Heft Wohngruppen - Caritas Rheine

Heft Wohngruppen - Caritas Rheine

Die Wohngruppen Miteinander den eigenen Weg gehen Gemeinnützige CaritasKinderheim Gesellschaft, Rheine Die Wohngruppen 2 Die Wohngruppen Gemei...

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Die Wohngruppen

Miteinander den eigenen Weg gehen

Gemeinnützige CaritasKinderheim Gesellschaft, Rheine

Die Wohngruppen

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Die Wohngruppen

Gemeinsam anders unterwegs!

„Zuhause geht es drunter und drüber. Zwischen meinen Eltern und mir klappt es einfach nicht. Egal was ich versuche, es ist immer Streit. Wie das kommt? Ich weiß es nicht, das geht schon ewig so. Immer gibt's Theater. Vielleicht liegt es an mir, vielleicht sind auch meine Eltern schuld, keine Ahnung. Jedenfalls lass ich mir von niemandem mehr etwas sagen, schon gar nicht von Erwachsenen!" Wenn innerfamiliäre oder äußere Belastungen die Familienmitglieder zu erdrücken drohen, entladen sich die oft unerträglichen Anspannungen im täglichen Umgang. Aus einem Miteinander wird ein Gegeneinander. Ein Klima wiederkehrender Enttäuschungen, gegenseitiger Verletzungen und tiefgreifender Vertrauensbrüche entsteht; manchmal auch der Nährboden für gewalttätige Handlungen. Misstrauen und Kampf prägen die familiären Beziehungen. Eins kommt zum anderen. Ein Teufelskreis.

Die Auswirkungen zeigen sich nicht selten in der Schule, in der Freizeit und im Freundeskreis. Schlechte Noten, Schulverweigerung, gewalttätige Auseinandersetzungen, Ladendiebstähle und Vandalismus, Alkohol- und Drogenkonsum, nächtliches Fortbleiben. Jeder versucht mit seinen Möglichkeiten durchzukommen, so gut es geht. Eine Sackgasse. Wenn Zuhause nichts mehr geht, ist ein Zusammenleben von Kindern und Eltern, zeitweise oder auf Dauer, manchmal nicht mehr möglich. 3

Die Wohngruppen

Entlastung und Neuorientierung Die Wohngruppen des Caritas-Kinder- und Jugendheimes, die Wohngruppe Dinkelstraße, die Wohngruppe Impuls und die Grüne Villa Cruse, können ein möglicher Ausweg aus der scheinbaren Sackgasse sein. Denn, Kinder und Jugendliche brauchen in dieser Lebenssituation Menschen, die sie stützen und leiten, Menschen, die ihnen und ihren Eltern neue Wege zu einer größeren Zufriedenheit in ihrem Leben aufzeigen. In der Gemeinschaft der Wohngruppen finden die Kinder und Jugendlichen Sicherheit und Schutz, Annahme und Zuwendung, geregelte Versorgung und verlässliche Beziehungen, Entlastung und Neuorientierung, Anleitung und Förderung. "Ich lebe jetzt seit fast zwei Jahren in der Wohngruppe. Am Anfang war ich froh von Zuhause weg zu sein. Endlich Ruhe. Ich hatte aber auch viel Angst. Ich wusste nicht, was auf mich zukam. Die Erzieherinnen und Erzieher der Wohngruppe hatte ich in Aufnahmegesprächen kennengelernt. Auch das Haus gefiel mir gut. Ich hatte sofort ein eigenes Zimmer. Ein paar Möbel und meine Anlage konnte ich mitnehmen. Aber zu acht unter einem Dach zu leben, Jungen und Mädchen, das war am Anfang echt heftig. Die Jüngsten waren gerade mal zehn und die Älteren schon achtzehn Jahre alt. Und dann noch die Erzieher. Die wollten viel über mich wissen, die waren echt neugierig. Aber ich glaube, die wollten mich nur kennen lernen. Und die wollten kapieren, was bei uns Zuhause schief gegangen war. Die haben sich viel Mühe mit mir gegeben, haben mir viel Mut gemacht. Endlich waren da mal Leute, die mich ernst genommen haben. Einer war von Anfang an für mich zuständig. Der hat alles mit meinen Eltern und dem Jugendamt und mit meiner neuen Schule geklärt." In den Wohngruppen Dinkelstraße und Impuls werden Jungen und Mädchen ab dem zehnten, in der Grünen Villa Cruse auch Kinder ab dem achten Lebensjahr aufgenommen. Jeweils acht bis neun Kinder und Jugendliche leben in jeder Wohngruppe. Jedem Kind und Jugendlichen steht ein eigenes Zimmer zur Verfügung. Die Badezimmer werden zum Teil von mehreren Kindern gemeinsam genutzt. Die älteren Jugendlichen, die sich auf ihren Auszug in die eigene Wohnung vorbereiten, bewohnen Appartements mit einer Küchenzeile und eigenem Bad. Küchen, Wohn- und Esszimmer sowie weitere Gemeinschaftsräume und Gartenanlagen ergänzen das Raumangebot der Wohngruppen. Die Standorte der Wohngruppen in Wohnsiedlungen in Rheine und Wettringen ermöglichen nachbarschaftliche Beziehungen, z.B. durch Nachbarschaftshilfe oder bei Nachbarschaftsfesten. Als Teil einer Nachbarschaft lernen die Kinder und Jugendlichen soziale Alltagsbezüge über die Wohngruppe hinaus kennen. Erfahrene Pädagoginnen und Pädagogen unterschiedlicher Qualifikationen gestalten die Erziehung in den Wohngruppen entsprechend der Erziehungs- und Hilfeplanung. Jedem Kind und Jugendlichen ist ein Mitarbeiter (federführend) zugeordnet. Hauswirtschafterinnen ergänzen die Mitarbeiterteams und unterstützen sie in der Vermittlung alltagspraktischer Fertigkeiten. 4

Die Wohngruppen

Auf einen Blick Angebot Kriterien

Wohngruppe Impuls

Grüne Villa Cruse Wettringen

Wohngruppe Dinkelstraße

Anschrift

Hemelter Str. 51 b-d 48429 Rheine Tel.: 0 59 71 / 8 47 26

Kirchstraße 15 48493 Wettringen Tel.: 0 25 57 / 9 89 79

Dinkelstraße 21 48431 Rheine Tel.: 0 59 71 / 5 69 39

Zentrale Koordination

Caritas-Kinder- und Jugendheim, -ErziehungsleitungUnlandstr. 101, 48431 Rheine Tel.: 0 59 71 / 40 02-0 Tel.: 0 59 71 / 40 02 14

Caritas-Kinder- und Jugendheim, -ErziehungsleitungUnlandstr. 101, 48431 Rheine Tel.: 0 59 71 / 40 02-0 Tel.: 0 59 71 / 40 02 13

Caritas-Kinder- und Jugendheim, -ErziehungsleitungUnlandstr. 101, 48431 Rheine Tel.: 0 59 71 / 40 02-0 Tel.: 0 59 71 / 40 02 14

• 10 bis 16 Jahre • weibliche und männliche Kinder und Jugendliche

• 8 bis 14 Jahre • weibliche und männliche Kinder und Jugendliche

• 10 bis 16 Jahre • weibliche und männliche Kinder und Jugendliche

Zielgruppe • Aufnahmealter • Geschlecht Ziel und Auftrag

• Förderung und Aufwachsen in der Gruppe • familiäre Reintegration (familienförderliche Angebotsformen) • Verselbstständigung von Jugendlichen

Betreuungsdauer

• mittelfristige Hilfen • Hilfen unbestimmter Dauer

• mittelfristige Hilfen • Hilfen unbestimmter Dauer

• mittelfristige Hilfen • Hilfen unbestimmter Dauer

Regelangebot

Regelangebot

Regelangebot

9 Kinder und Jugendliche

8 Kinder und Jugendliche

4,20 Stellen • 40-70 % Diplomierte Fachkräfte/Heilpädagogen • 30-60 % Fachschulabsolventen • zusätzlich: Fachkräfte/ -anteile für betreute Wohnformen gemäß dem Prinzip „Betreuung aus einer Hand“, für Ambulante Familienarbeit und andere Flexible Hilfen

4,20 Stellen • 40-70 % Diplomierte Fachkräfte / Heilpädagogen • 30-60 % Fachschulabsolventen • zusätzlich: Fachkräfte/ -anteile für Betreute Wohnformen gemäß dem Prinzip „Betreuung aus einer Hand“, für Ambulante Familienarbeit und andere Flexible Hilfen

4,20 Stellen • 40-70 % Diplomierte Fachkräfte / Heilpädagogen • 30-60 % Fachschulabsolventen • zusätzlich: Fachkräfte/ -anteile für Betreute Wohnformen gemäß dem Prinzip „Betreuung aus einer Hand“, für Ambulante Familienarbeit und andere Flexible Hilfen

• Zusatzleistungen

gemäß Erziehungsund Hilfeplanung

gemäß Erziehungsund Hilfeplanung

gemäß Erziehungsund Hilfeplanung

Standort & Wohnen

drei miteinander verbundene Reihenhäuser in Wohnsiedlung, Stadtgebiet Rheine, Differenzierung in Wohnbereiche und Häuser 8 Einzelzimmer 1 Appartement

gut renovierte Villa im Ortskern der Gemeinde Wettringen, Differenzierung in Wohnbereiche 8 Einzelzimmer 1 Appartement

freistehendes Haus in Wohnsiedlung, Stadtgebiet Rheine, Differenzierung in Wohnbereiche 6 Einzelzimmer 2 Appartements

Hilfeart

• stationär • kombiniert mit flexibler Betreuung, ambulanter Familienhilfe und sonstigen betreuten Wohnformen

Leistungsdifferenzierung

Intensität • Größe des Betreuungssystems 9 Kinder und Jugendliche • Pädagogische Fachkräfte

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Die Wohngruppen

Zusammenhänge verstehen Wie lange ein Kind oder ein Jugendlicher in einer Wohngruppe lebt, ist abhängig von der persönlichen und der familiären Ausgangssituation und den Zielen, die gemeinsam von den Kindern und Jugendlichen, den Eltern, dem Jugendamt und den Pädagoginnen und Pädagogen der Wohngruppe erarbeitet werden. Um die komplexen Zusammenhänge verstehen, angemessene Ziele entwickeln und wirkungsvolle Hilfen geben zu können, machen sich die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Beginn einer Aufnahme mit der Biographie und der bisherigen Lebensweise der Kinder und Jugendlichen vertraut. Hierbei kann die Mitarbeit weiterer Fachdienste, etwa die des Heilpädagogischen und Psychologischen Dienstes des Caritas-Kinder- und Jugendheimes, erforderlich sein. "Die Erzieherinnen und Erzieher erklärten mir die ganzen Regeln, die es hier gibt. In der ersten Zeit war es nicht leicht für mich. Zuhause hatte ich ja schließlich gemacht, was ich wollte. Normal. Doch irgendwann kam ich mit den Regeln ganz gut klar. Ich finde nicht alle Regeln toll, aber ich glaube ohne Regeln ginge es hier drunter und drüber. Und darauf habe ich wirklich keinen Bock mehr. Ich war ganz froh, dass noch andere Kinder und Jugendliche da waren. Mit einigen kam ich voll gut klar. Ein paar fand ich echt ätzend. Ich dachte immer, die wollten mir was. Aber wenn mir die anderen zuviel wurden, bin ich einfach in mein Zimmer gegangen. Klar gab es da auch mal Streit. Die Erzieherinnen und Erzieher haben sich dann mit uns hingesetzt und versucht die Sache zu klären. Ich glaube, denen war das total wichtig uns beizubringen, wie wir besser miteinander auskommen. Jedenfalls musste ich das erst mal lernen. Ich hab sogar zwei echte Freunde gefunden, die hatte ich vorher nie." Klarheit in den Alltagsstrukturen und im pädagogischen Handeln durch verständliche Gruppenregeln, regelmäßige Mahlzeiten, Schulaufgaben- und Ruhezeiten, angeleitete Freizeitgestaltung sowie altersgemäße Nachtruhe entlasten die Kinder und Jugendlichen. Die äußere Struktur hilft Halt- und Orientierungslosigkeit zu überwinden. Zehn- bis sechzehnjährige Kinder und Jugendliche befinden sich in der Vorpubertät oder Pubertät. Diese Lebensphase ist insbesondere von dem starken Bedürfnis geprägt, viel Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen und sich zunehmend in persönlicher Autonomie zu erleben. Aufgrund ihrer Altersstruktur und ihrer altersspezifischen Pädagogik werden die Wohngruppen beiden Anforderungen in besonderer Weise gerecht. 6

Die Wohngruppen

Leben und lernen in der Gruppe Für Kinder und Jugendliche, die aufgrund negativer Beziehungserfahrungen in familiären Systemen Nähe nicht ohne weiteres zulassen können, bieten die Wohngruppen ein geeignetes, heilpädagogisches Lebens- und Lernfeld. Die Gruppengrößen und -ausstattungen bieten den Kindern und Jugendlichen Rückhalt, wo er erforderlich ist und ermöglichen Rückzug, wenn sie ihn benötigen. Sofern eine aktuelle Gruppensituation es notwendig macht, ist eine interne Unterteilung, z.B. in Mädchen- und Jungengruppen, jederzeit möglich. "Bei uns in der Gruppe ist immer was los. Das fängt schon morgens an. Jeder will als Erster ins Bad. Wir haben zusammen die Zeiten festgelegt, wann jeder an der Reihe ist. So was besprechen wir immer in den Gruppengesprächen, zum Beispiel auch den Küchendienst oder den Hausputz. Oder was wir an den Wochenenden unternehmen wollen. Auch Ferienfreizeiten planen wir hier. Wenn man wie wir in einer Gruppe zusammenwohnt, gibt es eine Menge miteinander zu klären. Das läuft nicht immer ganz ruhig ab. Aber meistens finden wir eine gute Lösung. Nach dem Frühstück geht’s ab in die Schule. Wir haben hier in der Gruppe alles Mögliche: Hauptschüler, Sonderschüler, Gymnasiasten, Realschüler. Ich gehe jetzt zur Hauptschule. Die achte Klasse habe ich wiederholt. Meine Lücken waren zu groß. Am Anfang habe ich Nachhilfe bekommen. Jetzt komme ich ohne zurecht. Mein Schulpraktikum mache ich in einem HiFiLaden. Ich will vielleicht Radio- und Fernsehtechniker werden. Mal sehn. Wenn wir aus der Schule kommen, steht das Mittagessen schon auf dem Tisch, das fand ich von Anfang an klasse. Nach den Schulaufgaben ist dann Freizeit. Wir machen alle ganz unterschiedliche Sachen, Skateboard fahren, Computerspiele, Fußball und so. Sarah geht oft zum Reiten. Ein paar Jungs sind auch in Fußballvereinen. Die haben zweimal in der Woche Training und am Wochenende müssen sie spielen. Heute habe ich Küchendienst. Ich muss das Abendessen vorbereiten und nachher die Küche wieder aufräumen. Wie das geht, zeigen uns die Erzieher. Die helfen auch mit. Jeder bei uns muss mit anpacken. Das macht zwar keinen Spaß, aber muss ja sein. Danach treffe ich mich noch mit Freunden oder sie besuchen mich in meiner Gruppe. Tja, so sieht ein Tag bei uns aus." Die Kinder und Jugendlichen sind altersgemäß in die anfallenden Aufgaben und die Entscheidungen über das Zusammenleben einbezogen. Sie übernehmen Verantwortung in klar umrissenen Aufgabenfeldern und sie sind an der Organisation des Gruppenlebens beteiligt. Die Gruppe wird damit zum Übungsfeld für soziales Lernen und für Beziehungsfähigkeit. 7

Die Wohngruppen

Auf die Stärken vertrauen In Jugendgruppen und Sportvereinen eröffnen sich Möglichkeiten für die Kontaktaufnahme zu Gleichaltrigen, für eine sinnhafte Freizeitgestaltung und die Selbstbestätigung in sportlichen Erfolgen. Die Mitgliedschaft wird von den Pädagoginnen und Pädagogen angeregt und die Integration unterstützt und begleitet. Manchen Kindern und Jugendlichen ist es nicht möglich sich in Vereinen zu integrieren. Die sozialen Anforderungen des Vereinslebens überfordern sie. Die Pädagoginnen und Pädagogen entwickeln gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen altersgerechte Freizeitangebote. Sport und erlebnispädagogische Aktivitäten haben in dieser Altersgruppe in der Regel die größte Attraktivität. Das Vertrauen in die Stärken und die Orientierung an den Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen schafft den Boden für die Entwicklung von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Die Kinder und Jugendlichen entwickeln in der Dynamik des Gruppengeschehens soziale Fähigkeiten und sie entfalten ihre individuellen Potentiale. Sie erwerben Fertigkeiten im lebenspraktischen Bereich und sie erhalten erforderliche schulische und berufliche Förderung: die Grundlagen für ein späteres selbständiges, sozial und beruflich integriertes Leben. "Seit ich hier wohne, hat sich mein Kontakt zu meinen Eltern echt verbessert. Mittlerweile kann ich wieder vernünftig mit ihnen reden. Ich besuche sie oft an den Wochenenden und in den Ferien. Dafür waren viele Gespräche nötig. Zuerst konnte ich nur mit meinem Erzieher darüber sprechen. Zwischendurch habe ich meine Eltern gehasst. Und gleichzeitig habe ich sie vermisst. Das war ein totales Durcheinander. Eine Psychologin hat sogar eine Familiendiagnostik gemacht. Was die alles wissen wollte. Dann haben meine Eltern viele Termine mit ihr gemacht. Beratungsgespräche wären das, haben sie gesagt. Bei einigen war ich auch dabei. Da haben wir zum ersten Mal wieder miteinander reden können. Ich war sehr erleichtert, weil ich merkte, dass ich meinen Eltern nicht egal bin. Wenn alles weiter so gut läuft, werde ich in einigen Monaten wieder zu ihnen ziehen. Ich freue mich darauf und mulmig ist mir auch. Einige Jugendliche bleiben hier bis sie volljährig sind. Sie können nicht bei ihren Eltern leben, obwohl sie noch viel Kontakt zu ihnen haben. Zwei Ältere von uns sind schon in der Ausbildung, eine Köchin und ein Elektriker. Die Erzieherinnen und Erzieher reden mit denen viel über Arbeit und Berufe und so. Ist ja auch nicht so leicht, sich für einen Beruf zu entscheiden. Die beiden Älteren kochen für sich alleine. Eine aber nur am Wochenende. Die kriegen Haushaltsgeld und müssen selber einkaufen. Um ihre Wäsche kümmern sie sich auch selber. Bei uns heißen die Selbstversorger. Wenn das gut klappt, ziehen sie in eine eigene Wohnung und werden von ihren Erzieherinnen oder Erziehern weiter betreut. Auch nicht schlecht. Die lassen hier keinen einfach hängen."

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Die Wohngruppen

Und meine Familie? Die eigenen Eltern sind, auch wenn die Beziehungen hochgradig belastet sind, die bedeutsamsten Menschen im Leben eines Kindes oder Jugendlichen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wohngruppen streben dementsprechend die enge Zusammenarbeit und Mitwirkung der Eltern am gesamten Erziehungsprozess an. In der Eltern- und Familienarbeit geht es grundsätzlich um eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Mit den Eltern werden gemeinsam Problemlagen analysiert, Ziele definiert und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und schrittweise umgesetzt. Strategien zur Konfliktbewältigung, Hilfen zur Beziehungsverbesserung und -pflege sowie Angebote zur Stärkung der Erziehungsfähigkeit der Eltern werden auf die jeweilige familiäre Situation abgestimmt. Wo eine Reintegration der Kinder und Jugendlichen in die Familie möglich ist, zielen alle Maßnahmen auf eine schrittweise Rückkehr unter verbesserten familiären Bedingungen. Erlauben unüberwindbare Hindernisse eine Rückkehr in die Familie nicht, so unterstützt eine gelungene Beziehungsklärung im Rahmen der Eltern- und Familienarbeit wesentlich die Erziehungs- und Entwicklungsprozesse in der weiteren Betreuung.

Auf eigenen Füßen stehen Die Jugendlichen erhalten während ihres Aufenthaltes in den Wohngruppen und darüber hinaus Unterstützung bis zur Selbständigkeit. Diese wird eingeübt mit der so genannten Selbstversorgung in den Wohngruppen und der gezielten Vorbereitung auf den Einzug in die erste eigene Wohnung. Nach dem Umzug werden die Jugendlichen weiterhin von den vertrauten Pädagoginnen und Pädagogen angeleitet und begleitet. Die "Betreuung aus einer Hand" sichert Beziehungskontinuität und -stabilität in dieser krisenanfälligen Lebensphase. In den letzten Schuljahren rücken bei den Jugendlichen berufsbezogene Fragen zunehmend in den Mittelpunkt. Berufsorientierung und Berufsfindung werden zu einem wesentlichen Inhalt der Betreuung. Die Wohngruppen arbeiten eng mit den Schulen, dem Arbeitsamt, örtlichen Ausbildungsbetrieben und überbetrieblichen Ausbildungsstätten zusammen. Die Integration am Ausbildungsplatz wird gezielt unterstützt. Sind vor oder während der Betreuungsdauer erzieherische oder therapeutische Zusatzleistungen (Diagnostik, Therapie/Behandlung, Förderung, Sondermaßnahmen, Perspektiventwicklung oder Familienarbeit) im Einzelfall erforderlich, so greifen die Wohngruppen entsprechend der Erziehungs- und Hilfeplanung auf die einrichtungsinternen Angebote des Heilpädagogischen und Psychologischen Dienstes oder auf externe Hilfen zurück. Zusatzleistungen werden grundsätzlich speziell auf den individuellen Bedarf zugeschnitten. 9

Die Wohngruppen

Die Wohngruppen arbeiten eng zusammen. Die Qualität der Arbeit wird durch den kontinuierlichen Austausch im Fachbereich Wohngruppen des Caritas-Kinder- und Jugendheimes gesichert und weiterentwickelt. Supervisionen und fachspezifische Fortbildungen unterstützen einen bedarfsgerechten und effizienten Einsatz der erzieherischen Hilfen. "Oft habe ich mir gewünscht, dass alles anders gekommen wäre. Meine Eltern hätten sich besser verstanden, ich hätte nicht soviel Mist gebaut, weniger Streit und so. Auch wenn's kitschig klingt, eigentlich wollte ich nur, dass wir eine glückliche Familie sind. Als ich hierher kam, war mir das nicht so klar. Wie auch. Ich glaube, wir haben alle viel gelitten, meine Eltern genauso wie ich. Wir haben aber auch alle viel dazugelernt. Ich wünsche mir, dass alles gut geht, wenn ich wieder Zuhause wohne. Lange Zeit wollte ich es nicht wahrhaben, aber gut, dass es meine Wohngruppe gibt."

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Die Wohngruppen

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Die Wohngruppen

Die folgenden Beiträge entstanden unter der Beteiligung vieler Mitarbeiter des Caritas-Kinder- und Jugendheimes im Rahmen einer Konzept- und Schreibwerkstatt:

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Vom Ziel zum Ergebnis Ambulante Familienarbeit Erziehungsstellen EXPANDER Familienwohngruppen Heilpädagogischer und Psychologischer Dienst Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung Jugendwohnhaus und Jugendwohngemeinschaft Kindertagesstätte Ellinghorst Oase - Übergangsguppe für ältere Kinder Pädagogische Lebensgemeinschaften als Therapeutische Übergangshilfe Sozialpädagogisch Betreutes Wohnen und Betreutes Wohnen Stationäre Familienarbeit Tagesgruppen Therapeutische Familienarbeit Therapeutische Übergangshilfe Wohngemeinschaft für junge Erwachsene Wohngruppen

Diese Heftreihe finden Sie auch im Internet unter www.caritas-rheine.de.

Herausgegeben von Caritas-Kinderheim gemeinnützige Gesellschaft mbH Caritas-Haus, Lingener Straße 11, 48429 Rheine Unlandstraße 101, 48431 Rheine Telefon (0 59 71) 8 62 - 0 Telefax (0 59 71) 8 62 - 3 85 Bankverbindung Stadtsparkasse Rheine 70446410 (BLZ 40350005) Darlehnskasse Münster 4 047 500 (BLZ 40060265) Schlussredaktion Norbert Dörnhoff, Winfried Hülsbusch, Klaus Jäger Redaktionelle und gestalterische Beratung Stefan Gude, Pressestelle Caritas Rheine Gestaltung und Druck Druckerei Rennemeier, Rheine Telefon (0 59 71) 64 180 Caritas-Kinder- und Jugendheim Unlandstraße 101, 48431 Rheine Telefon (0 59 71) 40 02 - 0 Telefax (0 59 71) 40 02 - 60 E-mail: [email protected] Internet: www.caritas-rheine.de (02/2004)

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