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Das Innovationsmagazin 4 | 07 Dezember 2007, € 2,50 www.hitech.at hi!tech IM REICH DER SINNE von Siemens Österreich Wie Sensoren unsere Umwelt s...

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Dec 29, 2015 - ASIAN PAINTS I LTD. L B S MARG. BHANDUP BOMBAY. MAHARASHTRA. INDIA. INDIA. Maharashtra. 400078. HITE00000

Das Innovationsmagazin

4 | 07 Dezember 2007, € 2,50

www.hitech.at

hi!tech

IM REICH DER SINNE

von Siemens Österreich

Wie Sensoren unsere Umwelt steuern

ES WERDE LED

Treibstoffsparendes Licht fürs Auto

AM ÖL HÄNGT ALLES Mehr fördern, sicherer transportieren

MOLEKULARKÜCHE

Die Geschmacksexplosionen

FESTNETZREVIVAL

Filmzusteller mit Highspeed

Gesunde Gesellschaft Neue Techniken für die Medizin der Zukunft

JUNG v.MATT/Donau

Erobern Sie den europäischen Markt! Mit der Greater Europe Garantie. Sie investiert mit 100 % Kapital- und 80 % Höchststandsgarantie* in den chancenreichen europäischen Aktienmarkt. Die Zeichnungsfrist läuft bis 18.12. 2007. Mehr Informationen unter 05 05 05-24 oder erfolgsveranlagungen.ba-ca.com * zum Laufzeitende am 18.12. 2014 Prospektkundmachung des neuen Garantiefonds Pioneer Funds Austria - Greater Europe Garantie 12/2014 in elektronischer Form auf www.pioneerinvestments.at am 25.10. 2007. Prospekt abrufbar unter www.pioneerinvestments.at

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EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser! Österreich besitzt ein hervorragendes Gesundheitssystem. Doch die Kosten dafür steigen permanent, und die weitere Finanzierbarkeit steht immer wieder zur Diskussion. Dieses Problem teilen wir mit allen westlichen Industrienationen. Ein entscheidender Grund dafür ist der wachsende Anteil der Generation 65+ an der Bevölkerung, die deutlich mehr medizinische Betreuung benötigt als jüngere Menschen. Können wir die hohe Qualität der Versorgung sichern und die Kosten in den Griff bekommen? Die Chancen stehen gut, wenn wir die neuen technischen Möglichkeiten nützen. Die Medizin der Zukunft kann auf Basis des genetischen Fingerabdrucks zielgerichtet Tipps für eine gesunde Lebensführung geben. Krankheiten werden in einem frühen Stadium erkannt und die Therapien individuell auf den Patienten abgestimmt. Molekularmedizin, kombiniert mit Nanotechnik, ist eines der wichtigen Themen, an denen Siemens forscht.

Ziel ist eine ganzheitliche Medizin für aktive, mündige Patienten. Siemens setzt in diesem Szenario von der Prävention über die Diagnose, die Therapie bis zur Nachsorge Trends. Eine Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen sichert die bestmögliche Betreuung in einem effizienten System. Österreich hat mit der e-card eine wichtige infrastrukturelle Voraussetzung dafür geschaffen. Neben der Coverstory zum Thema gesunde Gesellschaft finden Sie in diesem Heft Beiträge über Sensoren, Energiemanagement, moderne Architektur in Slowenien, den Breitbandboom, neue Werkstoffe und die Chemie der Molekularküche. Brigitte Ederer Vorstandsvorsitzende von Siemens Österreich PS: hi!tech gibt es auch als E-Book mit vielen ergänzenden multimedialen Inhalten. Klicken Sie sich durch unter www.hitech.at

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HI!TECH – DAS INNOVATIONS-MAGAZIN VON

INHALT cover

Wie Technik auf den Menschen, die Gesellschaft und die Umwelt wirkt

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Gewinn mit neuen Produkten, Verfahren, Werkstoffen, intelligenter Kommunikation

Foto | Corbis

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IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IMPRESSUM hi!tech – Das Innovationsmagazin von Siemens Österreich Herausgeber und Medieninhaber Siemens AG Österreich, Siemensstraße 92, 1210 Wien Mit der Herausgabe beauftragt Mag. Gerald Oberlik Corporate Communications (CC) Chefredaktion Dkfm. Elisabeth Dokaupil CC Redaktion Klemens Lendl, Ursula Grablechner, Mag. Claus Gerhalter, Markus Honsig, Günther Schweitzer, Mag. Klaus Wassermann Anzeigen Gabriele Groulik Fotoredaktion, Vertrieb Sieglinde Hofstätter, Sabine Nebenführ Telefon 05 17 07-222 07 Fax 05 17 07-530 00 Grafische Gestaltung Sajovic & Augustin Litho Repro Zwölf Druck Druckerei Berger, Horn. Mitglied im Verband für integrierte Kommunikation. [email protected] www.hitech.at

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Coverstory: Gesunde Gesellschaft . . 06

Im Reich der Sinne . . . . . . . . . . . . . . 20

Trotz dramatisch steigender Kosten ist es möglich, unser Gesundheitssystem bei weiter verbesserter Qualität wirtschaftlich abzusichern. Die Prozesse und Techniken dafür sind zum Teil schon vorhanden.

Ob im Auto, auf der Straße, im Haushalt, im Labor oder der Industrie – Sensoren reagieren schneller, präziser und fehlerloser als wir.

E-Health startet durch . . . . . . . . . . . 12 Österreich hat mit der e-card-Infrastruktur eine führende Position in der europäischen E-HealthSzene erreicht.

Diabetes unter Kontrolle . . . . . . . . . . 13 Schottland hat mit einer Software von Siemens ein Programm gestartet, dass das Erblindungsrisiko infolge von Diabetes reduzieren soll.

Qualitätssprung . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Beim Röhn-Klinikum läuft das größte Vernetzungsprojekt im deutschen Gesundheitswesen.

Gesundheit verlangt Geistespflege 15 Essay von Helmut A. Gansterer.

Sloweniens neue Häuser . . . . . . . . . 24 Junge slowenische Architekten setzen Bautrends, die international Beachtung finden.

Es werde LED . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Light Emitting Diodes sind die zurzeit innovativste Lichttechnologie fürs Auto.

Hightech macht Tempo . . . . . . . . . . 30 DI Peter Klugar, Vorstand der ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG, über die Vorteile neuer Technik.

Das große Energie-Puzzle . . . . . . . . 32 Cleveres Energiemanagement soll den Energieverbrauch im BMW-Werk Steyr weiter senken.

Am Öl hängt alles. . . . . . . . . . . . . . . 36 Bauboom bei Pipelines, die wirtschaftlichste und sicherste Art, Öl zu transportieren.

Zeitenblicke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Beim Weltcupauftakt in Sölden zählt jedes Detail.

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SIEMENS ÖSTERREICH

hi!school

Zukunftstechnik: Die aktuellsten Forschungsergebnisse aus Österreichs Hochschulen

hi!life

Wie man mit Technik besser lebt – im Alltag, bei Sport & Spiel und in der Kunst

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Amore motore . . . . . . . . . . . . . . . . . 64

Mit Breitband und völlig neuen Services wird die Auferstehung des Festnetzes geplant.

Mit blitzendem Chrom und interessanter Technik unter der Motorhaube faszinieren Oldtimer auch im Hightechzeitalter.

Hart, kratzfest, elastisch – durch spezielle Verfahren erhalten Metalle Eigenschaften von Glas.

Mangelware Techniker . . . . . . . . . . 52 Ingenieurmangel droht europaweit zur Wachstumsbremse zu werden.

Tödlicher Glockenkuss . . . . . . . . . . . 54 Wissenschaftler arbeiten daran, Schäden an Glocken frühzeitig zu erkennen oder zu vermeiden.

Unterwegs in virtuellen Welten . . . 56

Lieben – spezielle Sensoren machen den Dino lebendig.

74

Neuer Speed am Datenhighway. . . 44

Metalle wie Glas. . . . . . . . . . . . . . . . 48

78 Sehen, Sprechen,

Darling, ich bin im Digi-Kino . . . . . . 68 Das digitale Kino bringt Hightech-Movies in neuer Dimension.

Skifahren light . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Frauen schwingen anders als Männer, meinen Skihersteller und kreieren eigene Modelle.

Geschmacksexplosionen . . . . . . . . . 74 In der Molekularküche verschwimmen die Grenzen zwischen Wissenschaft und Kochkunst.

Computersimulation senkt Kosten und steigert Tempo und Qualität der Entwicklung.

Die andere Seite . . . . . . . . . . . . . . . . 80

Wenn alle Strom liefern. . . . . . . . . . 58

hi!story: Transistor-Revolution . . . . 82

In immer mehr Wohnhäusern kann in Zukunft Energie produziert werden - eine technische Herausforderung für die Netzbetreiber.

Vor 60 Jahren wurde der Transistor erfunden.

Alexandra Croitorus Kunst entlarvt Klischees.

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Audi R8 mit Lidstrich: das erste Auto, das vorne voll auf LED setzt.

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GESUNDHEIT

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TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTOS Corbis, Siemens

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIINFO CONTENT ■ VERNETZUNG sorgt dafür, dass alle Patienteninformationen für Berechtigte überall im Spital abrufbar sind. ■ DIE E-CARD ist in Österreich Basis für ein integriertes Gesundheitssystem. ■ MOLEKULARMEDIZIN, kombiniert mit Nanotechnik, verbessert die Behandlung bei vielen Krankheiten. ■ DER GENETISCHE Fingerabdruck wird Basis für individuelle Betreuung. ■ EUROPAWEIT wird an der Vernetzung und Integration von Gesundheitssystemen gearbeitet.

■ CHRONISCHE KRANKHEITEN wie Diabetes erfordern mehr Vorsorge.

Gesundheit für ein langes Leben ist auch in Zukunft finanzierbar, wenn wir alle Beteiligten vernetzen und moderne Techniken nützen, die eine neue individuelle, ganzheitliche Medizin möglich machen.

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STEIGENDE LEBENSERWARTUNG muss das Gesundheitssystem nicht gefährden, wenn wir neue Techniken nützen und gesünder leben.

Die Wissens-Medizin Die Kosten explodieren, die Erhaltung der hohen Qualität der Versorgung wird in Frage gestellt. Sind unsere Gesundheitssysteme krank? Wenn ja, lassen sie sich heilen? Die Dia-

schnitt von neun Prozent des BIP könnte bis 2020 auf 16 Prozent steigen. Einer der Gründe ist der wachsende Anteil der Generation 65+ an der Bevölkerung, eine Zielgruppe, die deutlich mehr medizinische Betreuung benötigt als jüngere Menschen. Steigende Lebenserwartung und der westliche Lebensstil führen auch zu einer dra-

gnose macht Hoffnung, denn die Ursachen für die Probleme sind ebenso bekannt wie die Therapiemöglichkeiten. Am Ende könnte ein nicht nur wirtschaftlich abgesichertes System stehen, sondern eine gesündere Gesellschaft. In den vergangenen dreißig Jahren sind die Ausgaben für die Gesundheit in den westlichen Industrienationen schneller gewachsen als das BIP. Der aktuelle Durch-

TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTOS Siemens, Corbis, MagForce Nanotechnologies

GENETISCHER Fingerabdruck für gezielte Gesundheitstipps und individuelle Behandlung von Kranken. matischen Zunahme chronischer Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Atemwegsproblemen. Doch die Kostenexplosion hat nicht nur damit zu tun. Sie ist auch eine Folge der fragmentierten Struktur und Vorgehensweise der Player im Gesundheitssystem: neben Ärzten, Krankenhäusern, Sozialversicherungen und der Pharmaindustrie natürlich auch der Patienten. Austausch und Evaluierung. Viel zu viele Menschen beschäftigen sich erst dann mit ihrem Körper, wenn sie akute Beschwerden haben. Vorsorgeuntersuchungen werden nur von

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einem Teil der Bevölkerung angenommen. Austausch oder Evaluierung von ärztlichem Wissen findet ebenfalls nur teilweise statt. Die einzelnen Institutionen arbeiten großteils unabhängig voneinander. Das führt nicht nur dazu, dass Untersuchungen mehrfach gemacht werden, sondern es bewirkt auch, dass wertvolles Wissen für die Behandlung von Patienten nicht eingesetzt wird. Die Medizin der Zukunft könnte anders aussehen. Sie setzt viel früher an. Sie kann, basierend auf dem genetischen Fingerabdruck, früh und zielgerichtet Tipps für eine Ernährung und Lebensführung geben, die gesund erhält. Krankheiten werden durch intelligente Kombination modernster bildgebender und Labordiagnostik in einem weit früheren Stadium erkannt und die Therapie individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt. Ganzheitliche Betreuung. Siemens setzt mit Forschung zum Thema Molekularmedizin, kombiniert mit Nanotechnik, bei diesen Themen Trends. Ärzte, Spitäler oder Labors sind vernetzt. Für die Behandlung des Patienten – und nur dafür – steht nicht nur die komplette Information über ihn, sondern auch das Wissen internationaler Datenbanken zur Verfügung. Der aktive, mündige Patient wird von Teams betreut, die ihn als Kunden und sich selbst als Anbieter von Serviceleistungen sehen, lebenslang – von der Prävention über die Diagnose, die Therapie bis zur Nachsorge. Eine ganzheitliche Betreuung ist angesagt. Der erste Schritt auf dem Weg zu diesem Modell ist die Schaffung der Infrastruktur für die Vernetzung und Integration aller Beteiligten am Gesundheitssystem. Anwendungen zur Administration, Abrechnung und der Austausch von Daten bauen darauf auf. Sodann werden klinische Anwendungen vernetzt, um eine integrierte Versorgung des Bürgers zu gewährleisten. Die nächste Stufe sind Datenbanken, wo die bestmögliche Behandlung für Patienten ebenso zu finden ist wie statistische, pseudonymisierte Informationen. Auf der Grundlage dieser wissensbasierten Medi-

INTERNE VERNETZUNG ermöglicht es, alle Informationen am Krankenbett abzurufen und Pflegemaßnahmen einzugeben.

NANOPARTIKEL und fokussierte Magnetfelder sollen in Zukunft die Behandlung von Krebspatienten deutlich verbessern.

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VITALDATEN von Patienten sind nicht nur im Spital überall abrufbar, sondern können für Konsultationen weltweit übertragen werden.

zin ist der Aufbau eines Gesundheitsmanagements für die Bevölkerung möglich. Wichtig ist, möglichst viele Menschen so lange wie möglich gesund zu halten oder ihre Krankheiten so effizient wie möglich zu bekämpfen – es geht um eine gesunde Gesellschaft. Siemens kann zur Erreichung dieses Ziels viel beitragen. Der Weltmarktführer bei Healthcare-IT versteht die Prozesse, die im Gesundheitsbereich ablaufen, und ist in der Lage, auch sehr komplexe Projekte zu übernehmen. So kann Siemens ein komplettes Krankenhaus mit optimiertem Workflow planen und errichten. Neben Vernetzung und Medizintechnik sind längerfristig auch effizientes Gebäudeund Energiemanagement sowie die Qualität der sicherheitstechnischen Einrichtungen ein entscheidender Faktor im Gesundheitswesen. Mehr Zeit für die Betreuung. Interne Vernetzung, beispielsweise über WLAN-Funknetze, erlaubt es, alle Pflegemaßnahmen am Patientenbett direkt in das Krankenhausinformationssystem einzugeben oder dort auch alle wichtigen Daten abzurufen. Das spart dem Krankenhauspersonal nicht nur wertvolle Zeit, die für die Betreuung der Patienten eingesetzt werden kann. Damit lassen sich auch Fehler bei der Medikation vermeiden. Im Operationssaal warten auf den Chirurgen die Bilder der Diagnosegeräte. Damit die Ärzte bei der Datenfülle den Überblick behalten, extrahiert künstliche Intelligenz im System Soarian von

Siemens Medical Solutions wichtige Informationen eines Patienten aus voneinander unabhängigen Datenquellen im Krankenhaus. Doch zurück zum Ziel, der gesunden Gesellschaft. Basis für ein vernetztes und integriertes Gesundheitssystem ist in Österreich eine Gesundheitskarte, die e-card. Mit der e-card, die signaturfähige Chip- und Bürgerkarte sowie europäische Krankenversicherungskarte in einem ist, hat Österreich weltweit eine gute Position im Bereich E-Health erreicht. Sie wurde von Siemens IT Solutions and Services als Generalunternehmer für das Zentralsystem und die Terminalsoftware realisiert und von Siemens IT Solutions and Services PSE implementiert. Siemens hat Gesundheitskarten auch in Slowenien ausgerollt und in der Lombardei ein elektronisches Bürgerkartensystem für neun Millionen Einwohner

ÖSTERREICHISCHE E-CARD als Basis für ein integriertes und vernetztes Gesundheitssystem.

TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTOS Siemens, apa images, Honeywell HomMed

eingeführt. Mit der Karte ist die Infrastrukturbasis für das Gesundheitsmanagement der Zukunft geschaffen. Wie bei E-Government, wo sich Österreich als Nachzügler in nur drei Jahren an die Nummer-eins-Position in Europa katapultiert hat, sind wir nun dabei, mit dem elektronischen Gesundheitsakt (ELGA) einen ähnlichen Erfolg wie mit der e-card zu landen. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in Österreich gesetzliche Regelungen, neben dem Datenschutzgesetz auch ein Gesundheitstelematik- und ein E-Government-Gesetz. Digitales Bildarchiv. Bestehende Krankenhausinformationssysteme und bereits vorhandene Vernetzungen zwischen Ärzten und Krankenhäusern verbessern zusätzlich die technischen Voraussetzungen für den Weg zur gesunden Gesellschaft. So wurde von der Steiermärkischen Krankenanstaltenges. m.b.H. (KAGES) und Siemens bereits 2002 die Steiermärkische Medizinarchiv GmbH (marc) gegründet. Mit einem Datenvolumen von 2 x 656 Terabyte ist marc mittlerweile zum weltweit größten nichtmilitärischen digitalen Bildarchiv angewachsen, das höchste Sicherheitsanforderungen erfüllt. Hier lagern die Informationen modernster Untersuchungs- und Diagnosesysteme, auf die von den beteiligten Ärzten und Krankenhäusern rasch zugegriffen werden kann. Europaweit ist die Integration und Vernetzung in den Gesundheitssystemen unterschiedlich weit entwickelt. In den skandinavischen Ländern und den baltischen Staaten ist man bereits weit. In Dänemark wurde vor zwölf Jahren das Projekt „Health Net“ gestartet, über das Gesundheitsinstitutionen zusammenarbeiten. Über das E-Health-Portal Sundhed können Patienten zum Beispiel Laborbefunde abrufen und auf ihr personalisiertes Gesundheitsprofil zugreifen. Die Einsparungen waren bisher beträchtlich. Problem Föderalismus. Zentrale Strukturen erleichtern den Aufbau derartiger Systeme, intensiv gelebter Föderalismus macht die Sache schwieriger. So erprobt Deutschland eine elektronische Gesundheitskarte derzeit erst in Pilotprojekten, zum Beispiel beim Rhön-Klinikum (siehe Seite 13). Im ebenfalls föderalistisch organisierten Spanien hat jede Provinz ihre eigene Lösung. Die Tatsache,

GESUNDHEIT

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Das neue Gesundheitssystem Vernetzt, integriert, wissensbasiert Vorteile für den Patienten ■ Wissen um die eigene Gesundheit: Immunsystem, Allergien, Risiken für chronische Krankheiten ■ Stärkung der persönlichen Verantwortung und aktiven Mitsprache ■ schnellere und präzisere Diagnose und Therapie ■ geringeres Risiko, falsch behandelt zu werden ■ weniger Komplikationen ■ weniger Bürokratie und kürzere Wartezeiten

HOME CARE gibt älteren Menschen die Möglichkeit, durch Technik unterstützt lange in der eigenen Wohnung zu bleiben. Gesundheitsdaten werden direkt zum Arzt übertragen. dass Ärzte Staatsangestellte sind und ein einmal gewählter Hausarzt Patienten an andere Ärzte oder Institutionen überweist, erleichtert wiederum die Integration. Und im Großraum Madrid läuft ein telemedizinisches Pilotprojekt, das AmIVital. Neuentwickelte Verfahren erlauben im Rahmen von Home Care die Fernüberwachung von kranken oder pflegebedürftigen älteren Menschen. Arzt kommt im TV. Patienten können selbst wichtige Daten wie Blutdruck oder Zuckerwert erfassen und zum Beispiel über das Handy an den Arzt weitergeben, der sie via Fernseher beraten kann. Als selbstverantwortliche Patienten sind sie so aktiv in ihre eigene Therapie einbezogen. Diese Möglichkeit, durch Technik unterstützt in der eigenen Wohnung würdevoll alt zu werden, ist ein Schwerpunkt der EU-Gesundheitsinitiative. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich, die gute Versorgung aller EUBürger zu garantieren. Ein wichtiger Punkt dabei ist, in den neuen Ländern Gesundheitsinfrastruktur auf- und auszubauen, vor allem auch Krankenhäuser. Ein weiteres Thema ist der grenzüberschreitende regionale Austausch von Gesundheitsdaten. Mit all diesen Aktivitäten wird erst die Basis geschaffen für die individuelle wissensbasierte Medizin der

Zukunft. Doch auch dafür gibt es schon Ansätze. Weltweit bestehen zahllose Datenbanken, in denen neueste medizinische Erkenntnisse gesammelt sind. Die größte Hürde auf dem Weg zur ihrer Nutzung für einzelne Patienten ist ganz simpel die Schwierigkeit, sich in diesem Datendschungel zurechtzufinden, Ergebnisse zu verknüpfen und gezielt auszuwerten. Die neue Plattform GeneSim von Siemens Medical Solutions löst dieses Problem für molekularbiologische und genetische Daten. GeneSim kann nicht nur Wissen sammeln und mithilfe mathematischer Verfahren Beziehungen zwischen den Daten herstellen, sondern auch herausfinden, welche Gene und Proteine direkt mit einer Krankheit eines ganz bestimmten Patienten in Verbindung stehen, und genau dafür mögliche neue Heilmethoden finden. So individuell auf die ganz persönliche genetische Situation des Patienten abgestimmt und auf einer so riesigen weltweiten Wissensbasis aufbauend wird Medizin in Zukunft sein. ■

Vorteile für Ärzte / Krankenhäuser ■ optimierter Workflow ■ einfacher und rascher Zugang zu Patienteninformationen ■ weniger Doppeluntersuchungen ■ schnellere Entscheidungen auf einer größeren Wissensbasis ■ weniger administrative Arbeiten ■ einfache, institutionenübergreifende Zusammenarbeit Vorteile für Sozialversicherungen / Krankenhausbetreiber ■ höhere Servicequalität zu niedrigeren Kosten ■ Reduktion der Kosten für die Administration ■ höhere Patientenzufriedenheit

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.siemens.com/medical www.siemens.at/it-solutions healthcare.siemens.com

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200 MILLIONEN MAL wurde die e-card seit dem Start bei Arztbesuchen verwendet.

E-Health startet durch Einfach mit der e-card zum Arzt gehen ist für Österreicher nun eine Selbstverständlichkeit. Das mühsame Besorgen eines Krankenscheins war gestern. Die e-card erlaubt die gesicherte Anspruchprüfung, sorgt für eine rasche Freigabe bei bewilligungspflichtigen Medikamenten und berechtigt auch zur neuen Form der Vorsorgeuntersuchung. Rund 8,3 Millionen e-cards sind derzeit im Umlauf. Rund 11.230 Vertragspartner (Ärzte, Krankenanstalten) sind im dafür aufgebauten Netz mit den Sozialversicherungen verbunden. Seit dem Start wurde die e-card rund 200 Millionen Mal bei Arztbesuchen verwendet. Ein riesiges System, das absolut sicher funktionieren muss, wurde dafür in erstaunlich kurzer Zeit aufgebaut. Anfang 2004 beauftragte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger Siemens IT Solutions and Services als Generalunternehmer mit der Realisierung der Zentrale und der Terminalsoftware. Siemens war für die Entwicklung der kundenspezifischen Software – Siemens IT Solutions and Systems PSE – und den Betrieb der zwei Betriebszentralen zuständig. IBM lieferte die Hardware für die Betriebszentrale, und Telekom Austria steuerte Netzwerk, Präsentations- und Schulungsleistungen bei. Doch die e-card ist nur der erste Schritt. Mit dem Start der e-card wurde die österreichische E-Health-Initiative ins Leben gerufen und in der Folge eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die sich mit der Einführung des elektronischen Gesundheitsaktes (ELGA) beschäftigt. Im Mai dieses Jahres erfolgte der

Startschuss für den Aufbau der Infrastruktur und die ersten Anwendungen, an deren Design Siemens als Mitglied verschiedener Arbeitskreise aktiv beteiligt ist. Alle Dokumente inklusive. Ein typisches Beispiel für die Anwendung von ELGA ist die Entlassungsdokumentation in einem Spital. Alle notwendigen Informationen wie Befunde und Zusatzinformationen sind nach einem Spitalsaufenthalt für den nachbetreuenden Arzt, z. B. zuweisenden Hausarzt, verfügbar. Der Patient muss nicht mehr selbst Briefträger spielen. Am Anfang von ELGA stehen zentrale Infrastrukturkomponenten wie Patientenindex, Berechtigungssystem, Dokumentenregister, dazu kommt ein Internetportal mit wichtigen Informationen für die Bürger. Parallel dazu wird sich die e-card weiterentwickeln. Auch

TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTO Siemens, Medical Pictures, Rhön-Klinikum

Spitäler werden Versicherungsdaten abfragen und Zuständigkeitserklärungen erhalten. Die Überweisungsscheine für den Besuch bei Fachärzten könnten als Relikt aus der Krankenscheinzeit ebenfalls bald der Vergangenheit angehören. Sie werden durch E-Weisungen ersetzt. Das Arzneimittelbewilligungsservice soll auf weitere Heilbehelfe, Hilfsmittel und Leistungen ausgebaut werden. E-Medikation. In 71 Apotheken läuft bereits ein Pilotversuch einer E-Medikation. Medikamente, die ein Patient erhält, werden automatisch auf Wechselwirkungen überprüft, Doppelmedikationen werden dadurch ebenfalls vermieden. Österreich ist gut unterwegs – in Richtung Medizin der Zukunft. ■ www.arge-elga.at; www.pse.siemens.at www.siemens.at/it-solutions

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Qualitätssprung Eines der größten E-Health-Projekte des europäischen Gesundheitsmarkts läuft in der RETINOPATHIE infolge von Diabetes führt häufig zur völligen Erblindung.

Diabetes unter Kontrolle Mehr als 189 Millionen Menschen weltweit leben mit Diabetes. Diese chronische Erkrankung hat für die Betroffenen schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Deshalb planen immer mehr Länder neue medizinische Services, um die Schäden für die Patienten möglichst gering zu halten und die Kosten für die Gesundheitssysteme in den Griff zu bekommen. Schottland hat nun ein Programm gestartet, mit dem die diabetische Retinopathie reduziert werden soll. Diese Folgekrankheit der Diabetes ist die häufigste Erblindungsursache bei Menschen im erwerbsfähigen Alter. Durch frühe Behandlung kann sie in 60 bis 70 Prozent der Fälle verhindert werden. In Schottland waren 2006 etwa vier Prozent der Einwohner Diabetiker, das sind rund 200.000 Menschen. Bis 2015 wird sich diese Zahl verdoppeln. Das Screening-Programm könnte mehr als 15.000 Patienten pro Jahr vor dem Erblinden bewahren und die Kosten um 43 Prozent reduzieren. Nach einem erfolgreichen Test startete die landesweite Einführung 2006. Eingesetzt wird Soarian Integrated Care, ein Produkt von Siemens Medical Solutions. Die Software unterstützt den kompletten Screening-Workflow, bestehend aus Terminmanagement, Untersuchung, Befundung, Ergebnisverteilung und Qualitätssicherung. Patienten- und Arztdaten werden mit nationalen Registern synchronisiert. healthcare.siemens.com

deutschen Rhön-Klinikum AG. 46 Kliniken werden mithilfe einer webbasierten elektronischen Patientenakte vernetzt. Die WebEPA dient der Kommunikation zwischen den klinischen Dokumentations-, Krankenhausinformations-, Bildspeicher- und Arztpraxissystemen. Nach Einwilligung des Patienten können Einweisungen, Entlassbriefe und Befunde zwischen den an seiner Behandlung beteiligten Ärzten ausgetauscht werden. In Zukunft soll die Kooperation auch den ambulanten Sektor, insbesondere niedergelassene Ärzte, einschließen. Die von Siemens entwickelten Softwarekomponenten der WebEPA basieren auf Soarian Integrated Care. „Die WebEPA ist der Schlüssel für einen deutlichen Qualitätssprung in der Patientenversorgung. Sie führt die medizinisch relevanten Informationen der vernetzten Leistungserbringer am Patienten zusammen und unterstützt so wich-

tige Diagnose- und Therapieentscheidungen der behandelnden Ärzte“, betont Wolfgang Pföhler, Vorstandsvorsitzender der RhönKlinikum AG. „Das reduziert auch Kosten im Gesundheitswesen. Damit sind wir heute unserer Unternehmensvision, gute Medizin für jedermann bezahlbar zu machen, ein großes Stück nähergekommen.“ Elektronische Fallakte. Die Rhön-Klinikum AG hat sich zusätzlich mit anderen Kliniken, öffentlichen Einrichtungen und dem Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik im Rahmen des Projekts elektronische Fallakte (eFA) zu einem offenen Konsortium zusammengeschlossen und in diesem Rahmen Siemens als Industriepartner benannt. Die WebEPA soll zukünftig sämtliche Daten eines Behandlungsfalls nach dem eFA-Standard zusammenfassen und den mit der Behandlung befassten Medizinern einen sicheren, sektor- und einrichtungsübergreifenden Datenaustausch ermöglichen. Man geht davon aus, dass die eFA im Rahmen der vom Bundesministerium für Gesundheit geplanten bundesweiten Kommunikationsplattform – der sogenannten Telematikinfrastruktur – einen wichtigen Beitrag zur Optimierung der Patientenversorgung leisten kann. ■ www.rhoen-klinikum-ag.com

RHÖN-KLINIKUM. 46 Kliniken werden mithilfe einer webbasierten elektronischen Krankenakte vernetzt.

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Spital als Gesamtkonzept Vernetzung wird zum Schlüsselwort, wenn es um mehr Qualität und Service bei geringeren Kosten im Gesundheitswesen geht. Das gilt nicht nur für Organisationsstrukturen, sondern genauso für Krankenhäuser. In großen Spitälern arbeiten oft hundert und mehr unterschiedliche medizin- und gebäudetechnische Anlagen nur teilweise koordiniert. Das geht auch anders. Alle diese Systeme lassen sich über eine einheitliche Bedienoberfläche visualisieren. Eine geeignete Integrationsplattform ist das offene Gebäudeautomationssystem Desigo von Building Technologies. Nach der Integration in eine Total Building Solution eröffnen sich für den Betreiber erhebliche Einsparpotenziale. Es geht um den Verbrauch von Strom, Wärme und Wasser sowie um die Entsorgung des Abwassers, die traditionell größten Posten in der Betriebskostenabrechnung. Aktionspläne. In diesen Gesamtlösungen sind auch die sicherheitstechnischen Systeme erfassbar. Auf Basis ausgearbeiteter Aktionspläne kann dann auf Stör- und Schadensfälle schnell und effizient reagiert werden. Unbedingte Priorität hat dabei natürlich der Schutz von Patienten, MitarbeiterInnen und Besuchern. Erst danach geht es an die Begrenzung von Sachschäden und das Beheben von technischen Störungen. Auf Basis eines Performance Contractings modernisiert Siemens auch vorhandene Gebäudetechnik. Die Investitionen amortisieren sich aus den Einsparungen bei Energie und Betriebskosten. Zusätzlich leisten die Betreiber auch einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz. Auch das Kommunikationsnetz in den Kliniken ist Teil eines integrierten Gesamtsystems. Ärzte können am Krankenbett die Daten

TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTOS Siemens

STRAHLENTHERAPIE KREMS. Siemens errichtete mit Porr die Anlage als Generalunternehmer.

von Patienten abrufen, diese wiederum vom Bett aus Pflegepersonal alarmieren. Telefon, Beleuchtung sowie Licht und Raumtemperatur können individuell gesteuert werden. Eindeutige Identifizierung. Um die Effizienz und Zuverlässigkeit von Sicherheits- und Gebäudetechnik zu gewährleisten, setzt man auch auf drahtlose Signalübertragung wie WLAN, GSM oder RFID. Die Radioidentifikationsfrequenz RFID erlaubt einen Datenaustausch zwischen Lesegerät und Transponder auch ohne Sichtkontakt. So lassen sich Geräte oder Betten lokalisieren. Die Technik wird aber auch

für die eindeutige Identifizierung von Patienten genutzt, um Behandlungsirrtümern vorzubeugen. Im Rahmen eines neuen Projekts in Zusammenarbeit mit Siemens Automation and Drives wird RFID auch für Blutkonserven eingesetzt. Effizientes Energiemanagement, verlässliche Sicherheitslösungen und eine reibungslos funktionierende Logistik sind nicht nur für die wirtschaftliche Gebarung einer Klinik entscheidend. Sie entscheiden auch über das Image in der Öffentlichkeit, erhöhen die Mitarbeiterzufriedenheit und das Wohlbefinden der Patienten. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.siemens.at/sbt www.siemens.at/ad www.siemens.at/it-solutions www.siemens.com/medical

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HI!COMMENT Helmut A. Gansterer

hi!health Gesundheit verlangt auch Geistespflege. „Glück ist gut für den Körper, und Kummer stärkt den Geist.“ Marcel Proust

Ich fand es immer lächerlich, die klassische Schulmedizin zu verachten. Im Ernstfall ist sie die wichtigste. Sie bietet die versammelten Mühen von Wissenschaft und Forschung. Sie führte zu immer besserer Hardware, Software und Brainware. Jeder kann dies beim Zahnarzt überprüfen. Wer will schon zurück zu den riemengetriebenen Bohrern, an die sich die Großeltern erinnern, oder zu den dicken Nadeln mit grober Betäubungschemie? Oder gar zur Schreckensvision des Mittelalters, wo man auf öffentlichen Plätzen die Zähne mit Beißzangen zog, nach einer Flasche Cognac als Betäubung? Die Schuldmedizin ist die wichtigste. Sie wird es auch bleiben. Umgekehrt sehe ich ungern Evangelisten der Schulmedizin, die schwerkranken Patienten abraten, zusätzlich „Heilpraktiker“ aufzusuchen, als letzte, fast immer vergebliche Hoffnung. Ich bin dafür, dies großzügig zu tolerieren, gegen jede Heilungswahrscheinlichkeit. Erstens aus Barmherzigkeit und Mitleid. Zweitens, weil in raren Fällen der schiere Glaube vielleicht wirklich nützt. Wir sind heute noch lang nicht so weit, alle Verbindungswege von Phantasie und Körper zu vermessen. Um es gleich zu gestehen: Ich bin ein dramatischer Psychosomatiker. Mein Körper hört auf den Kopf. Jedes Placebo wirkt hundertprozentig. Sinnlose, chemisch leere Pillen schlagen bei mir an. Umgekehrt bin ich schnell verletzbar. Meine Liebste sagt: „Er ist der einzige Mann auf der Welt, der sich eine Gebärmutterirritation anlesen kann.“ Sie hält alle Magazine mit Krankheitsstorys von mir fern.

TEXT Helmut A. Gansterer ■ FOTO Robert Hartlauer

Es gibt Tausende Anleitungen ungefragter Berater, wie man gesünder leben könnte. Alle sind langweilig. Entweder sind sie alt oder vegetarisch. Oder sie kennen zwar den Geist als Zentrum der Gesundheit, werden aber von fiebrigen Missionaren vorgetragen, die sich auf der Flucht vor sich selbst mit schriller Wärme über andere werfen, um endlich ihr eigenes Heil zu finden. Wirklich gut waren nur Kollegen in Asien: Journalisten, Schriftsteller, Fotografen, Maler, die mir Geistesgesundheit durch die Philosophie „Der Weg ist das Ziel“ beibrachten. Und zwar die Originalversion. Ich verkürze sie hier kriminell auf fünf Paragraphen. Erstens: Vollendet gesund ist einer, der keine Angst vor dem Tod hat. Zweitens: Keine Angst vor dem Tod hat einer, der voll in der Gegenwart lebt. Drittens: Vollendeten Gegenwartssinn gewinnt nur einer, der die Rucksäcke der Vergangenheit und Zukunft abwirft. Viertens: Der jeweils nächste Schritt ist wichtig. Wenn du ihn so gut wie möglich setzt, wirst du deine Straße aus Jade bauen. Fünftens: Wenn du deine Straße aus Jade baust, wird sie so schön sein, dass es am Ende egal gewesen sein wird, ob sie kurz oder lang war. Es gab nach dieser wichtigsten Lehre noch zwei weitere Tipps, die der „Gesundheit durch Geistespflege“ dienten. Der eine kam aus den USA. Er empfahl, einmal pro Jahr sein Leben, seinen Beruf und seinen Partner mit einem Dreisatz zu überprüfen: „Love it – change it – or leave it.“ Der zweite kam aus Europa: „Stärke deine Stärken, pfeif auf deine Schwächen.“ Diese drei hi!health-Tipps sollten reichen, neunzig Jahre alt zu werden – mit Knoblauch, Olivenöl und Wein auch hundert. ■

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PILGERSTÄTTE FÜR AUTOFREAKS Audi und Mercedes haben schon länger eine, nun will auch BMW mit einer Erlebniswelt neue Kunden anziehen. Ein 28 Meter hoher Doppelkegel aus Stahl und Glas der Wiener Architekten Coop Himmelb(l)au beherbergt am Münchner Werksgelände edle Autos, Motorräder und Rennwagen und soll sich auch als Kulturlocation und Tagungszentrum etablieren. www.bmw-welt.com

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII NEWS-SNACK SEHENSWERTE BRILLE Schutzbrillen sind wichtig, leider aber oft hässlich und unbequem. Uvex hat Gläser entwickelt, die um ein Viertel dünner sind und trotzdem alle Sicherheitsnormen erfüllen. Die schicke Brille „super g“ wiegt nur 18 Gramm.

WOHLFÜHLEN IM JOB Temperatur, Luftfeuchte, Luftgeschwindigkeit, Beleuchtungsstärke, Lärm, Leuchtdichte, Bildwiederholfrequenz und noch mehr entscheiden über ein optimales Arbeitsklima. Messen kann all das der Klimatester Bappu. www.bappu.de

SICHTBARE PROJEKTION

KLEBEN STATT SCHWEISSEN

Auch bei lichtstarken Videoprojektoren sitzt man oft im Dunkeln, um etwas zu sehen. Abhilfe schafft die Lichtmanagementfolie der Firma EPG. Durch optisch wirksame Nanopartikel fällt das Videobild auf eine dahinterliegende Spiegelfolie. Das Umgebungslicht kann nicht in die Nanoröhrchen eindringen und wird verschluckt. www.nanoproducts.de

Neuartige crashfeste Strukturklebstoffe werden für sicherheitsrelevante Karosserieteile eingesetzt. Während Schweißnähte bei einem Crash aufplatzen, verteilt der Kleber die Stoßenergie im Material.

TEXT Klemens Lendl ■ FOTOS BMW, UVEX, ELK, Henkel, Oceann Form Technologies Ltd., Opel AG ■ GRAFIK Christina Lehner

NEWS

MEERESÖKOLOGIE

AUTOMOBILTECHNIK

Fische züchten im Ozeankäfig

Wasserstoffautos für den Massenmarkt

Unsere Meere sind leergefischt. Ein Zusammenbruch der weltweiten Wildfischbestände ist möglich. Mit einer weltumspannenden Idee will der Leiter des Zentrums für Fischereiforschung am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge die Fischversorgung sichern: Flotten von riesigen Käfigen,

Bis 2015 will die EU mit Wasserstoff betriebene Autos zur Marktreife führen. Dafür investiert die EU-Kommission 470 Millionen Euro in ein gemeinsames Unternehmen von Industrie und Forschungseinrichtungen, an dem sich auch die österreichischen Motorenhersteller AVL List und Magna Steyr Antriebstech-

S T U D I E IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII

nik beteiligen. Forschungskommissar Janez Potocnik rechnet damit, dass sich der Vermarktungszeitraum für Wasserstofffahrzeuge durch eine gemeinsame Technologieinitiative um fünf Jahre verkürzt. Gleichzeitig soll das Genehmigungsverfahren einfacher und billiger werden. Die Aufnahme in das europaweite Typengenehmigungssystem garantiert auch, dass Wasserstoffautos genauso sicher sind wie herkömmliche Pkw. Deutsche Verkehrsunternehmen rechnen damit, dass bereits in zwei bis drei Jahren Wasserstoffbusse wirtschaftlich betrieben werden können.

VERKEHR IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII

Boom bei Biokunststoffen

»Wir arbeiten daran,

900.000

dass die Züge schnell und ohne zusätzlichen Aufwand Grenzen überqueren können. ETCS hilft dabei. «

Herstellung aus nachwachsenden Rohstoffen 800.000 Herstellung aus petrochemischen Rohstoffen 700.000 600.000 500.000 400.000 Quelle: European Bioplastics

FOTOS: INPRO SOLAR, PHILIPSV, STEAMCAR.CO.UK, APA-IMAGES/DPA, PASSFACES.COM, FESTO.COM, SILHOUETTE

voll besetzt mit Zuchtfischen, sollen mit dem Golfstrom bis nach Europa treiben, wo sie geleert und mit neuen Jungfischen besetzt werden. Mit dem Nordäquatorialstrom geht es dann von Westafrika aus zurück in die USA. Anders als in Buchten mit stehendem Wasser wird der tierische Abfall der Zuchtkolonien im offenen Meer nicht zum Problem. Im Gegenteil: Die riesigen Drifter werden zu eigenen Ökosystemen, mit genauso vielen Fischen außerhalb der Käfige wie innerhalb. www.oceanfarmtech.com

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300.000 200.000 100.000 0 1995

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DI PETER KLUGAR, Vorstand der ÖBB Infrastruktur AG

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Nachwachsende Rohstoffe (Nawaros) ergänzen oft klassische Kunststoffe. Hanf z. B. verstärkt Fensterrahmen und Bodenbeläge aus Kunststoff, spart dabei Gewicht und verbessert die Dämmwerte.

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AUFZUGSTECHNIK MONDI PACKAGING

Saubere Sache Die gestiegene Produktion war der Abwasseranlage des österreichischen Wellpapperohpapierproduzenten Mondi Packaging Frohnleiten zu viel. Grundsätzlich wird das Abwasser mit einer mechanisch-biologischen Abwasserreinigungsanlage aufbereitet. Siemens hat eine Entstoffung und eine anaerobe Vorstufe aus der „Sipaper Water“-Familie in die bestehende Reinigung integriert. Damit können rund 3.600 m³/d Abwasser behandelt werden. Darüber hinaus ermöglicht die Anlage die Produktion von bis zu 6.400 m³/d Biogas zur Energieerzeugung im Werk. www.siemens.de/water

BÜRO

Gute Position Verspannungen und Rückenschmerzen gehören zum Alltag vieler Menschen, die im Büro arbeiten. Stundenlanges Sitzen ist dafür verantwortlich. Experten raten daher, öfter mal die Position zu wechseln. Doch das ist gar nicht so einfach. Wer hat schon einen Stehtisch in Reserve, und wer trägt schon gerne seine Unterlagen dorthin? Rhode bietet eine praktikable Lösung: dynamische Schreibtische. Die kombinierten Sitz- und Stehmöbel sind zwischen 0,62 und 1,34 m verstellbar, und das auf Knopfdruck und sehr schnell. Um Unfälle zu vermeiden, gibt es einen Auffahrschutz: Die Liftfunktion stoppt automatisch vor Hindernissen. www.rohde-grahl.de

Sicher im Aufzug Wir alle fahren statistisch gesehen alle 72 Stunden mit einem Aufzug und fühlen uns dabei – mit Recht – sicher. Denn die permanenten Innovationen der Aufzughersteller konzentrieren sich vor allem auf dieses Thema. Auch die Geschichte eines der weltweit führenden Unternehmen, Otis, hat genau mit dieser Herausforderung begonnen. Der Firmengründer Elisha Graves hat im Jahr 1853 den absturzsicheren Aufzug erfunden. Heute bringen mehr als 1,9 Millionen installierte Anlagen von Otis in der ganzen Welt Menschen rasch in die höchsten Stockwerke immer eindrucksvollerer Wolkenkratzer. 50 Prozent weniger Energie. Die Sicherheitsmerkmale der neuesten Aufzugsfamilie von Otis gehen deutlich über das gesetzlich geforderte Maß hinaus. Statt Stahlseilen setzt Otis im Hightechaufzug GeN2 flache Polyurethangurte ein, die eine größere Tragkraft und Lebensdauer aufweisen. Dazu kommt ein neuer getriebeloser Antrieb, der direkt im Schachtkopf untergebracht ist. Zusammen mit der Frequenzregelung arbeitet er bis zu 50 Prozent energieeffizienter als ein konventionelles Modell. Ein gesonderter Maschinenraum ist auch nicht mehr erforderlich. Siemens, ein Unternehmen, das die Geschichte des Aufzugs ebenfalls von Anfang an mit begleitet hat – der erste elektrische Aufzug wurde von Werner von Siemens konstruiert –, sorgt für die Stromversorgung und präzise Steuerung der Aufzugtüren. Dabei kommt ein ganzes Paket von Komponenten zum Einsatz. Es geht beispielsweise darum, Leitungen vor

TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTOS Rhode, Otis, Infineon, Fotosearch

Aufzug mit neuester Technik und Weitblick von Otis im Investment Banking Center Frankfurt.

Überstrom zu schützen und den Stromkreis im Fehlerfall selbständig und schonend abzuschalten sowie um Schutz vor elektrisch gezündeten Bränden. Die Anlagen können über Profibus mit dem Servicepersonal kommunizieren. Dazu kommen auch Überwachungsrelais, die den Motor vor Überlast, Phasenunsymmetrien und -ausfall schützen. ■ www.otis.com www.siemens.at/ad

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NEWS

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INFINEON TECHNOLOGIES

Immer gut informiert Was im Unternehmen läuft, erfährt Chiphersteller Infineon über sein Data Warehouse. Geschäftsdaten – unter anderem aus der Produktentwicklung, Planung, Produktion, Qualitätssicherung, Logistik und über Kundenaufträge – werden in diesem Reportingsystem aus unterschiedlichen Quellen zusammengefasst. „Die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt ist ein Schlüssel zum Erfolg“, betont Siegfried Eichwalder, Infineon Technologies. Es geht um Aggregationen und Kennzahlen – regional und zeitlich ausgewertet –, die jederzeit aktuell und konsistent zur Verfügung stehen müssen. Den Applikationsbetrieb des Data Warehouse hat die SiemensTochter addIT übernommen. Dabei wird neben Routineaufgaben wie Monitoring, Statusüberwachung und Anwendungsadministration auch eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung der Versorgungsprozesse durchgeführt. Qualität und Konsistenz. Das addITTeam garantiert die höchstmögliche Aktualität und Verfügbarkeit der Daten sowie ihre Qualität und Konsistenz. Die Endanwender können sich daher immer voll auf die bereitgestellten und ausgewerteten Daten in allen Granularitätsstufen verlassen. Mit addIT steht jederzeit ein auskunftsfähiger Ansprechpartner und Berater für alle Prozesse und Services zur Verfügung. Das IT-Team von Infineon kann sich nun auf seine Kernkompetenzen konzentrieren, wie Support der Fachabteilung und Projektmanagement. Infineon Technologies hat einen

erfahrenen Partner, der nicht nur technische Probleme bewältigen, sondern auch betriebswirtschaftliche Zusammenhänge beurteilen und daher jederzeit steuernd in Abläufe eingreifen kann. Um diese Ziele zu erreichen, hat addIT ein Betriebskonzept entwickelt, das alle Abläufe nachvollziehbar regelt. Auf Störungen im Betriebsablauf wird unmittelbar reagiert. Die meisten können sofort behoben werden. Die Anwender in den Fachabteilungen haben Sicherheit bezüglich der Daten selbst sowie die Systemverfügbarkeit bezüglich der Aktualität der Daten. ■ www.infineon.com www.siemens.at/addIT

Produktion bei Infineon: richtige Information zum richtigen Zeitpunkt als Schlüssel zum Erfolg.

KUNSTSTOFF

Ganz leere Flaschen Kunststoffe werden als Verpackung immer beliebter. Grund für den Erfolg sind Innovationen bei den Produkten und Fertigungstechnologien. So entwickelten Frauenhofer-Institute gemeinsam mit der Technischen Universität München und Industriepartnern ein Beschichtungsverfahren, mit dem sich selbst kleinste Inhaltsreste aus Kunststoffverpackungen entfernen lassen. Bisher half alles Schütteln nichts, ein Rest blieb immer in der Flasche, in Extremfällen bis zu 20 Prozent des Inhalts. Das ist nicht nur für die Kunden ärgerlich, sondern auch für die Recyclingspezialisten, weil sie die Flaschen absolut leer und sauber bekommen müssen. Das wird sich in Zukunft machen lassen. Eine der Möglichkeiten, die Flaschen ganz entleerbar zu machen, ist das Aufbringen von dünnen Plasmaschichten. Kunststoffe müssen dazu in eine Vakuumkammer, in die Gase geleitet und durch elektrische Spannung gezündet werden. Die Sache mit den Schichten ist nicht ganz einfach. Sie dürfen die Eigenschaften der Materialien nicht verändern und müssen sich problemlos zu Flaschen, Tuben oder Standbodenbeuteln verarbeiten lassen. Wissenschaftler sind sicher, dass das in einigen Jahren kein Problem mehr ist. Dann werden unsere Flaschen und Tuben auch die allerletzten Reste des Inhalts herausgeben.

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SENSOREN

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»SENSOREN WERDEN KLEINER, AUTONOMER UND VERNETZTER.« BERNHARD ZAGAR, Leiter des Instituts für Elektrische Messtechnologie an der Universität Linz

Im Reich der Sinne

KONTAKTLOS. Näherungsschalter erfassen feste, flüssige oder pulverförmige Objekte selbst in rauer Umgebung.

Sie sind überall. Im Auto und auf der Straße. In der Waschmaschine und im Bügeleisen. Im medizinischen Labor und in der industriellen Fertigung. Sie sind eine

OPTISCH. Effiziente Zugangssicherung in Gefahrenbereichen ist eine Spezialität der optischen Sicherheitssensoren.

Schlüsseltechnologie des Fortschritts: Sensoren. Bild- und Radarsensoren, Gas- und Biosensoren, Wärme- und Bewegungssensoren reagieren schneller, präziser, fehlerloser als jeder Mensch mit Nase, Augen, Ohren. Und sie werden immer mehr. Alles, was wir von intelligenten Umgebungen hören, ist undenkbar ohne den Einsatz von Sensoren. Ob wir nun über intelligente Häuser, mitdenkende Kühlschränke oder smarte Textilien, über die

TEXT Markus Honsig ■ FOTOS Peter M. Mayr, Siemens

Fabriken der Zukunft oder automatisch fahrende Autos reden – ohne Sensoren funktioniert gar nichts. Die Anzahl unterschiedlicher Typen ist kaum überschaubar. Trends. Die wichtigsten Trends in der Forschung und Entwicklung umfassen fast alle Arten von Sensoren. Die F&E-Brennpunkte nennt Bernhard Zagar, Leiter des Instituts für Elektrische Messtechnologie an der Universität Linz: „Sensoren werden kleiner, auto-

ULTRASCHALL. Optische Näherungsschalter mit Ultraschall werden etwa in der Lager- und Fördertechnik eingesetzt. nomer und vernetzter.“ Konkret heißt das: Zukünftige Sensorik wird immer stärker in den Mikro- und Nanotechnologiebereich vordringen, weil erstens für neue Anwendungen, etwa in der Medizin, Sensoren gar nicht klein genug sein können. Außerdem: Je kleiner ein Sensor ist, desto weniger Energie verbraucht er – ein Kernthema der gegenwärtigen Forschung, die intensiv an Sensoren arbeitet, die sich weitgehend autonom und unabhängig

FORMAT. Hoch oder quer? Ein Kippsensor für Handy oder Digitalkamera erkennt automatisch das richtige Format.

von äußeren Quellen mit Energie versorgen. „Zum Beispiel RFID-Sensoren in der Logistik, die Vibrationen eines Zuges in Energie umwandeln“, nennt Zagar eine Möglichkeit. Implantierte Biosensoren. Oder noch etwas weiter weg: „Biosensoren, die implantiert werden und etwa den Insulinspiegel von Diabetikern überwachen. Die dafür notwendige Energie könnte über chemische Prozesse direkt aus dem Blut gewonnen werden.“ Bis

dahin wird es allerdings noch etwas dauern. Das zweite große Thema ist die Verknüpfung von Sensoren zu intelligenten Netzwerken. Diese Idee wurde ursprünglich im militärischen Bereich geboren. Mit sogenanntem Smart Dust – winzigen, miteinander verbundenen Sensorknoten, die man wie Sandkörner in die Gegend streut – sollten Grenzverläufe oder Feindgebiet erkundet werden. Daraus lassen sich freilich auch zivile Anwendungen

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RFID. RFID-Systeme sind unempfindlich gegen Verschmutzung und speichern Daten direkt am Objekt ab.

entwickeln, etwa für die Feuerbekämpfung oder in der Logistik. Der Charme einer solchen Sensorarchitektur: Der einzelne Sensor muss weder besonders viel können – Temperatur messen und etwas Prozessorleistung würde schon reichen – noch sehr weit funken, denn weiter als bis zum nächstgelegenen Nachbarn ist nicht nötig. Gemeinsam sind sie stark. Anspruchsvolle Gassensoren. Zu den anspruchsvollsten Disziplinen gehören Gassensoren, weil chemische Größen tendenziell schwerer zu detektieren und zu messen sind als physikalische. Gassensoren sind in vielen Bereichen längst Teil der Standardausstattung, zum Beispiel im Abgastrakt von Motoren. „Kleiner und sparsamer“ sei auch hier ein zentrales Ziel, bestätigt Maximilian Fleischer, Leiter der Arbeitsgruppe Chemische Sensoren bei Siemens Corporate Technology und 2003 Erfinder des Jahres. Siemens bearbeitet ein riesiges Portfolio an unterschiedlichsten Sensortechnologien. Im Fall der Gassensoren bedeutet kleiner konkret „kleiner als ein Millimeter“. Mindestens ebenso wichtig ist aber die

BLUTKÖRPERCHEN. Die Geschwindigkeit von roten Blutkörperchen wird in der Hautoberfläche gemessen.

Ansprechzeit dieser Hochtemperatursensoren, die bei 500 bis 700 Grad Celsius ihre Betriebstemperatur erreichen. „Durch neue Materialien lassen sich unsere Sensoren wesentlich schneller ein- und ausschalten.“ So reduziert man die Betriebszeit und spart Energie – „um den Faktor zehn und mehr“, sagt Fleischer, der sich mit diesen Sensoren schon die eine oder andere (wenn auch winzige) Brandwunde zugezogen hat. Eingesetzt werden solche Sensoren etwa in Kleinfeuerungsanlagen, für Atemalkohol- oder Ozonmessgeräte. Noch besser ist, wenn Sensoren erst gar keine Heizenergie benötigen, wie die bei Raumtemperatur arbeitenden FET-Sensoren (FET steht für Feldeffekttransistor). Auch sie sind inzwischen auf Größen wesentlich kleiner als ein Fingernagel reduziert worden und überzeugen nicht nur durch ihren geringeren Energiebedarf, sondern vor allem durch ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten – abhängig von der sehr dünnen, gasempfindlichen Rezeptorschicht der Sensoren. In den Labors von Siemens werden zum Beispiel

Geräte zur frühzeitigen Erkennung von Asthmaanfällen getestet. Das kritische Maß dafür ist der Stickoxidanteil in der Atemluft, der vor einem Asthmaanfall signifikant steigt. „Wir haben uns an der Natur ein Vorbild genommen“, erklärt Fleischer das Geheimnis des Prototyps, „und Rezeptorschichten aus Farbstoffen verwendet, die jenem roten Blutfarbstoff ähnlich sind, der für die Bindung von Sauerstoff im Blut verantwortlich ist.“ Ebenfalls im Versuchstadium sind Sensoren für die Messung der Luftqualität, die gleichzeitig den CO2-Gehalt, die Luftfeuchtigkeit und diverse Geruchsbelastungen erfassen. Die Menge macht's. Wie ein Sensor zwischen einem dezent aufgetragenen Parfum und einem nicht geduschten Sitzungsteilnehmer unterscheiden kann? „Die Menge macht’s. Ein

Container online Am Linz Center of Mechatronics (LCM) wird an einem Projekt gearbeitet, das zentrale Trends in der Sensorentwicklung vorwegnimmt. Es geht um die drahtlose, selbstorganisierende Vernetzung von Sensoren und deren autarke Energieversorgung. Ziel des gemeinsam mit der TU Wien durchgeführten Forschungsprojekts ist die Verfolgung von bahnreisenden Containern, die heikles Ladegut enthalten. Unterschiedliche Sensoren für Temperatur, Feuchtigkeit, Beschleunigung, Neigung oder auch Türkontakte sollen sich innerhalb des Con-

tainers miteinander verständigen und über ein gemeinsames Funkmodul entsprechende Meldungen zur zentralen Leitstelle senden. Die größte Herausforderung ist die Energieversorgung der Sensoren. Zu viel mag man über die Details noch nicht verraten, man arbeite jedenfalls daran, aus den Beschleunigungswerten, den Temperaturschwankungen, den Vibrationen entsprechend Energie zu gewinnen. Gefragt sind Größenordnungen im Milliwattbereich, die vor allem für das Senden der Daten benötigt werden. Einzelne Mosaiksteine des

TEXT Urs Fitze ■ FOTOS TEXT Markus Honsig ■ Philipp FOTOS Horak Peter M. Mayr, Corbis

„Wireless Cargo Monitoring System“ funktionieren bereits, nächstes Jahr soll ein erster Prototyp-Container auf die Schiene gestellt werden. Auch das ACCM (Austria Center of Competence in Mechatronics), das Anfang 2008 seine auf vorerst fünf Jahre ausgelegte Arbeit aufnehmen soll, wird einen seiner sechs Schwerpunkte auf Sensorik und Signaltechnologie legen und seinen Sitz in Linz haben. www.lcm.at

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SENSOREN

newenergy.tuwien.ac.at

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ungewaschener Mann verströmt viele schwache Moleküle, eine gut parfümierte Frau wenige, aber intensiv riechende.“ An-wendungsgebiete für solche Hightech-Gassensoren gibt es viele. Als Brandmelder, die wesentlich schneller reagieren als herkömmliche Sensoren, weil sie nicht den Rauch, sondern schon den Brandgeruch wahrnehmen. Oder in intelligenten Backöfen, die riechen, wenn der Gugelhupf fertig ist. Maximilian Fleischer denkt noch ein gutes Stück weiter: So kann er sich zum Beispiele lebendige Sensoren vorstellen, wo einzelne Zellen die Messarbeit übernehmen: „Das wäre ein grundlegend neuer Schritt.“ Entsprechende Zellen könnten in einem dünnen, mit Nährstoffen angereicherten Film, einer Art Gelatine, auf einem Chip integriert sein. Fleischer: „Die Frage ist, ob wir Zellen finden, die wie menschliche Zellen reagieren. Das heißt konkret: Sich wohlfühlen oder eben nicht. Und dieses Wohlfühlen könnte man an Faktoren wie Stoffwechsel, Temperatur oder Form der Zelle ablesen.“ Ein perfekter Sensor für die Messung von Luft- und Wasserqualität, aber, so Fleischer: „Solche Sensoren gibt es nicht in zwei Jahren.“ Besser als der Mensch? Bleibt noch eine Frage: Sind Sensoren immer besser als der Mensch? Bernhard Zagar, der selbst einen berührungslosen Sensor zur Materialprüfung im Mikrometerbereich entwickelt hat, legt eine Zeichnung auf den Tisch, die einen Dalmatiner auf einem Hintergrund mit schwarzen und weißen Punkten zeigt. Zugegeben, man braucht eine halbe Sekunde, um sich zurechtzufinden, um Hintergrund und Vordergrund auseinanderzusortieren. „Aber ein Bildsensor kann mit dieser Zeichnung überhaupt nichts anfangen, weil er nur Punkt für Punkt, Zeile für Zeile lesen, nicht aber das Gesamtbild deuten kann. Unser Gehirn kann parallel und gleichzeitig arbeiten. Das ist seine Stärke.“ Immerhin. ■

Renewable Energy in Central and Eastern Europe Postgraduate MSc Program

Vienna University of Technology in cooperation with Energiepark Bruck/Leitha Contents • Introduction on Renewable Energy • Biomass, Biogas, and Biofuels • Solar Energy - Solar Heating, and Photovoltaics • Geothermal Energy, Wind Power, and Small Hydro Power • Efficient Energy Use and Thermal Building Optimization • Commercial Basics • General Legal and Economical Frameworks • Management and Soft Skills • Perspectives on the Use of Renewable Energy • Master Thesis Modalities 4 semesters, part-time Organized in modules, tuition in English Top national & international Faculty Field Studies in Czech Republic, Hungary, Poland, Slovakia, and Slovenia Admission Requirements Academic degree or other qualification which can be regarded as an equivalent thereof Next Program Start October 19, 2008

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TU Wien Continuing Education Center Operngasse 11 • A-1040 Wien • T +43/(0)1/58801-41701 [email protected]

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ARCHITEKTUR

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Sloweniens neue Häuser Junge slowenische Architekten setzen Bautrends, die international beachtet und mit Preisen bedacht werden – und das mit Budgets, die heimische Kollegen immer wieder in ungläubiges Staunen versetzen. Ein typisches Beispiel ist das Hotel Sotelia der Therme Olimia, entworfen vom Architekturbüro Enota. „Unsere zentrale Frage war: Wie schaffe ich es, das Hotel mit Kongresszentrum kleiner zu machen, als es ist?“, berichtet Dean Lah von Enota. Die Antwort: Die jungen

FAKULTÄT FÜR MATHEMATIK. Charakteristische Optik durch vertikal im Siebdruck aufgebrachte Streifen.

Architekten stellten drei langgestreckte Hotelflügel mit unterschiedlichen wellenförmigen Dächern hintereinander in den an die Thermalquelle grenzenden Hang, die mit ihrer rotbraunen Holzfassade von baumähnlicher Struktur beinahe in der Landschaft verschwinden. Im Inneren des Hotels dominieren Lichtsäulen, umgeben von Schilf, die Szene. Dean Lah: „Wir wiederholen die Fassade und setzen so starke Signale, dass auch Veränderungen bei den Möbeln den Gesamteindruck nicht mehr stören können.“ Zentrum der Architekturszene ist Ljubljana, wo ein Viertel der rund 2.000 slowenischen Architekten ihre Büros haben. Sie sind vom Erbe einer Ausnahmeerscheinung der Architektur umgeben: Joze Plecnik, ein Schüler Otto Wagners, hat die Stadt entscheidend verändert. Er gestaltete das Ufer der Ljublja-

TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTOS Miran Kambic, Robert Loher

nica neu, entwickelte Wohnviertel, erneuerte Kirchen und Parks. Sein monumentalstes Werk ist die Universitätsbibliothek, für die er Bruchstücke des 1895 durch ein Erdbeben zerstörten Baus verwendete. Sie gilt als Meisterstück des Umgangs mit Materialien und dekorativen Strukturen. Inzwischen haben auch junge Architekten städtebauliche Akzente gesetzt. Ein typisches Beispiel ist die Handelskammer in Ljubljana, gestaltet vom Architekturbüro SVA, dem prominente Architekten wie Jure Sadar und Bostjan Vuga angehören. Die Kammer bietet Information, Beratung, Ausbildung und andere Services für Unternehmen. Das Design mit aneinandergestellten Quadern erinnert an ein Kaufhaus. Im Inneren ist der Büroteil vom öffentlichen mit Restaurant, Bibliothek und Ausbildungsräumen zwar architektonisch ge-

HANDELSKAMMER. Die extrem hohe Eingangshalle und der Panoramagarten für persönliche Kontakte setzen Zeichen.

STUDENTENHEIM. Erstklassige Qualität in Design, Materialien und Ausführung.

trennt, allerdings ohne sichtbare Barrieren. Der öffentliche Teil besticht durch eine extrem hohe Eingangshalle. Neuerdings gibt es einen Panoramagarten als strukturelle Intervention, gedacht für persönliche Kontakte und Events. Eine größere bauliche Herausforderung bildete die Fakultät für Mathematik. „Wir mussten auf ein bereits vorhandenes Gebäude eines EDV-Unternehmens aufsetzen, dessen Arbeit nicht beeinträchtigt werden durfte – und das in einem Moorland, wo Piloten erforderlich waren“, berichtet Robert Loher, der seit einiger Zeit als Architekt in Zagreb arbeitet, über das Projekt der Bevk Perovic Arhitekti, das er im Detail geplant hat. Ihre charakteristische Optik erhält die Fakultät durch eine Glasfassade mit vertikal im Siebdruck aufgebrachten Streifen. Ausgelassen wurden das bereits vorhandene Gebäude und die öffentlichen Teile. Der Bau

wurde heuer mit dem zweiten Preis des Miesvan-der-Rohe-Wettbewerbs ausgezeichnet. Mit ihrem neuen Studentenheim gewannen Bevk Perovic Arhitekti den Plecnik-Preis. Die junge Universitätsstadt Ljubljana zieht StudentInnen aus der ganzen Umgebung an. Die rund 7.500 Plätze in Studentenheimen sind viel zu wenig. Das neu gebaute Haus wird die Lage etwas verbessern. Auffällig ist die extrem hohe Qualität von Design, Materialien und Ausführung. Im Erdgeschoss befinden sich – angeordnet rund um ein offenes Atrium – Studier- und Freizeiträume. Darüber liegen die Wohneinheiten: jeweils zwei Schlafräume, kombiniert mit Bad, Küche und Wohnzimmer. Die Einteilung spiegelt sich in der Fassade wider: Die Wohnzimmer erscheinen als große Fensterflächen, die Schlafzimmer verborgen hinter faltbaren Aluminiumjalousien. Für die

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ARCHITEKTUR

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RFID. Passagie, aber 13 Pronnzent weniger Kerott dannnn an den Seitenkan nnnnnnnnnnnnnn.

Raucher wurden im rauchfreien Gebäude eigene Rauchergärtchen geschaffen. Das europaweit geplante Rauchverbot schlägt sich bereits in der Architektur nieder, eine Reminiszenz an frühere Rauchsalons. Auch im Wohnbau hat die junge Architektengarde einiges zu bieten, vom Luxussegment bis zum sozialen Wohnbau. Einem 3-D-Tetris ähnlich sieht das Appartementhaus Gradaska des Architekturbüros SVA im Herzen Ljubljanas, das zwölf individuelle Wohneinheiten mit jeweils zweistöckigen Wohnzimmern hinter seiner eindrucksvollen Glasfassade verbirgt. Mit ganz anderen Herausforderungen war das Architekturbüro Ofis im sozialen Wohnbau konfrontiert. Trotz des niedrigen Budgets sollte hohe architektonische und Wohnqualität geboten werden. Ofis baute preisgünstige Wohnanlagen in Ljubljana und an der slowenischen Adriaküste in Izola. In beiden Fällen wurden Kunststoffplatten mit fototechnisch aufgebrachter Holzstruktur als Fassadenelemente verwendet. Alle Wohnungen besitzen Balkone. In Izola bilden die Balkone mit den Fenstern darunter durch schräge Rollos in kräftigen Farben eine Einheit. So entsteht eine stark strukturierte Fassade, die vom Dach bis zum Boden in Wellen verläuft. Die Rollos schützen nicht nur vor der Sonne, sondern auch vor neugierigen Blicken. Gleichzeitig stehen unterschiedliche, auf die Lebenssituation angepasste Wohnungstypen von Dreizimmerbis zu Studiowohnungen zur Auswahl. Auch zum Trendthema Architektur und Wein haben die Slowenen Spannendes beigesteuert. Boris Podrecca gestaltete das Weingut Klet

TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTOS Robert Loher

IZOLA. Sozialer Wohnbau mit hoher architektonischer und Wohnqualität an der Adriaküste.

Bric unmittelbar an der kroatischen Grenze mit Blick auf die Adria. Der langgestreckte Bau verbirgt modernste önologische Technik im Keller und hinter einer Steinfassade. Eine extrem hohe repräsentative Halle lädt zur Verkostung des Weins ein. Für den Gutsbesitzer ist ein Wohnturm reserviert, der durch ein Gästehaus vom Gutsbetrieb getrennt ist. Interessante Architektur gibt es auch in der Stadt Maribor unmittelbar an der österreichischen Grenze. Das bekannteste Restaurant, Rozmarin, ist Teil eines Kaufhauses aus den 1960er Jahren. AKSL arhitekti, die auch als Bühnenbildner bekannt sind, gestalteten es mit dunklem Holz und teilweise lederbespannten Wänden elegant-minimalistisch als doppelte Bühne: Die Köche hantieren hinter einer Glaswand, vom im Souterrain gelegenen Restaurant sieht man hinauf auf die Straße – und die Fußgänger sehen hinunter. Für einen Baumaxx-Markt haben Njiric+Njiric eine neue Gestaltungsform gefunden. An einem Kreuzungspunkt wichtiger Straßenverbindungen in der Mitte Marburgs gelegen, sollte er keine Insel in einem riesigen Parkplatz sein. Die Parkplätze und Freiräume wurden aus dem Gebäude herausgeschnitten, die Dächer als zusätzlicher öffentlich zugänglicher und nutzbarer Raum erschlossen. Der

SOTELIA. Das Hotel der Therme Olimia fügt sich mit seiner Holzfassade in die Landschaft ein.

BRUNNEN IN SOLKAN. Ein Abbild der umliegenden Berge und Flüsse.

vorbeiströmende Verkehr gestaltet in der Nacht die Fassade, wenn sich Scheinwerfer und Rücklichter in den dort angebrachten roten und silbernen Katzenaugen spiegeln. Wirkt Slowenien aus architektonischer Sicht durchaus spannend, so meinen Experten, dass der weit dynamischere Markt derzeit Kroatien ist. Nach dem Regimewechsel schossen die Architekturbüros – vor allem aufgrund der Wettbewerbe für den staatlich geförderten Wohnbau – geradezu aus dem Boden. Einige junge Teams schafften es auch bereits in der Nachkriegszeit, sich durchzusetzen, so etwa eines der medial präsentesten Büros 3LHD aus Zagreb. Aber auch kleinere Städte wie Rijeka oder Zadar bestechen durch hochqualitative Architektur. Robert Loher: „Aufgrund des sich immer mehr öffnenden Marktes und des Einflusses verschiedener europäischer und nordamerikanischer Hochschulen ist in Kürze Spannendes zu erwarten.“ ■

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LEDS OPEL GTC – das Konzeptauto wurde mit wenigen, aber leistungsstarken LEDs von Osram ausgestattet.

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Es werde LED! Man muss kein Fan von Licht am Tag sein, um den feinen Lidstrich, den Audi bei seinen neuen Modellen A4 und A5 gezogen hat, optisch reizvoll zu finden: eine Reihe von Leuchtdioden, die wie Brillanten an der Unterkante der Scheinwerfer sitzen und die Funktion des Tagfahrlichts übernehmen. Sie sehen nicht nur gut aus, sondern helfen auch Treibstoff zu sparen. Und sie sind ein Indiz dafür, dass LEDs sukzessive die Frontscheinwerfer unserer Autos erobern, nachdem sie am Heck schon länger neue Akzente setzen. LEDs, Light Emitting Diodes,

sind die zurzeit innovativste Lichttechnologie für das Auto. Der Wettlauf um den ersten LEDScheinwerfer ist längst im Gange: Sowohl Audi (für den R8) als auch Lexus (für die Hybridlimousine LS 600) feierten schon die Poleposition. In beiden Fällen geht es allerdings um überschaubare Stückzahlen. Das sei auch der Grund, sagt Peter Knittl, Marketingleiter von Osram Opto Semiconductors Automotive, warum die schicken Scheinwerfer zurzeit wirtschaftlich noch kaum darstellbar sind. Blaulicht fürs Cockpit. Die Siemens-Tochter Osram, einer der größten Anbieter von LEDTechnologie, hat auch im Automobildesign schon einige markante Blickpunkte gesetzt: Zum Beispiel mit den blauen LEDs für die Cockpitbeleuchtung der aktuellen VW-Modelle, die Ersten ihrer Art, oder mit den optisch gut gelungenen Rücklichtern des Audi A6

BESONDERE LEUCHTKRAFT bringt eine spezielle, von Osram entwickelte Dünnfilmtechnik.

TEXT Markus Honsig ■ FOTOS General Motors, Siemens, Audi

Avant. Zuletzt sah man das Konzeptauto Opel GTC, ausgestattet mit wenigen, aber leistungsstarken Osram-LEDs. Die außergewöhnliche Leuchtkraft dieser LEDs beruht auf einer speziell entwickelten Dünnfilmtechnologie, die eine effizientere Abstrahlung des Lichts ermöglicht. Eine Innovation, die für den diesjährigen, mit 250.000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis nominiert wurde. Die grundsätzlichen Vorteile der leuchtenden Halbleiter: Weil die Kleinsten gerade einmal ein, zwei Quadratmillimeter groß sind, gewinnen die Designer völlig neue Freiräume bei der Gestaltung, bis hin zu markentypischen Nachtdesigns. Zudem haben LEDs eine wesentlich höhere Lebensdauer als Glühlampen, die mit der durchschnittlichen Lebenszeit eines Autos locker mithalten. Reaktionsschnell. Dazu kommen diverse Sicherheitsaspekte: Weiße LEDs erzeugen annähernd Tageslichtqualität mit schärferen Kontrasten, präziseren Lichtkanten. Nicht zu unterschätzen ist auch die kürzere Ansprechzeit von LED-Bremsleuchten: Wenn es richtig knapp wird, zählen jeder Meter und jede Zehntelsekunde, die der Hintermann früher reagieren kann. Die spannendsten Optionen ergeben sich aber für die Lichttechnik selbst: Für die Hightechvarianten unter den Scheinwerfern, etwa mit integriertem Kurven- und Abbiegelicht, eignen sich LEDs besonders gut. Weil man dafür – im Unterschied zu punktuellen Lichtquellen – keine Motorik braucht, sondern nur entsprechend positionierte LEDs, die man je nach Bedarf ein- oder ausschaltet. Auf diese Weise lässt sich praktisch

jedes Lichtbild auf die Straße werfen, lassen sich spezielle Lichtkompositionen für Stadt, Autobahn oder Landstraße gestalten. Auch im Interieur sind innovative Anwendungen denkbar: Man könnte sich beispielsweise sehr sanfte Lichtquellen in Höhe der Sonnenblende vorstellen, um bei Nachtfahrten das Auge optisch quasi vorzuspannen und die üblichen Blendeffekte zu reduzieren. Sie heizen doch. Klingt alles einfacher, als es ist: Gerade in der Entwicklung von Hochleistungs-LEDs, wie sie für Frontscheinwerfer notwendig sind, gab es einige Hürden zu überwinden. Zwar arbeiten Leuchtdioden mit einem wesentlich besseren Wirkungsgrad als beispielsweise Glühlampen, Hitze entsteht aber dennoch. Sie von einer sehr kleinen Grundfläche wegzubringen ist eine besondere Herausforderung. Dazu braucht es eine zusätzliche Kühlung, ein Mehraufwand in der technischen Ausstattung, der den Verbrauchsvorteil der LEDs etwas reduziert. Trotzdem: Es funktioniert. Was noch fehlt, ist eine Serienfertigung in größeren Stückzahlen; eine Frage der Zeit. „2008 werden wir die ersten, breiter im Markt verankerten Autos mit LEDScheinwerfern auf der Straße sehen“, weiß Knittl, „und zwar für Tagfahrlicht, Blinker und Abblendlicht.“ ■

AUDI R8: das erste Auto, das vorne voll auf LED setzte.

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www.opel.com; www.audi.com www.osram.com www-led-info.de www.ledsmagazine.com

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DI PETER KLUGAR: „Wir arbeiten daran, dass die Züge schnell und ohne zusätzlichen Aufwand Grenzen überqueren können.“

Hightech macht Tempo

TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTOS Peter M. Mayr, Siemens

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Aufbruchstimmung am Bahnmarkt – ein Interview mit DI Peter Klugar,

Vorstandsdirektor der ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG, über den Einsatz neuer Technik und ihre Vorteile für die Kunden und den Bahnbetrieb. Wie beurteilen Sie die Situation der Bahn in Europa? Am europäischen Eisenbahnmarkt gibt es tiefgreifende Veränderungen. Die Zuwachsraten für die Bahn steigen, und es ist erklärte Politik der EU, den Anteil der Schiene zu erhöhen. Österreich liegt mit einem Marktanteil beim Güterverkehr von knapp 30 Prozent ganz weit vorne. Der Durchschnittswert der EU-15 beträgt nur rund 13 Prozent. Für die Eisenbahn spricht nicht nur die Umweltproblematik. Auch für die Bewältigung des Verkehrs in den Ballungszentren ist das System Schiene von großer Bedeutung. Innerhalb Wiens werden derzeit rund ein Drittel der Wege mit dem Pkw und zwei Drittel mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß zurückgelegt. Von den rund 180.000 täglichen Pendlern nach Wien verwenden rund ein Drittel öffentliche Verkehrsmittel. Dadurch wird die Umwelt bei steigendem Verkehr wesentlich entlastet. Was kann die Bahn tun, um ihre Marktanteile zu halten oder weiter auszubauen? Von großer Bedeutung ist die Interoperabilität. Das heißt, die national gewachsenen Bahnen müssen international einheitlich ausgerichtet werden. Wir arbeiten nun daran, dass die Züge schnell und ohne zusätzlichen Aufwand Grenzen überqueren können. Eine Maßnahme ist die Installation des Zugbeeinflussungssystems ETCS (European Train Control System), das mittlerweile internationaler Standard ist. Was kann ETCS? Mit ETCS wird die Signalisierung von der Strecke auf den Zug übertragen. Das System stellt sicher, dass der Zug bei Signalen angehalten wird. In Zukunft werden auch die Signale nicht mehr nötig sein, denn die Informationen werden über ein bahnspezifisches GSM-R-System direkt an den Zug weitergegeben. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit und hat einen positiven Einfluss auf die Kapazität.

Wo ist das neue System bereits im Einsatz? Derzeit besteht eine Versuchsstrecke an der Ostbahn, zwischen Wien und Hegyeshalom beziehungsweise Budapest für ETCS Level 1. Auf diesen Strecken sind bereits Balisen eingesetzt, die notwendige Daten in das Triebfahrzeug übertragen. Wo werden in Zukunft Weichen und Signale gestellt? In ganz Österreich gibt es über 500 besetzte Betriebsstellen, von denen die Weichen und Signale gestellt werden. In Zukunft wird das von fünf Zentralen aus für das Kernstreckennetz in Österreich passieren. Durch den Wegfall vieler Schnittstellen wird das System wesentlich sicherer, die Qualität deutlich besser und die Wirtschaftlichkeit um 90 Prozent erhöht. Was bringt das neue System den Bahnkunden? Qualität und Umfang der Informationen über den Zugverkehr und die Anschlüsse am Bahnhof werden sich stark verbessern. Das gilt vor allem auch für Informationen bei Störungen. Wie werden die Bahnhöfe aussehen, wenn hier kein Personal für die Betriebsführung mehr notwendig ist? Sie werden für Passagiere komfortabler und sicherer werden. Es gibt umfassende Informationen über den Zugverkehr am Bahnsteig. Es wird sichergestellt, dass man über hohe Bahnsteige bequem einsteigen kann. In etwas größeren Bahnhöfen wird es Bahnshops mit einer integrierten Warte- und Verkaufszone geben, wo man nicht nur Tickets bekommt, sondern auch Kaffee und Snacks. Videoüberwachung wird für öffentliche Sicherheit sorgen. Wie sind die Kunden bisher mit den Leistungen am Bahnhof zufrieden? Umfragen bestätigen uns, dass unsere Kunden mit der Qualität der Leistungen am Bahnhof zufrieden sind. Detaillierte Informationen

im Störungsfall sind für diese Zufriedenheit ein wichtiger Punkt. In diesem Bereich wollen wir besser werden. Beim Automatischen Reisendeninformationssystem AURIS geben wir alle wichtigen Informationen, wie etwa den Ausfall eines Zuges und die Abfahrt des Ersatzzuges, zentral ein. Die Übertragung erfolgt automatisch auf die Bildschirme in den Bahnhöfen. Derzeit laufen die Planungen für einen Test in Tirol. Funktioniert der Informationsaustausch auch länderübergreifend? Die Informationen, die wir durch den Einsatz moderner Technologien zur Verfügung haben, werden auch an Nachbarbahnen und andere Verkehrsunternehmen weitergegeben. Wenn ein Güterzug in Verona aus dem Bahnhof rollt, kann man in Deutschland bereits für die gesamte Strecke disponieren. Ein Pilotprojekt auf der Brennerachse funktioniert bereits. Von der Bahn wird oft behauptet, dass Veränderungen sehr langsam erfolgen. Sind Sie mit dem Tempo der Einführung der neuen Techniken zufrieden? Unser „time to market“ ist derzeit viel zu lange. Bahnen, Industrie und Zulassungsbehörde müssen viel schneller werden, sonst bestraft uns der Markt. Wird in das System Bahn in Österreich ausreichend investiert? In Österreich haben wir einen großen Nachholbedarf. Derzeit wird allerdings intensiv investiert, sodass wir aufholen. Die ganze Westbahnstrecke wird neu gemacht und der Hauptbahnhof Wien gebaut. Auch an der Südbahn und am Brenner wird gearbeitet und die Bahnhöfe entsprechend ausgestattet. Derzeit ■ besteht eine echte Aufbruchstimmung.

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ENERGIEMANAGEMENT

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Das große Energie-Puzzle „Früher zählten vor allem Qualität und Stückzahlen. Heute gibt es einen dritten Wert, der uns ebenso wichtig ist: den Energieverbrauch.“ Franz Stangl meint damit nicht den Verbrauch der Vier- und Sechszylinder, die im oberösterreichischen BMW-Werk Steyr hergestellt werden, sondern den Strom-, Gas- und Wärmebedarf, der für ihre Produktion notwendig ist. Stangl ist als Leiter der Energieversorgung dafür verantwortlich, die ehrgeizigen Vorgaben des Unternehmens in Steyr umzusetzen: Bis zum Jahr 2014 soll der Energieverbrauch um dreißig Prozent gesenkt werden – unabhängig von den Stückzahlen. Eine starke Ansage in jedem Fall. Dreißig Prozent weniger Energieverbrauch bedeuten auch dreißig Prozent weniger Kohlendioxidemissionen. So einfach ist die Rechnung, und dass sich das Unternehmen dabei noch eine Menge Geld erspart, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Es geht um große Mengen. Klar ist, dass es in einem Werk wie BMW Steyr nicht um kleine Beträge geht, ob man nun den Energieverbrauch oder die Energiekosten betrachtet. Bei einem Produktionsniveau von jährlich rund 700.000 Motoren waren 2006 rund 170 GWh Energie notwendig. Mit den dreißig Prozent an eingesparter Energie ließen sich einige Steyrer Wohnsiedlungen ein Jahr lang mit Strom

TEXT Markus Honsig ■ FOTOS Peter M. Mayr

und Wärme versorgen. Umgekehrt erspart die Reduktion des Verbrauchs dem Unternehmen Kosten in Millionenhöhe. Den weitaus größten Anteil am Energieverbrauch hat in einem Werk wie BMW Steyr der Strom. Vor allem die mechanische Fertigung mit ihren komplexen Maschinen hängt schwer an den Steckdosen. Dazu kommen große Mengen an Druckluft – 20.000 Kubikmeter pro Stunde –, die besonders energieintensiv in der Erzeugung sind. Auch die Belüftung der Hallen mit fünf Millionen Kubikmeter Frischluft pro Stunde macht sich in der Energiebilanz nachdrücklich bemerkbar. Bewusstseinswandel. Was den Job von Franz Stangl nicht leichter macht: „Die großen Potenziale haben wir schon vor zehn, fünfzehn Jahren gehoben.“ Um die hoch gesteckten Ziele dennoch zu erreichen, werden alle Nischen der Fertigung durchleuchtet und auf mögliche Einsparpotenziale abgeklopft. Die Ansätze unterscheiden sich in dem großen BMW-Werk am Ende nicht sehr von einem privaten Haushalt, bestätigt Stangl: „Es geht unter anderem auch darum, in den Pausen Maschinen einfach auszuschalten und nicht im Standbymodus weiterlaufen zu lassen.“ Ohne die Unterstützung aller MitarbeiterInnen werden die dreißig Prozent jedenfalls nicht erreichbar sein. Denn dafür braucht es einen grundlegenden Bewusstseinswandel: „Der Strom kommt nicht aus der Steckdose, Warmwasser ist nicht grundsätzlich verfügbar, Standby ist nicht normal“, beschreibt er einige Prinzipien einer bedarfsgerechten Energieanforderung, wie sie bei BMW noch weiter etabliert werden

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BIS 2014 SOLL BEI BMW STEYR DER ENERGIEVERBRAUCH UM WEITERE 30 % GESENKT WERDEN. NUN WERDEN ALLE NISCHEN DER FERTIGUNG ABGEKLOPFT. 1 Montagehalle, 2 Drucklufterzeugung, 3 Kühlwasserzentrum, 4 Roboter, 5 Pleuelbearbeitung, 6 Kaffeeautomaten, 7 Emulsionsanlage, 8 Drehraummaschinen

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ENERGIEMANAGEMENT

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B.DATA

Energie managen Ein klassisches Beispiel aus dem Alltag der Energieexperten von Siemens: Nach der Installierung des Energiemanagementsystem b.data in einem großen deutschen Automobilwerk fiel der hohe Grundverbrauch an manchen Stellen der Fertigung auf. Das Leck war schnell gefunden: Einzelne Fertigungsroboter hielten die Karosserien das ganze arbeitsfreie Wochenende in Arbeitshöhe, die Kompressoren verbrauchten Energie für nichts. Grundsätzlich bietet das System b.data zwei große Stellschrauben, an denen man drehen kann: am Energieverbrauch – ob es nun unnötige Verluste oder brachliegende Potenziale zur Optimierung betrifft –, oder an den Energiekosten: Durch die saubere Dokumentierung des Energieverbrauchs und die Miteinbeziehung von Produktionsplänen lassen sich kurzund mittelfristige Prognosen über den zukünftigen Energiebedarf erstellen und entsprechend maßgeschneiderte Bezugsverträge mit den Anbietern aushandeln. Die spezifischen Stärken des SiemensSystems sind die frei wählbare Granularität, die durch die Anzahl der Messpunkte bestimmt wird, und die unkomplizierte Integration der Software in vorhandene Leit- und Managementsysteme: b.data unterstützt von der punktuellen Erfassung des Energieverbrauchs bis zur verursachergerechten Verbuchung und Abrechnung den gesamten Produktions- und Geschäftsprozess eines Unternehmens. Werner Schöfberger, Geschäftsfeldleiter bei Siemens Automations and Drives: „b.data ist eine Möglichkeit zur Optimierung des Energieverbrauchs in der Produktion, die Auswirkungen bis in die Engineeringabteilung und die Designphase eines Produkts haben kann.“

TEXT Markus Honsig ■ FOTOS Peter M. Mayr

Hochtrasse mit Versorgungsleitungen (Bild unten)

soll. „Energie ist nicht einfach da, sondern muss angefordert werden.“ Eines der zentralen Werkzeuge für diesen Paradigmenwechsel ist das Energiemanagementsystem b.data von Siemens. Gefüttert von rund 350 Messstellen im gesamten Werk, liefert es im Takt von fünfzehn Minuten ein genaues Bild des Energieaufwands, der den jeweiligen Verbrauchern beziehungsweise Verantwortungsbereichen zugeordnet und dokumentiert wird. „Reden allein hilft nur wenig“, weiß Stangl aus langjähriger Erfahrung, „aber mit Zahlen, Daten und Fakten sind die Menschen zu motivieren.“ Oder anders formuliert: Eine übersichtliche Excel-Datei sagt mehr als tausend Worte – und zeigt alle Ausreißer nach oben oder unten, die regelmäßig mit den Energieverantwortlichen besprochen werden. Undichte Stellen im Energiefluss bleiben seit der Installation des engmaschigen Monitoringnetzes nicht mehr unerkannt. Grundlast senken. Erst diese Transparenz liefert die Grundlage, um mehr oder weniger versteckte Energiesparpotenziale zu entdecken und zu heben. Einer der Hauptansatzpunkte ist etwa, die Grundlast des Werks noch weiter zu senken, also den Energieverbrauch in Zeiten, wo gar nicht produziert wird: Von ursprünglich acht Megawatt, fast einem Viertel der Spitzenlast, ist man heute schon auf rund fünf Megawatt heruntergekommen. „Das sind Größenordnungen, die sich sehen lassen

können“, bilanziert Stangl nicht ohne Stolz. Besondere Aufmerksamkeit wird auch der Drucklufterzeugung gewidmet: In undichten Leitungen, in undichten Verbindungen verpufft wertvolle – und spezifisch teure – Energie, denn am Ende der Leitung muss immer der angeforderte Druck ankommen. „Wir denken aber auch darüber nach, Bearbeitungsprozesse so zu verändern, dass wir an manchen Stellen auf Druckluft ganz verzichten können.“ Die Dezentralisierung der Kühlwasserversorgung, um Pumpenleistung zu reduzieren, steht ebenso am Energiesparplan wie die Überlegung, die Kühlwassertemperatur für die großen Bearbeitungsmaschinen zu erhöhen und dafür die Kühlerflächen entsprechend zu vergrößern. Und: „Ausschalten, was man nicht braucht“, wird Stangl nicht müde zu betonen. „Energiesparen ist ein unteilbares, durchgängiges Prinzip.“ Es ist ein aufwendiges Puzzle mit sehr vielen Teilen, das Stangl und seine MitarbeiterInnen zu einem schlanken Energiesystem zusammensetzen. Davon profitiert das Unternehmen ebenso wie der Umwelt- beziehungsweise Klimaschutz. Eine Win-win-Situation, wie sie im Managementlehrbuch steht. ■

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ERDÖL

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Am Öl hängt alles Pipelines sind unverändert die Lebensadern unserer Gesellschaft. Knapper werdende Ressourcen und steigende Energiepreise haben zu einem echten Bauboom geführt. Erdöl und -gas werden aus immer entlegeneren Lagerstätten zu den Verbraucherzentren befördert. Die Rohrleitungen zählen zu den wirtschaftlichsten, sichersten und umweltschonendsten Transportmöglichkeiten. Sie sind rund um die Uhr in Betrieb, unabhängig von allen Witterungsbedingungen. Ihr einziger Nachteil: Die Errichtung ist aufwendig und kostenintensiv. Für das Pipelinerohr gelten strengste Bestimmungen. Es werden hochzugfeste, längsnahtverschweißte Rohre aus einer speziellen Stahllegierung (meist mit Niob und Titan) verwendet. Die erste in den USA verlegte Rohölleitung wies einen Durchmesser von nur 50 mm auf. Heute sind Pipelines mit fast eineinhalb Metern Durchmessern in Verwendung. Geprüfte Schweißnähte. Jede Schweißnaht wird mittels Ultraschall und Röntgen geprüft. Um die Nahtstelle gegen Korrosion zu schützen, werden die Rohre mit einem Kunststoffbzw. Glasvlies-Bitumengewebe ummantelt. Bei Gasröhren sorgt zusätzlich eine Innenbeschichtung für ein reibungsarmes Durch-

PIPELINES bestehen aus hochwertigen Metalllegierungen. Jede Schweißnaht wird mehrfach geprüft. Molche reinigen und kontrollieren die Pipelines von innen.

Neue Fördertechnik Für das norwegische Öl- und Gasunternehmen Statoil entwickelt Siemens einen speziellen Kompressor für Anwendungen mit verunreinigtem Erdgas. Die neue Technologie basiert auf einer erst vor kurzem unter dem Projektnamen "ECO-II" entwickelten Verdichtereinheit, die aufgrund ihrer Bauweise ohne äußere Gasdichtungen auskommt. Verdichter und elektrischer Antrieb befinden sich in einem gasdichten Gehäuse. Bereits in einigen Jahren könnten diese neuartigen Kompressoren die Erschließung bisher ungenutzter Erdgasreserven ermöglichen. Etwa ein Drittel der globalen Erdgasreserven sind Prognosen zufolge mit Schwefelwasserstoff und anderen Stoffen verunreinigt. In Zusammenarbeit mit Statoil soll auch ein Gerät entwickelt werden, das sich für den unbemannten Betrieb auf dem Meeresboden eignet. www.siemens.com/powergeneration TEXT Gottfried Haslinger ■ FOTOS OMV, Fraunhofer

gleiten. Die Rohre für die im Meer verlegten Offshore-Pipelines erhalten außen eine Extrahülle aus Beton zwecks Beschwerung und Schutz. Spezielle Verlegeschiffe mit eigenen Schweißstationen an Bord produzieren auf offener See die Rohrstränge, die dann am Meeresgrund mithilfe von Spezialbaggern (Spider) verlegt werden. Die Dichtheit wird mit Wasser bei einem Prüfdruck um mindestens 30 Prozent über dem maximalen Betriebsdruck gecheckt. Lecks können mit speziellen Computerprogrammen bei laufendem Betrieb gefunden werden. Bei Schieberstationen können die Leitungen bei Betriebserfordernissen und Störfällen abschnittsweise gesperrt werden. Flugmarker entlang der Trasse machen es möglich, dass die unterirdische Leitung bei Kontrollflügen per Hubschrauber leicht ausgemacht werden kann. Gelbe Hütchen stehen für Erdgas, orangefarbene für Erdöl- oder Mineralölprodukteleitungen. Aus der Luft lassen sich auch minimale Lecks durch etwaige Bodenverfärbungen erkennen. Das Innere der Pipelines kontrollieren sogenannte Molche, wegen der beim Betrieb auftretenden quiekenden Geräusche auch Pipeline Pigs genannt. Diese zylinderförmigen Metallgeräte haben den gleichen Innendurchmesser wie die Leitung und werden vom Druck des Transportguts vorangetrieben.

Immer mehr Pipelines

Reinigungsmolche entfernen – versehen mit Bürsten und Schabern – Verunreinigungen. Wesentlich komplexer und kostenintensiver sind mit hochsensibler Prüf- und Messtechnik ausgestattete intelligente Molche. Diese kleinen Roboter messen mit Ultraschall oder Wirbelstromsonden die Wandstärke und damit den Korrosionszustand der Leitung. Sie können auch feinste Spannungsrisse aufspüren. „Der Einsatz der intelligenten Molchtechnik erlaubt Inneninspektionen ohne Grabungsarbeiten. Durch eine technisch optimierte Leitung kann deren Leistung um bis zu zehn Prozent steigen“, erklärt Christian Schicketmüller, technischer Leiter der OÖ Ferngas AG, die jedes Jahr bis zu eine Million Euro für die Molchung ihrer Pipelines aufwendet. Selbstheilung. Mussten sanierungsbedürftige Rohre früher häufig ausgebaut und durch neue Rohre ersetzt werden, so gibt es inzwischen Verfahren, mit denen Schwachstellen einschließlich Verformungen wirtschaftlich, sicher und dauerhaft beseitigt werden können. Der neueste

Clou gelang der schottischen Firma Brinker Technologies: Sie entwickelte Kunststoffteilchen aus einem verformbaren Polymer, deren Wirkungsweise an jene menschlicher Blutplättchen erinnert. Sie werden in die Pipeline eingebracht und fließen einfach mit dem Öl mit, um an die Stelle des Risses zu gelangen. Der Druck, der durch die undichte Stelle entsteht, führt dann zu einer Verklumpung der Plättchen genau am Leck – eine Art „selbstheilende“ Pipeline also. ■

Während die erste Pipeline bereits 1865 in den USA in Betrieb ging, nahm man in Europa erst nach dem Zweiten Weltkrieg den Bau eines Netzes in Angriff. Heute umfasst das westeuropäische Fernleitungsnetz rund 36.000 km und befördert ein Volumen von 724 m³/a. Österreich wird von der großen Rohölfernleitung TAL (Transalpine Ölleitung) durchquert. Ebenso wie an der TAL ist die OMV auch an der Adria-Wien-Pipeline (AWP) beteiligt, die von der TAL in Würmlach, Kärnten, abzweigt und über eine Länge von rund 420 km in die Raffinerie Schwechat führt. Über die Produktenleitung West (PLW) werden Benzine, Diesel, oder Heizöl vom Tanklager Wien-Lobau nach St. Valentin, NÖ, gepumpt. Die Jet-Pipeline (OMV) liefert aus der Raffinerie Schwechat Flugturbinentreibstoff nach Wien-Schwechat. Die Gesamtlänge der Erdgaspipelines in Österreich beträgt 2.722 km.

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.industry.siemens.com/oil-gas www.ooeferngas.at www.omv.at

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SOELDEN

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AKSEL LUND SVINDAL: Riesentorlaufsieger beim Weltcupauftakt in Sölden.

Zeitenblicke Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit. Und so enthält auch Aksel Lund Svindals Riesentorlauf-Siegermarke von 2:17,87 beim Weltcupauftakt in Sölden jede Menge Gewissheiten: über den richtigen Trainingsaufbau, die passende Skiwahl oder den idealen Schwungrhythmus. In nüchternen Zahlen bedeutet all das zusammen Rang eins, 32 Hundertstelsekunden Vorsprung auf den Zweiten, Ted Ligety, und die Führung im Gesamtweltcup. Der digitale Hü-

ter dieser numerischen Variante der Wahrheit ist die Datenmanagementcrew von Siemens Österreich. Das Unternehmen ist seit drei Jahren Technologiepartner des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) und seit den Bewerben in Zauchensee 2004 auch für die Datenverarbeitung bei den Weltcuprennen in Österreich verantwortlich. Webbasierte Datenbank. Mit einer speziell für diesen Zweck entwickelten webbasierten Datenbanklösung berechnen die Siemens-Experten einerseits die jeweils aktuelle Startreihenfolge – Basis dafür sind die Quotenlisten der Nationen, FIS-Punkte- und WCSLListe (World Cup Start List), die sich aus den durchschnittlichen Ergebnissen der letzten beiden Saisonen ergibt, sowie eine Aufstellung der besten Europacupstarter. Außerdem

TEXT Claus-Dieter Gerhalter ■ FOTOS GEPA, Siemens

macht diese Techniktruppe während des Wettkampfs wesentliche Renninformationen in Echtzeit sichtbar – sei es für die Zuschauer vor dem Fernseher, auf der FIS-Website im Internet und auf der Videowall im Zielraum, auf den Laptop-Bildschirmen der Journalisten oder für die Trainer des österreichischen Skiteams. Letztere sind mit FujitsuSiemensTablet-PCs ausgerüstet, die per Wireless LAN mit Daten gefüttert werden und selbst bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsisus anstandslos funktionieren. „Früher musste man die einzelnen Zeiten händisch mitschreiben, jetzt bekommt man sie direkt auf den Computer geliefert“, zeigt sich ÖSV-Cheftrainer Hans Pum begeistert. „Mit dem neuen Analysetool kann man schnell auf veränderte Gegebenheiten reagieren, bei-

ECHTZEITINFORMATIONEN und schnelle Analysen für Cheftrainer Hans Pum am Tablet PC, für die Journalisten und auf Videowalls.

spielsweise die Serviceleute mit anderem Material, wenn die Teilzeiten auf den Gleitabschnitten nicht unseren Erwartungen entsprechen.“ Die Rohdaten für das Service liefern die Zeitmesser von Alge Timing. Eine Zeitmessmaschine im Ziel schickt die Signale der auf der Strecke verteilten Lichtschranken an den Hauptrechner, wo sie die Siemens-Software für alle lesbar aufbereitet. „Startnummer, Zwischenzeiten und Gesamtmarke, Vorsprung beziehungsweise Rückstand und derzeitiger Rang des Läufers können mit einem Klick abgerufen werden. In den Speeddisziplinen gibt’s außerdem noch eine Geschwindigkeitsanzeige“, so Dieter Posch, Direktor Leistungssport beim ÖSV. Auch der aktuelle Weltcupstand wird nach jeweils dreißig Startern neu berechnet und ist innerhalb von Sekunden verfüg-

bar. Dazu kommt noch die „Runner Info“, mit Fotos, Weltcupplatzierungen sowie den letzten Resultaten der Rennläufer. Die einzelnen Notebooks im Netz sind zentral fernsteuerbar, und ihre Verbindung zu den beiden voll redundanten Servern basiert auf unterschiedlichen Systemen – eine DSL- sowie eine Funklösung garantieren höchste Ausfallsicherheit. Immer mehr Rechner. In Sölden waren die Siemens-Techniker mit etwa dreißig tragbaren Computern, 600 Metern LAN-Kabel, FunkLAN-Antennen und rund einem Kilometer Stromkabel im Einsatz. Mitte Jänner nächsten Jahres, beim Nachtslalom in Schladming, werden es fast doppelt so viele Laptops sein. Dieter Posch: „Bei größeren Rennen hängen mehr Rechner im Netz, weil noch mehr Journalisten dabei sind. Für das System ist die Anzahl

der angeschlossenen Computer aber völlig egal.“ Nachdem der ÖSV mit seinem früheren Datenmanagementpartner Swiss Timing keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr sah, zeigt er sich nun mit Siemens vollauf zufrieden. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel: „Moderne technologische Ausstattung ist für uns ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wir haben in Siemens einen Partner gefunden, der mit seiner langjährigen Erfahrung und seinem breiten Portfolio zum Erfolg unser Sportler beiträgt und einen reibungslosen Ablauf der Rennen sichert.“ ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.oesv.at www.siemens.at/fixit www.siemens.at/sports

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GRÖSSTER KÜHLSCHRANK DER WELT Ein 27 Kilometer langer Tunnelring bildet den gigantischen Teilchenbeschleuniger LHC, der im europäischen Forschungszentrum CERN in Genf errichtet wird. Supraleitende Magneten halten den Teilchenstrahl auf Kurs und werden dazu mit suprafluidem Helium auf minus 271 Grad Celsius gekühlt. Die Verteilung der 600.000 Liter Helium (die bisher größte Anlage benötigte 3.600 Liter) wird von Spezialventilen von Siemens geregelt. www.cern.ch; www.siemens.at/ad

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII NEWS-SNACK ANTISCHALL „Active Silence“ bekämpft den Auspufflärm, indem ein negatives Spiegelbild der unerwünschten Schallwellen via Lautsprecher eingespielt wird. Gegenläufige Wellen heben sich dadurch vollständig auf. www.eberspaecher.com

ERDE NEU VERMESSEN

MEHR SPEICHERPLATZ

RIESENMOLEKÜL

Aus 514 Kilometer Höhe erfasst der deutsche Satellit TerraSAR-X die Erde mit Radarstrahlen. Dadurch wird eine genauere Kartierung von Straßen und Gebäuden möglich. Die Datenbanklösung für die Steuerung hat Siemens Österreich entwickelt.

Die dreifache Datendichte auf einer Festplatte bringt eine Technologie, die an der TU Wien entwickelt wurde. „Der Trick an der Sache sind mehrere magnetische Schichten mit unterschiedlichen magnetischen Stabilitäten“, erklärt der Physiker Dieter Süss, dessen Entwicklung bereits von einem Festplattenhersteller aus dem Silicon Valley aufgegriffen wurde.

Aus 600 Atomen besteht ein anorganisches XXXL-Molekül, das Forscher an der Jacobs University Bremen erzeugt haben. Die Verbindung hat den Namen Cerwolframatogermanat und ist 30.000 mal so schwer wie ein Wasserstoffatom. www.jacobs-university.de

TEXT Klemens Lendl ■ FOTOS Siemens, Eberspächer, Uni Bremen, Carnegie Mellon University ■ GRAFIK Christina Lehner

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ROBOTERANTRIEB

Schlanke Roboter für Alltagsaufgaben Auf einer hohlen Aluminiumkugel, die mit einer dicken Gummischicht überzogen ist, balancieren die Ballpot-Roboter, die Ralph Hollis, Professor an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, mit seinen Studenten

baut. Damit könnte der Weg für die Entwicklung von Haushalts- und Pflegerobotern frei sein, die bisher mit künstlichen Füßen oder Rädern ausgestattet waren. Mit ihren breiten und schwerfälligen Aufbauten waren sie in Wohnungen nur schwer einsetzbar. Drei Beschleunigungssensoren erfassen die Lage des 1,5 Meter hohen und 40 Kilogramm schweren Ballbots und melden diese Daten an eine Computersteuerung. Diese kalkuliert, welche Bewegungen der Kugel nötig sind, um das Gleichgewicht zu halten. Angetrieben wird der Ballbot von zwei Motoren. Bei abgeschaltenem Antrieb werden drei Beine ausgefahren. www.ri.cmu.edu

MEDIZINTECHNIK

Höhere Datenraten Je schneller Computertomographen ihre Daten erzeugen und übertragen können, desto detaillierter und genauer werden die Bilder, auf die Ärzte bei ihrer Diagnose zurückgreifen. Siemens forscht an einer neuen Generation von CT-Scannern, die mit einer Datenrate

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WERKSTOFFE IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII

Immer mehr Roboter im Einsatz

»In Metallen können wie bei Glas amorphe Strukturen entstehen, wenn man die Schmelze sehr schnell abkühlt. «

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Quelle: IFR „World Robotics 2007“

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von 8,5 Gigabit pro Sekunde Daten überträgt. Zurzeit liegt die Höchstleistung bei fünf Gigabit pro Sekunde. Beim neuen System werden die im rotierenden Teil des Computertomographen entstehenden Messwerte kontaktlos von einer optischen Sendeeinheit, die dreimal pro Sekunde um den Patienten kreist, an einen stationären optischen Empfänger übertragen. „Das erlaubt die Generierung von Schnittbildern mit höherer Auflösung und führt letztlich zu einer verbesserten Datenqualität“, erklärt Paul Smith, Siemens-Forschungszentrum Roke Manor. www.siemens.com/medical

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PROF. WOLFGANG SPRENGEL, Institut für Materialphysik der Technischen Universität Graz

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Der Weltmarkt wächst: Trotz der Einbrüche in der Automobilbranche steigt die Zahl der eingesetzten Industrieroboter. Neue Chancen ergeben sich durch Serviceroboter.

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LASERTECHNIK

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Photongeburt

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ERNEUERBARE ENERGIE

Wärme aus der Erde Erdwärme aus nicht mehr gebrauchten Bohrlöchern ist unabhängig von Sonneneinstrahlung und Jahreszeiten.

Auch wenn sie nicht mehr gebraucht werden, können alte Ölbohrlöcher noch etwas bringen – und zwar Wärme aus dem Inneren der Erde. Der OMV Future Energy Fund fördert ein derartiges Projekt. Die „Geothermie aus alten Bohrlöchern“ hat nun beim Wiener Zukunftspreis, einer von der Stadt Wien und der Verlagsgruppe News initiierten Auszeichnung für innovative Firmen, den ersten Platz in der Kategorie Unternehmen gewonnen. In Österreich sind mehr als tausend Erdöl- und Erdgassonden im Einsatz, die nach dem Abschluss der Rohstoffgewinnung entfernt werden müssen. Etwa dreißig Sonden pro Jahr, die eine Tiefe zwischen 300 und 6.000 Metern erreichen, werden nicht mehr benötigt. Bohrlochwärmetauscher. Im Rahmen des Pilotprojekts soll ein Bohrlochwärmetauschersystem entwickelt werden, das effizienter arbeitet als bereits bestehende Geothermiemodelle. Die so gewonnene geothermische Energie wird Haushalte mit Wärme und Warmwasser versorgen. Die Erde heizt uns beständig ein, unabhängig von Jahreszeiten und

Sonneneinstrahlung. Im Durchschnitt wird es pro hundert Meter tiefer drei Grad wärmer, wenn man ins Innere der Erde vordringt. Die Hitze stammt einerseits aus radioaktiven Zerfallprozessen, andererseits aber auch aus dem heißen Erdkern, der die Energie aus der Zeit der Entstehung der Erde speichert. Die OMV beschäftigt sich mit erneuerbaren Energien, die sich in die Kerngeschäfte des Unternehmens integrieren lassen, und will sich damit den Herausforderungen wachsender Energienachfrage und des Klimawandels stellen. Der OMV Future Energy Fund ist eine Gesellschaft, die Projekte zum Thema erneuerbare Energien und zur Reduktion von Emissionen innerhalb des OMV-Konzerns unterstützt. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.omvfutureenergyfund.com

TEXT Elisabeth Dokaupil, Ursula Grablechner FOTOS OMV, Austrian Research Centers, Siemens

Durch die Verbindung von zwei speziellen Lasertechniken ist es österreichischen Wissenschaftern erstmals gelungen, die „Geburt“ eines Photons zu beobachten. Das neue Laserkonzept beruht einerseits auf der Fähigkeit, extrem kurze Laserpulse zu erzeugen. Auf der anderen Seite sind die Forscher auf den Bau neuartiger Quantenkaskadenlaser spezialisiert, die Terahertzstrahlung aussenden. Mithilfe ultrakurzer Laserpulse konnte das Team um Karl Unterrainer, Institut für Photonik der TU Wien, verfolgen, wie sich die Lichtteilchen im Quantenkaskadenlaser bilden und damit den – theoretisch bereits beschriebenen – „Geburtsprozess“ eines Photons bestätigen. www.tuwien.ac.at

BESCHICHTUNG

Nanoschutz Durch doppelten Nanoeffekt sollen künftig selbst empfindliche Oberflächen Schmutz nicht nur abweisen, sondern auch zerstören. Schmutzabweisende Oberflächen, die Wasser samt Verunreinigung einfach abperlen lassen – Stichwort Lotuseffekt –, werden bei Fensterscheiben, Autos oder Sanitäranlagen längst erfolgreich eingesetzt. Neuer sind Beschichtungen, die Schmutz nicht nur abweisen, sondern tatsächlich auflösen. Unter Einwirkung von Sonnenlicht bilden Nanopartikel aus Titandioxid Sauerstoffradikale. Diese zerstören, ähnlich wie bei einer Verbrennung, organische Teilchen. Das Problem dabei: Der aggressive Sauerstoff greift auch Lack oder Kunststoff an, daher funktioniert das Ganze bisher nur auf Glas. Das soll sich durch den Einsatz sogenannter Januspartikel bald ändern. Die schonenden Schmutzfresserchen bestehen nur auf einer Seite aus katalytischem Titandioxid, auf der anderen aus einem inaktiven Material, beispielsweise Silikaten. www.arcs.ac.at

Supercaps werden die neuen leistungsfähigen Doppelschichtkondensatoren genannt. Sie lassen sich sehr rasch aufladen, und das eine Million Mal.

NEUE BATTERIENGENERATION

Langlebig und leistungsstark Wer Strom sparen will, muss ihn speichern. Das gilt für Straßenbahnen und Autos, die Bremsenergie rückgewinnen, genauso wie für alternative Antriebsarten wie Hybride und Elektroautos. Die Speicher müssen nicht nur viel Kapazität haben, sie müssen auch rasch reagieren. Das alles fällt den klassischen Akkus oder Batterien ziemlich schwer. So ist etwa die Energiedichte der Batterien vergleichsweise gering. Während in einem Kilogramm Diesel 10.000 Wattstunden (Wh) stecken, enthält ein Bleiakkumulator nur 30 bis 50 Wh/kg, und dazu kann er auch nicht eben mit besonderer Leistungsdichte punkten. 300 Kilogramm Bleibatterien im Kofferraum benötigt etwa ein Elektroauto, das ähnlich beschleunigen können soll wie ein 90 kW starker Benziner. Wesentlich besser ist die Situation bereits mit Nickel-Metallhybrid-

Batterien, deren Kapazität mit 60 bis 80 Wh fast doppelt so groß ist. Eine weitere Schwierigkeit ist die relativ kurze Lebensdauer, die besonders bei der Bleibatterie eine Belastung darstellt. Dazu lassen sich Akkumulatoren nur langsam aufladen, ohne Schaden zu nehmen – bei der Rückgewinnung von Bremsenergie muss jedoch Tempo gemacht werden. Doppelschichtkondensatoren. Doch die nächste Generation, deren Nutzung Siemens intensiv vorantreibt, ist schon einsatzfähig. Doppelschichtkondensatoren, auch Supercaps genannt, speichern elektrische Energie, indem sie Ladungen trennen, sobald eine Spannung angelegt wird. Sie haben zwar nur geringe Energiedichten von drei bis fünf Wh/kg, aber extrem hohe Leistungsdichten von 2.000 bis 10.000 W/kg. Innerhalb von nur wenigen Sekunden lassen sie sich aufladen, und ihre Lebensdauer ist mit rund einer Million Ladezyklen sehr hoch. Die große Kapazität schaffen sie, weil die getrennten Ladungen nur einen Abstand in atomaren Dimensionen haben. Die Langlebigkeit hat damit zu tun, dass in ihrem Inneren nur physikalische Ladungstrennprozesse

ablaufen und keine elektrochemischen wie bei den klassischen Akkumulatoren. Für Bim, Bahn und Auto. Bei Straßen- und UBahnen werden die Kondensatorpakete entweder im Fahrzeug selbst mitgeführt oder fest in Streckenabschnitten eingebaut. Für verschiedene Hybridvarianten von Autos sind sie ebenfalls sehr gut geeignet. Generell wird die Versorgung mit elektrischer Energie im Auto immer wichtiger, weil der Umstieg von Mechanik zur Elektronik auch heikle Bereiche wie Bremsen oder Steuerung betrifft. Deshalb hat Siemens VDO ein eigenes Batterieüberwachungs- und Energiemanagement für das Auto entwickelt. Auch die Stromversorger setzen auf die neuen Speichermöglichkeiten. Die Netze unterliegen ständigen Belastungsschwankungen, auf die Turbinen nicht schnell genug reagieren können. Flexible Energiespeicher können hier einen Ausgleich schaffen. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.ct.siemens.com www.siemens.com/transportation

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TEXT Christian Pressler ■ ILLUSTRATION Christina Lehner

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BREITBAND

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Neuer Speed am Datenhighway Als Telefonleitung ist das Festnetz out. Tot ist es deshalb noch lange nicht. Ganz im Gegenteil. Mit völlig neuen Services wird gerade die Auferstehung geplant. Unter anderem bringt das Festnetz in Zukunft die neuesten Filme ins Haus. Wer TA-Festnetzchef Rudolf Fischer daher dieser Tage trifft, braucht nicht nach tröstenden Worten zu suchen. Der Mann hat eine Menge vor. „Wir starten jetzt mit Fernsehen via Internet“, verkündet Fischer. „Ab 4,90 Euro gibt es alle bekannten Programme mit Highspeed aus dem Web. Damit sind wir um bis zu 80 Prozent günstiger als andere Kabelbetreiber.“ Und noch besser: Das neue TV-Angebot mit dem Namen aonTV erspart auch den Weg zur Videothek. „Wer einen neuen Blockbuster sehen will, kann diesen bequem von zu Hause aus bestellen“, sagt Fischer. „Wir stellen den Film in Echtzeit über Breitband zu.“ 500.000 Kunden will der Festnetzchef in den nächsten drei Jahren für sein TV-Programm begeistern. 2010 soll der Festnetzrückgang endgültig gestoppt werden. „Ich gehe davon aus, dass unsere Kundenzahl dann wieder ansteigt.“ An den Tod des Festnetzes in den Haushalten glauben ohnehin nur die wenigsten. Boom der Funknetze. Zugegeben: Die Funknetze haben in den letzten Monaten gehörig aufgeholt. Vor allem die dritte Generation mit UMTS und den darauf aufbauenden Technologien wie High Speed Packet Access (HSPA) ist ein Renner. 114 Millionen UMTS-Nutzer wur-

den im September weltweit bereits gezählt. 155 entsprechende Netze in 55 Ländern sind derzeit on Air. Und die Übertragungskapazität von gegenwärtig maximal 7,2 Megabit pro Sekunde wird laufend erweitert. Trotzdem: Grenzenloses Surfen, über mehrere Leitungen parallel telefonieren und dabei noch fernsehen – da macht das beste Funknetz irgendwann schlapp. Im Festnetz aber sind diese Datenmengen kein Problem. Alles aus der Steckdose. Fischer: „Wir sorgen auch in Zukunft dafür, dass alles aus einer Steckdose kommt.“ Schützenhilfe bekommt der TA-Festnetzchef dabei von der Industrie. Die hat gerade die Entwicklung der neuen DSL-Version VDSL2 abgeschlossen. Mit diesem Standard lassen sich im Endausbau bis zu 100 Megabit pro Sekunde übertragen. Ende 2007 sollen in 26 deutschen Städten bereits Übertragungsraten von 25 bis 50 Megabit pro Sekunde möglich werden. Doch ganz einfach wird der Umstieg auf VDSL2 auch dort nicht. Denn das Glaserfasernetz wird traditionell nur von der Vermittlungsstelle bis zum Kabelverzweiger ausgelegt. Die letzten Meter bis zu den Wohnungen der VDSL2-Nutzer werden weiterhin aus Kupferkabeln bestehen. Der Grund: Es wäre zu teuer, die Leitungen von den Verteilerkästen bis in die einzelnen Wohnungen auf Glasfaser umzurüsten. Jagd durch den Kupferdraht. „Die Frage ist nun, wie sich Millionen von Bits innerhalb einer Sekunde durch Kupferdrähte jagen lassen“, sagt Matthias Leibiger vom Münchner DSL & Access Test Lab. In seinem Labor kann der Techniker die Qualitätseigenschaften der alten Leitungen oder etwa deren Querschnitt sowie unterschiedliche Konstellationen der Signalbelegung innerhalb eines Kabelbündels durchspielen und testen. Ein Problem ist dabei das physikalische Phänomen des

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»ICH GEHE DAVON AUS, DASS WIR IN DEN NÄCHSTEN DREI JAHREN RUND 500.000 KUNDEN GEWINNEN.« RUDOLF FISCHER, TELEKOM AUSTRIA

DSL dominiert Für 2009 werden 258 Mio. DSL-Nutzer prognostiziert.

Unschlagbar beim Datentransfer Ein Interview mit TA-Vorstand Rudolf Fischer über das Comeback des Festnetzes mit Fernsehen & Co.

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Sie verlieren laufend Kunden im Festnetz. Ein Grund zur Sorge? Dieser Trend betrifft nicht uns allein, sondern das gesamte Festnetz. Die steigenden Übertragungsraten im Mobilfunk und der Siegeszug des Handys wirken sich natürlich aus. Das macht mich zwar besorgt, trotzdem glaube ich an eine Trendumkehr. Wie wollen Sie diese schaffen? Ein wichtiges Standbein ist sicher das Fernsehen über Breitband. Wir bieten mit aonTV eine neue TV-Welt, die um bis zu 80 Prozent günstiger ist als die bestehende und viele Vorteile bietet. Unsere Kunden haben bis Jahresende nicht nur rund hundert Programme zur Auswahl, sie können auf Knopfdruck auch neue Filme bestellen und sich den Gang in die Videothek sparen. Darüber hinaus kann man mit aonTV zeitversetzt fernsehen. Wer etwa die „Zeit im Bild“ versäumt, holt sie sich einfach ein paar Stunden später auf den Schirm.

mit Modem – und natürlich einen Fernseher.

 

 

Ist das Fernsehen die einzige Zukunftschance für das Festnetz? Nicht die einzige, für mich aber derzeit die wichtigste. Wir investieren aktuell 80 Prozent unseres Marketingbudgets in aonTV. Die steigenden Übertragungsleistungen des Festnetzes erlauben aber eine Fülle weiterer Dienste. Ein wichtiger Geschäftszweig werden meiner Ansicht nach auch Alarmanlagen sein, die über die Festnetzleitung laufen. Das Einzige, was weiterhin zurückgehen wird, ist die Sprachtelefonie. Dafür wird der Datentransfer immer wichtiger. Und hier ist das Festnetz nun einmal unschlagbar.

Das ist ein völlig neues Geschäftsfeld für einen Festnetzanbieter. Wie viele Kunden wollen Sie damit gewinnen? Das Geschäftsfeld ist nicht neu. Wir sind Kabelanbieter wie andere auch, nur dass bei uns das Fernsehbild aus dem Telefonanschluss kommt. Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten drei Jahren rund 500.000 Kunden gewinnen. Das entspricht der Anzahl der heutigen Kabelkunden. Mit aonTV spart man sich immerhin eine Satellitenschüssel. Alles, was man braucht, ist ein Breitbandanschluss

TEXT Christian Pressler ■ FOTO Telekom Austria ■ ILLUSTRATION Christina Lehner









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INTERVIEW

Übersprechens: Eine Kupferleitung zu einem Wohnhaus wird ja nicht als einzelner Draht, sondern als Bündel geführt. Ein Kabelbündel besteht aus mehreren Grundbündeln und macht mit weiteren Kabelbündeln ein Telekommunikationskabel aus. Die einzelnen Elemente sind dabei so dicht zusammengepackt, dass ein Signal durchaus Störungen auf einer benachbarten Leitung auslösen kann. „Unser Ziel ist es also, die Effekte des Übersprechens stark zu reduzieren“, sagt Leibiger. Und die Lösung hat bereits einen Namen: Dynamic Spectrum Management oder kurz DSM. DSM berücksichtigt die jeweils vorherrschenden Übertragungsbedingungen im Kabelbündel und führt im Sendeteil der DSL-Systeme Einstellungen durch, die möglichem Übersprechen entgegenwirken. Neuere DSM-Verfahren verhindern das Übersprechen vorerst nicht und kompensieren es erst im Empfangsteil des Senders – etwa durch Rauschunterdrückung im Modem, über das Internet-TV eingespielt wird. Schnelle Fernverbindungen. Mehr Speed am Kupferkabel in die Wohnung ist eine Sache, schnelle Fernverbindungen in Ballungszentren oder zwischen Städten eine andere. Hier sind längst Glasfaserkabel als Datenhighway im Einsatz. Doch, so fürchten Experten, durch das rasante Ansteigen von Internettelefonie, Onlinevideotheken und Musikdownloads drohen auch hier Engpässe und Staus. „Das klassische leitungsvermittelnde Netz stößt etwa im Jahr 2010 an seine Grenzen“, sagt Colja

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Boom beim Ethernet

Die Industrie funkt

Der Markt wird jährlich um 51 % wachsen.

Industrial Wireless LAN ist weltweit auf dem Vormarsch.

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Quelle: ARC Advisory Group 2005

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Schubert vom Heinrich-Hertz-Institut in Berlin. Abhilfe soll in den kommenden Jahren eine Technik schaffen, die in kleinen Firmennetzwerken längst Standard ist – das Ethernet, bei dem Informationen in Datenpaketen über flexible Routen ans Ziel sausen – je nachdem wo die wenigsten Hindernisse sind und es am besten vorangeht. Der Header, ein Zahlencode an der Spitze der binären Botschaft, weist wie eine Adresse am Brief den Weg. 100 Gigabyte pro Sekunde. Derzeit sausen die Daten in Ethernet-Netzwerken in Firmen immerhin bereits mit einem Gigabyte pro Sekunde – vereinzelt schon mit bis zu zehn Gigabyte – von Computer zu Computer. In einer Glasfaser, in der für den Datenferntransport gleich mehrere Lichtwellen eingespeist sind, sollen es künftig bis zu 100 Gigabyte werden. Schubert: „Das Ethernet muss dafür an allen Ecken und Enden optimiert werden.“ Die Herausforderung dabei ist nicht nur die Geschwindigkeit pro Wellenlänge, problematisch ist auch, die anrauschende Informationsfülle bei dieser Geschwindigkeit in so kleine Häppchen zu teilen, dass sie vom Empfänger entsprechend ausgewertet werden kann. Eine solche Portionierung ist etwa in den Schaltzentralen der Telekommunikationsfirmen nötig, wo die Daten aus der Fernleitung ankommen und in die verschiedenen Stadtbezirke weitergeschickt werden. Bisher war kein Wandlerchip flink genug, eine 100Gbit/s-Datenrate zu halbieren. Bisher, wohlgemerkt. Der deutschen Firma Micram ist es

 









 

inzwischen gelungen, eine Weiche zu bauen, die die herbeieilenden Datenpakete abwechselnd auf zwei Gleise verteilt. Die Kunst dabei: Bei 100 Gigabyte pro Sekunde beträgt der Abstand zwischen zwei Datenpaketen unvorstellbar kurze zehn Pikosekunden. Zum Vergleich: In dieser Zeit legt das Licht gerade einmal zehn Millimeter zurück. Das zeigt, wie schnell die Weiche, die sich laut einer Machbarkeitsstudie übrigens kostengünstig in großen Massen fertigen lässt, arbeiten muss. Doch noch sind nicht alle Hindernisse überwunden. Denn auch beim Glasfaserkabel mit seinen Lichtwellen gibt es ein Problem, das wir zuvor beim Kupferkabel in die Wohnung kennengelernt haben. Wenn viele Signale über viele eng zusammengepresste Leitungen laufen, stören sie einander. Dynamic Spectrum Management. Jetzt gilt es also, ein Dynamic Spectrum Management auch für transkontinentale Lichtwellenmultiplexe zu finden. Sonst rauscht bei unserem IP-Gespräch mit New York ein französischer i-Tune durch den Hörer. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK

www.telekom.at www.oecd.org/sti/ict/broadband www.micram.de www.esk.fraunhofer.de

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GLASMETALL

WOLFGANG SPRENGEL, Materialphysiker an der Technischen Universität Graz: „In Metallen können amorphe Strukturen dann entstehen, wenn man die Schmelze sehr schnell abkühlt.“ Es entstehen metallische Gläser, die sehr hart und kratzfest sind.

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Metalle wie Glas Mit speziellen Verfahren bringen Materialforscher Metalle dazu, Eigenschaften von Glas anzunehmen. Solche metallischen Gläser sind zwar nicht durchsichtig, haben aber viele andere mechanische und chemische Eigenschaften, in denen sie Glas ähneln und die sie für viele Anwendungen interessant machen. Sogenannte metallische Massivgläser sind sehr hart und kratzfest und nützen sich deshalb nur schwer ab. Sie lassen sich kaum verbiegen, sind bis zur Bruchgrenze sehr elastisch, außerdem korrodieren sie nur sehr schwer und haben dazu noch beson-

dere magnetische Eigenschaften. Der große Unterschied zu normalen Metallen liegt in ihrer atomaren Struktur. Wenn geschmolzene Metalle abkühlen, ordnen sich ihre Atome normalerweise schnell in periodischen dreidimensionalen Mustern an, sie bilden Kristallgitter aus. Ein solcher metallischer Festkörper ist ein Vielkristall. Er besteht aus vielen mikroskopisch kleinen Kristallinseln, den Kristalliten. Dazwischen bilden sich Kristalldefekte: Störungen im Kristallgitter, in denen das regelmäßige Muster unterbrochen ist. „An diesen Kristalldefekten können korrosive Prozesse besonders gut angreifen“, erklärt Wolfgang Sprengel, Dozent am Institut für Materialphysik der Technischen Universität Graz. Auch mechanische Einwirkungen setzen an diesen Stellen an, wo dann winzige Körnchen abbrechen – so entsteht Abnützung. Die metallischen Gläser haben keine solchen Schwachstellen in ihrem Atomgefü-

TEXT Klaus Wassermann ■ FOTOS Head, Achim Bieniek

ge. Bei ihnen sind die Atome in einem unregelmäßigen, aber homogenen Durcheinander angeordnet. Diesen Zustand nennen die Forscher amorph. „In Metallen können amorphe Strukturen dann entstehen, wenn man die Schmelze sehr schnell abkühlt“, erklärt Materialphysiker Sprengel. Dabei geht es um bis zu zehn Millionen Grad pro Sekunde. Je dünner das metallische Glas ist, desto leichter ist dieses Kühltempo zu schaffen. Eine besondere Spezialität von Glas ist seine Eigenschaft, bei Erhöhen der Temperatur im sogenannten Glasübergang zunächst zähflüssig zu werden. Das gilt auch für metallische Gläser, die sich in diesem Stadium ähnlich wie Kunststoffe in Formen spritzen lassen. Teure Produkte. Einige spezialisierte Firmen stellen solche Metallgläser her. Die Produktionskosten sind allerdings ziemlich hoch. Metallgläser werden daher nur für hochprei-

sige Produkte verwendet, etwa exklusive Handys, die mit einer kratzfesten, spiegelglatten Hülle versehen werden. Auch für die Schlagflächen von Golfschlägern und für Tennisschläger werden metallische Massivgläser wegen ihrer besonders hohen Elastizität eingesetzt. In der Medizintechnik, Mikromechanik und zum Abschirmen von elektronischen Bauteilen werden metallische Gläser ebenfalls verwendet. Magnetetiketten. Besondere weichmagnetische Eigenschaften metallischer Gläser werden auch für Klebeetiketten zur Diebstahlsicherung genutzt. Derartige Etiketten, an deren Entwicklung Siemens beteiligt war, besitzen einen entscheidenden Vorteil: Sie können durch Knicken nicht deaktiviert werden. Materialphysiker Sprengel machte schon als Student seine ersten Erfahrungen mit metallischen Gläsern. Ende der 1980er Jahre waren sie Thema seiner Diplomarbeit. Zu der

Metallische Gläser: eine starke Mischung

ATOMARE UNORDNUNG. Normalerweise sind Metalle aus geordneten Kristalliten aufgebaut. Bei metallischen Gläsern werden Metallschmelzen aus unterschiedlich großen Atomen in einem ungeordneten, sogenannten amorphen Zustand eingefroren.

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GLASMETALL

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ZÄHFLÜSSIGES METALL. Mit dem zeitdifferenziellen Dilatometer (links) wird an der TU Graz die Ausdehnung amorpher Materialien bei Temperaturänderung gemessen. Kratzfestigkeit und Glanz von Metallgläsern gibt luxuriösen Handys einen exklusiven Touch (oben).

INFO

Wie Metall zu Glas wurde ■ 1950ER JAHRE: Der US-Amerikaner David Turnbull, ein Pionier der Materialwissenschaften, sagt voraus, dass jede Flüssigkeit so abgekühlt werden kann, dass sie in einen Glaszustand übergeht. ■ UM 1960: Forscher am California Institute of Technology entwickeln das erste amorphe Metall, eine Legierung aus drei Teilen Gold und einem Teil Silizium. In der Folge werden Legierungen aus Eisen, Nickel, Kobalt, Molybdän und Bor entwickelt. ■ 1980ER JAHRE: Das erste kommerzielle Produkt, das auf metallischen Gläsern basiert, kommt unter dem Namen Metglas auf den Markt und wird auch für die ersten Diebstahlsicherungen auf Basis dieser Technologie eingesetzt. ■ 1990ER JAHRE: Erste metallische Massivgläser mit größerer Dicke werden in Industrieprodukten verwendet. ■ DERZEIT wird besonders das Bruchverhalten metallischer Gläser im Detail erforscht. Wie herkömmliches Glas sind auch Metallgläser sehr fest und elastisch, brechen bei Belastung aber oft unvermittelt. Diese unangenehme Eigenschaft soll beispielsweise durch Kombination mit Kohlefasern bekämpft werden.

Zeit konnte auch er nur dünne Schichten des neuen Materials herstellen. „Wir spritzten damals die geschmolzene Metalllegierung auf ein sich schnell drehendes massives Kupferrad“, erinnert er sich. Kupfer leitet Wärme besonders gut und sorgt damit für die nötige schnelle Abkühlung der Schmelze. Neue Legierungen. Bald darauf wurden von anderen Forschern in den USA und in Japan immer neue Legierungen aus den unterschiedlichsten Metallmischungen entwickelt, die ein immer langsameres Abkühlen erlaubten. Das war auch die Geburtsstunde der metallischen Massivgläser, die mittlerweile eine Dicke von zehn Millimetern und mehr erreichen können. Der Trick dabei ist, mindestens drei verschiedene Atomgrößen in der Legierung so zusammenzubringen, dass sich der Kristallisationsprozess maximal verlangsamt. Die unterschiedlich großen Atome sind einander dann so sehr im Weg, dass das Metall fest wird, bevor sich die einzelnen Atome zu einem regelmäßigen Kristallgitter anordnen können. „Mit den effektivsten Legierungen bleiben die Metalle selbst noch bei Kühlraten von bis zu einigen zehn Grad pro Sekunde amorph, das ist schon ziemlich gut“, schildert Sprengel den letzten Stand der Forschung. Gemeinsam mit Forscherkollegen aus China und Deutschland hat Sprengel eine neue Theorie darüber veröffentlicht, wie der Prozess der allmählichen Verflüssigung in metallischem Glas auf der Ebene der Atome ablaufen könnte. Von Kristallen weiß man, dass beim Erhitzen einzelne Atome ihren Platz in

TEXT Klaus Wassermann ■ FOTOS Achim Bieniek, Vertu

ihrem Gitternetz verlassen, eine sogenannte Leerstelle bleibt zurück, das Material dehnt sich dabei aus. Je wärmer der Kristall wird, desto mehr solcher Leerstellen entstehen. Beim Abkühlen füllen sich diese freien Plätze wieder auf, das Material schrumpft zusammen. „Das für uns Überraschende ist, dass dieser Prozess bei amorphen Strukturen analog zu Kristallen abläuft“, erklärt Sprengel. Die Methode, dieses Phänomen zu messen, hat er vor einigen Jahren mit Kollegen an der Universität Stuttgart entwickelt und ein Messgerät gebaut. Dieses sogenannte zeitdifferenzielle Dilatometer steht nun an der Technischen Universität Graz. Flüssiges Glas. „Damit konnten wir zeigen, dass die reversible Bildung von freiem atomaren Volumen für das allmähliche Flüssigwerden von Gläsern verantwortlich sein könnte.“ Für die Zukunft plant Sprengel, diese Prozesse mit seiner Methode auch bei herkömmlichen Silikatgläsern und bei amorphen Kunststoffen zu erforschen. „Wir bewegen uns hier auf wissenschaftlichem Neuland“, sagt er. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.imp.tugraz.at www.itap.physik.uni-stuttgart.de www.pnas.org www.metglas.com www.liquidmetal.com www.vacuumschmelze.de www.vertu.com www.head.com

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INGENIEURE

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Mangelware Techniker Da nützen keine Stellenanzeigen und keine Imagekampagnen, und selbst das sonst so vielversprechende Googeln würde bei der Suche nicht weiterhelfen: Es gibt in ganz Europa zu wenige Ingenieure. Schrecken schon die meisten Männer vor einem „technischen Studium“ zurück, so ist die Situation bei den Frauen geradezu dramatisch. „Bei den Maturajahrgängen beträgt der Frauenanteil derzeit rund 57 Prozent; bei den Technik-Absolventen sind es gerade einmal 20 Prozent“, weiß Sektionschef Mag. Friedrich Faulhammer, im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung verantwortlich für Universitäten und Fachhochschulen. „Die technischen Universitäten müssen sich mehr um Frauen bemühen, sie müssen aber auch generell den Kampf um Studienanfänger aufnehmen“, wünscht sich der Experte. Wachstumsbremse. Vorstandsdirektor Dr. Georg Antesberger, Siemens AG Österreich, sieht das ähnlich: „Wir kennen das Problem des Technikermangels schon lange, es gewinnt zunehmend an Brisanz und wird zur Wachstumsbremse.“ Bisher sei es nicht gelungen, das schlechte Image der technischen Berufe nachhaltig zu verbessern: „Jeder genießt die Annehmlichkeiten der modernen Technik, aber die wenigsten wollen etwas dazu beitragen.“ Lange Ausbildung und frühzeitiger Pensionsantritt verschärfen den Technikermangel zusätzlich. Mit der Imagearbeit müsste am besten „bereits im Kindergarten begonnen werden“, wünscht sich Antesberger. Das Studium sollte beschleunigt werden, damit die Absolventen früher ins Berufsleben einsteigen, ältere Fachkräfte länger im Beruf gehalten wer-

TEXT Kurt Horwitz ■ FOTOS TU Wien, Fotosearch

den. „Wir haben gute Erfahrungen mit Teams gemacht, in denen wir ältere Techniker über 50 mit jungen Praktikanten zusammenspannen“, berichtete Antesberger in einer Podiumsdiskussion des Österreichischen Verbands für Elektrotechnik (OVE) und des Gewerbevereins. Interdisziplinäre Teams. Fachwissen allein reicht längst nicht mehr aus: „Die Bereitschaft, über Landes- und Sprachgrenzen in interdisziplinären Teams zu arbeiten, emotionale Intelligenz und Verständnis für die Wünsche der Kunden sind unerlässlich.“ Ing. Mag. Peter Koren, stellvertretender Generalsekretär der Industriellenvereinigung, gibt Antesberger recht: „Eine Umfrage unter 47 Mitgliedsbetrieben hat ergeben, dass die Unis und Fachhochschulen den Bedarf an Technikern bei weitem nicht decken.“ Neue Ausbildungsmodelle sollen Abhilfe schaffen. In der Steiermark wird die Ausbildung zum Industrietechniker getestet. Dabei schließt sich an eine dreijährige Lehre eine vierjährige Weiterbildung an. Nach sieben Jahren hat man Meisterprüfung, Matura und ein Abschlussdiplom in der Tasche. „Wir müssen unsere Grenzen öffnen und qualifizierte Kräfte ins Land holen“, meint Koren weiter. Wenn es dafür nicht schon zu spät ist:

KAMPF UM STUDIENANFÄNGER. Die technischen Universitäten müssen an Attraktivität gewinnen, vor allem Frauen sollen gezielt angesprochen werden.

„40.000 qualifizierte Slowaken arbeiten in Irland. Österreich gilt international wegen vielfacher Beschäftigungshürden als nicht besonders attraktiv.“ Ein Imageproblem sieht auch der Vizerektor der Technischen Universität Graz, Dr. Michael Muhr. Im Maschinenbau ist der Anteil der Studienanfänger rückläufig, Architektur und Informatik boomen dagegen, Biologie und Pharmazie werden vor allem von Frauen gern gewählt. Auch bei Muhr heißt das Rezept Imagekorrektur: „Die Ausbildung an den Mittelschulen ist derzeit viel zu technikfeindlich.“ Muhr nimmt allerdings auch die Industrie in die Pflicht: „Früher waren in den Vorstandsetagen mehr Techniker zu finden, heute dominieren Betriebswirte, weil sich alles um die Kosten dreht.“ Nicht alle sind knapp. Der Geschäftsführer von arsenal research, DI Anton Plimon, relativiert auch prompt: „Man darf nicht verallgemeinern. Es gibt Differenzen zwischen nachgefragten und vorhandenen Qualifikationen. Fachkräfte für den Einsatz von Elektrotechnik in Fahrzeugen oder für dezentrale Energieproduktion sind Mangelware. Da geht es um das Design ganzer Systeme und um neue Lösungen. Andererseits gibt es einen

HÖCHSTE QUALIFIKATION der MitarbeiterInnen ist im internationalen Wettbewerb ausschlaggebend.

Überschuss an Netzwerktechnikern in der Telekommunikation.“ Hans-Jörg Schweinzer, Geschäftsführer der Loytec electronics GmbH., will als Einziger in das allgemeine Klagelied über den Technikermangel nicht einstimmen. „Von unseren dreißig Mitarbeitern sind 26 hochqualifizierte Ingenieure. Wir hatten bisher keine Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden. Das läuft in einem so kleinen Betrieb vor allem über die Mundpropaganda. Mitar-

beiter holen Schul- oder Studienkollegen ins Unternehmen.“ Schweinzer räumt allerdings ein, dass das schlechte Image der technischen Berufe manchmal auch berechtigt ist: „Harte Arbeit, wenig Brot.“ Imagepflege. Um Imagepflege wird die Industrie nicht herumkommen, gibt auch Antesberger zu. „Wir haben das Betoniererimage zwar abgelegt, aber andere Branchen betreiben das bessere Marketing um tüchtige Fachkräfte.

Wir müssen an die Öffentlichkeit gehen und klar machen, dass der internationale Wettbewerb nicht mit Durchschnittsprogrammen, sondern nur mit höchster Qualifikation zu gewinnen ist.“ ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.ove.at, www.iv-net.at www.karrierekick.at

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GLOCKEN

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Tödlicher Glockenkuss

SCHWINGEN FÜR DIE WISSENSCHAFT: Im schalldichten Labor an der Fachhochschule Kempten erfassen Computer Millionen Messdaten, während Testglocken läuten.

TEXT Urs Fitze ■ FOTOS Christian Flemming

Dicke Polster sollen den Schall schlucken, doch selbst durch die geschlossene Tür dringt aus dem Versuchslabor der Fachhochschule Kempten noch leises Geläut. Hier schwingen Glocken für die Wissenschaft. In robusten Holzgestellen hängen Bronzeinstrumente, die 250 Kilogramm bis zwei Tonnen schwer sind, verkabelt mit Mikrofonen und Sensoren. Sie messen, wie sich die Glocke beim sogenannten Glockenkuss verformt, jener halben Tausendstelsekunde, in der der Stahlklöppel auf den Bronzemantel trifft. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, unter welchen Bedin-

gungen Glocken kaputt gehen und wie sich Schäden frühzeitig erkennen und verhindern lassen. Die österreichische Glockengießerei Grassmayr unterstützt das internationale Forschungsprojekt Probell. Frühe Risse. Manche Glocken weisen schon nach wenigen klingenden Jahren Risse auf. „Es muss nicht sein, dass der Gießer eine schlechte Glocke geliefert hat“, weiß Maschinenbauprofessor Andreas Rupp. Vielleicht ist auch nur der Klöppel zu groß, zu schwer, zu hart, vielleicht der Aufschlagwinkel ungünstig oder die Beschleunigung zu groß. Der Klöppel kann sich in die Bronzeschale der Glocke eingraben, es können auch feine Risse entstehen, die das langsame Sterben einläuten. Treffen auf die Schadstelle immer weiter Schläge, kann aus dem kleinen Riss eine klaffende Wunde werden. Für Andreas Rupp und sein Team ist die Forschung an der Glo-

WAS MACHT GLOCKEN KAPUTT? Wissenschaftler forschen an den Großinstrumenten.

INFO

Probell Die Europäische Union fördert das Forschungsprojekt Probell mit rund 2,5 Millionen Franken. Im Rahmen des Projekts will man herausfinden, unter welchen Bedingungen Glocken kaputt gehen und wie sich Schäden frühzeitig erkennen und verhindern lassen. Neben der Fachhochschule Kempten sind die Universitäten Padua (Italien) und Ljubljana (Slowenien) sowie acht europäische Glockengießereien beteiligt.

cke eine Herausforderung. „Bei jedem gelüfteten Geheimnis tun sich zehn neue auf“, sagt der Maschinenbauer nach 25 Monaten Intensivforschung an den Großinstrumenten. Technisch ähneln die Untersuchungen an der Glocke Belastungstests, wie sie auch im Fahrzeug- und Flugzeugbau üblich sind. Ob das Rad eines Zuges über eine Schiene rollt oder ein Klöppel auf die Glockenwand hämmert, für den Experten macht das kaum einen Unterschied. Und doch hält Rupp, der auch schon über Formel-1-Wagen forschte, die Arbeit mit „Ingenieurswerkzeug“ an den klingenden Großinstrumenten für besonders schwierig. Jede Glocke ist ein Unikat, kein

Schlag mit dem anderen vergleichbar. In der 700-jährigen Geschichte der europäischen Glockengießerei pflegten die Unternehmen ihre eigenen Traditionen. Wie stabil eine Glocke ist und wie sie tatsächlich klingt, hängt auch von Faktoren wie dem Wetter und der Temperatur beim Guss ab. Und jedes Land pflegt andere Aufhänge- und Läuttechniken. Die vielen Unterschiede erschweren die systematische Forschung. Bei Probell versuchen die Wissenschaftler, den „Fingerabdruck“ einer Glocke zu nehmen und zu verfolgen, wie er sich unter verschiedenen Schlagtechniken und Klöppeln verändert. Die Laborinstrumente erfassen in einer einzigen Sekunde Hunderttausende Messdaten, Millionen Daten sind es nach zwei Minuten Dauerläuten. Erst danach sprechen die Forscher von aussagekräftigen Werten. Doch es geht nicht nur um physikalische Kräfte, es geht auch um den Erhalt der Klangqualität, die sich allein mit technischen Geräten nicht erfassen lässt. Glockensachverständige mit geschultem Ohr begleiten deshalb einige der Versuchsreihen. Für die Labortests wurden Glocken eigens gegossen, darunter eine 2.500 Kilogramm schwere und fünf leichtere von der Grassmayr GmbH in Innsbruck. Sie sterben für die Wissenschaft im Zeitraffer. Dauerläuten. Die Forscher wollen zum Abschluss der Testreihen ein Glockenleben in mehreren hundert Stunden Dauerläuten ablaufen lassen. Dabei machen die technischen Geräte manchmal schneller schlapp als die Glocke. Auch eine der Grassmayr-Glocken war kaum totzuläuten: 300 Stunden lang drosch ein besonders schwerer Klöppel auf sie ein, erst dann sei sie zersprungen, berichtet Glockengießer Peter Grassmayr. Er sieht im Forschungsprojekt die einmalige Chance, wissenschaftlich überprüfen zu lassen, was Glockengießer an Erfahrungen über Generationen weitergegeben haben. Die Kemptner Wissenschaftler forschen nicht nur im Labor. Sie steigen auch in Kirchtürme, um Glocken zu untersuchen, so etwa die über zwanzig Tonnen schwere Pummerin im Wiener Stephansdom. „Sie ist in Ordnung. Sie wird noch lange schlagen“, stellt Rupp fest. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.probell.net www.grassmayr.at www.fh-kempten.de

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VIRTUAL VEHICLE

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WOLFGANG HIRSCHBERG: „Die Messungen am realen Fahrzeug dienen dazu, die Simulationssoftware zu optimieren."

Unterwegs in virtuellen Welten Komplexe Produkte müssen in immer kürzerer Zeit entwickelt werden. Das verlangt der Markt. Prototypen zu bauen und sie ausgiebig zu testen ist nicht schnell genug und zu teuer. „Die einzige Möglichkeit ist Computersimulation“, betont Wolfgang Hirschberg, Vorstand des Instituts für Fahrzeugtechnik der Technischen Universität Graz und wissenschaftlicher Leiter des Virtual Vehicle Competence Centers, das

sich auf die Entwicklung computergestützter Werkzeuge für Fahrzeugbauer spezialisiert hat, die ihre Entwicklungsprozesse vom Bau realer zur Programmierung virtueller Prototypen verlagern wollen. Hirschberg und seine Kollegen arbeiten daran, immer mehr Elemente der Produktentwicklung in den Computer zu verlagern und die so entstehenden virtuellen Prototypen auch in computersimulierten Umwelten zu testen. Entwicklung von Simulationstools. In den beiden größten Forschungsbereichen von Virtual Vehicle werden Simulationstools für Thermo- und Fließdynamik bei Autos und technische Lösungen für Bahnsysteme entwickelt. Eines der Projekte der Grazer Forscher

TEXT Klaus Wassermann ■ FOTOS Achim Bieniek, Virtual Vehicle

ist eine Umgebung, mit der man die Luftströmungen im Inneren eines Autos simulieren kann. „Wir haben die Fahrgastzelle mit Temperatursensoren ausgestattet, um zu messen, wie die Lüftungsanlage warme und kalte Luft im Innenraum verteilt“, erklärt Hirschberg. Die Messungen am realen Fahrzeug dienen dazu, die Simulationssoftware zu optimieren. „Wenn man das Design des Innenraums von Anfang an danach ausrichtet, wie die Luft zirkuliert, erspart man sich komplizierte und teure Nachbesserungen“, weiß Hirschberg. Schiene und Räder. Weitere Projekte beschäftigen sich mit einer Simulationsumgebung, die die in einem Motorraum entstehende Hitze und ihre Abführung ins Freie optimiert, oder

INFO

Spezialisten für Simulation Das Grazer Virtual Vehicle Competence Center entstand im Jahr 2003 als eine neuartige Form der Kooperation zwischen universitärer Forschung und Industrie. Gesellschafter des als GmbH organisierten Unternehmens sind die TU Graz, Magna Steyr, AVL List und Joanneum Research. Seit September 2007 ist auch Siemens mit zwölf Prozent daran beteiligt. „Wir sind seit der Gründung stark gewachsen und haben unsere Mitarbeiterzahl von dreißig auf neunzig gesteigert“, berichtet Jost Bernasch, Geschäftsführer des Centers. Siebzig davon arbeiten wissenschaftlich. Bernasch: „Die meisten unserer jungen MitarbeiterInnen machen ihr Doktorat bei uns.“ Vor kurzem wurde das Grazer Zentrum zudem gemeinsam mit dem Acoustic Competence Centre ACC unter dem Projekttitel „K2Mobility“ Teil der COMET Innovationsoffensive von Bund, Land Steiermark und der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Damit ist die Arbeit des Virtual Vehicle Competence Center bis 2017 gesichert.

Der Umstieg auf Simulation wirkt sich auf Kosten, Tempo und Qualität der Entwicklung positiv aus.

Simulationstools, mit denen man bei Zügen das Zusammenspiel von Schiene und Rädern perfektionieren kann. Höhere Qualität. Nicht nur auf Kosten und Tempo, auch auf die Qualität der Entwicklungsarbeit wirkt sich der Umstieg auf Simulationen positiv aus. Innovative Lösungen entstehen oft in einer sehr frühen Phase der Produktentwicklung. Dieser an sich willkommenen Kreativität im Design wirkt entgegen, dass man die Eckdaten eines Produkts wie Größe und Grundausstattung möglichst früh festlegen muss. „Mit dem Einsatz von Computertechnologie und der Simulation schon früh im Entwicklungsprozess kann man das Inno-

vationsfenster, das am Anfang eines Prozesses besonders groß ist, maximal nutzen“, ist Hirschberg überzeugt. Für die Zukunft schwebt den Ingenieuren bei Virtual Vehicle vor, komplette Fahrzeuge mit allen ihren technischen Komponenten zu simulieren und sie von virtuellen Fahrern durch simulierte Umwelten bewegen zu lassen. Ein Projekt, bei dem vielschichtige Probleme zu lösen sind. Viele der Simulationswerkzeuge, die es heute schon gibt, sind nämlich noch Insellösungen, die für enge und hochspezialisierte Bereiche entwickelt wurden. „Die Kombination der existierenden Tools ist schwierig, denn sie nutzen unterschiedliche Betriebssysteme und sind in verschiedenen Programmierumgebungen

erstellt. Zudem arbeiten sie mit unterschiedlicher Genauigkeit“, berichtet Hirschberg. Ein Ergebnis der Anstrengungen, solche Tools zu kombinieren, heißt Independent CoSimulation Environment, kurz ICOS. Es ist auf dem Markt bereits erhältlich. Mit ICOS können Entwickler schon heute bis zu fünfzehn verschiedene Simulationsumgebungen miteinander vernetzen. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.v2c2.at www.ftg.tugraz.at www.bmvit.gv.at/innovation/ strukturprogramme/comet

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STROMNETZE

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Wenn alle Strom liefern Die Brennstoffzelle im Keller, die Photovaltaikanlage auf dem Dach: In immer mehr Wohnhäusern wird Energie produziert. Für den Eigenbedarf, aber – falls Energie übrig bleibt – auch für das Netz. Mit der steigenden Zahl kleiner Erzeuger, die ihren Strom in die bestehenden Leitungsnetze einspeisen, erwarten Experten komplexe technische Herausforderungen für den Betrieb der Stromnetze. „Bei einer solchen dezentra-

len Einspeisung können die Netzbetreiber die Auslastung der Stromnetze nicht mehr wie bisher mit einfachen Mitteln zentral steuern“, weiß Hubert Fechner, Geschäftsfeldleiter für erneuerbare Energien bei arsenal research. „Bei starker dezentraler Einspeisung kann sich sogar das Stromfluss-System ändern, Strom wird dann von den niedrigen Spannungsebenen zu höheren geschickt. Diese Dynamik wird mit den heutigen Methoden und Regelmechanismen immer weniger kontrollierbar sein.“ Forscher entwickeln schon heute Methoden, um diese komplizierte Situation in den Griff zu bekommen. Grundsätzlich müssen Kraftwerke immer genau so viel Strom erzeugen, wie verbraucht wird, denn Netzstrom lässt sich nur schwer speichern.

Mit wenigen, dafür aber großen Kraftwerken ist die Steuerung der Stromproduktion vergleichsweise einfach. Man prognostiziert und misst den aktuellen Verbrauch und passt die Produktion unmittelbar an. Hat man es jedoch mit einer großen Anzahl kleiner Stromproduzenten zu tun, wird die Sache schwierig. Nach Bedarf steuern. „Um die dezentralen Erzeuger dazu zu bringen, ihre Einspeisung nach dem aktuellen Bedarf zu steuern, braucht man ausgefeilte Kommunikationssysteme, die zwischen Angebot und Nachfrage flexibel vermitteln und die Einspeisung automatisiert steuern“, sagt Fechner. Für diese Anforderungen hat Siemens mit AMIS ein System entwickelt, bei dem ein intelligenter Strom-, Gas- und Wasserzähler Produktions- und Ver-

In den E-Netzen der Zukunft wird immer mehr Strom von Privaten unterwegs sein.

TEXT Klaus Wassermann ■ FOTOS Fotosearch, Peter M. Mayr, Siemens

Hubert Fechner, arsenal research: „Beim großflächigen Einsatz von erneuerbaren Energien wie Photovoltaik benötigen wir Kommunikationssysteme, die flexibel zwischen Angebot und Nachfrage vermitteln.“

brauchsdaten erfasst und mit einer zentralen Steuerstelle kommuniziert. Die erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne, die in Europa, den USA und in Asien einen wachsenden Anteil an der Stromproduktion haben, sind besonders stark vom Wetter abhängig. „Will man damit eine verlässliche nachhaltige Stromversorgung aufbauen, muss man die wetterbedingten Produktionsschwankungen managen und sie zum Beispiel durch Regelkraftwerke und Verbrauchssteuerung ausgleichen“, erklärt Anton Heher, Leiter des Innovationsund Technologiemanagements für SmartGrids bei Siemens IT Solutions and Services. Eine Methode, die die nötige Versorgungssicherheit und Qualität sicherstellen könnte, ist die Zusammenfassung mehrerer dezentraler

Stromerzeuger zu einem sogenannten virtuellen Kraftwerk. Dabei bekommt eine Gruppe einzelner Kleinproduzenten von einer Steuerzentrale elektronische Anweisungen über das Internet, wann und wie viel Strom gebraucht wird. Bei einem Überangebot wird so die Produktion gedrosselt, bei Strommangel kann zusätzlich Strom produziert werden. Virtuelle Kraftwerke. „Damit wird sichergestellt, dass die dezentralen Kleinkraftwerke ihren Beitrag zu einer zuverlässigen Stromversorgung ebenbürtig zu den Großkraftwerken erbringen können“, sagt Heher. Siemens arbeitet bereits konkret an der Umsetzung von virtuellen Kraftwerken. Erste Pilotanlagen sollen 2008 in Betrieb gehen. Heher: „Auch in den Strominfrastrukturen der Zukunft

muss sich Produktion und Verteilung von Elektrizität für alle Beteiligten rechnen. Für die Stromkunden muss eine kostengünstige, zuverlässige und umweltfreundliche Stromversorgung gesichert werden.“ ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.arsenal.ac.at www.der-lab.net www.iea-enard.org www.smartgrids.eu www.siemens.at/it-solutions www.siemens.com/energy-automation

INFO

Europa unter Strom

Die dezentrale Einspeisung erfordert eine komplexe Steuerung der Stromversorgung.

Die europäische Politik reagiert auf den Trend zur dezentralen Stromerzeugung. Im Rahmen der Technologieplattform SmartGrids erarbeiten Vertreter aus der Industrie, Netzbetreiber, Forscher und Vertreter von Regulierungsbehörden Strategien für die Entwicklung der europäischen Stromverteilungsnetzwerke. Auch Siemens ist Teil von SmartGrids und nimmt zudem auch am österreichischen Energieforschungsprogramm „Energie der Zukunft“ teil. Arsenal Research ist bei der Forschungsplattform DERlab aktiv, einem von der Europäischen Kommission finanzierten Exzellenznetzwerk. DERlab erarbeitet Richtlinien dafür, wie die Stromnetze der Zukunft aufgebaut und betrieben werden sollen, um dezentrale Einspeisung auf hohem Qualitätsniveau zu ermöglichen. Eine Initiative der Internationalen Energieagentur, ENARD, wird Daten über die Entwicklung der Stromnetze sammeln und politische Entscheidungsträger beraten.

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ELEKTRONISCHER SCHUTZENGEL Jedes Jahr sterben in Europa Hunderte Kinder bei Unfällen mit landwirtschaftlichen Maschinen. Auf der Rieder Messe wurde ein Fahrassistenzsystem von Siemens IT Solutions and Services PSE vorgestellt, das vor Traktorunfällen schützt. Basis ist die elektrische Nahfeldkommunikation ENFC, bei der das Nahfeld um einen leitenden Körper zur kabellosen Informationsübertragung genutzt wird. Kinder werden mit Transpondern ausgestattet, Traktoren mit Detektoren. Ab einem Abstand von zwei Metern schlägt der Detektor Alarm. Da der Transponder schlummert, solange sich die Nahfeldblasen nicht berühren, kommt es zu keiner Strahlenbelastung.

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII NEWS-SNACK BUNTE USB-RAUPE

DANCING STAR

LAMPE IM MINIFORMAT

ZAHNPUTZ-NAVI

Zwei links, eins rechts, oder umgekehrt? Den Chromatic USB Hub mit seinen vier Anschlüssen können Sie sich ganz nach Ihrem Geschmack zurechtbiegen. Nur die Farben des Leichtgewichts (69 Gramm) sind vorgegeben. www.boysstuff.co.uk

Für Vielbeschäftigte, die keine Zeit für Discobesuche haben, übernimmt der USB Dancing Robot das rhythmische Schütteln und Rütteln. Gefüttert wird der Schreibtischtänzer von der Soundkarte. usb.brando.com.hk

Klassisches Lampendesign, reduziert auf eine AAA-Batterie und einen Minilampenschirm samt Kordel: Little Lamp heißt der leuchtende Winzling, für den Sie auch auf überfüllten Schreibtischen und Nachtkästchen Platz finden. Die Batterie dient gleichzeitig als Sockel, das Licht spendet eine LED. www.suck.uk.com

Zwei Minuten sind eine lange Zeit. Das wissen wir vom Zähneputzen, da liegt der landesweite Durchschnitt bei 46 Sekunden.Das separate SmartGuide-Display der Braun Oral-B Triumph überwacht die Putzdauer und den optimalen Putzdruck. Lohn für brave Putzer: ein Smiley. www.oral.com

TEXT Klemens Lendl ■ FOTOS Getty images, usb.brando.com.hk, OralB, Siemens

NEWS

hi!life

matisch die Sendeleistung in Abhängigkeit zur Entfernung der Basisstation. Bei ECOBreitbandprodukten wie Routern und Gateways lassen sich über ein User-Interface die WLAN-Sendeleistungen um 25, 50 oder 75 Prozent reduzieren bzw. ganz ausschalten. www.siemens.at/gigaset

FOTOS: INPRO SOLAR, PHILIPS, STEAMCAR.CO.UK, APA-IMAGES/DPA, PASSFACES.COM, FESTO.COM, SILHOUETTE

RFID-SYSTEM

Damit Ihr Gepäck mit Ihnen ankommt UMWELTFREUNDLICH

Wenig Verbrauch, volle Leistung Jeder Beitrag zählt, wenn es um die Umwelt geht. Siemens hat seine Schnurlostelefone und Breitbandgeräte weitgehend auf ECODECT und ECO-Broadband umgestellt. Die mit speziellen Logos gekennzeichneten Gigaset-Produkte sind besonders energiesparend und ermöglichen eine variable Reduzierung der Sendeleistung. Neue Schaltnetzteile verbrauchen um 60 Prozent weniger Energie als konventionelle Netzteile. Bei den Schnurlostelefonen sorgen Displayoptimierung und intelligentes Akkulademanagement für weniger Stromverbrauch. Steht ein Mobilteil in der Basis, wird die Sendeleistung auf nahezu Null geregelt. Zusätzlich senken alle Mobilteile bereits seit mehreren Gerätegenerationen auto-

Wieder einmal kein Gepäck bei der Ankunft nach einem langen Flug? Wenn in Zukunft RFID-Technologie eingesetzt wird, sollte das immer seltener passieren. Bei einer neuen Siemens-Lösung werden die Gepäckstücke auf einem Förderband durch einen Tunnel transportiert, der mit berührungsloser RFIDSchreib- und Lesetechnik ausgerüstet ist. Der RFID-BagTag, ein Gepäckanhänger mit inte-

grierter Antenne, Mikroprozessor und Speicher, enthält alle notwendigen Daten, die das Gepäckmanagement benötigt, um das Gepäckstück dem richtigen Flieger zuzuordnen. Die Leserate dieser Lösung ist wesentlich höher als bei herkömmlichen Barcodesystemen. Damit werden immer mehr Gepäckstücke gleichzeitig mit dem Passagier am richtigen Zielort ankommen.

KOCHEN IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII

»Im täglichen Betrieb ist die Molekularküche mit ihren Show-Effekten sehr aufwendig, außer man verlangt so viel wie El Bulli. « BERNHARD RIEDER Haubenkoch, „Das Turm“, Wien

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII CUBES ... wirklich bestechend waren...

An dem Vortrag...

TEXT Klemens Lendl ■ CUBES Peter Ahorner, Andreas Scheiblecker

... meine Pinwandnadeln!

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NEWS

SNOWBOARDEN

Sprungbilanz FOTOGRAFIE

Schlanke Optik Fotografieren mit dem Handy könnte eine völlig neue Qualität bekommen – wenn die ultraflachen gefalteten Teleoptiken Realität werden, an denen die Universität San Diego arbeitet. Den Forschern ist es bereits gelungen, in einem nur fünf Millimeter dicken optischen Kristall aus Kalziumfluorid die Strahlen acht Mal zu falten. Ein konventionelles System wäre sieben Mal dicker.

Sie wollten schon immer wissen, wie oft Sie heute mit Ihrem Snowboard einen tollen Sprung hingelegt haben? Zwei Studenten des Studiengangs Mobile Computing der Fachhochschule Hagenberg, Stefan Damm und Benjamin Gweiner, schaffen Abhilfe. Das von ihnen entwickelte Handyprogramm erfasst alle Sprünge, die Snowboarder während einer Abfahrt schaffen. Die Pleiten bleiben allerdings auch nicht verborgen, denn es werden auch alle Stürze penibel registriert. Die Anwendung „gBoarder“ nützt den Umstand, dass immer

AUSSTELLUNG

Die Kunst der Maschinen Die Österreicherin Lia zeigte bei der Ausstellung „Kunstmaschinen Maschinenkunst“, die noch bis zum 27. Jänner 2008 in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt läuft, digitale Programme, die Bilder schaffen. Beginnend mit Jean Tinguelys Zeichenmaschinen aus den 1950er Jahren, kann man sich hier mit einer Reihe von Kunstmaschinen und sich daran knüpfenden Fragen auseinandersetzen. Natürlich setzt die Schau stark auf Interaktivität, wobei ein zentraler Punkt das Internet ist. www.schirn-kunsthalle.de

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.fh-ooe.at/campus-hagenberg.html

TEXT Elisabeth Dokaupil, Ursula Grablechner ■ FOTOS apa images, I said if, Fotosearch, BMW, Siemens

mehr Handys mit Beschleunigungssensoren ausgestattet sind, und berechnet im Hintergrund in Echtzeit unterschiedliche Bewegungsmuster. Um eine erfolgreiche Snowboardbilanz ziehen zu können, muss man zuerst die Software aufs Handy laden. Das Telefon wird dann vor der Abfahrt aktiviert. Jetzt nur noch während des ganzen Tages in der Jacke stecken lassen, und schon wird mitgezählt. Für die abendlichen Diskussionen darüber, wer der beste Boarder ist, hat man dann immer handfeste Beweise in der Tasche: Das Handy ist unbestechlich. Die beiden Studenten haben für ihr Snowboardprogramm eine Juryauszeichnung beim multimedia und e-Business Staatspreis erhalten. Ein wesentlicher Grund für die Entscheidung der Jury war die einfache Bedienbarkeit der Anwendung. ■

Fahrzeuge, die einander völlig fremd sind, können Infos über Verkehrslage oder Gefahren austauschen.

CAR-TO-CAR-KOMMUNIKATION

Teamwork auf der Straße Autos werden in Zukunft selbsttätig miteinander und mit ihrer Umgebung

kommunizieren

können. Car-toCar(C2C)- oder auch Car-to-Infrastructure(C2I)Kommunikation bietet völlig neue Möglichkeiten der intelligenten Verkehrssteuerung. Fahrzeuge, die sich noch nie begegnet sind, können damit Informationen austauschen, um sich auf Gefahrensituationen aufmerksam zu machen. Dabei geht es nicht nur um allgemeine Warnungen, wie sie etwa der heutige Verkehrsfunk sendet. Auch das schnelle

Abbremsen eines vorausfahrenden Fahrzeugs, ein Hindernis oder Glatteis auf der Fahrbahn könnten erkannt und gemeldet werden. Fahrzeuge, die mit entsprechenden Sensoren ausgestattet sind, können derartige Informationen für sich selbst bereits heute erheben. Bei C2X geht es aber vor allem darum, dass aktuelles Wissen auch an die anderen Verkehrsteilnehmer weitergegeben wird. Durch dieses Teamwork auf der Straße erhöht sich die Sicherheit für alle. Ebenso ist der Informationsaustausch zwischen Autos und Ampeln oder Geschwindigkeitsanzeigen möglich. Neue Funktechnologie. Hinter C2X steckt eine neue Funktechnologie, die speziell auf die Anforderungen im Straßenverkehr zugeschnitten ist. Die Herausforderung dabei ist die notwendige Schnelligkeit, Sicherheit und

Anonymität der Übertragung. Denn wenn eine Meldung tatsächlich helfen soll, einen Auffahrunfall zu verhindern, müssen Verbindungsaufbau und Übertragung blitzschnell erfolgen. Heutige WLAN-Verbindungen schaffen das nicht, aber es wird an Weiterentwicklungen gearbeitet. „Car to X Communication ist eine technologische Herausforderung, die unsere Umgebung im Straßenverkehr hinsichtlich Sicherheit und Flüssigkeit des Verkehrs wesentlich beeinflussen wird“, ist Heinz Hubmer, Siemens, überzeugt. Siemens ist an der Entwicklung entsprechender Softwareapplikationen beteiligt. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.siemens.at/pse

ARZNEIMITTELHERSTELLUNG

Software vergleicht Wirkstoffe Dank einer neuen Softwarelösung können Medikamente künftig wesentlich schneller und effizienter entwickelt werden. Damit ein Medikament wirken kann, müssen seine chemischen Strukturen zu den Proteinstrukturen der menschlichen DNA passen. Oft werden bei der Herstellung neuer Arzneien bekannte Wirkstoffe neu kombiniert. Welche Wirkstoffe für welches Medikament in Frage kommen, wird bislang auf Basis von Erfahrungen, durch manuellen Abgleich von Datenbanken und Labortests bestimmt. Die neue Siemens-Lösung vergleicht automatisch Millionen von Einträgen in riesigen Datenbanken und erstellt eine Vorauswahl in Minutenschnelle. www.siemens.at/it-solutions hi!tech 04|07

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Amore motore Steyr Made in Austria: Der Steyr V 12/40 HP Sport Double Phaeton von 1924 hatte einen Sechs-ZylinderMotor, 3.325 cm³ Hubraum, 40 PS und erreichte 110 km/h.

Die Liebe und Leidenschaft für Autos kennt kein Alter: Blitzendes Chrom und Designs aus längst vergangenen Zeiten lassen die Herzen begeisterter Sammler und Autofreaks höher schlagen. DieTEXT Sabine Nebenführ ■ FOTOS Bernhard Angerer

WWW cover hi!biz hi!school

AUTO

se Automobile zählen längst nicht zum alten Eisen. Faszinierend schön und mit interessanter Technik unter der Haube, verblüffen sie auch im Hightechzeitalter. Der Porsche 356 ging als erster Sportwagen 1948 in Serienproduktion und war als Zweisitzer in normaler oder Coupé-Ausführung erhältlich. Gebaut wurde er bis 1965 und ist heute noch ein echter Klassiker. Prestigemodell. Der Rolls-Royce Silver Ghost wurde ursprünglich als Prestigemodell

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Packard Der erste V12-Motor mit 7.700 cm³ Hubraum und 90 PS bescherte dem Packard Twin Six Phaeton Series II von 1917 einen immensen Verkaufserfolg und Beliebtheit bei Politikern wie Mafiabossen.

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Rolls-Royce Der Silver Ghost von 1913 punktete mit einem Sechs-Zylinder-Motor, ausgeführt in zwei Blöcken zu je drei Zylindern auf einem gemeinsamen Kurbelgehäuse und einer umfangreichen Instrumentierung.

gebaut, um die Marke Rolls-Royce bekannt zu machen. Den Namen erhielt das Auto vermutlich, weil es besonders leise unterwegs war, was dem Sechs-Zylinder-Antrieb zu verdanken ist. Einzigartiges Design und Qualität haben auch heute noch ihren Preis: Der Silver Ghost hat einen Versicherungswert von 35 Millionen Dollar. Auch in Österreich verstand man es, exzellente Autos zu bauen. Der Steyr V hatte einen hervorragenden Ruf und wurde sogar von Enzo Ferrari geschätzt. Mit renntechnischen Elementen wie obenliegender Kurbelwelle und Pleuel sowie V-förmig hängenden Ventilen konnte sich der Steyr V mit Rolls-Royce und Co messen. Packard war bis Ende der 1950er Jahre für luxuriöse, mächtige Autos bekannt. Mit dem Modell Twin Six aus dem Jahr 1915 gelang dem Autohersteller eine Revolution: Der erste V12-Motor kam auf den Markt und wurde ein bahnbrechender Erfolg. Selbstverständlich werden auch heute faszinierende Autos hergestellt. 2001 wurde der Bentley Speed 8 „Le Mans“ konstruiert, um beim 24-Stunden-Rennen zu glänzen. Nach siebzig Jahren Rennabstinenz konnte man mit Audi-Know-how 2003 das Rennen für Bentley entscheiden. Ob alt oder "jung": AutoLiebe rostet nicht! Chromjuwelen. Bis zum 2. März 2008 sind diese und andere „Chromjuwelen“ in einer Ausstellung im Technischen Museum in Wien zu sehen, mit dem Siemens eine Partnerschaft verbindet. ■ www.technischesmuseum.at

TEXT Sabine Nebenführ ■ FOTOS Bernhard Angerer

Porsche Ein Vier-Zylinder-Heckmotor und Hinterradantrieb zeichnen den Porsche 356 1300 Coupé von 1951 aus. Der elegante Flitzer hatte 44 PS, 1.268 cm³ Hubraum und schaffte 145 km/h.

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AUTO

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Bentley Speed Das Siegerauto von Le Mans 2003 ist mit einem Audi-V8-Motor, einem Hubraum von 3.600 cm³ und unglaublichen 600 PS ausgestattet. Mit nur 908 Kilogramm ist der Bentley Speed 8 ein echtes Leichtgewicht.

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DIGITALES KINO

HIGHTECH-K

INOVERGNÜ

GEN in neue

r Dimension

: 4K-Movies

sind viermal

so scharf w

ie HDTV.

o n i K i g i D m i n i b h c i , g n i l r a D Ein Kino, das so scharfe Bilder liefert wie das reale Leben: Jede noch so kleine Nuance von George Clooneys Lachfältchen, das schelmische Glänzen in Brad Pitts Augen, die makellosen Zahnreihen von Matt Damon. Das ist eine neue Dimension des Films. In Guilford bei London und in Chicago haben Kinos, die das können, inzwischen geöffnet. Sie liefern brillante Bilder mit exzellenten Farben, ohne Kratzer, Rauschen oder Wackeln. Der Trick: Die sogenannten D-Cinemas sind digitale Kinos der Extraklasse, in denen Filme in 4K-Qualität von der Leinwand strahlen. 4K

steht dabei für eine Auflösung von 4.096 x 2.160 Pixel oder satten acht Megapixeln. Und das kann was, wenn man bedenkt, dass ein herkömmliches Fernsehbild in Europa gerade 0,4 und das vielgepriesene hochauflösende HDTV zwei Megapixel bietet. London und Chicago bieten derzeit das qualitativ beste DigiKino, sind aber bei weitem nicht die Einzigen, wo der Filmvorführer den Kinoabend vom Computerterminal aus steuert. In Asien wird das Konzept bereits seit Jahren umgesetzt: Am 31. Januar 2002 wurde mit The Missing Gun der erste digitale Kinofilm aus China veröffentlicht. Indien folgte am 18. April 2003 mit Hero – Love Story of a Spy und Singapur mit After School am 22. November 2003. Bis 2007 wurden allein am Subkontinent durch eine einzige Firma über 800 digitale Kinos eingerichtet. Doch in den meisten Fällen kann in den digitalisierten Häusern nicht die Qualität des analogen Zeitalters erreicht werden. Der Grund: Etwa 50 Prozent aller neuen Filme

TEXT Christian Pressler ■ FOTOS Corbis, Getty, Contrast, ARRI

werden zwar mit digitalen Kameras gedreht, doch die reichen noch nicht an die Qualität der klassischen 35-mm-Cams heran. Und selbst wenn sie das tun: Auch die Qualität der Projektoren und Leinwände ist für das absolute Filmvergnügen wesentlich. Die Ausstattung eines Saals mit der neuen Digitaltechnik für das 4K-Format kostet bis zu 55.000 Euro – und das können sich die meisten Kinobesitzer nicht leisten. Vertrieb via Breitband. Doch trotz der hohen Kosten für die Kinobesitzer und der Qualitätsprobleme drängen die großen Studios und Verleihfirmen auf den Umstieg in die digitale Welt. Analoge Filme müssen für Lichtspielhäuser in aller Welt um rund 1.000 Euro pro Stück dupliziert und dann ausgeliefert werden. Bei großen Blockbustern, die in einer Auflage von mehreren tausend Rollen starten, kommen so Millionenbeträge zusammen. Digitales Kino vereinfacht den Prozess. Filme können auch zentral über einen Satelliten oder ein Breitbandnetz in die Kinos gebracht werden. In der digitalen Welt sind der Fantasie

DIE ERSTEN KAMERAS für hochauflösende 4K-Movies sind bereits auf dem Markt. Anbieter: Arri oder Sony.

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DIGITALES KINO

Digitale Delicatessen Die Vorteile der vereinfachten Distributionswege mit digitaler Technik nutzen bereits die Arthouse-Kinos. Mehr als 200 Lichtspielhäuser in ganz Europa haben sich zum europäischen CineNet zusammengeschlossen und bringen ihre Filmprojekte digital in die Kinos. Der Berliner Verleiher Salzgeber bringt in diesem Zusammenhang das Programm „Delicatessen – Kino Kultur digitale“ heraus. Einmal pro Woche wird in allen Delicatessen-Kinos zur gleichen Zeit der gleiche Film gezeigt – und zwar digital. Delicatessen-Filme werden beim hauseigenen „digitale Cinema Service“ für die Kinos vorbereitet. Firewire-Platten dienen als Transportmittel. Die Servertechnik ist hollywoodkonform, doch die kostengünstigeren Projektoren haben eine Auflösung von nur 1,4 K. Bei den zumeist kleineren Leinwänden der Filmkunst-Kinos unterscheidet sich diese Auflösung kaum vom digitale-Cinema im 4K-Format. Es gibt auch bereits Vorführungen, nach denen der Regisseur aus London live zugeschaltet wird und mit dem Publikum in verschiedenen Kinos in Amsterdam, Wien oder Berlin diskutiert.

KINO MIT RÜCKKANAL – in Zukunft wird das Publikum nach dem Film eine Bewertung abgeben können.

und den Geschäftsmöglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Wenn die Filme von einem zentralen Server via Breitbandleitung eingespielt werden, gibt es auch einen Rückkanal. Das macht interaktive Vorführungen möglich. Das Publikum in Wien könnte nach dem Abspann mit dem Regisseur in London den Film diskutieren oder auf Knopfdruck eine Bewertung abgeben. Entsprechende Feldversuche laufen mit Arthouse-Filmen in Berlin. Großevents wie die Fußball-Europameisterschaft könnten live direkt in die Multiplexe gespielt werden. „Das digitale Kino ist keine isolierte Anstalt“, sagt Siegfried Flößel, Projektleiter beim Fraunhofer Institut für Integrierte Schaltungen. „Durch die Breitbanddistribution besteht eine Verbindung zur Außenwelt, die ungeahnte Möglichkeiten bietet.“ Nur die geeigneten Businessmodelle fehlen noch. Digi-Kino-Standard. Während die Industrie beim DVD-Nachfolger nach wie vor um einen einheitlichen Standard (nämlich Bluray oder HD-DVD) ringt, ist beim digitalen Kino die Evolution längst auf Schiene. Bereits 2005 hat sich die digitale Cinema Initiative (DCI) der großen Hollywoodkinos auf einen Standard geeinigt – von der Kodierung und Verschlüsslung bis hin zu technischen Mindestanforderungen bei Server- und Projektionstechnik. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut hat die DCI ein Prüfverfahren entwickelt, um eine Basis für die Zertifizierung von Digitalprojektoren, Servern und anderen Geräten für das digitale Kino zu schaffen. Noch ist das Angebot an Filmen im 4K-Format äußerst bescheiden. Spider-Man 3 und Ocean’s

TEXT Christian Pressler ■ FOTOS Filmkunst 66 Berlin, Filmhauskino Nürnberg, Sony

13 waren die ersten, die in dieser Auflösung gedreht wurden. Doch inzwischen sind auch hochauflösende Kameras für 4K-Movies auf dem Markt. Eine davon stammt vom Filmgerätehersteller Arri Cine Technik, eine andere von Sony. Und zur Speicherung der gewaltigen Datenmengen wurden die passenden Recorder entwickelt – einer davon heißt Megacine und stammt vom Fraunhofer IIS. Er speichert immerhin bis zu zwei Terabyte. Genug, um etwa eine Stunde in unkomprimierter digitaler Cinema-Qualität aufzuzeichnen. Versuche mit 5K-Filmen. Während die Realisierung weiterer 4K-Kinos nach London und Chicago nun im Laufe des nächsten Jahres zu erwarten ist, basteln Forscher des Fraunhofer Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST bereits an der nächsten Generation. Sie wollen hochauflösende Multiprojektionssysteme schaffen, die sich auch für Themenparks oder Spezialevents in Kinos eignen. Dafür sollen mehrere Beamer gleichzeitig und absolut synchron laufen. Damit können Filme mit einer Auflösung von 5K und mehr auf die Leinwand gebracht werden. Selbst auf gekrümmten Flächen lassen sich die Filme dann projizieren. Ein neues Verfahren kalibriert die benötigten Projektoren automatisch so, dass die Bilder der einzelnen Geräte pixelgenau aneinanderliegen. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.docuzone.at www.delicatessen.org www.arri.de www.sony.at

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LADY’S SKI

Skifahren light Frauen schwingen anders als Männer. Zumindest im Schnee, meinen die Skiproduzenten und haben mit technisch und optisch auf die Zielgruppe zugeschnittenen Modellen reagiert. Für Input und Marketing sind in aller Welt formierte Damencrews zuständig. Heads Lady-Ski sind nun elastischer als bisher gebaut und um bis zu 35 Prozent leichter, ohne dass die Damen auf das Hightechinnenleben verzichten müssen. Genauso wie in den Herrenmodellen sind Intelligent Fibers eingearbeitet, die den Ski auf harter Piste hart und auf weichem Schnee biegsam machen. Liquid Metal, das die Energie, die beim Durchbiegen der Skier entsteht, fast ohne Verlust wieder zurückgibt, ist ebenfalls vorhanden. Entscheidende Unterschiede bestehen allerdings wie bei allen anderen Produzenten rund um die Bindung. Die Bindung entscheidet. Head versetzt den Bindungsmittelpunkt um einen Zentimeter nach vor, um eine leichtere Schwungeinleitung zu erreichen. Atomic schaute den Damen auch auf die Achillessehne, die meist durch das Tragen von Stöckelschuhen etwas verkürzt ist. Auf der Bindungsplatte ist daher für Damen ein höherer Fersenstand vorgesehen. Der Bindungsmittelpunkt ist zentraler positioniert als bei den Herrenmodellen, und der Flex der Skier, die Biegsamkeit, ist höher. Leichtbauspezialist Fischer verwendet für Damenski ausschließlich Material, das extrem geringes Gewicht hat. Das gilt auch für die Bindungsplatte, die um die Hälfte weniger wiegt als konventionelle Modelle. Eine leichte selbsttragende Glasfaserschale sitzt direkt auf den Kanten. Damit erreicht man auch einen besseren Kantengriff und größere Verwindungsstabilität. Eine um acht Prozent geringere Schaumdichte und Luftkanäle im

Rossignol setzt wie die Konkurrenz auf leichte Ski und vorgerückte Bindung.

Glasfiber-Holz-Kern reduzieren das Gewicht zusätzlich. Auch Blizzard und Rossignol setzen bei ihren Damenmodellen auf Gewichtsreduktion. Beide Firmen empfehlen den Ladys zusätzlich eine Verschiebung des Bindungsmittelpunkts um einen Zentimeter in Richtung Skispitze. Der US-Skiproduzent K2 und der Franzose Dynastar sind konsequenter und verlagern gleich die gesamte Skigeometrie etwas Richtung Skispitze. Allerdings nicht bei allen Modellen. Die extrem sportlichen Damen sind wie die Männer unterwegs. Gut für alle. Doch was Damen gut tut, ist auch für Männer nicht zu verachten: Skier, die weniger aggressiv reagieren als die bisherigen Carver und kraftsparender zu fahren sind. „Die Skigeometrie hat sich etwas verändert. Die Skier sind weniger tailliert und im Bindungsbereich etwas breiter geworden“, berichtet Wolfgang Pollany, Mentalbetreuer zahlreicher Spitzensportler. Ein großer gesundheitlicher Vorteil, meint er und erwartet beim Publikumsskilauf weniger Verletzungen im Bereich des Kniegelenks. Nicht nur Frauen wollen das Skifahren leichter nehmen. ■

TEXT Günther Schweitzer ■ FOTOS Atomic, Head, Fischer, Rossignol

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.atomic.at; www.blizzard.at www.head.com; www.rossignol.com www.fischer-ski.com

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BÜCHER

hi!life

VON INGENIEUREN, DIGITALEN IMMIGRANTEN, KLEINEN FORSCHERN UND DER UNENDLICHKEIT

HI!TECH LESERAUM

W. KÖ N I G [ H R S G . ] , W. K A I S E R

GESCHICHTE DES ING ENIEURS Seit 6.000 Jahren entwickeln und bauen Ingenieure. Die Anfänge dieses Berufs lassen sich bis in den Alten Orient und die Antike zurückverfolgen. Im Mittelalter wurden wie in den nächsten Jahrhunderten auch die Künste der Ingenieure oft für Kriegszwecke genutzt, aber auch Errungenschaften wie Wasserbau sind ihnen zu verdanken. Bis zum 18. Jahrhundert hat sich die Ingenieurskunst infolge der industriellen Revolution über die ganze Welt ausgebreitet. Auch die Vergangenheitsbewältigung von Ingenieuren, die im Dienst des Nationalsozialsmus und der DDR gebaut und entwickelt haben, ist Thema. Gespickt mit vielen Bildern, wird eine lange und interessante Geschichte erzählt, eingebettet in historischen, politischen und sozialen Kontext. Hanser Verlag, 29,90 Euro

TEXT Sabine Nebenführ

B E R T R A N D , JAC Q UA R D , D E L L A N OY

RUDOLF KIPPENHAHN

DIE ZUKUNFT UNSERER ERDE

EINS, ZWEI, DREI ... UNENDLICH

Weltweite Zusammenhänge zu verstehen ist nicht einfach, in Zeiten der Globalisierung jedoch immer wichtiger. Einfluss auf die Zukunft unserer Erde hat man von jedem Ort auf diesem Planten aus. Dieses Buch zeigt Zusammenhänge und Konsequenzen von verschiedensten Entscheidungen in Bereichen wie Umwelt, Verkehr und Technik auf und erklärt, wie bedeutend diese in Zukunft für die ganze Welt sein können. Ein eindrucksvolles Buch, das mit seinen atemberaubenden Luftaufnahmen aus aller Welt Aufmerksamkeit für Themen fordert, mit denen man sich sonst vielleicht nie beschäftigen würde. Knesebeck, 29,95 Euro

Was kann man sich unter Unendlichkeit vorstellen? Unendliche Zahlen, Räume, Mengen, eine Reise in die vierte Dimension und das unendliche Weltall sollen helfen, die Grenzenlosigkeit zu begreifen. Mit viel Witz und sehr anschaulich wird hier beschrieben, was sich sonst sehr schwer fassen lässt. Piper Verlag, 18 Euro

JOHANN GÜNTHER

DIGITAL NATIVES & DIGITAL IMMIGRANTS Eine hochtechnisierte Welt verändert auch das soziale Leben. Die zunehmende Technisierung könnte zwar dem sozialen Kontakt in der realen Welt schaden, bietet aber gleichzeitig unendlich viele Möglichkeiten, mit vielen Menschen aus der ganzen Welt zu kommunizieren. Johann Günther beschäftigt sich mit diesem Problemfeld und entwickelt anhand zahlreicher Studien und Erkenntnisse eine Theorie der Auswirkungen moderner Technologien, die viele Denkanstöße liefert. Studienverlag, 23,90 Euro

JOACHIM HECKER

DAS HAUS DER KLEINEN FORSCHER Karla, Luisa, Vincent und die Katze Berleburg machen gemeinsam im Haus der Forscher viele spannende Experimente, die leicht nachzuahmen sind. rowohlt, 19,90 Euro

AIMAN ABDALL AH

PHYSIK FÄNGT UNTER DER DUSCHE AN Was passiert, wenn ich mich verliebe? Warum gähne ich? Diese und andere alltägliche Phänomene werden hier so erklärt, dass jeder sie versteht und staunt. Nebenbei wird auch über den Hintergrund von Sprichwörtern und Mythen berichtet. Wissenschaft für alle. rororo, 9,90 Euro

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IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIINFO CONTENT ■ WISSENSCHAFTLER wissen erst seit kurzem, was beim Kochen im Essen passiert.

■ MOLEKULARWISSEN wird genutzt, um völlig neue Geschmackserlebnisse zu kreieren.

KREATION VON FERRAN ADRIÀ für das spanische Restaurant El Bulli.

Geschmacksexplosionen Die Küche wird zum Labor, das Labor zur Küche. Die Grenzen zwischen Wissenschaft und traditioneller Kochkunst verschwimmen immer mehr. Seit Wissenschaftler mit Hang zu Gaumenfreuden und Spitzenköche eng

zusammenarbeiten, hat das Wort „Kochen“ einen neuen Stellenwert erhalten. Begonnen hat dieser Trend Anfang der 80er Jahre. Damals meinte der Erfinder der Molekulargastronomie, der Oxforder Physiker Nicolas Kurti, es sei traurig, dass wir die Temperatur im Inneren der Sterne besser kennen als die in einem Soufflé. Doch es hatte seine guten Gründe, warum sich Wissenschaftler nicht mit den Details unserer Menüs beschäftigten. Es mangelte einfach an experimentellen Methoden, leistungsfähigen Computern und mathe-

TEXT Günther Schweitzer ■ FOTOS ElBulli, Max-Planck-Gesellschaft

matischem Werkzeug, um ins wissenschaftliche Detail gehen zu können. Mittlerweile hat der Molekulargastronom Hervé This in seinem Labor am berühmten Collège de France in Paris herausgefunden, was im Inneren eines Soufflés geschieht. Der Dampf, der von unten aufsteigt, lässt das Soufflé aufgehen. Deshalb muss es auch von unten erhitzt werden. An der mathematischen Formel für diesen Vorgang wird in Paris noch gearbeitet. Nicht nur die Franzosen erforschen derzeit alles, was Gaumenfreuden bereitet. Auch der

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MOLEKULARKÜCHE

Physiker und Hobbykoch Thomas Vilgis am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz will wissen, was mit der weichen Materie – physikalisch gesehen Polymere und Biomoleküle – bei der Zubereitung in der Küche passiert. Beispiel Eischnee. Was er unter Molekularküche versteht, erläutert der Wissenschaftler am liebsten anhand des Schlagens von Eischnee. Dazu benötigt man Eiklar. Physikalisch sind das 10 Prozent Proteine, aus langen Ketten von Aminosäuren, und Wasser. „Wenn man diese Ketten, die in ihrer natürlichen Umgebung zu Nanokügelchen verklumpt sind, durch mechanische Einwirkung des Schneebesens zerschlägt, wickeln sie sich zu langen Fäden auf, und das bisher durchsichtige Produkt wird weiß“, erklärt Vilgis. Ähnliches passiert übrigens auch beim Erhitzen des Eiklars. Außerdem werden die Moleküle grenzflächenaktiv, das heißt, sie bilden eine Verbindung zwischen den Phasen Luft und Wasser. Landet der Schnee auf einem Backblech und wird erhitzt, verändern sich die Eiweißmoleküle neuerlich. Bei mehr als 62° C verknüpfen sie sich und bilden ein räumlich stabiles Netz-

werk. Der Hartschaum zergeht den Naschkatzen, die ihn als Windbäckerei vom Christbaum holen, dann zu Weihnachten im Mund. Im Eidotter sind die Mischungsverhältnisse anders: Es enthält 15 Prozent Proteine, 50 Prozent Wasser und 35 Prozent Lipide, Fette und fettähnliche Stoffe, darunter das Lezithin, das wiederum für das Gelingen einer ordentlichen Mayonnaise verantwortlich ist. Die grenzflächenaktiven stacheligen Moleküle sorgen an der Oberfläche der Wassertröpfchen für eine gute Verbindung mit den Fettmolekülen des Öls. „Wer zum Beispiel Eidotter nicht verträgt, könnte Mayonnaise auch aus Öl und Lezithin mit Gewürzen herstellen“, rät Vilgis. Feinschmecker-Vorschlag: Man könnte aus Orangensaft, Olivenöl und Lezithin eine Mayonnaise herstellen, die zu Lachs ganz vorzüglich passt. Die Mayonnaise sollte man übrigens erst zum Schluss salzen, empfiehlt Vilgis. Das in den Wassertröpfchen der Emulsion aufgelöste Salz trennt sich nämlich in positiv geladene Natrium- und negative Chlorionen. Und das beeinträchtigt die Fähigkeit der Lezithinmoleküle, Wasser und Öl zu verbinden.

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PROF. THOMAS VILGIS Seit 1985 ist der Physiker am Max-PlanckInstitut in Mainz Arbeitsgruppen- und Projektleiter. Außerdem lehrt er auch an der Universität Mainz. Seit Jahren weiht der Wissenschaftler in Vorträgen, als Kolumnist sowie als Buchautor und in TV-Sendungen Laien in die Physik der Küche ein. Erst kürzlich erschien sein neuestes Werk, ein Kochbuch für Kinder mit dem Titel „Die Molekülchen-Küche“.

EISCHNEE, mikroskopisch gesehen: Luftbläschen, umgeben von Proteinschichten, und dazwischen Wasser. Im Eiklar (unten) sind die langen Proteinmoleküle zuerst zu Nanokügelchen aufgewickelt und nach dem Schlagen offen.

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GERICHT BEI EL BULLI – mehr als drei Jahre Wartezeit auf ein rund dreißiggängiges Menü.

INFO

Chemiekasten für die Molekularküche GELIERMITTEL: Agar Agar: gewonnen aus der Rotalge, bis zu 60 ° C stabil Gelan: hält bis zu 70 ° C Hitze aus; lässt sich leicht und sauber schneiden Xanthan: wird durch Fermentation von Maisstärke erzeugt, besitzt eine hohe Verdickungskraft und kann sogar Alkohol eindicken Kalziumchlorid: wird benötigt, um flüssiges Algin in Kugelform zu bringen Lezithin: wird aus Soja produziert; zur Herstellung von Mayonnaisen und Schäumen in allen Geschmacksrichtungen

Entscheidende Erkenntnisse lieferten die Wissenschaftler auch für das Garen von Fleisch und Fisch. Jeder, der selbst schon gegrillt oder gebraten hat, weiß, dass die Länge der Hitzeeinwirkung auf das Fleisch oft umgekehrt proportional zur Zartheit des Stückes steht. Aufgrund der aktuellen Polymerforschung weiß Vilgis auch warum: Sowohl beim Fleisch als auch beim Fisch werden die Kollagenmoleküle (Eiweiß), die wie eine dreifach ineinander verschraubte Wendeltreppe aussehen und miteinander ein dreidimensionales Netzwerk bilden, ab einer Temperatur von 55 ° C zuerst einmal aufgelöst. Das zähe Molekülnetz geht langsam in Gelform über. Fleisch und Fisch werden zart und saftig. Steigt die Temperatur aber zu stark an, dann rollen sich die Kollagenfasern wieder zu kleinen Bällchen auf, die sich zu einem neuen Netzwerk verbinden, in dem jedoch kein Platz mehr für Wasser ist. Ein hartes und trockenes Steak sind die Folgen Langsam Braten. Molekularspezialisten empfehlen einen Braten vorerst langsam, bei einer Temperatur von 80 ° C zu garen, was bei einer kräftigen Gans einen Zeitaufwand von rund sechs Stunden bedeutet. Fisch sollte entsprechend kürzer bei maximal 58 ° C zubereitet werden. Ein saftiges Lachsfilet bringt man schon in rund 30 Minuten zur geschmacklichen Reife. In der heimischen Küche ist das nicht einfach, denn die Temperaturen müssen über relativ lange Zeit exakt eingehalten wer-

TEXT Günther Schweitzer ■ FOTOS ElBulli, Herbert Schlosser

den. Küchengräte, die das können, sind selten und ziemlich teuer. Zum neuen Niedrigtemperaturkochen gehört auch die Sous-VideTechnik aus Frankreich. Dabei wird etwa ein Filetstück samt allen Gewürzen und Zutaten in einem Vakuumbeutel eingeschweißt und im Wasser bei 58 ° C drei Stunden lang gebadet. Dekonstruktion. Die zweite Richtung der Molekularküche kann laut Vilgis am besten mit Dekonstruktion und Rekonstruktion beschrieben werden. Am Beispiel einer Karottensuppe erläutert: Das Gemüse wird mit Butter, Salz und Gewürzen gebraten, anschließend püriert und durch ein Tuch gedrückt. Der Karottensud samt allen Geschmacksstoffen wird aufgefangen und mit einem Geliermittel versetzt. In diesem Geliermittel sind die Inhalts- und Geschmacksstoffe des Karottengerichtes wie in einem Netz gefangen. Zerdrückt man den Würfel auf der Zunge oder zerbeißt ihn, kommt es zu einer wahren Geschmacksexplosion im Mund. Je nach Temperaturempfindlichkeit des Geliermittels können diese speziellen Suppenwürfel auch warm serviert werden, ohne dass sie zerfließen. Eine ganz besondere Art von Dekonstruktion von Nahrungsmitteln bietet Bernhard Rieder, Molekularkoch im „Das Turm“ in Wien-Favoriten. Der Burgenländer, der unter anderem beim berühmten spanischen Küchenalchemisten Ferran Adrià gelernt hat, entwickelt mit Studenten der TU Wien Essensparfums. Das Ziel: mit einem Sprühstoß in den Mund die Fiktion des Essensgenusses entstehen zu lassen. Bis zu 200 Mal wird da eine Speise destilliert, bis der Geruch den Vorstellungen des Kochs entspricht. Rieder ist dennoch eher Anhänger der neuen molekularen Küche als der kompletten Verfremdung von Essen. Und das ist auch weit günstiger zu haben als bei Adria, der sein Restaurant El Bulli unweit von Barcelona nur sechs Monate im Jahr öffnet. Dort muss man bis zu drei Jahre warten, um in den Genuss eines seiner rund dreißiggängigen Menüs zu kommen – und mehrere hundert Euro bezahlen. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK

www.molekularkoch.de www.boosfood.de www.mpip-mainz.mpg.de www.sha-products.com

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MOLEKULARKÜCHE

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Es geht um die Show Bernhard Rieder, Restaurant „Das Turm“ in Wien, verrät im Interview, wann und welche Gerichte er molekular kocht und wie er die Zukunft dieses Trends einschätzt. BERNHARD RIEDER kocht vor allem in der Turm Bar für seine Gäste molekular: „Dabei ist der Koch zur genauen Apothekerarbeit angehalten.“

Bernard Rieder, 32 Jahre alt, gebürtiger Purbacher (Burgenland), hat sein Handwerk als Koch an der Tourismusschule in Neusiedl am See gelernt. Bei Reinhard Gerer hat er zuerst im Corso in Wien und dann in der Eselmühle in St. Margarethen, im Inamera in Rust und schließlich im burgenländischen Kultlokal Eselböck in Schützen am Gebirge seinem Können Schliff gegeben. Auf den Geschmack der Molekularküche ist er bei Paco Roncero in Madrid gekommen, der seinerseits fünfzehn Jahre als Küchenchef im wohl berühmtesten Molekularkochtempel Europas, im El Bulli bei Barcelona, verbracht hat. Derzeit ist Bernhard Rieder Chefkoch im Restaurant „Das Turm“ in Wien. Was gefällt Ihnen an der Molekularküche? Das Spiel mit den Konsistenzen und der Temperatur in jeder Form. Sehr gerne mache ich zum Beispiel Mozzarellabällchen, die innen flüssig sind. Das hört sich kompliziert an, wie geht das? Mozzarella wird flüssig geschlagen, dann mit einer Eiskelle vorsichtig in eine Alginatlösung gelegt. Durch das Kalzium im Mozzarella bildet sich eine oberflächenaktive Schicht, die sich mit einer dünnen Haut des Geliermittels verbindet, und damit ist das Bällchen auch schon fertig. Es wird dann noch auf einen schönen Keramiklöffel gelegt, ein paar Tropfen Olivenöl auf der einen Seite und Balsamico auf der anderen – und eine gute Vorspeise, die auch das Auge erfreut, kann genossen werden. Muss man viel von Physik verstehen, um als Molekularkoch zu reüssieren?

Das gerade nicht. Man muss sich nur mit den Eckpfeilern der Molekularküche auskennen, das sind Kalziumchlorid und Alginat. Beim Abwiegen der Ingredienzien ist der Koch allerdings zur Apothekerarbeit – zu höchster Genauigkeit – angehalten. Bieten Sie im normalen Restaurantbetrieb im „Das Turm“ auch Molekulargerichte an? Auf Wunsch ja. Im Prinzip koche ich klassisch, obwohl da auch die – durch Forschung von Physikern beeinflusste – Niedrigtemperaturküche dominiert. Dazu kommt noch das Garen im Vakuumpack, das speziell in Frankreich geübt wird. Fleisch und Fisch bereitet man aber schon geraume Zeit in jedem Gastronomiebetrieb, der Klasse hat, bei niedrigen Temperaturen zu.

Hat die Molekularküche Zukunft? Als Partygag, in Gesellschaft, auf jeden Fall. Vor allem, wenn der Gast mitkochen will. Das ist wie ein Gesellschaftsspiel. Im täglichen Betrieb ist die Molekularküche mit ihren Showeffekten schon sehr aufwendig, außer man verlangt so viel wie im El Bulli für ein Menü. Unsere Gäste, aber auch Besucher aus dem Ausland erwarten sich eher gute klassische Küche. Wenn ich in unserer Turm Bar stehe, dann koche ich für die Gäste sehr gerne molekular, weil die dann was zum Staunen haben. Das hat sehr viel mit Unterhaltung zu tun. Das ist so ähnlich, als würde man kleine Taschenspielertricks für die Gäste machen. Trotz allem – die Molekularküche ist ein Trend, und da muss ein Koch mitmachen. www.dasturm.at

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NEUES AUS DER WELT DER HIGHTECH

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DETEKTIVBRILLE Was auch immer Sie wem beweisen wollen: Diese Spionbrille kann Ihnen beim Detektivspielen helfen. Sie hat eine beinahe unsichtbare Kamera eingebaut, mit der sich alles Verdächtige einfangen lässt. ■ www.spycatcheronline.co.uk

ELEKTROBIKE Leise und umweltfreundlich ist dieses Motorrad. Es fährt mit Strom und hat einen extrem leichten Kohlefaserrahmen. Angetrieben wird es durch sechs Lithium-Phosphat-Akkus. Bis zu 80 km/h schafft das Elektromotorrad, nach siebzig Kilometern heißt es allerdings an die Steckdose zum Auftanken. ■ www.enertiabike.com

TIERISCHER HELFER Diese liebenswürdige kleine Schildkröte ist ganz schön hilfsbereit: Sie ist eigentlich ein USB-Hub und bringt alle USB-Geräte unter einen Hut. Im Kopf und in den drei Beinen versteckt sich jeweils ein USB-2.0Anschluss. ■ usb.brando.com.hk

FUSS-MAUS Multitasking im Job ist schwer: gleichzeitig telefonieren, Kaffee trinken und tippen. Dazu bräuchte man eigentlich fünf Hände – oder man hat die Foot Mouse. Mit einem Fuß bedient man den Cursor, mit dem anderen klickt man sich durch die Dokumente. ■ www.bilila.com

TEXT Sabine Nebenführ ■ FOTOS spycatcheronline.co.uk, usb.brando.com.hk, Enertia Bike, Bilila, Philips, www.pleoworld.com, getty images, Sony

LICHTKUGEL Faszinierende Lichtspiele ins heimische Wohnzimmer zu holen geht jetzt ganz einfach. LivingColors von Philips zaubert mit vier Leuchtdioden bis zu 16,7 Millionen Farben auf Wände, bequem zu wählen per Fernbedienung. ■ www.philips.de

BITTE LÄCHELN! Diese Kamera mag nur lächelnde Menschen – und erkennt sie sogar automatisch. Sie löst erst aus, wenn die zu fotografierende Person die Mundwinkel in die Höhe zieht. Auch mehrere Personen sollen für die Sony Cybershot DSC-T200 kein Problem sein. ■ www.sony.de

SCHLAUER DINO Pleo der Dinosaurier kann mehr als nur putzig schauen: Er wird lebendig. Durch spezielle Sensoren kann er Objekte sehen, spricht auf Stimmen an, unterscheidet zwischen Tag und Nacht und reagiert auf Fürsorglichkeit. ■ www.pleoworld.com

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ARTLAB Darstellung von Wirklichkeit als Ausdruck von Macht.

„Powerplay“ zeigt Croitoru mit Prominenten, „Documenting Their Dream“ hat das generell standardisierte Frauenbild zum Thema.

Die andere Se eite Entlarvend kritisch sieht die rumänische Künstlerin Alexandra Croitoru alles, was rund um uns passiert. „Mit Sinn für Humor“, ergänzt sie. Ihr bevorzugtes Medium ist die Fotografie, die sie „als perfektes Mittel zur Untersuchung von Wirklichkeit“ betrachtet und auch an der Kunsthochschule in Bukarest unterrichtet. Daneben beschäftigt sich Croitoru mit Video, Installationen und – ganz traditionell, wie sie selbst auch ausgebildet wurde – Zeichnen. Politische und gesellschaftliche Trends sind zentrale Themen ihrer Werke. So zeigt etwa das Projekt „Another Black Site“, das gemeinsam mit Stefan Tiron entwickelt wurde, ver-

TEXT Elisabeth Dokaupil ■ FOTOS Achim Bieniek

lassen wirkende Gebäude. Es entsteht das Gefühl, dass sie von Geheimdiensten unter Missachtung geltender Gesetze für Verhöre, Erpressung oder Folter verwendet werden könnten. Beweis wird dafür keiner erbracht. Desorientierung, Unbestimmtheit, Verunsicherung bleiben als Nachgeschmack. Klischees, die mit Rumänien verbunden werden, soll die Serie „ROM_“ aufzeigen. Als Abbild einer Reisenden sehen wir Croitoru vor typischen europäischen Sehenswürdigkeiten mit einer Skimaske in den Farben der rumänischen Flagge. Ergänzt wurde die Serie durch „Powerplay“. Dabei wird die Künstlerin mit Prominenten aus Politik und Unterhaltungsindustrie gezeigt, die allerdings ihren Blick von der Kamera abwenden, als hätten sie gar nicht die Möglichkeit, die Situation zu kontrollieren. Ebenfalls um Klischees geht es bei „Documenting Their Dream“, einer Serie mit Hunderten standardisierten Frauenbildern.

Träume von Individuen haben angesichts der generellen Vorstellung von Weiblichkeit keinen Platz. Wo Fotografie nicht funktioniert oder besser funktionieren darf, greift Croitoru bei „Draw(ing) back“ auf das klassische Medium Zeichnung zurück, etwa bei Gebäuden, wo Fotografierverbot herrscht, oder bei Gerichtsverhandlungen. Damit betont sie, dass Darstellung von Wirklichkeit auch Ausdruck von Macht und gesellschaftlichen Interessen ist. „Wir alle wollen das Original, nicht die Kopie. Wir wollen den Augenblick festhalten und nicht die ungenaue Erinnerung daran“, weiß Croitoru und kommentiert unsere Sehnsucht ironisch mit Polaroid-Fotos von gefälschten Markenprodukten. Das Foto ist das Original, ein einmaliges, nichtreproduzierbares Kunstwerk. Polaroid-Fotografie wird sie auch in den nächsten drei Monaten beschäftigen, als Künstlerin in Residence in Prag. Hier gibt es eines der weltweit drei Studios, die Polaroid-Fotos in

Klischees, die mit Rumänien verbunden werden: In der Serie „ROM_“ posiert die Künstlerin maskiert vor europäischen Sehenswürdigkeiten.

ALEXANDRA CROITORU

großen Formaten herstellen können. „Diese einmaligen Originale sind natürlich sehr teuer. Auch diese Tatsache wird sich in meinen Werken widerspiegeln.“ Auf Details hat sie sich, wie bei den meisten ihrer Projekte, nicht frühzeitig festgelegt. Die haben nur eines gemeinsam: „Ich investiere sehr viel Energie in alle meine Kunstwerke.“ ■

ARTLAB Unter www.artlab.at werden junge KünstlerInnen präsentiert. Ihre Werke können online gekauft werden. In Zusammenarbeit mit der Galerie Ernst Hilger bietet ihnen Siemens die Chance, bekannt zu werden. In der Wiener Dorotheergasse 12 werden die Werke im Siemens_artLab ausgestellt. Kunstberatung: [email protected] www.artlab.at.

■ 1975 geboren in Bukarest, Rumänien ■ 1993–1998: University of Arts, Bukarest ■ 1999–laufend: Associate Professor am Fotografie Video Department, University of Arts, Bukarest ■ 2002–2003: Mitglied des Artphoto-MagazineGremiums, Bukarest ■ 2004–laufend: Mitglied des Galeria-Noua-Ausschusses, Bukarest ■ 2006: ArtistNe(s)t / Pro Helvetia artist-in-residence (gemeinsam mit Stefan Tiron), Sinaia, Rumänien; DIVA artist-in-residence, Kopenhagen, Dänemark ■ 2007: Futura artist-in-residence, Prag, Tschechien, Kultur Kontakt artist-in-residence, Wien, Österreich ■ lebt und arbeitet in Bukarest, Rumänien EINZELAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL) „An Exhibition about Photography“, Andreiana Mihail Gallery, Bukarest,. 2007 „No Photos“, Siemens_artLab, Wien, 2007 „A Preliminary Report on the Past and Present Use of Psychotronic Weapons of Mass Destruction in Romania“ (Performance mit Stefan Tiron), The National Museum of Art, Bukarest, 2007 „Another Black Site“ (mit Stefan Tiron), Galeria Plan B, Cluj, 2006 „ROM_“, Galeria Veza / Month of Photography, Bratislava, 2005 „Documenting their Dream“, Galeria Noua, Bukarest, 2005 „Powerplay“, H’art Gallery, Bukarest, 2004 „Untitled 1“, International Center for Contemporary Art, Bukarest, 2001

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL) „City Wall Gallery“, Plan B & GTZ Billboard Project, Sibiu / European Capital of Culture, 2007 „Here and There is Over Here“, BELEF Billboard Project, Belgrad, 2007 „2. Werk Präsentation“, Galerie Artpoint, Wien, 2007

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HISTORY

Die Transistor-Revolution Im Dezember 1947 fand in den Bell Telephone Laboratories in New Jersey eine Vorführung statt, die Technologiegeschichte schreiben sollte. Der Physiker Walter Brattain demonstrierte einen Apparat, den er mit seinen Kollegen William Shockley und John Bardeen entwickelt hatte. An das zusammengebastelt wirkende Etwas, das aus einem U-förmigen Stück Plexiglas, einem kleinen Plastikkeil mit Goldfolie und Drähten bestand, waren eine Batterie, ein Mikrofon und Kopfhörer angeschlossen. Zum Erstaunen aller Anwesenden verstärkte das fragile Ding die Stimmen derer, die in das Mikrofon sprachen. Der erste funktionstüchtige Transistor der Welt war geboren. Ablöse der Elektronenröhren. Zu dieser Zeit wurden noch Elektronenröhren zur Verstärkung elektrischer Signale verwendet. Ihre Glaskolben ähnelten Glühbirnen, sie waren groß und zerbrechlich, ihre Glühelektroden erzeugten Hitze, verbrauchten viel Strom, und nach dem Einschalten benötigten sie mehrere Sekunden zum Aufwärmen. Die Bell-Labs-Forscher Shockley, Bardeen und Brattain gelten heute als die Erfinder des Transistors. Die drei US-Forscher erhielten für ihre Arbeit mit Halbleitern und die Entdeckung des Transistoreffekts 1956 den Nobelpreis für Physik. Die ursprüngliche Idee, mit Halbleitern Strom zu regulieren, stammte allerdings von dem aus dem altösterreichischen Lemberg kommenden Physiker Julius Edgar Lilienfeld. Schon 1926 reichte Lilienfeld den ersten einer Reihe von Entwürfen für transistorähnliche Geräte bei der US-Patentbehörde ein. Er hatte damit das Prinzip des Feldeffekttransistors erfunden. Es gab in den 1920er Jahren aber noch nicht die Produktionstechniken, die nötig gewesen wären, um seine Apparate auch zu bauen.

Der erste funktionstüchtige Transistor der Welt stammt von William Shockley und seinem Team bei den Bell Labs.

Julius Edgar Lilienfeld patentierte bereits 1926 in den USA seine Idee, mit Halbleitern Strom zu regulieren.

Erster digitaler Computer. Auch bei der Entwicklung der modernen Informationstechnologien spielte der Transistor eine zentrale Rolle. Im Jahr 1946 bauten Forscher an der Universität von Pennsylvania den ersten digitalen Computer. ENIAC, abgekürzt für Electronic Numerical Integrator and Computer, füllte einen 140 Quadratmeter großen Raum und wog an die dreißig Tonnen. Die Maschine arbeitete mit 18.000 Elektronenröhren, ein eigenes Technikerteam war damit beschäftigt, laufend kaputte Röhren auszuwechseln. Schon die ersten Transistoren waren kleiner,

TEXT Klaus Wassermann ■ FOTOS Bell Labs, MPIWG

leichter, robuster und langlebiger als die Röhren und verhalfen dem Computerbau zu einem enormen Sprung nach vorne. Mit der Zeit wurden Transistoren immer kleiner und leistungsfähiger. Das zeigt sich besonders bei den sogenannten integrierten Schaltkreisen, bei denen kleinste Transistoren auf ein Stück Silikon fotografisch aufgeätzt werden. 1971 passten auf den integrierten Schaltkreis eines Intel-4004-Chips bereits 2.300 Transistoren. Bis heute ist diese Zahl regelrecht explodiert. So finden auf einem der leistungsfähigsten Chips unserer Tage, dem Dual-Core-Itanium2-Prozessor von Intel, sagenhafte 1,7 Milliarden einzelne Transistoren Platz. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO HI!LINK www.porticus.org/bell/belllabs_ transistor.html

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