in berlin - Landessportbund Berlin

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ZEITSCH R I F T DES L AN DESSPORTB U N DES B ER LI N J u l i - A u g u s t 2 017 IN BERLIN Blindenfußball-EM vom 18. bis 26. August in Berlin Deutsc...

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ZEITSCH R I F T DES L AN DESSPORTB U N DES B ER LI N

J u l i - A u g u s t 2 017

IN BERLIN Blindenfußball-EM vom 18. bis 26. August in Berlin Deutschland und Italien bestreiten das Eröffnungsspiel

Sportstätten & wachsende Stadt

3. 9. - FamilienSportfest im Olympiapark

Seite 5: Positionspapier des LSB-Präsidiums

Infos: familiensportfestberlin.de

www.berlinerbaeder.de

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SPORT IN BERLIN

SPORT IN BERLIN Offizielles Verbandsorgan des LANDESSPORTBUNDES BERLIN Herausgeber: Landessportbund Berlin e. V. Dr. Heiner Brandi (verantwortlich) www.lsb-berlin.de www.facebook.com/LandessportbundBerlin Twitter: @LSBBerlin Redaktion: Angela Baufeld (verantwortlich) Franziska Staupendahl Redaktionsadresse: Sport in Berlin, Jesse-Owens-Allee 2 14053 Berlin (Postanschrift: Brieffach 1680, 14006 Berlin) Fon (030) 30 002 109 Fax (030) 30 002 119 E-Mail: [email protected] Druck: LASERLINE Druckzentrum Berlin KG Scheringstr. 1, 13355 Berlin, www.laser-line.de

Vom 18. bis 26. August findet in Berlin am Anhalter Bahnhof die Blindenfußball-EM statt. Beim Blindenfußball gibt es vier Feldspieler mit Dunkelbrillen und einen sehenden Torwart. Hinter dem Tor des Gegners steht ein Rufer, um die angreifenden Spieler zu unterstützen. Rasseln im Ball machen diesen für die Spieler hörbar. Mit dem Ruf „Voy” machen sich die Spieler untereinander bemerkbar. Das Spielfeld ist 40 mal 20 Meter groß. Die Spieldauer beträgt 2 mal 20 Minuten. Die Gruppen wurden Ende Mai beim LSB im Haus des Sports ausgelost: In der Gruppe A spielen Deutschland, Italien, Rumänien, England und Frankreich, in der Gruppe B Türkei, Belgien, Georgien, Spanien und Russland. Deutschland und Italien bestreiten das Eröffnungsspiel. Tickets: www.euro2017.berlin Foto: BSB/Schmidt 4 Sportvereine und Zukunft Editorial über den Einfluss von Demografie, Vereinsangebote, Digitalisierung 6 Ohne Ehrenamt kein Breitensport LSB und Feuersozietät würdigen Ehrenamtliche im Sport

8 Pro Woche 60 min Regionalsport Interview mit RBB-Intendantin Patricia Schlesinger 13 Ausbildung Bewegungspädagoge Neues Zertifikat von Senat, LSB und Hochschule für Gesundheit&Sport 14 Motivation durch Identifikation Interview mit Bob Hanning über das Füchse-Nachwuchskonzept 23 Kreativ, impulsiv, explosiv Vereinsprojekt des Monats: Tricking bei der Kampfsport Vereinigung Berlin 24 Medien DOSB-Tagung der Kommunikationsbeauftragten der Landessportbünde 25 Sport und Geflüchtete Sportfest am 11. August 26/27 LSB gratuliert 28 Frau im Sport

19 9 Sport Jugend Berlin Steffen Sambill neuer SJB-Vorsitzender dsj-Jugendevent beim Turnfest Kooperation von BZgA, GSJ, Sportjugend Seminare der Bildungsstätte

Stuttmann.

Anzeigen: Top Sportmarketing Berlin GmbH, Hanns-Braun-Str./Friesenhaus, 14053 Berlin, Fon. (030) 30 11 186 -0, Fax 30 11 186 - 20

SPORT IN BERLIN erscheint sechs Mal pro Jahr. Der Bezugspreis ist im LSB-Mitgliederbeitrag enthalten. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge drücken nicht unbedingt auch die Meinung des Herausgebers aus. Die Redaktion lädt zur Einsendung von Fremdbeiträgen ein. Es wird jedoch keine Gewähr für eine Veröffentlichung übernommen. Nächster Redaktionsschluss: 12. 7. 2017

Mit einem Klick zum LSB Berlin: mit Smartphone QR-Code einscannen und verbinden lassen.

Karikatur von Klaus Stuttmann

(Siehe Seite 5)

SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

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editorial

Von Professor Dr. Ronald Wadsack Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Niedersachsen, Sportmanagement

Sportvereine und Zukunft Demografie, Vereinsangebote, Digitalisierung beeinflussen die Entwicklung

ir alle sollten uns um unsere Zukunft kümmern, denn wir müssen den Rest unseres Lebens darin verbringen“, so ein Zitat des Ingenieurs und Erfinders Charles Kettering. Recht hat er und als Vereinsführung müssen wir uns um die Zukunft des uns anvertrauten Vereins kümmern. Dies gilt für die aktuelle Amtszeit der amtierenden Vereinsführung und beinhaltet den Anspruch, keinen Schaden für künftige Amtszeiten auch von folgenden Vereinsvorständen anzurichten. Diese Voraussicht ist jedoch nicht einfach. Schließlich gibt es viele Entwicklungen, die Einfluss auf Menschen und ihre Freizeitaktivitäten haben und wiederum in Sport- und Vereinsinteressen münden (können). Nehmen wir an dieser Stelle drei heraus: Demografie, Vereinsangebote und Digitalisierung. Zunächst die Demografie mit der Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung, wobei Berlin mit einem Bevölkerungswachstum zu rechnen hat. Die wichtigere Frage für die Vereinsarbeit ist jedoch: Was kann für die Menschen an Sportvereinen interessant sein, welches Sportangebot und welches außersportliche Angebot? Das Spektrum dessen, was heute unter Sport verstanden werden kann, ist riesig – von den traditionell vertretenen Sportarten über Gesundheits- und Fitnesssport bis hin zu Sporttrends mit kurzer Attraktivitätsdauer. Und am Horizont blitzt vermehrt das Thema eSport als computer- oder internetbasierter Sport auf. Abseits des Sports sind vielfältige ergänzende Vereinsangebote denkbar: Feste und Feiern, Fahrten oder einfach nur das Beisammensein in netter Runde. Hier gilt es, sich als Sportverein weise zu positionieren und klar in seinem Sportverständnis und Vereinsangebot zu sein. Der Sportverein ist mit seiner Existenz ganz wesentlich

W

durch seine Vereinskultur geprägt, u. a. symbolisiert durch das Vereinsangebot und getragen durch die Menschen als Mitglieder und Mitarbeiter. Aber die Menschen haben sich über die Zeit verändert. Häufig nutzt man hier als Hilfestellung die grobe Einteilung von Generationen, die für Altersgruppen mit etwa gleichen Lebenseinstellungen stehen. Die Nachkriegsgeneration der Baby Boomer (ca. 1943-1960 geboren) mag heute in vielen Vereinen die Führung repräsentieren. Selbst wenn die Vereinsführung der nachfolgenden jüngeren Generation X angehören, es gibt mittlerweile drei weitere Generationen, die Zielgruppen der Vereinsarbeit sind. Sowohl für die Sportangebote des Vereins als auch die Übernahme von Ämtern und Aufgaben. Damit gilt es sich auseinanderzusetzen und gute Ansatzpunkte für die Ansprache und Zusammenarbeit zu finden. Die Mitarbeiter des Sportvereins sind seine zentrale Ressource und Lebensquelle, ihr Einsatz und ihre Kreativität prägen den Verein. Deshalb gilt es dringend, das Augenmerk auf die Zusammenarbeit im Verein zu lenken. Eine Befragung von ehrenamtlichen Vereinsmitarbeiterinnen und Vereinsmitarbeitern im Jahr 2015 in Niedersachsen ergab, dass mehr als die Hälfte sich schon einmal ernsthaft mit der Beendigung der Mitarbeit befasst hatten. Eine immer wichtigere Rolle spielt die „Digitalisierung“ als ein aus der Wirtschaft getriebenes Thema, welches sich schon im Alltagsleben andeutet, jedoch in seiner künftigen Tragweite im Sport noch wenig Beachtung findet. Auch die Bundeskanzlerin hat schon mehrfach darauf hingewiesen, dass eine Auseinandersetzung mit diesem Thema Not tut. Beispiele, die wir heute schon aus dem täglichen Leben kennen: Bestellen per Internet und lie-

fern per Post, bezahlen mit dem Handy, Apps für das Smartphone als Informations- und Entscheidungsassistenten für die Nutzer, Gesichtserkennung bei der Sicherung von Veranstaltungen, ... und viele mehr. Es geht darum, die sich abzeichnenden Veränderungen in der Gestaltung der Lebenswelt frühzeitig zu erkennen und eine Position zu beziehen bzw. bei den eigenen Entscheidungen der Vereinsarbeit zu berücksichtigen. Eine vielleicht kommende Abschaffung des Bargeldes wird Einfluss auf viele Bereiche von Sportvereinen haben. Die Gewöhnung an die Körperliche Aktivität wird vielleicht noch wichtiger, wenn tägliche Verrichtungen mit immer weniger Bewegung verbunden sind. Das „wirkliche“ soziale Miteinander kann einen ganz anderen Stellenwert erlangen. papierlose Abwicklung von Transaktionen wird auch vor dem Aufnahmeantrag für den Sportverein nicht halt machen. Vielleicht ist OnlineVolunteering eine Chance, Vereinsaufgaben auch ohne Präsenz vor Ort zu erledigen. Dies nur als drei kleine Beispiele, wo sich entsprechende Wirkungen entfalten können. Aber – und hier liegt auch eine echte Chance für die Sportvereinsarbeit – körperliche Aktivität wird dann vielleicht noch wichtiger, wenn verschiedene tägliche Verrichtungen mit immer weniger Bewegung verbunden sind und das „wirkliche“ und nicht durch Technik vermittelte soziale Miteinander kann dann ebenso einen ganz anderen Stellenwert erlangen. Damit sind die Herausforderungen für die Vereinsführung grob umrissen. Sie gilt es anzunehmen und unter Einbeziehung interessierter Mitarbeiter und Mitglieder für den eigenen Sportverein aufzunehmen und den Verein zu gestalten. (siehe auch Seite 9)

SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

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sport in berlin

Außerordentliche Präsidentenversammlung des LSB Thema: Sportverbund Berlin Bei der außerordentlichen Versammlung der Präsidenten und Vorsitzenden der LSB-Mitgliedsorganisationen am 29. Juni im Haus des Sports ging es vor allem um das Thema Sportverbund Berlin, der sich im vergangenen Jahr gegründet hat. 15 Mehrspartenvereine mit insgesamt über 60.000 Mitgliedern gehören dem Sportverbund an, berichtete SCCPräsident Andreas Statzkowski. „Unsere Ziele sind Interessesvertretung der Vereine, Bürokratieabbau, Stärkung des Ehrenamts, Networking. Mittelfristig streben wir die direkte Mitgliedschaft aller Vereine im LSB an”, sagte er. LSB-Präsident Klaus Böger informierte über die regelmägen Arbeitsgespräche zwischen dem LSB und den Vertretern des Sportverbundes, die auch fortgesetzt würden. Die direkte Mitgliedschaft der Vereine im LSB setze, so Böger, eine Satzungsänderung voraus: „Darüber entscheidet nicht das LSB-Präsidium, sondern die Mitgliederversammlung.” LSB-Diskussionsveranstaltung „Bewegungsräume in der wachsenden Stadt” Wenn im Jahre 2030 voraussichtlich etwa vier Millionen Menschen in Berlin leben werden, müssen wir schon heute in der Stadtentwicklung die Weichen dafür stellen. Dazu gehört auch, Freiräume für Bewegung und Sport zu sichern. Der LSB möchte mit Entscheidungsträgern aus Sport, Politik, Naturschutz und anderen Bereichen über die sportliche Infrastruktur Berlins diskutieren und lädt alle Interessierten ein, sich zu beteiligen. Denn schon heute sind die Flächen für Sport knapp und die klassischen Sportanlagen befinden sich nicht selten in schlechtem Zustand. Es geht auch darum, Vereinen Fördermöglichkeiten bei der Sanierung von Sportanlagen aufzuzeigen und Möglichkeiten zu präsentieren, wie Sportvereine ihre Umgebung als Bewegungsraum nutzen können. Termin: 18. September 2017, 15-19 Uhr Ort: Gerhard-Schlegel-Sportschule des LSB Berlin, Priesterweg 4-6 B, 10829 Berlin, Raum Berlin/Potsdam Anmeldung: [email protected] oder Tel. 030/30002-108

Sportinfrastruktur und Sportstätten in der wachsenden Stadt weiterentwickeln Vielfalt des Sports in Berlin zukunftsorientiert erhalten Das LSB-Präsidium hat das Positionspapier „Sportinfrastruktur und Sportstätten in der wachsenden Stadt weiterentwickeln” verabschiedet. Darin heißt es im Wortlaut: Der LSB setzt sich für die Vielfalt des Sports in der Sportmetropole Berlin ein. Wir wollen unsere Athletinnen und Athleten wie unseren Vereinen in den Amateur- und Bundesligen optimale Voraussetzungen für eine sportlich und wirtschaftlich angemessene Basis für einen fairen Wettbewerb auf nationaler wie internationaler Ebene bieten. Sportliche Vielfalt heißt vor allem aber auch den Breiten- und Gesundheitssport in der Mitte unserer Gesellschaft zu sichern, zu fördern und weiterzuentwickeln. Dabei gewinnen auch inklusive Sportangebote zunehmend an Bedeutung. Sport ist ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge für alle Menschen in einer wachsenden Stadt. Um den vielfältigen Interessen einer lebendigen und spannenden Sportmetropole gerecht zu werden, sind aus Sicht des LSB folgende Voraussetzungen zu beachten: 1. Berlin ist eine wachsende Stadt mit einem wachsenden Bedarf an Bewegungsräumen. Daher muss intensiv in eine bewegungsfördernde Infrastruktur investiert werden. Dies schließt neben den klassischen Sportanlagen auch die städtischen Grünflächen und Verkehrsräume mit ein. Wir fordern einen „Stadtentwicklungsplan Sport“ um die Zukunft des Sports zu sichern. 2. Bei den klassischen Sportanlagen besteht ein Sanierungsstau von mehreren hundert Millionen Euro. Der LSB begrüßt daher ausdrücklich die Anhebung der jährlich bereitstehenden Sanierungsmittel auf 18 Mio. Euro, ist jedoch der Auffassung, dass das Sportstättensanierungsprogramm verstetigt und möglichst weiter aufgestockt werden muss. Auch die barrierefreie Gestaltung der Berliner Sportanlagen ist dabei mehr als bisher in das Blickfeld zu rücken. 3. Umbau und Sanierung des FriedrichLudwig-Jahn-Sportparks haben für den Berliner Sport eine sehr hohe Priorität. Er kann einen sehr wichtigen Beitrag zur bewegungs-

fördernden Stadtentwicklung leisten. Das gemeinsame Ziel von Senat und dem organisierten Sport mitten in unserer Stadt eine inklusive barrierefreie Sportanlage mit höchsten Ansprüchen zu errichten, ist ein Zeichen für die Weiterentwicklung der Sportmetropole Berlin. Leichtathletik-Wettkämpfe wie das ISTAF und nationale Meisterschaften der Leichtathletik könnten im Friedrich-LudwigJahn-Sportpark ausgetragen werden. 4. Das sanierte Olympiastadion und der Olympiapark sind denkmalgeschützte Sportstätten, die ein Symbol für die Sportbegeisterung der Berlinerinnen und Berliner sind. Wir wollen das kulturelle Erbe in seinem Zweck erhalten und weiterentwickeln: als einer der weltweit wichtigsten und anerkanntesten Standorte des Sports! Wir wollen gemeinsam mit der Berliner Politik einen Masterplan erarbeiten, der die einzelnen Sportstätten, wie das Olympiabad, das Maifeld und das Hockeystadion mit dem Olympiastadion als ein gemeinsames Ensemble betrachtet und unter sportlichen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten weiterentwickelt. 5. Mit dem Wunsch von Hertha BSC in einem entsprechend auf den Fußball ausgerichteten, spezialisierten Stadion zu spielen, ist eine stadtweite sportpolitische Debatte eröffnet, die konstruktiv und ergebnisoffen geführt werden muss. Daher sind alle Optionen, von einem Umbau des Olympiastadions bis zu einem Neubau eines Fußballstadions innerhalb der Landesgrenzen eingehend und in ihren Auswirkungen auf das künftige Berliner Sportgeschehen zu prüfen. Wir wollen uns weiterhin für internationale Sportveranstaltungen bewerben können. Das Berliner Olympiastadion ist dafür weltweit ein unverzichtbares Markenzeichen – für den Fußball und für die Leichtathletik. Wir wollen die Vielfalt des Sports sichern und ausbauen. Dazu gehört auch, das Anliegen von Hertha BSC aufzugreifen und mögliche Varianten offen und zukunftsorientiert zu diskutieren. Der LSB bietet seine Beteiligung an den Gesprächen an. (siehe auch Karikatur Seite 3)

SPORT IN BERLIN SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

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sport in berlin

Ehrenamtliche des Jahres Platz 1: Ursula Mütze SV Luftfahrt Ringen Platz 2: Hans- Gerhard Kolat Spandauer Ruder-Club Friesen Platz 3: Bernd Schmidt BSV 63 Chemie Weißensee Preisträger, Laudatoren und Gäste vor der Villa Schützenhof

Fotos: Engler

Ohne sie gäbe es keinen Breitensport LSB und Feuersozietät Berlin Brandenburg würdigen Ehrenamtliche An traditionsreicher Stätte wurden die diesjährigen Auszeichnungen für Ehrenamtliche des Berliner Sports verliehen. Die Ehrenamtsgala – initiiert vom LSB und der Feuersozietät Berlin Brandenburg – fand zum zweiten Mal in dieser Form statt. In der Spandauer Villa Schützenhof begrüßten LSB-Präsident Klaus Böger und der Vorstandsvorsitzende der Feuersozietät, Dr. Frederic Roßbeck, über einhundert Gäste und sprachen ihnen ihren Dank aus. Denn ohne das Ehrenamt im Sport gäbe es nicht die Vielfalt im Berliner Vereinsangebot. Nachdem die LSB-Ehrenplaketten und die Ehrennadeln in Bronze, Silber und Gold überreicht wurden, wurden die Sonderauszeichnungen verliehen:„Ehrenamtliche des Jahres“, „Junge Ehrenamtliche des Jahres“ und „Sonderpreis für besondere ehrenamtliche Verdienste”. Der Sonderpreis wurde zum zweiten Mal ausgelobt und diesmal außergewöhnlichem Engagement im Kinder- und Jugendsport gewidmet. Da sich die Bewerberzahl im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt hatte, beschlossen LSB und Feuersozietät, den Kreis der Titelträger von drei auf vier zu erhöhen. Den mit jeweils 500 Euro dotierten Son-

derpreis erhielten Malin Krainich (Basketball Berlin Süd e.V.), Paul Mundstock (Pfeffersport e.V.), Brigitta Sandow (TSV Berlin-Wittenau 1896 e.V.) und Dr. Michael Weber (Fechtgemeinschaft Rotation Berlin e.V.). LSB-Präsident Klaus Böger: „Ich freue mich über die große Anzahl der sehr guten Bewerbungen. Viele hätten den Sonderpreis verdient. Die vier ausgewählten Preisträger setzen Maßstäbe für freiwilliges Engagement. Sie vertreten beispielhaft insgesamt rund 60.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das Rückgrat im Berliner Vereinssport sind.” Dr. Frederic Roßbeck, Vorstandsvorsitzender der Feuersozietät: „Alle ehrenamtlich tätigen Berlinerinnen und Berliner verdienen hohe Anerkennung. Ohne sie wäre der Freizeitsport in unserer Stadt nicht möglich. Die Sportvereine und die vielen ehrenamtlichen Helfer sorgen mit dafür, dass Kinder und Jugendliche einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachgehen, ihre Talente gefördert und Werte des Zusammenlebens vermittelt werden.“ Nach dem offiziellen Part ging man in ein gemütliches Get-Together über, das erst am späten Abend endete.

LSB-Ehrennadel in Gold Joachim Schultze Sport- und Rettungstauchverein Berlin Dietmar Gottemeier SC Minerva 93 Detlef Carus 1. FC Neukölln Renate Kirkoff TuS Neukölln 1865 Ralf Engnath Segelclub Karolinenhof Bernd Albrecht 81er Wandergesellen e.V. Berlin Thomas Wehling Landestanzsportverband Iris Zörner-Bothe, Michael Grabitz Turngemeinde in Berlin 1848 Rainer und Monika Egermann TSV Marienfelde Gudrun Beckmann Kneippverein Berlin

Festliches Ambiente in der Villa Schützenhof der Spandauer Schützengilde, die 1334 gegründet wurde und der älteste Schützenverein Deutschlands ist. LSB-Ehrennadel in Silber Gunter Helmer, Klaus Kallies Segelclub Karolinenhof Udo Haberer Turngemeinde in Berlin 1848 Gertraud Nilson TSV Marienfelde 1890

Steffen Sambill (li.) und Frederic Roßbeck (re.) mit den Jungen Ehrenamtlichen des Jahres Katja Blume, Celina McCarthy und Dominik Draheim (v.l.)

SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

Klaus Böger (li.), Claudia Zinke (2.v.r.) und Frederic Roßbeck (re.) mit den SonderpreisGewinnern: Paul Mundstock, Malin Krainich, Brigitta Sandow und Michael Weber (v.l.)

LSB-Ehrenplakette Reinhard Rühl Behinderten-Sportverein Köpenick Klaus-Werner Riemer ECC Preussen Berlin Johanna Wolter TSV Marienfelde 1890

Statt teurem Fiasko lieber gleich ’ne Bootskasko

Die Bootskasko und Haftpflicht der Feuersozietät Seit über 25 Jahren sind wir der Bootsversicherer für die Region Berlin und Brandenburg. Wir lassen Sie nicht kentern und bieten maßgeschneiderten Versicherungsschutz mit einem attraktiven Preis-Leistungspaket. Gemeinsam sind wir für Sie da, wenn Sie uns brauchen. Ein Leben lang. Mehr Informationen erhalten Sie im Kundenservice der Feuer sozietät: Am Karlsbad 4–5, unweit des Potsdamer Platzes. Telefon Kundenservice: (0 30) 26 33-940 [email protected] · www.feuersozietaet.de

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medien

übernommene Pro Woche 60 Minuten Sport aus der Region schau Video hat inzwischen

„Sport in Berlin”-Interview mit RBB-Intendantin Patricia Schlesinger Der sonntägliche RBB-Sportplatz wurde am 28. Mai 2017 zum letzten Mal ausgestrahlt. Warum? Zweifellos hatte unser bisheriger "Sportplatz" nicht den Erfolg, den man einem solchen Format in einem Sendegebiet mit 40 Erstligisten wünschen würde. Die Einschaltquoten blieben über die Jahre trotz Anpassungen im Konzept deutlich unter dem Senderschnitt und unseren Erwartungen. Aufwand und Ertrag standen in einem ungünstigen Verhältnis,

Patricia Schlesinger ist seit Juli 2016 Intendantin des RBB Foto: rbb/ Thorsten Klapsch

vor allem aber fand der Sport nicht das Publikum, das er verdient hätte. Ich habe deshalb unsere Kolleginnen und Kollegen in der Sportredaktion gebeten, sich über eine grundsätzliche Neukonzeption der Sportberichterstattung im rbb Fernsehen Gedanken zu machen. Warum wurde nicht versucht, die Sendung zu reformieren? Das neue Konzept sieht vor, die Sportberichterstattung im rbb Fernsehen nicht mehr wie bisher in einer Nische am Sonntagabend zu konzentrieren, wo sie gegen besonders starkes Konkurrenzprogramm antreten muss, sondern den Sport aus der Region dann zu präsentieren, wenn viele Menschen den rbb ohnehin einschalten. Wir halten das für den vielversprechenderen Weg. Es gibt jetzt beim RBB-Fernsehen ein Kulturmagazin, ein Verbrauchermagazin, ein Gartenmagazin, ein Gesundheitsmagazin u.v.m. – aber keine reine Sportsendung mehr. Ist das angesichts des Stellenwerts des Sports in der Gesellschaft und der knapp eine Million organisierten Sportle-

SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

rinnen und Sportler in Berlin und Brandenburg gerechtfertigt? Wir müssen uns von dem Gedanken trennen, ein Thema sei erst dann gut im Programm vertreten, wenn es einen festen, eigenen Sendeplatz hat. Andererseits: Hätte der Sport mit seiner „eigenen“ Sendung die Aufmerksamkeit gefunden, die etwa unsere Gartenund Gesundheitsformate erzielen, hätten wir sicher anders entschieden. Unser Ziel war es, eine größtmögliche Öffentlichkeit für unsere mit hohem technischem Aufwand und großer journalistischer Kompetenz erstellte Sportberichterstattung zu gewinnen. Die finden wir in unseren prominenten Nachrichtensendungen – deshalb hat der Sport dort künftig und verlässlich seinen Platz. Wie sieht künftig die Sportberichterstattung beim RBB aus? In welchem Verhältnis werden die Sendezeiten für den Leistungs- und den Breitensport stehen? Wir zeigen Sport freitags in der neuen, 15-minütigen rbb aktuell-Ausgabe um 16 Uhr, in rbb um6 gibt es einen täglichen, moderierten Sportblock von fünf Minuten, ebenso einen täglichen Sportblock in rbb aktuell um 21.45 Uhr und schließlich sonntags einen neuen, festen Sportblock in der Abendschau. Insgesamt sind auf diesem Wege dann jede Woche rund 60 Minuten Sport aus der Region im rbb Fernsehen zu sehen. Eine Quote zwischen Breitensport und Leistungssport gibt es nicht. Das ist jeweils eine aktuelle, redaktionelle Entscheidung angesichts der tatsächlichen Ereignisse und Themen. Was verbirgt sich hinter der Formulierung: Der RBB „weitet seine Social-Media-Aktivitäten rund um den Sport aus”? Unsere Sportredaktion betreut künftig auch den Sport auf rbb|24, so dass wir die Chance zur „Online first“-Berichterstattung haben, natürlich inklusive der zugehörigen Netzwerke. Damit kommt beim rbb die Sportberichterstattung im Radio, im Fernsehen und Online aus einer Hand. Durch die Online-Aktivitäten bieten sich auch neue Möglichkeiten für Bewegtbild-Angebote: Wir haben zum Beispiel die Übung von Deutschlands ältester Turnerin beim Internationalen Deutschen Turnfest auf Facebook gezeigt; das – auch von der Tage-

mehr als 100 Millionen Aufrufe. Auf der RBB-Homepage heißt es: „Wir senden damit mehr Sport als je zuvor. Gerade die täglichen Sendungen geben uns die Chance, beim Breitensport und bei so genannten Randsportarten genauer hinzusehen.” Wie wird das garantiert? Die Sportredaktion sieht das selbst als eine wichtige Aufgabe an und legt großen Wert darauf, hier eine möglichst breite Berichterstattung zu bieten. Zuletzt wurden Sportübertragungen häufiger als Live-Stream im Internet angeboten. Wie sah die Zuschauerresonanz aus und welche Rolle wird dieses Sendeformat zukünftig spielen? Das Zuschauerinteresse ist nicht immer gleich stark, aber aus unserer Sicht in jedem Fall beachtlich: Bei der Turnfest-Gala verzeichneten wir rund 47.000 Page-Impressions, beim Berliner Fußball-Pokalfinale zwischen dem BFC Dynamo und Viktoria rund 11.000, beim Brandenburger Pendant zwischen Cottbus und Luckenwalde rund 8.000. Das EHF-CupFinale zwischen Göppingen und den Füchsen verzeichnete rund 11.600 PI, das Fußballspiel Babelsberg - Cottbus rund 16.000. Wir werden auch künftig Events im Livestream anbieten. Die Voraussetzungen sind ein technisch einwandfreies Signal und natürlich die entsprechenden Rechte. Aktuell planen wir zum Beispiel Streams von der Kanu-EM in Plovdiv im Juli, vom Eröffnungsspiel der Blindenfußball-EM in Berlin am 18. August oder von der Ruder-WM in Florida Ende September. Können Sportvereine an der RBB-Sportberichterstattung mitwirken? Wohin können sie ihre Medien-Informationen für den RBB schicken? Wer ist ihr Ansprechpartner? Bewährter Ansprechpartner für Sport-Veranstalter ist unser Kollege Christian Höppner, der telefonisch unter (030) 97 99 3-25113 und per Mail unter [email protected] zu erreichen ist. Start für die neue RBB-Sportberichterstattung soll der 7. August 2017 sein. Können Sie sagen, was an diesem Tag geplant ist? Das entscheidet unsere Redaktion aktuell. Lassen wir uns überraschen.

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sport in berlin

Vorbild Lena Schöneborn Pele Uibel ist Nachwuchssportler des Monats Juni LSB-Forum Ehrenamt am 28. Juni in der Gerhard-Schlegel-Sportschule F.: Suffner LSB-Sportforum Ehrenamt Fröhliche Vereine erreichen mehr! Beim LSB-Sportforum „Modelle ehrenamtlichen Engagements – Wege zur Überwindung einer Krise“ gab es Anregungen, Anstöße, Aha-Effekte, Ernstes, Besinnliches und Heiteres. Gemäß der LSB-Broschüre „Ehrenamt im Berliner Sport. Training-Technik-Taktik“. Dort findet sich im Kapitel Taktik als Präambel für „22 Wege, tolles Engagement zu würdigen...“ Artikel 1: „Lächle! Fröhliche Vereine erreichen mehr“. So war es auch beim Forum, das mit dem Vortrag „Strategieentwicklung und Mitarbeitermanagement“ von Prof. Dr. Ronald Wadsack begann. (Siehe Seite 4) Manuela Stein (Vorsitzende) und Cindy Kotlinsky (Geschäftsführerin) von den Sportfreunden Kladow, Aleksander Dzembritzki (Ex-Rütli-Schulleiter in Neukölln, SPD-Bezirksverordneter in Reinikkendorf), Vorsitzender des Wander-Paddler-Havel e.V., und Andreas Moser vom Wander-Segler-Verein 1922 e.V. sprachen über Probleme, aber auch Chancen für das Ehrenamt. Bei den Sportfreunden Kladow hat man neben den Vorstand mit Manuela Stein als ehrenamtliche Vorsitzende Cindy Kotlinsky als hauptamtliche Geschäftsführerin gesetzt, die nach eigenem Bekunden inzwischen einen „Fulltime-Job“ ausübt. „Das Hauptamt entlastet das Ehrenamt“, sagt sie und sieht sich absolut nicht in Konkurrenz, sondern als Partner. „Wir haben eine klare Rollenverteilung, wer für was verantwortlich ist. Ich bin quasi der administrative Teil, kann die Mitglieder auch näher an Vereinsentscheidungen heranführen.“ Diese Art der Verbindung zwischen Haupt- und Ehrenamt ist nur eine Möglichkeit, andernorts kommt man (noch) ohne das Hauptamt aus. Einen Königsweg gibt es nicht – die Lösungen, wie sich die Vereine behaupten und entwickeln, sind Einzellösungen. Klar ist, die Herausforderungen der Zukunft werden nicht geringer. Klaus Weise

LSB, OSP, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sowie Berliner Sportfans würdigen regelmäßig die/den Nachwuchssportler/-in des Monats. Berlins Fünfkampf-Talent siegt gegen deutlich ältere Gegner. Dabei geht er nicht auf eine Sportschule und kann meist nur abends trainieren. Sein Vater war Fußballfan. Und weil sein Sohn schon im Mutterleib fleißig um sich trat, nannte er ihn Pele – nach Brasiliens Starkicker. Aus Pele Uibel wurde nun selbst ein erfolgreicher Athlet, jedoch nicht mit dem Ball, sondern in der wohl vielseitigsten aller Sportarten: dem Modernen Fünfkampf. Gerade erst ist der 16-Jährige deutscher JuniorenMeister geworden, gegen bis zu fünf Jahre ältere Gegner. Auch in der U19 ist der Charlottenburger die Nummer eins – dort allerdings im Vierkampf, denn aufs Reiten wird in diesem Alter noch verzichtet. Pele Uibel ist in London geboren; sein Vater ist Jamaikaner, seine Mutter stammt aus Baden-Württemberg. 2006 zog die Familie nach Berlin. Erst dort fing er bei den Wasserfreunden Spandau zunächst mit dem Schwimmunterricht und später mit dem Fünfkampf an. Ursprünglich wollte er nur einen Freund zum Training begleiten, weil dieser dort sonst niemanden kannte. Sein Kumpel hat längst mit dem Sport aufgehört. Pele blieb dem Fünfkampf treu. An seiner Sportart reizt Pele vor allem die Abwechslung. Sechster bei der EM Man muss reiten, fechten und schwimmen können und zum Abschluss noch das Combined bestreiten, eine Kombination aus Laufen und Schießen. Die beherrscht er so gut wie kaum ein anderer; bei der U17-EM war er sogar der Schnellste in dieser Disziplin. Insgesamt wurde er dort Sechster – sein bislang größter internationaler Erfolg. „Ich bin ein Wettkampftyp”, sagt er. Das heißt aber nicht, dass er nicht hart trainiert. Sein Motto lautet: „Hartes Training, leichter Wettkampf”. Das gilt insbesondere im Schwimmen, bislang noch

seine Schwäche. „Zum Glück bringt diese Disziplin nicht allzu viele Punkte.” Für Trainingslager und Wettkämpfe reist Pele Uibel um die Welt. Kürzlich war er zehn Tage auf Fuerteventura; im Sommer stehen Wettkämpfe in vier verschiedenen Ländern an. „Das sind Dinge, die ich als Schüler ohne den Sport sonst nicht erleben könnte”, sagt er. Pele geht nicht auf die Sportschule, er besucht stattdessen das Schiller-Gymnasium

Der große Traum von Pele Uibel ist Olympia. 2024 will er am Start sein. Foto: camera4 am Ernst-Reuter-Platz. Deswegen kann er anders als viele seiner Teamkollegen meist nur abends trainieren. Ab und zu trainiert er auch mit Lena Schöneborn, der Olympiasiegerin von 2008 und mehrfachen Welt- und Europameisterin. Mit ihren Erfolgen ist Schöneborn auch für ihn ein Vorbild: „Von solchen Leistungen träumt jeder Sportler." WM in Prag, EM in Portugal Seine nächsten Ziele sind das Erreichen des Finales bei der U19-WM im Vierkampf in Prag Mitte Juli und die EM einen Monat später in Portugal. Dort will er unter die besten Zehn. Für eine Medaille hängen die Trauben vermutlich noch zu hoch. „Ich bin ja noch der jüngere Jahrgang. Aber es ist eine wertvolle Erfahrung, von der ich später ganz sicher profitieren kann”, sagt er. Der große Traum bleibt Olympia. 2020 kommt für Pele wohl noch zu früh, aber 2024 will er am Start sein. Ob die Spiele dann in Paris oder Los Angeles stattfinden, ist ihm egal: „Hauptsache, ich bin dabei!” Philip Häfner, Berliner Morgenpost

SPORT IN BERLIN SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

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alle n e g n u t t f r f i a r t r w Er übe Mit großer sportlicher Vielfalt und regem Zulauf überzeugte während des Internationalen Initiatoren waren die Senatsverwaltungen für Inneres und Sport sowie Bildung, Jugend und Familie, der Landessportbund Berlin und der Berliner Turn- und Freizeitsport-Bund, der auch federführend in der Umsetzung war.

Bereits vor dem Turnfest waren im Programm „Schule aktiv“ mehr als 35.000 Berliner Schülerinnen und Schüler vom 29. Mai bis 2. Juni 2017 sportlich aktiv. Der Berliner Turn- und Freizeitsport-Bund (BTB) hatte hierfür 1.200 kostenfreie Sportangebote in über 50 Sportarten bereitgestellt.

nen und Schüler in den Friedrich-LudwigJahn-Sportpark. Im Vorprogramm tanzten Schülerinnen und Schüler des DiesterwegGymnasiums den Turnfest-Tanz zusammen mit dem Turnfest-Maskottchen „Berli“. Christoph Pöhl, Sportlehrer am Diesterweg-Gymnasium, sagte: „Das war eine ganz tolle Sache! Wir sind sehr froh, dass wir uns in eine so große Veranstaltung einbringen konnten.“ © BTB

BERURLINNT TBUNT!

© Juri Reetz

Schule aktiv

Die Begeisterung für „Schule aktiv“ mündete sowohl bei den beteiligten Sportvereinen und Anbietern als auch Lehrerinnen und Lehrern oft in den Wunsch, nach mehr und regelmäßigen Veranstaltungen dieser Art. Vielfach wurden Vereinbarungen für weiterführende Sportkurse getroffen, Schulsportfeste werden geplant, Lehrerfortbildungen wurden angefragt. © Juri Reetz

© Juri Reetz

An „Schule aktiv“ waren 263 Schulen beteiligt, die einzigartige Sportstätten besucht haben sowie besonders trendige Sportarten ausprobieren konnten. Sportvereine brachten Schülerinnen und Schülern auf besondere Weise ihre Sportart nahe, wobei die Begeisterung oft überschwappte: „Jedes Mal ist es eine Freude, wie dieser ovale Ball magische Kräfte entwickelt und alle, Mädchen, Jungen, sämtliche Nationalitäten, mit vollem Einsatz stets fair mitein-

© Juri Reetz

© Juri Reetz

Mit „Berlin turnt bunt!“ wurde das Turnfest in die Sportmetropole Berlin getragen, die sich in der Zeit vom 3. bis 10. Juni in einen riesigen Sportplatz verwandelte. 195.0000 Berlinerinnen und Berliner ließen sich von den Mitmachaktionen animieren.

ander kämpfen und spielen“, so Peter Hoffmann, Jugendwart des Berliner RugbyClubs, der mehrere Schulklassen trainierte. Beim U 16 Schülerländerspiel zwischen Deutschland und Frankreich am 30. Mai 2017, einem besonderen Höhepunkt der „Schule aktiv“-Woche, kamen rund 17.000 Schülerin-

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BERLRNINT TUBUNT!

Kiez aktiv

BERLRNINT TUBUNT!

Schule aktiv

BERLRNINT TUBUNT!

Sportmetropole aktiv

BERLRNINT TUBUNT!

BERLRNINT TUBUNT!

Turnfest-Shows

Turnfest-Messe

BERLRNINT TUBUNT!

Turnfest-Spitzensport

Deutschen Turnfests das erstmals aufgelegte Berliner Rahmenprogramm „Berlin turnt bunt!“ Für K.S. Lehsnau, Präsidentin des BTB, wurden die Erwartungen an „Kiez aktiv“ weit übertroffen: „Die Vereine haben ihre Chance genutzt, vor Ort sportbegeisterte Menschen anzusprechen. Wir sind gespannt, wie viele Berlinerinnen und Berliner sich für die Teilnahme an „Kiez aktiv“ den „Aktiv & Fit“-Mitmach-Pin abholen werden. Mein besonderer Dank gilt den Übungsleiterinnen und Übungsleitern der Vereine, die diese vielen schönen sportlichen Begegnungen gerade während des Turnfests durch ihr großes ehrenamtliches Engagement ermöglicht haben.“ © ATV Berlin Mike Hoffmann

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Gesundheitssports. Zahlreiche Wasser- und Ballsportarten und neue Trends im Funsport konnten ausprobiert werden.

BERURLINNT TBUNT!

Kiez aktiv © Swen Pförtner / DTB / Minkusimages

© SCC Inkognito 12 e.V.

Mit „Kiez aktiv“ wurde das Turnfest in die Berliner Bezirke getragen. Alle Berlinerinnen und Berliner waren vom 3. bis 10. Juni eingeladen, ihren Sportverein in der Nähe für sich zu entdecken. Insgesamt beteiligten sich 197 Sportvereine mit mehr als 1.000 Sportangeboten. Berliner Sportvereine aller Sportarten präsentierten ihre Vereinsangebote und zeigten die große Vielfalt des Berliner Sports. Das Angebot reichte von Aerobic, Basket- und Volleyball, Drachenbootfahren über Klettern, StandUp-Paddeling, Skate Biathlon und Tanz bis zu Yoga auf der Reichstagswiese und Zumba. Ausgewählt werden konnte aus der ganzen Vielfalt des Turnens sowie Freizeit- und

Die Aktivitäten der Sportvereine waren sowohl online unter berlinturnt-bunt.de als auch in Sonderbeilagen der Berliner Woche, Berliner Morgenpost, Tagesspiegel und Berliner Zeitung veröffentlicht worden. Auch wenn viele Sporthallen in den Schulen durch die Übernachtungsgäste des Turnfests belegt waren, ist es vielen Vereinen sehr gut gelungen, ihr Kursangebote ohne Zusatzaufwand im normalen Wochenprogramm anzubieten. Dabei überzeugten stets die Qualität der Übungsleiterinnen und Übungsleiter sowie die Freude an der Bewegung. So berichtete Sabine Posadzky, Übungsleiterin beim TSV Rudow 1888 e.V. in der Abteilung für Freizeittanz: „Wir hatten trotz abgelegener Turnhalle guten Zuspruch. Wir haben extra einen einfach mitzumachenden Line-Dance, einen Cupid Shuffle, angeboten und am Ende hatten wir mit 40 Leuten ganz viel Spaß.“

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alle n e g n u t t f r f i a r t r w Er übe Besucher bei „Sportmetropole aktiv“

150.000 Berlinerinnen und Berliner sowie Gäste nahmen das Angebot im Rahmen des Turnfests 2017 an. Sie ließen sich schon am ersten Tag trotz Regen nicht davon abhalten, mitzumachen und die unterschiedlichsten Sportarten auszuprobieren: Basketball, Bogenschießen, BMX-Parcours, Fechten, Handball, Hockey, Leichtathletik, Rudern, Rhythmische Sportgymnastik, Streetball, Tanzen, Volleyball u.v.m. Auf der Gesundheitsmeile konnten Lungenkapazität, Körperfett und Koordinationsfähigkeit gemessen werden und im Kariestunnel wurde gezeigt, ob die Zähne richtig geputzt sind. Kinder kamen bei zahlreichen

BERURLINNT TBUNT!

© Juergen Engler

© Juri Reetz / DTB / Minkusimages

„Sportmetropole aktiv” hieß es zu Pfingsten zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Der Landessportbund Berlin (LSB) und rund 50 Vereine und Verbände boten zwei Tage voller Sport und Spaß bei freiem Eintritt.

© Juri Reetz / DTB / Minkusimages

150.000

Organisationskomitee für das Turnfest. Sie dankte den beteiligten Vereinen und Verbänden mit ihren rund 400 ehrenamtlichen Helfern: „Sie haben mit den vielseitigen, bunten

© Juri Reetz / DTB / Minkusimages © Juri Reetz / DTB / Minkusimages

Spiel- und Sportstationen auf ihre Kosten. Viele Besucher absolvierten auch die Leichtathletik-Disziplinen für das Deutsche Sportabzeichen. Auf den Bühnen gab es Musik und Tanz, Shows und Mitmach-Aktionen. „Wir hoffen, dass unsere Besucher Freude an der Bewegung hatten. Vielleicht sagen einige: Ich will mehr. Sie sind in unseren Vereinen herzlich willkommen,” so LSB-Vizepräsidentin Claudia Zinke, LSB-Vertreterin im

© Juri Re eetz / DTB / Minkusimages

© Juergen Engler

Sportmetropole aktiv

Erlebnissen für alle gezeigt, wie attraktiv Sport im Verein sein kann.“ Der LSB hat das zweitägige Sport-Programm als einen Berliner Beitrag zum Internationalen Deutschen Turnfest gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Inneres und Sport und dem Berliner Turn- und Freizeitsport-Bund auf die Beine gestellt. Ein kurzes Video über die Sportmeile ist auf www.lsbberlin.de/aktuelles/mediathek zu sehen.

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berlin hat talent

„Sport ist immer wichtig” Olympiasieger Karl Schulze bei der Talentiade in der Sömmeringhalle 156 Drittklässler kamen zur Talentiade nach Charlottenburg, um sich in 13 verschiedenen Sportarten zu versuchen. Moderner Fünfkampf, Golf und Kanu waren mit dabei – und auch Berlins Olympia-Ruderer Karl Schulze. Wie hast du zum Rudersport gefunden? Ich kam mit dem Rudern durch meine Familie in Verbindung. Ich bin bereits die dritte Generation, die rudert – sowohl meine Großeltern als auch meine Eltern rudern heute noch. Deshalb war ich schon als Kind oft bei Wettkämpfen dabei. Mit neun Jahren begann ich mich intensiver für den Sport zu interessieren. Die Kinder, die bei den Talentiaden mitmachen, sind auch in diesem Alter – das finde ich perfekt. Anfangs hat mir weniger das Rudern selbst Spaß gemacht – es ging mehr um das Kollektiv in der Trainingsgruppe. Als dann Erfolge kamen, weckte das meinen Ehrgeiz. Was war nötig, damit du den Einstieg in den Leistungssport schaffen konntest? Der wichtigste Faktor ist die Familie, die dem

Sport gegenüber aufgeschlossen sein muss und die Förderung des Kindes anstreben sollte. Meine Eltern haben immer versucht, alles möglich zu machen, und darüber bin ich sehr froh. Als der Landestrainer auf mich aufmerksam wurde, war der Weg an die Sportschule die nächste Konsequenz. Auch das ist ein wichtiger Baustein – dann ist die Verbindung zwischen Sport und Schule optimal. Wieso hast du dich dafür entschieden, BERLIN HAT TALENT zu unterstützen? Ich hatte durch andere Sportler von eurem Projekt gehört und wusste deshalb schon Bescheid, als ihr mich angesprochen habt. Einerseits ist es natürlich so, dass ich mit der Zeit in die Vorbildrolle reingerutscht bin. Zudem bin ich der Meinung, dass Sport – egal auf welchem Niveau – immer wichtig ist. Das beginnt in jungen Jahren, wenn Spaß und Freizeitsport im Vordergrund stehen. Wenn die Talentiaden dazu motivieren können, ist das super. Später wird man sehen, wer sich

Karl Schulze, Ruder-Olympiasieger 2016 im Doppelvierer, unterstützt BERLIN HAT TALENT Foto: Engler wie weiter entwickelt und vielleicht in den Hochleistungssport übergeht. Welche Chance siehst du in dem Projekt für die Kinder? Kinder können – abgesehen von der Bewegung – Dinge lernen, die sie auch im Alltag benötigen, z.B. Konzentration, Teamgeist und Durchsetzungsvermögen. Ich selbst spüre immer wieder, wie mir diese Schlüsselqualifikationen im Leben neben dem Sport helfen. Aber in meinen Augen ist der Spaß im sozialen Gefüge zunächst das Wichtigste. Das Gespräch führte Franziska Staupendahl.

Hochschulzertifikat Bewegungspädagoge (FH) bzw. Bewegungs- / Talentcoach (FH) Die Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst (H:G) führt deshalb mit dem LSB Berlin und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ab September 2017 für Trainer, Lehrer, Übungsleiter und (Sport-)Referendare als Aus- / Weiterbildung das Hochschulzertifikat Bewegungspädagoge (FH) bzw. Bewegungs- / Talentcoach (FH) durch. Zu den hochrangigen Dozenten gehören Wissenschaftler, wie DOSB-Olympiaarzt Prof. Dr. Bernd Wolfarth (Leiter der Abteilung Sportmedizin der Charité) als auch renommierte Vertreter der Sportpraxis, wie Sven Felski (Vorstandsvorsitzender Eisbären Juniors e.V.). Das Zertifikat richtet sich speziell (aber nicht nur) an jene Trainer und Übungsleiter, die bereits für ͣĞƌůŝŶ hat dĂůĞŶƚ͞ aktiv sind bzw. künftig dafür tätig sein wollen. Anmeldungen bis 01. 08. 2017 schriftlich an: Frank Schlizio, LSB-Abteilungsleiter Leistungssport: Mail: [email protected] Elias Pflaumbaum, Leiter H:G-Studierendenkanzlei: Mail: [email protected] Näheres siehe Flyer auf: www.trainer-offensive.de

Ausgangsdatei©mucft - fotolia.com, Foto©Engler/LSB

Der Berliner Senat und der LSB Berlin wollen mit ͣĞƌůŝŶ hat dĂůĞŶƚ͞ das Bewegungsverhalten von Heranwachsenden erkennen und fördern. Dazu wurde seit 2011 jährlich in mehreren Bezirken mit inzwischen über 20.000 Schülerinnen und Schülern der 3. Klassen der Deutsche Motorik-Test durchgeführt. Ziel ist, die Qualität des Sportunterrichts nachhaltig zu verbessern, Freude an der Bewegung zu vermitteln und so stabile Grundlagen für eine gute gesundheitliche Entwicklung aller unserer Heranwachsenden zu schaffen. Dabei erhalten auch jene Schülerinnen und Schüler mit einer gewissen motorischen Begabung in Talentsichtungsgruppen, und jene mit einigen motorischen Schwächen in Bewegungsfördergruppen eine spezifische Förderung. Dafür sind Sportlehrer, Trainer, Übungsleiter u.a. so weiter zu bilden, dass sie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse z.B. über den Zusammenhang von Motorik und Kognition, das emotionale Lernen, das psycho-soziale Handeln und die Belastbarkeit im Kontext der körperlichen Entwicklung anwendungsbereit beherrschen.

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sport in berlin

Motivation durch Identifikation Handball-Füchse haben ein einzigartiges Nachwuchskonzept umgesetzt „Sport in Berlin” sprach mit Manager Bob Hanning Die Füchse Berlin haben 2016/2017 eine starke Saison gespielt. Anfang September gewannen die Männer die Klub-WM gegen das millionenschwere Starensemble von Paris St. Germain. Später standen sie im Finale des EHF-Pokals und wurden Meisterschafts-Vierter. „Das ist respektabel und damit dürfen wir als Verein zufrieden sein, auch wenn vielleicht sogar noch mehr möglich war“, sagt Manager Bob

Lautstark, resolut und kräftig setzt sich Bob Hanning für den Handball in Berlin ein. Foto: Engler Hanning. Für den seit 2005 in Berlin beheimateten gebürtigen Essener ist ein zweites Anliegen genauso von Bedeutung wie die Männer-Erfolge: die Nachwuchsförderung. Herr Hanning, die Füchse sind laut Handball-Bundesliga „das führende Nachwuchsleistungszentrum in Deutschland“. Ihr Ansatz, die Förderung des Nachwuchses sei ebenso wichtig wie Profi-Titel, ist im Spitzensport durchaus nicht Standard. Wo kommt er bei Ihnen her? Ich bin schon mein Leben lang Jugendtrainer. Das war und ist das, was mir am meisten Spaß macht, worin ich meine Leidenschaft, meine Kreativität, meine Ideen investiere. Es war immer mein fester Vorsatz, meine diesbezüglichen Gedanken energisch umzusetzen, wenn ich jemals in eine Position komme, die das ermöglicht.

SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

Und in Berlin ist das der Fall? Genau. Das Gute ist, dass ich hier nicht wie Don Quichote gegen die Windmühlenflügel kämpfen muss, sondern dass alle im Verein und viele Kooperationspartner darüber hinaus die gleichen Intentionen haben und das Projekt vorantreiben. Meine Idee und Präambel dabei sind immer, dass wir nicht für eine GmbH antreten, sondern für einen Verein und dessen Werte. Mit Leidenschaft, innerem Bezug und einer bestimmten Philosophie. Die wie lautet? Es sind drei Worte, die aber eine komplexe Haltung in Sport, Beruf, im Sozialen und allen anderen Gesellschaftsfeldern darüber hinaus ausmachen: Motivation durch Identifikation. Ist Berlin für Sie idealer Standort zur Entwicklung junger Sportlerpersönlichkeiten? Das würde ich sofort bejahen. Berlin ist eine herausragende Stadt, mit herausragenden Rahmenbedingungen. Davon profitieren wir als Füchse enorm. Die Kooperation mit anderen Partnern wie Landessportbund, Olympiastützpunkt, Eliteschulen, Handball-Landesund nationalem Spitzenverband hat ein einmaliges gesellschaftliches Projekt ermöglicht. Da spielen, so meine Erfahrung, Egoismen keine Rolle. Sondern jeder fühlt sich für den anderen verantwortlich. Gerade sind die Füchse-B-Jugend Deutscher Meister, die A-Jugend Vize geworden. Neun deutsche Nachwuchs-Titel sind eine stolze Bilanz. Außerdem wurden bereits mehr als zwei Dutzend Talente ausgebildet, die in der 1. und 2. Bundesliga spielen. Befürchten Sie nicht, die Arbeit für andere – direkte Konkurrenten – zu machen? Vielleicht klingt es pathetisch, aber es war ja auch in den Trainerdiskussionen um die Posten in Verein und Auswahl erkennbar, dass die Füchse durchaus eine Verantwortung für den deutschen Handball insgesamt empfinden und diese wahrzunehmen gedenken. Was sind die Füchse für Sie? Kein normaler Verein, schon gar kein Arbeitgeber. Das ist meine Familie. Ich kann mal einzelne andere Auffassungen haben als andere, aber Basis ist das Grundvertrauen, dass

Rund 8,5 Millionen für den deutschen Leistungssport – Lotterie „Die SiegerChance” feiert erfolgreiches Premierenjahr: DOSB-Präsident Alfons Hörmann, Sophie Scheder, Olympiadritte am Stufenbarren in Rio, Rennrodel-Olympiasieger Felix Loch und Friederike Sturm (v.l.) von LOTTO Bayern präsentierten die Bilanz im Haus des Sports beim LSB Berlin. Die Zusatzlotterie der Glücksspirale wurde im Juli 2016 eingeführt. Die Erträge fließen in Projekte des Leistungssports. Foto: DOSB/picture-alliance

Die Sportschule im Olympiapark/Poelchau-Schule ist „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”. Der Titel wurde von der Aktion Courage verliehen. Mit dabei waren IOC-Präsident Thomas Bach, LSB-Präsident Klaus Böger und die syrische Schwimmerin Yusra Mardini, die Schülerin der Schule ist. Foto: Wille

ich in die Menschen habe, mit denen ich zusammenarbeite. Wollen Sie nicht auch mal Champions League-Sieger werden? Natürlich, wer will das nicht? Aber ich würde mich nicht dafür aufgeben und meine Seele verkaufen. Mit den Profis so erfolgreich sein wollen wie möglich, ist selbstverständlich und wir haben bereits eine Menge geschafft. Ich vergleiche das mal mit den Fußballern vom SC Freiburg. Die hätten bestimmt auch gerne einen Pokal im Schrank. Aber wenn die Umstände dafür nicht gegeben sind … ? Die haben eine Linie, eine Leitkultur und Grundhaltung, bei der sie bleiben. Wie wir. Die Nachwuchsförderung zumachen und stattdessen lieber teure Stars einkaufen, das wird es bei uns nicht geben. Das Interview führte Klaus Weise

Dabei sein ist einfach. Wenn man als Sportler auf das Engagement der Berliner Sparkasse vertrauen kann.

berliner-sparkasse.de/gut

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sportpolitik / sport in berlin

Reform mit Kettenreaktion Neustrukturierung des Leistungssports und der Spitzensportförderung in Deutschland – aktueller Stand Von Bianka Schreiber-Rietig Seit einem halben Jahr versuchen nun der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und seine Mitgliedsverbände das Konzept für die „Neustrukturierung des Leistungssports und der Spitzensportförderung“ umzusetzen. Das Reformpapier, das vom DOSB in Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenministerium (BMI) in diversen Arbeitsgruppen über zwei Jahre lang konzipierte wurde, ist bei der DOSB-Mitgliederversammlung am 3. Dezember 2016 mit einer Mehrheit von 98,6 Prozent in Magdeburg verabschiedet worden. Dass im deutschen Spitzensport etwas passieren muss, darüber waren sich alle einig. Spätestens nach den Spielen in Lon-

PotAS-Kommission Unter der Führung des Vorsitzenden Prof. Bernd Strauß hat die fünfköpfige Kommission im Mai ihre Arbeit aufgenommen. Der DOSB benannte Britta Heidemann, Mitglied der IOC-Athletenkommission, sowie Reinhard Wendt, früherer Sportchef der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Das BMI besetzte seine beiden Plätze mit Prof. Urs Granacher (Uni Potsdam) und Mirjam Rebel (Bundesinstitut für Sportwissenschaft). Die PotAS-Kommission soll die Grundlagen für Berechnungen durch das Potenzial-Analyse-System (PotAS) legen.

don und Sotschi, wo Medaillenausbeute und Platzierungen auch nicht so ausfielen wie vorgegeben und gewünscht, sahen Sport- und Politikverantwortliche dringenden Handlungsbedarf. Der Begriff Spitzensportreform wurde zum Schlagwort der letzten Zeit, das die Betroffenen und Beteiligten – Athleten, Trainer und Verbände – nicht nur in Begeisterung versetzte. Seit der Verabschiedung versuchen nun alle Beteiligten den Spagat zwischen aktuellem operativem Geschäft in einem olympischen

SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

Zyklus und der Implementierung des neuen Konzepts auf die Reihe zu kriegen. Es soll ja ab 1. Januar 2019 umgesetzt sein. Mit dem ambitionierten Zeit- und Ablaufplan, den sich die Macher vorgenommen haben, ist man etwas in Verzug geraten. Denn: Die PotAS-Kommission, die mit ihren Empfehlungen der Dreh- und Angelpunkt für die Zukunft der Verbände sein soll, fing offiziell erst am 8. Mai, als sie in Berlin von Minister Thomas de Maizière endgültig berufen wurde, an zu arbeiten. Nun ist man dabei, sich in Münster, wo der Vorsitzende Bernd Strauß als Universitätsprofessor lehrt, die Geschäftsstelle einzurichten und geeignetes Personal zu finden. Denn das muss sowohl sportwissenschaftlich wie auch IT-mäßig in der Lage sein, der Kommission zuzuarbeiten. Die PotAS-Kommission überarbeitet nun gerade die Attributs-Liste, nach der dann die Verbände bzw. Sportarten/Disziplinen in eines von drei Clustern eingestuft werden. Zur Erinnerung: Es gibt ein Exzellenzcluster. Das bedeutet Optimalförderung für diejenigen mit Medaillenpotenzial. Im Potenzialcluster gibt es die Möglichkeit, Athleten individuell zu fördern oder Mittel für Nachwuchsmaßnahmen und Strukturverbesserungen zu bekommen. Im dritten Cluster landen Sportarten/Diziplinen, die null oder minimale Erfolgsaussichten haben. Sie sollen eine Art Basisförderung bekommen. Diese Cluster-Einteilung der PotAS-Kommission ist Grundlage für die Förderung der Verbände, über die dann BMI, DOSB und Länder entscheiden werden. Während sich das PotAS-Gremium nun erst mal warmgelaufen hat, finden schon seit längerem Verbandsgespräche statt. Dort werden inhaltliche und strukturelle Aufgaben und Prozesse definiert und der dafür nötige finanzielle Bedarf errechnet. Diese Vorlage dient für die Mittelanforderung beim BMI. Nun stehen DOSB und Verbände allerdings vor einem Problem: Das Reformpapier sieht zum Beispiel eine Zentralisierung der Kräfte und Trainingsstätten vor. Was in der Praxis heißt, dass es weniger Bundesstützpunkte geben soll. 204 sind im Konzept aufgeführt (ohne Behindertensport), davon sollen min-

destens 20 Prozent gestrichen werden. Viele dieser Stützpunkte finanziert nicht nur der Bund, sondern auch Länder und Kommunen. Daher gilt es nun alle Beteiligten zu überzeugen, warum ein Stützpunkt bleiben oder geschlossen werden soll. Aber auch, warum man trotzdem weiter föderales Geld braucht: Denn eine Schließung setzt eine Art Kettenreaktion in Gang, und es folgt ein weiterer Rattenschwanz von Problemen. Was geschieht mit dem Personal in der Verwaltung, den Trainer/-innen? Gibt es andere Stellen, wohin man sie umsetzen kann? Wo sollen Athleten trainieren? Wie soll das organisiert werden? Ein weiteres Problem, dem sich die Verbände nun stellen müssen, ist das Reduzieren der Kader: 4463 Athlet/-innen wurden gemeldet – 1000 weniger müssen es werden. Großbaustellen gibt es auch im Bezug auf Nachwuchskonzepte, Förderung und Absicherung von Athlet/-innen und Trainer/-innen oder die Optimierung und den Ausbau des wissenschaftlichen Verbundsystems. Und natürlich ist auch die Finanzierung ein Thema: Das BMI und die Länder, die sehr unterschiedlich agieren, waren sich mit dem DOSB bei der Reform-Entstehung einig, dass es erst mehr finanzielle Mittel gibt, wenn die Reformvorgaben umgesetzt sind. Manche Verbände und auch der DOSB stehen aber auf dem Standpunkt, dass sie mehr Geld brauchen, um überhaupt auf Reform-Touren zu kommen. Und um diese dann auch umsetzen zu können.

Schützenverband Berlin-Brandenburg Geschäftsführer/in gesucht Der/die Geschäftsführer/in ist verantwortlich für die Verbandsgeschäfte und die Organisation der Geschäftsstelle. Dabei koordiniert er/sie seine/ihre Aufgaben eng mit dem geschäftsführenden Präsidium/Gesamtvorstand. Senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen bitte bis 31.08.2017 per Post an: Schützenverband BerlinBrandenburg e.V., Geschäftsstelle z. Hd. des Präsidenten - persönlich/vertraulich Regattastr. 217 (Haus-West), 12527 Berlin Telefon 335135, E-Mail: [email protected]

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aktuelle nachrichten aus dem kinder- und jugendsport juli/august 2017

Weichen neu gestellt Steffen Sambill ist neuer Vorsitzender der Sportjugend Berlin In einer denkbar knappen Wahl bestimmten die 85 Delegierten der außerordentlichen Vollversammlung der Sportjugend Berlin am 08.05.2017 Steffen Sambill zum neuen Vorsitzenden. Sambill bedankte sich für das Vertrauen und versprach, sofort mit der Arbeit an den wichtigen Themen der Sportjugend zu beginnen. Diese hatte er den anwesenden Delegierten in seiner Vorstellung vor dem Wahlgang präsentiert. Neben der Stärkung des Kinderschutzes und der Kinderrechte sind für ihn die Vernetzung der Akteure des Sports in der Kooperati-

on mit Schule sowie die Stärkung des Ehrenamts von besonderer Bedeutung. Die Wahl war erforderlich geworden, nachdem im Herbst 2016 der damalige Vorsitzende der Sportjugend Berlin, Tobias Dollase zum Bezirksjugendstadtrat in Reinickendorf gewählt worden war. Den kommissarischen Vorsitz hatte seitdem Ralph Rose. Nunmehr haben die Delegierten der Sportjugend Berlin die Weichen neu gestellt – mit einem neuen, in der Vorstandsarbeit erfahrenen Vorsitzenden: Steffen Sambill ist seit 2009 Mitglied im Vorstand der Sportjugend

Berlin und leitete hier sowohl den Fachausschuss Bildung sowie den Fachausschuss für Freiwilliges Engagement und Basiskontakte.

Steffen Sambill ist seit Mai Vorsitzender der SJB. Foto: Engler

jugend.macht.sport! dsj-Jugendevent beim Internationalen Deutschen Turnfest Im Rahmen des Internationalen Deutschen Turnfestes öffneten auch die Jugendorganisationen im Sport eine Woche lang ein großes Schaufenster mit Sportangeboten, Mitmachaktionen und Dialogforen. Das Jugendevent der Deutschen Sportjugend (dsj) betonte die einzigartige Verbindung zwischen Jugend, Sport, Kultur, Engagement, Wissen und Werten. Zum ersten Mal fand das dsj-jugendevent– jugend.macht.sport! in Kooperation mit der

Deutschen Turnerjugend (DTJ) während des Internationalen Deutschen Turnfestes statt. Hier stellten sich die beiden Dachorganisationen (dsj und DTJ) mit ihren Mitgliedsorganisationen vor. Ein Programmpunkt war die Junior-TeamChallenge. 20 Junior-Teams aus verschiedenen Bundesländern traten in neun unterschiedlichen Disziplinen gegeneinander an. Im Boule, Fechten, Sitzvolleyball, Schätzen, Basketball, Handball, Spikeball, Badminton

und Leichtathletik wurde die beste Mannschaft gesucht. Das Rennen machte am Ende die Deutsche Handball-Jugend. Das Berliner Team, bestehend aus sechs FSJlern/-innen, belegte einen guten Mittelfeldplatz. Beim gemeinsamen Get-together am Abend bestand die Möglichkeit des Kennenlernens und Austauschs mit Teilnehmenden anderer Bundesländer.

Die Junior-Teams traten u.a. im Fechten gegeneinander an.

20 Mannschaften waren bei der Junior-TeamChallenge dabei. Foto: SJB

SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

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sportjugend berlin

Kooperation besiegelt BZgA, GSJ und Sportjugend arbeiten zukünftig eng zusammen Im Rahmen des Internationalen Deutschen Turnfestes unterzeichneten Vertreter/-innen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), GSJ und Sportjugend sowie der Agentur transfer e.V. einen Kooperationsvertrag zur Durchführung der Aktion GUT DRAUF. Ziel ist es, die Gesundheitsförderung bei GSJ und Sportjugend Berlin zu stärken. Vor der Unterzeichnung informierte sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe am Messestand der BZgA über das Programm GUT DRAUF. Es unterstützt Angebote für Jugendliche im Alter von 6-18 Jahren, einen ganzheitlichen Ansatz für die Themen Ernährung, Bewegung und Stressregulation zu entwickeln. Sie bieten Jugendlichen die Möglichkeit, gesundheitsgerechte Verhaltensweisen in ihren Alltag zu integrieren. In der nun geschlossenen Kooperations-

vereinbarung wird zwischen den Partnern eine umfangreiche Zusammenarbeit vereinbart: Die BZgA bietet mit ihrer GUT DRAUFAktion ein gesundheitsbezogenens Qualifizierungs- und Zertifizierungsverfahren an. Es umfasst Schulungen von Mitarbeiter/-innen, verschiedene Angebote zur Gesundheitsförderung sowie fachbezogene Beratung und Begleitung im Qualitätsentwicklungsprozess. Zielgruppe sind Mitarbeiter/-innen in Jugendfreizeiteinrichtungen sowie der Jugendreisen, so dass mittelfristig möglichst viele Angebote und Einrichtungen zertifiziert werden können. Bereits seit 2006 werden bei der Sportjugend Berlin Sportjugendreisen mit GUT DRAUF-Label realisiert. Inzwischen haben in zahlreichen GUT DRAUF-Seminaren rund 120 ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen aus dem Reisebereich Schulungen erhalten und

Seminare und Lehrgänge der Bildungsstätte der Sportjugend Berlin 2017 Fortbildungen finden Sie unter www.sportjugend-berlin.de oder mit dem QR Code.

F-22 WEGE ZUM HIP HOP – TANZCHO REOGRAFIEN FÜR DEN EINSATZ IM KINDER- UND JUGENDBEREICH Referentin: Marnie Mayer-Lippok Teilnahmebeitrag: 25 Euro Zielgruppe: Pädagogische Mitarbeiter/-innen aus Sportvereinen, Grund- und Oberschulen sowie der offenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Termin: 23.9.2017, je 10 bis 17 Uhr

JULI/AUGUST 2017 F-20 ERLEBNISSPIELE UND RALLYES FÜR ALLE – ZUM AUSPROBIEREN UND VERÄNDERN Referent/-in: Sabina Horn, Ronald Friedemann Teilnahmebeitrag: 50 Euro Zielgruppe: Pädagogische Mitarbeiter/-innen aus Sportvereinen, Grund- und Oberschulen sowie der offenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Termine: 24./25.8.2017, je 9 Uhr bis 16 Uhr

A-01 SPORTASSISTENTENAUSBILDUNG FÜR JUGENDLICHE IM ALTER VON 14 BIS 17 JAHREN www.sportjugend-berlin.de, siehe Bildungsstätte/Ausbildung-A 01

SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

verfügen über ein Zertifikat der BZgA. Auch die GSJ bietet seit einigen Jahren GUT DRAUF gelabelte Veranstaltungen an – z.B. eine Kanutour des SJC Wildwuchs oder das Sommerferienangebot des SJZ Lychi im Rahmen von „Mein bewegter Sommer in Berlin“.

Vertreter/-innen der BZgA, GSJ und Sportjugend unterzeichneten im Juni den Kooperationsvertrag. Foto: GSJ

A-06 AUFBAULEHRGANG DOSB-LIZENZ ÜL- C IM BREITENSPORT FÜR KINDER UND JUGENDLICHE www.sportjugend-berlin.de, siehe Bildungsstätte/Ausbildung-A 06 Nur noch wenige Plätze vorhanden! Seminarinformationen/Anmeldungen: www.sportjugend-berlin.de, siehe Bildungsstätte Rückfragen: Bildungsstätte der Sportjugend, Hanns-BraunStr., Haus 27, 14053 Berlin Tel.: 030/3000 71-3 Fax: 030/3000 71 59

sportjugend berlin

„Zur Situation von Sinti und Roma” Neue Vortragsreihe von GSJ und SJB gestartet Rund 30 Interessierte hörten im SportJugendBildugszentrum Lücke den Vortrag von Prof. Dr. Albert Scherr. Er referierte zum Thema „Zur Situation von Sinti und Roma – Was kann Soziale Arbeit leisten? Chancen und Grenzen der Arbeit“. Deutlich wurde insbesondere eines: Weder bei den Sinti noch den Roma handelt es sich um einheitliche Bevölkerungsgruppen. Vielmehr sind sie sprachlich und kulturell stark geprägt von ihren Herkunftsländern. Alle haben aber eine merkliche Diskriminierungserfahrung – sowohl in den Herkunftsländern als auch in Deutschland.

Referent Prof. Dr. Albert Scherr.

Etwa 30 Zuhörer/innen interessierten sich für die „Situation von Sinti und Roma”. Fotos: Jon A. Juarez Garcia Das macht es zu einer Herausforderung für Soziale Arbeit, die Zielgruppe zu erreichen und das notwendige Vertrauen aufzubauen. Erfahrungen zeigen, dass Mitglieder der Zielgruppe Personen von außen oftmals misstrauen und als verlängerten Arm der Staatsmacht betrachten. Interessant war der Blick auf Bildungsbiografien: In Interviews hatte eine Forschungsgruppe um Scherr gezeigt, dass es durchaus Sinti und Roma gibt, die in akademischen Berufen arbeiten oder an herausgehobenen Stellen in der Gesellschaft stehen. Viele von ihnen vermeiden es allerdings aus Angst vor Diskriminierung, ihre Zugehörigkeit offenzulegen. So entfällt die Chance, zu

einem Rollenmodell für andere zu werden, die durch ein traditionelles Familienbild und negative Eigenwahrnehmungen beeinflusst sind. Scherrs Rat für die Soziale Arbeit: Mit unterschiedlichen Methoden Vertrauen zur Zielgruppe aufbauen und nicht darauf bestehen, die eigene Identität offenlegen zu müssen. Sport kann einen Zugang schaffen und Gemeinsamkeiten auch jenseits von Sprache und Identität deutlich machen. Der Abend im SJBZ Lücke war der Auftakt einer Vortragsreihe, in der GSJ und Sportjugend Praktiker/-innen aus der Sozialen Arbeit wissenschaftliche Erkenntnisse vorstellen und zur Diskussion stellen wollen.

Kurz notiert Vollversammlung der Sportjugend Berlin 2017 Die diesjährige, reguläre Vollversammlung der Sportjugend Berlin findet am Freitag, dem 20. Oktober 2017, um 19 Uhr im Haus des Sports in der Jesse-Owens-Allee 2 statt. Die offizielle Einladung erfolgt im Spätsommer. Ehrungen der Sportjugend Berlin: Jetzt noch Vorschläge einreichen! Bis zum 31. August 2017 nimmt die Sportjugend Vorschläge zur Ehrung freiwilligen Engagements mit dem/-r „Jungen Ehrenamtlichen des Jahres“ und der „SportjugendGratia“ in Bronze, Silber und Gold entgegen. Kriterien für die Ehrungen sowie das Antragsformular zum Herunterladen finden sich auf der Internetseite www.sportjugend-berlin.de unter: Angebote/Ehrenamt Aktiv/Anerkennungskultur. Am 10. oder 17. November 2017, 19 Uhr findet die Ehrung im Haus des Sports statt. Die zu Ehrenden erhalten eine gesonderte Einladung. Inklusiver Rollstuhl- und Blindenparcours der SJB bei “jugend.macht.sport!” Beim Internationalen Deutschen Turnfest war auch die Sportjugend Berlin (SJB) dabei. Sie war im Zeichen der Inklusion mit einem Rollstuhl- und Blindenparcours zum Mitmachen vertreten. So konnten junge und alte Sportler/-innen den Parcours im Rollstuhl ausprobieren. Durch Brillen und Hörschütze wurden eingeschränkte Sinneswahrnehmungen simuliert, um so einen Einblick in den Alltag von betroffenen Personen zu geben. Das Angebot wurde sehr gut angenommen und sorgte für interessante Gespräche am Mitmachstand der Sportjugend Berlin im Olympiapark. Foto: Fabian Griebsch

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sport in berlin

Neue Haftpflicht-Schadenanzeige Von Philipp Schneckmann Gemeinsam mit der Feuersozietät Berlin Brandenburg hat die defendo Assekuranzmakler GmbH neue Schadenanzeigen für die Regulierung von Haftpflichtschäden im Sport entwickelt. In § 823 des BGB heißt es: Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zu Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet. Voraussetzung für eine Schadenregulierung ist, dass der Geschädigte berechtigte Ansprüche stellt. Bitte geben Sie daher gegenüber dem Geschädigten kein Schuldanerkenntnis ab, da dies den Versicherungsschutz gefährden kann! Die Haftpflichtversicherung dient dann zur Befriedigung berechtigter, aber auch zur Abwehr unberechtigter Ansprüche. Füllen Sie daher die Schadenanzeige korrekt und wahrheitsgemäß aus. Die neue Schadenanzeige ist etwas umfangreicher als die bisherigen Exemplare.

Sie soll dadurch die vielen Nachfragen des Versicherers minimieren und für eine schnellere Regulierung im Schadenfall beitragen. Sie finden die Schadenanzeigen auf der Homepage unseres Versicherungsmaklers unter www.defendo-makler.de oder auf der Homepage des Landessportbundes www.lsb-berlin.de Außerdem möchten wir noch einmal auf die Subsidiaritätsklausel im LSB-Sportversicherungsvertrag hinweisen. Damit der Sport-Haftpflichtvertrag für die Vereine und Verbände auch in Zukunft bezahlbar bleibt, geht anderweitiger Versicherungsschutz auf jeden Fall vor. Kennen wir den Schädiger, dann sollte dieser den verursachten Schaden auch über seine Privathaftpflicht, Tierhalterhaftpflicht, Bootshaftpflicht oder ähnliches begleichen. Verwehrt der Versicherer des Schädigers dann den Schutz, so kann immer noch die Sporthaftpflichtschadenanzeige herangezogen werden. Also auch bei der Regulierung von Haftpflichtschäden den FAIR-PLAY-Gedanken nicht vergessen.

24. 9. 2017: Bundestagswahl, BerlinMarathon, Volksentscheid Tegel Wer möchte Wahlhelfer sein? Am 24. September finden die Bundestagswahl, der Berlin-Marathon und der Volksentscheid über den Weiterbetrieb des Flughafens Berlin-Tegel „Otto-Lilienthal“ statt – drei bedeutende Ereignisse, die die Organisatoren vor große Herausforderungen stellen. „Sport in Berlin” sprach mit Landeswahlleiterin Dr. Petra Michaelis: Welche Probleme sind zu lö-

Dr. Petra Michaelis

sen?

Es mussten geeignete Wahllokale gefunden werden, die trotz der Streckensperrungen gut für die Wähler erreichbar sind. Außerdem wurden Querungen der Marathon-Strecke vereinbart, die derzeit geplant und organisiert werden. Wie erfahren die Wahlberechtigten davon? Die Wahlberechtigten, deren Wahllokal an der Marathon-Strecke liegt, werden mit der Wahlbenachrichtigung auf die Einschränkungen und die erschwerte Erreichbarkeit ihres Wahllokals hingewiesen. Sie erhalten detaillierte Informationen, um ihre Stimme reibungslos abgeben zu können.

Vereinsseminar 26./27. September 2017 beim LSB Berlin Das Seminar zum Vereins(Steuer)Recht hat den Titel Gemeinnützigkeit – Steuern – Recht im Verein/Herausforderung für (ehrenamtliche) Vereinsvorstände 2017/2018. Referent ist Steuerberater und Vereinsexperte Ulrich Goetze. Beginn jeweils 18 Uhr, Ende 21 Uhr. Veranstalter ist der Vereins- und Verbands-Service aus Frankfurt in Kooperation mit dem LSB. Themen: Spenden und Sponsoring, Abteilungen und Zuständigkeiten inkl. Haftungsfragen, Beschäftigungs- und Vergütungspraxis und die Durchführung von sportlichen Veranstaltungen; Betriebsprüfungen durch Finanzämter und die Deutsche Rentenversicherung. Weitere Infos und Anmeldung zum Seminar: www.vvs-frankfurt.de

Der Marathon bringt viele Berliner auf die Beine. Vielleicht steigert das sogar noch die Wahlbeteiligung? Das hoffen wir auch. Die Organisation des Marathons und der Bundestagswahl sind ohne freiwillige Helfer undenkbar. Wie viele werden benötigt? In diesem Jahr stehen viele Wahlhelfer nicht zur Verfügung, da sie beim Marathon mitlaufen oder als Helfer an der Strecke mitarbeiten. Deshalb müssen wir besondere Anstrengungen unternehmen, um die insgesamt 21.000 benötigten Wahlhelfer zu bekommen.

Vereinsrecht u.a. • Gründung • Satzung • Beiträge • Mitgliederrechte • Wahlen • Vereinsausschluss • Vorstandshaftung • Erbschaften

Internet- und IT-Recht u.a. • Ärger im Internet • Filesharing • Telefonanbieter • Domains • Verbraucherrechte • Abmahnung • Datenschutz • Internetstrafrecht

Vertragsrecht u.a. • Vertragskonflikte • Privatverträge • gewerbliche Verträge

Welche Aufgaben haben die Wahlhelfer? Die Helfer beschildern die Wahllokale, stellen

Fachanwalt . Mediator

Wahlkabinen und Wahlurnen auf, prüfen, ob die Bürger ins richtige Wahllokal gekommen sind,

Friedrichstraße 61 10117 Berlin Tel 030 . 2260 5000 www.kanzlei-kohlmeier.de

geben Stimmzettel aus und ermitteln das Wahl-

Rechtsanwalt Fachanwalt für IT-Recht [email protected]

1779 Wahllokale und 660 Briefwahllokale.

(außergerichtliche und gerichtliche Beratung und Vertretung)

Mediator mediatio[email protected]

ergebnis. Wie viele Wahllokale gibt es in Berlin? Wo können sich Bürger melden, die Wahlhelfer sein möchten? Online auf www.wahlen-berlin.de oder per Telefon 030 9021 2121.

(schnelle, zukunftsorientierte Konfliktlösungen ohne Gericht)

SPORT IN BERLIN Juli/August 2017

vereinsprojekt des monats

Kreativ, impulsiv, explosiv, innovativ Vereinsprojekt des Monats: Bei der Kampfsport Vereinigung Berlin e.V. boomt der Trendsport Tricking Von Klaus Weise Tricking ist eine in den 90er Jahren in den USA entstandene junge Sportart, die mittlerweile weltweit expandiert und eine Mischung aus Gymnastik, Akrobatik, Breakdance, Bodenturnen und verschiedenen Kampfsportelementen ist. Tricking spricht jedermann und -frau an. Egal ob groß oder klein, dick oder dünn, stark oder schwach. Es geht ums Verständnis von Bewegung und darum, das Potenzial seines Körpers kennen-

Eindrucksvolle Trainingssprünge auf dem Airtrack – das besondere Glücksgefühl des Trickers. Foto: Weise zulernen. Zu den Übungen, die man sich individuell nach eigenem Gusto, eigener Ambition und Können mit Kreativität aufbauen kann, gehören Kicks (Fußtritte), Flips (Saltos) und Twists (Schrauben) in allen erdenklichen Variationen. Je ausgefallener und schwieriger, je innovativer und perfekter, desto besser. Schritte auf dem Weg zum Ziel sind zunächst die Beherrschung des einzelnen Elements und dann die Kombination aus möglichst vielen – Combos genannt. Diese spezielle Herausforderung übt eine große Faszination vor allem auf junge Menschen aus. Das hat die Kampfsport Vereinigung Berlin e.V. früh erkannt, die amerikanische Anregung aufgenommen und 2008 die Abteilung Martials Arts Tricking (MAT) gebildet, die unter Tricking firmiert. In drei Berliner Hallen (zwei in Wedding und eine im BTB-Turnzentrum am Vorarlberger Damm) wird von Montag bis Freitag

täglich Training für Jugendliche, Anfänger, Fortgeschrittene angeboten, bei dem je zwei bis drei Stunden zur Verfügung stehen. Dazu gibt es Optionen vom fast kostenfreien Probetraining bis zur Vereinsmitgliedschaft mit Monatsbeiträgen, die unbegrenzte Trainingseinheiten (mit Betreuung) einschließt. Kontakt: [email protected] Sebastian Lorenz (29), früherer Rugby-Spieler und von Beruf Wirtschaftsingenieur, ist einer der Männer der ersten Tricking-Stunde im Verein vor rund zehn Jahren. Heute ist er Trainer, quasi ein SelfmadeMan in einem Bereich, wo es seitens der Sportlehrerausbildung noch gar keine Lizenzen gibt. „Durch die lange Zeit, die ich im Tricking aktiv bin, konnte ich mir ein enormes Wissen aneignen, das ich jetzt – praktisch in jeder Einheit – nutzbringend anwenden kann“, sagt er. „Mit nicht mal 20 Leuten haben wir angefangen, heute sind wir 62 Mitglieder. Ein Drittel davon sind Frauen.“ Nachdem die Nachfrage stetig wuchs, ersuchte man den LSB um Hilfe. Tatsächlich fanden sich Lösungen. Einstweilen denkt man im Verein darüber nach, ob es Finanzierungsmöglichkeiten für eine eigene Halle speziell für Tricking geben könnte. Auch bei der Anschaffung des 1800 Euro teuren Airtrack – ein großes Luftkissen, auf dem ohne Verletzungsgefahr Sprünge und anspruchsvolle Techniken trainiert werden können – , stand der LSB über das Vereinsentwicklungsprogramm bereit. „Danach hat sich die Mitgliederzahl verdoppelt“, bestätigt Lorenz. Viele sind Schüler und Studenten, einige wachsen beim Training schnell über den Rahmen des Geübten und des bei den Gatherings (Treffen der Tricker – wer offeriert den besten Move?) Gezeigten

hinaus. „Eine ganze Reihe der Leute, die bei in Babelsberg gedrehten Hollywood-Filmen die Doubles abgeben und spektakuläre Stunts ausüben, haben in ihrer Biographie irgendwo auch einen Tricking-Bezug.“ Tricking sei, sagt Lorenz, als „Beleg für die Lebendigkeit der Sache“, eine „Sportart, die ihre Geschichte noch schreibt und kein abgeschlossenes Thema“ ist. „80 Prozent der Moves, mit denen ich und andere vor zehn Jahren begonnen haben, kann heute jeder Anfänger.“ Die Kurzcharakteristik, Tricking verbinde Bewegungen aus den Kampfkünsten Salti, Schrauben und Tritten zu beeindruckenden Abfolgen, ist zutreffend, könnte aber auch ein falsches Bild ritualisierter Härte und Gewalt vermitteln. Das ist keineswegs der Fall. Denn zum einen gibt es keinen Kampf zwischen Gegnern, zum anderen – so Lorenz – geht es in der Tricker-Gemeinschaft neben der „visuell beeindruckenden Darstellung von Bewegungen mit dem eigenen Körper“ (Wikipedia) vor allem auch um Fairness und die Anerkennung des Anderen. Egal auf welchem Level der agiert, denn natürlich kann nicht jeder alle Moves. Im Training erlebt man so immer wieder Situationen, wo es lauten Beifall für gelungene Sprünge eines Mitstreiters gibt oder untereinander helfend eingegriffen wird. Sebastian Lorenz hat dabei zwar die führende Hand und Stimme, aber auch alle anderen können sich einbringen. Er nennt es „freies Training mit einer supertollen Dynamik“. Der Jüngste ist acht Jahre alt, die ältesten Tricker 45. „Wir sind stolz auf unsere hochmotivierte, freundliche Gemeinschaft. Die Mitglieder besitzen unterschiedliche (sportliche) Herkünfte und lernen so voneinander“, heißt es auf der Homepage www.tricking.berlin. Das macht Tricking immer wieder neu, modern und innovativ. In traditierten Sportarten ist oft alles durch Regeln und Bestimmungen festgezurrt, Tricking ist anders. Es geht vor allem um Kreativität, darum, offen zu sein für neue Einflüsse und Ideen. Der Top-Trainer Michael Guddat hat das mal so beschrieben: „Ein Tricker drückt sich also selbst mit seinem Körper aus und macht nicht einfach nur vorgefertigte Bewegungen nach. Und wenn mal ein Trick nicht klappt und man zum Beispiel mit dem falschen Bein wieder aufkommt, dann kann daraus auch ein neuer Trick entstehen, der einfacher oder schwieriger ist als der andere.“

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medien & öffentlichkeitsarbeit

Tue Gutes und rede darüber DOSB-Tagung der Kommunikationsbeauftragten der Landessportbünde am 18./19. Mai in Berlin Von Angela Baufeld Die Kommunikationschefs der Landessportbünde treffen sich regelmäßig auf Einladung des DOSB zu einem Erfahrungsaustausch. Der LSB Berlin war Gastgeber der jüngsten Tagung, die im A&O Kolumbus stattfand. Das Hotel ist Partner und Sponsor des LSB. Vom Standort Genslerstraße sind es nur wenige Gehminuten zum Sportforum Hohenschönhausen. Tagesordnungspunkt eins war deshalb eine Führung über den – nach dem Olympiapark – zweitgrößten Sportkomplex Berlins. Der Leiter Oleg Krüger konnte aus Zeitgründen nur einen Bruchteil der 45 Hektar großen Anlage mit 35 Sportanlagen zeigen. Er begann den einstündigen Rundgang in der Großen Sporthalle, wo sich seit DDR-Zeiten kaum etwas verändert hat und Bestandsschutz gilt. Nach wie vor finden dort jährlich unzählige Veranstaltungen und Wettkämpfe statt. In der Turner-Halle endete die Besichtigung. Trainer Holger Behrendt, Olympiasieger an den Ringen 1988, demonstrierte mit seinen Schützlingen die technischen Raffinessen der Halle, u. a. die hochfahrbare Matte für das Sprungtraining. Von dem bundesweit bedeutenden Originalschauplatz des Berliner Sports ging es in den Tagungssaal, wo bei 30 Grad anderthalb Tage darüber diskutiert wurde, wie Öffentlichkeitsarbeit für Vereine im Zeitalter von Smartphone, Social Media und wachsender Konkurrenz durch andere Sportanbieter gelingen kann. „Die gelebte Alltagsleistung des Sports deutlich zu machen, ist die Aufgabe der Kommunikation,” sagte LSB-Präsident Klaus Böger zur Begrüßung. „Wer medial nicht existiert, den gibt es nicht. Wir machen ungeheuer viel, aber wir reden zu wenig darüber.” LSB-Direktor Dr. Heiner Brandi sprach über die spezielle Herausforderung in Berlin: „Hier hat es die Öffentlichkeitsarbeit besonders schwer. Viele Redaktionen verstehen sich als Hauptstadt-Berichterstatter für bundesweite Themen. Da bleibt für das Lokale oft weniger Raum.” Ein ähnliches Problem hat auch der DOSB. Nicht alle Presseinformationen, die den gesamtdeutschen Breitensport betreffen, werden automatisch von den Medien berücksichtigt, berichtete

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DOSB-Pressesprecherin Ulrike Spitz. Als Beispiel nannte sie die reformierte Sportanlagenlärmschutzverordnung: „Die SALVO berührt ein elementares Problem im Vereinssport und wird von den Medien weitgehend ignoriert.” Um so bemerkenswerter ist der Erfolg der Kampagne „Das habe ich beim Sport gelernt”, die der LSB Nordrhein-Westfalen 2015 gestartet hat. Originelle Bilder und flotte Sprüche haben bundesweit für Furore gesorgt. Frank-Michael Rall vom LSB NRW, erinnerte daran, dass die Motive kostenfrei zum Download bereitstehen: www.beim-sport-gelernt.de Für die Kampagne wurde extra eine neue Facebook-Seite erstellt: www.facebook.com/beimsportgelernt. Es sei allerdings besser, gaben einige Tagungsteilnehmer zu bedenken, künftig darauf zu verzichten und die Inhalte auf der eigenen LSB-FacebookSeite zu posten. Dann sei auf den ersten Blick klar, wer die Kampagne führt. Die neuen Likes kämen der eigenen Seite zu Gute. Wer den Erfolg der NRW-Kampagne sowie Beiträge mit vielen Gefällt-mir-Angaben auf Social Media Kanälen sieht, stellt fest: Kurze, ansprechende Inhalte haben eine größere Chance, wahrgenommen zu werden. Deshalb ging es bei der Tagung auch um Snack Content. Franz-Josef Baldus von der Agentur koelnkomm sprach über den Fakt: „Maximal zwei bis acht Sekunden: Diese Zeit haben Posts, dann ist die Entscheidung für oder gegen das Anschauen unserer Botschaften gefallen”. Er zeigte, wie mit Smartphone und Schnitt-Apps wie Cute cut pro oder Power director Video-, Foto- und andere Info-Snacks entstehen. Für den Einsatz von Musik empfahl er den Anbieter Epidemic Sound. Snackable Content eignet sich auch für die eigene Homepage, die als wichtigste Visitenkarte des Vereins oder Verbandes dadurch attraktiver wird. Der DOSB geht diesen Weg beim Relaunch seiner Homepage, wie Social-Media-Experte Jens Behler berichtete. Geplant seien mehr Bewegtbilder und interaktive Grafiken und das Nutzen von Synergieeffekten: „Eine Grafik kann für mehrere Online-Kanälen genutzt werden.”

Oleg Krüger (li.) führte die Tagungsteilnehmer zu Beginn über das Sportforum Hohenschönhausen.

Sportliche Abwechslung zum Tagungsprogramm: Rudern bei der RG Wiking. Mit im Boot LRV-Vorsitzender Karsten Finger (li.) Bei der Tagung, die Markus Böcker von der DOSB-Online-Redaktion moderierte, gab es viele weitere praktische Hinweise: Die Homapage sei schon mit einfachen Mitteln ansprechender zu gestalten: Auf www.sportdeutschland.de/piktogramme werden kostenfrei Piktogramme für Sportarten bereitgestellt. Für den Umgang mit Fotos gibt es auf der DOSB-Homepage einen Leitfaden: http://bit.ly/Medien-Tagung Ein Thema war auch E-Sports. Es gebe in Deutschland 34 Millionen Nutzer von Computerspielen, berichtete Ulrike Spitz, aber noch keine äquivalente Organisation zur International E-Sport-Confederation, die IOCMitglied werden will. Während E-Sports bei den Asienspielen 2022 auf dem Programm stehe und wahrscheinlich vom IOC in Kürze als Sportart anerkannt werde, arbeite der DOSB an einer Positionierung. „Die Anerkennung als Sport ist ein gesellschaftliches Prädikat, das nicht der DOSB vergibt”, so Ulrike Spitz. „Das muss aus den Vereinen wachsen.” Für sportliche Abwechslung bei der Tagung sorgte der Landesruderverband mit einem Schnupperkurs bei der RG Wiking. In einem der Boote saß auch LRV-Vorsitzender Karsten Finger, der bei Olympia 1992 Silber im Vierer mit Steuermann gewann. Die Ruderer kennen die Probleme der Öffentlichkeitsarbeit: Sie müssen auch immer in den Medien um Beachtung kämpfen.

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sport und flüchtlinge

Kurze theoretische Einführung für den Kennenlerntag.

Die Teilnehmer hatten viel Spaß und wollen gern ihr Fachwissen als Trainer weitergeben.

Übungsleiterlehrgang für geflüchtete Menschen Über 40 junge Männer und Frauen erwerben an der Gerhard-Schlegel-Sportschule des LSB die DOSB-C-Lizenz im Breitensport Der LSB bietet erneut einen Übungsleiterlehrgang für geflüchtete Menschen an. Von Juli bis September absolvieren über 40 junge Männer und Frauen an der Gerhard-Schlegel-Sportschule die Ausbildung und erwerben zum Abschluss die vom DOSB anerkannte C-Lizenz im sportartübergreifenden Breitensport. Die Teilnehmer werden in zwei Kurse aufgeteilt. Es wird deutsch gesprochen. Bei Bedarf stehen Dolmetscher für Arabisch und Farsi bereit. Die Ausbildung ist eine Initiative des LSB-Projekts „Sportbunt”, das von Sport-Integrations-Coaches umgesetzt wird. Die Coaches haben gemeinsam mit den verantwortlichen Mitarbeitern der Sportschule einen Kennenlerntag für die Bewerber organisiert und über die Inhalte der Ausbildung informiert. Anschließend gab es an mehreren Stationen die Möglichkeit, sich bei Spiel und Sport besser kennenzulernen. Sabrina Hampe, Leiterin des Sportbunt-Projekts, ist von dem Erfolg des Lehrgangs überzeugt: „Die Bewerber sind sehr motiviert.” Es geht bei dem Lehrgang aber um mehr, sagt sie: „Neben dem Lizenzerwerb stehen für die Teilnehmer auch das Erlernen der deutschen Sprache, das Entdecken neuer Sportarten und der Umgang mit Werten wie Fairplay, Respekt und Teamwork im Mittelpunkt.” Außerdem sei es ein Ziel, dass sich die geflüchteten Menschen in die Vereinsarbeit integrieren. Die Ausbildung wird von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport gefördert.

mach mit i

Sport, Spiel und Spaß Foto: istockphoto.com, Imgorthand / Design: haberkern-design.de

Das Mitmachfest für Kinder von 6 bis 12 Jahren

Veranstalter

Freitag, 11.August 2017 von 12 bis 17 Uhr Ernst-Reuter-Sportfeld, Platz 3 Wilskistraße 70 14163 Berlin-Zehlendorf U-Bahnhof Onkel Toms Hütte Fußweg zirka 7 Minuten

Mach mit! Sportfest am 11. August Hinter der Aufforderung „Mach mit!” steht die Einladung für Kinder von sechs bis zwölf Jahren, die in Flüchtlingsunterkünften im Bezirk Steglitz-Zehlendorf leben, am 11. August 2017 an einem Sport- und Spielfest teilzunehmen. Das Angebot richtet sich genauso an alle daheim gebliebenen Kinder aus dem Bezirk und den Nachbarbezirken. Bekannte, aber auch neue Sportarten stellen sich vor und die Kinder sollen und dürfen sich selbst ausprobieren. Ziel des Sportfestes ist es, den Kindern einen abwechslungsreichen und interessanten Nachmittag zu ermöglichen und gemeinsam zur Integration beizutragen. Vorbereitet und veranstaltet wird dieses Sportund Spielfest vom Mittelhof e.V. und dem Projekt „Sportbunt – Vereine leben Vielfalt“ des LSB in enger Zusammenarbeit mit den Vereinen TSV Zehlendorf von 1888, Berliner Hockey Club und Berliner Rugby-Club. Unterstützt werden die Organisatoren von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales sowie der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Als Sponsoren konnten der Berlin-AmericanClub, der German-American Club of Berlin und Biolüske gewonnen werden.

Freundliche Unterstützung von

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sport in berlin

Segeln für den Normalbürger Weshalb sich vor 100 Jahren die Segel-Vereinigung Unter-Havel gründete Von Hansjürgen Wille SVUH – vier Buchstaben, längst ein Begriff im Berliner Segelsport. Dabei handelt es sich um die an der Scharfen Lanke 133 beheimatete und gegenüber von Schildhorn liegende Segel-Vereinigung UnterHavel. Aus Anlass ihres 100-jährigen Beste-

Vereinsvorsitzender Gerhard Hilberger an der Scharfen Lanke. Foto: Wille hens gab es vor kurzem einen großen Empfang, wo sie u. a. die Goldene Sportplakette des Bundespräsidenten erhielt. „Zur Zeit der Gründung unseres Klubs war das Segeln ein reiner Sport für Wohlhabende. Wettkampfboote waren für einen Normalverdiener nicht erschwinglich. So kam es dazu, dass man auch einfache Jollen baute“, berichtete der jetzige SVUH-Vorsitzende Gerhard Hilberger über die Anfänge jener Bootsklasse, die heute nicht mehr von den Gewässern wegzudenken ist. Bald benötigte man entsprechende Regeln, schuf eine Berliner Wettfahrvereinigung, was zur Folge hatte, dass sich Regionalvereine in den Revieren Müggelsee, Grünau, Havel, Tegel etablierten. Die Segler-Vereinigung Unter-Havel ist eine am 26. Mai 1928 zustande gekommene Fusion. Ihre damaligen Mitglieder rekrutierten sich aus dem am 1. Januar 1917 gegründeten Kleinsegler-Verein Havel (KVH) und der vier Jahre später, am 2. Juli 1921, aus der Taufe gehobenen Segler-Vereinigung UnterHavel (SVUH). Die eine Seite brachte das Datum und den Stander in die Ehe, die andere den Namen und vor allem ein gepachtetes Grundstück. Das konnte schon bald darauf käuflich erworben werden und besaß sogar ein Häuschen, das heute als Bootsschuppen

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dient. Schließlich kamen der Flaggenmast und eine Steganlage hinzu – und seit 1931 ein weiterer Verein, der Segelklub Lindwerder. Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs wurden sämtliche Aktivitäten eingesellt. Die Wiedergründung des Vereins erfolgte im Mai 1947, vier Jahre später fand auch die Rückübertragung des Grundstücks statt. So konnte für den Bau ein neues Klubhaus gesammelt und gespart werden. Dank des Einsatzes der Mitglieder konnte Ende 1953 seine Einweihung gefeiert werden. Optis, Laser und Piraten, vornehmlich für die Jugend gedacht, gehören ebenso zur umfangreichen SVUH-Flotte wie die traditionellen Jollen, ob nun 15er oder 20er. Stark vergrößert hat sich der Bestand der Kielboote, denn nach der Wende hat besonders das Fahrtensegeln zugenommen. Es gab aber auch Zeiten, da veranstaltete der Verein Mannschaftswettkämpfe und Meisterschaften, beispielsweise der Nordischen Folkeboote und H-Jollen. Begehrt waren die Regatten der 15er Jollenkreuzer um den Silbernen Globus, wobei in dieser Kategorie sogar eine Deutsche Meisterschaft ausgerichtet wurde. Das letzte große Ereignis bildete der Sailhorse-Europacup 2012 und 2016. „Momentan ist es schwierig, bei der Vielzahl von Veranstaltungen noch günstige Termine unterzubringen. Doch wenn eine Klassenvereinigung bei uns anfragt, sind wir durchaus bereit“, erklärt Hilberger, der 2002 auf dem Müggelsee mit Christian Friedrich Deutscher Vizemeister bei den Folkebooten wurde. Christian Friedrich ist der erfolgreichste Segler des Klubs, Europameister 2002 und 2006 im 20 qm Jollenkreuzer, zehnmal Deutscher Meister zwischen 1992 und 2012 in unterschiedlichen Bootsklassen, in der 15er und 20er Jolle sowie Varianta. „Unser Ziel ist , Segeln als Breiten- und Freizeitsport zu pflegen und Jugendliche zu fördern. Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, Freude an der Gemeinschaft sollen im Vordergrund stehen – ob sie sich an Regatten beteiligen oder nur aus Spaß herumschippern“, so Gerhard Hilberger.

Sportliche Polizisten: 62 Mitarbeiter des Berliner Polizeiabschnitts 54 haben die Bedingungen für das Sportabzeichen erfüllt. „Es war auch eine angenehme Ablenkung zum fordernden Dienst in NordNeukölln”, schreiben sie.

Der dreifache Olympiasieger Alexander Karelin besuchte den Weddinger Ringerverein Berlin 09, der überwiegend sozial benachteiligte junge Sportler oder auch Sportler mit Fluchterfahrungen betreut. Er zeigte zwei Stunden vor 150 Sportlern und 100 Zuschauern, wie man sich als Sportler/Ringer verhält, gab Autogramme und verschenkte T-Shirts.

Gabriele Tonnhofer hat 40 Jahre beim LSB gearbeitet. Direktor Dr. Heiner Brandi gratulierte zu dem besonderen Jubiläum. Wenige Tage später verabschiedete sich die langjährige Mitarbeiterin der LSB-Sportabzeichenstelle in den Ruhestand. „Sie waren das Aushängeschild der Sportabzeichenstelle und das haben Sie sehr gut gemacht”, so Heiner Brandi.

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lsb gratuliert

Der LSB gratuliert • Martin Sauer zur Ruder-Europameisterschaft im Achter • Bei der U19-Ruder-EM belegten Moritz Wolff Platz 1 im Einer, Nora Peuser Platz 2 im Doppelvierer, Patrick Enders Platz 3 im Achter mit Steuermann • Leander Helm zur Deutschen B-Jugend-Meisterschaft im Fechten/Florett • Thora Malin Götting, Thea Bauwens, Ileana Espinosa zur Deutschen Altersklassen-Meisterschaft im Synchronschwimmen • Johanna Schikora zur Deutschen Meisterschaft (200, 400, 800, 1500 m FS) und Deutschen Jugend- und Juniorenmeisterschaft im Finswimming (1500 m, 800 m, 400 m, 200 m, 400 m, 100 m FS) • Platz 1 bei den Deutschen Jugend- und Juniorenmeisterschaft im Finswimming errangen: Paul Sack (400 m, 800 m FS), Jola Bardo (400 m, 800 m ST), Johanna Wiese (4x100 m FS), Tom Beske (4x 200 m, 4x100 m, 800 m FS), Kevin Kwauka (4x200 m FS), Jacob Kühle (50 m ST, 50 m, 200 m, 400 m FS, 100 m ST, 4x200 m, 4x100 m FS), Jan Bandlow (1500 m, 4x100 m, 4x200 m FS), Lucas Finger (4x100 m FS), Luis Büttner (50 m,100 m, 200 m, 400 m, 800 m FS, 50 m AP, 100 m, 400 m, 800 m ST), Chiara Allzeit (400 m, 4x200 m, 4x50 m, 4x100 m FS), Laura-Marie Dengler (4x50 m, 4x100 m, 4x200 m, 1500 m, 800 m FS), Emilie May (4x50 m, 4x100 m, 4x200 m FS), Anika Seidler (4x50 m, 4x200 m FS) • Platz 1 bei der Deutschen Meisterschaft A- und B-Jugend/Deutsche Jugend-Mannschaftsmeisterschaft im Wasserspringen belegten: Pauline Pfeif (1 m, Turmspringen), Tom Waldsteiner, Elena Wassen, Christina Wassen (Turmspringen), Lena Hentschel, Lene Krüger (1 m), Anika Miethig (3 m, Synchronspringen 3 m), Lene Krüger (3 m), Lou Massenberg (1 m, 3 m, Synchronspringen 3 m), Patrick Kreisel (3 m, Synchronspringen 3 m) • Platz 1 bei der Deutschen Meisterschaft U17 im Modernen Fünfkampf: Maximilian Schaefers, Emma Schönborn, Esther Fernandez Donda (3 Kampf)

Ein starkes Stück Berliner Sport Berliner SV 1892 hat in 125 Jahren Erfolge in vielen Sportarten gefeiert Von Sven Wierskalla Wovon unzählige Kids träumen, das haben Wolfgang Sidka und Marcus Feinbier geschafft: Als Fußballer bis in die Bundesliga durchzustarten – der eine bei Hertha BSC, der andere bei Bayer Leverkusen. Beide haben in Juniorenteams des Berliner SV 1892 gespielt und sind Beispiele für die große Vergangenheit der Wilmersdorfer als Fußballverein. Noch 1975 wurde die B-Jugend Berliner Meister, 1964 und 1973 gewannen die C-Junioren den Titel auf Landesebene. Doch von großen Erfolgen waren die Fußballer des BSV 92 zuletzt weit entfernt. Die erste Mannschaft spielte in der vergangenen Saison in der neuntklassigen Kreisliga A. Immerhin gelang der Elf von Trainer Marco Hechtfisch der Aufstieg in die Bezirksliga. „Wir freuen uns über die gute Entwicklung der letzten zwei Jahre“, bewertet Hechtfisch den Erfolg. „Die große Vergangenheit unserer Fußballabteilung belastet uns nicht, sie spielt im Alltag keine Rolle. Aber wir sind stolz, ein Traditionsverein zu sein.“ In der Tat gehörte der Klub, vor 125 Jahren als Berliner Thor- und Fußball-Club Britannia 1892 gegründet, im Jahr 1900 zu den 86 Gründungsmitgliedern des DFB. Früh stellten sich Erfolge ein. Zwischen 1897 und 1954 waren die Wilmersdorfer zehnmal Berliner Fußball-Meister und zweimal Gewinner des Landespokals. Überregional glückte 1904 die Qualifikation fürs Endspiel der deutschen Meisterschaft. Erfolgreicher als der Fußball ist aktuell die zweite Abteilung des Vereins aus der Gründerzeit. Die Cricketspieler sind unter dem Namen BSV Britannia Cricket Berlin 1892 sportlich in die deutsche Spitze zurückgekehrt. Allerdings hatte der Verein nicht durchgehend über alle Jahre eine Cricketabteilung. „Bei uns wird erst seit einigen Jahren wieder richtig gutes Cricket gespielt, getragen wird die Mannschaft von Spielern mit Migrationshintergrund aus Indien, Pakistan und anderen traditionellen Cricketländern“, berichtet die Schatzmeisterin des Gesamtvereins, Uta Römer. Neben den beiden Gründungsabteilungen Fußball und Cricket verfügt der Verein inzwischen längst über zahlreiche weitere Abtei-

lungen. Das Angebot reicht bei den Ballsportarten unter anderem von Baseball über Basketball, Handball, Hockey bis hin zu Rugby. Darüber betreiben die Mitglieder auch Sportarten wie Leichtathletik, Judo, Schwimmen, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf und weitere. Gleichwohl liegen auch die ganz großen Erfolge im Hallenhandball mit drei deutschen

Die Fußballer des BSV 92 haben den Aufstieg in die Bezirksliga geschafft. Präsident Stephan Oertel und Schatzmeisterin Uta Römer haben alle Hände voll zu tun, den BSV 92 zu führen. Fotos: Wierskalla Meistertiteln und im Hockey mit der Meisterschaft 1940 schon länger zurück. Aktuell sorgen beim BSV 92 besonders Eiskunstlauf und Eisschnelllauf für Furore. In diesen Abteilungen sind jeweils mehrere deutsche Nachwuchsmeister aktiv. Dennoch steht der Ausbau des Leistungssports momentan nicht im Vordergrund. „Wir freuen uns natürlich über die Erfolge in den Eissportarten, aber vor allem in den Ballsportarten geht es derzeit nicht darum, in die absolute Spitze vorzustoßen, denn das ist mit sehr viel Geld verbunden“, sagt Präsident Stephan Oertel. „Bei uns geht es maßgeblich um den Breitensport und um die Gewinnung neuer Mitglieder.“ Dabei gehört der BWV 92 mit rund 3000 Mitgliedern jetzt schon zu den größten Sportvereinen Berlins.

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frauen im sport / sport in berlin

Miteinander ist das Zauberwort Frauen im Sport: Martina Elbell, Präsidentin des American Football und Cheerleading Verbandes Berlin/Brandenburg (AFCVBB) Von Klaus Weise American Football gilt bei normalen Sportkonsumenten weitgehend als „Männersache“. American Football gibt es aber auch für Frauen. Die Berlin Kobra Ladies, seit 2004 Nachfolger der Berlin Adler Girls (zehnmal Deutscher Meister) und seitdem neunmal nationaler Champion und zweimal Vize, sind sogar eines der erfolgreichsten Teams überhaupt in der Stadt. Aber nicht nur auf dem Feld heißt es im Football aus Frauensicht „Yes, we can!“, sondern auch außerhalb. Es ist erstaunlich, wieviele Frauen in den je

Martina Elbell: „Football, so scheint es, ist eben nicht nur „Männersache“. Foto: Weise neun Berliner und Brandenburger Vereinen des American Football und Cheerleading Verbandes Berlin/Brandenburg (AFCVBB) in führenden Ämtern und Funktionen aktiv sind – und das nicht nur im Cheerleading. Martina Elbell, von Berufs wegen Finanzbuchhaltungsfachkraft und als solche im Führungsteam der Public Affairs Beratung „elfnullelf“ tätig, ist am 19. März 2017 zur Präsidentin des AFCVBB gewählt worden und als „Frontfrau“ quasi Paradebeispiel für diesen Umstand. Der Verband hatte sich zuvor länger schwer getan, seine Angelegenheiten konstruktiv und mit Hoffnung machender Perspektive zu lösen. Nun heißt es auf der Website www.footballaktuell.de: „Berlin-Brandenburg wieder auf Kurs“. Das hat nicht nur, aber viel mit Martina Elbell zu tun. Die Mittfünfzigerin kam durch

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ihre footballspielenden Söhne Marco (heute 30) und Oliver (23) zu dem Sport, mit dem sie vorher nichts zu tun hatte. Auch Gatte André – der Banker ist 1. Vorsitzender der Berlin Thunderbirds, Martina kümmert sich im kleinen Dreier-Vorstand um die Finanzen – wurde quasi zum „Footballfunktionär-Urgestein“. Eine Spezies, die man zunehmend vermisst, denn – so die AFCVBB-Präsidentin gerade und direkt – „labern und meckern tun viele, anpacken wollen schon viel weniger und dabei über einen längeren Zeitraum durchhalten, das tut kaum jemand“. Als Martina Elbell Ende 2013 gefragt wurde, ob sie sich vorstellen könne, den Verband zu unterstützen, fiel ihre Reaktion im Rückblick so aus: „Dummerweise konnte ich mir das vorstellen“, sagt sie mit sich überschlagendem, gewinnendem Lachen. „Als ich angefangen habe, wußte ich sofort, hier muss einiges neu strukturiert werden. Es war kaum noch Geld vorhanden, der Apparat und das Präsidium aufgeblasen, aber uneffektiv. Jetzt darf man inzwischen bilanzieren: Läuft!“, lautet die erste 100-Tage-Bilanz der auf zwei Jahre ausgelegten Amtszeit. Als sie durch Filius Oliver zu den Thunderbirds und dem Football kam, begann auch umgehend ihr Lernprozess in Sachen Sportart und Vereinsarbeit. Erst hat sie im Verein Kinder und Jugendliche betreut, dann die Männer – „Learning by doing“. Sie habe immer besser begriffen, wie man Dinge auf die Füße stellt und „nie aufgehört, bevor etwas zu Ende gebracht war und weitergemacht“. Was sie gar nicht mag, ist, „wenn jemand labert, aber nicht bereit ist, etwas zu tun“. Da ihr Job keine Vollzeitbeschäftigung ist, kann sie sich mit Konsequenz und Leidenschaft ihren FootballÄmtern widmen. American Football, das gelte auf dem Feld, aber auch generell, sei Teamsport. „Das Miteinander ist das Zauberwort!“, betont sie im Gespräch immer wieder als „Artikel 1 meines Grundgesetzes“. Vereine können nur so gut sein wie die Mitgliederunterstützung von der Basis. Gut 3000 Mitglieder (2200 männlich, 900 weiblich) hat der AFCVBB, 800 davon sind Kinder und Jugendliche.

Landesseniorenbeirat LSB-Ehrenmitglied Gabriele Wrede wurde zur stellvertretenden Vorsitzenden des Landesseniorenbeirats Berlin gewählt.

Der LSB gratuliert • Deutsche Meister im Schwimmen wurden: Melanie Friese, Felina Gröschel, Stephanie Dietterle, Jasmin Kroll (4x100 m Freistil Staffel), Lisa Graf (100 m, 200 m Rücken) • Liane Weidner (3000m Hindernis), Lennar t Mesecke (300m Hindernis), Alexander Fuchs (Weitsprung) zur Deutschen Juniorenmeisterschaft U23 in Leichtathletik • Platz 1 bei den Deutschen SommerMeisterschaften offene Klasse/Junioren im Wasserspringen belegten: Maria Kurjo (Turmspringen), Christina Wassen, Elena Wassen (Turmspringen Synchron), Patrick Hausding (3 m, 3 m Synchronspringen) • Platz 1 bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften im Schwimmen belegten Marlene Blanke (800 m,1500 m Freistil), Ole Braun (50 m Rücken), Leonie Kullmann (800 m, 100 m, 200 m, 400 m Freistil), Sonnele Öztürk, Torina Öztürk (200 m Rücken), Josephine Tesch (400 m Lagen, 1500 m Freistil), Maya Tobehn (50 m, 100m Schmetterling, 100 m Freistil, 200 m, 100 m, 50m Rükken, 200 m Lagen), Leo Schmidt (50 m Brust), Jasmin Kroll (50 m Freistil) • Elias Exner, Ma ximilian Bröse zur Deutschen Schüler-Meisterschaft im Gewichtheben/Mehrkampf

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sport in berlin

Visionen umsetzen: Einfach anfangen 2. Inklusionswoche Berlin vom 2. bis 9. September 2017 Von Klaus Weise Inklusion und die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben unabgängig von ihren körperlichen und geistigen Voraussetzungen, zählt zu den ganz großen Projekten der Gegenwart. Der Sport spielt dabei eine wichtige Rolle. Dessen ist sich der LSB mit seinen Vereinen bewusst. Die Anfang September (2.-9. September) stattfindende 2. Inklusionswoche (IWO), bei der zahlreiche Vereine und Verbände ihre Angebote präsentieren, wird dafür nach der gelungenen Premiere vor einem Jahr zum Beleg. Schon 2013 war das Berliner Netzwerk „Sport und Inklusion“, das nun Initiator der Inklusionswoche ist, gebildet worden, 2014 gab es die 1. Kreativ-Konferenz, die gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Inneres und Sport organsiert wurde. „Es hat sich viel bewegt, und wir haben gezeigt, dass es sich lohnt, Sport für Menschen mit und ohne Behinderung durchzuführen“, sagte Kirsten Ulrich bei einer Pressekonferenz im Otto Bock Science Center. Sie ist Vorstand des Vereins Sporttreff Karower Dachse, der seit Jahren Protagonist von Inklusionsprojekten ist, und Vizepräsidentin des LSB. Bei der Pressekonferenz wurden Vorhaben und Inhalte der 2. Inklusionswoche vorgestellt. Kirsten UIrich hatte mit LSB-Ehrenpräsident und IWO-Schirmherr Peter Hanisch sowie Alexander Fischer, Staatssekretär für Arbeit und Soziales der zuständigen Senatsverwaltung, kompetente Gesprächspartner an ihrer Seite. Mit der Inklusionswoche werden, laut Ulrich, „einige Tausend Besucher und Interessenten

erreicht“. Geplant sind Turniere, Hoffeste, Tage der offenen Tür, Lesungen, Läufe, Sportfeste, Diskussionsrunden. Mitmachen können alle, die wollen – Schulen, Kitas, Jugendklubs, Stiftungen. „Es ist unsere Herausforderung, die Leute ,abzuholen', und nicht nur eine Feigenblatt-Aktion zum Abhaken zu veranstalten“, sagt Peter Hanisch. Dabei müsse man auch „Geduld und Ausdauer“ haben, fügte er hinzu, als Kirsten Ulrich ihre „Ungeduld“ in der Sache, zum Beispiel in der Kooperation „mit manchen behäbigen Partnern”, schilderte. Wichtige Arbeitsschwerpunkte seien u. a. barrierefreie Sportstätten, um die Sportinfrastruktur der wachsenden Stadt weiterzuentwickeln, und Fortbildungsangebote. „Seit der UNOCharta von 2009 wird das Wort Inklusion leicht und schnell in den Mund genommen, aber in der Gesellschaft sind noch vielfältige Barrieren in den Köpfen vorhanden“, bemerkte Peter Hanisch. Positiv sei, dass der Senat auch Fördermittel zur Verfügung stelle. Schließlich, so der LSB-Ehrenpräsident, sei „das ja auch eine zutiefst soziale Angelegenheit“. Staatssekretär Fischer sagte mit Verweis auf das Verhältnis der erreichten Menschen zur Gesamtzahl der Behinderten: „Da ist Luft nach oben.“ Um diese Lücke nach und nach zu schließen, sei die IWO bestens geeignet. Inklusion, so resümierte Kirsten Ulrich, „ist eine Vision, die sich entwickelt“. Sie sei nicht per Knopfdruck herstellbar, aber sei umsetzbar, wenn man sich vorgebe: „Einfach anfangen!“ Informationen: http://iwo-berlin.de/

Olympia-Legenden von 1936 leben weiter Schwiegertochter von Luz Long bei JesseOwens-Gala in N.Y. Ragna Long und 1981 haben Herb Douglas Herb Douglas jr. jr., Olympia-Dritter 1948 im Weitsprung, und die Owens Töchter Marlene, Beverly und Gloria die Jesse-Owens-Awards-Gala ins Leben gerufen, die einmal im Jahr in New York stattfindet. In diesem Jahr wurde erstmals die Schwiegertochter von Luz Long, Ragna Long, zur Gala eingeladen, die im Lincoln Center stattfand. Mit dabei waren u. a. Bob Beamon, WeitsprungOlympiasieger 1968, Eisschnelllauf-Legende Eric Heiden und Leichtathlet Edwin Moses. Es wurden zwei Awards verliehen: Der Jesse Owens Global Award for Peace ging posthum an Muhammad Ali. Den Preis nahm sein Enkel Jacob Ali Wertheimer entgegen. Die Jesse Owens International Athlete Trophy erhielt Tennisspielerin Serena Williams. SPORT PRO GESUNDHEIT Qualitätssiegel für Vereinsangebote Das Qualitätssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT wird an Angebote verliehen, die die vom DOSB mit der Bundesärztekammer entwickelten Kriterien erfüllen. Vereine bzw. Angebote, die unlängst ein Siegel vom LSB erhalten haben, sind: • VGS e.V. für „Haltung+Bewegung durch Ganzkörpertraining”, geleitet von Martin Oettel, Tanja Hölz; für „Präventives Ausdauertraining”, Leiter Steffen Hanspach • Zehlendorfer TuS von 1888 „Haltung+Bewegung durch Ganzkörpertraining”, Leiter Andrea Insel, Heidrun Burba, Dr. Masood

Wheel-Soccer-Cup 2./3. September, Schmeling-Halle Seit acht Jahren organisiert Pfeffersport e.V. den Wheel-Soccer-Cup. Eingeladen sind Rolliteams von Sportvereinen und Schulen aus ganz Deutschland sowie Einzelperson, außerdem Geschwister, Freunde und Interessierte, die nicht im Rolli sitzen. Infos/Anmeldung: www.pfeffersport.de oder www.facebook.com/wheelsoccercup oder Email: [email protected]

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Deutsche U14 Faustballmeisterschaft 16./17. September, Sobeck-Sportplatz Die Faustball-Meisterschaft der U14 weiblich und männlich findet auf der HanneSobek-Sportanlage, Osloer Str. 42/62 (am Louise-Schroeder-Platz) im Wedding statt. Spielbeginn ist Samstag 10.30 Uhr und Sonntag 10 Uhr. Ausrichter ist die Berliner Turnerschaft. Teilnehmen werden die jeweils zehn besten weiblichen und männlichen Jugend-Mannschaften aus ganz Deutschland.

Shahkarami, Barbara Noack; für „Präventives Ausdauertraining”, Leiterin Heidrun Burba

• SV Inklusiv Johannesstift für „Aquagymnastik”, geleitet von Katja Lindenberg, Jasmin Schnell und Giela Reinke-Dieker • SG Neukölln für „Aquagymnastik”, geleitet von Simone Baack • Sport & Gymnastik in Berlin für „Haltung und Bewegung durch Ganzkörpertraining”, geleitet von Claudia Manz • Medi Sport für „Aquagymnastik”, geleitet von Julia Gleich

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Saniert und zurückgegeben Die Karower Dachse haben ihre Halle wieder Von Angela Baufeld Die Karower Dachse und die Grundschule Am Hohen Feld haben ihre Sporthalle am Bedeweg wieder. Fast anderthalb Jahre war die Trainingsstätte für den Vereins- und Schulsport geschlossen. Erst waren dort rund 200 Flüchtlinge untergebracht. Dann erfolgte nach dem Freizug im Juli 2016 die Sanierung. Am 9. Mai trafen sich die Nut-

Thomas Kaupel, Kirsten Ulrich, Torsten Kühne in der sanierten Halle am Bedeweg Foto: Engler zer bei einem Vor-Ort-Termin zur Rückgabe der Halle. Ein langersehnter Moment. „Die Halle wurde für insgesamt 240.000 Euro wieder instandgesetzt und sieht schöner als vorher”, berichtete Projektleiterin Marina Biedermann vom Bezirksamt Pankow. Der Hallenboden wurde geschliffen, ausgebessert, mit neuen Spielfeldmarkierungen versehen und dann versiegelt. Die Waschbecken in den Umkleiden wurden überarbeitet, die Spiegel zum Teil ausgetauscht, die Fliesen in den Duschen und die Filter der Lüftungsanlagen erneuert, Türen ausgewechselt. Alle Wände erhielten frische Farbe. „Ab morgen findet hier wieder Schulsport statt”, freut sich Schulleiter Marian Imke. Die

Sportgeräte mussten allerdings noch gewartet werden. Das dauerte noch einige Tage, denn es gibt in Berlin nicht so viele Firmen auf diesem Gebiet. Auch die Karower Dachse haben den Wiedereinzug ihrer Trainingsgruppen in die Halle vorbereitet. Tischtennisplatten und viele andere große und sperrige Sportgeräte müssten zum Beispiel aus einem Hangar in Werneuchen zurückgeholt werden, wo sie Dank der Unterstützung eines Vereinsmitglieds zwischengelagert wurden. Zugleich hat Vorsitzende Kirsten Ulrich an einem Plan für die Hallen-Zeiten von 70 Gruppen gearbeitet, denn ihrem Verein ist vieles nicht mehr so, wie es vorher war: Die Beschlagnahmung der Halle hatte zu einer Austrittswelle geführt, die Basketball-Abteilung löste sich auf. Die Dachse haben aber nicht aufgegeben und viele neue Gruppen im Tanzsport, Reha-Bereich, Zirkel- und Krafttrainig ins Leben gerufen. Jetzt muss sich das Vereinsleben in der neuen Halle wieder einpegeln. „Das braucht ein bisschen Zeit”, sagt Kirsten Ulrich. Sie geht fest davon aus, dass ihr Verein weiterhin der einzige ist, der neben dem Schulsport die Halle nutzen kann: „Wenn wir Hallenzeiten verlieren würden, wären wir doppelt bestraft.” Die Dachse haben wegen der Hallensituation rund 30 bis 40.000 Euro ihrer Rücklagen eingebüßt. Mieten für Ersatzstandorte und Lagerräume mussten bezahlt und Mitgliederverluste verkraftet werden. Deshalb sind sie dankbar für die vom Senat gezahlten Anerkennungsprämien für jeden der betroffenen Vereine. Von den sechs Sporthallen, die in Pankow als Notunterkünfte für Flüchtlinge genutzt wurden, wurden inzwischen vier Hallen dem Sport wieder zurückgegeben.

Sport im Park ist ein neues Outdoor Angebot in Berlin an drei Standorten: Festwiese an der Calauer Straße/Märkisches Viertel, Steinbergpark inkl. Triftpark in Wittenau/Waidmannslust und Tegel, Rathauswiese gegenüber dem Rathaus Reinikkendorf. Das Angebot reicht von Völkerball, Badminton, Boule & Co bis Crosstraining und Krafttraining. Kita-Angebote gehören dazu wie „Walking aber ganz langsam“. www.sportimpark.berlin Email [email protected], Tel.: 415 68 67

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SportanlagenLärmschutzverordnung Signal für wachsende Stadt Keine Kinderlärm-Privilegierung Am 18. Mai 2017 hat der Deutsche Bundestag der Änderung der SALVO zugestimmt. Die Verordnung tritt damit drei Monate nach ihrer Veröffentlichung in Kraft. Für Sportvereine ist die Reform eine Entlastung, auch wenn die vom LSB geforderte Kinderlärmprivilegierung keine Berücksichtigung gefunden hat. Berlin ist eines der am stärksten betroffenen Bundesländer überhaupt: Insgesamt sind über 50 Konflikte aktenkundig, an etwa 30 Standorten gibt es teils massive Nutzungseinschränkungen für den organisierten Sport. Daher hat sich der LSB in Person von Thomas Härtel als Vizepräsident Sportinfrastruktur/Umwelt wiederholt für eine sportfreundlichere SALVO auf Bundesebene stark gemacht. Informationen zur neuen Rechtslage beim Sportlärm gibt es auf www.lsb-berlin.de/aktuelles/news/details/ sportanlagen-laermschutzverordnung 36. Sportschiffer-Gottesdienst 16. September in der Havelbucht vor der „Heilandskirche am Port“ zu Potsdam-Sacrow Der ökumenische Gottesdienst beginnt 14.30 Uhr. Das Motto ist: Das Danklied der Erlösten (Jesaja 12, 1-6). Die Predigt hält Pfarrer Matthias Ullrich, Sportbeauftragter für das Erzbistum Berlin. Das Geleitwort von evangelischer Seite spricht Superintendent Dr. Joachim Zehner aus Potsdam. Liturg ist Dr. Bernhard Felmberg, Sportbeauftragter der Evangelischen Landeskirche. Es spielt der Landesposaunenchor der Evangelischen Kirche. Besucher können das Fahrgastschiff „Berolina“ der Reederei Hartmut Triebler zur Hin- und Rückfahrt nutzen. Abfahrt ist 12 Uhr in Spandau, Lindenufer; Rückkehr in Spandau gegen 17.15 Uhr. Die Evangelische Sportarbeit Berlin-Brandenburg bietet eine 8-Kilometer-Wanderung zum Gottesdienst an. Start ist 10 Uhr an der Glienicker Brücke. Die Überfahrt nach Sacrow erfolgt mit dem Wassertaxi. Arbeitskreis Kirche und Sport in Berlin und Brandenburg

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Ronny im Unruhestand Ronald Gloede engagiert sich als ehrenamtlicher Jugendleiter beim SV Adler Berlin Von Petra Lang Wenn der Rentner Ronald Gloede an seine Jugend zurückdenkt, wird er nachdenklich. Zu gern hätte der Charlottenburger Steppke als Mittelfeldspieler weiter im Verein gespielt. Doch eine Herzerkrankung machte dem damals 14-Jährigen einen Strich durch die Rechnung. „Meine Mutter hatte mir verboten, weiter zu spielen“, erzählt er. „Für mich ist damals eine Welt zusammengebro-

seiner Freizeit in den Vereinssport. Zwar ist der Fußballbegeisterte seit drei Jahren im Ruhestand, doch er hilft, wo er kann. Nicht nur im Verein, sondern auch immer wieder mal seinem ehemaligen Arbeitgeber beim Bau von Schankanlagen für Gaststätten – ein kleiner und willkommener Zuverdienst. Die Verbindung zu den Lichtenrader Adlern entstand über seinen ältesten Sohn. „Er woll-

Der Fußballplatz an der Halker Zeile ist für Ronald Gloede ein zweites Zuhause. Foto: Lang

chen. Fußball war mein Leben.“ Da ahnte er noch nicht, dass es ihn noch härter treffen würde. Seine Mutter starb. Ronald Gloede wurde ein Heimkind. Vielleicht waren es diese für ihn nicht leichten Jahre, die ihm bewusst machten, wie wichtig die Gemeinschaft und der Zusammenhalt für Kinder und Jugendliche ist. Schon als junger Mann zeigte er seine „soziale Ader“ und engagierte sich als ehrenamtlicher Fußball-Trainer. Auch in seiner jetzigen Funktion als Jugendleiter beim SV Adler Berlin ist der Ur-Berliner mit Leib und Seele dabei. In seinem langen Berufsleben war der gelernte Maler und Maschinenschlosser bei der Reichsbahn in Tempelhof tätig, baute später Bier-Theken. Sogar in der Zeit als alleinerziehender Vater von zwei Söhnen investierte er einen großen Teil

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te unbedingt Fußball spielen“, erklärt Gloede. Vor allem die Nähe zum Wohnort sprach für den Fußballverein, der seine gesamte Jugendarbeit auf dem Platz an der Halker Zeile anbietet. Bereits seit Ende der 70er wohnt die Familie in Lichtenrade-Ost. Als der Filius mit dem Kicken begann, war Gloede gleich begeistert mit dabei – allerdings nur am Spielfeldrand. „Ich bin dann aber wegen meiner großen Klappe gleich aufgefallen“, lacht er. „Ich wurde gefragt, ob ich nicht im Verein helfen möchte. Die haben ja gemerkt, dass ich vom Fach bin. So kam ich zu den Adlern und habe gleich tüchtig mitgemischt.“ Mittlerweile kann Ronald Gloede, den alle nur als „Ronny“ kennen, auf eine Vereinsmitgliedschaft von 29 Jahren zurückblicken. Seit inzwischen zwölf Jahren ist er bei den Adlern

als Jugendleiter aktiv. Anfang der 70er wurde er Schiedsrichter, pfiff einige Jahre für die Lichterfelder Sport-Union (LSV). „Neben meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen war das jedoch auf die Dauer ein zu großer Zeitaufwand“, erklärt der Jugendleiter. Auch als Trainer probierte sich „Ronny“ in verschiedenen Bereichen aus. Er machte zwischendurch den B-Schein und trainierte Erwachsene. Doch schnell war klar: Sein Herz schlägt für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Ich kann einfach gut mit jungen Menschen umgehen, sie vertrauen mir schnell“, stellt der 65-Jährige fest. Fehlt es im Verein an Trainern, springt er gern ein. Als ehrenamtlicher Jugendleiter liegen seine Aufgaben vor allem im administrativen Bereich: Eintrittsformulare für Neumitglieder ausgeben, sie einsammeln und prüfen, den Spielbetrieb zusammen mit dem Vereinsteam organisieren oder Anträge beim Sportamt stellen, etwa wenn Festivitäten oder auch Renovierungsarbeiten anstehen. Mittwochs und freitags ist der Jugendleiter von 16 bis 20 Uhr auf dem Platz. „Und wenn Heimspiele bei uns stattfinden, bin ich auch am Wochenende den ganzen Tag vor Ort“, ergänzt er. Und was hat ihm während der letzten Jahre am meisten Spaß gemacht? „Mädchenmannschaften trainieren“, antwortet er prompt. „Die Mädchen sind immer etwas ernsthafter bei der Sache. Mit ihnen konnten wir schon viele Erfolge feiern. Die D-Juniorinnen wurden gerade Berliner Pokalsieger 2017“, erzählt er stolz. Wenn aus den Fußball-Mädchen AdlerLadies geworden sind, möchte Gloede wissen, was aus seinen ehemaligen Zöglingen geworden ist. „Ich gehe dann zu Spielen der Frauenmannschaften”, erzählt er. Eine besondere Freude sei für ihn, wenn ehemalige Schülerinnen selbst zu Trainerinnen würden. Auch wenn „Ronny“ noch immer viel Spaß an seiner ehrenamtlichen Arbeit hat und die familiäre Gemeinschaft bei SV Adler zu schätzen weiß, sagt er: „Ich möchte meine Arbeit reduzieren und an die jungen Menschen übergeben. Sie haben sicherlich viele neue Ideen.“ Er genieße es „eine eigene Familie zu haben“ und wolle mehr Zeit mit ihr verbringen. Außerdem wolle er öfter verreisen. „Von mir aus fünf Mal im Jahr“, schmunzelt er. „Jetzt geht es erstmal mit der gesamten Berliner Familie nach Bulgarien an den Sonnenstrand.“

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Spandaus Wasserballer gewannen 12:8 in Hannover und wurden erneut Deutscher Meister. Mit insgesamt 34 Meisterschaften und 84 nationalen und internationalen Titeln schreiben sie Wasserball-Geschichte. Auf ihrer Homepage kann man lesen: „...Somit ist die nachhaltige Entwicklung

der Spandauer Mission ‘Entwicklung des deutschen Olympiateams 2020 bis 2024’ garantiert... Wie bereits seit 4 Jahrzehnten wird der Verein Wasserfreunde Spandau 04 auch in der Zukunft die historische Verpflichtung annehmen, junge deutsche Nationalspieler zu entwickeln, in der Champions Lea-

gue zu fördern und auch im Interesse der Nationalmannschaft an das internationale Niveau heranzuführen.” Foto: camera4

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