Good, dat wi nanner hebben.. - Kirchengemeinde Victorbur

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Good, dat wi nanner hebben.. Plattdeutscher Gottesdienst in Victorbur mit Gästen aus den USA Victorbur. Zu einem plattdeutschen Gottesdienst lädt die St.Victor-Gemeinde in Victorbur zum kommenden Sonntag (9.9.) um 10.00 Uhr ein. Alle Freunde der plattdeutschen Sprache sind dazu herzlich eingeladen. Vielfältige Vorbereitungen laufen bereits seit Wochen für diesen dritten plattdeutschen Sonntag in diesem Jahr, zu dem auch Gäste von der am Freitag beginnenden deutsch-amerikanischen Plattdeutsch-Konferenz in Aurich erwartet werden. Posaunen-, Gitarren- und Kirchenchor Victorbur werden ebenso mit von der Partie sein wie der Plattdeutsche Arbeitskreis der Kirchengemeinde, der sich seit zwanzig Jahren bereits der Förderung des Plattdeutschen als Gottesdienstsprache verschrieben hat. Neben dem großen Jubiläumsgottesdienst im April („Wat is ollt?“ - die EZ berichtete) wurde von diesem rührigen Kreis unter anderem in diesem Jahr eine plattdeutsche Bibelarbeit zum Ostfriesischen Kirchentag in Aurich angeboten, die im Pingelhus durchgeführt wurde. Neben der inhaltlichen Vorbereitung des kommenden Sonntags (Thema dieses Mal: „Good, dat wi nanner hebben…“ nach dem anstehenden Predigttext für den 9.9.) bietet der Plattdeutsche Arbeitskreis „Koffje na´d Kark“ und andere Getränke zum Gespräch und zur Begegnung mit den Gästen des Tages an. Der Gottesdienst wird vom Pastorenehepaar Düring-Hoogstraat/Hoogstraat gemeinsam gestaltet und ein ostfriesisch-amerikanische Ehepaar aus der Gemeinde wird von seinen Erfahrungen mit der jeweils anderen Seite des Ozeans „up Platt“ berichten. Die Feier ostfriesisch/amerikanischer Gottesdienste in der St.Victor-Gemeinde hat mittlerweile bereits Tradition, derartige Gottesdienst wurden unter anderem im August 1998 von Pastor Hoogstraat gemeinsam mit dem bereits verstorbenen Pastoren Donald Busboom aus Adams County/Illinois in der St.Victor-Kirche gefeiert. Die Vorfahren von Pastor Busboom waren einst aus Busboomsfehn im Landkreis Leer nach Ostfriesland gekommen. Die Teilnehmer einer ostfriesisch/amerikanischen genealogischen Konferenz feierten 2005 einen Gottesdienst zum 84.Psalm in der St.Victor-Kirche, US-Partner der Eheleute Düring-Hoogstraat/Hoogstraat war seinerzeit unter anderem Pastor James Limburg aus Minneapolis, Professor für Altes Testament der lutherischen Fakultät von St.Pauls/Minnesota. Die Verbindung mit den Nachfahren der ausgewanderten Ostfriesen in der Kirchengemeinde aufrecht zu erhalten, liegt in Victorbur nahe, da im 19. Jahrhundert eine große Zahl Auswanderer die Kirchengemeinde in Richtung Amerika verliessen. Allein sieben junge Auswanderer aus der Gemeinde Victorbur wurde Pastoren in den USA und leiteten lange Zeit ostfriesische Gemeinden im Mittleren Westen. Der ehrenamtliche Archivar der Kirchengemeinde, Theodor Voß und Pastor Hoogstraat bemühen sich, das Andenken an die ehemaligen Victorburer zu bewahren und haben bereits eine umfangreiche Sammlung mit Namen und Quellen angelegt, die das Schicksal

der vielen Victorburer Familien in den USA belegt. Viele begannen nach ihrer Auswanderung im Mittleren Westen mit dem Aufbau einer eigenen Farm wieder andere versuchten sich als Industriearbeiter in Ohio oder zogen in den fernen Westen. Ein typisches Beispiel für den Weg einer Victorburer Familie stellt die Lebensgeschichte der Familie Debelt Debelts dar, die 1868, in einem der Jahre mit der höchsten Auswandererquote, Victorbur verließ, um sich nach einigen Wanderjahren in Süd-Dakota mit Erfolg eine eigene Landwirtschaft aufzubauen. In den Anfangsjahren dort existierte noch gar keine Ortschaft mit einer Postadresse, an die Postsendungen für Debelts-Farm hätten gerichtet werden können. So kamen die Siedler rund um die Debelts-Farm an einem Wintertag dort zusammen, um über die Gründung eines Dorfes und die Namensgebung zu beraten. Aus allen Ecken Ostfrieslands kamen die Pioniere dort zusammen und konnten sich zunächst nicht auf einen Namen einigen, der alle an die ostfriesische Herkunft erinnert hätte. Die Victorburer Auswanderer, die sich zur Erleichterung der englischen Aussprache später de Belts nannten, hätten sicher auch gerne an ihre Heimatgemeinde erinnert. Nach langen fruchtlosen Diskussionen wurden die Siedler dann von Frau Debelts zum Tee gerufen – und die Lösung war gefunden: bis heute trägt das Ostfriesenstädtchen in Süd-Dakota den schönen ostfriesischen Namen Tea/South-Dakota. Auch eine erste Kirchengemeinde für die Region wurde auf der Debelts-Farm begründet. Farmer Debelt Eiben Debelts wurde am 5. Januar 1813 in Ost-Victorbur geboren und kam 1868 mit seiner zweiten Frau Trientje Wessels in die USA. Er starb, als er bei einem Scheunenbrand auf seiner Farm Erntegut retten wollte und wurde 73 Jahre alt. Die Farm war bereits 1888 von seinem Sohn Debelt Frerich Debelts übernommen worden, der vorher als Schmiedemeister in einer später aufgegebenen „Geisterstadt“ Finlay/South Dakota gearbeitet hatte. Debelts junior war mit Hilke Gerken aus Riepe verheiratet. Unser Bild zeigt das Familiengrab in der Nähe von Lennox/South-Dakota. Dass Auswandererschicksale auch ganz anders verlaufen konnten, zeigt der traurige Weg der Familie Collin aus Moordorf, das früher zur Kirchengemeinde Victorbur zählte. 1889 versuchte Engelbart Collin mit seiner Familie, in Amerika sesshaft zu werden. Engelbart Collin arbeitete in Ostfriesland zunächst als Landarbeiter in Uttum und Lintel und versuchte sich dann auch in Moordorf als Kolonist. Er entschloss sich, zunächst allein im August 1889 auszuwandern, seine Frau Trientje, geb. Harms folgte ihm mit den Kindern im Oktober desselben Jahres. Die Familie lebte zunächst in White Rock/Ogle County/Illinois, wo in dieser sehr großen Ostfriesenkolonie die plattdeutsche Sprache zum Fortkommen reichte, die englische Sprache erlernten die Eheleute nur bruchstückhaft. Schon nach sechs Jahren erlag Engelbart Collin den Strapazen des Pionierlebens. Eine Pachtfarm oder gar Eigentum wie bei sovielen anderen Auswanderern war nicht in Sicht. Nach dem frühen Tod ihres Ehemannes 1895 zog die Witwe Trientje darum mit den jüngeren Kindern Karl und Anna nach Iowa und verdingte sich dort als Magd auf einer Farm. Der ältere Sohn Harm ging bereits eigene Wege. Zur Unterstützung der Familie war

Mutter Anna Harms, geb. Meyer aus Moordorf ebenfalls nach Amerika gekommen. Ihr Ehemann Harm Harms war bereits 1865 31jährig in Moordorf an einer Fieberkrankheit verstorben und in Victorbur beerdigt worden. Karl zog später als Farmarbeiter nach Ocheyedan/Iowa. Die Familie nahm nach dem 1. Weltkrieg den Namen Collins an.

Familiengrab Debelts auf dem Friedhof in Lennox/Licoln County/Süd-Dakota.

Gingen schwere Wege in den USA: die Auswandererfamilie Collin aus Moordorf Obere Reihe: Anna und Karl Collin. Untere Reihe: Harm Collin, Anna Harms, geb. Meyer und ihre Tochter Trientje Collin, geb. Harms

Zu großer Bekanntheit kam in Nord-Dakota der Moordorfer Auswanderer Heinrich Nagel, der als Reiseprediger hoch zu Ross vom Jahr 1900 an in der Prärie verschiedene Gemeinden begründete. Er betreute in der Hauptsache neue verstreute Ansiedlungen im südlichen Nord-Dakota. Er predigte bei Andachten auf verschiedenen Farmen der Region um der neugegründeten Ansiedlungen Gackle, Streeter, Kulm und Napoleon. Auf ihn ist unter anderem die Begründung der lutherischen Gemeinde von Glückstal/Nord-Dakota und der erste Kirchenbau dort zurückzuführen. Er diente einer Gemeinde von deutschen Einwanderern aus Russland, die zu den sogenannten Bessarbabien-Deutschen Familien gehörten. 1908 wurde eine erste Kirche aus Grassoden errichtet, in ganz ähnlichem Stil, wie die ersten Farmhäuser gebaut wurden. 1913 war man schließlich in der Lage, einen Kirchbau aus Holz zu errichten. Die Ansiedlung Glückstal erhielt ihren Namen von der gleichnamigen Ansiedlung im früheren Zarenreich und auch ein Moordorfer Einwanderer fand hier sein Glück. Über die zahlreichen Auswandererfamilien aus Victorbur wird im Anschluss an den Gottesdienst am Sonntag gerne Auskunft gegeben.

Erste Holz-Kirche von Glückstal/Nord-Dakota.