Ich hab' was Besseres zu tun. - Theresienschule

Ich hab' was Besseres zu tun. - Theresienschule

CATHOLEAKS oder CATHO LEAKS Inhaltsverzeichnis INTERN 3 4 5 6 8 10 Editorial „Ich hab‘ was Besseres zu tun“?! - Ein Nachruf zum Forum Theresien...

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CATHOLEAKS

oder

CATHO LEAKS

Inhaltsverzeichnis

INTERN

3 4 5 6 8 10

Editorial „Ich hab‘ was Besseres zu tun“?! - Ein Nachruf zum Forum Theresienschule Rückblick: Der Tag des Mauerfalls unserer Lehrer Ein Interview mit Herrn Hickmann, Reinigungskraft an unserer Schule Wo kommen unsere Socken an? - Am Rande der Gesellschaft „Das verrückte Lehrerzimmer“

MEINUNG

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Weniger haben - Mehr sein Aus dem Takt geraten? Es ging niemals nur um ein paar Chlorhühnchen! Verbindlichkeit - Nein, danke! Zeit umzudenken? Gespräch mit der Veränderung

KULTUR

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Ein Gastvater erzählt... Das hört die Redaktion Filmtipp: „Citizenfour“ Buchtipp: „Das Blubbern von Glück“ Musiktipp: Auf dem Sprung... - AnnenMayKantereit Theatertipp: „Ich bin down“

VERMISCHTES

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Zeugnisse! - Vorfreude? Für Langweiler Lehrersprüche Impressum und Ausblick

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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser! Haben oder Sein. Am Rande unserer Gesellschaft leben Menschen, die nicht viel haben und scheinbar nur „so vor sich hin existieren“ dürfen. Wir tendieren dazu diese Menschen auszublenden, dabei sind Probleme wie Obdachlosigkeit gerade in Berlin und zur Winterzeit allgegenwärtig und akut. Sind wir also was wir haben? Definieren wir uns über das, was wir besitzen? Wer nichts hat, der kann gleich einpacken, oder wie? In dieser Ausgabe erwarten euch nachdenkliche Artikel zu diesem Thema, u.a. ein Bericht über Obdachlose, die sich zum Nikolaus-Tag über eine unserer gefüllten Socken freuen durften. Diese CathoLeaks ist außerdem voll von geistreichen Ergüssen zu den unterschiedlichsten Themen, von Chlorhühnchen über Lehrpläne hin zu den besten Kulturtipps. Natürlich kommen unsere geliebten Lehrer auch nicht zu kurz. Ein frisches Layout gibt es außerdem... Aber seht, oder vielmehr lest, selbst...

Eure Chefredaktion

BILD: MARLENE VOLLMAR (10C)

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CATHO LEAKS

Intern

„Ich hab‘ was

?!

Besseres zu tun.“

Ein Nachruf zum Forum Theresienschule TEXT: MAXIMILIAN NORRMANN (2.SEM.), LEA LUTTENBERGER (4.SEM.) BILD: MAXIMILIAN NORRMANN

Seit mehreren Jahren hat Deutschland ein sogenanntes „Flüchtlingsproblem“. Täglich wird in den Medien darüber berichtet und in zahlreichen Talkshows zwischen Pro und Contra über die weitere Aufnahme von Asylsuchenden diskutiert. In Folge des berlinweiten Schulstreiks im letzten Jahr wurde die Situation von Flüchtlingen auch an unserer Schule zum Gesprächsthema. Es wurden nicht nur auf dem Pausenhof Meinungen ausgetauscht, sondern es fanden auch in einigen Klassen sowie im Lehrerzimmer Diskussionen statt. Magdalena Meyer, damals zehnte Klasse, kam auf die Idee, die Flüchtlingspolitik in Form einer Podiumsdiskussion beim nächsten Forum Theresienschule zu thematisieren, auch wenn sie selbst, aufgrund ihres Auslandsjahres in Costa Rica, nicht würde teilnehmen können. Noch vor den Sommerferien fanden sich fünf Schüler und zwei Lehrer zusammen, die die Verantwortung für das Forum in die Hand nahmen. Zu Beginn wurden Ideen zu möglichen Podiumsgästen gesammelt und ausführlich über diese diskutiert. Dabei wollten wir keiner Talkshow, wie Günther Jauch oder Hart aber Fair, nacheifern, sondern möglichst begreifbar das Leben von Flüchtlingen und die Arbeit mit ihnen darstellen. So luden wir den in Deutschland lebenden, aus Armenien stammenden Flüchtling Herrn Aloyan, Frau Niewiedzial, die Integrationsbeauftragte vom Bezirk Pankow und Frau Hermenau, die Leiterin eines nahe gelegenen Flüchtlingsheims, ein. Außerdem erzählte der Journalist Herr Hasewend von den Beweggründen einer Flucht und Herr Fricke, Vorsitzender von Asyl in der Kirche erläuterte für die Zuhörer die Hintergründe des Vereins, der sich für die Aufnahme von Flüchtlingen in kirchlichen Einrichtungen einsetzt. Im Bezug auf die steigende Anzahl von Asylsuchenden in unserer Stadt und die Besetzung des Oranienplatzes sowie der Ger-

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oder

hart-Hauptmann-Schule, fassten wir den Abend unter der Frage zusammen, wie eine verantwortungsvolle Flüchtlingspolitik in Berlin aussehen könnte. Wir hängten unzählige Plakate aus, warben auf der Homepage und in den sozialen Netzwerken. Nach anstrengenden Wochen der Vorbereitung, gezeichnet von Absagen eingeladener Gäste und ein häufiges Erstellen neuer Pläne waren wir froh, dem Ziel nahe, an einem Novemberabend, den Schülern, Lehrern und Gästen des Forums Theresienschule die Türen der Aula öffnen zu können. Die Aula war gut besucht. Viele Mitschüler aus unterschiedlichen Jahrgängen nahmen auf den Stühlen Platz. Freunde kamen auf uns zu, um unsere - wohl erkennbare - Anspannung zu lösen. Wir freuten uns, ein interessiertes Publikum bei den Schülern gefunden zu haben. Lehrer: „Ich hab‘ was Besseres zu tun.“ Während wir nicht mit der großen Anzahl an Schülern gerechnet hatten, standen wir im Nachhinein mit offenen Mündern da, als uns klar wurde, wie wenig Lehrer ein Interesse an unserem Forum gehabt haben mussten. So zählten wir ganze drei Lehrer, die an dem Abend dem Engagement ihrer Schüler Beachtung schenkten. Die Lehrer sagen: Engagiere dich! Wir sagen: Wir engagieren uns! Nehmt es wahr, unser Engagement, für das die Schule nach außen hin stehen will und mit dem

sie im Jahrbuch wirbt. Auf Nachfrage hin bekamen wir zu hören, das Forum sei ungünstig gelegt worden, direkt am Vortag zum Elternabend. Die Lehrer hätten dementsprechend zu viel zu tun gehabt, um am Abend noch vorbeizukommen. Komisch, hören wir als Schüler doch immer, wir mögen frühzeitig mit dem Lernen beginnen und unsere Zeit sinnvoll einteilen. Sich gleichzeitig auf Arbeiten, Tests und Vorträge vorzubereiten ist keine Seltenheit; wenig Schlaf und fehlende Erholung sind täglich zu spüren. Wenn wir uns dann einmal entschuldigen, die Hausaufgaben wegen des Lernens für Klausuren oder Arbeiten nicht geschafft zu haben, ist das Verständnis bei den Lehrern häufig gering und wird entsprechend mit einem Vermerk im Notenheft bestraft. Viele Schüler, die ihre Zeit für Engagement opfern, können darüber ein Lied singen, fehlt ihnen doch im Allgemeinen nur ein Feedback oder ein gewisser Rückhalt zu ihrem Tun. Denn zahlreiche Schüler stellen sich dem von Lehrern gepredigten Engagement innerhalb oder außerhalb der Schule, während die schulischen Anforderungen, wie durch G8, stark zunehmen. Neben den zahlreichen Forderungen und Diktaten, die an uns Schüler gerichtet werden, würden sich viele über ein bisschen Anerkennung und Wertschätzung ihrer Bereitschaft freuen.

Intern

LL

RÜCKBLICK: DER TAG DES MAUERFA UNSERER LEHRER

Frau Schottek (Deutsch, Religion)

„Ich war sechs und kam ins Wohnzimmer gerannt, weil ich meine Mutter weinen gehört hatte. Ich fragte sie, was denn los sei. Daraufhin erklärte sie mir, dass man auch vor Freude weinen könne.“

Frau Dr. Kindiger (Deutsch, Französisch)

„Ich wollte eigentlich schlafen, aber mein Bruder kam in mein Zimmer gerannt und sagte: „Komm schnell, die Mauer ist gefallen!“ Ich war müde und sagte: „Lass mich in Ruhe, ich möchte schlafen.“ Er ging, kam aber nochmal in mein Zimmer und rief wieder: „Die Mauer ist gefallen! Steh auf und sieh es dir an!“ Und dann kam er nochmal in mein Zimmer gerannt und sagte wieder, dass ich aufstehen und es mir ansehen solle. Also bin ich aufgestanden und es lief wirklich im Fernsehen, dass die Mauer gefallen ist. Ich und mein Bruder gingen also dorthin und die Mauer war offen. Überall war Polizei mit Wasserwerfern, allerdings hatte jemand die Wasserschläuche abgedreht und sie auf die Mauer geworfen. So konnte man an ihnen die Mauer hochklettern. Also sind mein Bruder und ich ebenfalls hochgeklettert und sind dann auf der anderen Seite wieder runter. Dort standen aber Polizisten aneinandergereiht. Ein Polizist kam auf uns zu und sagte, dass wir wieder zurückklettern sollen. Allerdings kam man überhaupt nicht mehr rüber, da Menschen von der anderen Seite runtersprangen. Schließlich trat dann ein Polizist aus der Reihe und man konnte durch.“

S

UMFRAGE DURCHGEFÜHRT VON: GIULIANA CHIGULU, FREYA LAULE, OLIVIA PEREZ, JODEPHINE SONDERMANN, ELISA KURZER (ALLE 6A) Bild: MAXIMILIAN NORRMANN (2. SEM.)

Frau Faber (Latein, Russisch)

„Ich habe den Mauerfall im Fernsehen mitverfolgt und bin dann am Morgen mit dem Bus in die Schule gefahren. Der Bus war voller Menschen aus dem Osten - es war eine Bombenstimmung. Jeder hat mit Jedem gesprochen.“

Herr Bultmann (Erdkunde)

„Ich habe gearbeitet und habe auch dort erfahren, dass die Mauer gefallen ist. Ich bin dann um neun Uhr abends nach Hause gefahren. Als ich zu Hause ankam, erwarteten mich fast alle meine Verwandten.“

Frau Kirchberg (Englisch, Deutsch)

„Ich wollte am 9. November umziehen und alles stand schon parat. Meine Schwester durfte in dem Jahr wieder einreisen und sollte mir beim Umzug helfen. Sie kam aber nicht, sondern rief mich an und ich fragte sie, was sie diesmal für eine Ausrede hätte, denn meine Schwester war nie eine von den pünktlichen Personen. Sie sagte, dass die Mauer gefallen sei. Ich sagte zu ihr, dass sie jetzt gefälligst kommen solle, weil ich sie hier bräuchte. Sie schrie, ich solle den Fernseher anmachen. Dann knallte sie den Hörer auf die Gabel. Ich dachte mir, dass sie das noch nie gemacht hatte. Also packte ich den Fernseher aus und sah es dann auch. Ich dachte mir, dass die Leute vom Umzug nicht kommen würden, aber sie kamen doch und lallten, dass sie feiern gewesen seien. Ich dachte mir: Dein armes Geschirr…“

Frau Nitert (Mathematik, Chemie)

„Ich habe vom Mauerfall eigentlich gar nicht so viel mitbekommen. Das Einzige, was ich mitbekommen habe, war, dass die U-Bahnen immer extrem voll waren, sodass ich kaum von der Schule nach Hause gekommen bin und die meisten Stationen laufen musste.“

Herr Woesler (Sport)

„Ich war noch klein und durfte natürlich nicht so viel an den Fernseher. Daher war ich sehr entsetzt, dass meine Eltern am 9. November den ganzen Tag vor dem Fernseher saßen…“

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CATHO LEAKS

Intern

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DAS INTERVIEW FÜHRTEN: LEA LUTTENBERGER (4.SEM.), MAXIMILIAN NORRMANN (2.SEM.) BILD: MAXIMILIAN NORRMANN

Während der siebten Stunde treffen wir uns mit Herrn Hickmann, der Reinigungskraft unserer Schule. Als er uns sieht, unterbricht er das Wischen des Speisesaals und setzt sich mit uns für ein paar Minuten zusammen. CathoLeaks: Einen schönen guten Tag Herr Hickmann! Vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit für uns nehmen. Zuallererst, wie kamen sie an unsere Schule? Hr. Hickmann: Ach naja, das ist ja auch eine wichtige Sache. Ist ja schön, wenn die Leute mal wissen, wer ihnen die Schule sauberhält. Also ich arbeite schon seit über zehn Jahren, seit 1991, in einer Reinigungsfirma. Vor zwei Jahren gab es hier an der Schule ein paar Probleme mit der Sauberkeit. Da ich hier um die Ecke wohne, wurde ich gefragt, ob ich hier arbeiten wollen würde. Ich bemühe mich, die Schule sauberzuhalten, vielleicht ist euch das ja aufgefallen. Jetzt bin ich hier quasi ein Mädchen für alles. CathoLeaks: Und wie lange brauchen Sie, um die ganze Schule zu reinigen? Hr. Hickmann: Ich sag mal so, ich habe sechs Stunden Zeit für Turnhalle und Altbau. Dieser Zeitraum wurde von meiner Firma und der Schule festgelegt. Da Frau Westphahl momentan krank ist, bin ich auch für den Neubau verantwortlich. Aber in der Regel bin ich eine Stunde in der Turnhalle und dann fünf im Altbau. CathoLeaks: Und reichen die sechs Stunden für die Turnhalle und das große Schulgebäude? Hr. Hickmann: Tja, das geht ein bisschen nach dem Motto: „Schaffste oder schaffste nicht“. Aber eine Stunde länger wäre schon gut, damit ich auch alles nach meinen Ansprüchen erledigen kann. CathoLeaks: Sie sind ja meistens am Nachmittag da, wenn Flure und Klassenräume leer sind. Wie fühlt es sich an, ganz alleine in einer riesigen Schule zu sein, während es draußen schon dunkel wird? Hr. Hickmann: Ach das macht mir nichts. Ich höre meistens Radio.

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CathoLeaks: Welchen Sender? Hr. Hickmann: Das ist unterschiedlich, gemischt. Aber 104.6 zum Beispiel. Mit Musik schafft man einfach mehr. Wenn alle nach Hause gegangen sind, habe ich viel mehr Freiheiten und kann mein Ding machen. Niemand rennt mir mehr durchs Frischgewischte – außer manchmal Herr Krüger. CathoLeaks: Was nervt Sie denn am meisten hier an der Schule? Hr. Hickmann: Dass viele den Raum nicht so verlassen wie gewünscht! Der Müll ist nicht raus- gebracht, die Stühle nicht hochgestellt, der Raum

Früher war ich mal Fußballtrainer, aber auch das geht jetzt nicht mehr. CathoLeaks: Fußballtrainer? Hr. Hickmann: Ja, über 15 Jahre lang für zehn- bis 18-Jährige. Ich selber habe damals in der Abwehr gespielt. Dafür habe ich aber jetzt keine Zeit mehr. Mir reicht es, am Wochenende beispielsweise den BFC Dynamo zu gucken. CathoLeaks: Wenn Sie so lange als Trainer gearbeitet haben, haben Sie ja immer viel mit jungen Menschen zu tun gehabt. Wie ist denn Ihr Verhält-

„Ich versuche immer die Schüler aufzumuntern, die zum Unterricht müssen.“ nicht gefegt… Aber Tatsache ist: Wenn die Stühle unten sind, brauche ich den Raum nicht zu reinigen. Nach einer Woche fällt das dann auf, wenn man den Boden vor lauter Dreck nicht mehr sieht. Die Grundreinigung habe ich in den Sommerferien alleine gemacht. Da bin ich dann vier Stunden in jedem Zimmer und putze alles: von den Schranktüren bis hin zu den Fensterbrettern. Wenn ich dann in der zweiten Woche nach den Ferien in die Schule komme, denke ich mir immer, dass das eigentlich alles umsonst war. CathoLeaks: Und in welchen Klassenstufen ist das am extremsten? Sind es eher die Fünftklässler oder doch die Oberstufenschüler, denen Sie alles hinterherräumen müssen? Hr. Hickmann: Im Moment würde ich sagen: die Zehntklässler. In den Klassenräumen sieht es immer aus, als hätten sie den Müll mit Absicht ausgekippt, wenn ihr versteht, was ich meine. Da verstehe ich nicht, warum die Lehrer keine Verantwortung übernehmen. Das habe ich beim Fußball früher auch gemacht. Der Lehrer sollte die Schüler anleiten, den Stuhl nehmen, auf den Tisch stellen und sagen: „Guck mal, so geht das.“ Lehrer sollten stets den Raum nach allen Schülern verlassen, so wie ich damals die Kabine. CathoLeaks: Man hört ja manchmal, dass Köche zuhause nur Fertiggerichte essen. Sieht es bei Ihnen zuhause aus wie bei Hempels unterm Sofa oder glänzt da alles frisch geputzt? Hr. Hickmann: (lacht) Man kann Besuch empfangen, würde ich jetzt mal sagen... Aber manchmal reicht auch einfach die Zeit nicht für alles. Von dem, was ich hier an der Schule mache, kann man nicht leben. Ich habe noch einen zweiten Job und arbeite zurzeit manchmal zwölf Stunden am Tag.

nis zu den Schülern hier an der Schule? Hr. Hickmann: Ich habe offenen Kontakt, wir quatschen oft, einige suchen das Gespräch. Ich versuche immer die Schüler aufzumuntern, die zum Unterricht müssen. Es ist immer lustig und fröhlich. Ich war überrascht, wie offen alle sind. Wer nicht grüßt, grüßt eben nicht. CathoLeaks: Und was ist das Beste an Ihrer Arbeit hier? Hr. Hickmann: Das Schönste ist der Kontakt zu Menschen, hier ist immer Action pur. Und es gibt hier so viele unterschiedliche Charaktere. CathoLeaks: Dann danken wir Ihnen für das Gespräch, Herr Hickmann!

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CATHO LEAKS

Intern

Wo kommen unsere Socken an? Am

Rande der Gesellschaft

Die Suppenküche der Franziskaner in Pankow gibt fast täglich Hunderten Obdachlosen und Hilfsbedürftigen Essen und Kleidung aus - zum Nikolaus kamen rund 500 Socken unserer Schule hinzu TEXT UND BILDER: MAXIMILIAN NORRMANN (2. SEM.)

Das Wetter an diesem Nikolaustag ist ungemütlich. Auf der Straße kämpfen sich die Leute in breiten dicken Jacken gegen den stürmischen Wind voran und die Gesichter der meisten Menschen sind zum Boden gerichtet, dem schnellstmöglichen Weg nach Hause zu folgen. Wer nimmt da das Rascheln und Husten im Gebüsch des Straßenrandes wahr? Ein älterer Mann mit hängenden Schultern, bekleidet mit einer dünnen, abgewetzten Windjacke tritt langsam auf den Gehweg hervor. Er guckt sich noch kurz um - für einen kurzen Augenblick treffen sich unsere Blicke. Obdachlose Menschen sehen häufig älter aus, als sie wirklich sind. Sie sind gezeichnet von einem unruhigen, dreckigen Leben auf der Straße, das sie seelisch und körperlich dahinvegetieren lässt. So werden viele Menschen erst auf der Straße alkoholabhängig. Anders können sie die Kälte des Winters, die Verachtung vieler Mitmenschen ihnen gegenüber sowie gleichzeitig

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die eigene Scham für ihre Lebenssituation nicht ertragen. Der Mann dreht sich von mir weg, greift nach einer großen Einkaufstüte, die mit ein paar Habseligkeiten gefüllt ist und schleppt sich die Straße herunter, über die gerade eine Lufthansa-Maschine im Tiefflug zum nahe gelegenen Flughafen Tegel fliegt. Aus der Tüte und wohl aus dem ganzen Erscheinungsbild des Mannes lugt eine dick gefüllte farbige Socke heraus. Im Laufe der Jahre ist es zu einer festen Tradition an unserer Schule geworden, zum Adventsbeginn gefüllte Socken in den Klassen zu sammeln, um diese am 6. Dezember in der Suppenküche der Franziskaner an obdachlose und arme Menschen zu verteilen. Die Suppenküche auf dem Gelände des Franziskaner-Klosters nahe dem S-Bahnhof Wollankstraße öffnet seit nun mehr als 20 Jahren fast täglich ihre Tore für die ärmsten der Gesellschaft. Kamen zu Beginn der Essensausgaben noch überschaubare 20 bis 50 Personen, sind es heute bis zu 500 Menschen, die auf eine warme Mahlzeit bei den Franziskanern angewiesen sind, so der Leiter Pater

Andreas. Unter den vielen Gästen sind nicht nur obdachlose Menschen, sondern auch zahlreiche, die zwar eine Wohnung haben, sich allerdings ab Mitte des Monats keine eigene Mahlzeit mehr leisten können. In dem Rundbau, der vor zehn Jahren auf dem Gelände neu entstand und mit dem die Plätze der Suppenküche zunehmen konnten, gibt es auch eine Kleiderkammer und eine Hygienestation, mit Waschund Duschmöglichkeiten. All diese Angebote wären ohne die drei Franziskaner-Mönche und die Hilfe der teilweise ehrenamtlichen Mitarbeiter genauso wenig möglich wie durch die große Unterstützung der benachbarten Menschen, die Kleidungs- und Essenspenden vorbeibringen. Die Politik des Senats und der Bezirke setzt genau auf dieses Engagement der Gesellschaft, um sich jede Art von Unterstützung sparen zu können. Mit keinem einzigen Cent wird die Arbeit der Suppenküchen und Hilfseinrichtungen in Berlin gefördert. Als eine Frechheit empfindet das Dieter Puhl, der Leiter der Bahnhofsmission am Zoo: „Im letzten Jahr erzielte Berlin wieder einen Rekord an Steuereinnahmen, davon müssten 10 Millionen bedingungslos

Intern in die Obdachlosenhilfe fließen.“ Er geht von drei- bis fünftausend Menschen aus, die in Berlin auf der Straße leben müssen. Genaue Zahlen werden berlin- und deutschlandweit zu dem Thema nicht erhoben, bundesweit muss man aber von mehr als hunderttausend obdachlosen Menschen ausgehen. Aus einem anderen Leben - ein Schicksalsbericht Wenn die Franziskaner mittags ihre Türen öffnen, stehen die Menschen schon Schlange. Die vorhandenen Plätze an den Tischen sind nach wenigen Minuten so voll, dass vereinzelt einige mit dem Teller in der Hand auf dem Boden sitzen müssen. Mein Blick gleitet durch die Reihen, vorbei an den unterschiedlichsten Menschen, denen man nicht ansehen würde, in welcher Not sie stecken. Langsam gehe ich an den dicht gestellten Tischen vorbei auf der Suche nach einem freien Platz - ich möchte mehr über die Menschen, ihr Leben und ihre Geschichte erfahren. Simon (39) bietet mir schließlich einen freien Platz bei sich an. Ohne groß zu zögern, erzählt er mir, warum er fast täglich in die Suppenküche kommt und wie sein Leben noch bis vor kurzem aussah. Denn bevor Simon bei einem ehrenamtlichen Projekt in eine kleine Wohnung einziehen konnte, lebte er mehr als ein halbes Jahr lang auf der Straße. Aus welchen Gründen genau, möchte er mir nicht sagen. „Die meiste Zeit hing ich im Virchow-Klinikum, das ist so groß, dass man sich dort bei Kälte gut unbemerkt aufhalten kann“, erklärt mir Simon. Sein weniges Geld, was er nach dem Wohnungsverlust noch gehabt hatte, war schnell aufgebraucht - auch heute geht noch viel für Haschisch drauf - und so musste er sich in den ersten Tagen auf der Straße schnell überlegen, wie er an nötiges Geld für etwas zu Essen kommen würde. Am Straßenrand zu stehen und die vorbeilaufenden Passanten um Kleingeld zu bitten, kam für ihn nicht in Frage: „Zu Schnorren ist einfach nicht mein Ding“.

Augen wahrnahm; er besuchte zum ersten Mal Obdachloseneinrichtungen und lernte geeignete Orte zum Pfandflaschensammeln kennen. Er hat Freude beim Erzählen seiner Erlebnisse, genau das ist es, was den Menschen besonders fehlt: Leute, die ihnen nicht aus dem Weg

nur mit der S-Bahn fahren, um die zahlreichen Menschen zu sehen, die in den Abfallbehältern auf den Bahnhöfen nach acht, fünfzehn oder fünfundzwanzig Cent im Müll suchen müssen. Während der DAX in den letzten Monaten Rekordhöchstwerte verzeichnen konnte,

„Dir geht es dreckig in diesem Teufelskreis, dem du auf der Straße ausgesetzt bist, ohne einen Wohnsitz kannst du nicht arbeiten gehen, du darfst nicht einmal an einer Wahl teilnehmen.“ gehen. Er fesselt mich mit seiner unkomplizierten, freundlichen Art, auch wenn die Geschichten dieser wenig beachteten Parallelwelt sehr ernst und beklemmend auf mich wirken. „Dir geht es dreckig in diesem Teufelskreis, dem du auf der Straße ausgesetzt bist, ohne einen Wohnsitz kannst du nicht arbeiten gehen, du darfst nicht einmal an einer Wahl teilnehmen.“ Simon macht keinen Hehl daraus, wie er in kleinen Läden das eine oder andere mitgehen ließ, weshalb er es häufig mit der Polizei zu tun bekam und zurzeit eine Geldstrafe abarbeiten muss. „Mir blieb nichts anderes übrig“, und sich auf der Straße durchzuschlagen würde immer schwieriger, mit dem Anstieg an osteuropäischen Migranten, aber auch durch die zunehmende Zahl ärmerer Menschen in der Gesellschaft. Er verdeutlicht es mir anhand des Sammelns von Pfandflaschen. Konnten Obdachlose vor ein paar Jahren noch relativ einfach Kleingeld zusammentragen, ist der Bedarf nach Pfandgeld heute zu einem traurigen Massenphänomen geworden. „Das Sammeln von Pfandflaschen ist zu einem richtigen Geschäft auf der Straße geworden“, sagt Simon, während er mich ernst anschaut. Und er hat Recht. So muss man

sind so viele Menschen wie noch nie gezwungen, sich ihren Lohn oder ihre Rente täglich mit Pfandgeld aufzubessern. Mit dem Anstieg der Flaschensammler auf den Straßen steigt unter ihnen auch das Gewaltpotenzial, so Simon weiter. Er erzählt mir von zahlreichen Kämpfen, die er schon an Abfalleimern um Flaschen und Dosen beobachtet hat. Am Busbahnhof ZOB in Charlottenburg, wo er an manchen Tagen immer noch mehrere Euro mit Flaschen verdient, hat er schon so manche Schlägerei beobachtet: „Sie schlagen da sogar mit Steinen aufeinander ein“, weiß er zu berichten. Heute muss Simon nicht mehr auf der Straße schlafen, bei dem Sozialverein Unter Druck hat er seit ein paar Monaten eine kleine Wohnung. Eine feste Arbeit sowie das nötige Geld für tägliches Essen hat er dagegen immer noch nicht, aber er ist optimistisch und will die Chance nutzen, irgendwann ein einfacheres Leben führen zu können. Sein größter Wunsch, erklärt er mir lächelnd, ist es, mit einer schönen Frau eine Familie zu gründen. Über die grüne, bis zum Rand gefüllte Socke ist er sehr dankbar: „Es ist schön zu merken, wenn es Leute gibt, die an einen denken.“

Schnell hat er andere Menschen von der Straße kennengelernt, mit ihnen zog er gemeinsam durch die Stadt, die er nun mit anderen

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„Das verrückte Lehrerzimmer“

BILD: CHARLOTTE LAU (4.SEM)

CATHO LEAKS

Meinung

WENIGER HABEN

MEHR SEIN

5 Dinge für ein glücklicheres Leben, oder: 5 Vorsätze, die es sich lohnt, im neuen Jahr umzusetzen TEXT UND BILD: MAXIMILIAN NORRMANN (2. SEM.)

1. Minimalistischer leben

Es ist bewiesen, dass materieller Wohlstand allein nicht glücklich macht. Deshalb versuche, pro Woche zehn Dinge aus deinem Zimmer wegzuwerfen, die du seit einem Jahr nicht mehr gebraucht hast. Du wirst merken, wie viel beim Ausmisten zusammenkommt.

2. Eine Hose mehr oder weniger macht den Unterschied

Wie verlockend ist es doch, bei H&M, Zara oder gar Primark die vielen derzeit modischen T-Shirts, Hosen und Pullover für so wenig Geld zu sehen. Selten verlässt man den Laden mit nur einem Kleidungsstück, viel eher greift man zu mehr, als man im Nachhinein wirklich benötigt. Dabei vergisst oder verdrängt man schnell, unter welchen Bedingungen auf der anderen Seite der Welt Jugendliche in unserem Alter dafür arbeiten und teils ihr Leben lassen mussten. Es spart also nicht nur Geld, sondern setzt auch ein kleines Zeichen, wenn du statt fünf Hosen drei Hosen in deinem Schrank hast.

3. „Was wir nicht können, ist irgendwas wiederholen“ (Bosse - Schönste Zeit)

In der Schule lernt man vieles, klar, aber die wirklich wichtigen Erfahrungen für dein Leben findest du nur außerhalb von Klassenräumen und Stundenplänen. Deshalb solltest du dich nicht scheuen, Herausforderungen, die sich dir bieten, anzunehmen und möglichst viele Erfahrungen zu sammeln. Häufig lernst du aus schwierigen Entscheidungen, die du mutig treffen musstest, mehr als aus vier Jahren Chemieunterricht. Habe dafür Hobbies und Interessen, die dir einerseits Spaß und Freude bereiten, dich gleichzeitig aber auch fordern und lehrreich für dich sind. Warum also staunend Erlebnissen anderer zuhören, wenn du in jungen Jahren genauso ein abwechslungsreiches und aufregendes Leben haben kannst?

4. Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper

Um dauerhaft Belastungen durch Schule oder Sonstigem standhalten und sie erfolgreich meistern zu können, bedarf es eines gesunden, resoluten Körpers. Setze dich also mit deiner Ernährung auseinander und treibe regelmäßig Sport! Laufen und Schwimmen sind einige der zahlreichen Möglichkeiten für einen kraftvollen und fitten Körper. Auch bietet Sport eine gute Möglichkeit, sich von Stress und Anspannungen zu befreien und zu einem ausgeglichenen Geist zu finden.

5. Faul sein

Nichtstun wird häufig als sinnlos und unnütz abgestempelt. Falsch! Nimm dir genügend Zeit für dich selbst: Schalte dein Handy aus, nimm dir die Zeit, gute Musik zu hören, ein Buch zu lesen oder einfach nur zu schlafen. So wirst du zu neuer Energie finden.

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Meinung Aus dem Takt geraten? TEXT: HENRIETTE TESKE (4. SEM.) BILD: © LUKA KOLENDA

Es ist, als würde die Stadt mit ihren Menschen ein Lied spielen, in einem geregelten Takt und mit festgelegten Tonarten. Doch was passiert, wenn jemand etwas anderesn tut, als es in den Noten steht? Zwei Variationen: Adenauer-Platz. Ein Mann mit kaputten Schuhen und langem Bart liegt still und bewegungslos auf dem Bürgersteig. Er hat zu viel Heroin genommen und braucht einen Krankenwagen. Die Stadt rauscht und schnattert vorbei. Keiner beachtet das ritardando seines Herzschlages, das Decrescendo seiner Lebenskraft. Kein Blick, kein Wort. Es ist, als gäbe es ihn nicht. Einige Straßen weiter schlürfen Damen und Herren in Pelzmäntel gehüllt Kaffee aus Barock anmutenden Porzellantässchen. Gedämpfte Gesprächsfetzen vibrieren durch die Luft und nirgendwo ist das Kreischen eines Krankenwagens zu hören, das die scheinbare Harmonie zerreißen könnte. Ringbahn S41. Ein Mann mit müden Augen und rotgefrorenen Händen schlurft durch den Waggon und klappert, um eine Spende bittend, mit Münzen in einem zerdrückten Kaffeebecher aus Pappe. Er schleicht und murmelt vorbei. Kein Blick, kein Wort. Es ist, als gäbe es ihn nicht. Einige Sekunden später flötet eine Frau mit Sopranstimme und blond gefärbten Haaren: „Et jibt doch so viel Arbeit. Dit kann mir keener erzählen, dit der keene Arbeit findet.“ Ihr Sitznachbar in dunkler Windjacke schließt sich zwei Oktaven tiefer und in bellendem Staccato an: „Ja! Und wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin und dann kommen die und reden hier so asozial – furchtbar finde ich das!“ Die Intonation dieser Worte hinterlässt einen schrillen Nachhall, während das Schlurfen des Mannes längst verklungen ist. Es ist, als würde die Stadt mit ihren Menschen ein Lied spielen, in einem geregelten Takt und mit festgelegten Tonarten. Manche Menschen haben ihren Einsatz verpasst, ein Vorzeichen vergessen oder konnten den Dirigenten nicht sehen. Jetzt finden sie Takt oder Tonart nicht mehr wieder. Aber niemand von uns zeigt ihnen, wo es weitergeht. Jeder sieht nur auf die eigenen Noten, möchte sich nicht stören lassen. Wir haben ja schließlich selbst zu spielen und was können wir schon dafür… Wir wollen auch gar nicht wissen, warum manche den Takt verloren haben. Und ihre Stimme haben wir schon aus der Partitur gestrichen. Jetzt ist es, als gäbe es sie nicht. Dabei gibt es sie eben doch. Und wer hat eigentlich festgelegt, dass wir genau dieses Lied spielen? Wie kann es in diesem Lied eine Harmonie geben, wenn wir musizieren, ohne alle teilhaben zu lassen?

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CATHO LEAKS

Meinung

Es ging niemals nur

um ein paar Chlorhühnchen! TEXT: HENRIETTE TESKE (4.SEM) BILD: WILHELM BUSCH, „MAX UND MORITZ“

Die EU und die USA verhandeln seit einiger Zeit über ein Freihandelsabkommen (TTIP), das einen transatlantischen Wirtschaftsraum schaffen soll. Handelsbarrieren sollen abgebaut und die wirtschaftlichen Beziehungen über den Atlantik intensiviert und erleichtert werden. Für die BefürworterInnen duftet dies nach frischem Wachstum und Arbeitsplätzen. Viele aber schnuppern den Gestank einer übermächtigen, rücksichtslosen Wirtschaftsmacht. Sie klingen so herrlich verlockend, die Versprechen der VerfechterInnen von TTIP: sinkende Produktionspreise, höheres Pro-Kopf-Einkommen, mehr Wohlstand. Ein durchschnittlicher Haushalt würde mit etwa 545 Euro im Jahr von TTIP profitieren, verspricht man auf der Internetseite der CDU. Wieso eigentlich nicht? Die zahlreichen KritikerInnen sehen hinter dieser Maske aber das wahre Gesicht des TTIP: Aushebelungen von Produktions- und Verbraucherschutzstandards, Umwelt- und Sozialauflagen zugunsten der Wirtschaft. In diesem Zusammenhang entstand auch das

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oder

„Chlorhühnchen“ aus den USA – man vermutete bald, mit Chlor desinfiziertes Geflügel und Hormonfleisch in den heimischen Regalen vorzufinden. Zudem ein höchst zweifelhaftes Sonderklagerecht, durch das Staaten von Konzernen oder InvestorInnen vor einem privaten Schiedsgericht verklagt werden könnten, wenn diese ihre Gewinnchancen durch Gesetze eingeschränkt sehen. Weitere Sorgen beziehen sich auf eventuell gefährdete Kulturförderung, Datenschutz und Gemeinnützigkeit sozialer Verbände. Von den BefürworterInnen werden die Widerstände als überängstlich und emotionalisiert dargestellt, es wird so getan, als ginge es dabei nur um ein paar Chlorhühnchen. Die Unbedenklichkeit der Chlorhühnchen wird bewiesen oder versprochen, dass diese niemals den Weg zu uns finden werden. „Unser Schutzniveau in Europa steht nicht zur Debatte“ – beruhigt wieder die CDU. Aber können wir dem glauben? Manche befürchten die Absenkung vieler Standards nicht für den Zeitpunkt des TTIP, sondern erst für die Zukunft, da neue Gesetze auf den Einfluss des transatlantischen Handels geprüft würden. Ist dem so? Und

auf welche Bereiche wird das TTIP nun überall Einfluss nehmen? Ist es geplant, dass alles diffus gehalten wird, damit die GegnerInnen keine klaren Anhaltspunkte haben? Organisationen wie „attac“ und „Mehr Demokratie“ wollten Klarheit und planten eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) zur Aussetzung der TTIP-Verhandlungen. Beim Gelingen hätte die Europäische Kommission, die das alleinige Initiativrecht für Gesetzesvorschläge innehat, mindestens Stellung zur EBI nehmen müssen. Jetzt hat aber die Kommission diese Bürgerinitiative nicht einmal zugelassen. Was soll uns das sagen? Etwa: „Liebes Volk, mischt euch bitte nicht in etwas ein, wovon ihr nichts verstehen sollt!“? Aber wozu ist die EBI geschaffen worden, wenn die Anliegen der BürgerInnen dann doch so ignoriert werden können? Diese Ausgrenzung, zweifelhafte Vorhaben wie das Sonderklagerecht sowie die ganze Diffusität, die das TTIP umgibt, geben doch allen Grund zu Sorge und Widerstand. Und ganz nebenbei: Wir sind auch nicht ganz doof. Wir wissen schon, dass ihr nicht nur über Chlorhühnchen verhandelt.

Meinung

Verbindlichkeit

- Nein, danke!

Ich liebe Musik, ich liebe mein Parkett, Den neuen Bäcker an der Ecke, dein graues Jackett , Ich liebe Zimt und heißen Tee, Sonne, ja auch Schnee Oh! Und dich natürlich auch. TEXT: VIVIAN NELKI (4. SEM.)

Wann hast du das letzte Mal gelogen? Ich will nicht auf die gezielten, kleinen Verdrehungen der Wahrheit hinaus. Ich spreche von den unbewussten Lügen. Den Dingen, die du äußerst, ohne sie zu meinen - wie das „Ich liebe meinen neuen Lippenstift“, das „Es tut mir leid, dass ich den Bleistift nicht finden kann“ und das „Ich hasse seine Frisur“. Wir tun es jeden Tag. Inflationär integrieren wir bedeutsame Worte und Phrasen in unseren Sprachgebrauch und nehmen ihnen ihr Gewicht. Wir marginalisieren. Dies geschieht sicherlich größtenteils aus Unbedachtsamkeit unserer eigenen Wortwahlvielleicht ist es aber auch eine Anpassung an den Zeitgeist. Lasst mich den Sachverhalt spezifizieren: In einem Zeitalter, in dem wir stark dazu tendieren, nahezu alles und jeden zu lieben, scheint die Definition der Liebe als die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch überhaupt aufbringen kann, geradezu vorsintflutlich. „Ich liebe dich“- das bedeutet schon lange nicht mehr, dem Anderen mit Haut und Haaren verfallen oder gewillt zu sein, den Rest des Lebens mit ihm zu verbringen. Nein. Ständige Wiederho-

lungen festigen den mittlerweile so beiläufigen Charakter der magischen Worte. Wie konnte es so weit kommen? Ich stelle die Hypothese auf, dass dieser Trend aus unserer heutigen Multioptionsgesellschaft resultiert. Tausend glitzernde Wege, tausend schimmernde Möglichkeiten – und da soll ich mich durch diese drei kleinen Worte festlegen?! Nein, danke. Verbindlichkeit ist out. Das betrifft sowohl Eheschließungen, Parteieintritte als eben auch gute alte Liebesgeständnisse. Sich verpflichtend und dauerhaft auf etwas oder jemanden einzulassen, widerspricht dem modernen Wunsch nach Flexibilität. Und mal ehrlich – können wir nach den Lehren der Geschichte überhaupt anders? Beginnend bei der Einsicht des 20.Jahrhunderts, wie schnell der Wind sich doch drehen kann, bis hin zu modernen Innovationen, die uns jede Woche aufs Neue aufzeigen, dass es eben doch noch besser geht – ist das opportunistisch ausgerichtete Verhalten und Handeln der neuen Generation nicht überraschend. Die naheliegende Lösung, der sprachlichen Marginalisierung durch neue, emotionsaufgeladene Verben entgegenzuwirken, greift das Problem also

nicht an den Wurzeln. Die Euphemismus-Tretmüle schlägt zu und früher oder später tun diese Verben es ihren Vorgängerausdrücken gleich und gehen ebenso im großen Topf der verbelanglosten Worte unter. Es liegt nicht in meiner Möglichkeit, die Angst vor Verbindlichkeit verschwinden zu lassen – das will ich auch überhaupt nicht. Dieses Misstrauen ist nicht nur ein Ausdruck unseres Bestrebens nach größtmöglicher Selbstverwirklichung, sondern gleichzeitig eine Art Selbstschutz, ein Wunsch nach Absicherung. Trotzdem. Manche Menschen oder Wege sind es wert und verlangen es, diese Angst vor Dauerhaftem, vor Risiko zu überwinden und alle Karten auf sie zu setzen. Und wie sagt meine Großmutter immer so schön? „Eine Liebe auf Zeit ist ein Spiel ohne Glück.“

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CATHO LEAKS

Meinung

Z e i t

u m z u d e n k e n ?

TEXT: LEA LUTTENBERGER, BILDER: THERESA THUSS, MAGDALENA WAURY (ALLE 4.SEM.)

Im Geschichtsunterricht wird verkündet, dass man den Nationalsozialismus ohne den italienischen Faschismus eigentlich nicht verstehen kann – aber den zu behandeln, sieht der Lehrplan nicht vor. Ich gehe also nach Hause und habe gelernt, dass ich nichts verstehen kann, weil der Lehrplan mir Wissen vorenthält. Der Lehrplan - er ist ein Diktator, die Schule sein Herrschaftsgebiet, die Lehrer seine Untertanen, die Schüler seine Sklaven. Und niemand kann diese Struktur durchbrechen, weil die Zeit dazu fehlt. Ein komplettes Schuljahr wurde gekürzt, jetzt heißt es für alle „Leistung erhöhen!“. Kommt eine Diskussion im Unterricht auf, muss diese erstickt werden, damit genügend Platz für den Lehrplan bleibt. Versteht man irgendetwas nicht, dann ist das eben dumm gelaufen, aber nicht zu ändern, denn um alles noch einmal langsam zu erklären, ist keine Zeit. Zu verstehen braucht man aber ohnehin nichts. Ziel ist es einfach, all die vorgekauten Informationen aus dem Lehrplan zu schlucken, bloß nicht zu hinterfragen, was man da eigentlich zu sich nimmt, oder das Gelernte gar zu verdauen, denn bei der nächsten Klassenarbeit oder Klausur soll alles wieder originalgetreu ausgespuckt werden. Diesen Prozess ist man irgendwann so gewohnt, dass man gar nicht mehr damit umgehen kann, wenn der Lehrer fragt, was einen eigentlich selbst interessiert und was man selbst als Schüler, ganz persönlich, gern im Unterricht behandeln würde. Stöhnt man, weil man im Stoff nicht hinterherkommt und schon wieder einen Physiktest in den Sand gesetzt hat, weil man sich auf die anderen drei Klassenarbeiten konzentriert hat, kommt ermunternd von allen Seiten: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir. Da wurden dem armen Seneca die Worte im Mund verdreht. Vor etwa 2000 Jahren schrieb er in einem Brief an seine Frau: „Non vitae, sed scolae discimus.“ Nicht für das Leben sondern für die Schule lernen wir. Nach dem Abi können wir dann feststellen, dass wir alles wieder vergessen haben, was nach dem Prinzip

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des „Bulimielernens“ – schlucken und wieder ausspucken – in uns hineingepresst wurde. Unser Hunger nach Wissen, die Neugierde können unter dem starken Griff des Lehrplandiktators nicht gestillt werden – und so verhungern wir. Aber es zählt am Ende sowieso nur der Durchschnitt. Der gute Durchschnitt zählt, und den bekommen wir, wenn wir den Lehrplan zum richtigen Zeitpunkt auswendig wissen. Also behandeln wir in Geschichte ausgiebigst den Aufbau der mittelalterlichen Stadt, können sagen, wo sich zu jener Zeit die Kirche befand und dass die Mauer um die Stadt eine wichtige Rolle spielte – die Mauer im nicht mittelalterlichen Deutschland wird allenfalls kurz zur Sprache gebracht und erwähnt, dass sie gefallen ist. Vielleicht werden auch ein paar Minuten mehr geopfert und ein Film dazu angesehen. Die ist ja aber auch eigentlich nicht so wichtig. Alle wissen ja, wieso der Tag der Deutschen Einheit am 03. Oktober gefeiert wird, obwohl die Mauer am 09. November fiel, oder? Die Berliner Mauer fiel, doch der Berliner Lehrplan trennt weiterhin strikt alle Fächer voneinander. Es bestehen natürlich auch nur indirekt Zusammenhänge zwischen der Literatur der Romantik und den historischen Ereignissen zur selben Zeit. Auch Erdkunde und Politikwissenschaft haben

Meinung rein gar nichts miteinander zu tun. Aber wozu auch den Kontext verstehen? Es ist schon gut so, wie es ist. So kann alles häppchenweise geschluckt und häppchenweise wieder vergessen werden. Der Lehrplan - er ist ein Diktator, die Schule sein Herrschaftsgebiet, die Lehrer seine Untertanen, die Schüler seine Sklaven. Ein paar Türchen, um diesem starren System zu entkommen, gibt es in der Schulgestaltung dann aber doch: In der Oberstufe können Fächer nämlich komplett abgewählt werden. Politikwissenschaft muss in der Oberstufe beispielsweise gar nicht belegt werden, wenn man stattdessen eine andere Geisteswissenschaft wählt. Man kann seinen 1,0 -Abischnitt also abräumen, ohne zu wissen, wer eigentlich ein Parlament wählt oder was die EU ist. Herzlichen Glückwunsch. Da wundere sich noch einer über die geringe Wahlbeteiligung.

Vielleicht ist es Zeit, umzudenken und etwas zu verändern? Ich freue mich über Leserbriefe.

Gespräch mit der Veränderung

I

„Heinz-Peter, es klingelt, es machte dingdung, ich sehe, es ist die Veränderung!“ „Ach Gerda-Brigitte, lass zu meine Biene, das passt mir jetzt nicht in die Sonntagsroutine!“

II

„Yo digga, was geht?“ „Veränderung hier!“ „Yo digga, was geht, was willst du von mir?“ „Ich steh vor der Tür, mach auf, bist du da?“ „Verpiss dich, du Wickser, ich spiel GTA!“ HENRIETTE TESKE (4. SEM.)

oder

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CATHO LEAKS

th

Kultur

er

e

a b roa d er n a si

TEXT: MOHAMED NOOR BILD: MARIEKE LAU (EHEM. 10C)

It has been our great pleasure to host your classmate, Marieke Lau, as an exchange student for the past 3 months. It can be a bit scary at first bringing an almost-stranger into our home - we knew from the paperwork that Rieke had similar interests, but it was impossible to know how she and our family would get along. Within a day, it was clear that Rieke was a perfect fit. Her first few days were a bit tiring for her - because of the time-difference, the language difference (requiring more concentration), and the many day-to-day differences of being in a new home and in a new country. Fortunately, Rieke‘s English was very good, so everyone communicated very well with her from the beginning, and „Google Translate“ helped the few times a word was unknown. She comes with us on all family outings, and has fully assimilated into our family more generally. Rieke contributes to the household directly, just as our own children do - she cooks dinner for the family once a week and helps with laundry. There was one thing we learned very quickly about exchanges in general and why preconceptions are often wrong. Just because a German student is staying with a family in the United States does NOT mean either the student is „typical“ of all German students nor that the host family is „typical“ of all

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Ein Gastvater erzählt... In der letzten Ausgabe berichtete Marieke Lau von ihrem Alltag als Austauschschülerin in North Carolina, USA. Nun schreibt ihr Gastvater darüber, wie es ist, einen jungen Menschen aus einem anderen Land für ein Jahr bei sich aufzunehmen. US families. We had been told by the exchange organization about issues that arose with other students, and we braced for these possibilities. However, I‘m pleased to say that we‘ve had no difficulties at all-- Rieke integrated very nicely into our family from the very beginning. There were a few things that she noted as surprising how clean the city is, the density of trees everywhere in our city, people are very polite in their word-use, etc. We also had some surprises - how very aware she was of national and international news & events; how comfortable she was talking about history, science, politics, etc. The latter is unusual among kids (or even adults) in the US - it‘s rare that average citizens in the US can name 3 world leaders, or even know our own US leaders except the president and vice president. Fortunately again, our family are not „average citizens in the US“. One nice feature about exchanges is we got to pick someone with similar interests to our own. My family really loves science fiction - Star Trek, Doctor Who, etc. Similarly, our high school daughter Megan is very musical and plays flute in the band. It‘s nice being able to share those interests with Rieke, and she is in both concert band and marching band with Megan. Rieke also shares our son Adam‘s love of video games, and they love to challenge each other on the X-Box. I think we got very, very lucky getting to share these past

several months with Rieke. She does well in school (especially in biology), and she‘s very self-sufficient and self-motivated. I personally really enjoy our weekly walks when she tells me stories about her family, her school, her vacations, and her life in general. It‘s a delightful window into one‘s life that, until recently, was on the other side of the planet from our home. I am very happy with the experience - though I think we also got very lucky getting to host someone as delightful as Marieke Lau.

Kultur

DAS HÖRT DIE REDAKTION Alle Farben - 6 hour session #8 Alt-J - An Awesome Wave AnnenMayKantereit - Barfuß am Klavier AronChupa – I´m An Albatraoz Blumio – Die Welt ist schwul Clueso – Stadtrandlichter David Guetta – Dangerous Ella Henderson - Ghost Imagine Dragons – Demons James Blake - Retrograde Led Zeppelin - Kashmir Pink Floyd – Pigs Queen feat. David Bowie – Under Pressure Shakira – Empire Simon & Garfunkel - Mrs. Robinson Spice Girls (Glee Cast Version) – Wannabe Taylor Swift – Shake It Off The Alan Parsons Project - The Turn Of A Friendly Card The Milk Carton Kids – Prologue Wise Guys – Deutsche Bahn Woodkid – Run Boy Run (Instrumental)

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Kultur

KULTURTIPPS „CITIZENFOUR“ TEXT: KIRA WELKER (9A), BILD: DIGITALCOURAGE.DE

Ein schwarzer Bildschirm. Weiße Worte flackern auf. Eine E-Mail von Citizenfour. Er erklärt, er sei Mitarbeiter bei der NSA und habe Beweise für die erschreckenden Überwachungsmethoden des Geheimdienstes. So beginnt der Film CITIZENFOUR. Laura Poitras, investigative Filmemacherin und selbst auf einer US-Beobachtungsliste, arbeitete im Dezember 2013, als diese E-Mail sie erreichte, bereits an einem Dokumentarfilm über die Überwachungsmethoden der amerikanischen Geheimdienste. Anfang 2014 zog sie nach Berlin, um ihr Material nicht über die US-Grenze transportieren zu müssen. Im Juni, nach Monaten des E-Mail-Kontaktes, vereinbaren Laura und Citizenfour ein Treffen in Hongkong. Begleitet wurde sie von den Journalisten Glenn Greenwald und Ewen McAskill sowie ihrer Videokamera. Im „Hotel Mira“ treffen die Drei zum ersten Mal auf Citizenfour, den Whistleblower Edward Snowden. Was folgt, sind mehrere Tage, in denen Snowden über Sicherheit und Überwachung, Abhörsysteme und, ganz selten nur, auch über sich redet. Insgesamt über 60 Minuten Material sieht man im Film aus diesen Tagen. 60 Minuten, in denen man miterlebt, wie Greenwald erste Dokumente an die Öffentlichkeit bringt. Man sieht Ausschnitte aus ersten Fernsehberichten und Snowden, wie er sie auf dem Hotelfernseher schaut. Aber vor allem sieht man viel mehr vom Menschen Snowden. Momente, in denen er besorgt aus dem Fenster schaut, seiner Freundin eine E-Mail schreibt. Wie er sich rasiert und sich einen Regenschirm vor sein Gesicht hält, um nicht erkannt zu werden, als er aus dem Hotel verschwinden muss. Es wird klar, wie bewusst ihm war, worauf er sich einlässt, aber auch, wie vorsichtig und ruhig er blieb, als es tatsächlich passierte. CITIZENFOUR ist eine wahre Geschichte, spannend wie ein Thriller, über fast zwei Stunden keine Sekunde langweilig. Vor allem aber ist es ein Weckruf an eine Gesellschaft, die nicht mal ein halbes Jahr nach dem NSA-Skandal schon wieder alles vergessen zu haben scheint, und ein bleibender Beweis für die beeindruckende Geschichte des Whistleblowers Edward Snowden.

„Das Blubbern von Glück“ TEXT: GRETA SCHÖSSLER (7A), BILD: RANDOMHOUSE.DE

In dem Roman „Das Blubbern von Glück“ von Barry Jonsberg geht es um die 12-jährige, etwas andere Candice, die sich fest vorgenommen hat, jeden um sich herum glücklicher zu machen. Ihre Familie, die seit dem Tod ihrer Familie zerbrochen ist, ihre Lehrerin, die wegen ihres Auges gehänselt wird und noch einige mehr. Das Buch ist humorvoll geschrieben und die Art, wie Candice die Welt ein bisschen bunter macht, ist einfach toll. Ich kann „Das Blubbern von Glück“ jedem empfehlen, der beim Lesen lachen und auch ein bisschen nachdenken möchte oder denen, die einfach ein gutes Buch für die Winterzeit brauchen.

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Kultur Auf dem Sprung... TEXT: MAXIMILIAN JAKOB (4. SEM.) BILD: LIZZYNET.DE

Noch unbekannt oder schon in aller Munde? Die Band AnnenMayKantereit auf dem Weg in die großen Hallen Was machen drei junge Männer, die zusammen in Köln am Schillergymnasium aufgewachsen sind? Vielleicht dichten? Oder Musik? Christopher, Henning und Severin machen Beides. Sie vermischen in ihrer Musik Blues mit Rock und Pop und dichten ihre Gedanken zu diesen Klängen. Egal ob auf Deutsch oder Englisch, ihre Gedanken kommen an: Henning May besingt mit seiner tiefen Stimme das Leben in all seinen Facetten. Wenn er „barfuß am Klavier“ und die andern Beiden auf der Gitarre und am Schlagzeug spielen, nimmt man nicht nur an ihrem Leben zwischen „21, 22, 23“ teil, sondern findet auch Antworten auf Dinge, die man sich selbst schon „oft gefragt“ hat. Sie sind bodenständig und real - halt wie die Freunde im Nachbarhaus, mit denen man am Wochenende immer spielte. Und das zeigt sich auch in ihrer Musik: Am liebsten singen und klingen sie draußen auf der Straße. Auf ihr erstes Album, welches sie selbst aufgenommen haben, folgt nun eine weitere EP. Und die hat nun auch einer der Größeren gehört und ist auf sie aufmerksam geworden: Clueso. Sofort packte er sie in sein Tour-Gepäck und nun spielen sie als Vorband auf seinen Konzerten. So auch hier in Berlin in der Max–Schmeling–Halle im Dezember. Ob sie in den Hallen bleiben oder wieder auf die Straße gehen: Den Sprung in die Herzen haben sie jedenfalls geschafft.

„Ich bin down“ TEXT: NELLY GYPKENS (9A)

30. November, 20.00 Uhr, Sophiensaele, Berlin-Mitte Fünf Musiker, fünf Schauspieler, eine Bühne in Schwarz-Weiß und circa 200 Zuschauer im Publikum. Meine Familie und ich sitzen in der oberen linken Ecke der Tribüne. Heute Abend soll hier ein Stück aufgeführt werden, in dem die drei Hauptrollen von Frauen mit Down-Syndrom gespielt werden. Ich kenne den Inhalt von Tschechows DIE DREI SCHWESTERN nur flüchtig: Drei junge Frauen, die den Sinn ihres provinziellen Lebens in Frage stellen, träumen davon, in ihre Heimatstadt Moskau zurückzukehren. Die drei Schauspielerinnen (Nele Winkler, Juliana Götze und Rita Sereduß) werden von Neles Mutter und ihrem Bruder, den Schauspielern Angela und Tammo Winkler auf der Bühne unterstützt. Das folgende Stück ist eine laute, bunte, wilde und oft auch lustige Antwort auf die Fragen, die sich die Schwestern im russischen Original des Stücks stellen. MASCHA: ICH TRINKE JETZT EINEN SCHNAPS. OLGA: WARUM? MASCHA: DAS LEBEN MACHT SOLCHEN SPAß, AUCH WENN ES VÖLLIG DANEBEN GEHT. Es ist sicherlich keine klassische schauspielerische Performance, denn die drei werden von eingeschränkten Bewegungen, etwas quiekenden Stimmen und einem gedrungenen Körperbau geprägt. In einer Szene relativ am Anfang wird klargestellt, dass man, wenn man Down-Syndrom hat, nicht auch automatisch „down“ sein muss. Der Rest des Stücks bestätigt diese Aussage in jeder Hinsicht. 21.34 Uhr Schallender Applaus, allgemeine Begeisterung und glückliche Schauspieler. Dieses Stück führt einmal mehr vor Augen, wie bedauerlich es ist, dass immer öfter Menschen mit Trisomie 21 abgetrieben werden. Die frühzeitige Erkennung des Chromosomendefekts bewegt heute 95% der Frauen zur Abtreibung. Menschen mit Down-Syndrom haben zwar viele gesundheitliche Einschränkungen, sind aber eindrucksvolle Persönlichkeiten mit sehr viel positiver Energie.

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CATHO LEAKS

Vermischtes

Helene – hat ein

doofes Gefühl

s erste weil es da freut sich, ist und le u h Franziska – Sc n f der neue Zeugnis au rien sind Fe h c dana

Franz i nich – guckt sic tg Lektü erne an h das Ze ; ist k re... eine ugnis ein f inter essa ach nte

ZEUGNISSE!

- Vorfreude?

Liborius – freut sic h nicht aufs Zeugnis, weil ve rmutlich auch ein paar schlech tere Noten darauf stehen.

Ole, Luca, Josias und Valentin – rufen laut „Ja!“ in Vorfreude auf eine Woche Winterferien.

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a osef nd J f die u a n u , Han nnt a rien. Luise gespa Fe d – sin

Vermischtes FÜR LANG

WEILER LEHRER

BINGO

Vor der Unterrichtsstunde füllt Jeder 16 Begriffe in das nebenstehende Feld ein. Hier kommt der Knackpunkt: Die Wörter müssen individuell auf den Lehrer abgestimmt sein. Es ist also ratsam, Wörter einzusetzen, die der jeweilige Lehrer wirklich permanent gebraucht. Einige Beispiele: Frau Faber: Salvete, Lautstärkebarometer; Herr Battenberg: Freiheit, FDP. Wie beim herkömmlichen Bingo ist das Ziel des Spiels, als Erste(r) vier diagonal/ waagerecht/senkrecht nebeneinanderliegende Kästchen richtig zu haben. Dann könnt ihr laut „BINGO!“ durch die Klasse rufen.

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DAS

MINUTEN

SPIEL

Ganz einfach und das beste Mittel gegen 45 Minuten Langeweile: Pro Minute könnt ihr ein Kästchen ausmalen. So habt ihr immer den Überblick, wie lange ihr noch durchhalten müsst. Viel Spaß!

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Impressum Kontakt: [email protected] Website: www.catholeaks.de Facebook: facebook.com/catholeaks Erscheinungsdatum: 28. Januar 2015 Preis: 1,50€; Schüler ermäßigt 1,-€ Druck: Druckerei Assmann,Pistoriusstr. 26, 13086 Berlin Auflage: 175 Stück Ausgabenrhythmus: 4/Quartal Chefredaktion: Lea Luttenberger, Theresa Thuß, Maximilian Norrmann Redaktion: Giuliana Chigulu, Nelly Gypkens, Maximilian Jakob, Elisa Kurzer, Charlotte Lau, Freya Laule, Vivian Nelki, Olivia Perez, Greta Schößler, Josephine Sondermann, Henriette Teske, Marlene Vollmar, Magdalena Waury, Kira Welker Betreuender Lehrer: Eike Battenberg Ein Dankeschön an: Herrn Hickmann und alle kooperierenden Schüler und Lehrer Lektorat: Hannah Hagedorn, Peter Jung Deckblatt: Marlene Vollmar Layout: Theresa Thuß

Ausblick:

Während ihr diese Ausgabe lest, ist die nächste schon in Arbeit. Nach den aktuellen Ereignissen in Paris, soll es darin um das Thema „Meinungsfreiheit“ gehen – ein Privileg, das leider oft erst dann wertgeschätzt wird, wenn es angegriffen wird. Im hierarchischen System der Schule ist es nicht immer leicht, seine Meinung zu äußern. Dennoch ist es unser Recht! Also freut euch in der nächsten Ausgabe auf Meinungen über den Wegwerfkonsum in unserer Mensa, die Sicht eines Lehrers über Meinungsfreiheit an unserer Schule und vieles mehr… Verkauft wird vor den Osterferien. Aber bevor es soweit ist, hoffen wir, dass ihr den Schock über die Zeugnisse gut überwindet und wünschen euch verschneite Winterferien. Eure Chefredaktion P.S. Wie immer seid ihr herzlich dazu aufgerufen, Lehrersprüche zu sammeln und Fragen und Anregungen an uns zu richten. Außerdem wollen wir in der nächsten CathoLeaks die beliebten Grüße wieder einführen!

DIE MEINUNG DER AUTOREN ENTSPRICHT NICHT ZWANGSWEISE DER MEINUNG DER REDAKTION. WIR ENTSCHULDIGEN UNS AUFRICHTIG FÜR ALLE VON UNS AUSGELÖSTEN KONTROVERSEN UND GELOBEN AUSDRÜCKLICH KEINE BESSERUNG!

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