Heimkehr in den Himalaya - Piffl Medien

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Martin HoffmanN mit Sherap Sangpo Dolpo Tulku Rinpoche ein film von DOLPO TULKU Heimkehr in den Himalaya regie Martin Hoffmann kamera Thomas Henkel ...

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Martin HoffmanN mit Sherap Sangpo Dolpo Tulku Rinpoche ein film von

DOLPO TULKU Heimkehr in den Himalaya

regie Martin Hoffmann kamera Thomas Henkel montage Axel Ludewig, John Toft ton Enno Grabenhorst musik Hans Christian OelerT

tondesign Dietrich Körner mischung JÖRG HÖHNE buch Daniela Hartmann, Martin Hoffmann herstellungsleitung Karola Klatt regieassistenz Daniela Hartmann eine produktion von mc media production gefördert von medienboard berlin-brandenburg im verleih der Piffl Medien

www.dolpotulku.de

REGIESTATEMENT

Namdroling Kloster, Südindien

Segnung, Inneres Dolpo

»Ich trage eine große Verantwortung für das Dolpo. Wenn ich darüber nachdenke, dann muss ich tief durchatmen. Manchmal weiß ich nicht, ob ich dem gewachsen bin. Aber den Tulku-Titel wegzuwerfen, ihn mit Wasser und Seife abzuwaschen, das ist nicht möglich. « dolpo tulku

Kennengelernt habe ich Dolpo Tulku Sherap Sangpo Rinpoche in Südindien. Auf den ersten Blick: ein junger Mönch, Dozent an einer buddhistischen Universität. Aber auf ihm lastet eine ungeheure Verantwortung. Als Reinkarnation des letzten Tulku muss er zurück in das Dolpo, um dort, in einer der abgeschiedensten und ärmsten Gegenden der Welt, den Menschen als religiöses Oberhaupt vorzustehen. Eine Bestimmung, vor der er großen Respekt hat, und vor der er doch nicht fliehen kann. Dieser Konflikt und vor allem der von Tulku glaubwürdig formulierte Gedanke der Selbstlosigkeit haben mich fasziniert. Ein spannendes Thema und eine klare Dramaturgie mit vorerst offenem Ende. Aber dokumentarisches Arbeiten in Klöstern und in Höhen von über 5.000 Metern stellen dann doch eine extreme Herausforderung dar. Schon zu Beginn der Dreharbeiten merken wir, dass vom Expeditionsleiter bis zum Maultiertreiber jeder im Team von der Ausstrahlung Tulkus in den Bann gezogen wird. Gibt es das wirklich: Reinkarnation, Weitergabe von Wissen oder Führungsqualität durch Wiedergeburt? Bei aller Spiritualität gibt unser Protagonist darauf überraschend einfache Antworten. Tulkus Ankunft im Oberen Dolpo, in mancher Hinsicht tibetischer als Tibet, gerät zu einem stillen

Triumphzug. Er spürt das enorme Vertrauen der Menschen, den Erwartungsdruck, er fragt sich, ob er der Aufgabe gewachsen ist. Denn es geht auch um ein wenig Wohlstand fernab der globalisierten Welt: Schulen, Straßen, Krankenhäuser. Mehr als die Hälfte der Kinder sterben schon bei der Geburt. Die Reise des Dolpo Tulku regt an, Dinge neu zu betrachten, vielleicht mag sie bei der Sinnsuche helfen. Und Tulku findet in seinem ansteckenden Altruismus für seinen eigenen Zwiespalt eine ganz pragmatische Lösung. (Martin Hoffmann)

SYNOPSIS Das tibetischsprachige Dolpo im Nordwesten Nepals gehört zu den abgeschiedensten Gegenden der Welt. Eingeschlossen von den gewaltigen Gebirgsketten des Himalaya, weitgehend ohne Elektrizität und moderne Kommunikationsmittel, ohne chinesischen oder indischen Assimilationsdruck und fernab der nepalesischen Staatsgewalt hat sich dort eine uralte buddhistische Kultur erhalten. Mit 10 Jahren wird der Hirtenjunge Sherap Sangpo als Reinkarnation eines hochstehenden Lama, des Dolpo Tulku, erkannt und zur Ausbildung ins Namdroling Kloster nach Südindien geschickt. 16 Jahre später kehrt er mit 30 dolpo-stämmigen Mönchen und Nonnen in die Berge Nepals zurück, um sein Amt als geistliches Oberhaupt der tief religiösen Menschen des Dolpo anzutreten. Bei seiner Ankunft ist Tulku überwältigt von der Freude und dem Vertrauen, mit dem ihn die Menschen des Dolpo empfangen. Das Amt als Reinkarnation seines im Dolpo sehr verehrten Vorgängers bedeutet eine riesige Verantwortung, der er sich – ein junger Mann von 26 Jahren – erst gewachsen zeigen muss. Mit großem Respekt für die Menschen und durchaus nicht frei von Selbstzweifeln sucht er nach Wegen, die in ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen. Er hat sich viel vor-

genommen: die Klostergemeinschaften stärken, eine Schule für buddhistische Lehre aller Richtungen aufbauen, vor allem aber die dringend notwendige Modernisierung der Region beginnen. Es gibt keine Schulen mit tibetischsprachigem Unterricht, kaum medizinische Versorgung, keine Elektrizität, keine befahrbare Straße. In beeindruckenden Bildern der Bergwelt des Himalaya, in ruhigen, dichten Beobachtungen erzählt der Film von der faszinierenden, archaischen Kultur und den Menschen des Dolpo und der handfesten Aufgabe, der bitteren Armut entgegenzuwirken: Es geht darum, auf der spirituellen Grundlage eines tief verwurzelten, ursprünglichen Buddhismus von Gemeinschaftlichkeit und Altruismus eine Modernisierung zu wagen. Dieser Aufgabe stellt sich der junge Dolpo Tulku mit großer Hingabe, Bescheidenheit, überraschendem Humor und einer tief empfundenen Liebe.

Blick auf das Dhaulagiri-Massiv

»Wenn sich die Lehren des Buddha im Dolpo nicht so verbreitet hätten, dann wäre das genauso schlimm wie die Probleme, die daraus entstehen, dass das moderne Wissen hier noch nicht angekommen ist. Es fehlt an Straßen, und die Lebensumstände sind sehr schwierig. Aber hätte sich der Buddhismus nicht verbreitet, dann würde im Dolpo auch die Selbstverständlichkeit fehlen, an das Wohl der anderen Menschen zu denken und mit reinem Geist zu handeln. Diese Offenheit für die altruistischen Unterweisungen des Buddhas würde fehlen, so wie heute die Errungenschaften des Fortschritts fehlen. Wenn es diese Offenheit nicht gäbe, dann wären wir hier im Dolpo nicht nur im ökonomischen Sinn arm, sondern auch im geistigen. Dann wären wir wirklich sehr, sehr arm.« dolpo tulku

DAS INNERE DOLPO

Inneres Dolpo, bei Saldang

Yoga-Übung des Dolpo Tulku

»Kyabje Khyentse Rinpoche hat meinen Namen, den Namen meiner Eltern und mein astrologisches Jahreszeichen in einem Brief festgehalten, damit ich als Reinkarnation erkannt werde. Mit diesen Angaben hat man mich gesucht. Dann hat man mich gefunden und mir gesagt, dass ich ein Tulku bin. Ich war ein kleines Kind damals und ziemlich durcheinander. Ich fand es einerseits toll, und gleichzeitig hatte ich Angst. Ein Tulku ist ja etwas sehr Hohes, habe ich gedacht. Ist es denn überhaupt möglich, dass ich ein Tulku bin? Was erwartet man von mir als Tulku?« dolpo tulku

Das Dolpo liegt im Nordwesten Nepals, nördlich des Dhaulagiri-Massivs, an der Grenze zu Tibet. Kernstück der Region ist das innere bzw. obere Dolpo. Umgeben von 6.000 bis 7.000 Metern hohen Bergen, ist es nur zu Fuß oder beritten über mehrere 5.000 Meter hohe Pässe erreichbar; es gibt hier die höchstgelegenen dauerhaft bewohnten Täler der Erde. Mit einer Bevölkerung von etwa 5.000 Menschen ist das innere Dolpo extrem dünn besiedelt. Das Dolpo gehörte über Jahrhunderte zu tibetischen Königs- und Fürstentümern, erst im 19. Jahrhundert weitete der nepalesische Staat seine Herrschaft ins Dolpo aus, wobei das Interesse der Regierung in Kathmandu an der isolierten, unwirtlichen und bitter armen Region bis heute äußerst begrenzt geblieben ist – de facto gibt es keine dauerhafte staatliche Präsenz Nepals im inneren Dolpo. Die Bewohner des Dolpo, die Dolpopa, sind tibetischsprachig und gehören der buddhistischen Minderheit Nepals an. Durch seine isolierte Lage und die restriktive Besucherbeschränkung durch den nepalesischen Staat hat sich im Dolpo eine tibetische Tradition in einzigartiger Ursprünglichkeit bewahrt. Die Nyingma-Tradition ist dabei die vorherrschende buddhistische Richtung.

Das Klima ist bestimmt durch eine Periode des mäßigen Monsuneinflusses mit Nieselregen und eine durchgehende Trockenperiode zwischen September und Mai. Die wirtschaftlichen Aktivitäten beschränken sich auf Ackerbau, Viehzucht und etwas Handel. Die Feldarbeit wird in Ermangelung von Elektrizität und technischen Geräten in reiner Handarbeit betrieben, alle Familienangehörigen müssen ab dem frühen Kindesalter mithelfen. Angebaut wird Gerste, in einigen Tälern auch Buchweizen und etwas Gemüse. Straßen ins und im Dolpo sind nicht vorhanden. Die Waren müssen mit dem Flugzeug von Kathmandu nach Juphal im unteren Dolpo und von dort mit Mulis und Yaks ins innere Dolpo transportiert werden. Außerdem gibt es regelmäßig Yak-Karawanen ins benachbarte Tibet, dem wichtigsten Handelspartner für das innere Dolpo. Über 90% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze, die Kindersterblichkeit ist hoch, eine regelmäßige medizinische Versorgung gibt es nicht. Der Unterricht in den wenigen, meist nur während des Sommers geöffneten staatlichen Schulen findet auf nepalesisch statt. Tibetisch wird nur in den Klosterschulen für die Novizen und in den von den Mönchen aufgebauten, mit internationalen Spendengeldern finanzierten Schulprojekten gelehrt. Eine dringliche Aufgabe stellt die Bewahrung und Renovierung der einzigartigen Kulturschätze des Dolpo dar – viele alte Klöster und Bauwerke drohen in ihrer Baufälligkeit, endgültig verloren zu gehen.

Drehorte: Namdroling Das Kloster Namdroling in Südindien ist die größte und gilt als die beste Ausbildungsstätte in der Nyingmatradition, hier leben, lernen und lehren 4.000 Mönche und Nonnen. Buddhisten aus Tibet, Darjeeling und Ladakh in Indien, aus Nepal, aber auch aus Kanada und den USA werden unterrichtet. Das Kloster wurde 1961 von Penor Rinpoche in der Nähe von Bylakuppe im südindischen Bundesstaat Karnataka errichtet, auf Land das Exiltibeter nach der Annexion Tibets von Indien überlassen wurde. Heute gibt es dort bedeutende Klöster aller 5 buddhistischen Linien und die Region ist zur weltweit größten Siedlung von Exiltibetern gewachsen, größer noch als Dharamsala, der Sitz des Dalai Lama in Nordindien. Die Besuchs- und Dreherlaubnis für das exterritoriale Gebiet des Namdroling Klosters wurde erst nach 8 Monaten erteilt. Drehorte: Kanying Gompa Das Kanying Gompa (tibetisch: Kloster) liegt im Bezirk Boudha in Kathmandu. 1991 trat Dolpo Tulku in dieses Kloster ein und wurde kurz als Reinkarnation erkannt und von Dilgo Khyentse Rinpoche anerkannt. Heute ist Kanying Gompa aufgrund seines reichen Kursangebots auch bei am Buddhismus Interessierten aus Europa und Amerika beliebt.

SHERAP SANGPO DOLPO TULKU RINPOCHE Dolpo Tulku wird im zwölften Monat des tibetischen Eisenhahn-Jahres (1981) im Dho Tarap Tal in der unzugänglichen Dolpo-Region in Nepal geboren. Mit zehn Jahren pilgert er mit seinem Großvater nach Indien zu einer Initiation durch den Dalai Lama. Diese Erfahrung bestärkt seinen Entschluss, Mönch zu werden, und er tritt dem Kanying Kloster in Boudha bei, in der Nähe der nepalesischen Haupstadt Kathmandu. Wenige Monate später erkennt ihn Dilgo Khyentse Rinpoche, einer der spirituellen Führer des Nyingma-Buddhismus und Lehrer des Dalai Lama, als Reinkarnation des Dolpo Lamas Nyinchung Rinpoche an. Dolpo Tulku wird zur Ausbildung nach Südindien in das Namdroling Kloster von Penor Rinpoche geschickt, wo er Lesen und Schreiben lernt und eine umfassende bddhistische Unterweisung erhält. 2006 beendet er als einer der Jahrgangsbesten das Studium an der Klosteruniversität. Im Sommer 2008 kehrt Dolpo Tulku Sherap Sangpo in das Dolpo zurück, um sein Amt als geistliches Oberhaupt anzutreten und den Thron seiner Klöster in Dho Tarap, Namgung und Saldang zu besteigen. Daneben lehrt Tulku am monastischen Institut für höhere Buddhistische Lehren in Namdroling.

Zwischen Lahini und Serkam, INneres Dolpo

Dolpo Tulku im Kloster Namgung

Mehr Informationen im Internet: http:// www.dolpotulku.org Aktuelle Informationen der Dolpo-Hilfe unter der Schirmherrschaft von Dolpo Tulku: http://www.dolpo-hilfe.org

Dolpo Tulku

Yak-Karawane, Inneres Dolpo

Wiederbegegnung Dolpo Tulkus mit seinem Vater, Inneres Dolpo

Wander-Schmiede im inneren Dolpo

»Der Titel des Tulku bedeutet, dass man einen Vorgänger in einem früheren Leben hatte. Und die Bestimmung eines Tulkus ist es, das Werk dieses Vorgängers weiterzuführen. Ebenso wie der frühere hat der wiedergeborene Tulku die Aufgabe, die Menschen zu lehren, wie man den unermesslichen Weg des Buddha individuell praktizieren kann. Die Erwartungen an einen Tulku sind sehr groß. Es ist aber nicht wie bei einem Politiker, der Dinge verspricht, um gewählt zu werden. bei einem Lama ist das anders. Die Leute bringen ihm Zuneigung und Vertrauen entgegen, weil man seinen Vorgänger in ihm sieht und hofft, dass er dessen Aufgaben weiterführt. Ein Tulku muss sich selbst immer moralisch richtig verhalten und anderen als Vorbild dienen. Wer sich selbst und anderen den Weg Buddhas lehrt, wer fehlerlos aufzeigt, wie Leiden entsteht und wie es überwunden werden kann, der wird dem Titel eines Tulku gerecht.« dolpo tulku

INTERVIEW MIT MARTIN HOFFMANN

Wieviel Zeit hatten Sie zur Verfügung, um nach der Begegnung mit dem Dolpo Tulku das Projekt vorzubereiten?

Wie sind Sie auf die Geschichte des Dolpo Tulku und seiner Heimkehr gestoßen?

Zwischen dem ersten Treffen mit Dolpo Tulku und seiner angekündigten Heimkehr in den Himalaya lagen etwa 15 Monate. Diese Zeit war knapp, um das Projekt zuverlässig vorzubereiten. Nach der Regierungsbeteiligung der Maoisten in Nepal wurden die Vorschriften für Filmarbeiten in bestimmten Teilen des Himalayas nochmals verschärft. Zusätzlich zu den für das Dolpo ohnehin vergleichsweise teuren Trekking- und Drehgenehmigungsgebühren mussten nun auch „Verbindungsoffiziere“ aus drei verschiedenen Ministerien zum Dreh mitgenommen werden. Das bedeutete unter anderem, dass wir für die drei Beamten zusätzlich Verpflegung, Zelte und dafür auch wieder zusätzliche Träger einplanen mussten. Als wir dann im Dolpo waren, hat sich übrigens keiner mehr wirklich für uns interessiert. Außer einem Checkpoint kurz hinter dem Flughafen in Dunai gibt es eigentlich keine staatliche Präsenz in der Region.

Ich habe Dolpo Tulku 2007 im Namdroling Kloster kennengelernt , während einer Urlaubsreise mit meiner Familie in Südindien. Auf den ersten Blick war er ein ganz normaler Mönch unter tausenden anderer. Er lud uns zum Saft in sein bescheidenes Appartement ein. Und dort, auf den zweiten Blick, faszinierte er selbst unsere Tochter, die die englische Übersetzung des Gesprächs nicht verstand: Ein junger Mönch, der eben seine Ausbildung als einer der Jahrgangsbesten abgeschlossen hatte, der einerseits fröhlich war und pausenlos per SMS kommunizierte, der aber andererseits sehr offen von seiner besonderen Situation und den damit verbundenen Ängsten sprach. Er erzählte, dass er eine hochrangige Wiedergeburt sei und bald sein Amt des Tulku antreten werde – und dass er noch nicht wisse, wie er dieser Verantwortung gerecht werden könne. Mich haben seine Person und seine Geschichte – auch die Idee einer Religion, Autorität und Wissen durch Wiedergeburt weiterzugeben – sofort in Bann gezogen. Einige Tage später habe ich ihn per SMS gebeten, darüber nachzudenken, ob ich seine Rückkehr in das Dolpo für einen Film begleiten dürfe. Er hat darauf auf seine ganz eigene Art und Weise reagiert: Er mailte mir ein Foto von sich und uns, das er während unseres Besuchs mit Selbstauslöser gemacht hatte. Damit hatte er seine Bereitschaft mitgeteilt.

Über den Stand unserer Vorbereitungen haben Tulku und ich uns regelmäßig per E-mail ausgetauscht, gleichzeitig stand er über Briefe und Boten im Kontakt mit den Menschen im Dolpo. Im Frühjahr kam dann aus dem Dolpo die Bitte, früher als ursprünglich geplant zu kommen, damit die Inthronisationsfeierlichkeiten nicht mit der Erntezeit zusammenfallen. Das hieß für uns, dass wir kurzfristig unsere Abreise um sechs Wochen vorziehen und uns auf schlechtes Wetter im Himalaya einstellen mussten – die Drehzeit fiel nun in die Monsunperiode.

Wie ist es Ihnen gelungen, eine Drehgenehmigung für die buddhistischen Klöster in Südindien zu bekommen?

Hatten Sie bereits Erfahrungen mit dem Drehen im Hochgebirge? Was waren die besonderen Herausforderungen der Vorbereitung?

Wir mussten im Kloster Namdroling lange und behutsam für unser Vorhaben werben. Es ist eine abgeschottete Welt dort, und man hatte in der Vergangenheit einige Male schlechte Erfahrungen mit Filmbeiträgen über die Klöster in Bylakuppe gemacht. Aber nach einigen Monaten und sicher auch durch die Fürsprüche von Tulku bekamen wir schließlich grünes Licht. Unser Antrittsbesuch im Sekretariat bei Penor Rinpoche war dann nur noch eine erwartete Höflichkeitsgeste. Eine offizielle Besuchserlaubnis musste darüberhinaus im Innenministerium in Delhi beantragt werden, die Bearbeitung hat acht Monate gedauert. Zusätzlich wurden wir am Abend des ersten Drehtags auf die Polizeistation nach Kushnalgar zitiert. Nach dreistündiger Wartezeit und Einzelgesprächen mit dem Dienststellenleiter wurden dann unsere Fingerabdrücke genommen. Wir haben nie erfahren, warum.

Wir hatten schon in den Anden und in Ladakh in Höhen oberhalb von 4.000 Metern gedreht. Allerdings waren dort jeweils höchstens halbtägige Wanderungen vom Auto zum Drehort nötig. Das Entscheidende bei diesem Film war die Aufgabe, eine lange Produktionszeit in einer Gegend ohne jegliche Infrastruktur zu planen: zwei Monate ohne Strom, ohne Telefon, ohne medizinische Versorgung und ohne irgendeine Möglichkeit, etwas zu kaufen – immer mit der Notwendigkeit, die gesamte Ausrüstung mit uns zu führen. Wir haben uns deshalb bei der Ausrüstung auf das Allernötigste beschränkt, das aber jeweils doppelt eingepackt. Ebenso waren alle Funktionen im Team doppelt vertreten. Als wir dann in Dunai im Unteren Dolpo aufgebrochen sind, wurde mir die Dimension unserer Produktion erst richtig bewusst. Wir hatten alles

gut geplant, das Privatgepäck auf das Allernotwendigste beschränkt, für das technische Equipment raum- und gewichtssparende Lösungen gefunden – und nun standen wir vor einer Karawane mit 30 Leuten und 19 Maultieren. Denn tatsächlich mussten wir alles zur Selbstversorgung mitnehmen, Medikamente, Lebensmittel, Mehl, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Konserven, Kerosin zum Kochen, Benzin für den Generator – für einen Zeitraum von acht Wochen. Neben unserer Karawane gab es den Tross des Dolpo Tulku, der von 30 Dolpo-stämmigen Mönchen und Nonnen aus Südindien begleitet wurde. Etliche davon waren schon lange vorher aus Indien aufgebrochen, weil sie sich keinen Flug leisten konnten, und warteten dann in Dunai auf Tulku. Folgte die Reise einem festen Zeitplan oder wurde von Tag zu Tag disponiert und entschieden? Nachdem wir im Juni 14 Tage im Kloster Namdroling gedreht hatten und dann gemeinsam mit Tulku und Teilen seiner Begleitung nach Kathmandu geflogen waren, haben die Unwägbarkeiten begonnen. Tagelang saßen wir in Nepalganj fest, weil die Landebahn in Dunai, die einzige Landebahn im Unteren Dolpo, wegen schlechten Wetters nicht angeflogen werden konnte. Für den Marsch ins Obere Dolpo und die Route dort hatten wir in Abstimmung mit Tulku einen Reiseplan erarbeitet, der in der Praxis dann allerdings nicht

viel wert war. Tulku musste, entsprechend den Erwartungen und Einladungen der Menschen, immer wieder umplanen. Wir mussten darauf so flexibel reagieren, wie das bei einem so großen Team und unter den gegebenen geografischen und klimatischen Umständen ging. Dazu kam, dass die Marschzeiten im Dolpo offenbar entweder für Hochleistungsalpinisten ohne Gepäck oder für Reiter angegeben werden – jedenfalls wurden aus den „höchstens ein paar Stunden“ für uns regelmäßig Tagesmärsche von 14, 15 Stunden. Selbst als wir an die Höhe gewöhnt waren, gab es immer wieder Etappen, die nicht von allen an einem Tag bewältigt werden konnten. Da sich unsere Dramaturgie auf den Reiseverlauf und die von Tulku zu treffenden Entscheidungen fokussierte, wie er sein Amt ausfüllen würde, mussten wir immer gleichzeitig vor, bei und hinter Tulku und seinem auf über 60 Leute angewachsenen Tross sein. Zum fast unlösbaren logistischen Problem wurde das, als Tulku und seinen Begleitern am Eingang zum Oberen Dolpo völlig überraschend Pferde und Yaks zur Verfügung gestellt wurden. Für uns bedeutete das, dass wir zu Fuß schneller über den Kang-La-Pass auf über 5.000 Meter Höhe gelangen mussten als Tulkus berittener Tross. Letztlich war es eine Frage intensiver Diskussionen und Auswertungen innerhalb des Teams: wir haben von Tag zu Tag – meistens abends, nach dem Drehen, in Gesprächen von Zelt zu Zelt – entschieden, was wir machen und drehen würden.

Cham-Zeremonie, Tokyu

Cham-Zeremonie, Tokyu

»Der Cham-Tanz ist natürlich nicht nur eine Show oder eine unterhaltsame Aufführung. Für einen Cham gibt es immer einen Anlass und einen Sinn. Wenn wir den verstehen, sieht ein Cham nicht nur imposant aus, sondern bringt auch jedem Segen. Tief in einem selbst wachsen reine Wahrnehmung, Vertrauen und Mitgefühl, wenn man den Tanz anschaut. Die vorteilhaften und reinen Tugenden nehmen zu. Deshalb ist es wichtig, dass man die Bedeutung und die Absicht des Cham versteht.« dolpo tulku

Wie hat sich das Verhältnis zu Dolpo Tulku während der gemeinsamen Reise entwickelt? Durften Sie ihn überall hin begleiten?

Am aufgegebenen alten Kloster in Namgung

»Yoga hilft dem Körper sehr. Es bringt auch dem Geist große Vorteile, aber es hilft auch dem Körper sehr. Wenn die Nervenbahnen im Körper begradigt werden, dann kann der innere Wind, der durch die Nervenbahnen geht, gut fließen. Fließt der innere Wind richtig, dann entspannt und beruhigt sich der Geist, der mit diesem Wind verbunden ist. Das macht das Besondere des Yoga aus. So fühlt sich der Geist wohl. Jetzt bin ich nach 16 Jahren zum erstem Mal wieder auf über 4000 Metern Höhe, aber ich habe keine Schwierigkeiten mit der Atmung. Das habe ich der Güte von Kyabche Drubwang Rinpoche, der mich Yoga gelehrt hat, und meinen täglichen Übungen zu verdanken. «

dolpo tulku

Es gab ein großes Vertrauen von Seiten Tulkus, das sich auch auf seine Begleiter übertragen hat. Wir durften eigentlich immer dabei sein, auch bei allen Zeremonien und den internen Besprechungen. Und Tulku stand, wann immer wir wollten und sein Programm es zuließ, für Gespräche auch mit der Kamera zur Verfügung. Was über die Zeit des Drehs offensichtlich wurde, war die ehrliche Überraschung und Rührung von Tulku angesichts der Intensität der Zuneigung, die ihm von den Menschen entgegengebracht wurde. Was ihm ebenfalls zunehmend anzumerken war, das war eine gewisse Enttäuschung darüber, dass sich im Dolpo seit seiner Kindheit eigentlich nichts weiterentwickelt hatte. Grundsätzlich war ihm das auch vorher klar, aber das mit eigenen Augen zu erleben, war doch etwas anderes, selbst die Töpfe in der Küche seiner Mutter waren noch die alten. Das hat ihm die Größe der Aufgabe, vor der er steht, sehr bewusst gemacht. Von den Bewohnern des Dolpo wurden wir mitunter etwas schüchtern, aber immer sehr freundlich und hilfsbereit aufgenommen. Wahrscheinlich hat nicht jeder im Einzelnen verstanden, was wir da genau machen – wir waren in Gegenden, in denen viele, vor allem die Kinder, noch nie Menschen

von außerhalb ihres Kulturkreises getroffen hatten. Die Gastfreundschaft, der wir begegnet sind, war überwältigend. Der Film erzählt von der Zuneigung, die dem Tulku von den Menschen des Dolpo entgegengebracht werden. Wie konkret haben Sie die Erwartungen an ihn erlebt? Gab es z.B. die Erwartung, dass er sich ganzjährig im Dolpo niederlassen würde? Ich würde nicht von „Erwartungen“ an den Tulku sprechen, das wird dem buddhistischen Denken nicht gerecht. Was wir erlebt haben, war eine große Freude über seine Anwesenheit, die Gewissheit, dass er gut sei und Gutes bewirken würde, weil ja sein Vorgänger gut war – deshalb wurde er ja wiedergeboren. Viele Leute kamen in tagelangen Märschen von weit entfernten Dörfern, um Dolpo Tulku zu treffen und an der Segnung teilzunehmen. Die Bewohner des Dolpo würden eine Entscheidung eines Tulkus niemals kritisieren. Sie vertrauen ihm. Und sie wissen sehr gut und vertrauen darauf, dass er für die Region in den Wintermonaten außerhalb des Dolpos mehr ausrichten kann, als wenn er sich sechs Monate hinter die Schneeberge in eines seiner Klöster zurückziehen würde. Vielleicht könnte man sagen, dass sich die Freude, die mit der Ankunft des Tulku verbunden war, durch das Auftreten und Wirken des Dolpo Tulku konkretisiert hat. Im Film wird das in den Gesprä-

chen mit dem Arzt und dem Schulleiter deutlich: ich denke, dass die Pläne und Vorhaben des Tulku Hoffnungen bestärkt und die Menschen motiviert haben. Man spricht davon, dass sich im Dolpo aufgrund der isolierten Situation ein sehr ursprünglicher, tief verwurzelter Buddhismus erhalten hat. Wie haben Sie erlebt? Wir haben die Menschen im Dolpo so erlebt, dass sie trotz harter Arbeit und großer Armut eine tiefe Zufriedenheit ausstrahlen. Das hat sicher mit der Verwurzelung im Buddhismus zu tun. Die Rituale des Buddhismus sind ein völlig selbstverständlicher und oft ziemlich zeitaufwändiger Bestandteil des Alltags, das Aufsagen der Mantras während der Arbeit, die Gebetsmühlen... Die Idee der Wiedergeburt nimmt einerseits die Angst vor dem Tod und steigert gleichzeitig die Bereitschaft, nicht nur das eigene Schicksal zu ertragen, sondern auch altruistisch, selbstlos zu denken. Es gibt eine große Nachbarschaftlichkeit und eine Tradition der gegenseitigen Hilfe, das Vieh wird gemeinsam gehütet, die Yak-Karawanen zum Transport der benötigten Waren werden gemeinsam durchgeführt. Es gibt eine Bereitschaft zum Teilen, die ich noch selten so erlebt habe; wenn wir Kekse an die Kinder verschenkt haben, war es für die Kinder ganz selbstverständlich, dass alle etwas davon abbekommen. Wird sich dieser in der Alltagskultur und dem Denken und Fühlen der Menschen verankerte Buddhismus halten können, wenn die Modernisierung das Dolpo erreicht? Ich wünsche dem Tulku sehr und unterstütze ihn dabei, dass es ihm gelingt, seine Vorhaben im Dolpo zu verwirklichen: medizinische Versorgung, Schulen, eine Straße sind absolut wünschenswert und notwendig.

Martin Hoffmann und Dolpo Tulku

Klar ist aber auch, dass mit der Modernisierung, spätestens mit den ersten Fernsehgeräten auch andere Werte Einzug halten werden. Ich denke, Tulku ist das sehr bewusst. Er weist im Film ja darauf hin, dass die Lehren des Buddhismus einen großen Reichtum im Dolpo darstellen, den man nicht verlieren darf. Und man muss das ernst nehmen, wenn er als erstes seiner Ziele die Bestärkung der Mönchsgemeinschaft und den Aufbau einer Schule für buddhistische Lehre im Dolpo nennt. Ob ihm dieser Spagat zwischen der Bewahrung der buddhistischen Kultur, des gelebten Altruismus und den Nebenwirkungen der Modernisierung gelingt, ist eine spannende Frage. Was hat die Reise und die Arbeit mit Dolpo Tulku für Sie persönlich verändert? Die große Ruhe, die Höhe und die körperliche Anstrengung haben allen im Team gut getan. Irgendwann haben wir angefangen, das Leben ohne Mobiltelefon, ohne Internet, ohne Autos zu genießen. Keine überflüssigen Einflüsse mehr, die überflüssigen Stress verursachen: Das ist eine Erfahrung, die über die Drehzeit hinaus Bedeutung hat. Ganz allgemein bleibt eine gewisse Gelassenheit: Welche Relevanz hat unsere Angst vor Bankenkrise oder Schweinegrippe gemessen an dem Alltag der Menschen im Dolpo, die beide Begriffe nicht kennen, aber ihr Leben, das täglich ungleich größere Bedrohungen bereithält, mit einer sehr viel größeren Zufriedenheit und Ruhe leben? Und natürlich bleiben besondere Erlebnisse, die außerhalb des gewöhnlichen Erfahrungsbereichs liegen. Als wir den Kang La, den letzten hohen Pass über 5.000 Meter, erreicht hatten, bin ich auf der Suche nach einer besonderen Kameraeinstellung noch etwas höher gestiegen, bis ich zufällig einen Packen tibetischer Gebetsblätter fand. Ich warf sie gemäß der buddhistischen Tradition in den Wind und wünschte mir dabei Neuschnee und Sonne für den nächsten Tag. In der Nacht fielen 20 Zentimeter Neuschnee, und morgens um fünf sind wir auf einen Gipfel oberhalb Kang La gestiegen, mit Sicht auf unzählige Sechstausender. Es war Monsun und nicht wirklich wolkenfrei – und plötzlich bricht die Sonne heraus und der Dhaulagiri-Gipfel taucht auf, ein überlebensgroßer Anblick. In diesem Moment war ich mir ganz sicher, dass wir dieses unfassbar schöne Bild den in den Wind geworfenen Gebetsblätter zu verdanken haben. Und ich bin es noch.

Gebetsmühle im Kloster Saldang

Dolpo Tulku im Kloster Namgung

Shey Gompa, inneres Dolpo

Namgung

Hirtenjunge, nördlich des Chamchen-Klosters

»Zuerst möchte ich gemäß dem Wunsch von Kyabche Drubwang Rinpoche eine Mönchsgemeinschaft hier im Dolpo aufbauen und eine Schule für buddhistische Logik aller Lehrrichtungen gründen. Diese Region hat noch viele Probleme. Es gibt kein Krankenhaus. Viele Frauen sterben bei der Geburt ihrer Kinder, auch die Kindersterblichkeit ist viel zu hoch. Deshalb brauchen wir dringend ein Krankenhaus. Es gibt keine Straße in der Region, und die Waren, die aus den Städten heraufgebracht werden, werden deshalb von Jahr zu Jahr teurer. Für den Transport brauchen wir eine gute Straße, und ebenso einen Flugplatz. So hat ein kleiner Mann große Pläne. « dolpo tulku

PRODUKTIONSNOTIZEN >> Enno Grabenhorst, Ton Ankündigung des Besuchs von Dolpo Tulku

»In der ganzen Region, in allen Häusern und von allen Menschen, die ich unterwegs treffe, wird mir ein unglaublicher Respekt entgegen gebracht. Ich empfinde es in solchen Momenten nie als selbst-verständlich, dass ich verehrt werde, weil ich ein Tulku bin. Solche Gedanken kommen mir nicht. Vielmehr denke ich dann, dass ich gemessen an ihrer Verehrung doch gar nicht so bedeutend bin, dass ich gar kein so großes Wissen habe, dass ich keine einflussreiche öffentliche Person bin. Und wenn man mir einen solchen außerordentlichen Respekt zeigt, dann frage ich mich, wie ich diese Hoffnungen erfüllen kann. Das geht mir nicht mehr aus dem Kopf.« dolpo tulku

»Jobanfragen für nicht bis zum letzten Cent finanzierte Produktionen sind im Dokumentarfilmbereich leider normal. Beim Projekt Dolpo Tulku habe ich dennoch keine Sekunde gezögert: endlich Himalaya! Für mich als Bergsportler also einerseits die Erfüllung eines alten Wunsches. Andererseits: mein privater Traum stellt sich dann schon in der Produktionsvorbereitung als gewaltige professionelle Herausforderung dar: Kinoqualität in Höhen jenseits der 5.000 Meter zu liefern, völlig auf uns allein gestellt, ohne jeglichen externen Support. Wir bereiteten uns sorgfältig darauf vor, zwei Monate in einer Welt zu arbeiten, in der es keinen Strom, kein Telefon und keinerlei medizinische Versorgung gibt. Nicht vorbereiten konnten wir uns auf ständig neue Überraschungen. Wochen vor der Reise wird der Drehbeginn nach vorne verlegt, denn Tulku will mit seiner Ankunft im Dolpo nicht die Erntearbeiten der Bevölkerung stören. Das bedeutet, dass wir genau in der Regenzeit unterwegs sind. Unsere Stromversorgung mit Solaranlagen wird im Monsun schwierig, vielleicht unmöglich. Die Bergungskostenversicherung der Produktion ist wahrscheinlich überflüssig: bei tiefhängenden Wolken wird ohnehin kein

Hubschrauber in diese Höhe kommen können, um jemanden aus unserem in einigen Phasen fast 30 Personen großen Team zu retten. Dann geht es los, und alles wird, noch diesseits der gewaltigen Bergketten des Himalaya, unberechenbarer und schwieriger – aber am Ende auch schöner und eindrucksvoller. Mein gesamtes Gepäck verschwindet auf dem innerasiatischen Flug von Bangalore nach Kathmandu, für Tage unauffindbar. 20 Minuten vor dem Weiterflug in Richtung Dolpo kommt es plötzlich an, ich bin also doch dabei. Die ersten drei Tage im Dolpo haben wir perfektes Bergwetter auf überschaubaren Tagesetappen. Dann folgt Tulku einer spontanen Einladung in ein auch ihm unbekanntes Kloster, irgendwo „da oben“. Okay, wir arbeiten ja dokumentarisch – die neue Etappe müssen wir im Team nicht diskutieren. Wir lassen unsere gesamte „Infrastruktur“ zurück: Köche, Träger, Maultiere, alle gehen alleine in Richtung des inneren Dolpo, wir wollen am nächsten Tag nachkommen. Nur mit Tagesrucksack, Kamera und Ton überwinden wir 1.500 Höhenmeter, oben dämmert es schon, es ist neblig, kalt und beginnt zu regnen. Zwei aus unserem Team erreichen das Kloster nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Morgens, mittags, abends immer die gleiche Suppe, mal mit, mal ohne Käserinde, ständig Buttertee und der allgegenwärtige beißende Qualm von brennendem Wacholder. Tulku verlängert seinen Aufenthalt, und auch wir blei-

ben länger. Die Gastfreundschaft dieser bettelarmen Menschen ist überwältigend, sie haben Geld gesammelt, um uns zum Abschied nicht nur Käserinden sondern auch jedem im Team ein Geldkuvert zu überreichen. Die große Mehrheit der Haushalte muss in dieser Gegend mit weniger als einem Dollar fürs tägliche Leben auskommen. Überraschungen im Tour- und Drehplan gibt es von nun an nahezu täglich. Die Menschen erwarten so viel von Tulku, dass er ständig mit neuen Planungen darauf reagieren muss. Aber es gibt auch Kontinuität: von nun an regnet es fast jeden Tag. Nach Wochen sind wir schon dankbar, wenn uns der Regen wenigstens beim Zeltaufbau abends verschont. Es erweist sich als essentiell wichtig, außer den Solarpanels noch einen Generator dabei zu haben – die Sonne scheint zu selten, um ausreichend Strom zu gewährleisten. Unsere Entscheidung, HD auf 160 GB-Festplatten zu produzieren, bedeutet, dass wir regelmäßg das gedrehte Material auf 500 GB-Festplatten sichern müssen. Das Verfahren ist neu und nicht wirklich in dieser Umgebung erprobt; ob womöglich Stromschwankungen des Generators oder der jenseits von 5.000 Metern deutlich geringere Luftdruck Schäden an den luftgelagerten Laufwerken verursacht, wissen wir nicht. Eine weitere, völlig ungeplante Herausforderung stellt sich uns nach zwei Wochen: Tulku und sein unterdessen auf 40 Begleiter angewachsener Tross aus Nonnen, Mönchen und Nagkbas erhält am Eingang zum oberen Dolpo Pferde und Yaks zur Verfügung gestellt. Das ist visuell sehr beeindruckend, aber für uns eine mittlere logistische Katastrophe. Von nun an müssen wir zu Fuß und unser Gepäck auf Maultieren, um überhaupt Aufnahmen machen zu können, schneller sein als Tulkus Tross mit Pferden und deren Gepäck auf Yaks. Das alles ist ungeheuer anstrengend – aber auch wahnsinnig schön. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Zuschauer unsere Leidenschaft für die Welt des Tulku entdecken und teilen, für das Dolpo und seinen ursprünglichen Buddhismus – ich hoffe, dass unser Film jenseits der faszinierenden Landschaften und Menschen auch hierin tiefe Einblicke vermitteln kann. Für mich trägt er dazu bei, unser Leben neu zu positionieren. Die Herausforderung, der sich Dolpo Tulku stellen muss, ist nicht unsere. Aber wir können davon lernen.«

>> Daniela Hartmann, Co-Autorin und Regieassistenz »Als mir Dolpo Tulku von seiner Heimat erzählte und die Aufgaben beschrieb, die ihn als junge Reinkarnation erwarteten, wusste ich: Da muss ich

mit. Eine der abgelegensten Regionen der Welt, in der mein Lehrer und Freund nicht mehr ein normaler Mönch war, sondern fast ein Heiliger. Wo Tausende von Menschen auf seine Rückkehr warteten und sich erhofften, dass er als spiritueller Führer nicht nur die buddhistischen Lehren verbreitet, sondern auch Bildung und wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben wird. Aufgaben, auf die er mit großer Sorge blickte. Ich wusste auch, dass ich mit Martin Hoffmann einen Regisseur kannte, der sich sofort für das Thema begeistern würde. So ergab sich ein Film zwischen zwei Welten: einerseits Dolpo Tulku, weitgehend aufgewachsen im modernen Indien, und das Filmteam aus Deutschland – und im Gegensatz dazu: das archaische Dolpo, das von einem anderen Planeten zu stammen scheint.«

Martin Hoffmann, Enno Grabenhorst, Thomas Henkel

Dolpo Tulku, Yoga-Übung

>> Thomas Henkel, Kamera »Ich bin kein Buddhist. Ich bin auch kein Bergsteiger. Eine Reise über die höchsten Pässe der Welt zurück ins 15. Jahrhundert. Noch nie habe ich mich auf einen Dreh so intensiv vorbereitet, wie auf diese Produktion in das Himalaya. Acht Monate vor Abflug beginne ich mit dem Lauftraining, um meine Kondition zu verbessern. Ich recherchiere im Internet. Auf der deutschen Seite von Wikipedia gibt es keinen Eintrag zum Stichwort „Dolpo“:“Wenn du dich mit dem Thema auskennst, kannst du selbst den Artikel verfassen ...“ Ich informiere mich über die Geschichte Tibets, klimatische Bedingungen, lerne über die Gefahren der Höhenkrankheit, drucke Fotos von Blauschafen und Pfeifhasen aus, stelle Equipmentlisten zusammen. Die Vorbereitungszeit gibt mir Kraft und Zuversicht. Ich weiß noch nicht, dass wir an unsere Grenzen gehen werden und darüber hinaus. Dolpo Tulku lässt uns wissen, dass die Sterne günstig stehen. „Wer seinen eigenen Weg geht, dem wachsen Flügel“. Es gibt zwei Dinge, zu denen ich mich jetzt hingezogen fühle: Buddhismus und Bergsteigen.«

Traditioneller Silberschmuck im oberen Dolpo

Kinder der Schule in Saldang

»Heute ist Tibet sehr weit entwickelt, das Dolpo erhält von dort Weizen, Reis und vieles andere. Alles kommt aus Tibet. Ich finde es gut, dass wir zu Nepal gehören, weil Nepal ein demokratisches Land ist. Aber ich habe einen Wunsch. Es gibt in Nepal die englische Sprache, die nepalesische und die tibetische. Es gibt drei Sprachen. Aber Tibetisch hat keinen offiziellen Status im nepalesischen Staat. Wer in Tibetisch ausgebildet worden ist und studiert hat, bekommt von der nepalesischen Regierung keine Arbeit als Lehrer oder in einer anderen guten Position. Deshalb habe ich den großen Wunsch, dass sich die nepalesische Regierung in diesem Punkt anders verhält. Meine große Hoffnung ist auch, dass alle Rechte, die die nepalesische Regierung gibt, auch im Dolpo gelten werden.« dolpo tulku

DOLPO TULKU

Heimkehr in den Himalaya Mit Dolpo Tulku Sherap Sangpo Rinpoche Khenpo Pema Dorje Lobpön Urgyen Wangdrak Lobpön Tsewang Rangdrol Thubten Namgyal Gyurme Dorje Jigme Lodrö Pema Thrinle Urgyen Chöpel Sönam Gyaltsen Tsering Lhakyab Chime Tsewang Tsering Tashi Tsewang Gyaltsen Sangye Drölma Pema Drölma Lhakpa Drölma Tsering Peldzom Lhamo Tsering Dechen Sangmo Tsering Chödzom Mingyur Sangmo Tsering Ngachog Tsering Lhamo Sherab Lhamo Changchub Drölma Ngawang Chöpel Chökyi Wangmo Thubten Gyatso Lhadro Yödrön Lhamo Karma Sangmo Pema Tsewang Kabita Mukhia

Sönam Palden Tsering Lhamo Sönam Thapa Phurba Lündrup Gyurme Gurung Tsering Gurung Nyima Lündrup Lama Tenzin Choegyal Rinpoche Urgyen Tsering Nyima Lhamo Urgyen Jigme Pema Kunsang Trime Rigzin Pema Wangyal Nyima Drolma Crew Regie Martin Hoffmann Kamera Thomas Henkel Montage Axel Ludewig, John Toft Ton Enno Grabenhorst Herstellungsleitung Karola Klatt Musik Hans Christian Oelert Buch Daniela Hartmann, Martin Hoffmann Regieassistenz Daniela Hartmann Produktionsassistenz Nicole Graaf Mischung Jörg Höhne Tondesign Dietrich Körner Übersetzungen Daniela Hartmann Produktionsberatung Jörg Langer Expeditionsleitung Götz Wiegand Assistenz Sabine Langer Dreh und Trekkinggenehmigungen Ngim D. Sherpa Trekking Lower Dolpo Koordination Shere Sherpa Trekking Upper Dolpo Koordination Daila Sherpa

Küchenchef Rup Lama Tamang, Tirta Rai Küchenassistenz Kali Bahadur Budha Toki, Harka Bahadur K.C. Kamera- und Equipmenträger Sangye Trinle Lama Tamang, Motilal K.C. Expeditionsträger Shree Dhan Tamang, Dawa Sherpa, Kancha Sherpa Dhane Budha, Chhitra Bahadur, Kali Bahadur Budha Toki, Harka Bahadur K.C., Mohan Mohara, Danbahadur Dagi, Tsering Namgyal Maultiertreiber Chamali Budha, Birke Budha, Diraj Budha Produktionsfahrer Gyamtso [Indien], Uday Shanka H.T [Indien], Gendum Gyamtso [Kathmandu]

Medizinische Beratung Dr. Andreas Laipple Lektorat Natascha Gikas Rechtsberatung Alexander Pestel Produktionspresse … Regine Baschny Eine Produktion von mc media production Film und Fernsehproduktions GmbH Produktion gefördert von Medienboard Berlin Brandenburg Im Verleih der Piffl Medien Verleih gefördert von Medienboard Berlin-Brandenburg D 2009, 101 min (25fps), HD © mc media production 2009

Musikaufnahme Jens Tröndle [Berlin], Enno Grabenhorst [Dolpo] Musiker Hans Christian Oelert, Dundup, Tsering Drölkar, Phurba Lama, Palsang Lhamo, Tsering Yoedroen, Dawa Sangmo, Tsering Sonam, Tsultrim Oeser, Tsering Drolma, Drolma Kyidzom, Lhakpa Drolma, Tashi Choedroen Postproduktionsberatung Howard Harrington Postproduktionsassistenz Felix Zimmermann Datenrettung Thomas Habers HD Beratung Marcel Riedel, Martin Schauderna Untertitel Martin Bärtsch, Felix Zimmermann Farbkorrektur Stefan Engelkamp Produktionsbuchhaltung Frank Ulrich

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