Im Patientengespräch Erdung finden - Caritas Krankenhaus St. Josef

Im Patientengespräch Erdung finden - Caritas Krankenhaus St. Josef

Stilla Bill besucht seit acht Jahren ehrenamtlich die Patienten am Krankenhaus St. Josef. Die Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass sich das hauptamtli...

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Stilla Bill besucht seit acht Jahren ehrenamtlich die Patienten am Krankenhaus St. Josef. Die Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass sich das hauptamtliche Personal auf seine originären Aufgaben konzentrieren muss. Da bleibt oft keine Zeit mehr fürs Gespräch. Fotos: Vogl, Caritas Regensburg

Im Patientengespräch Erdung finden EHRENAMT Stilla, Annemarie und ihre Freunde sind im Krankenhaus St. Josef gern gesehene Gäste – sie engagieren sich im Besuchsdienst der Caritas.

Wie die anderen Frauen trägt Stilla Bill (54) sichtbar einen Ausweis am Revers. Schließlich sollen die Patienten wissen, wer da bei ihnen hereinschaut. „Ich werde öfter gefragt, woher ich komme und ob das etwas kostet“, sagt sie. Sie kann dann die Patienten beruhigen: Sie schenkt ihnen ganz kostenlos ihr Gehör. Wenn sie gefragt wird, ob sie wiederkommt, weiß sie: Es war nicht umsonst. Stilla kommt alle zwei Wochen ins CaritasKrankenhaus St. Josef. Sie schenkt den Patienten Zeit, die einfach reden wollen; sei es über ihre Krankheit, ihre Sorgen oder über ihre Probleme im Krankenhausalltag. „Die Rahmenbedingungen sorgen dafür, dass sich das Personal auf seine originären Aufgaben konzentrieren muss. Da bleibt oft keine Zeit mehr fürs Gespräch“, sagt Margarete Reiter. Die stellvertretende Pflegedirektorin von St. Josef würde den Besuchsdienst gerne an zwei Tagen in der Woche anbieten. Doch dazu fehlen die Freiwilligen. Beim Besuchsdienst geht es vor allem um die persönliche Zuwendung. Derzeit sind in St. Josef fünf Frauen auf vier Stationen vertreten.

REGENSBURG.

Die Leute sind oft sehr einsam

Wie Stilla Bill haben vier weitere in ihrem Ruhestand nach einer sinnvollen Beschäftigung gesucht. Regelmäßig sind sie nun für die Kranken da, die einen Ansprechpartner suchen. „Ich wollte etwas für die Allgemeinheit tun“, sagt Stilla. Und sie bekommt viel zurück: „Es erdet sehr, finde ich. Man merkt, dass es ganz andere Sorgen gibt und es einem selber doch ganz gut geht. Vieles relativiert sich dann.“ Die gebürtige Fränkin aus Hilpoltstein lebt seit über 20 Jahren in Regensburg. Man merkt ihr an, mit welcher Freude sie ins Krankenhaus geht. Auf der Station Acht ist sie beinahe

Auf der Station ist die Besuchsdienstlerin immer gern gesehen. Sie gelten als wichtige Mitarbeiter bei der Gesundung der Patienten.

Claudia Seidl leitet die Ehrenamtlichen an.



























































































DER EHRENAMTLICHE BESUCHSDIENST DER CARITAS



































➤ Der ehrenamtliche Besuchsdienst im Caritas-Krankenhaus St. Josef sucht Freiwillige. Einsteigen kann jeder, der bereit ist, zweimal im Monat oder auch öfter Patienten zu besuchen. ●



















































































































schon zuhause. Dort bekommt sie die Namen der Patienten genannt, die sie besuchen kann. Ganz unverbindlich und mit viel Einfühlungsvermögen macht sie den Schritt ans Krankenbett. Wenn jemand nicht reden will, merkt sie das sehr schnell. Fast immer sind die Patienten aber froh, wenn sich die Ehrenamtliche zu ihnen gesellt. „Manchmal bin ich schon geschockt, wie einsam oft die Leute sind“, sagt sie. Die Patienten erzählen ihr oft Geschichten aus ihrem Leben. Die Offenheit der Patienten ist für sie kein Problem: „Patienten können sich einer neutralen Person oft eher öffnen als nahestehenden Verwandten“. Selbstverständlich behandelt sie die Anliegen der Patienten stets vertraulich. Warum sie diesen Dienst mit Leidenschaft macht? „Es ist das Lächeln und die Dankbarkeit der Patienten“, sagt Bill. Das gebe ihr ein Gefühl, etwas Gutes für andere Menschen getan zu ha-











































































































































































































































































































































































haftpflichtversichert. ➤ Wer Interesse hat, kann sich bei Claudia Seidl melden, unter Tel. (0941) 7821310 oder per E-Mail: [email protected]

➤ Die Ehrenamtlichen gehören richtig zum Krankenhaus, können vor der Tür kostenlos parken und können an Besuchstagen die gute Küche des Hauses genießen. Sie sind außerdem unfall- und ●





ben. Hinzu komme, dass sie einfach nur gerne mit Leuten zusammen ist, ob im Bund Naturschutz, beim Kartenspielen mit Freunden oder eben im Krankenhaus. Dolmetscher des Patienten

„Wann kommen Sie wieder?“ Auch die 68-jährige Annemarie hört jedes Mal diese Frage und muss dann vertrösten. Sie kommt alle 14 Tage ins Caritas-Krankenhaus St. Josef. Dann liegen bereits neue Patienten auf den Zimmern. Seit 13 Jahren engagiert sich Annemarie ehrenamtlich im CaritasBesuchsdienst. „Mancher macht sich einen Kopf darüber, was die Schwester gerade gesagt hat“, erzählt sie. Annemarie geht dann ins Stationszimmer und die Angelegenheit ist geklärt. Schon so manches Mal hat sie für bettlägerige Patienten Telefonkarten besorgt oder aus der Cafeteria eine Kleinigkeit aufs Zimmer gebracht.





























































































































Die Ehrenamtlichen sind mit ihren Patienten immer allein, aber nicht allein gelassen. Angeleitet werden sie von Diplom-Sozialpädagogin Claudia Seidl. Sechs- bis achtmal jährlich organisiert sie Treffen, bei denen Referenten über Themen wie Gesprächsführung oder Hygiene sprechen. Gemeinsam besucht die Gruppe auch Einrichtungen wie das Caritas-Haus St. Rita für Frauen in sozialen Notlagen, die Suchtberatung oder die Bayerische Krebsgesellschaft. So bekommen die Besuchsdienstler ein Hintergrundwissen, das sie bei den Patientengesprächen gut gebrauchen können. Zusammenhalt im Team

Am Jahresende trifft sich das ganze Team zum Frühstück. Nie wird ein Geburtstag aus der Gruppe vergessen. Da die fünf Frauen das Pflegepersonal gut kennen, gibt es ein vertrauensvolles Miteinander auf den Stationen.