in gedenken an den von faschisten ermordeten silvio meier

in gedenken an den von faschisten ermordeten silvio meier

in gedenken an den von faschisten ermordeten silvio meier Einleitung Jugendinfo 2011 Auch diese Jahr findet wieder eine Demonstration in Gedenken a...

6MB Sizes 0 Downloads 2 Views

Recommend Documents

In Gedenken an Eppelein von Gailingen | 42
4 3. Der Hofberg | Greding-Hofberg. Headquarter der Bauernheere | 94. 4 4. Die Bildstöcke I Gredirig-Schutzendorf. Wegz

Die Schweizerische Nationalbank auf den Spuren von Silvio - z-blog
vielleicht nicht gerade so wie in den 30er Jahren als die Schuldendeflation zu einer grossen. Geldvernichtung führte. D

Den Ermordeten ein Gesicht geben - Stadtmuseum Coesfeld
26.01.2013 - verlassen, sie blieben im soge- nannten Judenhaus zurück, du wusstest wahrscheinlich auch nicht, dass du s

Faschisten in der Ukraine - Ver.di
22.02.2014 - Erst jüngst besuchte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg das Land. Poroschenko ist am ukrainischen Unabhä

Ein Gedenken an den hingerichteten katholischen - Pax Christi
22.06.2016 - soll in diesem Gottesdienst gehört werden. Franz Jägerstätter, der österreichische Bauer, der als Kriegsdie

Das Gedenken an den Widerstandskämpfer Dr. Georg Groscurth aus
Verführung. Dabei wurde ... schon als Schüler pazifistisches Mitglied ... cher Berliner Nazigrößen, darunter auch .... l

Gedenken an den 13. Februar 1945. Perspektiven Dresdner - Qucosa
Zusammenhang zwischen der Bombardierung und Shoah bzw. Antisemitismus. ..... Die öffentliche Memorial ultur als Teil der

Verlegung von „Stolpersteinen“ zum Gedenken an Opfer des - Mainz
24.02.2017 - Salomon Wilhelm Fraenkel. Ernst Fraenkel. Else Fraenkel, geb. Stern. Markus Fraenkel. Albert Fraenkel. Rudo

Bericht von der Bericht von der Reise an den 4 Reise an den 4 Reise
Schon bald wird es ruhiger im Car und im Halbschlaf lassen wir die 42km noch einmal Revue passieren. Wo habe ich Zeit ve

Zum Gedenken an Hazy Osterwald - Jazzorama (CH)
Zum Gedenken an Hazy Osterwald. In unserem März-Jazzletter haben wir darauf hingewiesen, dass Hazy am 18. Februar seine

in gedenken an den von faschisten ermordeten silvio meier

Einleitung

Jugendinfo 2011 Auch diese Jahr findet wieder eine Demonstration in Gedenken an den am 21. November 1992 in Friedrichshain ermordeten Silvio Meier statt. Nach einer besonders kraftvollen Demo mit übr 5000 Teilnehmer_innen im vergangenen Jahr wird die Demo dieses Jahr durch Friedrichshain und Lichtenberg führen, um auf die sich dort etablierenden Nazistrukturen einzugehen Gerade die Brandanschläge durch Neonazis auf 4 alternative Wohn- und Kulturprojekte dieses Jahr zeigen, wie wichtig es ist, dass wir auch weiterhin kämpferisch gegen Neonazistrukturen in Berlin vorgehen und uns mit ihnen auseinandersetzen. Aber nicht nur Nazis, sondern auch die rechtspopulistische Entwicklung in Europa, die Repression durch den Staat, die steigenden Mieten in unseren Wohngegenden und die Vrdrängung alternativer Lebensentwürfe fordern unsere Kraft und unsere Organisation, um dagegen vorzugehen. Zudem gedenken wir allen Betroffenen von Nazigewalt in der BRD und weltweit. Remembering means fighting! Um diesem ganzen Mist entegenzutreten und konsequent für eine solidarische Gesellschaft einzustehen, kommt mit uns auf die diesjährige Silvio-Meier-Demo und organisiert euch bei euch vor Ort- in der lokalen Antifagruppe, im Stadtteilzentrum oder in Kulturprojekten. Inhaltlich ist das Jugendinfo dieses Jahr wieder gefüllt mit Tipps &  Tricks, Hintergrundinformationen zur Naziszene in Berlin und Rechtspopulismus in Europa, Texten zum Castortransport 2011 und antisexistischer Notwendigkeit sowie weiteren Berichten. Wir hoffen, dass für jede_n von euch etwas dabei ist. See you on the streets! It´s time to rise up!

Gendergap – Der Unterstrich

Freundinnen und Freunde, FreundInnen oder Freund_innen? Warum schreiben manche Leute in ihren Texten so komisch?! Erst einmal sind all diese verschiedenen Versionen dazu gedacht, darauf aufmerksam zu machen, dass Menschen eben nicht nur Freunde, sondern auch Freundinnen haben und es wird kritisch hinterfragt, warum gerade Frauen in der Sprache oft „unsichtbar“ gemacht werden. Wir benutzen nachfolgend die Schreibweise mit dem Unterstrich, um auf diese Unterschiede sprachlich aufmerksam zu machen und gleichzeitig auch Menschen einzuschließen, welche sich weder als männlich noch als weiblich definieren lassen möchten.

Inhalt S. 03 S. 04 S. 06 S. 08 S. 10 S. 11 S. 12 S. 13 S. 14 S. 15 S. 16 S. 17 S. 18 S. 20 S. 21 S. 22

In Gedenken an Silvio Meier RISE UP! – Silvio-Meier-Demo 2011 Zur Naziszene in Berlin Wer ist eigentlich nicht Rechtspopulistisch Heißer Herbst in Warschau Subkulturen und ihre Probleme Der Repression ein Bein stellen Demo 1x1 Tödliche Polizeigewalt Nehmen wir uns die Stadt zurück! Aus Konsequenzen und in Gedenken Wer ist hier »extrem«? Let‘s talk about Sex Atomstaat stillegen Jugendrevolten in Europa Allein machen sie dich ein

Antifa Jugendinfo 2011

03

Antifaschistische linke berlin

in gedenken an silvio meier A 

m Abend des 21. November 1992 war Silvio Meier mit drei Freund_innen auf dem Weg zu einer Party. Auf dem U-Bahnhof Samariterstraße trafen sie auf eine Gruppe junger Neonazis, von denen einige rechte Aufnäher trugen. Die Linken stellten die Rechten zur Rede und nahmen ihnen die Aufnäher ab. Durch den Streit hatten sie die letzte U-Bahn verpasst und wollten den Bahnhof wieder verlassen. Auf der Mittelebene warteten jedoch die Neonazis und stachen auf Silvio und seine Freunde ein; er starb kurze Zeit später. Noch im Krankenhaus wurden die vier Linken verhört und ihnen vorgeworfen, schuld am Tod ihres eigenen Freundes zu sein. Die Nazis, im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, hatten angegeben, mit Silvios eigenem Messer attackiert worden zu sein, obwohl die Linken unbewaffnet waren. Die Polizei leugnete zudem, dass der Mord einen politischen Hintergrund hätte. Erst durch intensive Öffentlichkeitsarbeit, Demonstrationen und spektakuläre Aktionen (wie das Niederbrennen des JugendClubs, in dem die Nazis verkehrten) wurde die Tat weiter untersucht und die rechte Gesinnung der Täter offensichtlich. Obwohl die Anschuldigungen gegen Silvios Freunde komplett zusammenfielen, hatte der Mord ein jähes gerichtliches Ende. Von den zwölf am Überfall beteiligten Nazis (drei Frauen und neun Männer) wurde nur gegen fünf Nazis ein Prozess eröffnet. Die Anklage lautete auf »schwere Körperverletzung mit Todesfolge«, was eine Tötungsabsicht von Grund auf ausschließt. Silvio wurde mit mehreren Messerstichen in die Brust getötet. Was ist dass, wenn keine Tötungsabsicht? So wurde der Mord auch von Justizwegen her, als »normale« Schlägerei und nicht als politische Tat, mit politisch handelnden Akteuren geahndet. Drei der fünf Nazis wurden zu Haftstrafen verurteilt.

Wer war Silvio Meier?

Der damals 27-jährige Silvio Meier wohnte in einem besetzen Haus in Friedrichshain. Es war eines der ersten Häuser, die bereits im Dezember 1989 besetzt wurde. Silvio war bereits in der DDR in linken Gruppen, außerhalb des Staats-Rahmen engagiert. Linke Kräfte sammelten sich damals in der »Umweltbibliothek« um die Zionskirche im Prenzlauer Berg. Für Silvio Meier gehörte antifaschistisches Eingreifen zum Alltag. Die frühen 90er Jahren waren vor allem in Ostberlin von NaziAngriffen geprägt, so dass die Besetzerszene schnell auch zur AntifaSzene wurde, die damals noch nicht in der Form existierte wie heute.

JUST A NOTHER MANIC MONDAY Das emanzipatorische InfoCafé in Lichtenberg An den ersten vier Montagen eines jeden Monats finden im Jugendklub Linse bzw. im UJZ Karlshorst Infoveranstaltungen statt. Die Inhalte sind breit gefächert und reichen von aktuellen Themen wie Rechtspopulismus oder Kritik am Papst über Diskussionen zu Faschismustheorien oder das Verhalten auf Demonstrationen bis zu historischen Rückblicken etwa zu Protesten gegen den EU bzw. G8 – Gipfel in Göteborg bzw. Genua. Anschließend gibt es immer eine vegane/vegetarische Vokü. Dieses Gemeinschaftsprojekt der Antifa Hohenschönhausen, des UJZ Karlshorst, [solid’] Friedrichshain und der „Linse“ läuft nun schon seit einem Jahr und lädt alle Interessierten ein, vorbei zu kommen und mit zu diskutieren, sich zu bilden oder einfach einen entspannten und doch „durchgeknallten“ Montag zu haben! Nächster Termin mit neusten Infos zum NW-Stützpunkt in der Lückstraße 58 Montag, 07.11.2011, 19.00 Uhr in der Linse (Parkaue 25, 10367 Berlin; am S+U Frankfurter Allee)

Antifa Jugendinfo 04 2011

rise up!

Antifa heißt Angriff! M 

it dem Mist, gegen den wir tagtäglich ankämpfen, ließe sich eine freiten Gesellschaft. Silvio engagierte sich in der DDR in selbstorganiganze Enzyklopädie füllen: Gewalttätige Nazis, sexistische Anma- sierten Gruppen und nach 1989 in der Hausbesetzer_innen-Bewegung. chen, alltäglicher Rassismus, repressive Maßnahmen vom Amt, stu- Angesichts der Welle rassistischer Pogrome und der regelmäßigen Anpide Hausaufgaben, Leistungsterror vom Chef, ätzende Kontrollen in griffe auf Linke wehrte er sich offensiv gegen Neonazis. Sein antifader Bahn, Dauerüberwachung der Straßen und verstärkte Polizeiprä- schistisches Engagement kostete ihn am 21. November 1992 das Leben senz durch „Brandstreifen“ sind nur ein kleiner Teil der der Dinge, auf und der Bewegung einen wichtigen Aktivisten – Nichts was wir jemals vergessen werden. Ein Neonazi, mit dem er und seine Freund_innen die wir keinen Bock mehr haben. Glücklicherweise gibt es auch Lichtblicke: Solidarischen Umgang in zuvor eine Auseinandersetzung wegen dessen nationalistischen AufnäFreundeskreisen und Politgruppen, selbstorganisierte Freiräume und her hatten, erstach ihn. Im Gedenken an Silvio und allen Opfern rassistischer und faschisimmer wieder auch Widerstand. Kleine und große Orte oder Ereignisse, an welchen erkennbar wird, dass es auch anders geht, an welchen tischer Morde wollen wir nicht still verharren, sondern unsere Wut auf die Straße tragen und auch heute gegen Neonazis und für eine solidariwir merken, dass wir nicht alleine sind! sche Gesellschaft kämpfen.

Erinnern heiSSt kämpfen …

Vor 19 Jahren wurde Silvio Meier am U-Bhf Samariterstraße von Neonazis ermordet. Nur noch wenige von uns kannten ihn persönlich. Doch verbindet uns mit ihm der gemeinsame Wunsch nach einer be-

Aktuelle Nazisituation in Berlin

Im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl haben die Neonazis, rund um den „Nationaler Widerstand“ (NW) Berlin und der NPD, Berlin mit Kleinstaufmärschen und -kundgebungen überzogen. Gleichzeitig haben sie ihre gewalttätige Kampagne gegen linke Hausprojekte, Läden und Personen intensiviert. Mit den Brandanschlägen auf unsere Projekte im Juni fanden diese Angriffe ihren bisherigen Höhepunkt. Vor allem in Schöneweide und Teilen des Berliner Umlandes ist es ihnen gelungen sich festzusetzen. Nach erfolgreichen antifaschistischen Interventionen der letzten Jahre verfügen sie nur noch dort über eine gefestigte Infrastruktur. Außer dem Henker in Schöneweide und der NPD Zentrale in Köpenick ist ihnen in Berlin nicht viel geblieben. Sie versuchen jedoch mit dem Hexogen (Schöneweide) und dem Laden in der Lückstraße 58 (Lichtenberg) wieder neue Basen aufzubauen. Doch jeder verbliebene Rückzugsraum, ob Laden oder WG, dient ihnen als Ausgangspunkt für Übergriffe und Aktionen. Diese Zustände zwingen uns ihnen weiterhin und vermehrt Widerstand entgegen zu setzen. Mit Aufklärung über ihre Ideologie und Netzwerke, sowie der Unterstützung lokaler Initiativen und militanten Angriffen auf ihre Kader und Lokalitäten sind wir ihnen in den letzten Monaten immer mal wieder auf die Pelle gerückt. Doch das war bisher nicht genug: Es gilt weiterhin ihre Strukturen auch in den letzten Berliner Bezirken und darüber hinaus zu zerschlagen; reaktionäres Gedankengut in der gesamten Gesellschaft zurückzudrängen. Deswegen überlassen wir den Nazis keinen Kiez kampflos und statten ihnen mit der Silvio Meier Demo einen Besuch in Lichtenberg ab!

Der Staat (k)ein Freund und Helfer?!

Doch stehen uns bei diesem Kampf immer wieder die Bullen entgegen. In den letzten Monaten behindern die Berliner Cops antifaschistischen Widerstand nicht nur durch den gewohnten martialischen Schutz der Neonazis, sondern auch mit einer neuen Geheimhaltungspolitik. Nur durch intensive Recherchen wurden die letzten Neonazi-Aufmärsche und -Kundgebungen in Berlin kurz vorher bekannt und es konnte Widerstand organisiert werden. Bei dem Versuch der Nazis im Mai in Kreuzberg zu demonstrieren,

Antifa Jugendinfo 2011

05

waren die Uniformierten nicht gewillt oder fähig vermeintliche Migrant_innen oder Linke vor Naziangriffen zu schützen. Ihre alleinige Mission war der Schutz der Nazis und ihrer Veranstaltung. Das zeigt nur wieder einmal, dass sich Antifaschist_innen nicht auf den Staat verlassen sollten, sondern nur durch noch mehr selbstorganisierten Widerstand und Selbstschutz langfristig erfolgreich sein können.

Der Staat zeigt seine Zähne …

Wie der Staat auf erfolgreichen antifaschistischen Widerstand reagieren kann, zeigt die Repression in Dresden anlässlich der Verhinderung der Naziaufmärsche. Hier kommt das ganze Repertoire an Überwachungsmaßnahmen zum Einsatz, was in einem andauernden §129-Verfahren gegen antifaschistische Strukturen in Sachsen und darüber hinaus mündete. Doch gelang es den Repressionsbehörden weder die breiten Bündnisse zu spalten, noch die antifaschistischen Strukturen zu zerschlagen. Auch Berlin wird seit Monaten mit Bullen überzogen. Angeheizt durch die Debatte über brennende Autos wird versucht, das ganze Stadtgebiet mit zivilen Streifen und Hubschraubern unter Dauerobservation zu stellen. Immer wieder werden Aktivist_innen von den Handlangern des Staates gecasht und eingeknastet, meist mit aus den Fingern gesogenen Anklagen. Erst am 28. September wurde uns mit Tobias schon wieder ein Freund und Mitstreiter geklaut. An einzelnen Tagen sind dank der Unterstützung durch die Bundespolizei bis zu 650 zivile Schnüffler_innen unterwegs. Mit dem Ziel, Szene-Treffpunkte zu „befrieden“, werden Straßenparties aufgelöst und ganze Straßenzüge videoüberwacht. Doch auch diese Maßnahmen haben nicht die gewollte Wirkung, sondern heizen die Wut auf diesen Staat und die Bullen nur weiter an. Diese wird immer wieder offensiv auf die Straße getragen, wie auf der Demonstration zum Gedenken an den von Cops getöteten Carlo Guilani. Während die Teilnehmer_innen die unvorbereiteten, wie gewohnt aggressiven Bullen angriffen, ließen sie den Kreuzberger Kiez unberührt.

unite and fight

Nach wie vor bestehen in der Stadt linke Freiräume. Diese Wohnprojekte und WGs sind Orte des Widerstands gegen die voranschreitende Disziplinierung und Kommerzialisierung der Kieze – gegen Ordnungswahn und Überwachung, gegen die Vertreibung von Wohnungs- und Mittellosen und den Zwang für alles blechen zu müssen. Daher ist es kein Wunder, dass diese Freiräume regelmäßig mit Repression überzogen werden. Dass wir entschlossen sind, diese zu verteidigen, durfte Berlin vor, während und nach der Räumung der Liebig 14 spüren. Im Kampf für die Liebig 14 hat sich die Wut auf Mietsteigerungen und Verdrängungen aus unseren Kiezen gebündelt. Doch dies war kein einmaliges Ereignis. In etlichen Kiezen organisieren sich Mieter_innen zum Beispiel in Stadtteilinitiativen; tragen ihre Proteste gemeinsam auf die Straße gegen Flächendeckende Mietsteigerungen; versuchen Leute sich Wohnraum und öffentliche Plätze durch Besetzungen wieder anzueignen und Vorzeigeprojekte wie MediaSpree zu sabotieren.

let‘s get organized! - join your local antifa

Diese Kämpfe um ein besseres Leben im Hier und Jetzt sind gleichzeitig Kämpfe für ein besseres Morgen. Sie sprengen Breschen in die erdrückende Realität. Lassen uns kollektives Leben und solidarischen Umgang spüren und erproben. Sie lassen uns im Widerstand die Freiheit fühlen. Wir wollen die Selbstorganisation ausbauen und überall Widerstandsherde entfachen: in der Schule und der Uni, bei der Arbeit und auf dem Amt, im Stadtteil und weltweit. Immer in der Hoffnung diese zu einem Flächenbrand, zu einem Aufstand gegen Nazis, Staat und Kapital ausweiten zu können. Doch Widerstand braucht Menschen. Menschen wie du und ich, die sich zusammen organisieren und aktiv versuchen, die Zustände in dieser Gesellschaft zu verändern; die ihre Wut und ihren Willen nach außen tragen und gegen Fremdbestimmung und Unterdrückung auf die Straße gehen. Ob in Miet- oder Wohngemeinschaften, Politgruppen , in Veranstaltungskollektiven – vom Widerstand zum Flächenbrand! Werde aktiv!

Silvio-Meier-Demonstration 19.11. 2011 – 15 Uhr – U-Bhf. Samariterstr.

Mahnwache

21.11. 2011 – 17 Uhr – U-Bhf. Samariterstr.

Antifa Jugendinfo 06 2011

Antifaschistische linke berlin

zur Naziszene in berlin

Verschärfung der Sprache

Nachdem die Nazis vom „NW Berlin“, deren Chef Sebastian Schmidtke ein wesentliches Scharnier zwischen „freien Nationalisten“ und NPD darstellt, versuchten, am 1.Mai 2010 durch den Prenzlauer Berg zu marschieren, bemühten sie sich in diesem Jahr einmal mehr, ihren rassistischen Dreck unter die Menschen zu bringen. War man zuvor bemüht, nach außen hin einen eher moderaten Ton anzuschlagen, setzte man nun ganz auf die „Stumpf ist Trumpf “-Karte. Im Zuge der medialen Diskussion um Gewalttaten in Berliner U-Bahnhöfen startete „NW Berlin“ seine mehr oder weniger themenbezogene „Ausländer Raus – Kampagne“. Diese zeichnete sich, neben den an die 90er Jahre erinnernden platten „Ausländer Raus-Rassismus“, durch eher dilettantische Aktionen der Nazis aus. So tapez ierten diese beispielsweise in der Lichtenberger Weitlingstraße Geschäfte von vermeintlichen Migrant_innen mit gewöhnlicher Raufasertapete zu, um darauf dann Slogans wie „Ausländer raus“ oder das – an den Nationalsozialismus erinnernde - „Deutsche kauft bei Deutschen ein“ zu hinterlassen. Über die Internetpräsenz der Nazis wurde darüber hinaus versucht zu suggerieren, in ständigen Aktivitäten zu stecken; so gab es für 5 Minuten Flugblätter verteilen, dann auch gleich das Doppelte an Fotos davon. In einem beachtlicheren Kontext muss hier eher der Abschluss der „Ausländer Raus – Kampagne“ gesehen werden. Bei der von der Polizei in Kooperation mit dem Anmelder Sebastian Schmidtke geheim gehaltenen Demonstration in Kreuzberg, welche dennoch durch hunderte Antifaschist_innen verhindert werden konnte, kam es zu gewalttätigen Übergriffen von Nazis auf Gegendemonstrant_innen, welche den Aufmarsch blockieren wollten.

Verschärfung der Mittel

Nur einen Monat später brannten in der Nacht vom 26. auf den 27. Juni vier Häuser, in denen sich linke Projekte befinden. In den meisten betroffenen Häusern schliefen zu dieser Zeit Menschen, die entsprechend knapp dem Tod entgehen. Nachdem die Nazis in den Monaten zuvor immer wieder linke Einrichtungen, Parteibüros oder Kulturvereine angegriffen oder mit Parolen und rechten Symbolen beschmiert hatten, stellte dies nun, seit der Ermordung des Vietnamesen Cha Dong N. im August 2008, einen neuerlichen Höhepunkt von Nazigewalt in Berlin dar. Medial wurden die Brandanschläge als Auftakt einer Gewaltspirale zwischen „Extremisten“ verordnet, da einige Tage zuvor mehrere NPD-Kandidaten für die von ihnen betriebene Verbreitung von Rassismus, Antisemitismus und anderen Widerwärtigkeiten ein paar blaue Flecken und Schrammen erhielten. Obwohl dies in keinem Zusammenhang zu mehrfach versuchtem Mord steht, fühlten sich daraufhin all diejenigen bestätigt, welche der staatlichen „Extremismus“Doktrin anhängen, die Antifas und Nazis auf eine Ebene stellt. Umso wichtiger ist es, immer wieder zu betonen, dass Nazigewalt völlig willkürlich und vor allem jederzeit diejenigen treffen kann, die nicht in

deren Weltbild passen. Dass die Nazis um den „NW Berlin“ nun ihre Mittel so drastisch verschärft haben, muss auch in einem personellen Kontext gesehen werden. Hat man mit dem Neuköllner Robert Hardege bereits einen erfahrenen Brandstifter in den eigenen Reihen, welcher im Jahr 2008 versuchte, ein von einer türkischen Familie bewohntes Haus in Rudow anzuzünden, befindet sich nun mit dem während des Wahlkampfes aufgetauchten Oliver Werner ein echter „Spezialist“ in Sachen rechter Terror an Bord der NPD. Werner war bereits in den 90er Jahren in einer gewalttätigen Gruppe von Neonazis aktiv, welche sich u.a. mit dem Bau von Rohrbomben beschäftigte.

Strukturausbau

Aber nicht nur in Sachen Gewalt versuchten die Nazis vom „NW Berlin“ alle Register zu ziehen. Nachdem bereits seit mehreren Jahren mit der Kneipe „Zum Henker“ ein Anlaufpunkt für Neonazis im Berliner Stadtteil Schönweide existiert, wurde diese Infrastruktur nun erweitert. So eröffnete Sebastian Schmidtke im Juli seinen Laden „Hexogen“ nur wenige Meter neben dem „Henker“. Dort will er künftig „Alles für den Aktivisten“ vertreiben - zurzeit beschränkt sich das Angebot

Antifa Jugendinfo 2011

07

Wahlk(r)ampf der NPD

Auch das schönste „Nightwish“-T-Shirt konnte ihm nicht zum erneuten Einzug in die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) verhelfen. Die Rede ist von Jan Sturm, seines Zeichens NPD-Politiker und Wolfgang Petry-Double, der nach einer Legislaturperiode nun nicht mehr das Neuköllner Rathaus mit seiner Anwesenheit „bereichern“ kann. Das ist symptomatisch für das Gesamtergebnis der NPD. Diese hat im Gegensatz zur letzten Berliner Wahl von 2006 einen Verlust von 4000 Stimmen zu verbuchen, was zu einem Gesamtergebnis von 2,1% führte. Wie bereits erwähnt, sitzt sie nun nicht mehr in der Neuköllner BVV, die Zahl der Gesamtverluste auf kommunaler Ebene beträgt insgesamt 5 Sitze. Selbst in dem von der NPD besonders ins Visier genommenen Bezirk Treptow-Köpenick musste die Nazipartei Verluste von 0,8% hinnehmen, was dazu führte, dass der „NW Berlin“-Kader Sebastian Schmidtke weiterhin genug Zeit für seinen von kaufwilligen Kunden verschonten Laden in Schöneweide hat. Die NPD verfügt nichtsdestotrotz immer noch über jeweils 2 BVV-Sitze in den Parlamenten der Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf, sowie Treptow-Köpenick. Das sind zwar insgesamt noch immerhin 6 kommunale Sitze zu viel, einen Fraktionsstatus genießt sie jedoch nicht mehr. Die anderen Rechtsparteien „Pro Deutschland“ und „Die Freiheit“ konnten in kein Bezirksparlament einziehen. Antifaschistische Interventionen bei Wahlkampfveranstaltungen aller drei Rechtsparteien können daher als ein Grund für die geringen Wahlstimmen der rechten Parteien gesehen werden.

lassen und verschönerten vor kurzem die Ladenfassade mit schwarzer Farbe. Das Bündnis „Nazis auf die Pelle rücken“ veranstaltete ebenfalls eine antifaschistische Demonstration im Umfeld des NW-Stützpunktes

„Gas geben“ für Udo Voigt

jedoch auf Sicherheits- und Militärbedarf. Fest steht jedoch, dass mit Schmidtkes neuem Laden die sowie schon bestehende Nazipräsenz um die Brückenstraße in Oberschöneweide ausgebaut werden konnte. Rechte Hohlköpfe, Aufkleber, Graffiti und Übergriffe werden vorerst weiterhin zum Bild des Stadtteils gehören. Jedoch zeigte eine kraftvolle Demonstration im Juli mit über 1.000 Teilnehmer_innen, dass Antifaschist_innen auch hier zukünftig immer wieder intervenieren werden. Ein weiterer, neuerer Teil neofaschistischer Infrastruktur stellt die Anmietung eines ehemaligen Gardinengeschäfts in der Lichtenberger Lückstraße 58 dar. Dort wurden unter anderem Sebastian Thom und weitere „NW Berlin“-Kader beim Vermieter vorstellig und gaukelten diesem vor, unter dem Vereinsnamen „Sozial engagiert in Berlin e.V.“ nach Räumlichkeiten zu suchen. In Wahrheit nutzen die Nazis das ehemalige Geschäft, um Treffen abzuhalten, sowie eine neue Infrastruktur in ihrer ehemaligen Hochburg, dem Weitlingkiez, aufzubauen. Obwohl der Vermieter den Nazis sofort kündigte, als dieser von deren wahren Identität erfuhr, lassen es die Nazis auf einen Räumungstitel ankommen, der jedoch erfahrungsgemäß einige Zeit ins Land vergehen lässt. Aktive Antifaschist_innen wollten dies nicht unkommentiert

Auch die diesjährige Berliner Senats- bzw. BVV-Wahl rief die Nazis auf den Plan, hier natürlich in Form der NPD. Diese sah sich von Anfang an mit dem Problem konfrontiert, mit „Pro Deutschland“ und „Die Freiheit“ zwei weiteren Rechtsparteien als Konkurrenz ausgesetzt zu sein. Diese neue Situation versuchte die dienstälteste Nazipartei Deutschlands einerseits durch einen enormen Materialaufwand, vor allem in Form von Plakaten und andererseits durch besonders radikale Wahlkampfparolen zu lösen. So grüßte der Bundesvorsitzende Udo Voigt vom Wahlplakat und forderte auf widerwärtigste Weise zum „Gas geben“ auf. Für eine geplante, nächtliche Plakatiertour, welche im größeren und geheimen Rahmen stattfinden sollte, versuchte man sogar Neonazis aus den angrenzenden Bundesländern und aus Tschechien nach Berlin zu laden. Nach antifaschistischen Protesten mussten die Nazis von ihrem ursprünglichen Plan jedoch abrücken. Die Verbindungen zwischen NPD Berlin und „NW Berlin“ wurden im Zuge des Wahlkampfes auch dem Letzten offenkundig. So standen u.a. mit „NW Berlin“-Chef Sebastian Schmidtke und Sebastian Thom zwei langjährige Nazis aus dem Spektrum der freien Kameradschaftsszene auf dem Wahlzettel. Erfreulicherweise konnte die NPD jedoch nicht an Stimmen zulegen und flog sogar aus dem Neuköllner Bezirksparlament (siehe Kasten).

Ausblick

Es bleibt nach diesem ereignisreichen Jahr, welches noch nicht zu Ende ist, abzuwarten, ob die Nazis ihren Aktionismus in einer ähnlichen Form fortsetzen können. Dieser kam vor allem durch die Verknüpfung der „Ausländer Raus – Kampagne“ mit dem NPDWahlkampf zu stande. Auch gilt abzuwarten, inwiefern sich Sebastian Schmidtke mit seinem oftmals leeren Geschäft halten kann. Ähnliches gilt für die gekündigten Räumlichkeiten in der Lückstraße, welche zumindest keine unbegrenzte Lebensdauer haben dürften. Es bleibt jedoch dabei, dass die Berliner Naziszene im Vergleich zum letzten Jahr an Gefahr zugelegt hat. Dies wird vor allem durch die Brandanschläge und die zahlreichen Übergriffe deutlich. Für uns als Antifaschist_innen gilt daher, den Nazis wieder offensiver entgegenzutreten, ihnen keine ruhige Minute zu gönnen und ihre Strukturen offenzulegen und anzugreifen.

Antifa Jugendinfo 08 2011

Antifa Jugendinfo 2011

09

siempre antifascista

wer ist eigentlich nicht Rechtspopulistisch?

Rechtspopulismus in Europa D 

er Begriff Rechtspopulismus ist momentan weit verbreitet, wenn es • Selbstdarstellung als Opfer angeblich nicht vorhandener Meinungsum die Einordnung gewisser neugegründeter Parteien geht. Der Be- freiheit, man würde Tabus brechen und aussprechen, was viele denken, griff sollte allerdings nicht einfach unkritisch übernommen werden, nur sich aber nicht trauen zu sagen; politische Gegner_innen werden ihrerweil es alle so machen. Ursprünglich bezeichnet Populismus sich bevöl- seits als „Faschisten“ oder „Rassisten“ bezeichnet Wenn angegeben wird, „der Islam“ sei frauenfeindlich und homokerungsnah gebende Politik, die bereits vorhandene Stimmungen und Meinungen gezielt für die eigene Sache ausnutzt. Der Begriff wäre somit phob, geschieht das nicht aus emanzipatorischer Motivation, sondern ohne ideologischen Hintergrund anwendbar, was die Möglichkeit eröffnet, aus taktischen Gründen. Erstens ist der Islam äußerst vielschichtig und ihn in die berüchtigte Extremismustheorie einzuordnen. Populismus von religiöse Menschen haben durchaus verschiedene Ansichten, zweitens links und von rechts wären nach diesem Denkmuster ähnlich zu bewerten. ist der dem Islam gegenübergestellte aufgeklärte und tolerante Westen Aufgrund der Anknüpfung populistischer Agitation an z.B. Ängste bezüg- eine patriarchale Unterdrückungsgesellschaft, in der es einzig und allich Sicherheit und Ordnung oder der Infragestellung von Gewohnheiten lein um Leistung geht. Die Medienöffentlichkeit hat im Großen und Ganze verstanden, der Mehrheitsgesellschaft („Leitkultur“) verbietet sich aber prinzipiell der Begriff Linkspopulismus. Linke Politik stellt das System in Frage und will dass „Die Freiheit“ rechts der CDU und nicht in der Nähe der FDP einzuordnen ist. Es gilt der rechtspopulistischen Argumentation den es überwinden und es nicht gegen irgendwelche Feinde verteidigen. Bei den als rechtspopulistisch bezeichneten Parteien Europas, die Nährboden in der Gesellschaft zu entziehen und klarzustellen, dass auf vor allem Stimmungsmache gegen Benachteiligte verschiedener Bevöl- Parteienebene wie auch außerparlamentarisch kein Unterschied zwikerungsgruppen betreiben, ist Populismus somit nur eine Ausrede. Denn schen Rechtspopulismus und Neonazismus besteht. die an Verschwörungstheorien erinnernde Angst vor einer „Islamisierung“ Europas (die angebliche Übernahme der Machtstrukturen durch Muslim_innen) ist klar rassistisch und würde dem Image der selbsternannten Demokrat_innen schaden, wenn sie nicht gut verpackt wäre. Das Argument, dass man ja selbst die Demokratie verteidigen würde und deswegen nicht rechts, sondern irgendwo in der Mitte der demokratischen Parteien einzuordnen sei, ist dabei selbst Bestandteil der Ideologie.

Was Rechtspopulisten gemeinsam haben

Gemeinsamkeiten der Akteur_innen des modernen Rechtspopulismus sind folgende: • Sozialchauvinismus: Stimmungmache gegen eine Bevölkerungsgruppe, oft gegen sozial Benachteiligte, die an ihrem schlechten Stand in der Gesellschaft selbst schuld seien • Rassismus bzw. “Kulturrassismus”: Einordnung von Menschen (Schubladendenken) in feststehende Gruppen aufgrund von Herkunft oder konstruierter Herkunft oder gar der genetischen Anlage, statt „Rasse“ wird heutzutage oft „Kultur“ oder „Ethnie“ verwendet • personelle Verknüpfungen in militante Neonazi-Kreise, diese stellten oftmals die Gründungsmitglieder der neuen Parteien • anti-muslimischer Rassismus: Geert Wilders (“Partij vor de Vrijheid” PVV aus den Niederlanden) und René Stadtkewitz (Ex-CDU Pankow, “Die Freiheit”) haben sich darauf eingeschossen, Europa vor einer angeblichen “Islamisierung” retten zu wollen, die ihrer Meinung nach an jedem Kopftuch im Straßenbild und an jeder_jedem jugendlichen Straftäter_innen mit Migrationshintergrund erkennbar ist, ihr Motiv ist die Angst • pro-israelisch: Im Zusammenhang mit der Verteidigung sogenannter westlicher Werte (Aufklärung) wird im Nahostkonflikt Stellung für Israel und vor allem gegen Palästina als Vorposten der islamischen Welt bezogen, ein von Rechtspopulist_innen geprägter Begriff ist das „christlich-jüdische Abendland“. Wie treu Europa zu seinen christlichjüdischen Wurzeln steht, hat die Geschichte gezeigt.

Rechtspopulismus in Berlin In Berlin sind es besonders die beiden Kleinparteien „Die Freiheit“ und „Pro-Deutschland“, die mit rechtspopulistischen Parolen auf sich aufmerksam machen. Beide blieben allerdings mit 1 bzw. 1,2 Prozent weit hinter ihren Erwartungen bei der Abgeordnetenhauswahl zurück. “Die Freiheit” wurde erst im Oktober letzten Jahres von dem ehemaligen CDU-Mitglied René Stadtkewitz in Berlin gegründet. Inzwischen gibt es deutschlandweit auch andere Landesverbände der Partei; so beispielsweise in Hamburg. Die Partei “Pro Deutschland” wurde bereits 2005 gegründet. Hervorgegangen ist sie aus “Pro-Köln”, einer in Köln recht erfolgreichen rechtsradikalen „Bürgerbewegung“. Der Bundesvorsitzende von “Pro Deutschland”, Manfred Rouhs, war früher Mitglied bei der NPD, den Republikanern und verschiedenen anderen extrem rechten Organisationen. Aufgrund des schlechten Abschneidens bei der Abgeordnetenhauswahl gibt es inzwischen Bemühungen, die Parteien zu vereinen. Thematisch sind sie sich recht ähnlich: Innere Sicherheit und die Furcht vor dem Islam sind die beiden Hauptthemen. Ansonsten verstehen sie sich beide als pro-israelisch und pro-amerikanisch und betonen bei jeder Gelegenheit, nicht „rechtsextrem“ zu sein. Bei genauerer Betrachtung ihrer Wahlprogramme wird jedoch deutlich, dass sie in Sachen rassistischer Propagandha und autoritärem Staatsverständnis der NPD in nichts nachstehen!

Antifa Jugendinfo 10 2011

siempre antifascista

heiSSer herbst in warschau

Polens größter Naziaufmasch steht bevor – Antifaschist_innen rufen zu Blockaden auf A 

m 11. November wird der polnische Nationalfeiertag begangen. die antirassistische NGO „Nigdy Wiecej (Never Again)“ vor Ort versuZugleich findet seit nunmehr 21 Jahren ein Neonaziaufmarsch chen einzuschüchtern. Militante Neonazi-Parteien wie die „Nationale durch Warschaus Innenstadt statt, der sich zum bedeutendsten Ereig- Wiedergeburt Polens“ oder Organisationen wie das „Radikale Nationanis für polnische Neonazis gemausert hat. Die Teilnehmer_innen des le Lager“ stellen das Sammelbecken eines Großteils der gewaltbereiten Aufmarsches sind dabei nicht nur optisch als „klassische“ Neonazis Naziszene dar. Hand in Hand mit Neonazis gehen auch die reaktionäzu bezeichnen: Antisemit_innen, Antikommunist_innen und Homo- ren Teile der katholischen Kirche und ehemalige mitregierende Rechtsphobe aus allen rechten bis neonazistischen Spektren finden an diesem parteien wie die „Liga der polnischen Familien“. Die Stoßrichtung bei Tag zusammen. 2010 waren mehr als 1700 Neonazis anwesend – die- allen drei Akteuren, ob gemeinsam gegen den Gay Pride March im ses Jahr wird die Teilnehmer_innenzahl auf mehr als das doppelte ge- Sommer oder am 11. November in Warschau, ist klar: Gewalt gegen schätzt. Polnische Neonazis außerhalb von Parteien haben sich nach Queer-People, Linke und Jüdinnen und Juden sowie die Forderungen dem Vorbild deutscher Kameradschaften organisiert, ganz wie ihre nach einem „Großpolen“.

„Kameraden“ in Tschechien. Gerade die in Kameradschaften organisierten Neonazis werben massiv unter Jugendlichen – auf ihren eigenen „Blood&Honour“-Konzerten und in Fußballstadien. Dabei kooperieren polnische Neonazis auch gerne mit deutschen Kameraden, die über die Grenze fahren, um fernab von staatlicher Repression Rechtsrockkonzerte erleben und den rechten Arm heben zu können. Auch suchen sie nach Ersatzveranstaltungen für die inzwischen verschwundenen Großdemos in Dresden oder Wunsiedel, neuerdings ist auch die Anti-KriegsDemo in Dortmund kein Zuckerschlecken mit Polizeischutz mehr. Vereine wie Lechia Gdansk und Legia Warschau, von der ersten Liga bis hin zu den Bezirksligen, können auf eine große nationalistische und rassistische Hooliganszene verweisen. Die Stadien dienen den Neonazis als Rekrutierungsfeld, um Jugendliche zu Rechtsrockkonzerten und Aufmärschen einzuladen. Offen agierende antifaschistische Fußballfans gibt es aufgrund der rechten Dominanz nur sehr wenige. Auch in Polen existieren „AntiAntifa“-Strukturen, die die wenigen zivilgesellschaftlichen Kräfte wie

Pami taj c oznacza walk! Erinnern heißt Kämpfen!

21 Jahre Naziaufmarsch in Warschau bedeuten auch 21 Jahre antifaschistischen Protest. Wir möchten unsere Genoss_innen in Polen unterstützen und rufen Euch auf, nach Warschau zu fahren – Informieren, Demonstrieren, Blockieren! Gemeinsam werden wir nach dem Aufmarsch in Dresden nun Warschau zum Schauplatz erfolgreicher antifaschistischer und antirassistischer Widerstände machen. Kommt mit und reiht euch ein – gemeinsam für eine starke internationale Antifa-Bewegung! 11. November 2011 in Warschau: Nazis blockieren! Venceremos!

Antifa Jugendinfo 2011

11

siempre antifascista

Subkulturen und ihre Probleme

S 

ubkulturen haben eine lange Tradition. Sie bieten Alternativen und werden mit rechtsoffenen Bands in rechtsoffenen Locations veranstaltet Freiräume im kapitalistischen Alltagsstress. Sie waren und sind seit und es gibt keine Berührungsängste zwischen den Lagern. Das Feindjeher Ausdruck einer rebellischen und systemkritischen Jugendbewe- bild lautet Antifa und ist sogleich das Fundament für einen gemeinsagung. Durch die Subkultur kommen Jugendliche oft erstmals in Kontakt men Standpunkt. Wir, als RASH, finden die derzeitigen Verhältnisse mit Politik. Zudem versuchen sie sich von der Mehrheitsgesellschaft zum Kotzen und distanzieren uns ganz klar von diesen Entwicklungen! zu distanzieren, indem sie sich bewusst durch entsprechende Musik, Wir fordern einen klaren antifaschistischen Konsens in der Subkultur. Kleidung und oft auch Verhalten abgrenzen. Vor allem in der Punk- Verhaltensmuster, die die Parallele zur Gesellschaft bieten, müssen beund Skinheadbewegung, aber auch in anderen Teilen der Subkultur, kämpft werden und haben in der Szene nix zu suchen. Für uns bedeutet geht jedoch in den letzten Jahren ein klarer antifaschistischer Grund- Subkultur mehr als Party und cooles Outfit. Eher betrachten wir uns satz verloren. Dafür gibt es mehrere Gründe: Durch die Kommerzi- als Gegenkultur zu diesen kapitalistischen Zuständen. In diesem Sinne: alisierung wird eine Massentauglichkeit in der Subkultur angestrebt. stay rude and stay rebel, kick fascism out of our subculture! Äußerlichkeiten gewinnen an Bedeutung, wodurch politische Inhalte zweitrangig werden. Viel zu oft dienen die antirassistischen Wurzeln nur als Ausrede, weitere Diskussionen zu umgehen und grenzwertige Verhaltensmuster zu rechtfertigen. Dieser leichtsinnige Umgang bietet Infos über Rechtsrock rechtsoffenen bis sogar extrem rechten Strukturen Einfluss in die Szene. Turn It Down > www.turnitdown.de Leider existieren heute die unterschiedlichsten Ansichten. Antifaschistisches Infoblatt > aib.nadir.org/index.php/archiv/58-ausgabe-91 Gerade in Teilen der „unpolitischen“ Oi! - Szene wird das Ganze Oire Szene Blog > oireszene.blogsport.de auf eine Wochenendrebellion abgetan. Unter der Woche wird ein gutbürgerliches Leben geführt und am Wochenende wird sich in Schale geschmissen. Politische Ideale gibt es nicht! Es gibt einen Leitspruch: „Ficken, Saufen, Oi!“. Der Spaßfaktor steht im Vordergrund. Konzerte

Antifa Jugendinfo 12 2011

Rigaer 94

Der repression ein bein stellen

Zum Umgang mit staatlicher Repression … M 

enschen, die sich gegen Kapitalismus und Staat zur Wehr setzen und auf dem Wege zu etwas Besserem als dem täglichen ganz normalen Wahnsinn auch noch ein paar Nazis platt machen, sind immer wieder von Repression betroffen. Kann die staatliche Politik sie nicht in den Mainstream integrieren, so wird versucht, diese Menschen zu kontrollieren und abzuschrecken. Es gibt aber zahlreiche Möglichkeiten, dem Staat bei dieser Arbeit in die Suppe zu spucken.....

Tricks gegen Überwachung

Um zusammen etwas zu starten, muss mensch sich verabreden. Und da fängt nicht selten der Ärger an: mit Facebook und Ähnlichem könnt ihr viele Leute erreichen; es ist leicht, Infos weiterzugeben. Aber Vorsicht: häufig liest der Verfassungsschutz mit! Um diese Netzwerke einigermaßen sicher nutzen zu können, ist es eine gute Idee, wenn ihr eine anonyme Seite anlegt, die mit eurem richtigen Namen nicht in Verbindung steht. Idealerweise benutzt ihr dazu einen anderen als euren privaten Rechner, da alle Computer Datenspuren im Netz hinterlassen. Das Gleiche gilt für Handys: überall dort, wohin ihr sie mitnehmt, hinterlassen sie eine Datenspur, anhand derer die Bullen ein Bewegungsprofil von euch erstellen können. Sie können also später, wenn es irgendwo gekracht hat, feststellen, welche Handys sich zu diesem Zeitpunkt in der nächsten Funkzelle eingeloggt haben. Und natürlich können sie auch – sollten sie euch schon auf dem Kieker haben – Gespräche und andere Datenübertragungen abfangen und mitlesen. Habt ihr es geschafft, euch zu verabreden, ohne dass die staatlichen Spitzel was mitbekommen haben, steht ihr nicht selten vor dem nächsten Problem: ob bei Demo oder Aktion in der Öffentlichkeit, ständig zücken Leute ihre Handys und filmen alles ab, was ihnen vor die Linse kommt. Was für die Einen ein nettes Andenken ist, kann in den falschen Händen für die Anderen schnell zu einem großen Problem werden. Häufig schon haben sich Bullen gewaltsam Handys und Kameras angeeignet und sind so an belastendes Filmmaterial gekommen. Oder sie durchstöbern einfach Youtube nach allem, was für sie interessant sein könnte. Es ist also eine gute Idee, Leute anzusprechen, die wild umher filmen und sich der möglichen Konsequenzen oft nicht bewusst sind. Kameras haben auf Demos und Aktionen nix verloren! Das gleiche gilt für Vertreter_innen der Springer- und anderer hetzerischer Presse. Macht denen eine klare Ansage, dass sie nicht erwünscht sind! Eine Ausnahme stellen befreundete Fotograf_innen dar, die selbst aus einer politischen Motivation heraus handeln und verantwortungsbewusst mit ihrer Kamera und dem eingefangenen Material umgehen. Sie sind manchmal durch eine einheitliche Presse-Binde am Arm gekennzeichnet, die am Anfang einer Demo oder Aktion von den Veranstalter_innen ausgegeben wird.

Wenn der Staat doch mal zuschlägt....

Repression beginnt nicht erst bei einer Verhaftung. Genauso, wie die Bullen euch mit dem Gedanken an mögliche Gerichtsverfahren abschrecken wollen, so versuchen sie, durch martialisches Auftreten und wildes Tonfa-Schwingen eine Atmosphäre der Angst zu schaffen. Es ist normal, sich auch mal eingeschüchtert zu fühlen, und wenn mensch bei einer Demo vielleicht mal was abbekommen hat, erst mal eine Pause von Veranstaltungen mit wütenden Bullen zu brauchen. Nehmt eure Ängste ernst und versucht mit anderen darüber zu reden. Das hilft auf Dauer oft viel mehr, als zu versuchen die Zähne zusammen zu beißen und bei allem mitzumachen, auch wenn ihr euch gerade nicht danach fühlt. Für Leistungsdruck ist schließlich der Kapitalismus zuständig und nicht eine solidarische Bewegung! Haben euch die Bullen dann doch mal „eingesackt“, so ruft Umstehenden euren Namen zu. Idealerweise seid ihr von Anfang an in einer Bezugsgruppe unterwegs, die euer Verschwinden bemerkt und sofort tätig wird. Wenn der Ermittlungsausschuss erreichbar ist, sollte eine Person aus der Bezugsgruppe dort anrufen, damit euch möglichst schnell ein Anwalt/ eine Anwältin geschickt wird. Ihr selbst sagt den Bullen außer Name, Geburtsdatum, Berufststatus (wie z.B. Schüler_in oder Angestellte) und Adresse nichts, aber auch rein gar nix. Selbst wenn es sich eurer Meinung nach um eine fürchterliche Verwechslung handelt, so solltet ihr euch nur dem Anwalt/ der Anwältin anvertrauen. Seid ihr wieder draußen, atmet erstmal tief durch. Vielleicht stehen vor der Polizeistation Leute, die Prisoner Support machen (immer eine gute Idee, sowas zu organisieren!) und die euch mit einem Tee und warmen Worten in Empfang nehmen. Gönnt euch was Gutes und redet mit Freund_innen über das Erlebte. Dabei solltet ihr beiseite lassen, ob ihr denn die euch vorgeworfene Tat begangen habt und auch keine Details von Aktionen preisgeben. Kotzt euch lieber aus, wie scheiße die Bullen waren oder auch wie dämlich. Und wenn ihr dann noch ein bisschen Energie habt, könnt ihr euch überlegen, wie ihr den Spieß umdreht: das geht beispielsweise mit Aufklebern und Plakaten von besonders fiesen Bullen oder mit einem guten Text zu dem Vorfall. Denn negative Publicity mögen die Herren und Damen Staatsterror gar nicht und mensch kann hoffen, ihnen die eine oder andere schlaflose Nacht zu bereiten.... Noch ein Schlusswort: bei aller Vorsicht, die bei der Planung und Durchführung von Aktionen geboten ist , solltet ihr euch vom Thema Überwachung und Repression nicht verrückt machen lassen. In Berlin geht verdammt viel und es ist immer eine gute Zeit, um auf die Straße zu gehen!

Antifa Jugendinfo 2011

Los jetzt hier!

Demo 1x1 V 

ielleicht ist das deine erste Demo, vielleicht auch deine hundertste, auf jeden Fall ist es immer sinnvoll sich vor einer Demo noch einmal darauf zu besinnen, was Mensch dabei haben sollte, was nicht und was eventuell noch vorbereitet werden könnte. Genau darum soll es im folgenden Text gehen.

Take your friends...

13

Vermumm dich!

Vermummung ist zwar auf Demos verboten, kann jedoch in manchen Situationen sehr sinnvoll sein. Das soll nicht heißen, dass du dich auf jeder Demo gleich vermummen sollst, aber wenn du dich an Aktionen beteiligst wie z.B. Steine auf Bullen schmeißen, solltest du dein Gesicht auf jeden Fall unkenntlich machen. Es ist besser, wegen Vermummung festgenommen zu werden, als wegen schwerem Landfriedensbruch. Als Vermummungsgegenstände sind ein Schal und eine Mütze sehr gut geeignet. Aber auch ein T-Shirt eignet sich, wie auf dem Bild zu sehen ist, bestens um dein Gesicht zu verdecken. Gerade bei Vorkontrollen sind das Gegenstände, die dir die Bullen nicht wegnehmen, im Gegensatz zu einer Skimaske oder Ähnlichem. Also viel Spaß beim Umsetzten und lass dich nicht wegfangen!

oder: Einen Finger könnt ihr brechen aber fünf Finger sind ‚ne Faust! Auf eine Demo solltest du möglichst nicht alleine gehen. Zusammen macht es mehr Spaß und es ist auch sicherer. Frage doch vorher ein paar Freund_innen von dir, ob sie zusammen mit dir für die Demo eine Bezugsgruppe gründen wollen. Ihr überlegt euch vor der Demo was ihr machen wollt und tauscht Erfahrungen aus, damit ihr während Watch out der Demo wisst, was die Menschen, mit denen ihr unterwegs seit, ma- Nicht alle Menschen auf einer Demo die dich freundlich anlächeln und chen wollen oder vor welchen Situationen sie Angst haben und diese schwarze Klamotten tragen, sind Genoss_innen. Leider mischen sich deshalb gemieden werden sollten. Ein weiterer wichtiger Punkt, war- immer wieder Bullen in zivil in die Demo, um zu überwachen, Infos um ihr euch zu einer Bezugsgruppe zusammen finden solltet, ist eure nach „draußen“ zu geben oder Festnahmen einzuleiten. Deshalb ist Sicherheit. Ihr könnt gemeinsam Gefahren einschätzen, aufeinander Vorsicht geboten. Wenn ihr das Gefühl habt, neben einem Zivibullen aufpassen und im Ernstfall weiß die Person, die festgenommen wurde, zu laufen, fragt doch einfach mal nach...meistens verraten sich diese dass draußen Freund_innen warten die sich um alles kümmern oder dann durch ihre Reaktion. Nehmt Infos zu Aktionen nur von Freund_ sie aus der Gesa (Gefangenensammelstelle) abholen. innen an und gebt sie auch nur an diese weiter. Sonst bringt ihr euch und andere in Gefahr.

Ich packe meine Tasche...

und nehme mit: Was ihr auf einer Demo auf jeden Fall dabei haben Der EA ist dein_e Freund_in... solltet sind angemessene Klamotten und gemütliche Schuhe. Bei den Ist der Ernstfall eingetroffen und eine_r deiner Freund_innen ist festKlamotten ist es wichtig nicht nur den schwarzen Kapu einzupacken, genommen worden: erstmal keine Panik. Nachdem ihr kurz durchgesondern vielleicht auch etwas Farbiges oder Unauffälliges dabei zu atmet und euch eine ruhige Ecke gesucht habt, ruft ihr am besten den haben, um in heiklen Situationen den Bullen nicht durch den Klei- Ermittlungsausschuss (EA) an. Der Berliner EA ist unter der Nummer dungsstil aufzufallen. Außerdem solltet ihr einen Stift und einen Zet- 030/ 69 22 222 zu erreichen. Die Nummer könnt ihr euch auf den Arm tel mitbringen um euch die Nummer vom Ermittlungsausschuss (EA) schreiben, damit ihr sie nicht vergessen und die Bullen sie euch nicht aufzuschreiben und für den Ernstfall etwas Kleingeld, um aus der Gesa wegnehmen können. Der EA braucht von euch den Namen, das Getelefonieren zu können. Wenn ihr regelmäßig Medikamente nehmen burtsdatum und die Meldeadresse der_des Festgenommenen. Falls ihr müsst, nehmt diese unbedingt mit. Und eine Flasche Wasser kann auch den Vorwurf der Bullen kennt gerne auch den. Aber keine Spekulationie schaden. Was ihr auf jeden Fall zu Hause lassen solltet sind alle nen am Telefon! Der EA wird sich dann mit diesen Informationen ein „verbotenen“ Gegenstände wie Waffen und Drogen. Bitte denkt daran, Bild von der Situation machen und alles tun, um euren Mitstreiter_invor der Demo keinen Alkohol zu konsumieren oder Drogen zu neh- nen zu helfen. Vor allem setzen die Leute alles daran, dass niemand men - damit bringt ihr euch und Andere in Gefahr. Außerdem lasst alle im Knast vergessen wird und ohne Anwältin oder Anwalt vor den/die persönlichen Gegenstände wie Adress- oder Tagebücher zu Hause. Bei Haftricher_in kommt. Daher ist es besonders wichtig, dass ihr dem EA einer Festnahme würden die Bullen das gegen dich und deine Freund_ Bescheid sagt, wenn ihr oder eure Leute wieder draußen seit. Ansonsinnen verwenden. Auch dein Handy kann gut zuhause bleiben. Zum ten heißt dass unnötige Arbeit für den EA und die Anwält_innen und einen finden die Bullen darauf auch viele private Infos, die sie nichts für euch eventuell einen frühmorgendlichen Anruf. Wenn ihr Festnahangehen, zum anderen können sie dich orten und deine Anwesenheit men beobachtet versucht den Namen und das Geburtsdatum der festan einem Ort beweisen. Zuletzt geschehen am 19.2.2011 in Dresden, genommenen Person zu erfahren z.B. durch Zurufen und meldet auch wo die Bullen tausende Handydaten aufzeichneten und nun Antifa- das dem EA. Damit auch andere euch helfen können, ruft während schist_innen kriminalisieren, weil sie in Dresden waren. Der letzte eurer Festnahme laut euren Namen und Geburtsdatum. Punkt, und dann kann’s losgehen, bitte lass auch deine Digicam zuhause und mach auch keine Fotos oder Videos mit dem Handy auf der In der Hoffnung, dass all diese Informationen nicht zur praktischen Demo. Das bringt Menschen in Gefahr da, bei einer Beschlagnahmung Anwendung kommen müssen.... deine Fotos als Beweismittel von den Bullen genutzt werden können. Also in diesem Sinne „No camera No problem“ Viel Spaß und Erfolg auf der diesjährigen Silvio Meier Demonstration!

Antifa Jugendinfo 14 2011

„No Justice No Peace“-Bündnis

tödliche polizeigewalt

Kein Opfer ist je vergessen! I 

Der Anteil Menschen afrikanischer Herkunft an der Bevölkerung n den siebziger Jahren wurden in der BRD mindestens 127 Menschen von der Polizei erschossen, in den achtziger Jahren waren es in Deutschland ist gering, ihr Anteil an Todesopfern durch Polizeige123, die von Polizeikugeln tödlich getroffen wurden. Seitdem liegt der walt jedoch extrem hoch. Sie wurden durch Hetzkampagnen der Redurchschnittliche Mittelwert bei angeblich 13 Menschen, die pro Jahr gierung quasi zu Rechtlosen. So wie Menschen ohne deutschen Pass überproportional oft von von der Polizei erschossen werden. Aber 1993 waren es zum Beispiel der Polizei getötet werden, trifft es auch so genannte „Intensivtäter“ 16 und 1995 sogar 21 Todesschüsse durch Beamt_innen. Hinzu kommen Menschen, die nach ihrer Festnahme aus unge- oder „psychisch Kranke“, eine Formulierun,g die oft gebraucht wird, klärten Gründen im Polizeigewahrsam sterben. Diese Fälle werden oft wenn Frauen von der Polizei erschossen werden. Diese Gruppen haben keine Lobby und ihr Tod geht meistens ohne als Selbstmord deklariert, manchmal ist die Todesursache aber offenkundig gewaltsam. So wurde Stephan Neisius am 11. Mai 2002 in einer großes Aufsehen über die Bühne. Nur wenn die Opfer ein soziales UmKölner Wache derart verprügelt, dass er zwei Wochen später starb. Und feld haben, dass sich mit der Ermordung nicht abfindet und entsprechend tätig wird, folgt auf einen tödlichen Polizeieinsatz mehr als eine Oury Jalloh verbrannte 2005 in einer Zelle der Dessauer Polizei. Zusätzlich sterben Menschen bei Polizeieinsätzen ohne Schusswaf- kleine Zeitungsnotiz. Als Antifaschist_innen haben wir die Aufgabe, dem selbstherrlifengebrauch, sie ersticken wie Aamir Ageeb am 28. Mai 1999 in Frankfurt bei einer Abschiebung, werden mit der Verabreichung vonBrech- chen Definieren durch Staat und Polizei, wer leben darf und wer nicht, mitteln getötet, wie Achidi John in Hamburg, oder sterben durch den etwas entgegen zu setzen. Die Entscheidung von Polizeibeamt_innen, Einsatz von Pfefferspray, wie Slieman Hamade am 28. Februar 2010 in einen Menschen zu töten, ist immer unmenschlich und entspricht eiBerlin. Nicht wenige Leute sterben auch auf der Flucht vor der Polizei, ner totalitären Weltsicht, die die Grenzen zwischen autoritären Demokratien und faschistischen Diktaturen fließend macht. sei es durch Verkehrsunfälle oder mysteriöse Fensterstürze. Kein Staat hat das Recht, Menschenleben auszulöschen, um AbWenn ein Mensch in Deutschland von der Polizei getötet wird, behauptet diese immer, dass es in Notwehr geschehen sei oder durch die schiebungen durchzusetzen, Eigentumsverhältnisse aufrecht zu erVerkettung unglücklicher Umstände oder ,dass der Polizeieinsatz gar halten, Drogenhandeln zu unterbinden oder aufällige Personen zu nicht den Tod verursacht habe. Trotzdem ermittelt die Polizei formal selektieren. Und kein_e Beamt_in darf sich hierbei auf einen Befehlsgegen die Beamt_innen, um dann später deren korrektes Verhalten notstand berufen können. Wir müssen Polizeigewalt öffentlich machen und wir müssen dabei festzustellen. Die Presse übernimmt fast immer ohne jede Kritik den Wortlaut der Polizeimeldungen. In ganz seltenen Fällen landet doch so laut und unberechenbar sein, dass die Gesellschaft nicht an diesem mal ein_e Polizist_in vor Gericht und noch seltener kommt es zu einer Thema vorbeikommt. Auch die Berliner Polizei wird in absehbarer Zeit Verurteilung. So wurde der Polizeikommissar Reinhard Rother wegen wieder töten und es wäre notwendig, wenn dann mehr Leute auf die Totschlag an Dennis J. am Silvesterabend 2008 in Schönfließ zu einer Strasse gingen als nach der Erschießung von Andrea H. im Märkischen Viertel. Bewährungsstrafe verurteilt. Dass Presse und Justiz sich davor scheuen, Polizeibeamt_innen härter anzufassen, wenn diese einen Menschen zu Tode bringen, hat mehrere Gründe: Weitere Infos Ein Staat könnte nicht mehr auf die Angst der Bürger_innen setzen, Über tödliche Polizeigewalt gibt es keine verlässlichen Statistiken wenn seine Beamt_innen nicht mehr bereit wären, auf Befehl zu töten der Behörden, Organisationen wie CILIP versuchen, solche Fälle zu recherchieren. oder jede Normabweichung mit ultimativer Gewalt zu beantworten. Denn den Staat hält auch die Angst zusammen. Wäre die Polizei nicht CILIP > www.cilip.de No Justice – No Peace > nojusticenopeace.blogsport.eu mehr bereit, tatsächliche oder vermeintliche Straftäter_innen und zur Kampagne für Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt > www.kop-berlin.de Not auch Unbeteiligte zu töten, weil der_die einzelne Beamt_in mit Repressalien rechnen würde, könnte der Staat nicht mehr auf die GeDemo gegen Polizeigewalt setzestreue seiner Bürger_innen hoffen. So „denkt“ jedenfalls der Staat „Wir vergessen nicht – Slieman Hamade gedenken“ 19 Uhr – U-Bahnhof Kleistpark mit seinem Anspruch auf das Gewaltmonopol. Und die Presse erfüllt Infoveranstaltung zu tödlicher Polizeigewalt in Deutschland auch nur ihre Funktion als System erhaltende Kraft. 21 Uhr – Drugstore (Potsdamer Strasse 180) Dabei ist es selten ein Zufall, wer durch die Polizei zu Tode kommt. Fast immer trifft es Menschen, die zu Gruppen gehören, die von Politik und Medien stigmatisiert werden und so in der Gedankenwelt der Polizeibeamt_innen als „vogelfrei“ gelten.

Antifa Jugendinfo 2011

15

Antifaschistische Linke Berlin

nehmen wir uns die stadt zurück!

Organisiert euch gegen steigende Mieten! N 

ew York, London, Bitterfeld – schon lange sind die Zentren der west- Wer sich dabei nicht verarscht fühlt, hat die kapitalistische Logik vielleicht lichen Metropolen Spielplätze kapitalistischer Lebensfreude. Banker, echt schon zu sehr gefressen. Die Städte werden so zum harten Pflaster Topmodels und andere Krisengewinner_innen der Leistungsgesellschaft für alle, die wenig verdienen oder nicht ins marktliberale Weltbild passen. laden zu Cocktailpartys in ihre schicken Eigentums- oder Loftwohnun- Rassistische und sozialdarwinistische Hetze à la Sarrazin versucht diese gen. Die Straßen verführen zu einem Kaffee in Starbucks oder einer Bum- Ausgrenzung zu rechtfertigen: Hartz4-Beziehende seien eben faul und bemeltour zwischen Luxusboutiquen und Kaufhausketten, die die Läden, mühen sich nicht genug. Auch Muslim_innen seien selber schuld, denn die wir lieben, vertreiben und dazu führen, dass die Innenstädte überall entweder sind sie mutmaßliche gefährliche Terrorist_innen oder haben gleich aussehen. Eine quietschpinkglitzernde Disneyhollywoodzauber- zumindest keine „produktive Funktion außer für Dönerbude oder den welt – für die Spitzenverdiener_innen der Gesellschaft. Und der Rest? Obst- und Gemüsehandel“. Der von Sarrazin geschürte Hass trägt FrüchDie Cinderellas dieser Welt, deren Schuh nicht zufällig von irgendeine_r te: dieses Jahr gab es schon zahlreiche Anschläge auf Moscheen in Berlin. Top-Manager_in gefunden wurde, quetschen sich an den Rändern der Dies alles gehört zu der neoliberalen Stadtentwicklung, die unter dem Metropolen in dunklen Kabuffs von 10 m² und sind froh, wenn nach der Begriff Gentrifizierung oder Stadtumstrukturierung diskutiert wird. OftMietzahlung genug für den Monat übrig bleibt. Und schon jetzt muss mals wird dieser Prozess als natürlich und unsteuerbar dargestellt. Doch in etwa jedem zweiten Haushalt, der Hartz4 bezieht, ein Teil der Miet- die kapitalistische Stadtentwicklung wird politisch bewusst durchgesetzt, kosten vom Regelsatz bezahlt werden, da die Menschen keine Wohnung durch Privatisierungen und durch Großprojekte wie MediaSpree. Mögfinden, die nach den strengen Maßgaben vom Amt bezahlt wird. Nun ist lichkeiten zur sozialpolitischen Steuerung der Stadtentwicklung werden Berlin noch lange nicht New York oder Paris, doch arbeiten Politiker_in- nicht genutzt: Mietobergrenzen gibt es nicht,landeseigener Wohnungsnen, neoliberale Städteplaner_innen und die Immobilienwirtschaft auch bestand wird privatisiert – in Berlin über 150.000 Wohnungen unter rothierzulande kräftig an ihrem Wunschtraum von überteuerten Massoi- rot. Wir können jetzt mal gespannt sein, wie es damit weitergeht. Mit nette-Wohnungen in bester Parklage. Dazu gehören dann immer mehr dem Handel von Wohnraum werden dann Gewinne eingefahren: Die Glasdächer und Whirlpools, dafür aber immer weniger Nachbar_innen neuen Eigentümer_innen der privatisierten GSW fahren allein über die und Musik höchstens in Zimmerlautstärke. Vermietung 15 Prozent Profit ein, das macht einige hundert Millionen In den letzten vier Jahren sind in Friedrichshain-Kreuzberg die Euro jährlich. Die Mieten wurden derweil um bis zu 20 Prozent erhöht. Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen und -häuser um mehr Wir wohnen hier und wir wollen bestimmen wie die Städte um uns als ein Drittel gestiegen und Anleger_innen setzen drauf, dass diese herum aussehen. Wir wollen uns nicht von irgendeiner ImmobilienfirEntwicklung weitergeht. Diese Immobilienfirmen kaufen Häuser vor ma die Wohnung unter dem Arsch luxussanieren lassen und dafür auf allem als Spekulationsobjekte, also nicht um sich in irgendeiner Weise einmal doppelte Miete bezahlen. Wir wollen in Tempelhof nicht einen nachhaltig zu engagieren, sondern vor allem, weil sie die Häuser lu- merkwürdigen Schickimicki-Park mit Wachschutz, wo alles verboten xussanieren möchten, um möglichst hohe Mieten und damit möglichst ist und der abends geschlossen wird. Wir wollen selbst bestimmen, wie hohe Renditen einzufahren und die Häuser dann in einigen Jahren die Parks aussehen, in denen wir chillen. Wir wollen Platz für Skaterwieder mit ordentlicher Wertsteigerung zu verkaufen. Dazu gehört oft parks und ganz allgemein Platz, in dem wir uns ausdrücken können, auch, dass sie die Häuser systematisch entmieten und dann teilweise wie wir wollen, ab von jedem Zwang, auch dem kapitalistischen Zwang auch erstmal leerstehen lassen, da das die Sanierung, Neuvermietung Eintritt bezahlen zu müssen oder überteuerte Getränke zu kaufen. Das und den Verkauf erleichert. ist unsere Stadt und wir wollen sie so gestalten, dass wir uns wohlfühDie Folgen werden spürbar: In Berlin sind die Mieten laut jüngst len. Wir haben dieses triste Grau in Grau satt. Wir wollen eine bunte, veröffentlichtem Mietspiegel noch nie so stark gestiegen wie in den lebendige Stadt. Wir setzen Farbe gegen dieses Einerlei. Schon länger gibt es in Berlin Widerstand gegen diese Prozesse letzten zwei Jahren. Für eine Altbauwohnung innerhalb des Rings haben sich die Mieten teils sogar verdoppelt. Und durch den Miet- der Stadtumstrukturierung. Die Veröffentlichung des Mietspiegels spiegel selbst wird kräftig an dieser Preisschraube gedreht. Was uns wurde gleich zweimal von Aktivist_innen gestört. In nahezu jedem als unabhängiges Instrument gegen Mietwucher verkauft werden soll, Kiez treffen sich Menschen in Kiezinitiativen, um sich auszutauschen, ist in Wahrheit die Garantie für Wohnungsbesitzer_innen, ihre Mie- konkrete Aktionen gegen die von oben aufgedrückten Veränderungen ten immer weiter nach oben zu drehen, denn Berechnungsgrundlage zu machen und sich gegenseitig zu unterstützen und zu beraten, wie für den Mietspiegel und somit für die sogenannte „ortsübliche Ver- man vorgehen kann, wenn zum Beispiel die nächste Mieterhöhung im gleichsmiete“ sind nur die Mietverträge, die in den letzten vier Jahren Briefkasten gelandet ist. Anfang September gab es eine große Demo, neu abgeschlossen wurden. Und für diese gibt es überhaupt keine bei der sich die ganz unterschiedlichen Akteur_innen zusammengetan preislichen Beschränkungen. Die ganzen billigen Mietverträge von haben, um gemeinsam gegen steigende Mieten und die Verdrängung Menschen, die schon jahrelang in einem Kiez wohnen, bleiben un- aus den Innenstädten zu demonstrieren. Die Überflüssigen der Städte berücksichtigt, wenn berechnet wird, wie hoch die durchschnittliche verschaffen sich Gehör und kündigen die nächsten Kämpfe bereits an. Nehmen wir uns die Stadt zurück! Miete in ihrem Bezirk ist.

Antifa Jugendinfo 16 2011

Initiative für ein aktives gedenken

Aus Konsequenz und in gedenken

Die Zeit für ein offizielles Gedenken an Silvio Meier ist reif! I 

m November 2010 wurde neben der Silvio-Meier-Demonstration eine Podiumsdiskussion in der Theaterkapelle Friedrichshain veranstaltet. Die „Initative für ein aktives Gedenken“ stellt sich und ihr Anliegen der Umbenennung einer Straße in Friedrichshain nach Silvio Meier vor. Daneben saßen Freke Over, langjähriger Anmelder der Silvio-Meier-Demonstration, Vertreter der Antifaschistischen Linken Berlin und aktive Anwohner. Jenseits des nicht lösbaren Streits um den Willen von Silvio Meier selbst konnte anhand vorgebrachter Kritik die Ausrichtung der Initiative verbessert werden. Es geht darum Silvio Meier nicht nur als Person darzustellen sondern anhand von Silvio linke Bewegungen der letzten Jahrzehnte sichtbar zu machen. Als Punk beteiligte sich Silvio in der DDR-Opposition, organisierte mit unter die Umwelt-Bibliothek bei der Zionskirche, druckte die Umweltblätter, publizierte den „mOArning star“ und baute die Kirche von Unten auf. Jedoch hat er sich nicht nur vor 1990 eingemischt, sondern auch später Zivilcourage gezeigt. So besetzte Silvio mit Bekannten die jetzige Villa Felix in der Schreinerstraße und war darüber hinaus in der Besetzerszene. Seit 1991 baute er das Druckerkollektiv Hinkelstein auf. Als Silvio Meier starb, war er nicht der erste durch Neonazis ermordete und am gleichen Wochenende wurden drei Menschen bei rassistisch motivierten Brandanschlägen in Mölln um ihr Leben gebracht. Dennoch Silvio war der erste Linke der durch Neonazis getötet wurde. Die einzige Reaktion von Seiten des Staates war es den Mord als Unfall in einer Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Straßenbanden zu verklären. Die Konsequenz für Bekannte und Freunde war der antifaschistische Kampf gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft und auch gegen Neonazisgruppen und Parteien. Jedes Jahr findet nun in Gedenken an Silvio Meier eine antifaschistische Demonstration in Ostberlin/ Friedrichshain statt. Mehrere rechte Treffpunkt wurden mit Hilfe des Protestes geschlossen, darunter das Café Germania, Two-Flag-Store, der Schreinerhof und die Kiste. Aber auch anderweitig wird immer wieder versucht gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen und zu thematisieren.

Dennoch im Verlauf der letzten Monate setzte die Initiative für ein aktives Gedenken für ihre Forderung ein. Ein offener Brief an die BVV wurde durch zahlreiche Gruppen, Strukturen, Läden, Häusern, und Einzelpersonen aus Friedrichshain unterstützt. Einige fühlten sich motiviert selbst die Gabelsbergerstraße umzubenennen und schon davor wurde der U-Bahnhof Samariterstraße mit einem neuen Namen versehen. Doch auch direkte Anfragen an die Verwaltungsämter und Bezirkspolitiker führte nur zu formal ablehnenden Äußerungen derer. Eine inhaltliche Diskussion fand nicht statt. Entweder wurde dem Die Mühlen der Verwaltung Verlangen nach einer Straßenumbenennung vorgehalten, dass die BeDiese endlose Aufzählung verdeutlicht eine Relevanz und auch viele Erfolge linker Politik. Auf dieser Grundlage bildete sich der Wunsch schlusslage im Bezirk keine Umbenennung nach Männer zu lassen, einer Silvio-Meier-Straße. Es geht uns darum über die Grenzen der oder anderen Vorstellung wie wahlweise der Benennung der ZentralLinken hinaus der Gesellschaft Themen wie DDR-Opposition, Haus- bezirksbibliothek entgegengebracht, dass eine Bürgerbeteiligung fehle. Weiterhin werden wir uns als Initiative für ein aktives Gedenken besetzung und Antifaschismus zugänglich zu machen. einsetzen, dass es eine Umbenennung im öffentlichen Raum geben Nach der Podiumsdiskussion im Dezember 2010 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung in einem breit getragenem Antrag, wird. Die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam. Dennoch gelang dem Wunsch nachzukommen und beauftragte die zuständigen Gre- uns schon im letzten halben Jahr viele auch als Unterstützer mit unsemium das Anliegen weiter zu verfolgen. Die Gedenktafelkommission rer Forderung zu erreichen. Neben der parlamentarischen Arbeit führt und der Ausschuss für Kultur und Bildung behandelten die Vorlage. und erarbeitet die Initiative eine Chronologie über Silvio Meier Leben Konkretisiert wurde nichts. Lediglich bewirkte die Verschleppung der und das Gedenken an ihn. Sache, dass der ursprüngliche BVV-Beschluss mit der jetzigen Neu> www.aktivesgedenken.de wahl nichtig ist.

Antifa Jugendinfo 2011

17

antifaschistische initiative reinickendorf

wer ist hier »EXTREM«?

Zum Extremismusbegriff und seinen Fehlern R 

echtsextreme, Linksextreme, islamische Extremisten oder einfach nur Extremist_In. Täglich können wir in den Medien diesen Begriff in allen zig-fachen Ausführungen lesen. Doch was bedeutet dieser Begriff und wozu wurde er in den 1970er Jahren eingeführt? Der Extremismusbegriff wurde in zum ersten Mal in einem Verfassungsschutzbericht (1973) verwendet und löste damals den vorherrschenden Totalitarismusbegriff ab. Unter extrem bzw. als Extremist werden seitdem alle Menschen bezeichnet, die die „freiheitliche, demokratische Grundordnung“ ablehnen und ihr, wie linke Bewegungen, kritisch gegenüber stehen. Nach dieser Extremismustheorie wurde ein Modell einer Gesellschaft geschaffen. In der es zum Einen eine sogenannte „Mitte“ gibt, die allen Normen entspricht und zum Anderen die äußeren Ränder, welche als Feinde des Staates bezeichnet werden. Mit dieser Definition von Extremismus werden somit sehr viele unterschiedliche politische Strömungen gleichgesetzt und insbesondere die emanzipativen Ziele und humanistischen Ansichten der linken Szene diffamiert. Zum Beispiel: die rückwärtsgewandte, menschenfeindliche Ideologie des Rechtsradikalismus und Nationalsozialismus, zum Anderen aber auch die fortschrittliche, freiheits- und lebensbejahende Bewegungen wie die (radikale) Linke. Beide politische Richtungen aus der Sicht der sogenannten „demokratischen“ Mitte richten sich gegen die bestehende Verhältnisse, dabei beachtet diese Mitte“ aber nicht, dass die linken Bewegungen kritisch und emanzipativ die Gesellschaft betrachten, gesellschaftliche Probleme analysieren und alternative Gesellschaftsformen, wie den Anarchismus oder Kommunismus, anbieten. Weshalb aber ist das problematisch? Warum und von wem wird der Begriff „Extremismus“ verwendet? Eine Gleichsetzung von links und rechts ist problematisch, wenn nicht gar gefährlich. Verkürzt ausgedrückt steht „links“ für „Freiheit, Gleichheit, Solidariät!“ – also für fortschrittliche, emanzipative, egalitäre und solidarische Vorstellungen des menschlichen Zusammenlebens. Wichtig ist, dass dabei keine Unterscheidungen zwischen der Vielfältigkeit des menschlichen Aussehens, Nationalitäten, Religionen, Geschlechtern, sexuellen Vorlieben oder Ähnlichem gemacht werden – Menschen sind Menschen. Im Gegensatz dazu „rechts“: Die Menschheit wird kategorisiert und gespalten. Minderheiten werden ausgegrenzt und als Sündenböcke für vorhandene Probleme missbraucht. Ideologisch begründet wird das wahlweise mit nationalistischen, rassistischen, sozialdarwinistischen und/oder antisemitischen Argumenten. Weitere Merkmale sind ein sexistisches Weltbild und die Verharmlosung oder gar die Verherrlichung des Nationalsozialismus. Damit zielt es also auf eine Entsolidarisierung innerhalb der Menschheit und auf die Errichtung eines autoritären Herrschaftssystems ab. Mit dem Extremismus-Begriff werden also zwei (in Theorie und Praxis) gegensätzliche politische Richtungen gleichgesetzt. Das ist nicht nur objektiv falsch, sondern auch politisch sehr gefährlich: Rechte Ideologien werden verharmlost und mit etwas vollkommen unterschiedlichen aufgewogen. Zudem können viele Menschen ihre rassistischen und menschenverachtenden Ansichten in der Gesellschaft verbreiten, solange sie sich unter den Deckmantel der Verfassung bewegen.

Was ist also zu tun?

Zum Einen ist der Benennung der „Extremisten_Innen“ zu vermeiden. Wenn, beispielsweise in Diskussionen über Extremismus, dieser Begriff dennoch benutzt wird, sollte über die Hintergrunde und die Probleme damit hingewiesen werden. Gleichzeitig darf man sich nicht von dem Extremismus-Vorwurf abschrecken und in der eigenen politischen Überzeugung/Arbeit beeinflussen lassen!

Antifa Jugendinfo 2011

19

let‘s talk about sex...

Warum Geschlecht bestimmt, wo wir auf der Leiter stehen S 

exismus beschreibt die soziale Konstruktion von Unterschieden die gleichen Zugänge zu Bildung erhielten oder für die Wissenschaft zwischen den Geschlechtern und ist ein grundlegendes gesell- „ungeeignet seien“. So wurde versucht, sozial bedingte Ungleichheit wisschaftliches Herrschaftsverhältnis. Es legitimiert die allgegenwärti- senschaftlich zu belegen. Dies findet sich auch in der heutigen Zeit wiege Ausbeutung, Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen: der, wobei eine Verschiebung hin zu dem Bezug auf eine vermeintliche Ressourcen wie Geld, soziale Anerkennung oder Bildung sind in der „Differenz der Kulturen“ stattfindet, und die angebliche MinderwertigGesellschaft ungleich verteilt. Beispielsweise verdienen Frauen bei keit von Menschen auf ihre Nicht-Zugehörigkeit zu einer christlichgleichwertiger Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt immer noch 25% deutschen Leitkultur begründet wird. Nicht nur hier zeigt sich, dass sexistische Unterdrückung, sexualiweniger als Männer, ganz zu schweigen davon, dass sie den Großteil der unbezahlten Hausarbeit, Kindererziehung und Pflegetätigkeiten sierte Gewalt oder die Norm der Heterosexualität nicht getrennt von für Angehörige verrichten. Hier zeigt sich auch der Zusammenhang anderen Herrschaftsverhältnissen, wie dem Kapitalismus oder Rassismit kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen, denn gerade in prekä- mus gedacht werden können, sondern diese oft ineinander verflochten ren Beschäftigungsverhältnissen oder im Niedrig-Lohn-Sektor arbei- sind. Wir haben keine Lust darauf, auf unser angebliches Geschlecht festgeten mehr Frauen als Männer. Grundlage für Sexismus ist also die gesellschaftliche Arbeitsteilung; legt zu werden und damit soziale Ungleichheit zu akzeptieren. Fangt an, hinzu kommt jedoch die Zuschreibung von „Wesensmerkmalen“ und der Norm entgegen zu wirken, euch selbst zu hinterfragen und organiCharaktereigenschaften, die angeblich typisch männlich oder weiblich siert euch gegen sexistische Verhältnisse! sind. Dabei ist Geschlecht nichts, was man hat, sondern etwas, zu dem man erzogen wird. Angefangen bei der Geburt, wo das Geschlecht klar Stand up and fight sexism! festgelegt und im Zweifel zurecht geschnitten wird. Die eindeutige Zuordnung  innerhalb  der  Zweigeschlechtlichkeit  strukturiert  dein  ganzes Leben: Welche Farbe dein Strampler hat, welche Spiele du im Kindergarten und in der Schule spielst und wie du grundsätzlich erzogen wirst. 

Jenseits von heterosexuellen Männern

Neben der sozialen Konstruktion von Geschlecht und der damit einhergehenden Vormachtstellung von Männern spielt auch die sexuelle Orientierung eine Rolle. Wenn man von einem „Klassischen Familienbild“ ausgeht, so ist Heterosexualität die Norm. Menschen, die davon abweichen, gleichgeschlechtlich lieben oder sich nicht den vorherrschenden Verhaltens- und Kleidernormen anpassen, werden ausgegrenzt, diskriminiert und verhöhnt. Dabei dient die Zweiteilung und Hierarchisierung von Geschlechtern, sexueller Identität und Orientierung allein der Vormachtstellung von heterosexuellen Männern, die damit sich selbst als „Norm“ erhalten.

Just a part of GesamtscheiSSe

Sexistische  Unterdrückung,  sexualisierte  Gewalt  oder  die  Norm der Heterosexualität  können  nicht ohne die Verbindung mit anderen Herrschaftsverhältnissen gedacht werden. Die soziale Konstruktion von Frauen und die ihnen zugeschriebenen Merkmale finden sich so auch wieder, wenn man sich rassistische Stereotypen genauer ansieht. Das Idealbild des heutigen Menschen ist männlich, Weiß, heterosexuell, sportlich und gut gebildet. Doch um dieses Idealbild als Norm zu nehmen, muss es immer auch „das Andere“ geben, welches dem entgegen steht und abgewertet wird. So wurden während der Kolonialzeit pseudowissenschaftlich die Gehirne von Weißen und nicht-Weißen Menschen gewogen um zu erklären, warum Weiße Menschen angeblich intelligenter und befähigter sind als Nicht-Weiße. Ähnlich wurde auch mit Frauen verfahren, um zu rechtfertigen, warum diese nicht

Antifa Jugendinfo 20 2011

den atomstaat stillegen!

Atomausstieg bleibt Handarbeit A 

den vergangenen Jahren verlief tomkraft tötet. Namen wie die Fahrt des Atomzuges nicht Tschernobyl und Fukushima störungsfrei: Hakenkrallen und stehen für diese traurige WahrFeuer sabotierten den Zugverheit. Mit jedem weiteren Tag, an kehr, an vielen Bahnhöfen entdem Atomkraftwerke betrieben lang der Strecke versammelten werden, besteht die Möglichkeit sich zehntausende Menschen für einen nächsten Super-GAU zu Blockaden und Kundge(größten anzunehmenden Unbungen oder ketteten sich an fall). Und jeden Tag wächst der die Gleise. Dieser erfolgreiche, Atommüll-Berg, für den es keiinternationale Widerstand ne geeignete Lagerstätte gibt, bis war möglich, obwohl der Zug sich die Radioaktivität in einigen regelmäßig von einer ganzen hunderttausend Jahren endlich Armada von bewaffneten und mal ausgestrahlt hat. Die Abfallgepanzerten Polizist_innen produkte der Atomindustrie sind samt technischer Ausrüstung äußerst gefährlich und hochgiftig: begleitet wird. Sie eignen sich beispielsweise zur Waffenproduktion. Und auch nur Spätestens ab der Grendie Lagerung des Mülls an einem Ort über längere Zeiträume hinweg hat ze ins Wendland benimmt sich die Polizei wie eine Besatzungsarmee. nachweislich schon zu erhöhten Krebsraten in der Umgebung geführt. Das Wendland ist jedes Jahr vollgestopft mit Cops und ihren PKW‘s, LKW‘s, Räumpanzern, Wasserwerfern und anderem uniformierten Da sollte es uns doch freuen, dass die Regierung im Zuge eines „Konsens“ den „Atomausstieg“ beschlossen hat. Sind damit also alle Gerümpel. Den Leuten im Wendland geht das seit Jahren auf den Keks – ständige Kontrollen und Überwachung, die schon zwei Monate vor Probleme beseitigt? Nein! Kein Grund mehr, zu protestieren? Doch! Mit großer Geste wird der Öffentlichkeit ein grundlegender Wandel dem eigentlichen Transport offensichtlich zunehmen. 2010 haben bepräsentiert. Tatsächlich auf den Weg gebracht wurden publikumswirksa- reits die Bauern und Bäuer_innen durch massive Straßenblockaden im me Änderungen bei größtmöglicher Wahrung des Bestehenden: Elf Jahre Hinterland sehr erfolgreich den Raum des Widerstandes erweitert. Ein garantiertes Restrisiko, eine weitere Anhäufung von nicht entsorgbarem autonomes Konzept, das auch zu früheren Zeiten von einigen praktiradioaktiven Müll und das ungebrochene Mitmischen im internationalen ziert wurde. Die autonomen Treckergruppen haben es im vergangenen Atomgeschäft werden uns als „radikale Energiewende“ verkauft. Von ei- Jahr wieder mal deutlich gemacht: Besatzer_innen sind angreifbar. Sie ner wirklichen Wende ist das verabschiedete Gesetzespaket weit entfernt. sind abhängig davon, dass sie mit Essen und Getränken versorgt werIm Kern geht es weiterhin allein um die systematische Begünstigung den – denn in den Voküs des Widerstandes bekommen sie nichts. Sie weniger Großkonzerne. Dieser „Konsens“ wurde ohne uns beschlossen! sind angewiesen auf Dixie-Klos an der Strecke – denn wer will schon Dem Versuch, einen alten Konflikt unsichtbar zu machen, müssen und Besatzer_innen ins Haus und aufs Klo lassen? Und sie sind angewiesen auf Nachschub, wenn sie nach zehn oder mehr Stundenschichten mal wollen wir etwas entgegensetzen: unser Widerstand geht weiter! eine Pause brauchen. Auch Besatzer_innen werden irgendwann müde Schon immer im jahrzehntelangen Kampf gegen Atomanlagen ging es um mehr: der Streit gegen AKWs war für viele der Beteilig- vom stundenlangen Rumstehen, Blockierer_innen wegtragen und verten gleichzeitig Kampf für die Befreiung aus einer Wirtschaftsordnung, prügeln, kurz gesagt: erschöpft davon, den Handlangerjob für die Atoin der Wachstum ohne Ende und Profitmaximierung die gesellschaft- mindustrie und ihre staatlichen Unterstützer_innen zu machen. Die Räume des Widerstandes erweitern heißt für uns, diesen Nachlichen Verhältnisse diktieren. Der Staat fungiert hier als Handlanger von Konzernen wie RWE, Vattenfall, EnBW und E.on, um deren In- schub zu blockieren und zu sabotieren. Aufhalten lassen sich Wagenteressen durchzusetzen. Gleichzeitig ist er bemüht, sein Machtmo- kolonnen beispielsweise durch Materialblockaden und ohne Luft in nopol aufrechtzuerhalten. So wird die Atompolitik gegen den breiten den Reifen fährt es sich auch ganz schlecht. Und verlässt das Essen die gesellschaftlichen Protest immer wieder durchgesetzt. Dies zeigt sich Kantine nicht oder wird umverteilt, gibt es keine Versorgung. Die Mögbesonders deutlich, wenn Atommüll-Transporte quer durchs Land von lichkeiten sind vielfältig! einem riesigen Polizeiaufgebot „geschützt“ werden. Denn diese TransFür uns gilt weiterhin: Atomausstieg bleibt Handarbeit, es gibt porte bieten eine gute Gelegenheit, Staat und Wirtschaft zu zeigen, was keinen Kompromiss mit dem Atomstaat. Wir sehen uns ab dem wir von ihrer Politik halten! Im November soll es nach den Plänen der Bundesregierung wieder 24.11.2011 im Wendland! einen Castortransport ins Wendland geben. Es wird der letzte Transport aus der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague sein. In

Antifa Jugendinfo 2011

21

Rigaer 94

jugendrevolten in europa

London, Paris, Barcelona – es kocht! I 

n der gegenwärtigen Krise versuchen die europäischen Regierungen ihre jeweiligen eigenen Wirtschaftssysteme durch Sparmaßnahmen zu retten. Das Ganze geht zu Lasten von Menschen, die ohnehin bereits zu den Benachteiligten im kapitalistischen Konsum-Spektakel gehören. Die Umverteilung von Unten nach Oben nimmt immer größere Ausmaße an. Auch Jugendliche sind von den sozialen Einschnitten stark betroffen. Lebenswege, deren Beschreiten gesellschaftliche Anerkennung verspricht, stehen vielen nicht mehr offen: so wurden Ende 2010 die ohnehin horrenden Studiengebühren in England verdreifacht, in Spanien und Griechenland kletterte die Jugendarbeitslosigkeit 2011 bereits auf bis zu 43%. Doch die Jugend lässt sich das nicht ohne weiteres gefallen – sie revoltiert! Natürlich gibt es „die Jugend“ als einheitliche soziale Gruppe nicht. Und so hat der Protest viele unterschiedliche Gesichter – sowohl in den verschiedenen Ländern als auch innerhalb einer Revolte in ein und derselben Stadt.

Spanien

Inspiriert vom arabischen Frühling, fanden sich nach einer Demonstration gegen die Korruption vieler spanischer Politiker_innen in Madrid immer mehr Menschen auf dem zentralen Platz Puerta del Sol ein und besetzten ihn. Dieser spontanen Rebellion von vornehmlich Jugendlichen und Student_innen schlossen sich viele unterschiedliche Menschen an und in allen größeren Städten wurden Protest-Camps auf zentralen Plätzen errichtet. Das war der Anfang der „Movimiento 15M“ (Bewegung 15. Mai).

Griechenland

Die Menschen in Griechenland sind momentan mit einem ganz besonders harten Sparkurs der Regierung konfrontiert, der das Einkommen von Vielen weit unter das Existenzminimum rutschen lässt. Es kommt immer wieder zu massiven Streiks und zu brutalen Versuchen der Unterdrückung der Proteste durch die Polizei auf dem zentralen Syntagma-Platz in Athen. Doch mit enormer Entschlossenheit setzen sich die Menschen gegen die Angriffe zur Wehr. Unterdessen haben Schüler_innen über 400 ihrer Schulen besetzt und die Student_innen über 100 Fakultäten. Unterstützung erhielten sie unter anderem von einigen Lehrkräften und Dozent_innen. Sie wehren sich gegen die Verschlechterung der Bedingungen von Lehre und Studium und die Rücknahme bereits erkämpfter Errungenschaften wie der Bereitstellung kostenloser Schulbücher. Denn sie mussten dank der Sparmaßnahmen erstmalig ohne die Bücher in ein neues Schuljahr starten.

GroSSbritannien

In London gingen im Dezember 2010 Zehntausende von Schüler_innen und Student_innen auf die Straße, um gegen die geplante Verdreifachung der Studiengebühren zu protestieren. Es kam zu Straßenschlachten und die Parteizentrale der Konservativen wurde gestürmt. Die Regierung ignorierte die Proteste und winkte das Gesetz durch. Auch von Seiten der Lehrenden herrschte großes Unverständnis über

die anschließenden repressiven staatlichen Maßnahmen. „Fenster zerschlagen ist nichts im Vergleich zur Zerschlagung des Bildungssystems“, hieß es in einer Bekundung, die auch Dozent_innen unterschrieben. Im August 2011 brach in Großbritannien erneute eine Revolte aus. Auslöser war diesmal die Tötung Mark Duggans durch die Polizei, die sich anschließend, wie gewohnt, ihrer Verantwortung entzog. Diesmal verliehen als erstes die unterprivilegierten Jugendlichen aus Tottenham ihrer Wut auf der Straße Ausdruck. Der Zugang zu einem anerkannten Beruf und damit der Eintritt in die - an jeder Straßenecke - angepriesene Konsumgesellschaft bleibt ihnen oft schon allein aufgrund ihrer Herkunft aus dem verrufenen Londoner Viertel verwehrt. Die tagelang andauernden Straßenkämpfe weiteten sich auch auf andere britische Städte aus. Eine Artikulation politischer Forderungen, die die Regierung in der Vergangenheit geflissentlich ignorierte, blieb bei dieser Revolte aus. Auch hatte sie kein einheitliches Ziel: an einer Stelle wurde die Polizei, die die Jugendlichen seit langem systematisch schikaniert, gezielt angegriffen, an anderer Stelle wurde sie umgangen, um sich ungestört die verwehrten Konsumgüter durch Plünderungen aneignen zu können. An wieder anderen Orten eskalierte die Situation dermaßen, dass Menschen getötet und Wohnhäuser abgefackelt wurden. Medien und Politik nutzten bereitwillig dieses gebrauchsfertige Sinnbild für das Böse des Aufstands im Allgemeinen, um jeden Protest zu diffamieren und die Aufständischen als bloße Kriminelle darzustellen und aus dem größeren Kontext zu reißen. Um so wichtiger ist es, in kommenden Aufständen eigene Akzente zu setzen, die nicht von der Verbitterung des Ausschlusses aus der Konsumgesellschaft dominiert werden, sondern von dem Wunsch, in einer solidarischen Gesellschaft zu leben, die die Menschen nicht nach kapitalistischen Normen bewertet. Enough is enough – für selbstbestimmtes Leben und Lernen!

Antifa Jugendinfo 22 2011

Antifaschistische linke jugend

allein machen sie dich ein ...

Komm zur Jugendanftifa! D 

u bist genervt vom gesellschaftlichen Normalzustand. In der Schule ist der Leistungsdruck dank MSA und Turboabi noch größer geworden. Die Aussichten einen Ausbildungsplatz zu bekommen sind noch weiter gesunken. Ein selbstbestimmtes Studium ist dank Bachelor und Masterstudiengängen schon lange kaum mehr möglich, wenn du es dir denn überhaupt leisten kannst. Die Mieten steigen immer mehr und das heißt dann für immer mehr Menschen aus ihren alten Kiezen wegzuziehen und Platz zu machen für neue teure Cafés und schicke Designerläden. Die paar Jugendclubs, die noch nicht geschlossen worden sind, können aus Geldmangel immer weniger anbieten und deine Eltern müssen demnächst wieder zum Amt.

Dies alles sind nur Einzelbeispiele, die exemplarisch für das stehen, was uns nervt. Eine Gesellschaft, in der nur das Geld und die Verwertbarkeit des Menschen im Vordergrund stehen, wo trotz Überfluss Menschen hungern und auf der Straße leben müssen, damit die Preise stabil bleiben. Eine Gesellschaft in der Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden und so getan wird, als wäre das normal. Eine Gesellschaft, die immer mehr auf Repression und Überwachung setzt und wer nix zu verbergen hat, sich nicht beschweren soll, wenn Handygespräche mitgehört und Emails gelesen werden und die ganze Stadt mit Videokameras zugeschissen ist – natürlich nur zu unserer eigenen Sicherheit. Eine Gesellschaft, in der „man es ertragen muss“, dass Nazis ihre menschenverachtende Propaganda verbreiten und in der diejenigen, die sich ihnen entgegenstellen, werden als „Chaoten und Gewalttäter“ bezeichnet... Doch am meisten nervt uns, dass uns ständig eingebläut wird, wir könnten daran nix ändern. Bullshit! Diese Welt ist von Menschen gemacht und somit auch von ihnen zu verändern. Und genau dies erleben wir in immer mehr Teilen dieser Welt. Ob die Aufstände im Nahen Osten, die Jugendrevolte in Spanien, der Widerstand Hunderttausender in Griechenland und Italien gegen die Folgen der von Banken und Unternehmen verursachten Krise, oder die Sozialproteste in Israel. Überall auf der Welt versuchen immer mehr Menschen ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Auch hierzulande wird der Unmut gegen die tagtäglichen gesellschaftlichen Zumutungen immer deutlicher. Immer mehr Menschen haben die Schnauze gestrichen voll von der Lüge, dass es im Kapitalismus Glück und Wohlstand für Alle gibt und fangen an, sich Gedanken zu machen, ob es nicht noch mehr im Leben gibt, als Schule, Arbeit, Rente... Allein - so viel ist klar – wirst du es nicht schaffen, diese Welt zu ändern. Dazu braucht es mehr Menschen wie dich. Zusammen sind wir stark, können uns in unseren Erfahrungen, Vorstellungen und Ängsten austauschen und gemeinsam für Veränderungen kämpfen. In diesem Sinne: Organisiere dich! Such dir Gleichgesinnte! Tut euch zusammen und bildet Banden! Oder mach mit bei den verschiedenen Gruppen, die in Berlin gegen Nazis, Staat und Kapital kämpfen. Zusammen heben wir die Welt aus den Angeln – sei Teil des kommenden Aufstandes!

Nazis ziehen wieder durch die Stadt, auch in deiner Straße hängen widerliche Plakate mit dem Slogan „Gas geben“ und die Zahlen rechter Straftaten sind auch 2011wieder auf Rekordniveau. Was macht die Polizei? Verschweigt einfach die Nazidemos, um den Protest dagegen zu erschweren; sie hört in Dresden über 1. Mio. Handygespräche ab, um gegen Menschen zu ermitteln, die Europas größten Naziaufmarsch blockiert haben; sie durchsucht die Räume eines Pfarrers in Jena, weil dieser zu Zivilcourage aufgerufen hat oder prügelt ,wie im September in Dortmund geschehen, den Nazis den Weg frei, natürlich alles mit Rückendeckung der Politik...

Impressum / Rechtliche Hinweise Diese Ausgabe des Antifajugendinfo erschien im Rahmen der Silvio-Meier-Demo im Herbst 2011 in Berlin. V.i.S.d.P.: Rosalie Pink, Silvio-Meier-Str. 92, 10247 Berlin Die Verteiler_innen sind nicht identisch mit der Redaktion oder den Autor_innen der in dieser Broschüre veröffentlichten Texte. Diese Broschüre bleibt bis zu ihrer Aushändigung Eigentum des/der Absender_in. „Zur Habenahme“ ist keine persönliche Aushändigung im Sinne dieses Vorbehalts.

Autonome Antifa Berlin (A2B) Antifaschistische Linke Berlin (ALB) > www.antifa.de Antifaschistische Initiative Reinickendorf (AIR) > air.antifa.de Antifa Jugendaktion Kreuzberg (AJAK) > www. ajak.tk Rigaer 94 > rigaer94.squat.net Siempre Antifascista > siempre.red-skins.de Antifa Friedrichshain (AFH) > antifa-fh.de.vu Antifa Hohenschönhausen (AH) > ah.antifa.de Antifaschistische Initiative Schöneberg (AIS) > ais.blogsport.de Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB) > arab.blogsport.de Red and Anarchist Skinheads Berlin (RASH) > red-skins.de

in gedenken an den von faschisten ermordeten silvio meier

21. Mahnwache NOV. 17 uhr U-Bhf. SamariterstraSSe

19. www.silviomeier.de.vu

Nov.

19. Party NOV. 21 uhr Kinzigstr. 9

Silvio Meier

Demo

15 uhr u-bhf. Samariterstr.