historisches kolleg im forschungskolleg humanwissenschaften 2014

historisches kolleg im forschungskolleg humanwissenschaften 2014

HISTORISCHES KOLLEG IM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN 2014 – DAS ERSTE JAHR »DIE WELT UM 1914« FORSCHUNGS KOLLEG FORSCHUNGS KOLLEG HUMANWISSE...

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HISTORISCHES KOLLEG IM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN 2014 – DAS ERSTE JAHR »DIE WELT UM 1914«

FORSCHUNGS KOLLEG

FORSCHUNGS KOLLEG

HUMANWISSENSCHAFTEN

HUMANWISSENSCHAFTEN

der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung

der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung

HISTORISCHES KOLLEG IM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN

Das Historische Kolleg ist eine junge Pro­­ gramm­l inie des Forschungskollegs Hu­m an­­­­ wissenschaften mit Sitz in Bad Homburg – sei­­­ ner­seits eine Kooperation der Goethe-­Uni­versität mit der Werner Reimers Stif­t ung. Von Seiten der Universität zeichnet das Historische Seminar für das wissenschaftliche Programm verantwortlich. Pro Jahr werden zu einem gemein­s amen Thema bis zu zehn Fellows eingeladen, deren Aufenthaltsdauer von wenigen Wochen bis zu einigen Monaten betragen kann.

INHALT

Historisches Kolleg

Seite 03

Grußwort

Seite 04

»Aufenthalt mit Auswirkungen«. Interview mit Till van Rahden

Seite 07

»Europa 1914. Der Weg ins Unbekannte«. Eröffnungsveranstaltung

Seite 16

Fellowships am Historischen Kolleg 2014

Seite 19

»Entwicklung des Faschismus in Italien«. Diskussionsveranstaltung mit Gustavo Corni

Seite 22

»Italiens Rolle im Ersten Weltkrieg«. Vortrag von Gustavo Corni

Seite 25

»Ein Totentanz von 1914. Radierungen von Aloys Wach«. Ausstellung

Seite 26

»Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit«. Vortragsreihe in Kooperation mit der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen

Seite 28

Weitere Veranstaltungen und Ausblick

Seite 30

Das Historische Kolleg ist ein Ort des persönlichen kommunikativen Austausches und der Entwicklung neuer Fragestellungen zu aktuellen Forschungsthemen der Geschichtswissenschaft. Den Fellows wird ein experimentierfreu­d iger Arbeitszusammenhang geboten, in dem sie neue Projekte besprechen und auf den Weg bringen können. Die Einbettung des Historischen Kollegs in den Kontext des Forschungskollegs Humanwissenschaften sorgt für einen kontinuierlichen interdisziplinären Austausch. Als Angehörige des Historischen Kollegs wirken die Fellows in zwei weitere Richtungen: auf der einen Seite bei Gastvorlesungen an der Goethe-Universität und wissen­s chaft­l ichen Ko­l­l oquien, auf der anderen

Seite steht der Dia­log mit der Gesellschaft, vor allem in Form von öffentlichen Vorträgen und Dis­k uss­­i onen am Forschungskolleg. Das zunächst auf fünf Jahre angelegte Historische Kolleg verdankt seinen Start dem Enga­ gement privater und öffentlicher Unterstützer mit hoher Reputation in der Förderung von Wissenschaft und Kultur im Rhein-Main-Gebiet. Die Stadt Bad Homburg, die das Auf­­takt­j ahr des Historischen Kollegs fördert, gehört ebenso dazu wie der Bad Homburger Unternehmer Stefan Quandt für das Jahr 2015. Hauptsponsorin ist die Dagmar-­Westberg-Stiftung.

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GRUSSWORT

PROF. DR. DR. MATTHIAS LUTZ-BACHMANN DIREKTOR DES FORSCHUNGSKOLLEGS HUMANWISSENSCHAFTEN

PROF. DR. ANDREAS FAHRMEIR WISSENSCHAFTLICHER KOORDINATOR DES HISTORISCHEN KOLLEGS

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D

as Historische Kolleg hat im Frühjahr 2014 seine Arbeit aufgenommen. Es ist die erste Programmlinie des Forschungskollegs Humanwis-­ ­­s en­s chaften, die – dank der groß­z ügi­g en finan­­ ziellen Unterstützung der Sponsoren – ihre inhaltlichen Schwerpunkte und ihre Arbeitsformen ganz frei festlegen kann. Inhaltlich ging es uns darum, das Jubiläumsjahr 1914 zum Ausgangspunkt einer Diskussion ganz unterschiedlicher Perspektiven auf den Beginn des ›Zeitalters der Extreme‹, wie Eric Hobsbawm das ›kurze‹ 20. Jahrhundert genannt hat, zu machen. Dabei ging es um die Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen dem ›Großen Krieg‹ und den Diktaturen der Zwischenkriegszeit ebenso wie um allgemeine Fragen danach, wie die Kriegserfahrung fundamentale Aspekte der Weltsicht veränderte – in ästhetischer Hinsicht, aber auch mit Blick auf politische und gesellschaftliche Ordnungsmuster, etwa das Verhältnis zwischen Mehrheit und Minderheit. Wichtig war uns schließlich eine Bestandsaufnahme, wie man die »Welt vor 1914« zwischen Beharren und Wandel, Moderne und Tradition, Kriegsbereitschaft und Friedenserwartung ein­o rd­n en kann.

Prof. Dr. Thomas Duve, Programmbeauftragter 2017; Ingrid Rudolph, Geschäftsführerin des Forschungskollegs Humanwissenschaften; Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften; Prof. Dr. Christoph Cornelißen, Programmbeauftragter 2017; Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Wissenschaftlicher Koordinator; Prof. Dr. Hartmut Leppin, Programmbeauftragter 2018; Ellinor Schweighöfer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin (von links nach rechts)

Dem Stil des Forschungskollegs Humanwissenschaften entsprechend, das sich als ein offener Ort kommunikativer Forschung versteht, ging es uns bei den Arbeitsformen darum, neben der intensiven wissenschaftlichen Diskussion in Work­s hops, Dok­t or­a n­d enseminaren und Konferenzen (oder auch am Mittagstisch) Foren der öffentlichen Debatte zu schaffen, etwa anlässlich der Eröffnung der Ausstellung der Radierungen von Aloys Wach, bei Podiumsdiskussionen oder im Rahmen der Vortragsreihe »Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit«. Es freut uns, dass beide Angebote so gut angenommen wurden. Es ist uns gelungen, mit Christopher Clark, Gustavo Corni und Till van Rahden drei herausragende Exper-

ten für die Themen dieses Kollegjahres zu gewinnen. Sie brachten große Fragen mit nach Bad Homburg und nutzten das Kolleg als Laboratorium der Geisteswissenschaften, das sowohl Ruhe und Konzentration als auch disziplinären und interdisziplinären Austausch ermöglichte. Die große Resonanz auf die öffentlichen Veranstaltungen in Presse und Öffentlichkeit hat uns freudig überrascht und uns bestätigt, dass das Konzept, Veranstaltungen auf höchstem wissenschaftlichen Niveau, die bei aktuellen Forschungsfragen ansetzen und zu neuen Erkenntnissen und Antworten anregen, ganz im Geiste des Forschungskollegs Humanwissenschaf-

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GRUSSWORT

INTERVIEW MIT TILL VAN RAHDEN

AUFENTHALT MIT AUSWIRKUNGEN TILL VAN RAHDEN ÜBER SEIN FELLOWSHIP AM HISTORISCHEN KOLLEG UND DIE STRAHLKRAFT DER BAD HOMBURGER FORSCHERGEMEINSCHAFT

ten der richtige Weg ist, den Dialog mit der Öffentlichkeit zu suchen und daraus wiederum neue Impulse für die Forschung zu generieren. In beiden Bereichen hat sich gezeigt, dass es gelungen ist, das Historische Kolleg bereits im ersten Jahr seines Bestehens fest als Ort der historischen Forschung, Bildung und Debatte zu etablieren. Dies lag neben der ausgezeichneten Vernetzung mit der Goethe-Universität auch am bereitwilligen und enthusiastischen Engagement lokaler Partner, vor allem der Ver­w altung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, deren Direktor Karl Weber sowie deren Leiterin des Fachgebietes Museen Dr. Friedl Brunckhorst hier nachdrücklich gedankt sei.

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Ermöglicht wird die Arbeit des Historischen Kollegs dank – und ausschließlich aufgrund – großzügiger Spenden. Die Stadt Bad Homburg leistete eine Anschubfinanzierung für das erste Jahr. Als Hauptsponsorin für alle fünf Jahre fungiert die Dagmar-Westberg-Stiftung. Frau Westberg, die 1914 geboren wurde, fördert das Kolleg maßgeblich finanziell und begleitete das Programm des ersten Jahres, indem sie mit Fellows und Mitarbeitern des Kollegs in regelmäßigem und regem Austausch stand, wobei sie durch ihre differenzierte Perspektive auf das vergangene Jahrhundert die Diskussionen sehr bereichert hat. Dennoch hat auch Frau Westberg – wie die anderen Sponsoren – keinen inhaltlichen Einfluss auf das Programm des Kollegs ausgeübt, das ganz allein der Freiheit der Forschung verpflichtet ist.

Für das Jahr 2015 konnte das Historische Kolleg einen weiteren großzügigen Unterstützer gewinnen: den Bad Homburger Unternehmer Stefan Quandt. Das Programm des kommenden Jahres wird sich – koordiniert von Prof. Dr. Werner Plumpe – dem Thema »Varianten des Kapitalismus« widmen und wird in einer dia­chronen und globalen Perspektive die unterschiedlichen Aus­for­m­un­gen dieses Wirtschaftssystems in den Blick nehmen, um sich dessen Merkmalen, Konsequenzen und sozialen Implikationen zu widmen. Wir sind sehr optimistisch, dass es vollauf gelingen wird, an die Erfolge des ersten Jahres anzuknüpfen.

D

er Historiker Till van Rahden ist Professor für Deutsche und Europäische Studien an der Université de Montréal in Kanada. Zusammen mit Gustavo Corni (Trient, Italien) und Christopher Clark (Cambridge, England) gehörte er zu den Fellows im Auftaktjahr des Historischen Kollegs. Till van Rahden verbrachte rund vier Monate in Bad Homburg. Er nahm an der internationalen Fachtagung »Europa 1914 – Der Weg ins Unbekannte« teil und organisierte die geisteswissenschaftliche Tagung »Forms, Style, and Manners: Democracy as a Way of Life«, hielt einen öffentlichen Vortrag zum Thema »Eine Welt ohne Familie: Der Kinderladen als demokratisches Heilsversprechen« und leitete einen Workshop für Nachwuchswissenschaftler der Goethe-Universität. Das Kolleg­gebäude am Wingertsberg ist für ihn vertrautes Terrain. Im Jahr 2010 war van Rahden auf Einladung des Exzellenzclusters »Die Herausbildung normativer Ordnungen« Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften. Es interviewte ihn der Wissenschaftsjournalist Bernd Frye.

F RY E

Herr Professor van Rahden, Sie waren in einem Jubiläumsjahr von großer internationaler Bedeutung Fellow in Bad Homburg. Beflügeln solche runden Jahreszahlen oder stören sie bei der konzentrierten wissenschaftlichen Arbeit? VA N R A H D E N

Weder noch. Als Wissenschaftler interessiere ich mich für Fragen, die ich für zentral und wichtig halte. Dazu gehört auch die Frage nach dem öffentlichen Verständnis von Ge­ schichte. Aber das ist in der Regel abgekoppelt von Jubiläumsdaten. Innerhalb der breiten Öffentlichkeit spielen solche Jubi­läen oft eine zen­ trale Rolle. Und es ist auch nicht ab­ wegig, als Fachhistoriker darauf zu

reagieren und sich in die öffentlichen Debatten einzumischen. Für meine eigenen For­schungs­­­schwerpunkte versuche ich jedoch, mich von solchen publizistischen Konjunk­turen zu lösen. Sonst wird Forschung zu kurzatmig, und es geht die Möglich­ keit ver­lo­ren, in Ruhe und mit einem ent­spre­chenden Abstand über eine bestimmte Frage länger nachzu­­den­ ken und auch die empirische Forschung so voran­treiben zu können, dass es überhaupt möglich ist, zu sinnvollen neuen Aussagen über historische Zusammenhänge und ihre Bedeutung für die Gegenwart zu kommen. F RY E

Das erste Jahr des Historischen Kollegs hatte das Oberthema

»Die Welt um 1914«. Gleichwohl – und vorher auch so geplant – war auch Platz für andere Forschungen. In einem Ihrer Projekte ging es um die Geschichte des Be­griffs­­­paares von Mehrheit und Minderheit und wie wir es heute verstehen. Und das hat interessan­ ter­weise dann doch wieder etwas mit dem Ersten Weltkrieg zu tun. VA N R A H D E N

Wir wissen inzwischen viel über die Diplomatie- und Militärgeschich­ te des Ersten Weltkrieges. Und inzwischen wissen wir manches über die Sozialgeschichte, also etwa die Fragen, wie einfache Soldaten, Frau­ en an der Heimatfront oder Kranken­ schwestern den Krieg erlebt haben und wie sich ihr Leben infolge des

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INTERVIEW MIT TILL VAN RAHDEN

»Viele der Erziehungspraktiken, die wir als selbstverständlich wahr­nehmen, verdan­ken wir den Achtundsechzigern. Dies jedenfalls glaubt der Demokratieforscher Till van Rahden. […] In seinem Vortrag ›Eine Welt ohne Familie: Der Kinderladen als demokratisches Heilsversprechen‹ am Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg beleuchtete er unlängst den unvergleichlichen Anklang, den die Kinderläden in Deutschland fan­den; ihr Einfluss sei bis in die Gegenwart spürbar.« FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 30.7.2014

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Krieges verändert hat. Worüber wir aber dagegen weniger wissen, sind die ideengeschichtlichen und kultur­ geschichtlichen Verschiebungen in­ folge des Krieges. Und mich interes­ siert in diesem Zusammenhang, wie sich das öffentliche Nachdenken über die Frage der kulturellen Vielfalt in den europäischen Gesellschaften veränderte. Manches davon hat da­ mit zu tun, dass am Ende des Ersten Weltkriegs vier multinationale, multi­ ethnische Imperien zerbrechen. An ihre Stelle treten neue Nationalstaa­ ten, in denen die Öffentlichkeit ein

INTERVIEW MIT TILL VAN RAHDEN

höheres Maß an ethnischer, religiö­ ser und kultureller Homogenität erwartet. Aber das ist nicht die gan­ ze Geschichte. Sondern: Die Art und Weise, wie über solche Fragen diskutiert wird, welche Begriffe im Vor­der­grund stehen, verändert sich völlig. F RY E

Inwiefern? VA N R A H D E N

Für mich ist es frappierend, dass dieses für uns so selbstverständliche Begriffspaar, die Idee, dass es in einer Gesellschaft eine Mehrheit gibt und eine oder mehrere Minderheiten – kultureller, ethnischer, religiöser Art –, dass dieses semantische Koordinatensystem eines ist, das sich vor 1914 in keiner der großen europäischen Sprachen finden lässt. Aber 1919, bei den Pariser Friedens­ verhandlungen, spielt dieses Begriffs­paar plötzlich eine zentrale Rolle und findet dann auch Eingang in alle europäischen Sprachen. Umgehend gibt es umfangreiche Einträge in den Lexika. Und dieses Begriffspaar ist heute ein gleichsam selbstverständlicher Rahmen gewor­ den, in dem wir über Fragen der kulturellen Vielfalt und auch Fragen der Zuwanderung nachdenken. Wir gehen davon aus, dass es sich um ebenso selbstverständliche wie unschuldige Begriffe handelt. Dabei ist es buchstäblich ein Neologismus, der erst um 1919 ge­prägt wird, und zwar unmittelbar im Zusammenhang

mit der kulturell-politischen Verschie­ bung des euro­­­päischen Koordinaten­ systems, das sich infolge des Krieges und der Kriegsmobilisierung der euro­­päischen Gesellschaften ergab. F RY E

Auf der Fachtagung »Europa 1914 – Der Weg ins Unbekannte« haben Sie darüber am Kolleg einen Vortrag gehalten. Er hieß: »Mehrheit und Minderheit: Die Geburt eines asymmetrischen Gegenbegriffs im Schatten des Kriegs«. Wie wurden denn die Begriffe zuvor benutzt? VA N R A H D E N

Es gab beispielsweise ein rein numerisches Verständnis des Gegensatzes von Mehrheit und Minderheit. Es entsteht in den Vorformen moderner Parlamente und meint zunächst nur das, wie wir es auch heute kennen, wenn wir etwa im Bundestag von einer Mehrheit oder einer Minderheit sprechen. Es geht also um numerische Verhältnis­ se, die nach einer Wahl auch ganz andere sein können. Das ist eine alte Verwendung dieses Begriffspaares, die auch nicht in einem emphati­ schen Sinne als asymmetrisch zu kennzeichnen ist, sondern davon aus­ geht, dass das Verhältnis zwischen Regierungsfraktion und Oppositions­ fraktion umkehrbar ist. F RY E

Und wie entsteht nun das neue Begriffspaar?

VA N R A H D E N

Es ist in Vergessenheit geraten, dass zumindest die unmittelbaren Nach­ kriegsjahre nach dem Ersten Welt­ krieg eine Zeit waren, in der die Idee der Demokratie zu triumphieren schien. In fast allen europäischen Ländern setzte sich die Demokratie als Regierungsform zumindest für eine kurze Zeit durch. Just in diesem Moment wird das Begriffspaar Mehrheit und Minderheit, das auf eine lange Tradition von parlamenta­ rischen Machtverhältnissen und Abstimmungsverhältnissen verweist, plötzlich aufgeladen mit den Erwar­ tungen und der Assoziation, dass es etwas mit kultureller, religiöser, ethnischer Vielfalt zu tun hat.

fließt in die selbstverständliche Verwendung des Begriffspaares Mehrheit und Minderheit die Annah­ me mit ein, dass wir eigentlich in einer Gesellschaft leben sollten, in der wir uns in wichtigen Fragen verständigen, in der ein Konsens die Regel ist. Aus dem vermeintlich nüchternen Begriff der Minderheit wird die Rede vom Minderheitenpro­ blem – eine semantische Verschie­ bung, die schon 1919 zu beobachten war. Auch heute gibt es eine Identifika­tion von Mehrheit mit dem Zentrum der Gesellschaft, mit der Mitte der Gesellschaft, mit den soge­ nannten Leitwerten der Gesellschaft. Und Minderheiten werden als Gruppen gesehen, die die Mitte, wenn nicht bedrohen, dann doch

sondern vor allem die unvermeidliche Konsequenz der Idee der Freiheit aller Bürgerinnen und Bürger. Die Furcht vor der Vielfalt ist daher eng mit der Angst vor der Freiheit verbunden. F RY E

Im Rahmen einer ihrer Forschungs­­ schwerpunkte, der Geschichte der Demokratie, beschäftigten Sie sich in Bad Homburg auch mit dem Thema »Demokratie als Lebensform«. Dazu gehört die Vorstellung, dass eine demokratische Haltung eingeübt werden kann. Für die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg war das eine ganz besondere Herausforderung – und zwar buchstäblich von klein auf.

F RY E VA N R A H D E N

Welche Rolle spielt die Demokratie dabei? VA N R A H D E N

Die Idee der Demokratie weckt bei vielen die Hoffnung auf einen demo­ kratischen Konsens, beruht also auf der Erwartung, dass man sich als gleichberechtigte Staatsbürger gemeinsam auf ein bestimmtes politisches Programm verständigen kann. De facto aber entscheidet am Ende nicht die Allgemeinheit, son­ dern die Mehrheit. Trotzdem steht die Frage im Raum: Wie passt dieses de facto-Prinzip einer Mehrheitsent­ scheidung und die politische Legitimität dieser Mehrheits­ent­ scheidung zu der Fiktion einer poten­ ziellen Zustimmung aller? Vermutlich

»Kulturelle Vielfalt ist ja nicht nur eine soziale Tatsache, sondern vor allem die unvermeidliche Konsequenz der Idee der Freiheit aller Bürgerinnen und Bür­ger.« TILL VAN RAHDEN

Die Nachkriegsdeutschen mussten, das ist eine schöne Formulierung von Theodor Heuss, mit dem »Buch­ stabieren« des Wortes Demokratie völlig neu anfangen. Das betraf auch die Frage, welche Rolle die Erziehung, besonders auch in der Familie, für den Aufbau einer demo­ kratischen Gesellschaft spielt. 9 F RY E

zumindest in Frage stellen oder herausfordern. Die in dem Begriffs­ paar von Mehrheit und Minderheit aufgehobene Sehnsucht nach Homogenität und Konsens bedroht bürgerliche Freiheitsrechte in ihrer Substanz. Kulturelle Vielfalt ist ja nicht nur eine soziale Tatsache,

»Eine Welt ohne Familie: Der Kin­­der­laden als ein demokratisches Heilsversprechen« – so hieß Ihr öffentlicher Vortrag am For­schungs­­ kolleg. Da haben Sie einen Vergleich zwischen den 1950er Jahren und der Zeit ab 1968 gezogen, der für Erstaunen gesorgt hat.

INTERVIEW MIT TILL VAN RAHDEN

VA N R A H D E N

Es gibt eine große Gemeinsamkeit, die häufig übersehen wird, zwischen den Debatten der 50er Jahre und den Debatten der späten 60er Jahre. In beiden Dekaden, die Zeiten des Umbruchs waren, wird der Frage der Erziehung, der privaten Lebensform, eine zentrale Bedeutung zugewiesen. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass in den 50er und frühen 60er Jahren die Familie noch ganz im Zentrum steht. Der Leitbegriff in den Debatten ist die Idee der demokratischen Familie, in der demokratische Tugenden, demokratische Umgangsformen eingeübt werden.

der Kinderladen sein, als völlig neue Form des Kindergartens. F RY E

Zumindest für die Kinderläden und die antiautoritäre Erziehung gab es im bürgerlichen Lager ja durchaus Sympathie. Warum kam es dann trotzdem zu Konflikten?

»›Was bleibt?‹ fragte Professor van Rahden. Unverkennbar ist, wie sehr sich das Ideal der Fami­ lie pluralisiert hat […].« TAUNUS ZEITUNG, 26.7.2014

F RY E

Und danach gerät die Familie in Verdacht oder sogar in Verruf.

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VA N R A H D E N

VA N R A H D E N

Der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter hat damals die Formel »Patient Familie« geprägt, die Fami­ lie gilt also als krank. Noch populärer war damals ein Buch, das heute vergessen ist, von einem englischen Psychoanalytiker, David Cooper, das in einer hohen Auflage bei Rowohlt erschienen ist: »Der Tod der Familie«. Cooper hat das nicht nur konstatiert, er hat gefordert, diese Institution endgültig abzu­ schaffen. Damit einher ging die Vor­ stellung, an die Stelle der Familien müssten andere Institutionen treten. Das konnten die Wohngemeinschaft oder die Kommune sein, das konnte

In der Tat haben viele, die sich für eine demokratische Familie in den 50er und 60er Jahren einsetzten, zunächst viele Reformvorschläge der 68er begrüßt. Sie wandten sich dann aber entsetzt ab, weil sie glaubten, dass das viel zu radikal würde. Wenn man es verkürzt formulieren will, kann man sagen: Es ging darum, ein bürgerlich-liberales Demokratie­ verständnis durch ein radikal-sozia­ listisches Demokratiemodell zu ersetzen. Und das war dann etwas, was spätestes ab 68/69 zu enormen Debatten und Konflikten führt, wo dann auch Verhärtungen ins Spiel kommen, die bis heute nachwirken,

die aber den Blick darauf verstellen, wie viele Parallelen es eigentlich in bestimmten Denkfiguren zwischen den 1950er Jahren und der Zeit ab 1968 in diesen Debatten gab. F RY E

Lassen Sie uns in die unmittelbare Gegenwart springen und damit zu Ihrer Zeit in Bad Homburg, als Sie zusammen mit Ihren Fachkollegen Christopher Clark und Gustavo Corni Fellow im Auftaktjahr des Historischen Kollegs waren. Wie wichtig sind solche gemeinsamen Fellowships für Ihre Forschungen?

Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften; Dagmar Westberg, Sponsorin des Historischen Kollegs; Prof. Dr. Till van Rahden, Fellow des Historischen Kollegs; Ellinor Schweighöfer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Historischen Kollegs; Prof. Dr. Andreas Fahrmeir, Wissenschaftlicher Koordinator des Historischen Kollegs

VA N R A H D E N

Ich kenne sowohl Gustavo Corni als auch Christopher Clark schon lange und schätze sie als wunderbar anregende Gesprächspartner. Deshalb war ich dankbar, diese Gesprächsfäden wieder aufnehmen zu können. Das funktioniert heute selbstverständlich auch viel über E-Mail, aber es ist doch hilfreich und vor allem auch schön, wenn es die Möglichkeit gibt, sich persönlich zu sehen. Das schafft eine andere Atmosphäre und auch eine Form des Vertrauens, die es überhaupt möglich macht, wissenschaftliche Fragen so zu diskutieren, wissenschaftliche Kontroversen in einer Form zu führen, dass man auch Differenzen markie­ ren kann, ohne dass sich der Verdacht einstellt, es mangele an gegenseitigem Respekt und wechsel­ seitiger Wertschätzung. Und da spielt besonders diese ungewöhn­

»EINE WELT OHNE FAMILIE: DER KINDERLADEN ALS EIN DEMOKRATISCHES HEILSVERSPRECHEN«. VORTRAG VON TILL VAN RAHDEN AM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN »1968« wird in der gegenwärtigen Erinnerung scharf von den 1950er Jahren geschieden: Radikal wandten sich die Studentenund Bürgerrechtsbewegungen gegen die Dekade des »motorisierten Biedermeier«. Der Vortrag rückte die beiden Dekaden wieder näher zusammen, indem er die Gemeinsamkeiten in den Blick nahm. So herrschte vor und nach »1968« ein breiter Konsens darüber, dass die Frage, wie Kinder erzogen werden, von zen­traler Bedeutung für den Auf- und Umbau der Demokratie ist. Dies vor Augen wird deutlich, worin die Zäsur von »1968« bestand. Bis Mitte der 1960er Jahre galt die Familie als der Ort, an dem Väter und Mütter, Töchter und Söhne eine demokratische Lebensform einüben sollten. Seit 1968 galt die Familie jedoch als ein Hort der antidemokratischen Repression. Vor diesem Hintergrund wird die psychische Energie verständlich, mit der die »68er« nach neuen Formen der Erziehung jenseits der Familie suchten, seien es Kinderläden, Kommunen oder Wohngemeinschaften.

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INTERVIEW MIT TILL VAN RAHDEN

DIE DAGMAR-WESTBERG-STIFTUNG IST HAUPTSPONSORIN DES HISTORISCHEN KOLLEGS

Dagmar Westberg, die das Historische Kol­leg über fünf Jahre hinweg maßgeblich fördert, und Till van Rahden entdeckten im Laufe ihrer Gespräche eine Gemeinsamkeit: Sie beide haben ein besonderes Interesse an der Geschichte der Breslauer Juden; Dagmar Westbergs Mutter und ihr Großonkel, Oscar Troplowitz (1863 –1918), stammten beide aus Breslauer jüdischen Fami­lien; in seiner Studie »Jews and other Germans. Civil Society, Reli­gious Diversity, and Urban Politics in Breslau, 1860–1925« untersucht Till van Rahden diese in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts zerstörte Welt.

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»Ich bin nicht nur sehr dank­­­bar für die Förderung von Dagmar Westberg für das Historische Kolleg. Darüber hinaus war es mir eine Ehre, sie als Mensch und Persönlichkeit ken­­nen­­­l ernen zu dürfen. Mit ihrem Namen verbindet sich eine beeindruckende Biographie. Und es war für mich eine große Freude, dass ich Frau Westberg Hinweise über die Geschichte ihrer Breslauer Familie im Anschluss an zwei schöne, intensive und anregende Gespräche senden konnte.« TILL VAN RAHDEN

»Die Ruhe im wunderbaren Park und das offene, helle Gebäude, der welt­offene Geist aller Mitarbeiter­ innen und Mitarbeiter, die kinderund familienfreundliche Stimmung am Kolleg, aber auch die Tisch­tennisplatte. Das schafft eine Atmosphäre, in der diese Gesprächs­ kultur gepflegt werden kann – oder auch erst entsteht.« TILL VAN RAHDEN

liche Atmosphäre des Hauses eine große Rolle: Die Ruhe im wunder­ baren Park und das offene, helle Gebäude, der welt­offene Geist aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die kinder- und fami­lienfreundliche Stimmung am Kolleg, aber auch die Tischtennisplatte. Das schafft eine Atmos­phäre, in der diese Gesprächs­ kultur gepflegt werden kann – oder auch erst entsteht. Gute Wissen­ schaft setzt Einsamkeit und Freiheit voraus, aber eben auch eine gewisse Form der Geselligkeit an einem schönen Ort. F RY E

Einrichtungen wie das Historische Kolleg orientieren sich an dem Modell der »Institutes for Advanced Studies«. Zu deren Hauptaufgaben gehört es, Wissenschaftlern Frei-

räume für ihre eigene Forschung zu geben. Wie relevant ist dieser Aspekt für Sie? VA N R A H D E N

Für mich ist das die Chance, eine Zeit lang konzentrierter zu arbeiten, als es an der eigenen Heimatuniver­ sität möglich ist – ohne jedoch ganz alleine zu sein. Das ist der Punkt. Man hat die Möglichkeit, die Tür zu öffnen oder zu schließen. Und hier geht es ja nicht allein um das Historische Kolleg, sondern es geht auch um das Forschungskolleg Humanwissenschaften insgesamt. Man hat die Möglichkeit, sich mit Kolleginnen und Kollegen aus vier, fünf unterschiedlichen Disziplinen intensiv auszutauschen. Und diese Kontakte wirken oft auch über den eigentlichen Aufenthalt hinaus.

kennengelernt habe, die sich in anderen Disziplinen mit ähnlichen Problemen beschäftigen. Dazu gehörten die Philosophin Seyla Benhabib und die Politikwissen­ schaftler David Owen und Peter Niesen, mit denen ich seitdem in Kontakt stehe. Einrichtungen wie das Forschungskolleg bieten einen ganz großen Luxus, nämlich die Möglich­ keit, bestimmte Probleme noch einmal auf eine ganz andere Weise zu durchdenken, und sich tatsächlich auf andere Disziplinen einzulassen. Das ist etwas, das gerade bei Historikern zu selten passiert. Ob nun mit Blick auf die zwei Monate im Jahr 2010 oder mit Blick auf die vier Monate 2014 – ich empfinde das als großes Geschenk und Privi­ leg, für das ich sehr dankbar bin.

F RY E

Können Sie das erläutern? VA N R A H D E N

Für mich war das ja jetzt der zweite Aufenthalt. Und ich zehre von den Anregungen und Impulsen, die ich vor vier Jahren hier erhalten habe, denen ich vier Jahre nachge­ gangen bin. Es geht dabei um die Frage, welchen Beitrag Historiker zu unserem Verständnis von Demo­­ kratie – nicht nur als Herrschafts-, sondern auch als Lebensform – leisten können. Die Chance, mich mit diesen Fragen zu beschäftigen, setzte voraus, dass ich hier einige der weltweit anregendsten Leute

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14

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Dagmar Westberg und Till van Rahden

ERÖFFNUNGSVERANSTALTUNG

ERÖFFNUNGSVERANSTALTUNG DES HISTORISCHEN KOLLEGS PODIUMSDISKUSSION »EUROPA 1914. DER WEG INS UNBEKANNTE«

I

n der Praxis hatte das Historische Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften seine Arbeit bereits aufgenommen. Am 23. Mai 2014 wurde es mit der Podiumsdiskussion »Europa 1914. Der Weg ins Unbekannte« nun auch ganz offiziell eröffnet.

Prof. Dr. Gustavo Corni (Universität Trient/ Italien), Prof. Dr. Gerd Krumeich (Universität Freiburg i.Br.), Prof. Dr. Annika Mombauer (Uni­ versität Milton Keynes/Großbritannien), Prof. Dr. Christopher Clark (Uni­v ersität Cambridge/ Großbritannien) und Prof. Dr. Frédéric Rousseau (Universität Montpellier/Frankreich) – fünf der führenden Experten zur Geschichte des Ersten Weltkriegs – diskutierten unter der Moderation von Professor Andreas Fahrmeir, dem wissenschaftlichen Koordinator des Historischen Kollegs, über zwei Fragen: »Was bestimmte den Weg, der 1914 in die Katastrophe führte?« und »Inwieweit war es für die Zeitgenossen und vor allem für die Entscheidungsträger absehbar, auf was sie sich ab dem Frühsommer des Jahres einließen?«

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Das Publikum griff die Thesen vom Podium im Anschluss angeregt auf. Weitestgehend Kon­s ens war, dass ein bewusstes ›Spiel mit dem Feuer‹ den Ersten Weltkrieg zu verantworten hätte. Die Podiumsdiskussion war zugleich der Abschluss der gleichnamigen internationalen Tagung unter Leitung von Professor Christoph Cornelißen von der Goethe-Universität. Sie war der Frage gewidmet, wie die Bevöl­ke­run­gen im Sommer 1914 den Weg in den Krieg erlebten, und beleuchtete die sozialen, kulturellen sowie politischen Leitbilder dieser Zeit. Das Historische Kolleg war einer der Förderer der Tagung.

»War das Ausmaß des Tötens […] schon vor Kriegsausbruch abzusehen? Oder gingen die euro­pä­ischen Mächte 1914 einen ›Weg ins Unbekannte?‹ Über diese Fragen haben Historiker in Bad Homburg zwei Tage lang gesprochen und die Ergebnisse gestern Nachmittag in einer Podiumsdiskussion vorgestellt. Sie war zugleich Eröffnungsveranstaltung für das neue Historische Kolleg […], das zunächst für fünf Jahre Gast­­­­wissen­schaftler zu unterschiedlichen Themen in die Räume des Forschungskollegs nach Bad Homburg führt.« FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 24.5.2014

FELLOWSHIPS 2014

­ Ansgar Schulz, Stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Bad Homburg, in Vertretung von Oberbürgermeister Michael Korwisi, beim einleitenden Grußwort

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»Fragt man Prof. Dr. Dr. Mat­thias Lutz-Bachmann, Direktor des For­ schungskollegs Human­w issen­ schaften in der Reimers-Villa am Wingertsberg, so versteht er sich als Brückenbauer. […] Die Brücke verbindet das gestern eröffnete ›Historische Kolleg […]‹ im Forschungskolleg Humanwissenschaften der Uni Frankfurt und der Rei­­mers-Stiftung mit dem universitären Betrieb in der Mainmetropole.« TAUNUS ZEITUNG, 24.5.2014

Die Stadt Bad Homburg fördert das Auftaktjahr des Historischen Kollegs mit einer großzügigen Spende. Der Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Bad Homburgs über­­brachte die Glückwünsche des Oberbürgermeisters Michael Korwisi anlässlich der Eröffnung des Historischen Kollegs und betonte, wie wichtig die Aufarbeitung der Geschichte sei, wozu die Stadt Bad Homburg im Rahmen des Historischen Kollegs mit der Förderung des diesjährigen Themen­s chwer­p unkts »Die Welt um 1914« beitrage.

P R O F. D R . C H R I S T O P H E R C L A R K Professor für Neuere Europäische Geschichte am St. Catharine‘s College in Cambridge, Großbritannien FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE

Deutsche und europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts FORSCHUNGSTHEMA AM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN

»Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog« Christopher Clark ist gemeinsamer Fellow des Exzellenzclusters »Die Herausbildung normativer Ordnungen« und des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften. 2009 war er ebenfalls auf Einladung des Exzellenzclusters »Die Herausbildung normativer Ordnungen« als erster Fellow des frisch gegründeten Forschungskollegs Humanwissenschaften zu Gast in Bad Homburg.

FELLOWSHIPS 2014

FELLOWSHIPS 2014

P R O F. D R . G U S TA V O C O R N I

P R O F. D R . T I L L V A N R A H D E N

Professor für Zeitgeschichte an der Universität Trient, Italien

Inhaber des Canada Research Chair in German and European Studies und Außerordentlicher Professor für Geschichte an der Université de Montréal, Kanada

FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE

FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE

Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, Geschichte der modernen Diktaturen, Sozialgeschichte der beiden Weltkriege

Neuere europäische und deutsche Geschichte, jüdische Geschichte, Kulturgeschichte, Geschichte der Demokratie, Geschichte von moralischen Leidenschaften und Konflikten

FORSCHUNGSTHEMA AM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN

FORSCHUNGSTHEMA AM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN

»Eine kurze Geschichte des Nazismus«

»Formen, Stil und Geselligkeit: Demokratie als Lebensform« Till van Rahden war bereits 2010 auf Einladung des Exzellenzclusters »Die Herausbildung normativer Ordnungen« zu Gast am Forschungskolleg Humanwissenschaften.

DISKUSSIONSVERANSTALTUNG

»ENTWICKLUNG DES FASCHISMUS IN ITALIEN« PROF. DR. GUSTAVO CORNI AM KAISERIN-FRIEDRICH-GYMNASIUM BAD HOMBURG

»K

ennst du das Land, wo die Zitronen blühn?«, hatte Johann Wolfgang Goethe einst gefragt. »Kennst du das Land, wo der Faschismus blüht?«, fragte Gustavo Corni, Pro­fessor für Zeitgeschichte an der Universität Trient und Fellow des Histo­­rischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissen­s chaften. Er war an das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg ge­k ommen, um mit Schülerinnen und Schülern über Italien im Ersten Weltkrieg und die Entwicklung des Faschismus zu sprechen. Bildungsangebote an Jugendliche, vor allem in Form eines regen Austausches mit ihnen, ist ein wichtiges Ziel des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften. Der Faschismus, nicht etwa Pasta oder Pizza, sei der erfolgreichste Exportartikel in der Geschichte Italiens gewesen, begann Professor Corni seinen einer anschließenden gemeinsamen Diskussion vorausgehenden Vortrag vor den über hundert Schülerinnen und Schülern. Darauf schilderte er den Verlauf des Ersten Weltkrieges aus italienischer Sicht.

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Italien trat etwa ein Jahr nach Beginn des Ersten Weltkrieges auf Seiten der Entente in den Krieg ein und ging somit nominell als einer der Sieger aus dem Krieg hervor. »Italien hat gewonnen, Deutschland hat verloren – wie im Fußball. Aber das ist Krieg!«

»Herr Corni verstand es, durch Verbindung von Witz und Sachverstand einen interessanten Vortrag zu halten, dem man inhaltlich gut folgen konnte. Er hat außerdem das Publikum gut eingebunden.« SCHÜLER DES KAISERIN-FRIEDRICH-GYMNASIUMS

Gustavo Corni machte deutlich, dass es im Krieg nur Verlierer gab. Denn Italien hatte zwar gewonnen, aber zu welchem Preis? Mehr als 600.000 Tote auf italienischer Seite. Zurück blieben Witwen und Waisen und große Enttäuschung. In dieser Situation fielen die Worte Benito Mussolinis auf fruchtbaren Boden, der ein Ende von Entbehrungen und Enttäuschungen versprach – leere Versprechen, doch mit fatalen Folgen. Die Faschistische Partei gelangte an die Macht. Es gab gewisse Ähnlichkeiten zu der Entwicklung, die sich gut zehn Jahre später in Deutschland vollzog, und das Ergebnis war beide Male eine Diktatur. Die faschistische Diktatur in Italien, die nationalsozialistische in Deutschland.

Gustavo Corni zog Parallelen zwischen der Entwicklung in Italien und der in Deutschland. Doch nicht in dem Sinne, dass sich Geschichte wiederhole oder sich aus ihr allgemeingültige Regeln ableiten ließen. »Geschichte ist nicht Mathematik, weil Geschichte von Menschen gemacht wird«, sagte er. Damit machte er deutlich, dass jeder seine Geschichte selbst in der Hand habe, zeigte den jungen Leuten auf, dass sie es sind, die bestimmen, wie ihre Geschichte weiter geht. Und er wollte sie gleich­­zeitig warnen, indem er betonte, dass Menschen mehrfach die­ selben Fehler machen können, katastrophale Fehler – doch dass man aus Fehlern, wie verhee­ rend sie auch sind, und somit durchaus auch aus der Geschichte lernen kann. Gustavo Corni verdeutlichte an seiner eigenen Bio­­­­gra­p hie die große Bedeutung von Fremdsprachenkenntnissen. Er ist in Südtirol aufgewachsen und seine Eltern hatten für ihn einen deutschen Kindergarten ausgesucht. Es waren letztendlich seine sehr guten Deutschkenntnisse, die es ihm ermöglicht haben, Professor für deutsche Geschichte zu werden.

Im Anschluss an Professor Cornis Vortrag haben die Schüler enthusiastisch mit ihm diskutiert und ihm interessierte Fragen gestellt. Eine Schülerin beispielsweise wollte ganz detailliert erfahren, wie genau es Mussolini geschafft hat, die Massen zu erreichen. Professor Corni erklärte, dass die aktiven Anhänger Mussolinis zunächst zwar nicht viele waren. Doch die wenigen schafften es, laut zu sein, aktiv zu sein. Sie waren gewalttätig und erweckten damit in den Augen vieler den Eindruck, mächtig und tatkräftig zu sein.

»Der Vortrag hat dazu beigetragen, eine neue Sichtweise auf den 1. Weltkrieg zu bekommen. Der Inhalt wurde durch verständliche Beispiele bildhaft rübergebracht, ohne das Niveau zu senken, welches sehr hoch angesetzt war. Auf Nachfrage wurden einzelne Sachverhalte näher erläutert und der Vortrag hätte inhalt­lich noch Stunden weitergehen können, ohne sich zu wiederholen.« SCHÜLERIN DES KAISERIN-FRIEDRICH-GYMNASIUMS

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VORTRAG IM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN

»ITALIENS ROLLE IM ERSTEN WELTKRIEG. EIN VERNACHLÄSSIGTES GESCHICHTSBLATT« VORTRAG VON GUSTAVO CORNI AM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN

I

talien, »die letzte der Großmächte«, nahm am Ersten Weltkrieg ab Mai 1915 teil. Der Eintritt des Landes in den Krieg war von Seiten des selbstbewussten Teils der Öffentlichkeit verlangt worden und mit großen Erwartungen verbunden. Der Krieg kostete das Land mehr als eine halbe Million Tote und hinterließ große Verwüstungen. Die damit verbundene Ent­t äu­s chung der »Interventisten«, der Kriegsbefürworter von 1915, wurde unter dem Schlag­­­­­wort der »vittoria mutilata« (›der verstümmelte Sieg‹) laut, was zur Verschärfung der sozialen und politischen Risse im Innern des Landes führte. Die italienische Teilnahme am Ersten Weltkrieg ist also als die bedeutendste Voraussetzung für die Machtergreifung der faschistischen Bewegung anzusehen. Die inter­nationale Literatur über den Ersten Weltkrieg hat die Teilnahme Italiens zum großen Teil vernachlässigt oder zu wenig beleuchtet.

Gustavo Corni bei der Diskussionsveranstaltung im Kaiserin-Friedrich-Gymnasium

Der hundertste Jahrestag des Kriegsbeginns sollte als eine Gelegenheit angesehen werden, um die­se Lücke der Geschichtsschreibung (und der internationalen Wahrnehmung) zu schließen.

»›In Italien hat die Bevölkerung, vor allem die Intellektuellen, die Eliten und die Jugend, immer noch dieselben Lügen geglaubt wie im Juli 1914 die Deutschen und Österreicher‹, unterstrich Prof. Gustavo Corni in perfektem Deutsch bei seinem Vortrag ›Italiens Rolle im Ersten Weltkrieg: Ein vernachlässigtes Ge­s chichtsblatt‹ am Forschungskolleg Hu­­man­­wissenschaften der Frankfurter Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner-Reimers-Stiftung. Corni ist Professor für Zeitgeschichte und verbringt einen Forschungsauf­ enthalt als ›Fellow‹ am Forschungskolleg.« TAUNUS ZEITUNG, 16.05.2014

Vertreter des Kollegs, der Stadt Bad Homburg und der Universität nach dem Vortrag von Gustav Corni

Empfang und informelle Diskussion nach dem Vortrag im Kolleg

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AUSSTELLUNG

»EIN TOTENTANZ VON 1914. RADIERUNGEN VON ALOYS WACH« 20.05.2014 – 31.08.2014 AUSSTELLUNG IM FOYER DES FORSCHUNGSKOLLEGS HUMANWISSENSCHAFTEN

D

er Maler Aloys Wach (1892–1940) gibt in seinem 1916/17 entstandenen Radie­rungs­ z­ yklus »Ein Totentanz von 1914« Einblick in die Grauen des Ersten Weltkrieges, der »Ur­ka­­tas­trophe des 20. Jahrhunderts«. Seine Bilder sind Zeugnisse kritischer Stimmen zum Krieg, die inmitten der Euphorie, die viele der Zeit­genossen nach der Mobilmachung zeigten, leider viel zu oft unterge­ gangen sind. Der »Totentanzzyklus« Wachs war bis einschließlich Ende August 2014 im Foyer des Forschungskollegs zu besichtigen. Die ausgestellten Werke wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Herrn Günther Bock, Frankfurt am Main.

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»Ein Totentanz ist ein grausiger Reigen, ein schräger, ein schrecklicher Tanz. […] Das Motiv aus dem späten Mittelalter hat der damals junge österreichische Maler Aloys Wach in den ersten Jahren des Ersten Weltkrieges in bedrückenden Radierungen verwandelt. Er malte den ›Totentanz von 1914‹. Die Bilder aus dem Privatbesitz des Wach-Enkels Günther Bock hängen als vergrößerte Kopien derzeit im Eingangsbereich des [Forschungskollegs] Humanwissenschaften. Das Histo­r ische Kolleg [des Forschungskollegs Human­­wissenschaften] befasst sich in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt ›1914‹ und seinen tiefgreifenden Folgen.« FRANKFURTER RUNDSCHAU, 23.5.2014

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VORTRAGSREIHE

»KAISER WILHELM II. UND SEINE ZEIT« EINE VORTRAGSREIHE IM SCHLOSS BAD HOMBURG V.D.HÖHE

D

ie Vortragsreihe entstand durch eine Ko­o pe­­ration der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens mit dem Historischen Kolleg im Forschungskolleg Human­w issenschaften.

»Die Thesen Clarks beschäftigen die politische Prominenz ebenso wie die Menschen auf der Straße. Entsprechend voll ging es in der Schlosskirche zu, als der australische Historiker am Mittwoch­abend dort seinen Vortrag ›Europäische Außenpolitik am Vorabend des Ersten Weltkrieges und die Rolle Kaiser Wilhelms II.‹ hielt. Es war der Auftakt der hochkarätig besetzten Vortragsreihe ›Kaiser Wilhelm II. und seine Zeit‹, die gemeinsam von der Schlösserverwaltung und dem Forschungskolleg Humanwissenschaften veranstaltet wird.«

REFERENTEN- UND THEMENLISTE

PROF. EM. DR. JOHN C.G. RÖHL

PROF. DR. CHRISTOPHER M. CLARK

Wegscheide im Taunus. Schloss Friedrichshof und das Homburger Schloss als Brennpunkte der Weltgeschichte am Vorabend des Großen Krieges

Europäische Außenpolitik am Vorabend des Ersten Weltkriegs und die Rolle Kaiser Wilhelms II.

PROF. DR. WERNER PLUMPE

DR. GUIDO HINTERKEUSER

Ein wilhelminisches Wirtschaftswunder? Wirtschaft und Gesellschaft 1890-1914

Zwischen Neobarock und Werkbund. Zur Entwicklung der Architektur in Deutschland zwischen 1888 und 1918

PROF. DR. WOLFGANG KÖNIG

DR. ALEXANDER VON OETTINGEN

Der Kaiser und der Funk. Zur Einheit von Persönlichem und Politischem bei Wilhelm II.

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG, 4.4.2014

Religion und Religionspolitik Kaiser Wilhelms II.

PROF. DR. BARBARA DÖLEMEYER PROF. DR. MARTIN KOHLRAUSCH

»Wilhelminische« Erinnerungsorte in Bad Homburg

Chancen und Scheitern des »Medienkaisers« Wilhelm II.

SANDRA KRESS, M.A. PROF. DR. PETER SPRENGEL Zerrbild, Sinnbild, Wunschbild. Kaiser Wilhelm II. im Blick der literarischen Moderne

Wilhelminische Wohnkultur am Beispiel von Schloss Homburg

PROF. DR. ANDREAS FAHRMEIR Die parlamentarische Monarchie am Ende der Sackgasse? Potentiale und Probleme des politischen Systems unter Wilhelm II.

TAUNUS ZEITUNG, 30.5.2014 28

»Die beeindruckende Referentenliste ent­springt der Zusammenarbeit der hessischen Schlösserverwaltung, die in Wilhelms Sommerresidenz untergebracht ist, mit dem ebenfalls in Bad Homburg angesiedelten Forschungskolleg Human­w issenschaften der Frankfurter Goethe-Universität.«

»Im Zuge der aktuellen Debatten zu ›1914‹, ›Kriegsschuld‹ und ›Massenwahn‹ haben die Veranstalter einen speziellen Weg gewählt: Nicht alleine die mehrdeutige Willhelm’sche Geisteswelt rückt in den Fokus – große Aufmerksamkeit gebührt dem gesellschaftlichen Umfeld, jener Auf- und Umbruchsituation am Vorabend eines verheerenden Krieges.« FRANKFURTER RUNDSCHAU, 20.5.2014

PROF. DR. HELMUT BÖRSCH-SUPAN Das Wilhelminische und das Moderne. Die Malerei in Deutschland 1871 bis 1914

PD DR. TORSTEN RIOTTE Hof und Hofgesellschaft unter Wilhelm II.

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AUSBLICK

WEITERE VERANSTALTUNGEN ZUM JAHRESENDE • Ö ffentlicher Abendvortrag von Prof. em. Dr. Dr. h.c. Johannes Fried zum Thema »Die Aktualität Karls

des Großen. Von Verlangen nach Wissen zu Heavy Metal« • P aper Presentation von Ellinor Schweighöfer zum Thema »Auf der Suche nach der Wiege der Menschheit.

Debatten in Wissenschaft und Öffentlichkeit seit Mitte des 19. Jahrhunderts«

KONTAKT UND IMPRESSUM 2015 – »VARIANTEN DES KAPITALISMUS« Das Programm des Historischen Kollegs beschäftigt sich im nächsten Jahr unter der Federführung von Werner Plumpe, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, mit dem Thema »Varianten des

Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften

Kapitalismus – Der Atlantische Raum und Asien«. Als Auftaktveranstaltung wird im Frühjahr eine

Prof. Dr. Andreas Fahrmeir

internationale Konferenz zum Thema »Die kulturellen Voraussetzungen des Kapitalismus: Europa und

Wissenschaftlicher Koordinator des Historischen Kollegs

Asien seit 1800« stattfinden. Eine Reihe von Workshops wird mit einschlägigen und auch internationalen Experten grundlegende Strukturmerkmale des modernen Kapitalismus auf neuester Erkenntnisgrundlage kritisch hinterfragen und ihre Gültigkeit für die Entwicklung der je spezifischen Varianten des Kapitalismus

Ellinor Schweighöfer Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Historischen Kollegs

in den verschiedenen Weltregionen des atlantischen und asiatischen Raums ergebnisoffen überprüfen.

Historisches Kolleg im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Schließlich fragt eine Abschlusskonferenz mit aktuellem, auch politischem Bezug nach den sozialen

Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg v.d. Höhe, Tel.: 06172/13977-0, Fax: 06172-13977-19 [email protected], www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Ungleichheiten, den immanenten Konflikten, aber auch nach der – angesichts wiederkehrender, tiefgrei­ fender Krisen eigentlich doch recht erstaunlichen – gesellschaftlichen Akzeptanz des Kapitalismus.

Herausgeber: Forschungskolleg Humanwissenschaften WEITERE JAHRESTHEMEN SIND

Verantwortlich für den Inhalt: Ingrid Rudolph Redaktion: Ellinor Schweighöfer

• 2 016 »Reformationen – Kontinuitäten und Brüche«, Programmbeauftragte:

Text (sofern nicht anders angegeben): Bernd Frye, Ellinor Schweighöfer

Luise Schorn-Schütte, Professorin für neuere allgemeine Geschichte unter besonderer

Design: Stephan Grafikdesign, Frankfurt

Berücksichtigung der Frühen Neuzeit

Druck: Druckbombe, Hanau

•2  017 »Imperien und ihr Ende«, Programmbeauftragte: Christoph Cornelißen, Professor für

Neueste Geschichte, sowie Thomas Duve, Professor für vergleichende Rechtsgeschichte • 2 018 »Christianisierung in der Spätantike«, Programmbeauftragter: Hartmut Leppin,

Professor für Alte Geschichte

Fotos: Stefanie Wetzel, Uwe Dettmar, Jens Priedemuth

HISTORISCHES KOLLEG IM FORSCHUNGSKOLLEG HUMANWISSENSCHAFTEN 2014 – DAS ERSTE JAHR »DIE WELT UM 1914«

FORSCHUNGS KOLLEG

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der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung

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