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3 | 09 Das Innovationsmagazin November 2009, € 2,50 www.hitech.at hi!tech von Siemens Österreich Individuelle Therapie Die Molekularmedizin setzt...

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Dec 29, 2015 - ASIAN PAINTS I LTD. L B S MARG. BHANDUP BOMBAY. MAHARASHTRA. INDIA. INDIA. Maharashtra. 400078. HITE00000

3 | 09

Das Innovationsmagazin

November 2009, € 2,50

www.hitech.at

hi!tech von Siemens Österreich

Individuelle Therapie Die Molekularmedizin setzt bei der Zelle an

Produktiv mit RFID

Internet für fast alles

Mehr Tempo und Flexibilität in der Industrie

Web 3.0 vernetzt uns und die Umwelt

Neues Klima Energieeffizienz & Umweltschutz als Konjunkturmotor

KONSERVATIV LIEGT VOLL IM TREND.

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XxxXXSolider Finanzplan: Gerade in Zeiten großer Veränderungen ist es wichtig, rechtzeitig über Ziele zu sprechen und sich abzusichern. Reden Sie jetzt mit Ihrer Bank Austria Betreuerin oder Ihrem Betreuer über individuelle Lösungen für eine sichere finanzielle Zukunft. Termine für ein Beratungsgespräch können Sie jederzeit unter der 24h ServiceLine 05 05 05-25 und auf www.bankaustria.at vereinbaren.

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Editor ial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Dieses Heft gibt es als E-Book im Internet. Hinter unseren Icons verbirgt sich jede Menge Zusatzcontent, von Videos über Bilder bis zu Files. Ein Teil der Storys ist als Podcast abrufbar. Einen Auszug aus hi!tech veröffentlichen wir auch in Englisch und in verschiedenen südosteuropäischen Sprachen. www.hitech.at hi!tech-Homepage mit aktuellen News www.siemens.com/hitech hi!tech in vielen Sprachen

Krisen bieten Chancen. Diese Aussage trifft auf die aktuelle Wirtschaftskrise im besonderen Ausmaß zu. Denn die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher, und damit verstärkt sich der politische Konsens, dass wir beide Krisen gemeinsam bewältigen sollten – und zusätzlich auch die schwelende Energiekrise in den Griff bekommen können. Klimaschutz wird nun nicht nur als umweltpolitische Notwendigkeit, sondern auch als wirtschaftlich sinnvolle Investition in die Zukunft gesehen, die Arbeitsplätze schafft. Konjunkturprogramme bilden die finanzielle Basis dafür. Österreich entwickelt eine Energiestrategie 2020, die einen effizienteren Einsatz von Energie und einen deutlichen Anstieg des Anteils erneuerbarer Energiequellen plant. Fest steht jedenfalls, dass auch engagierte Ziele erreichbar werden, weil die Technologien dafür vorhanden sind. Nun geht es darum, zu informieren und ihren Einsatz zu fördern. Das sollte nicht zu schwierig werden, weil sich Maßnahmen zur Steigerung

der Energieeffizienz meist sehr rasch amortisieren und langfristig ein Gewinn sind. Denn Energie wird in Zukunft nicht billiger werden. Ob Gebäude, Verkehr oder Industrie: Siemens kann zu einer Steigerung der Energieeffizienz viel beitragen. Im Geschäftsjahr 2008 hat der Konzern mit 19 Milliarden Euro bereits ein Viertel des Gesamtumsatzes mit seinem Umweltportfolio gemacht. Eine Milliarde Euro wurde in die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien investiert. 2011 sollen mit grüner Technologie 25 Milliarden Euro umgesetzt werden. Lesen Sie mehr über die „Grünen Chancen“ in der Coverstory dieses Magazins. Außerdem finden Sie Beiträge über die Zukunft des Elektroautos, smarte High-Tech-Low-CostProdukte, die neuen Services des Web 3.0, moderne Labordiagnostik für individuelle Medizin, intelligente Videotechnik und Hightech für den Wintertourismus. Brigitte Ederer Vorstandsvorsitzende von Siemens Österreich

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hi!tech – das Innovations-Magazin von Siemens

Inhalt

cover

Wie Technik auf den Menschen, die Gesellschaft und die Umwelt wirkt

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Gewinn mit neuen Produkten, Verfahren, Werkstoffen, intelligenter Kommunikation

Grafik | Christina Lehner Foto | Tetra Images/Getty

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIllllllllllllllllllllllllllllllllII I mp r e s s u m

hi!tech – Das Innovationsmagazin von Siemens Österreich Herausgeber und Medieninhaber Siemens AG Österreich, Siemensstraße 92, 1210 Wien Mit der Herausgabe beauftragt Mag. Gerald Oberlik Corporate Communications (CC) Chefredaktion Dkfm. Elisabeth Dokaupil CC Redaktion Mag. Claus-Dieter Gerhalter, Ursula Grablechner, Markus Honsig, Klemens Lendl, Günther Schweitzer Anzeigen Gabriele Groulik Fotoredaktion, Vertrieb Sabine Nebenführ, Mevla Sales Telefon 05 17 07-222 07 Fax 05 17 07-53000 Grafische Gestaltung Wolfgang Lackinger Litho Repro Zwölf Druck Druckerei Berger, Horn. Mitglied im Verband für integrierte Kommunikation. [email protected] www.hitech.at Adressänderungen bitte direkt an: [email protected] E-Book ClaAn, www.claan.org

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Coverstory: Die Umwelt gewinnt . . 06

Die Zeit ist reif . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

Klimaschutz wird angesichts der Weltwirtschaftskrise nicht nur als umweltpolitische Notwendigkeit, sondern auch auch als wirtschaftlich sinnvolle Investition in die Zukunft gesehen.

Gernot Spiegelberg, Spezialist für Elektrofahrzeuge bei Siemens, über die Chancen des Elektroautos und dessen Funktion im Stromnetz.

Wirtschaftsmotor Klimaschutz . . . . 12 Dr. Claudia Kemfert, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, ist überzeugt, dass Unternehmen, die schon heute auf nachhaltige Energien setzen, gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Strom aus der Wüste . . . . . . . . . . . . . 16 Europa, den Mittleren Osten und Nordafrika mit regenerativem Strom zu versorgen ist Ziel des Projekts Desertec. Riesige Solarkraftwerke in Afrika sind ein wichtiger Teil davon.

Die große Versöhnung. . . . . . . . . . . . 18 Essay von Helmut A. Gansterer.

Die dritte TV-Dimension . . . . . . . . . 32 Das Match um die TV-Zukunft in 3D wird zwischen Sony und Panasonic in Japan ausgetragen.

IT aus den Wolken . . . . . . . . . . . . . . 34 Hard- oder Softwareleistung wird in Zukunft – je nach individuellem Bedarf – aus Servern auf der ganzen Welt via Internet ins Haus kommen.

Smart identifiziert . . . . . . . . . . . . . . 36 RFID-Chips liefern die Anweisungen, damit die Produktion immer rascher auf individuelle Kundenwünsche reagieren kann.

Hightech für neue Märkte . . . . . . . . 40 Mit Gütern auf Schiene . . . . . . . . . . 44 WLC-Geschäftsführer Gerald Retscher über die Vorteile kleiner, flexibler Anbieter beim Organisieren von Zügen für den Gütertransport.

Start

die die Muskeln 74 Geräte, vibrieren lassen, trainieren

Österreich

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effizient und schonend.

Zukunftstechnik: Die aktuellsten Forschungsergebnisse aus Österreichs Hochschulen

hi!life

Wie man mit Technik besser lebt – im Alltag, bei Sport & Spiel und in der Kunst

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Internet für fast alles . . . . . . . . . . . . 48

Urlaub – ein Wintertraum . . . . . . . . 70

Das Internet wird immer mehr zum Supernetzwerk, das als Internet der Dinge und Dienste unsere Umwelt intelligent und steuerbar macht.

Beschneiungs-, Pistenpräparierungs- und Seilbahntechnik garantieren das Urlaubsvergnügen.

Individuelle Therapie. . . . . . . . . . . . 52

Eine neue Generation von Fitnessgeräten arbeitet mit Muskelreflexen und Vibration.

Eine Kombination aus bildgebender und Labordiagnostik ermöglicht unter Einsatz neuer Biomarker präzisere Diagnosen und Therapien.

Perfekte Reparatur. . . . . . . . . . . . . . 56 An der Med Uni Graz wird an grundsätzlichen Fragen der Stammzellentherapie geforscht.

Die vierte Handygeneration . . . . . . 58 LTE ist 15-mal schneller als die bisherigen Netze.

Intelligente Beobachter. . . . . . . . . . 62 Smarte, selbstlernende Videokameras finden Personen und erkennen Risikosituationen.

für Work76 Haustier aholics: sitzt am

Wenn Muskeln schwingen . . . . . . . 74

80

Bildschirm, rollt mit den Augen, schnappt nach Fliegen. Gefüttert wird über USB. Die 1879 präsentierte erste Elektrolok der Welt, ein Elektromotor mit Rädern.

hi!toys . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Bedeutung der Veränderung . . . . . 78 Veränderungen darzustellen oder Identität zu hinterfragen sind die Themen von Kosta Tonev.

130 Jahre Elektrolok . . . . . . . . . . . . 80 Ein Zug ohne Dampf und Pferde hatte 1879 Weltpremiere. Das Interesse lärm- und staubgeplagter Städter war groß. Trotzdem dauerte es lange bis zur umfassenden Elektrifizierung.

Wenn Autos kommunizieren. . . . . . 64 … können sie einander vor Gefahren warnen, aber auch mit Ampeln verbunden werden.

den neuen Wachstumsmärkten ist 40 In intelligente Technik gefragt, an die Bedürfnisse angepasst und kostengünstig.

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IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINFO C o n te n t

■ EFFICIENCY WINS. Das Energiesparpotenzial ist hoch. In der Industrie sind mit neuen Antriebssystemen bis zu 70 Prozent möglich, bei Gebäuden 40 und im Verkehr 30 Prozent.

■ STROM ist der Energieträger der Zukunft und wird durch den Einsatz intelligenter Zähler, Netze und Endgeräte immer effizienter genutzt. ■ CLAUDIA KEMFERT: „Unternehmen, die heute schon auf nachhaltige Energien und Energieeffizienz setzen, werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.“

Die Umwelt Maßnahmen für den Klimaschutz werden in der Wirtschaftskrise nicht nur als umweltpolitische Notwendigkeit, sondern auch als sinnvolle Investition in die Zukunft gesehen, die sich rasch amortisiert.

Markus Honsig

Planet Observer/Hoa qui/eyedea/picturedesk.com

Cover

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gewinnt

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www.siemens.com/industry www.siemens.com/sbt www.siemens.com/drives www.siemens.com/mobility www.siemens.com/traffic www.siemens.com/energy www.hausgeraete.at www.siemens-vai.com www.osram.com www.siemens.com/innovation www.brainbows.com

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06 ■ 07

ALTERNATIVE WINDKRAFT. Die 6.400 Windturbinen, die weltweit von Siemens im Einsatz sind, sparen acht Millionen Tonnen CO₂.

Umwelt hat Konjunktur Der Klimawandel findet statt, und er muss gebremst werden. Darüber herrscht inzwischen rund um den Globus Einigkeit: Die Welt muss weniger Energie verbrauchen, und diese Energie muss sauber erzeugt werden. Dazu braucht es große Offshore-Windparks auf hoher See und Kraft-Wärme-Kopplungsminikraftwerke für Privathäuser, neue, smarte Netze und Elektroautos, effiziente Gasturbinen, Energiesparlampen. Diese Neuausrichtung des gesamten Energiemarktes in Richtung umweltfreundliche Erzeugung, flexible Verteilung und effiziente Nutzung markiert einen ähnlich großen technischen Umbruch, wie er zuletzt

Markus Honsig

Siemens, brainbows

Anfang der 1990er-Jahre von der Informationstechnologie eingeleitet wurde. Mehr noch: „Das Energienetz der Zukunft“, schrieb Spiegel Online, „ist eine der kühnsten Visionen der Menschheit.“ Eine Vision, die umzusetzen zwar einer riesigen Anstrengung bedarf, die aber ebenso große wirtschaftliche Chancen bietet. „Krise als Chance“ – noch selten war dieses geflügelte Wort zutreffender als in diesen Tagen. Drei Krisen bewältigen. „Der Klimaschutz ist der Weg aus der Krise. Wenn wir jetzt klug die Weichen stellen, schlagen wir drei Fliegen mit einer Klappe: die Wirtschaftskrise, die Energiekrise und die Klimakrise“, meint die Berliner Energieökonomin Claudia Kemfert. Und Eberhard Jochem, Experte für Energiewirtschaft und Ökonomie am deutschen Fraunhofer-Institut, schreibt in seiner Studie „Investitionen für ein klimafreundliches Deutschland“: „Spätestens seit der Veröffentlichung des Stern-Reports ‚Ecomics of Climate Change‘ durch die britische Regierung im Jahre 2006 ist deutlich geworden, dass Kli-

maschutz nicht nur als umweltpolitische Notwendigkeit, sondern auch als wirtschaftlich sinnvolle Investition in die Zukunft gesehen werden kann.“ In Deutschland rechnet man mit bis zu einer Million neuen Arbeitsplätzen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz. Ein starker Motor werden die hunderte Milliarden schweren Konjunkturprogramme sein, die weltweit zur Ankurbelung der Wirtschaft aufgelegt wurden und die zu einem guten Teil in neue Energieinfrastrukturen, also grüne Technologien, fließen, rund 260 Milliarden in der EU, rund 430 Milliarden weltweit. Und das ist angesichts der Herausforderungen, die der Klimaschutz darstellt, durchaus sinnvoll. Neuer Energiemix. Österreich hat sich im Rahmen der Ziele der Europäischen Union verpflichtet, den Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch von derzeit rund 24 bis 2020 auf 34 Prozent zu steigern und die Treibhausgasemissionen, die nicht dem Emissionshandel unterliegen, um 16 Prozent zu reduzieren. „Das sind sehr ambitionierte

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Ziele, und Österreich ist davon noch recht weit entfernt“, sagt Monika Langthaler, deren Agentur brainbows maßgeblich an der Ausarbeitung dieser Energiestrategie beteiligt war – und die bestenfalls ein guter Anfang ist: Denn längerfristig müssen die Ziele noch wesentlich ambitionierter sein, will man die Erwärmung der Erdoberfläche stoppen. Oder konkreter: Bis 2050 müssen die CO₂-Emissionen weltweit um 80 Prozent gesenkt werden. Technologie vorhanden. Fest steht: Klimaschutz ist möglich, weil die Technologie vorhanden ist. Klimaschutz zahlt sich aus, denn sicher ist, dass Energie nicht billiger werden wird, weder für Groß- noch für Kleinverbraucher. Außerdem könnte eine Reparatur der Folgen eines Klimawandels wesentlich kostspieliger werden, als heute in entsprechende Technologien zu investieren. Ob Gebäude, Verkehr oder Industrie: Effiziente Energietechnik rechnet sich in jedem Fall. Jochem kommt in seiner Studie zum Ergebnis, dass sich für Investoren bis 2020 „Erlöse von durchschnittlich 34 Euro je Tonne vermiedenes CO₂-Äquivalent“ ergeben. Der Energieträger der Zukunft ist Strom, weil er sauber erzeugt werden kann und extrem

flexibel einsetzbar ist. Entsprechend stark wird der Strombedarf steigen – um 60 Prozent und mehr bis zum Jahr 2030, schätzen die Experten. Grüner Strom, gewonnen aus regenerativen Quellen wie Wind, Sonne oder Wasserkraft, gehört daher zu den zentralen Säulen einer zukünftigen Energieversorgung. Im großen Stil wird das bevorzugt auf hoher See und im heißen Sand möglich sein. Megaprojekte wie Desertec zeigen, welches Potenzial die Sonnenenergie bietet. Und die Windkraft hat sich längst als ernsthafte Alternative zu fossilen Energiequellen entwickelt. Allein von Siemens sind heute weltweit mehr als 6.400 Windturbinen mit einer Spitzenleistung von 5.700 Megawatt im Einsatz, was eine jährliche Entlastung des globalen Klimahaushalts um acht Millionen Tonnen CO₂ bedeutet. Weltmarktführer ist Siemens im Offshorebereich, wo riesige Windparks in offener und rauer See errichtet werden. Dort bläst der Wind regelmäßig und kräftig, und die Anforderungen an die Technik der bis zu 105 Meter hohen Türme sind besonders hoch. Der bislang größte Windpark dieser Art, London Array, wird rund zwanzig Kilometer vor der Küste von Kent und Essex in Eng-

STROM HAT ZUKUNFT. Strom kann sauber erzeugt werden und ist extrem flexibel einsetzbar. Der Anteil an alternativen Quellen wie Sonne, Wind und Wasser steigt stark.

OFFSHORE IM TREND. Kräftiger Wind und damit auch hohe Anforderungen an die Technik.

„Österreich entwickelt derzeit eine Energiestrategie. Von den sehr ambitionierten Zielen sind wir noch recht weit entfernt.“

ENERGIE SPAREN in unterschiedlichen Ausprägungen ist das wichtigste Thema im Kampf gegen den Klimawandel.

MONIKA LANGTHALER Chefin von brainbows

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STROMAUTOBAHN. Hochleistungstransistoren, Gleichrichtermodule und Glättungsdrosseln schaffen die technischen Voraussetzungen für verlustarme Stromübertragung in China.

land gebaut. Nach seiner Fertigstellung 2012 wird er eine Leistung von 630 Megawatt bereitstellen, mit der Option, auf ein Gigawatt zu erhöhen. Die 3,6-MW-Turbinen werden von Siemens geliefert und errichtet. Langer Weg. Speziell die leistungsfähigen Alternativen Sonnenstrom aus der Wüste, Windkraft von hoher See oder Wasserkraft haben einen Nachteil: Der Weg zum Verbraucher ist meist lang, die Energie muss über weite Strecken transportiert werden. Das geht auch ohne die bisher üblichen Verluste – mittels Hochspannungsgleichstromübertragung. In China wird zurzeit eine solche Stromautobahn aufgebaut, die mit einer Spannung von 800 Kilovolt über 1.400 Kilometer eine Übertragungsleistung von fünf Gigawatt erreicht und Großstädte wie Hongkong oder Shenzen mit Wasserkraftstrom aus der Provinz Yunnan versorgen soll. Die Hochleistungstransformatoren von Siemens erzeugen eine um 60 Prozent höhere Spannung als die üblichen 500-kV-Transformatoren. Im gleichen Ausmaß reduzieren sich die Leitungsverluste. Grüne Megakraftwerke wie Desertec oder London Array werden in Zukunft von dezentralen Energieerzeugern ergänzt, von kleineren Wasserkraftwerken, Solarzellen auf Gebäuden, gasbefeuerten Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungsgeräten, die mit Wirkungsgraden von 90 Prozent und mehr sowohl elektrische Energie als auch Wärme produzieren. Netze gefordert. Dadurch ergeben sich weitere Herausforderungen für das Verteilnetz. Es muss in beide Richtungen durchlässig werden, weil immer mehr Verbraucher auch Produzenten werden und ihren überschüssigen Solarstrom vom Hausdach in das Netz speisen. Es muss flexibler und transparenter werden bis hin zum Endverbraucher, etwa durch intelligente Stromzähler wie AMIS von Siemens. Und es muss in der Lage sein, viele kleine Einheiten sinnvoll in den großen Energiemarkt zu integrieren, beispielsweise durch virtuelle Kraftwerke, die mithilfe eines dezentralen Energiemanagements mehrere Kleinkraftwerke zusammenführen können. Kurz gesagt: Es muss ein intelligentes Netz werden, ein Smart Grid, das dank Informations- und Kommunikationstechnik das bis-

Markus Honsig

Siemens

RIESIGE SOLARKRAFTWERKE werden von kleinen dezentralen Erzeugern ergänzt werden.

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THERESIENBAD IN WIEN: Weniger Wasserund Energieverbrauch durch moderne Technik. Bezahlt wird aus den Einsparungen.

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BRENNWERTKESSEL machen Haushalte zu Stromproduzenten.

INTELLIGENTE ZÄHLER wie AMIS bringen auch Kleinanbieter ins Netz.

lang hierarchisch organisierte Stromnetz zu einem dynamischen, weit verzweigten und eng verknüpften „Internet der Energie“ macht. Siemens als weltweit führender Anbieter von Smart Grids schätzt den Markt für die kommenden fünf Jahre auf rund dreißig Milliarden Euro und peilt selbst ein jährliches Wachstum von sieben Prozent in diesem Segment an. Ein Segment, das nachhaltig und langfristig zum Klimaschutz beitragen kann: Studien zufolge könnten mit intelligenten Netzen schon bis 2020 eine Milliarde Tonnen CO₂ eingespart werden. Immer mehr Kohle. So schnell kann die Welt auf fossile Energieträger aber nicht verzichten. Laut der Internationalen Energieagentur IEA wird der weltweite Strombedarf auch 2030 noch zu mehr als 50 Prozent aus fossilen Energieträgern gedeckt werden müssen. In China geht nach wie vor im Wochentakt ein Kohlekraftwerk ans Netz. Das heißt: Auch die fossile Energieerzeugung muss effizienter und sauberer werden. Ein Weg zu mehr Effizienz ist eine Steigerung des Wirkungsgrades. Spitzenreiter ist in diesem Fall die von Siemens entwickelte weltweit größte Gasturbine, die im deutschen E.ON-Kraftwerk Irsching die Testphase erfolgreich abgeschlossen hat. Das beeindruckende Ergebnis: Die Nennleistung des 440 Tonnen schweren Kolosses konnte noch einmal von

den ursprünglich geplanten 340 auf 370 Megawatt angehoben werden. Nun wird eine Dampfturbine an die Gasturbine angeschlossen, die die Leistung des Kraftwerkblocks auf insgesamt 570 Megawatt hochschraubt. Hoher Wirkungsgrad. Solche GuD-Kraftwerke gehören heute zu den umweltschonendsten konventionellen Anlagen. Die besten GuDKraftwerke erreichen einen Wirkungsgrad von bis zu 58 Prozent. Irsching wird auf 60 Pro-

zent und mehr kommen. Der kleine Unterschied hat enorme Auswirkungen. Plus zwei Prozent Wirkungsgrad sind minus 43.000 Tonnen CO₂ pro Jahr. Noch effizienter arbeitet das Kraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung, wenn Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt werden. Das GuD-Kraftwerk von BASF in Ludwigshafen erzielt beispielsweise einen Brennstoffnutzungsgrad von 90 Prozent. Leider nutzt nur ein kleiner Teil der Kraftwerke in aller Welt die moderne Technik. Würde man alle damit ausstatten, ließen sich 2,5 Milliarden Tonnen CO₂-Emissionen einsparen – das wären etwa 10 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen der Welt. CO₂ verbannen. Parallel zur Steigerung des Wirkungsgrades wird man zum Schutz des Klimas mittelfristig nicht daran vorbeikommen, Kohlendioxid aus fossilen Kraftwerken auch abzutrennen und unterirdisch zu speichern. Keine perfekte Technologie, weil sie in jedem Fall Wirkungsgrad kostet, auch wenn Siemens durch Innovationen diese Verluste besonders niedrig halten kann. Kohlendioxidabtrennung bleibt eine wirksame und unverzichtbare Brücke – so lange, bis erneuerbare Energiequellen und Einsparungsmaßnahmen den Energieverbrauch auf ein für unsere Erde verträgliches Maß reduziert haben.

CO₂-ABSCHEIDUNG IM VERSUCHSSTADIUM: Kohlekraftwerke werden klimafreundlich.

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Wirtschaftsmotor Klimaschutz Die Märkte gehören denen, die sie sehen. Dr.

Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschafts-

forschung, über Energieeffizienz und regenerative Energiequellen als Schlüsselfaktoren im Kampf gegen den Klimawandel und für neue Chancen am Markt. Der Klimawandel ist mittlerweile unbestritten. Bleibt die Frage, ob wir noch wirksam und rechtzeitig gegensteuern können. Ja, das können wir, aber wir müssen uns sehr anstrengen. Die Zusage der G-8-Länder, die globale Erwärmung bis 2100 auf zwei Grad begrenzen zu wollen, war ein erster wichtiger Schritt. Denn es bedeutet, dass alle Nationen die Treibhausgase bis 2050 um achtzig Prozent senken müssen. Es wird ein langer und mühseliger Weg werden, aber noch haben wir die Chance. Wir sollten sie nicht verpassen.

stehen, Energie massiv einzusparen. Viele Nationen, allen voran die USA und auch China, haben erkannt, dass die Wirtschaft mittel- bis langfristig auf grüne Techniken umstellen muss, um überhaupt wettbewerbsfähig zu sein. China hat sich verbindliche Ausbauziele für erneuerbare Energien gesetzt, und die USA investieren 150 Milliarden Dollar in den Ausbau erneuerbarer Energien. Fossile Energien werden knapper und teurer. Der Einsatz von heimischen Energieträgern und die Verbesserung der Energieeffizienz verbessern nicht nur Markt-

„Wenn wir jetzt klug die politischen Weichen stellen, schlagen wir drei Fliegen mit einer Klappe: die Wirtschaftskrise, die Energiekrise und die Klimakrise.“

Hängen Wirtschaftskrise, Energiekrise und Klimakrise zusammen? Können wir sie gemeinsam lösen? Wenn wir jetzt klug die politischen Weichen stellen, schlagen wir drei Fliegen mit einer Klappe: die Wirtschaftskrise, die Energiekrise und die Klimakrise. Die Verbesserung der Energieeffizienz ist volkswirtschaftlich die preiswerteste und effizienteste Möglichkeit des Klimaschutzes. Früher oder später werden alle Länder vor der Herausforderung

Markus Honsig

Energie einsparen, verstärkt Wärme und Strom gleichzeitig produzieren und nutzen, klimafreundliche Treibstoffe und Antriebstechniken einsetzen. Dazu benötigen wir deutlich mehr Forschung und Entwicklung sowie einen verstärkten Ausbau der Infrastruktur. Die größten Potenziale sehe ich in der Verbesserung der Energieeffizienz und im Energiesparen. Können wir unseren Lebensstil allein mit effizienterer Technik aufrechterhalten? Man muss sich doch nicht groß umstellen, nur klimabewusster leben, überprüfen, wo man Energie einsparen kann. Und damit entlastet man ja gleichzeitig den Geldbeutel. Klimaschutz kann Spaß machen! Und darum muss es gehen: Klimaschutz ist schick und cool und entspricht dem neuen Lifestyle! Welchen Beitrag können und müssen global agierende Konzerne wie Siemens zum Klimaschutz liefern? Unternehmen wie Siemens, die schon heute auf nachhaltige Energien und Klimaschutz setzen, werden gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die Märkte gehören denen, die sie sehen. Siemens hat den besonderen Vorteil, dass es sehr unterschiedliche Techniken anbieten kann: angefangen von Energieeffizienz bis hin zum Recycling, erneuerbaren Energien und Kraftwerkstechnik.

potenziale, sondern machen weniger stark abhängig von Energieimporten, von Angebots- und Preisschocks. Jede Volkswirtschaft ist gut beraten, diese Risiken zu minimieren. Was muss als Nächstes getan werden? Die Energieversorgung muss klimaschonend, sicher und bezahlbar sein. Das heißt, die Kohletechnologie muss umweltverträglicher werden, die erneuerbaren Energien müssen ausgebaut werden, wir müssen viel mehr

Sabine Braun, Siemens, Osram

Welche Erwartungen haben Sie an den Klimagipfel in Kopenhagen? Ich erwarte ein Folgeabkommen, das das Kyoto-Protokoll ablöst, mit verbindlichen Zielen für den Klimaschutz aller verantwortlichen Nationen. Ich weiß aber auch, dass wir die Lage pragmatisch sehen müssen und nicht allzu viel erwarten dürfen. Die USA sind zurück im Boot und werden einen Emissionsrechtehandel einrichten, den sie an das EU-System ankoppeln wollen. Auch China scheint sich zu bewegen. Australien, Kanada und vor allem Russland sind weniger positiv eingestellt. www.claudiakemfert.de

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NEUE TURBINE der E.ON in Irsching schafft Spitzenwerte bei Leistung und Wirkungsgrad. Die beste Form, Energie zu gewinnen, ist freilich immer, sie erst gar nicht zu verbrauchen. Das gilt für alle Bereiche des Lebens, für Haushalte und die Großindustrie, für unsere Autos und die öffentlichen Verkehrsmittel, für Bürogebäude und Privathäuser: Überall liegen noch ungenützte Potenziale, den Energieverbrauch mächtig zurückzufahren. Einer der größten Energieverbraucher sind die Groß-

städte dieses Planeten, in denen 80 Prozent der weltweiten Treibhausgase anfallen. Großverbraucher Stadt. In mehreren Studien, die Siemens in Auftrag gegeben hat, etwa für München und London, habe sich jeweils zwei Hauptansatzpunkte herauskristallisiert, um die CO₂-Bilanz der Metropolen deutlich zu verbessern: Gebäude und der Verkehr. Die energetische Sanierung von Gebäuden bietet

das größte Potenzial, Energie einzusparen, von der Dämmung bis zur intelligenter Klima-, Heizungs- und Lüftungstechnik. Der Weltklimarat IPCC schätzt, dass effiziente Technologien den CO₂-Ausstoß von Gebäuden bis 2030 um 40 Prozent reduzieren können. Nur ein Beleg aus dem Hause Siemens: Weltweit wurden von Siemens bisher rund 6.500 Gebäude energietechnisch optimiert und damit 2,4 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen oder eine Milliarde Euro Energiekosten eingespart. Rentable Investition. Dieses Beispiel zeigt auch, dass grüne Technologien sowohl dem Klima nützen als auch dem Menschen zugute kommen, weil ein saniertes Gebäude das angenehmere und gesündere Raumklima bietet – und sich am Ende von selbst bezahlt beziehungsweise durch Finanzierungsmodelle wie Energiespar-Contracting ohne Anfangsinvestitionen zu bekommen ist. Die Bezahlung erfolgt aus den Beträgen, die an Energie eingespart werden. In München, so die Studie, würde die Sanierung eines Großteils der Gebäude in der Stadt in den nächsten fünfzig Jahren rund dreizehn Milliarden Euro kosten, aber Einsparungen von mehr als dreißig Milliarden Euro bringen. Das gilt für jede einzelne Maßnahme: Wer im Büro, im Geschäft, im Wohnzimmer eine herkömmliche Glühbirne mit einem Wirkungsgrad von rund fünf Prozent durch eine Energiesparlampe mit einem Wirkungsgrad von 80 Prozent ersetzt, spart Energie und auf die gesamte Lebensdauer der in der Anschaffung etwas

ENERGIESPARLAMPEN senken den Stromverbrauch drastisch. SIEMENS CITY VIENNA. Intelligente Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik ist die Voraussetzung für ein Green Building.

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Zahlen, die zählen 70 % Potenzial in der Industrie Mehr als zwei Drittel der von der Industrie verbrauchten Energie entfallen auf Antriebstechniken. Speziell in der energieintensiven Produktion lassen sich durch effiziente Antriebssysteme Einsparungen von bis zu 70 Prozent erzielen. Dabei machen die Anschaffungskosten nur etwa 3 Prozent der Gesamtkosten aus. Der wahre Kostenfaktor liegt im Betrieb, zu einem Großteil im Stromverbrauch. Investitionen in moderne Antriebssysteme amortisieren sich daher sehr rasch. Experten beziffern das weltweite Einsparpotenzial an CO₂-Emissionen bei industriellen Antrieben mit 57 Megatonnen jährlich.

WÄSCHETROCKNER: Innovative Technologie reduziert den Stromverbrauch um die Hälfte.

40 % Sparen im Gebäude Heizung, Kühlung und Beleuchtung von Gebäuden sind für 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich. Allein durch Gebäudeautomation lassen sich bis zu 40 Prozent Energie einsparen. Bei einer Optimierung der gesamten Gebäudeinfrastruktur sind noch höhere Einsparungen möglich. Siemens ist Partner der Initiative Green Building der Europäischen Kommission. Als Unterzeichner muss Siemens sicherstellen, dass seine Kunden eine Verbesserung der Energieeffizienz in der Gebäudeinfrastruktur von mindestens 25 Prozent erzielen.

30 % Energie aus der Bremse Auch der öffentliche Verkehr kann beim Fahren sparen. Das reicht von Gewichtsreduktion bis zu energiesparenden Antriebslösungen. Durch die Rückspeisung der Bremsenergie lassen sich beim elektrischen Antrieb von Schienenfahrzeugen gut 30 Prozent Energie einsparen. Ein optimiertes Antriebs- und Bremsmanagement bringt es beim V-Wagen der Wiener U-Bahn auf noch deutlich mehr.

Markus Honsig

Siemens

teureren Lampe auch Geld. Ein enormes Potenzial bieten Straßenbeleuchtungen. Europaweit liegt der Anteil der Lampen auf Basis der Technik aus den 1960er Jahren bei 30 Prozent. Das bedeutet, dass jährlich 3,5 Millionen Tonnen CO₂ zu viel emittiert werden. Berechnungen gehen davon aus, dass weltweit ein Drittel des Stroms für Beleuchtung eingespart werden könnte, das wären 900 Milliarden Kilowattstunden Strom oder 450 Millionen Tonnen CO₂. Und die nächste Generation von noch effizienteren Beleuchtungskörpern wartet schon darauf, den breiten Markt zu erobern: LEDs, extrem klein und extrem effizient wie zum Beispiel die jüngste Entwicklung von Osram, die Oslon SSL, die gerade einmal drei mal drei Millimeter groß ist, aber eine Lichtausbeute von 100 Lumen pro Watt erreicht. Haushaltsgeräte tauschen. Ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz, den alle leisten können, ist der Austausch alter energiefressender Haushaltsgeräte. Der Ersatz jener 188 Millionen Geräte in Europa, die mehr als zehn Jahre alt sind, würde so viel Strom einsparen, wie zehn Millionen Haushalte jährlich benötigen. Besonders hoch ist das Sparpotenzial bei Kühlgeräten. Sie verbrauchen im Vergleich zu 1993 um 66 Prozent weniger Energie. Innovative Siemens-Technologie bringt sprunghafte Verbrauchsreduktionen. So kommt der neue Wäschetrockner blueTherm mit der Hälfte des Stroms aus, die herkömmliche Trockner der Klasse B benötigen. Das zweite große Thema in den Großstädten neben den Gebäuden ist der Verkehr. Alternative, saubere Antriebe für den Individualverkehr im Stadtbereich sind gefragt, nicht nur zum Klimaschutz, sondern auch, um in den Megastädten in Zukunft noch atmen zu können. Das Comeback des Elektroautos wird

eben vorbereitet (siehe Story Seite 24). Ausbau und dichtere Vernetzung des öffentlichen Verkehrs sind ebenfalls notwendig. Und dieser sollte auch noch möglichst effizient unterwegs sein – so wie beispielsweise die neuen U-BahnWagen, die derzeit ressourcenschonendsten Untergrundfahrzeuge der Welt, die in Wien und Oslo schon im Einsatz sind und 30 Prozent weniger Energie verbrauchen. Leichtbau und die Rückspeisung von Bremsenergie ins Netz sind dafür verantwortlich. Auch das in Österreich entwickelte Syntegra-Drehgestell von Siemens, das Antriebs-, Fahrwerks- und Bremstechnik zu einem hocheffizienten Gesamtsystem zusammenführt, spielt in dieser Liga mit. Es wiegt um 30 Prozent weniger als herkömmliche Drehgestelle, hat einen Wirkungsgrad von 96 Prozent und spart in Kombination mit Bremsenergierückgewinnung

HYBRIDBUSSE können effizient betrieben werden und sind schnell und flexibel einsetzbar.

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30 Prozent Energie. Auch moderne Hybridbusse erobern einen immer größeren Markt, weil sie schnell und flexibel einsetzbar sind, weniger Infrastruktur brauchen – eine reservierte Busspur reicht oft schon – und sehr effizient betrieben werden können. Nicht nur der Transport von Personen, auch der Gütertransport hat in einer globalen Wirtschaft enorme Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Dabei geht es keineswegs nur um die Lkw auf unseren Straßen. Weltweit werden heute bereits 95 Prozent aller Güter und Rohstoffe per Schiff transportiert. Und das lässt sich viel energiesparender bewältigen als bisher. Effizientes Energiemanagement reduziert Emissionen und Kosten. Ein Hybridantriebssystem, kombiniert mit Abwärmenutzung, bildet die Basis dafür. Efficient Industry. Rund 50 Prozent des Stromverbrauchs in den entwickelten Ländern geht aufs Konto der Industrie. Wo viel Strom verbraucht wird, ist aber auch das Einsparpotenzial entsprechend hoch. Allein in der industriellen Antriebstechnik lassen sich durch drehzahlvariable Systeme und moderne Motoren bis zu 70 Prozent Energie einsparen. Das sind 57 Millionen Tonnen CO₂ weltweit, würde man alle Antriebe dieser Erde durch entsprechende moderne Systeme ersetzen. Durch Prozessautomatisierung und intelligente Steuerung lassen sich weitere 10 bis 15 Prozent des üblichen Energieeinsatzes vermeiden. Für solche Maßnahmen in der Industrie muss man nicht einmal ein besonders aus-geprägtes grünes Gewissen haben. Sie sind eine rentable Investition, die sich sehr rasch amortisiert. Zum Beispiel in energieintensiven Bereichen wie der Papier-, Zement- oder Stahlindustrie. Wo besonders schwere Lasten bewegt werden, kann auch noch Bremsenergie zurückgewonnen werden. Bei manchen Stahlherstellern ist der Anteil der Rohstoff- und Energiekosten von 30 Prozent in den 1990er Jahren auf rund 70 Prozent gestiegen. Innovative Technologien helfen daher nicht nur der Umwelt, sondern auch der Geschäftsbilanz. Beim von Siemens VAI entwickelten Corex-Verfahren wird im Gegensatz zum herkömmlichen Hochofenprozess flüssiges Roheisen direkt aus Steinkohle, Eisenerz

INDUSTRIE: Weltweiter Einsatz moderner Systeme würde 57 Millionen Tonnen CO₂ sparen.

ENDLOSSTAHL: Neues Verfahren führt bisher getrennte Prozesse zusammen. und Pellets erzeugt. Auf die üblichen, ebenso energie- wie emissionsintensiven Zwischenschritte in der Kokerei und Sinteranlage kann verzichtet werden. Stickoxid- und Staubemissionen werden auf diesem abgekürzten Produktionsweg um bis zu 90 Prozent reduziert, Schwefeldioxid sogar um bis zu 97 Prozent. Durchaus erwünschter Nebeneffekt: Die im

Prozess entstehenden Gase können zur Stromerzeugung genutzt werden, was die CO₂-Emissionen je nach regionalem Energiemix um bis zu 30 Prozent verringert. Mit dem italienischen Stahlhersteller Arvedi hat Siemens VAI ein neues Verfahren zur Herstellung von Bandstahl entwickelt, das bereits in Betrieb ist. Dabei werden bislang getrennte Schritte zu einem einzigen Produktionsprozess verbunden, der aus flüssigem Stahl ein dünnes, endloses Stahlband erzeugt. Energieersparnis: bis zu 45 Prozent. Kostenersparnis: bis zu 50 Prozent. Wachstumsmarkt. Klimaschutz rechnet sich und ist allein deshalb ein gigantischer Wachstumsmarkt. Unternehmen, die hier einsteigen, werden gestärkt aus der Krise hervorgehen, ist Energieökonomin Kemfert überzeugt. Siemens konzentriert sich strategisch auf diesen Markt. Im Geschäftsjahr 2008 hat das Umweltportfolio mit 19 Milliarden Euro bereits ein Viertel des Gesamtumsatzes erreicht. Eine Milliarde Euro wurde in die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien investiert. 2011 sollen mit grüner Technologie bereits 25 Milliarden Euro umgesetzt werden. ■

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SOLARKRAFTWERKE in Afrika können das Fünffache an Strom eines Windparks in der Nordsee erzeugen.

Strom aus der Wüste Strom in der Sahara zu erzeugen und von dort zu den Verbrauchern nach Europa zu bringen, Solarstrom, unbegrenzt verfügbar, im großen Stil und sauber gewonnen: Diese langgehegte Vision soll nun Wirklichkeit werden. Das Projekt Desertec könnte einen Wendepunkt in der Energieversorgung des Planeten Erde markieren, den Anfang vom Ende unserer Energieprobleme – ob das die endlichen Ressourcen fossiler Energiequellen oder die damit verbundenen klimarelevanten Kohlendioxidemissionen betrifft. Desertec ist eines der größten Klimaschutzprojekte aller Zeiten.

Markus Honsig

Welche Unternehmen stehen dahinter? Hinter dieser Initiative stehen die renommiertesten und größten Adressen Deutschlands – allein deshalb darf man erwarten, dass Desertec mit entsprechender Ernsthaftigkeit vorangetrieben wird. Beteiligt sind Firmen wie die Deutsche Bank, die Energieversorger E.ON und RWE, MAN Solar Millennium und Siemens. Kein Zufall ist auch, dass sich an die Spitze der Initiative mit der Münchner Rück ein großer Versicherungskonzern gestellt hat, ein Unternehmen also, das von den Folgen des Klimawandels ganz besonders betroffen ist. Ist es technisch machbar? Die Idee, Strom in der Wüste zu erzeugen und nach Europa zu transportieren, stützt sich auf zwei Technologien, die schon heute erfolgreich eingesetzt werden: erstens das solarthermische Kraftwerk (CSP), das im Grunde wie ein Kohledampfkraftwerk funktioniert und die bevorzugte Technologie für die Nutzung von

Siemens, Desertec Foundation

Sonnenenergie in Regionen mit direkter und intensiver Sonneneinstrahlung ist. Ihr besonderer Vorteil: Die gewonnene Wärme kann unkompliziert gespeichert und zum Beispiel erst in der Nacht an den Dampfkreislauf wieder abgegeben werden. Die zweite etablierte Technologie ist die Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ). Siemens etwa errichtet derzeit in China und Indien solche Stromautobahnen, die mit hohem Wirkungsgrad und sehr geringen Verlusten von drei bis fünf Prozent pro 1.000 Kilometer arbeiten. Wie viel Fläche braucht man? Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) könnten bis 2050 rund 17 Prozent des europäischen Strombedarfs durch Importe von Sonnenenergie gedeckt werden. Dazu braucht es 2.500 Quadratkilometer Wüste für die Kraftwerke, 0,02 Prozent der zwölf Millionen Quadratkilometer großen Wüstenfläche in der Region Nordafrikas und des Mittleren

Energiealternative Desertec Ostens. Dazu kommen 3.500 Quadratkilometer für die HGÜ-Leitungen. Diese Gesamtfläche von 6.000 Quadratmetern entspricht ungefähr dem Nasser-Stausee in Ägypten, der weniger als drei Gigawatt elektrische Leistung liefert. Die Solarkraftwerke würden im Vergleich 100 Gigawatt liefern. Noch eindrucksvoller die weiteren Perspektiven: Das DLR schätzt das Gesamtpotenzial der Wüsten und Halbwüsten auf 3.000.000 Terawattstunden pro Jahr, derzeit werden global gerade einmal 18.000 Terawattstunden pro Jahr verbraucht. Wie effizient arbeiten Solarkraftwerke? Die besten Offshorewindparks und Wasserkraftwerke erreichen bis zu maximal 50 Gigawattstunden pro Quadratkilometer und Jahr. Ein solarthermisches Kraftwerk in Nordafrika kann bis zu 250 Gigawattstunden pro Quadratkilometer und Jahr erreichen. Auch in Zukunft wird es einen sinnvollen Mix aus allen erneuerbaren Energiequellen geben müssen,

aber die Stromimporte aus der Europa, den Mittleren Osten und Nordafrika mit Strom aus Sahara sind eine ideale ausgleiregenerativen Energiequellen versorgen: Das ist das Ziel des Projekts Desertec. Riesige Solarkraftwerke in den afrikachende Ergänzung für erneuernischen Wüsten sollen den entscheidenden Beitrag leisten. bare Energiequellen wie etwa die fluktuierende Windkraft langfristige staatliche Abnahmeverträge, die von der Nordsee. Auch wird man vorläufig die nötigen Investitionen absichern. zur Abdeckung der Spitzenlasten auf fossile Energiequellen nicht verzichten können, zum Wie geht es weiter? Zunächst gilt es, entspreBeispiel auf schnell regelbare Gaskraftwerke. chende Verhandlungen und Kooperationen zwischen den beteiligten Ländern in Gang Ist das Projekt finanzierbar? Die DLR-Studie zu bringen, Informationskampagnen zu inirechnet mit 400 Milliarden Euro Gesamtkosten tiieren, konkrete Machbarkeitsstudien anzubis 2050, für den Bau von fünfzig Kraftwerken fertigen. Ein erstes 1-GW-Kick-off-Projekt zur und HGÜ-Leitungen mit einer GesamtkapaziDemonstration der Technologie könnte in tät von 100 Gigawatt. Kosten, die sich durch Ägypten entstehen. den Verkauf von Strom wieder amortisieren ■ werden. Geht man davon aus, dass die Brennstoffpreise in Zukunft steigen und die Technologiekosten sinken werden, könne man IIIIIIIIIIIIIIIIINFO hi!link schon 2020 mit einer Kostengleichheit zur www.desertec.org herkömmlichen Energieversorgung rechnen, www.siemens.com/energy so das DLR. Voraussetzung sind allerdings

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hi!comment Helmut A. Gansterer

Die große Versöhnung Grünes und unternehmerisches Denken sind keine Widersprüche mehr. Bei Goethe heißt es: „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.“ Talentierte Grantscherben, die immer nur das Finstere wahrnehmen, werden die Zuversicht Goethes verlachen. In Einzelfällen mögen sie recht haben. Wir kennen Schicksale, die eher Joseph Roths berührender Hauptfigur „Hiob“ gleichen: einem Mann, der trotz allen Bemühens ewig auf Erlösung warten muss, vielmehr ein Unglück ums andere auf sich zieht. Wer freilich bereit ist, vom Einzelfall abzusehen und die Geschichte der Menschheit aus der Vogelperspektive zu mustern, wird Schönes erkennen. Die fünf Jahrtausende, über die uns Aufzeichnungen vorliegen, sind unterm Strich eine Erfolgsgeschichte. Im Wege von Trial and Error – Versuch und Irrtum – ist unendlich vieles, was schlecht war, gut geworden. Auf lange Sicht hat sich alles Streben gelohnt. Noch vor hundert Jahren hätte beispielsweise niemand geglaubt, es werde jemals eine erfolgreiche Aufklärung geben, also Demokratien an Stelle von Diktaturen „gottgewollt höherer Menschen“ wie Aristokraten und Klerikern. Vor siebzig Jahren hätte niemand zu träumen gewagt, es werde einst sechzig Jahre fortwährenden Friedens und Wohlstandszuwachses geben, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute erleben. Und noch vor vierzig Jahren hätte niemand gedacht, die Umweltdenker und die Unternehmer kämen jemals auf einen grünen Zweig. Letzteres ist grosso modo das Thema dieser Ausgabe von hi!tech. Um die nützlichen, pragmatischen Beiträge philosophisch zu stützen, muss zunächst gefragt werden, warum beide Lager gar so lange gar so feindselig waren. Es gibt dafür vier Antworten. Erstens: Der Mensch ist so beschaffen, dass alles Neue ausschließlich im Wege des Konflikts entsteht. Das Neue trifft zunächst unversöhnlich

Helmut A. Gansterer

Robert Hartlauer

„Darf man als Nackerta ins Hawelka?“ Helmut A. Gansterer, Verlag Molden, 177 Seiten, € 19,95; Umschlagbild von Gerhard Haderer

auf das Alte. Die feuereifrigen „Erneuerer“ verachten grundsätzlich die militant beharrenden „Bremser“ – und umgekehrt. Zweitens: Die ersten Grünen machten sich der Hysterie schuldig, weil sie nur lineares, kein zyklisches Denken kannten. Das führte zu zahlreichen falschen Prognosen. So schadeten sie ihrer Sache selbst. Drittens: Viele Unternehmer machten sich der Hysterie schuldig, weil sie kein dualistisches, sondern nur ein Schwarzweißdenken kannten. Jene, die noch einem reinen Kapitalismus verpflichtet waren, nicht einer „Wettbewerbswirtschaft mit menschlichem Antlitz“, sahen in jedem, der blindes Wachstum in Frage stellte, einen „linken Revoluzzer“ und Klassenfeind. Was schon insofern töricht war, als erstaunlich viele „Bürgerliche“ und auch moderne Unternehmer den Umweltschutz früh als wichtig erkannten. Viertens: Beide Lager waren in der Frühzeit der Gründiskussion töricht. Es fehlte die Fantasie, beide könnten voneinander profitieren und miteinander die Welt verbessern. Ich bin natürlich befangen. Nach über dreißig Jahren als Herausgeber des „trend“ kann ich aber beweisen, dass ausgerechnet ein Wirtschaftsmagazin auf diese Chance hinwies. Mit folgender einfacher Begründung, die Joseph A. Schumpeters Begriff der „Schöpferischen Zerstörung“ aufgriff: Der Industrie geht es gut, wenn die Welt auf breiter Front neue Produkte will. Früher war dies nur dann der Fall, wenn durch Kriege alles vernichtet war. Jetzt passiert dies friedlich, durch das gewaltige Momentum des Umweltschutzes. Absolut jedes Produkt muss neu überdacht werden, in seiner Art, in seiner Form, in seinem Fertigungsprozess. Die innovativen Unternehmer dürfen im Gleichklang mit den Grünen glücklich sein, dass das Spiel von vorn beginnt. ■

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Sind alternative Energien die einzige Alternative?

Mit unserem Umwelt-Portfolio sorgen wir für weniger CO2-Emissionen bei Energieerzeugung, -übertragung und -verbrauch. Ob in der Nutzung erneuerbarer Energien, in hocheffizienten Kraftwerken, beim verlustarmen Transport von Strom über weite Strecken oder in der energetischen Sanierung von Gebäuden: Mit dem größten Umwelt-Portfolio der Welt helfen wir, Kosten und Emissionen zu senken. So haben unsere Kunden bis 2008 schon 148 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

siemens.com/answers

HARTE ZEITEN FÜR PRODUKTPIRATEN Neuartige, fälschungssichere Krypto-RFID-Chips, die in Produkte oder deren Verpackungen integriert sind, liefern in Zehntelsekunden ohne Onlineverbindung den Beweis für die Echtheit von Ware. Auch Herkunftsbezeichnungen und Seriennummern können im Chip gespeichert werden. www.siemens.com/innovation

New s-Snack IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll LEISTBARE WINDKRAFT Veränderungen der elektrischen Ströme im Motor nutzt eine neue Software, um den Verschleiß von Bestandteilen von Windturbinen vorherzusagen. Die Wartungskosten sinken, die Windräder werden noch effizienter. www.siemens.com/energy Klemens Lendl

Siemens, Intel

MOBILER FILTERTEST

Eine mobile Siemens-Testinstallation überprüft und optimiert Elektrofilter in Kohlekraftwerken. So werden die Emissionen gesenkt. www.siemens.com/innovation Christina Lehner

DAMIT NICHTS KLEBT Siemens-Forscher haben eine neuartige Antihaftbeschichtung entwickelt, mit der auch zähe Stoffe wie Lotpaste daran gehindert werden, auf Leiterplatten kleben zu bleiben. So können selbst hochaufgelöste Strukturen präzise bedruckt werden.

EIN KABEL FÜR ALLE Ein Lichtleiter mit einer Datenübertragungsrate von zehn Gigabit pro Sekunde soll in Zukunft sämtliche Schnittstellen und Computerkabel ersetzen. Mit der LightPeak-Technologie will der Chiphersteller Intel die Miniaturisierung von Computern weiter vorantreiben. techresearch.intel.com

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Au to m a t i o n

Fahrschule für Gabelstapler

hat das Autonomous Navigation System (ANS) entwickelt, das mit einem schwenkbaren Laserscanner in drei Raumrichtungen die Entfernungen zu Objekten der Umgebung vermisst, um die Staplerposition zu bestimmen. Spezielle Auswertealgorithmen erstellen aus diesen Messungen dann eine Karte der Umgebung, die der Stapler als Basis für die Fahrt benutzt und das Fahrzeug auf wenige Zentimeter genau positioniert. Das System benötigt keine baulichen Veränderungen und ist schnell installiert und umprogrammiert. www.automation.siemens.com

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fällig. Siemens hat eine Power-ManagementSoftware weiterentwickelt, mit der Fabrikbetreiber den Energieverbrauch für einzelne Produktionschargen sowie für jede beliebige Kostenstelle ermitteln können. Die neuen Add-ons zur Power-Management-Software Simatic WinCC/PCS 7 powerrate überwachen den Energieverbrauch und das Leistungslimit in der Produktion kontinuierlich, erstellen Vorausberechungen und vermeiden zu hohe Leistungsspitzen durch Lastmanagement. So lassen sich bis zu 20 Prozent der Energie- und Betriebskosten einsparen.

E n e r g i e m a n a ge m e n t

Energie clever verteilen Ohne externe Navigationshilfe können sich Gabelstapler in Zukunft in Hallen bewegen.

FOTOS: INPRO SOLAR, PHILIPSV, STEAMCAR.CO.UK, APA-IMAGES/DPA, PASSFACES.COM, FESTO.COM, SILHOUETTE

Um sich autonom in Hallen bewegen zu können, waren Gabelstapler bisher auf externe Navigationshilfen wie Reflektoren, Magnete oder induktive Leitdrähte angewiesen. Siemens

Der Verbrauch ist nicht allein verantwortlich für Energiekosten im Unternehmen, maßgeblich ist auch die Verteilung der verbrauchten Energie. Übersteigen Lastspitzen das mit dem Energieversorger vereinbarte Leistungslimit, werden empfindlich hohe Strafzahlungen

Mit Power Management lässt sich der Energieverbrauch in Unternehmen präzise ausrechnen.

Ihr Wissen wächst. Ihre Ideen gedeihen. Der Grund: Journalismus, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt.

Hirnnahrung 3 Wochen gratis lesen: derStandard.at/Abo oder 0810/20 30 40

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ANDREAS SINGER: „Wien ist stolz auf eine maximale Transferzeit von 25 Minuten.“

F l u g h a fe n W i e n

Die IT hebt ab Interview mit Dr. Andreas Singer, Leiter Informationssysteme der Flughafen Wien AG, über Aufgaben und Ziele der IKT-Landschaft. Die IKT-Landschaft am Flughafen Wien befindet sich im Umbruch. Wohin geht die Reise? Ziel ist ein Datenmodell mit optimaler Architektur, das alle Prozesse abbildet. Herausfordernd dabei ist weniger die Technik als die Prozessreorganisation. Der Kunde in jedem Bereich des Flughafens, wie etwa Abfertigungsdienst, Aviation oder Sicherheit, muss seine Prozesse definieren. In der Anwendungsentwicklung arbeiten Wirtschaftsinformatiker und Prozessspezialisten zusammen. Gutes Gesprächsklima und eine möglichst entspannte Zusammenarbeit sind mir persönlich dabei sehr wichtig. Gemeinsam mit den Kunden wird ein Pflichtenheft erstellt. Wir schauen, wo es Standardanwendungen gibt, der Rest wird dazuprogrammiert. Was muss moderne IT am Flughafen können? In erster Linie stellt die IT am Flughafen die Fluginfos zur Verfügung, also wann wo welcher Flieger landet oder startet, wo eingecheckt wird etc. Auch die Abfertigung der Flugzeuge, das Tanken, Reinigung und Service werden in unserem System verwaltet. Dazu gehören außerdem das Gepäck- und Frachtmanage-

Ursula Grablechner

ment, Dispo, Zollanbindung sowie die Anbindung zu den verschiedenen Airlines und zur Austro Control. Die gesamte Informations- und Telekommunikationstechnologie für den Flughafen, funk- wie auch kabelbetrieben, läuft über uns. Sämtliche Antennen werden von uns geplant, errichtet und betreut. Der Flughafen Wien verfügt über eine hundertprozentige WLANAbdeckung. Das Rechenzentrum ist modular aufgebaut und damit nach Bedarf erweiterbar. Wo liegen die größten Herausforderungen? Der Flughafen hat eine Drehscheibenfunktion. Die größte Herausforderung dabei ist das Schnittstellenmanagement. In dem Dreiergespann Austro Control – Flughafen – Airlines wechselt je nach Anforderung ständig das führende System. IT am Flughafen muss sicher und ausfallsicher sein. Fallen Start- und Landepisten aus, entstehen Downzeiten und es werden hohe Pönalen fällig. Wien ist stolz darauf, eine maximale Transferzeit – also Umladezeit – von 25 Minuten garantieren zu können. Welche Ziele haben Sie für die Zukunft? Ein wichtiges Ziel ist ein möglichst geringer Kerosinverbrauch. Hier wird bereits bei der Disposition der Flieger angesetzt. Kurze Wege sparen Zeit und Geld, sowohl für die Airlines als auch für die Passagiere. Es läuft gerade ein internationales Projekt, um die Aufenthaltszeit am Flughafen mithilfe von Kennzahlen elektronisch abzubilden. Das Spannende dabei ist, dass auch hier viele verschiedene Systeme zusammenkommen. Weitere Projekte betreffen Systeme zur Passagierbetreuung, die Disposition von Mannschaften und Geräten sowie den weiteren Serviceausbau.

„IT am Flughafen muss sicher und ausfallsicher sein. Fallen Start- und Landepisten aus, entstehen Downzeiten, und hohe Pönalen werden fällig.“

Mevla Saleš, Siemens, Dow Jones Sustainability Index

Was bieten Sie Ihren Kunden am Flughafen? Das Netzwerk ist unsere Hoheit, der Rest ist frei. Unsere Hauptkunden sind Fracht und Abfertiger. Ziel ist es, auch die einzelnen Shops und Partner am Flughafen als Kunden dazuzugewinnen, die unsere Infrastruktur nutzen. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINFO hi!link

www.viennaairport.com www.siemens.com/airports

C o mp l i a n c e

Nachhaltiger Erfolg Führende Positionen bei Compliance, Risikomanagement, Umwelt und Gesellschaft waren der Grund dafür, dass die Siemens AG im renommierten Nachhaltigkeitsranking Dow Jones Sustainability World Index (DJSI) innerhalb des Sektors „Diversified Industrials“ den ersten Platz belegte – vor Unternehmen wie ITT, General Electric oder Toshiba. In den Bewertungskategorien „Compliance“ und „Risikomanagement“ hat Siemens seine Position vom Vorjahr ausgebaut und heuer jeweils die Höchstpunktezahl erhalten. In den Kategorien „Umwelt“ und „Gesellschaft“ konnte das Unternehmen seine Bewertung jeweils deutlich verbessern. Siemens wurde nun bereits zum zehnten Mal in Folge für sein nachhaltiges Handeln ausgezeichnet und hat in diesem Jahr seine bislang beste Gesamtnote erzielt. Der DJSI ist der bedeutendste Nachhaltigkeitsindex weltweit und umfasst

die führenden 10 Prozent der größten 2.500 Unternehmen, die im Dow Jones Global Index geführt werden. „Nachhaltigkeit ist seit jeher ein grundlegender Aspekt unserer Unternehmenspolitik und heute wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie von Siemens“, so Barbara Kux, Siemens-Vorstandsmitglied für Supply Chain Management und Nachhaltigkeit. „Dass wir in der Bewertung des Dow Jones Sustainability World Index so gut abschneiden, zeigt, dass unsere Strategie auch extern Anerkennung findet.“ Neben der wirtschaftlichen und sozialen Dimension fokussiert sich Siemens insbesondere auf den Ausbau seines Umweltportfolios sowie auf die Reduzierung der CO₂-Emissionen seiner Produkte – eine Verpflichtung, die Siemens auch bei seinen Zulieferern einfordert. Bei den Standards für Zulieferer erzielte Siemens im DJSI die Bestnote. Der strategischen Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit hat Siemens unter Federführung von Barbara Kux auch durch die Gründung eines Sustainability Boards mit Vertretern aus dem gesamten Konzern Rechnung getragen. Als führender grüner Infrastrukturan-

bieter gilt das Unternehmen aufgrund seiner Erfahrung, technischen Expertise und finanziellen Solidität als verlässlicher und nachhaltiger Partner auf der ganzen Welt. Schon heute erwirtschaftet Siemens mit Produkten und Lösungen für den Klimaschutz rund 19 Milliarden Euro – nahezu ein Viertel des Konzernumsatzes. Bis 2011 soll diese Zahl auf 25 Milliarden Euro steigen. Mit den Produkten und Lösungen seines Umweltportfolios konnte 2008 der Ausstoß von 148 Millionen Tonnen CO₂ bei SiemensKunden vermieden werden. Das entspricht der jährlichen Gesamtemission der Megastädte New York, London und Hongkong. Bis 2011 soll dieser Wert auf 275 Millionen Tonnen ansteigen. Siemens selbst hat schon heute hohe Umweltstandards im Unternehmen. Trotzdem hat sich der Konzern auch für die Zukunft ehrgeizige Ziele gesetzt: Siemens will seine Treibhausgasemissionen relativ zum Umsatz von 2006 bis 2011 um 20 Prozent senken, die Effizienz bei der Wassernutzung in der Fertigung verbessern sowie die Abfallmengen im Unternehmen deutlich reduzieren. ■ www.siemens.com/compliance www.siemens.com/Umweltportfolio

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Elektroautos

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Die Zeit ist reif Wieso die Chancen für das Elektroauto noch nie besser waren

und wie eng der Ausbau des Stromnetzes und der Elektromobilität zusammenhängen.

Gernot Spiegelberg, Leiter des Bereichs Elektrofahrzeuge in der Konzernforschung von Siemens, im Interview. Markus Honsig

Siemens

ELEKTROAUTOS BEIM LADEN. Die notwendige Infrastruktur – wie zentrale Ladestellen – könnte man innerhalb weniger Monate hochziehen. Allerdings werden die Standardisierungen noch einige Zeit dauern.

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ENGPASS BATTERIE? Die große Anzahl von Zweitautos kommt mit der vorhandenen Batterientechnik aus. Nicht sie ist der Schlüssel, sondern der Preis.

Wie ernst darf man den aktuellen Hype um das Elektroauto nehmen? Man sollte ihn wirklich ernst nehmen, weil Elektromobilität völlig neue Perspektiven eröffnet und weil erstmals in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Elektroautos alles zusammenpasst. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien kommt es automatisch zum Ausbau eines Netzes, das auch die Energieversorgung elektrischer Fahrzeuge ermöglicht. Dazu kommen die Verknappung des Rohstoffs Erdöl und die aktuelle CO₂-Diskussion. Mit anderen Worten: Das Elektroauto befindet sich in einer Situation, die noch nie besser war. Die Zeit ist reif. Daran ändert auch die nach wie vor überschaubare Leistung der Batterien nichts? Die Batterie ist nicht das entscheidende Problem. Für die Fahrzeuge, die sich im Moment

für den Einstieg in die Elektromobilität anbieten, ist die Batterientechnik durchaus in Ordnung. In Deutschland gibt es knapp zehn Millionen Zweitfahrzeuge, die niemals, auch nicht am Wochenende, mehr als siebzig Kilometer pro Tag unterwegs sind. Diese Distanz ist auch jetzt schon leicht sicherzustellen mit den verfügbaren Batterien. Wenn wir bis 2020 nur 50 Prozent dieser Fahrzeuge austauschen, ergibt das einen Markt von fünf Millionen Autos allein in Deutschland. Das ist nicht wenig. Insofern ist nicht die Technologie der Schlüssel, sondern der Preis. Die Batterie ist bislang schlicht zu teuer. Deshalb müssen wir die Herstellungskosten reduzieren, etwa mit der entsprechenden Automatisierungstechnik von Siemens. Ich bin der Meinung, es geht in erster Linie darum, den Preis der Batterien zu reduzieren, um jetzt mit den richtigen Batteriesystemen in den Markt zu kommen.

Unter Strom Erste Ausfahrt Zukunft: Wie das Auto elektrifiziert werden soll. Wenn man in wenigen Jahren die Automobilausstellung in Frankfurt 2009 als Initialzündung für den Einstieg in die Elektromobilität bezeichnen wird, muss man Renault besonders würdigen. Die Franzosen präsentierten gleich vier neue Konzepte für Elektroautos, die schon ab 2011 auf den Markt gebracht werden sollen. Das optisch auffälligste Modell war der kleine, zweisitzige Twizy Z.E. Concept, eine Mischung aus Motorroller und Auto mit 15 Kilowatt starkem Elektroantrieb und Lithium-Ionen-Batterien, die innerhalb von dreieinhalb Stunden an jeder konventionellen 220-Volt-Steckdose aufgeladen werden können

Markus Honsig

DER RENAULT TWIZY ist in nur dreieinhalb Stunden an jeder konventionellen 220-VoltSteckdose aufladbar.

Siemens, Renault, Audi, VW

In China ist man schon auf diesem Weg. Dort haben Batterienfirmen wie BYD vor wenigen Jahren begonnen, Elektroautos zu bauen. Und BYD will schon nächstes Jahr den e6 auf den Markt bringen, mit 57 Kilowattstunden und einem Verkaufspreis von 25.000 Euro. Das heißt, die Batterie kann nicht mehr als 250 Euro pro Kilowattstunde kosten – ein Drittel von dem, was wir in Deutschland diskutieren. Was kann Siemens beitragen, um die Elektromobilität in Schwung zu bringen? Uns geht es zunächst einmal darum, zu zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Elektromobilität und Netz gibt. Wir sind kein Fahrzeughersteller. Aber es ist sinnvoll und notwendig, das Elektroauto als Teil des Stromversorgungsnetzes zu sehen. Wenn Sie ein Elektroauto mit hoher Anschlussleistung an das Netz hängen, ist es der größte

und für eine Reichweite von 100 Kilometern sorgen. Schon etwas mehr Auto zeigten der Zoe Z.E. Concept und der Fluence Z.E. Concept mit 70-kWElektromotor und Lithium-Ionen-Batterien, die Strom für 160 Kilometer liefern sollen. Renault meint es jedenfalls ernst: Mitte September wurde mit Better Place ein Abkommen unterzeichnet, das bis 2016 in Israel und Dänemark 100.000 Fluence Z.E. auf den Markt bringen will. Better Place ist jenes Unternehmen des ehemaligen SAP-Vorstands Shai Agassi, das mit dem flächendeckenden Aufbau von Batteriewechselstationen das Elektroauto langstreckentauglich und mit einem entsprechenden Leasingmodell auch leistbar machen will. Audi schob den Audi e-tron auf die Bühne, ausgestattet mit gleich vier Elektromotoren – jeweils zwei an einer Achse –, die gemeinsam 313 PS

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„Wir können mit Elektroautos das Netz stabilisieren, indem wir sie zur richtigen Zeit Strom laden lassen und übrigen Strom zur richtigen Zeit auch wieder ins Netz einspeisen – das Auto kann so als Zwischenspeicher verwendet werden.“ GERNOT SPIEGELBERG

GERNOT SPIEGELBERG:

private Verbraucher, den es bisher gab. Bei überschaubaren Mengen von Elektrofahrzeugen stellt dies kein Problem für das Netz dar. Bringt man jedoch, wie geplant, Tausende oder Millionen Elektroautos ungeregelt ans Netz, wird es destabilisiert werden. Sobald das Aufladen aber geregelt erfolgt, entwickelt sich eine spannende Perspektive: Wir können mit Elektroautos das Netz stabilisieren, wenn sie zur richtigen Zeit angeregt werden, Strom zu laden, der dann auch im zweiten Schritt zur richtigen Zeit wieder zurück in das Netz eingespeist werden kann. Damit können sie als Zwischenspeicher, beispielsweise für Strom aus fluktuierend einspeisenden regenerativen Energiequellen, verwendet werden.

„Man braucht intelligente Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und den Ladestationen, die den Ladungsaustausch regelt und die Kenntnis besitzt, wann man das Auto mit welchem Energieinhalt wieder braucht.“

Was braucht es an konkreter Infrastruktur? Es ist relativ einfach, die Ladeproblematik zu entwirren. Nicht alle müssen zur selben Zeit

AUDI E-TRON mit vier Elektromotoren und 313 PS.

E-UP, die elektrifizierte Variante eines VW-Kleinwagens.

und 4.500 Nm Drehmoment auf die Straße bringen sollen. Wohl etwas seriennaher der E-Up, die elektrifizierte Variante des zukünftigen Kleinwagens von VW, die für 2013 angekündigt ist, mit 54-PS-Elektromotor und 130 Kilometern Reichweite.

Wer nicht so lange warten will, der kann schon ab 2010 bei Ruf den Greenster erstehen. Auch ein Auto auf Basis des Cayenne wird dann

als Allradgefährt erhältlich sein. Erste Fahrzeuge hiervon werden bereits auf der Weltenergiekonferenz in Kopenhagen von Siemens gezeigt. Will man kurzfristig Elektromobilität nutzen, bietet sich der Umstieg auf zwei Räder an. Elektrofahrräder und Elektroscooter liegen schwer im Trend. KTM, Österreichs größter Fahrradhersteller, hat bereits acht E-Bikes im Angebot. Muss man beim elektrischen Fahrrad noch mittreten, wenn es etwas steiler wird, drückt man bei einem Elektroscooter wie dem IO Florenz, der in Niederösterreich entwickelt wurde und in China produziert wird, einfach den Powerknopf, der dem 2,2-kW-Elektromotor zusätzliche Leistung entlockt. Ein stärkeres Modell – mit einem Elektromotor an jedem Rad – soll noch heuer vorgestellt werden.

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„In Österreich läuft mit Austrian Mobile Power ein sehr spannendes Projekt, das 100.000 Elektroautos bis 2020 auf die Straße bringen will.“ GERNOT SPIEGELBERG

ihr Auto laden. Man braucht intelligente Kommunikation zwischen den Fahrzeugen und den Ladestationen, die den Ladungsaustausch regelt und die Kenntnis besitzt, wann man das Auto mit welchem Energieinhalt wieder braucht. Dann kann das Auto mit dem Netz kommunizieren, um den Strom zum besten Zeitpunkt und zum besten Preis zu bekommen. Der Preis entzerrt das für den Anfang sehr gut. Werden es mehr Autos, müssen wir jedoch beginnen, das Netz nachzujustieren, um die Leistungen, die wir für die Verteilebene brauchen, aus der Mittelspannung abziehen zu können. Das werden Prozesse sein, die sich gegenseitig verstärken. Aber für den Anfang sind die großen Infrastrukturmaßnahmen noch nicht notwendig.

Und wie lautet die Antwort auf diese Frage? Siemens wird sich beteiligen, um die Technologie nach vorne zu bringen. Zum Beispiel durch Automatisierungstechnik für die Batterienfertigung, aber auch mit neuen Technologien zur Herstellung von Elektromotoren für die Automobilindustrie.

Eine mindestens ebenso wichtige Frage ist: Wo kann ich mein Elektroauto anschließen? Eine sinnvolle Möglichkeit, um auch eine große Anzahl von Elektroautos mit Energie zu versorgen, wäre beispielsweise, dass große Unternehmen wie Siemens ihre Parkhäuser mit Steckdosen ausstatten und als Anreiz für ihre MitarbeiterInnen den Strom kostenlos zur Verfügung stellen. Wenn der Weg nach Hause nicht zu weit ist, kann man daheim mit dem restlichen Strom auch noch fernsehen. Das Thema wird dann immer interessanter, weil es einen Mehrwert für die Kunden bietet.

Siemens arbeitet in zahlreichen Initiativen mit, um die Elektromobilität vorwärts zu bringen. Warum? Uns geht es darum, das Elektroauto nicht losgelöst vom Netz zu betrachten. Dazu werden beispielsweise einheitliche Schnittstellendefinitionen benötigt. Deshalb ist es für uns grundsätzlich wichtig, an verschiedenen Projekten mitzuarbeiten. Ein großes international angelegtes Projekt ist Edison in Dänemark, wo es um die sinnvolle Verbindung von Windkraft, die naturgemäß sehr fluktuierend ist, und Elektroautos geht, die anstelle von Speicherkraftwerken als Zwischenspeicher genützt werden können. Für uns ist das Ganze schon deshalb ein reizvolles Projekt, weil wir sowohl in der Windkraft als auch in der Netztechnologie stark positioniert sind. In Deutschland kooperieren wir unter anderem mit dem Energiekonzern RWE, einem Unternehmen, das die Anbindung der Elektromobilität an das Netz sehr strategisch und konsequent verfolgt. Mit solchen Partnern arbeiten wir

Welchen Zeithorizont sehen Sie für die Einführung des Elektroautos? Durch das Netz ist der Horizont nicht limitiert, die notwendige Infrastruktur wie zentrale Ladestellen könnte man innerhalb weniger Monate hochziehen. Allerdings werden die Standardisierungen noch einige Zeit dauern. Die Frage ist: Wann bekommen wir die Elektroautos?

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Muss man sich um die etablierten Autohersteller Sorgen machen? Es gibt ausreichend technische und finanzielle Ressourcen bei den großen Herstellern, um in diesen Markt einzusteigen. Die Herausforderung wird sein, historisch gewachsene Strukturen, etwa in der Fabrikation oder der Lieferantenbindung, in einen neuen Wertschöpfungsprozess zu überführen.

natürlich sehr gerne zusammen. Aber auch Projekte mit weiteren wichtigen Energieerzeugern wie EOn und Vattenfall sind in Arbeit. Und in Österreich läuft mit Austrian Mobile Power ein sehr spannendes Projekt, das 100.000 Elektroautos bis 2020 auf die Straße bringen will. Dazu wird die Ausgestaltung des Netzes benötigt, deshalb sind wir mit dabei. Wie tief wird Siemens in das Geschäft mit der Elektromobilität einsteigen? Wir beliefern auf der einen Seite die Netzbetreiber mit Komponenten, damit sie ihr Netz optimal gestalten können, und wir entwickeln Leistungselektronik und Ladetechnologien für das Elektrofahrzeug, zur optimalen Netzanbindung und zum optimalen Energieaustausch. Deshalb bewegen wir uns auf einer sehr objektiven, neutralen Ebene, auf der wir unsere Kompetenz einbringen können. Aus diesem Grund werden wir auch um Rat gefragt, wenn es um die Anbindung des Elektroautos an das Netz geht. Klingt nach komfortabler Ausgangslage für den Einstieg in die Elektromobilität … Wir sind für diese Situation bestens aufgestellt, es gibt kein vergleichbares Unternehmen, das in einer ähnlichen Situation ist. ■

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www.siemens.com/energy www.siemens.com/innovation www.austrian-mobile-power.at www.vw.com www.renault.com www.ktm.com www.audi.com www.edison-net.dk

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Neue Urbanisierung Sind es Muster der zukünftigen Entwicklung europäischer Städte, die derzeit in Südosteuropa entstehen? Mit dieser Frage befasst sich eine Ausstellung im Architekturzentrum Wien, die derzeit läuft. Der Fokus richtet sich auf jüngste gesellschaftspolitische Veränderungen und ihre Auswirkungen auf Architektur und Städtebau. In den vergangenen Jahren hat in den südosteuropäischen Ländern eine umfassen-

de informelle Bautätigkeit eingesetzt, die eine Umwandlung städtischer Strukturen und eine neuartige Form der Urbanisierung zur Konsequenz hat. An Beispielen der Städte Belgrad, Bukarest, Kotor, Pula, Priština, Sofia, Tirana und Zagreb vermittelt die Ausstellung „Balkanology. Neue Architektur und urbane Phänomene in Südosteuropa“ die Auseinandersetzung von Architekten mit der kulturellen, sozialen und politischen Situation in den Balkanländern. Ihre spezifischen Formen sind das Resultat einer neuartigen Verflechtung von Räumen durch medial vermittelte Bildwelten, Migrationsbewegungen und Fi■ nanzströme. www.azw.at

DENKMAL, PETROVA GORA, KROATIEN: Als bewohnbare Skulptur konzipiert.

WOHNANLAGE, POLJE, SLOWENIEN: Würfelähnliche Wohngebäude mit einer bis ins Detail geplanten öffentlichen Zone.

WOHNBAU, PRIŠTINA: Ein- bis dreigeschoßige Aufbauten auf ehemaligen kommunalen Wohnbauten.

OPERNHAUS, SKOPJE, MAZEDONIEN: Teil eines ursprünglich geplanten Kulturkomplexes mit scharfkantigen, expressionistischen Gebäudelinien.

Elisabeth Dokaupil

Architekturzentrum Wien/WolfgangThaler/Kai Vöckler/Matev Paternoster/Robert Les/Jasenko Rasol

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Architektur

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Gymnasium Koprivnica Grundschule Krk

SCHULEN, KROATIEN: An das Gelände angepasst – oder klar von der Umgebung abgehoben.

NATIONALBIBLIOTHEK, PRIŠTINA, KOSOVO: Interessante Bezugnahme auf Formen islamischer Kultur.

WOHNHAUS, KRAPINSKE TOPLICE, KROATIEN: Subventionierter Wohnbau in Gegenden, wo derartige Vorhaben völlig neu waren.

MUSEUM, ZAGREB: Interne Organisation, die zwischen innen und außen vermittelt.

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3D-TV

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Die dritte TV-Dimension Es ist das nächste große Rennen um die TV-Zukunft. Und einmal mehr wird das Match innerhalb Japans ausgetragen. Die beiden Elektrokonzerne Sony und Panasonic kündigten auf der Funkausstellung in Berlin die ersten 3D-Fernseher an. 2010 sollen wir auch im Wohnzimmer die Bilder nur so um uns fliegen sehen. Die Entwickler rund um Sony setzen beim plastischen Bildeindruck nicht nur auf TV, sondern auch auf Kino und Computergames. Konzernchef Howard Stringer stellte daher in Berlin gleich verschiedene 3D-Formate vor, die alle nächstes Jahr auf den Markt kommen sollen. Für alle brauchen die Nutzer aber nach wie vor eine spezielle Brille, weil die Bilder sonst un-

scharf wirken. Startschuss für die 3D-Offensive soll der Animationsfilm „Cloudy With a Chance of Meatballs“ sein. Damit wollen die Japaner zunächst an den Erfolg der 20th-Century-Fox-Produktion „Ice Age 3D“ im Kino anknüpfen. „Darüber hinaus werden wir künftig mit der eigenen Produktionstechnik auch Sportereignisse in hochauflösendem 3D anbieten“, betont Stringer. Und nicht zuletzt sollen in Europa bald auch 3D-Computerspiele für die Sony PlayStation3 kommen. Sony-Technik mit Shutterbrillen. Doch zurück zum 3D-Fernsehen: Hier will Sony ab kommendem Jahr seine bewährte LCD-Bravia-Serie aufrüsten. Bei den Geräten sollen 3D-Filme und -Videospiele in Full-HD-Auflösung von 1.080 Pixel über den Fernseher flimmern. Die Technik arbeitet mit Shutterbrillen. Dabei zeigt der Fernseher abwechselnd Bilder für das linke und das rechte Auge, während die Brille synchron zu den Bildern aus dem TV-Gerät jeweils das linke und das rechte Auge abdunkelt.

DREI VARIANTEN: Sony setzt nicht nur auf TV, sondern auch auf Kino und Games in 3D.

Plasmatechnologie. Panasonic setzt bei seinen 3D-Fernsehern nicht auf LCD, sondern auf die Plasmatechnologie. „Plasmamodelle eignen sich zurzeit am besten, um ein echtes 3D-TV-Erlebnis in Full HD zu garantieren. Das liegt zu einem großen Teil an ihrer Fähigkeit, sich wegen niedriger Reaktionszeiten von 0,01 Millisekunden mit hoher Geschwindigkeit zu aktualisieren und so Mehrfachbilder ohne große Auflösungsverluste wiederzugeben“, sagt Panasonics-Europa-Marketingchef Fabien Roth. Für Flüssigkeitskristallbildschirme, wie sie Sony auf den Markt bringen will, gilt das laut Roth derzeit nicht. Tatsächlich scheint das Panasonic-Konzept auch früher aufzugehen. Ende September präsentierte der Hersteller einen 50 Zoll großen Plasmabildschirm, der Zuschauer mit realitätsnahen 3D-Bildern bei einer Auflösung von 1.920 mal 1.080 Pixel verwöhnt. Doch auch bei Panasonic kommt man um die Shutterbrillen nicht herum. „Sie werden künftig jedoch leichter ausfallen und auch vom Design her ansprechender sein als bisher“, versichert Roth. Brillenfreies 3D-Fernsehen. Trotzdem sind sich die Experten einig, dass der wahre 3D-Erfolg erst im brillenfreien Zeitalter eintreten wird. Technologien wie autostereoskopische Displays, die eine solche Brille verzichtbar machen würden, stecken aber noch in den Kinderschuhen. „Mit einer Marktreife ist nicht vor zehn Jahren zu rechnen“, meint Roth. Einerseits sei man technologisch noch nicht in der Lage, für ansprechende Bildqualitäten zu sorgen. Andererseits sei die Entwicklung von autostereoskopischen Systemen in Anbetracht eines Preisverfalls von durchschnittlich 20 Prozent pro Jahr und TV-Gerät nicht rentabel. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINFO hi!link

www.sony.eu www.panasonic.eu

Christian Pressler

Getty Images, Sony

3D-FERNSEHEN STARTET 2010: Dann werden wir auch im Wohnzimmer die Bilder nur so um uns fliegen sehen.

So funktioniert 3D Das 3D-Fernsehen beruht auf der Technik der Stereoskopie. Dafür wird eine Szene mit zwei Kameras aufgenommen, die im mittleren Augenabstand voneinander montiert sind. Auf diese Weise entstehen zwei Halbbilder, die jeweils nur für ein Auge gedacht sind. Für die Betrachtung gibt es verschiedene Möglichkeiten: Klassische Stereoskope haben zwei Okulare, durch die jedem Auge das passende Halbbild gezeigt wird. Im Gehirn entsteht durch die Kombination der Halbbilder ein räumlicher Eindruck. Im Gegensatz zum Stereoskop können gedruckte oder projizierte 3D-Bilder von mehreren Zuschauern betrachtet werden. Meist werden dazu die Halbbilder mit einem optischen Trick voneinander getrennt. Am bekanntesten sind die sogenannten Anaglyphen, die durch eine Rot-grün-Brille betrachtet werden müssen. Dabei werden die beiden Halbbilder in die Komplemen-

tärfarben Rot und Grün eingefärbt und etwa auf eine Leinwand projiziert. Der Betrachter muss die Rot-Grün-Brille aufsetzen, durch die jeweils für ein Auge ein Halbbild ausgeblendet wird. Wieder entsteht durch die Kombination der beiden Halbbilder im Gehirn ein räumlicher

Eindruck. Wegen der Farbtrennung lassen sich auf diese Weise aber nur Schwarzweißbilder wiedergeben. Für 3D-Farbbilder werden die Halbbilder durch die Polarisation des Lichts getrennt. Basis dafür sind die Schwingungsebenen der Lichtwellen, die sich mit einer kleinen Blende sortieren lassen. Es ist also möglich, ein Halbbild mit senkrechter und das andere mit waagerechter Schwingungsebene auszustrahlen. Die zugehörige Spezialbrille lässt an jedem Auge nur eine der beiden Ebenen durch, jedes Auge sieht also nur „sein“ Halbbild, und das Gehirn erzeugt daraus den 3D-Effekt. Es gibt auch eine Reihe von Projektionstechnologien, die keine Brille zur Betrachtung erfordern, sie haben sich jedoch wegen verschiedener technischer Schwierigkeiten bislang nicht durchgesetzt.

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CLOUD COMPUTING. Hard- oder Softwareleistung kommt – ganz nach Bedarf – aus Servern auf der ganzen Welt.

IT aus den Wolken Elisabeth Dokaupil

Christina Lehner

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Cloud Computing

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Arbeiten am Computer mit unterschiedlichen Programmen, Zugriff auf alle Unterlagen, jede Kommunikationsmöglichkeit, nahezu unbegrenzte Rechner- und Speicherkapazitäten, überall und zu jeder Zeit: Dieser IT-Luxus ist fast schon Realität. Sein Name: Cloud Computing, wobei die Wolke als Symbol für die Kapazität hinter dem Web steht. Das Web spielt in der neuen EDV-Welt die zentrale Rolle als Medium, über das die Services zum User kommen. Das steht fest. Über Details der neuen Services gibt es allerdings noch unterschiedliche Ansichten. Ein wichtiger Punkt ist die Frage, ob es eine Wolke (das WWW) oder viele Extranets geben wird. In Zukunft könnte – von Privaten wie auch von Betrieben jeglicher Größe – jede Art von Computerleistung über das Netz bezogen werden. Derzeit bieten Amazon oder Google Rechnerleistung, Datenhaltung oder Applikationen via Internet. Auch Microsoft, dessen Geschäftsmodell eng mit der Hardware verknüpft ist, entwickelt parallel dazu CloudComputing-Modelle. Heikle Einbindung. Derzeit gibt es am Markt zahlreiche Angebote: von Mailservices, Officepaketen, Kommunikationsplattformen über Personalverrechnung, Buchhaltung, CRM bis zu ganzen ERP-Systemen. In jedem Fall zahlt der Kunde nur, was er benutzt. „Für Unternehmen kann es durchaus attraktiv sein, ein preiswertes Standardservice zu benutzen. Die Herausforderung ist allerdings, solche Services in individuellen Applikationen, beispielsweise in SAP, einzubinden. Dazu benötigt man Profis, die Unternehmensprozesse beherrschen“, betont Wolfgang Domann, Portfolio Development von Siemens IT Solutions and Services. „Darin liegt die Stärke von Anbietern, die bisher bereits erfolgreich Outsourcing für große Kunden betreiben und

über umfassendes Know-how verfügen.“ Siemens bietet den Kunden Clouding Consulting. Domann: „Es geht dabei darum, wie viel Standardservices der Kunde benutzen kann, ohne seine Geschäftsprozesse zu gefährden.“ In den vergangenen Jahren wurde international eine Datacenter Cloud bei Siemens aufgebaut. Daraus wird bereits Infrastruktur on Demand angeboten. In Kürze werden ausgewählte Softwareservices on Demand folgen. Entstanden ist Cloud Computing, so eine Analyse der Gartner Group, durch die Zusammenführung einiger großer Trends im EDV-Bereich: Serviceorientierung (Software as a Service), Virtualisierung, die Zuteilung von Serverkapazität unabhängig von einer konkreten Hardware, Standardisierung durch das Internet und eine zunehmende Demokratisierung und Industrialisierung des IT-Angebots. Kulturwandel. Cloud Computing wird bei Privatanwendern und in Unternehmen zu einem Kulturwandel führen. IT wird flexibel und individuell den Bedürfnissen des einzelnen Users angepasst. Daraus ergeben sich zusätzliche Kostenvorteile. Auch die Verrechnungsmodelle ändern sich. Die MitarbeiterInnen in Unternehmen werden als Konsumenten von Computerleistungen betrachtet. Betriebe können mit einigen Arbeitsplätzen starten und die Zahl auf einige hundert ausdehnen. Skalierbarkeit ist kein Problem. Das neue Cloud Computing wird daher die IT in den Unternehmen grundlegend verändern. „Für die meisten MitarbeiterInnen genügt dann ein Client wie die vielfach propagierten Netbooks, der rasch hochfährt und aus dem Netz das Profil mit allen notwendigen Softwareapplikationen und Daten zur Verfügung stellt“, betont Josef Weisheidinger, Siemens IT Solutions and Services. Diese einfachen Computer sind lange benutzbar und lassen sich leicht durch den Austausch einiger Chips revitalisieren. Ein Grund, warum der Zukunftstrend Cloud Computing die Umweltbelastung durch IT deutlich reduzieren kann. MitarbeiterInnen im Unternehmen, aber auch alle, die in unterschiedlichen Arbeitsverhältnissen für einen Betrieb tätig sind, können mit eigenen Laptops ebenfalls jederzeit in die Wolke einbezogen und überall, wo es notwen-

dig ist, mit den notwendigen Computerleistungen und Kapazitäten versorgt werden, effizient und kostengünstig an unterschiedliche Anforderungen angepasst. Für private User kann IT in Zukunft auch ganz billig kommen, wenn sie sich beim Arbeiten auf die Finger schauen lassen. Immerhin ist es für die neuen Provider sehr wichtig zu wissen, welche Programme die User-Gruppen wann nützen, um nach Alter, Geschlecht oder Beruf spezifische Angebote machen zu können. Wie aber kommen die Anbieter mit dem Leben in der Wolke zurecht, wo ständig wechselnde Kapazitäten und Leistungen zur Verfügung gestellt werden müssen? Dafür gibt es schon Lösungen. Weltweit ist ein großer Teil der Server nicht ausgenutzt. Hardwarekapazitäten werden in Zukunft wie heute Strom weltweit gehandelt werden. Damit wird international eine bessere Auslastung der Server erreicht – ein weiterer Pluspunkt des Cloud Computing in Sachen Umweltschutz. Knackpunkt Sicherheit. Die Sicherheit der Daten soll durch eine Splittung in kleinste Einheiten und eine weltweite Verteilung garantiert werden. Dieses Vorgehen bietet nach Aussagen von Experten mehr Schutz als Firewalls, die ständigen Bombardements durch Hacker ausgesetzt sind. Technisch ist das kein Problem. Die rechtliche Basis gibt es dafür aber bisher noch nicht. Denn das würde bedeuten, Kundendaten auch auf fremde Rechner zu verteilen. Die neue Cloud-ComputingWelt wird daher im ersten Anlauf vor allem aus geschlossenen Wolken bestehen. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIINFO hi!link www.siemens.com/it-solutions

Cloud Computing ■ jeder User bekommt die Anwendung und Leistung, die er benötigt ■ flexibel im Bezug auf die Zahl der User und ihre jeweiligen Bedürfnisse ■ geringe Investitionskosten ■ Zugang überall und zu jeder Zeit ■ Kostenvorteile ■ Transparenz

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RFID

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Smart identifiziert Ob Auto oder elektrisches Schaltgerät: Hochflexible Produktion gehört heute zu den zentralen Anforderungen einer modernen Fertigung, die auf individuelle Kundenwünsche schnell und variabel reagieren muss. „Auftragsbezogene Fertigung“ und „individuelle Massenproduktion“ sind hier die entscheidenden Schlüsselbegriffe. Nur zwei Beispiele aus ganz unterschiedlichen Branchen: In der automobilen Oberklasse gibt es kaum noch zwei Autos, die sich völlig gleichen, auch wenn es sich um das gleiche Modell handelt. Zu groß ist die Vielfalt an Wahlmöglichkeiten und Extras, die dem Kunden angeboten wer-

MONTAGE: Transponder sorgen für einen korrekten Materialfluss. An jeden Bearbeitungsplatz wird außerdem typengenau die Anleitung geliefert.

Markus Honsig

Siemens

den. Ähnliches gilt etwa auch für SiriusSchaltgeräte von Siemens. Allein bei der kleinsten Schützbauform S00 gibt es über 1.500 verschiedene Typen, die sich aus der Vielzahl von elektrischen und mechanischen Parametern ergeben – der Anschlussart oder Speisespannung etwa. Individuell produziert. Für Auto und Schaltgerät gilt gleichermaßen: Sie auf Lager zu produzieren ist kaum sinnvoll. Wenn der Kunde sich entschieden hat, braucht es eine Fertigung, die schnell, flexibel und trotzdem kostengünstig produziert. Das geht nur, wenn sie individuell gesteuert und hochautomatisiert ist. An diesem Punkt entwickelt RFID seine besonderen Talente: Der am Werkstück angebrachte Funkchip bringt alle nötigen Fertigungsanweisungen und Produktionsdaten mit, die von RFID-Lesern an den unterschiedlichen Arbeitsstationen gelesen und an die Steuerungstechnik der Automaten und Roboter weitergeleitet werden. Auf diese Weise las-

sen sich auch Einzelanfertigungen sinnvoll in eine automatisierte Produktion integrieren. Über die Fähigkeiten eines RFID-Chips entscheidet seine Übertragungsfrequenz, die von 125 KHz bis 2,45 GHz und höher reicht. Davon abhängig sind zum Beispiel die Übertragungsgeschwindigkeit der Daten, die Reichweite der Antennen oder die Störempfindlichkeit des Systems, auch die möglichen Speichergrößen werden davon beeinflusst. So kann eine hohe Speicherkapazität bei hohen Frequenzen nur mit aktiven Transpondern umgesetzt werden, die über eine zusätzliche Batterie verfügen, was das Gesamtsystem empfindlich verteuert. Bislang in der Industrie eingesetzte RFID-Systeme arbeiten zum Beispiel im Frequenzbereich von 13,56 MHz mit hoher Speicherkapazität und schnellen Leseraten. Höhere Reichweiten werden durch Systeme im Bereich von 2,45 GHz erzielt. RFID-Chips, die das UHF-Band um 865 MHz nutzen, bieten Möglichkeiten, die bisher

AUDI IN PRODUKTION: Ein auf das Fahrzeugdach aufgelegter Transponder steuert die Endmontage.

Ausgezeichnet fälschungssicher Allein die deutsche Wirtschaft erleidet durch Plagiate einen Schaden von rund 30 Milliarden Euro jährlich. Ein Krypto-RFID-Chip von Siemens könnte in Zukunft dafür sorgen, dass Produkte schnell und sicher auf ihre Echtheit hin überprüft werden können. Der auf der internationalen Fachmesse EuroID 2009 ausgezeichnete Chip beruht auf der sogenannten Puplic-Key-Kryptografie und kann direkt in das Produkt oder in seine Verpackung integriert werden: Die Prüfanfrage eines Lesegeräts wird mit dem privaten Schlüssel des Chips codiert, der Empfänger kann die Antwort mit seinem öffentlichen Schlüssel prüfen. Die Herausforderung war, die Rechenleistung zu reduzieren. Dadurch konnten statt eines programmierbaren Prozessors feste Schaltungselemente eingesetzt werden, die den Energieverbrauch und den Kostenfaktor gleichermaßen reduzieren.

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RFID

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HANDTERMINAL BEI BMW: Schreiben und lesen ist mobil möglich. Die Ordernummer lässt sich bei Bedarf auch händisch auslesen.

hauptsächlich in der Logistik eingesetzt wurden, nun aber zunehmend für die industrielle Anwendung interessant werden. Ihre Vorteile: Sie erzielen hohe Reichweiten – bis zu acht oder zehn Meter –, lassen sich auch im Pulk erfassen und sind sehr günstig. Solche Smart Labels kosten nicht mehr als ein paar Cent. Um RFID im UHF-Bereich tatsächlich verwenden zu können, müssen allerdings auch technische Hürden überwunden werden: So ist die große Reichweite zwar eine Stärke der Technologie, kann aber andererseits durch Reflexionen und Überreichweiten zu Lesefehlern führen. Außerdem ist die Speicherkapazität begrenzt. Und schließlich sind die UHF-Transponder mechanisch vergleichsweise empfindlich. Inzwischen ist es Siemens – mit mehr als 300.000 installierten RFID-Schreib- und Lesegeräten Marktführer in Europa – aber gelungen, UHFTechnologie für den industriellen Einsatz robust genug zu machen. Immer höhere Kapazität. Auch die Speicherkapazität steigt unaufhörlich: „Inzwischen sind wir bei 512 Bits. Das ist schon eine ordentliche Kapazität, die für viele Anwendungen mehr als ausreichend ist“, sagt Markus Weinländer, Produktmanager bei Siemens. Das Problem von Fehlern beim Lesen konnte durch die Programmierung neuer Algorithmen weitgehend ausgeschlossen werden. Damit lässt sich der entscheidende Vorteil von UHF-Transpondern voll nutzen: Aufgrund der niedrigen Kosten können sie dauerhaft am Produkt bleiben und dafür sorgen, dass man es über den Herstellungsprozess hinaus ein Leben lang identifizieren kann. Damit lässt sich eine lückenlose Rückverfolgung sicher-

Markus Honsig

Siemens

stellen. Als eines der ersten Unternehmen in Deutschland hat Siemens Enterprise Communications Manufacturing in Leipzig diesen Paradigmenwechsel vollzogen. Alle Telefone der neuen OpenStage-Linie werden mit einem UHF-SmartLabel ausgerüstet. Das Funketikett sorgt für Identifikation der Telefone bei der

Lückenlos überwacht Blutkonserven gehören zu den besonders wertvollen und heiklen Gütern der medizinischen Versorgung. Dennoch müssen rund zwei bis sechs Prozent der Blutkonserven verworfen werden, weil die Kühlkette unterbrochen, die Dokumentation unvollständig oder die Haltbarkeit abgelaufen ist. Ein neuer RFID-Chip von Siemens soll diese Ausfallsrate nun deutlich senken, da damit jeder Blutbeutel am Weg vom Spender zum Empfänger lückenlos identifizierbar ist und einen Temperatursensor zur Einhaltung der Kühlkette enthält. Ein eigens entwickeltes Gehäuse stellt sicher, dass der RFID-Chip auch die enormen Kräfte in den Zentrifugen – bis zum 5.000-fachen der Erdbeschleunigung – unbeschadet übersteht.

Endmontage und Verpackung im Werk, bei der automatischen Erfassung des Wareneingangs im Distributionszentrum und bei der Kommissionierung. Kommen Telefone zum Service oder zur Reparatur und wieder zurück, können dank der RFID-Chips alle Informationen aus der Datenbank abgerufen werden. Auf dem chinesischen Flughafen Wuhan werden die Smart Labels zur Identifizierung und Verfolgung der Gepäckstücke eingesetzt, auf anderen Flughäfen laufen ähnliche Pilotprojekte. Komplette Integration. Grundsätzlich erfordert die umfassende Identifizierung eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg eine Integration aller Daten und Systeme. Hersteller und Zulieferer, Produktion und Logistik rücken näher zusammen, weil sie auf den gleichen Datenbestand zurückgreifen. „Das verlangt auch eine gewisse Offenheit aller Beteiligten“, weiß Weinländer, „in Deutschland laufen Forschungsprojekte, um den integrierten Wertschöpfungsprozess aufzubauen.“ Auch technisch gibt es noch Fragen – etwa wie die Datensysteme aussehen müssen, „damit jeder alle Informationen bekommt, die er braucht, aber auch nicht mehr“. Und schließlich sind RFID-Installationen vor Ort gerade bei UHF noch individuelle Maßanzüge, die oft eigens eingestellt und eingemessen werden. „In Zukunft wird es standardisierte Lesestationen geben“, sagt Weinländer, „damit RFID eine breiter eingesetzte und übergreifende Anwendung wird.“ ■

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Hightech für neue Märkte Die Wachstumsmärkte von heute und morgen liegen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Hier ist intelligente Technik gefragt, umweltfreundlich und präzise an spezifische Bedürfnisse angepasst, zu vernünftigen Preisen. „High Tech – Low Cost“ heißt der Treiber für Innovationen, von denen auch westliche Industrienationen spannende Ideen übernehmen können. pictures of the future

Siemens

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High Tech – Low Cost

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Zählen mit Handys

INTELLIGENTE KAMERAS erkennen in Industriebetrieben kleinste Abweichungen und steigern so Qualität und Tempo der Prozesse.

Eines der größten Probleme chinesischer Metropolen ist der ausufernde Verkehr, der professionell gemanagt werden müsste. Dafür werden üblicherweise Sensoren in die Straßendecke eingebaut und Kameras installiert. Das ist zwar effektiv, aber wegen der benötigten Infrastruktur sehr teuer. In China wird derzeit ein System entwickelt, das die Handys der Autofahrer nutzt, um den Verkehrsfluss zu verfolgen. Die Standortinformationen, die Handyanbieter standardmäßig erheben, enthalten alle Angaben, die – natürlich in anonymisierter Form – für die Verkehrsmessung notwendig sind. Für eine praktikable Anwendung von Handys als Instrument zur Verkehrszählung ist allerdings eine intelligente Software notwendig, die aus den Datenmassen in Echtzeit brauchbare Informationen aufbereitet – angesichts von Millionen von Handys eine große Herausforderung. Der größte Handyanbieter China Mobile arbeitet gemeinsam mit Siemens daran. Die Telefonkonzerne haben an den Informationen großes Interesse, weil sie

VERKEHRSMANAGEMENT unter Einsatz der Handys der Autofahrer in Chinas Städten.

damit neue Dienstleistungen anbieten können. Überlegt wird auch, Navigationssysteme über die Handynetze zu steuern. www.chinamobileltd.com

Scharfer Blick

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www.siemens.com/ innovation www.osram.com www.siemens.com/ energy www.siemens.com/ healthcare

Konsumenten verlangen von der Industrie höhere Qualität zu niedrigeren Preisen. Um das zu erreichen, muss die Kontrolle der Produktionsprozesse immer besser werden. Dafür werden intelligente Kameras eingesetzt, die auch kleinste Abweichungen erkennen und melden. Siemens Indien forscht derzeit an kostengünstigen Kamerasystemen, die mit optimierten Algorithmen und unter Nutzung starker Prozessoren immer mehr leisten. Entscheidender Faktor dabei ist, dass sich die Kamerafunktionen individuell an die Kundenanforderungen anpassen lassen und jede Kamera nur die Funktionen anbietet, die der Kunde tatsächlich benötigt. Das reduziert den Anschaffungspreis und die Kosten für Service und Upgrades, ein High-Tech-Low-Cost-Ansatz. Neben der Qualitätskontrolle kann die automatische Bildverarbeitung auch Energie sparen. Bei einem indischen Kekshersteller erkennen Kameras die Farbe und Dicke jedes einzelnen Gebäckstücks und liefern damit wichtige Indikatoren, um den Betrieb der Backöfen zu optimieren. Der Energieverbrauch ist damit um fünf Prozent gesunken. Ein weiterer Einsatzort für die smarte Kamera wird eine Montagelinie für den Zweizylinder-Einspritzmotor des Pkw Tata Nano werden, der mit etwa 2.500 US-Dollar das günstigste Auto der Welt sein soll. Ein Kamerasystem soll die Produktion der Motoren vollautomatisch überwachen – Qualitätskontrolle und Dokumentation inklusive – und so die Geschwindigkeit des Förderbands deutlich erhöhen.

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High Tech – Low Cost

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MIKROORGANISMEN, die

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Sauerstoff selbst erzeugen, reinigen Abwasser.

Minikraftwerk Ein neues transportables Kleinkraftwerk soll dafür sorgen, dass elektrischer Strom in Dörfern ohne Netzanschluss Einzug hält. Die Anlage, die vom Siemens Innovationszentrum für erneuerbare Energien im indischen Bangalore entwickelt wurde, arbeitet bereits so effizient, dass sie die strengen US-amerikanischen Emissionsgrenzen unterbietet. Sie verbraucht pro Stunde etwa 35 Kilogramm Kokosnussschalen und erzeugt daraus genügend Elektrizität für ein typisches indisches Dorf mit fünfzig bis hundert Familien. Ein spezieller Verbrennungsprozess produziert

Sparsame Wasseraufbereitung Die meisten Abwasseraufbereitungsanlagen verbrauchen jede Menge Energie für leistungsstarke Belüftungssysteme, weil die Bakterien zum Abbau von organischen Verschmutzungen Sauerstoff benötigen. Doch es geht auch anders. Ein in Bangalore entwickeltes System nutzt Mikroorganismen, die den Sauerstoff selbst erzeugen. Es kann daher ohne externe Energiequelle bis zu 95 Prozent der organischen Substanzen und bis zu 99 Prozent von Stoffen wie Phosphaten und Stickstoff aus Abwässern entfernen. Das Wiederaufbereitungssystem, das im Prinzip die Form eines Korkenziehers hat, wird durch die Kraft des Abwassers betrieben: Fließt es abwärts, bringt es die Schraube in Bewegung. Dadurch wird das Abwasser einer großen Oberfläche ausgesetzt, auf der die reinigenden Bakterien angesiedelt sind. Dieselbe Technologie kann mit anderen Organismen auch an die Aufbereitung von Wasser angepasst werden, das mit Abfällen aus der Chemie- oder Petroindustrie verseucht ist. Die Größe des Systems ist flexibel nach Bedarf variierbar. Am Einsatzort verwandelt es mit nur geringem Zusatzaufwand Abwasser in Trinkwasser – zum Beispiel mithilfe der Aktivkohle aus dem Kokosnuss-Biomassekraftwerk. Ein großes Problem ist Arsen, das in vielen Gegenden Nordindiens, im Osten von Bangladesch und im Südwesten der USA bereits von Natur aus in gefährlich hohen Konzentrationen im Wasser vorhanden ist. Ein neu entwickeltes Adsorptionsmittel, kombiniert mit einem speziellen Filtersystem, bereitet bis zu tausend Liter Wasser für weniger als einen halben Cent auf. Abgespaltenes Arsen kann in Zement gebunden und damit endgültig aus dem Umweltkreislauf entfernt werden.

Kontrollierte Windkraft

KLEINKRAFTWERK: Aktivkohle als Endprodukt der Stromproduktion aus Kokosnüssen.

aus den Schalen Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Die Maschine setzt die Energie des Verbrennungsgases in Strom um und erreicht eine Leistung zwischen 25 und 300 kW. Kühlwasser wird dabei nur sehr wenig benötigt. Möglich macht das eine neue Technologie für elektrostatische Abscheidung. Am Ende bleibt Asche übrig, die in Aktivkohle zur Wasseraufbereitung umgewandelt werden kann. Dadurch wird auch der Abfall zu einer Einkommensquelle für das Dorf.

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Windräder sind ständig starken Belastungen ausgesetzt, und eventuell notwendige Reparaturen kommen teuer. Daher hängt es von der Qualität der Wartung ab, wie wirtschaftlich dieser Alternativenergielieferant arbeitet. Bisher überwachen teure Bewegungssensoren die Verschleißteile der Turbine und melden Unregelmäßigkeiten an die Zentrale. Ingeni-

TURBINEN: Kontrolle ohne teure Sensoren.

eure werten die Daten aus und müssen auch die Sensoren selbst warten. Dadurch entstehen relativ hohe Kosten. Eine neue Lösung nutzt die Technik im Motor des Pitch-Systems, das die Leistung der Turbine durch ein Verdrehen der Rotorblätter steuert. Bei Siemens-Turbinen überwachen hochsensible Sensoren diese kritischen Teile und messen auch standardmäßig die elektrischen Ströme im Motor. Siemens-Forscher haben entdeckt, dass sich die Ströme verändern, wenn die Windmaschine nicht rundläuft. Aus den Messungen wurde ein Algorithmus entwickelt, der den Verschleiß einzelner Komponenten vorhersagt. Teure und wartungsintensive Bewegungssensoren können damit überflüssig werden. Diese Technik könnte dazu beitragen, die Energieerzeugung mit Windkraft in China wie geplant bis 2020 auf 100 Gigawatt zu verzehnfachen.

TCM mit westlicher Medizintechnik Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und westliche Schulmedizin gelten zwar als schwer vereinbar, doch Wissenschaftler sind zunehmend überzeugt, dass sie viel voneinander profitieren können, und arbeiten an der wissenschaftlichen Überprüfung unter Einsatz moderner Medizintechnik. So wurden bei Siemens in China Magnetresonanztomographen (MR) so aufgerüstet, dass sich Akupotomieeingriffe visualisieren lassen. Bei dieser auf Basis von Akupunktur entwickelten Behandlungsform werden Muskeln und Sehnen mit Skalpellnadeln winzige Schnitte

Benzin aus Zuckerrohr zugefügt, um die biomechanische Balance wiederherzustellen. Funktionsstörungen des Bewegungsapparats wie chronische Schmerzen, Bandscheibenvorfälle oder Arthrosen können so behandelt werden. Im Gegensatz zu großen Operationen wie der teilweisen Entfernung der Bandscheibe ist das ein kleiner Eingriff, dessen Wirksamkeit aber klinisch bewiesen werden konnte. Bisher verlässt sich der Arzt dabei auf seine Erfahrung, wobei das Risiko einer Beschädigung von Blutgefäßen oder Nerven besteht. Der Einsatz eines MRT gibt ihm eine Navigationshilfe.

Effizient und alternativ Interview mit Dr. Rajendra K. Pachauri, Vorsitzender des Weltklimarats der Vereinten Nationen und Generaldirektor des Energy and Resources Institute. Viele Länder wollen ihre CO₂Emissionen drücken. In Indien wird das nicht möglich sein. Mit Blick auf die jährlichen ProKopf-Emissionen könnten wir uns solche Ziele nicht auferlegen. Denn während ein Inder im Jahresdurchschnitt gerade mal 1,1 Tonnen CO₂ verursacht, sind es bei einem USBürger über 20 Tonnen. Die Industrieländer haben das Klimaproblem geschaffen. Wenn sie nicht einen ersten Schritt in Richtung eines langfristigen Klimaschutzes machen, glaube ich nicht, dass es für Entwicklungsländer wie Indien, wo 400 Millionen Menschen noch keinen Zugang zu Elektrizität haben, irgendeine Basis für Reduktionsziele geben kann. Und wie steht es um Energieeffizienz? Das ist für uns sehr wichtig. Wir haben ein ernstes Problem mit Energieengpässen. Wenn man Energie effizienter nutzen kann, ist mehr davon verfügbar. Dabei muss mit lokalen Partnern zusammengearbeitet werden, damit die Technologien auf die Bedürfnisse Indiens zugeschnitten und breit eingesetzt werden können. Unter-

nehmen mit großem Know-how sollten gemeinsam mit unserer Regierung Richtlinien für energieeffiziente Lösungen erarbeiten. Welche Technologien sind im Energiebereich für Indien besonders wichtig? Erneuerbare Energien bieten ein riesiges Potenzial. Mein Institut arbeitet in Delhi mit einer Investorengruppe an der Entwicklung einer großen Solarthermieanlage. Wichtig wäre es auch, landwirtschaftliche Reststoffe in großen Mengen in flüssige Brennstoffe zu verwandeln. Wie sieht die Situation bei Gebäuden aus? Bei energieeffizienten Gebäuden hat mein Institut eine Vorreiterrolle. So braucht etwa eines unserer Gebäude, ein großer Schulungskomplex, überhaupt keinen Strom aus dem öffentlichen Netz. Während ein Tunnelsystem unter dem Gebäude eine konstante Temperatur garantiert, führt ein sogenannter Solarkamin heiße Luft aus den Räumen der Südseite ab. www.teriin.org

BIOETHANOL: Selbst aus Abfall wird Strom.

Weil Alkohol in Brasilien billiger ist als Benzin, fährt rund die Hälfte aller Autos mit einem Flex-Fuel-Motor, der ein Gemisch aus Ethanol und Benzin verbrennt. Trotz des Aufwands für Saat, Dünger, Transport und Destillation ist die CO₂-Bilanz von Bioethanol überzeugend, wie der brasilianische Physiker José Goldemberg vorrechnet: Bioethanol aus Zuckerrohr reduziere, so Goldemberg, die CO₂-Belastung im Vergleich zu fossilen Treibstoffen um rund 90 Prozent. Bioethanol wird in Brasilien meist aus eigens dafür angebautem Zuckerrohr gewonnen, das nicht als Nahrungsmittel verwendet werden kann. Die als Abfall verbleibenden Zuckerrohrfasern, Bagasse genannt, verwerten viele Raffinerien in kleinen Biomassekraftwerken und nutzen die Energie für ihren Produktionsprozess. Zwischen 25 und 70 Megawatt Leistung haben die Kraftwerke, die an viele brasilianische Raffinerien angeschlossen sind. Hohe Investitionskosten sind allerdings eine große Hürde für die Betreiber. Siemens hat deshalb eine Dampfdruckturbine gemeinsam mit brasilianischen Ingenieuren so verändert, dass sie komplett mit lokalen Materialien hergestellt und vor Ort produziert werden kann. Damit lassen sich die Kosten um 30 Prozent reduzieren. Die neuen Turbinen helfen den brasilianischen Produzenten, angesichts sinkender Rohstoffpreise ihre Wettbewerbsposition zu stärken.

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Bahn

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Mit Gütern auf Schiene Die Wiener Lokalbahnen Cargo organisiert internationale Güterzüge. Ein

Gespräch

mit Geschäftsführer Gerald Retscher über die Lage am Markt, die Chancen der Schiene im Güterverkehr und die Vorteile kleiner, flexibler Anbieter.

Die Wiener Lokalbahnen sind als Betreiber der Badner Bahn bekannt. Ist der Güterverkehr für Sie ein neues Geschäft? Nein, wir haben entlang unserer eigenen Infrastruktur immer auch Güterverkehr organisiert, speziell für Unternehmen, die Anschlussgleise an die Badner Bahn hatten. Nach der Liberalisierung des Bahnverkehrs aufgrund der EU-Verordnung wurde mit der Wiener Lokalbahnen Cargo (WLC) ein Unternehmen gegründet, das auch auf fremder Infrastruktur Transporte anbietet. Begonnen haben wir mit Transporten von Abraummaterial, das beim Bau des Lainzer Tunnels angefallen ist, in nahegelegene Deponien. Die Zusammenarbeit mit Kühne + Nagel war für uns der Start ins internationale Geschäft. Auf welchen Strecken fahren die Gütertransporte der WLC? Wir organisieren Züge, die über die österreichischen Terminals Wiener Hafen, Krems oder Enns Richtung Rotterdam, Hamburg, Bremerhaven, Antwerpen oder Duisburg unterwegs sind. Transportiert werden im sogenannten kombinierten Verkehr vor allem Container oder Wechselaufbauten, die von den großen Häfen nach Übersee weitergehen. Weiters ist auch der Transit durch Österreich Richtung Ungarn oder Rumänien unser Thema.

tieren wir Öl- und Chemieprodukte für Transpetrol und für Lagermax Pkw zwischen Belgien und Österreich. Wie wollen Sie Ihre Verbindungen geografisch gesehen weiterentwickeln? Wir würden gerne Zugsverbindungen von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer organisieren, aber auch quer durch Europa von Ost nach West. Unser Fokus liegt allerdings derzeit auf Südosteuropa.

„An unsere Loks werden hohe Anforderungen gestellt, weil sie vor allem Langläufe zu bewältigen haben.“

Arbeiten Sie auch im konventionellen Wagenverkehr? Natürlich wollen wir auch diese Sparte ausbauen. Derzeit transpor-

Elisabeth Dokaupil

Andi Bruckner, Wiener Lokalbahnen

Welche Investitionen wurden für den Aufbau des Geschäfts getätigt? Wir haben seit Bestehen drei Dieselloks erworben, zuletzt eine Mehrsystemlok Rh1216 von Siemens. Wenn sich die Wirtschaftslage bessert, sollte noch einiges dazukommen. An unsere Loks werden hohe Anforderungen gestellt, weil sie vor allem Langläufe zu bewältigen haben. So sind sie zum Beispiel von Hamburg bis Wien achtzehn Stunden unterwegs und starten fünf Stunden später wieder. Pro Jahr fahren sie zirka 210.000 Kilometer. Gelten für die privaten Betreiber dieselben Vorschriften wie für die verstaatlichten Bahnen? Es gibt keinen Unterschied. Wir sind außerdem umfassend ISO-zertifiziert, für Qualitätsmanagement, Umwelt- und Arbeitnehmerschutz sowie Sicherheitsmanagement. Wie ist Ihr Verhältnis zu den Staatsbahnen? Wenn wir Züge organisieren, benötigen wir in vielen Fällen auch Leistungen der großen Bahngesellschaften. So kaufen wir z.B. bei den ÖBB Verschubleistungen für den letzten Teil der Strecke bis zum Kunden zu. Natürlich ist der Markt auch aufgrund der Wirtschaftslage hart umkämpft, von den Staatsbahnen genauso wie den mittlerweile zahlreichen privaten Anbietern. Doch das Geschäft ist trotzdem für uns rentabel. Welche Vorteile haben Sie im Vergleich zur großen Konkurrenz?

GERALD RETSCHER: „Wir bauen mit den Kunden eine Logistikkette auf, wobei wir flexibel auf Veränderungen reagieren.“

Wir haben eine kleine Crew mit nur 58 Mitarbeitern, die extrem motiviert sind. Mit diesem Team können wir die Kundenorientierung intensiv leben. Wir versuchen gemeinsam mit den Kunden eine optimale Logistikkette aufzubauen und können flexibel auf alle Veränderungen reagieren – bei Bahntrassen, beim Kunden oder auch in der Wirtschaft. 2008 haben wir insgesamt 3.134 Züge organisiert, damit ein Volumen von 2,8 Millionen Tonnen befördert und einen Umsatz von 39,7 Millionen Euro gemacht. Sehen Sie ein weiteres Potenzial für die Verlagerung von Transporten von der Straße auf die Schiene? Auf längere Entfernungen auf jeden Fall. Und das würde auch dem Klima einiges bringen. Denn allein unsere Transporte vermeiden im Jahr 10.000 Tonnen CO₂-Ausstoß. Gibt es auf den Schienen überhaupt noch genug Platz für größere Mengen von Gütertransport? Es findet sich immer noch Platz, wobei es in

Österreich auf der Westbahn schwieriger ist, auf der Südbahn leichter. Es liegt am Organisator der Züge, die Transporte mit dem Kunden so zu timen, dass der vereinbarte Zeitablauf eingehalten und die Schienenkapazitäten optimal genützt werden können. Würde eine weitere Verbreitung des neuen ETCS (European Train Control System) in Europa mehr Platz auf den Schienen schaffen? Bei einer tatsächlichen europaweiten Einführung ließen sich die Abstände zwischen den Zügen natürlich merklich verkürzen. Es könnten also mehr Züge über die vorhandenen Schienen fahren. In der modernsten Ausprägung, die eine elektronische Steuerung der Züge vorsieht, fiele auch die Signalisierung weg, die derzeit in jedem Land anders ist. In der Realität sind wir allerdings davon noch weit entfernt. Einerseits gibt es von ETCS drei verschiedene Levels, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in den verschiedenen Ländern eingeführt werden. Andererseits geht Deutschland überhaupt einen eigenen Weg.

Neben der Signalisierung gibt es auch noch andere Unterschiede, die bisher ein Überqueren der europäischen Grenzen für die Bahn erschweren. Das stimmt leider. Unter anderem fährt die Bahn in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichem Strom. Mit unserer neuen Siemens-Lok können wir immerhin in Deutschland, Österreich und Ungarn fahren, weil die Züge elektronisch auf verschiedene Stromvarianten umschalten. Dazu kommt, dass die Zugsführer mit ihren jeweiligen Führerscheinen nur in einem Land fahren können. Es gibt keinen europäischen Triebfahrzeugführerschein. Außerhalb Österreichs müssen wir daher auf jeden Fall mit Partnern zusammenarbeiten. Das funktioniert allerdings gut und hindert uns nicht daran, internationale Züge auf die Schiene zu bringen. ■

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www.wlb.at www.siemens.at/mobility

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ENDLOSES STAHLBAND Flüssiger Stahl kann über Gießen und Walzen bis zum Aufwickeln des fertigen Blechs in einem einzigen Produktionsschritt verarbeitet werden. Der Vorteil: bis zu 45 Prozent Energieeinsparung. Die erste Endless Strip Production (ESP-Verfahren) läuft im Arvedi-Werk in Cremona. www.siemens-vai.com

New s-Snack IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll SPRINGENDE ATOME

SCHNELL ERKANNT

Mithilfe eines Elektronensynchrotrons haben Physiker der Universität Wien erstmals Atome beim Springen durch einen Festkörper beobachtet. Die Atombewegungen sind für Alterungsprozesse in Werkstoffen verantwortlich. www.esrf.eu

Am Linzer Institut für Analytische Chemie wurde eine Analysemethode entwickelt, mit der Kunststoffadditive auch bei fertigen Produkten innerhalb weniger Sekunden bestimmt werden können. www.analytical. jku.at

Klemens Lendl

Siemens, Uni Wien, JKU, wlcab, Fest

ZUNGENBLICKE US-Wissenschaftler haben ein Gerät entwickelt, das Kamerabilder als elektronische Signale an ein Blättchen auf der Zunge weiterleitet. Das dabei entstehende Prickeln lässt Bilder im Kopf entstehen. Weiße Kamerabilder prickeln stark, graue schwächer. vision.wicab.com

Christina Lehner

VON OBEN UND UNTEN Das Forschungsprojekt Geosola an der Johannes-Kepler-Universität Linz versucht Solar- und Erdwärmetechnologien zu kombinieren. Der Grundgedanke: Überschüssige Solarwärme wird in den Untergrund geschickt und gespeichert. www.ivt.jku.at

N e w s hi!school

Automatisierungstechnik

und gleichzeitig sehr flexiblen Finraystrukturen wurden von den Festo-Forschern schließlich zu Greifern für runde und ovale Produkte weiterentwickelt. Angeregt wurde das von Kunden, die Blumenzwiebeln verarbeiten wollten. Der Fin-Gripper passt sich beim Greifen den gewölbten Flächen an und bringt dadurch auf den Objekten einen geringeren Druck auf als starre Greifer mit drei Backen. www.biokon.net

Der Automatisierungsspezialist Festo im deutschen Esslingen gründete 2006 das Bionic Learning Network, eine Plattform für Firmen, Hochschulen und Institute. Ziel ist es, mithilfe der Bionik neue Technologien für die Automation aufzuspüren. Zuletzt entpuppten sich Pinguine als Ideenlieferanten. Um die Bewegungen der Tiere nachzubilden, wurde eine neuartige Finraystruktur entwickelt. Der nachgebaute Roboterpinguin kann mit Flügelantrieb und einem in alle Richtungen beweglichen Kopf und Schwanz auf engstem Raum manövrieren. Die leichten

Fe r t i g u n g s te ch n i k

Produktionsmanagement lernen Die Technik Akademie Vienna Region (TAVR) setzt in der Aus- und Weiterbildung auf Automatisierung und ein Manufacturing Execution System (MES) von Siemens. MES-Lösungen

Studie IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll

Fo r s ch u n g

Was Arbeitnehmer motiviert Bewertet mit „sehr wichtig“: 72,3 % Arbeitsklima 61,2 % Vorgesetzter 53,7 % Gehalt 47,1 % Arbeitszeiten 46,3 % Karrierechancen 42,4 % Herausforderung 40,7 % Mitgestaltung 34,9 % Work-Life-Balance 28 % Arbeitsumfang

lence Transfer (Comet) der TAVR. Geübt wird an einem System, das von Siemens-Lehrlingen aufgebaut, verdrahtet und grundprogrammiert wurde. Der Lehrgang wird an der Donauuniversität Krems mit dem Zertifikat „Operative Manager“ abgeschlossen. www.tavr.at

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Quelle: Marketagent.com online reSEARCH GmbH

FOTOS: INPRO SOLAR, PHILIPSV, STEAMCAR.CO.UK, APA-IMAGES/DPA, PASSFACES.COM, FESTO.COM, SILHOUETTE

Bionik als Vorbild für Automation

kontrollieren die gesamte Fertigung von der Planung über die Verwaltung von Produktionsmitteln, die statistische Auswertung von Daten aus der Fertigung und die Wartungsplanung bis hin zu Schnittstellen für die optimale Materialwirtschaft, Konstruktion und kaufmännische Auftragsabwicklung. Daher sind sie ein wichtiger Baustein des Lehrgangs zum Certified Operational Manager by Excel-

»Wie viele Stammzellen muss man in den Körper bringen, um Erfolge zu erzielen, und wann? An diesen Fragen arbeiten wir.« DIRK STRUNK Leiter der Stammzellenforschung, Med Uni Graz

DAS GEHALT spielt nur für jeden zweiten Umfrageteilnehmer mer eine Rolle als Motivato Motivator torr un to u und d gi gilt im Vergleich zum Betriebsklima nicht als zentrales Argument für die bestimmten di Auswahl hl eines i b i Jobs. Frauen haben ein stärkeres Bedürfnis nach sozialer Anerkennung, während die Bezahlung bei Männern eine größere Rolle spielt.

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SUPERNETZ. Als weltweit standardisierte und anerkannte Plattform wird das Internet immer mehr zum Supernetzwerk, das als Internet der Dinge und Dienste unsere Umwelt intelligent und steuerbar macht.

Sabine Nebenführ

Christina Lehner

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Web 3.0

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Internet für fast alles Das Internet ist aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken, im privaten genauso wie im beruflichen Umfeld. Die Zahl der User steigt ständig, und die zugrundeliegenden Technologien werden laufend weiterentwickelt. Beruflich dient das Internet mittlerweile als unverzichtbares Kommunikationsmedium: E-Mail, Sprache, Video und spezifische Tools, die eine unkomplizierte Zusammenarbeit der MitarbeiterInnen ermöglichen, unterstützen die Abwicklung von Unternehmensprozessen.

Und sie helfen damit den Betrieben, schneller und effizienter zu werden, Kosten zu sparen und nicht zuletzt die Umwelt zu schonen. In den Haushalten sind Breitbandinternetzugänge ebenfalls weit verbreitet, wenn auch noch nicht überall verfügbar. Allerdings wird auf nationaler und internationaler Ebene intensiv an einem Ausbau der Versorgung gearbeitet. Auch im privaten Umfeld ist das Internet mittlerweile wichtigste Informationsquelle und Kommunikationsmedium. Doch das ist bei weitem nicht alles. Immer häufiger wird im Netz nach preiswerten Einkaufsquellen gefahndet, werden Flugtickets oder Hotels gebucht und Banküberweisungen getätigt. Ein rasantes Wachstum verzeichnen die sozialen Plattformen Facebook und Twitter, die dabei sind, die Pflege persönlicher Beziehungen grundlegend zu verändern. Dieser Trend steht für eine grundsätzliche Veränderung der Nutzung des Internets: Vom User werden nicht nur Inhalte konsumiert, sondern vor allem auch erzeugt und anderen Nutzern zur Verfügung gestellt. Damit war das sogenannte Web 2.0 geboren. Gezielt filtern. In Summe ist die Zahl der Menschen und Unternehmen, die Content ins Internet stellen, dramatisch gestiegen – und die Qualität des Contents wird immer schwerer zu beurteilen. War es noch vor kurzem die Hauptaufgabe des Internets, möglichst viele Informationen zur Verfügung zu stellen, gilt es heute und in Zukunft, Informationen

gezielt zu filtern und relevante Infos zielgerichtet und schnell zu finden. Dazu ist es nötig, die im Internet verfügbaren Informationen für die im Hintergrund arbeitenden Computer verständlich und verarbeitbar zu machen. Dies kann beispielsweise dazu verwendet werden, dass der Computer bei jeder unserer Suchen im Netz lernt, woran wir interessiert sind, und immer präziser passende Ergebnisse liefert. Das Internet, das seine eigenen Inhalte versteht, wird semantisches Netz genannt. Die Kombination aus beidem, dem Web 2.0 und dem semantischen Web, wird häufig als das Web 3.0 bezeichnet. In diesem neuen Netz kann Wissen automatisiert generiert werden. Internet der Dinge. Doch das ist nur eine Entwicklungsschiene des Internet. Als weltweit standardisierte und anerkannte Plattform wird es immer mehr zum Supernetzwerk, das als Internet der Dinge und Dienste unsere Umwelt auf bisher ungeahnte Weise intelligent und steuerbar macht und uns völlig neue Möglichkeiten bieten wird. Das Internet der Zukunft wird dazu beitragen, dass wir Energie sparen und mehr alternative Energie nutzen. Es wird eine Medizin begünstigen, die auf den Erfahrungen der ganzen Welt beruht und bei Bedarf eine kontinuierliche Überwachung unseres Gesundheitszustandes ermöglicht. Die Industrie wird damit individueller und effizienter fertigen. Neue Mobilitätskonzepte bilden die Basis dafür, dass Menschen und Güter mit gut vernetzten öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln rasch, sicher und umweltfreundlich an ihr Ziel kommen. Unsere Gebäude und Wohnungen werden in engem Kontakt mit der Umwelt automatisch für das perfekte

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Web 3.0

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Forschen am Future Internet Nachdem die EU-Kommissarin Viviane Reding im Februar 2009 im Rahmen des Lisbon Council die Industrie dazu aufgerufen hat, eine Public Private Partnership (PPP) zum Thema Future Internet ins Leben zu rufen, um den Wirtschaftsstandort Europa nachhaltig zu sichern, haben Siemens und fünfzehn weitere große Industriepartner die European Future Internet Initiative gegründet. Diese erarbeitet zusammen mit der EUKommission gerade ein detailliertes Konzept für eine solche PPP Future Internet, mit dessen Umsetzung schon im Laufe des nächsten Jahres 2010 begonnen werden soll. Weil das Internet in vielen Bereichen, in denen Siemens aktiv ist, eine wesentliche Rolle spielt, ist eine aktive Beteiligung an der Weiterentwicklung des Internet selbstverständlich, sehr vielfältig und seit vielen Jahren fester Bestandteil der Forschungsaktivitäten bei Siemens Corporate Technology. Neben der Teilnahme an zahlreichen nationalen und internationalen Förderprojekten – wie beispielsweise in den Rahmenprogrammen FP6 und FP7 der EU – spielt Siemens auch in entsprechenden European Technology Fields (ETPs) wie NESSI (Networked European Software and Services Initiative) und EPoSS (European Platform of Smart Systems) eine wichtige Rolle – sowohl bei der Entwicklung der jeweiligen Strategic Research Agenda (SRA) als auch bei der Technologieentwicklung in zugehörigen Projekten. Generell liegt für Siemens dabei stets im Fokus, dass das Internet der Zukunft insbesondere die Anforderungen erfüllt, die nötig sind, um die industriellen Anwendungsszenarien Realität werden zu lassen. www.nessi-europe.com www.smart-systems-integration.org

Sabine Nebenführ

Christina Lehner

Klima sorgen und sicher sein. Generell wird das Internet in seiner neuen Form immer mehr Teil der realen Welt. Bereits heute gibt es beispielsweise durch Smart Phones eine Verknüpfung von realer und virtueller Welt: Steht man etwa beim Sightseeing vor einem unbekannten Gebäude, können per GPS der Standort bestimmt und eine Karte geladen sowie weitere detaillierte Informationen zum Gebäude zur Verfügung gestellt werden, und schon ist man – ganz ohne Reiseführer – voll im Bilde. Sicher Autofahren. Seit Jahren fahren wir unterstützt durch vielerlei Fahrassistenzsysteme, die auf den unterschiedlichsten Kommunikationslösungen aufbauen, sicherer Auto. Bei einem Unfall sind wir durch Drahtlostechnologien mit der Umwelt oder über das Internet mit einer Zentrale verbunden. In Zukunft werden Autos direkt miteinander kommunizieren und einander vor Gefahren warnen (siehe Story Seite 64). Mit Smart Home bezeichnet man vernetzte Eigenheime, die Licht, Heizung oder Jalou-

sien im Haus automatisch steuern können und dem Nutzer höheren Komfort und intelligentere Ressourcennutzung garantieren. Künftig sollen diese Geräte von unserem Verhalten lernen und unsere Wünsche immer besser automatisch erfüllen. Das Steuern dieser neuen vernetzten Welt wird auf vielfältige Weise möglich sein: Sprache, Gestik und Mimik werden die Bedienung einfach und schnell machen. Intelligente Stromnetze. Aus Solarkraftwerken in der Sahara und Windturbinen in der Nordsee lässt sich Europa in großem Umfang mit regenerativer Energie versorgen. Hunderttausende Haushalte werden in Zukunft zusätzlich aus Brennwertkesseln oder mit Photovoltaik Strom liefern wollen. Als Zwischenspeicher und Lastenausgleich könnten Elektroautos dienen. Die heutigen Stromnetze allerdings können diese dezentrale Energieanlieferung nicht verkraften. Daher wird an neuen intelligenten Netzen gearbeitet, sogenannten Smart Grids, in denen permanent Informationen ausgetauscht werden, mit deren Hilfe das zukünftige Stromnetz differenziert gesteuert wird. Die Informationen dafür laufen übers Internet. In dieses Netzwerk werden auch Millionen von Energieverbrauchern über intelligente Zähler (Smart Metering) eingebunden. Dabei können ausgefeilte Dienste realisiert werden – etwa wann Haushaltsgeräte laufen sollen, um günstige Stromtarife zu nutzen. In Zukunft kann der Zähler die Geräte auch zur richtigen Zeit

einschalten. Das Internet der Zukunft wird als Basis für den sicheren Informations- und Datenaustausch zwischen den unzähligen Komponenten des Energienetzes dienen. Generell wird in diesem neuen Netz vieles „as a Service“ abrufbar sein. Die Generierung von komplexen Anwendungen aus vielen kleinen Einzelservices wird durch Einführung einer serviceorientierten Architektur (SoA) stark vereinfacht. Eine komplette Reiseplanung mit Ticketkauf, Taxi- und Mietautobuchung, Informationen über Sehenswürdigkeiten, Restaurants etc. ist da noch eine leichte Übung. Komplexer wird es, wenn wir statt Betriebssystem oder Software zu kaufen alles, was der Laptop gerade können soll, aus dem Internet nutzen. Dieses sogenannte Cloud Computing wird bereits angeboten (siehe auch Seite 34). Neue Anforderungen. Internet für fast alles? Das stellt an das Supernetz der Zukunft Anforderungen, die es derzeit bei weitem nicht erfüllt: Adressierbarkeit einer viel größeren Anzahl von Geräten, höhere Zuverlässigkeit, höhere Flexibilität, fast unbeschränkte Kapazität, Verfügbarkeit jederzeit und an jedem Ort. Dazu kommt das heikle Thema der Sicherheit im Sinne einer Abwehr von Hackern oder Viren und der Garantie, dass private Daten geschützt sind. Um das alles zu erreichen, sind eine globale Einigung auf technische Standards und eine klare Rechtssprechung wichtige Voraussetzungen. Die heutige Internetarchitektur und ihr wichtigstes Element, das Internetprotokoll IPv4,

sind bereits mehr als dreißig Jahre alt. Im Laufe der Zeit musste an vielen Stellen nachgebessert werden, um den sich ändernden Anforderungen gerecht zu werden. Weil die längst nötige Runderneuerung aber zu teuer und zu aufwendig war, entstand ein Patchwork, das mit den neuen Wünschen an das Netz überfordert sein wird. Daher wird seit einiger Zeit in nationalen und internationalen Förderprojekten intensiv an Konzepten für ein Internet der Zukunft gearbeitet. Schritt für Schritt. Eine plötzliche Umstellung auf eine neue Architektur ist trotzdem nicht zu erwarten. Vielmehr muss der Wandel von der heutigen auf die zukünftige Architektur in mehreren Schritten geplant werden. Ein erster Schritt auf diesem Weg wäre die durchgängige Einführung des Internetprotokolls IPv6, das u. a. eine sehr viel größere Anzahl von IP-Adressen zur Verfügung stellt als das heute verwendete IPv4 und Vorteile in der mobilen Kommunikation bringt. So könnte die bestehende Architektur ein Stück weit an unsere ständig wachsenden Bedürfnissen angeglichen werden. Allmählich könnte es dann übergehen in ein Netz aller für alles. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII h i ! l i n kIIIIIIIIIIIIIIIIINFO www.ct.siemens.com www.siemens.com/energy www.siemens.at/it-solutions www.w3.org www.semanticweb.org www.ipv6.org

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DIE KOMBINATION MACHT SICHER: Moderne bildgebende Verfahren und Labortests arbeiten erfolgreich zusammen.

Präzise Diagnose, individuelle Therapie Schmerzen im Brustbereich, Erstickungsgefühl, Todesangst. Symptome für einen Herzinfarkt. Einlieferung ins Spital – die Ärzte handeln sofort und untersuchen gründlich. Doch weder das EKG noch andere Diagnoseverfahren bestätigen den Verdacht. Die Mediziner beschließen deshalb, den Zustand des Patienten mithilfe des neuen, sehr präzisen

pictures of the future

Siemens

Tests Troponin-I-Ultra permanent zu kontrollieren. Eine richtige Entscheidung. Denn die Troponinkonzentration im Blut, ein sicherer Nachweis für eine Schädigung des Herzmuskels, bestätigt den Verdacht, und die nachfolgende Herzkatheteruntersuchung bringt Klarheit: Die Blutgefäße sind verengt. Die Kardiologen setzen dem Patienten einen Stent, ein kleines Metallgeflecht, das die Ader weitet. Troponin ist ein Protein, das normalerweise nur im Herz vorkommt und nur durch das Absterben von Herzmuskelzellen ins Blut gelangt, wo es etwa drei Stunden nach Infarktbeginn nachweisbar ist und nach etwa 20 Stunden das Maximum der Konzentration erreicht. Aufgefunden wird das Troponin mit-

hilfe von Fängermolekülen in einem von Siemens Healthcare Diagnostics entwickelten vollautomatischen System. Dank seiner Sensitivität vermeidet der Test Mehrfachmessungen. Das spart Zeit und Kosten. Biomarker. Troponin-I-Ultra ist ein Beispiel für die Entwicklung neuer Biomarker, mit denen man im Labor künftig Krankheiten früher erkennen oder genauer diagnostizieren will, und zwar möglichst bevor sie gefährlich oder gar lebensbedrohlich werden. Ein Beispiel dafür ist der BNP-Test, der auch im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen zum Einsatz kommen kann. BNP ist ein Hormon, das bei Herzleistungsschwäche gebildet wird. Damit können Erkrankungen erkannt werden,

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Diagnosetechnik

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FRÜHERKENNUNG: Mit neuen Biomarkern Krankheiten sehen, bevor sie lebensbedrohlich werden.

bei denen noch keine klaren Symptome auftreten. Sowohl der Nachweis von Troponin als auch die Konzentration von BNP sind heute wichtige Parameter in der Kardiologie. Leber in Gefahr. Der ELF-Test (Enhanced Liver Fibrosis) wiederum wurde entwickelt, um früh Hinweise auf Leberfibrosen zu finden und den Krankheitsverlauf zu verfolgen.

Leberfibrosen entstehen beispielsweise, wenn das Organ durch Viren geschädigt ist, bei Alkoholmissbrauch oder Stoffwechselerkrankungen. Sie führen zu einer Verhärtung des Lebergewebes und einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Organs. In weiterer Folge kann daraus eine lebensbedrohliche Zirrhose oder Leberkrebs entstehen. Für eine

präzise Diagnose ist derzeit eine Biopsie erforderlich, die Entnahme einer Gewebeprobe mit einer Hohlnadel. Dieser Eingriff ist nicht nur für den Patienten unangenehm, sondern trifft oft auch nicht die krankhaften Gewebeteile und birgt die Gefahr von Komplikationen. Der Einsatz des neuen ELF-Tests kann Patienten eine Leberbiopsie ersparen.

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Diagnosetechnik

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NEUE LABORTECHNIK: Automatisierte Prozesse ersparen zeitintensive Tätigkeiten und liefern zuverlässige Ergebnisse.

Nicht nur Leberfibrosen, auch andere Erkrankungen entwickeln sich oft langsam und werden dann plötzlich zur tödlichen Gefahr. Besonders heimtückisch ist die Sepsis – die Blutvergiftung –, bei der sich Krankheitskeime im Körper explosionsartig vermehren. Das passiert besonders häufig bei geschwächten Patienten nach schweren Operationen. Die Sepsis ist derzeit eine der häufigsten Todesursachen von Patienten auf Intensivstationen. Ein neuer Test, den Siemens entwickelt hat, weist nun LBP nach, das Lipopolysaccharid-Bindeprotein. Die Produktion dieses Eiweißes wird im Körper durch eindringende Keime angeregt. Sepsis schon im Vorfeld vermeiden. Testet man den Patienten regelmäßig, lässt sich an der LBP-Konzentration erkennen, ob eine anfangs lokal bestehende Infektion das Potenzial hat, sich über den ganzen Körper auszubreiten. Derzeit bereits gängige Tests, die den körpereigenen Entzündungsbotenstoff Interleukin 6 nachweisen, schlagen erst an, wenn sich die Infektion ausbreitet. Das kann in vielen Fällen zu spät sein. Der neue LBP-Test wird auf dem Siemens-Analysesystem Immulite betrieben, das in vielen Kliniken für einen Großteil der Intensivstationen verfügbar ist.

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Individuelle Therapie. Moderne Labortests können auch eingesetzt werden, um die für den jeweiligen Patienten richtige Therapie auszuwählen. Herceptin spricht zum Beispiel nur bei Brustkrebspatientinnen an, auf deren Tumorzellen der Rezeptor HER-2/neu (Humaner-Epidermaler-Wachstumsfaktor-Rezeptor) sitzt. Der Antikörper Herceptin blockiert diesen Rezeptor und damit die Signalkette, die eine Weiterentwicklung des Tumors steuert. Dadurch wird das Wachstum der Krebszellen gehemmt. Mit einer regelmäßigen Kontrolle der HER-2/neu-Konzentration lässt sich überprüfen, wie gut eine Chemotherapie ver-

läuft, ob Metastasen verschwinden oder ob der Brustkrebs nach längerer Zeit wieder aufflammt. Damit hilft der Test, den Weg zu einer personalisierten Medizin zu ebnen, die nach Tumor- oder Krankheitstypen differenziert und die Patienten individuell angepasst behandeln kann. Auch der neue Biomarker Carbonic Anhydrase IX (CA-IX) erfüllt diese Funktion. CA-IX ist ein Protein, das vermehrt von schlecht durchbluteten Tumoren ausgeschüttet wird, die unter Sauerstoffmangel leiden. Solche hypoxischen Tumore zeigen in der Regel eine erhöhte Resistenz gegen Bestrahlung und sind auch zumeist aggressiver. Ein Team von Siemens entwickelt neue PET(Positronen-EmissionsTomograph)-Biomarker, die hypoxische Gewebe durch helles Leuchten in bildgebenden Verfahren erkennbar machen. Mit neuen Therapeutika auf der Basis von CA-IX könnte man die Behandlung für jeden einzelnen Patienten optimieren und unnötige Untersuchungen und Therapien vermeiden. Auch die Suche nach einem sicheren Nachweis für Prostatakrebs macht Fortschritte. Experten sind sich einig, dass der Test mit dem klassischen Biomarker, dem PSA-Eiweiß, fehleranfällig ist. Sie fordern von einem neuen Test eine Trefferquote von 95 Prozent. Derzeit wird daher untersucht, inwieweit spezielle Varianten des PSA-Eiweißes, die f-, t- oder c-PSA-Werte, genauere Ergebnisse bringen. Ersatz für Biopsien. Um herauszufinden, ob ein Patient tatsächlich Prostatakrebs hat, greifen die Ärzte bislang fast immer zur Biopsie, die allerdings ebenso wie der Test oft falsche Negativbefunde zeigt. Als Ergänzung zu den neuen PSA-Bluttests könnten daher spezielle MR-Verfahren, eventuell kontrastmittelverstärkt, zum Einsatz kommen. Ein interessantes Beispiel, wie Labor und bildgebende Verfahren, die bei Siemens in einem Unternehmen vereint sind, in Zukunft zusammenspielen werden, um sehr effizient präzise Diagnosen, individuelle Therapien und deren Kontrolle sicherzustellen. ■

IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINFO IN ZUKUNFT lässt sich auch Prostatakrebs mit

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Biomarkern früher und sicherer aufspüren.

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Vier in einem

Test mit Tempo

Die Analyseverfahren von Dimension Vista

Zu Stoßzeiten landen oft stündlich mehrere hundert Blut- oder Urinproben in den Labors großer Krankenhäuser. Pro Probe müssen oft zehn Werte und mehr ermittelt werden, die auf unterschiedliche Erkrankungen hinweisen können. Die Belastung für die Laboranten ist enorm, denn in medizinischen Labors stehen meist verschiedene Apparate, die jeweils nur einige wenige Parameter analysieren. Deshalb muss der Arzt einem Patienten auch oft mehrere Ampullen Blut abnehmen. Vollautomatische Messungen. Um künftig die Arbeitsabläufe im Labor zu optimieren, hat Siemens das Kombigerät Dimension Vista entwickelt, das viele Laboranalysegeräte in sich vereint und vollautomatisch bis zu 1.500 verschiedene Messungen aus 200 Patientenproben abarbeitet. Das Gerät kann 97 Prozent aller im Routine- und Notfallbetrieb eines Krankenhauses anfallenden Laboruntersuchungen durchführen. 105 verschiedene Parameter stehen zur Auswahl. Das Spektrum reicht von Routinemessungen bis zu neuen Methoden wie dem Nachweis des Nierenmarkers Cystatin C. Neue Marker kommen laufend dazu. Parallel arbeitende Analyseverfahren. Das hohe Tempo erreicht das Gerät durch die Integration und intelligente Anordnung von vier verschiedenen, parallel arbeitenden Analyseverfahren. Es setzt auf eine ausgeklügelte Mechanik und enthält eine miniaturisierte Abfüllanlage für Proben und Reagenzien. Am Beginn der Tests verteilt die Abfüllanlage zunächst kleine Mengen der Proben auf verschiedene Vorratsgefäße. Allein bei dieser Umfüllung ist Dimension Vista schnel-

KOMBIGERÄT: Pro Stunde zieht Dimension Vista bis zu 200 Blut- oder Urinproben automatisch ein, analysiert diese mit vier verschiedenen Messmethoden und liefert aussagekräftige Laborwerte.

■ Die LOCI-Technik (Luminescent Oxygen Channeling Immunoassay) kann Moleküle durch Ankoppeln von Antikörpern nachweisen. Solche Moleküle können auf Blutarmut oder Schilddrüsenerkrankungen hinweisen. Auch sehr geringe Konzentrationen sind nachweisbar, etwa von Troponin-I, das bei einem Herzinfarkt freigesetzt wird. ■ Ein Photometer erfasst bestimmte Substanzen durch charakteristische Lichtabsorption. ■ Das V-Lyte-Modul misst die Elektrolyte Natrium, Kalium und Chlorid als Ionen. ■ Mit dem Nephelometer, einem optischen Analyseverfahren, lässt sich die Konzentration fein verteilter Schwebeteilchen in Flüssigkeiten bestimmen und beispielsweise Plasmaproteine im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten nachweisen. Damit sind Aussagen über das Herzinfarktrisiko, die Entwicklung rheumatischer Erkrankungen oder gefährlicher Entzündungsreaktionen möglich.

IM KÜVETTENRING werden die Proben von einem Messpunkt zum anderen transportiert. ler und benötigt auch weniger Probenmaterial. Das Herz der Maschine bildet ein Küvettenring, der die Küvetten von einem Messpunkt zum nächsten bringt. Ebenfalls vollautomatisch werden in die Patientenpro-

ben Reagenzien pipettiert. Ein Zentralrechner weiß, wie lange es dann dauert, bis ein Wert gemessen werden kann. Danach leert und wäscht das Gerät die Küvetten, die wiederverwendet werden können. ■

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Perfekte Reparatur Von Stammzellen werden wahre Wunder erwartet. Krankheiten wie Alzheimer oder Diabetes sollen damit geheilt, das durchtrennte Rückenmark Querschnittsgelähmter ergänzt und beschädigte Herzmuskeln repa-

MAGNETRESONANZ IM FORSCHUNGSEINSATZ. Um die Stammzellen und ihre Aktivitäten analysieren zu können, werden die Auflösungsmöglichkeiten der MR ausgelotet.

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Siemens

riert werden. Nach der Liberalisierung der Stammzellenforschung in den USA wird von einer 500-Milliarden-Dollar-Industrie gesprochen, die im Entstehen ist. Leider haben angekündigte Wunder in der Medizin bisher selten stattgefunden, weil vorhergesagte Erfolge neuer Methoden oft nicht im erwarteten Umfang eingetreten und Risiken deutlicher geworden sind. „Embryonale Stammzellen sind pluripotent. Eine solche Zelle hat das Potenzial, alle Körperfunktionen zu übernehmen“, betont Dirk Strunk, Leiter der Stammzellforschung an der Med Uni Graz. „Doch die Zellen können auch Tumore bilden. Das haben Tests an Mäusen bewiesen.“ Ihre Vermehrungsfähigkeit ist phänomenal, und wenn sie einmal im Köper sind, lassen sie sich nicht mehr entfernen. Bestimmte Aufgaben. Allerdings denkt man gegenwärtig auch nicht daran, Zellen mit undifferenzierten Möglichkeiten einzusetzen, sondern solche, die nur auf eine bestimmte Aufgabe programmiert sind. Außerdem sind für die neuen Verfahren auch keine embryonale Stammzellen erforderlich. Strunk: „Es ist vor Kurzem erstmals gelungen, in praktisch unbegrenzter Menge Bindegewebszellen herzustellen, deren embryonale Selbstkontrolle aufgehoben ist. Sie könnten zum Beispiel Bindegewebe und Knochen erneuern oder das Immunsystem regulieren.“ Bisher jedenfalls ist die einzige etablierte Form der Stammzellentherapie die Behandlung von Leukämie. Die dabei verwendeten Blutstammzellen siedeln sich im Knochenmark an und sorgen für die Produktion von Blut. Behandelte haben dann auch die Blutgruppe des Spenders.

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Stammzellen

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Was andere Stammzellen tun, wenn sie in den Körper gelangen, ist nur sehr unzureichend erforscht. Das kann auch ein Grund dafür sein, warum bisherige Versuche, Stammzellen in der Reparaturmedizin einzusetzen, kaum Effekte gezeigt haben. „Grundsätzliche Fragen sind nicht geklärt“, weiß Strunk, „Wie viele Stammzellen benötigt man? Wann ist der richtige Zeitpunkt, sie in den Körper zu bringen?“ Etwa bei einem Herzinfarkt: bei der Diagnose, am selben Tag oder später? Stammzellen verfolgen. Mindestens ebenso wichtig ist, wo und wie die Stammzellen im Körper landen und was dann mit ihnen passiert. Um das herauszufinden, muss man die Stammzellen im Körper verfolgen können. Daran arbeiten Wissenschaftler in Graz, eine erfolgreiche Kooperation über Fakultätsgrenzen hinweg. Siemens unterstützt diese Forschung, für die moderne Computer- und Magnetresonanztomographie eingesetzt wird. Ziel ist es Machbarkeit, Sicherheit und Effizienz von Stammzellenbehandlungen abzuklären. Das ist auch ein zentrales Thema für den im Aufbau befindlichen Biotechmed-Cluster in Graz und die damit verbundene Zusammenführung der Aktivitäten im Life-ScienceBereich. Ein großer Vorteil dieses Clusters ist die Eigenständigkeit bei der Zellherstellung mit einem industriellen Partner. Dass Stammzellen menschliche Köperteile bilden können, wurde in Tierversuchen bewiesen.

In Mäusen wachsen funktionierende menschliche Blutgefäße oder Knochen. „Anhand von Mäusen wollen wir auch herausfinden, ob Stammzellen nach der Injektion noch ihre Funktion haben und ob sie im gewünschten Organ ankommen“, berichtet Rudolf Stollberger vom Institut für Medizintechnik. Dazu ist es wichtig, sie zu kennzeichnen. Dafür haben sich Nanopartikel aus Eisen bewährt, mit denen der Körper gut umgehen kann und die in der MR einen Kontrast erzeugen. Bisher ist auch nicht klar, wie die Zellen wissen, in welche Körperteile sie sich entwickeln sollen. Stollberger: „Es geht daher auch um den Informationsaustausch zwischen Zellen und Geweben.“ Um die Stammzellen und ihre Aktivitäten erforschen zu können, werden die Auflösungsmöglichkeiten der MR ausgelotet. „Wir testen und entwickeln verschiedene Untersuchungsverfahren, um auch geringe Konzentrationen von markierten Zellen mit positivem Kontrast darstellen zu können“, berichtet Stollberger. Auch optische Bildgebung mit Fluoreszenz kommt zum Einsatz. Nur wenn die Verfolgung der Stammzellen gelingt und umfassende Informationen über die Funktionsweise der Stammzellen vorliegen, wird feststehen, welche Wunder wir von dieser neuen medizinischen Richtung erwarten können. Dann allerdings sind es keine Wunder mehr, sondern Behandlungen auf Basis gesicherter Informationen. ■

Auf Zellsuche

IM VORKLINISCHEN STADIUM klären, was mit den Stammzellen im Körper passiert – dazu bedarf es neuartiger Mess- und Darstellungsmethoden.

Noch sind es Mäuse, an denen Wissenschaftler testen, welche Fähigkeiten Stammzellen haben. In diesem vorklinischen Stadium soll geklärt werden, was mit den Zellen im Köper passiert. Weltweit suchen daher derzeit Spezialisten Messmöglichkeiten, die kleinste Strukturen darstellen. In Graz werden für die aktuellen Stammzellenversuchsreihen ein spezieller Micro-CT und ein MRT eingesetzt. Der Micro-CT schafft Darstellungen der Morphologie bis in den Tausendstelmillimeterbereich. Setzt man zusätzlich Tracer ein (PET oder SPECT CT), kann man die Zellen auch verfolgen.

DIRK STRUNK: „Grundsätzliche Fragen sind nicht geklärt: Wie viele Stammzellen benötigt man? Wann ist der beste Zeitpunkt, um sie in den Körper zu bringen? Daran arbeiten wir.“

RUDOLF STOLLBERGER: „Wir testen und entwickeln verschiedene Untersuchungsverfahren, um auch geringe Konzentrationen von markierten Zellen mit positivem Kontrast darstellen zu können.“

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www.tugraz.at www.meduni-graz.at www.humantechnology.at www.siemens.com/healthcare

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KLICK-BUMM INS INTERNET: Man drückt eine Taste, und die Anwendung startet sofort – wie bei einem Lichtschalter.

Startschuss für die vierte Handygeneration Es ist wieder so weit. Nach GSM, GPRS und UMTS sorgt nun die vierte Handygeneration für Diskussionen. Mit Long Term Evolution (LTE) sollen bei Tempo und Übertragungsqualität einige Gänge zugelegt werden – meinen zumindest die einen. Die anderen befinden, dass LTE zwar sinnvoll, aber noch nicht ausgereift sei und daher zu früh thematisiert werde. Faktum ist: LTE ist bis zu 15-mal schneller als die besten heutigen Handynetze. Damit macht der Mobilfunk erstmals den Kabelnetzen Konkurrenz, wenn es ums Internet geht. T-Mobile-Austria-Boss Robert Chvatal, der LTE wie kein anderer Netzbetreiber in Österreich vorantreibt, weiß, was das für den User bedeutet. „Bei LTE müssen die User nur noch die Taste drücken, und die Applikation läuft sofort

Christian Pressler

Sony Ericsson

ab. Kein Streaming, kein Buffering, kein langer Download sind mehr nötig. Damit wird mobiles Surfen so stabil und schnell wie im Festnetz.“ Während aktuelle UMTS-Handys etwa eine halbe Stunde brauchen, um einen DVD-Film aus dem Netz zu ziehen, wird das mit LTE in einer Minute erledigt sein. Songs aus dem iTunes Store sind in Sekundenbruchteilen gespeichert, und selbst hochauflösende Multiplayer-Games laufen ruckelfrei ab. Feldversuch. Vor zwei Monaten hat T-Mobile bei einem Feldversuch in Innsbruck gezeigt, dass all das tatsächlich so funktioniert. Chvatal: „Bei UMTS hat man den Fehler gemacht, die Technik zu loben, aber darauf vergessen, den Kundennutzen herauszustreichen. Das wird bei LTE nicht passieren.“ Doch es geht nicht nur um User-Anwendungen. Aufgrund der stetig steigenden Menge an Datenübertragungen stoßen die heutigen Mobilfunknetze an ihre Kapazitätsgrenzen. Das bestätigen auch Chvatals Mitbewerber, Orange-Boss Michael Krammer und Telekom-Austria-Primus Hannes Ametsreiter.

Christina Lehner

Trotzdem stehen beide dem aktuellen LTEHype skeptisch gegenüber, mit verschiedenen Begründungen. TA-Boss Ametsreiter hat vor Kurzem sein neues Glasfasernetz in Villach gestartet. Die Highspeedleitungen, die in ganz Österreich verlegt werden, sollen das Festnetz wieder in Schwung bringen. LTE stellt dafür eine Konkurrenz dar. Ametsreiter: „Wir bereiten uns auf LTE vor, aber die Technik ist noch lange nicht so weit. In der Zwischenzeit ist HSPA+ die beste Lösung.“ Auch Orange-Chef Krammer setzt vorerst auf HSPA+, „das fast schon LTE-Geschwindigkeiten erreichen kann“. Er befürchtet bei LTE außerdem einen ähnlichen Hype wie bei UMTS, „was die Industrie mit der Versteigerung von Lizenzen fast an den Rand des Ruins gebracht hat“. In Deutschland haben die Betreiber astronomische 610 Euro pro Einwohner bezahlt, in Österreich waren es 102 Euro. Doch da war die Dotcom-Blase bereits geplatzt. Krammer: „Die Versteigerung der LTE-Frequenzen muss jetzt emotionslos vor sich gehen. Schließlich sollte jedem klar sein, dass wir heute noch internati-

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Mobilfunk

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DER SCHNELLE FILM: Während aktuelle UMTS-Handys etwa eine halbe Stunde brauchen, um einen DVD-Film aus dem Netz zu ziehen, wird das mit LTE in einer Minute erledigt sein.

So schnell ist die Handyzukunft LTE, Long Term Evolution, ist 15-mal schneller als die besten heutigen Handynetze. Damit wird mobiles Surfen ähnlich stabil und schnell wie das Festnetz. Noch gibt es dafür allerdings keine Endgeräte. Experten erwarten in zwei Jahren Datenkarten und ab 2012 LTE-geeignete Handys.

100 Mbit/s

7,2 Mbit/s 384 Kbit/s 56 Kbit/s

GSM

UMTS

HSDPA

LTE

onal Vorreiter im Mobilfunk sind, aber genauso schnell den Anschluss verlieren können.“ So emotionslos, wie es sich Krammer wünscht, ist die LTE-Vergabe aber schon jetzt nicht. Die Regulationsbehörde RTR hat die Veröffentlichung der Ausschreibungsunterlagen für den UMTS-Nachfolger für das erste Quartal 2010 angekündigt. Bis dahin muss die in der RTR zuständige Telekom-Kontroll-Kommission (TKK) Entscheidungen über die Stückelung der zu versteigernden Frequenzpakete treffen. Und genau das ist der springende Punkt. Vier mal mehr Masten. Die Politik will im Frühjahr zunächst nur die Frequenzen im sogenannten 2,6-GHz-Band ausschreiben. „Das eignet sich aber nur für den LTE-Ausbau in Städten“, betont Krammer. „Denn im 2,6-GHzBand braucht man viermal so viele Sendemasten wie bisher. Das ist nicht nur finanzieller Wahnsinn, sondern würde beim Vollausbau über Land auch dem einen oder anderen Landeshauptmann nicht gefallen.“ Genau wie T-Mobile-Chef Robert Chvatal und 3-Boss Berthold Thoma fordert Krammer daher die so-

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Mobilfunk

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GAMER UNTERWEGS: Selbst hochauflösende MultiplayerGames laufen mit der neuen Übertragung ruckelfrei ab.

genannte Digitale Dividende für den Mobilfunk. Darunter versteht man den Frequenzbereich zwischen 790 und 862 MHz, der bis 2015 noch für terrestrisches TV, also für den ORF, vorgesehen ist. Und dieser wehrt sich derzeit heftig gegen eine Abtretung an die Handywelt, weil man hier HDTV-Kanäle ausstrahlen will. 3-Chef Thoma versteht diese Haltung des Staatsfunks nicht: „Zwei Drittel der TV-Frequenzen sind seit Jahren ungenutzt. Wir brauchen sie für den Mobilfunk.“ Und Krammer ergänzt: „Es ist nur mit diesen Frequenzen möglich, den ländlichen Raum sehr schnell

mit mobilem Breitband zu versorgen.“ TKKChef Georg Serentschy hat in Interviews bereits signalisiert, die Seite der Mobilfunkbetreiber zumindest zu verstehen. Er versucht jetzt in Gesprächen mit den Stakeholdern möglichst rasch einen „pragmatischen Kompromisskorridor“ zu finden, um wenigstens Teile der Frequenzen für mobiles Breitband verfügbar machen zu können. Zum Vergleich: In Deutschland wird die Digi-

tale Dividende schon 2010 an die Mobilfunkbetreiber vergeben; in Finnland, Schweden, den Niederlanden und der Schweiz ist das bereits in den letzten Jahren geschehen. Läuft dann alles nach Plan, können die Handynetzbetreiber mit dem Bau der LTE-Welt beginnen. Allein: Auch dann fehlen noch die passenden Endgeräte. Vollwertige Handys der vierten Generation erwarten selbst die größten Optimisten nicht vor 2012. „Doch es wird in zwei Jahren schon LTE-Datenkarten geben“, ist T-Mobile-Chef Chvatal überzeugt. ■

HANNES AMETSREITER, Telekom Austria: „Wir bereiten uns auf LTE vor, aber die Technik ist noch lange nicht so weit. In der Zwischenzeit ist HSPA+, eine verbesserte HSDPA-Variante, die beste Lösung.“

LTE in zwei Jahren T-Mobile-Boss Robert Chvatal über die Vorteile der vierten Handygeneration, was sie uns bringt und was sie kostet. Sie sind derzeit der einzige Netzbetreiber, der die vierte Handygeneration LTE intensiv vorantreibt. Wie kommt es zu diesem Alleingang? Für uns ist LTE die mobile und bessere Alternative, weil wir damit auch eine ideale Lösung zur Versorgung von ländlichen Gebieten anbieten können. Trotzdem sind Ihre Mitbewerber fast unisono der Meinung, es sei zu früh, LTE zu zeigen. Das stimmt nicht. Wir haben in Innsbruck vorgezeigt, dass LTE auch im Feldversuch funktioniert. Wir haben keine Laborsituation nachgestellt, sondern haben 60 Sender aufgestellt und sind mit einem Auto quer durch die Stadt gefahren. Was derzeit noch fehlt – das stimmt –, sind Endgeräte. Ich glaube aber nicht, dass wir bis 2015 warten müssen, bis wir LTE nutzen können. Erste Datenkarten für mobiles Internet mit bis zu 100 Mbit/s wird es schon in zwei Jahren geben. Was werden die Kunden dann mit diesen Geschwindigkeiten anfangen können? Es geht darum, das Internet völlig neu zu erleben. Es wird keine langen Downloadzeiten mehr

Christian Pressler

geben. User können sich auf den Klick-BummEffekt einstellen: Das heißt, man drückt eine Taste, und eine Anwendung startet sofort – wie bei einem Lichtschalter. Es wird mit LTE aber auch möglich sein, Servicelevels anzubieten. Heute sind die Zellen begrenzt, und jeder, der darin surft, wird gleich behandelt. Bei LTE können wir VIP-User generieren, die einen bevorzugten Zugang erhalten. Wer mehr zahlt, hat also eine höhere Priorität? Genau das geht in Zukunft, weil wir erstmals flexible Geschwindigkeiten anbieten können. So optimieren wir das Netz. Nächstes Jahr ist die Vergabe der Frequenzen für LTE geplant. Wie teuer wird die für Sie? Ich glaube, dass wir den Haushalt schon genug gefüttert haben. Österreich ist eine der glücklichsten Nationen der Welt, was die Handytarife betrifft. Jetzt ist es Zeit, an uns zurückzuzahlen. Daher erwarte ich mir vernünftige Vergabemodalitäten und keinen Auktionshype. Ich kann aber sagen, dass wir 500 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren investieren werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. www.t-mobile.at

Sony Ericsson, T-Mobile, Telekom, Orange, Drei

Christina Lehner

MICHAEL KRAMMER, Orange: „Wir setzen derzeit auf HSPA+, das fast schon LTE-Geschwindigkeiten erreichen kann. Ich befürchte bei LTE einen ähnlichen Hype wie bei den Lizenzversteigerungen für UMTS, die die Industrie an den Rand des Ruins brachten.“ BERTHOLD THOMA, Drei: „Ich fordere wie meine Kollegen die Digitale Dividende – den Frequenzbereich zwischen 790 und 862 MHz, der bis 2015 noch für terrestrisches TV vorgesehen ist. Zwei Drittel der TV-Frequenzen sind seit Jahren ungenutzt. Wir brauchen sie für den Mobilfunk.“

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www.telekom.at www.orange.at www.drei.at www.3gpp.org www.umts-forum.org

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Bücher

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Vom Auto der Zukunft, neuer Kommunikation, Rechnen mit Gott und der Welt und einfachem Verkaufen

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ECKARD HELMERS

BITTE WENDEN SIE JETZT Eckard Helmers beschäftigt sich seit Jahren mit den Themen Mobilität und Schadstoffausstoß. Zum Verständnis der aktuellen Situation trägt die Geschichte des Automobils bei, mit der sich der Autor auseinandersetzt. Ausführlich erklärt er, welche Schadstoffe die herkömmlichen Verbrennungsmotoren neben dem klimaschädlichen Kohlendioxid noch produzieren. Helmers macht auch die Vor- und Nachteile von Biokraftstoffen und alternativen Antrieben transparent und argumentiert für flüssiggas- und erdgasbetriebene Autos. Am Ende entwirft er eine mobile Zukunftsvision, in der Elektroantriebe eine zentrale Rolle spielen. Neben praktischen Tipps und Entscheidungshilfen plädiert er für einen Bewusstseinswandel. Wiley-VCH, 24,90 Euro

THORSTEN DIRKS

R U D O L F TA S C H N E R

ICH, DU, ER, SIE, ES UND WIR

RECHNEN MIT GOTT UND DER WELT

Wie wir kommunizieren werden – das versucht Thorsten Dirks in diesem Buch herauszufinden. Die Art der Kommunikation hat sich in den letzten Jahren durch Mobiltelefon und Internet schnell und teils radikal verändert. In welche Bereiche die Kommunikation künftig noch vordringen wird und warum es notwendig ist, „Firewalls im Kopf aufzubauen“, wird hier auch für Verweigerer oder Newcomer in der neuen Kommunikationswelt verständlich erklärt. Dirks zeigt Trends und Fehlschläge der letzten Zeit auf und versucht, die rasante Entwicklung auf die Zukunft umzulegen. Ein ausgezeichneter Wegweiser für alle, die in Sachen moderner Kommunikation dazulernen wollen. Murmann Verlag, 18 Euro

Was Gott und die Welt eigentlich mit Mathematik zu tun haben, versucht Zahlenspezialist Taschner in diesem Buch darzulegen. Zahlen als starre Gebilde scheinen nichts Dynamisches an sich zu haben und keine Veränderung darstellen zu können. Oder doch? Taschner beweist, wie lebendig Zahlen sein können. Ob Malerei, Astronomie oder Licht – alles lässt sich mit Zahlen beschreiben. Taschner lüftet die Geheimnisse der persönlichen Zahlenwelt berühmter Mathematiker wie Gauß oder Hardy. Auch der allseits beliebte Fußball hat mehr mit Zahlen zu tun, als man vermuten möchte: Die Strategie einer Fußballmanschaft ist „eine Fundgrube für die mathematische Spieltheorie“. Ob Taschner eine garantierte Siegformel gefunden hat, wird nicht verraten. Ecowin, 22 Euro

ANDREAS DOLLE, BIRGIT LUTZER

M I C H A E L KÖ H L E R

BESSER ERKLÄREN, MEHR VERKAUFEN

VOM URKNALL ZUM CYBERSPACE

Die bevorzugte Sprache vieler Verkäufer von technischen Produkten ist Fachchinesisch – sind sie doch häufig auch Techniker oder Ingenieure. Der Kunde kann aber in vielen Fällen den Ausführungen nicht folgen und entscheidet sich für ein anderes Angebot. Dieser Ratgeber zeigt, wie man sich auf Gesprächspartner einstellen kann, die weniger Fachwissen haben. Er informiert über Techniken, mit denen komplexe Sachverhalte einfach darzustellen sind. Gabler, 34 Euro

Die ganze Welt zu erklären ist nicht einfach – Michael Köhler versucht diese Aufgabe zu bewältigen. Mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen geht er daran, die philosophischen Fragen nach dem Ursprung der Welt und dem Sinn des Lebens zu beantworten. Dabei entsteht eine umfangreiche Abhandlung über die Entwicklung der Welt aus naturwissenschaftlicher Sicht, beginnend mit den Molekülen über die Entstehung der Erde bis zur kulturellen Evolution des Menschen. Ein guter Überblick über die Geschichte von fast allem. Wiley-VCH, 24,90 Euro

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Smart Video

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Intelligente Beobachter Die Videoüberwachung hat ihre Bewährungsprobe bestanden. In London, der Stadt mit der intensivsten Überwachung, befürworten 90 Prozent der Bevölkerung die Kameras – mit gutem Grund, wie auch Beispiele aus Österreich zeigen. Seit etwa die Parkplätze der SCS Shopping City Süd bei Wien überwacht werden, sind die Autodiebstähle um rund 75 Prozent zurückgegangen. Im Stadtpark Rapoldi in Innsbruck reduzierten sich Vandalenakte und Taschendiebstähle um 65 Prozent. Mittlerweile sind auch Bahnhöfe der ÖBB und U-Bahnen der Wiener Linien mit Kameras ausgerüstet – unter Akzeptanz der Bevölkerung. Die digitalen Augen sind auch von der Datenschutzkom-

mission bewilligt, soweit der Überwachungsbereich gekennzeichnet ist und die Bänder nach 48 Stunden gelöscht werden. Die Erfolge führten zu einem Boom am Markt der Videoüberwachung, der weltweit auf elf Milliarden US-Dollar geschätzt wird – Tendenz steigend. Doch mit der zunehmenden Informationsflut stößt die Kontrolle an die Grenzen menschlicher Wahrnehmungsfähigkeit. Wachpersonal ermüdet. Bei nur zwei Monitoren mit automatischer Bildumschaltung verliert der Beobachter bereits nach zwölf Minuten bis zu 45 Prozent der Aktivitäten aus den Augen, zeigt eine US-Studie das Risiko des Rückganges der Aufmerksamkeit auf. Zehn Minuten später entgehen ihm fast alle kritischen Informationen, nämlich 95 Prozent. „Daraus ergibt sich ein Bedarf an automatischen und autonomen Analyse- und Auswertelösungen“, betont Claudia Windisch, Leiterin einer Forschungseinheit von Siemens, die sich mit Smart Video beschäftigt. Denn die kräftige Ausweitung des Personal-

standes, die andernfalls notwendig wäre, ist für die betroffenen Kommunen unbezahlbar. Immerhin hat eine relativ kleine Stadt wie Graz bereits Tausende Kameras im Dienst. Die Überwachungssysteme müssen intelligenter werden. Dazu soll ein gemeinsames Forschungsprojekt der TU Graz, von Joanneum Research und Siemens beitragen. Der sperrige Titel: OUTLIER, das für Online and UnaTended Learning for Implicit Event Recognition steht. Dabei geht es um die Entwicklung einer selbstlernenden Kamera, berichtet Horst Bischof, Professor für Computer Vision vom Institut für Maschinelles Sehen und Darstellen an der TU Graz und nennt als zentralen Trend bei der Videoüberwachung: „Die Intelligenz wandert in die Kamera.“ Völlig autonom. Im Rahmen des Forschungsprojekts Autovista wird ein Videoüberwachungssystem entwickelt, das völlig autonom agiert. Professor Bischof: „Das bedeutet, dass sich die Kamera durch ein Lernverfahren der Umgebung anpassen kann und auf Ände-

HOOLIGANS FINDEN. Ein neues System verknüpft die Gesichtserkennung mit gängigen Kameraperspektiven

aus der Überwachungstechnik in Echtzeit. Hooligans werden im Vorbeigehen erkannt.

Elisabeth Dokaupil

Christina Lehner, Getty Images, Katsumi KASAHARA / Gamma/eyedea / apa picturedesk, Siemens

KIND VERLOREN? Werden Personen in einem Kaufhaus gesucht, orientiert sich das System am äußeren Erscheinungsbild wie Gangmuster oder Kleidungsstil. Mit demselben Programm kann man auch Personen zählen.

rungen automatisch reagiert.“ Für die Überwachung muss der Mensch dann nicht mehr ständig aufmerksam sein. Entscheidend für die Effizienz ist allerdings nicht nur, dass die Kamera lernt, sondern auch, wie sie es tut. „Bei unserem Ansatz lernt die Kamera – etwa bei der Überwachung des Straßenverkehrs oder öffentlicher Plätze –, wie die Normalität aussieht, und kann davon außergewöhnliche Situationen wie Verkehrsunfälle, Brände oder Menschenaufläufe unterscheiden“, berichtet Josef Birchbauer, Siemens, über eine Methode, bei der Gefahrensituationen nicht mehr einzeln modelliert werden müssen. Birchbauer: „Ein prozentuell angegebenes Normalitätsmaß wird dabei auch eine Feinabstimmung ermöglichen, ab wann ein Eingreifen notwendig erscheint.“ Um Videoüberwachung rasch und effizient zu einem smarten Überwacher zu erziehen, wird auch an echtzeitfähigen Lernalgorithmen und neuen statistischen Ansätzen für wiederkehrende Ereignisse und Szenarien geforscht. Autobahn unter Kontrolle. Ein weiteres Forschungsprojekt von TU Graz, Joanneum Research und Siemens, an dem auch die Asfinag beteiligt ist, widmet sich der Videoüberwachung von Autobahnen. Während es für Tunnels bereits etablierte Systeme gibt, ist die Erfassung von kritischen Situationen auf Frei-

landstraßen wesentlich schwieriger. Denn auf Landstraßen ändern sich Licht- und Witterungsverhältnisse laufend. Die Videoüberwachung soll in diesem Fall mithelfen, bei Unfällen und Geisterfahreralarm schneller eingreifen zu können. Personen im Blickpunkt. Videoüberwachung kann auch eingesetzt werden, um Personen zu identifizieren oder zu suchen. Was nutzt es zum Beispiel, perfekte Fotos von Hooligans zu haben, wenn man sie nicht rechtzeitig entdeckt, bevor sie ein Fußballstadion betreten? Jeden einzelnen Besucher zu scannen würde zu lange dauern. Ein neues System von Siemens verknüpft die Gesichtserkennung mit gängigen Kameraperspektiven aus der Überwachungstechnik und arbeitet in Echtzeit. „Durch die Kombination einer Spiegelablenkung des Systems mit einer Überblicks-, einer Detailkamera und der nachgeschalteten Gesichtserkennung, ist es möglich, Gesichter herauszuzoomen und mit einer Datenbank zu vergleichen“, beschreibt Windisch die Technik. Das System wird mittlerweile in einem Casino getestet, wo gesperrte Spieler im Vorübergehen identifiziert werden. Will man aber Kriminelle oder auch verlorengegangene Kinder, etwa in einem Kaufhaus, finden, dann geht es zuerst nicht um Gesichter. „Basis ist in diesem Fall das äußere Erschei-

nungsbild wie Gangmuster oder Kleidungsstil“, weiß Birchbauer. „Im Falle einer Straftat kann man auch feststellen, wo sich verdächtige Personen vorher oder nachher aufgehalten haben.“ Die Systeme eignen sich auch dazu, Personen zu zählen, und zwar aus verschiedenen Kameraperspektiven. So lässt sich moderne Videotechnik auch nutzen, um die durchschnittliche Abfertigungszeit vom Verlassen eines Flugzeugs bis zur Gepäcksausgabe festzustellen. Eine Analyse des Verhaltens von Passagierströmen beim Umsteigen an Bahnhöfen liefert wertvolle Informationen für eine Verbesserung der Organisation. Es gibt aber auch weit kniffligere Aufgaben für die hilfreichen Kameras. Stellen Sie sich einen Güterzug vor, mit einem Container hinter dem anderen, mit Nummern versehen, die unterschiedlich geschrieben sind. Selbst wenn der Zug mit 230 km/h unterwegs ist, können moderne Videosysteme herausfinden, ob die Reihenfolge der Güterwaggons oder Container noch stimmt und keiner fehlt. Bei Fähigkeiten wie diesen wird den digitalen Kameras die Arbeit so schnell nicht ausgehen. ■

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www.ct.siemens.com www.joanneum.at www.icg.tu-graz.ac.at

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s o t u A ko m m u n iz ie re n n n

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Eis in der Unterführung? Stau auf der Autobahn? Ein Unfall hinter der nächsten Kurve? Es sind böse Überraschungen wie diese, die dem Autofahrer oft keine Zeit mehr lassen, rechtzeitig zu reagieren. Dabei fehlt es grundsätzlich nicht an entsprechenden Informationen: Ausgestattet mit Dutzenden Sensoren, sammeln unsere Autos ständig aktuelle und sehr verlässliche Daten über ihre unmittelbare

Markus Honsig

Umgebung – ob das nun die Radsensoren des ABS sind oder das Radar einer Automatischen Distanzkontrolle. Das Problem ist: Noch sind unsere Autos elektronische Dateninseln, die Informationen nicht weitergeben und ebenso wenig empfangen können. Car-to-X Communication. Das soll sich mit Car-to-X Communication ändern. Das bedeutet: Jedes Fahrzeug, ob Auto oder Motorrad, Bus oder Bahn, wird zu einem Knotenpunkt in einem hochdynamischen Informationsnetzwerk, das per Funk nicht nur mit anderen Fahrzeugen, sondern auch mit der Infrastruktur an der Straße, etwa mit Ampeln, Verkehrsschildern oder Verkehrsbeeinflussungsanlagen (VBA), verbunden werden kann.

Car 2 Car Communication Consortium

„Internet auf Rädern“. Als verbindliche Funktechnologie wurde dafür schon vor einigen Jahren WLAN ausgewählt und speziell für diese Zwecke als automotive WLAN weiterentwickelt. Letztes Jahr schließlich folgte mit der europaweiten Festlegung exklusiv reservierter Funkfrequenzen für solche Anwendungen ein nächster wichtiger Schritt zur Realisierung von Car-to-X Communication, konkret ist es der 30-MHz-Frequenzbereich zwischen 5,875 und 5,905 GHz. Treibende Kraft unter den Automobilherstellern ist das Car-to-Car Communication Consortium, in dem sich führende Automobilkonzerne wie VW, BMW, Mercedes, Fiat oder Honda mit Soft- und Hardwarezuliefe-

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Ve rke h r

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Autos haben etwas zu sagen Jedes Fahrzeug wird zu einem Knotenpunkt in einem hochdynamischen Informationsnetzwerk, das per Funk mit anderen Fahrzeugen oder mit der Infrastruktur an der Straße, etwa mit Ampeln, verbunden werden kann.

rern zusammengeschlossen haben. Mit dabei auch Siemens, wo jene Kommunikationsund Applikationsframeworks entwickelt werden, auf denen die Hersteller ihre konkreten Anwendungen für erste Erprobungen aufsetzen können. Denn klar ist, dass es für Vorhaben solcher Art hohen und vor allem hersteller- und betreiberübergreifenden Abstimmungs- und Standardisierungsaufwand gibt. Schließlich können solche Systeme nur funktionieren, wenn sich ein BMW mit einem Mercedes und beide auch mit einer Ampel von Siemens verständigen können. Was automotive WLAN-Verbindungen von privaten WLAN-Netzwerken zu Hause unterscheidet, erklärt Fritz Kasslatter, Siemens

Corporate Technology CEE: „Solche Ad-hocNetzwerke müssen wesentlich schneller aufgebaut werden, als wir das vom Internet gewohnt sind – innerhalb weniger Millisekunden –, und eine hohe Verbindungssicherheit gewährleisten.“ Außerdem müssen die Verbindungen auch gegen Missbrauch geschützt sein. Kasslatter: „Deswegen werden die Daten signiert verschickt. Das heißt: Es kann zwar jeder mithören, aber die Quelle wird auf ihre Vertrauenswürdigkeit hin überprüft.“ Konkret gibt es vier Funkkanäle: einen Kontrollkanal, auf dem hochprioritäre Warnungen gesendet werden und den alle mithören, zwei flexible Kanäle, auf denen diverse Dienste angeboten werden, und einen Kanal für die notwendigen GPS-Daten. „Es funktioniert selbst bei hohen Geschwindigkeiten, wie Tests mit Autos zeigten, die mit 130 km/h aufeinander zufuhren“, so Kasslatter, der auch mit den bereits erzielten Reichweiten von 700 Metern zufrieden ist. Freilich gibt es noch ausreichend Erprobungsbedarf, etwa wie das System mit sehr vielen Teilnehmern funktioniert, oder Multihopping, also die Weiterleitung von Informationen über verschiedene Stationen. Intensive Tests. Weltweit laufen erfolgreiche Feldversuche, in den USA und in Deutschland mit unterschiedlichen Ansätzen. In Deutschland wird das Zusammenspiel von Ampel und Auto getestet, um die Grünphasen und mit

ihnen den Verkehrsfluss zu optimieren: Jede Lichtanlage sendet Richtgeschwindigkeiten an die Fahrzeuge, mit der sie die Ampel bei Grün erreichen. Diese Harmonisierung von Auto und Ampel würde auch das Energiemanagement von Elektroautos optimieren. Standardisierung. Der nächste Meilenstein in der Entwicklung von Car-to-X-Technologien ist die weltweite Standardisierung der einzelnen Bausteine und Schnittstellen, die bis spätestens 2012 abgeschlossen sein soll. Im Unterschied zu ähnlichen elektronischen Hightechsystemen braucht Car-to-X Communication von Anfang an viele Mitspieler. An den Kosten sollte es nicht scheitern. „Die Hardware, also die WLAN-Chips, sind für den Einsatz im Auto modifizierte Massenware, die Integration in die Infrastruktur ist relativ einfach und nur jene in das Fahrzeug etwas aufwendiger“, sagt Kasslatter. Mit der von der EU vorangetriebenen Einführung des E-Calls, einem System, das nach einem Crash einen automatischen Notruf über das Mobilfunknetz abschickt, könnte auch die Einführung von Car-to-X-Technologien einen zusätzlichen Anstoß bekommen. ■

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Christina Lehner

News

M o b i l e Wo h n l ö s u n g

Mikrohaus für Wasser und Land Auf die Größe kommt’s nicht an. Auch wer nur wenig Platz zur Verfügung hat, kann sich mit dem Mikrohaus seine Wohnträume erfüllen. Auf dreißig Quadratmetern haben eine Schlafkoje, WC-Anlage, Einbauküche und ein geräumiges Wohnzimmer Platz. Die Eigenheime können als Niedrigenergie- oder Passivhäuser ausgeführt werden. Kernstück des Mikrohauses ist ein Rahmen aus Stahlprofi-

len, der selbsttragend ist und fundamentlos aufgestellt werden kann. Beim Übersiedeln wird das Haus einfach mit dem Kran auf einen Lkw verladen und mitgenommen. Auch als Hausboot ist das Mikrohaus zu bekommen. www.mikrohaus.com

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gen die Elektronikbausteine den gen des Menschen, sind Bewegungen aktiv und körperfreundatmungsaktiv lich. Die ersten Anwendungen elversprechend: Eine sind vielversprechend: einlage kontrolliert Verbandeinlage uck der Bandage den Druck euchtigkeit und sowie Feuchtigkeit tur der Wunde. Temperatur Der Arztt prüft mittels egerät, ob ein VerbandsRFID-Lesegerät, wechsel notwendig ist. Gegen

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Mobile-Banking-Nutzer 2007 2010

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„Stella“ nennt sich ein EU-Projekt, in dem elf Partner aus vier Ländern an dehnbaren Leiterplatten arbeiten. Verarbeitet in flexiblen und dehnbaren Folien und Vliesstoffen, fol-

KOSTA TONEV Künstler

DIE BEQUEME ABWICKLUNG von Bankgeschäften über mobile Endgeräte wird in einigen Jahren zum Standard werden, prognostiziert der US-Marktforscher Forrester. Aufgrund steigender Kriminalität wird dann eine Authentifizierung mit Passwörtern und Fingerabdruck notwendig.

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Ne u e M ä rk te

Mobil immer gut versorgt Wir sind immer mehr unterwegs, und das nicht nur im Auto. In Zukunft wechseln wir immer häufiger zwischen den Verkehrsmitteln. Auf Kommunikation und gute

ZUKUNFTSFORSCHER MATTHIAS HORX. Der mobile Konsument will nicht nur ökologisch verträgliche Mobilität, sondern auch Lösungen für unterwegs, die der Gesellschaft guttun und seine persönlichen Bedürfnisse optimal befriedigen.

Ursula Grablechner

Versorgung wollen wir Nomaden des 21. Jahrhunderts dabei aber nicht verzichten. Deshalb boomen mobile Dienste, und es entsteht eine neue Generation von cleveren Verkaufsautomaten. Der mobile Konsument will nicht nur ökologisch verträgliche Mobilität, er sucht nach ganzheitlichen Lösungen für unterwegs, die der Gesellschaft guttun und dabei seine persönlichen Bedürfnisse bestens befriedigen. Das zeigt sich auch in der enormen Nachfrage nach intelligenten Handydiensten, die Orientierung in urbanen Zentren bieten und

AUTOMATEN werden zu flexiblen Anlaufstellen für Gourmets.

gleichzeitig für eine bessere Ökobilanz in den Städten sorgen. Ein Beispiel ist das Einschalten der Straßenbeleuchtung per Handy, das im brandenburgischen Groß-Pankow bereits 75.000 Euro jährlich spart. Immer mehr Anbieter auf den Out-of-HomeMärkten nutzen Web-2.0-Plattformen wie Facebook oder Twitter als Marketingtools, die individuellen Mehrwert versprechen. So kann etwa via Twitter verfolgt werden, wo sich der stylishe Eiswagen von Coolhaus gerade befindet oder wo es das koreanisch inspirierte Togo-Food aus dem Taco-Truck von Kogi Korean BBQ gibt. Und Bakertweet informiert hungrige Kunden, wann Croissants, Muffins oder frisches Brot noch ofenwarm zu haben sind. Telemetrische Anwendungen machen aus Stiefkindern der Verkaufskultur flexible Anlaufstellen für mobile Gourmets. Die neuen Lebensmittelautomaten sind nicht nur allzeit bereit, sie haben auch einiges zu bieten. Über

Getty Images, Klaus Vyhnalek, Technisches Museum, Zoom Kindermuseum

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News

Realtime-Ferndiagnose werden Füllstände, Verkaufsdaten oder eventuelle Temperaturschwankungen laufend überwacht. In Deutschland setzen bereits 70 Prozent der Schulen auf digitale Frischekontrolle, in vielen Schulautomaten findet sich ausschließlich Bioqualität. „Genussautomaten“ nennt der süddeutsche Automatenhersteller Stüwer seine intelligenten Verkaufsstationen, die Kühlschrank und Mikrowelle in sich vereinen. Ausgestattet mit GPRS-Technik, bieten sie hochqualitative Fertigmenüs, die in zwei Minuten zubereitet werden: Suppen, Eintöpfe, Fisch- und Fleischgerichte, Pastamenüs … alles ohne künstliche Farbstoffe, Geschmacksverstärker oder sonstige E-Stoffe. Ständige Bestandskontrolle über E-Mail und eine spezielle Weboberfläche verhindern Fehlbestellungen und leere Automaten. Neben Fernwartung und Qualitätssicherung bieten Hightechautomaten auch neue Möglichkeiten der Verkaufsförderung. So können die Touchpanels an den Geräten der neuen Generation auch als Medium für Werbevideos, Gewinnspiele oder Umfragen genutzt werden sowie Informationen zu den Produkten und Inhaltsstoffen liefern. Fernsteuerung in Echtzeit ermöglicht spezielle Verkaufsaktionen, etwa günstige Happy-Hour-Tarife. Essen ist wichtig, doch der mobile Konsument hat auch noch andere Wünsche. Hochwertige Elektronikartikel – von der Speicherkarte für Digitalkameras über MP3-Player, Nintendo-DSKonsolen bis zum iPod – verkauft der US-Elektronikdiskonter Best Buy in seinen Expressautomaten auf amerikanischen Airports. Und am Frankfurter Flughafen kann sogar Gold zum jeweils aktuellen Echtzeitgoldpreis erstanden werden. Bis Ende des Jahres sind 500 solcher Gold-to-go-Standorte geplant. ■

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www.zukunftsletter.de www.eatcoolhaus.com www.kogibbq.com www.bakertweet.com www.stuewer.de www.bestbuy.com www.gold-to-go.com

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Te ch n i s ch e s M u s e u m

Body Check Hightech für unsere Gesundheit präsentiert das Technische Museum Wien in der Ausstellung Body.check. Der Einsatz modernster Computertechnologie in der Medizin wird mittels spektakulärer Ausstellungsobjekte, Medienstationen und interaktiver Exponate dargestellt und lädt zum Testen, Ausprobieren und Entdecken ein. Die BesucherInnen erkunden faszinierende Bilder des menschlichen Körpers, können selbst in die Rolle eines Arztes schlüpfen und Eingriffe wie eine endoskopische Operation an Simulationsgeräten durchführen. Als Hauptsponsor unterstützt Siemens Österreich die Ausstellung, die bis 14. April 2010 läuft. Zur Ausstellung erscheint eine Spezialausgabe von hi!tech zum Thema Gesundheit. Spezial Gesundheit als E-Book unter: www.siemens.com/hitech www.tmw.at

Kindermatineen im ZOOM

Interesse für Technik, Kunst und Kultur früh zu fördern – das ist das Ziel der Siemens-Kindermatineen im ZOOM Kindermuseum in Wien. „Kinder eignen sich Wissen auf ganz andere Art an als Erwachsene. Sie lernen im Spiel, mit dem ganzen Körper und mit allen Sinnen, sie greifen die Objekte an und experimentieren mit ihnen“, erklärt ZOOM-Direktorin Dr. Elisabeth Menasse-Wiesbauer. Siemens Österreich ist seit 1998 Projektsponsor und Kooperationspartner, seit 2005 Hauptsponsor des ZOOM Kindermuseums. Die Kindermatineen sind bei freiem Eintritt für Kinder ab fünf bzw. sechs Jahren geeignet. Nächster Termin ist der 29. November 2009: Gemeinsam mit den Amadeus-Award-Gewinnern „Die Strottern“ werden die kleinen BesucherInnen musizieren und dabei Wissenswertes über das Wienerlied erfahren. www.kindermuseum.at www.siemens.at/kultur

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Romantisch verschneite Dörfer, der Pulverschnee staubt beim Carvingschwung, eine nächtliche Rodelpartie, Fun mit dem Board im Snowpark – vom coolen Rund-um-die-Uhr-Event bis zur stillsten Zeit ist der Winterurlaub für Millionen Touristen weltweit ein faszinierendes Erlebnis. Wenn alles passt, kommen die Gäste immer wieder in ihr Lieblingsskigebiet. Auf 80 Prozent Stammgäste bringt es etwa das Top Hotel Hochgurgl – allerdings in einer einmaligen Lage auf 2.150 Meter Höhe im höchstgelegenen Skiort der Alpen mitten unter Pisten. Doch das allein wäre zu wenig. Jede Menge Service und Technik sind notwendig, damit der Winterurlaub perfekt gelingt. Das beginnt bereits bei der Buchung. „Es wird immer kurzfristiger gebucht und immer häufiger über das Internet“, weiß Oliver Schwarz, Geschäfts-

Elisabeth Dokaupil

Top Hotel Huchgurgl

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Wintersport

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ÖTZTAL: Eine grandiose Kulisse von 250 Dreitausendern wartet auf Skifahrer, Boarder oder Tourengeher. Beschneiungs-, Präparierungs- und Seilbahntechnik garantieren das Urlaubsvergnügen.

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MOUNTAIN STAR. Spannende Architektur in exponierter Lage: Eine 120 Quadratmeter große Panoramakanzel thront auf einer Betonkrone mitten im Fels.

Effiziente Technik Die Kombination energieeffizienter Drehstrommotoren mit Frequenzumrichtern zur Drehzahlregelung macht den Betrieb von Seilbahn- und Liftanlagen sicherer und wirtschaftlicher. Energiesparmotoren von Siemens passen in nahezu jedes Antriebskonzept und zeichnen sich durch um über 40 Prozent geringere Verlustleistung aus. Maximale Wirkungsgrade erreichen sie durch den Kupferdruckgussrotor. Um drei bis zehn Prozent steigern lässt sich der Spareffekt noch, indem die beim Bremsen freiwerdende Energie ins Stromnetz zurückgeführt wird. Die Motoren sind obendrein unempfindlich gegenüber harten Umgebungsbedingungen wie Frost oder Luftfeuchtigkeit. Sie überhitzen sich nicht bei geringerer Fahrgeschwindigkeit über längere Zeit (z. B. wegen starkem Wind). Das Antriebs- und das fehlersichere Automatisierungssystem sorgen für kurze Inbetriebnahmezeiten und sicheren Betrieb. www.siemens.at/alpine

Elisabeth Dokaupil

führer von Ötztal Tourismus. Hier werden im Winter 2,6 Millionen Nächtigungen verzeichnet. Eine Entscheidung für eine Region trifft der Gast immer häufiger aufgrund der Empfehlungen anderer Besucher in Social Networks wie Facebook oder Twitter. Schwarz: „User Generated Content wird immer wichtiger. Viele unserer MitarbeiterInnen bloggen und haben Erfahrung mit Web-2.0-Applikationen.“ Sölden, wo zwei Gletscher die Saison auf Oktober bis Mai ausdehnen, hat eine eigene Community im Netz mit Blog-TV. Schnell und bequem. Hat der Gast einmal gebucht, dann erwartet er, dass alles, was nichts mit dem Überlaubserlebnis zu tun hat, so schnell, bequem und unkompliziert wie möglich abläuft. Convenience ist Trend. Ein Shuttle vom Innsbrucker Flughafen gehört im Ötztal dazu. Nach der Ankunft erwartet den Gast die Liftkarte am Zimmertisch, die Ski-

Siemens, Top Hotel Hochgurgl

schule ist mitgebucht, und wenn die entsprechenden Daten rechtzeitig abgegeben wurden, stehen Leihski und -schuhe schon im Skistall. „Im Verleih gibt es hervorragendes Material auf dem neuesten technischen Stand“, berichtet Alban Scheiber, Hotelier und Liftbesitzer in Hochgurgl. Die Zahl der Anhänger von Leihskiern steigt ständig. Schließlich kann man auch jederzeit auf neues Material umsteigen, wenn die Auswahl nicht gepasst hat. Perfekt ausgerüstet geht es los auf zwei Brettln oder am Board im g’führigen Schnee. Wobei gerade der Schnee – nicht zuletzt auch aufgrund des Klimawandels – den Tourismusverantwortlichen immer mehr Sorge bereitet. Zwar kann die Technik liefern, was das Wetter verweigert, allerdings erst, sobald die Temperatur passt. „Die Einschneizeit wird immer kürzer“, so Scheiber. „Wir beschneien ab Mitte Oktober und präparieren jeden Tag.“ Teurer Schnee. Die Beschneiung ist mittlerweile zu einer gigantischen Ausgabenposition im Budget der Skigebiete angewachsen. Sölden hat in der vergangenen Saison um 23 Millionen Euro die größte Einzelbeschneiungsanlage Europas gebaut. Auch Obergurgl und Hochgurgl haben in Beschneiung und die ganze Region in neue Lifte investiert, was die Gesamtausgaben in der Region auf 35 Millionen Euro schnellen ließ. Angesichts dieser Summen wird Wirtschaftlichkeit zu einem entscheidenden Kriterium für Auswahl und Betrieb aller Anlagen. Perfekte Energieversorgung, sparsame Pumpen und Antriebe und eine zentrale Steuerung der möglichst ausfallsicher vernetzten Pumpen und Schneekanonen über ein einziges Display halten die Beschneiungskosten so niedrig wie möglich. Wenn für Ausrüstung und Schnee gesorgt ist, dann ist Skifahren angesagt, so schnell und so oft wie möglich. „Warten wollen die Gäste bei Liften heute nicht mehr“, nennt Schwarz einen weiteren Grund für die Investitionen der Skigebiete, und Scheiber ergänzt: „Zumindest die großen Liftanlagen müssen alle auf dem neuesten Stand sein: kuppelbar, mit Wetterhaube und Sitzbeheizung.“ Zuverlässigkeit und Sicherheit schätzen die Gäste besonders. Und das wird auch geboten. Störungen und die damit verbundene Irritation, warum es jetzt

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HOCHGURGL: Sessellifte mit Wetterhaube und Sitzheizung für eine komfortable Bergfahrt.

plötzlich nicht weitergeht, kommen kaum noch vor. Zusätzlich sind Seilbahnen und Lifte, die bereits eines der sichersten Verkehrsmittel der Welt sind, durch die höheren Standards der neuen europäischen Seilbahnverordnung noch sicherer geworden. Diese Standards werden selbstverständlich von allen Anlagen in Österreich erfüllt. Effizienz entscheidet. Für den Betreiber ist angesichts der hohen Investitionen ein kostengünstiger Betrieb wichtig. Niedriger Energieverbrauch, geringe Reparaturanfälligkeit und effiziente Wartung tragen dazu bei. Perfekte Pistenpräparierung mit GPS-Kontrolle bietet die Voraussetzung für schnelle Carvingschwünge Fortgeschrittener und gibt auch dem Anfänger nach kurzer Zeit das Gefühl, Skifahren zu können. Wenn es draußen so toll ist, soll auch bei den notwendigen Essenspausen alles schnell gehen. Auch da gilt: Selbst in den Spitzenzeiten ist in den Skihütten anstellen out. Gut konzipierte Selbstbedienung, der eine hochgerüstete Küchentechnik zuliefert, machen Skigebiete zusätzlich attraktiv. „Selbstverständlich“, so Schwarz, „ist hier auch die Architektur gefordert.“ Neue Liftstationen müssen auch optisch was hergeben. Die Skigebiete wetteifern derzeit mit modernen Entwürfen,

die natürlich auch bei der Funktionalität keine Wünsche offenlassen dürfen. Neben dem Komfort, der zur Selbstverständlichkeit geworden ist, gilt es auch noch, die unterschiedlichen Zielgruppen der Wintersportler zu bedienen, deren Ansprüche sich stark unterscheiden. Da gibt es die Snowboarder und Carver, die von Funparks oder Freerides schwärmen und abends in ein megastarkes Nachtleben abtauchen wollen. Ruhesuchende teilen Piste und Quartiere nicht

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gerne mit ihnen. Sie lieben lauschige Wege für Schneeschuhwanderungen, Langlaufloipen – oder sie wollen Skitouren mit langen Abfahrten durch glitzernden Pulverschnee unternehmen. Dazu kommen noch Familien mit Kindern, die eine gute Ganztagesbetreuung benötigen, die möglichst viel Spaß machen soll. Auch Schlechtwetterprogramme sollte es geben. Im Ötztal warten Rodelpisten und als besondere Attraktion die Therme Längenfeld, die sich auch als Alternative für Pausentage anbietet – für den Fall, dass man es an den ersten Skitagen wieder einmal übertrieben hat. Die echten Highlights, die eine Region prägen, sind letztlich aber die Events. Speziell die frühen Skirennen entscheiden über Buchungen und Verkaufserfolge auch der Skiindustrie. Wer diese lange Liste abhaken kann, kommt auch mit einer Krise zurecht. „Die Wirtschaftskrise haben wir bisher nicht gespürt. Per Ende August gab es im Sommer ein Plus, und auch der Winter zeigt von den Vorbuchungen her keine markanten Rückgänge“, zieht Schwarz Bilanz. Die Region will besonders durch den Mehrwert für den Gast attraktiv bleiben. Der Erfolg gibt dieser Strategie recht. ■

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oetztal.com soelden.com obergurgl.com

BESCHNEIUNG. Die ausfallsicheren energiesparenden Pumpenantriebe und die Schneekanonen und Schneilanzen sind zentral steuerbar.

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DEN STAB SCHWINGEN. Von den rund 600 Muskeln, über die unser Körper verfügt, wird ein großer Teil aktiviert.

Wenn Muskeln schwingen Halbierung des Zeitaufwandes bei doppeltem Trainingseffekt: Das versprechen die Hersteller einer neuen Generation von Fitnessgeräten, die den Sportler bei seinen Übungen rütteln oder von ihm verlangen, Teile in Schwingung zu versetzen. Also raus mit dem alten Hometrainer, der selbst in großen Wohnungen häufig im Weg herumsteht. Die meisten der neuen Trainingsgeräte mit den Good Vibrations sind wesentlich handlicher, wenn man nicht gerade eine Platte wählt, die zumindest die Größe eines Crosstrainers hat. Denn Schwingendes zum Muskeltraining gibt es auch als Stab oder als Hantel.

Günther Schweitzer

Warum aber können wir mit diesen Geräten einen Zuwachs an Muskelkraft und -leistung erzielen? Schwingungstraining macht sich den Muskelreflex zunutze, eine nicht willentlich hervorgerufene Kontraktion. Der Befehl dazu kommt als Folge des äußeren Reizes durch die Vibration direkt vom Rückenmark ohne Einschaltung des Großhirns. Wobei die Muskeln unseres Körpers, ausgestattet mit extrem feinfühligen Sensoren, schon auf Längenveränderungen im winzigen Ausmaß von zehn bis elf Mikrometern ansprechen. Das entspricht der Größe eines Wasserstoffatoms. Der Körper reagiert auf die Vibrationen mit verstärkten Schwingungen; ein Muster, das er kennt. Denn leichte Schwingungen sind uns angeboren. Sie stellen jenen Grundtonus der Muskulatur her, der uns „in Betrieb“ hält. Die gezielt durch Geräte provozierten Muskelkontraktionen erzeugen dann den Trainingseffekt, wobei mehr Muskeln gleichzeitig aktiviert werden als zum Beispiel beim Kraft-

Staby, PowrX, Vibrationshantel.de

training. „Von den rund sechshundert Muskelgruppen, über die unser Körper verfügt, wird der größte Teil durch den Einsatz des schwingenden Stabes aktiviert“, berichtet der Hersteller von Staby, der sich durch stufenlos verschiebbare Halbkugeln auf den individuellen Trainingszustand einstellen lässt. Mehr als Kraft. Die umfassende Muskelstimulation und die Nutzung von Reflexen führen auch dazu, dass beim Training mehr passiert als nur Muskelaufbau. Eine Verbesserung des muskulären Zusammenspiels und der Körperhaltung, die Förderung der Koordination, aber auch die Steigerung der Konzentrationsfähigkeit sowie eine Anregung des Stoffwechsels werden als Vorteile des Schwingungstrainings genannt. Allerdings darf man sich von der einen oder anderen kurzen Schwingungseinheit pro Woche keine Wunder erhoffen. „Untrainierte Menschen, die sich nach einem Unfall in der Rehab-Phase befinden und an neuronalen oder

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Fitnessgeräte

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VIBRO-HANTEL. Kürzere Trainingszeit bei doppelter Wirkung versprechen Hersteller der elektrisch betriebenen Sportgeräte.

VIBRATIONSPLATTE. Über den Trainingserfolg entscheidet die korrekte Haltung und Muskelspannung auf der Platte.

Erkrankungen des Bewegungsapparats leiden, profitieren am meisten von den Vibrationsgeräten“, erklärt der Sportwissenschaftler Marco Beutler, Spezialist für die neuen Rüttelgeräte, in seinem Handbuch zum Vibrationstraining und relativiert damit den Vibrationshype ein wenig. Bei Couchpotatoes, so der Wissenschaftler, nehme die Maximalkraft beim Verwenden von vibrierenden Trainingsgeräten am schnellsten zu. Bei Leistungssportlern ist diese Trainingsmethode meist nur eine Ergänzung zum üblichen Programm. Wer allerdings viel Zeit aufwendet, der kann auch beim Vibrationstraining tolle Muskeln bekommen. Einige Male in der Woche müssen es in jedem Fall sein, um Erfolge zu erzielen. Starke Knochen. Vibrationstrainingsgeräte können aber auch das Wachstum der Knochen stimulieren. Bereits fünf Minuten täglich sollen ausreichen, um den Knochenschwund bettlägeriger Patienten zu reduzieren und den Muskelabbau zu verhindern. Nicht mitschwin-

gen sollten zum Beispiel Schwangere, Menschen mit künstlichen Gelenken oder Personen mit hoher Thromboseneigung. Lange Geschichte. Neu ist die Methode dieser Whole Body Vibration übrigens keineswegs. 1869 setzte George Taylor aus den USA ein Gerät zur Vibrationstherapie von Armen und Rücken ein. Um 1880 wurde mit einem vibrierenden Stuhl zur Behandlung von Parkinson experimentiert, und der Schwede Gustav Zander entwickelte wenig später über siebzig verschiedene dampfbetriebene Geräte zu seiner Mechano-Therapy. Seit 1996 werden Vibrationsgeräte im Handel angeboten; in unterschiedlichen Variationen. Um den Preis von rund 600 Euro kann man Vibro-Hanteln der Marke BodyVib erstehen. Der Sportler kann zwischen zwei Frequenzen wählen und wird durch eine kurze Trainingszeit bei doppelter Wirkung gegenüber einer herkömmlichen Hantel belohnt. Auf dem gleichen Prinzip, aber ohne Elektrik funktionieren biegsame

Glasfaserstäbe. Die Schwingungen muss man in diesem Fall selbst erzeugen. Wer so viel Hightech nicht will, kann sich im wahrsten Sinn des Wortes die Kugel geben, die Kraftkugel nämlich: ein Gusseisenball, der mit einem kräftigen, griffigen Henkel ausgestattet ist und Kettlebell genannt wird; ein uraltes Trainingsgerät, das besonders im 19. Jahrhundert in Deutschland populär war und nun über Russland und die USA wieder den Weg zurück nach Europa gefunden hat. Russische Spezialeinheiten üben nach wie vor mit diesen Kraftkugeln, die aus dem asiatischen Raum kommen. Tatsache ist, dass in China Zirkusgruppen bereits 4000 v. Ch. damit trainierten. ■

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www.powrx.de www.staby.de; www.flexi-bar.de www.vibrationshantel.de

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Neues aus der Welt der Hightech

hi!toy s MORGENSTUND ... ... hat nicht immer Gold im Mund, sondern manchmal auch eine Laserpistole in der Hand. Dieser Wecker RAIN WARS lässt sich nur durch einen gezielten Wer wie ein echter Jedi durch „Schuss“ aus dieser Spielzeuglaser- den Regen tänzeln braucht diesen Schirm. Er pistole zummöchte, Schweigen bringen. verwandelt sich auf Wunsch in ein fast echtes ■ www.tomwet.de Laserschwert. Möge die Macht mit dir sein! ■ www.sowaswillichauch.de

PIANO TO GO Wenn einen unterwegs die Muse küsst, packt man einfach die Piano Hands aus. Jeder Finger ist mit einer Note belegt, und ein Lautsprecher ist auch mit dabei. ■ www.sowaswillichauch.de

SONNE AM ZELTDACH

ÜBERALL KOSTENFREI LADEN

Schickes, umweltfreundliches Design mit kuscheliger Atmosphäre – dieses Zelt könnte der Traum aller Camper werden: Solarzellen am Dach erzeugen Strom für Heizung, Handy, MP3-Player und Co. ■ www.orange.at

Akkus mit Solarenergie aufladen – kein Problem mit dem FreeLoader. Die Solarpanele werden aufgeklappt, und die Sonnenstrahlen versorgen das Handy sofort wieder mit Strom. ■ www.sowaswillichauch.de

Sabine Nebenführ

sowaswillichauch.de, Orange, Madem Design, Yankodesign, Sony

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Toys

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SCHLAUER ANHÄNGER Wer keine Landkarten wälzen möchte, zückt den Pico-Projektor mit integriertem GPS und findet schnell den richtigen Weg. ■ www.yanko design.com

HEISSE TASSE Arbeit, Arbeit, Arbeit – und der Kaffee wird kalt! Mit diesem USBBecherwärmer bleibt Ihr Heißgetränk angenehm temperiert. ■ www.sowas willichauch.de

CHEESE!

MUSIKALISCHER HOCKER Dieses Möbel sieht nicht nur gut aus, es ist auch noch musikalisch: Der Hocker ist eine Dockingstation für iPod und iPhone und überträgt die good Vibrations auf seine „Besitzer“. ■ www.itamtam.com

Die neue Sony-CyberShot-Generation hat’s in sich: Partyschnappschüsse – ganz automatisch. Die Kamera löst aus, wenn die Gäste im rechten Licht und mit perfektem Lächeln zu sehen sind. ■ www.sony.at/hub/ cyber-shot

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Veränderung darzustellen, in der Bedeutung von Gegenständen oder Situationen, Identität in Frage zu stellen – das sind die Themen der künstlerischen Auseinandersetzung von Kosta Tonev. Er wählt dafür die unterschiedlichsten Ausdrucksmittel wie Foto, Video, Malerei, die Kombination aus Bild und Text oder auch nur Text und die Zeichnung, die für ihn eine besondere Bedeutung hat. „Ich habe immer gezeichnet“, erzählt Tonev und dass er dabei mit Bleistift oder Acrylfarben arbeitet. „Ich zeichne auch immer, wenn ich nachdenke.“ Tonev, der in Sofia und Wien studiert hat, wollte schon sehr früh Künstler werden. Ein Schlüsselerlebnis für seine spätere Karriere hatte er bereits mit neun Jahren in der Schule. Aufgefordert, ein Stoffmuster zu zeichnen, füllte Tonev das Blatt mit Reihen von Totenköpfen. Die Lehrerin war damit nicht einverstanden. Mittlerweile ist aus dem Muster ein großformatiges Kunstwerk entstanden, das in einem ausführlichen Text die Geschichte erzählt, die zu seiner Entstehung geführt hat und damit auch zur Entwicklung der Identität Tonevs als Künstler.

Bedeutung der Veränderung Die Identität, die mit dem eigenen Namen verbunden ist, stellte Tonev vor zwei Jahren zur Diskussion. Er ließ sich einen neuen Pass ausstellen, in dem sein Vorname statt mit K mit C geschrieben ist, und filmte den Ablauf. Am Ende steht eine Installation in einem Raum, wo das Video läuft und der Pass als Bild an der Wand hängt, auf der das Wort Costa steht. Der Schriftzug Costa ist von der berühmten Signatur Picassos entliehen – ein neuerliches Spiel mit Idendität. „Costa erzeugt Assoziati-

Elisabeth Dokaupil

Andi Bruckner

onen zu Urlaub, Meer, Küste. Die Verbindung zu Konstantin, der Wurzel des Namens Kosta, ist verschwunden“, berichtet Tonev. Ein Buchstabe reicht für eine grundlegende Veränderung einer bisherigen Konstante. Verändert – nämlich auf den Kopf gestellt – präsentiert sich Tonev konsequenterweise auch in seinem Selbstporträt. Wie sehr sich auch ein täglich verwendetes Gerät wie ein Staubsauger verwandeln kann, beweist Tonev in einer Performance, die

gefilmt wurde. Indem sich der Staubsauger selbst absaugt und nicht seine Umgebung, wird er vom Objekt zum Subjekt und zeigt dabei auch seine Grenzen: Das Ende des Schlauches und seine Düse kann er nicht reinigen. Verbale Gleichungen löste Tonev in zwei aktuellen Werken auf. „Kunst ist Kapital“, formulierte Joseph Beuys und animierte Tonev zu einer Folge aneinandergereihter Synonyme, die die Richtigkeit von Beuys’ Formel logisch

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artLab

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SPIEL MIT DER IDENTITÄT. Ein neuer Anfangsbuchstabe für den Vornamen.

KOSTA TONEV ■ 1980 in Plovdiv (BG) geboren ■ 1999 bis 2004 National Academy of the Fine Arts, Sofia, Bulgarien ■ 2004 bis 2008 Akademie der bildenden Künste Wien ■ seit 2008 Förderungsatelier des Bundes in 1070 Wien AUSSTELLUNGEN ■

2009 Value Point – Siemens_ArtLab hosted by hilger contemporary, Wien (Kat.) ■ 2009 Windows upon Oceans, apollonia, Straßburg (FR) (Kat.) ■ 2008 Constants Are Changing, MUSA (Museum auf Abruf), Wien (Einzelausstellung) ■ 2008 Zero Gravity – The Architecture of Social Space, Center for Contemporary Art, Plovdiv (BG) ■ 2007 Editing, Zerynthia – Association for Contemporary Art, Rom (I) ■ 2007 Body Language, Threshold Artspace, Perth (UK) ■ Werke in: Kulturabteilung der Stadt Wien, Europäische Investitionsbank, Luxemburg, Sofia Art Gallery, Sofia, Bulgarien, Threshold Artspace, Perth, Schottland

EINE SCHULARBEIT wird zu einem Kunstwerk, das seine Geschichte erzählt.

herleiten. Dasselbe schaffte er bei Andy Warhols Gleichung „repetition adds up to reputation“. Beide Arbeiten wurden im Rahmen einer Ausstellung des Siemens_ArtLab in der Galerie Hilger in Wien präsentiert. Text und Kombinationen aus Text und Bild werden auch in Zukunft wichtige Ausdrucksmittel seiner Arbeiten bleiben. ■

w w w. a r t l a b . a t Unter www.artlab.at werden junge KünstlerInnen präsentiert. Ihre Werke können online gekauft werden. In Zusammenarbeit mit der Galerie Ernst Hilger bietet ihnen Siemens die Chance, bekannt zu werden. Kunstberatung: [email protected]

„REPETITION ADDS UP TO REPUTATION“. Die Gleichung Andy Warhols, abgeleitet.

EIN STAUBSAUGER wandelt sich vom Objekt zum Subjekt, indem er sich selbst absaugt.

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■ WERNER VON SIEMENS – das von ihm entdeckte elektrodynamische Prinzip schuf die Basis für die elektrische Eisenbahn.

■ IN ÖSTERREICH fuhr die erste „Elektrische“ von Mödling in die Hinterbrühl.

WELTPREMIERE 1879. Nicht mehr als ein Elektromotor auf Rädern war die erste Elektrolok der Welt. Die Berliner Bevölkerung war begeistert.

130 Jahre Elektrolok Einen Zug ohne Dampf und Pferde hatten die Veranstalter der Berliner Gewerbeausstellung angekündigt. Entsprechend groß war das Interesse der lärm- und staubgeplagten Berliner Stadtbevölkerung.

Klemens Lendl

Siemens

Am 31. Mai 1879 stellte Siemens & Halske dann die weltweit erste Lokomotive mit Elektromotor vor, die nicht von Batterien, sondern über Stromschienen gespeist wurde. In vier Monaten ließen sich rund 90.000 Personen über den 300 Meter langen Rundkurs chauffieren. Für die Bahn bedeutete das Dauereinsatz, denn es fanden pro Fahrt nur 18 Passagiere auf den drei offenen Wagen Platz. Werner von Siemens hatte die Schienenstrecke mit 500 Millimeter Spurweite ursprünglich für eine Grubenbahn in Cottbus vorgesehen. Es waren Beamte der preußischen

Bergbehörde gewesen, die sich als Erstes für die Einsatzmöglichkeiten der neuen Technologie im Bergwesen interessiert hatten. Start mit 13 km/h. Die Berliner Lok war nicht viel mehr als ein Elektromotor auf Rädern, auf dem rittlings der Zugsführer saß. Ihre Motorleistung betrug 2,2 Kilowatt. Vor allzu starkem Fahrtwind mussten sich die mitfahrenden Damen und Herren bei moderaten sechs Stundenkilometern nicht fürchten. Ohne Last erreichte die Lokomotive eine Höchstgeschwindigkeit von 13 Kilometer pro Stunde. Den elektrischen Strom lieferte ein Dynamo über

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Eisenbahn

eine isolierte Zuleitungsschiene, die in der Mitte der Gleise montiert war, die Fahrschienen dienten als Rückleitung des Stromkreises. Die Betriebsspannung betrug 150 Volt Gleichstrom. Schon kurz nach seiner Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips im Jahr 1866 hatte Werner von Siemens auf die Möglichkeiten des elektrischen Antriebs von Schienenfahrzeugen hingewiesen. Nun wollte er die erfolgreiche Berliner Jungfernfahrt seiner E-Lok nutzen und beantragte in den Jahren 1880 und 1881 Konzessionen für elektrische Hochbahnen in der Friedrich- und der Leipziger Straße. Der Polizeipräsident lehnte aufgrund fehlender Systemreife ab, und so musste eine andere Möglichkeit geschaffen werden, um die Entwicklung der elektrischen Bahn voranzutreiben. Siemens verwendete eine stillgelegte Materialbahntrasse, um den neuen elektrischen Antrieb in einer praktischen Anwendung zu präsentieren. Am 16. Mai 1881 wurde die Straßenbahnlinie vom Bahnhof Groß-Lichterfelde zur Kadettenanstalt in Lichterfelde als erste elektrische Straßenbahn der Welt in Betrieb genommen. Werner von Siemens selbst bezeichnete die Bahn nicht als Straßen-, sondern

DIE ERSTE ELEKTRISCHE. Die Fahrt auf der 2,5 Kilometer langen Strecke kostete 20 Pfennig, die Höchstgeschwindigkeit betrug 20 km/h.

als „elektrische Eisenbahn“, die als „von ihren Säulen und Längsträgern herabgenommene und auf den Erdboden verlegte Hochbahn“ aufzufassen sei. Die Gleichstromversorgung der Wagen erfolgte über die beiden Schienen, die als Hin- und Rückleiter dienten. Eine Fahrt kostete mit 20 Pfennig mehr als ein damaliger Durchschnittsstundenlohn. Schon in den ersten drei Monaten beförderte die Bahn rund 12.000 Fahrgäste. Die ersten Straßenbahnen wurden von Trieb-

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wägen mit Fahrgastraum gezogen, meist handelte es sich um umgebaute Pferdebahnwagen. Bei der Londoner U-Bahn ergab sich aufgrund der beengten Verhältnisse und des größeren Leistungsbedarfs die Notwendigkeit der Lokomotivbauweise. 1889 wurden die ersten E-Loks eingesetzt, die drei Waggons mit einer Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern ziehen konnten. Die erste U-Bahn auf dem Kontinent wurde 1896 in Budapest gebaut. Bereits im ersten Jahr wurden auf der 3,75 Kilometer langen Strecke über vier Millionen Fahrgäste befördert. Test mit Drehstrom. 1892 startete Siemens & Halske in Berlin Testfahrten mit Drehstromversorgung. Diese Erfahrungen mit Drehstrom wurden in die von 1901 bis 1903 durchgeführten Schnellfahrversuche der Studiengesellschaft für Elektrische Schnellbahnen auf der Militäreisenbahn eingebracht. Mit einer dreipoligen Drehstromoberleitung erzielte ein Triebwagen von Siemens die Rekordgeschwindigkeit von 210 Kilometer pro Stunde. Das hätte eigentlich den Untergang der tonnenschweren „Dampfrösser“ und den endgültigen Siegeszug der elektrischen Eisenbahn in Europa bedeuten müssen. Aber die Elektrifizierung der Eisenbahnnetze ging zunächst nur zaghaft voran. Während man am alten Kontinent nur mit einigen Versuchsstrecken experimentierte, gab es in den USA um 1900 bereits mehr als 10.000 Kilometer elektrifizierte Bahnstrecken. Hier waren es vor allem die Entwicklungen von Frank Julian Sprague, dem angloamerikanischen „Vater der elektrischen Traktion“, die für die schnelle Verbreitung der neuen Technologie sorgten. 1880 erfand Sprague den Rollenstromabnehmer, der den Einsatz eines einfachen Drahtes und einer leichten Aufhängekonstruktion über den Gleisen als Fahrleitung ermöglichte. Damit war der Weg für den flächendeckenden kommerziellen Einsatz von elektrischen Bahnnetzen geebnet. ■

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U-BAHN IN BUDAPEST. Anlässlich der Tausendjahrfeier des ungarischen Königreichs baut Siemens 1896 die „Földalatti“, die erste U-Bahn am europäischen Kontinent.

www.siemens.com/history www.deutsches-museum.de www.oebb.at

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Elektrisch unterwegs Schon ein Jahr nach der Weltpremiere in Berlin hatte die elektrische Lokomotive auch in Österreich ihren ersten Auftritt. Béla Egger war der heimische Pionier in Sachen Elektrik, der auf der Wiener Gewerbeausstellung 1880 eine 200 Meter lange Strecke betrieb und darauf in dreieinhalb Monaten über 25.000 Fahrgäste beförderte. Mit seiner Wiener Ausstellungsbahn hatte der frühere Mitarbeiter von Werner von Siemens sogar Thomas Alva Edison ausgestochen, der erst 1883 in Chicago eine vergleichbare Bahn präsentieren konnte. Im selben Jahr wurde in Österreich von der k. k. privilegierten Südbahngesellschaft bereits die erste permanente elektrisch betriebene Bahnstrecke eröffnet. Die knapp fünf Kilometer lange Lokalbahn Mödling–Hinterbrühl wurde von Siemens & Halske elektrifiziert und entpuppte sich als überraschend verlässlich, leistungsstark und wetterfest. Erstmals wurde eine Möglichkeit gefunden, zwei gekuppelte Triebwägen von der vordersten Plattform aus zu steuern. Start mit dem Nahverkehr. Bis zur Jahrhundertwende wurden in Österreich zahlreiche Nahverkehrsbahnen elektrifiziert. In Baden, Gmunden, Graz, Reichenau, Linz und Wien setzte man ebenso auf Elektrizität wie in den Städten der Monarchie von Prag bis Sarajewo. 1904 ging die schmalspurige Stubaitalbahn von Innsbruck bis Fulpmes als erste Einphasenwechselstrombahn der Welt mit einer Versorgungsspannung von 3.000 Volt in Vollbetrieb. 1912 wurde erstmals die Mittenwaldbahn von Innsbruck nach Reutte mit 15.000 Volt und 16,7-Hz-Wechselstrom in Betrieb genommen,

Klemens Lendl

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GESCHICHTE AUF SCHIENEN. Der neue railjet der ÖBB fährt 230 km/h. Die „1042“ der ÖBB fährt seit den 1960er Jahren und vereinzelt noch heute. Die ersten elektrischen Triebwägen fuhren von Mödling in die Hinterbrühl.

ein Stromsystem, auf das sich Deutschland, Österreich und die Schweiz geeinigt hatten und das bis heute verwendet wird. Der Erste Weltkrieg verhinderte weitere Elektrifizierungen, die Militärbehörden setzten in Kriegszeiten auf die bewährte Dampfkraft. Tatsächlich war die Versorgung der Lokomotiven mit Kohle aber nur schwer aufrechtzuerhalten. Der Verlust von wichtigen Kohleressourcen nach dem Ende der Donaumonarchie schien endgültig das Zeitalter der E-Loks einzuläuten, doch erst die Eingliederung der Österreichischen Bundesbahnen in die Deutschen Reichsbahnen nach dem Anschluss trieb die Elektrifizierung weiter voran, bis der Krieg erneut für Stillstand sorgte. Großprojekt Elektrifizierung. Während nach 1945 die bereits elektrifizierten westösterreichischen Eisenbahnen rasch den normalen Betrieb wieder aufnehmen konnten, litten die nicht elektrifizierten Strecken im Osten unter Kohlenmangel. Ab 1946 trat deshalb ein großangelegter Plan zur Elektrifizierung in Kraft, der außerdem für Jahrzehnte Arbeit sichern sollte. Heute werden von den rund 11.000 Kilometern an Gleisen der ÖBB rund 7.900 Kilometer elektrisch betrieben. ■

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