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Insel Verlag Leseprobe Gräfe, Ursula Blauer Berg und Weiße Wolke Buddhistische Weisheiten Ausgewählt von Ursula Gräfe © Insel Verlag Insel-Bücherei 2...

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Gräfe, Ursula Blauer Berg und Weiße Wolke Buddhistische Weisheiten Ausgewählt von Ursula Gräfe © Insel Verlag Insel-Bücherei 2506 978-3-458-20506-7

BLAUER BERG UND WEISSE WOLKE Buddhistische Weisheiten Ausgewählt von Ursula Gräfe

Insel Verlag

Insel-Bücherei Nr. 2506

© Insel Verlag Berlin 2015

BLAUER BERG UND WEISSE WOLKE

Blauer Berg und Weiße Wolke Der blaue Berg ist der Vater der weißen Wolke. Die weiße Wolke ist der Sohn des blauen Berges. Den ganzen Tag bedingen sie sich gegenseitig, ohne voneinander abhängig zu sein. Die weiße Wolke ist immer die weiße Wolke. Der blaue Berg ist immer der blaue Berg. [meister tozan]



Sorgenfrei Kein Glück wie das, wenige Pflichten zu haben. Kein Unglück wie das, viele Sorgen zu haben. Nur wer von vielen Pflichten geplagt wird, weiß Wie glücklich es macht, wenige zu haben. [hung ying-ming]



Der Dieb Ryokan, ein Zen-Meister, führte das allereinfachste Leben in einer kleinen Hütte am Fuß eines Berges. Eines Abends durchwühlte ein Dieb die Hütte, musste jedoch feststellen, dass nichts zum Stehlen da war. Ryokan kam nach Hause zurück und ertappte ihn. »Du bist wohl einen langen Weg gegangen, um mich zu besuchen«, sagte er zu dem Vagabunden, »und du sollst nicht mit leeren Händen weggehen. Bitte, nimm meine Kleider als Geschenk.« Der Dieb war verblüfft. Er nahm die Kleider und machte sich davon. Ryokan saß nackt da und betrachtete den Mond. »Armer Kerl«, murmelte er, »ich wollte, ich könnte ihm diesen wunderschönen Mond geben.« [zen-geschichte]



Frisch gewaschenes Haar – Dass es einmal weiß sein wird, sieht ihm niemand an … [senryu]



Krankheiten Ein Priester: »Wenn in diesem Augenblick ein Mensch mit drei Arten von Krankheiten vor Euch hin träte, wie würdet Ihr mit ihm umgehen?« Bankei: »Du musst eine sehr hohe Meinung von diesen dreifach Kranken haben, da du dich so ausgiebig mit ihnen befasst und dir alle Mühe gibst, einer von ihnen zu werden. Eben jetzt aber bist du kein Mensch der drei Arten von Krankheiten. Anstatt zu versuchen, einer zu werden – was ohnehin sehr schwierig wäre –, solltest du deinem eigenen Ich auf den Grund gehen. Das ist vorrangig für dich, da du ja selbst keine dieser Behinderungen hast. Herumzugehen und über all diese anderen Dinge zu reden, wird dich nicht weiter bringen.« [meister bankei]



Aussteiger Wer sich einmal entschlossen hat, das allein Wichtige zu tun – auf Buddhas Pfad zu wandeln –, der kann nicht gleichzeitig auch andere Dinge betreiben, die ihm wert und wichtig scheinen, und er sollte sie besser aufgeben. »Nach einer kleinen Weile habe ich dies und dies vollbracht, und dann will ich mich von der Welt abwenden!« – »Ich möchte vorher noch dies eine zu Ende führen!« – »Man wird mich verspotten, wenn ich jetzt vorzeitig alles abbreche! Ich muss auch noch dafür sorgen, dass meine Angehörigen nachher nicht in Not geraten!« – »So lange ist nun alles gut gegangen, und da braucht man doch nicht so zu eilen! Ich bin ja sofort damit fertig, ich möchte nicht überstürzt handeln!« – So denken und reden die Menschen, aber der Angelegenheiten, von denen sie sich nicht trennen können, werden immer mehr, sie werden von Dingen in Anspruch genommen, die kein Ende nehmen wollen, und so wird der Tag nie kommen, an dem sie ihren Entschluss verwirklichen. Betrachtet man die Menschen, auch wenn sie ein wenig Einsicht be

sitzen, so erkennt man doch, dass sie mit solchen Gedanken über die Weltflucht ihr ganzes Leben vertun. [yoshida kenko ]



Klatschen Alte Herrin O-San erlangte Erleuchtung, als sie bei Zen-Meister Tetsumon Unterricht nahm. Als später der große Meister Hakuin in ihre Provinz kam, suchte O-San ihn auf. Um sich ein Bild von der Frau zu machen, fragte Hakuin sie nach dem »Klang des Klatschens mit einer Hand«. Sofort antwortete O-San mit einem Gedicht: Statt auf Hakuins Klang Der einen klatschenden Hand Zu hören, Klatsche mit beiden Händen Und zu deiner Arbeit! [meister hakuin]



Hundertarmiger! Schon das Nägel schneiden muss furchtbar mühsam sein! [senryu]



Die Frösche Wer gewohnt ist, Große Fische zu fangen, Lacht des Gebarens der Frösche. Sie wühlen im Schlamm, Gewichtig, eilig, immer geschäftig; Am Grunde des Brunnens Wähnen sie sich Ehrfurchtgebietend und groß. Bemitleidenswert! – Die Welt der Priester Ist nichts weiter als ein Brunnenloch. [meister ikkyu]



Auf dem Han Shan Ich steige, steige auf dem Han Shan Weg Die Reise zum Han Shan nimmt nie ein Ende Die Schlucht entlang über Felsbrocken, Steine, Steine Durch Nebel dunkles Gras im weiten Tal Das Moos ist glitschig, nicht nur wenn es regnet Die Föhren knarren, doch es geht kein Wind Wer kann sich befreien aus den Verstrickungen der Welt Mit mir zu sitzen zwischen Weißen Wolken? [han shan]



Teeweg Der Gartenpfad! – Fern der vergänglichen Welt bleibt er ein Weg uns, warum nicht hier abschütteln den Staub von unseren Herzen? Des Tee-Wegs Urgrund: Wasser sieden zu lassen, Tee zu schlagen und ihn zu trinken, – nicht mehr! Man sollte dies wohl wissen. Gartenpfad, Teeraum! Der Gast und mit ihm sein Wirt gemeinsam beim Tee, ihr Wirken ist Harmonie, und nichts steht zwischen ihnen. [meister rikyu ]



Der Fluss An diesem Fluss will ich bleiben, dachte Siddhartha, es ist derselbe, über den ich einstmals auf dem Wege zu den Kindermenschen gekommen bin, ein freundlicher Fährmann hat mich damals geführt, zu ihm will ich gehen, von seiner Hütte aus führte mich einst mein Weg in ein neues Leben, das nun alt geworden und tot ist – möge auch mein jetziger Weg, mein jetziges neues Leben dort seinen Ausgang nehmen! Zärtlich blickte er in das strömende Wasser, in das durchsichtige Grün, in die kristallenen Linien seiner geheimnisreichen Zeichnung. Lichte Perlen sah er aus der Tiefe steigen, stille Luftblasen auf dem Spiegel schwimmen, Himmelsbläue darin abgebildet. Mit tausend Augen blickte der Fluss ihn an, mit grünen, mit weißen, mit kristallenen, mit himmelblauen. Wie liebte er dieses Wasser, wie entzückte es ihn, wie war er ihm dankbar! Im Herzen hörte er die Stimme sprechen, die neu erwachte, und sie sagte ihm: Liebe dieses Wasser! Bleibe bei ihm! Lerne von ihm! O ja, er wollte von ihm lernen, er wollte ihm zuhören. Wer dies Was

ser und seine Geheimnisse verstünde, so schien ihm, der würde auch viel anderes verstehen, viele Geheimnisse, alle Geheimnisse. Von den Geheimnissen des Flusses aber sah er heute nur eines, das ergriff seine Seele. Er sah: dies Wasser lief und lief, immerzu lief es, und war doch immer da, war immer und allezeit dasselbe und jeden Augenblick neu! Oh, wer dies fasste, dies verstünde! Er verstand und fasste es nicht, fühlte nur Ahnung sich regen, ferne Erinnerung, göttliche Stimmen. [hermann hesse, siddhartha]

