in4mation - Arbeitskammer des Saarlandes

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Das Jugendmagazin der Arbeitskammer Herbst 2016 Im März wird im Saarland ein neuer Landtag gewählt  Mitmischen macht  Sinn M ax O ph ül In s te Pr ...

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Das Jugendmagazin der Arbeitskammer Herbst 2016 Im März wird im Saarland ein neuer Landtag gewählt

 Mitmischen macht  Sinn

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Seiten 4-12

www.in-4mation.de

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IN EIGENER SACHE

Die „in-4mation“ ist das zweimal jährlich erscheinende Magazin der Arbeitskammer des Saarlandes für junge Leute. Die Arbeitskammer – oder kurz AK – ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und vertritt die Interessen der saarländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Saarland, auch Auszubildende, sind per Gesetz automatisch Mitglied, ebenso Arbeitssuchende. Die Arbeitskammer versteht sich als Dienstleister und strukturiert ihre Arbeit in drei Schwerpunkten: Beraten, Bilden, Forschen.

Im Haus der Beratung in Saarbrücken klären Expertinnen und Experten der Arbeitskammer jährlich rund 45.000 Ratsuchende über ihre Rechte oder Pflichten im Arbeitsleben auf und leisten Hilfestellung bei den unterschiedlichsten Problemen. Wer Fragen zu Themen wie Ausbildungsvertrag, Ausbildungs-/Arbeitszeugnis, Arbeitsrecht, Sozialrecht, Ausbildungsförderung oder Weiterbildung hat, findet dort Antworten.

Für weiterführende allgemeinbildende Schulen im Saarland bieten AK-Fachleute den Projekttag „Schule & Arbeitswelt“ an. Bei einer solchen sechsstündigen Veranstaltung informieren junge Referenten aus der Praxis die Schülerinnen und Schüler über die Ausbildungs- und Arbeitswelt und geben Tipps für einen reibungslosen Übergang in eine Berufsausbildung.

Im Bildungszentrum in Kirkel bietet die Arbeitskammer Tages- und Wochenseminare mit einer großen Themenpalette an. Im vielfältigen Angebot finden sich natürlich auch passende und interessante Kurse für junge Leute – ob nun zum Umgang mit modernen Medien oder zu speziellen Aspekten in der Ausbildung. Weitere Informationen gibt es im Bildungskurier der Arbeitskammer unter www.arbeitskammer.de/bildung

Die verschiedenen Fachabteilungen der Arbeitskammer forschen und fördern arbeitnehmernahe Studien und Untersuchungen. Auf der Grundlage ihres Wissens beraten diese AK-Experten auch Politik, Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen im Interesse der saarländischen Arbeitnehmer.

Neben dem Magazin „in-4mation“ hat die Arbeitskammer für Schüler, Studenten, Auszubildende und Berufsanfänger – aber natürlich auch für Lehrer und Eltern – ein eigenes Online-Portal. Dort erfahren Interessierte sozusagen auf einen Blick viel Wissenswertes über das, was die AK Saar für junge Leute anbietet – wie zum Beispiel verschiedene Faltblätter und Broschüren. Weitere Informationen sind über untenstehenden QR-Code, unter www.arbeitskammer.de oder direkt unter Tel.: (0681) 4005-0 erhältlich.

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EDITORIAL & INHALT Editorial Ja, wir sind staatstragend – und zwar in dem Sinne, dass wir „Werbung“ für unser demokratisches Gemeinwesen machen. Die Landtagswahl im nächsten Frühjahr ist das Schwerpunkt-Thema in diesem Heft. Wie funktioniert Politik? Wer engagiert sich aus welchen Gründen wofür? Warum ist es sinnvoll, zur Wahl zu gehen? Wie ticken Politiker? Wir haben uns bemüht, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Auch in der Hoffnung, die Eine oder den Anderen davon überzeugen zu können, dass es eine schöne „staatsbürgerliche Pflicht“ ist, bei der Wahl abzustimmen – und so letztlich über die Regierung und den politischen Kurs mitzuentscheiden. Was gibt es sonst? Das Saarland ist bunt, vielfältig und lebenswert – gerade auch für junge Leute. Im zweiten Heftteil stellt die Redaktion interessante Typen, Aktionen und Projekte vor, die das belegen. Viel Spaß bei der Lektüre!

www.in-4mation.de

Neue AK-Webseite für junge Leute

Die schwedische Rockband Graveyard gastiert im Oktober in der Saarbrücker Garage. Im Interview erzählt Gitarrist Jonatan Larocca-Ramm mehr über die Gruppe. Seite 14

Ins Nirwana „eintauchen“ können Besucher jetzt im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Dort wird eine große Buddha-Ausstellung mit rund 230 Meisterwerken gezeigt. Seite 16

Jugend und Gewerkschaft schließen sich beileibe nicht aus. Die Arbeiterbewegung verzeichnet inzwischen viele Zugänge junger Menschen. Einen aktiven JungGewerkschafter stellen wir vor. Seiten 22/23

Im „Azubi-Lexikon“ informieren Fachleute der Arbeitskammer von A bis Z darüber, welche Rechte und Pflichten Lehrlinge haben. Das achtseitige Nachschlagewerk lässt sich prima heraustrennen. Beihefter

Die Jugend-Webseite der Arbeitskammer ist für die Nutzer von Smartphones und Tablets jetzt deutlich attraktiver. Durch die Umstellung auf responsive design sind die Webpräsenzen technisch und optisch fit für mobiles Internet gemacht worden. Das betrifft die Bildsprache ebenso wie Layout und Navigation. Bei der AK-JugendWebseite wurde darüber hinaus auch das inhaltliche Konzept komplett überarbeitet. Klickt doch mal rein: www.in-4mation.de

Impressum: Verleger: Arbeitskammer des Saarlandes, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Fritz-Dobisch-Straße 6-8, 66111 Saarbrücken, Tel. 0681/4005-406, Fax 4005-401 Chefredakteur: Peter Jacob Redaktion: Gabi Hartmann (verantwortlich für diese Ausgabe), Wulf Wein [email protected] www.arbeitskammer.de www.in-4mation.de Titelfoto: Iris Maurer Fotos Seite 3: Anders Bergstedt, Iris Maurer, Pasquale D'Angiolillo Cartoon Rückseite: TOM Layout: Kurt Heinemann Gestaltung: Ivo Heinemann, Schriftwelt Gestaltung Druck: Repa Druck, Ensheim Gedruckt auf Umweltschutzpapier

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THEMA Das Wahlrecht gehört zu den Grundpfeilern einer Demokratie

Es gibt gute Gründe,  sein Kreuz  zu machen Wir leben in einer Demokratie. Zum Glück! Denn diese Staatsform gewährt ihren Bürgerinnen und Bürgern ein großes Maß an Freiheit und persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten. Neben Meinungs- und Pressefreiheit zählt das Wahlrecht zu den tragenden Säulen einer parlamentarischen Demokratie.

Wählen zu dürfen, wer einen im Parlament vertritt, wem man am ehesten zutraut, sich für die Interessen des Gemeinwohls einzusetzen, ist ein hohes Gut. Das im Übrigen auch nicht unantastbar ist, wie wir gerade in einigen Ländern beobachten können. Um das Wahlrecht einzuschränken, muss man es gar nicht abschaffen. Es reicht, die politische Opposition zu verfolgen, einzusperren oder an der Teilhabe zu hindern. Wenn es faktisch nur noch eine Partei gibt, kann von freien Wahlen keine Rede mehr sein. Dann marschiert ein Land schnell in Richtung Diktatur. All das muss sich bewusst machen, wer aus allgemeinem Politikverdruss den Gang an die Wahlurne verweigert. Klar, ich hatte auch schon manchmal daran gedacht. Wenn die Partei, deren Programm ich am ehesten unterstützen wollte, Kandidaten aufgestellt hat, die ich beim besten Willen nicht wählen konnte.

Oder ein mir wichtiges Anliegen von der „falschen“ Partei vertreten wurde. Oder es wieder ein krasses Beispiel von politischer Versorgungsmentalität gab und wichtige Posten nicht mit Fachleuten, sondern nach dem Parteienproporz vergeben wurden. Oder wieder irgendein windelweicher Kompromiss ausgehandelt wurde. Dann habe ich auch mit mir gehadert. Aber zur Wahl gegangen bin ich letztlich immer. Mal habe ich mein Kreuz mit zusammengebissenen Zähnen gemacht, mal meine Stimme auf zwei Parteien gesplittet und mal, ich gestehe es, aus Protest sogar eine Satire-Partei gewählt. Aber meine Stimme abgegeben habe ich immer. Weil ich nicht will, dass sie unter den Tisch fällt.

Wer 2017 ins „hohe Haus“ des Landtags einziehen wird, das haben wir alle in der Wahlkabine in der Hand.

Uns erscheint das heute selbstverständlich, wir kennen es nicht anders. Aber es hat lange gedauert, bis sich ein allgemeines Wahlrecht durchgesetzt hat. Vor dem 20. Jahrhundert durften in vielen Ländern nur bestimmte Gruppen wählen, Adlige etwa oder Großgrundbesitzer. Und als das allgemeine Wahlrecht eingeführt wurde, meist musste es gegen die Obrigkeit hart erkämpft werden, da galt es erstmal nur für Männer. Erst seit 1919 dürfen in Deutschland auch Frauen mitbestimmen, wer sie regiert. Und in der Schweiz dauerte es gar bis 1990, ehe es in allen Kantonen so weit war.

Denn für die Frage, wer in ein Parlament einzieht, zählen eben nur die abgegebenen Stimmen. Je weniger das sind, desto mehr Chancen haben auch Parteien, deren Hauptanliegen eben nicht die Erhaltung der Demokratie ist. Die Vorurteile schüren und mit Ängsten in der Bevölkerung spielen. Die mit einfachen Parolen vorgeben, komplexe Probleme lösen zu können. Und die sich letztlich um die Rechte von Minderheiten nicht scheren. Um das zu verhindern, lohnt es sich, Parteiprogramme zu lesen. Und zur Wahl zu gehen. Text: Gabi Hartmann Fotos: Iris Maurer

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THEMA Im Saar-Landtag wird Politik für Land und Leute gemacht

„Unser Parlament“ erfüllt wichtige Aufgaben Der Termin steht: Im Saarland findet am 26. März 2017 die nächste Landtagswahl statt. Aber: Worum geht es da eigentlich? Es gibt doch schon den Bundestag in Berlin und das Europäische Parlament in Straßburg. Dass der saarländische Landtagspräsident gute Gründe für die Existenz „seines“ Hauses vorbringen kann, verwundert nicht. Klaus Meiser gehört dem Parlament seit 1999 an und ist seit 2015 Landtagspräsident. Doch ihm geht es wie allen Abgeordneten nicht darum, ihre Arbeitsplätze zu rechtfertigen. Die saarländischen „Volksvertreter“ halten vielmehr die sogenannte föderale Struktur der deutschen Demokratie, also die Macht-Aufteilung zwischen Bund und Bundesländern, für eine wirklich gute Sache.

Szene von einer Abstimmung: Oben in der Mitte sitzt Landtagspräsident Klaus Meiser, während Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Finanzminister Stephan Toscani sowie andere Abgeordnete zustimmend ihre Hand heben.

Im Landtag an der Franz-Josef-RöderStraße in Saarbrücken wird von 51 Abgeordneten die saarländische Politik gestaltet.

Die Landtage werden vom Volk gewählt, kontrollieren die Arbeit der Landesregierung und beschließen Gesetze. Wie der Bundestag, nur eben auf Landesebene. Für welche Politikfelder die Länder zuständig sind, bestimmt das Grundgesetz. Derzeit gehören die Bildungspolitik, Kulturpolitik, Polizei und die Verwaltung dazu, wodurch eine Region nicht nur mehr Selbstbestimmungs- und Mitspracherecht als in einem zentral ausgerichteten System hat. Es entsteht auch ein Wettbewerb zwischen den Ländern – beispielsweise um die besten Azubis, Studenten, Kulturangebote oder Polizisten. Im besten Falle sorgt dies für immer bessere Angebote eines Landes, um selbst die Nase vorn zu haben. Trotzdem gibt es auch im Föderalismus Probleme. Zum Beispiel große wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Ländern oder auch Blockade-Möglichkeiten über die Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat. Jasmin Maurer ist mit 27 Jahren die mit Abstand jüngste Abgeordnete im saarländischen Landtag. Sie zog vor gut vier Jahren überraschend für die Piratenpartei in das Parlament ein und brach dafür sogar ihre Ausbildung ab, die sie allerdings später doch noch beendete. Für einen politisch unerfahrenen Menschen ist die Einarbeitung in die „Spielregeln“ des Parlaments nicht gerade ein Pappenstiel. Der Landtag hat eine eigene Geschäftsordnung, nach der zum Beispiel formelle Vorgaben für Anträge, Redezeiten und bestimmte Fristen eingehalten werden müssen. Die „Welt verändern“ geht also nur mit Bürokratie und Geduld. „Vieles ist von außen nicht nur schwer nachvollziehbar, sondern abschreckend“, meint Maurer. Mittlerweile hat sie aber „auf jeden Fall“ das Gefühl, politisch etwas bewegt zu haben. Trotz ihrer Rolle als Oppositionspolitikerin.

Kritisch sieht Maurer die Verteilung der Redezeit, die von der jeweiligen Fraktionsgröße abhängt. Klaus Kessler, Landtagspolitiker der Grünen und früherer Bildungsminister, pflichtet ihr bei: „Man kann als Opposition die Regierung schon ein Stück weit treiben. Es kann aber auch frustrierend sein. Gerade mit einer großen Koalition.“ Dennoch wollen sie alle Saarländerinnen und Saarländer von der Wichtigkeit der Landtagsarbeit und Landtagswahlen überzeugen. Das scheint auch bitter nötig: Die Wahlbeteiligung 2012 lag bei gerade einmal 61,6 Prozent. „Sich ins Private zurückziehen und nur zu kritisieren ist zu einfach. So überlässt man anderen das Feld“, weiß Klaus Meiser, der zu mehr politischem Engagement anregen will: „In einem Land von der Größenordnung des Saarlands hat man schon große Möglichkeiten, sich in den Bereichen einzubringen, die einen interessieren“, meint er. Maurer und Kessler betonen vor allem für junge Menschen die Bedeutung der Bildungspolitik. Man solle „sich informieren und mit Freunden und Verwandten diskutieren. Das Schlimmste, was man machen kann, wäre nicht wählen zu gehen oder wegen Unwissenheit irgendwelchen braunen Parolen Glauben zu schenken“, appelliert Maurer. Text: Sebastian Zenner Fotos: Iris Maurer Internet: www.landtag-saar.de

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THEMA Interview mit dem Parteienforscher Uwe Jun von der Universität Trier

Wenn alle jungen Menschen zur Wahl gehen, in-4mation: Herr Jun, seit einigen Jahren ist vor dem Hintergrund sinkender Wahlbeteiligungen von „Politikverdrossenheit“ und auch von „Parteienverdrossenheit“ zu hören. Sind diese Begriffe treffend?

können sie die künftige Politik stark beeinflussen Uwe Jun ist einer der renommiertesten Parteienforscher Deutschlands. Seit 2005 ist er Professor für Politikwissenschaft an der Universität Trier. Gelehrt und geforscht hat er schon an Universitäten in Stockholm, Göttingen, Würzburg, Berlin sowie an der Harvard University in den USA. Im Interview erklärt Jun unter anderem das Aufkommen der AfD in der deutschen Parteienlandschaft und die möglichen Folgen. Jungen Leuten rät der Politologe, nicht die Hände in den Schoß zu legen und nur zuzuschauen.

Der Wissenschaftler Uwe Jun sieht für junge Menschen „gute Chancen wie lange nicht mehr“ in den demokratischen Parteien.

Uwe Jun: Mir erscheint der Begriff der Verdrossenheit etwas zu weitgehend. Was man konstatieren kann, ist so etwas wie eine diffuse Unzufriedenheit mit der etablierten Politik. Wenn man genauer nachfragt, womit die Menschen unzufrieden sind, treten sehr verschiedene, heterogene Motive zu Tage. Deshalb „diffus“.

in-4mation: Können Sie Beispiele nennen?

Jun: Viele Menschen empfinden eine steigende Ungerechtigkeit in der Gesellschaft. Zwar ist diese subjektiv größer als die reale Ungleichheit. Aus der Sicht dieser subjektiv benachteiligten Menschen hat sich die etablierte Politik zu wenig darum bemüht, dies zu korrigieren. In der Flüchtlingspolitik konnten wir tatsächlich eine Repräsentations-Lücke erkennen. So gab es viele Wähler, die nicht mehr erkannt haben, dass ihre Position sich in den etablierten Parteien wiederfindet.

in-4mation: Wie konnte sich diese diffuse Unzufriedenheit entwickeln?

in-4mation: Dies deutet allerdings auch auf eine Informations-Lücke bei vielen Wählern hin – oder?

Jun: Zum einen werden hohe Erwartungen an die Politik gestellt, die diese nicht immer erfüllen kann. Zum Zweiten werden Einstellungen der Wähler von bestimmten politischen Parteien kaum mehr aufgefangen. Gerade die etablierten Parteien haben so etwas wie Repräsentations-Lücken entstehen lassen, die zu dieser Unzufriedenheit beigetragen haben.

Jun: Mag sein. Aber in der Flüchtlingspolitik war es in der Tat so, dass mit Ausnahme der CSU, die aber nur in Bayern gewählt werden kann, keine der anderen etablierten Parteien eine kritische Position hatte, sondern alle eher eine zustimmende Haltung zur Politik der Bundeskanzlerin einnahmen. Da konnte die AfD in diese Repräsentations-Lücke gehen.

Einmischung würde also Sinn machen.

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THEMA in-4mation: Das Aufkommen der rechtspopulistischen AfD ist demnach eine logische Konsequenz aus den geschilderten Umständen. Ist sie eher positiv oder negativ für die Demokratie in Deutschland? Jun: Der Populismus stellt immer eine Gefahr dar, weil er zu sehr Komplexität reduziert. Parteien müssen dies zwar immer versuchen, um verständlich zu bleiben, aber das darf nicht auf zu vereinfachte Formeln hinauslaufen. Die zweite Gefahr, die man beim Entstehen neuer, primär dem Protest verschriebener Parteien sehen kann, ist, dass sie wenig Konstruktives zu Problemlösungen beitragen. Entscheidend ist, ob die AfD sich als demokratische Partei versteht, die die grundlegenden Werte der Demokratie unterstützt und für diese eintritt. Nur dann kann sie eine Bereicherung sein und die etablierten Parteien könnten sich ihr im Wettbewerb stellen. in-4mation: Glauben Sie, dass sich die AfD konstruktiv einordnen wird? Vielleicht sogar das Zeug zur Volkspartei hat? Jun: Wir müssen das Erwachsenwerden, sofern ihr das gelingt, weiter beobachten. In der Partei gibt es verschiedene Strömungen, bei denen man sehen muss, welche sich durchsetzt und wie sie sich zueinander verhalten. Das können wir derzeit in der Parteienforschung noch nicht eindeutig erkennen und klären. Was wir aber ganz klar sagen können, ist: Das Zeug zur Volkspartei hat diese Formation nun wahrhaft nicht. Dazu gehören wesentliche Eigenschaften wie ein Koalitionsbildungspotenzial, also die Regierungsfähigkeit, und sie müsste breite, heterogene Wählerschaften und größere Mitgliedszahlen erreichen. Von alldem ist die Partei sehr weit entfernt. in-4mation: Was sagen Sie jungen Menschen, die sich – ob unzufrieden oder verdrossen – von der Politik abwenden? Jun: Die Chancen für junge Menschen in den Parteien sind so gut wie lange nicht mehr. Bei SPD, CDU und der Partei Die Linke sind die über 60-Jährigen schon in der Mehrheit. Insofern wird Nachwuchs dringend gebraucht – und das eröffnet Chancen. Man sollte nicht die Hände in den Schoß legen und nur zuschauen. Ein gutes Beispiel dafür ist die sogenannte „Brexit“Entscheidung: Wenn alle 18- bis 24-Jährigen zur Wahl gegangen wären, hätten sie das Ergebnis viel stärker beeinflussen können und die Entscheidung nicht den über 60-Jährigen überlassen, die sich mehrheitlich für den Austritt entschieden haben. Diejenigen, die sich nicht beteiligen, dürfen sich nicht beklagen, wenn am Ende Entscheidungen gegen sie gefällt werden.

Viele bleiben außen vor: Interesse ja, aber … „Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken“ – das meinen sieben von zehn Jugendlichen, jungen Frauen und Männern zwischen 15 und 25 Jahren. Das geht aus der Shell-Jugendstudie von 2015 hervor. Eigentlich wäre genau dies ein Ansatzpunkt, um junge Menschen für Politik zu begeistern, denn wenn sie sich nicht gut „vertreten“ fühlen, haben sie es schließlich auch selbst in der Hand, das durch eigenes Engagement zu ändern. Tatsächlich klafft aber bei (zu?) vielen jüngeren Bürgern hierzulande eine Lücke zwischen dem grundsätzlichen Interesse für die Politik (41 Prozent sind „interessiert“) und dem Wunsch oder Willen zur aktiven Beteiligung. Zwar sind 32 Prozent der Befragten zwischen zwölf und 25 Jahren bereit, sich politisch zu engagieren, doch bezieht sich das meist auf Aktionen wie den Boykott von Waren und das Unterzeichnen von Petitionen und nicht auf die regelmäßige Mitarbeit in politischen Parteien oder Organisationen.

Dass sich junge Menschen durchaus für Politik begeistern lassen, zeigten die Piraten bei der Landtagswahl 2012. Sie zogen dank neuer Themen und eines anderen Politikansatzes in das saarländische Parlament ein, was am Wahlabend gebührend gefeiert wurde.

Unsere Beispiele auf den nächsten Seiten zeigen, dass es die Typen, die zur Einmischung bereit sind, nach wie vor gibt – und das ist gut so. Vielleicht können deren Aussagen und Einschätzungen ja sogar jetzt noch „abseits Stehende“ davon überzeugen, dass es spannend sein kann, die Gesellschaft mitzugestalten – gerade wenn es um Belange der jungen und jüngeren Generation geht. Teilhabe lohnt sich: Es kommt auf den Versuch an! Abschließend ein Tipp: Wer einfach mal erfahren möchte, wie Politik funktioniert, der sollte mal ins Jugend-Internetportal des Deutschen Bundestags reinschauen (www. mitmischen.de). Dort werden viele Themen sehr „jugendgerecht“ aufbereitet und vieles, was vielleicht auf Anhieb am Politikbetrieb unverständlich oder gar abschreckend erscheint, wird sehr gut erklärt. Interview: Sebastian Zenner Text: Wulf Wein Fotos: Iris Maurer (2), picture alliance/dpa

Vielleicht kann die Jugend bei der Landtagswahl 2017 ein Zeichen setzen und durch eine hohe Wahlbeteiligung zeigen, wie wichtig ihr Land und Leute sind.

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THEMA Junge Politik – Porträt 1: Alexander Zeyer engagiert sich in der CDU

Aktive Parteiarbeit, um etwas zu erreichen

„Ich kann viele nicht verstehen, die sich eigentlich politisch engagieren wollen, aber nicht Mitglied einer Partei werden wollen“, sagt Alexander Zeyer. Nur gemeinsam, in einer Partei, sei man doch stark genug, um etwas zu bewegen, findet der 23-Jährige aus dem St. Wendeler Stadtteil Bliesen.

Das Interesse für Parteiarbeit wurde ihm schon im Elternhaus vorgelebt. „Mein Vater, meine ganze Familie ist Mitglied der CDU“, erzählt Zeyer. Sein Opa Werner war früher sogar mal saarländischer Ministerpräsident. Mit 14 Jahren trat Alexander Zeyer der Jungen Union (JU) bei. Mit seinen Freunden organisierte er in seiner Freizeit Veranstaltungen, Partys oder Musicals für die Dorfjugend. Schon bald übernahm „Alex“ auf Orts- und Kreisebene der JU verantwortliche Positionen. 2014 ließ er sich in den Stadtrat wählen. Die Einführung der Nachtbusse im Landkreis, das freie WLAN in St. Wendel oder Volleyball-Plätze – in und mit der JU hätten sie eine Menge für die jungen Leute erreicht, sagt Zeyer. Als ihn 2015 der Landesvorsitzende der JU und weitere JU-Mitglieder fragten, ob er nicht das Amt übernehmen wolle, zögerte Zeyer nicht und sagte „ja“.

Für ein Hobby neben der Politik hat Zeyer, der im Juni eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketing-Kommunikation abschloss, längst keine Zeit mehr. All die Telefonate, die er täglich zu führen hat, all die Sitzungen. Doch es mache ihm Spaß, man lerne viel, meint er. Etwa wie man Mehrheiten organisiert, eine der Hauptaufgaben, um etwas zu erreichen, und strategisches Verhandeln über Positionen, auch mit der CDU. Bald schon wird Zeyer wohl mit der CDU im Landtag verhandeln können. Denn die Mutterpartei im Kreis St. Wendel sowie der JU-Landesvorstand nominierten den JU-Chef als Kandidaten für die nächsten Wahlen auf dem aussichtsreichen Listenplatz vier. Auch im Landtag will Zeyer als JU-ler vor allem Politik für junge Leute machen, wenn er ins Parlament einziehen sollte. In der Bildungspolitik hält er – auch aus eigener Erfahrung – etwa das Berufsschulwesen für viel zu sehr vernachlässigt: „In die allgemeinbildenden Schulen wurde viel investiert, aber die meisten saarländischen Schüler gehen in die Berufsschule, hier besteht Nachholbedarf.“ Auch für ein Azubi-Ticket nach dem Vorbild des Semester-Tickets, das Studierenden die freie Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs erlaubt, will sich Zeyer einsetzen. Die Junge Union sähe die CDU insgesamt lieber auf einem etwas konservativeren Kurs, erklärt der Nachwuchs-Politiker. Gerade in der Bildungspolitik habe sie zu viel Rücksicht auf den Koalitionspartner genommen. Die Abschaffung des Sitzenbleibens und der Noten in der Grundschule drohe das Bildungssystem „zu verweichlichen“, meint Zeyer und wünscht sich hier eine Rückkehr zu „klaren Linien“. Beim Thema Innere Sicherheit ist Zeyers Junge Union mit der Mutterpartei ebenfalls nicht in allen Punkten „d‘accord“ (einverstanden). „Wir wollen noch mehr Polizei“, erklärt er. Denn durch die Flüchtlinge habe das Saarland nun mehr Einwohner, andererseits bestehe weiterhin Terrorgefahr. Ob Sicherheit als Thema denn junge Leute, junge Wähler interessiert? Für Alexander Zeyer ist die Sache klar: „Das ist immer Thema.“ Text: Silvia Buss Foto: Iris Maurer

Zwei Jahre hat Alexander Zeyer die Friedrich-List-Schule in Saarbrücken besucht. Als Politiker sieht er „Nachholbedarf“ im Berufsschulbereich.

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THEMA Junge Politik – Porträt 2: Johannes Hiry ist aktiv in der SPD

Er will die Situation

von Menschen  verbessern „Viele Menschen haben eine Meinung, aber nur die wenigsten werden aktiv“, sagt Johannes Hiry. Der 24-Jährige aus Fürweiler, einem 400-Seelen-Dorf der Gemeinde Rehlingen-Siersburg, zählt zu den Aktiven. Er ist Vorsitzender des Juso-Kreisverbandes Saarlouis und stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD. Er kandidiert außerdem für einen Sitz im Landtag. Johannes war immer schon ein politischer Mensch. Richtig aktiv wurde er allerdings erst mit der saarländischen Bildungsreform. Gegen die überstürzte Einführung von G8, Grundschulschließungen und einiges mehr wollte er etwas tun und engagierte sich deshalb im Sommer 2009 für die Teilnahme von Saarlouiser Schulen am bundesweiten „Bildungsstreik“. „Wir haben in der 5. und 6. Stunde von unserem demokratischen Recht Gebrauch gemacht, sind auf die Straße und haben die Missstände in einer Kundgebung angeprangert“, berichtet Johannes.

Manchmal gönnt sich Johannes Hiry in einem Saarlouiser Café eine Pause von Beruf und Politik.

Der Reiz, mehr zu tun, als nur zu kritisieren, lockte ihn schließlich in eine Partei. „Ich wollte immer schon die Situation von Menschen verbessern. Und das geht nur, wenn man auch an Entscheidungen beteiligt ist“, sagt er. Es folgten viele Gespräche mit Freunden, Gleichgesinnten und Andersdenkenden. Irgendwann meinte ein Gesprächspartner: „Ach, komm doch mal mit zu den Jusos.“ „Ich wusste damals gar nicht so genau, was das ist“, erinnert sich Johannes. Die Entscheidung, der SPDJugendorganisation tatsächlich beizutreten, entwickelte sich erst nach über einem Jahr des „Beschnupperns“. „Ich war nicht mit allem einverstanden, was die SPD zu dieser Zeit machte. Auch nicht mit allem, was sie historisch gemacht hat. Aber ich wusste: Immer nur von außen kritisieren bringt nichts – wenn ich etwas verändern will, muss ich da rein“, beschreibt Johannes seinen Beitritt, der 2010 erfolgte. Auch die familiäre Prägung – Vater Robert ist Gewerkschafts-Funktionär bei der IG Metall – trug zur Politisierung bei und führte zu einer Affinität zum organisierten Engagement. „Meine Familie schrieb mir mit Blick auf eine Parteizugehörigkeit nie etwas vor, sondern riet mir immer, meine Entscheidungen gut zu überlegen“, betont Johannes und fügt an: „Für diese Art der Erziehung bin ich sehr dankbar.“

Seinen Master-Abschluss in Wirtschaftsingenieurswesen machte der Nachwuchs-Politiker im Oktober 2015. Seit Januar arbeitet Johannes Hiry jeweils mit einer halben Stelle in der Regulierungskammer für das Saarland und beim Institut für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft in Dortmund. Aber auch hauptberuflich Politik zu machen, ist eine Option für ihn: „Ich begreife Politik und auch ein politisches Mandat als Instrument, etwas zu verändern. Wenn ich die Lebenssituation der kleinen Leute verbessern kann, ist es das Richtige für mich“, meint er und ergänzt: „Wenn ich allerdings merke, dass ich nichts verändern kann, dann ist das Mandat für mich der falsche Weg.“ Das Nebeneinander von Beruf und politischem Engagement funktioniert bisher gut, erlaubt aber nur wenig Freizeit für Freunde, eine Beziehung oder sich selbst: „Im Moment bin ich allerdings sehr zufrieden“, sagt Johannes. Nach kurzer Denkpause gibt er zu: „Manchmal wäre es dann doch schön, etwas spontaner sein zu können. Ich weiß, dass das Private öfter mal hintenan steht. Aber wenn ich etwas mache, dann richtig.“ Zum Abschalten vom täglichen Stress treibt er Sport und geht hin und wieder zelten. Letzteres vor allem auf dem Festivalgelände des „Rocco del Schlacko“: „Da mache ich das Handy ausnahmsweise für drei Tage aus. Das weiß aber auch jeder in meinem Umfeld, dass ich an drei Tagen im August nicht erreichbar bin“, erklärt Johannes, „da kann ich wirklich mal abschalten.“ Text: Sebastian Zenner Foto: Iris Maurer

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THEMA Junge Politik – Porträt 3: Sarah Krier macht mit bei der Linkspartei

Vom Wunsch geleitet, zu bewirken

Gutes

Wie wird jemand Mitglied einer Partei? So wie Sarah Krier machen das bestimmt die wenigsten: „Ich bin in Neunkirchen ins Wahlkampfbüro gegangen, habe gesagt, dass ich mich für die Partei interessiere, hatte ein nettes Gespräch, bekam Infomaterial mit und dann ist auch relativ schnell die Entscheidung gefallen.“ Doch das Ganze hat natürlich eine Vorgeschichte. „Ich war immer schon politisch interessiert, hatte auch Politik im Abitur“, erzählt die 24-jährige Neunkircherin. Den Anstoß, aktiv zu werden, erhielt sie nach dem Abi bei einem freiwilligen sozialen Jahr in Chile. Dort erlebte sie, wie Hunderttausende junger Leute auf die Straße gingen, um gegen hohe Studiengebühren und für gleiche Bildungschancen zu demonstrieren. Die Studentenproteste hatten letztlich Erfolg: Das Bildungssystem wurde reformiert, die Studiengebühren wurden gesenkt. „Ich fand es unheimlich toll zu sehen, dass man politisch etwas bewirken kann“, sagt Krier.

Wieder zu Hause, hielt sie Ausschau nach der für sie passenden Partei und marschierte nach Recherchen auch im Internet ins Büro der Linken. „Ich fand bei ihr halt die meisten Punkte, die mit meinen Ansichten übereinstimmten“, sagt sie zu ihrer Wahl. „Soziale Gerechtigkeit, Antifaschismus, Feminismus“, nennt sie spontan drei Punkte, die ihr an der Linken wichtig sind. Nach ihrem Umzug nach Saarbrücken, wo sie an der Saar-Universität Spanisch, Romanistik und Anglistik studiert, wandte sie sich an die Jugendorganisation der Partei, die Linksjugend. Da die Gruppe sich gerade neu formierte, war es für Krier einfach mitzumachen. Man wählte sie gleich in den 14-köpfigen Sprecherrat, den die Linksjugend Saar anstelle eines Vorstands hat. Heute engagiert sich Krier auch an der Uni für linke Politik. Als Mitglied des Studentenparlaments vertritt sie den SDSUdS (die Abkürzung steht für sozialistischdemokratischer Studierendenverband an der Uni des Saarlandes). An Problemthemen mangelt es auch an der Uni nicht. „Wir sind gegen die Sparmaßnahmen der Landesregierung und für den Erhalt der Volluniversität, weil man an Bildung nicht sparen sollte, sie ist zu wichtig und ja auch ein Standortfaktor für das Saarland“, erklärt Krier. Sarah Krier nimmt ab und an in ihrem Lieblingscafé Ubo Roi eine „Auszeit“ und liest ein Buch.

Für den Erhalt des Studienkollegs (eines von drei in ganz Deutschland, an denen ausländische Studierende ihren Deutschkurs ohne Vorkenntnisse absolvieren können) kämpft ihre Gruppe, für studentischen Wohnraum für alle und eine Reform des Bafögs außerdem. Mit der linken Jugend zeigt Krier regelmäßig Flagge bei Demos gegen Sargesa und bei Rock-gegen-Rechts-Konzerten, steht an Infoständen auf Festen und Festivals. Sie engagiert sich für Flüchtlinge, organisiert Seminare zu Bildung und saarländischer Bildungspolitik mit und besucht politische Lesekreise. Sie würde ja gern noch mehr machen, meint Krier. Doch das sei neben Studium und einem Teilzeitjob einfach nicht drin. „Du mit deinen linken Ideen!“, hört sie öfter von ihrem Vater. Doch das nimmt sie ihm nicht krumm. Ihr Lieblingscafé ist das Ubu Roi in Saarbrücken. Da trifft sie sich auch gern mit ihrer Gruppe. „Und dann", sagt Krier, „singen wir auch schon mal die Internationale.“ Text: Silvia Buss Foto: Iris Maurer

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THEMA Junge Politik – Porträt 4: Barbara Meyer-Gluche tritt an für die Grünen

Sie mag keine

 Un gerechtig      keiten Sie ist 32 Jahre alt, wurde in St. Ingbert geboren, studierte in München, lebt in Saarbrücken und will Politikerin werden: „Ich weiß, was mich erwartet. Ich finde es reizvoll und würde es gerne machen“, sagt Barbara Meyer-Gluche, die zurzeit im saarländischen Landtag als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen arbeitet. Anfang Juni wurde sie auf einem Parteitag zur stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Seit knapp zwei Jahren ist sie schon die Kreisvorsitzende ihrer Partei in Saarbrücken. „Ich hatte schon immer einen ziemlich ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Damit bin ich schon in der Schule öfter mal angeeckt – wenn ich mich für Mitschüler eingesetzt hatte oder so“, erklärt das Kind eines christlichen Elternhauses. Als schwerwiegendste Ungerechtigkeit

empfindet sie die Kinderarmut. Hinzu kommt beispielsweise, dass Bildungschancen in Deutschland „noch immer vom Geldbeutel der Eltern abhängen“ oder „wir den kommenden Generationen den Planeten zerstören“. Diese Einstellungen motivierten Barbara dazu, einen politischen Berufsweg einzuschlagen. Der begann mit einem Magister-Studium der Politikwissenschaft in München, später kam noch Volkswirtschaftslehre (Master) hinzu. „Ich wollte mithelfen, diese Dinge zu verbessern. Für mich war deshalb auch schnell klar, dass ich mich in einer Partei engagieren will“, erinnert sie sich. Vor zehn Jahren trat sie deshalb noch in München den Grünen bei. Statt ihr Studium in Bayerns Hauptstadt mit einer Promotion zu veredeln, zog es sie zurück ins Saarland. „Ich wollte nach der ganzen Lernerei erst einmal arbeiten“, sagt sie. Seit 2011 tut sie das in der Landtagsfraktion der Grünen. „Ich vermisse München schon sehr, aber Saarbrücken ist auch schön“, meint Barbara. Zwar bleibe wegen des vollen Terminkalenders nicht viel freie Zeit übrig. Doch die verbringt sie gerne in der Landeshauptstadt: „Ich feiere ganz gerne und das kann man in Saarbrücken richtig gut. Das Schöne im Vergleich zu so großen Städten wie München ist, dass hier noch viel Platz für Unkonventionelles und Subkultur ist“, findet sie. An seltenen freien Wochenenden und im Winter zum Snowboarden zieht es sie aber hin und wieder zurück zu alten Studienfreunden.

Unkonventionelle Lokale in Saarbrücken besucht Barbara MeyerGluche ganz gern mal.

Seit wenigen Monaten ist Barbara verheiratet. „Es ist schwierig, aber wenn es nicht funktionieren würde, hätten wir es nicht durchgezogen“, antwortet sie auf die Frage, was ihr Ehemann vom zeitintensiven Berufswunsch seiner Frau hält. Dass der auf einmal konkret wird, hatte sie lange nicht gedacht: „Ich bin eigentlich nicht so ein Typ, der nach Masterplänen handelt. Eher mache ich erst einmal das, was mir Spaß macht und schaue dann weiter“, beschreibt die 32-Jährige schmunzelnd und erklärt: „Während des Studiums habe ich noch nicht daran gedacht, eine Politikerin in der ersten Reihe werden zu wollen. Ich arbeite eher gerne tiefgründig und wissenschaftlich und wusste nicht, ob das wirklich zusammenpasst.“ Die Erlebnisse und Erfahrungen, die sie während ihrer aktuellen Tätigkeit sammeln konnte, scheinen ihr dies jedoch zu bestätigen. Ermutigungen aus dem Partei-Umfeld taten ein Übriges: „Ich kam dann irgendwann zu dem Schluss, dass ich mich der Partei bei der Landtagswahl gerne zur Verfügung stelle“, sagt Barbara, die als grüne Spitzenkandidatin für Saarbrücken zur Wahl antreten will. Text: Sebastian Zenner Foto: Iris Maurer

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THEMA Der Landtagsabgeordnete Michael Hilberer (Piraten) zieht Bilanz

„Ein     Leben ohne Politik     geht nicht“ Michael Hilberer war einer von vier Abgeordneten, als die Piratenfraktion 2012 nach der Wahl den Saar-Landtag „enterte“, wie es seinerzeit oft hieß. Inzwischen ist der 37-Jährige eine feste Größe in der Landespolitik geworden. Als Fraktionsvorsitzender hat er sich über die Parteigrenzen hinweg Anerkennung und Respekt erworben. Die LandtagsBerichterstatter aus Presse und Rundfunk werden ihm Ende 2016 die „Goldene Ente“ für seine offene Art und seine Auskunftsfreudigkeit gegenüber den Journalisten verleihen. Hilberer hat derweil schon angekündigt, dass er nicht erneut für den Landtag kandieren will, weil er keine politische Perspektive mehr für die Piratenpartei sieht. Er geht zurück zu seinem früheren Arbeitgeber SAP. Trotzdem ist seine Botschaft für junge Staatsbürger eindeutig: „Ein Leben ohne Politik geht nicht“, meint er – und fügt als sein persönliches Motto an: „Jeder kann etwas verändern, wenn er einen langen Atem hat.“ Hin und wieder arbeitet PiratenFraktionschef Michael Hilberer auch am Laptop im Garten des Saar-Landtages.

Wie kam Hilberer eigentlich ins „Politikgeschäft“? Als 20-Jähriger war er kurz mal in der Jungen Union aktiv (der Vater war in der CDU), stellte aber bald fest, dass das nicht ganz das Richtige für ihn war, zumal er sich als eher „linksliberal“ einordnete. Der richtige Einstieg als Politik-Mitgestalter erfolgte bei ihm nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als Softwareentwickler und Informatiker. Im Gegensatz zu anderen Parteien sah Hilberer bei den Piraten ab 2009/2010 in der gesellschaftlichen Diskussion um Internet-Überwachung und Datenschutz „fachlich gute Positionen“. Als er dann feststellte, dass aus einer „Spartenpartei“ langsam eine wurde, die auch auf anderen Feldern (Stichworte: liberalere Drogenpolitik, mehr Bürger-Teilhabe, bedingungsloses Grundeinkommen) seinen Vorstellungen entsprach, empfand er das als „großes Versprechen“ und engagierte sich ab 2011 auf Landes- und Bundesebene bei den Piraten. Die „Aufbruchstimmung“ in der neuen Partei und ausreichend Wählerstimmen verhalfen Hilberer und seinen Mitstreitern folgerichtig zum Einzug ins Landesparlament.

Als absolute Neulinge war es für die Piraten „eine Riesenaufgabe“, sich im Landtag zurechtzufinden und konstruktiv Oppositionspolitik zu machen. Wobei laut Hilberer eins von vornherein feststand: „Unser Anspruch war, das ordentlich zu machen.“ Man habe „ehrliche Arbeit“ geleistet und sich „konstruktiv eingebracht“, sagt Hilberer zurückblickend. Er wünscht sich das Parlament als „offene Plattform“. Die Menschen sollten sich an Debatten über wichtige Themen – ob nun über Kindergärten, Schulen, Hochschulen oder Polizei – aktiv beteiligen können. Die Politiker dürften sich nicht verstecken, sondern müssten transparent agieren und sollten öfter mal Experimente wagen, findet Hilberer. „Zu begreifen, wie das politische System funktioniert“, nennt Hilberer „eine unglaubliche Erfahrung“. Er rät jungen Frauen und Männern, sich unbedingt eine politische Meinung zu bilden und sich möglichst auch in einer Partei zu engagieren. Wer „eine gute Zukunft“ haben wolle, müsse etwas dafür tun, meint er. Für den neuen Saar-Landtag wünscht sich der ausscheidende Pirat, „dass andere in unsere Fußstapfen treten“ und dass junge Leute mit einer optimistischen Grundeinstellung ins Parlament einziehen, „die Wege beschreiten, die noch niemand beschritten hat und schauen, ob's klappt“. Text: Wulf Wein Foto: Iris Maurer

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FILM & ACTION

  „Die Junge“ möchte manches                neu machen Svenja Böttger (28) ist jetzt für das Max-Ophüls-Filmfestival verantwortlich

„Ist die nicht zu jung?“ Das fragten sich manche, als Svenja Böttger im Frühjahr zur neuen Leiterin des Festivals Max Ophüls Preis ernannt wurde. Die „Neue“ hat gerade erst ihr Masterstudium an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg beendet und ist 28, so ziemlich im selben Alter wie die Filmemacher, die beim Saarbrücker Festival ihre ersten Kino-Filme präsentieren. So what?! Schließlich hat die Berlinerin schon bewiesen, dass sie Festivals managen kann. Bereits während ihres Studiums leitete sie das Studierendenfestival „Sehsüchte“ an ihrer eigenen Uni und zweimal das Programm aller Filmhochschulen bei der Berlinale in Berlin. „Ich war schon immer an Kunst und Kultur interessiert, habe früher selber viel Musik und Theater gemacht und dann meine Neugierde in Richtung Film entwickelt“, erzählt Svenja, wie in ihr der Entschluss reifte, „irgendwas mit Medien“ auch beruflich zu machen. Im Studium hat sie auch selbst Filme mitgestaltet und produziert, bevor sie sich entschloss, sich mehr auf das Mitorganisieren von Festivals zu konzentrieren. „Dass ich selbst mal Leiterin werde, hätte ich mir zu Beginn des Studiums aber noch nicht erträumt“, gesteht sie.

Ihr erstes großes Kinoerlebnis? Daran kann sich Svenja noch gut erinnern. Zur Feier ihres achten Geburtstags war das, da hat sie mit ihren Gästen zum ersten Mal einen 3D-Film über Meerestiere im IMAX besucht. „Das war damals ganz neu in Berlin, wir waren alle riesig aufgeregt, und dann noch 180-Grad-Kuppel und 3D!“, erzählt Svenja schmunzelnd. Neue Technik und neue Medien will sie auch beim MOP-Festival einziehen lassen. Nicht im Wettbewerbsprogramm, aber in den Nebenreihen. „Da wollen wir auch mal einen Virtual-Reality-Film, eine 360-GradReihe oder andere technische Spielereien oder Neuerungen zeigen“, sagt die neue Leiterin. „Außerdem muss ein Festival nicht immer klassisch im Kino im Dunkeln stattfinden, sondern kann auch mal via 3D-Brille oder VR-Brille erlebt werden.“

Die neue Leiterin Svenja Böttger hat einige Ideen zur „Auffrischung“ des Max Ophüls Preises. Seit Mai pendelt Svenja jetzt ständig zwischen Berlin und Saarbrücken. Und zwischendurch fährt sie mal nach Locarno, Graz oder München. Nicht etwa um Urlaub zu machen, sondern um wichtige Filmfestivals oder sonstige Treffen der Filmbranche zu besuchen, neue Filme und Filmemacher unter die Lupe zu nehmen, Kontakte zu Fernsehsendern, Redakteuren und Verleihern zu knüpfen und fürs MOPFestival zu werben. Saarbrücken gefällt Svenja ziemlich gut. Nicht nur wegen seines großen Kulturangebots und weil es hier viele Kinos gebe, sagt sie. Auch wegen der spannenden Cafés, Kneipen und Restaurants, die sie noch gar nicht alle erkunden konnte. „Ich bin sehr begeistert vom ,Jules Verne‘, meinen Kaffee und auch mal ein Pain au Chocolat hole ich mir am liebsten in der ,Bakery‘, auch das ,Thonet‘ ist super“, verrät sie einige ihrer Favoriten. Und was macht eine Filmfestivalleiterin sonst noch so in ihrer Freizeit? „Ich gehe gern segeln, treibe Sport und reise gern“, sagt Svenja. „Aber Film, Serien und neue Medien sind nicht nur mein Beruf, sondern auch ein Hobby.“ Also Augen auf! Wenn sie im Herbst ganz in Saarbrücken wohnen wird, kann man ihr garantiert in den Kinos der Stadt begegnen… Text: Silvia Buss Fotos: Pasquale D’Angiolillo

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MUSIK & SZENE Interview mit Jonatan Larocca-Ramm von Graveyard

„Wir konnten uns endlich aufs Songschreiben konzentrieren…“ Konzert: Mittwoch, 19.Oktober, 19 Uhr, Garage, Saarbrücken Internet: www.graveyard-music.com, www.garage-sb.de

Classic Rock, Stoner Rock, Blues Rock... Ganz gleich, welcher Schublade Graveyard zugeordnet werden, ihr Rock atmet den Geist der 1970er Jahre und klingt alles andere als neuzeitig. Gegründet wurde das Quartett vor zehn Jahren im schwedischen Göteborg. Vor einem Jahr erschien ihr viertes Studioalbum „Innocence & Decadence“, das in Schweden auf Platz zwei der Charts stand. Wir sprachen mit Gitarrist Jonatan Larocca-Ramm.

in-4mation: Eine der Tourneen war im Vorprogramm von Soundgarden... Jonatan: Oh ja, das war toll. Es war uns eine Ehre, eine so große Band zu supporten. Sie waren überaus freundlich und zuvorkommend zu uns. Ihr Bassist (Ben Shepherd – Anmerkung der Redaktion) schenkte unserem Bassisten Rikard Eklund sogar sein Instrument, einen RickenbackerBass. Eine tolle Geste.  in-4mation: Im August des letzten Jahres traten Sie obendrein mit dem Guns’n’RosesGitarrist Slash auf. Wie kam das zustande?

 in-4mation: Zwischen Ihrem Album „Hisingen Blues“, das 2011 auf Platz eins der schwedischen Charts stand, und „Lights Out“ lag nur ein Jahr. Bis zur Veröffentlichung von „Innocence & Decadence“ vergingen indes drei Jahre. Warum? Jonatan Larocca-Ramm: Wir waren viel auf Tournee und gönnten uns danach eine Auszeit, um in Ruhe neue Songs zu schreiben. Das war das erste Mal, dass wir nicht irgendwo unterwegs waren und Konzerte gaben. Wir konnten uns endlich nur aufs Songschreiben und die Aufnahmen konzentrieren. Das war schön.

Jonatan: Das wussten wir zuerst gar nicht. Die Show wurde kurzfristig gebucht, und wir wurden auch erst einige wenige Tage vorher darüber informiert, dass wir als Begleitband von Slash agieren sollten. Zwei Tage lang studierten wir mit ihm die drei Coversongs „Helter Skelter“, „Fortunate Son“ und „Children Of The Grave“ ein. Das alles war sehr überraschend. Wir sind ja öfters in coole Aktionen involviert, doch in dem jeweiligen Moment realisiert man meist gar nicht, was da gerade passiert. Nachdem wir mit ihm die drei Songs gespielt hatten, gaben wir noch ein paar eigene Lieder zum Besten.

in-4mation: Sie erwähnten bereits Eklund.  Er war Mitbegründer von Graveyard, verließ   die Band allerdings Ende 2014. War es   schwer, das zu verdauen? Jonatan: So etwas ist immer schwer. Natürlich ist es anders ohne ihn. Andererseits müssen wir weitermachen. Es kommt halt vor, dass man sich im Laufe einer Entwicklung auseinanderlebt. Das war natürlich nicht unser Plan, aber so kam es eben. Traurig ist es dennoch. Glücklicherweise fanden wir in Truls Mörck den bestmöglichen Ersatz. in-4mation: Mörck war früher schon als   Sänger und Gitarrist Mitglied von Graveyard,  nun spielt er Bass. Jonatan: Ja, genau. Wir hatten einige Bassisten ausprobiert. Eines Tages waren wir im Studio und wollten einen Bassisten dabei haben, um zu sehen, wie die Band in ihrer Gänze klingt. Wir riefen Truls an, weil wir wussten, dass er in der Nähe an seinem eigenen Projekt arbeitete. Er kam vorbei und es klang auf Anhieb fantastisch. Er ist ein toller Kerl und großartiger Musiker. Also baten wir ihn, sich uns wieder anzuschließen.  Text: Kai Florian Becker  Foto: Anders Bergstedt

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MUSIK & SZENE Gespräch mit Rapper Drehmoment über Politik, Verdrossenheit und Protest

„Man muss im Kleinen etwas bewegen, um

das Große zu verändern“ Politikverdrossenheit und Protestwählen, das sind die Themen, zu denen wir den saarländischen Rapper Drehmoment (bürgerlicher Name: Markus Trennheuser) befragt haben. Seine Antworten dazu sind eindeutig... in-4mation: Wie wichtig ist es Deiner Meinung nach, in einer Demokratie von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen? Drehmoment: Politisch korrekt müsste ich antworten: „Mach von deinem Stimmrecht Gebrauch und bewege die Welt!“ Ich kann aber schon verstehen, dass viele denken, keinen Einfluss zu haben auf das, was letztendlich entschieden wird – ist ja auch ein bisschen was dran. Es ist offensichtlich, dass beispielsweise Banken und Großkonzerne einen enormen Einfluss auf den politischen Lauf der Dinge haben. Ich glaube, dass wir mit unserer Stimme nur sehr begrenzt Einfluss haben. Das heißt jedoch nicht, dass man nicht wählen gehen sollte. Im Gegenteil. Es ist ja ein totaler Widerspruch, sich einerseits über mangelnden Einfluss zu beschweren und als Konsequenz daraus auf die einzige Möglichkeit zu verzichten, seine Meinung kundzutun. Es ist sehr wichtig, dass man wählen geht. Schließlich haben in der Vergangenheit viele Menschen für unser freies Wahlrecht ihr Leben gelassen. Nicht wählen zu gehen, wäre denen gegenüber eine extreme Respektlosigkeit. Klar, Wahlversprechen sind meist nur Makulatur. Dennoch: Man muss ja nicht immer zwischen Ebola und Pest wählen. Eigentlich hat man ja schon die Wahl zwischen Ebola und Schweinegrippe. Und Schweinegrippe ziehe ich Ebola durchaus vor.

in-4mation: Es gibt öfters das Phänomen der Protestwähler. Bei der BrexitAbstimmung in Großbritannien gab es Berichten zufolge einige davon. Sie beschlossen mit ihren Stimmen den Austritt Großbritanniens aus der EU. Was hältst Du von der Protestwahl? Drehmoment: Kann man machen, aber nur wenn man auch weiß, warum und gegen was man protestiert. Natürlich läuft in Europa einiges schief und ziemlich undemokratisch ab, wenn man mal sieht, wie wenige Befugnisse das Europäische Parlament hat. Aber ich glaube, dass die meisten Briten kurzsichtig gewählt haben. Für einen Austritt waren ja eher die Älteren. Ich habe den Eindruck, dass darunter sehr viele waren, die einfach was dagegen haben, dass die Zeit nicht still steht und nicht mehr alles ist wie früher: ohne Globalisierung, ohne Flüchtlinge und mit sichereren Jobs. Die EU ist für die der Sündenbock für viele Probleme, die eher ein weltweites Systemproblem darstellen. Kurz: Die Briten haben wohl gegen die EU gestimmt, weil sie sich abgehängt fühlen von der Zeit und dem freien pervertierten Markt. Und der ist es, der die Gesetze macht und weniger die Menschen selbst oder die EU an sich. Durch den Austritt werden sich wahrscheinlich noch viele große Firmen aus Großbritannien verabschieden, weil das Land als Nicht-EUMitglied markttechnisch womöglich an Konkurrenzfähigkeit deutlich einbüßen wird. Der Protest war also ein Schuss ins eigene Knie − basierend auf mangelndem Wissen über die Zusammenhänge.

in-4mation: Was sollten Deiner Meinung nach unzufriedene Bürger im besten Fall tun, wenn eine Protestwahl und das Nichtwählen keine Optionen sind? Drehmoment: Sie können vieles machen: Journalist werden und interessante Fragen stellen; sich in der Partei ihrer Wahl engagieren; Songs schreiben; auf die Straße gehen; sich in politischen oder sozialen Organisationen engagieren oder ihr direktes Umfeld mit guten Argumenten von der eigenen Meinung überzeugen. Es gibt viele Möglichkeiten. Einfach nur wählen zu gehen und meinen, damit hätte man etwas bewegt, ist naiv oder einfach sehr bequem. Man muss im Kleinen etwas bewegen, um das Große zu verändern: ein guter Vater oder eine gute Mutter sein und seinem Kind anständige Werte mitgeben. Damit kann man schon viel erreichen. Gespräch: Kai Florian Becker Foto: Nina Meumann Infos: www.facebook.com/ Drehmomentrap, www.drehmomentmusik.de 

Rapper Drehmoment sagt deutlich, warum er von Politikverdrossenheit und Protestwahlen nicht viel hält.

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KUNST & KULTUR Völklinger Hütte lockt  mit großer Buddha-Schau

Nichts wie los – auf ins Nirwana! Ganz entspannt im Hier und Jetzt – wer wäre das in unseren stressigen Zeiten nicht gern? So wie der dicke lächelnde Buddha, den man immer öfter in Vorgärten oder auf Fensterbänken entdeckt. Einen wohlbeleibten, richtig dicken Buddha suchen Besucherinnen und Besucher in der Völklinger Hütte allerdings vergeblich.

Ungewohnter Anblick: Buddhistische Mönche proben den Kopfstand. 40 großformatige Bilder von Steve McCurry werden in einer Begleitausstellung gezeigt.

Das Weltkulturerbe zeigt in einer großen Schau 232 Kunstwerke des Buddhismus. Zu sehen sind Buddha-Figuren aus Stein, Holz, Bronze oder Gold in allen Formen und Größen.Sie stammen ursprünglich aus neun unterschiedlichen Ländern Asiens,

Technik trifft Kunst: Interessante Kontraste bietet die Buddha-Schau.

in denen sich diese aus Indien kommende Weltreligion ausbreitete. Das älteste Stück der Ausstellung ist ein Männerkopf aus rotem Sandstein aus Uttar Pradesh aus dem zweiten oder ersten Jahrhundert vor Christus, die jüngsten Stücke entstanden im 18. Jahrhundert. Nicht alle der Kunstschätze stellen den Buddha dar, der die nach ihm benannte Religion begründete. Er hieß auch gar nicht Buddha, sondern Siddhartha Gautama. Denn Buddha ist ein Ehrentitel, der so viel wie „Der Erleuchtete“ bedeutet und den nach ihm auch viele andere Meister des Buddhismus bekamen. Der historische Buddha, der im vierten oder fünften Jahrhundert vor Christus lebte, da ist sich Elke Hessel vom Tibethaus Frankfurt sicher, war auch gar nicht dick. Als Sohn einer reichen indischen Adelsfamilie im Luxus aufgewachsen, probierte er erst die Askese, entschied sich aber dann für den goldenen Mittelweg. Seine Lehre, die auch in Deutschland immer mehr Anhänger findet, zielt darauf ab, das irdische Leid, unter anderem durch Meditation, zu überwinden. Dafür entwickelte Buddha als Anleitung einen „Edlen Achtfachen Weg“, genannt auch Pfad der Erleuchtung. Einen solchen Pfad mit acht Meditationsstationen gibt es als Begleitprogramm jetzt auch auf dem Außengelände der Völklinger Hütte. Buddhistische Mönche, die Sand-Mandalas legen, werden ebenfalls im Weltkulturerbe erwartet. Und vielleicht kommt sogar noch „Seine Heiligkeit“, der XIV. Dalai Lama. Also nichts wie los, auf ins Nirwana!

Von Angesicht zu Angesicht: Buddha und Besucher im stillen Dialog.

Info: Die Ausstellung „Sammler öffnen

ihre Schatzkammern – 232 Meisterwerke buddhistischer Kunst aus 200 Jahren“wird im Weltkulturerbe Völklinger Hütte bis zum 19. Februar 2017 gezeigt. Sie ist bis zum 6. November täglich von 10 bis 19 Uhr und danach täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet (außer 24., 25. und 31. Dezember). Für Kinder, Jugendliche bis 18 Jahre sowie Schüler und Studenten mit Ausweis bis 27 Jahren ist der Eintritt grundsätzlich frei (Kinder bis 14 Jahre nur in Begleitung eines bevollmächtigten Erwachsenen). An Dienstagen ab 15 Uhr haben alle Besucher freien Eintritt. Text: Silvia Buss Fotos: Iris Maurer

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FREIZEIT & ENTSPANNUNG

Die Trendsportart Tricking ist rasant – aber auch ziemlich riskant

Durch die Luft mit

Flips, Twists und Kicks

Hier zeigt Harry, was Tricker alles können – es sieht fast so aus, als ob er schwebt. Einen Salto aus dem Stand zu machen, das ist schon mal nicht so einfach. Doch Tricker machen mehr. Sie schlagen nicht nur mehrere Salti hintereinander, sie verdrehen sich dabei auch in komplizierten Schrauben und teilen zusätzlich Tritte in die Luft aus, dass einem schon beim Zuschauen schwindelig wird. „Kicks“ nennt man solche Tritte im Kampfsport, und da kommt Tricking, manchmal auch Martial Arts Tricking genannt, ursprünglich her. Die Trendsportart, die sich in den 1990er Jahren in den USA entwickelte, findet auch bei uns immer mehr Anhänger.

Im Saarland, schätzt Simon (26), sind es so um die 20 junge Leute, die tricken. Rund 15 von ihnen treffen sich jeden Montag in der Neikes-Sporthalle in Saarbrücken, um Flips (Salti), Twists (Schrauben) und Kicks in immer anderen Variationen zu trainieren. Ein Lehrbuch mit Anleitungen und festen Figuren gibt es für Tricking nicht, auch keinen Trainer. Man inspiriert sich gegenseitig oder auch im Internet, wo viele Tricking-Youtube-Filme kursieren. „Man probiert einfach das, was gerade funktioniert, dem geht man halt nach“, sagt Simon. Die meisten Tricker haben langjährige Erfahrung in Parkour. Doch Tricking finden sie noch mal eine Spur anspruchsvoller. Geradezu halsbrecherische Stürze sind beim Trainieren die Regel, auch wenn der Federboden in der Halle einiges abfängt. „Man hat ein hohes Verletzungsrisiko und im Alltag mehr Schmerzen“, sagt Simon. Aber das schreckt ihn nicht: „Dass man Dinge macht, die man nicht für möglich gehalten hat, das ist der Reiz.“ In den ersten fünf Jahren hat er immer in einer Sandgrube geübt oder auf einer Wiese. Dann sah er im TrickingInternetforum, dass sich in Dillingen Leute in einer Sporthalle treffen und fuhr von Saarbrücken aus immer dorthin. Einen Sportverein zu finden, der sie in seine Halle lässt, war für die saarländischen Tricker gar nicht so einfach. „Für Turner ist das, was wir machen, gefährlicher Blödsinn“, weiß Fabian (25). Er gibt Parkour-Unterricht in Vereinen.

Gegen Parkours gibt es keine Vorbehalte mehr, doch Tricker wollten die Dillinger Turner in ihrer Halle irgendwann nicht mehr sehen. Als sie mitbekamen, dass der Dillinger Federboden in die Saarbrücker Neikes-Halle verfrachtet werden sollte, klopften sie beim Turnerbund St. Johann (TBS) an. Dort bilden Tricker mit den Traceuren zusammen jetzt sogar eine eigene Abteilung. Längst gibt es TrickerWettkämpfe, sogenannte Gatherings, wo man zu Zweier-Battles antritt. Doch darauf haben die saarländischen Tricker gar keinen Bock. Sie tricken lieber miteinander als gegeneinander. „Wenn ich in Urlaub fahre, gucke ich erst mal im Netz, ob es dort Tricker gibt, und dann gehe ich da hin“, erzählt Ina (23), die einzige Frau in der Gruppe und früher mal Turnerin. Als Trickerin findet sie überall schnell Anschluss. Im Sommer geht Harry (21) gern mit Freunden zum Tricken auf die Wiese. Meist auf die am Landtag, „weil man da seine Ruhe hat“. Wenn Leute vorbeikommen, gucken sie zwar gern zu oder fragen auch schon mal nach, was da abgeht, aber wild auf Publikum ist Harry nicht. Eher wundert er sich, dass man sie dort gewähren lässt. „Die sind echt cool da im Landtag“, staunt er, „manchmal machen wir schon Macken in den Rasen, aber es hat noch nie einer was gesagt.“ Text: Silvia Buss Foto: Pasquale D’Angiolillo

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SEELE & SINNE Packender Action-Streifen Der britische Premierminister stirbt überraschend und zig Staatsoberhäupter reisen nach London, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Darunter auch US-Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart) und sein Leibwächter Mike Banning (Gerard Butler). Sie alle ahnen nicht, dass sie blindlings in eine von langer Hand geplante Falle laufen. Die Regierungschefs werden attackiert, Londons Wahrzeichen wird zerbombt. Inmitten dieses düsteren Szenarios versucht Banning, das Leben seines Präsidenten zu retten.

R&B, Funk, Pop – sehr smart Devonté (Dev) Hynes veröffentlichte vor einigen Jahren unter dem Namen Lightspeed Champion Indierock und -folk. Außerdem schrieb er Songs für andere Künstler (Kylie Minogue, Carly Rae Jepsen, FKA Twigs, Sky Ferreira), Filmmusik und zeichnete Comics. Seine Vorliebe für R&B, Funk und Pop lebt er seit einiger Zeit als Blood Orange aus. Carly Rae Jepsen, Debbie Harry (Blondie), Nelly Furtado und Poetry Slammer Ashlee Haze sind einige der Gäste, die auf dem smarten Album „Freetown Sound“ (Domino/GoodToGo) mitwirken, das mit dem sterilen Chart-R&B/Pop rein gar nichts gemein hat.

Lebendig-schonungsloser Punk und Post-Punk Der Bandname ist keine nostalgische Erinnerung an die Zeit, in der klobige Videokassetten in waren. VHS steht in diesem Fall für Violent Human System und ist eine Punk-Band aus Seattle. Deren Musik erinnert an vergangene Zeiten, in denen Big Black, Descendents, The Wipers oder Black Flag das Sagen hatten. Das Album „Gift Of Life“ (Suicide Squeeze/Cargo) ist Punk und Post-Punk zugleich; es ist lebendig und schonungslos, aber selten hart und schnell. VHS gehen bedacht, aber mit viel Intensität zu Werke.

„London Has Fallen“ (Universum Film) ist ein packender, heroischer Actionfilm, der mit immer neuen bösen Überraschungen aufwartet. Schade nur, dass der iranischschwedische Regisseur Babak Najafi für die Rolle des Bösen den pakistanischen Waffenhändler und Terroristen Aamir Barkawi (Alon Moni Aboutboul) wählte und damit den durch die Terrorattacken der jüngeren Vergangenheit etablierten Vorurteilen weitere Nahrung liefert. Auch mancher Dialog hätte weit weniger platt ausfallen können.

Testosteron-Spektakel Nach vier „Tatort“-Folgen wechselte Til Schweiger in der Rolle des Hamburger LKA-Kommissars Nick Tschiller auf die Kinoleinwand und jetzt ins Heimkino. In „Tschiller: Off Duty“ (Warner Bros.) geht es skurril und rasant her. Atempausen werden dem Zuschauer nicht gegönnt. Ebenso wenig eine tiefergehende Story: Tschiller ist lediglich auf der Suche nach seiner Tochter. Sein Weg, in Begleitung seines schlagfertigen Kollegen Yalcin Gümer (Fahri Yardim), führt ihn von Hamburg über Istanbul nach Moskau. Zig Schusswechsel, Schlägereien, Nahtod-Erfahrungen, Verfolgungsjagden und Explosionen müssen sie überstehen. 140 Minuten dauert dieses an Hollywood-Actionfilme angelehnte Testosteron-Spektakel. Ja, der Film ist völlig übertrieben, aber warum nicht Schweiger seinen Spaß gönnen, wie wir ihn einem Bruce Willis gönnen? Da kann man auch mal über gewisse Handlungsschwächen hinwegsehen. Es steht eben allein die Action im Vordergrund. Übrigens erscheint der Film auch in einer „5-Film-Collection“-Box mit den vier ungeschnittenen „Tatort“-Folgen und der „Durch die Nacht mit“-Episode mit Schweiger und Yardim. Texte: Kai Florian Becker Cover: Domino/GoodToGo, Suicide Squeeze/Cargo, Universum Film, Warner Bros.

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SEELE & SINNE Mit der Bummelbahn durch das Ostertal

Wenn jemand „das Weite sucht“

Saarland-Luft aus der Dose

Wer mit der Ostertalbahn von Ottweiler nach Schwarzerden reist, sollte sich über eines im Klaren sein: Der Weg ist das Ziel. Eine Fahrt mit dem Museumszug (www.ostertalbahn.de) lohnt durchaus, auch wenn man bei einem Spitzentempo von 50 Stundenkilometern wohl keinen Geschwindigkeitsrausch erlebt. Dafür zieht hinter den Fenstern der sogenannten Umbauwagen das schöne Ostertal mit seinen Streuobstwiesen und Rapsfeldern vorüber, passiert der Zug landwirtschaftliche Höfe und teils jahrhundertealte kleine Orte. Die heutige Strecke, auf der der Zug verkehrt, hat übrigens eine interessante Geschichte: In den 1950er und 1960er Jahren fuhren viele Hüttenarbeiter und Kumpel mit der damaligen Ostertaler Bahn zu ihren Arbeitsplätzen in den Hütten und Gruben und zurück.

Ein Familienvater verlässt plötzlich seine Familie. Thomas, der in einer Kleinstadt in der Schweiz mit Ehefrau Astrid und zwei Kindern in einem Haus lebte, geht einfach wortlos weg. Peter Stamms neuer Roman „Weit über das Land“ (Verlag S. Fischer, Frankfurt/Main 2016, 224 Seiten, ISBN: 978-3-10-002227-1, 19,99 Euro) beginnt mit dem Ende eines geordneten Familienlebens. Der Schweizer Autor erzählt im Wechsel aus Thomas‘ und Astrids Perspektive, wie sich die Existenz nach diesem Chaos anfühlt. Während Thomas das Umland durchstreift und sich an seine Vergangenheit – etwa an die erste Begegnung mit Astrid und seine Liebe zu ihr – erinnert, muss diese zunächst mit der Leere zurechtkommen. Mit „Weit über das Land“ hat Stamm eine ebenso spannende wie bewegende Erzählung vorgelegt.

Wie riecht eigentlich Landluft? Zugegeben: Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Zumal sich in den 52 Kommunen des Saarlandes viele Dörfer befinden, in denen die Luft wohl überall anders riecht. Landluft sollte idealerweise nach Dünger, Stroh und Tieren duften; wenn es geregnet hat, vielleicht noch nach frischer Erde. Mag sein, dass dieses Bild von der Landluft der Klischeevorstellung eines Großstädters entspricht. Manch einer hat sich dazu unlängst eine Geschäftsidee einfallen lassen und vermarktet Stallgeruch in Dosen im Internet. Sogar Saarland-Luft in zehn verschiedenen Duftrichtungen – von der Grubenluft bis zur Schwenkerluft – ist käuflich in Dosen zu erwerben.

Für Seele und Sinne kann man vieles tun: Einige tauchen ins Wasser ab, andere gönnen sich Lakritze oder genießen Landluft der besonderen Art.

Von den Vorzügen einer Tüte Lakritze Für die einen gehört zum FeierabendRitual, an einem Glas Rotwein zu nippen oder Kartoffelchips zu knabbern. Andere wiederum möchten nicht auf eine Tüte Lakritze verzichten. Ist der Tag wolkenverhangen und verregnet, steigt die Lust auf diese Süßigkeit, wie ich als Lakritz-Liebhaber beobachtet habe. Das mal süße, mal würzig oder salzig schmeckende Naschwerk in verschiedensten Formen und unterschiedlicher Konsistenz enthält meist Zucker, Süßholzwurzelsaft und Gelatine. Neuester Trend bei der schwarzen Süßmasse: vegane Lakritze, die ohne Gelatine vom Schwein hergestellt wurde. Was auch für Lakritze spricht: Als Heilmittel wirkt es wundheilend und reinigt den Rachen.

Sich im Wasser treiben lassen Manchmal braucht es ein natürliches Element, um im Alltag richtig loslassen zu können. Wasser kann zum Beispiel dabei helfen, die innere Anspannung zu lösen und für eine Zeitlang den Kopf frei zu bekommen. Traut man sich, in den Strömungskanal eines Hallenbads zu steigen und sich mit der Fließrichtung des Wassers treiben zu lassen, stellt sich bald ein wohliges Gefühl ein. Es gibt wohl kein zweites Naturelement, in dem das Erlebnis, kurzzeitig die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren, schöner ist als im Wasser. Getrübt werden kann der Wasserspaß allenfalls durch scharfkantige Fliesen und Mit-Treibenlasser, die sich am Beckenrand festhalten.

Texte: Benjamin Rannenberg Fotos: fotolia/Wolfgang Jargstorff, fotolia/AnnieG, fotolia/Gordon Bussiek

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LIFESTYLE & GESELLSCHAFT

Naturschätzen

auf der Spur

Auf Natura Trails können Radler und Wanderer viele Entdeckungen machen Nach der Philosophie der Naturfreunde schließen sich Naturschutz und sanfte Naturnutzung nicht aus. Natur soll mit allen Sinnen erlebbar und nicht hinter einem Zaun bestaunt werden. So laden denn auch die Naturfreunde und die Naturfreundejugend im Saarland dazu ein, die Naturschätze und die Kulturgeschichte der (Grenz-)Region vor der eigenen Haustür zu entdecken. Mit den sogenannten Natura Trails, also Wegen für Wanderer und Fahrradfahrer, möchten die Naturfreunde für den Schutz der biologischen Vielfalt sensibilisieren. Die Pfade verlaufen überwiegend durch Natura-2000-Gebiete. Besondere Merkmale der Natura Trails sind der Verzicht auf das Anlegen neuer Wege, eine bewusste Routenwahl, die Rücksicht auf die Brutplätze gefährdeter Vogelarten nimmt, die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Anbindung an Naturfreundehäuser. Mehr als 100 Natura Trails gibt es deutschlandweit, drei davon im Saarland. Viele Informationen zum GrenzblickTrail sind im Internet unter www. naturfreundejugend.de/.../Natura_in_ Aktion_Flyer_Grenzblick.pdf zu finden.

Vor allem interessant für Radwanderer ist der grenzübergreifende, in acht Etappen unterteilte Natura Trail von Kandel an der südlichen Weinstraße bis nach Völklingen. Die einzelnen Abschnitte beginnen und enden jeweils an Naturfreundehäusern im Saarland und in der Pfalz. „Mit den Trails möchten wir auf die Schutzgebiete aufmerksam machen und dafür werben, dass sie unbedingt erhaltenswert sind“, nennt die Naturfreunde-Landesvorsitzende Monique Broquard als Leitmotiv. Unweit von Saarbrücken können geübte Wanderer den Natura Trail Mandelbachtal erkunden. Der 20-Kilometer-Rundweg beginnt und endet am Rathaus Ormesheim. Die Strecke führt anfangs durch den mit Eichen und Hainbuchen bestandenen Bettelwald, wo sich unter anderem Mardellen (natürliche Kleingewässer) sowie bedrohte Vogelarten wie der Rotmilan entdecken lassen. Nahe Bebelsheim und Wittersheim geht es vorbei an den für die Region typischen Muschelkalkhängen. In Gräfinthal bieten sich das Kloster sowie die Naturbühne für einen Besichtigungsstopp an. Die vorletzte Etappe des Weges verläuft durch den Schorren- und danach den Koppelwald, wo die Naturfreundehütte steht. Von dort aus wandert man entlang von Streuobstwiesen zurück nach Ormesheim.

Auf dem Natura Trail durch das Mandelbachtal sind vom Weg aus viele spannende Dinge zu entdecken.

Speziell an junge Menschen ab etwa 14 Jahre richten sich die „Natura in Aktion“-Trails der Naturfreundejugend Deutschlands. Der Jugendverband entwickelte bisher bundesweit sieben interaktive Umweltbildungsrouten. Jugendgruppen können ein grenznahes oder grenzübergreifendes Natura-2000Schutzgebiet nach dem Prinzip einer digitalen Schnitzeljagd mit GPS-Gerät entdecken. Ein Beispiel ist der GrenzblickTrail, der durch das größte Natura2000-Gebiet des Saarlandes, den Warndt, führt. Die 28-Kilometer-Radtour startet am Naturfreundehaus Warndt und endet auf französischer Seite am Naturfreundehaus Petite Rosselle. An verschiedenen Stationen müssen die Teilnehmer Aufgaben in den Kategorien Team, Bewegung und Austausch bewältigen. Eine davon ist eine „Geräuschelandkarte“, die die Wahrnehmung in der Natur schärfen soll: Die jungen Leute suchen sich dabei einen Platz, notieren auf einem Blatt Papier, welche Geräusche sie wahrnehmen und woher diese kommen. Am Ende der Grenzblick-Route erwartet die Gruppe als Belohnung dann sogar ein kleiner „Schatz“. Text: Benjamin Rannenberg Fotos: Pasquale D'Angiolilillo (2), Naturfreunde (Flyer) Internet: www.naturfreunde.de/ natura-trails, www.naturatrails-rlpsaar.de, www.naturfreundejugend.de

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DIESES & JENES Viele wollen Produkte mit anderen teilen

Sind wir halbwegs nachhaltig unterwegs?

Zwischen Jung und Alt läuft's mal so, mal so

Jeder dritte Deutsche kann sich vorstellen, auf Eigentum zu verzichten und stattdessen Produkte lieber zu tauschen und zu teilen. In der Generation der 14- bis 29-Jährigen finden sogar 47 Prozent diesen Gedanken reizvoll. Das geht aus dem Zukunftsmonitor „Tauschen, Teilen, Selbermachen“ hervor, einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Der Studie zufolge kann sich beispielsweise jeder Dritte vorstellen, statt eigener Kleidung Kleiderleihangebote oder Kleider-Flatrates zu nutzen. Bei den 14- bis 39-Jährigen gaben sogar fast 40 Prozent an, daran Interesse zu haben. Weitere Infos sind im Internet unter www.zukunft-verstehen. de erhältlich.

Das Deutsche Jugendherbergswerk und der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) haben eine gemeinsame Aktion gestartet, die junge Menschen in ihrem umweltbewussten und sozialen Handeln bestärken soll. Bundesweit werben 91 Jugendherbergen mit spielerischen und informativen Aktionen für das Thema nachhaltiger Konsum. Grundlage ist der Einkaufsführer „Der Nachhaltige Warenkorb“ (www.nachhaltiger-warenkorb. de) des RNE, der Verbraucherinnen und Verbraucher mit vielen praxisnahen Tipps zum nachhaltigen Konsum informiert. Ziel der Aktion sei es, jungen Menschen Impulse für nachhaltige Konsumalternativen zu geben, um das eigene, oft gewohnheitsmäßige Handeln zu hinterfragen, sagt die RNE-Vorsitzende Marlehn Thieme: „Junge Menschen entdecken mit ihrem ersten Geld Konsumund Reisetrends. Daher sind sie wichtige Trendsetter für die Wirtschaft.“

40 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 25 Jahren sagen, dass sie bestens mit ihren Eltern auskommen. 52 Prozent haben gelegentlich auch Meinungsverschiedenheiten. In fünf Prozent der Familien gibt es häufig Streit, und in zwei Prozent herrscht ein richtig mieses Verhältnis. Das haben Befragungen für die Shell-Jugend-Studie 2015 ergeben.

Bafög-Sätze wurden angehoben Zum 1. August sind die Bafög-Sätze für Schüler und Studenten sowie für angehende Meister angehoben worden. Der monatliche Höchstbetrag für Studenten liegt jetzt bei 735 Euro. Angehende Meister, Techniker, Betriebswirte oder Erzieher können 768 Euro (Alleinstehende) bis 1.573 Euro monatlich (Verheiratete mit zwei Kindern) bekommen. Anspruch auf Bafög-Leistungen haben darüber hinaus junge Menschen in Ausbildung und Berufsvorbereitung sowie anerkannte und geduldete Flüchtlinge nach einem 15-monatigen Aufenthalt in Deutschland. Ergänzende Informationen über die Voraussetzungen für einen BafögBezug, Einkommensfreibeträge der Eltern und Kinderzuschläge, eine Broschüre sowie Antragsformulare können unter www. bafög.de abgerufen werden.

Wie es Euch gefällt! Manche finden das Tauschen von Kleidung gut, andere leben bewusst nachhaltig oder interessieren sich für die Ziele der Arbeiterbewegung.

DGB-Jugend liefert regelmäßig Lesestoff „Soli aktuell“ nennt sich das Monatsmagazin der DGB-Jugend. Das Blatt in Art eines Newsletters kann im Internet gelesen (www.jugend.dgb.de), aber auch kostenlos abonniert werden. Die Redaktion berichtet über all das, was sich in der gewerkschaftlichen Jugendarbeit tut. Daneben gibt es in jeder Ausgabe Nachrichten und Hintergründe zu Themen, die junge Menschen betreffen. Ob bei globalisierungskritischen Bewegungen, Kampagnen gegen Studiengebühren oder Ausländerfeindlichkeit, Jugendcamps, Workshops oder Musikfestivals – „Soli aktuell“ will die Leserinnen und Leser auf dem Laufenden halten.

Texte: IN-Redaktion Abbildungen: fotolia/drubig-photo, Rat für nachhaltige Entwicklung (Poster), DGB-Jugend (Soli-aktuell-Deckblatt)

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BETRIEB & GEWERKSCHAFT Gewerkschaften sind auch für junge Menschen interessant

 Mit jedem Mitglied wächst die Kraft

Als Saarstahl-Jugend-„Helden“ demonstrierten junge IG Metaller beim Aschermittwochstreffen der SPD 2016 für ihre Sache.

„Eine Gewerkschaft ist eine Vereinigung von in der Regel abhängig Beschäftigten zur Vertretung ihrer wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen.“ So steht es im Online-Lexikon Wikipedia. Das klingt auf Anhieb nicht wirklich spannend und so, als ob junge Frauen oder junge Männer unbedingt in der sogenannten „Arbeiterbewegung“ mitmachen müssten. Um Lust darauf zu machen, kann man es vielleicht etwas plakativer ausdrücken. Gewerkschaften sind genauso wie Schülerbeiräte, AuszubildendenGremien oder Studierenden-Ausschüsse Interessenvertretungen: Sie setzen sich für die Belange von Arbeitern und Angestellten ein, um deren Bedingungen im Job zu verbessern. Gewerkschaften kämpfen für höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Mitbestimmung, für Arbeitszeitverkürzungen und zum Teil auch für gesellschaftspolitische Veränderungen, sie bieten aber auch Dienstleistungen wie Rechtsberatung oder Weiterbildungskurse an. Die Gewerkschaft ver.di bringt die Vorteile für Mitglieder so auf den Punkt: „Mehr Sicherheit, Hilfe und Ertrag aus der eigenen Arbeit kann man nicht haben und erreichen als in und mit der Gewerkschaft. Und mit jedem neuen Mitglied wächst unsere Kraft.“

funktionieren, muss es aber nicht. Denn Arbeitnehmer und Chefs haben meist unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein Job „ausgestattet“ ist – sprich: was an Geld gezahlt wird, wie viel Urlaub es gibt, ob betriebliche Vergünstigungen gewährt werden… „Als Gemeinschaft sind wir stärker“, lautet hingegen das Motto für all diejenigen, die sich für die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft entscheiden. Seit fünf Jahren verzeichnet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), in dem acht Einzelgewerkschaften zusammengeschlossen sind, stetig steigende Zahlen junger Mitglieder. Derzeit sind bundesweit 514.000 Frauen und Männer bis 27 Jahre im DGB organisiert, das sind 8,4 Prozent aller Mitglieder.

Mike Kirsch (31) ist seit 2010 DGBJugendsekretär in Saarbrücken. Er trat mit 18 Jahren in die Gewerkschaft ver.di ein, als er nach dem Fachabitur eine Ausbildung begann. Er sieht recht unterschiedliche Beweggründe zum Eintritt bei jungen Neu-Gewerkschaftern: „Es wird schon nach dem Nutzen geschaut.“ Konkret heißt das, dass interessierte Frauen und Männer gezielt fragen, was die Gewerkschaft ihnen denn bietet, ob nun in Sachen Fort- und Weiterbildung, bei der Unterstützung in einer betrieblichen Jugendvertretung oder beim Abschluss eines Tarifvertrags. Daneben spielten Überlegungen, in einer Gemeinschaft mehr erreichen zu können, sich politisch auf Demos gegen Nazis oder gegen das Freihandelsabkommen TTIP zu engagieren oder auch nur mal „Party zu machen“, eine Rolle bei der Entscheidung zur Mitgliedschaft, sagt Kirsch. Was die Angebote der Gewerkschaften im Saarland für junge Leute betrifft, so meint er: „Wir bieten schon recht viel in den verschiedensten Bereichen.“ Als schönen Erfolg für die „junge Garde“ im DGB Saar bezeichnet Kirsch die Tatsache, dass die DGB-Jugend mit ihren 12.000 Mitgliedern erstmals seit 2003 bei der 1.-Mai-Kundgebung in diesem Jahr wieder mit eigenem Wagen und eigenem Redner präsent war. Übrigens: Der Redner war Timo Ahr, den wir auf der nächsten Seite vorstellen. Text: Wulf Wein Fotos: Pasquale D'Angiolillo Internet: jugend.dgb.de

Es gibt junge Leute, die damit nichts anfangen können. Sie wollen durch ihre eigene Persönlichkeit und Stärke im Beruf vorankommen. Das kann Bei der Maikundgebung 2014 in Saarbrücken mischten junge Gewerkschafter der NGG kräftig mit.

BETRIEB & GEWERKSCHAFT

Einsatz für die Gemeinschaft ist „sein Ding“ Der 23-jährige Timo Ahr ist ein engagierter Jung-Gewerkschafter

Timo Ahr ist ein junger aufstrebender Gewerkschafter im Saarland. Der 23-jährige, der aus Wadgassen stammt, erhielt jüngst durch seine Redekunst beim Stahlaktionstag auf dem Völklinger Hindenburgplatz und bei der DGBKundgebung zum 1. Mai in Saarbrücken viel öffentliche Aufmerksamkeit. Zwar sei er gerade bei Großveranstaltungen immer noch nervös, verrät der Vorsitzende des Ortsjugendausschusses der IG Metall Völklingen und JAV-Vertreter bei der Saarstahl AG, doch „ohne Nervenkitzel wäre es langweilig“, meint er. Es scheint also auch die besondere Situation und emotionale Anspannung zu sein, die ihn ab und zu auf die „große Bühne der Arbeitnehmerbewegung“ zieht. „Am Stahlaktionstag vor 10.000 Menschen zu sprechen, war schon cool, auch wenn ich kurz nach Oskar Lafontaine dran war“, sagt Ahr. Keine leichte Aufgabe, nach dem „Meister der Redekunst“, wie das Focus-Magazin einst titelte, ans Rednerpult zu treten. Das Hand-, oder vielleicht besser Mundwerk der lauten und leisen, der schnellen und der langsamen Passagen hat sich Timo Ahr über die Jahre antrainiert: „Es begann mit Sitzungen der Jugendversammlungen und mit Ansprachen vor den Auszubildenden. Zuerst habe ich mir noch vieles aufgeschrieben, mittlerweile spreche ich frei. Eine gute Vorbereitung macht es einfacher.“

Zu sichtbaren Verbesserungen für die Arbeitnehmer, an denen Ahr mitgewirkt hat, zählt er etwa die Verhandlungen über Tarifverträge: „Wir haben unter anderem zehn Arbeitsplätze für Auszubildende allein bei Saarstahl geschaffen, weitere zehn auf der Dillinger Hütte. Außerdem wurden das Entgelt und die Bedingungen für Auszubildende verbessert.“ Schon vor ein paar Jahren wurde eine unbefristete Übernahme der Lehrlinge und auch die Lehr- und Lernmittelfreiheit bei Saarstahl erreicht, doch: „Es wäre gut, wenn wir das für alle hinbekommen“, sagt der IG-Metaller, der dabei nicht nur auf die Stahlindustrie schaut. Deutlich macht er das am Beispiel des Friseurhandwerks: „Ein Scherenset für den Berufsstart kostet gleich mehrere hundert Euro. Bei dem vergleichsweise niedrigen Gehalt ist das für die Auszubildenden kaum zu stemmen.“ Neben dem Einsatz für bessere Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten hat Timo Ahr aber aktuell auch den Erhalt der Stahlindustrie im Saarland im Blick: „Als IG-Metaller ist das natürlich das primäre Ziel.“ Zudem sorgt sich der 23-Jährige um die jungen Menschen, die nach einer Ausbildung suchen, jedoch keine bekommen. „Wir müssen uns fragen, warum so viele Stellen nicht besetzt sind. Das hat sicherlich mit der Vergütung zu tun, damit ist auch eng das Ansehen eines Berufes in der Gesellschaft verbunden. Und es geht um die Arbeits- und Lebensbedingungen der jungen Arbeitnehmer“, erklärt der Vorsitzende der Gesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretung bei der Saarstahl AG klar.

Seine Freizeit ist aktuell an den Abenden durch ein selbstauferlegtes Studium an der Akademie für Arbeit und Sozialwesen des Saarlandes (AfAS) zum Betriebswirt im Personal- und Sozialwesen gebunden. Vier von sechs Semestern hat Timo Ahr bereits absolviert, jetzt gilt es sich durch das letzte Jahr durchzubeißen, falls danach nicht sogar noch ein Anschlussstudium zum Bachelor of Arts folgt. Zur Gewerkschaft IG Metall kam Timo Ahr übrigens bereits bei einem Praktikum während seiner Zeit an der Fachoberschule Wirtschaft, also noch vor seinem Ausbildungsbeginn zum Industriekaufmann: „Mir wurde schnell klar, dass man in der Gemeinschaft mehr erreicht.“ Text: Dennis Langenstein Fotos: Iris Maurer (2), Pasquale D’Angiolillo

Timo Ahr in Aktion: Mal als Gewerkschaftsfunktionär bei Saarstahl Völklingen, mal als Ansprechpartner für Auszubildende und mal als Sprecher auf der DGB-Kundgebung am 1. Mai in Saarbrücken.

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