigen Gewaltformen So Mann berichtet z.B. jeder vierte Mann (25,4%) einem im Face-to-Face Interview einemÜbergriffen, männlichen von psychischen Interview Interviewer von psychischen dieInterviewer er selbst vorgenommen hat, Übergriffen die er selbst vorgenommen hat, gegenüber jedem dritten Mann (32,4%), der dies gegenüber jedem dritten Mann (32,4 %), der dies einer Interviewerin berichtet.

einer weiblichen Interviewerin berichtet.

290

12 – Vergleich der Ergebnisse nach Erhebungsmethoden

Abbildung 177: Eigene Täterschaft nach Geschlecht des Interviewers bei Männern Abbildung 177: Eigene Täterschaft nach Geschlecht des Interviewers bei Männern

Quelle: ÖIF Prävalenzstudie Basis: alle befragten Männer der Face-to-Face Befragung. Quelle: ÖIF Prävalenzstudie 2011.2011. Basis: alle befragten Männer der Face-to-Face-Befragung. * Bei sexueller Gewalt Gewalt sind nursind jenenur Personen befragt worden, auch sexuelle Gewalt erlebt hattenerlebt – Abfrage* Bei sexueller jene Personen befragt die worden, die auch sexuelle Gewalt haben – schema war anders als beianders den anderen Gewaltformen. Abfrageschema war als bei den anderen Gewaltformen.

Höhere Einschätzung der gesundheitlichen Belastung online Höhere Einschätzung der gesundheitlichen Belastung online

Neben der Einschätzung des allgemeinen Gesundheitszustandes wurde eine Reihe von

Neben derzuEinschätzung Gesundheitszustandes wurde eine Fragengruppe Reihe von Items Beschwerdendes undallgemeinen gesundheitlichen Problemen abgefragt. Für diese Items zu Beschwerden und gesundheitlichen abgefragt. dieseBelastung Fragengrupweist die Online-Stichprobe grundsätzliche Problemen höhere Werte, d.h. eineFür höhere auf als pe weist die Online-Stichprobe höhere d. h. eine Belastung die Face-to-Face Stichprobe.grundsätzliche Besonders stark ist derWerte, Methodeneffekt beihöhere folgenden Items: auf als die Face-to-Face-Stichprobe. Besonders stark ist der Methodeneffekt bei folgenden 43 Items: • Antriebslosigkeit (+ )



n

Müdigkeit (+)

Antriebslosigkeit (+42) • Gedächtnisschwäche (++44) n Müdigkeit (+) • Reizbarkeit (+) n

• Nervosität (+) (++43) Gedächtnisschwäche

n

• das (+) Gefühl, das einem alles über den Kopf wächst (+) Reizbarkeit •

Schlaflosigkeit (++)

n Nervosität

(+)

n

das Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst (+)

n

Schlaflosigkeit (++)

42

+ bedeutet einen Unterschied von mindestens 15 Prozentpunkten.

43

++ bedeutet einen Unterschied von mindestens 20 Prozentpunkten. 43 44

+ bedeutet ein Unterschied von mindestens 15 Prozentpunkte ++ bedeutet ein Unterschied von mindestens 20 Prozentpunkte

279

291

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abbildung 178: Gesundheitliche Beschwerden nach Methode Abbildung 178: Gesundheitliche Beschwerden nach Methode

Quelle: Quelle:ÖIF ÖIFPrävalenzstudie Prävalenzstudie2011. 2011.Basis: Basis: alle alle Befragten. Befragten.

Psychische Folgen der Gewalthandlungen werden online etwas stärker berichtet Ähnlich zu den Fragen zum Gesundheitszustand zeigen sich Methodeneffekte für besonders sensible Items bei den psychischen Folgen von Gewalthandlungen. Online-Befragte weisen Ähnlich zu den Fragen zum Gesundheitszustand zeigen sich Methodeneffekte für besonders signifikant mehr Nennungen bei folgenden Items auf: Psychische Folgen der Gewalthandlungen werden online etwas stärker berichtet

sensible Items bei den psychischen Folgen von Gewalthandlungen. Online-Befragte weisen • lang andauerndes Grübeln über die Situation (Online: 71,3%, Face-to-Face: 54,6%) signifikant mehr Nennungen bei folgenden Items auf:



angeschlagenes Selbstwertgefühl, Gefühl von Erniedrigung (Online: 57,6%, Face-to-

n

lang Face: andauerndes 43,3%) Grübeln über die Situation (Online: 71,3 %, Face-to-Face: 54,6 %)

n

angeschlagenes Selbstwertgefühl, Gefühl von Erniedrigung • sexuelle Probleme (Online: 12,4%, Face-to-Face: 7,2%) (Online: 57,6 %, Face-toFace: 43,3 %) • Schamund, oder Schuldgefühle (Online: 20,9%, Face-to-Face: 15,3%)

n

sexuelle Probleme (Online: 12,4 %, Face-to-Face: 7,2 %)

n

Scham- und/oder Schuldgefühle (Online: 20,9 %, Face-to-Face: 15,3 %)

Unterschiede in der demographischen Verteilung Unterschiede in der demographischen Zusammensetzung der Stichprobe hinsichtlich der Unterschiede in bereits der demografischen Verteilung In folgenden Merkmalen unterscheidet Methode wurden in Kapitel 1.3 angesprochen.

sich die Stichprobenzusammensetzung der unterschiedlichen methodischen Zugänge: Der

Unterschiede in der demografischen Zusammensetzung der Stichprobe hinsichtlich der MeFrauenanteil in der Face-to-Face Stichprobe beträgt 52%, in der Online Stichprobe 58%. thode wurden bereits in Kapitel 1.3 angesprochen. In folgenden Merkmalen unterscheidet 65% der Face-to-Face Befragten führen derzeit eine Partnerschaft, wobei 51% in einem sich die Stichprobenzusammensetzung der unterschiedlichen methodischen Zugänge: Der gemeinsamen Haushalt leben. Unter den Online-Befragten haben 80% einen Partner und Frauenanteil in der Face-to-Face-Stichprobe beträgt 52 %, in der Online-Stichprobe 58 %. leben 66% in einem gemeinsamen Haushalt. Eigene Kinder haben 50% der Face-to-Face 65 % der Face-to-Face-Befragten führen derzeit eine Partnerschaft, wobei 51 % in einem Stichprobe, 25% leben mit ihren Kindern im gemeinsamen Haushalt. 63% der Onlinegemeinsamen Haushalt denleben Online-Befragten haben einen Partner und Stichprobe haben eigen leben. Kinder Unter und 43% mit ihren Kindern im 80 % gemeinsamen Haushalt.

Die Altersverteilung ist für die Altersgruppe der 25- bis 55-Jährigen ähnlich, in der Face-to292

280

12 – Vergleich der Ergebnisse nach Erhebungsmethoden

leben 66 % in einem gemeinsamen Haushalt. Eigene Kinder haben 50 % der Face-to-FaceStichprobe, 25 % leben mit ihren Kindern im gemeinsamen Haushalt. 63 % der OnlineStichprobe haben eigene Kinder und 43 % leben mit ihren Kindern im gemeinsamen Haushalt. Die Altersverteilung ist für die Altersgruppe der 25- bis 55-Jährigen ähnlich; in der Face-to-Face-Stichprobe werden jedoch etwas mehr junge und weniger ältere Personen befragt als in der Online-Stichprobe (Näheres siehe auch Kapitel 1.4).

12.1 Zusammenfassung: Methodeneffekte Methodeneffekte zeigen sich vor allem durch die anonymisierte Methode der Online-Erhebung, die ein deutlich höheres Dunkelfeld aufdeckt als die in der Gewaltforschung bisher standardmäßig durchgeführte Face-to-Face-Befragung. Vor allem bei Frauen zeigt sich eine deutlich höhere Prävalenz der sexualisierten Gewaltformen in der Online-Erhebung. Bei sexueller Belästigung deckt die Online-Erhebung um 19,6 Prozentpunkte mehr Übergriffe auf als die Face-to-Face-Befragung und bei sexueller Gewalt um 14,2 Prozentpunkte. Die Unterschiede sind bei Männern ebenfalls vorhanden, allerdings weniger ausgeprägt. Die Online-Erhebung bietet nicht nur eine höhere Aufdeckung des Dunkelfeldes der Opfer-Erfahrungen als Erwachsener, sondern auch in der Kindheit. Hier zeigen sich bei Frauen und Männern in allen Gewaltformen höhere Prävalenzen in der Online-Erhebung. Bei einem weiteren sensiblen Thema, der eigenen Täterschaft, zeigen sich in der OnlineErhebung ebenfalls höhere Prävalenzen, verglichen mit der Face-to-Face-Befragung. Die Unterschiede sind allerdings nicht so deutlich ausgeprägt wie bei der Prävalenz der OpferErfahrungen. Interviewerinnen werden in der Face-to-Face-Befragung mehr Gewalterfahrungen von Männern berichtet als männlichen Interviewern. Es scheint, dass Interviewerinnen ein höheres Dunkelfeld bei männlichen Opfer-Erfahrungen aufdecken als Interviewer. Die gesundheitliche Belastung durch Beschwerden in den letzten zwölf Monaten wird in der Online-Erhebung zum Teil deutlich negativer dargestellt. Bei einigen Beschwerden deckt die Online-Erhebung eine bis zu 15 bzw. über 20 Prozentpunkte höhere Häufigkeit dieser Beschwerden in den letzten zwölf Monaten auf. Psychische Folgen der Gewalthandlungen werden in der Online-Erhebung ebenfalls häufiger genannt, als dies im Face-to-Face-Interview der Fall ist.

293

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

13 Literaturverzeichnis British Crime Survey, s.: Walby, Silvia / Allen, Jonathan (2004): Domestic Violence, Sexual Assault and Stalking: Findings from the British Crime Survey. Home office research study 276. London. Internet: http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs04/hors276.pdf Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen (Hrsg.) (2001): Gewalt in der Familie. Gewaltbericht. Von der Enttabuisierung zur Professionalisierung. Wien. Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (Hrsg.): 5. Familienbericht 1999 – 2009. Die Familie an der Wende zum 21. Jahrhundert. Wien. Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (Hrsg.) (2009): Familie – kein Platz für Gewalt. 20 Jahre gesetzliches Gewaltverbot in Österreich. Wien. Bussmann, Kai-D. / Erthal, Claudia / Schroth, Andreas (2009): Ergebnisse aus dem europäischen Fünf-LänderVergleich. In: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (Hrsg.): Familie – kein Platz für Gewalt. 20 Jahre gesetzliches Gewaltverbot in Österreich. Wien. 9 – 28. Bussmann, Kai-D. / Erthal, Claudia / Schroth, Andreas (2010): 20 Jahre gesetzliches Gewaltverbot in Österreich. Ergebnisse aus der österreichischen Studie zur Gewalt in der Erziehung. In: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (Hrsg.): 5. Familienbericht 1999 – 2009. Die Familie an der Wende zum 21. Jahrhundert. Band II. Wien. 207 – 316. Deegener, Günther (2006): Erscheinungsformen und Ausmaße von Kindesmisshandlung. Fachwissenschaftliche Analyse. In: Heitmeyer, Wilhelm / Schröttle, Monika (Hrsg.): Gewalt. Beschreibungen – Analysen – Prävention. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn. 26 – 44. Dobash, Rebecca E. / Dobash, Russel P. (1979): Violence against wives. New York. Dobash, Rebecca E. / Dobash, Russel P. (1983): Patterns of violence in Scotland: In: Gelles, Richard J. / Cornell, Claire P. (eds.): International perspectives on family violence. Lexington, MA. 147 – 157. EGGSI (Expert Group on Gender Equality and Social Inclusion, Health and Long-Term Care Issues), European Commission 2010: Violence Against Women and the Role of Gender Equality, Social Inclusion and Health Strategies. Brussels. GiG-net (Hrsg.) (2008): Gewalt im Geschlechterverhältnis – Erkenntnisse und Konsequenzen für Politik, Wissenschaft und soziale Praxis. Opladen & Farmington Hills. Glammeier, Sandra (2010): Zwischen verleiblichter Herrschaft und Widerstand. Realitätskonstruktionen und Subjektpositionen gewaltbetroffener Frauen im Kampf um Anerkennung. Osnabrück. Gloor, Daniela / Meier, Hanna (2003): Gewaltbetroffene Männer – wissenschaftliche und gesellschaftlich-politische Einblicke in eine Debatte. Sonderdruck aus: Die Praxis des Familienrechts, Heft 3/2003, Bern. Godenzi, Alberto (1996): Gewalt im sozialen Nahraum. 3. erw. Aufl., Basel und Frankfurt/M. Goldberg, Birgitta / Hermann, Dieter / Heiliger, Anita / Schröttle, Monika (2005): Gewalthandlungen und Gewaltbetroffenheit von Frauen und Männern. In: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.): Gender-Datenreport. Kommentierter Datenreport zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesrepublik Deutschland. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), München. 580 – 640. Göritz, Anja S. (2004): The impact of material incentives on response quantity, response quality, sample composition, survey outcome, and cost in online access panels. International Journal of Market Research. 46 (3), 327 – 345. Hagemann-White, Carol (2005): Brückenschläge zwischen den Geschlechtern und den Generationen in einer gespaltenen Gewaltdiskussion. In: Zeitschrift für Frauenforschung und Geschlechterstudien, 23. Jg., Heft 1 + 2, 3 – 8. Hagemann-White, Carol / Lenz, Hans-Joachim (2002): Gewalterfahrungen von Männern und Frauen, in: Hurrelmann Klaus/ Kolip Petra (Hrsg.), Geschlecht, Gesundheit und Krankheit: Männer und Frauen im Vergleich. Bern. 460 ff. Haller, Birgitt / Kraus, Heinrich (2010): Gewalt in der Familie – Partnergewalt und Gewalt in sozialen Nahebeziehungen. In: Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (Hrsg.): 5. Familienbericht 1999 – 2009. Die Familie an der Wende zum 21. Jahrhundert. Band II. Wien. 163 – 206. Heiskanen, Markku / Ruuskanen, Elina (2011): Men’s Experiences of Violence in Finland 2009. The European Institute for Crime Prevention and Control, affiliated with the United Nations. Veröff. im Internet unter: http://www.heuni.fi/Etusivu/Publications/HEUNIreports Johnson, Holly / Ollus, Natalie / Nevale, Sami (2008): Violence against Women. An international Perspective. Helsinki.

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

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Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

14 Verzeichnis der Autorinnen und Autoren Dr. Andreas Baierl Statistiker Österreichisches Institut für Familienforschung, Universität Wien A-1010 Wien, Grillparzerstr. 7/9 [email protected] Christine Geserick, M.A. Soziologin Österreichisches Institut für Familienforschung, Universität Wien A-1010 Wien, Grillparzerstr. 7/9 [email protected] Dipl. Sozpäd. (FH) Olaf Kapella (Studienleiter) Sozialpädagoge Österreichisches Institut für Familienforschung, Universität Wien A-1010 Wien, Grillparzerstr. 7/9 [email protected] Dr. Christiane Rille-Pfeiffer Soziologin Österreichisches Institut für Familienforschung, Universität Wien A-1010 Wien, Grillparzerstr. 7/9 [email protected] Eva-Maria Schmidt, M.A. Soziologin und Europäische Ethnologin Freie Mitarbeiterin am Österreichischen Institut für Familienforschung, Universität Wien [email protected]

297

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

15 Abbildungsverzeichnis Executive Summary Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb.

ES ES ES ES ES ES ES ES ES ES ES ES

119: In der Kindheit erlebte psychische Gewalthandlungen .......................... 121: In der Kindheit erlebte körperliche Gewalthandlungen .......................... 123: In der Kindheit erlebte sexuelle Gewalthandlungen .............................. 31: Als bedrohlich erlebte Handlungen der psychischen Gewalt ..................... 33: Als bedrohlich erlebte Handlungen der körperlichen Gewalt . ................... 35: Diese Handlungen der sexuellen Belästigung wurde als bedrohlich erlebt .. 38: Sexuelle Gewalt (erlebt) – Gesamtübersicht.......................................... 46: Prävalenz der Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren . .................. 47: Psychische Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre ............... 48: Körperliche Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre................ 49: Sexuelle Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre ............................. 50: Sexuelle Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre....................

9 9 11 13 15 17 19 21 23 25 27 29

__________ Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb.

298

1: 2: 3: 4:

Typologie der Gewalt (WHO) . ............................................................... Dimensionen des individuellen Gewalterlebens ........................................ Dunkelfeld ......................................................................................... Methodenvergleich – Face-to-Face-Befragung gegenüber OnlineBefragung zu der Frage nach erlebter körperlicher Gewalt (gesamt) . ......... 5: Erhebung der Prävalenz ....................................................................... 6: Prävalenz von bedrohlicher und nicht bedrohlicher Gewalt im Erwachsenen-Leben nach Gewaltform ............................................... 7: Prävalenz der Gewalterfahrungen in unterschiedlichen Gewaltformen ......... 8: Überblick über die Gewaltformen in den jeweiligen Lebensbereichen .......... 9: Orte der körperlichen und sexuellen Gewalterfahrungen ........................... 12: Prävalenz häufigster psychischer Übergriffe nach Bedrohlichkeit – Frauen ... 13: Prävalenz häufigster psychischer Übergriffe nach Bedrohlichkeit – Männer .. 14: Lebensbereiche, in denen es zu psychischer Gewalt kam .......................... 17: Prävalenz häufigster körperlicher Übergriffe nach Bedrohlichkeit – Frauen... 18: Prävalenz häufigster körperlicher Übergriffe nach Bedrohlichkeit – Männer . 19: Lebensbereiche, in denen es zu körperlicher Gewalt kam . ........................ 22: Prävalenz häufigster sexueller Belästigung nach Bedrohlichkeit – Frauen .... 23: Prävalenz häufigster sexueller Belästigung nach Bedrohlichkeit – Männer ... 24: Lebensbereiche, in denen es zu sexueller Belästigung kam ....................... 25: Prävalenz sexueller Gewalt bei Frauen – konkrete Items . ......................... 26: Prävalenz sexueller Gewalt bei Männern – konkrete Items ........................ 27: Lebensbereiche, in denen es zu sexueller Gewalt kam . ............................ 28: Prävalenz nach Gewaltform und Alter der Befragten . ............................... 29: Prävalenz nach Gewaltform und Bildung .................................................

35 36 40 48 57 60 61 63 64 66 66 67 69 69 70 72 72 73 75 75 76 77 79

15 – Abbildungsverzeichnis

Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb.

30: 31: 32: 33: 34: 35: 36: 37:

Psychische Gewalthandlungen (erlebt) – Gesamtübersicht ........................ 83 Diese Handlungen der psychischen Gewalt wurden als bedrohlich erlebt ..... 85 Körperliche Gewalthandlungen (erlebt) – Gesamtübersicht ....................... 92 Diese Handlungen körperlicher Gewalt wurden als bedrohlich erlebt . ......... 93 Sexuelle Belästigung (erlebt) – Gesamtübersicht ..................................... 97 Diese Handlungen der sexuellen Belästigung wurden als bedrohlich erlebt .. 98 Sexuelle Belästigung, die zu körperlicher oder sexueller Gewalt führt ......... 99 Sexuelle Belästigung, die zur körperlichen oder sexuellen Gewalt führt, nach Alter ............................................................................... 100 38: Sexuelle Gewalt (erlebt) – Gesamtübersicht ......................................... 107 39: Häufigkeit der erlebten sexuellen Gewalt .............................................. 108 40: Kombination von erlebten sexuellen Gewaltsituationen . ......................... 109 41: Angst, bei sexueller Gewalt ernsthaft oder lebensbedrohlich verletzt zu werden ............................................................................ 109 42: Grad der Viktimisierung nach Gewaltform im Überblick .......................... 121 43: Schwere der Gewaltbelastung insgesamt – Schweregrad-Score ............... 126 44: Schweregrad-Score nach Gewalterfahrungen in der Kindheit – Frauen . .... 127 45: Schweregrad-Score nach Gewalterfahrungen in der Kindheit – Männer ..... 128 46: Prävalenz der Gewalterfahrungen in den letzten drei Jahren . .................. 130 47: Psychische Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre ............... 132 48: Körperliche Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre . ............. 133 49: Sexuelle Belästigung innerhalb der letzten drei Jahre ............................. 134 50: Sexuelle Gewalterfahrungen innerhalb der letzten drei Jahre . ................. 135 51: Überblick über Folgen bei psychischer Gewalt und sexueller Belästigung ... 149 52: Überblick über die Kombination von Folgen bei körperlicher und sexueller Gewalt................................................................................ 149 53: Überblick über psychische Folgen nach Gewaltform . .............................. 150 54: Komplexitätsgrad der psychischen Folgen ............................................. 151 55: Häufigste psychische Folgen – Frauen .................................................. 152 56: Häufigste psychische Folgen – Männer ................................................. 153 57: Autoaggressive psychische Folgen nach Gewaltform .............................. 154 58: Überblick über körperliche Folgen nach Gewaltform ............................... 155 59: Komplexitätsgrad der körperlichen Folgen ............................................ 156 60: Körperliche Verletzungsfolgen nach Geschlecht (1) ................................ 157 61: Körperliche Verletzungsfolgen nach Geschlecht (2) ................................ 157 62: Körperliche Verletzungsfolgen nach Häufigkeit – Frauen (1) .................... 159 63: Körperliche Verletzungsfolgen nach Häufigkeit – Frauen (2) .................... 159 64: Körperliche Verletzungsfolgen nach Häufigkeit – Männer (1) ................... 160 65: Körperliche Verletzungsfolgen nach Häufigkeit – Männer (2) ................... 160 66: Überblick über längerfristige Folgen nach Gewaltform ............................ 161 67: Komplexitätsgrad der längerfristigen Folgen ......................................... 162 68: Längerfristige Folgen nach Gewaltform (1) ........................................... 163 69: Längerfristige Folgen nach Gewaltform (2) ........................................... 164 70: Gewalthandlungen, die eindeutig abgelehnt werden ............................... 167 71: Positionierung zu Gewaltverzicht ......................................................... 168 72: Geteilte Beurteilung der Gewalt-Themen .............................................. 169

299

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb.

300

73: Beurteilung konkreter Gewaltformen (Auswahl) nach Alter . .................... 170 74: Beurteilung konkreter Gewaltformen (Auswahl) nach Bildung .................. 171 75: Wahrscheinlichkeit eigener Gewaltanwendung in verschiedenen Situationen ...................................................................................... 173 76: Wahrscheinlichkeit eigener Gewaltanwendung nach Alter . ...................... 174 77: Wahrscheinlichkeit eigener Gewaltanwendung nach Bildung .................... 175 78: Wann würden „Gewaltfreie” handgreiflich werden? ................................ 177 79: Täter/innen allgemein nach Gewaltformen . .......................................... 179 80: Täter/innen allgemein bei Frauen nach Alter (1) .................................... 181 81: Täter/innen allgemein bei Frauen nach Alter (2) .................................... 181 82: Täter/innen allgemein bei Männern nach Alter (1) ................................. 182 83: Täter/innen allgemein bei Männern nach Alter (2) ................................. 182 84: Ein und derselbe Täter/dieselbe Täterin oder mehrere Personen nach Gewaltformen ........................................................................... 183 85: Ein und derselbe Täter/dieselbe Täterin oder mehrere Personen – Frauen nach Alter (1) ........................................................................ 184 86: Ein und derselbe Täter/dieselbe Täterin oder mehrere Personen – Frauen nach Alter (2) ........................................................................ 184 87: Ein und derselbe Täter/dieselbe Täterin oder mehrere Personen – Männer nach Alter (1) ....................................................................... 185 88: Ein und derselbe Täter/dieselbe Täterin oder mehrere Personen – Männer nach Alter (2) ....................................................................... 185 89: Täter/in stand unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen .................... 187 90: Täter/in stand unter dem Einfluss einer Streitsituation oder psychischem Ausnahmezustand . ........................................................................... 187 91: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Alkohol bzw. Drogen – Männer . .......................................................................................... 189 92: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Alkohol bzw. Drogen – Frauen ............................................................................................ 189 93: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Streit bzw. Ausnahmesituation – Männer . ............................................................ 190 94: Beeinflussung des Täters/der Täterin durch Streit bzw. Ausnahmesituation – Frauen .............................................................. 190 95: Ich selbst stand unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen .................. 191 96: Ich selbst stand unter dem Einfluss von Medikamenten oder einem psychischen Ausnahmezustand ........................................................... 192 104: Eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen nach Gewaltform und Geschlecht (1) . ................................................................................ 202 105: Eigene Reaktion auf Gewalterfahrungen nach Gewaltform und Geschlecht (2) . ................................................................................ 202 106: Reaktion bei handgreiflichen Auseinandersetzungen .............................. 203 107: In Anspruch genommene Hilfsangebote nach Gewaltform und Geschlecht .205 108: Hilfseinrichtungen nach Alter – psychische Gewalt ................................. 206 109: Hilfsangebote nach Alter – körperliche Gewalt . ..................................... 207 110: Hilfsangebote nach Alter – sexuelle Belästigung .................................... 208 111: Hilfsangebote nach Alter – sexuelle Gewalt ........................................... 209

15 – Abbildungsverzeichnis

Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb.

116: 117: 118: 119: 120: 121: 122: 123: 124: 125:

Prävalenz in der Kindheit ................................................................... 213 Prävalenz von Gewalt in der Kindheit nach Alter .................................... 214 Prävalenz von Gewalt in der Kindheit: Kombination erlebter Gewaltformen .215 In der Kindheit erlebte psychische Gewalthandlungen ............................ 216 Psychische Gewalthandlungen in der Kindheit: Wo erlebt? ...................... 217 In der Kindheit erlebte körperliche Gewalthandlungen ............................ 219 Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit: Wo erlebt? . .................... 220 In der Kindheit erlebte sexuelle Gewalthandlungen ................................ 223 Sexuelle Gewalt in der Kindheit: Wo erlebt? . ........................................ 224 Sexuelle Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt? – nach Alter Täter/innen ....................................................................... 226 126: Gewalt in der Kindheit – in Anspruch genommene Hilfsangebote ............. 227 127: Gewalt in der Kindheit – in Anspruch genommene Hilfsangebote nach Alter, Frauen ............................................................................. 228 128: Gewalt in der Kindheit – in Anspruch genommene Hilfsangebote nach Alter, Männer ............................................................................ 229 129: Partnerschaftsstatus . ........................................................................ 232 130: Eigene Kinder ................................................................................... 234 131: Personen im Haushalt ........................................................................ 235 132: Attribuierte Eigenschaften des Partners/der Partnerin . ........................... 236 133: Wie sehr fühlen Sie sich durch Ihren Partner/Ihre Partnerin ... ................ 238 134: Negative Verhaltensweisen des/der derzeitigen Partners/Partnerin ........... 239 135: Positive Verhaltensweisen des/der derzeitigen Partners/Partnerin ............ 240 136: Angst vor dem Verhalten des Partners/der Partnerin .............................. 240 137: Angst vor dem Verhalten des Partners/der Partnerin nach Beziehungsdauer .............................................................................. 241 138: Index zum partnerschaftlichen Einfluss ................................................ 242 139: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin .................. 243 140: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin nach Alter ... 244 141: Index zum empfundenen Einfluss des Partners/der Partnerin nach Beziehungsdauer .............................................................................. 245 142: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes ................................ 246 143: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach Alter ................. 247 144: Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach Bildung . ............ 247 145: Einschätzung der Veränderungen des Gesundheitszustandes . ................. 248 146: Einschätzung der Veränderungen des Gesundheitszustandes nach Alter . .. 249 147: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können ................... 250 148: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, nach Alter – Frauen ............................................................................................ 252 149: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, nach Alter – Männer . .......................................................................................... 253 150: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, nach Bildung – Frauen .............................................................................. 254 151: Überzeugung, Lebensbereiche aktiv beeinflussen zu können, nach Bildung – Männer . ............................................................................ 255

301

Österreichische Prävalenzstudie zur Gewalt an Frauen und Männern

Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb. Abb.

152: 153: 154: 155: 156: 157: 158: 159: 160: 161: 162: 163: 164: 165: 166: 167: 168: 169: 170: 171: 172: 173: 174: 175: 176: 177: 178:

Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Frauen (1) .. 257 Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Frauen (2) .. 257 Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Männer (1) . 258 Gesundheitliche Einschränkungen der letzten zwölf Monate – Männer (2) . 258 Kombination von gesundheitlichen Beeinträchtigungen der letzten zwölf Monate .................................................................................... 259 Schweregrad-Score nach positivem Einfluss des/der Partner/in ............... 261 Einschätzung des aktuellen Gesundheitszustandes nach SchweregradScore .............................................................................................. 262 Schweregrad-Score und Beschwerden – Stress/Überlastung ................... 263 Schweregrad-Score und Beschwerden – allgemeine Schwäche/Müdigkeit . 263 Schweregrad-Score und Beschwerden – Kopfschmerzen ......................... 264 Schweregrad-Score und Beschwerden – „alles wächst über den Kopf” ...... 264 Prävalenz nach Gewaltform (eigene Täterschaft) ................................... 272 Eigene Täterschaft nach Gewaltform, Geschlecht und Alter ..................... 273 Eigene Täterschaft nach Gewaltform, Geschlecht und Ausbildungsniveau .. 274 Psychische Übergriffe (selbst ausgeübt) ............................................... 275 Körperliche Übergriffe (selbst ausgeübt) .............................................. 277 Personen, gegenüber denen man handgreiflich geworden ist . ................. 278 Häufigkeit von psychischer + körperlicher Gewalt (selbst ausgeübt) . ....... 281 Sexuelle Belästigung (selbst ausgeübt) ................................................ 282 Häufigkeit von sexueller Gewalt (selbst ausgeübt) ................................. 283 Sexuelle Handlungen (selbst ausgeübt) . .............................................. 284 Prävalenz nach Gewaltform und Erhebungsmethode .............................. 287 Prävalenz von Gewalt in der Kindheit nach Erhebungsmethode . .............. 288 Eigene Täterschaft nach Erhebungsmethode ......................................... 289 Prävalenzen nach Gewaltform bei Männern und Geschlecht des Interviewers . ................................................................................... 290 Eigene Täterschaft nach Geschlecht des Interviewers bei Männern . ......... 291 Gesundheitliche Beschwerden nach Methode ........................................ 292

16 Tabellenverzeichnis Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab.

302

1: 2: 3: 4: 5: 6: 7:

Bevölkerung in Österreich und Stichprobe der vorliegenden Studie .......... 49 Stichprobenbeschreibung (1) .............................................................. 50 Stichprobenbeschreibung (2) .............................................................. 51 Stichprobenbeschreibung (3) .............................................................. 52 Schweregrad der Viktimisierung von Personen, die ein sexuelles Eindringen erlebt haben ..................................................................... 110 Körperliche Verletzungsfolgen von Personen, die ein sexuelles Eindringen erlebt haben ..................................................................... 111 In Anspruch genommene Hilfeleistungen von Personen, die ein sexuelles Eindringen erlebt haben ....................................................... 112

16 – Tabellenverzeichnis

Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab. Tab.

8: 9: 10: 11: 12: 13: 14: 15: 16: 17: 18: 19: 20: 21: 22: 23: 24: 25: 26: 27: 28: 29: 30: 31: 32: 33:

Schweregrad der Viktimisierung bei psychischer Gewalt ......................... 122 Schweregrad der Viktimisierung bei körperlicher Gewalt ......................... 123 Schweregrad der Viktimisierung bei sexueller Belästigung ...................... 123 Muster der Gewaltbetroffenheit bei sexueller Gewalt .............................. 124 Gamma-Assoziationsmaße zwischen Gewaltformen für Männer . .............. 125 Gamma-Assoziationsmaße zwischen Gewaltformen für Frauen ................ 125 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – psychische Gewalt ............................................................................................ 137 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – psychische Gewalt Frauen .................................................. 137 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – psychische Gewalt Männer ................................................. 138 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – körperliche Gewalt ............................................................................................ 139 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – körperliche Gewalt Frauen ................................................. 140 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – körperliche Gewalt Männer . ............................................... 140 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – sexuelle Belästigung ...................................................................................... 142 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Belästigung Frauen ............................................... 142 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Belästigung Männer .............................................. 143 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre – sexuelle Gewalt .. 144 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Gewalt Frauen ..................................................... 145 Häufigste Täter/innen innerhalb der letzten drei Jahre nach Häufigkeit und Alter – sexuelle Gewalt Männer . ................................................... 145 Wann würden „Gewaltfreie” handgreiflich werden? ................................ 176 Wann ist für „Gewaltfreie” Gewalt dennoch in Ordnung? ......................... 178 Psychische Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt? ............ 218 Körperliche Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt? ........... 221 Sexuelle Gewalthandlungen in der Kindheit: Durch wen erlebt? ............... 225 Dauer der aktuellen Partnerschaft ....................................................... 233 Regressionsanalyse für „das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst”.266 Regressionsanalyse für die Einschätzung des eigenen allgemeinen Gesundheitszustandes ....................................................................... 267

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