Herausgegeben von der Gemeinnützigen - Zuger Neujahrsblatt

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Goldenes Buch 32 Uebertrag Fr. 15,600.— Bürgergemeinde: Von Franz Iten sei., Baumgärtli, für den Armenfond Fr. 200 — Von Ungenannt für das Krankenha...

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Goldenes Buch

32

Uebertrag Fr. 15,600.— Bürgergemeinde: Von Franz Iten sei., Baumgärtli, für den Armenfond Fr. 200 — Von Ungenannt für das Krankenhaus im Aegerital „ 500.— Von Spinnereien Aegeri für das Krankenhaus im Aegerital „ 20,000.—•

Menzingen. Kirchgemeinde: Von Frau Witwe Wyss- Hegglin, Lehrers, für die Pfarrkirche Fr. Von Fräulein Kath. Staub, Bachmühle, für die Pfarrkirche „

500.— 200.—

Baar. Kirchgemeinde: Von Fräulein Maria Gügler sei. für den Kirchenfond Fr. 900.— Von verschiedenen Wohltätern an die Renovation der Pfarrkirche und an die Erstellung einer neuen Orgel „ 32,030.—

Risch. Bürgergemeinde: Von Fräulein Marie Gügler sei. für Fr. die Pfarrkirche

450 —

Walchwil. Kirchgemeinde: Von Ungenannt für den Orgelfond Fr. 200.— Total Fr. 70,580.—

Vergabungen zu Gunsten der zugerischen Kinderheilstätte: Von Ungenannt, üblicher Beitrag Fr. Von der Gemeinnützigen Gesellschaft » Von der Bank in Zug Total Fr.

500.— 400.— 905 —

Vergabungen zu Gunsten des Sanatoriums „Adelheid", Unterägeri. Von der Frauenliga des Kantons Zug Yon der h. Regierung des Kantons Zug Von Ungenannt Von der Bank in Zug Von der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug Von Herrn F. Winteler in Zug Von Erben Zimmermann-Acklin, Zug Von der tit. Metallwarenfabrik Zug do. II. Rate Freibett Von tit. Landis & Gyr A.-G., Zug do. I. Rate Freibett Von tit. Nestle & Anglo-Swiss Condensed Milk Co. Cham Von Herrn Direktor W. C. Escher in Zürich Von der Frauen-Liga des Kantons . Zug für die Tuberkulosenfürsorge Von der Gemeinnützigen Gesellschaft für die Tuberkulosenfürsorge Total

Fr. 3,000.— „ 2,000.— „ 6,000.— „ 100.— „ „ „ „ „ „ „

1,000.— 100.— 500.— 1,000.— 5,000.— 2,000.— 8,000.—



2,000 —



1,000.—



1,000.—

„ 1,000.— Fr. 33,700.—

ZUGER NEUJAHRSBLATT Herausgegeben von der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug für das Jahr

1920

Vergabungen zu Gunsten des Asyls Cham. Von der Nestle" & Anglo-Swiss Condensed Milk Co. Cham Fr. 500.— Von Herrn Jean Gretener, Bulle „ 500.— Ungenannt (Beiträge von Verschiedenen) „ 443.40 Total Fr. 1,443.40

SELBSTVERLAG DER GEMEINNÜTZIGEN GESELLSCHAFT VERKAUF: PAPETERIE ALB. LANDIS, VORSTADT, ZUG

DAS SANATORIUM ADELHEID BEI UNTERÄGERI

ZUGER NEUJAHRSBLATT 1O2O

Ansicht aus Südwesten, von der Zufahrtsstrasse her

Herausgegeben von der

Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug

Gesamtbild aus Nordwest

ZUG Buchdruckerei J. Kalt zum Posthof 1919

Peter II. Sclmiid, Abt von Wettin#en, 1559—1633. Ein Lebensbild aus der Zeit der Gegenreformation. Von Dr. ALOIS MÜLLER, Pfarrer.

IV. Das innere Leben im Kloster zur Zeit Peter II. — Bildung und Wissenschaft. — Inkorporierte Frauenklöster. — Gastfreundschaft. — Gesinnung des Abtes. — Die Liebe zur Heimat. Der Ort, der die Heimstätte der Cisterzienser sein sollte, war nach den Ideen ihres grossen Heiligen, des „göttlichen" Bernardus, eine Stätte der Abgeschiedenheit, am liebsten ein einsames Tal von Wäldern umfriedet. Der grosse Heilige des Ordens wollte, dass mit ihm seine Brüder, gleichsam der Welt entrückt, keine andere Gedanken pflegen ausser an Gott und die seligste Jungfrau. Vollkommene Hingabe an Gott und Maria in Gesang und Chorgebet war nach dessen Idee das erhabene Lebensziel des Cisterziensers. Eine bewunderungswürdige Liebe zu Jesus erfüllte den hl. Beinard, die sich in die Dichterworte fassen lässt: Lieber arm, als ohne Jesu Reich an Pracht und Herrlichkeit; Lieber krank, als fern vom Heiland Frisch die ganze Lebenszeit; Ja, viel lieber ungeboren, Als von diesem Freund getrennt; Eine Welt bei ihm verloren Ist Gewinn, wenn man ihn kennt/'')

Diese Liebe kommt auch in den traditionellen Erzählungen des Ordens zum Ausdruck: Es habe der Herr seine Hände von den Nägeln des Kreuzes gelöst und den Heiligen im Gebete in seine Arme geschlossen, und Maria habe ihren Sohn mit einer besondern Süssigkeit der Sprache geziert, an der ja Bernardus tatsächlich überströmte. Der Ort des Klosters Wettingen war aller Wahrscheinlichkeit nach früher eine einsame Stätte, nach der Klostertradition mehr eine Wildnis, daran die schäumende Limmat ihre Wellen trieb, also geeignet für ein Heim der Cisterzienser, das nach ihrer Satzung unbedingt mit einer Mühle und verschiedenen Werkstätten versehen werden musste. Aber der Zeitenlauf änderte vieles. Seit unbekannter Zeit war eine Strasse mitten durch den Klostergarten gegen die Limmatfähre entstanden, begünstigt durch den Zerfall der Kloster") Vergl. hierüber Ries Dr. Joseph: Das geistliche Leben in seinen Entwicklungsstufen nach der Lehre des hl. Bernard; Freiburg i. Br. 1906.

(Fortsetzung and Schluss)

mauern. Es war dieses ein Uebelstand für das äussere und noch mehr für das innere Gedeihen des Klosters, denn dadurch war das Treiben und Markten der Welt auf der vielbegangenen und stark befahrenen Strasse in die Klosterräume getrieben. Abt Peter bemühte sich die Strasse zu verlegen und die Klostermauer wieder zu schliessen. Er gelangte im Jahre 1599 mit einem Begehren an die Schirmorte/1") welche das Gesuch in den Abschied nahmen und jedenfalls auch bewilligten. Denn alsbald beginnt Abt Peter die zerfallenen Klostermauern zu erbauen. Durch Sprengung eines Felsens auf der östlichen Seite des Klosters gelingt ihm auch die etwas schwierige Verlegung der Strasse zur Limmatfähre ausserhalb der Klostermauern und die Wiederherstellung der Klausur. So konnte sich auch das innere Leben im Kloster wieder entwickeln, und Abt Peter verstand es, den herrlichen Geist seines Ordens, der im Lobe Gottes und Aforiae besteht, zu erneuern. Es legen hiefür die Visitationsakten und noch mehr eine noch erhaltene Tagesordnung™) des Klosters aus der Zeit Abt Peters Zeugnis ab. Es ist ein Aktenstück vom 28. Juni 1624, dem wir folgendes entnehmen: In der Mitternacht werden die Vigilien oder Metten gehalten und zwar das ganze Jahr, welcher Gebrauch bei den Cisterziensern seit ältester Zeit vorhanden war und ihnen so viele Wohltäter günstig gemacht hatte, zur Zeit der Reformation aber gänzlich abgeschafft und erst unter Peter Schmid wieder eingeführt wurde. Die Vigilien waren für die Mönche eine sehr strenge Einrichtung, zumal der Einzelne wöchentlich nur einmal gänzliche Nachtruhe pflegen durfte. Strenge geregelt war auch die Tagesordnung. Nach den nächtlichen Metten begab sich der Mönch wieder in seine Zelle, zur sog. zweiten Nachtruhe, bis in der Frühe des Morgens die Glocke um '/•- 6 Uhr ihn zum Tageswerke des Herrn rief. Um 6 Uhr beginnt die tägliche halbstündliche Betrachtung, dann die Prim oder für r 2

- ) Eidgen. Abschiede 5. Bd. 1. Abteil. S. 1463. "") Siehe Archiv Karlsruhe, Akten Salem, Fase. 2660. „Dispositio diei pro Maristellano monasterio instituta die qua infra subnotatum est".

Peter II. Schmid einige andere Mönche die hl. Messe. In der Prim wurde besonders der Verstorbenen des Klosters und der Wohltäter mit Namen gedacht beim „Pretiosa". Dann folgte das Kapitel mit seinen Lesungen und Exhorten. Nach demselben begaben sich die Mönche in die Zellen oder an einen geeigneten Ort zu weitern geistlichen Uebungen, um nach dieser Zeit wieder dem Zeichen der Glocke zu folgen; denn jetzt kommen wieder alle im herrlichen Chorgestühl zusammen zum Singen der Terz, zur Anhörung und Feier des Konventamtes oder zu dessen Mitwirkung, um gleich darauf die kleinern Stundengebete mit der Sext und an Fasttagen auch mit der Non zu vollenden. Indessen ist es 10 und 11 Uhr geworden; der anstrengende Chordienst macht auch die zeitlichen Bedürfnisse desMönches notwendig. Unterstrengem Stillschweigen begibt man sich ins Refektorium zum bescheidenen Mittagsmahl, währenddem geistliche Lesungen gehalten werden von einem kunstreichen Pulte aus, das Peter II. verfertigen liess und uns noch erhalten ist. Noch ist dieser Tagesordnung beigefügt, dass die Schüler des Klosters d. h. die Novizen im Studium von der Terz ab wegen der Schule von den Pflichten im Chor dispensiert sind und dass jene Mönche, welche an den göttlichen Offiziell nicht teilnehmen können, dem Gebete, dem Studium oder frommen Uebungen unter strengem Stillschweigen obliegen sollen. Nach dem Mittagessen ist für die Mönche eine Stunde Erholung, an Sonntagen auch bis Y'-'3 Uhr, da bescheidene religiöse oder scholastische Unterhaltung, an Sonn- und Feiertagen auch ehrbares Spiel, Musik oder Gesang, an Werktagen Arbeiten im Garten, wo jeder Mönch ein besonderes Plätzchen hat, erlaubt sind. Wieder ertönt das Zeichen der Glocke; da ziehen sich die Mönche in ihre Zellen zurück, wo sie frommen Uebungen und dem Studium obliegen. Die Jüngern begeben sich zur Schule, die Priester ins Auditorium, wo Gewissensfälle oder Moralphilosophie betrieben wird. Auch ein Spaziergang auf die Felder des Klosters ist für Dienstag und Donnerstag vorgesehen. Man geht zu Zwei, der Senior voraus; auch für die Jüngern wurde später ein zweiter Spaziergang gestattet Um 3 Uhr folgt die Vesper, um 5 Uhr das gemeinsame Nachtessen, worauf wieder bescheidene Rekreation, Gebete und Betrachtung mit Erforschung des Gewissens folgen, um ziemlich früh die Nachtruhe zu finden, damit den Mönchen die Teilnahme an den Vigilien in der Mitternacht ermöglicht

werde. Die Tagesordnung schliesst mit dem schönen Wunsche: Et sie transeamus per bona temporalia, ut non amittamus seterna; lasset uns in dieser Weise durch die zeitlichen Güter schreiten, auf dass wir die ewigen nicht verlieren. Das war ein Tag Klosterleben zur Zeit Abt Peter II. in Marisstella. Der Tag sollte seine Abwechslung haben; über alles geht der Dienst Gottes am Altare, im Chorgesang und Chorgebet. Abt Peter verlegte darin gerade die Hauptsache in seinem Kloster in richtiger Auffassung eines Cisterziensers. Daraufhin zielten auch seine Bemühungen um würdige Ausstattung der Klosterkirche mit Stukkaturen, Chorgestühl und neuer Orgel, der Bau einer neuen Sakristei für die schönen Paramente, die Erweiterung der Seitenkapellen zur grössern Entfaltung der Prozessionen, die nach Satzung des Ordens nur in den Räumen des Klosters gehalten werden sollen. Diese Seitenkapelle schloss er ab mit halbrunden Absiden, um in denselben die Altäre anzubringen. Den Altar der hl. Viktor und Genossen, der die Reliquien dieser Heiligen bewahrte und ein besonderer Gegenstand der Verehrung des Volkes war, liess Peter aus der St. Nikolauskapelle in die Vorhalle der Kirche versetzen, damit das betende Volk die Klausur des Klosters nicht verletze, was den Mann kennzeichnet, der in allem auf pünktliche Beachtung der Ordenssatzungen drang. Als Abt soll Peter die Chorgebete in seinen jüngeren Jahren fleissig besucht haben, während er in seinem hohen Alter von denselben begreiflicherweise sich mehr und mehr fern halten musste. So mutet uns Alles an, es habe Abt Peter sein ganzes Streben dahin gerichtet, den Geist des hl. Bernhard in seinem Stifte zu erneuern, den Geist des Dienstes Gottes und Mariae wie er einst zur Zeit der Blüte des Ordens vorhanden war, und er habe sein Ziel durch seine grosse Beständigkeit auch erreicht. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir in jener Zeit stehen, da die kirchliche Reform an Klerus und Volk zwar nicht mehr begonnen, aber doch in der Hauptsache durchgeführt und glücklich vollendet werden musste, in einer Zeit, da viele Aergernisse, durch den losen Freiheitsdusel eines vergangenen Jahrhunderts hervorgerufen, gutgemacht werden mussten. Es galt, aus Erz das schöne Gold zu formen, das Gold der Herzen, das allzu sehr in Vergessenheit geraten war, als dass es ohne Widerstreben sich in die schöne Form gefunden hätte. Deshalb müssen wir uns

Peter II. Schmid nicht wundern, wenn gerade Abt Peter II. in seinem Streben nach innerer Reform grosse Hindernisse gefunden hat, zumal er in der Heftigkeit seines Wesens den Hammer, seines Wappens Zeichen, zu schwingen nicht gescheut hat. Solche Hindernisse kamen teils von ausserhalb des Klosters, von den Aebten von Salem und Lützel, die es ihm nicht übersehen wollten, dass er sich von dem Verbände der oberdeutschen Ordensprovinz loslösen wollte, um eine schweizerische Provinz zu gründen, wofür sich Peter beim General und bei den Schirmorten die Erlaubnis eingeholt hatte. Es kam zu Auftritten bei Anlass der Visitationen im Kloster durch den Provinzvisitator Laurentius l'Orillard, Abt von Lützel, der allzu stark gegen Abt Peter Stellung nahm und ihn sogar vor seinem Konvente blosstellte/'4) und der hauptsächlich tätig war, um die Bildung einer schweizerischen Ordensprovinz zu vereiteln.65) Peter widersetzte sich den Verfügungen des Visitators mit der Begründung, dass die schweizerischen Klöster des CisterzienserOrdens nicht eine dergestaltete Verwaltung vertragen, wie der Visitator sie angeordnet hatte. Aber auch der Konvent von Wettingen, der schon seit dem Jahre 1616 mit einigen teils berechtigten, teils kleinlichen Forderungen gegen den Abt aufgetreten war, verliess seinen frühern Standpunkt, nahm Stellung gegen seinen Abt zu Gunsten des Visitators und benutzte den Anlass, seine Klagen vorzutragen, in welchen er vom Visitator in jeder Beziehung geschützt wurde. Als Abt Peter vom General des Ordens, der ihn schätzte und von den katholischen Orten, die sein Verwaltungstalent zu würdigen wussten, geschützt wurde, scheuten Konvent und Visitatoren nicht, eine Gesandtschaft in der Person des P. Benedikt Staub von Salem an den Nuntius in Luzern (Ciriacus Rocci, Bischof von Patras 1628—1630) zu senden, somit eine für den Orden inkompetente Instanz anzurufen. Der M

) Vergl. hierüber Archiv Karlsruhe, Akten Salem, Fase. 2660, Schreiben vom 20 Januar 1629 des Abtes Peter Schmid an den Abt von Salem und das Schreiben vom 9. Januar 1629 des Abtes von Lützel an den Abt von Salem. ") Siehe hierüber sein Schreiben an den Abt von St. Urban vom 23. April 1631 in Acta, tom. XI p. 113—115, Staatsarchiv Luzern, er schreibt: Creterum intellexi ab eodem Adm. Rt|l) Dno Abbate (i. e. de Altaripa) quomodo dominus Maristellanus (i. e. Petrus Schmid) conatus sit ipsum et adm. Rdam ptrem y\r;m \n s t l a s partes attrahere, ed ad fabricandam novam provinciam incitare, cui vos ambo merito restitistis; lippis enim et tonsoribus notum est, quid versipellis senex qmerat, sed timeo, ne tandem aliquando fraudulentjs machinationes reeidant in caput eius auf seinen alten Peterskopf.

Nuntius nahm die Angelegenheit in Wettingen nicht ungern an die Hand und stellte dort eine fünftägige strenge Visitation an.50) Es ist uns kaum mehr möglich ein hinlängliches Urteil darüber zu bilden, ob alle Anklagepunkte, die der Konvent und die Visitatoren vorbrachten, der Wahrheit entsprechend waren. Die Punkte, welche dem Nuntius als besonders wichtig erschienen, waren folgende: 1. dass der Abt gegen die Bestimmungen der geistlichen Obern und Visitatoren bei den weltlichen Schirmherren Schutz suche und an diese appelliere und die Rechnung ablege; 2. dass er den Mönchen die notwendigen Kleider vorenthalte. Zu diesen Punkten kamen noch viele, welche der Konvent vorbrachte. Jedenfalls war die Anklage wegen der Rechnungsablage des Klosters an die weltlichen Schirmorte kaum berechtigt, denn wir wissen ja, wie Abt Peter gegen dieselbe sich gesträubt hatte und wie er mehrere Jahre mit der Bitte an die Schirmorte gelangte, ihm diese zu erlassen. Auch geschah dem Abte durch die Herbeirufung des Nuntius und vielfach durch die harte Weise der Visitation nicht unbedeutendes Unrecht, zumal auch gegen die Verwaltung der Temporalien, die doch so vorzüglich geführt wurde, Klagen vorgebracht wurden; der Nuntius gegen die alten Orden im Allgemeinen, sowie gegen Peter wegen seiner ablehnenden Haltung zur oberdeutschen Ordensprovinz abgeneigt war.") Zu einer Absetzung kam es zwar nicht, auch nicht zu einem Entzug der geistlichen und weltlichen Verwaltung, wohl aber musste sich Peter bequemen, die Verordnungen der Visitationsakten und die Bestellung der Offizialen des Klosters durch den Visitator von Lützel anzuerkennen. Aber immerhin trübte das Verhältnis zu seinem Konvent '"') Siehe den Bericht hierüber im Archiv Karlsruhe, Akten Salem, Fase. 2660, Brief des Prior Joachiam Müller von Salem, vom 30. März 1630. •") P. Joachim Müller, Prior von Salem — der als Sekretär der Visitation amtete — schreibt im Bericht an seinen Abt: Nuntius apostolikus ist gar geneigt gewesen ad depositionem abbatis, hat ihn auch zuo verschiedenen mahlen gar rauh angefahren vnd stark gefilzet, es hat sich aber der herr Pralat also gegen ihn eingestellt, vnd soviel versprochen, das er ihn auff dissmahl noch bei der Abbtei lassen verbleiben, doch aber ernstlich getrauet, im fall er das wenigstens in der Charta visitatoria übertreten werde, er ihn alsbald absetzen vnd nicht gedulden welle, das ihm dergleichen despect vnd vngehorsam wie vorigen visitatoribus ordinis von ihren Pralaten erwisen werden. Siehe Brief vom 30. März 1630 im Archiv Karlsruhe, Akten Salem, Fase. 2660.

Peter II. Schmid seinen Lebensabend und legte seine vielseitige Arbeitskraft und Arbeitslust brach. Gegen die Herbeirufung des Nuntius ins Kloster wandte sich der General des Ordens mit Schreiben vom 19. April 1630 an Abt und Konvent von Wettingen, worin er den Konvent zum schuldigen Gehorsam und Ehrfurcht gegen seinen Abt ermahnt und sein Vorgehen in der Appellation an den Nuntius als ein Präjudiz gegen die Satzungen des Ordens bezeichnet.'"*) In allen diesen Schwierigkeiten tröstete Abt Peter das Bewusstsein, dass sein rechtmässiger Obere, der Ordensgeneral, seine Verdienste um das Kloster schätzte und ihn deshalb schützte. Wie aus einem Schreiben vom 31. Juli 1629 hervorgeht, ermahnte der General Abt Peter, zwar im Verbände der Ordensprovinz zu verbleiben, bestätigte aber das freie Verfügungsrecht des Abtes gegen die Anordnungen des Visitators. Auch die Schirmorte bestrebten sich, das gute Verhältnis zwischen Abt und Konvent wieder herzustellen und beschlossen, drei Abgeordnete nach Wettingen zu senden, welche sich bemühen sollten, die Anstände zu beseitigen. Diese Gesandschaft traf den 22. März 1629 im Kloster ein, bestehend aus Landvogt Ludw. Meyer des Rats der Stadt Luzern, Landammann Frischherz von Schwyz, Statthalter Bäuck (sollte wohl Bengg heissen — Der Verfasser) aus Zug und Hauptmann Meyenberg von Haar. Auch die Schinnorte stellten sich zwar auf Seite des Abtes, wandten sich aber aller Ende an den Ordensgeneral zur Vermittlung/1'') Das Antwortschreiben des Generals (Petrus Nivellius) ist uns erhalten und datiert vom 2. März 1630. Das Begehren Peters und der schweizerischen Magnaten war ein dreifaches: dass der Abt von Wettingen die Offizialen in seinem Kloster ein- und absetzen könne, dass die Klöster der Schweiz. Kantone sich zu einer besondern Ordensprovinz vereinigen, dass der Abt von Lützel sich einer ferneren Visitation in Wettingen enthalte. In allen Punkten entsprach der General den Wünschen Peters, billigte die Errichtung einer Schweiz. Ordensprovinz mit besonderem Visitator und für diesen Fall auch die Exemption vom bisherigen Visitator.'1") hs

) ebenda, Akten Salem, Fase. 2660. ) Eidg. Abschiede Bd. 5, Abteil. 2, S. 1684, No. 128— 130 und Archiv Karlsruhe, Akten Salem, Fase. 2660: Relatio was sich den 22. marty zwüschen herren schweizerischen gesandten vnd dem gemeinen convent zu Wettingen zugetragen. l>0 ) Die Kopie dieses Schreibens befindet sich in Fase. 2660 der Akten Salem, Archiv Karlsruhe. P. Dominicus M

So endete diese Angelegenheit zu Gunsten des hochverdienten Abtes, wenn er auch die Gründung einer Schweiz. Provinz nicht erreichen konnte, denn die beiden andern Cisterzienserstifte verhielten sich ablehnend. Nicht uninteressant ist das Urteil, das ein früherer Nuntius, Johann Graf della Torre, Bischof von Veglia (1595—1606), in seinem Visitationsbericht aus dem Jahre 1597 über Wettingen schrieb: Wettingen ist ein sehr geregeltes und gut geleitetes Kloster (molto ben regolato e governato).'11) Einzelne Klagen, die der Konvent wohl mit Recht geltend machte, mögen allerdings auf die Rechnung der strammen Ordnung und Disziplin des Abtes, der an ein Nachgeben nicht gewohnt war, zurückzuführen sein. Aber wir würden Abt Peter II. Unrecht tun, wollten wir in ihm nicht auch einen Zug jener väterlichen Liebe erkennen, die der Vorsteher einer klösterlichen Gemeinschaft besitzen soll und die ihm bei seiner Wahl und durch die Ordenssatzungen so sehr ans Herz gelegt wird. Diesen schönen Zug beweisen uns mehrere geschichtliche Tatsachen. Die Hochachtung gegen seine jungen Konventualen kommt besonders zum Ausdruck in den Dimissorien oder Empfehlungsschreiben an den Bischof von Konstanz bei Anlass der hl. Weihen. Ein väterlicher Ton erklingt z. B. aus einem solchen für Christof Bachmann,02) in welchem Abt Peter hervorhebt, wie dieser junge Konventual gar ängstlich sei und beiden Ansprachen der Obern mit dem Kopfe aus grosser Furcht zittere, wie aber der Jüngling in seinem Lebens- und Sittenwandel im Stifte sich sehr ausgezeichnet habe. Auch gegen Fehlende und Irrende waltete die Güte und Milde des Abtes. Leider treten mitunter auch solche ins Kloster, welche besser diesen wichtigen Schritt nie getan hätten. Ein solcher Mann war zur Regierungszeit Peters P. Edmund Fisler von Baden. Als Jüngling hatte er zu grossen HoffWilli schreibt über diese Angelegenheit: „Wir können uns die Bemerkung nicht unterdrücken, dass, wie es fast immerzu geschehen pflegt, dem Abte Peter jetzt von Seifen seines Konvents dasselbe wiederfuhr, was er selbst vor mehr als 35 Jahren seinem Amtsvorgänger angetan hatte, als er mit der ganzen ungestümen Energie seines Wesens die kath. Orte und den Generalabt zum Einschreiten gegen seinen allerdings unfähigen Abt aufforderte. In quo quis peceaverit, in hoc punietur". Cist.-Chronik, 14. Jahrgang, S. 110. '") Vergl. J. G. Mayer, das Konzil von Trient und die Gegenreformation in der Schweiz, 1. Bd., S. 337. ll! ) P. Christoph Bachmann wurde der unmittelbare Nachfolger Peter Schmid's auf dem äbtlichen Stuhle von Wettingen (1633—1641). Er starb im Rufe der Heiligkeit. Vergl. P. Dom. Willi: Album Wettingense, 2. Aufl. 1904, S. 90.

Peter II. Schmid nungen berechtigt. Abt Peter stellte ihm bei Anlass der hl. Weihen das Zeugnis aus: Er habe sich nicht nur durch die Unbescholtenheit des Lebens und der Sitten, sondern auch durch glückliche Fortschritte in der Wissenschaft ausgezeichnet. Aber Fisler entsprach den auf ihn gesetzten Hoffnungen keineswegs, im Gegenteil gab er dem Abt und Konvent Anlass zu grossem Kummer. Gegen Unterbringung des gefährlichen Mannes in ein anderes Kloster empörte sich das Ehrgefühl des Abtes, der da meinte, dass sein Kloster wohl schon Schiffbrüchige aus andern Klöstern aufgenommen, aber niemals diesen Liebesdienst für seine eigenen Konventualen in Anspruch genommen habe. Am 3. Mai 1627 verliess Fisler heimlich das Kloster, um einer schweren Anklage und Strafe zu entgehen, kehrte aber bald anscheinend reumütig zurück und wurde von Abt Peter in Milde wieder aufgenommen, der ihn im Uebermass der Güte sogar zum Beichtiger machte. Aber Fislers Unbeständigkeit war zu gross, er entwich zum zweiten Male. Leider gelang eine zweite Aussöhnung mit Peters Nachfolger nicht mehr.03) Noch in einer anderen Beziehung zeigte sich neben der disziplinaren Strenge die väterliche Sorge des Abtes. Um kranken, alten und erholungsbedürftigen Konventualen ein ruhiges Heim zu verschaffen, kaufte er das idyllisch gelegene Gut Walterswil in seiner Heimatgemeinde Baar, das ganz früher auch ein Besitztum der Cisterzienser von Kappel gewesen, später ein Erblehen der Schmiden von Baar wurde. Schon im 16. Jahrhundert war Walterswil eine Badanstalt, dessen Badwasser nach Dr. Jon. Jak. Scheuchzer's Beschreibung der Naturgeschichten des Schweizerlandes vom Jahre 1706 das Heilmittel bildete zur Erweichung der Hautöffnungen, zur Verdünnung des Blutes, gegen Fettleibigkeit, Leberverhärtung, Skropheln, Geschwulsten, Krämpfe, Gliederschmerzen u. a. m. Hier fanden dann die Mönche von Wettingen beinahe ein und einhalb Jahrhundert bis 1750, da die vorbehaltenen Zugrechte der Bürger wegen Pachtstreitigkeiten geltend gemacht wurden, ein trautes Ruheplätzchen für die Tage des Alters und der Genesung. Auch Privaten war das Bad geöffnet und es scheint, dass Walterswil eine Zeit lang ein besuchter Kurort gewesen ist, denn im Jahre 1692 baute Wettingen in Walterswil "•) Briefe von P Edmund Fisler befinden sich im Archiv Karlsruhe, Akten Salem, Fase. 2660. Vergl hierüber auch Album Wettingense, S. 87 f., ebenda das schöne Zeugnis Abt Peter's über P. Johann Stiffel in der Anm.

das grosse, jetzt noch erhaltene HausM) und den 22. Dezember 1744 erlaubt der Nuntius Philippus Acciajnoli im Hause zu Walterswil ein altare portatile zu errichten, damit auch die im Bade anwesenden kranken Gäste eine hl. Messe hören können."1) Daneben bildete Walterswil mit den von Abt Peter Schmid zugekauften Höfen auf Neuheimer- und Baarerboden einen grossen Landwirtschaftsbetrieb, der für das Kloster von Bedeutung war."0) Abt Peter Schmid verdient in einer Beziehung ganz besondere Erwähnung, im Streben seinen untergebenen Konventualen ein gründliches philosophisches und theologisches Wissen zu verschaffen. Zu diesem Zwecke errichtete er 1624 im eigenen Kloster eine Philosophie- und Theologieschule, deren erster Professor der in diesen Disziplinen hervorragende P. Nikolaus von Flüe wurde."7) Begabtere junge Konventualen sandte Abt Peter auf verschiedene ausgezeichnete Hochschulen und er scheute dafür keine Auslagen. Von den ca. 25 Patres, die zur Regierungszeit Peters in Wettingen eintraten, erhielten durch die Gunst des Abtes nachweisbar 11 junge Mönche weitere philosophische und theologische Ausbildung. Es sind das folgende: In Paris an der Sorbonne und am Kollegium St. Bernardi: P.Jakob Winterberg von Pfaffnau, Kt. Luzern, mehrere Jahre; P. Melchior Schmid von Baar, Kt. Zug, Bruderssohn des Abtes, 7 Jahre; P. Johann Konrad Vogler von Engen, Baden, 5 Jahre. In Dillingen, das damals in höchster Blüte stand und die höchste Frequenz aufwies: P. Bernard Müller von Zug, 4 Jahre; P. Benedikt Hoppler von Langenhart, 3 Jahre; P. Edmund Fisler 01

) Der Bauvertrag zwischen P. Franz Baumgartner, Prior, P. Leodegar Gilli, P. ßernard Surri und Nikolaus Mändli im Auftrag des Abtes und Konventes von Wettingen und dem Meister Johannes Moosbrugger, dem Uebernehmer, ist im Archiv Aarau, Abteil. Wettingen noch vorhanden und datiert vom 17. Juni 1692. Repert. 162 R. R. "•'') Vergl Archiv Aarau, Abteil. Wettingen, Repert. 133 R R. u. Steimer P. Rufin : Die päpstl.Gesandten in der Schweiz vom Jahre 1074-1873. Stans, v. Matt & Co., 1907. "") Die Geschichte des ehemaligen Wettinger-Gutes Walterswil würde für eine besondere Abhandlung Stoff genug bieten, so viele Materialien finden sich darüber im Archiv Aarau. Besonders der Bericht des Abtes und Konventes über die Abtretung der Güter im Zugrecht der Bürger an eine löbl. Posterität vom 26. September 1751 (Repert. 10 X) ist sehr interessant. "') Das Verzeichnis der Professoren der Theologie, Philosophie siehe in der Schrift „Die Offizialen des exemten und konsistorialen Cisterzienser-Stiftes Wettingen-Mehrerau von P. Cölestin Heimgartner, Limburg a. d. Lahn 1907, S. 20 ff.

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Peter II. Schmid

von Baden machte seine phil. und theol. Studien ganz in Dillingen; P. Wilhelm von Moos aus Luzern ebenso; P. Fridolin Schwarz, 3 Jahre. In Mailand am Kollegium Helvetikum: P. Oswald Halter von Baar, 4 Jahre; P. Nikolaus von Flüe von Samen, 3 Jahre. Nachdem Abt Peter am Kollegium Borromäum in Mailand zwei Freiplätze erworben hatte, studierten dort die beiden P. Augustin Keller von Stans und P. Nikasius von Fleckenstein von Bremgarten, letzterer dann auch noch in Lützel und Paris."8) Ueber dem Auditorium Hess Peter eine neue Theologiestube erbauen. In diesen zwei Räumen sollten die alten und jungen Mönche eifrig dem Studium der Wissenschaften obliegen, Disputationen in den phil. und theol. Disziplinen veranstalten, selbst auf den Spaziergängen sollen wissenschaftliche Gespräche den Vorzug haben; die Patres sollen besonders in der moraltheologischen Kasuistik und in der Moralphilosophie gründlich weitergebildet werden. Und damit der Appetit zu diesem wissenschaftlichen Streben und Leben gereizt werde, Hess Peter als grossesHülfsmittel eine stattliche Bibliothek anlegen. Eine gesegnete Tätigkeit enfaltete Abt Peter Schmid als Visitator der ihm unterstellten Frauenklöster: Gnadenthal, Frauenthal, Wurmsbach, Magdenau, Tänikon, Kalchrain und Feldbach. Letztere zwei Klöster wurden unter Abt Peter im Jahre 1603 der Visitation von Wettingen unterstellt. Im Jahre 1609 wurde Abt Peter vom päpstlichen Nuntius Ladislaus Aquino zwecks Ordensreform auch die Visitation des Frauenklosters Olsberg/"-') das sonst unter Lützel stand, für einige Jahre übertragen. Peter war bemüht die kath. Reform dieser Klöster überall durchzuführen und die ordentliche Seelsorge durch bewährte Beichtiger anzuordnen. Den 15. Sept. 1603 schreibt er an den Abt von Salem, dass es ihm gelungen sei, in den drei thurgauischen Klöstern Tänikon, Feldbach und Kalchrain die Reform durchzuführen.7") Mit ganzer Energie schritt Abt Peter da ein, wo er Uebelstände fand. Für Frauenthal, das durch den Umstand vernachlässigt worden, dass es wohl seit der Reformation keine Beichtiger des Ordens hatte, trotz einem Bittgesuch des Kon«*) Abt Peter scheint in der weitern Ausbildung seiner Mönche dem Rate des üeneralabtes gefolgt zu sein, der ihm durch Schreiben vom 7. Januar 1605 ermahnte, begabte Theologen nach Paris zu senden und ihm die Vollmacht erteilte, Äbtissinnen zu benedizieren. Archiv Aarau, Abteil. Wettingen, Repert. 36 d X. ül) ) Staatsarchiv Aarau, Abteilung Wettingen, Repert. 22, T T T. '") Archiv Karlsruhe, Akten Salem, Fase. 2663.

ventes an Abt Christof Silberysen vom Jahre 1590, verordnete Peter im Jahre 1602 einen Pater von Wettingen, nachdem es vorher mit Weltgeistlichen und Kapuzinern bestellt war.71) Es kam dort anlässlich der Ordensreform zur Einsetzung einer neuen Äbtissin und zur Unterbringung von zwei Nonnen in die Klöster von Rathausen und Eschenbach, nachdem allen Schwestern das Streben nach vollkommener Lebensweise zum Verlangen geworden. Aber auch mit väterlicher Liebe waltete Abt Peter gegen die Klosterfrauen, denen er mit Rat und Hülfe in der Not beistand. Ein gar bedrängtes Klösterlein war zu seiner Zeit Mariazell am Kalchrain, das durch einen Brandfall eingeäschert war. Die Äbtissin war gerade im Begriffe das halb erbaute Klösterlein zu einem ganzen auszubauen, wofür ihr Abt Peter schon mit einem Darlehen von 4500 Gld. ausgeholfen hatte. Da kam das kleine Gotteshaus wegen Patronatsstreitigkeiten und Herausgabe eines Schwesterngutes in arge Geldverlegenheit. Abt Peter tröstete die bedrängte Äbtissin und stellte ihr seine Hülfe auch in dieser Angelegenheit in Aussicht.71) Das Kloster Marisstella liegt in unmittelbarer Nähe der Bäderstadt Baden. Hier tagten die gnädigen Herren und Obern zur Tagsatzung versammelt. Dem Stifte war oft genug Gelegenheit geboten, seine gastlichen Tore insbesonders für seine Schirmherren zu öffnen. Daneben fanden freundliche Aufnahme kranke Mitbrüder des Ordens, die in den Bädern der Stadt Heilung suchten. Und gerade zur Zeit Abt Peters war die Badereise im allgemeinen Gebrauch. Noch mehr kam die Gastfreundschaft Peters den aus den Heimatklöstern Deutschlands im dreissigjährigen Krieg geflohenen Aebten und Mönchen zu Gute, denen er wie seine Nachfolger ein freundschaftliches Asyl bereitete. Auch mit Geld soll Abt Peter die bedrängten Nachbarn an der Schweizergrenze so reichlich unterstützt haben, dass er seine Amtsnachfolger schwer schädigte; so wird uns in seinem Elogium berichtet und dieses fügt bei, es sei dieser Fehler dem Uebermass seiner Güte zuzuschreiben. Nun wissen wir, dass Abt Peter zwar verschiedenen Aebten Süddeutschlands, z. B. denen von Salem und Weingarten, grössere und kleinere Darlehen gewährte, aber nur gegen Rückzahlung und Verzinsung. Demnach dürfte die Bemerkung, Peter habe dadurch ") Staatsarchiv Aarau, Abteilung Wettingen, Repert. 14, B B B. ") Staatsarchiv Aarau, Abteilung Wettingen, Repert.

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Peter II. Schmid sein Kloster und seine Nachfolger geschädigt, kaum der geschichtlichen Wahrheit entsprechen. Eine innige Freundschaft pflegte Abt Peter mit seinen Amtskollegen von St. Urban, Ulrich Amstein und Beat Güldlin. Daraus resultiert der ziemlich häufige Briefwechsel zwischen beiden Aebten, aus dem wir ersehen, wie sich beide gegenseitig Dienste und Geschenke leisteteten. Von St. Urban wurde Peter hin und wieder mit einem Käs beschenkt, während er diese Freundlichkeit mit seinen guten Gaben aus den eigenen berühmten Weinbergen erwiderte. So übersendet Peter den 6. Januar 1595 an Abt Ulrich Amstein „ein fässlin mit wermuttwyn zu einem zeichen vnd gedechtnuß eines geneigten vnd sonders guten brüderlichen wyllens".") Freundlich gestalten sich auch die gegenseitigen Besuche. Auch Vergabungen von Wappenscheiben und Holz für die Kirchenrenovationen kamen vor. Es erhielt Wettingen zur Kirchenrenovation den 22. Juni 1603 von Abt und Konvent von St. Urban 83 Laden Holz. In diesem Briefwechsel finden wir hin und wieder einen charakteritischen Zug der kirchlichen und ordenstreuen Gesinnung unseres Ables Peter. So insbesonders in einem Brief Peters an den Abt Ulrich von St. Urban vom 27. Juni 1610, worin Peter vorerst seine Freude ausdrückt, dass dem Abt von St. Urban die Visitation der beiden Frauenklöster Rathausen und Eschenbach wieder übergeben wurde. Dann ermahnt Peter seinen Amtsbruder: Nichts zuzugeben, was gegen die Dekreta Concilii Tridentini und die Ordenskonstitutionen sein möchte, auf dass die weltliche Obrigkeit unwissender Weise nicht etwas anordne, was in Präjudicium und zum Nachteil anderer Gotteshäuser sein möchte.71) Die freundschaftliche Gesinnung gegen andere Aebte gelangt zum Ausdruck in einem Schreiben vom 15. Januar 1609, worin Peter den Abt von St. Urban einladet, gemeinsam mit ihm und dem Abt von Salem ein Entschuldigungsschreiben an den General zu senden für den angeklagten Abt von Liizel, da diesem unbillig geschehen und derselbe zur Ordensreform seines Klosters das Beste getan habe.") Seiner Heimatgemeinde war Abt Peter II. während seiner ganzen Regierungszeit in pietätvoller Anhänglichkeit zugetan. Aus einem Instrument vom 26. September 1751,7C) da Bürger von Baar ") ) ") 70 )

M

Staatsarchiv Staatsarchiv Staatsarchiv Staatsarchiv

Luzern, Littera varia; tom. III fol. 5. Luzern, Acta X fol. 215 f. Luzern, Littera? varise tom. IV fol. 624. Aarau, Abteil. Wettingen, Repert. 10 X.

den letzten Zug auf die Wettingergüter in ihrer Gemeinde nicht gerade in dankbarer Weise ausgeübt haben, ersehen wir, dass Abt Peter die vielen Höfe in Baar und Menzingen nur auf „flehentliche Bitte und Rekomendation des löbl. Stadt und Amts Zug angekauft hatte von wegen der notdringenden Schuldenlast der Besitzer selbigen Höfen um ihnen bessere Ruhe und Frieden, d. h. bessere Pflege der Landwirtschaft zu verschaffen". Seine ausserordentliche Freigebigkeit auch Privaten in der Not zu helfen, haben wir schon erwähnt. Dem Allem setzte Abt Peter II. die Krone auf durch Stiftungen an der Pfarrkirche. Im Jahre 1612 stiftete er mit seinen 5 Brüdern „eine ewige Meßpfrund in St. Martinspfarrkirchen zum Gedächtniß an seine verstorbenen Eltern, zur Erwerbung ewigen Heils und Wohlfart der Seele und des Leibes für sich und seine Vorfahren, mit wohlbedachtem Rat, christlichem Eifer und und geschehener Gutheißung und Konfirmation des apostolischen Legaten, zur Aeufnung und Mehrung des Dienst und Lobes Gottes".77) Diese Pfrundstiftung betrug ursprünglich 4000 Gld. Ganz den Cisterzienser Geist verrät eine zweite Stiftung von 2400 Gld. Kapital an unsere Pfarrkirche, die Abt Peter allein unternahm zum Zwecke, in den besonders hohen Zeiten des Kirchenjahres zur Ehre Gottes und Mariae, Aemter und Vespern samt dem Salve abzuhalten zur Erhaltung der KirchgenossenDevotion und christlicher Andacht. Diese Stiftung geschah den 9. März 1624 und gleich fügte er eine dritte Stiftung zum gleichen Zwecke hinzu im Betrage von 1760 Gld. In diesen zwei letztern Stiftungen ist auch seine Jahrzeitstiftung enthalten, welche die merkwürdige Verfügung enthält, dass den vier Priestern, dem Schulmeister, den Herren Räthen, den drei ältesten Schmiden, dem Seckelmeister, Sigrist und Weibel ein ehrbares „Imbißmahl" genannt das „Schmidenmöhli" gespendet werden soll, aber nur für jene, welche der hl. Messe beiwohnen und am Opfer teilnehmen. Zu besonderen kirchlichen Festlichkeiten der Heimatpfarrei erschien der Abt persönlich, so z. B. am 31. Juli 1597 zur Weihe der grossen Glocke, die er selbst vornahm.78) ") Das Original ist im Pfarrarchiv Baar. Die gedruckte Urkunde s. im Anhang Beilage B. ") Vergl. Geschichtsfreund Bd. 40, S. 13. Wahrscheinlich ist auch, dass Abt Peter der Pfarrkirche von Baar die alte Orgel des Klosters schenkte, denn am 20. Februar 1610 schreibt er an den Abt von St. Urban: „M. Müderer (d. h. der Orgelbauer des Klosters) hat unser altes Werk gegen Ostern zu Baar auf gesetzt, vermeint nach demselben

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Peter 11. Schmid

V. Lebensabend. — Tod. — Grabstätte. — Das Andenken an Abt Peter II. im Kloster und in der Geschichte.

seine frühere Stellungnahme gegen seinen Abt vergessen zu machen. Um seinen betrübten Vater zu trösten, veranstaltete er auf den genannten Tag zu seiner Sekundiz eine grossartige Feier. Allein die betrübenden Erreignisse, der Undank der Welt hatte Abt Peter allzu niedergedrückt, „die frühere freudige Schaffenskraft des greisen Abtes war dahin." 8")

Abt Peter erreichte ein hohes Alter. Wie selten einem Priester des Herrn war es ihm vergönnt, das goldene Priesterjubiläum zu feiern. — Auf den Rat und den Wunsch seines Konventes beschloss er, diesen Anlass in feierlicher Weise zu begehen. Es sollte gleichsam die Abend-Feier seines Lebens sein. Er selbst erbat sich von den Aebten von St. Urban und Muri den Freundesdienst, ihm bei der Jubelmesse zu assistieren. Er schreibt den 23. Mai 1631 an Abt Beat Göldlin von St. Urban: „Da der gütige Gott mich Unwürdigen zu solchem Alter gnädig hat kommen lassen, habe ich mit Zutun göttlichen Segens und vorgehaltenem Rat meines geliebten Konvents fürgenommen, auf Sonntag Exaudi den 1.Juni 1631 die Jubelmesse feierlich zu zelebrieren, wie das mein Vorfahre Abt Johannes Müller (1486-1521) getan hat, nach dem er 50 Jahre Priester gewesen unter Grabmal des Abtes Peter II. Schmid pontifikaler Assistenz der Aebte von Kappel und St. Urban. So bitten wir ihre Gnaden, uns neben dem Herrn Praelaten von Muri „mitratus" zu assistieren." 7'J) Der Konvent nahm die Gelegenheit wahr, Alles aufzubieten, um zu euch zu kommen". Damals kirchen noch eine seltene Sache, Pfarrkirche von Baar gekommen freund Bd. 40, S. 11. '») Staatsarchiv Luzern, Acta

waren Orgeln in Pfarrdie erste soll 1646 in die sein. Vergl. GeschichtsXI, fol. 117 f.

Peter II. Schmid

Abt Peter II. starb den 16.Septemberl633, morgens 5 Uhr im 75. Lebensalter, im 58. Profess-, im 53. Priesterund im 40. Regierungsjahre. — Der bestbekannte Geschichtsschreiber der Cisterzienser von Wettingen, P. Dr. Dominicus Willi, schreib! über Abt Peter II.: „Kein Abt von Wettingen hat solange regiert, keiner in jeder Hinsicht so erfolgreich gewirkt, aber auch keiner ein so segensund ruhmreiches Andenken hinterlassen als Abt Peter II. Schmid." Und anderorts schreibt derselbe: „Abt Peter wird mit vollem Recht Wettingens zweiter Stifter genannt, denn mit ihm begann für das Kloster eine neue glänzende Zeil".81) Das ist ein hinreichendes Urteil einer seiner Mitbrüder, das uns zeigt, welche Verehrung Abt Peter II. in der Geschichte seines Klosters

geniesst, für dessen Wappenspruch „Non mergor, ich gehe nicht unter", er entscheidend gewirkt hat. Seine Ruhestätte fand Abt Peter II. in der von ihm erweiterten Apostelkapelle, zu Häupten seines Bruders Ammann Martin Schmid (•[- 7. August 1633), P. D. Willi in Cist.-Chronik, 14. Jahrg. 1902, S. 110. ") 1. e. S. 110 und 111. Album Wettingense, 2. Aufl.

S. 82.

der den Lebensabend des Abtes durch seinen Aufenthalt in Wettingen versüsst hatte und ein Monat vor dem Abte starb Des Abtes Grabmal ist noch gut erhalten. Eine einfache Grabplatte mit Inschrift und dem Familienwappen der Schmid, bekrönt mit Inful und Pedum, bezeichnet die Stätte seiner ewigen Ruhe. An der Wandfläche zeigt uns ein Kenotaphium in Stukko den Verstorbenen in einem Sarkophage, zu seinen Füssen steht der hl. Bernhard, dessen Geist Abt Peter im „Meeresstern" erneuert hat, während zu Häupten ein Engel mit seiner Hand aufwärts weist, wo wir die heiligste Dreifaltigkeit und die hehre Patronin des Ordens, Maria, erblicken. Die „Elogia abbatum Marisstellae", welche einen kurzen Lebensabriss eines jeden Wettingerabtes bietet, hat dem 26. Abte des Kloster's Peter II. Schmid einen herrlichen lateinischen Jubiläumskranz auf's Grab gelegt, der in deutschen Versen also lautet:1*2) Der du als Wanderer nahst, was quälst Du staunend dich hier ab und zählst Am Meeresslern allüberall, In Chor und Schiff, in Saal und Stall, Die Hammer, meines Wappens Zeichen? Du siehst sie innen, aussen gleissen, Noch warm vom Funkenschlag, dem heissen. Denn harte Zeit galts zu erweichen, Zu hämmern Gold aus Eisenerz, Im Winterfrost, im Sommerbrand. Der Geist, der hohe, von Cisterz, Der einst hier herrschte, war verbannt. Da schöpft' ich seine alte Kraft, Zusammt der Heileswissenschaft, Am weitentlegnen Seincslrand, Führt ihn zurück ins Heimatland. Zu schützen strenger Dienstes Zucht Im Kampfesheer des Himmelsherrn, Umzog mit hoher Mauerflucht Ich rings mein Haus, den „Meeresstern". Die Felsen, die den Weg beengten, Den Weltmarkt in das Kloster drängten, Ich sprengte sie und brach ihm Bahn, Zur Limmat hin: der „Felsenmann", Der „Schmid" verleugnete sich nicht! Doch schwerer als ein Steindamm bricht Des Herzens altgewohnter Hang. So sanft ich auch den Hammer schwang Zu mcisseln heil'ger Sitten Bild: Man tobte nur und raste wild Und stellt dem Nuntius die Bitt' Ein streng Gericht mir anzukünden Und mir den Hammer zu entwinden. Doch Furcht war nimmer meine Sitte: Ein Wörtlein nur, ein leichter Witz — — Wie „dass die Maus den Sack zernag' Damit sie besser schlüpfen mag" "-) Siehe den lateinischen Text hinten im Anhang. Beilage C.

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Entwaffnete den Dräuheblitz. Den Hammer ich mir neu gewann, Schwang ihn nur kräftiger fortan, Mit starker Hand als echter „Schmid". Daneben war ich treu bemüht Und zahlte ab des Kloster's Schulden, Es ging in viele tausend Gulden; Erhöhte des Konventes Dach, Und schaffte reichlich Raum und Fach, Und barg die Bücher, barg die Schätze, Dass sie kein Feuer je verletze, Durch starke Wölbungsmauern Schwung; Verzierte heiligen Tempels Wände Durch kund'gcr Stukkatorenhände; Liess in des Gotteshauses Hallen Erschütternd die Drommeten schallen. Auch fügte ich dem Odeum bei Rings eichene Vertäfelung In reidierhabener Schnitzerei. Mit zierender Kapellen Kranz, Mit Türmen, ragend bis zum Himmel, Erhöhte ich der Kirche Glanz. Kurz: Alles hab ich erneuert: Die Mauern, die moderzerfressnen, Die Sitten, die ehrvergessnen, Ich hab sie gescheuert. Der Orgel stimmen, des Tempels Raum, Des Hauses Ertrag, Feld, Vieh und Baum, Ich hab sie gemehrt. Da ist mir der Jugend Kern Im Alter wiedergekehrt, Und zum zweiten Mal grüssl mich der „Meeresstern" Als Priester des Herrn.

Anhang. Urkundliche Heilagen. Beilage A. Wahl- und Confirmations-Urkunde Abt Peters II. vom 10. Februar 1594. In nomine domini. Amen. Nos frater Edmundus // a cruce, abbas Cistercii, sacrae theologiae professor, totius cisterciencis ordinis caput, capitulique generalis eiusdem // plenaria fungentes authoritate universis pracsentes inspecturis notum faeimus quod cum versaremur in visitatione monastcrii beatae Mariae, Maris stellae, alias Wettingen, in Constanticnsis dioecesi nobis // coasistente reverendo confratre nostro domino Udalrico am Stein abbate saneti Urbani, reverendus eiusdem monasterii abbas Chistophorus Sylberisen multis propter aetatis suae senilis infirmitates / atque ut bene prospectum esset eidem monasterio, aliisque gravibus causis adduetus inter manus nostras omni regimini et juri, quod habere aut praetendere posset ad idem monasterium suae abbatiali / dignitate et officio inter manus nostras cessit prout coram toto religiosorum eiusdem monasterii conventu se libere et sponte non coactum nee aliquo modo et fraude circumventum se cedere et resignare ' dcclaravit. Proptcrea ad novi abbatis electionem procedendo omnes ipsius monasterii religiosos fratres vi-

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Peter II. Schmid

delicet Georgium Stoll, monasterii priorem, Jacobum Linder, subpriorem, Damasum Lienamer, Conraduni / Staldelmann, Arbogastum Bachman, Joannem Theobalduin Rugger, Joannem Henricuin Grnter, Henricum Lang, Hieronyinimi Elgas, Joannem Schnider, Rudolpliuiu Guggenvol, Thoinam Meyer, Jacobum / Mendly, üasparum ab Aegeri, Bernardum Mullert, et Benedictum Hoppler, ad sonum campanae tit moris est, in capitulo congregavimus, et habita ad illos exhortatione monuimus, ul habentes tantum prae / ocnlis Dei gloriam, aniniarum suariim salutem et monasterii utilitatem postposito omni inalo effectu et passione uiium ex seipsis dcligerent, queni in conscientia sua magis idoneum et capaccm ad / regendum in spiritualibus et temporalibus 1110nasterium ipsuin iudicarent Itaque invocata Spiritus sancti gratia cum solemni eitis celebratione, in qua omnes facta prius peccatorum suoruin confessione communicavcrunt / sub inde vero in capitulum redcuntes praesente praefato reverendo Udalrico sancti Urbani et rogato ad id honesto viro Renvardo Cysat arcliigraniatheo Lucernensi et notario apostolico, lecto capite regulae de / eligendo abbate et explicatis qualitatibus quac iii abbate rcquiruntur, ut eum queni illis esse prae caeteris praeditum nossent eligerent, iterum monuimus eosque ad ipsius electionis electum ab omnibus censuris / et poenis ecclesiasticis absolvimus et ad eligendum cum voce activa et passiva habiles reddidimus, praestito iuramento de eligendo de seipsis in abbatcm illum, quem in conscicntia sua ipsi monasterio regendo / magis idoneum et capacem iudicarent. Collatis eorum singulorum omniuin votis et suffragiis ex eorum pluralitate nobis conslitit charissimum nobis in Christo fratrem Petrum Schmid, eiusdem monasterii / religiosum expressc professum in presbyteratus ordine constitutum de Iegitiino matrimonio et honorabilibus parentibus natum, insigni pietate prudentia et eruditionc plurimum commendatuni et in rebus / agendis et procurandis vakle pcritum et excrcitatum eiectum fuisse, inde a fratribus ibidem congregatis inquisivimus an videlicet in eum qui plures voces haberet et a nobis nominandus ac in eorum abbatem publicandus sit unanimiter consentire in eo tanquam vero ac legitimo indubitatoque abbati suo ac pastori obedire, vellent quiquidem onines et singuli fratres nemine discrepante reverenter assur / gentes responderunt, quod in nominandum a nobis et publicandum abbatem sicut praefertur electum libenter consentirent, eum ad mitterent eique obedientiam promitterent. Quare praefalum fratrem Petrum Schmid eis nominavimus, pronunciavimus et publicavimus, deinde electum ipsum requisioimus, si electioni de persona sua legitime et canonice factae acquiescere, eamque suscipere vellet, se quidem multis rationibus a tanto subeundo onere excusavit vires suas illi multo impares esse contestatus. Verum posteaquam a nobis est exhortatus ne vocationi spiritus sancti resisleret, fratrumque suorum / electionem et postulationem sperneret, tandem confisus de Dei gratia et auxilio atque de optima fratrum suorum erga se voluntate et precibus deque seniorum consilio et cooperatione bene sperans electioni / praedictae acquievit, eatnque acceptavit et iuramentum consuetum et solemne inter manus nostras praestitit, quod nobis tamquam abbati Cisterciensium eiusdem ordinis generali superiori successoribusque nostris / debitam obedientiam reddet, res vero et bona monasterii ipsius non vendet nee alienabit nee etiam de novo infendabit.

Peter II. Schmid

Quare iis omnibus rite peractis seeundum sacros canones, regulain nostram et ordinis nostri, statuta authoritate Dei omnipotentis sanetae matris ecclesia et eiusdem ordinis nostri qua licet indigni fungimur, cundcin fratrem Petrum Schmid canonice et legitime electum et / a nobis pronunciatum et publicatum huiusee monasterii Wettingensis abbatem confirmavimus ac tarn de spirituali quam temporaü eiusdem monasterii administratione investivimus, dantes ei / omnimodam potestatem regendi, gubernandi et administrandi monasterium ipsum Wettingensem, eins religiosos omnes ac subditos et alia quaecumque ad ipsuin pertinent, in sede abbatiali capituli eum collocavimus, singuli vero religiosi omnes obedientiam seeundum regulam sancti Benedicti ei promiserunt et postea in gratiarum aclionemTe Deum Landamus cantantes et campanis / pulsantibus eundem cum toto conventu in ecelesiam procedendo deduxinius in abbatiali stallo chori installavimus, inde ad maius altare per cuius osculum et traditionis baculi pastoralis et clavium / in ipsius monasterii possessionem realem et actualem introduxinnis. Quae aeta omnia praefatam electionem, electi confirmalionem et adentam, ab eo monasterii possessionem, eiusque de eo investituram / concernentia supplentes defectus, si qui forte intervencrunt, et quos die iure supplere possumus et debemus presenti decreto confirmationis noslrac communimus et roborainus praeeipientes in virtute / salutaris obedientiae sub poenis et censuris ordinis omnibus et singulis eiusdein monasterii religiosis ut obedientiam quam praefato referendo confratri nostro Petro Schmid abbati suo promiserunt / sedulo et sine mora reddant, ipsum honorent et revereantur eundem vero vicissim monemus, ut eosdeui religiosos suos paterna charitate complectatur, amet et diligat eisque tarn sanis quam / infirmis de omnibus provideat, se pium patrem et boiuiin pastoreni exhibeat ac in utroque ipsius monasterii regimine bona Domini sie dispenset ut in magni patrisfamilTas domo constitutus et inventus fidelis ac prudens dispensator post • hanc exhibitain servitutem in aeternum Domini Dei sui gaudium introire mereatur. In horum autem omnium fidem et / testimonium presentes nostras lilteras expediri feeimus sub propriae nostrae manus subscriptione, secretarii nostri signo manuali et sub maioris nostri conventusque huius monasterii sigillorum appensionibus in ipso monasterio Wettingensi, die qua haec aeta sunt videlicet deeimo februarii anno Domini millesinio quingentesimo nonagesimo puarto. Fr. Edmundus Dorsualnotiz: efii Petri Schmid, tingensis 1594. — Perg. 59/54.

a Cruce, Cistercii generalis. Fr. de Lancy. Confirniatio Reverendi patris ac domini abbatis monasterii beatae Mariae WetStaatsarchiv Aarau, Abtlg. Wettingen 15,

Beilage B.

Stiftbrief der Schmidenpfrund. 1612 erster Teil. 1624 den 9. März zweiter Teil. // Im Namen der Hochheiligen unzertheilten Dreifaltigkeit, Amen, Zu ewigem Lob und Ehr der Himmel Königin allzeit gebenedyeten Jungfrauwen Mariae, der Mutter Gottes, S. Anna; und St. Martin // und allem himmlischen Heer: Auch zu Trost und ewigem Heil aller christkläubigen Seelen, Amen. In Allen und Jeden, Geistlichen und Weltlichen,

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Gegenwärtigen und Könfftigen seie zu wüssen und kundt gethan hiemit disserm Instrument und Brieff: dass wir die nachbenahnten frater Petrus, von Gottes Gnaden Abbte des würdigen unser lieben Frauwen Gottshuß Marisstellae, sonsten Wettingen genannt, Cistenzer Ordens, als gegenwertiger Stiftung Anfenger, und dann die ehrwürdigen, frommen vesten frater Fridolinno Schmidt, Conventual des Gottshauses Crützlingen, Martin Schmidt, der Zeil Ainmann Zug, Hauptmann Wolfgang Schmidt, Hans Schmidt, Scckhelmeister, und Jakob Schmidt, all sechs Gebrüdern, und des ehrenvesten, frommen, fürnemmen und weisen Herren Gotthardt Schmidt, wyland Statt- und Landtammaii Zug, und Agatha Vögtin, beide seliger gedechtnus eheliche Söhn und Kinder, zu Uffnung und Mehrung des Dienst und Lob Gottes, zur Erwerbung ewigen Heils und Wohlfahrt Seel und Lybs uns und unsern in Gott verscheidenen lieben Vorfahren und mit wohlbedachtem Rath, christlichen Yffer und beschcchcr Gutheißen und Confirmation des hochwürdigen, durchlauchtigen Fürsten und Herren apostolischen Legatens, Herren Johann Grafen vom Timm, Bischoffen zu Wegglen: Ein ewige Meßpfruondt in S. Martins Pfarrkirchen zu Baar zestiften fiirgenommen haben. Stiften und verordnent hiemit dieselbige in bester Form, Wyß und Maß, wie es dann von Recht und Gewohnheit, allerbest Krafft und Macht hat, haben soll und mag, in Krafft dis Briffs. Also und daß discre Pfmond ohne Underlaß und ewige Zeit mit einem gelehrten, gottsfürchtigen, exemplarischen Priester von Herren Amman und Rath dryen eltisten Schmiden usser dem Rath zu Baar ohne alle Entgeltnus besetzt: Und im Fall was Mangels an ihren Priestern erscheinte, dessen selbiger von ehegedachten Herren Amman und Rath ernstlich ermahnet und gewarnet; er aber sich nit verbesserte, mit Vorwüssen und Gutheißen eines Herrn Dechans und Pfarrherrcn zu Baar, geurlaubet werden solle. Damit aber an bclcchneten Priester, dass er ein gottsseliges Leben führe, erkhenndt werde, solle er neben seinem täglichen Beichtvatter monatlichen den ehrwürdigen Vättern Capuzinern confitieren und beichten und alle Tag durchs Jahr ohnfehlbar (Krankheit und ein Tag in jeder Wochen usgenommen) fleissig und andechtiglich, nach hiruntcr verzeichneter Ordnung und Abtheilung celebrieren, wie auch alle Sambstag, Feyer Abendt, Sonnund Feyertag, sambt hernach bestimbten Oktaven, alle Tag die Embter göttlicher Meß, Vesper und Salve singen helfen, und so er vom Herren Bischoffen Licentiam und Gewalt hat, auf Bevelch des Pfarrherren Beicht hören. In Summa soll er dan des Pfarrherren und seiner Collatoren devotion und Gehorsam genzlich ergeben und unterworfen sein. Wann dann jeder gethrüwer Diener und Arbeiter seiner Besoldung würdig und werth ist, solle billich und ohnfehlbar jedem mit diser Pfruondt belechneten Priestern von gegenwärtiger Stiftung (. die sich in Haubtgut viertausend Gulden belauften thut und albereit in der Gmeindt Baar gewahrsami nach Inhalt eines sonderbaren Urbars, an haablichen Gülten yngelegt worden) alle Quatember oder Fronfasten fiinffzig Gulden von der Gemeindt Seckhelmeister gegeben und bezahlt werden. Im Ucbrigen Allen soll er glych andern Priestern mit Holz, Wun und Weyd, wie auch mit Behusung und Garten, so ihm albereits übergeben, gehalten und erhalten werden. So dann die Herren Collatoren befugt sein sollen, gedachtes Haus und Garten zu verendern und zu verbessern. Und im Fall in Veren-

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derung oder Verbesserung des Huses und Gartens etwas notwendiges weiß, ermangeln wurde, soll solches von vacierender Pfruondt ersetzt und genommen werden. An disere jetzt vorgesetzte Stiftung haben nachvolgende Personen fünffhundert dritthalben und dryssig Gulden an Gülten vergaabet, namblich alt Oswald Schmidt zweyhundert und fiinff und fiinffzig Gulden; alt Hans Schmidt im ncuweii Haus einhundert Gulden, Ulrich Elsener und Margreth Schmidin Ehegemacht einhundert Gulden, Melchior Waldtman achtenthalben und dryßig Gulden, Ulrich Hottz zwanzig Gulden, und Agatha Wyssing zwanzig Gulden. Diser Stiftung ist Anfang und Bestätigung beschechen durch hochwohlbenamiten Herren Legaten und Herren Abbt Petrum mit Wüssen und Zuthun Herren Ammans und Rath, namblich Herren Martin Schmidt damahlen Amman Zug, Haubtman Heinrich Bachman, Haubtman Lienhardt Bossard, Balthasar Me.venberg, Landtvogt Rudolph Kroüwel, Adam Müller, Ulrich Hottz, Christian Uttiger und Caspar Meyer, all' in der ümeinet Baar und des Rats zu Zug. Im Jahr Christi einthausend sechshundert und zwölft. // Demnach und zu mehreren Beorderung des Dienst und Lob Gottes und Maria; stifften und vergaaben wir erstgenannter // Abbt Petrus nach veniers zweythausent vierhundert Gulden, so albereits mit und neben vor obgedachten vierthausend Gulden in der Gemeindt Baar gewahrsaine an haablichen Brieffen (. lauth Urbars .) yngeliffert worden. Von welchen die einhundert und zwenzig Gulden verfallender Zins jerlich und theilbarlich von der Gmeind Seckhelmeister bezahlt und geliffert werden solle wie folgt Als uff Wicnachten und Ostern jedesmahl dem Pfarrherrn und Schuolmcister jedem acht Gulden, den dreyen Caplänen, jedem uff beide ernanibsete Fest sechs Gulden, dem Sekhelmeister und Sigristen, jedem jelirlich zehn Gulden, den vier Chorschuolern, so den Gottsdienst verrichtern liclfcrn, sechszehen Gulden, jede Fornfasten einem ein Guldi. Und dann uff das Herren fundatoris Jahrzeit, den vier Priestern, Schuolmeister, Herren Räthen, dry eltisten Schmiden, Scckhelmeister, Sigristen und Weibeln zu einem erbaren Imbissmahl (. sovern selbige zur Mess und Opfer gohn .) sechszehen Gulden. Hingegen aber und herwiderums allen die vier Priester Schuolmeister, wie nit weniger die vier Chorschuoler, Sigrist, und all ihre Nachkommen in ewige Zeit durch wolgende zwölff Oktaven, als zu Wienacht, S. drey Königen, Liechtmess, Ostern, Uffahrt Christi, Pfingsten, Corporis Christi, unser Frauwen Geburt, Heirnbsuochung, Himmelfahrt, Allerheyligen und dann beider Patronen S. Anna und S. Martin, nach jedem Fest dry Tag so ledig und auch ein Oktav macht, alle Aembter der Heiligen Mess, Vesper und Salve zu Gottes und Maria; Ehr und Erhaltung der Kilchgenossen devotion und christlichen Andacht, täglich in der Kirchen mit Andacht singen. Welcher aber von Ihnen, ohne wichtige billiche Ursache, einen oder den andern Tag der vorgesezten zwölf Oktaven versaumbte oder abwesend were, soll selbigen jedem fünft Schilling für jeden versaumbten Tag abgezogen und an die Liechter der Kirchen verwendt werden. Und falls über kurz oder lange Zeit (. das Gott ewig verhütten welle .) disere obige Pfruond und letste Stiftung, nit wie obstoth besetzt oder die Messen und Gottsdienst nit mehr gehalten wurden, sollte die ganze Stiftung und Ynkommen dem Gottshuss Wettingen ohne allen Intrag und Hindernuss zugefallen heissen sein und

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Peter II. Schmid

Peter II. Schmid

bleiben. Wir nachbenambte Priester, als Herr Alex Hinderman, Pfarrherr, Herr Philippus an der Matt, Herr Anthonius Uster, Herr Jakob Uster, alle vier zu Baar verpfründt, sodann wir Marti Schmidt alt Amman Zug, Haubtman Lienhardt Bossardt, Adam Müller, Ulrich Hotz, Christian Uttinger, Hans an der Matt, Hauptman Beat Jakob Meyenberg, Sebastian Müller, Jakob zum Bach und Landtvogt Rudolff Kröwel, alle zu Baar und des Raths Zug, bekhennen, daß Alles obstoth, war, und uns erstattet, ungeantwortet und also ergangen ist. Derowegen versprechen wir für uns und unsere ewige Nachkomcn, inverlybte zwo Stiftungen nach bestem unscrm Vermögen zu verrichten, zu üffnen, zu erhalten und zu schirmen; also und daß uns Gott gnädig sein wolle. Dessen zu vestem und wahrem Urkhundt und ewiger Gezügnis hat obwolernanter Abbt Petrus, und in aller unser Namen der vorgedachte Amman Schmidt, unsere gnädige und günstige liebe Herren, ihre Abbtey und gewohnliche eigen Sekret Insigell an disen Brieff henkhen lassen. Der geben ist Sambstag vor üculi, den neunten Monats Tag Marty, nach Christi Jesu unseres ewigen Erlösers, Heiland und Seligmachers gnadenrychen Geburt gezellet einthausent sechshundert zwenzig und vier Jahr. Sacerdos pracfato bcncficio pracditus, privatis diebus Missas subnotatas cuilibct diei assignatas per annuni dicat, et singulis hebdomadibus seincl in sacello villae Walteri missam devote celebret, et pro fundatoribus et Collatoribus ingiter oret: Singulis diebus Dominicis et sanctorum festivitatibus de eisdem celebret. 2da feria, diebus Lunae, vel prima post vacante die, pro fundatorum et omnium fidelium animabus in sacello s. Annae missam dicat. Feria 3 t i a , die Martis, de noininc Jesu et de omnibus Sanctis alternatim. Feria 4'", die Mercurii, pro familiaribus et de angelis, alternatim. Feria 5' a , die Jovis, ternpori paschali de resurrectionc Dominica; a festo autem Penthecostes usque ad Quadragesimam de Spiritu Sancto et venerabili Sacramento alternatim. In Quadragesima de feria. Feria 6''1, die veneris, de s. cruce et de s. vulneribus Christi alternatim. Feria 7" ia , die Sabbathi, scmper de s. virgine Maria, matre salvatoris nostri Dei.

meister, jedem fünff Gulden. Den nun Herren, Amman und Räthen, sambt dem Weibel, jedem ein Gulden, glichfalls den vier Cliorschuolern, jedem ein Gulden, den Sygristen zwen Gulden für das er täglich durch die Fasten zum Salve lüthen solle, der Küchen fünff Gulden, und den Armen fünff Gulden an Brott oder Gelt. Für uns und umb solche Nachstiftung, sollen vorernambte vier Herren, die Priester, Schuolmeister, vier Chorschuoler und Sygrist die ganze Fasten, am Sontag Invocavit [sollte heissen invocabit = 1. Fastensonnt. Der Verf.] anzefahn, umb 5 Uhren abenss täglich die Complet und Salve Regina in der Pfahrkirchen zu singen verbunden und schuldig sein. Wann dann unser der Schmidcn Pfruond ledig und widerumb zu verlyhen stüende, und ein Priester dis Geschlechts, der sich priesterlich und wolgehalten, vorhanden, solle Selbiger vor allen andern mit diser Pfruondt belechnet werden. Des Alles zu wahrem und vestem Urkundt und Gcztignus, haben wir der Styffter und Amman Schmidt dis Transfix sambt dem Stiftbrieff mit unseren amtlichen und gewohnlichen angehenkten Sygcln bekreftiget und geben wie im Hauptbrieff begryffen. Original: 51/75 Perg. im Pfarrarchiv Baar No. 42 mit der Dorsnalnotiz. „Stifftbrieff der neuw anno 1612 angangnen Pfruondt". Sigel der Abtei Wettingen und des Martin Schmid hängen gut erhalten. Ebenso ist das Urbar dieser Stiftung im Pfarrarchiv, der Titel heisst: „Stifftungs Urbar der neuwen anno 1612 angefangenen Pfruondt sambt schuldiger Verrichtung des im Stifftbrieff eynverlybten Gottsdienst, den Herren Amman und Rath zu Baar den 9'e» Marty ingehendiget und übergeben anno 1624". Beilage C. Auszug aus den ,ElogiaAbbatum Marisstellae", 1695, pag.28.

Petrus II., Abbas XXVI. Cognomento Schmid, tugiensis ex Baar, praefuit ab anno 1593, usque ad annum 1633. Annis 40.

En c a e n i a . Quid miraris, speetator, et numerando fatigaris, circumquaque splendentes intra et extra Maris Stellam meos malles ac vix non ab ineude adhuc calentes? Ut e ferreo seculo aurum extunderem, algenclum erat et sudandum. Anhang. Exulabat propemodum e Maris-StallaCistercium: quod quia juvenis cum Iitteris parisus imbiberam: multo tandem Es sye Gegenwertigen und Zukünftigen himit disem Transfix zu wiissen und kundtgethan, daß nach dem gegen- j labore remotis remoris huc reduxi. Porro ut mores intra wertigen Styfftbricf usgefertiget und Alles nach gepüren- litnites disciplina continerem muro continuo religiosa castra incinxi. Petra quidem conatui obstabat, viam publicam per der Notturfft verschrieben und abgetheilt worden. Hat es doch nachmahlen dem Herren Styffter geliebt und ge- claustrum cogens, sed Petrum me esse memini, et fabrum. Itaque ut obtemperarent mihi homines, obsequi feci petram, fallen, etwas vermers und wytters zu Mehrung Gottes und Maria; auch aller hymlischen Chors Lob, Ehr und Prys, j per quam ad Limagi trajeetum iter aperui. namblich ein thusendt sibenhundert und sechzig Gulden Durior in cudendis novis moribus visus est quamvis Capital, wovon achtzig acht Gulden jerlichen Zinses, zu mollis malleus: jamque res eo devenerat, ut deponere malstyfften. Die sollen ohngefahrlich uff Herren Styffters Jahr- leum juberer Cum vero nil territus de muribus quidpiam zytt jerlich wie volgt abgetheilt und ufgeben werden. intermurmurassein, restituto quasi per ludum manubrio, Erstlichen jedem wesenden Pfarrherren neun Gulden, dem serio deineeps fabrum egi. Multa millia it HS. aeris alieni Kaplanen, so mit der Schmidenpfrundt belechnet, fünfzig dissolvi. Gulden, dagegen gehend ihm die zwölf Gulden im HauptTotius coenobii teeta adjeetis contignationibus altius brief ab und werden mit obigen acht und achtzig Gulden evexi. Locum securum instrumentis et libris sub forniciufgetheilt. Den übrigen zweyen Caplänen und Schuol- bus statui. Templi et ambitus parietes gypso eleganter

vestivi. Musicam grandibus tubis animavi. Odaeum sculpta artificiosissime quercu ornavi. Basilicam sacellis et turribus amplifieavi: verbo dicam: Omnia r e s t a u r a v i . — Deformatos carie muros, ac difformatos ineuria mores, r e f o r m a v i . — Chorum voeibus, aedes spatio, proventus numero a uxi. Renovata in canitie Juventus bis speetavit Neoinystam. * Cum ad abbatiale regimenperelectionemlegitimam praesentibus cantonum legatis promotus fuit, invenit computum 150000 libraruni debitaruin, quas per oeconomiae dexteritatem ante elapsum biennium dissolvit. Viam regiam per hortum claustri transeunteni occlusit, perfossa extra muros proelivi via per arenosam petram ad trajeetum navalem. Et sie indueta clausura, ritus sacri ordinis, et diseiplinam regulärem seria reformatione restauravit. Quae cum quibusdam aliud assuetis justo rigidior visa fuisset, invocato legato apostolico, laxius regi postulabant: patrio quodam joco illorum conatus clusit, eundemque habuit optimae intentionis adjutorem. Tliermas Walterschwylanas, et adjacentia praedia pretio 70000 flor. comparavit. In bello Suecico vicinos extra Hclvetiam peeunia juvit, relicta posteris gravi postmodum jactura in quo uno nimietate bonitatis visus est pecasse. Ubique pervigil et industrius monasteria monialium consilio et ope e ruderibus in mcliurem formain redegit. Wörtliche

Uebersetzung:

Peter II. Schmid, von Baar, Kt. Zug. Er regierte vierzig Jahre lang (1593—1633) als Wetlingcns 26. Abt. Zum J u b i 1 ä u m. Was staunst du, Besucher, und zählst bis zur Ermüdung die Hämmer, mein Wappenbild, die ringsum, innen und aussen am „Meeresstern" glänzen, als ob sie noch glühten vom wuchtigen Ambosschlag? Hatte ich doch ein eisernes Geschlecht in ein goldenes umzuschmieden: da gabs zu frieren und zu schwitzen genug. Fast spurlos war der Geist von Cisterz aus dem „Meeresstern'' entwichen. Doch als Jüngling schon hatte ich ihn zugleich mit der Wissenschaft zu Paris in mich aufgenommen und führte ihn nun unter grossen Mühsalen, unter Bekämpfung zahlreicher Hindernisse wieder hieher zurück. Um das Ordensleben in die Schranken der Zucht zu zwingen, umschloss ich das „Kriegslager Gottes" mit fortlaufender Mauer. Felsen stellten sich meinem Vorhaben in den Weg, sie Hessen für die öffentliche Strasse nur den Durchgang durchs Kloster frei. Aber ich vergass nicht, dass ich „Felsenmann" heisse und „Schmid", und so zwang ich denn, damit die Menschen meinem Willen sich fügten, zuerst den Fels zum Gehorsam und sprengte

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mitten durch ihn hindurch die Strasse nach der Limmatfährc. Und doch, härter noch ward mir die Arbeit, als es galt, neue Sitten zu schmieden, mochte ich auch noch so sanft den Hammer schwingen. Es kam weit, — bis zum Befehl, mein Werkzeug niederzulegen. Allein ich kannte keine Furcht. Ich liess ein Wörtlein von den „Mäusen" fallen (die den Sack zernagen, um besser durchzuschlüpfen), und mit spielender Leichtigkeit bekam ich das Heft wieder in die Hand und „schmiedete" nun erst recht darauf los. Die Klosterschuld von vielen Tausend Gulden habe ich abbezahlt, das Dach des Klosters um ein Stockwerk erhöht. Für die Bibliothek und das Archiv wölbte ich einen feuersichern Raum, verzierte die Wände des Gotteshauses und des Kreuzganges mit eleganter Stückarbeit, verstärkte die Orgel durch ein gewaltigtönendcs Posaunenregister, verkleidete den Musiksaal mit kunstreich geschnitzter Vertäfelung aus Eichenholz, erweiterte die Kirche durch Kapellen und gab ihr Türme, mit einem Wort: ich habe alles erneuert; die von Moder zerfressenen Mauern und die verkommene Zucht habe ich verbessert, den Chor durch eine grössere Orgel, das Haus durch geräumige Bauten, das Vermögen durch reicheren Ertrag gemehrt. In meinem Alter kam mir die Jugend wieder und grüsste mich zum zweiten Mal als Neopresbytcr. * * Peter II. ist in Gegenwart der Abgesandten der Kantone in rechtmässiger Wahl zur äbtlichen Würde erhoben worden. Bei seinem Amtsantritt fand er eine Schuld von 150,000 Pfund vor. Dank seinem Verwaltungstalent gelang es ihm, sie in weniger als 2 Jahren zu tilgen. Die öffentliche („Königs-") Sliasse, die durch den Klostergarten ging, schloss er und sprengte ausserhalb der Mauern eine Strasse durch den Molassefelsen zur Schiffähre hinab. Dadurch verschaffte er sich die Möglichkeit, die Klausur wieder einzuführen und stellte dieOrdensgebräuche und die Disziplin durch eine strenge Reform wieder her. Diese wurde nun freilich von einigen Mönchen, die sich anders gewöhnt hatten, als zu hart empfunden, und sie gelangten mit der Forderung um ein milderes Regiment an den Apostolischen Legaten. Aber der Abt wusste ihre Bemühungen durch ein Volkswitz zu vereiteln und gewann im Legaten eine Stütze seiner trefflichen Bestrebungen. Er kaufte die warmen Bäder von Walterschwyl und das umliegende Gelände um 70,000 Gulden. Im Schwedenkrieg unterstützte er die bedrängten Nachbaren an der Schweizergrenze so reichlich mit Geld, dass er seine Amtsnachfolger schwer schädigte: sein einziger Fehler war hier offenbar ein Ucbermass der Güte. Ueberall wachsam und rastlos tätig, stellte er (auch) die (ihm untergebenen) halbverfallenen Frauenklöster mit Rat und Tat wieder her.

Die Entwicklung des Feuer-Assekuranzwesens im Kanton Zug

Die Entwicklung des Veuer-Assekuronzwesens im Kanton Zug. Von J. M. WEBER-STREBEL, Zug.

u früheren Jahrhunderten und bis in die neuesten Zeiten wurden von Behörden verschiedene Feuerpolizei- und Löschverordnungen erlassen, um bei kluger Vorsicht sehr viele Feuergefahren zu verhüten. Diejenige vom Jahre 1772 verbietet alle sog. Hauswäschen, sowie alle Hanf- und Flachsdörrereien in den Häusern und nahe bei denselben bei 20 Fr. Busse. Bei gefährlichem Wind zu Tag und Nacht mussten die Pfister, Schmied-Handwerker und Brenner dar, Feuer löschen. Auch musste jeder Bürger, Bei- oder Hintersäss und Untertann bei seiner Verheiratung einen eigenen wohl brauchbaren Feuerkübel anschaffen und vorweisen. Die Behörden, sowie die Feuerräte bestimmten dann behufs schleuniger Hülfeleistung bei Brandausbrüchen und um die benachbarten Bewohner in Kenntnis zu setzen, geeignete Alarmzeichen. Da diese auch heute noch Interesse bieten, so lasse ich vor der Lösung meiner eigentlichen Aufgabe, diejenigen von den Jahren 1830 und 1863 wörtlich folgen. I. AI arm z e i c h e n für d i e S t a d t Zug im J a h r e 1830. „Wenn in der Stadt oder Vorstadt Feuer ausbricht, so: 1. Sollen vier Kanonenschüsse geschossen, die Feuerglocken geläutet, in allen Kirchen mit allen Glocken gestürmt, das Feuerhorn geblasen und auf der Stelle die Feuerböte auf Ober- und Unter-Aegeri, Menzingen und Walchwil, und bei Nebelwetter auch auf Baar, Steinhausen und Chain gesandt werden. Sollte das Feuer mehr um sich greifen nnd die Gefahr sich vergrössern, so sollen noch vier Kanonenschüsse abgeschossen, und mit dem Sturmläuten fortgefahren werden, zum Zeichen, dass grössere Hülfe erforderlich sei. 2. Wenn ausser der Stadt oder Vorstadt Feuer ausbricht, so soll mit den grossen Glocken zu St. Michael, St. Oswald und in der Kapelle gestürmt, das Feuerhorn geblasen und wenn mehrere Gebäude in Gefahr sind, auch zwei Kanonenschüsse losgelassen werden.

3. Brennt es in einem Dorf im Kanton, so soll das Wachtliorn geblasen, zwei Kanonenschüsse getan, und bei St. Oswald mit der grössten und kleinsten Glocke gestürmt werden Brennt aber nur ein der Lage nach einzeln stehendes Gebäude, so wird nicht geschossen, sondern nur mit der grössten und kleinsten Glocke bei St. Oswald gestürmt. 4. Erkennt man eine Brunst in einem unserem Kanton benachbarten Dorf, so soll das Wachthorn geblasen und bei St. Oswald mit der grössten und kleinsten Glocke gestürmt werden. 5. Wird eine entfernte oder geringere Brunst bemerkt, so wird nicht gestürmt, sondern die zum Feuerlaufen bestimmte Mannschaft aufgeweckt, und von dem hiezu bestimmten Ratsgliede und Feuerhauptleute mehr oder weniger Mannschaft, mit oder ohne Spritze, je nach Umständen und Erfinden, abgeordnet." II. AI arm z e i c h e n im J a h r e 1863. ,,a) Bei einem Brande in der Stadt, oder wenn in der Gemeinde grosse Gefahren drohen: Brennt es in der Stadt oder Vorstadt, so soll der Hochwächtcr sogleich mit der Zeitglocke stürmen. Die Nachtwächter sind gehalten, die Feuerhauptleute schleunigst aufzuwecken; durch die Gassen der Stadt „Feuer" zu rufen, und hiebei die Brandstätte zu bezeichnen. In den vier Hauptkirchen (St. Michael, St. Oswald, Kapelle und Kapuzinerkirche) und zu Oberwil soll mit allen Glocken andauernd gestürmt, die sog. Feuerglocke auf dem Kapuzinerturm geläutet, und bei gefährlichem Brande vier Kanonenschüsse gelöst werden. Behufs richtiger und schneller Vollziehung genannter Zeichen, begeben sich die Sigristen und alle zum Stürmen Beordneten, schleunigst zum Bugghause (hinter dem Zollhaus), um Weisungen zu holen. Greift das Feuer um sich, so soll mit Schiessen und Läuten fortgefahren werden, bis das Aufhören befohlen wird. b) Bei einem Brande auswärts: Bricht ein Brand ausser unserer Gemeinde, aber in der Nähe aus, so soll das Wachthorn geblasen und dann bei St. Oswald mit der grossen

und kleinen Glocke gestürmt werden. Brennt es in einem unserm Kanton benachbarten Dorfe, so wird, wenn das Unglück von Bedeutung ist, das Wachthorn geblasen und die Nachtwächter sollen schleunigst (sofern der Fall Nachts eintritt) die Feuerhauptleute und die Mannschaft der Landrotte — deren Namenverzeichnis auf dem Nachtwächterposten sich befinden soll — aufwecken. Bei einem Brande in der Stadt sollen, sobald die Alarmzeichen gegeben sind, auf den Dachböden (Winden) alle Läden und Aufzugsöffnungen verschlossen werden. Die Bewohner des ersten Stockes jeden Hauses haben zur Nachtzeit eine brennende Laterne gegen jede anstossende Strasse auszuhängen und bis zur Beendigung des Brandes zu unterhalten. Aus jedem Hause der Stadt oder Vorstadt hat sich jemand mit einem Feuereimer oder Kessel versehen, nächst der Brandstätte einzufinden, zur Bildung der Reihen für Heischaffung von Wasser. Bis zum Jahre 1812 waren die Besitzer von Gebäulichkeiten, welche durch Frevelhand, Blitzschlag, Entzündung von Heu etc. von einem Brande heimgesucht wurden, genötigt, die Wohltat der Behörden und Privaten anzurufen, um an den erlittenen Brandschaden einen Beitrag oder eine Liebessteuer zu erhalten. Neben den kleinen Unterstützungen der Gemeinden wurden nebenbei Sammlungen in den verschiedenen Pfarrkirchen bewilligt und angeordnet, allein diese fielen im Verhältnis zum erlittenen Schaden oft sehr spärlich aus. Man suchte Mittel und Wege, um den notleidenden Mitmenschen in Unglücksfällen mehr zu helfen. Gegen Ende des vorletzten und am Anfang des vorigen Jahrhunderts entstunden im Auslande und sodann auch in verschiedenen Kantonen der Schweiz sog. Feuerversicherungsanstalten mit segensreichem Erfolge. Das aufmunternde Beispiel der benachbarten Mitstände und die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Hilfeleistung weckten endlich auch im Kanton Zug den Gedanken, ebenfalls eine solche Feuerassekuranz zu gründen. Im Jahr 1809 entstund in der Gemeinde Hünenberg 'ein grosser Brand, indem dem Hrn. Pfleger Hans Georg Butler auf dem Moos im Schlatt das Haus, die neu aufgebaute Trotte, die Schweineställe, ferner alles Hausgerät, Werkzeug und Fassung in bedeutendem Gesamtbeträge ein Raub der Flammen wurde. Der Stadt- und Amt-Rat von Zug empfahl diesen empfindlich verunglückten brandbeschädigten Mitbürger bestens zu gross-

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mütiger Unterstützung. — Dieses grosse Brandunglück rief neuerdings zur Gründung einer Feuerversicherung, indem das Publikum bei einer solchen Einrichtung nicht mehr zu befürchten hat, dass diejenigen Bürger, so durch den Verlust ihrer Häuser, Scheunen und all ihrer Habseligkeiten den Gemeinden zur Last fallen. Unterm 5. September 1810 wurde in der Sitzung des Stadt- und Amtrates auf gefallenen Antrag und in Betrachtung, dass eine solche Anstalt für die Sicherheit des Eigentums erspriesslich sein würde, beschlossen wie folgt: a) Der gestellte Antrag für Einrichtung einer FeuerAssekuranz soll zur nähern Entwicklung und Erdauerung an eine Ehrenkommission gewiesen sein, welche beauftragt sein solle, einen auf unsere Verhältnisse berechneten Vorschlag einer solchen Anstalt zu machen und selben dann dem hohen Stadt- und Amtrat zur weiteren Beratung vorzulegen. b) In diese Ehrenkommission sind ernannt und ersucht die HH. Statthalter Brandenberg, Pannerherr Müller, Kantons-Administrationspräsident Landtwing im Hof und sämtliche Präsidenten der Kantons-Gemeinden. Den 8. März 1811 unterbreitet dann Pannerherr Müller namens dieser Ehrenkommission einen aus 37 Paragraphen bestehenden Entwurf einer Feuer-Assekuranz für unsern Kanton, der ableslich zur Kenntnis gebracht wurde. Aus demselben geht hervor, dass alle Gebäude sollen assekuriert und nach Massgabe des Brandschadens am Gebäude entschädigt werden. Zur Besorgung dieser Anstalt soll eine eigene Kommission aus fünf Mitgliedern und einem Sekretär aufgestellt werden. Nach Anhörung dieses Entwurfes wurde sodann vom Stadt- und Amtrat beschlossen: a) der hiefür bestellten Ehrenkommission und besonders ihrem Berichterstatter, Herrn Pannerherr Müller, ist für ihre diesfallsige Mühe der beste Dank bezeugt. b) Da es sehr zweckmässig gehalten wird, das Volk mit der Nützlichkeit einer solchen in jeder Hinsicht wohltätigen Anstalt vertraut zu machen, damit solches mit Ueberzeugung und Sachkenntnis hiefür stimmen möge, so sollen von diesem Feuerassekuranz-Entwurf zehn Abschriften gefertigt und an die sämtlichen Gemeinden versandt werden, wo dann dieselben eingeladen sind, diesen Entwurf mit Bedacht zu durchgehen und ihre allfälligen Bemerkungen darüber machen zu wollen.

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Die Entwicklung des Feuer-Assekuranzwesens im Kanton Zug

Im April und Mai ereigneten sich in der Gemeinde Menzingen drei Hausbrände (Sparren und Blachen). Selbstverständlich wurden aucli diesmal wieder die Behörden im Kanton Zug, sowie solche ausserhalb desselben in Mitleidenschaft gezogen und um Liebesbeiträge ersucht. In der Sitzung des Stadt- und Amtrates vom 4. September 1811 wurde relatiert, dass man durch die Zeilumstände belehrt worden sei, dass bei einem sicli ereignenden Feuerunglück so viel als keine Unterstützung aussert unserm Kanton mehr gewärtigt werden kann, weshalb man immer mehr Ursache habe, auf die Einrichtung und Einführung einer Feuer-Assekuranz hinzustieben. Es sei nun endlich an der Zeit, zu beraten und zu entscheiden, ob der Stadt- und Amtrat die Gründung der Feuerassekuranz für den Kanton Zug beschliessen wolle oder nicht. Dieser wichtige Gegenstand wurde zur beförderlichen Behandlung empfohlen. Es wurden hierauf die eingegangenen Bemerkungen der Gemeinderäte zur Kenntnis gebracht. Aus diesen wurde entnommen, dass sämtliche Gemeinderäte von der Zweckmässigkeit einer solchen Kantonsanstalt überzeugt seien und daher der Einrichtung derselben unter angefügten Modifikationen des diesfälligen Kommissions-Vorschlages beigepflichtet haben. Auf diese Wahrnehmung wurde vom Rat der einstimmige Beschluss gefasst: a) Es solle für unsern Kanton ein Feuerassekuranzplan errichtet und nachdem derselbe von den Gemeinden werde genehmigt sein, eingeführt werden. b) Um die verschiedenen von den Genieinderäten gemachten Bemerkungen und Wünsche über den diesfälligen Plan in denselben aufzunehmen und auszugleichen, soll abermals eine Kommission ernannt werden. c) In diese Kommission sind verordnet die Herren Statthalter Brandenberg, Pannerherr Müller und die sämtlichen Herren Präsidenten der zehn Kantonsgemeinden. Schon unterm 2. Oktober 1811 wurde der zweite und verbesserte Entwurf nebst den Bemerkungen der löbl. Gemeinderäte vorgelegt und im Stadtund Amtrate verlesen, worüber dann nach dessen Anhörung einmütig beschlossen wurde: a) Dieses neuerdings redaktierte und verbesserte Kommissional-Gutachten einer Feuerassekuranzeinrichtung ist namens des Stadt- und Amtrates genehmigt.

b) Dasselbe soll demnach den sämtlichen Kantonsbürgern auf einen Tag, wo solche zu dem Ende versammelt werden sollen, zur Annahme oder Verwerfung vorgelegt werden. c) Zu dem Ende soll solches neuerdings abgeschrieben und die Verbesserungen und Abänderungen an den betreffenden Stellen eingeschaltet und dann zehnfach expediert werden. d) Sobald die Kanzlei diesen Auftrag wird erfüllt haben, so soll dann vom Stadt- und Amtrat aus der Tag bestimmt werden, an welchem sämtliche Gemeinden, um über die diesfällige Annahme oder Verwerfung ihrerseits zu erkennen, zusammen berufen werden sollen. Der gefassten Schlussnahme nachkommend, wurde dann den 28. Febr. 1812 vom Stadt- und Amtrat die Abhaltung der sämtlichen Gemeindeversammlungen auf den 8. März festgesetzt. Die Erkanntnisse sind bis zum 10. März einzusenden. Gleichzeitig fand eine von der Kanzlei gefertigte und vorgelegte Proklamation an die Bevölkerung des Kantons die Genehmigung. — Dieselbe lautet wörtlich wie folgt: „Wir Landammann und Rat des eidg. Standes Zug an unsere getreue, liebe Kantonsmitbürger! Schon vor geraumer Zeit wurde in einer unserer Ratssitzungen der Antrag gemacht, nach dem aufmunternden Beispiele der mehrsten löbl. miteidgenössischen Stände, und besonders der uns angrenzenden, die im Umkreise ihres Gebietes eine Brandversicherungs-Gesellschaft mit dem segensreichsten Erfolge eingeführt haben, eine ähnliche Anstalt zu errichten. Wir fanden diesen Antrag unserer ganzen Aufmerksamkeit würdig und hielten es unserer pflichtmässigen Stellung durchaus angemessen, einen Gegenstand mit aller möglichen Sorgfalt und Vorprüfung zu behandeln, der zum Wohl und zur Sicherheit des Allgemeinen, sowie des Einzelnen von äusserst wichtigem Vorteil ist. Desnahen haben wir eine Kommission von Männern zu einer Vorberatung und zur Entwerfung eines diesfälligen Gesetzesvorschlages erwählt, die durch ihre Stellen als Präsidenten der Gemeinden zum voraus Euer unzweideutiges Zutrauen verdienen. Die Kommission hat unserer Erwartung durchaus entsprochen, zumalen selbe uns in der heutigen Ratssitz den nachher enthaltenen, einmüthig entworfenen Vorschlag vorgelegt, den wir von Paragraph zu Paragraph geprüft, in Beratung gezogen, und mit einstimmiger Meinung auf- und angenommen haben.

Die Entwicklung des Feuer-Assekuranzwesens im Kanton Zug Wenn Euch, treue, liebe Kantons-Mitbürger, Euer eigenes, sowie nach heilig evangelischer Pflicht Euers Nachbars und Mitbürgers Eigentum und Sicherheit lieb und wert ist, so ist es unmöglich, dass Ihr diesem Vorschlage einer Feuerassekuranz-Gesellschaft Euere unbedingte Einwilligung versagen könnet. Selber enthält nicht anders, als was, wenn nicht oft die Hartherzigkeit die Stelle der Wohltätigkeit einnähme, wir ohnehin aus religiöser Pflicht der Nächstenliebe zu tun schuldig wären. Indem wir Euch diesen Gegenstand zu allmöglich sorgfältiger Beratung anempfehlen, bitten wir Gott, dass er Euere Versammlungen mit dem Geiste der Wahrheit und des Gefühles für das wahre Gute in den Beratungen beistehe. Gegeben vor Stadt- und Amt-Rath, den 28. Hornung 1812. Kanzlei des Kantons Zug." Trotz dieser gut gemeinten Proklamation zeigte sich in verschiedenen Gemeinden leider noch eine gewisse Antipathie und ein kühler Wille gegen das zeitgemässe Vorhaben. Im Stadt- und Amtrat vom 16. März eröffnete der reg. Herr Ammann die Beschlüsse der Gemeindeversammlungen, wie solche eingegangen sind. Nach einer Zusammenstellung der Gemeindsbeschlüsse ergab es sich, dass der Vorschlag von den Gemeinden Zug, Unterägeri, Menzingen, Steinhausen und Risch angenommen worden, dass hingegen die übrigen Gemeinden, als: Oberägeri, Baar, Cham, Hünenberg und Walchwil keinen bestimmten Beschluss über die Annahme oder Verwerfung gefasst haben. Die Gemeinde ßaar vertagte die wichtige Angelegenheit auf den Monat Mai, Cham auf den 15. März, Hiinenberg wünscht eine Feuerversicherung, aber mit Ausschluss der Stadt und grössern Dörfer. In Walchwil war die Gemeindeversammlung infolge schlechtem Wetter schwach besucht, sodass keine bestimmte Schlussnahme gefasst werden konnte. Infolge der eigenartigen Schlussnahmen einiger Gemeinden wurde dann nach gewalteter Diskussion vom Stadt- und Amtrat beschlossen: a) Es sollen die Gemeinden Oberägeri, Baar, Cham, Hünenberg und Walchwil nochmals aufgefordert werden, sich auf nächsten Ostermontag, den 30. März, an ihren Gemeindsorten zu versammeln und über den ihnen zugesandten Entwurf einer Feuerversicherung zu beraten und selbe entweder annehmen oder verwerfen..

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b) Zugleich sind diese Gemeinden eingeladen, ihren diesfälligen Gemeindebeschluss auf den 31. ds. (Osterdienstag) dem reg. Ammann, zuhanden des Stadt- und Amtrates, zu behändigen. c) Sollte aber wider Vermuten, dieser Entwurf bei ihnen keinen Eingang finden, so würde dann denjenigen Gemeinden, die sich hiefür erklären, auf ihr Verlangen gestattet werden, diese Feuerassekuranz-Gesellschaft unter sich in Vollziehung zu setzen. Den 31. März 1812, morgens früh, brannten in Zug die Häuser des Gürtler Kaspar Bossard und des Säckelmeister Xaver Keiser, hinter dem Ochsen, nieder. Brandschaden 5866 Gl. Auch bei diesem Brande musste die Mildtätigkeit der Kantonsbewohner in Anspruch genommen werden. Unterm 30. April unterbreitete der reg. Ammann dem Rat die von den Gemeinden Oberägeri, Baar, Cham, Hünenberg und Walchwil gefassten Beschlüsse. Aus denselben ergab sich abermals ein ungenügendes Resultat und es zeigte sich klar, dass viele Leute die Zweckmässigkeit einer Assekuranz noch nicht völlig erkannt hatten. Die Beschlüsse dieser Gemeinden lauten wie folgt: Die Gemeinde Oberägeri hat abermals auf St. Georgstag eine Gemeinde gehalten, aber von einer Assekuranz-Versicherung nichts gesprochen. Die Gemeinde Baar habe an der am Ostermontag zusammen gerufenen Gemeindeversammlung die vorgeschlagene Feuerassekuranz auf 10 Jahre angenommen. Allein Intriguen und schiefe Auslegung derselben, die man unter das Volk ausstreute, haben veranlasst, dass nach den vorhandenen Gemeindegesetzen eine sogen. Siebengeschlechter-Gemeinde auf Donnerstag darauf sich versammelte, wo dann die am Ostermontag gefasste Gemeinde-Erkenntnis und die auf 10 Jahre bestimmte Annahme der Feuerassekuranz verworfen worden ist. In der Gemeinde Cham sei die definitive Entscheidung über Annahme oder Verwerfung bei den waltenden Stimmungen bis auf den zweiten Sonntag im Monat Mai verschoben worden. Von der Gemeinde Hünenberg ist einhellig erkennt worden, nur für sich und mit jenen Gemeinden, so mit ihr in gleichen Verhältnissen bestehen, eine Feuerassekuranz zu errichten. Die Gemeinde Walchwil hat die bestimmte Erkenntnis über Annahme oder Verwerfung derselben, zu verschieben ebenfalls gut befunden. Nach Anhörung dieser Schlussnahmen beschloss der Stadt- und Amtsrat:

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Die Entwicklung des Feuer-Assekuranzwesens im Kanton Zug

In Erwägung, dass eine solche unwidersprechlich nützliche Anstalt so viel möglich zu befördern, und andurch das Unglück jedem Schuldlosen zu erleichtern, es in der Pflicht der Regierung liege und nach Einsicht der Beschlüsse der Gemeinden Zug, Unterägeri, Menzingen, Steinhausen und Risch angenommenen Entwurf einer Feuer-Assekuranz unter dem Schutz der Landesregierung gesetzt werden, beschlossen: 1. Es solle der von den Gemeinden Zug, Unterägeri, Menzingen, Steinhausen und Risch angenommene Entwurf einer Feuerassekuranz unter dem Schutz der Landesregierung in Vollziehung gesetzt werden. 2. Da aber im Nachtrag dieses Vorschlages bestimmt ist, dass in denjenigen Gemeinden, welche ihre Zustimmung gemeindswegen versagt, ein Register zum freiwilligen Zutritt der Privaten eröffnet werden solle, so wird jeder Partikular der Gemeinden Oberägeri, Baar, Cham, Hünenberg und Walchwil, welcher an dieser Assekuranz teilnehmen will, aufgefordert, in der Zeit von 14Tagen von dato derPublikation, sich für den Beitritt zu der nach dem unterm 28. Febr. den Gemeinden zur Annahme eingesandten Entwurf bei dem Herrn Genieindeschreiber seiner Gemeinde einschreiben zu lassen. 3. Dieser Beschluss soll den letztgenanten Gemeinden zu jedermanns Kenntnis und Verhalt gewohntermassen bekannt gemacht werden. Gemäss dieser Publikation haben sich sodann zum Beitritt einschreiben lassen: 1. Die Gemeinde Oberägeri auf 10 Jahre (einstimmige Schlussnahme). 2. Von der Gemeinde Baar 94 Hausväter 3. „ „ „ Cham 8 4. „ „ „ Walchwil 42 „ Zusammen 144 Hausväter Sonderbarer Weise war nun die Gemeinde Hünenberg die einzige, aus welcher sich kein Gebäudebesitzer zum Beitritt erklärt hatte, obwohl im Jahre 1809 Hiinenberg von einem grossen Brandunglück heimgesucht wurde. Einstimmig wurde vom Rate beschlossen: I.a) Dass die von den Gemeinden Zug, Baar, Oberund Unterägeri, Menzingen, Steinhausen und Risch ganz und von 144 Hausbesitzern aus den Gemeinden Baar, Cham, und Walchwil angenommene Feuer-Assekuranzgesellschafts-Einrichtung nunmehr mit möglichster Beförderung in Vollziehung gesetzt und zu dem Ende der

Kataster errichtet und Schätzung vorgenommen werden solle. b) Zu diesem Ende wurde nun eine Feuerassekuranz-Kommission ernannt und in dieselbe gewählt die Herren: Pannerherr Müller von Zug, als Präsident; Ratsherr Blasius Bossard, Zug; Präs. Joh. Jos. Rogenmoser, Oberägeri; Hauptm. und Ratsherr Jos. Ant. Schön, Menzingen; Ratsherr Jos. Nepomuk Schmid, Baar; Ratsherr Michael Stutz, Cliam; Präs. Hausheer, Steinhausen; Präs. Karl Sidler, Risch und Präs. Karl Ant. Hürlimann, Walchwil. c) Wird die Kommission ermächtigt, für den Sekretär die Organisation und Pflichten, sowie dessen Gehalt zu bestimmen und denselben von freier Wahl zu ernennen. II. Der Stadt- und Amtrat hat ferner: In Betrachtung, dass durch diese Anstalt jedem, welcher derselben beigetreten, eine Schadloshaltung seines an seinem Haus und Gebäude durch Brandunglück zu erleidenden Schaden für die Zukunft zugesichert wird, und In Betrachtung, dass jeder Kantons-Einwohner für den Beitritt zu dieser unter dem Schütze der Regierung stehenden Assekuranz aufgefordert und für die Teilnehmer an dieser wohltätigen Anstalt hinlänglich Zeit offen gelassen worden und nach Ansicht des § 36, welcher bestimmt, dass wegen erlittenem Brandschaden keine Steuern mehr erteilt werden sollen, einmütig beschlossen: Es soll in Zukunft, nach dem die unterm 30. April 1812 unter den Schutz der Regierung gestellte Assekuranz in Vollziehung und Wirklichkeit gesetzt sein wird, vom Stadt- und Amtsrat für Feuerverunglückte und wegen Brandschaden — ausserordentlich grossen Unglück vorbehalten — keine Steuer mehr aus der Kantonskasse erteilt, noch eine Bewilligung um Steuer weder öffentlich noch privat zu sammeln erteilt werden. Infolge dieses einmütigen Rats-Beschlusses wurde der Geist für neue Taten gestärkt und schliesslich der Gedanke wachgerufen, die Angelegenheit der nächsten Landsgemeinde zu unterbreiten, damit die Feuerassekuranz für den ganzen Kanton zum Gesetze erhoben wird. Mit diesem Gesetze werde nun jeder Haus- und GebäudeBesitzer verbindlich und pflichtig, seine Objekte zu versichern. Auch die Wühlereien in einzelnen Gemeinden würden durch einen solchen Landsgemeinde-Beschluss ein Ende nehmen. In der Sitzung des Stadt- und Amtsrates vom 29. April 1813 wurde jedoch noch nicht entschieden,

Die Entwicklung des Feuer-Assekuranzwesens im Kanton Zug ob die Behörde diese Brandversicherungsanstalt der bevorstehenden Landesgemeinde zur Genehmigung vorlegen wolle oder nicht. Doch wurde erkannt, die Angelegenheit auf Sonntag, den 2. Mai 1813, d. h. auf den Tag der Landsgemeinde zu verschieben, um dann, bevor man zum Landsgemeinde-Platz ziehe, einen bestimmten Entscheid fassen zu können. Die Kanzlei aber erhielt den Auftrag, auf den genannten Tag Vorschlag und Gutachten dem Stadt- und Amtsrat auszuarbeiten und vorzulegen. Am 2. Mai wurde vor Beginn der Landsgemeinde vom Rat die Frage nochmals behandelt und hierauf beschlossen: Es solle bei der li. Landsgemeinde angetragen werden, zu erkennen: a) Es sei die von der weitaus grössten Mehrheit der Haus- und Gebäude-Eigentümer angenommene Feuerassekuranz nach den Grundsätzen, wie sie unterm 28. Februar 1812 vor Stadt- und Amtsrat den 1. Gemeinden vorgelegt worden, für den ganzen Kanton zum Gesetze zu erheben. b) Der Stadt- und Amtrat ist bevollmächtigt, die durch diese Verfügung allfällig notwendigen Abänderungen zu bestimmen und das Ganze zu vollziehen, oder durch die angestellte Feuerassekuranz-Kommission vollziehen zu lassen. c) Zu dem Ende solle der von der Kanzlei auftragsgemäss verfasste und abgelesene Vorschlag, der die kurze Geschichte dieser Anstalt bis heute und die vorgesetzten Erwägungsgründe enthält, der Landesgemeinde zur Annahme vorgelegt werden. Nach dieser Beschlussfassung sind dann die gnädigen Herren des Stadt- und Amtrates gemessenen Schrittes und in gewohnter Feierlichkeit an die ordentliche Maien-Landsgemeinde zum Landsgemeindeplatz beim Löwen am See gezogen. Am genannten Tage (2. Mai 1813) — nach Beendigung der gewohnten Wahlen — wurden von der Gemeinde obige Anträge des Stadt- und Aintrates zum Landesgesetz erhoben und damit ein schönes, edles und gemeinnütziges Werk für die Zukunft zum Segen des Landes geschaffen. Im hierauf folgenden Stadt- und Amtrat, den 21. Mai, fand man für zweckmässig, die Kommission auf 11 Mitglieder zu erhöhen und es wurden in diese zur Ergänzung neu gewählt die Herren Altammann Hess von Unterägeri und Präsident Gretener von Hünenberg. Unterm 5. Juni 1813 brannte in der Allrüti,

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Gemeinde Risch, bei hellem Tage, das dem Binzmüller Jos. Knüsel gehörende Haus und Schopf total nieder. Die bestellte Kommission hatte nun die Aufgabe, den ersten Verbal-Prozess aufzunehmen, den Schaden und die Steuer zu bestimmen, sowie Bericht und Antrag dem Stadt- und Amtrat zu unterbreiten. Zur Deckung dieses Brandschadens (1125 Gl.) wurde dann unterm 4. August eine Steuer beschlossen mit Einzug von einem Zürcherschilling per 100 Gulden. Durch den Landsgemeindebeschluss ward nun der Eintritt in die Assekuranz-Gesellschaft gesetzlich und allgemein verbindlich. Die Kommission entfaltete nun eine rege Tätigkeit, damit die Schätzung der Gebäulichkeiten möglichst rasch durchgeführt werden konnte. Der aufgenommene Bestand des Versicherungskapitals zeigte im Jahre 1813 folgendes Ergebnis: Für die Gemeinde: Zug 937,525 Gl. Oberägeri 226,650 „ Unterägeri 203,550 „ Menzingen und Neuheim 508,225 „ Baar ^ 470,400 „ Cham 187,975 „ Hünenberg 119,850 „ Steinhausen 112,425 „ Risch 231,525 „ Walchwil _ 54,125_ J ,_ Total 3,068,250 Gl. Von Jahr zu Jahr erhöhte sich das AssekuranzKapital wesentlich. Es zeigte im Jahre 1860 im Kanton 16,776,300 Fr. „ „ 1870 „ „ 24,953,700 „ „ „ 1880 „ „ 38,717,850 „ „ „ 1890 „ „ 42,749,950 „ „ „ 1900 „ „ 50,978,950 „ „ „ 1918 „ „ 90,275,200 „ Zug 1918: 31,097,600. Während der verflossenen Jahre schenkten die Behörden dem Assekuranzwesen, sowie dem Feuerlöschwesen stets die grösste Aufmerksamkeit. Es wurden neue Feuerpolizei-Verordnungen, Gesetze betreffend Brandversicherung der Immobilien und ferner Gesetze über Brandversicherungen für die Gebäude im Kt. Zug teils revidiert, teils neu geschaffen. Q u e l l e n : Stadt- und Amtprotokolle, Ratsprotokolle, Rechenschaftsberichte des Kt. Zug, Zugerzeitungen, Amtsblätter. C o r r i g e n d a : Auf Seite 16, Zeile 9 von unten, soll es heissen: Lugghause anstatt Bugghause.

Eine Heimfahrt über den Ozean zur Krhegszeit

Eine Heimfahrt über den Ozean zur Kriegszeit.4 |on einer wahren Odyssee berichtet uns kommen, das neutrale Belgien überrannt habe, ein junger Zuger, der mit einer Anzahl da bemächtigte sich der Schweizerkolonie eine Schweizer von Amerika herüber kam, schreckliche Unruhe. „Was Belgien heute widerum Mutter Helvetia vor fremden Zu- fahren ist, das kann morgen auch der Schweiz beschieden sein", so musste man sich sagen, dringlichkeiten schützen zu helfen. Herr W. B. hatte vor einigen Wochen seinen seitdem man inne geworden, dass Verträge nichts Lieben in der alten Heimat einen Besuch abge- weiter sind, als wertlose Fetzen Papiers, die der stattet und war, nichts Böses ahnend, gegen Ende Mächtige nach Belieben zerreissen kann. In der Juli wieder nach New-York in See gegangen. Schon Tat trafen denn auch alsbald Alarmnachrichten auf dieser Fahrt langten drahtlose Depeschen be- ein, welche die Schweiz für bedroht, ja sogar drohlichen Inhaltes auf dem Schiffe an, welche schon für angegriffen erklärten. Die Besorgnisse jeweilen in der an Bord gedruckten Zeitung den unserer Landsleute waren auf's höchste gestiegen.! Passagieren mitgeteilt wurden. Auf diese Weise Kurz entschlossen trat ein halbes Hundert derselben, erfuhr man, dassOesterreich überdaskleineSerbien teils Dienstpflichtige, teils Freiwillige, zusammen, hergefallen sei. Als die Reisenden in New-York um auf eigene Kosten unverzüglich die Heimreise anlangten, waren sie erstaunt, am Pier so wenig anzutreten. Aber da war guter Rat teuer! Deutsche Menschen zu finden. Es pflegten sonst zur An- Schiffe verkehrten nicht mehr. Ein englischer kunftszeit eines grossen Steamers viele Leute sich Steamer, der reisefertig im Hafen lag, erklärte, da zu versammeln, teils aus Neugierde, teils in nur Engländer und Amerikaner an Bord nehmen der Absicht, Verwandte und Freunde willkommen zu wollen. Ebenso weigerte sich der Kapitän eines zu heissen. An Land klärte sich dann die sonder- italienischen Schiffes, andere Passagiere, als eigene bare Erscheinung sofort auf. Niemand fand Zeit, Landsleute zu befördern. Unserm Trüpplein braver sich um die Ankömmlinge zu bekümmern; fieber- Vaterlandsverteidiger brannte der Boden unter den haft arbeiteten Geschäftshäuser, Banken und Börse; Sohlen. Es schien ihnen, als müssten sie von hunderttausende von Telegrammen wurden abge- ferne ohnmächtig zusehen, wie man ihr geliebtes sandt und empfangen. Denn inzwischen war die Heimatland vergewaltige. Da kam Hülfe in der Kriegs-Erklärung Deutschlands an Russland ge- Not! Patriotische Franzosen hatten zum Heimkabelt und damit die Möglichkeit eines allgemeinen transporte von Kriegsfreiwillen einen Dampfer europäischen Krieges vor aller Augen gerückt gechartert und als der Schweizer-Konsul sich mit dem Ersuchen an sie wandte, den voll Sorge und worden. Sehnsucht nach der Heimat ausschauenden EidUnsere Schweizer interessierte besonders, was genossen auch noch Statt und Platz zu geben, da ihnen von ihrem Konsulate mitgeteilt wurde. Man taten französische Courtoisie und Sympathie wieder wusste bereits von der Mobilisation der gesamten ein Uebriges. Wie gute Kameraden wurden die schweizerischen Armee. Als nun aber gar die Schweizer von Besatzung und Passagieren der Nachricht anlangte, dass Deutschland, um den „Sauf Anna" aufgenommen und während der kürzesten Weg nach Paris in die Hand zu be- ganzen Ueberfahrt auch so gehalten. *) Vorstehende, nach den Angaben unseres jungen Mitbürgers verfasste Schilderung ist im September 1914 geschrieben worden. Sie war ursprünglich für den FeuilletonTeil einer hiesigen Zeitung bestimmt, wurde aber von der Redaktion zurückgewiesen. In dieser Tatsache liegt auch ein Moment, das die während des Weltkrieges bei uns herrschende Mentalität kennzeichnet. E. St.

Unser Gewährsmann schilderte nun besonders anschaulich die Abreise von New-York. Er meinte, New-York habe wohl schon viele Dampfer abfahren gesehen; so grossartig und herzerhebend, wie bei der Abfahrt der „Sanf Anna", sei es aber wohl noch nie zugegangen. Stundenlang, bevor

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das Schiff in See stechen konnte, sei der Pier welche ein wackerer Turner seinem Kameraden schwarz von Menschen gewesen. Mitglieder der in der Kabine abstattete. Er kletterte an einem französischen Kolonie, die ihren Lieben das Geleit Tau über die Bordwand hinunter und verschwand gaben, tausende von Amerikanern, welche die durch das Kajütenfenster in des Freundes Behausung. Gelegenheit zu einer Sympathiekundgebung be- Die an der Kojen-Türe Lauschenden vernahmen nutzen wollten, hätten die Landungsstelle besetzt plötzlich ein von englischen und schweizerdeuschen gehalten. Mehrere Musikkorps spielten abwechselnd Kraftausdrücken genährtes Gespräch, woraus zu die Marseillaise und „The star-spangled banner". schliessen war, dass das Wagestück durchschlagend Das reichbeflagte Schiff sei von einer Woge edler gewirkt hatte. Ein einziger Mißstand machte sich Begeisterung umflutet gewesen. geltend. Er bestand in einem fast gänzlichen Aberauch schmerzliche und leidvolle Abschieds- Mangel holder Weiblichkeit. Was eine längere Szenen hätten nicht gefehlt. Hier habe eine Mutter See-Reise sonst so unterhaltsam und prickelnd dem scheidenden Sohne, als ob sie die geliebten gestaltet, der Flirt, war dadurch beinahe ganz Züge ewig festhalten wolle, noch einmal tief und ausgeschlossen. Aber unter diesem Mangel litten lange in die Augen geschaut; dort habe ein Vater die Franzosen mindestens ebensosehr, als ihre seinen Jungen auf den Arm gehoben und geküsst, schweizerischen Reisegefährten; „solamen estsocios während seine Frau weinend am Halse des Gatten habere in miseris!" hing. Als aber die „Sauf Anna" den New-Yorkem Von der Kursänderung des Schiffes war weiter den letzten Sirenen-Gruss sandte, da habe ein oben die Rede gewesen. Es hiess, man steure solch ungeheures Hurrah- und Hochrufen, Fahnen- nunmehr nach der Meerenge von Gibraltar, um und Tücherschwenken eingesetzt, dass in dieser nach Marseille zu gelangen. Diejenigen unter den Ovation an die Scheidenden alles Uebrige unter- Reisenden, welche Gibraltar noch nicht kannten, gegangen sei. Langsam glitt der Dampfer den warteten schon gespannt auf den Anblick der Hudson hinunter. Beim Passieren der Ankerstellen berühmten Felsenfestling. Aber bald wurde bedes Norddeutschen Lloyd und der H. A. P. A. G., kannt, dass der Kurs wieder abgeändert worden wo unter andern Schiffen auch der Riesendampfer sei. Die Fahrt ging jetzt direkt auf den Meer„Vaterland" abgetakelt festlag, hätten die zirka busen von Biscaya, resp. auf die Gironde zu, wie 2000 Männer der Sauf Anna" doch nicht sich die Mündung der Garonne in den atlandischen enthalten können, den deutschen Besatzungen ein Ozean genannt wird. Dass man an die Stelle brausendes Hurrah hinüberzusenden. Marseille's Bordeaux als Ausschiffungshafen setzte, Nun beginnt die Schilderung der hochinteres- soll seinen Grund in der um zirka vier Tage santen Fahrt. Man wusste, dass noch irgendwo kurzem Reisedauer gehabt haben. Am zehnten deutsche Kriegsschiffe unterwegs waren und tat Tage nach Abgang in New-York gelangte die deshalb alles Mögliche, um einem Zusammentreffen Sauf Anna vor die Gironde, wo sie wegen der mit solchen auszuweichen. Vorerst wurde der Ebbe zunächst einige Stunden liegen blieb. Mit übliche Kurs nach dem englischen Kanal beibe- einsetzender Flut ging es dann langsam und im halten, dann aber gegen Abend plötzlich scharf Paradeschmuck sämtlicher Flaggen und Fähnchen nach Süden abgedreht. Die rote, weithinleuchtende stromaufwärts. Schon mehrere Kilometer vor BorFarbe am Schornstein musste einem unauffälligen deaux begrüsste die Uferbevölkerung das heranGrau Platz machen. Nachts wurden keine Schiffs- ziehende Schiff, indem sie sich oft bis zum äusserlaternen angezündet und alle Lucken und Tür- sten Sandstreifen in das Flussbett hinauswagte. öffnungen sorgfältig verwahrt, damit auch kein Bei dem Hüte- und Tücherschwenken achtete die Lichtschein aus dem Innern des Fahrzeuges dringe. Menge gar nicht auf die Bewegung des Wassers, Musik und jede andere lärmende Betätigung war welche durch ein Fahrzeug von der Grosse der streng untersagt; doch durfte man sich nachts Sant' Anna entstehen musste. Infolgedessen wiederbeliebig lang an Deck aufhalten, um unter dem holte sich stets von neuem das ergötzliche Schauwundervollen Sternenhimmel zu promenieren und spiel, wie die vordersten Zuschauer von den vermit den Kameraden seine Gedanken, Hoffnungen drängten Fluten erfasst und durchnässt wurden. und Befürchtungen auszutauschen. Dass unter so Der Empfang in Bordeaux war ganz jubelnde viel jungen Leuten auch mutwillige Streiche aus- Begeisterung. Auch über die Schweizer ergoss geheckt wurden, versteht sich von selbst. Als sich eine Flutwelle davon; überall hiess es: „Voici solcher darf die nächtliche Visite gebucht werden, lesSuisses, ces braves gens" und „vive la Suisse",

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Eine Heimfahrt über den Ozean zur Kriegszeit

was sich unsere Landsleute um so lieber gefallen Hessen, als es bei Aeusserungen bloss platonischer Zuneigung nicht verblieb. Schon bei der Passund Zollrevision war das Wohlwollen der Behörde offensichtlich. Als es sich aber darum handelte, trotz Kriegsfahrplan so schnell wie möglich dem Ziele seiner Wünsche nahe zu kommen, da konnte man erst ermessen, was Sympathie in einem Lande, wie Frankreich, vermag. Ein Ersteklass-Wagen wurde zur Verfügung gestellt; er sollte einem Militärzuge angehängt werden, der gegen Abend von Bordeaux wegfuhr. In der Zwischenzeit tat man noch rasch einen Blick auf die prächtige, peinlich saubere Stadt, die gegenwärtig etwa 250,000 Einwohner zählen mag und als Seehandelsplatz sofort nach Marseille und Havre rangiert. Das beinahe völlige Fehlen der Männer im sog. besten Alter (20—40 Jahren) war auffällig. Fast nur Frauen, Kinder und Greise belebten dieStrassen. Ausser auf diese, stiess man noch auf viele SenegalSchützen, die in einer Stärke von 3000 Mann kurz vor Ankunft der Sant' Anna waren gelandet worden. Die schwarzen Krieger trugen ein strammes, selbstbewusstes Wesen zur Schau und sahen in ihren graugelben Uniformen (Khaki) sehr gut aus. Es soll beabsichtigt sein, nach und nach etwa 30,000 dieser Leute auf den europäischen Kriegsschauplatz hiniiberzunehmen. Einigen Kameraden unseres Gewährsmannes war in einem andern Teile der Stadt auch ein Transport deutscher Kriegsgefangener begegnet. Er wurde durch Bordeaux geführt, um irgendwo im Südwesten der Republik interniert zu werden. Die Eisenbahnfahrt ging zuerst nordostwärts von statten. An einem gewissen Punkte musste wieder umgestiegen und eine südöstliche Richtung eingeschlagen werden, während der erste Zug mit seiner Last von lebendem und totem Kriegsmaterial gegen Norden weiterfuhr. Wie manches der sorglos und heiter lachenden jungen Gesichter, das da aus den Fenstern der enteilenden Wagen grüsste, war in wenig Tagen nur noch als entstellte, wachsbleiche Maske wiederzufinden! So ging die Reise durch Perigueux, durch das Limousin und die Auvergne, immer im Zickzack und es hätte eine sehr vergnügliche, interessante Fahrt sein können, wenn es möglich gewesen wäre, die Gedanken zu konzentrieren. Aber die flogen ungeduldig der Heimat zu und beschäftigten sich nur mit dem einen Gegenstande, dem Kriege! Bei einem längern Aufenthalte auf einer Station beobachteten unsere Landsleute Artillerie, die vermutlich gerade die

Garnison verlassen hatte, um in den Krieg zu ziehen. Speichen und Naben der Räder an Geschützen und Protzen seien höchst geschmackvoll mit Blumen und Grünzeug umwunden gewesen; die Geschützrohre waren bekränzt und trugen in den Mündungen duftige Blumensträusse. Ja, selbst die Pferde hatten an Zaum und Sattelzeug Blumenschmuck erhalten und es versteht sich von selbst, dass auch die Kanoniere und Fahrer nicht leer ausgingen. Wer mochte wohl diese sinnige Dekoration beschafft haben? Männerhände sind es gewiss nicht gewesen! Wie manches dieser Blümchen wird als letztes Angebinde der Liebe von seinem Besitzer noch zärtlich gehütet werden, auch wenn es längst schon verwelkt ist, wird als Talisman zwischen den Blättern einer Brieftasche oder eines Notizbüchleins liegen, wird — ach, wie bald vielleicht schon ruhen an einem durchschossenen Herzen! Musste nach solchen Aufenthalten wieder ein neuer Zug bestiegen werden, dann hiess es regelmässig: „Hier ist Platz für die Schweizer; en avant les Suisses" und „vive la Suisse", worauf sich, wenn nicht ein Extra-Wagen zur Stelle war, gewöhnlich ein Coupe I. Klasse vor ihnen auftat. Sie, die sich Billets II. Klasse beschafft hatten, reisten auf dieser langen Strecke fast immer erste Klasse, ohne einen Centime mehr auslegen zu müssen. Die Haltung des Bahnpersonals und der Stationsvorsteher sei überal les Lob erhaben gewesen. Aber, wie „der göttliche Dulder Odysseus" endlich sein geliebtes Ithaka wiederfand, so erreichten auch unsere Landsleute nach dreitägigen Irr- und Zickzack-Fahrten den Leman-Strand. Wie waren sie froh, Genf noch am gewohnten Platze zu finden, wie schlug ihr Herz höher, als ihnen die ersten Repräsentanten der schweizerischen Wehrmacht entgegentraten! Eine kleine Enttäuschung, über die mau aber mit gutem Humor hinwegzukommen trachtete, erlebten die Heimgekehrten gleich bei ihrem Eintritte in die Schweiz. Sie mochten der Meinung sein, der Kriegsfahrplan nehme es bei uns nicht genauer als in Frankreich und da man extra zur Verteidigung Helvetiens heimgekehrt sei, so dürfe man aucii etwas mehr Recht beanspruchen. Allein der Kondukteur begriff diesen erhabenen Standpunkt nicht und so blieb keine andere Möglichkeit, als Vergütung der Differenz zwischen erster und zweiter Klasse. Nachdem man der guten Sache so hohe Opfer gebracht, konnte auch dieses verschmerzt werden.

Eine Heimfahrt über den Ozean zur Kriegszeit — Der Alpsegen, Gedicht von Isabelle Kaiser Was unsere Reisenden am meisten verwunderte, war die Stimmung, die in deutschschweizerischen Landen fast durchwegs zu Gunsten unseres nördlichen Nachbars sich aussprach. Sie mochten davon um so unangenehmer berührt sein, als sie kurz vorher von den Republikanern des Westens als Gleichgesinnte begrüsst und mit Aufmerksamkeiten überhäuft worden waren. Auch kamen sie aus den U. S. A., wo in dieser Hinsicht ein anderer Wind weht. Der Zweck ihrer Reise ist verfehlt, das werden sich unsere heimgekehrten Mitbürger selbst gesagt haben; denn Mama Helvetia vermag zunächst noch ohne ihre Hülfe auszukommen. Aber einen sehr er-

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freulichen Beitrag zur Geschichte dieser stürmischen Tage bleibt die Reise doch. Sie zeigt, welche Treue und Anhänglichkeit, welch' starke Heimatliebe in den Herzen der Schweizer lebt, auch wenn sie tausend Meilen vom angestammten Herde entfernt wohnen. Das, was dieses Fähnlein der einundfünfzig Aufrechten getan, die grossen Opfer, die es freiwillig auf sich genommen hat, um der Heimat in gefahrdrohender Stunde Helfer zu sein, das würden tausende wackerer Schweizer nachahmen, wenn die Not einst wirklich an unsere Tore pochte. „Heil Dir Helvetia, hast noch der Söhne da . . . . ! "

Der Alpsegen. Allabendlich, zur Sonnenwendezeit, — „Allvater droben, lasse diese Nacht Wenn alle Herden auf den Alpen weiden, Auf Tier und Menschen gute Geister walten, Und aus den Tälern hehrer Einsamkeit Dass Bruder Klaus, Sankt Wendel stehen Wacht, Des Tages letzte Strahlen scheiden, Und auf der Alp die liebe Herberg halten. Da hebt ein Klingen an so tief und sanft, — Jesus! Herz allerliebster Jesus Christ! Und schwebt wie mahnend über Forst und Halden, B'hüt Seel', Ehr', Leib und Gut hier oben, Als stiege noch der Selige vom Ranft Und alles was der Alp hier g'hört und ist, Laut betend zu den Hirten von Obwalden: All Schritt und Tritt har Chüeli zu loben . . . „Ho lobet! Zu loben! In Gottes Namen lobet!" Ho lobet! Zu loben! In Gottes Namen lobet!" — Der Wandrer lauscht mit fromm entblösster Stirn Es rieselt das Gebet wie heil'ger Tau Den Klängen, die, gewiegt auf Adlers Schwingen, Und rauscht dem Talgrund zu wie Orgeltöne, Hoch über Schluchten hin, von Firn zu Firn, Als suchten Engel, wandelnd durch die Au, Wie Jenseitsgrüsse von den Geistern klingen! Unfrohe Menschen auf, in lichter Schöne, Den Sennen sieht er nicht am Felsenhang, Dass sie nicht irren ohne Ziel und Pfad, Der hebt den Trichter auf mit Klaggebärde, Als Hoffnungslose, leid und Staubgeboren, Und bläst mit stiller Macht den Lobgesang, In Finsternissen, bis der Morgen naht, Zu schweben zwischen Himmel hin und Erde: Wie eine Herde, die den Hirt verloren . . . — „Ho lobet! Zu loben! In Gottes Namen lobet!" — „Ho lobet! Zu loben! In Gottes Namen lobet!" Und tönt der Segen von der Alp herab, Wenn Dämmrungsschatten huschen durch die Halden, All was 'des Todes war, das welket ab, Und Frieden hüllet ein das Land Obwalden. Es reift das Korn den heil'gen Scheunen zu, Der Hader schweigt, und über dunkle Pfade Hält Gottes Liebe durch die Sommerruh Ihr Sternenlicht empor, in milder Gnade . . . • „Ho lobet! Zu loben! In Gottes Namen lobet!" Ermitage v. Beckenried, Sommer 1919.

Isabelle Kaiser.

Die zugerischen Heilstätten im Aegerital

Die zugerischen Heilstätten im Aegerital Sanatorium „ADELHEID" und Kinder-Heilstätte „HEIMELI". Von Rud. Weiss, Prof.

I.

W

ilde Kriegsjalire liegen hinter uns Noch erfasst uns ein Grauen, wenn wir an die Tage zurückdenken, da der Donner der Schwergeschütze über die Grenzen an unser Ohr dröhnte und uns das Elend ahnen Hess, das über Europas einst so selbstbewusste Völker verheerend hereinbrach. Wir fluchen dem Kriege als der Menschheit grässlichster Geissei, als einem Feind, für den es keinen Pardon gibt Und docli duldeten und hegten wir bis vor kurzem einen ihm ebenbürtigen, ja noch

Tuberkulose. Wohl begnügt sich der Krieg nicht bloss mit Hekatomben jungstrotzender Menschenleben: blühende Städte und Dörfer verwandelt er in rauchende Trümmerhaufen, gottgesegnete Fluren in öde Wüsteneien; er vernichtet stolze Industrien, knechtet Handel und Verkehr, ruft der Not und dem Elend. Aber die Wut des Krieges tobt sich schliesslich aus, auf die Katastrophe folgt früher oder später Waffenruhe und über der Sturmnacht des Schlachtenwahnsinns geht die Morgendämmerung des Friedens auf und leuchtet die Früh-

Das Lungensanatorium „Adelheid" bei Unterägeri; darunter das Kindererholungsheim „Heimeli".

furchtbareren Feind fast sorglos mitten unter uns. Ich meine die kein Land und kein Alter schonende

lingssonne einer besseren, ruhigeren Zeit. Das Ungeheuer Tuberkulose aber kennt kein Atemholen,

keine Rast, keinen Stillstand. Der Höllenmusik der Feuerschlünde, des Glutscheins brennender Wohnstätten, des Sprühhagels explodierender Bomben bedarf sie freilich nicht: in heimlicher, ununterbrochener Minenarbeit setzt sie ihren Opfern zu. Die Tuberkulose dringt, einer Giftmischerin gleich, in unsere friedlichen Wohnungen ein und streut ihre Bazillen ohne Rast und Ruh tagtäglich zu Milliarden und Milliarden über arglos durchs Dasein pilgernde Geschlechter aus. Wie der Krieg ein Tyrann ist, der auf seine Millionenheere pocht, so ist die Tuberkulose eine Tyrannin, deren Soldaten aber in Billionen über unser Land schwärmen und aus dem Staub der Strassen, aus den muffigen Wohnungen der vom Glück Verfemten, aus dem Hauch der bereits Gezeichneten ihre Angriffe in tausend Formen auf uns alle, ob reich oder arm, jung oder alt, wahllos erneuern. Es bedurfte der modernen Hilfsmittel der Wissenschaft, um uns die Gigantentätigkeit dieser mikroskopischen Erbfeinde in ihrer ganzen Tragweite aufzudecken. Jahrtausende verstrichen und wehrlos stand der Mensch der Riesenplage gegenüber. Heute nimmt er den Kampf gegen sie, mit dem Rüstzeug der Forschung gewappnet, mutiger auf und, Gott sei Dank, nicht ohne Erfolg. Und wir in unserer engeren Heimat dürfen uns freuen, in diesem Kampfe zur Zeit in den ersten Reihen zu stehen und dem Gegner aus den vordersten Schützengräben auf den Leib zu rücken. Freilich unser von der Natur so entzückend ausgestattetes Zugerländchen wurde und wird vom Würgengel Tuberkulose nicht weniger verschont als andere Gegenden. Warf doch noch in den letzten Vorkriegsjahren der Tuberkelbazillus Jahr für Jahr von 10,000 Zugern mehr als 20 ins frühzeitige Grab, während andere 400, vom heimtückischen Siechtum befallen, eine ständige Gefahr ihrer Umgebung bildeten. Auf unseren Friedhöfen barg jeder siebente Grabhügel irgend ein Opfer der Lungenschwindsucht! Mit der Jahrhundertwende setzte der Feldzug gegen die furchtbare Infektionskrankheit auch in unserem Kanton intensiver ein. Die Gemeinnützige Gesellschaft übernahm die taktische Leitung. Männer, wie ein Dr. ') Dr. Fr. B r a n d e n b e r g , Dissertation über Tuberkulose im Kindesalter, Zug, 1889. Dr. J. Hü rli m a n n , Beitrag zur Prophylaxis der Lungenschwindsucht: Ueber die Fürsorge für arme, chronisch erkrankte Kinder, speziell für Rhachitische und Skrophulöse, Zürich, 1900 (Referat gehalten an der Jahresversammlung der Schweiz Gemeinnützigen Gesellschaft in Zug 1900; im Auszug bearbeitet im Zuger Neujahrsblatt

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J. Hürlimann, ein Dr. Arnold, ein Dr. Isaak stellten die Resultate ihrer diesbezüglichen Untersuchungen der Allgemeinheit mahnend zur Verfügung und wiesen auf die Wege zum erfolgreichen Kampfe hin. Volksaufklärung durch belehrende Schriften und Vorträge leitete die Kampagne ein.1) Eine dem Wesen der Krankheit entsprechende Prophylaxis — Luft und Licht — hatte den Fatalismus der Unwissenheit und die bald wertlosen, bald sogar verderblichen Hausmittel aus Grossmütterchens Geheimtruhe zu verdrängen. In der richtigen Erkenntnis, dass der Kampf schon bei unsern Kleinen und Kleinsten einzugreifen habe, rief Hr. Obergerichtspräsident Dr. Hürlimann einem vermehrten Kinderschutz und der Gründung eines zugerischen Kinder-Sanatoriums. Als Vorgänger eines solchen darf in gewissem Sinne das Privatsanatorium für Kinder am Aegerisee betrachtet werden, das der unermüdliche Arzt bereits im Jahre 1881 aus eigener Initiative ins Leben gerufen hatte und dem sich, wieder unter Dr. Hürlimanns tüchtiger Leitung, 1885 die zürcherische Heilstätte für skophulöse und rhachitische Kinder beigesellte.

II. Von der lebensdurstigen, der sie umgebenden Gefahren noch unbewussten Kinderwelt wandte und wendet sich immer wieder die Sorge der Aerzte und Menschenfreunde jenen Erwachsenen zu, die, vom Gifthauch der Tuberkulose berührt, die Keime der Krankheit entweder heimlich herumtragen oder, bereits mit dem Kainszeichen der Seuche auch äusserlich gebrandmarkt, doch aus dem engen Kontakt mit ihren Angehörigen, Nachbarn und Berufsgenossen nicht zu lösen sind. Hier ist es geschäftlicher Zwang, dort die Stellung in der Familie, dort wieder — und das leider in den meisten Fällen — die Sorge um das tägliche Brot, die eine Genesung versprechende Lebensweise, den Aufenthalt in miasmentötender Höhenluft nicht gestatten. Ein Trost freilich bleibt diesen Unglücklichen, die Hoffnung, die die Lungenkranken selten verlässt. Ein paar Tage, wenn es wohl will einige Wochen Sommerferien auf irgend einer Berghöhe sollen Wunder wirken. Die Erfahrung aber lehrt, pro 1901 unter dem Titel: Ueber den Schutz gegen die Lungenschwindsucht im allgemeinen und über die Fürsorge für chronisch erkrankte, tuberkulöse und rhachitische Kinder im speziellen). Dr. C. A r n o l d (und Dr. Isaak); die Tuberkulose im Kanton Zug, 1877—1886 und 1890—1899 (Zuger Neujahrsblalt 1902), Zug, 1902.

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Die zugerischen Heilstätten im Aegerital

dass nur ein monatelanges Verweilen in der Balsamluft unserer Berge bei entsprechender Lebensweise unter ärztlicher Leitung wirklich Heilung bringen kann. Wohl klingen die Namen Davos, Arosa, Leysin und wie sie alle heissen, Erlösung kündend auf den Lippen so mancheiTieflandkranken, aber die Kosten einer dortigen erspriesslichen Kur sind gar vielen unerschwinglich. Diesen Aermsten zu helfen sollte nun Aufgabe der Volkssanatorien werden. Die dem Schweizerstamme nachgerühmte Opferwilligkeit ermöglichte denn auch in den letzten Jahrzehnten die Gründung verschiedener solcher Anstalten in der Mittellandszone. Kapitalkräftige Kantone gingen mit gutem Beispiele voran. Den geldmittelschwachen tuberkulösen Bürgern Zürichs und Berns öffneten sich die grossen Heilstätten von Wald und Heiligenschwendi; Glarus erbaute das Sanatorium von Braunwald; Solothurn dasjenige von Allerheiligen; Aargau und Basel folgten mit ihren Volksanstalten von Bannelweid und Davos. Durften angesichts solcher Beispiele nicht auch wir Zuger an eine ähnliche Heilstätte für unsere Angehörigen denken? Gewiss! Und es ist ein besonderes Verdienst von Herrn Kantonsarzt Dr. Arnold, schon vor bald zwanzig Jahren den Wert und die Vorzüge eines zugerischen Sanatoriums betont zu haben. Bei der Kleinheit unseres Gebietes jedoch galt es vorerst die konkreteren Pläne der Kinderheilstätte zu verwirklichen. Gleichzeitig andere Pläne materiell zu fördern hätte unverantwortliche Zersplitterung unserer Kräfte bedeutet. Und doch war der Wunsch nach einem eigenen Sanatorium so berechtigt, so mächtig, so gross! Doch siehe! Uns Zugern ging es fast wie den Kindern im Märchen, denen eine holde Fee goldene Schlösser baut. Drüben am blauen See, in Sanct Andreas' wohnlicher Veste waltet eine solche Frau, Zugerblut in den Adern, im Heizen hohen Edelsinn! Wir kennen sie alle, wenigstens dem Namen und noch mehr ihren Werken nach: F r a u Adelheid P a g e - S c h w e r z m a n n , die Gemahlin des um Chams Entwicklung so hochverdienten Generaldirektors Hr. G. Page sei. Mag ihr auch durch ein gütiges Geschick aus dem Füllhorn irdischer Güter reiche Spende geworden sein, der Geist der Ueberhebung und stolzen Sichselbstgenügens blieb ihr fremd. Als Kind der Zuger Erde fühlt sie sich auch heute bei ihren Zugern heimisch, heimisch vor allem bei jenen, die in Bedrängnis und Krankheit des Trostes und der Hilfe bedürfen. Wie oft nun musste sie da auf ihren stillen Gängen in den Hütten der Armen und

selbst am Schmerzenslager der Bessergestellten die ungenügende Wartung und die Unzulänglichkeit der Hilfsquellen bedauern. Wo immer möglich schuf Frau Page Linderung; aber gerade die sachgemässe Pflege der Tuberkulösen und deren Isolierung bot ihr immer und immer wieder stete Schwierigkeiten. Da fasste die Edle den grandiosen Plan, aus eigenen Mitteln auf Zuger Boden eine ideale Heilstätte zu errichten und sie ihren engern Landsleuten zur Verfügung zu stellen. In den Herren Dr. Imbach, dem unermüdlichen Chefarzt unseres Bürger-Spitals und Dr. Hürlimann, dem zugerischen Sonderegger, sowie in den übrigen Spitzen der zug. Gemeinnützigen Gesellschaft fand sie freudige Förderer ihrer herrlichen Idee. Im Sommer 1909 war der Entschluss perfekt und unverzüglich schritten die Eingeweihten zum Studium der so wichtigen Platzfrage. Die Niederungen von Zug, Baar und Ennetsee fielen ihrer Tieflage und der häufigen Nebel wegen sofort ausser Betracht. Dagegen wurden die mild-warmen Gestade des Sees von Walchwil bis hinauf zu den Fluhbändern des Rossberges, sowie die Höhenwelle oberhalb Blickenstorf eingehend untersucht. Doch von allen hier in Frage kommenden Plätzen erwies sich keiner als absolut geeignet, da sie entweder im offenen Strichfeld der bei uns so heftigen Weststürme liegen oder dann in der Morgenfrühe des kräftigenden Sonnengrusses entbehren. Da lenkte Herr Dr. Hürlimann in Aegeri die Aufmerksamkeit auf einen prächtig gelegenen Platz am Erliberg, der in der Seehöhe von 830 m allen Anforderungen der Hygieniker und technischen Experten in geradezu vorzüglicher Weise entsprach. Im Frühling 1910 ging das fragliche Grundstück samt einem angrenzenden Heimwesen in den Besitz unserer grossen Philanthropin über und schon in den nächsten Wochen schlugen die Pickel der braunen Söhne Italiens das Trace der Zufahrtsstrasse und trieben die Stollen der künftigen Wasserleitung. So imponierend diese erste Tat der Frau Page war, ihre Herzensgüte und ihr aus innerster Seelentiefe quellendes Sozialempfinden stellten sich ein noch weit erhabeneres Ziel. Nicht ein kalter, protzenhafter Bau sollte den armen Kranken erstehen, sondern ein Heim, das der wärmende Hauch echter Charitas und Toleranz in allen Details umspielt und auch den Aermsten und Schwächsten wohnlich und wohlig macht. Und dieser Timbre, das cachet, der Herzschlag, die Seele, wenn wir wollen, der Anstalt sollte ihr Werk werden, ein

Die zugerischen Heilstätten im Aegerital Teil ihres besten Ichs. Die gewissenhafteste Erfüllung der kühnen Aufgabe war unserer Menschenfreundin Herzensbedürfnis, in gewissem Sinne geradezu hehrer Lebenszweck. Mit wahrem Feuereifer warf sich Frau Page auf die erste Ausarbeitung genereller und Detailpläne, wobei sie ihr organisatorisches Talent und ein über dem Dilettantismus stehendes Kunstempfinden liebevoll unterstützten. Damit nicht genug, besuchte die Unermüdliche persönlich die verschiedenen Lungensanatorien unseres Vaterlandes, sich überall über Bau und Betrieb sachkundig orientierend. Nur das Beste vom Besten durfte der Neugründung zu gute kommen und so folgten sich Entwürfe auf Entwürfe, Pläne auf Pläne, immer treu beraten von den Forderungen der Hygiene, der Kunst, des Schönheitssinns, des Heimatschutzes. Mit der definitiven Ausarbeitung der Pläne betraute die Bauherrin die zugerische Architektenfirma Keiser<& Bracher, die durch ihre bisherige Tätigkeit — man denke nur an das TheaterKasino in Zug, an das dortige Neustadtschulhaus, an die Renovation des Schlosses St. Andreas — auch für die neue Aufgabe volle Gewähr bot. So wuchsen über den Sandsteinfelsen des Erliberges die Erker und Loggien empor, erstanden die Krankensäle und Einzelzimmer, die medizinischchirurgischen Kabinette, kurz der anmutige Bau eines Sanatoriums, in dem der Zauber architektonischer Finessen mit den Errungenschaften der Hygiene zu einem harmonischen Ganzen verschmilzt.1) Im Juli 1911 wurde das Richtfest gefeiert und am 18. Mai des folgenden Jahres übergab Frau Page in solennem Akt durch ihre Enkelin die Schlüssel der nach ihr benannten Anstalt Herrn Dr. Imbach, dem Präsidenten der Sanatoriumskommission der zugerischen Gemeinnützigen Gesellschaft. Damit ging das S a n a t o r i u m „ A d e l ') In hervorragendem Masse konnte sich beim Bau des Sanatoriums zugerisches Können — Handwerk und Kunstgewerbe — entfalten. Neben der Unternehmerin, der allzeit tüchtigen Baufirma J. Landis und dem umsichtigen Bauführer Herrn Zeidler, verdienen u. a. die Herren Schreiner Burkhardt, Schlosser Fritz Weber, Maler Emil Weber, Installateur Wickart und Gärtner Egli auch an dieser Stelle dankbare Erwähnung.

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h e i d" an Zugs Männer und Frauen über, die, um das Panier der Volkswohlfahrt geschart, der Tuberkulose mehr denn je rastlose Fehde schwuren. Der edlen Stifterin aber gelobten in des Tauffestes Feierstunde Behörden und Volk des Kantons, das königliche Geschenk wie einen Augapfel zu hüten als Stätte wahrer, werktätiger Nächstenliebe.

III. Selbstverständlich hatten die organisatorischen Arbeiten durch den Vorstand der Gemeinnützigen

Liegehallen und Terrassen.

Gesellschaft, an deren Spitze damals Herr Dr. Merz in Baar stand,1) schon lange vorher eingesetzt. Die spezielle Ueberwachung und Leitung der Anstalt wurde statutengemäss einer besonderen neungliederigen, unbesoldeten Sanatoriumskommission2) übertragen, deren Vorsitz von Anfang an Herr Dr. Imbach mit der zielbewussten Initiative des Fach') Seit dessen Wegzug (1911) präsidiert Herr Nationalrat Dr. Stadlin-Graf die Gesellschaft mit Umsicht und Geschick. 2 ) „Frau Adelheid Page oder ihr Rechtsnachfolger ist ständiges Mitglied dieser Kommission. Die übrigen Mitglieder, sowie das Präsidium der Kommission werden von der Versammlung der Gemeinnützigen Gesellschaft mit steter Wiederwählbarkeit auf eine Amtsdauer von je drei Jahren gewählt. Der Präsident und mindestens zwei Mitglieder des Vorstandes der Gesellschaft sollen in der Sanatoriumskommission Sitz und Stimme haben. Die Kommission ist für einen richtigen, den wissenschaftlichen Anforderungen und dem Stiftungszweck entsprechenden Betrieb der Anstalt der Gemeinnützigen Gesellschaft verantwortlich." (§ 4 und 5 der Statuten.)

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mannes und der Aufopferungsfreude des vor keinem Hindernis zurückschreckenden Philanthropen führt. Leider war es Herrn Dr. Hürlimann, dem unentwegten Vorkämpfer auf dem Gebiete der Volkshygiene, nicht mehr vergönnt, diesem Kollegium anzugehören.1) Am 22. Januar 1911 entriss ihn der Tod seinen Freunden, seinen Kranken, seinem Volk. Als eine der ersten Aufgaben lag der Sanatoriumskommission die Aeufnung eines Betriebsfondes ob. Denn es bedarf wohl kaum der Erwähnung, dass in einer wirklichen Volksheilstätte, die ihre Pforten vor allem den Un- und Wenigbemittelten öffnet, die ordentlichen Einnahmen die Betriebskosten bei weitem nicht zu decken vermögen. Und eine solche Volksheilstätte par excellence sollte doch die Neugründung nach dem ausdrücklichen Willen der Stifterin werden! Da waren sofort verfügbare Kapitalien nötig, die der Existenzsorge enthoben. Dass Frau Page die Beschaffung dieser Betriebsmittel der Initiative der Kommission überliess, möchte ich als einen prächtigen Zug echt weiblicher Delikatesse bezeichnen. Gab er doch dem Zuger Volk herrliche Gelegenheit zu werktätiger, segensvoller Mitarbeit und wurden wir Zuger als reich Beschenkte zugleich mit der kleinsten Spende zu freudig begrüssten Mitgebern, die wir daher mit um so berechtigterem Stolze von „unserem" Sanatorium sprechen dürfen. Der Appell der Kommission fand denn auch bei allen Bevölkerungsschichten herzliche Aufnahme. Die im Jahre 1910 gegründete Frauenliga zur Bekämpfung der Tuberkulose im Kanton Zug beschloss, den Ertrag ihrer Hauskollekten dem Sanatorium zuzuweisen. Und noch wird in aller Erinnerung der reizende Bazar sein, welchen die gemeinnützigen Damen im Jahre 1911 im TheaterKasino zu Gunsten der zugerischen Lungenheilstätte mit dem hinreissenden Elan der Jugend veranstalteten und der dem Betriebsfonds der Anstalt volle 24000 Franken zuführte. Auch opulente Ver') Der Vollständigkeit halber mögen die Namen der ersten Kommissionsmitglieder folgen : Präsident Dr. F. Imbach, Zug; Vizepräsident Dr. C Arnold, Zug; Aktuar Dagobert Keiser, Architekt, Zug; Kassier A. Wickart, Bankverwalter, Baar; Frau Adelheid Page, Cham; Frau Dr. Hürlimann, Unterägeri; Dr. H.Stadlin-Graf, Zug; M Hausheer, Pfarrer, Menzingen (bis März 1913); J. Knüsel, Pfarrer, Unterägeri (seit März 1913); F. Iten, Friedensrichter, Unterägeri (gest. 1913); Dr. J. L. Schmid, Ständerat, Baar (gest. 1913); J. Hildebrand (seit 1914). Im Jahre 1918 wurde die Kommission als „HeilstättenKommission" erweitert mit den Herren : J. Bossard, Biirgerrat, Zug; Dr. med. C. Hegglin, Menzingen; J. MeyenbergIten, Präs, Unterägeri; Fritz Spillmann, a. Reg.-Rat, Zug.

gabungen mehrten den Fonds, so 10000 Fr. von Herrn Bossard-Schwerzmann in Cham. Die Nestle" and Anglo-Swiss Condensed Milk Co. sicherte einen jährlichen Beitrag von 1000 Fr. zu, die Regierung des Kantons Zug einen solchen von 2000 Franken. Exempla tralumt! Wer das „Goldene Buch" des „Neujahrsblattes" aufschlägt, wird es nicht ohne ein Gefühl der Befriedigung und des Dankes durchgehen gegen jene Wohltäter — Private, Behörden, industrielle Etablissemente — die von Jahr zu Jahr der armen Kranken droben an der Halde des Erlibergs gedenken.1) Dem allgemeinen Betriebsfonds gesellten sich in den letzten Jahren etliche Separatfonde zu, so ein Fonds zur Unterstützung erkrankter Wehrmänner, ein Unterstützungsfonds für arme Kranke, je ein Freibettfonds für Arbeiter der Metallwarenfabrik und der Landis & Gyr A. G. Alle diese freiwilligen Zuwendungen, das Scherflein des Kleinbürgers, wie die Schenkung der Weltfirma, tragen wesentlich dazu bei, dem Sanatorium „Adelheid" durch niedrigste Pflegetaxen den Charakter einer Volksheilstätte zu sichern und unsere Anstalt auch in dieser Hinsicht unter ihresgleichen in die vorderste Reihe zu stellen. An den geringen Ansätzen nehmen übrigens auch die Patienten aus dem Mittelstande teil. Wohl nirgends findet der Mittelbegüterte zu einer verhältnismässig so billigen Taxe so schöne Zimmer mit guter bürgerlicher Kost und ärztlicher Behandlung in klimatisch so günstiger, anmutiger Gegend. Wenn sich trutz all dem die Kosten eines Verpflegungstages im Sanatorium „Adelheid" wesentlich niedriger stellen als in anderen Anstalten von ähnlicher Grosse, so verdanken wir das wieder der unversiegbaren Güte der Stifterin, ihrer fortwährenden, öffentlich nicht gebuchten finanziellen Unterstützung. Von einschneidender Bedeutung für jede Heilstätte und für ein Lungensanatorium ganz besonders ist die Berufung tüchtiger ärztlicher Kräfte und die Sorge um geeignetes Betriebs- und Wartepersonal. Das Sanatorium „Adelheid" hatte das Glück, in der Person des Herrn Dr. med. W. Knoll einen eisten Direktor zu gewinnen, der die unvermeidlichen Schwierigkeiten der Eröffiningsperiode mit Umsicht und Takt überwand und als Arzt wie als Verwalter treffliche Dienste leistete. Nicht minderes Lob gebührt seinen Nachfolgern, den Herren Dr. A. Hüssy (1914 — 1916) und Dr. M. Geiser (seit ') Eine kurze Zusammenstellung dieser Schenkungen zu Gunsten des Betriebsfonds des Sanatoriums Adelheid wird der Leser am Schlüsse meiner Arbeit finden.

Die zugerischen Heilstätten im Aegerital 1916), sowie der zeitweiligen Assistentin und Stellvertreterin Frl. med. pract. Zehnder, die alle mit hervorragendem Geschick und hohem Pflichtgefühl den physischen und psychischen Bedürfnissen unserer armen Kranken zu entsprechen wussten. Die zum Teil überraschenden Erfolge in der Heilstätte am Erliberg danken wir nicht in letzter Linie der Kunst und Hingabe unserer Aerzte. Diese ihrerseits aber anerkennen neidlos die unschätzbare Mitarbeit eines kleinen, aber erprobten Stabes von Schwestern, die im schlichten Ordenskleid der Benediktinerinnen vom „Heilig Kreuz" bei Cham, unbekümmert um Dank oder Undank, nur ihrer Pflicht und ihren Pfleglingen leben. Dass die Sanatoriums-Kommission nach reiflicher Prüfung Schwestern aus einer Kongregation berufen konnte, die ihr Mutterhaus auf Zuger Boden hat, ehrt dieses und erhöht wohltuend der Anstalt echt zugerisches Gepräge. Mitte Mai 1912 war das Sanatorium „Adelheid" mit seinen 50 Betten (heute 56) zur Aufnahme der Patienten bereit. Am 24. des gleichen Monats traten die ersten Kranken ein und seither strömt der Segen des hehren Werkes grundlauterer Nächstenliebe unablässig über Dutzende und Dutzende von armen Menschenkindern, gross und klein, die ohne den schützenden Hort dem weissen Gespenst der Tuberkulose rettungslos verfallen wären. Wohl waren anfänglich vereinzelte Stimmen laut geworden, die angesichts der Neugründung um den aufblühenden Fremdenverkehr im Aegeritale bangten. Doch bei der musterhaften Organisation, der strammen Anstaltsdisziplin und der strengen Abgrenzung der Infizierten waren die Befürchtungen kaum ernst zu nehmen. Und die Folgezeit hat denn auch jene Pessimisten Lügen gestraft: Trotz des Sanatoriums, nein, durch dasselbe sogar gefördert, flutet des Fremdenstroms bunte Welle von Jahr zu Jahr immer mächtiger in das einst so stille Bergseetal.

IV. Ein freundlicher Spätsommernachmittag lagert über dem Aegerital. Gemächlich schlendere ich auf der neuen, vor Jahresfrist vollendeten Fahrstrasse dahin, die vom Bahnhof Unterägeri in sanftem Anstieg über Heimhusen auf die Höhe der zugerischen Heilstätten führt. Ein herrliches Wandern in der Gottespracht des Hochtals! In tiefem Frieden liegt es da, umschlossen von den Waldhängen des Zuger- und Rossberges, ernst

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gehütet vom düstern Kaiserstock und dem heldenberühmten Morgarten. Reicher, warmer Sonnenglanz flutet über das üppige Mattengrün des Erliberges, in der Tiefe aber dehnt sich, traumhaft wie ein Meeraug, einer jener Alpenseen, deren Anblick auch den Verwöhntesten hinreisst zu stillem, frommen Schauen. Doch nicht bloss das Auge labt sich an des Tales wundervollen Reizen: durch seine weite Mulde zieht der Alpluft geheimnisvolle Heilkraft in ungewöhnlicher Fülle. Geschützt vor der bissigen Schärfe des Nordwinds dacht der Erliberg steil zum Talgrund ab und badet seine Brust, voller und freudiger denn andere Hänge, in den fast senkrecht aufschlagenden Licht- und Wärmegarben des hier oben selten ermüdenden Urquells jeden Erdendaseins. Wie oft, wenn drunten in den Niederungen naßschwere Nebel auf Stadt und Landschaft lasten, kost am Erliberg warmer Sonnenschein mit der Farbenpracht des Spätherbstes oder huscht traulich über des Winterschnees blendendes Weiss. Was der Kranke, der Lungenkranke besonders zu seiner Heilung bedarf, bietet die Halde, die ich beschreite, in hervorragender Vielseitigkeit: windsichere Lage, nebelarme Winter mit hoher Mittagstemperatur, kräftige Insolation, den ausgleichenden Reflex des Sees. Wahrlich, wer in solcher Gegend seine Genesung sucht, ist nicht^ schlecht beraten! Solchen Betrachtungen nachhängend, erreiche ich schneller, als ich gedacht, mein Ziel. Aus parkähnlicher Umfassung grüssen in üppigem Laubwerk rote und schwarze Beeren, winken überragende Zierbäume den ersten Willkomm. Im Hintergrunde aber tauchen in duftigem Aufbau die Terrassen, Balkone und Giebel des Sanatoriums empor, dem mein heutiger Besuch gelten soll. Wirklich ein schönes Bauwerk, imponierend in seiner Anlage, gefällig für das Auge, praktisch für seinen Zweck! Ich habe schon diese und jene Volksheilstätte gesehen, aber keine von allen kann sich eines so graziösen und reichen Arrangements von Galerien, Baikonen, Liege- und Wandelhallen rühmen, wie das Sanatorium „Adelheid". Eine breite Terrasse, aus dem Aushubmaterial des Berghanges angeschüttet, lagert dem auf Felsengrund ruhenden Gebäude vor. Die Zufahrtsstrasse umgeht dieselbe und strebt, an dem isoliert wie eine Einsiedelei am Rain klebenden Chalet des Anstaltsgeistlichen vorbei, der Rückseite des Krankenhauses zu. Vor der Anfahrt treffe ich mit der Schwester Oberin zusammen, die mich mit herzlicher Zuvorkommenheit durch die sympathischen

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Räume ihres Dominiums führt und mir jeden nur wünschbaren Aufschluss bereitwilligst erteilt. Sympathische Räume! Es ist ja wahr, sie umschliessen unsägliches Elend: Kinder, welche noch so jung,

Blick über die Glashalle der Kinderabteilung

schon furchtbare Spuren der zersetzenden Kraft des Tuberkelbazillus zur Schau tragen, Männer und Frauen, die hüstelnd und matten Blickes der wärmenden Sonne nachschleichen oder hilflos in den weissen Linnen ihrer Betten vom Tag der Genesung träumen. Der Anblick all dieser Gestalten müsste ernst und traurig stimmen, wenn man nicht wüsste, dass den Armen ja gerade in diesen Räumen alles wartet, was menschliche Kunst und christliche Liebe zu ihrer Erleichterung und Heilung ersinnen und bieten können. Eines dieser Momente spielt unzweifelhaft die ungemein wohlige Freundlichkeit, welcheZimmer für Zimmer schmückt. Nicht kahle, nackte Wände, wie ich sie aus verschiedenen Spitälern kenne, umschliessen des Kranken Schmerzenslager, nein, wohnliche Gemächer, die der sorgende Genius der Stifterin mit weichem Farbenschmelz und echt künstlerischem Wandschmuck froh belebt. Kein aufdringlicher Ton, keine Ueberladung, nur wenige Möbelstücke, dafür von exquisitem Geschmack! Die ganze Innenausstattung ist so recht dazu angetan, das Gemüt zu heben, die erstorbene Lebensfreude wieder wach zu rufen. Das Sanatorium „Adelheid" gliedert sich in

drei, nach dem Alter und dem Geschlecht der Patienten gesonderte Abteilungen. Im Erdgeschoss liegen neben den Ess- und Tagräumen der Erwachsenen die Zimmer der Kinder, im ersten Stock diejenigen der Männner und Frauen; die Dachetage beherbergt hier die einfachen Schlafkammern der Schwestern und des Gesindes, dort die freundlich-elegante Wohnungdes Arztes. Große Krankensäle mit Kasernenbetrieb kennt unser Sanatorium nicht. Die Patientenzimmer sind zur Aufnahme von höchstens fünf, zwei oder einem Insassen eingerichtet. Fast alle diese Zimmer liegen auf der Mittagsseite und stehen in direkter Verbindung mit den Liegehallen, auf welche die Kranken in ihren Betten zum stärkenden Sonnenbad hinausgerollt werden. Wo immer ich eintrete, frappiert gegen Südosten. eine garadezu vorbildliche Ordnung, die peinlichste Reinlichkeit. Und diese erstreckt sich auch auf die Nebenräume. Die Aborte, die Badezellen, die Toiletten mit ihren eleganten Installationen für jeden einzelnen Patienten erwecken den Eindruck, als ob sie von heute wären. Einen raschen Blick werfe ich in das schicke Bureau. Eine kaufmännisch geschulte Schwester führt hier ein strammes Regiment, das seinerseits der Kontrolle des um das Kassawesen der Anstalt sehr verdienten Bankverwalters Hrn. AI. Wickart in Baar untersteht. Nebenan betrete ich das Sprechzimmer des Arztes, von dem eine Wendeltreppe hinunter in das Untergeschoss führt, zu der Apotheke, dem Laboratorium, dem Röntgenkabinett, dem Operationssaal, der Desinfektionskammer, Räumen, die durch ihre Ausrüstung, ihre Fülle modernster chirurgischer Apparate und Einrichtungen den Laien verblüffen, des Fachmanns Bewunderung heischen. Nichts untcrliess und unterlässt auch heute noch die Generosität der Stifterin, um gerade diese Abteilung der Anstalt auf der Höhe der wissenschaftlichen Forschung zu erhalten. Hier unten setzt die stille, segensreiche Arbeit des kundigen Arztes ein; hier dringt er mit der Linse in die Tiefen der mikroskopischen

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Welt; hier durchleuchtet er des Kranken wunden Leib, scheidet dessen ekligen Auswurf, fertigt Gipshülsen, Gipsbetten, Gipskorsette an, bereitet die Extensionsverbände, die Punktionen der Gelenke und Abszesse, die Injektionen und Bäder vor, die der Tuberkelstäbe giftige Herrschaft brechen sollen. Ich lasse mir einige Röntgenplatten zeigen, auf welchen ich das Einschrumpfen eines Bazillenherdes im Armknochen eines Patienten deutlich verfolgen kann. Weiter geht die Wanderung, an der Werkstatt vorbei, zur Kapelle, einem wahren Meisterstück architektonischer Raumausnützung, einem Schmuckkästchen in Bezug auf die künstlerische Ausstattung. Der Berner Kunstmaler Haberer hat hier in der kryptaartigen Rotunde unter dem Kinderpavillon durch goldbraune, gelbe und violette Töne, im Verein mit dem Brokat der Altarnische und dem Gelblicht der Fensteraugen eine Harmonie hervorgezaubert, die unwillkürlich Andachtsstimmung, Ewigkeitsgedanken auslöst. Und nun gehts durch die im Felsen eingehauenen Keller-, Vorrats- und Heizungsräume mit ihren modernen Feuerungs- und Dampfanlagen. Denn motorische und elektrische Kraft greift überall in den Wirtschaftsbetrieb der Anstalt ein; sie kocht das Mittagsmahl in den retortenartigen Töpfen der blitzblanken Küche gar; sie wühlt das Heisswasser der Spülmaschine im Office zum rasenden Gischte auf, sie treibt in der Bügelkammer im Tempo der Propeller die feuchten Linnen durch die Glättewalzen; sie desinfiziert der Kranken Betten, Kleider und Wäsche. Dieser überall, selbst in der Küche, einsetzende mechanische Betrieb fasziniert mich derart, dass ich draussen im Wirtschaftshof ganz verwundert auf die beiden Mägdlein schaue, die zufällig Kastanien altvaterisch mit blosser Hand enthülsen.

ein gar lieblich Bild. Um zwei Schwestern geschart, liegen zehn, zwölf herzige Kinder in blossem Hemdlein oder kurzen Höschen munterem, frohem Spiele ob. Wie es aus ihren Augen leuchtet, das Glück der ersten Jugend, welche noch leichten Sinnes die Krankheit trägt, die an ihrem zarten Leibe nagt! Zutraulich streckt mir eine allerliebste Kleine ihre Händchen entgegen. Doch — ein leises Beben durchzuckt mich ••- die Mittelfingerchen sind wegamputiert und auf der rechten Wange glüht ein verdächtig Rot! Und dort, auf weisse Kissen gebettet, von der Schwester mütterlich gestützt, schlenkert ein Büblein einen drolligen Bajazzo, selig lächelnd, daseinsfreudig und doch entbehrt es der Kraft, das eigene schwache Körperchen zu heben. Was sorgt's den Kleinen, was seine Gespielen? Sie alle tun's den bunten Kindergruppen gleich, die der Künstler ergötzlich ringsum auf Fries und Leisten gemalt. Im Vorbeigehen grüss ich ein paar Männer, die nachlässig müde auf der Terrasse an der Sonne sitzen. Etwas wie Schwermut lagert auf der Gruppe. Schleppend scheint ihre Unterhaltung zu sein und fast misstrauisch streift ihr matter Blick den un-

V.

gerufenen Gast. Der Mann dort an der Brüstung, einst wohl ein rüstiger Arbeiter, lauscht mechanisch dem klangarmen Wort des Nachbars; sein Auge aber schweift unstät in das Weite, als suchte es nach Weib und Kind, die vielleicht zu Hause in ärmlicher Kammer des Vaters traute Kosung missen. Schon lange, ach! Wie lange noch?

Doch nun zurück nochmals zu unsern Kranken. Schwester Benedikta, die freundliche Oberin, führt mich hinaus auf die grosse Liegehalle, welche beidseitig geräumige Glaspavillons flankieren Im östlichen, sonnendurclifluteten Pavillon wartet meiner

Sonnen- und Luftkur Im Winter.

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Drunten an der Gartenmauer treiben sich zwei Knaben, nach Knabenart umher. Nicht mit der Behendigkeit und dem Uebermut ihrer gesunden Altersgenossen; aber einen schwachen Versuch, es diesen gleich zu tun, dürfen sie sich wohl einmal erlauben. Da erkennt mich einer der Jungen. Freudig nickt er hinauf, so bewegt, als wollt er mir einen Gruss aufgeben an lieb Mütterchen daheim. Gut, gut! Ich werde ihn ausrichten. Auf der oberen Veranda treffe ich mit einem Fräulein aus meiner Nachbarschaft zusammen. Ein kurzes Gespräch entspinnt sich. Wie gehts? Wie befinden Sie sich? Wie steht's mit der Besserung? Gerne vernehme ich gute Kunde. Der Aufenthalt im Sanatorium ist nicht umsonst; die Heilung, die lang ersehnte, macht Fortschritte, langsam, ja, aber sicher. — Der Gang durch die Krankenzimmer und ein Blick in die lehrreichen Statistiken der Anstalt zeigen, mit welcher Unerbittlichkeit die Tuberkulose ihre Opfer bei allen Altersstufen und Berufsarten, unter Ledigen und Verheirateten aussucht. Den Fabrikarbeiter erfasst sie in der weiten Maschinenhalle, den Handwerker in seiner engen Werkstatt; sie schont den Kaufherrn, den vielgereisten, so wenig als den Ordensmann in stiller Klosterzelle; den Gelehrten, der über seinen Büchern sinnt, so wenig als den Landwirt hinter Pflug und Egge. Auffallen mag es, dass unsere Hausfrauen und Töchter mit ihren dienenden Geistern in Zimmer und Küche ebensoviele Tuberkulöse liefern, wie alle übrigen weiblichen Berufe zusammen. Noch sind die Ursachen der Infektion nicht erschöpfend abgeklärt. Mögen hier Ueberarbeitung und Unternährung die Entwicklung der Bazillen gefördert haben, so hat dort wohl der Aufenthalt in staubschweren oder überhitzten Räumen die Widerstandskraft der Kranken geschwächt. Gar viele aber wird erbliche Belastung und der enge, unvorsichtige Verkehr mit Infizierten — Mensch und Tier — der Seuche in die Arme treiben. Auf solchen Erwägungen fusst das Heilverfahren, das droben im Sanatorium „Adelheid" der Bekämpfung der Tuberkulose dient. Gesundheitliche Regelung der Lebensweise der Patienten bildet der Behandlung festen Grund. Reichliche Ernährung, langsame Gewöhnung an körperliche Arbeiten und vorsichtige Abhärtung sind das Rüstzeug, der Sonne warmes Licht und der Lüfte reiner Nektar die blanken Waffen gegen den grimmen Feind. Zu Medikamenten greift der Arzt höchstens, wenn des Kranken Beschwerden Linderung heischen.

„Hinaus an die frische Luft, hinaus zum Sonnenbad!" lautet der erlösende Ruf. Und diesem Zwecke dienen die herrlichen Terrassen und Balkone. Die Betten werden hinausgerollt und gar mancher Patient verbringt selbst die laue Sommernacht dort draussen unter Gottes freiem Himmel. Gerade der Reichtum an breiten Liegehallen und Veranden gestattet unserer Heilstätte, neben den Lungentuberkulösen eine grössere Zahl Kranke mit sog. chirurgischer Tuberkulose der Sonnen- und Luftkur teilhaftig zu machen. ') Der Erfolg freilich winkt nicht von heute auf morgen. Hartnäckig wehrt sich der Gegner für sein Opfer und nur monatelanges Ringen führt zum endlichen Sieg. Wenn der Bazillus z. B. die Knochen der Wirbelsäule und der Extremitäten erfasst, wenn er sich in die Gelenke einfrisst, die Gewebe des Bauchfells oder der Halsdrüsen zersetzt, dann kann nur eine methodische Kur von jahrlanger Dauer die tuberkulösen Herde zur endgültigen Kapitulation zwingen. Trotzdem könnten viele Patienten die Anstalt früher verlassen, wenn sie sich, die Mahnung der Aerzte befolgend, möglichst bei Beginn der Krankheit der Sanatoriumskur unterziehen würden. Wenn endlich solche, denen der Tod schon im Herzen sitzt, an die Pforten unserer Heilstätte klopfen, so können sie nur deswegen Aufnahme finden, weil man dadurch ihre bisherige Umgebung vor der Gefahr der Infektion zu schützen hofft. Von solchen Fällen abgesehen, sind die Erfolge des zugerischen Sanatoriums recht befriedigende. So konnten im letzten Jahre (1918) von den 95 ausgetretenen Patienten 69 die Anstalt in ganz oder fast ganz gebessertem Zustande verlassen. Nahezu die Hälfte der Erwachsenen hatte wieder volle Arbeitsfähigkeit erlangt und ein weiteres Viertel hemmten die Folgen der Krankheit nur noch unbedeutend an der wieder aufgenommenen beruflichen Betätigung. ') Mit Recht legt man in Aegeri grosses Gewicht auf die Sonnentherapie, steht doch das Sanatorium Adelheid unter den Volksheilstätten, deren Sonnenstunden durch Autographer: aufgezeichnet und von der eidg. meteorologischen Zentralanstalt kontrolliert werden, nächst Davos an erster Stelle. Der Sonnenscheinautograph des Sanatoriums verzeichnete in den Jahren:

1915 1916 1917 1918

1496,1 Sonnenstunden 1557 1581 1693,7

Zum Vergleiche diene die Zahl der Sonnenstunden im Jahre 1916 in den Heilstätten Allerheiligen 1337 Zürich (Wald) 1432 Davos 1645

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An diesem hervorragenden Erfolge darf aber besonders der Männer, mehr den sogenanten Solneben der Luft- und Sonnenkur die sorgfältige datenarbeiten zu. Die Frauen beschäftigen sich Ernährung der Kranken ihren nicht unwesentlichen mit Handarbeiten, zeigen einander neue Muster Anteil beanspruchen. Lange, üppige Menüs, wie und finden dabei manch nützliche Anregung. Selbst sie in gewissen Privatsanatorien, wenigstens vor bettlägrige Patientinnen lassen sich gelegentlich dem Kriege üblich waren, kennt die zugerische zum Zeitvertreib Nadel und Stickrahmen reichen. Heilstätte freilich nicht. Dafür erhalten die Pen- Schlimmer sind jene Männer daran, welche die sionäre die Kost eines gut bürgerlichen Hauses Krankheit an das Bett fesselt; doch stehen ihnen mit reichlichen, deBücher und Zeitlikat zugerichteten schriften zur VerSpeisen. Ich habe fügung. Ihnen und mir erlaubt, auch allen andern bietet einen Blick in die die freilich noch Küchenzettel zuwerkleine Anstaltsbibfen und wahrhaftig, liothek manch anangesichts der heugenehmen Unterhalt tigen schweren Veru. belehrende Stunhältnisse lief mir daden. Auch für die bei das Wasser im geistige EntwickMunde zusammen. lung der Kleinen Unwillkürlich geist trefflich gesorgt. dachte ich jener PaEine tüchtige Lehrtientin, die auf mein schwester führt das Befragen bittersüss Szepter in diesem aufseufzte: „Ach, Kreise. Der Unterdass man krank sein richt wird, soweit muss, um einmal gut möglich im Freien, essen zu können!" nach den Grundsätzen der LanderBei der langen ziehungsheime erDauer der Anstaltsteilt, immerhin aus kur musste von Angesundheitlichen fang an auf eine anRücksichten in regemessene Beschäfduziertem Masse. tigungderPfleglinge Trotzdem darf die Bedacht genommen Die Kapelle. kleine Schulgemeinwerden. Denn Ruhe darf nicht in Müssiggang ausarten. Aber gerade de stolz auf ihre Resultate schauen. bei Tuberkulösen lullt das dolce far niente der Mit der Arbeit wechseln, wo immer es geht, ersten Kurzeit gerne die Arbeitsenergie der Patien- Stunden froher Erholung ab. Der grosse Garten ten ein und erzeugt in der Folge eine oft nur und der eigens hierzu erworbene Spazierweg über schwer zu überwindende Apathie. Immerhin setzt des Nachbars Gut werden fleissig zu kleinen Rundmit dem Rückgang des Leidens meistens wieder gängen benützt. Mancherlei Spiele in Haus und eine gewisse Unternehmungslust ein, so dass die Park, wie Croquet und Kegelschieben, bringen gebesserten Kranken nicht ungern bei leichter weitere Abwechslung und bei trübem Wetter mögen Garten- und Hausarbeit oder in der Werkstatt mit- etwa Klavier und Grammophon in die Lücke treten helfen. In einzelnen Fällen muss freilich die Au- und mit frohen Weisen hinwegtrösten über die torität des Arztes oder der Schwester der schwachen üble Laune des Augenblicks. Wie freut es aber Willenskraft die erste Brücke schlagen. Als Spe- erst die Kranken, wenn irgend eine Sängerschar, zialität unseres Sanatoriums sei die Korbflechterei ein Musikverein in „der Welt draussen" ihrer gegenannt, der in früheren Jahren manche Rekon- denkt und zu ihnen hinaufpilgert zu einem kurzen valeszenten mit erfreulichem Eifer oblagen. In der Ständchen; wenn ein kleines Konzert, eine Reziletzten Kriegszeit hingegen wandte sich das Interesse, tation, ein Projektionsvortrag und dergleichen mehr

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das Einerlei des Kurlebens für ein, zwei Stündchen unterbrechen. Auch der eine und andere Gedenktag wird im Sanatorium nach Möglichkeit gefeiert, so etwa der erste August, so vor allem das Weihnachtsfest. Musikvorträge, lebende Bilder, Reigen kleine Theaterstückchen, von Patienten und Freunden der Anstalt aufgeführt, gestalten den Anlass zum trauten Familienabend, der jeweilen seinen Höhepunkt erreicht, wenn im Lichterglanz des Christbaums der Gabentisch erstrahlt und des Hauses edle Stifterin Patient um Patient, die kleinsten und ärmsten voran, mit sinnigen Geschenken reich beschert. Ungeachtet der heutigen hohen Preise für sämtliche Lebens- und Betriebsmittel war es, wie ich bereits antönte, dank der nieversageiiden Hilfe der Gründerin und weiterer Wohltäter möglich, die laufenden Ausgaben des Sanatoriums und damit auch die Kostgeldtaxen auf einer auch im Vergleich zu anderen Volksheilstätten minimen Höhe zu erhalten.1) Diese Vorzugsstellung zu wahren und das Sanatorium „Adelheid" auch fernerhin als zug. Volksinstitution von bestem Klange zu festigen, bedarf es natürlich auch weiterhin des unverbrüchlichen Wohlwollens aller Gutgesinnten zu Stadt und Land. * * * So scheide ich von dem gastlichen Haus echter Nächstenliebe und Toleranz, auf den Lippen ein Wort der Aufmunterung an die armen Kranken, im Herzen stillen Dank an die Gönner der Anstalt, an Frau Page vor allen, des stattlichen Heimes nimmermüden Genius, Dank aber auch jenen, die hier oben im Dienste unserer Tuberkulösen Tag für Tag Gesundheit und Leben furchtlos in die Schanze schlagen. Und nun auf reizendem Strässchen hinunter ins nahe „Heimeli" zu kurzer, flüchtiger Schau!

VI. Schon eingangs deutete ich an, wie von Herrn Obergerichtspräsident Dr. Hürlimann sei. der erste ') Im Jahre 1918 wurden für 11918 Pflegetage Kostgelder von Fr. 1.30 bis Fr. 2.50 per Tag bezahlt, für 8010 Pflegetage Fr. 3.— bis Fr. 10.—. Das bezahlte durchschnittliche tägliche Verpflegungsgeld und die Kosten eines Verpflegungstages beliefen sich im Jahre 1914 auf Fr. 2.64, resp. Fr. 3.54 1915 „ „ 2.78, „ „ 3.60 1916 „ „ 2.85, „ „ 3.86 1917 „ „ 3.12, „ „ 4.52 1918 „ „ 3.30, „ „ 5.02

Anstoss zur Gründung eines zugerischen Kinderhortes ausging. Im Jahre 1897 war es, dass er im Schosse unserer Gemeinnützigen Gesellschaft mit den Flammenworten innerster Ueberzeugung die Notwendigkeit eines Ferienheims für arme, kranke Kinder entrollte. Es war auf weitem Brachfeld ein erstes Saatkorn, das erfreulicherweise auf günstiges Erdreich fiel. Doch wurde der Plan in der Folgezeit einigermassen modifiziert und eine Heilstätte für chronisch erkrankte Kinder in Aussicht genommen. Mit anerkennenswerter Energie suchte ein damals bestelltes Komitee dem Unternehmen die finanzielle Basis zu sichern, indem es die Aeufnung eines Fonds besorgte, der nach Ablauf des ersten Dezenniums bereits auf über 30 000 Franken angewachsen war. Inzwischen suchte man dem dringendsten Bedürfnis dadurch zu begegnen, dass ärmere skrophulöse Kinder in der zürcherischen Heilstätte am Erliberg, im Sanatorium „Adelheid" und im zugerischen Bürgerspital liebevolle Aufnahme fanden. Aber das war doch nur ein Notbehelf, war man doch am Erliberg auf das freilich nie versagende Wohlwollen der Zürcher angewiesen und fehlte in den beiden andern Anstalten begreiflicherweise das der Kinderwelt angepasste Milieu. Dieser Umstand veranlasste Herrn Reg.-Rat Spillmann im März 1914 unter Hinweis auf das heimliche und offene Elend so vieler hilfsbedürftiger Kinderlein und den an und für sich ansehnlichen Baufonds die endliche Errichtung einer Kinderhcilstätte zu befürworten. Hoffnungsvoll glaubte er für die noch fehlenden Mittel bei dem so gemeinnützigen Zwecke und der erprobten Opferwilligkeit der zugerischen Bevölkerung nicht bangen zu müssen. Wohl wurde denn auch die Anregung des gewiegten Staatsmannes günstig aufgenommen; aber wenige Monate später brach der welterschütternde Krieg aus und Hess für den Augenblick die internen philanthropischen Bestrebungen] in den Hintergrund treten. Doch nach und nach zeigten sich auch in unserer Heimat, mochte sie zwar von der Kriegsfurie direkt verschont bleiben, die furchtbaren Folgen des infamen Völkermordes. Beklommenen Herzens musste der aufmerksame Beobachter wahrnehmen, wie die zunehmende Teuerung und der Mangel an altgewohnten Lebensmitteln auch unter den zugerischen Kindern die Fälle von Unterernährung von Tag zu Tag mehrte und damit auch die Zahl jener Kleinen, die sozusagen leuchtenden Auges den Todeskeim mit sich herumtrugen, falls ihnen nicht ausserhalb ihrer

I-

Die zugerischen Heilstätten im Aegerital Familien in belebender Höhenluft Erholung und Stärkung ermöglicht wurde. Die Erhebungen, die Herr Dr. Imbach im Laufe der Kriegsjahre bei der stadtzugerischen Schuljugend machte, deckten auch dem Laien mit erschütternder Deutlichkeit auf, welch erschreckend grosse Zahl kränklicher Kinder unsere Schulhäuser und Spielplätze bevölkern. Und gar vielen von ihnen, und gerade den Aermsten, fehlten Wege und Mittel, in der Ozonluft unserer Berge die zermürbten Kräfte neu zu stählen. — Brennender denn je drängte sich daher den zug. Heilstättefreunden die Baufrage auf. Aber inzwischen waren die Lohnsätze, die Boden- und Materialpreise ins Doppelte und Dreifache angestiegen, sodass bei der allgemeinen Geldentwertung trotz des schönen Heilstättefonds an einen Neubau nicht gedacht werden konnte. Da war es wieder Frau Page, die grosse Wohltäterin, die mit einer zweiten hochherzigen Schenkung den gordischen Knoten zerschnitt. — Von der hohen Warte des Sanatoriums „ Adelheid", gleichsam zu dessen Füssen, erspähte ihr Auge an der Sonnenhalde des Erliberges ein wohnliches Plätzchen, wie geschaffen für die Postulate einer idealen Kinderfürsorge. Ganz in der Stille erwarb sie sich das sogenannte „ H e i m e l i " , beorderte Architekten, Baumeister und emsige Arbeiter hinauf zum zweckentsprechenden Umbau, kein Geld und keine Mühe scheuend, und stellte das nun in herrlicher Verjüngung prangende Gut der Gemeinnützigen Gesellschaft für die hilfsbedürftigen Zuger Kinder zur Verfügung. Der Geist Dr. Hürlimanns schwebt über der neuen Anstalt. Als sich der unvergessliche Pionier der Jugendfürsorge im Jahre 1903 von der aufreibenden Leitung seines Kindersanatoriums zurückzog, baute er sich da oben, in Kirchturmshöhe über dem trauten Dorfe, ein hübsches, einfach stattliches Landhaus mit dem Wahlspruch: „In der Welt ein Heim; im Heim meine Welt!" Hier gedachte er in beschaulicher Zurückgezogenheit, im Kreise der Seinen die stillen Genüsse eines sonnvergoldeten Alters zu kosten. Aber die Welt Dr. Hürlimanns umfasste ja nicht nur seine ihm so liebe Familie! Seine Schaffenslust verlangte neue Betätigung auf dem Gebiete der Philanthropie und so wurde das „Heimeli" zum Erholungshaus für ältere Töchter ausgebaut und als solches bis anno 1909 geführt. Dann aber nötigten die Tücken des Alters den wackern Kämpen, dem Dienste Aeskulaps endgültig zu entsagen, um sich ungestört der Vespersonne zu freuen, die weich-

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stimmige Töne über seinen leider allzu kurzen Lebensabend wob. — Im Jahre 1917 ging das „Heimeli" in den Besitz des Hrn. B. Senz-Weiss über. Als Kinderkurhaus sollte es schwächlichen Sprösslingen aus dem Mittelstande eine Stätte der Erholung und Stärkung werden. So anerkennenswert diese Absicht war, so löste doch die Wendung, die kurz darauf die Generosität der Frau Page dem Geschicke des „Heimeli" gab, weit und breit wahre Weihnachtsstimmung und Osterfreude in einem Zuge aus. Unterdrückte doch die Schenkung jeden spekulativen Einschlag der zukünftigen Heilstätte und erschloss diese gerade jenen Bevölkerungsklassen, die infolge ihrer sozialen Verhältnisse finanziellen Forderungen gegenüber ohnmächtig die Hände ringen. In freudiger Erregung nahm am 2. Juni 1918 der Vorstand der Gemeinnützigen Gesellschaft aus den Händen der edlen Gönnerin die Stiftungslirkunde entgegen, durch die das „Heimeli" in betriebsfähigem Zustande in den Besitz der Gesellschaft und damit gewissermassen in den des Zuger Volkes überging. Der eminent humanitäre Zweck der Neugründung erhellt wohl am deutlichsten aus dem Wortlaut einzelner Punkte der Statuten: Die zugerische Kinderheilstätte hat den Zweck, kränklichen und erholungsbedürftigen Kindern im Alter von 1 bis 14 Jahren ihre Hilfe angedeihen zu lassen. Kinder mit offener Tuberkulose dürfen nicht aufgenommen werden (§ 1). Aufnahmeberechtigt sind in erster Linie arme und wenig bemittelte Kinder, die im Kanton Zug heimatberechtigt oder wohnhaft sind. Soweit der verfügbare Platz es gestattet, können auch Kinder wohlhabender Eltern aus dem Kanton Zug und eventuell Kinder aus anderen Kantonen Aufnahme finden (§ 2). In der Aufnahme und Behandlung der Kinder soll strengste konfessionelle Neutralität beobachtet werden (§3). Der Betrieb der Anstalt wird bestritten: a) Aus den Zinsen des Fondes für eine zuger. Kinderheilstätte. b) Aus den Verpflegungsgeldern der Kinder und den Erträgnissen der Liegenschaft. c) Aus Subventionen und freiwilligen Beiträgen von Staat, Gemeinden, Gesellschaften, Vereinen und Privaten. d) Aus Schenkungen und Vermächtnissen (§ 9). Das Besitztum „Heimeli" und der Fonds für eine zug. Kinderheilstätte dürfen ihren Zwecken nicht entfremdet werden (g 10).

Der grosszügige Geist, der seinerzeit die Satzungen des Sanatoriums „Adelheid" diktierte, wiederholt sich somit in herrlicher Weise in der Zweckbestimmung und Organisation der Kinderheilstätte. Das „Heimeli", auf echt demokratischer Basis ruhend, soll allen kurbedürftigen Zuger Kin-

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Die zugerischen Heilstätten im Aegerital

dem ohne Ausnahme zugänglich sein, dem schwächlichen Sprössling des Proletariers, wie dem in der Entwicklung zurückgebliebenen Liebling des Altbürgers, dem Katholiken, wie dem Protestanten. Daher sind auch in der Kinderheilstätte die Verpflegungstaxen auf eine Mindestleistung herabgegesetzt;') ganz Unbemittelte werden entschädigungslos aufgenommen. Und wahrlich, sie finden eine herzliche, mütterliche Aufnahme! Die guten Erfahrungen, die man droben im Sanatorium mit den Schwestern vom Institut Heilig Kreuz gemacht, veranlassten die Leitung, auch die Pflege der Heilstättekinder und den ganzen inneren Betrieb des „Heimeli" dergleichen Kongregation anzuvertrauen und die Schwestern, die hier unten eingezogen, haben denn auch in der kurzen Zeit seit Eröffnung der Anstalt (Frühjahr 1919) den in sie gesetzten Erwartungen in mustergiltiger Weise entsprochen. Für die ärztliche Leitung wurde eine tüchtige Kraft in der Person des in Unterägeri niedergelassenen Herrn Dr. med. K. Bossard aus Zug gewonnen, der sich durch seine Studien auf dem Gebiete der Jugendfürsorge für die neue Stelle ganz besonders qualifizierte.

VII. Zwischen Erdbeerrabatten, Himbeer- und Stachelbeersträuchern und über reizende Spielplätze gelange ich zu dem trauten Heim. Im Vorgelände hat sich ein ehemaliges Scheuerlein wohnlich herausgeputzt. Neben der Waschküche finde ich hier eine windgeschützte Liegehalle und mehrere Absonderungszimmerchen für den Notfall sofort bezugsbereit. Dass die letzteren heute alle leer sind, bemerke ich mit begreiflicher Befriedigung. Dafür herrscht vor dem Gebäude ein gar buntes Treiben. Ein gutes Dutzend Kleine, Bübchen und Mädchen, vom käshohen Knirps bis zum Töchterchen, das knapp der Kleinkinderschule entwachsen, üben sich in „olympischen Spielen". Eine Schwester führt das milde Kommando. „Händchen hoch!" „Händchen vor!" „Händchen klatschen" und eine passende Lautierübung dazu werden von den Jungen mit einer possierlichen Bravour bemeistert, als obs eine Hauptprobe wäre zum allernächsten Jugendfest. Die Wangen röten sich, die Aeuglein leuchten, die Beinchen strampeln, fast übersehe ich bei dem drolligen Schauspiel all die Merkmale, mit denen Unterernährung, verwahrloste Erziehung oder englische Krankheit die lieben Kleinen zeichnete. Um so auffälliger drängt sich die hilflose Lage jenes ') Fr. 1.50 bis Fr. 6—, durchschnittlich Fr. 2. - per Tag.

Töchterleins auf, das abseits im Schatten des Lindenbaums im Kinderwagen ruht und mit seinen zwei Jahren immer noch nicht die Kraft findet, das sieche Körperchen zu heben. Ganz in der Nähe herzt eine Mutter, die auf Besuch gekommen, ihr bleiches Gretchen, das ihr wohl von den Annehmlichkeiten des hiesigen Aufenthaltes erzählt, wie ich aus dem freudig erregten Geplauder und den nach links und rechts deutenden Händchen des kleinen Kurgastes schliessen darf. Und nun setzen sich die beiden an ein sauber gedecktes Tischchen, auf dem der soeben von einer Schwester servierte Milchkaffee aus niedlichen Tässchen ganz verführerisch dampft. Richtig! Es ist ja Vesperzeit und in einem echten Zugerhaus darf das „Zobig" nimmer fehlen. Das lockt mich in die nahe, bequem im Parterre des Hauptgebäudes installierte Küche. Wie droben im Sanatorium begegne ich auch hier geradezu hochpeinliclier Reinlichkeit. Geschäftig, aber mit sichtlichem Wohlbehagen hebt die Schwester Köchin, mir freundlich zunickend, die Kasserolen vom elektrischen Herd und schüttet die hochschäumende Milch in die bereit stehenden blanken Krüge. Daneben feiert der Kohlenherd, wohl der Zeiten Not gehorchend, in stoischer Ruhe. Um so gemütlicher brodelt's und summt es aus dem wiederum elektrisch betriebenen Heisswasserkessel, gilt es doch nicht nur den Rinnstein der Küche, sondern auch die Badkabinen und Toilettenräume zu bedienen. Die Regale und Schränke ringsum präsentieren ein Arsenal von Tellern, Platten, Schüsseln, Glasgeschirr und vom Zurüsttisch her duften die Portionen für den Abendimbiss schon so appetitlich herüber, dass es einem um die Ernährung der Kleinen wahrhaftig nicht zu bangen braucht. Und ich lasse mir sagen, dass Keller und Vorratskammern auch heute dank der vorsorglichen Umsicht und Freigebigkeit der Stifterin trefflich mit allem versehen sind, was die Küche zur Zubereitung eines leckeren Mahles bedarf. „Heimeli" nennt sich das anmutige Erholungshaus und wahrlich ein passenderer Name hätte ihm nicht gegeben werden können. Behäbige Häuslichkeit und Wohnlichkeit umfängt mich allerorten. Hochstrebende Räume oder weitspreizende Säle, kalt geweisselte Wände oder Staub und Schmutz absorbierende Tapeten suche ich umsonst. Warmes, hellbraun lackiertes Getäfer schmückt Gänge und Zimmer. Und damit der Strassenkot keinen Eingang in das Innere und auf den säuberlich gewichsten Linoleumböden findet, paradiert das Schuli-

Die zugerischen Heilstätten im Aegerital bänklein schon auf der Treppenlaube und jeder der jungen Patienten kennt im Hausflur, hinter dem Vorhang verborgen, das kleine Fach, das zur Aufnahme seines Schuhwerks ihm extra zugewiesen ist. Dienen das Hochparterre und die Dachkammern der Gesamtheit der grossen „Heimeli"-Familie, so liegen die Schlaf- und Spielzimmer der Knaben im ersten, die der Mädchen im zweiten Stock. Flott präsentiert sich beim Eingang das sorgfältig ausgestattete Bureau, reizend das gegenüber liegende geräumige Esszimmer. Ein Schneewittchenstübchen hat ein Besucher das letztere genannt.1) Und nicht mit Unrecht! Tische und Tischchen stehen damit hübschem Linoleum belegt und Stühle und Stühlchen harren der kleinen Gäste. Es fehlt für den Augenblick nur das Zauberwort „Tischlein, deck dich!" Doch heute wär's verlorene Liebesmüh. Frohes Kindergeplauder summt von unten herauf. Das „Zobig" wird ja draussen im hellen Sonnenlicht genossen und über die Henkeltassen der lieben Kleinen säuselt der Fichtenduft des nahen Wäldchens und intoniert das Trio Fink, Meise und Amsel ein nie ermüdendes Tafelkonzert. Volle Sonnenpracht flutet in die freundliche Spielstube. Auch sie ist augenblicklich unbewohnt. Und doch belebt sie der Sonnenstrahl, der fröhlich an der Wand hintänzelt, als wollt er sich der dortigen bunten Bilder freuen, die ihm von Kinderglück und Kinderlust erzählen. Doch welche Freude muss es erst sein, die liebe Jugend an den zierlichen Spieltischen zu schauen, mit all den Tausendsachen beschäftigt, die im grossen Spielzeugschrank auf Qui vive-Positur nur der Betätigung warten. Selbst der gepolsterte Spielpferch fehlt nicht, in welchem der zimperlichste Bodenrutscher seine ersten Gehversuche gefahrlos wagen darf. In den Schlafzimmern reiht sich Bettchen an Bettchen, alle in blendendem Weiss. Die Insassen sind natürlich ausgeflogen, zur Liegekur, zu leichtem Studium draussen in der kräftigen Hochlandsluft. Doch schau! Dort regt es sich unter der Decke. „Was fehlt dir, mein Lieber ?" forscht die Schwester. Und ein kleiner Knirps streckt verschlafen sein Köpfchen hervor. Er hat ausruhen wollen oder sagen wir lieber ausruhen müssen: die Spätkirschen am nahen Rain, die verbotenen, waren so gut, ach zu gut gewesen! Und dort wieder, in einem anderen Zimmer, nippt ein armes Mägdlein, im Bettchen ') Vergl. den Aufsatz „Kinderfürsorge" von Dr. Hans Bracher in „Die Berner Woche in Wort und Bild" vom 19. April 1919.

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sitzend, an seiner Tasse und erzählt mir lallend gar Schönes von der Puppe, die es als Gesellschafterin mit „zu Tische" geladen. Originell sind die Bettlein der Kleinsten: ausziehbare, weiss gestrichene Holzgestelle, die sich nach Belieben verlängern lassen, falls die Füsschen des jungen Weltbürgers grösseren Spielraum heischen. Und wie schmuck und glänzend sieht's imToilettenraume aus! Fast ungewollt versetz ich mich im Geiste in eine der Frühmorgenstunden. Im Widerschein der elektr. Lampen leuchtet die Glasur der Mosaikwandung und des langgestreckten, zierlichen Waschtrogs. Und nun seh ich die Kleinen herantrippeln, noch schlaftrunken, im züchtigen Neglige, wohl ihrer dreissig an Zahl.1) Ein jedes stellt sich vor seine Nummer. Und nun rauscht aus glänzenden Hahnen Silberstrahl um Silberstrahl, je nach Bedürfnis kalt und wann und ein Plätschern und Pusten setzt ein, ein Ringen und Reiben mit zierlichen Lappen, als ob Wichtelmännchen und Elfen an der Arbeit wären. Und die dreissig Zahnbürstchen in den Heimbergbechern steigen herunter und es zappeln die Haarbürsten und Kämme aus den bordierten Wandtäschchen herab und huschen über die struppigen Köpfchen in lustigem, tollem Tanz — — Mein so wie so flüchtiges Bild des „Heimeli" wäre auch gar zu lückenhaft, wenn ich nicht noch einen raschen Blick werfen dürfte in die Vorratsräume und die Kleiderkammer. Welche Fülle und Reichhaltigkeit! Die Not der Zeit vergisst man beim Schauen all der Herrlichkeiten, der Sachen und Sächelchen, welche die Herzensgüte der Frau Page hier in Schränken und Fächern aufgestapelt. Sie, die bei der Eröffnung der Heilstätte für volle Keller sorgte, die Steinguttöpfe mit Fett und Butter, die Konservier- und Sterilisiergläser mit saftigen Konfitüren und den mannigfaltigsten Konserven füllte, den Spielzeugkasten mit hunderterlei Ueberraschungen und Kurzweil bedachte, hat auch die Wäsche- und Kleiderabteilung mit einer Garderobe ausgestattet, die allen nur denkbaren Bedürfnismöglichkeiten gerecht wird. Sie sah es voraus, wie manch armes Patientlein in kümmerlichster Ausrüstung die Schwelle des Heims überschreiten würde und dementsprechend traf sie ihre weitgehendsten Dispositionen, zartfühlig, generös. Die bleiche Mutter, die ihrem kränkelnden Liebling auf den Weg zur Heilstätte beim besten Willen nichts mitzugeben vermag, als die heissesten Wünsche ihres Mutterherzens, möge sich trösten: Wo's not') Das „Heimeli" ist zur Aufnahme von 32 Kindern eingerichtet.

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Die zugerischen Heilstätten im Aegerital

tut, öffnen sich die Zauberschränke des „Heimelis" mit ihren ungezählten Hemdchen, Strümpfchen, Röcklein und das kleine arme Geschöpf ist gegen die Tücken von Wind und Wetter, Schnee und Eis fast wie ein Fürstenkind gefeit. Fürwahr! Dies Schauen wird mir zur Offenbarung. Als ich heute hinaufwanderte zum Sanatorium und zum „Heimeli", dachte ich mir Frau Page als eine gnädige Haiisherrin, die durch ihre hochherzigen Schöpfungen sich der Achtung aller, selbst des Neides, erfreut. Jetzt aber, da ich wieder talwärts wandle, tritt sie vor meine Augen als treubesorgte, alles erwägende Hausmutter, nicht um das Zujubeln der Menge, sondern nur um das Wohl ihrer lieben, armen Schützlinge bekümmert, nicht als Herrin also, sondern als Mutter, als eine Frau, die man hochschätzt, noch mehr, die man liebt.

derjenigen der letztes Jahr ins Leben gerufenen Fürsorgestelle für Tuberkulöse in Zug.1) Diese Opferfreudigkeit hat sich in den vergangenen Jahren glänzend bewährt; sie wird sich, so hoffe ich, auch fernerhin bewähren, zum Wohle unserer armen, von schleichender Krankheit heimgesuchten Mitbürger, zur Ehre unseres lieben, schönen Kantons.

ANHANG. Frequenz des Sanatoriums Adelheid. (Pflegetage)

1912 1913 1914 1915 1916 1917 1918

66 108 132 134 121 127 142

der

Wohnsitz

Patienten Krankheitstage

Jahr

VIII. Durch die grossartigen Schenkungen der Frau Page sind wir Zuger im Besitze von zwei Anstalten, um die uns alle andern Kantone beneiden müssen. Mögen auch einige von ihnen ähnliche Heilstätten aufweisen, so werden diese alle von den unseren bezüglich Anlage und Einrichtung übertroffen und wiederum gibt es keinen Kanton, der im Vergleich zu seiner Bevölkerungsziffer seinen Kranken eine so grosse Anzahl von Betten zur Verfügung halten kann, wie gerade Zug. Mag sich daher unsere verehrte Gönnerin und Mitbürgerin in ihrer Bescheidenheit noch so sehr gegen die Aeussei ungen des Dankes sträuben, es ist unsere heilige Pflicht, der edlen Stifterin und den übrigen Wohltätern der beiden Heime wenigstens in unseren Herzen unvergänglichen Dank zu zollen. Laut danken aber werden ihnen — ich gebrauche die Worte des hochverdienten Präsidenten der Heilstättenkommission anlässlich der Inauguration des Sanatoriums — danken werden all jene armen Kranken, die droben am Erliberg Heilung finden von schwerer Krankheit; es werden danken die glücklichen Kinder, deren Vater oder Mutter hier oben an der sonnigen Halde befreit wurde von schwerem Lungenleiden; es werden danken die Eltern, deren Kinder im Sanatorium oder im „Heimeli" genesen sind von Gebrechen, die sie zu Krüppeln zu machen drohten. Ein Ausruhen auf dem Erreichten darf es aber nimmer geben, am wenigsten im Kampfe gegen die Tuberkulose, sollen die Erfolge von heute auch der Zukunft frommen. Die Opferwilligkeit unserer Bevölkerung darf nicht erkalten, mag sie der Unterstützung unserer herrlichen Anstalten gelten oder

GOLDENES BUCH

6268 14315 15560 18978 19701 19418 19928

Zug

andere Kantone

Ausland

52 61 67 70 58 59 71

10 46 62 64 63 68 71

4 1 3 — — — —

Vergabungen im Kanton Zug vom l. Oktober 1918 bis 30. September 1919. Das goldne Buch soll seinen Platz erringen, Wenn ewig sind verstummet Leid und Groll, ~ Emporgeholfen wird's auf Adlcrschwlngen, AIs> elnz'jies Buch, das Gott einst lesen soll. Isabel!? Kaiser.

Statistik der ausgetretenen Patienten. Jahr 1912 1913 1914 1915 1916 1917 1918

Männer

Frauen

Knaben

Mädchen

Total (37)

19 29 21 19 20 16 124

33 40 39 34 28 55 229

16 10 17 9 12 15

6 4 6 11 y 115

68 85 81 68 71 95 (37)

468

Vergabungen I.L-

janr 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 1909 1910 1911 1912 1913 1914 1915 1916 1917 1918

. . . . . . . . . . . . . . . .

zu Gunsten des Betriebsfonds der zug. Lungenheilstätte . Fr. —. — —













_



.

"„ 3,516. —

„ „ „ „ „ „ . „

40,489.05 13,615.— 20,510.— 11,754.— 10,100.— 15,500.— 46,530. —2) 27,206.80

zu Gunsten des Kindersanatoriums Fr. 5,935. „ 3,607. — „ 3,241.— „ 14,197.50 „ 11,910 — 605. — 810. „ 2,411.05 „ 4,015.„ 1,055. — „ 1,000. — „ 5,508. — 515. — 505. — 505. — 505. — „ 2,955. —

') Vergl. Dr. F. I r a b a c h , Die Tuberkuloscnfürsorge im Kanton Zug (Zuger Volksblatt, Jahrg. 1917, No. 117/119) und Dr. M. G e y s e r , Bericht über die Tuberkulosenfürsorgestelle in Zug im Jahresbericht der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zug für das Jahr 1918. -) inkl. Tuberkulosen-Fürsorge.

Stadtgemeinde Zug.

Übertrag Fr. 7,100.— Nestle & Anglo-Swiss Condensed Milk Co., Cham, für Bürgerspital Fr. 20,000.—

Einwohnergemeinde: J. Rüttiniann, Mailand, fürSchulsuppe Allgem. Konsumgenossenschaft Zug für Schulsuppe . . . Landis & Gyr A.-G., Zug, Schulfond do. Bibliothek do. Gewerbemuseum Karl Uttinger sei. für Schulfond . R. Filsinger, Zürich, für Armenfond Metallwarenfabrik Zug für Wöchnerinnenstube . . .

Fr. 1,000.— „ „ „ „ „ „

100.— 1,000.— 200.— 200.— 500.100.—



1,000.-

Bürgergemeinde: Frl. Karolina Keiser für Neue Waisen anstalt Karl Uttinger sei. für Neue Waisenanstalt Karl Uttinger sei. für Bürgerspital . Frau Wwe. Weiss-Gross, für Bürgerspital Frl. Karolina Bucher für Bürgerspital Metallwarenfabrik Zug für Bürgerspital Übertrag

Fr.

200 —

„ „

1,000.— 1,000.—

„ „

200.— 100.—

„ 500.— Fr. 7,100 —

Kirchgemeinde: Karl Uttinger sei. für Pfarrkirche . Fr. 1,000.— do. „ Pfrundfond . „ 500.— do. für Pfarrhaus-Baufond „ 500.—

Baar. Einwohnergemeinde: Spinnerei an der Lorze, Baar, für Suppenanstalt . . . . F r . 10,000.— Aloisius-Verein Baar für Suppenanst. „ 20.— Wwe. Landammann Meier-Bossard für Suppenanstalt . . . „ 100.—

Bürgergemeinde: Wwe. Franz. Dossenbach-Schlumpf für Asyl . . . .Fr. 100.— Gottfr. Ulrich für Asyl . . „ 200.— Frau Ulrich-Roos für Asyl . . „ 200 — Gottfried Iten für Asyl . . „ 200.— Anna Maria Meyenberg . , „ 300.— Übertrag Fr.To^22Ö.—

42

Goldenes Buch Übertrag Fr. 40,220.-

Cham. Einwohnergemeinde: Nestle & Anglo-Swiss Condensed Milk Co., Cliam, für Kindergarten Fr. 10,000.Papierfabrik A.-G„ Cham, für verscliiedene Zwecke . . . „ 8,900.-

Kirchgemeinde: Ungenannt für Kirchenrenovation

. Fr.

500.-

Bank in Zug für Armenhausbaufond Fr.

200.-

Walchwil. Bürgergemeinde:

Steinhausen. Bürgergemeinde: Frl. Marie Jans sei. für armenfond . .

Bürger. .Fr.

300.-

Neuheim.

Vergabungen zu Gunsten des Sanatoriums „Adelheid", Unterägeri.

Chronik des Kantons Zug für den Zeitraum vom

Von der Frauenliga des Kts. Zug . Fr. 3,000.— Von der h. Regierung des Kts. Zug „ 2,000.— Von Ungenannt . . . . „ 6,000.— Von der Bank in Zug . . „ 100.— Von Herrn Dir. W.'C. Escher, Zeh. „ 1,000.-Von der Papierfabrik A.-G., Cham „ 5,000.— Von der Korporation Zug . . „ 1,000.— Von der Nestle & Anglo-Swiss Condensed Milk Co., Cham . . „ 2,000.— Von Herrn Karl Uttinger sei., Zug „ 200 — Von Frl. Louise v. Orelli, Zug . „ 50.— Von der Metallwarenfabrik Zug . „ 1,000.— do. Freibettfond III. Rate . . . „ 8,500.— Von der Nestle & Anglo-Swiss Condensed Milk Co., Cham . . „ 20,000.— Von der Frauenliga des Kts. Zug für Tuberkulosenfürsorge . . „ 1,000.— Von der h. Regierung des Kts. Zug für Tuberkulosenfürsorge . . „ 500.— TotafFr. 51,350.—

i. Dezember 1912 bis 30. Juni 1914.

1912 Dezember.

Kirchgemeinde: Klein. Schön sei., Kirchmeier, für Turmuhr . . . ._Fr. 500Total Fr.~6Ö,620~.-

Vergabungen zu Gunsten der zugerischen Kinderheilstätte: Von Ungenannt in Zug . . Von der Bank in Zug . . Von Herrn E. W. in Zug . . Von Nestle & Anglo-Swiss Condensed Milk Co., Cham . . . Von Papierfabrik A.-G., Cham . Total

Fr. „ „

5.— 300.— 20.—

„ 20,000.— _„ 2,000.— Fr. 22,325.—

Vergabungen zu Gunsten des Asyls Cham. Von Herrn Jak. Meier sei. . . Von Frau Stutz-Spillmann sei. . Von der Nestle & Anglo-Swiss Condensed Milk Co. . . . Von der Papierfabrik A.-G., Cham Von Ungenannt (diverse Beiträge) . Total

Fr. 8,000.— „ 2,000.— „ „ „ Fr.

10,500.— 5,000.— 16,022.15 41,522.15

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1. In vergangener Naclit wurde in Unterägeri wegen Fühnsturm die Feuerwehr aufgeboten. Drei Kamiubrände konnten ohne weitere Schadenfolge gelöscht werden. 2. In Oberägeri wird unter zahlreicher Beteiligung Herr Dr. Albert Letter zu Grabe getragen. Geboren am 14. Juli 1841 als jüngstes Kind des Joh Jos. Letter und der Kath. Werdmann. Der geweckte Knabe besuchte nach absolviertem Gymnasium die Universität Würzburg zum Studium der Medizin. Er etablierte sich anfangs der 70er Jahre in Oberägeri als Arzt. Der Verstorbene war Mitglied des Einwolmcrrates von 1880—1910, auch dem Bürgerrate gehörte er an und war von 1880—1901 dessen Präsident. Von 1877—1906 vertrat er die Gemeinde im Kantonsratc. Als Mitglied der Staatswirtschaftskommission und des Erzielnmgsrates leistete er dem Kanton grosse Dienste durch seine reiche Erfahrung und gediegenes Wissen. Mit ihm ist ein Veteran der konservativen Partei, ein cdeldenkender Bürger und und ein stets hilfsbereiter Arzt dahingegangen. 3. Klausmarkt in Zug trotz nasskalter Witterung gut besucht. 7. Dem Kanton wird vom Bund an die zu 80 000 Fr. veranschlagten Kosten eines Weges Mühlebach-SchlicrenOberboden in den Seewaldungen der Korporation Zug ein Beitrag von 16 000 Fr. bewilligt. IJI Steinhausen werden die Arbeiten der Kirchenrenovation zur Konkurrenz ausgeschrieben. Für den Mostkurs in Zug und Holzhäusern haben sich 91 Teilnehmer angemeldet. Die Frage der Gründung einer landwirtschaftlichen Winterschule in Zug tritt damit wieder in den Vordergrund. 8. In Menzingen wird der Scluilhausneubau des Waisenhauses durch eine bescheidene Feier eröffnet. Die kath. Kirchgemeinde Baar beschliesst einige Besoldungserhöhungen und Revision des Besoldungsrcglemeiites. Dadurch wurde eine Stcuererhöhung von 20 Cts. per Tausend des Vermögens notwendig. 15. An der Delegiertenversanimlung des eidg. Musikvereins in Cham wird Zug als Festort für das eidg. Musikfest pro 1915 bestimmt. 22. Die Bürger-Gemeinde Zug beschliesst die Erstellung einer Leichenhalle im Garten der Waisenanstalt um die Summe von 10000 Fr. Die Sektion Rossberg des Schweiz. Alpenclubs in Zug beschliesst die Erstellung einer Clubhütte im Maiental. Risch. Die Einwohnergemeinde übernahm einstimmig die Garantie für einen Betrag von 140 000 Fr. gegenüber der Wasserversorgung Rothkreuz und Umgebung für den Bau einer Trinkwasser- und Hydrantenanlage.

Die sehr zahlreich besuchte Einwohnergemeinde in Cham bewilligt 102 000 Fr. zur Erstellung eines Schulhauses in Hagendorn. 27. Auf dem Zugerberg veranstaltet der Skiclub Zug einen Gratis-Skikurs für Schüler. Im Steinbruch der Firma Weber & Landis wird eine grosse Sprengung zur Abdeckung des „Guten Felsens" vorgenommen. Die Ladung von fünf Zentner Sprengpulver lockerte über 600 Kubikmeter Material, welches grösstenteils in die Tiefe stürzte. 30. Das eidg. Militärlableau notiert zum erstenmal pro 1913 Tclegraphen-Pionier-Rekrutenschulen in Zug. Der vom Kantonsrat als Landammann gewählte Statthalter Pl. Steiner ist der dritte zugerische Landammann von diesem üeschlechte. Seine Vorgänger waren Werner Steiner 1485—1491 und 1502-1507 und Leonh. Steiner 1522—1526.

1913. Januar. 4. Auf Hinterwyden in Unterägeri wird Streue gemäht und eingeheimst. Sommerliches Wetter in den Höhen! 5. In einer Nachwahl werden gewählt: Nussbaumer J. J., Oberägeri, zum Mitglied des Kantonsgerichtcs und Gysi Eugen, Baar, zum Suppleanten des Obergerichtes. 11. Zum Stadtbibliothekar von Bern wählt ber Bürgerrat von Bern Dr. Wilhelm Meyer, Beamten der Landcsbibliothck, einen Zugerbiirger. 19. In Baar wird in den Einwohnerrat Bürgerpräsident Ant. Steiner und als Betreibungsbeamter Othmar Andermatt, Schmidhof, gewählt. 30. Der Kantonsrat tritt u. a. auf die Beratung des Gesetzes über die Beaufsichtigung von Heil- und Pflegeanstalten und die Irrenpflege ein. In der Schlussabstimmung über das Jagdgesetz wird mehrheitlich für das Rcviersystem entschieden.

Februar. 3. In Rothkreuz brennt nachts das sog. „Forrenhaus" vollständig nieder. 12 Das bekannte Hotel „Waldheim" in Zug gelangt auf dem Vcrsteigerungswegc an J. Nigst in Biel. 13. Der Kantonsrat tritt u. a. auf die Beratung des Voranschlages pro 1913 ein. 14. In Zug stirbt 83 Jahre alt Frau Veronika Hofstetter, eine ehrwürdige, allgemein beliebte und geachtete Greisin. 20. In den Zugerblättern wird der Fahrtcnplan für die in Bau begriffenen Zuger Strassenbahnen besprochen. Der Unterbau schreitet rasch vorwärts. Die Masten für die Kraftleitung sind fast auf allen Strecken fertig gestellt. 23. In Zug stirbt Franz Josef Weber, 64 Jahre alt. Als Verwaltungsrat und Bannwart der Korporation war er deren langjähriger pflichtgetreuer Beamter.

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Chronik des Kantons Zug für das Jahr 1913 März.

9. An der Volksabstimmung wird das Gesetz betreffend Jagd- und Vogelschutz nach starker Agitation der Gegner des Reviersystems verworfen. Freudenschüsse über den „Sieg der Volksfreiheit". 16. Im hohen Alter von 91 Jahren stirbt der Senior der Stadtgemeinde Zug C. A. Keiser, Uhrmacher, ab „Hof". Bei ihm diente bis zu seinem Tode Katharina Felchlin 48'/-' Jahre lang. 17. Zum ersten Male gelangen 25 Juli- und 30 Herbstständc der neuen Weid Ochsenfeissi-Egg der Korporation Unterägeri zur Versteigerung. Vom Verwaltungsrat der Elektrischen Strassenbahnen im Kanton Zug werden die Stellen des Betriebspersonals auszuschreiben beschlossen. 19. Zum Lehrer an der Primarschule Oberwil-Zug wird Herr Edmund Schönenbergcr gewählt. 21. Zum ersten Mal wird im Kanton Zug der Karfreitag als staatlicher Feiertag gefeiert. 22. In Oberägeri stirbt der Senior der Gemeinde, Josef Besmer (Bruno's). 23. In der alten Kirche zu Steinhausen wird der letzte Gottesdienst feierlich begangen.

April. 1. In Unterägeri wird eine Filiale der Bank für Handel und Industrie eröffnet. Verwalter ist Otto HcnggelerFöry. 8. Die Zuger Presse erwähnt die Vergabungen der Bank in Zug im Betrage von Fr. 4,460.— und der Zuger Kantonalbank in der Höhe von Fr. 5,600.— für gemeinnützige Zwecke. 8. Die Zuger Blätter beschäftigen sich in verschiedenen Einsendungen mit den Bahnhofplatzfragen in OberAegeri und Menzingen. 11. Der Kantonsrat wählt zum Polizeidirektor Bernhard Baumgartner in Cham. 21. Zwischen dem Verband zugerischer, aargauischer und luzernerischer Milchgenossenschaften und der Nestle & Anglo-Swiss Co., Chain, entbrennt ein heisser Milchkrieg. 21. Das bekannte Hotel „Post" in Unterägeri geht vom langjährigen Besitzer a. Posthalter Jakob Iten, an Christian Bück, Bierbrauerei Baar, über. 27. Die Einwohnergemeinde Unterägeri wählt zum Musik-, Gesang- und Turnlehrer Karl Iten, z. Z. Musikprofessor in Siders. 27. In Zug stirbt im hohen Alter von 87 Jahren Frau Magd. Kaiser-Brandenberg, ab Hof, eine stille, fromme Frau und Wohltäterin der Armen. 29. In Risch stirbt 78 Jahre alt Georg Stuber, Tierarzt von gutem Rufe.

Mai. l.Am kantonalen Feldwettschiessen in Walchwil, beteiligten sich 15 zugerische Sektionen mit 535 Schützen. 4. In Oberwil-Zug wird das neue, nach den Plänen von Emil Weber, Architekt in Zug, erbaute Schulhaus mit einer schlichten Feier eingeweiht. 5. In Zug wird eine private dreiklassige Oberschule für Mädchen eröffnet. Sie ist in der ehemaligen Seidenfabrik Pestalozzi-Ulrich im Weinberg untergebracht.

Chronik des Kantons Zug für das Jahr 1913

9. Beim Öffnen eines Grabes auf dem Friedhofe in OberAegeri stösst man auf Grundmauern der Urkirchc vom Jahre 1226. 10. Vormittags 9 Uhr stirbt in Baar, Ständerat und alt Landammann Dr. Josef Leonz Schmid, geboren 30. Nov. 1854, Kantonsrat seit 1879; Einwohnerrat von Baar 1880; Bürgerpräsident 1883; Verhörrichter 1883—1889; Reg.Rat 1889; Ständerat 1883; Landammann 1900; Präsident der Staatswirtschafts-Kommission 1911; Präsident der Liegenschafts-Schatzungs-Kommission 1912. Ein bedeutender Staatsmann, der seiner Heimatsgemeindc und dem Kanton Zug jahrelang arbeits- und erfolgreich gedient und als entschiedener und konsequenter Verfechter seiner guten Lebens- und seiner konservativen Parteigrundsätze die ungeteilte Achtung und Verehrung seiner Mitbürger mit ins Grab nimmt. 18. Die Kirchgemeinde Baar wählt zu ihrem Pfarrhelfer Herrn Rudolph Bolliger, Vikar in Kriens. 18. Als Zeichenlehrer an die gewerbliche Fortbildungsschule Baar wird Hoffmann, Techniker und Lehrer der Gewerbeschule Cham, gewählt. 25. Kantonaler Gewerbetag in Baar, an der die Beteiligung an der Landesausstellung in Bern beschlossen wird. Dr. Albert Meyer, Advokat, referiert über Mittelstandspolitik. 25. Als Kassier der Korporation Unterägeri wird gewählt Otto Henggeler, Verwalter der Bankfiliale für Handel & Industrie, Zug. 28. Im Chamer Milchkrieg tritt eine Entspannung ein, indem die Milchgenossenschaften Frauental, Cham, Steinhausen und Edlibach-Schönbrunu die Milch zum von der Milchfabrik offerierten Preise liefern. Die Milchwagen fahren andern Tages bekränzt in die Milchstadt ein. 29. In Zug stirbt im 67. Altersjahre Major Johann Spillmann, Sägereibesitzer und Holzhändler, ein tüchtiger Geschäftsmann, strammer Militär, Mitglied des Kantonsrates, verschiedener Gemeindekonimissionen, der kant. Militär- und der Militärsteuer-Kommission, eifriger Schütze und gern gesehener Gesellschafter, von einfachem, geradem Wesen. 30. Im Bohfeld in Baar brennt das Haus zur Säge, Deinikon, der Gebr. Hotz nieder. Das 4-jährige Kind der Italienerfamilie Dindo bleibt in den Flammen.

Juni. 1./2. In Zug tagt der schweizerische DachdeckermeisterVerein. 5. In Unterägeri stirbt an seinem 90 Geburtstag nach kurzem Krankenlager Senior a. Ratsherr Jakob Zumbacl; z. „Seefeld". Ein strebsamer Geschäftsmann und tüchtiger Wirt, der sich in den besten Jahren seines Lebens auch um das Aufblühen der Gemeinde und ihres Verkehrslebens vedient gemacht, steigt mit dem biedern, einfachen Greis ins Grab. 6 . - 8 . Jahresversammlung des Verbandes Schweiz. Konsumgenossenschaften in Zug. Die Tagung zählt ca. 800 Teilnehmer. 10. Auf der Walchwiler Allmend brennt das Forrenhüsli, in Rothkreuz die Scheune des Wirtes Zihlmann nieder. 15. Der Lesezirkel Hottingen übernimmt eine Sommerfahrt nach Buonas mit Festspielaufführung. 20/21. In Zug tagt der Schweiz. Kaufmännische Verein.

22. Der kantonale freisinnige Parteitag in Steinhausen beschiesst, sich an der Ständeratsersatzwahl nicht zu beteiligen, die Verwerfung des Nationalratsproporzes zu empfehlen und beschäftigt sich mit der Einführung der Krankenversicherung im Kt. Zug. — Der konservative Parteitag in Zug tagt zur Festlegung der Kandidatur für die Ständeratsersatzwahl. Da a. Gerichtspräsident Alois Schwerzmann das ihm angetragene Mandat nicht übernehmen will, portiert das mit der Aufstellung der Kandidatur bestellte Zentralkomitee am 23. Staatsanwalt Josef Andermatt, in Baar. 24. In Zug stirbt 53 Jahre alt Stadtschreiber X. Anzeugruber-Iten, ein vorbildlich, gewissenhafter Gemeindebeamter, der seit 1899 im Dienste der Gemeinde stand und seit 1910 als Stadtschreiber amtete. 24. In Oberägeri geht es mit der eingeführten Korbflechterei unter Leitung eines Kursleiters gut von statten. 29. Mit 1041 Simnien wird Staatsanwalt Josef Andermatt in Baar zum Ständeratsmitglied gewählt. 30. Im Johannisstift zu Zizers segnet das Zeitliche der Priestersenior des Bistums Basel Jubilar und Pfarrresignat Leonz Staub, geb. 1825. 1849 Kaplan in Hauptsee, 1851 an der St. Jakobspfründe in Zug, 1852 in Uznach, alsdann Pfarrer in Quarten, Goldingen und Steckborn. Ausgezeichneter Schulmann und Prediger.

Juli. 6. Der Feldschützen-Verein Unterägeri begeht seine 50jährige Gründungsfeier mit Gedächtnis-Gottesdienst, Jubiläumsschiessen und Festbankett im Hotel „Kreuz". Von den Gründern des Vereins leben noch alt Oberaufseher Ferd. Iten, die Brüder alt Aufseher Oswald Iten und Franz Iten (Metzger Franzen), Bartholomae Iten, Webereibesitzer, Schwyz, Carl Josef Iten, Landwirt, Mattli, Robert Iten, Schlossermeister, Zürich, die alle an der Feier teilnehmen. 6. In Zug stirbt Hauptmann Conrad Weber, Kürschner. Ein strebsamer Mann, der auf den Wahrspruch : „Handwerk hat goldenen Boden" vertraute und darnach lebte. Als Feuerwehrhauptmann der Stadtgemeinde und Spitalverwalter leistete er ausgezeichnete Dienste. 7.1m Kantonsspital Luzern geht zur „grossen Armee" Hauptmann Anton Schmid von Baar, zuerst Konditor, dann Instruktionsoffizier und später erster Kanzlist auf dem Bureau des Kreisinstruktors in St. Gallen. Ein treuer Diener des Vaterlandes von ideal veranlagter Natur. 9. In San Franzisko U. S. A. stirbt, auf einer Amerikareise begriffen, alt Direktor Anton Henggeler von Unterägeri im 52. Altersjahre. Geb. 1861; 1882 Volontär in den Spinnereien Aegeri; 1885 Direktor der innern Spinnerei; 1907 Generaldirektor. — Stets getreu den Traditionen seiner hochangesehenen Familie, ein fürsorgender Vorgesetzter seiner Arbeiter. War Mitglied des Einwohnerrates, den er 1902 bis 1905 präsidierte. 1910 zum Kantonsrat gewählt, legte er dieses Mandat nieder. Für das Schul- und das Krankenpflegewesen in der Gemeinde besonders eingenommener Förderer der Gemeinnützigkeit. 10. Festlegung des Vertrages des Stadtrates Zug mit der kantonalen Militärdirektion über den Waffenplatz Zug auf die Dauer von 10 Jahren.

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20. Die Einwohnergemeinde Unterägeri verdankt dem demissionierenden Präsidenten, Regierungsrat C. J. Merz, seine vielen dem Gemeinwesen geleisteten Dienste und wählt einstimmig zu seinem Nachfolger Kantonsrichter Johann Mcyenberg-Iten. 27. Im Kanton Zug werden Feiern abgehalten aus Anlass des 50-jährigen Priesterjubiläunis von Mgr. Stammler, Bischof von Basel und Lugano. 31. Der Verwaltungsrat der „Elektrischen Strassenbahnen" fährt zum erstenmal mit dem Tram zur Sitzung nach Menzingen, daselbst freundlichst begrüsst. — Die Probefahrten mit den Motorwagen — Vierachser — werden auf der ganzen Strecke aufgenommen. Im Juli zahlt man in Zug für Lebensmittel: Brot '/2 kg 20 Cts.; Eier 12—13 Cts. per Stück; Kartoffeln 7—9 Fr. per 50 kg; Ochsenfleisch Fr. 1.10—1.60 per '/s kg; Kalbfleisch Fr. 1.10—1.40; Schweinefleisch Fr. 1.10—1.30; Speck geräuchert Fr. 1.20—1.30; Schmalz 1 Fr.; Milch 23 Cts. per Liter; Tafelbutter per Pfund Fr. 1.80; Kochbutter Fr. 1.60; Käse (Emmentaler) Fr. 1.20 per Pfund.

August. 10. Volksversammlung im Hotel „Kreuz" in Unlerägeri zur Orientierung über das Verbauungsprojekt für den Hüribach mit Referat von Kantonsingenieur Fr. J. Müller und Regierungsrat J. Knüsel. 13.—14. Jahrhundertfeier der zugerischen Versicherungsanstalt und Delegiertenversammlung der Vereinigung kantonaler Versicherungsanstalten der Schweiz. 14. Als Vikar nach Zug bestimmt der Diözesanbischof den Neupriester Josef Bucher von Ruswil. 14. In Oberägeri wird auf die verdankenswerte Initiative der Direktion für Handel und Gewerbe auch die Hütlerei eingeführt. 18.—19. Die eidgenössischen Kommissionen i. S. Reussverbauung tagen im Hotel „Ochsen" in Zug und nehmen Augenschein an Ort und Stelle mittelst Pontonfahrt auf der Rcuss. 20. Vorkollaudation der „Elektrischen Strassenbahnen". 24. Zum Stadtschreiber von Zug wird Walter Schell gewählt mit 541 Stimmen. Sein Gegenkandidat Alois Schwerzmann erhält 333 Stimmen. 25. In Rothenturm stirbt Kämmerer Laurenz Röllin, Pfarrer, geboren 1831 in Menzingen. Priester 1855, Pfarrer in Rothenturm 1856 bis zu seinem Tode. Als Erbauer der neuen Antoniuskirche und des Schulhauses, Restaurateur des Pfarrhofes, bleibt der Name des eifrigen Priesters für immer mit der Gemeinde Rothenturm verbunden. 27. In Unterägeri beschliesst eine einwohnerrätliche Kommission für Schaffung neuer Hausindustrie die Einführung der Spitzhütlerei. Auch auf die Körblerei wird Bedacht genommen. 28. In Zug stirbt der in weiten Kreisen als tüchtiger Metzger und Wirt bekannte Dominik Doswald, z. Frieden, im Alter von 74 Jahren.

September. 1. Kollaudation der Elektrischen Strassenbahnen durch die amtlichen Funktionäre im Beisein des Direktors der techn. Direktion des eidg. Post- und Eisenbahndepartements, der Kreisdirektionen III und V, der Kreispostdirektion

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Chronik des Kantons Zug für das Jahr 1913

Ltizern, der h. Regierung, der Einwohnerräte der interessierten Gemeinden, der Vertreter der Presse und der Abordnungen der Wasserwerke Zug, Maschinenfabrik Oerlikon und Waggonfabrik Schlieren. — Begeisterte Empfänge der Züge in Menzingen, Unter- und Obcrägeri. Schlussbankett in Zug. 7. 1. katholischer kantonaler Jugendtag in Baar. 7. Die Einwohner-Gemeinde Cham beschlicsst in Bestätigung eines frühern Beschlusses vom 22. Dez. 1912 den Bau eines Schulhauses in Hagendorn im Betrage von Fr. 102,000— und den Bau eines Schulhauses für Primär- und Sekundärschulen im Dorfe Cham nach dem Projekt Knell & Hässig im Kostenvoranschlag von Fr. 410.000.—. 9. Die Elektrischen Strassenbahnen im Kanton Zug nehmen den falirplanmässigcn Betrieb auf. 14. Heftiges Gewitter mit Hagelschlag in den Gemeinden der Talgegend. 15. Die Generalversammlung der Automobil-A.-G. beschlicsst die Liquidation der Gesellschaft. 18. In Edlibach tagen Vertreter der Gemeinden Menzingen und Neuheim zur Herbeiführung einer besseren Verbindung für die Gemeinde Neuheim. 20. In Menzingen stirbt 72 Jahre alt Kantonsrat AI Meyenberg, z. Neuhaus, seit 1874 Mitglied des Kantonsrates kürzere Zeit Mitglied des Einwohnerrates der Heimatgemeinde, Kastcnvogt des Klosters Gubel und des Institutes Menzingen, Schützenmeister. Stiller, arbeitsamer, auf das Wohl seiner Angehörigen und Mitbürger bedachter Mann. 21. Kirchliche Einsegnung der Lorzentobelbrücke und der Strassenbahn durch Dekan Cl. Hiirlimann im Beisein der kantonalen Kultusdirektion, einer Vertretung des Verwaltungsrates der E. S. Z. und vielen Volkes. 21. In Tongatabu (Südseeinseln), wo er 30 Jahre als Pflanzer lebte, stirbt 56 Jahre alt Philipp Müller ab Rost, Zug. Müller gehört zu den schweizerischen Bahnbrechern europäischer Kultur in den fernen Landen, auf den weltabgeschlossenen Südseeinseln. 28. Zum Einwohnerratspräsidenten wird in Menzingen Kantonsrat J. Zürcher-Blattmann, im Harget, gewählt. 29. Das Bataillon 48 rückt zum Wiederholungskurs mit 3 Kompagnien 445 Mann stark aus und bezieht Vorkurskantonnemente in Baar.

1. In Menzingen brennt nachmittags die grossc Scheune des Bürgerrates Roll in in der Euw vollständig nieder. 9. Bürgerratswahlen im Kanton Zug. In Zug siegt die freisinnige Liste über die konservative, in Menzingen muss die Wahl infolge Ablehnung einer Wahl seitens der bisherigen Mandatare verschoben werden; in den übrigen Gemeinden Bestätigungswahlen. 15. II. Morgartenschiessen am Morgarlcn, bei einer Beteiligung von 252 Schützen. Die Festrede hält Regierungsrat Dr. Stadlin-üraf, Zug. 17. Die Kirchgemeinde Cham bcschliest die Erstellung des elektrischen Glockenantriebes und einer neuen Turmuhr mit elektrischem Anzug. Die bezüglichen Kredite von Fr. 16,000.— werden gewährt. 20. Im Alter von 73 Jahren stirbt im Kloster FrauenthalCham dessen Priorin Sr. Scholastika Wyss, im 54. Jahre der Profess und im 24. des Prioratcs. Gute Sängerin und Paramentenstickerin. 23. Kirchenratswahlen im Kanton Zug. In Zug siegt die konservative über die freisinnige Liste. In den übrigen Gemeinden Bcstätigungswahlen. 24. Beendigung des hartnäckigen Milchkrieges in Baar. 26. In Zug stirbt der weitbekannte Wirt und Holzhändler Ferdinand Stadiin zur „Eisenbahn". 29. In Zug konstituiert sich aus der Arbeiterunion und dem Griitliverein die sozialdemokratische Partei der Stadt Zug. 30. In Menzingen wird Alois Meienberg z. „Neuhaus" als Kantonsratsmitglied an Stelle seines verstorbenen Vaters gewählt.

Okober.

Dezember.

1. In Zug stirbt im 74. Altersjahre W. Kerckhoffs, Direktor der Zigarrenfabrik, tüchtiger Geschäftsmann, ernst und pünktlich, eifriges Mitglied des Vinzenzvereins. 7. In Glarus stirbt (50 Jahre alt Staatskassier Kaspar Streiff, der an den Geschicken unseres Kantons und besonders an der besseren Verbindung zwischen Berg und Tal grossen Anteil nahm. Schriftsteller und Journalist. 8. Der Nationalrat bewilligt für die Rcusskorrektion einen Bundesbeitrag von 50"/.. oder 1,000,000 Fr. In Uebereinstiinmung mit dein Beschluss des Nationalrates erfolgt ein solcher des Ständerates. 18. In Zug tagt der Schweiz. Seminarlehrer-Verein. Zum Vorort für die nächsten drei Jahre wird Zug und zum Präsidenten Rektor Keiser, Zug, gewählt. 18./19. Hundertste Jubiläumsfeier des Vereins schweizer. Tierärzte in Zug, ca. 150 Teilnehmer.

5. Zur Priorin des Cisterzienserinncnstiftes FrauenthalCham wird Sr. Augustina Steiner von Dagmersellen gewählt. 11. Die Stadtgemeinde Zug erwirbt die Automobilremise an der Baarcrstrasse um Fr. 20,000. — für ein Feuerwehrdepot für die Neustadt und Eichstättelokal. 13. In Zug stirbt 55 Jahre alt Eduard Landtwing z. Platzmühle. Mit ihm hört die Familie Landtwing auf, an der historischen Mühle der Stadt Zug zu walten. 14 Der kantonale Handwerker- und üewerbeverein nimmt in Zug ein Referat von Gewerbesekretär Gubler aus Weinfelden über den Entwurf eines eidgen. Gesetzes betreffend die Arbeit in den Gewerben entgegen. Der Entwurf wird abgelehnt und eine Vorlage gefordert, die gleichzeitig mit dem Arbeilerschutz auch denjenigen des Gewerbes vorsieht.

23. An der Kantonsratsitzung wird u. a. bei Beratung des Wirtschaftsgesetzes nach reger Diskussion die Polizeistunde angenommen. 26. Erster feierlicher Gottesdienst anlässlich der Kirchweihe in der neuerbauten Pfarrkirche in Steinhausen. 30. Die städtische freisinnige Parteiversanmilung in Zug genehmigt die Statuten der neugegründeten freisinnigdemokratischen Krankenkasse und bestellt deren Vorstand. 30. Zwischen den Dorfsennen in Baar und der Milchgenossenschaft bricht des Preises wegen ein Milchkrieg aus.

November.

Chronik des Kantons Zug für das Jahr 1913 und 1914

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18. In Lindencham stirbt Hauptmann Leonz Villiger ab Chamau, 1886 Einwohnerpräsident, später Kantonsrat. Kommandant der Zuger Scharfschützenkompagnie, tüchtiger Landwirt, ein für Heimatgemeinde und Kanton, für Arme und Bedrängte besorgter Mann. 23. Die Käsereigenossenschaft Frauenthal und Umgebung beschliesst die Liquidation. 26. In Oberägeri stirbt der landbekannte Postpferdehalter Meinrad Renggli, im 63. Altersjahre. Er führte lange Jahre die Post Zug-Oberägeri und Oberägeri-Sattel. 29. Der Wirteverein des Kantons Zug beschliesst mehrheitlich die Ablehnung des neuen Wirtschaftsgesetzes. 31. Im Alter von 90 Jahren verlässt das Irdische der Senior der Stadtgemeinde Zug, Konrad Keiser, im Guggithal. 31. Der „Zuger Kantonsanzeiger" stellt mit Ende des Jahres sein Erscheinen ein.

25. Die Bürgerratswahlen in Menzingen verlaufen im Zeichen der Verständigung. Präsident des Rates ist Aug. Schön, Buchbindermeister; neu in den Rat wird ferner gewählt Gottfried Zürcher, Sohn, z. Löwen und als Weibel Jos. Arnold-Birchlcr, z. Rössli. 27. In Zug stirbt Xaver Iten, von Unterägeri, 74 Jahre alt. Früher Holzhändler, bekleidete er in seiner Heimatsgemeinde das Amt eines Forstverwalters von 1881—1897, von da ab bis 1903 stand er der Korporation als deren Präsident vor. Auch dem zugerischen Kantonsrate gehörte er 1877 — 1885 und 1898—1902 als freisinniger Vertreter seiner Heimatgemeinde an. 31. Der Handwerker- und Gewerbeverein Unterägeri besteht mit diesem Datum volle 50 Jahre.

1914.

5. In Unterägeri stirbt 72 Jahre alt Alois Iten, z. Kreuzmühle, Müller und Bäcker, der mit seinem Bruder durch Errichtung eines elektrischen Kraftwerkes den Grundstein für die Verwertung der elektrischen Energie legte. Einfacher, biederer Bürger, der die ungeteilte Achtung der Gemeinde genoss. 15. Im Aegerisee ertrinken unweit Nceselen der 26-jährige Clemens Müller ab Kellermatt und sein Neffe der sechsjährige Johann Josef Müller, Sohn des Jon. Jos. Müller ab Kellermatt. Sie versanken in einer Eisspalte. 21. In Menzingen stirbt der weitbekannte Musiker Johann Elsener, der um die Pflege des musikalischen Lebens und Verschönerung kirchlicher und weltlicher Festlichkeiten viele Verdienste erwarb. 21. In Schönholzerswilen (Thurgau) wird Pfarrer Jos. Ant. Hindemann von Baar beerdigt Geb. 1828. Priester 1852 und Pfarrer in Gähwil. 1875 bis zu seinem Tode Pfarrer in Schönholzerswilen. 22. Auf üottschalkenberg wird vom Föhnsturm die neue grosse Scheune umgeworfen.

Januar. 4. Die Einwohnergemeinde Baar, bewilligt für den Neubau eines Schulhauses den Kredit von Fr. 160,000.—. 4. Skifest auf Zugerberg bei guter Beteiligung. Den Wanderbecher gewinnt Adelrich Gamma, Wachtmeister, Andermatt. 7. In Menzingen stirbt Kantonstierarzt Joseph Arnold, geb. 1846. Er begann seine Praxis in Menzingeu 1868. Seit 1877 Mitglied des zugerischen Sanitätsrates und seit 1878 Kantonstierarzt. Weibel der Heimatsgemeinde seit 1870. Geachteter, tüchtiger Mann seines Berufes, von steter Hilfsbereitschaft und geselligem, freundlichem Wesen. 7 Grosse Schneeschmelze infolge Föhnwindes und nachfolgenden starken Regengüssen lassen vielerorts die Bäche, namentlich im Menzingcrgebiet über die Ufer treten. 10. Aus Tampico trifft die Nachricht ein, dass in Coco (Potosi, Mexiko) im Alter von 58 Jahren Herr Stadler, Bildhauer von Zug, gestorben ist. Ein wechselvolles Leben, wie es unruhigem Künstler- und Wanderblut eigen, ist ausgelöscht. Neben seinem Bildhauerberuf gab sich der talentierte Mann mit Erfolg der Journalistik und Schriftstellerei hin und bilden seine hinterlassenen literarischen Erzeugnisse ein schönes Andenken an den Bildhauer, Schriftsteller und Pflanzer aus Zug. 10. Das Irdische verlässt im Alter von 83 Jahren Christian Fridlin, Kaufmann, in Zug, dessen Kolonialwaren- und Tabakgeschäft zu grosser Entwiklung gelangte. Fridlin gehörte früher eine Zeit lang dem Grossen Rate an und war während vielen Jahren Verwalter der Dampfschiffgcsellschaft. Ihm folgt im Tode am 11. Jon. Bachmann-Sax, ein vielbekannter, unternehmender Handelsmann, und die Dritte im Bunde der müden Erdenpilger in Zug ist Frau Aklin-Hagner, Glas- und Geschirrhändlerin in der Altstadt, 77 Jahre alt. 18. Zum Kantonsratsmitgliede an Stelle des nach Meggen verzogenen Landwirtes Stalder, wird in Risch gewählt der freisinnige Rudolph Keller, Posthalter in Rothkreuz. 20. In Neuheim feiert üemeindeschreiber Josef Staub sein 30-jähriges Amtsjubiläum. 23. Auf Stadelmatt stirbt 87 Jahre alt Wilhelm Leisebach, Senior der Gemeinde HUncnberg.

Februar.

März. l.Das Gesetz betreffend die Beitragsleistungen an die Kosten der Verbauung des Hüribaches und seiner Zuflüsse in Unterägeri wird bei geringer Stimmbeteiligung mit 851 gegen 542 Stimmen verworfen. Damit ist die Hüribachverbauung für die längste Zeit wieder begraben. 11. In Edlibach-Menzingen stirbt 68 Jahre alt Karl Franz Bumbacher, der als Einwohner-, Bürger- und Kirchenrat seiner Heimatsgemeinde schätzbare Dienste geleistet hat. 18. In der neu erbauten Verzinkerei A. G. auf der Göbliallmend wird der Betrieb aufgenommen. Die Stadt Zug ist damit um eine Verdienst und Verkehr bringende Industrie reicher. 22. Die Einwohnergemeinde Risch beschliesst die Subventionierung der Wasserversorgung in Rothkreuz mit Fr. 16,000.— 20. In Neuägeri wird die grosse Scheune der Spinnerei vollständig ein Raub der Flammen.

April. 1. In Risch stirbt Pfarrer und Sextar Clemens Zürcher, von Menzingen. Geb. 1861; 1887 Pfarrer in Birsfelden;