Infoblatt:_Taschengeld

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Kinder und Jugendliche besser verstehen: Taschengeld Wie viel Taschengeld ist angemessen?1 Wenn Kinder Taschengeld erhalten, lernen sie, wie man vernü...

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Kinder und Jugendliche besser verstehen: Taschengeld Wie viel Taschengeld ist angemessen?1 Wenn Kinder Taschengeld erhalten, lernen sie, wie man vernünftig mit seinem Geld umgeht. Sie begreifen, wie man kleineren und größeren Wünschen durch das Sparen und der damit verbundenen Geduld näher kommt. Taschengeld ist aus folgenden Gründen wichtig • • • • • • • • •

Umgang mit Geld frühzeitig erlernen. Finanzielle Prioritäten setzen lernen. Verantwortung für das eigene Geld übernehmen. Schritt zu mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung. Wichtige Übung für das Erwachsenenalter. Kinder können anderen Geschenke machen, ohne vorher um Geld betteln zu müssen. Damit wird die Überraschung größer. Sie werden nicht zu Bittstellern erzogen. Eigenes Geld macht dem Kind Lust und Frust der Konsumgesellschaft lehrbuchartig deutlich. Ähnlich dem Urlaubsgeld, dem Lotteriegewinn, der Erbschaft (keine Bezahlung einer geleisteten Arbeit). Erkenntnis: Höhe des Taschengeldes (des späteren Verdienstes) nicht entscheidend, sondern nur, dass man mit Geld angemessen haushalten kann.

Beginn und Höhe des Taschengeldes Kinder können mit Geld in Kontakt gebracht werden, sobald sie zuverlässig wissen, dass Geld nichts im Mund zu suchen hat (ab 3 bis 4 Jahren). Zuerst werden sie die Unterschiedlichkeit der Münzen untersuchen und dabei erste Erfahrungen mit dem Wert einer Münze bzw. ihrer Kaufkraft machen. Spätestens zum Primarschuleintritt ist es Zeit für das erste Taschengeld. Zu diesem Zeitpunkt können sie schon kleinere Beträge nachrechnen und den Dingen in etwa einen Wert zuordnen. Die Höhe des Taschengeldes muss sich jeder Vater / jede Mutter individuell überlegen, schliesslich ist das auch stark abhängig vom Familienbudget. Das Alter des Kindes ist aber genauso ausschlaggebend. Trotzdem: Das Taschengeld sollte nicht zu niedrig ausfallen, denn das Kind braucht schon einen gewissen Spielraum. Allerdings darf es auch nicht zu hoch angesetzt sein, denn es soll ja lernen, Prioritäten zu setzen ("wenn ich mir dieses kaufe, muss ich dafür auf das andere, was ich aber auch gerne hätte, verzichten!"). 1

Quellen: www.familienhandbuch.de / Autorin: Beate Weymann-Reichardt, Angestellte beim Land Niedersachsen, Diplom-Sozialpädagogin, 37586 Dassel. Zusammenstellung des Textes, Anmerkungen und Ergänzungen durch das Team der Jugend- und Elternberatung der perspektive Fachstellen Westthurgau in Frauenfeld (p-wtg) / November 2008.

Schulbudget2

Betrag (in CHF)

Zeitraum

1. Schuljahr

1.- bis 1.50

pro Woche

2. Schuljahr

1.50 bis 2.-

pro Woche

3. Schuljahr

2.- bis 2.50

pro Woche

4. Schuljahr

2.50 bis 3.-

pro Woche

5. und 6. Schuljahr

15.- bis 25.-

pro Monat

7. und 8. Schuljahr

25.- bis 35.-

pro Monat

9. und 10. Schuljahr

35.- bis 50.-

pro Monat

Erweitertes Taschengeld für Jugendliche Bei Jugendlichen kann der Begriff Taschengeld ausgeweitet werden. Der Wunsch, Kleider selber zu kaufen und persönliche Ausgaben alleine zu verwalten, sollte unterstützt werden. Konflikte können vermieden werden, wenn der Betrag für die zusätzlichen Ausgaben (Kleider, Coiffeur etc.) berechnet und im Budget separat aufgelistet wird. Mittelschulbudget

Betrag (in CHF)

Zeitraum

Taschengeld (Freizeit, Handy)

50.- bis 100.-

pro Monat

Coiffeur, Körperpflege

30.- bis 40.-

pro Monat

Kleider, Schuhe

70.- bis 80.-

pro Monat

Schulmaterial (ohne Bücher / Exkursionen)

20.-

pro Monat

Velo, Mofa

10.- bis 30.-

pro Monat

Nach Aufwand auswärtige Verpflegung: 8.- bis 12.- pro Tag, plus Abonnement, Bücher, Exkursionen

Der vielversprechendste Umgang mit Taschengeld Auszahlung: Zahlen Sie einen bestimmten Betrag regelmässig und unaufgefordert aus. Die ersten zwei Jahre: jede Woche, da jüngere Kinder grössere Zeiträume noch nicht überblicken können; später erfolgt die Auszahlung monatlich. Verbrauch: Mit dem Taschengeld sollte das Kind grundsätzlich kaufen dürfen, was es möchte. Einschränkungen durch die Geldgebenden, nichts Gefährliches oder Verbotenes zu kaufen (also bspw. kein Messer, keine Zigaretten, kein Alkohol etc.) sind aber sinnvoll und notwendig. „Finanzberatung“: Bringen Sie dem Kind Vertrauen und Zutrauen entgegen, dass es mit Geld umgehen kann. Wenn das Kind Fragen hat oder um konkrete Unterstützung bittet, dann stehen Sie ihm mit Rat und Tat zur Verfügung. Loben Sie das Kind für seine Anfrage. Zusatzverdienst: Die Höhe des Taschengeldes sollte unabhängig sein von Zusatzverdiensten durch kleine Jobs, Geldgeschenken von Verwandten u.ä. Das Kind kann aber dazu ermutigt wer2

Die in der Tabelle zusammengestellten Empfehlungen für den konkreten Betrag stammen aus der Infostelle Kind, Jugend und Familie in Koeniz / www.infostelle.koeniz.ch

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den für ein zusätzliches Taschengeld kleine Aufträge bei Freunden oder Nachbarn anzunehmen: einkaufen gehen, Zeitungen austragen, Auto waschen, Hof fegen, usw. Allerdings nur, wenn das Kind sich zeitlich und körperlich nicht überfordert. Sparen: Sparen sollte für Kinder sinnlich wahrzunehmen sein: ein gefülltes Sparschwein erfüllt diesen Tatbestand, ein Sparbuch dagegen nicht. Man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass junge Kinder in erster Linie kurzfristig denken. Spontaneität ist ihnen noch nicht abhanden gekommen; sie möchten alles und möglichst schnell. Ein eigenes Konto bei der Bank oder Sparkasse motiviert zum Sparen bei älteren Kindern (ab 10 Jahren). Bekommt das Kind einen hohen Geldbetrag geschenkt, so ist es am besten, einen grossen Teil gleich in das Sparschwein zu stecken oder auf das Sparbuch einzuzahlen. Vor allem jüngere Kinder sind mit hohen Beträgen überfordert. Bestrafung/Belohnung: Bestrafungen und Belohnungen sollten nicht auf über das Taschengeld stattfinden (die Höhe des Taschengeldes nicht als Strafe herab- bzw. als Belohnung heraufsetzen). Taschengeld ist kein Erziehungsmittel! Taschengeld ist nicht dazu da, um Schulmaterial, (Grund)Nahrungsmittel oder Kleidung damit zu bezahlen. Ausnahme: Schadensersatzleistungen, weil das Kind etwas mit Absicht kaputt gemacht hat. Oder eine Mitfinanzierung eines speziell teuren Kleidungsstückes usw. Lernfeld: Seien Sie fehlerfreundlich mit Ihrem Kind und lassen Sie es positive und negative Erfahrungen sammeln. Falls das Kind sich verkalkuliert hat, ist dies schon Strafe genug. Vorwürfe sind überflüssig. Am Anfang wird es noch sehr ungewohnt für das Kind sein, die typischen Anfangsfehler werden nicht lange auf sich warten lassen: erst nur sparen und bewundern; nur Süssigkeiten werden gekauft; ohne Plan wird ausgegeben; das Geld ist zu schnell verbraucht, etc. Erfahrungsgemäss lernen Kinder schnell und gehen Kinder auf Dauer sehr ausgewogen vor mit ihrem Geld. Vorbilder: Ihr Vorbild ist wichtig, d.h. wie Sie zu Geld stehen, mit Ihrem Verdienst bzw. Gesamtbudget umgehen, beeinflusst auf die Länge den Umgang des Kindes mit Geld am stärksten.

Wünsche und echte Bedürfnisse Es ist sehr von Vorteil, zwischen Wünschen und echten Bedürfnissen unterscheiden zu können. Ein Wunsch ist etwas, was durch Werbung, die Habseligkeiten anderer Kinder etc. entsteht. Dagegen ist ein echtes Bedürfnis etwas, was schon eher zwingend erforderlich ist. Beispiel: Wenn ich fehlsichtig bin, muss ich eine Brille haben = Bedürfnis. Falls ich nun aber das teuerste Gestell haben möchte, so ist das ein Wunsch. Schließlich würde ein billigeres bzw. billiges Modell es auch tun. Eltern sollten den Unterschied zwischen Wünschen und echten Bedürfnissen bei den Kindern betonen. Beispiel: Die Eltern müssen nicht den teuren Markenpullover bezahlen, sondern den Kindern den Betrag zur Verfügung stellen, den sie für einen guten und modischen Pullover für angemessen halten. Danach kann das Kind entscheiden, ob es den noch fehlenden Betrag ergänzt und sich das teure Kleidungsstück leistet oder ob es sich mit dem billigeren zufrieden gibt. Ab 5 oder 6 Jahren kann es den Unterschied begreifen. Eine Wunschliste leistet das ganze Jahr über gute Dienste, nicht nur kurz vor dem Geburtstag oder vor Weihnachten. Der Inhalt der Wunschliste spornt zum Sparen an, denn hier sieht man schwarz auf weiß, wofür durchgehalten werden soll. Ein Ziel motiviert die Kinder, mehr als nur der Tugend wegen zu sparen. Auch ist dies ein gewisser Schutz vor unüberlegten Spontankäufen. Spontane Wünsche lösen sich erfahrungsgemäß sehr oft nach kurzer Zeit auf.

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