in berlin - Landessportbund Berlin

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ZEITSCH R I F T DES L AN DESSPORTB U N DES B ER LI N S e p t . - O k t . 2 017 IN BERLIN 100 Jahre Handball: Festakt und zwei Länderspiele in Berli...

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ZEITSCH R I F T DES L AN DESSPORTB U N DES B ER LI N

S e p t . - O k t . 2 017

IN BERLIN

100 Jahre Handball: Festakt und zwei Länderspiele in Berlin WM im Olympiastadion – 1955 war Feldhandball noch populär

LSB-Tagung „Sport bewegt und bildet”

Mehr Sportanlagen! Aber welche?

Seite 8: 8. Dezember in der TU

Seite 29: Diskussion über Infrastruktur

Dabei sein ist einfach. Wenn man als Sportler auf das Engagement der Berliner Sparkasse vertrauen kann.

berliner-sparkasse.de/gut

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SPORT IN BERLIN

Das Jahr 2017 ist für den Handballsport ein ganz besonderes Jahr. Vor 100 Jahren am 29. Oktober 1917 wurde erstmals ein verbindliches Handball-Regelwerk vorgelegt. Am 2. Dezember 1917 fanden in Berlin die ersten Spiele statt. Das Jubiläum wird in diesem Jahr in Berlin vom 27. bis 29. Oktober mit einem Festakt sowie einem Frauen- und einem Männer-Länderspiel gefeiert. Feldhandball ist der Vorläufer des Hallenhandballs und war früher sehr populär. Unser Titelfoto zeigt eine Szene aus dem WM-Spiel der Bundesrepublik Deutschland gegen Portugal 1955 im Berliner Olympiastadion. (siehe Seite 26) Foto: Ullstein bild

SPORT IN BERLIN Offizielles Verbandsorgan des LANDESSPORTBUNDES BERLIN Herausgeber: Landessportbund Berlin e. V. Dr. Heiner Brandi (verantwortlich) www.lsb-berlin.de www.facebook.com/LandessportbundBerlin Twitter: @LSBBerlin Redaktion: Angela Baufeld (verantwortlich) Jürgen Stein (verantwortlich: Sportjugend) Franziska Staupendahl Redaktionsadresse: Sport in Berlin, Jesse-Owens-Allee 2 14053 Berlin (Postanschrift: Brieffach 1680, 14006 Berlin) Fon (030) 30 002 109 Fax (030) 30 002 119 E-Mail: [email protected] Druck: LASERLINE Druckzentrum Berlin KG Scheringstr. 1, 13355 Berlin, www.laser-line.de

4 Ja zur Spitzensportreform Editorial: „Berliner Leistungssportkonzept 2024” betont regionale Bedingungen 5 Angeregte Gespräche LSB lud zum Sommerempfang des Berliner Sports 8 Vereine bereichern die Schulen Interview mit Bildungssenatorin Sandra Scheeres/Tagung „Sport bewegt + bildet”

12 Geflüchtete werden Übungsleiter Ausbildung an der Gerhard-SchlegelSportschule des LSB 13 Dritter Winter mit Hallensorgen Ehemalige Notunterkünfte länger gesperrt als geplant 14 Start für Zukunftspreis 1017 Berliner Vereine und Verbände können sich bewerben/ Preisgeld 25.000 Euro 21 Schlafender Riese ist wach und fit Vereinsprojekt des Monats: Schulcup im Floorball

Seite 23 LSB gratuliert Seite 24 Frau im Sport Margrit Howald, Berliner Tischtennis Verband Seite 28 Leistungssport Interview mit Box-Trainer Ralf Dickert „Trainer sind Schlüsselfiguren” 17 Sport Jugend Berlin Mein bewegter Sommer in Berlin School Finals 2017 Feriencamps Lehrgänge der Bildungsstätte

Stuttmann.

Anzeigen: Top Sportmarketing Berlin GmbH, Hanns-Braun-Str./Friesenhaus, 14053 Berlin, Fon. (030) 30 11 186 -0, Fax 30 11 186 - 20 SPORT IN BERLIN erscheint sechs Mal pro Jahr. Der Bezugspreis ist im LSB-Mitgliederbeitrag enthalten. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge drücken nicht unbedingt auch die Meinung des Herausgebers aus. Die Redaktion lädt zur Einsendung von Fremdbeiträgen ein. Es wird jedoch keine Gewähr für eine Veröffentlichung übernommen. Nächster Redaktionsschluss: 12. 10. 2017

Mit einem Klick zum LSB Berlin: mit Smartphone QR-Code einscannen und verbinden lassen.

Karikatur von Klaus Stuttmann

(Siehe auch Seite 29)

SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

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editorial

Von Frank Schlizio LSB-Abteilungsleiter Leistungssport

Ja zur nationalen Spitzensport-Reform „Berliner Leistungssportkonzept 2024” betont zusätzlich regionale Bedingungen

pätestens seit den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio und dem zumeist bestenfalls durchwachsenen, oft aber sogar schwachen Abschneiden der deutschen Athleten hat der Spitzensport hierzulande ein Topthema. Die vom Bundesinnenministerium und vom DOSB angetriebene und in ihren Grundzügen verabschiedete Leistungssportreform soll den deutschen Spitzensport wieder dahin zurückbringen, wo er sich selbst sieht: in die Besten der Welt. Dass er sich aktuell dort befindet, ist in vielen Disziplinen mit einem dicken Fragezeichen zu versehen. Olympia war eine Art Wahrsager. Das Jahr danach war erfüllt von kontroversen, nicht immer auch konstruktiven Debatten über die Notwendigkeit von Veränderung und das Knowhow, mit dem diese objektiv und subjektiv ins Werk zu setzen ist. Der Stichwortkatalog ist umfangreich und damit klar, dass seine Abarbeitung Zeit fordern wird und aufwändig ist. Darüber sollte man sich keine Illusionen machen. Den oft entschieden und forsch formulierten nacholympischen Vorsätzen und Vorhaben sind bereits einige kontinentale und Weltchampionate verschiedener Sportarten gefolgt, die gezeigt haben, dass mit neuen Konzepten allein keine Änderung des Status Quo von heute auf morgen möglich ist. So könnte man zum Beispiel die Heim-WM der Fechter, die Weltchampionate der Schwimmer und Leichtathleten, die EM der Ruderer und andere nennen. Der schleichende Abwärtstrend des deutschen Sports ist nicht als plötzlich und unmotiviert auftretendes Ereignis dahergekommen, sondern als Produkt von Entwicklungen. Auch an Berlin als deutscher Spitzensportstandort Nummer 1 ist das nicht vorbeigegangen, obwohl wir nach wie vor sehr gut aufgestellt sind. Da wir

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SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

das auch bleiben wollen, sind wir zu besonderer Anstrengung aufgefordert. Dem sind wir in Berlin seit längerem gefolgt, nicht erst seit Rio die Alarmglocken läutete. Wir haben Maßnahmen getroffen, Vorschläge gemacht, Aktionen und Initiativen ins Leben gerufen. Die nationale Spitzensportreform unterstützen wir ausdrücklich, weil wir überzeugt sind, dass sie notwendig ist. Wir haben in enger Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Inneres und Sport und dem Olympiastützpunkt auf der Grundlage des SenatGrundsatzpapiers „Sport in Berlin – Perspektiven der Sportmetropole 2024“ das „Berliner Leistungssportkonzept 2024“ erarbeitet (Download auf www.lsb-berlin.de/fileadmin/redaktion/img/news/ 2017/Juli/leistungssport_konzept_2024.pdf). Das Konzept wurde Anfang Juli im Berliner Abgeordnetenhaus vorgestellt. Damit marschieren wir gewissermaßen im Gleichschritt mit dem Reformpapier von DOSB/BMI, aber geben zugleich in der ersten Reihe der deutschen Sportformation ganz vorn das Tempo an. Beide Konzepte haben viele Gemeinsamkeiten, aber das Berliner Papier unterstreicht zusätzlich regionale Besonderheiten und Bedingungen und macht es damit nach Ansicht seiner Autoren noch stärker. LSB, OSP und Senat verstehen sich darin als konzertierte Unternehmung. Wichtigster Schwerpunkt ist ein struktureller, nämlich die bessere Verzahnung der verschiedenen Ebenen mit Olympia-, Bundes- und Landesstützpunkten, den Eliteschulen, Fachverbänden und Vereinen, wobei die Einrichtungen des paralympischen Spitzensports gleichrangig einbezogen sind. Über die gemeinsame Arbeit soll die bessere Sichtung und Förderung der Talente umgesetzt werden. Berlin hat dabei eine starke Ausgangsposition, denn die

Nachwuchsarbeit in der Stadt ist für Deutschland wegweisend. Trainer haben eine Schlüsselposition, an der weiteren Verbesserung ihres Status – auch in der finanziellen Anerkennung ihrer fachlich-inhaltlich, oft herausragenden Arbeit – ist bereits gearbeitet worden, denn wir wollen die Besten bei uns halten. Und natürlich ist auch die Duale Karriere weiter ein Dauerthema. Es bedarf kreativer Lösungen, soll für Deutschland daraus nicht – wie bisher leider keine Ausnahme – ein dauerhafter Wettbewerbsnachteil werden. Mit dem eigenen Leistungssportkonzept will Das Konzept ist von Zusammenarbeit der handelnden Personen geprägt. Das wird z.B. durch klare Bereitschaft verdeutlicht, Entwicklung auch an anderer Stelle zuzulassen, wenn es in Berlin nicht möglich ist. Berlin mit dem kenntnisreichen Blick auf die eigene Arbeitsebene reagieren. Das Konzept ist durch die ausgeprägte Kultur der Zusammenarbeit unter den handelnden Personen und nicht etwa vom Geist, eigene Pfründe zu sichern, geprägt. Das wird z.B. durch die klare Bereitschaft verdeutlicht, Entwicklung auch an anderer Stelle zuzulassen, wenn es in Berlin nicht möglich ist. Mit der Erarbeitung des Berliner Leistungssportkonzepts 2024 hatten wir begonnen, als die Debatte um die nationale Reform noch gar nicht richtig in Fahrt gekommen war. Für uns diktierte die Dringlichkeit der Probleme die Tagesordnung. Schon im Sommer 2016 lagen erste Arbeitsergebnisse vor. Natürlich gibt es viele Schnittmengen mit der nationalen Spitzensportreform. Das Konzept hat mit dem Jahr 2024 eine zeitliche Klammer, aber auch ein offenes Ende. Es ist ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. (siehe Seite 28)

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sport in berlin

Angeregte Gespräche in lockerer Runde Senator Andreas Geisel und Präsident Klaus Böger antworten in einer Talkrunde mit RBB-Moderatorin Ina Czycykowski auf aktuelle Fragen.

Festliches Ambiente im Haus des Sports. Mit dabei: Karin Halsch, Vorsitzende des Sportausschusses im Abgeordnetenhaus.

LSB-Ehrenpräsident Peter Hanisch (re.) und LSB-Vizepräsident Sally Rothholz kamen ebenfalls zum Sommerfest

Unter den Gästen waren auch die LSBEhrenmitglieder Norbert Skowronek (l.) und Werner Hannemann.

LSB lud am 7. Juli zum Sommerempfang des Berliner Sports ein Der Landessportbund hatte zum „Sommerfest des Berliner Sports“ eingeladen. Über 100 Gäste kamen ins Haus des Sports an der Jesse-Owens-Allee. Mit dabei waren Andreas Geisel, Senator für Inneres und Sport, und Karin Halsch, Vorsitzende des Sportausschusses im Abgeordnetenhaus von Berlin. Eingeladen waren außerdem die Sportpolitischen Sprecher der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien, die LSB-Präsidiumsmitglieder, die Präsidenten bzw. Vorsitzenden der LSB-Mitgliedsorganisationen, LSB-Ehrenpräsident Peter Hanisch, weitere Ehrenmitglieder und Repräsentanten der Berliner Sportpolitik. Senator Andreas Geisel und LSB-Präsident Klaus Böger antworteten zu Beginn des Abends in einer von RBB-Reporterin Ina Czycykowski moderierten Talkrunde auf aktuelle sportpolitische Fragen. Es sei eine Legende, so Senator Geisel, dass keiner das Amt des

Beim Thema Sportstätten verwies er auf die Verdopplung des Sportstättensanierungsprogramms im Landeshaushalt 2016/17. „Diesen Weg werden wir fortsetzen.” Berlin sei eine wachsende Stadt. Deshalb gehe es auch darum, die Auslastung der Sporthallen zu prüfen und bestehende Grundstücke besser auszulasten. Darüber sei in den Bezirken zu reden. Zur Zukunft des Olympiastadions sagte er: „Hertha ist ein bedeutender Verein. Aber ein Deal zugunsten von Hertha kann nicht zu Lasten der Leichtathletik gehen. Wir werden mit Hertha reden, die Wirtschaftlichkeit und den Denkmalschutz prüfen. Frühestens Ende des Jahres liegen belastbare Ergebnisse vor.” LSB-Präsident Klaus Böger verwies auf das Positionspapier des LSB-Präsidiums. Darin heißt es u. a.: „Wir wollen uns weiterhin für internationale Sportveranstaltungen bewerben können. Das Berliner Olympiastadion ist dafür

Vizepräsident Thomas Härtel saß am Tisch u. a. mit Ehrenmitglied Dietrich Gerber sowie den Verbandspräsidenten Martin Häner (Hockey) und Thorsten Süfke (Tanzen).

Nach einem Wolkenbruch konnten auch auf der Terrasse angeregte Gespräche geführt werden. Fotos: Engler

Senators für Inneres und Sport übernehmen wollte. „Ich mache es gern”, sage er, „aber die Arbeit im Bereich Inneres ist schwieriger, als ich dachte. Der Bereich Sport macht mir Freude, wir diskutieren um die Sache.” Er würdigte insbesondere die Leistung des Berliner Sports beim Internationalen Deutschen Turnfest. Im Zusammenhang mit der geplanten Finanzierungsvereinbarung zwischen dem LSB und dem Senat, die auch Bestandteil der Koalitionsvereinbarung ist, äußerte er Verständnis für den Sport: „Wir müssen die Finanzierung des Sports in der Hauptstadt langfristig sicherstellen”, sagte Senator Geisel. „Es hängt noch am Geld. Aber ich bin optimistisch.”

weltweit ein unverzichtbares Markenzeichen – für den Fußball und für die Leichtathletik.” Mit Blick auf die Leichtathletik-EM 2018 sagte er: „Ich hoffe, die Schüssel wird voll.” Anschließend nutzen die Gäste die Gelegenheit zum Gedankenaustausch in informeller Atmosphäre. „Es ist ein wunderschöner Abend und gut, gemeinsam mit der Senatssportverwaltung und dem LSB auch mal die anderen Verbandspräsidenten zu treffen”, sagte Thorsten Süfke, Präsident des Landestanzsportverbandes. „Das Schöne ist, dass man sich mal außerhalb von Tagesordnungen und Sitzungen besprechen kann”, so Bernd Schultz, Präsident des Fußball-Verbandes. A.B.

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familiensportfest

Besucherrekord beim Familiensportfest Berlins größtes Sport- und Spielfest lockte Zehntausende an So viele waren es noch nie: 80.000 Besucher kamen zum achten „Familiensportfest im Olympiapark Berlin“. Der Landessportbund lud Familien und ihre Freunde zu Spiel, Spaß, Sport und Bewegung ein. Bei Berlins größtem Sport- und Spielfest waren Sportvereine und -verbände mit über 100 Aktionen vor Ort. Die Mitmach-Angebote reichten von Fun- und Trendsportarten, wie Bungee-Trampolinspringen oder Quidditch, bis zu traditionellen Sportarten, wie Hockey und Bogenschießen. Für alle Altersgruppen war etwas dabei: von Kleinkind-Turnen und Hüpfburg für die Kleinsten bis zu Kistenklettern oder Fechten für die

SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

Älteren. Auch die Berliner Spitzensportvereine waren dabei: Alba, die Füchse Berlin, Fußballer von Union und Hertha mit ihrem Maskottchen Herthinho. Berlins Diskus-Star Christoph Harting leitete zusammen mit Weitspringerin Melanie Bauschke das BSR-Kindertraining. Kinder zwischen 8 und 14 Jahren hatten sichtlich Spaß bei der 45-minütigen Trainingseinheit mit den beiden Spitzenathleten. Auf der Gesundheitsmeile konnte man Koordinationsvermögen, Lungenvolumen und Kraft testen. Während des ganzen Tages bo-

ten rund 350 Akteure auf der Bühne ein buntes Programm mit Musik, Tanz und Shows. LSB-Präsident Klaus Böger: „Das Familiensportfest ist eine farben- und lebensfrohe Visitenkarte des Sports in Berlin. Sie zeigt die Vielseitigkeit des Vereinssports und die Möglichkeiten der Vereine, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine sinnvolle, gesunde und preiswerte Freizeitgestaltung zu bieten. Sie zeigt, dass Breitensport genauso wichtig ist wie Spitzensport. Sie zeigt, was ehrenamtliches Engagement möglich macht. Sie zeigt, dass Berlin ohne die Sportvereine ärmer wäre.“c Fotos: Engler

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familiensportfest

SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

8 sport und bildung

Vereine bereichern die Schulen Interview mit Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, zur Handlungsempfehlung für den Schulsport 2017 bis 2022, die der DOSB und die Kultusministerkonferenz herausgegeben haben Die Zusammenarbeit der Schulen mit Sportvereinen spielt in den „Gemeinsame(n) Handlungsempfehlungen der Kultusministerkonferenz und des DOSB zur Weiterentwicklung des Schulsports 2017 bis 2022“ eine große Rolle. Warum? Weil hier zwei Partner zusammenkommen, die sich wunderbar ergänzen. Je mehr Zeit

Sandra Scheeres beim Besuch einer Mädchenfußball-AG am Romain-Rolland-Gymnasium, die der 1. FC Lübars unterstützt hat. Foto: Engler Kinder in der Schule verbringen, umso wichtiger wird es, dass ihnen dort gesunde und vielfältige Aktivitäten ermöglicht werden. Schule – insbesondere die Ganztagsschule – ist Lern- und Lebensort zugleich. Sie verknüpft Bildung und Betreuung mit Freizeitgestaltung und außerschulischen Aktivitäten. Sport und Bewegung fördern die motorische und soziale Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Wir wissen, dass viele Kinder in ihrer Freizeit mehr vorm Fernseher oder Computer sitzen als sich zu bewegen, und natürlich gibt es in einer Großstadt wie Berlin viele Kinder, die in ihren Familien kaum Anregungen für eine sinnvolle Freizeitgestaltung bekommen. Mit vielfältigen Sport- und Bewegungsangeboten für alle Schülerinnen und Schüler besteht die Möglichkeit, dem entgegenzuwirken. Die Sportvereine können hier ihre ganze Expertise einbringen. Gleichzeitig sollen durch die Zusammenarbeit von Schule und Sportvereinen auch sportliche Talente entdeckt und ihre Begabungen gefördert werden. Gerade die Ganztagsschule bietet sehr gute Chancen, zusätzlich zum dreistündigen

SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

verpflichtenden Sportunterricht das Thema „Bewegung und Sport“ intensiver an den Schulen zu verankern. Bei der Konzipierung und Ausgestaltung dieses Prozesses spielen die Sportvereine als Kooperationspartner der Berliner Schulen eine entscheidende Rolle. Auch die Bedeutung des außerschulischen Sports wird hervorgehoben und es werden ebenso vor allem die Sportvereine und -verbände genannt. Inwiefern unterstützen Vereine den Bildungsauftrag der Schulen? Ich denke, die große Bedeutung der Sportvereine für unsere Gesellschaft steht außer Frage. Es gibt dazu ja auch vielfältige positive Veröffentlichungen und Beispiele. Eines erscheint mir aber besonders wichtig: Schule soll auf das Leben vorbereiten und hierzu gehört auch die Motivation für ein ehrenamtliches Engagement in unserer Gesellschaft. Die Sportvereine bieten hierfür ein besonderes Betätigungsfeld. Sie können zum Beispiel mit speziellen Programmen gemeinsam mit den kooperierenden Schulen dazu beitragen, dass sich Schüler und Schülerinnen für eine ehrenamtliche Tätigkeit im Sportverein oder für ein freiwilliges soziales Jahr im Sportbereich interessieren. Seit fast 25 Jahren gibt es in Berlin das Kooperationsprogramm „Schule - Verein”, das von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie unterstützt wird. An dem Förderprogramm haben sich 2016 insgesamt 170 Sportvereine und zwei Sportverbände sowie 240 Grund- und 25 Oberschulen beteiligt. Es wurden fast 800 Maßnahmen organisiert. Inwiefern ist diese Kooperation wichtig für beide Seiten? Es gibt eine ganze Reihe von Gründen. Das Angebot im Schulsport wird vielfältiger. Vereine bieten Sportarten an, die sonst wenig vorkommen, zum Beispiel Trendsportarten oder Kurse speziell für Mädchen. Sie können auch gezielt Angebote für gesundheitliche Prävention machen. Für die Schülerinnen und Schüler ist das eine Bereicherung. Zugleich profitieren die Lehrer und Lehrerinnen von der Kooperation mit den Vereinen, man lernt ja gegenseitig. Darüber hinaus ist es aus meiner Sicht von wachsender Bedeutung, dass wir

„Sport bewegt und bildet” LSB-Fachtagung 8.Dezember 2017 Schulen und Vereine rücken im Rahmen von Ganztagsschulen immer näher zusammen. Das Angebot der Schulen wird durch Kooperationen mit Sportvereinen aufgewertet. Vereine profitieren von den Sportangeboten in der Schule. Der LSB lädt gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ein zur Fachtagung „Sport bewegt und bildet”am 8. Dezember 2017, 9 bis 16 Uhr in der Technischen Universität Berlin (Lichthof), Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin. Es diskutieren u. a. der international renommierte Gehirnforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Universität Ulm, Klaus Böger, LSB-Präsident, Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, DOSB-Vizepräsidentin, Henning Harnisch, ALBA Berlin, Dr. Thomas Poller, Schulsportreferent des Landes Berlin, Steffen Sambill, Vorsitzender der Sportjugend Berlin, Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Prof. Dr. Jochen Zinner, Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst. Anmeldung: www.lsb-berlin.de/angebote/sportschule/fachtagung/anmeldung Weitere Infos: www.lsb-berlin.de mit solchen Angeboten gezielter Schülerinnen und Schüler erreichen können, die auf Grund ihrer sozialen, kulturellen und ethnischen Herkunft einen schwierigen Zugang zu Bewegung und Sport haben. Mit niederschwelligen Sportund Bewegungsarrangements kann man Schwellenängste und Zugangsbarrieren abbauen. Integration durch Sport, besonders für Mädchen mit Migrationshintergrund, wird zukünftig eine große Herausforderung für den Schulsport sein. Das trifft auch auf inklusive Sport- und Bewegungsangebote an Regelschulen zu. Hierzu wird zu Beginn des neuen Schuljahres 2017/18 eine Arbeitsgruppe, bestehend aus den verschiedensten Interessenvertretern des LSB Berlin, der Profivereine der Stadt, der Schulen und Sportvereine und den Senatsverwaltungen für Bildung, Jugend und Familie und Inneres und Sport, ihre Arbeit aufzunehmen. Ziel ist es, Vorschläge zu entwickeln, um die bestehenden Konzepte und Programme den neuen Herausforderungen anzupassen. bit.ly/Handlungsempfehlungen_Schulsport

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sport in berlin

Bestens gelaufen ISTAF begeistert Fans und Athleten Ein Weltrekord, ein Meetingrekord, ein deutscher und ein US-Rekord sowie 22 persönliche Bestzeiten und 17 Saisonbestleistungen – das 76. ISTAF im Berliner Olympiastadion war eine große Leichtathletik-Party. Die 42.500 begeisterten Zuschauer feierten fünf deutsche Siege in 15 Wettbewerben und neben den Rekorden auch zahlreiche Top-Leistungen weiterer Athleten der „Neuen Deutschen Welle“. Eine tolle Premiere feierte die neue ISTAFFantribüne, die erstmals in der Ostkurve des Olympiastadions zum Einsatz kam. Gesa Felicitas Krause durfte gleich siebenmal hindurchlaufen. „Die Bühne war echt cool, insgesamt war es eine geile Stimmung“, sagte die 25-Jährige, die einen neuen deutschen Rekord über die 3.000 m Hindernis aufstellte. In 9:11,85 Minuten wurde Krause Zweite hinter Norah Tanui (Kenia), die den MeetingRekord auf 9:03,70 Minuten steigerte. Für eine neue Bestmarke sorgte auch Konstanze Klosterhalfen. Sie lief die 1.500 m in 3:58,92 Minuten und verbesserte ihren eigenen deutschen U23-Rekord. Caster Semenya lief einen neuen – inoffiziellen – Weltrekord über 600 Meter. In 1:21,77 Minuten war sie fast eine Sekunde schneller als die bisherige Weltbeste. „Ich fühle mich in Berlin zu Hause, immer willkommen und geliebt.“, sagte Caster Semenya. Im Speerwurf setzte sich ein deutsches Duo

durch. Weltmeister Johannes Vetter feierte mit starken 89,85 m seinen zweiten ISTAFSieg. Olympiasieger Thomas Röhler wurde Zweiter – mit 86,07 m. Johannes Vetter: „Berlin hat uns getragen und zu diesen Leistungen getrieben.“ David Storl stieß die Kugel beim ISTAF im zweiten Versuch auf 21,11 m – Platz eins. Lisa Mayer wollte im Olympiastadion unbedingt die kurze Sprintdistanz laufen und eine Persönliche Bestleistung aufstellen. Das gelang ihr. Auf den letzten Metern zog sie an Teamkollegin Gina Lückenkemper vorbei, siegte in 11,14 Sekunden zwei Hundertstelsekunden vor der Dortmunderin. Ein deutscher Doppelsieg über 100 Meter. Beide deutschen Sprinterinnen konnten ein zweites Mal jubeln: Die deutschen StaffelFrauen gewannen in Saisonbestzeit von 42,17 Sekunden. Alexandra Burghardt, Lisa Mayer, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase nahmen den US-Amerikanerinnen dabei fast eine Sekunde ab. Schnell war auch der Sprint über 100 m der Männer. Der Jamaikaner Julian Forte schraubte seine Bestzeit auf 9,91 Sekunden. Im Diskuswurf feierte Piotr Malachowski einen Prestigeerfolg. Der Routinier siegte mit 67,18 m. Robert Harting wurde mit 64,59 m Fünfter, Christoph Harting landete mit 62,83 m auf Rang acht. Informationen: www.istaf.de

Für Josephine (10) und Anna (11) von der Michael-Ende-Grundschule erfüllte sich ein Traum: Sie durften mit den Stars beim ISTAF im Olympiastadion an den Start gehen. Beide hatten sich für das Finale beim ISTAF School Cup 2017 qualifiziert. Anna holte den Sieg in ihrer Altersklasse – Josephine wurde Achte. Über 650 Kinder haben insgesamt an den ISTAF-Schülerläufen teilgenommen. Offizieller Partner war das LSB-Nachwuchsprojekt „Berlin hat Talent”. „Berlin hat Talent” Übungsleiter für Bewegungsfördergruppen gesucht Im Rahmen des LSB-Nachwuchsprojekts „Berlin hat Talent” werden Übungsleiter für Bewegungsfördergruppen gesucht. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Lehramtsstudium im Fachbereich Sport oder eine C-Lizenz. In den Bewegungsfördergruppen befinden sich vor allem Kinder, die motorischen Förderbedarf haben und denen Spaß an der Bewegung vermittelt werden soll. Informationen: www.berlin-hat-talent.de

Johannes Vetter holte seinen zweiten ISTAF-Sieg

Konstanze Klosterhalfen gewann Gold

Die neue ISTAF-Fantribüne war voll besetzt. Fotos: ISTAF 2017 | TOP Sportevents

SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

Statt teurem Fiasko lieber gleich ’ne Bootskasko

Die Bootskasko und Haftpflicht der Feuersozietät Seit über 25 Jahren sind wir der Bootsversicherer für die Region Berlin und Brandenburg. Wir lassen Sie nicht kentern und bieten maßgeschneiderten Versicherungsschutz mit einem attraktiven Preis-Leistungspaket. Gemeinsam sind wir für Sie da, wenn Sie uns brauchen. Ein Leben lang. Mehr Informationen erhalten Sie im Kundenservice der Feuer sozietät: Am Karlsbad 4–5, unweit des Potsdamer Platzes. Telefon Kundenservice: (0 30) 26 33-940 [email protected] · www.feuersozietaet.de

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sport in berlin

Geflüchtete werden Übungsleiter Ausbildungs-Auftakt an der Gerhard-Schlegel-Sportschule des LSB Von Franziska Staupendahl Vom 20. Juli bis 1. September haben an der Gerhard-Schlegel-Sportschule des LSB knapp 50 Geflüchtete eine Ausbildung zum/r Übungsleiter/in absolviert. Bei erfolgreichem Abschluss erhalten sie eine vom DOSB anerkannte C-Lizenz sportartübergreifender Breitensport – voraussichtlich in den Herbstferien. Gemeinsam mit den Sport-IntegrationsCoaches des LSB und sieben beteiligten Dozenten wurden Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 16 bis 55 Jahren ausgebildet. Sie kommen u.a. aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Libyen und Syrien. Je nach Herkunftssprache wurden sie in zwei Lehrgangsgruppen aufgeteilt, die sich aus arabisch bzw. persisch und französisch sprechenden Männern und Frauen zusammensetzten. Der Unterricht fand auf Deutsch statt und wurde durch Dolmetscher und übersetzte Lehrgangsmaterialien unterstützt. An vier Tagen pro Woche hatten die Auszubildenden theoretischen und praktischen Unterricht in der Sportschule. Zusätzlich erhielten sie eine Ausbildung in Erster Hilfe und haben 20 Unterrichtseinheiten in ihren Sportverei-

durch obligatorische Hospitationen) • individuelle Betreuung durch einen Integrations-Coach • Qualifikation, die um eine sportartspezifische Lizenz erweitert werden kann Was der LSB den Vereinen geboten hat: • Möglichkeit der aktiven Mithilfe bei der Integrationsarbeit von Menschen mit Fluchthintergrund • kostenfreie Ausbildung zum „ÜbungsleiterC sportartübergreifender Breitensport“ (DOSB) • breitgefächerte Ausbildung, die einen flexiblen Einsatz ermöglicht • erworbene Lizenz, die bezuschussungsfähig ist (ÜL-Zuschuss des LSB) Die Ausbildung ist eine Initiative des LSB-Projekts „SPORTBUNT – Vereine leben Vielfalt“, das von Sport-Integrations-Coaches umgesetzt wird. Finanziert wird sie durch Mittel aus dem „Masterplan Integration und Sicherheit“, die der Berliner Senat dem LSB zur Verfügung stellt. Alireza Azizi aus Afghanistan: „Ich mache dies Ausbildung für meine Zukunft und um Erfahrungen zu sammeln.“ Er möchte Fußballtrai-

Bei erfolgreichem Abschluss erhalten sie eine DOSB-C-Lizenz Breitensport.

Die Lehrgangsmaterialien wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Fotos: Suffner

nen hospitiert. Was der LSB den Teilnehmenden geboten hat: • kostenfreie Ausbildung • breitgefächerte Ausbildung, die alle Ziel-/ Altersgruppen anspricht • sprachliche Unterstützung (Dolmetscher, Skript und Erste-Hilfe-Kurs auf Arabisch bzw. Farsi) • praxisorientierte Ausbildung (insbesondere

ner werden. Sabrina Hampe, Projektleiterin SPORTBUNT: „Wir geben vielen motivierten Menschen die Möglichkeit, den ersten Schritt in die berufliche Integration zu gehen und helfen ihnen somit auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Die Teilnehmer sehen die Ausbildung als Chance, nicht nur ihren beruflichen Alltag zu gestalten, sondern auch, um ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.“

SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

Unter dem Motto „Mach mit” stand am 11. August auf dem Ernst-ReuterSportfeld ein Sportfest für Kinder im Alter von sechs bis 12 Jahren, die in Flüchtlingsunterkünften im Bezirk Steglitz-Zehlendorf leben. Die Kinder konnten zahlreiche Sportarten ausprobieren und einen abwechslungsreichen Nachmittag erleben. Veranstalter waren Mittelhof e. V. und das LSB-Team „Sportbunt - Vereine leben Vielfalt” in Zusammenarbeit mit bezirklichen Sportvereinen und dem Senat.

Der Charlottenburger TSV von 1858 hatte Ende April gemeinsam mit dem LSBProjektteam „Sportbunt – Vereine leben Vielfalt“ ein Sportangebot für geflüchtete Menschen gestartet. Schüler des OSZ Gestaltung Wilhelm-Ostwald-Schule in Steglitz konnten jeden Freitag im Schwimmbad in der Krumme Straße schwimmen lernen. Nach den Sommerferien beginnt ein Kurs für Frauen und Mädchen. „Aktiv für Demokratie und Toleranz” Wettbewerb gestartet Das von der Bundesregierung gegründete Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt sucht mit dem Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz” 2017 erfolgreiche und übertragbare zivilgesellschaftliche Aktivitäten für eine lebendige und demokratische Gesellschaft. Den Preisträgern winken Prämien in Höhe von 1000 bis 5000 Euro. Information: buendnis-toleranz.de

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sport in berlin

Die Sanierungsarbeiten im Horst-Korber-Sportzentrum lagen im Zeitplan. Die Bauabnahme war im Oktober geplant. Ende Juli haben sich elementare Probleme bei der Erneuerung des Bodens in der Dreifelderhalle ergeben. Für den neuen Bodenbelag kommen nur zwei Hersteller in Deutschland in Frage. Der Boden ist in der erforderlichen Qualität und in der notwendigen Farbe erst Anfang Oktober 2017 lieferbar. Hinzu kommt ein Zeitraum von acht Wochen für die Verlege- und Versiegelungsarbeiten. Der LSB rechnet deshalb nicht damit, dass eine Wiedereröffnung des HKS vor Weihnachten 2017 stattfinden kann. Währenddessen geht das Retopping in der Rudolf-Harbig-Halle gut voran. Die beauftragte Firma BSW erklärt, dass der Boden allen Anforderungen des IAAF entsprechen wird. Der LSB geht davon aus, dass die Halle Ende November den Leichtathleten wieder zur Verfügung steht.

Dritter Winter mit Hallen-Problemen Sporthallen erst Notunterkünfte und dann länger gesperrt als geplant „Es steht jetzt schon der dritte Winter in Folge an, in dem viele Sportvereine nicht in ihre angestammten Hallen können. Zwar ist das Bild etwas besser als noch vor einem Jahr, aber von Entspannung der Lage kann keine Rede sein: Es gibt trotz der Solidarität von Vereinen untereinander nach wie vor Verdrängungseffekte, die sich direkt auf die Vereinsmitglieder auswirken. Basketball und Volleyball z.B. werden nun mal drinnen gespielt, und da ist der ohnehin schon begrenzte Platz in Berlins Sporthallen existenziell.” So beschreibt LSB-Vizepräsident Thomas Härtel die Situation der Vereine, die von den Folgen betroffen sind, dass ihre Trainingsstätten Notunterkünfte für Flüchtlinge waren. Von den 63 Hallen, die seit Ende März 2017 freigezogen sind, stehen elf wieder für den Sport zur Verfügung. Thomas Raapke, Leiter der Abteilung Volleyball beim Berliner Sport-Verein 1892, sagt, dass „wohl noch nicht einmal die Ausschrei-

bungen raus sind” für die Sporthalle in der Prinzregentenstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf. Dass in einigen Fällen aus der Not eine Tugend gemacht wird und baufällige Hallen umfassend saniert werden, trifft die Tischtennisabteilung im Club für Leibesübungen Berlin 1965. „Unsere Halle im Campus Efeuweg soll erst im Februar 2019 fertig sein”, sagt Vorstandsmitglied Gudrun Seeliger. „Das wäre der vierte Winter.” Ihr Verein nutzt zur Zeit die kleine Halle in der Oskar-HeinrothSchule, wo nur sechs statt zwölf Tischtennisplatten Platz haben. „Rund die Hälfte unserer 110 Mitglieder hat uns verlassen. Die Senioren überlegen auch, ob sie gehen.” „Die Perspektive, auch 2018 noch nicht alle Hallen nutzen zu können, ist den Vereinen kaum mehr vermittelbar. Es muss schnellstmöglich gehandelt werden, dass die Hallen zügig wieder hergestellt werden”, fordert Thomas Härtel.

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sport in berlin

Start für den Zukunftspreis 2017‘ Berliner Sportvereine und -verbände können sich bewerben LSB zeichnet 20 Gewinner aus / 25.000 Euro Preisgeld Der Landessportbund Berlin sucht wieder die kreativsten und innovativsten Projekte im Berliner Sport: Bis einschließlich 31. Oktober können sich die im LSB organisierten Vereine und Verbände fur den „Zukunftspreis des Berliner Sports 2017‘‘ bewerben. Bei der sechsten Auflage des mit 25.000 Euro „Die Berliner Sportvereine zählen über 640.000 Mitglieder und haben damit einen neuen Rekord aufgestellt. Die Arbeit in den rund 2.400 großen und kleinen, bekannten und unbekannten, älteren und jüngeren Vereinen zahlt sich also aus und ist preisverdächtig. Die besten Projekte kommen mit dem Zukunftspreis ans Licht der Öffentlichkeit und können von anderen Vereinen nachgenutzt werden. Deshalb danke ich unseren Partnern BSR, LottoStiftung und degewo für die großzügige Unterstützung.” LSB-Präsident Klaus Böger „Der Wettbewerb um den Zukunftspreis wird wieder zeigen, dass Sport mehr ist als die Jagd nach Titeln und Rekorden. Sport ist auch Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sport ist die große Aufgabe unserer Gesellschaft, die mit vielen einzelnen Projekten in den Vereinen umgesetzt wird. Die besten zeichnen wir aus.” Sally Rothholz, LSB-Vizepräsident für Wirtschaft und Marketing dotierten Wettbewerbs werden in diesem Jahr noch mehr Vereine für besonderes Engagement und außergewohnliche Initiativen belohnt. Die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern BSR, LOTTO-Stiftung Berlin und degewo ermöglicht auch 2017 wieder ein Preisgeld in Hohe von insgesamt 25.000 Euro. Davon sollen noch mehr Vereine und Verbände profitieren: Ausgezeichnet werden die besten 20 statt zuletzt zwölf Projekte. Der Sieger kann sich über 7.000 Euro freuen. Teilnehmen können alle im LSB organisierten Vereine und Verbände mit Projekten und Ini-

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tiativen in den Bereichen Umwelt (z.B. Abfallmanagement, Energieeffizienz, Wasserschutz), Integration und Inklusion (z.B. Angebote fur Flüchtlinge und Migranten), Kinder und Jugendsport‘ (z.B. Sport und Bildung, Nachwuchsarbeit) und Vereinsentwicklung (z.B. Mitgliedergewinnung und -bindung). Im Vorjahr konnte sich der TSV Spandau 1860 mit seinem Projekt „Bewegte Winterspielplatze‘‘, einem vereinsoffenen und kostenfreien Wintersportangebot fur die ganze Familie, gegen 59 Mitbewerber durchsetzen. Die Bewerbungen sind zu richten per Post an Landessportbund Berlin, Abteilung Sportentwicklung, Jesse-Owens- Allee 2, 14053 Berlin; oder per Fax an (030) 30 002-146 oder per Email an [email protected] berlin.de. Bewertet werden die Bewerbungen nach den Kriterien: Beitrag zur Vereinsentwicklung, Nachhaltigkeit, Originalität, personeller und zeitlicher Einsatz sowie Kommunikation und Öffentlichkeitswirkung. Über die Vergabe des Preisgeldes entscheiden die Jury-Mitglieder: Klaus Böger, LSB- Präsident Claudia Zinke, LSB-Vizepräsidentin für Sportentwicklung Steffen Sambill, LSB-Vizepräsident Jugend Julian Rothholz, LSB-Vizepräsident für Wirtschaft und Marketing Christian Gaebler, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Inneres und Sport Dr. Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende Berliner Stadtreinigung Dr. Marion Bleß, Vorstand LOTTO-Stiftung Berlin Christoph Beck, Vorstand degewo AG Katrin Günther, rbb-Programmbereichsleiterin Service und Sport Raik Hannemann, Ressortleiter Sport der Berliner Morgenpost Natascha Keller, Hockey-Olympiasiegerin Das Preisgeld beträgt: 7000 Euro 1. Platz 4000 Euro 2. Platz 2000 Euro 3. Platz 4.-10. Platz 1000 Euro 11.-20. Platz 500 Euro www.zukunftspreis-berlin.de

Die 45 besten Berliner Sportlerinnen und Sportler aus 17 Sportarten erhielten im STERNBERG-Theater der Spielbank Berlin Beraterverträge des LSB Berlin. Die Fördervereinbarungen haben eine Laufzeit von zwölf Monaten und sind mit insgesamt 250.000 Euro dotiert. „Die Förderungen sind eine große Anerkennung und ein wichtiger finanzieller Baustein“, sagte Eisschnellläuferin Bente Kraus, die den Olympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen PyeongChang entgegenfiebert. „Das ist eine großartige Unterstützung“, sagte die Berliner Bogenschützin Lisa Unruh, die 2016 in Rio Silber gewann. „Diese Förderung ist für uns aus den Randsportarten sehr wichtig. Denn trotz des Erfolges sind wir keine Großverdiener.” Die Verträge wurden u.a. von LSB-Präsident Klaus Böger und Staatssekretärin Sabine Smentek als Vertreterin des Senats überreicht. Weitere Informationen: lsb-berlin.de Buch-Tipp Jahrbuch des Sports 2017 | 2018 Das Jahrbuch des Sports enthält 10.000 Anschriften, Emails, Telefonnummern und damit alle für den deutschen Sport wichtigen Organisationen und Institutionen mit den Ansprechpartnern. Neben ausführlichen Statistiken zum Sportabzeichen sind auch die Bestanderhebungen des DOSB (z.B. Mitgliederzahlen der Landessportbünde und Spitzenverbände) veröffentlicht. Jahrbuch des Sports 2017 | 2018 540 Seiten, DIN A5, ISBN 978-3-88500-428-8 19 Euro + Porto und Nachnahmegebühr oder Vorkasse + Porto auf das Postgirokonto der Schors-Verlags-Gesellschaft mbH, IBAN: DE 31 500 100 600 050 556 605, BIC: PBNKDEEFF Erschienen und zu beziehen über: Schors-Verlags-Gesellschaft mbH Fichtenstraße 38, 65527 Niedernhausen, Tel.: 0 61 27 / 80 29 E-Mail: [email protected]

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aktuelle nachrichten aus dem kinder- und jugendsport september/oktober 2017

Mein bewegter Sommer in Berlin Sigrid Klebba zu Besuch beim SC Tegeler Forst e.V. Staatssekretärin Sigrid Klebba besuchte im Rahmen von „Mein bewegter Sommer in Berlin“ den SC Tegeler Forst e.V.. Frau Klebba, Christian Schmidt (stellvertretender Vorsitzender Sportjugend Berlin) und LSB-Direktor Dr. Heiner Brandi wurden von den Kindern des SC Tegeler Forst e.V. in Empfang genommen. Auf dem Programm stand an diesem Tag das Ablegen des Deutschen Sportabzeichens. Dazu wurde den Gästen Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit in den Disziplinen 50m-Sprint, Weitsprung und 800m-Lauf demonstriert. Das von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie geförderte Projekt „Mein bewegter Sommer in Berlin“ fand 2016 erstmals statt und wurde 2017 durch die Sportjugend Berlin in Kooperation mit 14 engagierten Sportvereinen und Einrichtungen der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit (GSJ) in sieben Bezirken Berlins weitergeführt. Ziel ist es, eine zweiwöchige Tagesbe-

treuung für Berliner Grundschulkinder in den Sommerferien anzubieten. Dadurch sollen

Grundschülerin bei Mein bewegter Sommer in Berlin. Fotos: Engler

Sigrid Klebba (l.) schaut beim 800m-Lauf zu

Familien entlastet werden. Im Fokus steht die Sicherstellung von attraktiven und bewegungsorientierten Angeboten für die Kinder. Durch die finanzielle Unterstützung der Senatsverwaltung ist es möglich, den Teilnahmebeitrag gering zu halten, um auch Kindern aus sozial schwachen Familien die Möglichkeit zu geben, das Ferienprogramm in Anspruch zu nehmen. Neben den Teilnehmer/innen mit Migrationshintergrund, nahmen vom 07. bis 18. August 15 Flüchtlingskinder aus der PRISOD Wohnheimbetriebs GmbH am Ferienangebot des SJC Prenzlauer Berg teil. Die Bandbreite der Angebote reichte von Sportangeboten (Klettern, Skaten, Kanufahren etc.), über Badespaß im Freibad bis hin zu Ausflügen ins Museum. Die Kinder waren begeistert und auch von den Eltern und den Organisatoren der Ferienangebote gab es positive Rückmeldungen.

Politische Bildung mal anders U18 Bundestagswahl in Lichtenberg Aus der langjährigen Kooperation mit der Lichtenberger Robinson-Schule entwickelte sich gemeinsam die Idee, jungen Menschen Erfahrungsmöglichkeiten insbesondere zum Thema Wahlen anzubieten. Bei der altersgerechten Planung der Aktivitäten und Diskussionen zu politischen Themen wurden die Fragen, Interessen und Bedürfnisse der Teilnehmenden berücksichtigt. Über die Beteiligung am U18-Wahl Karaoke Mobil im SJC Lichtenberg konnte die Neugier der Schüler/innen für die anstehende Bundestagswahl geweckt werden. In den anschließenden Gesprächen erhielten sie einen Einblick, wie sie das politische Geschehen und gesellschaftli-

che Zusammenleben mit ihrer Stimme beeinflussen können oder wo es Grenzen gibt. Mit älteren Jugendlichen entwickelten sich Diskussionen zur Gründung einer eigenen Partei. Dabei wurde ihnen schnell klar, wie kompliziert es sein kann, Interessen durchzusetzen, Mehrheiten zu bilden oder wie die unterschiedlichsten Systeme ineinander greifen. Sie verglichen ihre Meinungen mit den Haltungen der Parteien, um eine Entscheidung treffen zu können, welche sie aus ihrer Sicht wählen würden. Am Wahltag konnten alle Beteiligten im eigens dafür eingerichteten Wahllokal in der Robinson-Schule ihre Stimme einer Partei geben.

Das Ziel, den jungen Menschen selbst erfahrbar zu machen, wie Demokratie oder Wahlprozesse funktionieren, wurde erreicht.

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sportjugend berlin

School Finals Berlin 2017 Auch 25 Brandenburger Teams waren dabei Man könnte die Anfangsbuchstaben der Titelzeile mit anderen Worten belegen und hätte schon fast eine perfekte Beschreibung für die zwei Turniertage am 31. Mai (Oberschulen) und 1.Juni. (Grundschulen): Sonne, FloridaEis (kostenlos vom Sponsor) und Basketball. Einige Zeilen mehr sollen es an dieser Stelle dann schon noch werden. Eigentlich gehört auch noch ein weiteres B im Titel dazu. B für Brandenburg. 25 Teams aus Brandenburger Schulen waren am Start – so viele wie noch nie. Sogar aus Fürstenwalde reisten die Teams an, Anfragen gab es u.a. auch aus Cottbus. Zum Grundschulturnier am 1.Juni gab es dann noch die Marzahner Schulen. Eine Superidee und Motivation für die Teams, den Teambus des Profiteams von ALBA Berlin für die An- und Abreise zu chartern. Wie die Profis reisten die Marzahner an. Leider hatten die

Organisatoren den morgendlichen Berufsverkehr Berlins ein wenig unterschätzt. Mit ca. 30 Minuten Verspätung fuhren die (Mini-) Albatrosse vor und brachten damit den Spielplan arg ins Wanken. Doch die Organisator/-innen vom Streetball-Team der GSJ, erprobt in jahrelanger Turniergestaltung, konnten das kleine Spielplanchaos in Grenzen halten. Insgesamt nahmen an den beiden Turniertagen 250 Teams teil. Die zwölf Siegerteams in den jeweiligen Altersklassen bekamen wie in den Vorjahren aus den Händen des Mauerkünstlers Thierry Noir die begehrten Bilder mit dem Plakatmotiv des Jahres 2017. Dank an alle Courtmonitore mit ihren Lehrern, Dank dem THW, KUBUS e.V. und natürlich den Sponsoren und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie! Wir sehen uns am 30./31.Mai 2018 zu den School Finals Berlin Brandenburg!

250 Teams waren bei den School Finals 2017 dabei. Fotos: Engler

Sogar aus Fürstenwalde kamen Teams

Feriencamps der Sportjugend Erholung für Stadtkinder und gelebte Teilhabe Die Feriencamps der Sportjugend Berlin bilden seit vielen Jahren einen wichtigen Schwerpunkt in der Jugendverbandsarbeit. Die Sportjugendreisen dienen der Kinderund Jugenderholung, die im Sozialgesetzbuch (SGB) VIII §11 zu einem der sechs Schwerpunkte der Jugendarbeit erklärt wird. Als größte Jugendorganisation Berlins engagiert sich die Sportjugend Berlin seit über 50 Jahren in der Kinder- und Jugenderholung. Und so unterschiedlich die Ansprüche unserer Teilnehmer/-innen sind, so vielseitig

St. Peter-Ording 2017. Fotos: SJB

SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

sind unsere Angebote. Ein besonderes Anliegen ist es, allen Berliner Kindern und Jugendlichen die Teilnahme an den Sportjugendreisen zu ermöglichen. Daher werden die von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie geförderten Feriencamps zu erschwinglichen Preisen angeboten. So ist zum Beispiel eine 14-tägige Reise nach Ahlbeck auf der Insel Usedom mit An- und Abreise, Vollverpflegung, Betreuung und komplettem Programm bereits ab 409 Euro zu buchen. Es gibt in Berlin jedoch viele Familien, für die selbst dieser Betrag zu hoch ist. Deshalb haben benachteiligte Familien die Möglichkeit, Zuschüsse für die Teilnahme ihrer Kinder bei Bezirksämtern zu erhalten. Eine besondere Form der Teilhabe für benachteiligte Kinder und Jugendliche setzt die Sportjugend Berlin seit dem Jahr 2015 in Kooperation mit dem Jugendamt Spandau um: In den Feriencamps im Jugendferienpark Ahlbeck, in St. Peter Ording an der Nordsee, in

Puan-Klent auf der Insel Sylt und auf dem Landhof Arche im unteren Odertal waren insgesamt 132 Kinder aus Spandauer Familien dabei, denen durch die finanzielle Unterstützung aus dem Bezirksamt Spandau die Teilnahme an der Reise ermöglicht wurde. Die Verantwortlichen des Bezirksamtes wurden durch die hohe Qualität der Betreuung und die abwechslungsreiche Programmgestaltung in den Camps dazu veranlasst, Mittel für die Kooperation bereit zu stellen. Im Jahr 2017 haben wir insgesamt elf Ferienfreizeiten im In- und Ausland realisiert, an denen rund 450 Kinder und Jugendliche teilnahmen. Sie wurden von 70 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut. Das gesamte Angebot der Ferienfreizeiten der Sportjugend Berlin ist in einem jährlich neu erscheinenden Reisekatalog und im Internet unter www.sportjugendreisen.de zu finden.

sportjugend berlin

Sayonara-Party zum Abschluss 44. deutsch-japanischer Sportjugend-Simultanaustausch endete fröhlich „Ein bekanntes japanisches Sprichwort sagt, wer seine Kinder liebt, schickt sie auf Reisen.“ So eröffnete DOSB-Präsident Alfons Hörmann seine Rede auf der Abschlussfeier des deutsch-japanischen Sportjugend-Simultanaustauschs – der Sayonara-Party, im Haus des Sports. Weiter ging er auf die herausragende Rolle der internationalen Jugendarbeit für die Völkerverständigung ein.

Das Festzelt war randvoll. Fotos: SJB

Der Jugendaustausch mit Japan jährt sich 2017 zum 44. Mal. Nach 17 erlebnisreichen Tagen reiste die 82-köpfige Delegation zurück, die nach Berlin gekommen war, um ihre Sayonara-Party auf der Terrasse des LSB zu feiern. Zahlreiche Ehrengäste waren gekommen wie Alfons Hörmann, Jan Holze, Tobias Dollase, Prof. Dr. Gudrun Doll- Tepper, Ralph Rose, Claudia Zinke und der japanische Delegationsleiter. Ein besonderes Dankeschön gilt dem Veranstaltungsteam des LSB sowie dem SC Siemensstadt, der für das Programm und die Betreuung der japanischen Gäste aus Berlin und Brandenburg sorgte. Der japanische Delegationsleiter Kenji Ito zeigte sich gerührt und bedankte sich bei der Sportjugend und den Gasteltern, die den Ju-

Seminare und Lehrgänge der Bildungsstätte der Sportjugend Berlin 2017 Fortbildungen finden Sie unter www.sportjugend-berlin.de oder mit dem QR Code. SEPTEMBER/OKTOBER 2017 A-06 Aufbaulehrgang DOSB Lizenz ÜL- C im Breitensport (sportartübergreifend) für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche Teilnahmebeitrag: 190 Euro Termine: 7./8.10., 14./15.10., 11./12.11., 18./19.11. und 2.12.2017 je 9 bis 17 Uhr www.sportjugend-berlin.de, siehe Bildungsstätte/Ausbildung-A 06 Nur noch wenige Plätze vorhanden! F-25 Yoga mit Jugendlichen Referentin: Ulla Bräunlich Teilnahmebeitrag: 25 Euro Zielgruppe: Pädagogische Mitarbeiter/-innen aus Sportvereinen, Grund-/Oberschulen sowie der offenen Arbeit mit Kindern/Jugendlichen Termin: 5.10.2017, 9 Uhr bis 16 Uhr F-26 Es ist rund, rollt, hüpft, flieg t – Ballspiele für Kinder und Jugendliche Referent: Stefan Bergold Teilnahmebeitrag: 25 Euro

Zielgruppe: Pädagogische Mitarbeiter/-innen aus Sportvereinen, Grund-/Oberschulen sowie der offenen Arbeit mit Kindern/Jugendlichen Termin: 7.10.2017, 10 Uhr bis 17 Uhr F -0 2 Be w e g u n g s f ör d e r a n g e b o t e f ür K i n de r im Grundschulalter Referent: Sascha Splettstößer Teilnahmebeitrag: 65 Euro Zielgruppe: Pädagogische Mitarbeiter/-innen aus Sportvereinen, die mit Kindern im Grundschulalter arbeiten, pädagogische Fachkräfte aus Grundschulen, Mitarbeiter/-innen aus dem Projekt „Berlin hat Talent“ Termine: 9./10.10.2017, 9 Uhr bis 16 Uhr und 30.1.2018, 9 bis 13 Uhr F-27 Theater, Massagen und Abenteuerparcours – für die Füße

Wimpelübergabe, v.l.n.r.: Kenji Ito, Alfons Hörmann, Jan Holze (Vorsitzender DSJ) gendlichen Einblicke in das deutsche Familienleben gewährten. 22:30 Uhr endete die Party mit vielen Freundschaftsversprechungen. Nach einer kurzen Nacht und einem gemeinsamen Auswertungsgespräch in Frankfurt am Main traten die Teilnehmenden die Heimreise an.

Referentin: Ina Tetzner Teilnahmebeitrag: 25 Euro Zielgruppe: Pädagogische Mitarbeiter/-innen aus Sportvereinen, Kitas, Trägern der offenen Arbeit mit Kindern Termin: 13.10.2017, 9 Uhr bis 16 Uhr F-28 Sprache spielend und in Bewegung fördern Referenten: Katharina van Riel, Ronald Friedemann Teilnahmebeitrag: 50 Euro Zielgruppe: Pädagogische Mitarbeiter/-innen aus Sportvereinen, Kitas, Trägern der offenen Arbeit mit Kindern Termine: 9./10.11. 2017, je 9 Uhr bis 16 Uhr F-31 Bewegung macht schlau – Förderung der geistigen Entwicklung durch Bewegung Referentin: Kathrin Bischoff Teilnahmebeitrag: 25 Euro Zielgruppe: Pädagogische Mitarbeiter/-innen aus Sportvereinen, Kitas und Grundschulen sowie der offenen Arbeit mit Kindern Termin: 16.11.2017, 9 bis 16 Uhr Seminarinformationen/Anmeldungen: www.sportjugend-berlin.de, siehe Bildungsstätte Rückfragen: Bildungsstätte der Sportjugend, Hanns-BraunStr., Haus 27, 14053 Berlin Tel.: 030/3000 71-3

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sport in berlin

Sportanlage mit Weltniveau

Sanierung, Umbau, Neubau Kienbaum orientiert sich am Weltmaßstab

Bundesleistungszentrum Kienbaum in „Olympisches und Paralympisches Trainingszentrum für Deutschland” umbenannt Als Klaus-Peter Nowack bei seiner Amtsübernahme vor 17 Jahren gefragt wurde, wie lange er gedenkt, als Geschäftsführer im Bundesleistungszentrum Kienbaum tätig zu sein, kam als Antwort: „Ich habe mir kein zeitliches Ziel gesetzt. Wenn es zehn Jahren werden würden, hätte ich nichts dagegen.“ Inzwischen sind es schon sieben Jahre mehr, in denen der 60-Jährige die Entwicklung in der traditionsreichen Medaillenschmiede am Liebenberger See in Brandenburg gravierend vorangetrieben hat. Und er hat noch viel vor mit der Spitzensportoase, die unlängst im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Olympisches und Paralympisches Trainingszentrum für Deutschland umbenannt wurde. Gunnar Meinhardt sprach mit ihm: Was bedeutet die Namensänderung für das Spitzensportzentrum? Sie ist eine logische Folge der Spitzensportreform. Kienbaum war schon durch die jahrzehntelange Historie eine besondere Trainingseinrichtung. Das hatte Anfang der 90ger Jahre auch Manfred von Richthofen (Präsident des LSB Berlin 1985 - 2000, Anmerkung d. Red.) erkannt und mit dem BMI diese Anlage für den gesamtdeutschen Spitzensport gesichert. Er war es auch, der den Ausbau und die Modernisierung vorangetrieben hat. Ich kann mich noch erinnern, dass er sehr kritisch hinterfragt hat, warum noch nicht

der eine oder andere Spitzensportverband in Kienbaum integriert ist. Und wir haben unseren Anspruch von Jahr zu Jahr höher gesetzt. Kienbaum - das sind Sportanlagen mit Weltniveau, das sind Unterkünfte mit Sterneniveau und Verpflegung mit höchsten Ansprüchen für Spitzensportler und alles ausgelegt für Olympische und Paralympische Verbände. Was soll weiter getan werden, um das Alleinstellungsmerkmal des Trainingszentrums zu fundamentieren? Wichtig ist es, dass Entwicklungen trotz aller Widerstände zukunftsorientiert umzusetzen. Dabei steht der Athlet im Mittelpunkt. Er braucht die besten Bedingungen, um auch die besten Leistungen erreichen zu können. Schon im September beginnen wir mit der energetischen Sanierung und dem Umbau der alten Turnhalle zu einer Multifunktionshalle mit einem Turnbereich und einer 960 Quadratmeter großen Judohalle, die sich am Weltmaßstab orientieren wird. Aktuell sind wir in der Findungsphase zum Bau einer 400Meter-Leichtathletikhalle mit höchstem technischem Know-how. Ist auch geplant, dass künftig Sportarten das Trainingszentrum nutzen, die bislang noch nicht dort waren? Aktuell sind 16 Fachverbände Mitglied im Trägerverein. Wir können nicht alle Spitzenverbände integrieren und wollen dies auch nicht, denn es

Vereinsrecht u.a. • Gründung • Satzung • Beiträge • Mitgliederrechte • Wahlen • Vereinsausschluss • Vorstandshaftung • Erbschaften

Internet- und IT-Recht u.a. • Ärger im Internet • Filesharing • Telefonanbieter • Domains • Verbraucherrechte • Abmahnung • Datenschutz • Internetstrafrecht

Vertragsrecht u.a. • Vertragskonflikte • Privatverträge • gewerbliche Verträge

SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

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gibt gewachsene Strukturen in Deutschland mit Topbedingungen. Die Kapazitäten sind auch bei uns beschränkt. Man sollte ein olympisches Dorf nicht zu einer olympischen Großstadt ausbauen, denn in Kienbaum erlebt man familiäre Atmosphäre mit dem persönlichen Einsatz der Mitarbeiter. Ungeachtet dessen sind wir in Gesprächen mit dem Behindertensportverband, um weitere paralympische Sportarten zu integrieren. Oder Basketball, wo es zukünftig bei Olympischen Spielen ein Dreier-Basketballfeld geben wird. Trainingsbedingungen wollen wir dafür kurzfristig in Kienbaum ermöglichen. Natürlich sind wir aber auch offen für zentrale Maßnahmen aller Spitzensportverbände für Konditionierungs- und Athletiklehrgänge. Wie ist die Zusammenarbeit mit dem LSB Berlin? Der LSB ist seit der Gründung des Trägervereins Mitglied und stellt seitdem ein Vorstandsmitglied, aktuell ist das Frank Schlizio als stellvertretender Vorsitzender. Viele Berliner Spitzen- und Nachwuchsvereine nutzen die optimalen Trainingsmöglichkeiten in Kienbaum. Darüber hinaus sichert der Berliner OSP in Kienbaum die ärztliche und physiotherapeutische Grundbetreuung ab. Viele Weiterbildungsmaßnahmen der Berliner Spitzenverbände finden jährlich bei uns statt. Daher ist der LSB ein wichtiger Partner für uns. Welche persönliche Bilanz ziehen Sie nach 17 Jahren als Geschäftsführer? Der heutige Stand konnte nur mit guten Partnern erreicht werden. Zwei der wichtigsten sind das Bundesinnenministerium und der DOSB. Ich bin stolz auf die Entwicklung, in Kienbaum. Es ist das Werk eines tollen Teams! LSB-Tagung am 13. Oktober für Finanzverantwortliche in den Verbänden und Großvereinen Die nächste LSB-Tagung für die Finanzverantwortlichen in den LSB-Mitgliedsorganisationen und Großvereinen findet am Freitag, dem 13. Oktober, von 16.30 - 20 Uhr im Haus des Sports, Jesse-Owens-Allee 2, 14053 Berlin, statt.

vereinsprojekt des monats

Der schlafende Riese ist wach, fit und jung

„Wir bieten ein Sportarten übergreifendes Programm Vereinsprojekt des Monats: Sportart Floorball wächst auch in Berlin dank vieler an“, sagt Mühle. Großer kreativer Ideen/ Erfolgreicher Schulcup und gefragte Sommercamps Wert wird darauf gelegt, dass die Betreuer qualifisind zehn Teams aus acht Bundesländern am ziert sind, sportfachlich und pädagogisch. Und Von Bianka Schreiber-Rietig Bevor Adrian Start. Es gibt eine zweite Bundesliga und Reman hat keine Berührungsängste mit anderen Mühle mit dem Virus infiziert wurde, spielte er gionalligen, Welt- und Europameisterschaften Disziplinen: So werden Konzepte erarbeitet, Eishockey und Volleyball.Und dann kam er in und Turniere. die Handball- oder Tennistrainer, Volleyballeinem Trainingslager mit Floorball – damals Adrian Mühle, Präsident des Berlin/Brandenoder Tischtennisübungsleiter zusammenstelnoch Unihockey – in Berührung. Und es war burger Landesverbandes und Vorsitzender len – und wo man vieles für die eigene Sportum ihn geschehen. Seit dieser Zeit ist seine der Tempelhofer, ist stolz: „Wir haben zehn art Floorball als Trainingsanregung wieder fingroße Passion das Floorball-Spiel. Floorball? In Prozent Wachstumsrate.“ In seinem Verband den kann. Aber Sport ist nicht alles: Man der Hauptstadt wurde 1996 der erste Floorgibt es 17 Vereine und ca. 600 Mitglieder. schaut über den Tellerrand mit einem kultuballverein gegründet und zum Mitglied der Dass der Verband so viele junge Mitglieder rellen oder naturnahen Programmpunkt, wo SG BA Tempelhof. hat - jedes dritte Mitglied ist zwischen sieben auch schon mal Fledermäuse im Spiel sind. Floorball ist eine Mischung aus Hockey und und 14 Jahren – liegt an der intensiven NachIdeen haben die Floorballer viele. Und da Eishockey, das auf einem von einer Bande wuchsarbeit. „Wir gehen an die Schulen, biegeht es nicht nur darum, mit anderen Sportumgebenen Groß- oder Kleinfeld in der Halle ten Projekttage und arten gut zusammen zu arbeiten, was nicht Fortbildung für Lehrer immer leicht ist, „weil da Befürchtungen bean“, erklärt Mühle. stehen, potenzielle Mitglieder an Floorball zu Manche kommen verlieren“, schildert Mühle seine Erfahrungen. schon mit drei oder Mit Eishockeyclubs klappt die Kooperation vier Jahren in Kontakt gut. Auch mit anderen Ballsportarten gibt es – etwa bei Ballsportgute Kontakte. Oder mit Turnvereinen. Und gruppen in der Kita den Special Olympics. „Spiele gegen Menoder beim Elternschen mit geistiger Behinderung, das sind für Kind-Angebot im viele von uns bewegende und prägende ErFloorball- oder Turnfahrungen“, so Mühle. verein. Trotz aller leistungssportlichen Ambitionen – Wer einmal mit für ihn ist Floorball eine Breitensportart, die Floorball angefangen man generationsübergreifend vom Kinder9. Floorball-Schulcup Berlin-Brandenburg hat, der bleibt der garten- bis ins hohe Alter spielen kann. Foto: Jacob Bestgen Sportart treu. „Wir haEr spricht auch gerne von der „Floorball-Famiben nur selten Kinlie“. Und in der gibt es keine Außenseiter gespielt wird. Das Reglement ist den Eisder oder Jugendliche, die zu einer anderen selbst die, die motorisch nicht so begabt sind, hockeyregeln ähnlich, aber strenger. So sind Sportart abwandern,“ sagt Mühle. Floorball ist finden nach ihrem Rhythmus und ihren körharte Körperkontakte wie Bodychecks oder momentan noch ein Spiel, das überwiegend perlichen Voraussetzungen in das Spiel, das hohe Schläger nicht erlaubt. Carl-Ake Ahlquist männlich dominiert ist, aber: „Wir tun alles, übrigens als eines der schnellsten der Welt hat Ende der 60er Jahre dieses Spiel aus den um auch Mädchen zu begeistern.“ Etwa mit gilt – wenn man es perfekt beherrscht. MotiUSA, wo es im Sommer die Eishockey freie dem Deutschen Schulcup, dessen Teilnehvation ist ein Schlagwort, das nicht nur im BeZeit überbrücken sollte, mit in seine Heimat merzahlen von Jahr zu Jahr wachsen. In Berzug auf SpielerInnen gilt, sondern auch, wenn Schweden gebracht. In Finnland oder der lin und Brandenburg haben diesmal 23 Schues darum geht, Ehrenamtliche zu finden. Da Schweiz ist die Eishockey-Sommervariante len teilgenommen. versucht man auch über das „Erasmus“-Proebenfalls ein Renner. .Auch in Deutschland Und auch bei den Sommercamps der Berlijekt der EU StudentInnen als Übungsleiter wird Floorball immer beliebter - vor allem als ner, von denen es drei gibt, steigt die Nachoder Teamer zu gewinnen. Und wie gesagt Schulsport. 11.968 Mitglieder (davon 9.067 frage. Über 200 Kinder haben sich diesmal mit anderen Sportarten Ideen und Personal männlich, 2901 weiblich) zählt der Floorballangemeldet. Was wohl schon die Kapazitäten zu tauschen, um nicht nur Ehrenamtliche zu verband Deutschland e.V. mittlerweile. Bei seierschöpft, wenn man Qualität anbieten finden, sondern die Klientel zu begeistern. ner Gründung 1992 hieß er noch Deutscher möchte. Und darauf setzen die Macher. Die Die wird immer wieder überrascht: Etwa mit Unihockey-Bund. Zwei Drittel der Mitglieder Nachfrage ist deshalb so groß, weil es sich dem Comic, der Kindern die Floorball-Regeln sind unter 26. Innerhalb von acht Jahren hat herumgesprochen hat, dass diese Camps erklärt. Oder mit dem Camp-Angebot, das desich die Mitgliederzahl verdoppelt. Und 195 kreativ und abwechslungsreich sind. Sport monstriert, dass Bogenschießen auch etwas Vereine sind aktiv. In der ersten Bundesliga und Bälle stehen natürlich im Mittelpunkt. mit Floorball zu tun hat. Infos: www.fvbb.de

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Plan A: Tennisprofi Rudolf Molleker will so werden wie Roger Federer LSB, OSP, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie Berliner Sportfans würdigen regelmäßig die/den Nachwuchssportler/-in des Monats. Rudolf Molleker hat einen Traum. „Mein Ziel ist ganz klar, die Nummer eins der Welt zu werden”, sagt der Berliner Tennisspieler. Auf dem Weg an die Spitze verschwendet der 16Jährige keine Zeit. Beim ATP-Turnier am Hamburger Rothenbaum schaffte er es kürzlich als Qualifikant ins Hauptfeld, unter anderem mit einem Sieg gegen den Hamburg-Sieger von

sich momentan um Platz 700. Sogar auf eine Teilnahme an den US Junior Open verzichtet er, um sich stattdessen auf die nächsten Männerturniere vorzubereiten. „Am Ende des Tages zählt nur, was man bei den Erwachsenen leistet, nicht bei den Junioren”, sagt er. Der 16-Jährige gilt als der beste Deutsche seiner Altersklasse Seine Wahl zum Nachwuchssportler des Monats August – zum zweiten Mal nach Juli 2015 – verdankt er allerdings zwei Erfolgen im Nachwuchsbereich. Er gewann beim internationalen Turnier in Offenbach und bei den Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaften in Berlin im Steffi-Graf-Stadion seines Vereins LTTC Rot-Weiß. Als erster Berliner seit 2003 (und als vierter überhaupt) holte er den Titel. Damit kletterte er erstmals in die Top Ten der JuniorenWeltrangliste. Rudolf Molleker gilt als das größte deutsche Talent seiner Altersklasse. Sein Vorbild ist Roger Federer, mit 19 Grand-Slam-Titeln Rudolf Molleker: „Über Plan B habe ich mir noch keine Ge- der erfolgreichste Spieler der Gedanken gemacht.” Foto: camera4 schichte. „Er ist eine Legende”, sagt Molleker. „Bei den Männern 2014, den Argentinier Leonardo Mayer. Molwird mehr mit Kopf gespielt und viel struktuleker war damit erst der elfte Spieler seit rierter”, erklärt Rudolf Molleker. „Das muss ich 1990, der bei einem ATP-Turnier vor dem 17. mir auch aneignen, wenn ich einmal groß Lebensjahr die Qualifikation meisterte – der rauskommen will.” drittjüngste in diesem Jahrtausend. Im verEr wurde in der Ukraine geboren, kam mit gangenen Jahr hat er die mittlere Reife gedrei Jahren nach Oranienburg. Mit 13 wurde macht. Sein Abitur will er irgendwann nacher U14-Europameister im Einzel und Weltholen, vorerst setzt er auf den Sport. „Plan A meister mit der Mannschaft. 2016 schaffte er ist für mich Tennisprofi zu werden. Über Plan es beim Orange Bowl in den USA, der inoffiB habe ich mir noch keine Gedanken geziellen Junioren-WM, erstmals unter die bemacht.” sten Acht. Junioren-Turniere spielt Rudolf Molleker nur Seit kurzem wird er von DTB-Nachwuchstrainoch selten. Stattdessen mischt er schon jetzt ner Jan Veldhuis am Bundesstützpunkt in bei den Männern mit, so auch beim FutureHannover betreut. Der Niederländer betreute Turnier in Essen, wo er sich mit dem Einzug schon die Profis Philipp Petzschner und Jürins Halbfinale wieder ein paar Punkte für die gen Melzer (Österreich), der 2010 bei den French Open im Halbfinale stand. Auf Sand – Weltrangliste erarbeitete – dort befindet er zufällig der Lieblingsbelag von Molleker. Philip Häfner, Berliner Morgenpost

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Berliner Kanupolo-Spieler krönen ihre Erfolgsstory mit Goldmedaillen bei den World Games: Fabienne Thöle (Foto) gewann mit dem deutschen Damen-Team und Robert Pest mit den Herren. Beide starten für den Kajak-Club Nord-West Berlin. Foto: Bonk Der LSB gratuliert • Platz 1 bei den Deutschen C-Jugendmeisterschaften im Wasserspringen errangen Laura Kossin in den Disziplinen 3 m, Turmspringen, Synchronspringen 3 m, Kombination, Lotti Huber t im Kunstspringen 3 m, Fynn Massenberg im Kunstspringen 1 m • Patrick Hausding zu Platz 2 im 3-mKunstspringen und Platz 3 im Turm-Synchronspringen bei der WM im Wasserspringen • Jacob Schopf zu Platz 1 im K1 über 1000 m und K4 über 500 m bei der Jugend-WM und der U23 WM im Kanurennsport • Platz 1 bei der Deutschen LeichtathletikJugendmeisterschaft U18/U20 errangen Kirsten Vog t (Hammer), Leo Köpp (10000 Bahn Gehen), Giselé Wender (400 m Hürde) • Victoria Jurczok, Anika Lorenz zu Platz 3 bei der Segel-EM im 49er FX • Uta und Frank Thieme (Korsar), KayUwe Lüdtke (FD) zu Platz 1 bei der Internationalen Deutschen Segel-Meisterschaft • Platz 2 bei der Ruder-WM U19 errangen Moritz Wolff (Einzel), Nora Peuser (Doppelvierer), Hannah Reif (Achter mit Steuermann) • Johanna Schikora zur Jugend-WM im Finswimming über 800 m und zum 3. Platz über 200, 400 und 4x200 m LSB-GesundheitssportBroschüre erschienen: Angebote der Vereine im Präventions- und Reha-Sport auf einen Blick. Die Broschüre gibt’s kostenfrei in Arztpraxen, Bürgerämtern und beim LSB.

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lsb gratuliert

Aushängeschild des Segelsports Verein Seglerhaus am Wannsee fährt seit 150 Jahren mit an der Spitze Der Faustballer Lukas Schubert vom VfK 1901 Berlin hat mit dem deutschen Team bei den World Games der nichtolympischen Disziplinen in Breslau die Goldmedaille gewonnen. Die Mannschaft besiegte die Schweiz mit 4:3. Foto: DFBL/Schönwandt Der LSB gratuliert • Julie Walser, Carlotta Walser zu Platz 2, Esther Fernandez Donda zu Platz 3 mit der Staffel bei der EM U17 im Modernen Fünfkampf • Rebecca Lang rehr zu Platz 1 mit der Staffel bei der EM der Junioren/Juniorinnen im Modernen Fünfkampf • Paul Sradnick zu Platz 3 im Starboot bei der Starboot WM im Segeln • Nico Naujock zu Platz 1 Laser Radial bei der EM im Segeln • Robert Harting, Julia Harting zu Platz 1 im Diskus bei den Deutschen Meisterschaften der Leichtathletik • Bei den Deutschen Meisterschaften U23, 19, U17 im Rudern kamen auf Platz 1 Anton Finger (Doppelzweier B, Doppelvierer B), Olaf Roggensack, Rene Schmela (Zweier ohne Steuermann B, Achter mit Steuermann B), Hendrik Kaltenborn, Fabio De Oliveira, Niklas Mäger (Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann B, Leichtgewichts-Achter), Nora Peuser (Juniorinnen Doppelzweier A), Luisa Simon, Sofie Vardakas (Leichtgewichts-Juniorinnen Doppelzweier), Yannic Prien, Tim Sprenger (LeichtgewichtsJunioren-Vierer ohne Steuermann, Leichtgewichts-Junioren-Zweier ohne Steuermann), Moritz Wolff (Junioren Einer), Tom Harsdor ff, Niklas Gränitz, Alexander Finger, Tjark Löwa, Florian Wünscher (Junioren Doppel-Vierer mit Steuermann B), Maximilian Köppe, Franz Konrad (Leichtgewichts-Junioren Doppelvierer A) • Hendrikje Richter zur Jugend-EM U 23 in der Leichtathletik/4x400m • Giselé Wender zur Jugend-WM U 18 in der Leichtathletik/400 m Hürden

Von Sven Wierskalla Der erste große sportlidischer Mitglieder, von denen einige den Verche Erfolg des Vereins Seglerhaus am Wannein finanziell stark unterstützt hatten, hatten see (VSaW) liegt inzwischen über hundert die Segler verlassen müssen. Jahre zurück. Otto Protzen, Sohn eines Berli28 Jahre später, bei den Olympischen Spielen ner Teppichfabrikanten und selbst Künstler 1964 in Tokyo, gelang mit Willi Kuhweide in und Schriftsteller, feierte als Steuermann der der Finn-Dinghy-Bootsklasse einem zweiten Sonderklasse-Yacht Wannsee Anfang des 20. VSaW-Athleten ein Olympiatriumph. ZusamJahrhunderts große Titel. So gewann er unter men mit Karsten Meyer errang Kuhweide anderem den Kaiser Wilhelm-Pokal auf der 1972 noch ein zweites Mal olympisches EdelKieler Woche. Protzen war so etwas wie der erste Star des Vereins Seglerhaus am Wannsee, wenn es solche Begriffe damals schon gegeben hätte. Überhaupt ist die Geschichte des Vereins eng mit Kiel und der berühmten Kieler Woche verknüpft. Segler des VSaW errangen in der Ostseebucht immer wieder großartige Siege und waren bei vielen wichtigen Regatten dabei. Schon lange gehört der VSaW zu den nur vier Clubs, die die Kieler Woche, eine der renommiertesten Seglerveranstaltungen der Welt, organisieren. Und die Wannseer sind unter diesen Clubs der einzige Frederike Loewe und Anna Markfort gewannen bei aus dem Binnenland, die Mitveranstalter der Kieler Wocher in der 470er-Klasse haben ihren Sitz in Hamburg und Kiel. Foto: VSaW Doch als Protzen den Verein mit seinen Siegen überregional bekannt machte, war er metall, als es bei den Segelwettbewerben der im Großraum Berlin schon etabliert. GegrünSpiele von München - erneut in Kiel ausgetradet im Oktober 1867 ist der Club von den gen - zu Bronze reichte. Kuhweide zählt zu noch existierenden Seglervereinen der zweitden ganz Großen der Wannseer, denn neben älteste überhaupt. Über die Grenzen der seinen olympischen Medaillen fuhr er noch Stadt hinaus berühmt macht den VSaW auch zahlreiche Titel bei Europa- und Weltmeistersein Seglerhaus am Wannsee, das in seiner schaften ein. heutigen Form 1910 fertiggestellt wurde und Das Wettbewerbs- und Regattasegeln steht seit 1995 unter Denkmalschutz steht. Das im beim VSaW auch heute noch im Zentrum. Landhausstil errichtete Gebäude setzte MaßUnter den rund 1000 Mitgliedern sind viele stäbe für die Bebauung der Kolonie rund um Kinder und Jugendliche. „Der Nachwuchs den Wannsee, die seinerzeit noch vor den Toliegt uns besonders am Herzen, wir bieten für ren der deutschen Hauptstadt lag. Jungen und Mädchen Segeln in verschiedenAuf den ersten Olympiasieg mussten die sten Bootsklassen wie Optimist, 420er oder 470er an“, sagte Medien-Obmann Harald KoWannseer bis 1936 warten. Ausgerechnet bei glin. Insgesamt rund 200 Kinder und Jugendden Olympischen Spielen in der Heimatstadt liche, Wannseeratten genannt, gehen beim des Vereins, wobei die Segelwettbewerbe Verein dem Segeln nach. Einige träumen sigleichwohl vor der Küste in Kiel ausgetragen cher davon, es so weit zu bringen, wie Fredewurden, segelten Peter Bischoff und Hansrike Loewe und Anna Markfort, die zuletzt in Joachim Weise in der Star-Bootklasse zur der 470er Klasse bei der Kieler Woche geGoldmedaille. Zu dieser Zeit herrschten in wannen und heute schon Olympia 2020 in Deutschland schon die Nazis, wovon auch Tokyo entgegenfiebern. der VSaW betroffen war, denn eine Reihe jü-

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sport in berlin

Eine Multiplikatorin par excellence Frauen im Sport: Margrit Howald, Vorsitzende des Gesundheitssportausschusses des Berliner Tischtennis Verbandes Von Klaus Weise Margrit Howald hat ein strenges Zeitregime, denn ihr Klinik-Job als Assistentin in der Strahlentherapie, bei dem sie mit Tumorpatienten arbeitet, findet in Schichten statt. Das verlangt Alltagsdisziplin, zumal wenn man so vielseitig interessiert ist, wie die End-Fünfzigerin, für die nicht nur der Beruf Berufung, sondern auch Kultur und Sport unentbehrlich sind. Dass Margrit jemand ist, der Dinge zu bewegen und anstoßen versteht, ohne dabei von sich selbst viel Gewese zu machen, wird auch schnell klar, wenn man ihr gegenüber sitzt. Sie

Margrit Howald: Bewältigte Herausforderungen schaffen Selbstbewusstsein. ist aufmerksam, hellwach, hat immer neue Einfälle und Gedanken. Sport, das sagt sie gleich zu Beginn, gehört fest zu ihrer Lebenskultur. Nicht aus verbissenem Leistungsstreben, sondern als Spaß-, Kommunikationsund sozialer Faktor, ohne den das Leben ärmer wär. Zum Tischtennis kam die aus der Schwäbischen Alb (Süßen) stammende und durch die Ausbildung seit 1979 zur Wahlberlinerin mutierte ranke, schlanke Frau relativ früh durch den in der Regionalliga spielenden großen Bruder, pausierte dann später sieben Jahre und fing mit 37 wieder an. Mit der Damen-Mannschaft ihres Steglitz/SchönebergerMehrspartenvereins schaffte sie es immerhin bis in die Verbandsliga. Spielen und Gewinnen war schön, aber was für den Nachwuchs tun und den Wert des Tischtennis als Gesundheitssport zu vermitteln, das war schöner – und vor allem wichtiger. 2003 erwarb Margrit Howald die Übungsleiter-C-Lizenz, 2006 die B-Lizenz für Prävention. 2012 folgte die Ausgründung der Tisch-

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tennisabteilung aus dem Mehrspartenverein zum Ein-Sparten-Steglitzer Tischtennis Klub (STTK), eine organisatorisch harte Zeit, denn es galt Strukturen zu schaffen, Verantwortung zu vergeben, Konzepte und Ziele abzustekken. „Das kostete Kraft, aber schuf auch viele gute Momente, da bewältigte Herausforderungen Selbstbewusstsein bauen.“ Margrit Howald hatte schon seit mehreren Jahren Nachwuchsteams betreut und sich auch in der Trainerausbildung engagiert. Beim Berliner Tischtennisverband ist sie aktuell für zwei Jahre gewählte Beisitzerin im Lehrausschuss, außerdem leitet sie den Gesundheitssportausschuss des Verbandes und ist über die LSB-Initiave „Sport pro Gesundheit“ permanent eng mit den LSB-Aktivitäten verbunden. Margrit Howald ist eine Multiplikatorin par excellence im Sport, in der sich diese Wirkung sogar noch auf die vielfältigste Weise potenziert. So war es zum Beispiel auch beim 2014 bis 2016 vom STTK als Beispielverein des gemeinsam betriebenen Bundesministerium für Gesundheit/DOSB-Projektes „Zugewandert und Geblieben (ZuG) – Sport für ältere Menschen aus aller Welt“, das als zusätzliche Ebene gezielt die Flüchtlingsproblematik ansprach. Inzwischen ist das Projekt offiziell nach drei Jahren ausgelaufen, aber beim STTK gibt es eine Fortsetzung ohne große formelle Hürden. Jeden Samstag kommen von den rund 100 Freizeitspielern ohne Mitgliedschaft, die sich beim STTK „zuhause“ fühlen, bis zu einem Viertel Zugewanderte zum spielbetonten Training. Um sie kümmern sich bis zu fünf ehrenamtliche Trainer. „Die individuelle Ansprache und das Kümmern sind enorm wichtig, akademische Anleitung und Belehrung bringen wenig“, sagt Margrit Howald. Die Zielgruppe von ZuG war mit „60+ mit Migrationshintergrund“ benannt, das ist beim STTK jetzt sekundär. „Das Generations- und Geschlechterübergreifende ist wichtig, da muss auch möglich sein, Sohn/Tochter oder die Enkel mitzubringen.“ Margrit Howald geht völlig d'accord mit dem Vereinsvorsitzenden Christian Kühnel, wenn er als Fazit von ZuG feststellt: „Das Projekt hat dem Verein neue Perspektiven eröffnet, neue Kontakte hergestellt.“

LSB-Präsident Klaus Böger und Vizepräsidentin Claudia Zinke überreichten bei der LSB-Ehrenamtsgala die Ehrennadel in Gold an: Klaus Pomp (Foto), Evangelischer SV Berlin-Brandenburg, Thomas Bath, SC Wedding 1929, Sabine Poethke, Behinderten-Sport-Freunde Frohnau, Wilfried Brecht, Berlin Rugby Union Referees Society, in Silber an Jörg-Uwe Melzer, SC Spandau, Holger Raasch und Michael Schneider vom BRC Phönix, Christina Rinner, SC Wedding, Dale Buciek, PräzisionsSchieß-Klub, Hans Joachim Pickert, Berlin Rugby Union Referees Society, in Bronze an Bernd Gron, SC Wedding, Renate Mihatsch, MBC Wendenschloß, Nicole Greßner, 1. VfL Fortuna Marzahn. Ehrenplaketten erhielten Gabriela Barabasch, Susanne Faber, Monika Kleemann undLiane Rzymkowski vom SC Wedding (Bericht über die Ehrenamtsgala siehe „Sport in Berlin”, 7,8-2017, Seite 6) SPORT PRO GESUNDHEIT Qualitätssiegel für Vereinsangebote Das Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT wird an Angebote verliehen, die die vom DOSB mit der Bundesärztekammer entwickelten Kriterien erfüllen. Vereine bzw. Angebote, die unlängst ein Siegel vom LSB erhalten haben, sind: • P SV Olympia Berlin für „Haltung und Bewegung durch Ganzkörpertraining” mit Birgit Juschten und „Aquagymnastik” mit Robert Ernst • Spor tliche Vereinigung Nord-Wedding 1893 für „Haltung und Bewegung durch Ganzkörpertraining” mit Dennis Rätsch • SV Karl Friedrich Friesen Berlin für „Haltung und Bewegung durch Ganzkörpertraining” mit Jörg Worrack • VfB Hermsdorf für „Präventives Ausdauertraining” mit Gitta Listing • Zehlendorfer Sportverein von 1888 für „Haltung und Bewegung durch Ganzkörpertraining” und „Präventives Gesundheitstraining für Kinder” mit Lisa Diepgen

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sportgeschichte

Semifinale Deutschland – Schweiz am 12.8.1936, das Deutschland mit 16:6 gewinnt. Im Finale am 14.8.1936 schlägt Deutschland Österreich mit 10:6 und wird damit der erste HandballOlympiasieger.

Handball wird 100 Berlin ist Geburtsort des Frauen- und Männerhandballs Viele Jubiläen sind nicht immer historisch auf den Tag genau festzulegen – oftmals biegt man sich die Vergangenheit ein wenig gerade oder mutmaßt. Dies trifft auf das Gründungsdatum des Handballspiels nicht zu! Am 29.10.1917 beschließt ein Turn-Selbstverwaltungsorgan im damaligen Lehrervereinshaus (Berlin-Mitte) die Regeln für ein Frauenspiel, das die Überschrift Handball trägt. Im Berliner Turnrat hatten sich mehr als 40 Turnvereine mit über 5000 Mitgliedern zu einem Gauverband innerhalb des Turnkreises IIIb Brandenburg zusammengeschlossen und unter anderen einen Ausschuß für das Frauen- und Mädchenturnen gebildet, dem der Frauenoberturnwart Max Heiser vom Turnverein Nord-West-Berlin vorstand. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden in den deutschen Turnvereinen folgende unterschiedliche Wurf- und Fangspiele als Handballvorläufer ausgeübt: Raffball nach Koch (1897), Turmball nach Kunath (1906), Deutscher Netzball nach Stier (1908), Wiesbadener Torball nach Hagelauer (1908), Königsberger

Ball nach Meyer (1909), Pforzheimer Torball nach Stober (1909), Raffball nach Hirschmann (1912), Torball nach Ruhnke (1913), Raffball nach Schulz (1915). In Berlin wurde von den Turnerinnen in den Vereinen B.T.V. 1850, GutsMuths, Nord-West und Damenturnverein Brühl seit dem Winter 1915 Torball gespielt und seit dem Winterhalbjahr 1916/ 17 sogar Torball-Rundenspiele nach den Torballregeln des Berliner Turnrates aus dem Jahre 1915 veranstaltet. Diese ebenfalls von Heiser unterzeichneten Regeln: „Torball. Spielregeln für die Frauen- und Mädchen-Abteilungen“ sind der unmittelbare Vorläufer der Handballregeln. Im Nachrichtenblatt des Berliner Turnrats für Oktober 1917 macht Heiser die Turnvereine darauf aufmerksam, dass „zwecks Vervollständigung und Berichtigung der Torballspielregeln am Montag, dem 29. d. M. abends 81⁄2 Uhr im Lehrervereinshaus Alexanderstr. 41“ eine Sitzung stattfinden soll. Zuvor waren mindestens drei handschriftliche Verbesserungsvorschläge im Umlauf, aus denen in der Sitzung auf Grundlage der soge-

Entwurf des ersten Handball-Spielfeldes mit Wurfkreis und Größenangabe 90 x 60 m.

Eintrittskarte zur Handball-Endrunde am 12.8.1936 der Olympischen Spiele im Olympiastadion; ab 15 Uhr: Österreich – Ungarn und ab 16.20 Uhr: Deutschland – Schweiz Text/Bilder: GeSte-Berlin nannten Handschrift „B“ das neue Regelwerk konstruiert wurde. In der Überschrift der Handschrift „B“ wurde der Begriff „Raffballspiel“ durchgestrichen und von den im Klammerzusatz stehenden Begriffen „(Torball, Handball)“ wurde Torball getilgt – es blieb der neue deutsche Spielname „Handball“ stehen! Ebenso wurden vom Ausschuß für das Frauen- und Mädchenturnen die ersten beiden Wettspiele für den 2.12.1917 in der ehemaligen Exerzierhalle Karlstr. 12 angesetzt. Im Dezember 1917 veröffentlichte das Nachrichtenblatt des Berliner Turnrats die ersten beiden Spielgruppen mit je vier Mannschaften und legte einen Spielplan vom 13.1. bis 10.3. 1918 in der Exerzierhalle Karlstr. fest: damit war der erste Wettspielbetrieb im Handball der Frauen begründet! Im Winter 1919/20 legte der B.T.V. 1850 eigene Männer-Handballregeln vor, um im Turnkreis IIIb eine Männerspielrunde zu organisieren. Es konnten zwar einige MännerHandballspiele durchgeführt werden, aber ein Wettspielbetrieb seitens des Turnkreises kam nicht zustande, weil der zuständige Kreisspielwart Alfred Döring die Zeit dafür noch nicht reif hielt! Der Verband für Berliner Athletikvereine, dem auch Turnvereine angehörten, ergriff auf Antrag von Carl Diem am 13.9. 1920 die Initiative und führte Rundenspiele im Männer-Handball ein – damit ist Berlin der Geburtsort des Frauen- und Männer-Handballs, dem im August 1936 der erste Handball-Olympiasieg in Berlin folgte.

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Zentrum für Sportmedizin – Anlaufstelle für alle Sportbegeisterten Wir unterstützen Sie dabei, richtig, gesund und effektiv zu trainieren

Das Zentrum für Sportmedizin steht mit seinen Angeboten allen Interessierten offen – ein besonderes Leistungsniveau ist keine Voraussetzung, es gibt auch keine Altersobergrenze, um die präventiv-medizinischen Leistungen in Anspruch nehmen zu können. Im Gegenteil!

Viele Berliner Firmen und Unternehmen haben unsere sportmedizinischen Checks bereits in ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement integriert. Auch hierzu beraten wir Sie gerne.

FÜR JEDES ALTER UND LEISTUNGSNIVEAU

Weitere Informationen zum sportmedizinischen Angebot, aber auch zu den zahlreichen Gesundheitssport-Gruppen des gemeinnützigen Vereins an fünf eigenen Standorten in Berlin sowie vielen Veranstaltungen unserer Akademie für Fachkräfte, Betroffene und Interessierte finden Sie unter www.zentrum-sportmedizin.de

UNSERE ANGEBOTE IM INTERNET

Sie möchten an einer Laufveranstaltung teilnehmen, planen einen Radwanderurlaub oder den (Wieder)Einstieg ins Training? Dies sind gute Gründe für eine sportmedizinische Untersuchung. Grundsätzlich sollte jeder seine gesundheitliche Situation, seine individuellen Risiken und vorhandenen Defizite kennen und diese regelmäßig überprüfen lassen. Denn eine gute gesundheitliche Konstitution ist die Grundlage jeglicher Leistungsfähigkeit – im Sport genauso wie im Beruf oder im Alltag.

gestützte Bewegungsanalysen bis zur Atemgasanalyse und Laktatdiagnostik. Der SportGesundheits-Check (123,– EUR) bildet dabei die Basis, die beispielsweise durch ein erweitertes Blutbild oder auch einen Herz- oder StressCheck ergänzt werden kann – je nach persönlichem Bedarf. Diese Untersuchungen können Sie aber auch gerne einzeln nutzen.

INDIVIDUELL AUF SIE ABGESTIMMT

AUSFÜHRLICHE ÄRZTLICHE BERATUNG

Wie gesund ist mein Herz? Habe ich Risikofaktoren, von denen ich nichts weiß? Solchen und ähnlichen Fragen gehen die erfahrenen Sportmediziner im vom DOSB lizenzierten Untersuchungszentrum tagtäglich nach. Für jeden Sportler stellen wir ein individuelles Check- und Beratungspaket zusammen, das seine persönlichen Ziele, Wünsche und Voraussetzungen berücksichtigt.

Nach der Diagnostik erfolgt eine ausführliche ärztliche Besprechung und Beratung mit klaren Handlungsempfehlungen, die im Nachgang noch durch einen schriftlichen Bericht ergänzt werden.

Unser Angebotsspektrum reicht von kardiologischen und orthopädischen Untersuchungen, Kraft- und Beweglichkeitstests über rechner-

Auch die Krankenkassen erkennen zunehmend den hohen Nutzen präventiv-medizinischer Untersuchungen und übernehmen die Kosten teilweise oder auch komplett. Bitte fragen Sie bei Bedarf Ihre Krankenkasse bzw. verschaffen Sie sich einen aktuellen Überblick auf der Website des Deutschen Sportärztebundes (www.dgsp.de).

AKADEMIE

Kompetent und praxisrelevant

Aus- und Weiterbildung für Interessierte und Profis Die Akademie bündelt unterschiedliche Veranstaltungen und Maßnahmen der Wissensvermittlung rund um Bewegung, Gesundheit und Sport. Das Spektrum reicht von Workshops und Vorträgen für interessierte Laien über fachliche Aus- und Fortbildungen für Ärzte, Therapeuten und Sportwissenschaftler, Übungsleiter und Trainer bis hin zu interdisziplinären Symposien der Reihe „Sport trifft Medizin“. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website im Bereich „Akademie“.

SPORT-GESUNDHEI TS -CHECKS FÜR EINSTEIGER UND AKTIVE ZENTRUM FÜR SPORTMEDIZIN Wir unterstützen Sie dabei, richtig, gesund und effektiv zu trainieren. Mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Betreuung von Spitzensportlern helfen auch Ihnen, Trainingsfehler zu vermeiden und Ihre sportlichen Leistungen zu steigern. Mit individuellen Leistungs-Checks und Trainingstipps bringen unsere Sportmedizinner Si Siee Ihrren spo sporr tltliich cheen Zielen ein ganze anzess Stück nähe näherr.

Internistisch/kardiologische Sportmedizin Leistungsdiagnostik (u.a. Lauf-Checks) Lauf- und Bewegungsanalyse Marathonvorbereitung Sportorthopädie Feldtests Trainingsberatung und Spo Sporr ter näh nährr un ungg Ausdauer-, Krraf t- und Aus usggleich leichsstraining im Spor Spor t-Gesundheitspa Gesundheitsparr k

CHARLOTTENBURG (Olympiapark)* Hanns-Braun-Straße 1 · 14053 Berlin Telefon 81 81 20 HOHENSCHÖNHAUSEN Fritz-Lesch-Straße 29 · 13053 Berlin Telefon 72 626 720 [email protected] www.zentrum-sportmedizin.de * Das Bauvorhaben im Olympiapark wurde realisiert aus Mitteln der

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leistungssport

„Trainer sind Schlüsselfiguren” Interview mit dem Berliner Landestrainer im Boxen, Ralf Dickert, über den Trainerberuf und die Leistungssportreform Bei den auf den Abwärtstrend im deutschen Spitzensport folgenden Debatten und Reformen spielte auch die „Trainerfrage“ eine große Rolle. Zugespitzt kann man in Sachen Trainer als Status Quo formulieren: zu wenig, zu wenig gute, zu wenig junge, Defizite in der Ausbildung, zu schlechte Bezahlung für den mit dem Beruf in der Regel verbundenen besonderen Einsatz, daraus folgende „LandFlucht“ (deutsche Trainer im Ausland). Ralf Dickert (58) hat im Juni bei der EM der

Das sind Reaktionen auf eine Situation im deutschen Leistungssport, die unbedingt notwendig sind, wenn wir weiter eine Rolle im Weltsport spielen wollen. Die Situation ist Ergebnis eines Prozesses. Wenn man diesen über einen langen Zeitraum beobachten durfte oder musste wie ich, dann ist einerseits die spät eingeleitete Reform zu begrüßen, andererseits nachzufragen, wie diese bewerkstelligt werden soll. Dazu braucht es objektive und subjektive Bedingungen, Geld, Manpower, Strukturen, politischen Willen. Die Erkenntnis, dass man sich seit der Wiedervereinigung auch Defizite aufgeladen hat und das positive sportliche „DDR-Erbe“ verbraucht ist, ist ein erster Schritt. Stimmt, aber vor „ein erster Schritt“ gehört ein „nur“. Konzepte sind schön und gut, aber Erkenntnis braucht Umsetzung. Das gilt auch in der Trainerfrage. Nach 35 Jahren im Job kann ich mich als erfahren betrachTrainer Ralf Dickert mit Meister Abbas Baraou (li.) und ten und im Kern habe ich es Vizemeister Omar ElHag bei der Deutschen Meisterschaft 2016 nicht bedauert, eine solche Aufgabe – mehr Berufung Amateurboxer Abbas Baraou zum Titel im als Job, Herausforderung statt Dienst nach Weltergewicht geführt. Dickert hat nach dem Vorschrift – übernommen zu haben. Heute Abitur mit Note 1 ein Hochschulstudium an müsste ich einigermaßen überlegen, einem der DHfK in Leipzig absolviert und ist seit jungen Menschen zu raten: Werd' doch Trai1983 als Trainer im Leistungssport tätig. Er ner! hat vom Nachwuchs (U17) bis zur Elite viele Sie sind Trainer aus Leidenschaft. Das atteTop-Akteure des Deutschen Boxverbandes stieren Ihnen Ihre Schützlinge und geben (DBV) betreut. Er ist seit 1991 Landestrainer Ihre Fähigkeit, zu begeistern und Inhalte zu beim LSB, Bundesstützpunkttrainer in Berlin, vermitteln, als einen Baustein für den eigeDisziplintrainer Männer Elite des DBV, hat mit nen Erfolg an. War und ist Trainer Ihr Traumseinen Boxern über 100 nationale Meistertitel beruf? Wie beschreiben Sie ihre Tätigkeit? und viele internationale Erfolge errungen. Etwas überspitzt, aber der anstrengenden „Trainer nehmen im Leistungssport eine Wahrheit doch sehr nahe, würde ich das in eiSchlüsselposition ein“, „langfristige Personalnem Satz mit vielschichtigen Facetten so forentwicklung“, „qualifizierte und leistungsgemulieren: Trainer in Deutschland ist ein unterrecht bezahlte Trainer“ - wie gefallen Ihnen bezahlter Traumberuf im Dauerstress, mit gediese Stichpunkte aus dem Berliner Leiringer gesellschaftlicher Anerkennung und eistungssportkonzept 2024? ner perspektivisch unsicheren Zukunft. Alles,

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was an den Mängeln etwas zum Positiven verändert, ist zu begrüßen. Das schließt die Spitzenreform oder das Berliner Leistungssportkonzept mit ein. Die Erkenntnis, dass etwas getan werden muss, ist gut, aber noch sind Schritte dahin, Mittel und Wege, konkreter zu benennen und anzugehen. Macht Ihnen Ihr Beruf trotz der vielen Mühen der Ebene immer noch Spaß? Ja, obwohl man manches als grenzwertig empfunden hat. Da sind wir wieder beim Traumberuf: mit jungen Leuten zu arbeiten, sie zu entwickeln und vorwärts zu bringen, Erfolge und Siege zu feiern, das ist erfüllend – so habe ich es oft erlebt und empfunden. Ich war bei vielen internationalen Championaten dabei, habe jede Menge Einzelschicksale begleitet, die Gefühlsskala dabei von oben bis unten mitausgekostet. Boxtrainer, das heißt für mich eine besondere Verantwortung in unserer gesellschaftlichen Aktualität wahrnehmen, denn die meisten der Schützlinge haben Migrationshintergrund. Ein Boxtrainer ist sportliche Richtschnur, aber auch sozialer Begleiter, Pädagoge und Sozialhelfer. Das habe ich immer als schön empfunden. Viele deutsche Top-Trainer sind ins Ausland abgewandert. Haben Sie Verständnis dafür? Das ist je nach Einzelfall unterschiedlich zu beantworten, aber sicher hatte es auch damit zu tun, dass man hierzulande eben mitunter auch nichts oder zu wenig für die eigenen Trainer vor Ort getan hat. Die Bezahlung ist dabei e i n, aber meist nicht das alles entscheidende Moment. Klar ist, wir müssen hierzulande wieder mehr Gelder in die Ausbildung qualifizierter Trainer stecken. Das schließt Zukunftsperspektiven danach mit ein. Du kannst nicht einfach nur Leute in Köln ausbilden, sondern musst ihnen auch eine Stelle anbieten, wo sie danach das Gelernte – zu Nutz und Frommen des deutschen Leistungssports – anwenden können. Haben Sie Familie? Ja, Frau, Kinder und Enkelkinder. Die müssen allerdings oft lange auf den Opa verzichten. Die Trainingslager wie zum Beispiel das vor der WM in Hamburg Ende August 2017 bringen wochenlange Abwesenheit mit sich. Das funktioniert nur, wenn man auch in der Familie Partner hat, die in der Grundphilosophie, wie man seine Arbeit macht und miteinander umgeht, ähnlich tIcken wie man selbst. Interview: Klaus Weise (Siehe auch Editorial auf Seite 4)

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sportstätten

Mehr Sportanlagen! Aber welche? LSB ist für Diskussion über Infrastruktur-Entwicklung bereit Von David Kozlowski Wachsende Bevölkerung bedeutet wachsender Sportbedarf. Berlin braucht viel mehr Sportanlagen. Aber welche qualitativen Merkmale sollen die Sportanlagen von morgen aufweisen und wie lassen sich sportfachliche Anforderungen am besten in praktische Prozesse einfügen? Für Trends offen sein – ohne sich darauf zu versteifen Eine Antwort kann lauten: Der organisierte Sport sollte von aktuellen Trends Rückschlüsse auf den Sportanlagenbau ziehen – ohne sich dabei auf einen Sportanlagentyp zu versteifen. Bestes Beispiel ist der Tennisboom der Becker-Graf-Ära. Angesichts zweier prominenter Vorbilder schossen ab Ende der 1980er Jahre Tennisanlagen in ganz Deutschland aus dem Boden. Zwar ist die Zahl der Tennisanlagen seit 2000 nur leicht wieder gesunken. Dennoch ist selbst dieser geringe Rückgang, auch unter Berücksichtigung der Mitgliederentwicklung, eindeutig eine Trendwende gegenüber der Verdoppelung der Tennisanlagen in Deutschland zwischen den Jahren 1970 und 2000. Krisenfeste Investition in die eigenen Sportanlagen ist das Gebot. Aber die Prognose des Sportverhaltens und damit der Anforderungen an die Sportinfrastruktur fällt schwer – insbesondere ohne valide Datengrundlage. Multifunktionalität und Barrierefreiheit sind die Leitbegriffe. Das beginnt bei der Wahl des Sportbodens und endet bei der Anbindung von Verkehrswegen zur Anlage, z.B. durch Stellplätze für Fahrräder. In Berlin wird mit dem Umbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks zu einer inklusiven Sportanlage ein Akzent gesetzt, Menschen mit und ohne Behinderung am Sport in der Stadt teilhaben zu lassen. Ein Vorzeigeprojekt hilft den Menschen in der Stadt aber nur dann nachhaltig weiter, wenn es Nachahmer findet. Deswegen ist auf Barrierefreiheit auf allen Berliner Sportanlagen zu pochen. Der Kiez hat immer recht Eine besondere Qualität von Sportvereinen ist es, im Kiez verwurzelt zu sein. Der Verein ist auf diese Weise im besten Falle automatisch Abbild der Gesellschaft, in der er sein Angebot zur Verfügung stellt. Ist er das nicht, merkt

der Verein das schnell im Austausch mit seinen Mitgliedern bzw. an den Mitgliederzahlen. Deswegen bringt es auch nichts, aus heiterem Himmel Sportangebote zu implementieren, nach denen es keine Nachfrage gibt. Natürlich schließt dies nicht aus, neue Anreize zu schaffen oder Ideen aus anderen Vereinen oder Kommunen zu testen. Aber die Festlegung auf eine oder wenige Sportarten beim Anlagenbau sollte genau überdacht werden – auch Fußball ist als Sportart nicht immer eine gute Lösung. Es kann für einen Verein in urbaner Lage durchaus sinnvoll sein, Trends aus dem Fitnesssport aufzunehmen oder Elemente aus Parcour, Crosslauf oder Skating zu berücksichtigen. Umgekehrt ist die Versorgung mit ausreichend Großspielfeldern in den Außenbezirken genauso wichtig. Es kann darüber nachgedacht werden, ob diese Spielfelder DIN-Maße überschreiten sollten, um hier American Football, Rugby oder Ultimate Frisbee spielen zu können. Der Blick in den Park oder auf die Straße hilft oftmals, Anregungen für die eigene Anlage zu bekommen. Das Land muss Sportstättenentwicklung wissenschaftlich erfassen In Berlin, wo gerade einmal 30% aller Sportanlagen vereinseigen sind (die meisten davon sind Wassergrundstücke), ist ein Plädoyer für die qualitative Vielfalt der Sportanlagen auch ein Plädoyer in Richtung öffentlicher Hand. Berlin baut mittlerweile typisierte Schulsporthallen, bei der viele Nutzungen möglich sind. Das ist eine Entwicklung, die ausdrücklich zu begrüßen ist. So wird Zeit und Geld gespart. Zugleich wird auf Multifunktionalität und Wettkampftauglichkeit geachtet. Aber der Schulsport macht nur einen Teil der Sportlandschaft Berlins aus. Reine Vereinssportanlagen im öffentlichen Sektor brauchen mindestens genau so viel Aufmerksamkeit. Da ist es schon einmal ein wichtiger Schritt, dass nun in Berlin als letztes Bundesland LED-Licht auf Außenanlagen zugelassen ist und gefördert wird. Aber nun ist es an der Zeit, aus dem vom enormen Sanierungsstau geprägten Reparaturmodus herauszukommen und sich Gedanken über die Anforderungen an Sportstätten zu machen. Die Erstellung von Sportentwicklungsberichten, die

LSB-Diskussionsveranstaltung „Bewegungsräume in der wachsenden Stadt” Wenn im Jahre 2030 voraussichtlich etwa vier Millionen Menschen in Berlin leben werden, müssen wir schon heute in der Stadtentwicklung die Weichen dafür stellen. Dazu gehört auch, Freiräume für Bewegung und Sport zu sichern. Der LSB möchte mit Entscheidungsträgern aus Sport, Politik, Naturschutz und anderen Bereichen über die sportliche Infrastruktur Berlins diskutieren und lädt alle Interessierten ein, sich zu beteiligen. Schon heute sind die Flächen für Sport knapp und die klassischen Sportanlagen befinden sich nicht selten in schlechtem Zustand. Es geht auch darum, Vereinen Fördermöglichkeiten bei der Sanierung von Sportanlagen aufzuzeigen und Möglichkeiten zu präsentieren, wie Sportvereine ihre Umgebung als Bewegungsraum nutzen können. Termin: 18. 9. 2017, 15-19 Uhr Ort: Gerhard-Schlegel-Sportschule des LSB Berlin, Priesterweg 4-6 B, 10829 Berlin, Raum Berlin/Potsdam Anmeldung: [email protected] oder Tel. 030/30002-108 Genaue Infos über den Ablauf und alle Referenten: www.lsb-berlin.de

vom Sportverhalten auf den Bedarf an Sportanlagen schließen, ist dabei eine wichtige Vorleistung, die in wenigen Bezirken schon in Angriff genommen wurde. Aber nur wenn Berlin als Ganzes diese Aufgabe anpackt, können valide Aussagen über die Sportstättenentwicklung in einer wachsenden Stadt getroffen werden. Auch der Blick von Verwaltungen über den eigenen Tellerrand hinaus kann Kräfte freisetzen. Ob es ein Grünflächenamt ist, das Sportvereinen erlaubt, öffentliche Parks zu nutzen, oder die Verwaltung für Stadtentwicklung, die einen Stadtentwicklungsplan „Sport und Bewegung“ neben dem für „Wohnen“ entwirft: Beides ist geschehen und darf nachgeahmt werden. Auch private Investoren können bei der Entwicklung einer sportfreundlichen Infrastruktur helfen. Wenn man bei Stadtteilprojekten auch an den Sport denkt, kann das eine sinnvolle Ergänzung öffentlicher Sportanlagen sein. (Siehe auch Karikatur auf Seite 3)

SPORT IN BERLIN September/Oktober 2017

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sport in berlin

Raus aus der Halle Drei Reinickendorfer Vereine bieten „Sport im Park” an Raus aus der Halle, rein in den Park: Auf der Wiese vor dem Rathaus Reinickendorf bringt Übungsleiterin Petra George vom VfL Tegel dreißig Frauen und Männer in Schwung. Nach dem Rhythmus der Musik, die aus dem Lautsprecher schallt, marschieren sie auf der Stelle, ziehen die Knie hoch und pendeln mit den Armen. Viele kleine Variationen in den Bewegungen sorgen nicht nur für Abwechslung, sondern dehnen auch den Körper in alle Richtungen – passend zum Thema der Stunde, in der es um Faszientraining geht. Nach dem Warm up teilt die Übungsleiterin die Blackrolls aus. Sie zeigt, wie mit einfachem Hin- und Herrollen auf dem kleinen Sportgerät verspanntes Bindegewebe wieder gelokkert werden kann. „Das funktioniert aber nur bei regelmäßigem Training”, sagt sie. Die Teilnehmer sind konzentriert, einige stellen Fragen und bekommen kompetente Antworten. Im Nu ist die Stunde vorbei. So wie hier auf

der Wiese am Rathaus Reinickendorf finden in diesem Sommer auch auf der Festwiese an der Calauer Straße im Märkischen Viertel und im Steinbergpark Outdoor-Sportangebote statt, die von drei Vereinen organisiert werden: TSV Wittenau, VfL Tegel und VfB Hermsdorf. Unterstützung kommt von der Senatssportverwaltung, dem Bezirksamt und der AOK. Das Grünflächenamt mäht alle 14 Tage den Rasen. Die Angebote werden von lizenzierten Trainern geleitet. Jeder kann kostenfrei mitmachen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Zwischen 10 und 19 Uhr gibt es „Energy dance”, „Rückenfit”, „Mama, Baby & Co”, „Guten Morgen, Yoga”, „Natur pur! Nordic Walking”, „Boule”, „Crosstraining”, „Spiel dich fit!”, „Pausenexpress” und noch vieles mehr. Die Reinickendorfer Vereine haben das Konzept „Sport im Park”, das es in anderen Großstädten schon gibt, in diesem Sommer ins Le-

s cher sich ch h r se sei eiin ein n Unfälle könn nen überall passieren – Private Unfallv llversicherung über defen do

defendo -assekurranzmak ler..de Philipp Schneckmann T +49 (0) 151 - 677 05 094 [email protected]

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Auf der Wiese vorm Rathaus Reinickendorf ist viel los. ben gerufen. Allein im Juli nutzten über 700 Frauen und Männer die 30 Angebote an den drei Standorten. „Es werden immer mehr. Wir wachsen von Woche zu Woche”, sagt Projektleiterin Stephanie Panzig. Auch an diesem Nachmittag bleiben Passanten stehen, machen spontan mit oder notieren sich die genauen Anfangszeiten. Wie viele von ihnen nach dem Sommer Vereinsmitglieder werden, weiß natürlich noch niemand. „Ich sehe glückliche Gesichter, wenn wir morgens mit nackten Füßen das feuchte Gras spüren, frische Luft atmen, die Vögel zwitschern hören und in die Ferne schauen. Das ist Entspannung pur”, schwärmt Stephanie Panzig, die selbst Kurse gibt. Ihre Vision: „Eines Tages stehen hier Hunderte auf der Wiese – wie in Asien – und bewegen sich synchron.”www.sportimpark.berlin A. B.

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