jahrbuch - 2013 - Heimat Echo

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De Spieker JAHRBUCH - 2013 Band VII der Reihe der Jahrbücher der „Gesellschaft für Heimatforschung und Heimatpflege in den hamburgischen Walddörfern e...

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De Spieker JAHRBUCH - 2013

Band VII der Reihe der Jahrbücher der „Gesellschaft für Heimatforschung und Heimatpflege in den hamburgischen Walddörfern e.V.“

in Kooperation mit dem

HEIMAT ECHO

„Hundert Bilder könnte man hier malen…“ soll Max Liebermann ausgerufen haben, als er zusammen mit Alfred Lichtwark einen norddeutschen Bauerngarten besuchte. Beide waren von der schlichten Raumaufteilung, den Heckeneinfassungen und dem Blumenreichtum begeistert. Seit 2008 leistet die Gärtnerei Piepereit einen wertvollen Ideen- und Pflanzen-Beitrag für den Erhalt des Bauerngartens im Museumsdorf Volksdorf.

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WWW . GAERTNEREI - PIEPEREIT . DE

De Spieker - JAHRBUCH -

2013

Band VII der Reihe der Jahrbücher der „Gesellschaft für Heimatforschung und Heimatpflege in den hamburgischen Walddörfern e.V.“

Vörn Barkholt 13-15 • 22359 HH-Volksdorf • Tel. 603 86 45 • Fax 603 27 22

• Reparatur aller Marken • TÜV-Abnahme • Abgasuntersuchung • Ersatzteilverkauf • Elekt. Achsenvermessung • Reifenlagerung • Inspektion nach Herstellerangaben

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Impressum Herausgegeben vom HEIMAT ECHO, Eulenkrugstraße 27, 22359 Hamburg für die Gesellschaft für Heimatforschung und Heimatpflege in den hamburgischen Walddörfern e.V. • Gesamtverantwortlich: Franz Flint • Schriftleitung: Sibylle Könnecke • Satz und Layout: Thomas Klockmann, HeimatEcho • Auflage: 2500 Exemplare • Alle Rechte, auch des auszugsweisen Nachdrucks, der photomechanischen Wiedergabe und der Be- und Weiterverarbeitung per EDV, bedürfen der ausdrücklichen und schriftlichen Vorab-Genehmigung durch die jeweiligen Autoren • Hamburg, September 2013 Titelfoto: Die Spiekerlüüd, Abbildung Seite 3: Gänseliesel – Fotos: Helmut Hofer

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Inhaltsverzeichnis

Geleitwort / Grußworte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 50 Jahre DE SPIEKER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Peter Lamp

Bürger trifft Bauer im Jubiläumsjahr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Karina Beuck

Beiträge zu einer Vereinschronik (II). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Wulf Denecke

Der Verein „Konzerte junger Künstler im Spiekerhus“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Christoph Semisch

Die eigenwillige Entstehung der Kirchengemeinde Volksdorf und ihrer Kirche . . . . . 42 Propst em. Helmer-Christof Lehmann

Die „Puddingschule“ in Volksdorf von 1949-1967 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Rainer Hoffmann

„Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“: Naturschutz und Umweltpädagogik in den Walddörfern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Michael Rademann

80 Jahre Firma Rundt in Volksdorf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Thomas Voigt

Das Herrenhaus in Wohldorf. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Wulf Denecke

Jugenderinnerungen (II) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 Jürgen Moltmann

Kinderparadies „Griffelallee“ – ein Zeitzeuge aus der Wietreie erinnert sich . . . . . . 84 Olaf Andersen

Die kleine Bauschlosserei im Wensenbalken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 Roland Balke

T. o. S. – op Platt, to‘n Smustern! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 Gerhard Hauer

Waldherrenmahl 2013 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Jürgen Fischer

Grußwort der Waldherrin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98 Prof. Barbara Kisseler

Bürger trifft Bauer“ – Zeitenwende : Die Ohlendorffs in Volksdorf . . . . . . . . . . . 100 Karin von Behr

Spieker-Seiten aus dem Heimat-Echo von 9/2012 bis 8/2013 . . . . . . . . . . . . . . 104 Autoren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Inserentenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118

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Geleitwort

Das siebte Jahrbuch des Vereins De Spieker ist das Jahrbuch zum 50-Jahresjubiläum von Verein und Museumsdorf. Darauf nehmen die Texte zum Waldherrenmahl 2013 mit den launigen Grußworten von Kultursenatorin Kisseler sowie Karin von Behrs Festrede über die Ohlendorffs unter dem Aspekt des Jubiläumsmottos „Bürger trifft Bauer“ Bezug, ebenso die Beiträge von Peter Lamp und Karina Beuck zu Jubiläumsveranstaltungen, Wulf Deneckes Vereinschronik sowie seine Arbeit zum Wohldorfer Herrenhaus, aber auch der Einblick, den Christoph Semisch gewährt zur engen Verbindung von Museum und dem Verein „Konzerte junger Künstler“. Ebenfalls historisch, aber auf die Volksdorfer und Walddörfer Umgebung ausgerichtet sind die Artikel von Helmer-Christoph Lehmann zur Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde in Volksdorf, von Rainer Hoffmann zur sog. „Puddingschule“ und von Thomas Voigt zu 80 Jahren der Volksdorfer Sanitär-Firma Rundt. Olaf Andersens mikrohistorischer Lupenblick auf eine 80 Jahre alte Straße in Volksdorf und ihre Bewohner, der zweite Teil der Auszüge aus den Jugenderinnerungen des aus Volksdorf stammenden Theologen Jürgen Moltmann, eine Familien- und Siedlungsgeschichte aus Wensenbalken von Familie Balke und nicht zuletzt Gerhard Hauers plattdeutsche Geschichte runden das Themenfeld rund um das Museumsdorf ab. Allen Beiträgerinnen und Beiträgern gilt der Dank des herausgebenden Vereins De Spieker. Wir danken wiederum dem „Heimat-Echo“ für Ermöglichung, Hilfe und Kooperation bei der Herausgabe des Jahrbuchs. Ein besonderer Dank geht im Jubiläumsjahr an Wulf Denecke nicht nur für seine wiederum unermüdliche Arbeit an Jahrbuchbeiträgen, sondern für seine 7 Jahre Schriftleitungsarbeit, ohne die es dieses Jahrbuch gewiss nicht geben würde und die er nun beendet. Seine Nachfolge tritt Sibylle Könnecke an, die ihre koordinierende Hand an dieses siebte Jahrbuch bereits angelegt hat. Und wir legen den Lesern auch für diesen Band die Lektüre der Inserate ans Herz – nicht nur aus Dankbarkeit für die Unterstützung durch die Inserenten, sondern weil sie auch in diesem Jahr wieder einen anschaulichen Querschnitt durch das heutige Volksdorf und die Walddörfer und deren heimatverbundene Unternehmen darstellen.

Jürgen Fischer 1.Vorsitzender, DE SPIEKER e.V.

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Grußwort für das Jahrbuch 2013 von „De Spieker e.V.“ Liebe Bewohnerinnen und Bewohner der Walddörfer, liebe Leserinnen und Leser! In diesem Jahr feiern der Verein „De Spieker e.V.“ und das Museumsdorf Volksdorf ein ganz besonderes Jubiläum, dem sich auch die vor Ihnen liegende, siebte Ausgabe des Jahrbuches des Vereins widmet. Bereits im Januar begannen die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag mit einer Ausstellung zur Gründung und Entwicklung des Museumsdorfes im Wagnerhof. Die Johannishöge am 30. Juni brachte Besucherinnen und Besuchern des Museumsdorfes die lebendige Geschichte des Dorflebens des 19. und 20. Jahrhunderts nah und hat damit einen von vielen Höhepunkten des Jubiläumsjahres gesetzt. Die vielen Fest- und Thementage des Museumsdorfes tragen zu seiner großen Bekanntheit bei. In natürlichem Grün gelegen ist das Freilichtmuseum ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und historisch Interessierte aus ganz Hamburg und Umgebung. Ich selbst habe schon mehrfach das Museumsdorf besucht und bin immer wieder beeindruckt von den gepflegten und detailreichen Bauten, die der Verein „De Spieker e.V.“ in mühevoller Arbeit und mit viel Unterstützung der Vereinsmitglieder sowie zahlreicher Ehrenamtlicher und Förderer in 50 Jahren zum Leben erweckt hat. Die denkmalgerechte Erhaltung des historischen Ortskerns von Volksdorf in einem Freilichtmuseum ist ein Beispiel für echte Bürgerinitiative, geht die Gründung des Museumsdorfes und des Vereins doch auf das Bemühen einiger Heimatfreunde der Walddörfer zurück. Mit der siebten Ausgabe des Jahrbuches fügt der engagierte Verein „De Spieker e.V.“ seinem langen Wirken um die historische, kulturelle und bauliche Erhaltung der Walddörfer eine weitere Erfolgsgeschichte hinzu. Dabei geht das Jahrbuch besonders auf das Spieker-Jubiläum und seine Veranstaltungen ein und berichtet auch in dieser Ausgabe von den Menschen in den Walddörfern, ihrem Engagement für ihren Stadtteil und ihrem Wirken als Einzelkämpfer oder zusammen mit den Vereinen, Nachbarschaften und Institutionen, die die Walddörfer so einzigartig machen. Daneben finden Sie wieder sowohl historische wie aktuelle Geschichten und Anekdoten, welche die Menschen im Stadtteil bewegt haben und auch heute noch bewegen. Die Serie über die Geschichte des Vereins „De Spieker e.V.“ wird in dieser Ausgabe fortgesetzt. Und auch andere liebgewonnene Beiträge wie der Beitrag auf Platt sind natürlich fester Bestandteil des Buches. Ohne das Engagement der vielen Mitbürgerinnen und Mitbürger in den Walddörfern wäre die Arbeit des Vereins nur schwer zu bewältigen. Umso mehr freut mich, wie viele Menschen an der Pflege, Erhaltung und Gestaltung ihres Stadtteils teilhaben möchten und sich mit großen und kleinen Beiträgen einsetzen. Ich danke allen diesen Beteiligten, den Mitgliedern des Vereins „De Spieker e.V.“, ehrenamtlich Tätigen und Förderern ganz herzlich und wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser viele vergnügliche Stunden beim Schmökern.

Ihr Thomas Ritzenhoff Leiter des Bezirksamtes Wandsbek

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De Spieker Jahrbuch 2013 – „Museumsdorf to go“ Liebe Leserinnen und Leser, wenn die Weiße Rose heute gelegentlich als das Herz Volksdorfs bezeichnet wird, in dem das alltägliche Leben pulsiert, so ist das Museumsdorf sein Gedächtnis. Lebendig und kreativ, aber auch liebevoll bewahrend und wertschätzend wird hier die Jahrhunderte alte Geschichte des Stadtteils – seine bäuerliche Vergangenheit – in der Gegenwart für jung und alt erlebbar gemacht. Mehr noch: Der Verein De Spieker lädt mit großem ehrenamtlichen Einsatz zu Zeitreisen ein, die einen wohltuenden und inspirierenden Gegenpol zum Alltag in unserem Hightech-Zeitalter darstellen. Hinter der alten Pforte, die das Museumsdorf von der häufig stark befahrenen Straße „Im Alten Dorfe“ trennt, scheinen die Uhren langsamer zu ticken und die Rückbesinnung auf alte Gewerke und Traditionen gibt neue Impulse für das Leben im Hier und Heute. In diesem Sinne liest sich dieses Jahrbuch gewissermaßen als „Museumsdorf to go“: Es enthält eine gelungene Sammlung von Berichten und Geschichten, die die Vergangenheit lebendig werden lassen, ohne den Bezug zur Gegenwart zu verlieren. Entschleunigend und anregend zugleich – auch und vor allem für mich als „Neu-Volksdorfer“. Es hat viel Spaß gemacht, auch in diesem Jahr etwas zum Gelingen des Werkes beitragen zu können. Im Namen des gesamten Heimat Echo-Teams wünsche ich dem Verein De Spieker alles erdenklich Gute zum 50. Jubiläum und danke insbesondere Sibylle Könnecke und ihrer Crew für die vertrauensvolle Zusammenarbeit! Herzliche Grüße

Franz Flint Geschäftsführer Heimat-Echo

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Peter Lamp

50 Jahre DE SPIEKER Ein Prosit auf die nächsten 50 Jahre!

Am 18.12.1962 fand die Gründungsversammlung für den Verein „DE SPIEKER – Gesellschaft für Heimatpflege und Heimatforschung in den Hamburgischen Walddörfern e.V.“ statt. Ziel des Vereins war (und ist) es, die Trägerschaft für das Heimatmuseum Volksdorf zu übernehmen, dieses auszubauen und weiterzuentwickeln. Das ist nun 50 Jahre her – und ein guter Grund zum Feiern! Es gab in dem nun als Veranstaltungssaal eingerichteten Wagnerhof anlässlich des Jubiläumsjahres sogar mehrere Feiern und außerdem eine Ausstellung.

Eine Feier für die Spiekerlüüd

Festansprache von Museumsleiterin Karina Beuck am 18. 12. 2012

Zum eigentlichen Gründungsdatum des Vereins, am 18. Dezember 2012, trafen sich die Spiekerlüüd (die Schar der etwa 140 aktiven ehrenamtlichen Mitarbeiter) zu „ihrer“ Feier. Die derzeitige stellvertretende Vorsitzende und Museumsleiterin Karina Beuck und der Museumswart Egbert Läufer ließen in ihren Ansprachen die Ereignisse der letzten 50 Jahre mithilfe des auf eine Leinwand projizierten historischen Bildmaterials Revue passieren. Hans-Hermann Wölfert lieferte einen launigen – zum Teil plattdeutschen – Beitrag über den Vogelfang, wie Volksdorf-Chronist Paul Rolle ihn beschrieben hatte. Als besondere Überraschung überreichte Dr. Joachim Pohlmann dem Vorstand das Hamburger Abendblatt und das Hamburger Echo vom 19. (!) 12. 1962 mit den Berichten über die Vereinsgründung. Mit einem geselligen Beisammensein klang der Abend aus.

150 geladene Gäste Sibylle Könnecke mit dem Abendblatt vom 19. 12. 1962

Diaschau mit Kommentaren von Fritz Beyele von 1987

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Zum „offiziellen“ Festakt am 13. Januar 2013 hatten sich neben den Vertretern aller Parteien auch die Menschen eingefunden, die den Verein auf verschiedene Art in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten begleitet und unterstützt haben bzw. immer noch unterstützen. Der Erste Vorsitzende, Jürgen Fischer, erinnerte in seiner Begrüßungsrede daran, dass der damalige Leiter des Ortsamtes Walddörfer, Otto Warnke, genau am 19.12.1962 im Ortsausschuss die Gründung des Vereins „De Spieker“ bekanntgegeben hatte. Die Gründungssitzung hatte am Tag davor im Ortsamt stattgefunden. Der Verein sollte „dem durch die Einbeziehung ... der Walddörfer in die großstädtische Bebauung entstehenden Traditionsabbruch entgegenwirken ... und den Alteingesessenen und den Neubürgern die landschaftliche, geschichtliche und volkskundliche Eigenart dieser Gebietsteile bewusst machen ...“. Das war ein mutiger Vorsatz, denn die Baubehörde hatte eigentlich vor, eine Durchgangsstraße und Wohnblocks auf dem heutigen Museumsdorf-Areal zu bauen. Auf diese Planung blickte anschließend auch der Wandsbeker Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff zurück. In seinen Augen war es ein Glück, dass die Entscheidung letztlich zugunsten der drei Gebäude des historischen Ortskerns – Spiekerhus, Harderhof und Dorfkrug – ausfiel.

Der Verein habe aber auch Rückschläge einstecken müssen, wie die Brände von Harderhof (1967) und Dorfkrug (1992) und in den Jahren 2003/2003 die ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten, als nämlich die bis dahin gewährte finanzielle Unterstützung durch die Stadt wegfiel. Zum Abschluss wünschte der Bezirksamtsleiter dem Verein, „dass Sie auch in den nächsten 50 Jahren so erfolgreich sind, dann können wir uns ja wieder hier treffen!“. Nun, das bleibt abzuwarten… In ihrem anschließenden Vortrag rief die Museumsleiterin Karina Beuck die Deutschland- und weltpolitische Lage im Jahr 1962 ins Gedächtnis zurück: Konrad Adenauer war Bundeskanzler, John F. Kennedy amerikanischer Präsident, die Kuba-Krise machte Schlagzeilen, Hamburg-Wilhelmsburg stand nach „der Flut“ unter Wasser, und die Beatles brachten ihre ersten Schallplatten heraus. Sie setzte ihre Betrachtungen fort, indem sie den Zuhörern einen anschaulichen Einblick in das Geschehen im Volksdorf des 19. Jahrhunderts vermittelte, das mit seinen Gasthäusern und Hotels zum beliebten Ausflugsziel der Hamburger avancierte. So kam auch Familie von Ohlendorff mit ihrer „Victoria-Kalesche“ – jetzt in der Durchfahrtscheune des Museumsdorfs zu bewundern – von Hamburg-Hamm nach Volksdorf. Hier gefiel es dem im Dorf gemeinhin „Schietbaron“ genannten Adligen (Herr von Ohlendorff war durch den Handel mit Guano zu Reichtum gekommen) so gut, dass er sich entschloss, in Volksdorf ein Sommeranwesen zu bauen – Grundlage für die Entwicklung Volksdorfs vom Bauerndorf zur Vorortsiedlung und auch für das Motto des Jubiläumsjahres „Bürger trifft Bauer“. Karina Beuck: „Ich bin froh, dass sich die Gründer (des Vereins) trotz der ganzen großen Ereignisse in der Welt dennoch für die Schaffung dieser kleinen Welt entschieden haben“. Schließlich dankte auch sie den ehrenamtlichen Mitarbeitern, die gemeinsam mit den beiden Angestellten der Stiftung bzw. des Vereins – Museumswart und dem Pferdewart – dafür sorgen, dass das Museumsdorf in seiner jetzigen Form erhalten werden kann. Dr. Joachim Pohlmann ging in seinem anschließenden Beitrag auf die frühe Volksdorfer Geschichte ein. Die Hälfte aller damals in Volksdorf angesiedelten Bauernhöfe standen auf dem Gelände des heutigen Museumsdorfes – „unter anderem deshalb, weil hier die „Beek“ floss, der Bach, der heute Saselbek heißt.“ (Für die Volksdorfer von damals ein Name für ihren Bach, den sie niemals in den Mund genommen hätten.) Er übergab das Wort an Egbert Läufer, der als Museumswart das Geschehen im Dorf nun schon seit 20 Jahren aus nächster Nähe verfolgt. „Der letzte Redner hat immer den Nachteil, dass das Meiste schon gesagt worden ist“, so Egbert Läufer, aber er hatte doch noch etliche interessante Fakten zur Vereinsgeschichte beizusteuern. Heute lebt das Museumsdorf von der ehrenamtlichen Mitarbeit der rund 140 aktiven „Spiekerlüüd“, der „Harte Kern“ der ersten Jahre bestand dagegen aus einer kleinen Montagsarbeitsgruppe von gerade mal 30 Aktiven. Die Entwicklung des Museumsdorfes lässt sich nach seinen Worten grob in zwei Epochen einteilen: Erstens die Zeit von der Vereinsgründung bis zur Fertigstellung des Durchfahrthauses (Wagnerhof) Ende der 80-er Jahre, zweitens die Phase der Renovierung sowie des Um- und Neubaus diverser Gebäude auf dem Gelände, darunter der extrem aufwändige Rückbau des Spiekerhus’. Insgesamt sind während der letzten 5 Jahre für diese Zwecke rund eine Million Euro investiert worden – alles aus selbst erwirtschafteten Mitteln, Spendengeldern und Stiftungen und ohne Fremdfinanzierung! Wesentlich größer waren die Sorgen des Vereins im Jahr 2002. Egbert Läufer erinnerte sich, dass nicht nur die Streichung der Zuschüsse, sondern auch eine sehr hohe Rückforderung der Behörde den Verein mit den damals ca. 700 Mitgliedern (heute: 2000) an den Rand des Ruins brachte. Die Notlage konnte jedoch durch das außergewöhnliche persönliche und finanzielle Engagement einiger Vorstandsmitglieder

Vorsitzender des Vereins „De Spieker“ Jürgen Fischer am 13. 1. 2013

Grußbotschaft von Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff

Ehrung des Ausstellungsteams durch Museumswart Egbert Läufer Ausstellung im Wagnerhof vom 12. 1. 2013 bis zum 20. 1. 2013

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Eine der Schautafeln informiert über das lebendige Museum

abgewendet werden. In diesem Zusammenhang bat Egbert Läufer – auch im Namen des Vorsitzenden der Stiftung Museumsdorf Volksdorf, Ralf von Petersdorff – dringend um weitere Zuwendungen, damit bei der Durchfahrtscheune, in der unter anderem die kostbaren Kutschen des Vereins stehen, das marode Dach neu eingedeckt werden kann. Egbert Läufer verwies auch auf das in den ersten Jahren des zweiten Jahrtausends entwickelte Konzept des „Lebendigen Museums“, das sich in zahlreichen Themen- und Festtagen widerspiegelt, bei denen das bäuerliche Leben Mitte des 19. Jahrhunderts den zahlreichen Besuchern „live“ präsentiert wurde und wird. Zum Abschluss dankte der Vorstand Birgit Flügge, Sibylle Könnecke und Dr. Joachim Pohlmann mit Blumensträußen für die aufwändige Vorbereitung der sehr gelungenen Jubiläumsausstellung.

Die Ausstellung

Das Buch zur Ausstellung mit allen Texten und Bildern

Ab 12.1.2013 wurde die Ausstellung für die Allgemeinheit eröffnet. Auf mehr als 25 Stellwänden zeigten die Museumsarchivare reich bebilderte Texte mit Szenen, Fakten und Dokumenten aus 400 Jahren Volksdorfer Geschichte und 50 Jahren Vereinsarbeit des „Spieker“. Alle Gebäude wurden anhand von aktuellem und historischem Bildmaterial ausführlich vorgestellt, ergänzt durch Zitate aus der Feder von Fritz Beyle, dem wichtigsten Motor des Museumsaufbaus. Anhand alter Zeitungsausschnitte konnte jeder Besucher die spannende Geschichte des Volksdorfer Ortskerns bis in die heutige Zeit nachvollziehen. In diesem Zusammenhang hatten die Besucher auch Gelegenheit, auf einem Fragebogen durch Ankreuzen der vorgegebenen Antworten oder kurze eigene Texte ihre Gedanken und Assoziationen zum Thema „HEIMAT“ mitzuteilen. Am 20.1. war die Ausstellung zu Ende. Das Spieker-Archiv-Team hat allerdings zu den Texten und Bildern der Ausstellung ein kleines Buch zusammengestellt, das es im Krämerladen, in der Geschäftsstelle und in den Volksdorfer Buchhandlungen für 8,50 Euro noch zu kaufen gibt.

Gedenktafel für die Gründer

Jürgen Fischer und Heinz Waldschläger bei der feierlichen Enthüllung des Warncke-Beyle-Gedenksteins am 18. 4. 2013

Auch das war ein Ereignis im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum: Vor Beginn der Mitgliederversammlung am 18.4.2013 enthüllte der Erste Vorsitzende, Jürgen Fischer, im Eingangsbereich zum Museumsdorf eine Gedenktafel zur Ehrung der Gründerväter und Gestalter des Museumsdorfs, Otto Warnke und Friedrich (Fritz) Beyle. Otto Warnke bewahrte die historischen Häuser vor dem Abriss und erwirkte den Museumsstatus. 1960 wurde er Leiter des Ortsamtes Walddörfer in Volksdorf. Durch seinen hartnäckigen Einsatz konnte erreicht werden, dass eine geplante Durchgangsstraße durch den Eulenkrugpfad zur B 75 und ein angedachter Abriss der alten bereits denkmalgeschützten Bauernhäuser zugunsten einer massiven Wohnbebauung verhindert wurden. Bei seiner Suche nach Unterstützern für seine Idee traf er auch den scheidenden Leiter der Meisterschule für Maler, Friedrich Beyle, der sich fortan als ldeengeber, Architekt und Baumeister für die Entwicklung und Vollendung des Museumsdorfes hervortat. Er war unermüdlicher Planer, Bauleiter, Geldbeschaffer und -Verwalter für das Museumsdorf Volksdorf. Unterstützt wurde er vom „harten Kern“, einem damals 30-köpfigen Arbeitskreis Freiwilliger. Friedrich Beyle starb 1997, Otto Warnke im Jahr 2004.

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Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Einige Kommentare unserer Ausstellungsbesucher Mit der U-Bahn in 30 Minuten vom Rathausmarkt und hier, im wunderschönen Volksdorf ein wertvolles, liebevoll gepflegtes Kleinod zum lebendig erhalten der Vergangenheit! Ich freue mich sehr daran, wie sich das Museumsdorf dank der vielen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen entwickelt. Auch schön zu sehen, wie sich das Engagement auf Generationen überträgt! Zwanzigjährige in Tracht zu sehen erlebt man ja nur noch auf dem Dorf. Und wir dürfen das in Hamburg erleben. Christina Maiwald

Volksdorf ohne das Museumsdorf? Leider gab es hier schon viele Brände – der Harderhof, der Dorfkrug und die Räucherkate. Alles ist zum Glück wieder naturgetreu aufgebaut worden. Ich werde im Sommer 50 Jahre alt, wohne seit 1965 in Volksdorf und bin somit in unserem Museumsdorf „groß geworden“. Darum fand ich die Ausstellung zum besonderen Jubiläum im Wagnerhof in Bild und Text und das Buch dazu einfach wunderbar zum Nachlesen der Geschichte. Wiebke Pusback

Wir wünschen dem Museumsdorf Gottes Segen, gute Ernten, gesunde Tiere, vor allem Menschen, die engagiert und fachkundig die Arbeit im Dorf weiterführen. Wir können hier erleben, wie Menschen im ausgehenden 19. Jahrhundert gelebt haben. Das ist schön und wichtig. Edith und Rolf Bergenhoff

Ich komme ins Museumsdorf, um von der Hektik des Alltags Abstand zu gewinnen und meinen Enkelkindern die Atmosphäre eines „Dorfmittelpunktes“ im urspünglichen Sinne erlebbar werden zu lassen. Dafür sind auch die Bauernmärkte sehr geeignet. Ich wünsche den Aktionen vom Museumsdorf weiterhin rege Hände und Hilfe zur Instandhaltung und Eventgestaltung. Es würde mich freuen, wenn auch Menschen mit Behinderungen bei Ihnen ehrenamtlich tätig sein könnten. Ann Christin Matt

Ich gratuliere unserem Museumsdorf recht herzlich zum 50-jährigen Jubiläum und dem Verein „De Spieker“ ebenfalls, der den Erhalt unseres Kleinods sicherstellt. Was wäre

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Karina Beuck

Bürger trifft Bauer im Jubiläumsjahr

Berittene Polizei und Straßensperrung vor dem beschaulichen Museumsdorf? Nein, kein Verbrechen wurde begangen, auch ein Verkehrsunfall hat nicht stattgefunden, sondern das alte Dorf feiert sich selbst: „Kommen Se rin, kommen Se ran, das Jubiläumsfest fängt schon gleich an!“ So lautete die Ankündigung der diesjährigen Johannishöge, die zugleich als große Festveranstaltung zum fünfzigjährigen Bestehen des „Spieker“ und des Museumsdorfes vorgesehen war. Trotz der bereits angefangenen Ferien folgten mehr als dreitausend Besucher dem Aufruf der Spiekerlüüd. Petrus war den Veranstaltern wohl gesonnen, und diese fuhren zu ihrem Jubiläum historische „Attraktionen“ auf, wie man sie in Volksdorf in so geballter Form wohl noch nicht gesehen und erlebt hatte. Damit entführten sie die Besucher in eine Zeit vor über hundert 14

Jahren, als Volksdorf noch ein kleines Bauerndorf war, kaum größer als das heutige Museumsdorf. Damals hatte es schon einmal eine große „Landlustwelle“ gegeben. Die Stadtbürger waren mit ihren Kutschen, später auch mit dem Fahrrad und der elektrischen Kleinbahn, hinausgefahren in die Walddörfer. Dort waren sie spazieren gegangen, hatten den beliebten Aussichtsturm auf dem Mellenberg erstiegen, von dem aus man einen fantastischen Ausblick auf die gesamte Umgebung hatte. Den heutigen Säulenwald mit den hohen Buchen gab es noch nicht. Im Anschluss hatten sie eine der zahlreichen Gaststätten zum Kaffeetrinken und zum Abendessen besucht und waren dann wieder nach Hause in die Stadt gefahren. Sehr beliebt bei den Städtern waren damals auch die in den Dörfern stattfindenden Jahrmärkte. Zu der Zeit war es ja nicht selbstverständlich, dass man in den kleinen Dörfern immer alles kaufen konnte. Mit Glück hatte man eine kleine Hökerei im Dorf, wo man das Nötigste bekommen konnte, ansonsten war man Selbstversorger. Nur der Jahrmarkt bot die Gelegenheit, sich ein- oder zweimal im Jahr mit besonderen Gebrauchsgegenständen und Nahrungsmitteln einzudecken. Dieses Zusammentreffen von zahlreichen Menschen zog auch allerlei Kleinhändler und „fahrendes Volk“ an. Jeder wollte bei dieser Gelegenheit ein bisschen mitverdienen. So waren mit der Zeit Spielbuden, Fahrgeschäfte und Verpflegungsstände entstanden, die natürlich noch ganz anders aussahen als auf einem heutigen Jahrmarkt. Und genau diese Zeit, als die Bürger mit ihren feinen Kutschen ins Dorf gefahren kamen, um einen bäuerlichen Jahrmarkt mitzuerleben, sollten die Besucher im Juni bei „Bürger trifft Bauer“ als besondere Festattraktion zur jährlichen „Johannishöge“ bei uns im Museumsdorf miterleben können. Am 30. Juni standen die Besucher zum Teil bereits um 10.15 Uhr vor dem Museum Schlange, und als um 11 Uhr zuerst die Kollegen vom Museumsdorf am Kiekeberg von 1804, danach die Marktleute von 1900 und zuletzt die „feinen Stadtleute“ ins alte Dorf einfuhren, hatten bereits viele ihre Eintrittskarten gekauft und warteten teils draußen vor der Kasse, teils drinnen im Eingangsbereich auf den historischen Zug. Vorgestellt wurden die Teilnehmer vom „Dorfmonarchen“ Egbert Läufer, der sie zwischen Eingang und Spiekerhus mit seiner historischen „Flüstertüte“ erwartete und den Besuchern Informationen über die Einziehenden gab. Die Kiekeberger von 1804 kamen passend zu „ihrer“ Zeit zu Fuß und im Stuhlwagen des Museumsdorfes an und wurden nach der Vorstellung zum Spiekerhus gefahren, wo für diesen Tag alles auf 1804 eingerichtet war. Diesen verbrachten sie mit alltäglichen Beschäftigungen aus der Zeit aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts: Kochen, Wäsche waschen, Gartenpflege, Hand- und Hausarbeiten und historischem Handwerk. Sie freuten sich sehr über die vielen Besucher, die den „Zeitsprung wagten“ und sie im historischen Spiekerhus besuchten. Den Kollegen von 1900 war der Besuch leider strengstens untersagt, damit die Besucher nicht mit den Jahrhunderten „in Tüdel“ gerieten. Nach den Kiekebergern zogen die Bauersleute ein, die den Tag im Harderhof mit „Bauernleben 1900“ erfüllen würden. Sie wurden mit Milch- und Marktwagen eingefahren. Bauer Jan mit seiner Familie, der Großknecht Peter, die Großmagd Anna und die Altenteiler, außerdem zwei „Tanten“, zeigten im Harderhof, wie um 1900 Milch verarbeitet wurde, Kochen und Backen, Handarbeiten und das Leben in den guten Stuben und am großen Tisch am Flett, wo die gemeinsamen Mahlzeiten eingenommen wurden. Die Männer betätigten sich außerdem mit der Herstellung von hölzernen Harken und anderem Holzgerät. So konnten die Besucher die Unterschiede zwischen 1800 und 1900 im praktischen Bauernleben in den beiden Häusern gut erkennen.

Der „Kornkreismäher“

Landlust damals

Die Städter kommen zum Jahrmarkt ins Dorf – zu Fuß oder mit ihren vornehmen Kutschen

Nach den Bauern zogen die Marktleute und Schausteller ein. Die Milchfrauen mit einem hundegezogenen Karren von 1892, das Gänseliesl mit einer Gans unter dem Arm, die Marktfrauen mit Karren und Körben voll mit frischem Gemüse und Blumen, der „Billige Jakob“ mit seinem Bauchladen, die Ole Trine mit ihrem Eierkorb und viele mehr. Sie verteilten sich nach der Vorstellung auf ihre Plätze und in ihre Buden auf dem Marktplatz vor der alten Schmiede und am Spiekerhus. Nun kamen die „feinen Leute“: Zuerst einige Bürger in ihren eleganten Kutschen, unter anderem das Ehepaar „von Ohlendorff“ und zuletzt, stilvoll im Glaslandauer, gezogen von vier prachtvollen Pferden, die Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg, 15

Frau Senatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt, begleitet vom Ehepaar von Petersdorff. Diese wurden vom Dorfvorsitzenden Jürgen Fischer und der „Bauernvogtfrau“ Karina Beuck vor dem Spiekerhus in Empfang genommen. Nach einer kleinen Ansprache ließ die stellvertretende Bürgermeisterin sich von Jürgen Fischer durch das alte Volksdorf führen. Dabei stellte sich heraus, dass sie selbst in einem Dorf aufgewachsen war. Dadurch war ihr vieles aus dem Landleben nicht unbekannt.

Einzug der Marktfrauen

Die „Kiekeberger“ im Jahre 1804

Bauern , Marktleute und Schausteller treffen nacheinander ein

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Inzwischen konnten sich die Besucher schon im Wagnerhof verkleiden lassen. Sie wurden im „Fotostudio 1900“ von Fachfrau Elfriede Liebenow und ihren netten Angestellten rein ehrenamtlich fotografiert. Das eingenommene Geld kam dem Museumsdorf zugute. Die Besucher hatten großen Spaß, sich in der Umkleidekammer mit Matrosenkleidern, großen Hüten, langen Kleidern, Gehröcken und steifen Kragen in die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts versetzen zu lassen. Eine tolle Erinnerung für die ganze Familie an diesen schönen Tag! Bilder können übrigens bei Frau Liebenow jederzeit noch nachbestellt werden. Die hohle Linde im Eingangsbereich des Museums wartete, wie der Limonadenbaum in Pippi Langstrumpfs Garten, auf durstige Kinder, die zu dieser Gelegenheit eine Limonadenflasche aus dem kühlen Stamm ernten konnten. Die historischen Marktstände boten Gewürze, Seifen und Bürsten, handgebundene Reisigbesen, Körbe, Pütt un` Pann, Eingemachtes, Handgedrechseltes, Gemüse, Blumen und vieles mehr zum Kauf an. Auch der Scherenschleifer war dabei und die „Speelkrommokers“ Familie Ehlers boten ihre beliebten Blumenkränze an. „Zitronenjette und Hummel“ trugen nicht nur zum historischen Bild, sondern auch zum Ton bei, denn sie hatten wie immer ihren Leierkasten dabei. Nicht weniger als zehn historische pferdegezogene Fahrzeuge boten den Besuchern auf der extra für moderne Motorfahrzeuge gesperrten Straße das Reisegefühl 1900 ein- bis vierspännig an. In der Grützmühle weckte Dr. Joachim Pohlmann mit seiner „Laterna magica“ das historische Volksdorf zu neuem Leben. Auf dem Weg zum Backhaus konnte man dem „Gänseliesl“ Linea und ihrer Helferin Nele mit ihrer kleinen Gänseschar begegnen, die von ihr zielsicher durch die Besucher „zum Markt“ geführt wurde. Kuchen, Grillwürstchen und frisches Brot dufteten um die Wette, und in der Mitte des ganzen Trubels stand die „Feldküche“, von den Spiekerlüüd heimlich, da ja zu modern, auch „Kocharena“ genannt. Vier geschichtsträchtige Kochherde, mit Holz und Briketts beheizt, auf denen von den fleißigen Köchinnen in großen schmiedeeisernen Pfannen leckere Apfelpfannkuchen um die Wette gebacken wurden. Auf einem der Herde wurden vor den Augen der Besucher sogar die heiß begehrten „Liebesäpfel“ frisch hergestellt.

Das Ehepaar von Ohlendorff

Jürgen Fischer zeigt Frau Senatorin Dr. Dorothea Stapelfeldt „sein“ Dorf

Im Fotostudio anno 1900 und beim Einkaufen auf dem historischen Markt

Gänselieseln

Kochmamsellen in der Feldküche

Spaß an der Wurfbude und beim Armbrustschießen – Kindervergnügen wie eh und je

Für die kleinen Besucher gab es natürlich die beliebten Spielbuden: Entchen angeln, Milchkannenwurfspiel mit Museumskuh „Berta“, Wurfbuden, wo man auf teilweise wohlbekannte „Museumsköpfe“ oder Blechdosen werfen konnte. „Hau den Lukas“, die „Geschicklichkeitsschubkarre“, eine hölzerne Kinderkegelbahn und vor allen Dingen der dorfeigene „Kornkreismäher“ beflügelten die kleinen Gäste zu Höchstleistungen im historischen Spaßressort. Das Kindervogelschießen hatte so viele Teilnehmer wie noch nie, und eine ganz besondere Attraktion bot das „Mäuseroulette“ von Kristin mit den Mäuschen „Hinelmaus“ und „Körnchen“. Natürlich ging es dabei nicht um einen Geldgewinn. Wer auf das richtige Häuschen gesetzt hatte, in das die Maus anschließend hineinlief, bekam einen kleinen hübschen Gewinn. Das eingenommene Geld kam selbstverständlich komplett dem Museumsdorf zugute, denn Kristin war eine von den fast zweihundertfünfzig Ehrenamtlichen, die an diesem Tag „um 1900“ kostümiert nicht nur das Dorfbild verschönerten, sondern zum Teil Schwerarbeit leisteten. Dazu kamen die passend zu den historischen Kutschen gekleideten „Pferdeleute“, die Tanzgruppe „Zugvogel“ und die Besucher, die unserem Aufruf gefolgt waren, sich „zeitgemäß“ zu kleiden. Insgesamt ein schönes „rundes“ Bild. Um 12 und um 14 Uhr begeisterte das plattdeutsche „Stückchen“ vom Bauern, seiner Frau Ilsebill und dem Butt die Zuschauer. Es handelte frei nach dem „Fischer un sin Fru“ vom Auf- und mehrfachen Umbau des Spiekerhus bis zu seiner heutigen Form von 1624, und stellte auf humorvolle Weise das Leben der Bauernfamilie an der „Beek“, dem am Museumsdorf vorbei fließenden Bächlein dar. Unsere Darsteller aus dem „plattdütschen Klönschnack“ erheiterten mit einfachsten Mitteln das Publikum, alle amüsierten sich köstlich. Der kleine Museumsladen platzte fast aus den Nähten. Als besonderer Knüller wurde an diesem Tag zum ersten Mal das neu erschienene Buch „Bürger trifft Bauer“ verkauft, das die Museumsmitarbeiterinnen Birgit Flügge und Sibylle Könnecke zum Jubiläumsjahr geschrieben und zusammengestellt hatten. Zweiundachtzig Exemplare von den ersten einhundert gedruckten Büchern wurden bereits an diesem Tag verkauft. Inzwischen gibt es noch eine begrenzte Zahl von Nachdrucken im Museumsladen und in den Volksdorfer Buchläden. Auch die hübsch als Serviermädchen aufgeputzten Damen in der Kaffeestuuv, der Spiekerschänke und dem Backhaus hatten an diesem Tag alle Hände voll zu tun.

Theater: Fischer un sin Fru

Das Mäuseroulette

Die Dorfmusikanten spielen zum Tanz der „Zugvögel“ – und hier ist die neue Schützenkönigin

Als Petrus dann um 15 Uhr sein Nachmittagsschläfchen hielt und ein wenig Geniesel einsetzte, spielten die „Dorfmusikanten“ ungerührt weiter und die Tanzgruppe „Der Zugvogel“ tanzte dazu im Sommerregen. Die Kollegen vom Kiekeberg bemerkten nach der Veranstaltung, dass die meisten Leute ja trotz des Regens 17

geblieben wären. Von ein bisschen Regen lassen wir aus Nordelbien uns nicht den Tag verderben. Vielleicht sind wir ja einen Tick härter im Nehmen als die südelbischen Kollegen. Insgesamt waren die „Kiekeberger“ von unserer Veranstaltung ganz angetan, und es hat uns gefreut, dass sie sich auch in unserem Museumsdorf wohl gefühlt haben. Zum Abschluss wurde es wieder trocken, und die diesjährige Schützenkönigin konnte pünktlich um 16 Uhr gekrönt werden. Einen König gab es diesmal leider nicht, den hatte der Regen wohl doch vergrault. Ein langer Tag ging langsam zu Ende. Viele von den Spiekerlüüd waren bereits seit sieben Uhr morgens im Museumsdorf im Einsatz. Trotzdem wurde nach dem Schließen der Museumspforte noch eine kleine Fotoreihe von unserem „Hoffotografen und -filmer“ Helmut Hofer gemacht. So gibt es jetzt ein neues Bild von den Ehrenamtlichen im Museumsdorf, den Spiekerlüüd.

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Wulf Denecke

Beiträge zu einer Vereinschronik (II) Eigentlicher Zweck der Vereinsgründung war 1962 die Rettung der alten Bauernhäuser des Volksdorfer Dorfkerns und die Einrichtung des Freilichtmuseums auf dem Gelände unter Einbeziehung weiterer Bauten, wie der Grützmühle aus Hummelsbüttel und der aus Wohldorf stammenden Schmiede. Das wurde ins Werk gesetzt von den Gründungsvätern des Vereins im engen Zusammenwirken mit den politischen Gremien und zuständigen Behördenvertretern. Deshalb standen die Phasen der Entwicklung mit den für diese Entwicklung verantwortlichen Personen in Vorstand und Beirat sowie deren Verhandlungspartnern in Behörden und Ämtern, in Versammlungen und Ausschüssen am Anfang der Beiträge zur Vereinschronik im vorigen Jahrbuch. Der wahre Schatz eines Vereins aber sind seine Mitglieder, die mit ihren Mitgliedsbeiträgen diese Entwicklung grundlegend ermöglichen und unter ihnen insbesondere diejenigen, die – ohne ein Amt zu bekleiden – sich in vielfältiger Weise ehrenamtlich „einbringen“ und damit in diesem Falle den „Gemeinnutzen“ des „lebendigen Museums der Walddörfer“ zum Tragen bringen. Der Blick auf die große Zahl derer, die als Mitglieder in diesem Verein seine Arbeit und sein heimatpflegerisches Wirken mitbestimmt haben, soll also hier an erster Stelle stehen. Neben den Mitgliedern kommt den Museumswarten eine bestimmende Funktion zu, und gemeinsam gestalten sie das, was das Museum als lebendigen Ort der Begegnung, des lebendigen Lernens und der geistigen Entspannung ausmacht. Deshalb bilden die diesbezüglichen zwei Kapitel die Beiträge zur Vereinschronik in diesem Jahrbuch.

IV. Mitglieder / Spender / Fördermitglieder / Stifter Mitglieder

Der „Harte Kern“ im Jahre 2002 Foto: Liebenow

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Aus dem Gründungsprotokoll wissen wir, dass es vierzehn Männer waren, die am 18. Dezember 1962 den Verein gründeten, von denen heute (vermutlich */1) keiner mehr am Leben ist. Genau fünfzig Jahre später läge der Mitgliederbestand am 18. Dezember 2012 bei ca. 4000, wenn nicht aus Gründen des Alters, durch Tod, durch Umzug und aus diversen anderen Gründen wie zum Beispiel durch Ausschluss nach mehrfacher vergeblicher Anmahnung des Mitgliedsbeitrages nahezu ebenso viele Mitglieder aus dem Verein schon wieder ausgeschieden wären. Dadurch zählte der Verein an seinem 50. Geburtstag 2087 und zur Zeit der Jubiläumsfeier am 30. Juni 2013 bereits 2160 Mitglieder (*/2). Bevor dieser Abschnitt mit weiteren Zahlen seinen Abschluss findet, soll das Hohelied angestimmt werden auf die Mitglieder, die als die heute so genannten „Zeitspender“ über ihren Mitgliedsbeitrag hinaus z. T. sehr viele Stunden ihrer Freizeit hergeben, damit all die anfallenden Arbeiten erledigt werden können, die erst dem „lebendigen Museum der Walddörfer“ zu seiner Lebendigkeit verhelfen. Von Beginn an ruhte der Betrieb dieses Freilichtmuseums ganz auf der Säule ehrenamtlicher Mitarbeit, die früher im Wesentlichen auf dem Kreis von Helfern beruhte, die sich der „Harte Kern“ nannten (*/3). Vor gut zehn Jahren – zur Feier des 40-jährigen Jubiläums – sah er etwa aus wie auf dem Bild.

In den in zweimonatlichem Abstand erscheinenden Vereinsnachrichten der ersten Jahrzehnte mussten allerdings Fritz Beyle und später Rudolf Beckmann immer wieder inständig um Helfer „betteln“. Von 1978 bis in die 80er Jahre hinein wurde folgender Text in „Unsere Heimat – die Walddörfer“ viele Male unverändert wiederholt: „Museumsdorf: Helfer gesucht. – Wir verweisen auf die wiederholten Aufrufe in dieser Zeitschrift. Es geht darum, den Kreis der „Montagsaktiven“ – genannt der „Harte Kern“ – zu ergänzen. Jeden Montag von 8 – 12 Uhr trifft sich eine Gruppe von rüstigen Pensionären im Museumsdorf und betätigt sich handwerklich und/ oder gärtnerisch im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten. Sicher gibt es noch manches Mitglied, das in diesem Kreis mit Lust und Laune Hilfe leisten kann. Es gibt immer viel zu tun. Um es kurz zu sagen: Bitte montags einmal in das Museumsdorf kommen und Verbindung aufnehmen, wenn Lust und Zeit vorhanden sind.“ Selbstverständlich ist es auch heute noch immer so, dass durch die „natürliche“ Fluktuation in einigen Arbeitsbereichen zeitweilig Personalengpässe entstehen und dann um Nachfolger geworben werden muss. Aber die große Anzahl von Ehrenamtlichen, die seit Jahren bei über 120 Helferinnen und Helfern liegt und mittlerweile auch sehr viele jüngere Mitglieder umfasst, ist ein (deutschlandweit! (*/4) einzigartiger und beispielloser Aktivposten und – auf das ganze „alte Dorf“ gesehen – eine stattliche Dorfbevölkerung. Das zeigt sich heute am deutlichsten an den Dienstagen, die heute im Gegensatz zu den Anfangsjahren der allgemeine Arbeitstag der Ehrenamtlichen sind. An Sonnabenden sind es vornehmlich die noch berufstätigen Jüngeren, die kräftezehrende Hilfsarbeiten leisten. Und ich verrate sicher kein Geheimnis, wenn ich sage, dass es manchmal nicht leicht ist, ein Team dieses Umfangs reibungslos zu koordinieren... Auf dem Titelblatt des Jahrbuches von 2008 waren ca. 60 Aktive (von über 140) auf einem Bild vereinigt. Heute – fünf Jahre später – sind etwa 20 von ihnen nicht mehr dabei. Auch hier sind vor allem zunehmendes Alter, schwere Krankheit, Umzug, aber auch – bei den Jüngeren – starke berufliche Belastung oder – bei Älteren – gar allgemeine Erschöpfung (heute: Burnout-Syndrom!) dafür ausschlaggebend gewesen, was deutlich macht, dass es auch ein „Burnout im Unruhestand“ zu geben scheint. Aber sehen wir uns zwei Beispiele näher an: Eines unserer jüngsten Mitglieder kündigte seinen Beitritt im Juli vorigen Jahres mit einem besonderen Brief an, der hier zitiert sein soll:

Unter dieser Zeichnung von Fritz Beyle erschienen schließlich (1983) ein paar Verse folgenden Inhalts:

Liebe Spieker, mein Name ist Janike Romppanen – ich werde aber von allen nur Nike genannt! –, ich bin (noch) 12 Jahre alt und bin mit meiner Familie 2009 nach Volksdorf gezogen. Das Museumsdorf war eines der Dinge, die ich gleich entdeckt habe und was mit ausschlaggebend dafür war, nach Volksdorf und nicht nach Sasel oder Poppenbüttel zu ziehen. Seitdem wir hier wohnen, weiß ich gar nicht, wie oft ich schon mit meiner Familie oder meiner Freundin Kira im Museumsdorf war, und welche Veranstaltung mir am besten gefällt?! Den Bauernmarkt finde ich toll, aber auch den „Weihnachts“- und Ostermarkt! Im Heimat-Echo lese ich immer die „De Spieker“-Seite. Am meisten interessiert hat mich das Interview mit der ehemaligen Lehrerin, die jetzt für den (Kräuter-)Garten zuständig ist. Ich habe nämlich auch ein eigenes Gewächshaus, züchte Kräuter, Tomaten und bin für unsere Erd- und Johannisbeeren zuständig. Nach den Ferien besuche ich die 8. Klasse des Gymnasiums Buckhorn. Meine Lieblingsfächer sind Mathe und Latein, aber eigentlich macht mir alles Spaß, wenn die Lehrer nett sind! „Platt“ kann ich leider nicht sprechen, denn ich wurde in Mainz als Tochter eines Finnen und einer Halbfranzösin geboren. In meiner Freizeit tanze ich beim WSV, spiele Querflöte und reite bei Rühmanns. Gerne würde ich mich aber auch im Museumsdorf engagieren – ich habe schon mal einen Jungen gesehen, der auch auf Festen hilft. In Wiesbaden gab es mal eine Aktion „Kinder führen Kinder“ in einem Museum – das hat sehr viel Spaß gemacht! Gibt es sowas auch schon in Volksdorf?

To son Ort Lüd wüllt wi uns frein, denn de sünd mehrstens swor to seihn. Ohne düsse Lüd, könnt ji uns gläuben, dor müssen wi noch lange täuben, bit Wisch un Gorden, Smed un Schün een sauber Buerndörp warr sin. Drum sagen wir´s hier und sagen wir´s gern: Dank sei dem fleiß´gen „Harten Kern“!

Einst standen wir allein zu zween und sah´n viel Arbeit vor uns liegen. Die Frage war: Wie soll das geh´n? Wo süllt wie Lüd herkriegen? Dann wurd geschrieben und geworben. Und was ist daraus dann geworden? Zwei war´n zuerst der „Harte Kern“! Doch jetzt sieht man 10 ält´re Herrn in jeder Woche ohne Zagen Karre schieben, Steine tragen, hämmern, sägen, fluchen, lachen, auch mal deft´ge Witze machen, und stetig mit Beharrlichkeit, Wenn auch in etwas läng´rer Zeit: In unserem „SPIEKERdorfe“ hier die Dinge machen, schick und schier!

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Sehr gerne möchte ich Ihrem Verein beitreten, bei Veranstaltungen helfen oder einfach nur im Garten Unkraut jäten... Meine Eltern erlauben es! Mit einem freundlichen Gruß – J. Romppanen Zugegeben: Briefe dieser Art erreichen den Verein nur selten, aber viele der ehrenamtlichen Aktiven kommen ähnlich motiviert zu uns, entweder als langjährige Mitglieder, die nun das Rentenalter erreicht haben, oder als Neulinge, die – angesteckt von der Stimmung an den meist sonnigen Veranstaltungstagen – unseren Mitarbeiterstamm verstärken möchten und dann zumeist kurz darauf auch den Mitgliederbestand erhöhen. Inzwischen haben Nike Romppanen und ihre Freundin Kira Schröder schon manches Mal als aktive Helfer bei Veranstaltungen mitgewirkt. Das andere Beispiel: Fast gleichzeitig mit Nike stieß im hohen Alter Nele Krull zu uns. Sie war bereits Mitte 80, als ihr Mann starb, den sie jahrelang gepflegt hatte. Vor drohender Vereinsamung braucht sie sich nicht zu fürchten, da ihre Kräfte allemal reichen, um mehrmals wöchentlich im alten Dorf hilfreiche Dienste zu leisten, z. B. in Emmis Krämerladen Kaffee genau so zu kochen wie in ihrer Kindheit in Königsberg, denn Kaffeemaschinen und elektrische Kaffeemühlen gab es damals noch nicht. Obwohl ich nicht übel Lust hätte, hier zahlreiche der ebenso engagierten wie liebenswerten Menschen in Wort und Bild vorzustellen, muss ich mich darauf beschränken, nur einige von ihnen stellvertretend mit wenigen Worten zu erwähnen (*/5). Denn es sollte unmittelbar einleuchten, dass eine lückenlose Aufzählung oder gar Porträtierung der vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Rahmen eines Aufsatzes im Jahrbuch bei weitem sprengen würde, zumal dann mit Recht dazu auch die Frauen und Männer gehörten, die vor 40 oder 20 Jahren im Museumsdorf tätig waren und deren Tätigkeit sich kaum je irgendwo dokumentarisch niedergeschlagen hat (*/6). Beginnen werde ich mit zwei langjährigen Mitarbeitern, die immer im Hintergrund gewirkt haben und nicht einmal den meisten Aktiven näher bekannt geworden sind (Irmgard Ritter-

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Lieber Wulf Denecke,

Irmgard Ritterhoff Foto: Denecke

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Jetzt auf Sylt habe ich endlich Zeit und Muße für diese Gedanken. Mein Feriendorf damals ein armes Dorf - heute wohlhabend. Die Scheune ist Garage, es gibt Fernsehen statt Klönschnack auf der Bank vorm Haus. Die Frauen sind nicht mehr müde von der Feldarbeit, kein Vergleich mehr. Armut vergisst sich im Wohlstand schnell. Frage: Wer war oder ist glücklicher? Durch nichts werden Erinnerungen stärker geweckt als durch Gerüche. Ein Duft kann unerwartet kurz und flüchtig sein und doch einen Kindheitssommer heraufbeschwören. Aufgewachsen in einem Dorf in einem Geschäftshaushalt, es gab Personal und keiner war für uns Kinder richtig zuständig. Doch in den Sommerferien verreisten wir, meine Schwester und ich, zur Tante drei Dörfer weit entfernt. Das war ein Paradies, ein Bauernhof. Gänse hüten, Eier in der Scheune sammeln, auf dem Feld Garben zu Puppen aufstellen. Beim Einfahren ganz oben auf dem Erntewagen sitzen. Wir lernten, barfuß über das Stoppelfeld zu

„schlürfen“. Durften das Butterfass drehen, die Pferde striegeln. Sonnabends wurden die Kuhschwänze gewaschen, was meistens zu einer riesigen Schweinerei ausartete. Jeden Abend wurden wir in einen Holzzuber gesteckt und abgeschrubbt. Dann nach dem Abendbrot mit großen Scheiben selbstgebackenem Brot und dick Butter ab mit den Hühnern ins Bett. Wir schliefen auf selbstgestopften Strohsäcken und versanken unter riesigen Bettdecken. Das Dorf gibt es noch. Die Kirche, das Pfarrhaus, den Bach, zu dem wir früher die Pferde zur Abkühlung führten, auch. Die Bauern gibt es nicht mehr. Es ist nicht mehr das Dorf meiner Kindheit, doch in meiner Erinnerung ist es lebendig. Oft besuche ich unser Museumsdorf und wenn ich die Augen schließe, mich ganz auf die Gerüche konzentriere, dann ist es wie eine Reise in die Vergangenheit. Der Duft des Kräutergartens, Stroh, Heu, Pferdestall und Misthaufen: Gerüche meiner Kindheit! Herzlichst Ihre Annemarie Dose

hoff, Reimer Beuck). Fortsetzen werde ich diese Auswahl mit Kurzporträts von fünf tatkräftigen Frauen (Annelie Ochs, Uschi Asmussen, Margrit Glogau-Urban, Monja von Hagen, Petra Reuschel) und fünf „starken“ Männern (Hans Harten, Peter Keim, Roderich Mau, Claus Neupert, Jürgen Teckentrup). Auch wenn ich mich schon mit einer Auswahl überhaupt berechtigter Kritik aussetzen könnte, will ich mit ihr einen Akzent setzen, der zum einen die Vielfalt der Aktivitäten im Museumsdorf andeuten kann und zum anderen pars pro toto „solistisch“ den gesamten „gemischten Chor“ repräsentieren soll. Allesamt gehören sie weder dem Vorstand an noch sind sie in einer Funktion tätig, in der sie gewissermaßen „kraft Amtes“ im Fortgang dieser chronikalischen Aufzeichnungen zu würdigen sind. Außerdem sind sie alle schon in der Auflistung der Mitarbeiter im Jahrbuch 2008 (S. 74 f.) aufgeführt. Das bedeutet, dass sie schon mindestens fünf Jahre „dabei“ sind. Die Meiendorferin Irmgard Ritterhoff ist vor 10 Jahren über „Aktivoli“ Wandsbek (*/7) als „Jungrentnerin“ zu uns gestoßen, nachdem lange als Buchhalterin gearbeitet hatte. Sie setzte quasi ihre Berufstätigkeit ehrenamtlich für uns fort und erwies sich in den vergangenen Jahren als unentbehrliche Stütze für die Schatzmeister; besonders als einer von ihnen den „Job“ – ohne ihn ernsthaft angetreten zu haben – bereits nach einem halben Jahr unvermittelt „hinschmiss“, hat sie mit nicht nachlassender Energie das „Schatzmeister-Interregnum“ überbrückt. In großer Bescheidenheit hat sie kaum je einmal über die Belastungen geklagt, sondern sich im Gegenteil immer nur über die bewältigten Probleme gefreut. Der Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. Reimer Beuck, der auch dem Förderverein der Koralle als Schatzmeister zur Verfügung steht, ist seit Jahren für den Stadtteil ehrenamtlich aktiv, denn er sorgt schon seit 10 Jahren dafür, dass der SPIEKER und (seit Gründung auch) die Stiftung mit ihrem Museumsdorf als gemeinnützige Institutionen vor den Augen des Finanzamts als möglichst mäßige, aber regelmäßige Steuerzahler gut bestehen können. Er studierte Jura in Hamburg und Kiel, promovierte mit einer Arbeit über Insolvenzrecht und hat als Rechtsanwalt und Steuerberater seit 1996 eine eigene Praxis in Volksdorf. Eine von den wenigen Frauen, die sich schon früh in die angestammte Männerdomäne des „Harten Kerns“ gewagt haben, ist Annelie Ochs. Seit genau 20 Jahren ist die von Brigitte Nowak für den SPIEKER angeworbene Lehrerin – in der Regel gemeinsam mit ihrem Mann, dem Musiker Prof. Hartmut Ochs – schon als „Führungskraft“ durch die Häuser des alten Dorfes unterwegs. Dem fortschreitenden Alter geschuldet, betreut sie nur hin und wieder noch Schulklassen beim Buttern und Backen am offenen Herd. Beide aber erinnern sich gut an die Zeit, als sie im Frühjahr auch dabei waren, wenn das alte Gebälk von den vielen Spinnennetzen des Herbstes und Winters befreit wurde. Oder wenn an Gewerketagen die Eimer mit Papierhandtüchern aus den Toiletten zu entsorgen waren. Und die Spiekerlüüd werden die leckeren Buchweizentorten nicht vergessen, mit denen Annelie Ochs viele Male abends noch die abgekämpften Helden der Gewerketage atzte, wenn das Gebäck der Kaffeestuuv längst verkauft war. Schon seit vielen Jahren hat Uschi Asmussen als kraftvolles Bollwerk die Geschäftsstelle fest im Griff. Ihr macht es Spaß, mit vielen Menschen Kontakt zu haben. So wie die Büros mit der Sekretärin der zentrale Kern einer Schule sind, so ist sie auch im Museumsdorf der Anlaufpunkt für alle! Bis zum „Rentenbeginn“ leitete sie 14 Jahre lang als Allroundkraft das älteste Squash-Zentrum Hamburgs. Beim SPIEKER fing 2004 alles an mit der Frage: „Willst Du nicht mal an Gewerketagen Getränke ausschenken?“ Und weil sie nicht nur gern den kleinen Finger gibt, sondern ebenso die ganze Hand, schenkt sie nicht nur weiter aus und steht stundenlang am Würstchengrill – nein, die gesamte Mitgliederverwaltung ist ihr zugewachsen. Besonders liebt sie die Bearbeitung der Beitrittserklärungen neuer Mitglieder! Nicht nur der eigene Garten ist seit vielen Jahren für Margrit Glogau-Urban das liebste Betätigungsfeld, der ihr Entspannung und Abstand von ihrem aufreibenden beruflichen Alltag als Jugendrichterin verschaffte – regelmäßig ist es für die Pensionärin nun auch schon viele Jahre der Garten hinterm Harderhof, der seine besonders in Frühjahr und Sommer viel bewunderte Farbenpracht und seine Arten- und Sortenfülle u. a. ihrer regelmäßigen und schöpferischen Obhut verdankt. Darüber hinaus ist sie vor allem darin kreativ geworden, diese Vorzüge auch zu betonen und herauszustellen, z. B. durch die plattdeutschen Schilder für die Küchenkräuter oder einen an Fest- und Thementagen aufgebauten Stand. An ihm werden nicht nur selbst gebundene „Bauernsträuße“ feilgeboten, sondern auch ihre Fotografien aus dem Garten. Auch an einem der Jahreszeit angepassten Blumenquiz können die Besucher teilnehmen und dabei kleine Preise wie Blumensamen u. ä. gewinnen. „Ich stehe lieber bei Nieselregen auf dem Misthaufen, als bei 30° im Schatten im Büro zu

Dr. Reimer Beuck Foto: Denecke

Annelie Ochs Foto: Denecke

Uschi Asmussen Foto: Denecke

Margrit Glogau-Urban Foto: Denecke

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Monja von Hagen Foto: Denecke

Petra Reuschel Foto: Denecke

Hans Harten Archivbild

Peter Keim Foto: Lamp

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sitzen“: Das sagt voller Überzeugung Monja von Hagen. Auf den ersten Blick würde man ihr wohl nicht zutrauen, wie wichtig ihr der Einsatz bei körperlicher Arbeit ist; aber sie liebt es, sich dabei bis zur Erschöpfung zu verausgaben. Im Mai 2008 stieß die Technische Zeichnerin als Zeitspenderin zu den Spiekerlüüd und landete bald bei der Pferdecrew, weil sie viele Jahre (ohne eigenes Pferd) in Bergstedt und Ahrensfelde geritten war. Sie ist an allen Gewerke-, Festund Thementagen in unterschiedlichen Funktionen aktiv gewesen, zumeist aber unermüdlich am Eingang an der Kasse. Mit einem Griff nach ihrem „Werkbuch“, das Petra Reuschel nach dem Vorbild ihrer Weblehrerin Adelheid Schilling regelmäßig führt, hat sie die Frage nach ihrem Anfang im Museumsdorf parat: Am 13. Mai 2003 trug sie hier zum ersten Mal ein, welche Materialien sie für ihre Arbeit, die Einrichtung einer neuen „Kette“, brauchte. Hier war es Mel Mohring, ihre Kollegin beim Volkstanz im Berner Sportverein, die den Anstoß gab, als sie fragte, ob Petra mit ihrem Webrahmen an Gewerketagen dieses Handwerk demonstrieren wolle. Inzwischen hat sie, die Spezialistin für diesen Bereich, von dem Rockstoff der alten Volksdorfer Tracht eine Bahn von fast 40 m gewebt, ausreichend für mehr als 13 Röcke, die bei den unterschiedlichsten Anlässen von unseren Mitarbeiterinnen getragen werden. Und es ist kein Ende abzusehen... Auch im immer beliebter gewordenen Spinnkreis ist die ehemalige Diplomingenieurin für Elektrotechnik aktiv. In der hamburgischen Verwaltung „groß“ geworden, hatte Hans Harten in den letzten Jahren vor seiner Pensionierung als Verwaltungsdezernent im Bezirksamt Bergedorf ein umfangreiches Pensum zu bewältigen, das den Überblick und das Einfühlungsvermögen eines Generalisten erforderte. Genau diese Fähigkeiten kamen in den vergangenen Jahren dem lebendigen Museum seines Heimatstadtteils Volksdorf zugute. Er hat alles Wesentliche im Blick, ohne sich irgendwo in den Vordergrund zu spielen. Das Amt des Kassenprüfers hat er mehrere Jahre lang ausgeübt. Zu Themen vieler Gewerketage im Museumsdorf lieferte seine umfangreiche Bibliothek wertvolles Hintergrundwissen, das er für zahlreiche Schautafeln (gemeinsam mit C. P. Boss) aufbereitete. Mit größtem Vergnügen stellte er immer wieder bei Veranstaltungen unbekannte traditionelle Arbeitsgeräte vor und ließ die Besucher raten, wozu sie wohl benutzt worden seien. Das Kapitänspatent erwarb Peter Keim 1966 in Hamburg, nutzte es jedoch nach Heirat und Geburt der Tochter nur noch zwei Jahre als Erster Offizier auf hoher See. An Land arbeitete er dann 34 Jahre für die Reederei Hapag-Lloyd. Er begleitete den Aufbau des Hafenbüros am Burchardkai, dessen Leitung er 1971 übernahm. Ab 2002, nach Fertigstellung des Containerterminals Altenwerder, wurde die Hapag-Lloyd Hafenorganisation von ihm im dortigen Büro durchgeführt. Nach dem Eintritt ins Rentenalter war es die Tochter, die ihn nach Volksdorf ins Museumsdorf lotste, wo er nun seit bald 10 Jahren bei den SPIEKER-Leuten im Team mitarbeitet. Mehrere Jahre davon hat er der Gestaltung des Schaukastens neben dem Eingang gewidmet. Für denjenigen, der wie Roderich Mau (als Ingenieur und Diplomkaufmann) bei der Lufthansa viele Jahre die Belegung der Werft für Jahre im voraus zu planen hatte, war es natürlich ein Leichtes, die Vermietung des Spiekerhus von John Pape zu übernehmen, der das viele Jahre bis ins hohe Alter getan hatte. Heute widmet er (zusammen mit seiner Frau Beatrix Mau) die meiste Zeit der heimatkundlichen Bücherei. An Veranstaltungstagen stand er gern am Eingang, um Eintrittsgelder zu kassieren. Heute liefert der Allroundman als „Kaffeemaschinenbeschicker“ der Kaffeestuuv unermüdlich den Nachschub für kaffeedurstige Seelen... Der Fernmeldetechniker Claus Neupert hat als Polizeibeamter für die technische Ausrüstung der „Freunde und Helfer“ in Hamburg gesorgt. Mit der Arbeit im Museumsdorf hat er als Volksdorfer schon lange geliebäugelt, wurde auch Mitglied im SPIEKER und wärmte erste Kontakte an. Nach der Pensionierung dauerte es dann aber doch noch ein paar Jahre, bis er voll und ganz dazu gehörte: Als geborener Schwachstromer wechselte er nun zu den Elektroanlagen des alten Dorfes, wobei er sich aber trotz der fundierten Einarbeitung dennoch als „lebenslangen Assistenten“ des altgedienten Heinz Rohweder bezeichnet. An Fest- und Thementagen sieht man ihn meistens hinterm Tresen der Schenke, aber zu besonderen Gelegenheiten geht er (am liebsten) mit dem gut bestückten Bauchladen durchs Dorf und verkauft seine beliebten Streichholzschachteln mit Museumsdorf-Motiven. Seit kurzem bereitet er auch die zweimal jährlich stattfindenden Plattdeutschen Abende vor. Seit 1980 ist Jürgen Teckentrup in Hamburg zu Hause; 1983 zog er nach Berne und schon 1986 entdeckte er für sich das Museumsdorf in Volksdorf, in dessen Trägerverein er 1992 Mitglied wurde. Der gebürtige Westfale hat seine Schulferien regelmäßig auf dem alten, aus dem frühen 18. Jahrhundert stammenden Hof seines Großvaters verbracht. Die Bauformen der alten Bauernhäuser hatten es ihm von jeher angetan. Deshalb liebt er es am allermeisten, bei Führungen

durch unser altes Dorf auf die Besonderheiten dieser Häuser hinzuweisen und sie zu erläutern. Und selbstverständlich war er deshalb bei den erfolgreichen Aktivitäten in Sachen Lehmbau von Anfang an dabei. – Weil dem promovierten Chemiker, der im Institut für Hygiene und Umwelt arbeitet, sehr früh umfangreiche Kenntnisse im IT-Bereich zuwuchsen, wurden dem Verein seine Fähigkeiten auf diesem Gebiet schon bald unentbehrlich. In seiner Hilfsbereitschaft ist er seitdem unermüdlich, aber eine Herzenssache sind ihm die Häuser und nicht die Computer. An dieser Stelle sollen – nach fünf Jahren – wiederum einmal die Namen aller aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Museumsdorf aufgeführt werden. Auch wenn ihr Tätigkeitsfeld nicht auf einen der Bereiche beschränkt ist, werden sie in der folgenden Aufstellung (Stand: Mai 2013) jedenfalls nur einmal erwähnt. Dem Vorstand 2013/2014 gehören an: Gerd Blobel, Holger Braun, Jürgen Fischer, Nicolai Hansen, Sibylle Könnecke, Egbert Läufer, Angela Lehmkuhl, Wolfgang Neuwerk, Brigitte Rehren, Wilhelm Schmidt, Michael Suhr, Annett Tudsen.

Roderich Mau Foto: Denecke

Die (ehrenamtliche) Geschäftsführung der GmbH und das Amt der Schatzmeisterin bei der Stiftung versieht Astrid Grußendorf. Für die wichtigen Aufgaben der Instandhaltung, die sowohl vielseitigen handwerklichen Einsatz als auch die Bereitstellung bzw. Installation von Gerät und Material umfassen, setzen sich ein: Hermann Bernhardt, Hildegard Blobel, Peter Boehnke, Claus-Peter Boss, Hasso Boß, Dierk Bössow, Ulrich Brandt, Horst Budahn, Klaus-Niels Diehls, Uwe Ernst, Harald Frank, Frauke Friedrich, Hans Harten, Gerhard Hauer, Hanno Iven, Peter Keim, Reimer Lindemann, Wolfgang Losch, Maria Maludy, Hans-Günter Meschke, Melitta Mohring, Claus Neupert, Peter Rehren, Petra Reuschel, Helmut Rix, Heinz Rohweder, Siegfried Rutzen, Ernst Schneider, Lilli Schneider, Hanna Synowiecka, Renate Tappendorf, Hans Trieglaff. Die Pflege der Gartenanlagen haben zu ihrer Obliegenheit gemacht: Angela Ganschow, Margrit Glogau-Urban, Ingemarie Lemke, Maria Lohmeyer, Jutta Wagner.

Claus Neupert Foto: Denecke

Für museumspädagogische Dienste wie Führungen und die Betreuung von Schulklassen und Gruppen aus Kindergärten stellen sich zur Verfügung: Hans Ludwig Kruse, Barbara Leuzinger, Nicole Möller, Karin Mühlfried, Hanskarl Müller, Knut Müller, Annelie Ochs, Heinz Pfannstiel, Wolfgang Schmidt, Bärbel Wachenhausen, Gertrud Warm.

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Gröte an “De Spieker” to sin Föfftigsten Leeve Spieker-Lüd, dat See nu all föfftig Jor weest, freit mi bannig un ick graleer von Harten! De Volkssprak Platt to warn und de Minschen to wisen, dat Ole in Ehrn to holden und nich to vergeeten, dat dat Vergahne dee Wuddel von dat Bestahnde un dat Kunftige is, dat is een groode Upgabe. See hebt sick mit dat famose Museumsdörp mit de fienen, smuken Hüser mit Schappdörn und lütte Finster ja ok mächtig utstaffiert. Un dat beste is, dat dor ok bannig Leben is und een tokieken kann, wenn spinnt ward un de Schmitt up dat Isen kloppt. Min School, die Stadtdeelschool Walddörper, is ja man blot tweeuntwintig Jor old, dat is jo man eers knapp rut ut de Kinner-

schoh. As Burdeern ut een kleenen Dörp bi Bremen (Emusen heet dat und dat kennt keeneen) is dat een groode Ehr, dat ick as Direktor von düsse School “De Spieker” to sin 50. Geburtsdag graleern draff. As de School tein Jor old wör, dor hebbt wi mal een plattdütsche Föhrung dör dat Musseumsdörp makt, viellicht künnt we dat ton 50. Geburtsdag von “De Spieker” ja mol wedderholen. Ich wünsch “De Spieker” und dat Museumsdörp väel Sunnenschien und Wulken (dat mut ok jümmer Regen gäben, dormit dat wassen deit), keen Striet und alltied Hege und Plege för de Minschen, eer Sprok un de Hüser in dat Dörp! Elisabeth Thölke Schooldirektorin von de Stadtdeellschool Walddörper

Jürgen Teckentrup Foto: Denecke

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Administrative Tätigkeiten im Büro, in Archiv und Bücherei werden geleistet von: Uschi Asmussen, Ernst Diercks, Birgit Flügge, Roderich Mau, Beatrix Mau, Joachim Pohlmann, Rolf Schierbeck, Anna Strauß, Jürgen Teckentrup, Hans-Hermann Wölfert. Für logistische und praktische Dienstleistungen im gastronomischen Bereich setzen sich ein: Heinz Asmussen, Anne Bandick, Irene Behr, Christel Berger, Frank Christl, Marila Denecke, Linn Könnecke, Cornelia Krull, Ute Krusemark, Beatrix Mau, Elke Neupert, Barbara Preuß, Lilo Reinwaldt, Ingeborg Rüping, Anna-Sophia Tudsen, Barbara Zedler. Sonderaufgaben haben oder übernehmen regelmäßig und/oder nach Bedarf: Frauke Baumeister, Helmuth Baumeister, Helmut Hofer, Marianne Hofer, Hubert Kock, Stefan Kratzenberg, Peter Lamp, Ingrid Lißner, Werner Nehring, Ralf von Petersdorff-Campen, Heike von Roth, Solvejg Rozner, Heiko Wrede. Zu den „Schmiedejungs“ gehören: Dirk Bössow, Jan Furken, Carsten Gerfing, Dr. Günter Meichßner, Marko Meichßner, Robert Neiß, Günther Voigt, Hans-Otto Willer. In das Projekt „Arbeit für starke Pferde“ sind eingebunden: Frederike Braun, Monja von Hagen, Jessica Läufer, Karsten Lutz, Leonie Meichßner, Maik Sonnenberg, Dagmar Steinmann, Fenja Wojnarowski. Mit vielfältigen Hilfeleistungen und Darbietungen an Fest- und Thementagen sind aktiv: Michael Beier, Karina Beuck, Ulrike Clees, Henning Flierbaum, Hanne Fleitmann, Jürgen Geue, Sina Rehren, Sonja Schmaal, Monika Suhr, Bernd Törner, Marion Zillmer.

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Liebe Aktive und Besucher des Museumsdorfs! Herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag! Die Volksdorfer sind stolz darauf, ein so aktives, vielseitiges, weiterbildendes, prägendes, kulturelles, historisches, natürliches, fantastisches Dorf im Dorfe zu haben. Wenn man wie ich dort den Bund fürs Leben schließt und immer wieder gerne mit den Kindern auf Entdeckungstour geht, fühlt man sich ohnehin dem Museumsdorf ganz eng verbunden. Das Museumsdorf ist aus Volksdorf nicht wegzudenken. Ein großer Dank geht an alle Aktiven, Förderer, Un-

terstützer der ersten 50 Jahre - Sie haben das Museumsdorf zu dem gemacht, was es heute ist. Verbunden ist der Dank mit der Bitte, im Engagement nicht nachzulassen und weitere Mitstreiter zu gewinnen. Denn natürlich wollen wir in 50 Jahren alle ein rauschendes Fest zum 100. Geburtstag unseres Museumsdorfs feiern! Herzlichst, Ihr Andreas Dressel, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bürgerschaft

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Im Laufe meiner langjährigen Verbundenheit mit dem Museumsdorf Volksdorf habe ich das Projekt wachsen und gedeihen sehen. Das Museumsdorf in seiner jetzigen Form ist nicht nur ein museales Schmuckstück, sondern auch ein lebendiger und liebenswerter Ort für Besucher aller Altersgruppen, vor allem für Kinder und Jugendliche. Sie können sich einen Eindruck von bäu-

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erlichem und handwerklichen Leben und Arbeiten früherer Zeiten verschaffen. Den zahllosen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, dem Vorstand und den Unterstützern ist zu danken für die Gestaltung, den Ausbau und den Erhalt des Museumsdorfes Volksdorf. Peter Pape, SPD-Distriktsvorsitzender Volksdorf

Werfen wir nun abschließend einen Blick auf die Mitgliederbewegung der vergangenen 50 Jahre: Mitgliederentwicklung im Spieker von 1968 bis 2012   

  









  

  





 











  















 

Spender Wer nur einen flüchtigen Blick auf die Kassenberichte der Vergangenheit wirft, erkennt leicht, welch ungemein wichtigen Platz für den Verein die Spender einnehmen, die im Allgemeinen anonym bleiben. Man findet sie auch unter den aktiven Zeitspendern aus der Mitgliedschaft, aber gerade Mitglieder, die aus den verschiedensten Gründen nicht an den Tätigkeiten im Museumsdorf beteiligt sind, zeigen häufig ihre Verbundenheit mit dem Verein durch Sonderzahlungen, mit denen dann wichtige Vorhaben für die Entwicklung des musealen Bestandes realisiert werden können. Als besonders hilfreich für den SPIEKER hat sich das in den 1980er Jahren erwiesen, als sich Planung und Bau des Durchfahrthauses (heute: Wagnerhof) über fast ein Jahrzent hinzogen. Erneut zeigte sich diese immense Hilfsbereitschaft zu Beginn des neuen Jahrhunderts, als der Finanzbedarf für den Rückbau des Spiekerhus´ offenkundig wurde. Über längere Jahre wurden die Namen der Spender in der Zeitschrift „Unsere Heimat – die Walddörfer“ angezeigt; als anstelle dessen auf den Spieker-Seiten im Heimat-Echo der Platz dafür nicht reichte, erschienen sie vorübergehend auf den Anlagen, die regelmäßig der Einladung zur Mitgliederversammlung beigefügt sind. Damals wurde deutlicher als heute sichtbar, wie manch eine(r) über viele Jahre hin finanziell die Entwicklung des Vereins über den Mitgliedsbeitrag hinaus gestützt hat. Wenn man verfolgt, wie zum Beispiel Hinz & Kunzt oder der NABU Hamburg die Namen der Spender unablässig publizieren und das als selbstverständlichen Teil ihrer Dankeskultur betrachten, sollte der SPIEKER sich wirklich überlegen, in welcher Form er das wieder tun will.

Fördermitglieder und Förderer Das „Fundraising“ für den Bau des Durchfahrthauses erwies sich als besonders schwierig, weil einerseits die schiere Größe des Objekts hohe Kosten verursachte und anderseits gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die staatlichen Mittel zu versiegen drohten. Nach dem Aufbau des Durchfahrthauses war Rudolf Beckmann derjenige, der aus den Mitgliedern heraus einen Kreis von „Fördernden Mitgliedern“ aufzubauen begann, d. h. von Mitgliedern, die sich schriftlich verpflichteten, jährlich einen individuell unterschiedlichen Zusatzbeitrag zu ihrem Mitgliedsbeitrag für den Verein aufzubringen. Dieser Kreis bestand aus einer wechselnden Zahl von etwa dreißig Mitgliedern, vor allem Volksdorfer „Geschäften“ wie der Alten Apotheke, dem Fahrradhaus Ehrig, den Optikern Bernstiel, Fielmann und Gellermann, dem Papierwarenhaus Lerbs, 27

Roland Gecks „Rustikal & Schön“, dem Fotostudio Liebenow, dem Reformhaus Walddörfer (Frau Schufft), dem Bestattungshaus Reinhold, der GFA und anderen, die heute nicht mehr bestehen. Auch einige Ärzte gehörten zu diesem Kreis. Er ging zum Teil auf in dem Kreis der Stifter, aber nach Begründung des Jahrbuches auch in dem Kreis der Inserenten im Jahrbuch, die mehr oder weniger regelmäßig eine Anzeige schalten. Auch der Förderkreis der Pferdefreunde darf hier nicht vergessen werden, der entscheidend dazu beitrug, das Projekt „Arbeit für starke Pferde“, d. h. die Haltung von Kaltblutpfeden 2002 und den Folgejahren im Museumsdorf zu verankern. Eine Finanzierung aus Mitgliedsbeiträgen wäre derzeit wohl auf wenig Verständnis gestoßen.

Stifter Aus etlichen der langjährigen Spender wurden bei Gründung der Stiftung auch Stifter. Erst die Gründung der Stiftung zu Beginn des 21. Jahrhunderts machte es möglich, die notwendigen Baumaßnahmen zur Rettung des Spiekerhus in Angriff zu nehmen. Da jedoch über den Prozess der Stiftungsgründung erst in einem späteren Kapitel dieser „Beiträge zu einer Vereinschronik“ berichtet werden soll, belassen wir es an dieser Stelle bei der kurzen Erwähnung ihrer Bedeutung für das Vereinsgeschehen.

Anmerkungen

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(*/1)

Zu einigen der Gründungsmitglieder, die vor allem durch Otto Warnke rekrutiert wurden, brach der Kontakt bald danach ab, sodass wir über deren weiteres Schicksal keine Unterlagen besitzen.

(*/2)

Diese Zahl müsste in korrekter Weise um diejenigen verringert werden, die nach Einführung der Familienmitgliedschaft (2003) als Minderjährige kraft elterlicher Unterschrift Mitglied wurden, inzwischen die Volljährigkeit erlangt haben, jedoch selbst keine Beitrittserklärung unterschrieben haben – mittlerweile ungefähr eine Zahl zwischen 50 und 100. Wenn eine Bereinigung nicht vorgenommen wird, verstärkt sich dieser Trend. Es lässt sich leicht errechnen, dass in wenigen Jahren keine annähernd richtige Mitgliederzahl mehr angegeben werden kann.

(*/3)

Die Personen auf Bild 1: sitzend (von links) Karina Beuck, Inge Wark, Rudolf Beckmann, Anke Schneider, Walter von der Ahé, stehend (von links) Annemie Schneeberger, Annelie Ochs, Barbara Witte, Hartmut Ochs, Horst Budahn, Hilde Timm, Ulrich Brandt, Hans Harten, Dieter Suckert, Helga Pfister, Waldemar Meyer-Glitza, Peter Schlüter, Hermann Bernhardt, Helmut Rolffsen, Rolf Schierbeck, Karl-Heinz Günther, Günther Sellmer, Wulf Denecke, Hans-Hermann Wölfert, Wolfgang Simon, Hans Benkeser, Egbert Läufer, Heinz Rohweder, Horst Edler, Ingmar Holzgreen, Hans Ludwig Kruse, Heinz Waldschläger.

(*/4)

Durch eine vor einigen Jahren entstandene Dissertation (Irene Rath: Struktur, Vermarktung und Probleme der Freilichtmuseen in Deutschland – eine Studie zur Verbesserung der Marktposition, Mering 2008), zu der der SPIEKER selbst umfangreiches Datenmaterial lieferte, wissen wir, dass fast alle vergleichbaren Einrichtungen sich inzwischen Fördervereine an die Seite gestellt haben, dass aber kaum irgendwo eines dieser Museen seine Entstehung so sehr einer privaten „Bürgerbewegung“ verdankt und in vergleichbarem Umfang durch ehrenamtliche Arbeit getragen wird. In Freilichtmuseen wird die Hauptarbeit von durchschnittlich 7 hauptamtlichen Kräften geleistet. Allerdings hat ein Viertel von ihnen auch keinen einzigen fest angestellten Mitarbeiter.

(*/5)

Da die meisten der langjährigen Mitarbeiter selbst schon im fortgeschrittenen Alter und – sofern sie Kinder haben – diese bereits erwachsen sind, können sie alle auf ein bewegtes Leben zurück blicken, das hier nur „stiefmütterlich“ betrachtet wird.

(*/6)

Auf den Seiten „Dat Neeste ut´n Spieker“, die bis 2007 in der Zeitschrift „Unsere Heimat – die Walddörfer“ erschienen, erfahren wir nicht selten erst etwas von den früheren Zeitspendern, wenn ein Nachruf auf sie erschien. – Arthur Dähn begann in seiner aktiven Zeit im Vorstand die Anlage eines „Ehrenbuches“, in dem er die ehrenamtlichen Mitarbeiter zu erfassen versuchte. Dieses Ehrenbuch blieb aber schon zu seinen Lebzeiten fragmentarisch und wurde auch später nur sehr unvollständig erweitert.

(*7)

Die Freiwilligenbörse AKTIVOLI der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg war kaum gegründet, als wir in den Jahren 2003-05 gleich mehrere unserer Mitarbeiter über sie gewinnen konnten.

V. Museumswarte Wenn der SPIEKER in diesem Jahr die Jubiläumsfeiern auch unter das Motto „50 Jahre Museumsdorf“ stellt, so ist das insofern nicht ganz korrekt, als mit mit der Abwendung des drohenden Abrisses der alten Bauernhäuser nur die Grundlage für das Freilichtmuseum geschaffen wurde; der Beginn des Museumsbetriebs jedoch kann eigentlich erst mit der Einweihung des Harderhofs als Bauernmuseum angesetzt werden, d. h. mit dem Frühjahr 1970. Im Februar 1967 (vgl. Jahrbuch 2012) war der Harderhof abgebrannt. Sehr bald danach begannen die Arbeiten zum Wiederaufbau, die sich bis 1969 hinzogen; ein weiteres Jahr verging mit der Einrichtung der Räumlichkeiten. Dabei konnte nur auf wenige vorhandene Einrichtungsgegenstände zurückgegriffen werden; das meiste wurde durch Aufrufe aus der Bevölkerung in Form von Sachspenden generiert oder auch durch Fritz Beyle mit seinen Helfern nach alten Mustern in Eigenarbeit hergestellt. Immerhin war die Eröffnung des Museumsbetriebs 1969 so weit absehbar, dass zum ersten Mal die „Stelle“ eines Museumswarts einzurichten und auszuschreiben war. Und für die Chronik des Vereins sind auch insgesamt für die Jahre von 1969 bis heute nur sieben Namen anzuführen, wobei gleich anzumerken ist, dass die Geschichte der Museumswarte bis 1993 – also für 25 Jahre – nur sehr lückenhaft dokumentiert ist und wir uns auf jeweils nur kurze Abschnitte beschränken müssen. Das änderte sich dann mit dem Beginn der „Ära Läufer“, sodass wir die Notizen zu seinen Vorgängern als Einleitung der darauf folgenden Hommage an ein in Volksdorf heimisch gewordenes Genie auffassen dürfen. Auch wenn Egbert Läufer diese Kennzeichnung in der ihm eigenen Bescheidenheit eher abwehren würde, muss es wenigstens an dieser Stelle einmal deutlich zum Ausdruck gebracht werden dürfen: Nach der einzigartigen Aufbauleistung Fritz Beyles hat kein anderer so nachhaltig und bis in die unscheinbarsten Einzelheiten hinein zur Entwicklung des „lebendigen Museums in den hamburgischen Walddörfern“ beigetragen wie er. Dem kann annäherungsweise nur noch das Wirken der langjährigen Museumsleiterin und Zweiten Vorsitzenden Karina Beuck an die Seite gestellt werden. Aber wir wollen nicht vorgreifen, sondern der Reihe nach dem chronikalischen Anspruch Genüge tun.

Ernst Kleinwächter Foto: Spieker-Archiv

1. Ernst Kleinwächter Vom März 1969 an war der wohl noch zu Kaisers Zeiten geborene Landwirt der erste Museumswart im Museumsdorf. Er kam mit seiner Frau aus Hasselburg bei Neustadt in Holstein. Das ist das einzige, was außer dem von ihm unterschriebenen Vertrag und einigen Fotos überliefert ist. Weitere archivalisch gesicherte Lebensdaten liegen nicht vor. In einer kurzen Notiz aus der Zeitschrift „Unsere Heimat – die Walddörfer“ (1970, S.68) heißt es unter dem Titel „Unser Museumsdorf lebt“: „Zu den Hühnern und dem Pferd hat Museumswart Kleinwächter von seinem heimischen Hof zwei Mutterschafe mit je zwei Lämmern besorgt.“ Immerhin war mit dem Landwirt als Museumswart der Anfang der Tierhaltung im Museumsdorf gemacht. Schon drei Jahre später kam es zur Auflösung des Vertrages auf dringenden Wunsch Kleinwächters. In einem Brief der beiden Vorsitzenden (Gerhard Krieg und Fritz Beyle) vom 29. März 1972 heißt es dazu: „(Wir) hatten...Anfang dieses Jahres eingeräumt, daß Sie den Kündigungstermin, nämlich das Quartalsende, nicht einhalten müssen. Ihre weiteren Darlegungen, nach denen Ihre kurzfristige Rückkehr nach Hasselburg dringend erforderlich ist, hat uns

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. „Vor beinahe 30 Jahren überredete mich mein Nachbar, Rudolf Beckmann, dem Spieker e.V. als Mitglied beizutreten. Ich erkannte bald die wichtige Rolle, die der Spieker für die lebendige Bewahrung der dörflichen Traditionen und das Wissen um die Geschichte unserer Walddörfer spielt. Die Begeisterung der aktiven ehrenamtli-

chen Mitarbeiter und, nicht zu vergessen, des Museumswarts überzeugte mich, schließlich selbst beim Start der Stiftung Museumsdorf mitzuwirken. Daraus wurden 5 interessante und bewegte Jahre. Möge dieser gute Geist noch weitere Jahrzehnte vorhalten!“ Jürgen Durry 29

sodann darüber hinaus bewogen, auch auf die 3-Monatsfrist zu verzichten. Mit Rücksicht auf die besondere Situation lösen wir daher mit Wirkung vom 31. März d.J. den mit Ihnen abgeschlossenen Vertrag vom 13. März 1969...“ Aus den uns überkommenen Unterlagen geht nicht hervor, welche „besondere Situation“ zu dieser Trennung führte. Der Brief endet mit folgenden Worten: „Wir möchten heute noch einmal den Dank an Sie und Ihre Frau wiederholen für die wertvolle Tätigkeit, die Sie in den drei Jahren für unsere Gesellschaft ausgeübt haben. Wir wissen Ihre besonderen Leistungen sehr wohl zu schätzen und bedauern, daß Ihre persönliche Situation unsere Zusammenarbeit früher als erwartet beenden muß.“ Weiterhin ist nicht mehr zu ermitteln, wie viele Führungen durch das Museumsdorf an Sonnabenden und Sonntagen Ernst Kleinwächter im darauf folgenden Sommer noch gemacht hat, zu denen er sich gegen Erstattung seiner Unkosten bereit erklärt hatte. Jedenfalls erwies sich die Suche nach

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Zwei Wünsche für die nächsten 50 Jahre Meine Erinnerungen reichen zurück bis in die ersten Jahre des Vereins „De Spieker“, als die „Gesellschaft“ und die „Zeitschrift für Heimatkunde und Heimatpflege in den Hamburgischen Walddörfern und im benachbarten Stormarn“ - „Unsere Heimat – Die Walddörfer“ noch miteinander verbunden waren. Zu den führenden Autoren gehörten seinerzeit u.a. vor allem der Mitbegründer W.O. Paul Kettel und Alf Schreyer. Beide sind mir wohl bekannt; ihrer zu gedenken, dürfte sich lohnen, wenn zutrifft, dass Zukunft nur hat, wer sich seiner Herkunft bewusst bleibt, denn der eine wie der andere stehen für die Grundintention, die „De Spieker“ bis heute auszeichnet: Für die Heimatpflege und Heimatforschung hier vor Ort. W.O. Paul Kettel war ein versierter Journalist und hat mit seinen Artikeln wesentlich dazu beigetragen, dass sich in den Walddörfern und insbesondere in Volksdorf ein Zugehörigkeitsbewusstsein entwickelte, an das jederzeit appelliert werden konnte und kann; jüngstes Beispiel: das Bürgerbegehren zur Rettung der Ohlendorffschen Villa für die Öffentlichkeit als künftige Kultur-, Bildungs- und Begegnungsstätte. Aufgrund seiner Lebensgeschichte, zu der zwei Weltkriege und Heimatverlust zählen, war er ein kämpferischer Pazifist, der auf friedfertige und kommunikative Weise der Bürgerinnen und Bürger Bestes suchte. Als er, 77-jährig, am 12. Januar 1977 von mir beerdigt wurde, war es sein Wunsch, dass das Wort Jesu im Mittelpunkt stehen sollte: „Den Frieden lasse ich Euch, meinen Frieden gebe ich Euch. Nicht gebe ich Euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“ (Joh. 14,27). Unerschrocken sein! Be30

herzt denken, schreiben und handeln! Das ist mein Wunsch für die Geburtstagskinder „De Spieker“ und „Museumsdorf“. Alf Schreyer, geboren 1915, gestorben 1993, war „der Mann, der in Geschichte lebt“. Zu seinem 75. Geburtstag am 13. Mai 1990, würdigte ihn als ehemaligen Kirchenkreisarchivpfleger Propst Karl-Ludwig Kohlwage, indem er u.a. ausführte: Alf Schreyer … will Leser gewinnen, weil er davon überzeugt ist, dass es keine tote Vergangenheit gibt, sondern nur Leben in seinen vielfältigsten, manchmal schrecklichen Erscheinungsformen… . Am schönsten und eindrücklichsten dokumentiert sich sein Verständnis von Geschichte und Geschichtsforschung in dem Erzähler Alf Schreyer... . Dann erlebt man, was Geschichte zum Anfassen ist, dann wird die Grundüberzeugung: Es gibt keine tote Vergangenheit, es gibt nur Leben, Fleisch und Blut … . Für Alf Schreyer ist Geschichte nicht Hobby oder Zeitvertreib, sondern ein Stück seines Lebens. Er lebt in Geschichte, deswegen kommen die Geschichten so intensiv durch ihn zum Leben“. An Alf Schreyer lässt sich so lernen: Geschichte, „die in ihrer Fülle und Unüberschaubarkeit nach Klärung und Ordnung verlangt“, setzt geradezu therapeutische Energie frei und trägt so zum Wohle der Allgemeinheit bei. Geschichtsbewusstsein pflegen! In Geschichte leben! Das ist mein zweiter Wunsch für die Geburtstagskinder „De Spieker“ und „Museumsdorf“ für die nächsten 50 Jahre. Helmer Christoph Lehmann, Propst em., 1. Vors. des Kulturkreis Walddörfer

einem Nachfolger als recht schwierig, denn am 15. Juni war im Hamburger Abendblatt zu lesen: „... Seit Ende März bemüht sich der Heimatverein intensiv um einen neuen Museumswart, bisher ohne Erfolg.“ Ausweislich der vorliegenden Akten – wie es im schönsten Amtsdeutsch heißen müsste – sollte es zum 1. August 1972 zur Vertragsunterzeichnung mit einem Willy Beutler aus Wolfenbüttel kommen; der Vertrag blieb aber aus heute unbekannten Gründen ohne Unterschrift. Es muss damit zusammenhängen, dass sich offenbar eine vorteilhaftere Option ergeben hatte. Nur wenige Wochen später war im Abendblatt (vom 10. August 1972) zu lesen: „Volksdorfer Museumsdorf hat einen neuen Wart“.

2. Adalbert Stach „Für Adalbert Stach und seine Frau (Alice) ist das Museumsdorf ‚eine Liebe auf den zweiten Blick‘“, schrieb das Abendblatt in dem schon oben angeführten Artikel – gut eine Woche nach Unterzeichnung des Vertrages mit dem 65-jährigen frisch pensionierten Rektor an der Gesamtschule Alter Teichweg, der vom 1. Oktober an gelten sollte. Darin stand auch – unter einem Bild mit dem Ehepaar Stach im Bauerngarten des Harderhofs –, dass die Gespräche mit Fritz Beyle „schnell eine Basis des Vertrauens“ geschaffen hätten. Und in „Unsere Heimat – die Walddörfer“ (4/72) – auch noch vor Antritt der Stelle erschienen – lautet der Vorschusslorbeer: „Adalbert Stach ist ein Museumswart, wie wir ihn uns gewünscht haben. Als Kind der ostpommerschen Landschaft ist er in ländlicher Umgebung aufgewachsen und hat sich als junger Student frühzeitig mit dörflichem Brauchtum beschäftigt.“ Aber Lehrer scheinen schwierige Menschen zu sein, denn nach einem halben Jahr war die Vertrauensbasis bereits total zerrüttet, und mit Schreiben vom 11. April 1973 lag dem Verein die Kündigung auf dem Tisch: „Hiermit kündige ich meinen Vertrag mit der Gesellschaft „De Spieker“ mit dem heutigen Tage zum 30. September, so frühzeitig, um Ihnen Gelegenheit zu geben, sich um einen qualifizierteren (sic!) Nachfolger zu bemühen.“ Wie ist das zu erklären? Schon am Ende des ersten Dienstmonats (am 30. Oktober 1972) schrieb Stach an den Vorsitzenden einen Brief, in dem eine Reihe von Beschwerden aufgeführt sind: Die Wohnung (unter dem Dach des Harderhofes) „ist äußerst anfällig gegen sinkende Außentemperaturen“, der Keller sei nicht winterfest, auch sei es „unbillig“, dass er für das zur Wohnung gehörige Zimmer im Erdgeschoss die Heizungskosten allein tragen solle, da es „weithin Geschäftszimmer“ sei... Auch der Vorstand hatte offenbar Grund, Munition zu sammeln, weil er dem Museumswart durch den Vertrag nicht gedeckte Eigenmächtigkeiten meinte anlasten zu müssen. „Wir haben die Begehung des Museumsdorfes zum Anlaß genommen, in einer Sitzung des Gesamtvorstandes die Diskussionen, die im Rahmen der Besichtigung stattgefunden hatten, eingehend zu

Adalbert Stach Foto: Spieker-Archiv

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Liebe Spieker-Freunde! Zum 50-jährigen Jubiläum meine herzlichsten Glückwünsche! Vieler sollte dabei gedacht werden, die den Verein in dieser Zeit zu dem gemacht haben, was er heute darstellt. Sind es doch immer die Personen, die einen Verein lebendig halten. Fritz Beyle gab mir gute Ratschläge zum Wiederaufbau des abgebrannten Dorfkrugs, als ich ihn in seinem Haus Am Berge gemeinsam mit dem damaligen Vorsitzenden Rudolf Beckmann besuchte. Arthur Dähn und Kurt Bollmann waren außerdem mit mir im Architekten- und Ingenieurverein

engagiert, sie berichteten immer voller berechtigtem Stolz von ihrer Arbeit im „Harten Kern” des Spieker. Henry Hartjen hat als Nachbar „um die Ecke” vielfach ausgeholfen, wenn es um die Baugeschichte einzelner Häuser im Dorf ging. Sie betrachten nun hoffentlich zufrieden die Feiern zum Jubiläum von ihrem Sitz auf Wolke Sieben. Zusammen mit den heute noch Aktiven sind sie es, die diese 50 Jahre mit ihrem Wirken für den Spieker ausgefüllt haben. Ihnen, die heute den Verein tragen, wünsche ich weiterhin einen solchen Erfolg. Mit herzlichen Grüßen Gerhard Hirschfeld 31

erörtern. Die Vorstandsmitglieder legen Wert darauf, Ihnen und Ihrer Gattin zunächst zu sagen, daß sie von der sichtbaren Pflege sehr beeindruckt waren. Sie sind auch überzeugt davon, daß die Form und Art, in der Sie die Führungen durchführen, zur Entwicklung des Museumsdorfes positiv beitragen. Sie haben aber auch leider den Eindruck gewinnen müssen, daß vom Grundsätzlichen her zumindest Mißverständnisse aufgetreten sind, die einer unverzüglichen Klärung bedürfen...“, heißt es in einem Brief vom 23. März 1973, dem ein Exposé als Anlage beigefügt wurde, in dem es nach etlichen Vorhaltungen abschließend heißt: „Der Vorstand (meint), den Vertrag mit Herrn Stach interpretieren und verdeutlichen zu sollen: Gemäß Ziffer 1, Absatz 1 obliegt die Verwaltung des Museumsdorfes der Gesellschaft „DE SPIEKER“, d.h. dem Vorstand als Organ des Vereins, wobei die jeweils Beauftragten für den Vorstand handeln.“ So hatte Stach z. B. ohne Rücksprache mit dem Vorstand Verbindung zu „außenstehenden Institutionen“ aufgenommen, ein modernes (!) Bücherbord in der Knechtkammer angebracht und die Fußböden in den Dönsen lackiert (!). Stach interpretierte seine Stellung offenbar als die eines (wenig sachkundigen) Museumsleiters. Trotz der betont diplomatischen Formulierungen führten die Vorhaltungen umgehend zu der eingangs zitierten Kündigung. Es folgten gegenseitige Vorwürfe und finanzielle Forderungen, die das Klima des Frühjahres 1973 im Vorstand gewiss stark belasteten und dazu führten, dass wiederum die Suche nach einem Museumswart aufgenommen werden musste. Obwohl der Ortsamtsleiter Otto Warnke, der damals noch satzungsgemäßes Mitglied im geschäftsführenden Vorstand war, sich mit einem Schreiben an das Feuerwehramt und etliche Bürgermeister der umliegenden Gemeinden wandte und auch ein Inserat im Bauernblatt erschien, stellte sich die Suche abermals als schwierig heraus. 3. Christoph Morgenstern

Christoph Morgenstern Foto: Spieker-Archiv

Immerhin konnte das Heimat-Echo im Oktober 1973 titeln: „Jetzt wieder Führungen im Museumsdorf“. Und darunter war zu lesen: „Ab 1. November hat das Volksdorfer Museumsdorf wieder einen Zerberus. Christoph Morgenstern zieht mit seiner Familie in die dafür vorgesehene Wohnung im Harderschen Hof ein. Der junge Fotograf übernimmt … damit eine Aufgabe, die sowohl praktische Fertigkeiten wie heimatkundliche und künstlerische Interessen voraussetzt und auf die er sich schon sehr freut.“ Um gleichzeitig die Neuerungen im alten Dorf bekannt zu machen, erfährt der Leser in diesem Artikel auch: „Die kurz vor ihrer Vollendung stehende Durchfahrtscheune soll dann am 9. Dezember offiziell eingeweiht werden. In einem Seitenraum wird in diesen Tagen das naturgetreue Modell der Kleinbahn aufgebaut (*/1), die früher zwischen Ohlstedt und Wohldorf verkehrte. Eine Stellmacherwerkstatt, eine alte Feuerspritze, zwei Kutschwagen und ein Jagdwagen gehören zu den Attraktionen, die dann zu betrachten sein werden.“ Der damals im Stüffelring wohnende Christoph Morgenstern (geb. 13. Mai 1945) war mit 28 Jahren der bislang jüngste Museumswart. Er zog mit seiner Frau und zwei Kindern in den Harderhof. Aus den Akten geht nicht hervor, wie sich die Zusammenarbeit in der unmittelbaren Folge anließ, wohl aber stellten sich nach etwa einem Jahr deutliche Verstimmungen ein, denn im September 1974 führten Fritz Beyle und Rudolf Beckmann ein „ernstes Gespräch“ mit dem

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. „Endlich Direktor! Unter der Leitung des ehemaligen Schuldirektors und Bauerngartengestalters – Herrn Holzgreen – jätete ich jeden Dienstag voller Leidenschaft „Wildkräuter“. Im Winter war der Komposthaufen dran. Seine imposante Größe – genährt durch alles Grüne unseres Museumsdorfes, das hier seine letzte Ruhestätte gefunden hatte – musste gewendet, gesiebt, also bewegt werden. Dazu war körperlicher Einsatz

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notwendig. Mir wurde richtig warm und das auch im Herzen, als eine Bewunderin meines Ehrgeizes mich zum „Direktor des Komposthaufens“ ernannte. Gern erinnere ich mich an diese ehrenamtliche Tätigkeit.“ Wolfgang Simon (Der Begründer des Frischemarktes Simon hat einige Jahre lang im „Harten Kern“ der ehrenamtlichen Kräfte mitgearbeitet.)

Ehepaar Morgenstern. Sie fertigten danach einen „Vermerk“ an, über den der geschäftsführende Vorstand auf seiner Sitzung am 17. Oktober beriet und ein „klärendes Gespräch“ mit den Vertragspartnern für den 4. November anberaumte. Der Vermerk, der diverse kritische Punkte enthielt, schließt aber mit den versöhnlich gehaltenen Worten: „Das Gespräch verlief in gutem Einvernehmen. Das Ehepaar Morgenstern gab die Zusicherung, sich um die Einhaltung des Vertrages nach besten Kräften zu bemühen.“ Nur kurze Zeit später wandte sich der Schwiegervater des Museumswarts, der selbst Spieker-Mitglied geworden war, ohne Wissen seiner Tochter und des Schwiegersohns in einem längeren Brief an Fritz Beyle, um Beschwerde zu führen. Er war der Meinung, dass seine beim Spieker angestellten Kinder total überfordert seien und der Vorstand für ihre Entlastung sorgen müsse. Ebenso fand er es kleinlich, zu monieren, dass seine Enkelkinder – die „es so romantisch fanden“ – einmal im Heu geschlafen hatten. Auch hier musste der Vorsitzende intervenieren: Er teilte dem empörten Schwiegervater mit, dass sein nach dem Besuch der Tochter aufgesetztes Schreiben „im wesentlichen bereits am nächsten Tag seine Erledigung gefunden“ habe, weil diese ihm gegenüber „nämlich erklärt (hatte), daß sie die Zusammenhänge“ (versicherungsrechtlicher und denkmalschützerischer Art) „so nicht gesehen habe und ihr unsere Haltung nun durchaus verständlich sei“. Gerhard Krieg, der Vorsitzende des SPIEKER, verfasste am 14. November 1975 in sehr strenger Form ein weiteres Schreiben an den Museumswart, in dem er auf Versäumnisse hinweist, die mehrfach angemahnt worden seien. Da im Januar 1976 bereits ein Nachfolger die Stelle antritt, darf angenommen werden, dass es zu einer Kündigung gekommen war – von welcher Seite auch immer; weitere Vorkommnisse sind nicht dokumentiert.

4. Wilhelm Grelk Wilhelm Grelk (geb. 8. 8. 1918 / gest. 16.11.1980) und seine Frau Johanna waren für den Verein erstmals ein Glückstreffer, wenn die Zeit des 62-jährigen im Jahre 1980 auch tragisch endete. Aufgrund einer Anzeige in der Hamburger Morgenpost waren (bei Fritz Hansen im Ortsamt Walddörfer) mehrere Bewerbungen eingegangen. Die Wahl fiel auf den gelernten Kfz-Mechaniker aus dem Krohnskamp in Hamburg, der nach dem Weltkrieg auch als Kraftfahrer, Betriebsschlosser, technischer Hausmeister und Service-Techniker gearbeitet hatte und nun mit seiner Frau und mit diesen Vorerfahrungen im Museumsdorf gewiss ein rundum geeignetes und für ihn reizvolles Betätigungsfeld gefunden hatte. Und – was aus allen Berichten hervorgeht – er füllte es mit Begeisterung aus. „Über Arbeitsmangel kann sich der Tischler, Schlosser, Gärtner, Schneefeger, Nachtwächter und Schmied nicht beklagen. ‚Meine Arbeitszeit ist sehr reichlich‘, eine Auskunft, die mit augenzwinkerndem Schmunzeln gegeben wird und dem Zusatz, ‚aber mir macht es Spaß, wenn alles hier in Ordnung ist‘“, heißt es in einem Porträt, das im Sommer 1980 im Heimat-Echo erschien. Da ist auch von seiner Liebe zum Räuchern im Harderhof die Rede und von dem Stolz, mit dem er auf die steigenden Besucherzahlen hinwies. Offenbar fand er bei und mit allen Besuchern des Museumsdorfes den „richtigen Ton“. Noch im Sommer 1980 zog er sich bei einem Arbeitsunfall im Museumdorf den Trümmerbruch eines Oberschenkels zu. Schon auf dem Wege der Genesung und voller

Wilhelm Grelk Foto: Spieker-Archiv

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Warum ist das Wohnen in Volksdorf so liebenswert? Natürlich – die Landschaft der Walddörfer und die gleichzeitige Nähe zu einer pulsierenden City sind schon etwas Besonderes. Aber es kommt noch etwas anderes hinzu. Die heimatgeschichtliche Arbeit des Vereins ‚“De Spieker“ und seine Traditionspflege schaffen eine innere Bindung der Volksdorfer zu ihrem Ort, die in dieser Form nicht überall in Hamburg anzutreffen

ist. Volksdorf ist eben nicht ein beliebig auswechselbarer Teil der Millionenstadt, sondern noch immer ein Dorf mit eigener Geschichte, Liebenswürdigkeiten, interessanten Persönlichkeiten, historischen Gebäuden. Und so soll es bleiben! Ein herzliches Dankeschön an alle Mitarbeiter des Spieker! Gunnar Uldall, Senator a.D.

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Pläne für die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt, führte eine Embolie am 16. November plötzlich zum Tod.

5. Gerhard Bergmann

Gerhard Bergmann Foto: Spieker-Archiv

Im Januar 1981 erschienen in mehreren Wochenblättern und in BILD Hamburg Anzeigen, um so einen neuen Museumswart zu finden. Anschließend galt es unter 25 Interessenten, aus denen nach Gesprächen mit Beyle und Beckmann etwa 10 Bewerber hervorgingen, einen geeigneten Kandidaten zu finden. Die Wahl fiel auf Gerhard Bergmann (geb. 3. Januar 1952) mit Frau Sabine und Tochter Anna-Lena, die zum 1. April 1981 in die Wohnung im Harderhof zogen. Gerhard Bergmann hatte eine Tischlerlehre aus gesundheitlichen Gründen nicht zu Ende führen können und war dann jahrelang im Baufachhandel als Einzelhandelskaufmann tätig gewesen. Er genoss es, in dieser Tätigkeit als Museumswart seine Tochter nicht nur unregelmäßig an Feierabenden zu sehen, hatte für seinen neuen Job ehrgeizige Pläne und ging die ihm unbekannten Arbeiten offenbar beherzt und zur Zufriedenheit des Vorstands an. Sein Interesse an der Gartenpflege hatte er bereits in seiner Bewerbung zum Ausdruck gebracht, und die Tierhaltung nahm einen erneuten Aufschwung. Denn die Bergmanns waren begierig, eigenes Geflügel und Schafe zu halten. Weil ihnen hierzu einschlägige Erfahrungen fehlten und durch den Beginn der Baumaßnahmen zur Errichtung des Durchfahrthauses die Weideflächen knapp wurden, ging nicht alles glatt: Die Schafe wurden 1985 wieder verkauft. Der Vorstand war im folgenden Jahr froh, dass besonders auf Betreiben des 2. Vorsitzenden Rudolf Beckmann und nach mehreren Gesprächen mit dem Museumswart die Schafhaltung wieder aufgenommen werden konnte. Mit Einverständnis Bergmanns wurde im Herbst 1986 einer Pferdehalterin gestattet, ihre Rapp-Stute Piroschka auf Dauer im Harderhof einzustellen. Sowohl Vorstand wie Museumswart war offenbar an einer „Verlebendigung des Museumsbetriebs“ gelegen. So kam es auch dazu, dass im Jahr 1987, dem sich nahenden 25-jährigen Vereinsjubiläum, der erste „Gewerketag“ im Museumsdorf stattfand. Aber in den folgenden Jahren blieb es nicht bei diesem erfreulichen Zustand; die Eheleute Bergmann ließen sich scheiden. Wenn auch der Vorstand am 30. Juni 1988 zu einem neuen Ehebund herzlich gratulieren konnte, so ließ sich in den Folgejahren nicht mehr darüber hinwegsehen, dass der Museumswart aus gesundheitlichen Gründen seine Aufgaben zunehmend zu vernachlässigen begann und man auf die pflichtgemäße Wahrnehmung seines Dienstes nicht mehr bauen konnte. Der Vorstand musste z. B. für die Führungen ehrenamtliche Kräfte anzuwerben versuchen, die Tierhaltung wiederum einschränken und schließlich auf eine Vertragsauflösung hinarbeiten. Erst 1993 war es so weit, dass die Suche nach einem Nachfolger – aber nun nach immerhin 12 Jahren – erneut beginnen konnte. Und damit kommen wir zu: 6. Egbert Läufer

Egbert Läufer Foto: Beuck

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Hier darf der Chronist aus ganz persönlicher Erfahrung mit Fug und Recht behaupten, dass das Museumsdorf seine heutige Prägung und Gestalt nicht erlangt hätte, wenn nicht vor nunmehr 20 Jahren (am 1. September 1993) Egbert Läufer mit gerade 30 Jahren (geb. 1963) als Museumswart nach Volksdorf gekommen wäre. Wieder hatte der Vorstand die Auswahl aus einer Reihe von Bewerbern (15) zu treffen, was in diesem Falle nicht übermäßig schwer war – so eindeutig überragte einer von ihnen alle übrigen: Als Bauernsohn von Mutters Seite in Klietz (*/ 2) zur Welt gekommen und quasi von Kindesbeinen an als LPG-Mitglied groß geworden, brachte er schon deshalb die besten Voraussetzungen für die angebotene Stelle mit. Man muss sich dazu die Arbeitsbedingungen in der DDR in den 70er und 80er Jahren vor Augen halten: Die Mangel- und Planwirtschaft im realen Sozialismus brachte es mit sich, dass zur Aufrechterhaltung passabler Arbeitsbedingungen auch auf dem Lande ständig improvisiert werden musste; die Materialbeschaffung für Haus und Hof stieß auf fast unüberbrückbare Schwierigkeiten; die vielfach veralteten landwirtschaftlichen Geräte und Maschinen wurden mit Fleiß und Erfindungsreichtum und unter Zuhilfenahme eines blühenden Tauschhandels betriebsbereit gehalten (*/3). Auf diese Weise hatten sich beim Zusammenbruch der DDR – der sogenannten „Wende“ – vergleichsweise museale Zustände erhalten, fast so, wie sie „künstlich“ und mit Mühe in den westdeutschen Freilichtmuseen am Leben erhalten wurden. Idealerweise kam hinzu, dass dieser kontaktfreudige Bewerber überall dort, wo er heimisch ist oder wird, zum allwissenden „Netzwerker“ mutiert, beziehungsreiche Verbindungen hat oder

aufbaut und auf diese Weise einen Wirkungskreis zu entwickeln vermag, der in diesem Falle weit über die 1 ½ ha Museumsgelände, die jetzt zu seinem Kernbereich wurden, hinausreichen (*/4). Das erlebte ich so, als ich Ende der 90er Jahre als Museumsführer und -pädagoge zum Kreis der Ehrenamtlichen stieß. Ich erinnere mich, dass ich bei solchen Gelegenheiten in der Schmiede von unserem Museumswart als jemandem sprechen konnte, der angeblich „das Gras wachsen hören“ könne, weil er gerade schon wieder erfahren hatte, wo in Schleswig-Holstein, Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt ein alter Amboss oder eine alte Landmaschine abzugeben oder zu erwerben war. Hinzu kommt (wir können jetzt beim Präsens bleiben!), dass der ebenso belesene wie bibliophile Egbert Läufer in der Historie der Landwirtschaft so gut Bescheid weiß wie in der Breite ihres gegenwärtigen Entwicklungsstandes, dass er theoretisch so beschlagen ist wie praktisch, dass sein „grüner Daumen“ (*/5) für Tiere und Pflanzen ebenso gut funktioniert wie für die technischen Ansprüche des Maschinenparks und des Inneren wie des Äußeren der landwirtschaftlichen

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Bürger trifft Bauer...? – Annäherungen an das Museumsdorf 1966 kamen wir von Wandsbek nach Volksdorf. Nicht wie unsere Vorfahren zur Sommerfrische, sondern als junge im Wachstum begriffene Familie auf der Suche nach einem kleinen Haus mit einem großen Garten. Wir fanden beides in der Nähe des heutigen Amalie-Sieveking-Krankenhauses. Damals war dort aber nur „grüne Wiese“, eine Koppel für Rinder und Pferde. Diese Tiere, die Schmiede im Dorfzentrum und der ehemalige Ferksche Hof gegenüber der Post waren die ersten Berührungen unserer Kinder mit einem Bauernleben. Das sich in den 60er Jahren in der Aufbauphase befindliche Museumsdorf weckte unser Interesse allenfalls mit so spektakulären Ereignissen wie dem Brand des Harderhofes 1967. Das änderte sich grundlegend rund 20 Jahre später, als Mitte der 80er Jahre meine Frau im Vorstand des Kulturkreises Walddörfer aktiv wurde, insbesondere als dessen Vorsitzende in den 90er Jahren: einerseits auf der Suche nach Veranstaltungsorten für den Kulturkreis z.B. im Spiekerhus, andererseits durch ihre Mitwirkung für den Kulturkreis im Organisationausschuß für die 700-JahrFeier in Volksdorf, in dem auch der SPIEKER vertreten war. Die Institution „Museumsdorf“ als Bestandteil des kulturellen Lebens in Volksdorf rückte zunehmend in unser Bewußtsein und bekam durch persönliche Bekanntschaft ein eigenes „Gesicht“. 1992 wurden wir Mitglied im SPIEKER. Nach fast 40 Jahren verkauften wir unser Haus im Haselkamp und zogen in eine Wohnung im Eulenkrugpfad und damit in die unmittelbare Nachbarschaft zum Muse-

umsdorf. Seitdem führt uns jeder Weg ins Dorf am Museumsdorf vorbei, das uns so zu einer Art zweiter Heimat wurde. Morgens werden wir durch den Hahn geweckt, gelegentlich „duftet“ der Misthaufen, die Gänse begleiteten laut schnatternd jeden Weg entlang des Zauns und wir beobachteten jeden Fortschritt bei den Bau- und Restaurierungsarbeiten auf dem Gelände. Die – fast – tägliche Begrüßung „moin, moin“ mit Hern Läufer und der regelmäßige Besuch von Veranstaltungen im Museumsdorf gehören zu dieser Nachbarschaft, ebenso wiem persönliche Vrbindungen zu Mitgliedern des Vorstands. 2006 hoben wir das erste Waldherrenmahl und 2007 die Stiftung mit aus der Taufe. Schöne und traurige Anlässe sind seitdem für uns/mich mit dem Museumsdorf verbunden. So feierten meine Frau und ich 2007 einen gemeinsamen „runden“ Geburtstag im Dorfkrug, trafen uns aber dort auch drei Jahre später nach dem Tod meiner Frau zur Trauerfeier. Die Stiftung ehrte sie posthum namentlich mit einem gebrannten Ziegelstein in der Fachwerkwand des Spiekerhus, und unsere Enkel entdeckten kürzlich bei einer Veranstaltung im Wagnerhof zwei Stühle mit dem Stifterschild ihrer Großeltern. Die Annäherungen an das Museumsdorf haben ihren Abschluß gefunden; wir sind angekommen. Richtige Bauern haben wir eigentlich nicht mehr getroffen, wohl aber viele Bürger, die sich mit Begeisterung bemühen, die bäuerliche Geschichte Volksdorfs nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

von oben: Egbert Läufer erklärt eine Maschine, ist der Scherenschleifer, zeigt sein Können auf dem Mähtag und führt das Pferd am restaurierten Göpel Fotos: Wulf Denecke (1, 2, 3 u. 4)

Carsten Puttfarcken

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von oben: Hofmuseum Läufer in Klietz VIPs in Klietz Egbert Läufers Mutter in Volksdorf Kindheit mit Kannen Fotos: Läufer/Klietz (1, 2 u. 4) Wulf Denecke (3)

Gebäude vom Karnickelstall oder „Herzhäuschen“ bis zum stattlichen Zweiständerhaus mit Reetdach. Damals (gegen Ende des alten Jahrhunderts) gewann ich den Eindruck, dass dem Vorstand des Vereins die Dynamik, die mit dem „Neuen“ in das Museumsdorf eingezogen war, fast unheimlich zu werden begann; das Tempo der Veränderungen, der Ideen und Vorschläge drohte den Rahmen der gewohnten Beschaulichkeit zu sprengen (*/6). Im Rückblick darf man sagen: Glücklicherweise war in den Folgejahren, als die Zukunft des Museumsdorfes mehrfach in Frage stand, das gesamte Spektrum dieser Fähigkeiten „überlebenswichtig“. Die (für die kleinen und großen Besucher attraktive) Tierhaltung wuchs – besonders durch den Erwerb der Kaltblutpferde und ihrem staunenswerten Einsatz in Feld und Wald – zu vorher nicht gekannter Blüte, die Vielfalt in der Thematik der Gewerketage nahm in ungeahntem Ausmaß zu, das Knowhow der Mitarbeiter erlebte (zumindest potenziell) eine Renaissance, die Walddörferregion genau so wie der Kreis Stendal in Sachsen-Anhalt erfuhr eine spürbare und anerkannte Aufwertung (*/7). Zusätzlich müssen im Interesse daran, dass es im „Dorfgedächtnis“ nicht in Vergessenheit gerät, zwei weitere Tatsachen erwähnt werden: Nie werde ich die Sitzung des Bauausschusses vergessen, in der Egbert Läufer anfangs kaum wagte, seine Anregung vorzubringen, derzufolge der Wagnerhof zum Veranstaltungsgebäude umzubauen und das Spiekerhus „rückzubauen“ sei. In der Diskussion zeigte sich schnell, dass dieser Vorschlag in der Tat an eherne Grundfesten des Dorfes rührte, man sich ihm seiner Vorzüge wegen aber auf die Dauer nicht verschließen konnte. Das ist nur ein Beispiel dafür, dass der Museumswart bei fast allen auftretenden Problemen die weitsichtigsten und patentesten Lösungen anzubieten hatte. Die zweite Tatsache, die wenigstens in diesem Rahmen dokumentiert sein soll: Beim Rückbau des Spiekerhus war Egbert Läufer fähig und unter Aufbietung ungezählter Überstunden bei Tag und Nacht in der Lage, nicht nur viele Mängel zu entdecken und (offiziell, aber ohne zusätzliche Bezahlung!) die Bauleitung zu übernehmen, sondern auch – zusammen mit Dr. Nils Kagel und Karina Beuck – mit Sorgfalt, dem nötigen Augenmaß und dem Glück, das bekanntlich nur dem Tüchtigen hold ist, bei den archäologischen Untersuchungen wichtige Entdeckungen zur Vergangenheit dieses Bau- (und jetzt auch Boden-)denkmals zu machen! Ganz abgesehen davon, dass die Gründung der Stiftung für die Absicherung der Baumaßnahmen unabdingbar war, muss ihrer in diesem Zusammenhang noch aus einem anderen Grunde gedacht werden: So ergab sich die Gelegenheit, die Stelle des Museumswarts bei ihr anzusiedeln; Egbert Läufer konnte nun Mitglied im Vorstand des Vereins werden und sein Knowhow noch wirksamer zur Geltung bringen. Aber noch einmal „back to the roots“: Egbert Läufer stammt aus einer alteingesessenen Familie des Dorfes Klietz; der Name Strackhaar (Geburtsname der Mutter) taucht schon im „Catastrum“ (= Kataster) des Dorfes von 1731 auf. Die LPG in Klietz wurde 1952 gegründet; seit 1959 gehörte auch der Läufersche Hof dazu. Der Sohn Egbert allerdings verbrachte den größten Teil seiner Kinderzeit auf dem Hof seines Großvaters Strackhaar und lernte dort die Landwirtschaft „von der Pike auf“. Eine wichtige Bezugsperson wurde für ihn Tante Els, die Schwester seines Großvaters, aus deren unerschöpflichen Schatz aus Bauernregeln und Sprüchen der Großneffe noch heute gern zitiert. In der BRD verdiente er seinen Lebensunterhalt u. a. als Gerüstbauer, beim Messebau und in anderen Sparten, ehe er dann mit Ehefrau Renate und Tochter Jessica in den Harderhof ziehen konnte. Hier im Museumsdorf hat er schnell begriffen, dass das, was aus einer Bürgerinitiative entstanden war, auch für seinen Heimatort hilfreiche Perspektiven bot: 1998 entstand auf seinem elterlichen Hof das Hofmuseum Läufer – unser Partnermuseum in Sachsen-Anhalt! Denn so wie auf Thementagen in Volksdorf zuweilen außer Egberts Eltern auch andere Klietzer Kollegen auftauchen und unsere Ehrenamtlichen aktiv unterstützen, so hat auch das Klietzer Hofmuseum schon zuweilen Unterstützung aus Volksdorf erfahren... Und Egbert Läufer hat es inzwischen nicht nur zum Zweiten Vorsitzenden des SPIEKER gebracht, sondern ist längst auch Erster Vorsitzender des Heimatvereins in Klietz, der der Träger des dortigen Hofmuseums Läufer ist. Durch ihn werden die Win-win-Situationen zwischen Volksdorf und Klietz zu Alltäglichkeiten: Manchmal werden Märchen wahr!

Pferdewarte Durch die Anschaffung der Kaltblutpferde im Museumsdorf war es zwingend notwendig geworden, für deren Betreuung neben dem Museumswart eine weitere Stelle einzurichten. In den 36

Jahrbüchern 2010 und 2011 hat Karina Beuck ausführlich beschrieben, welch langer und steiniger Weg dahin führte und in diesem Rahmen auch die Namen Maik Sonnenberg, Rainer Fuchs und Daniela Rothe erwähnt. Der Reihe nach haben sie diese Stelle ausgefüllt, am längsten Daniela Rothe: bis zum Herbst 2012 hatte sie mit ganzer Kraft und vielen Ideen das Leben im Dorf geprägt. Ihr folgte nur für wenige Monate Martin Harder, der sich beruflich dann neu orientierte. Für ihn ist nun Maik Sonnenberg an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Er ist mit der Umgebung vertraut, hat nach Abschluss seiner Landwirtschaftslehre in Wulfsdorf auch den Kutschen-Fahrschein gemacht und wusste aus der Zeit vor sechs Jahren ziemlich genau, was auf ihn zukommt. Den Veranstaltungen und der Gründung der Stiftung werden die letzten Kapitel der „Beiträge zu einer Vereinschronik“ voraussichtlich im nächsten Jahrbuch gewidmet sein, außerdem der Sorge um Archiv und Bücherei, der Museumspädagogik im weiteren Sinne und der Pflege des Plattdeutschen.

Maik Sonnenberg Foto: Lamp

Grußadresse zum 50-jährigen Bestehen des Spieker e.V. Über 700 Jahre Volksdorfer Geschichte – 50 Jahre DE SPIEKER machte sie lebendig und bewahrt sie. Insbesondere für die „Zugezogenen“. Weiter so! Nicht mit dem Zuzug

sondern mit der historischen Vermittlung unserer Heimat. Freundliche Grüße Klaus Hildebrandt

Anmerkungen (*/1)

Das privat erstellte Modell der Kleinbahn von Ohlstedt bis Wohldorf (durch den Wohldorfer Wald) fand anfangs in der Durchfahrtscheune seine Aufstellung, wurde aber zu einem späteren Zeitpunkt eingelagert, weil der Platz für andere Exponate (Stellmacherei aus Bergstedt) gebraucht wurde. Das führte zu einer länger andauernden „Korrespondenz-Fehde“ zwischen dem SPIEKER-Vostand und den enttäuschten Eigentümern, bis sich durch die Umwandlung der Endstation der Kleinbahn zum Kleinbahnmuseum in Wohldorf (am Schleusenredder) eine besser geeignete Unterkunft ergab.

(*/2)

Klietz liegt im Elbe-Havel-Winkel an der Elbe, gegenüber Arneburg auf halber Strecke zwischen Tangermünde und Havelberg. Dieser rechtselbische Landstrich gehört heute zum sachsen-anhaltischen Kreis Stendal. In diesem Frühjahr erlangte die Region zweifelhafte Berühmtheit durch das zweite „Jahrhunderthochwasser“ dieses Jahrhunderts innerhalb von elf Jahren, als nach dem Deichbruch bei Fischbeck die Wassermassen aus der Elbe sich bis Klietz hin ausbreiteten.

(*/3)

Egbert Läufer kann noch ein Lied davon singen, wie er in der „Hochsaison“ tagelang in der Schmiede nicht Schwerter, sondern beschädigte und stumpf gewordene Pflugscharen zu brauchbaren Pflugscharen „umschmieden“ musste, damit sie wieder einsatzbereit waren.

(*/4)

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass Egbert Läufer sich in den Nachbardörfern bald besser auskannte als die meisten langjährig Einheimischen, dass er bald gut mit der Freiwilligen Feuerwehr vernetzt war, alle Kaltblutzüchter kontaktiert und zu Freunden des Museumsdorfes gemacht hatte und heute im gesamten Norden wahrscheinlich besser bekannt ist als das Museumsdorf.

(*/5)

Ich erweitere den Anwendungsbereich des „grünen Daumens“ hier einfach einmal über den gärtnerischen Bereich hinaus auf das gesamte Inventar des Museumsdorfes.

(*/6)

Diesem Umstand trug ich Rechnung, indem ich schon in meiner Ansprache zum Antritt des Amtes als Vorsitzender (2003) sagte: „Der Vorstand steht gewissermaßen in der Pflicht, einen Museumswart wie Egbert Läufer – seinen Fähigkeiten entsprechend – mit anspruchsvollen Aufgaben zu betrauen. Wir haben hier einen Menschen angestellt, dessen umfassende Kompetenzen im weiten Umkreis als einzigartig bekannt und gefragt sind; er ist wie kaum ein anderer in Norddeutschland in der Lage, Arbeitsweisen und Tätigkeiten darzustellen, die überwiegend schon vergangen und vergessen sind. Er beherrscht sie und – kann sie anderen vermitteln und damit „retten“.

(*/7)

Der letzte Punkt bedarf vielleicht einer Begründung: Das Museumsdorf ist erst nach der Einstellung Egbert Läufers zu einer der anerkanntermaßen größten Attraktionen des gesamten Bezirks Wandsbek geworden, und Gleiches gilt für Klietz mit dem Hofmuseum Läufer als Zielort im Elbe-Havel-Winkel und dem modernsten Schullandheim des Kreises Stendal, alljährlich dem Standquartier vieler Schulklassen.

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Christoph Semisch

Der Verein „Konzerte junger Künstler im Spiekerhus“ (Zu dem folgenden Aufsatz bemerkt der Verfasser, dass er den Text in Abstimmung mit den Kolleginnen des Vorstands erarbeitet hat, die im dritten Absatz genannt sind. Die Fotografien stellte freundlicherweise Frau Ursula Durry zur Verfügung.)

Einladung zum ersten Sonderkonzert zur Einweihung eines neuen Konzertflügels

Hochkarätige und bisweilen auch unterhaltsame Musik im Ambiente des Museumsdorfs – sozusagen vor der Haustür – zu erleben, ist schon lange ein Anziehungspunkt. Dass es ein eigener Verein ist, der pro Saison sechs Konzerte im Wagnerhof veranstaltet, ist vielen Besuchern gar nicht gleich deutlich. Zu gut passt (meist) klassische Musik, dargeboten von jungen Künstlern, in diesen Rahmen – und es ist eine wunderschöne Einheit, hier am Freitagabend in gelockerter Atmosphäre Konzerte zu erleben. Seit nunmehr 38 Jahren belebt der Verein „Konzerte junger Künstler im Spiekerhus e.V.“ das Museumsdorf durch Kulturelles, und es ist immer wieder eine besondere Freude, die Karriere vieler junger Musiker noch weiter zu verfolgen – doch davon später mehr. Organisiert wird dies alles auf rein ehrenamtlicher Basis, und noch dazu ohne öffentliche Förderung auch dank der Spendenbereitschaft unserer Mitglieder, ohne die sich so eine Konzertreihe nicht realisieren ließe. Derzeit wird der Verein von einem Vorstand geleitet, der aus Dr. Christoph Semisch (1. Vorsitzender), Elke Reinhardt (2. Vorsitzende), Ursula Durry (Kassenwartin) und Heidi Lohalm (Beisitzerin) besteht. Wir machen alles selbst: Flyer, Plakate, Verträge mit den Künstlern, Programme bis hin zur Organisation vor Ort, wenn die Musiker am Konzerttag zur Probe in den Saal kommen. Ach ja, und beherbergt werden sie auch (natürlich privat), wenn sie von außerhalb kommen. Jungen Künstlern ein Podium zu bieten, so sagt es die Satzung, ist Ziel des Vereins. Aus dieser Aufgabe ergibt sich ganz logisch beispielsweise die Zusammenarbeit mit Hochschulen, die uns schon sehr viele schöne Konzerte beschert hat. Natürlich erfahren Musiker auch auf anderen Wegen wie dem Internet von uns und bewerben sich um einen Auftritt. Viele kommen mehrmals, auch wenn sie bereits etabliert sind, und dabei legen wir den Begriff der „jungen“ Künstler auch gern etwas weiter aus. Wie es dem Verein in den Jahren des Bestehens denn so ging? Konzepte änderten sich, Vorstände wechselten, bisweilen musste in andere Spielstätten ausgewichen werden, und – nicht zu vergessen – mehrere Musikergenerationen gaben sich die Klinke in die Hand. Aber alles nacheinander: Alles begann mit der „Gruppe Junge Kunst“, dem Vorläufer unseres Vereins. In ihr sorgten die Söhne Otto Warnkes, dem damaligen Ortsamtsleiter und Mitbegründer des SPIEKER, für die Ausrichtung von Ausstellungen (Wolfgang Warnke) und Konzerten (Dr. Rüdiger Warnke und seine Frau Dr. Christa Warnke). Im März 1970 fand in diesem Rahmen schon das vierte Konzert statt. Am 17. April 1975 wurde der Verein „Konzerte junger Künstler im Spiekerhus e.V.“ gegründet. Den Vorsitz übernahm damals Detlef Schult, und von den Gründungsmitgliedern sind heute noch er selbst, John Pape und Peter Pape (nicht verwandt) als Mitglieder dabei. Erwähnenswert ist eine besondere Veranstaltung am 26. Mai 1983: Sonja Prunnbauer (ehemalige Walddörfer-Schülerin), spielt Gitarre und Prof. Dr. Hermann Rauhe, Präsident der Hochschule für Musik und Theater, spricht über die Situation der Ausbildung und Förderung junger Musiker. Prof. Rauhe war auch mehrere Jahre Mitglied unseres Vereins. Die finanzielle Situation des Vereins ist in den 70er Jahren schwierig, man ist angewiesen auf

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kulturelle Förderung durch Bezirksamt bzw. Kulturbehörde. Konzept des Konzertangebots ist Vielfältigkeit, also Abwechslung von Gesang- und Instrumentalmusik, Solisten und Ensembles, älterer und neuerer Musik. Unter den acht Konzerten in der Saison soll eines sein, in dem schon renommierte Künstler auftreten, die aber noch am Beginn ihrer künstlerischen Entwicklung stehen. So hat es die Mitgliederversammlung vom April 1977 gesehen. Der Verein leistet sich teure U-Bahn-Werbung, Anzeigen in der Zeitschrift „Hamburger Musikleben“, Flügelmiete bei Steinway sowie Plakatdruck. Die Vorstandswahlen 1979 ergeben: Detlef Schult 1. Vorsitzender, Peter Pape 2.Vorsitzender, Frau Brahde Kassenwartin. Detlef Schult übergab dann 1986 den Vorsitz an Ingo Müller, der in Volksdorf noch weitere Funktionen in Kirchen- und Chormusik innehatte. Konzerte mit Klavier finden in Ermangelung eines Flügels gezwungenermaßen in der Aula des Walddörfer-Gymnasiums statt, die sich aber für den Rahmen als zu groß erweist, so dass sich eine Atmosphäre, wie wir sie heute kennen, nicht einstellen kann. Seit 1988 treten zwei Mitglieder in den Vorstand ein, die heute noch dabei sind: Frau Elke Reinhardt als 2.Vorsitzende sowie Frau Ursula Durry als Kassenwartin – wenn das keine Kontinuität ist. Nach 15 Jahren des Bestehens gab es etwas Besonderes: Der Verein beauftragte Manfred Stahnke, ein Klavierquintett zu komponieren, das am 15. Februar 1990 in einem Sonderkonzert als Auftragswerk aufgeführt wurde. Das verstärkte Grüneburg Trio spielte in der Aula des Walddörfer–Gymnasiums vor leider nur 65 Besuchern – es fehlte also ganz deutlich an einem geeigneten Ambiente für Kammerkonzerte mit Klavier. Daraus erwuchs die Idee, gemeinsam mit dem Verein „De Spieker“ die Anschaffung eines Flügels anzustreben, was etwas später dann auch gelang (1995). Seitdem erfreute uns (und die Pianisten) das Instrument zunächst im Spiekerhus und seit 2009 im Wagnerhof. Das Spektrum der Programme ist damit viel größer geworden und – vielleicht noch wichtiger – die Atmosphäre hat entscheidend an Attraktivität gewonnen. Auch das Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen wurde am 19. Mai 1995 gebührend gefeiert, und zwar mit einem Konzert, bei dem gegenwärtige und ehemalige Vorstandsmitglieder selbst die Rollen der konzertierenden Musiker übernahmen. Etwa zu der Zeit entwickelte sich die Idee, die bis heute einer der Erfolgsfaktoren geblieben ist: der Getränkeausschank in der Pause. Nicht nur, dass hier mitten in Volksdorf, also praktisch vor der Haustür, am Freitagabend attraktive Musik zu ebenso attraktiven Preisen geboten wird, auch die Kommunikation soll nicht zu kurz kommen. So wird die Pause immer zu einem Drink und zu Gesprächen genutzt und ist ein wesentlicher „Wohlfühlteil“ des Konzertangebotes. Hinzu kommt die Nähe zu den Musikern, die bisweilen mit ungewöhnlichen Instrumenten kommen und gern Fragen der Zuhörer beantworten. Besonderen Wert legt der Verein nach wie vor auf vielseitige Programme. Neben den klassischen Besetzungen wie Streichquartett, Klaviertrio oder Kammermusikduos traten auch beispielsweise Blech- und Holzbläser, Pianisten, Klavierduos und Schlagzeuger auf. Mehrfach übrigens „Elbtonal Percussion“ aus Hamburg, u.a. mit einem sprichwörtlichen Paukenschlag am 16. Oktober 2009 zur Eröffnung des neuen Veranstaltungsraumes im Wagnerhof. Seitdem: begeisterte Zustimmung zum neuen Raum, die bis heute anhält. Und auch mal etwas ganz anderes: Im Januar 2002 in Zusammenarbeit mit der „Koralle“ die Vorführung des chinesischen Films „In the mood of love“ mit chinesischen Leckereien und dem Konzert der Pipa-Virtuosin Liu Fang. Entsprechend dem Vereinszweck, jungen Künstlern ein Podium zu bieten, arbeiten wir eng mit der Hamburger Hochschule für Musik und Theater zusammen, sodass besonders Hamburger Musiker als Studierende immer wieder im Wagnerhof zu hören sind – und oft nach Jahren wieder aus alter Freundschaft nochmals zurückkehren. In der Vereinsführung ergaben sich im Lauf der Zeit immer wieder Veränderungen. So wechselte der Vorsitz von Detlef Schult über Ingo Müller, Ute Zielke und Harald Schilling zu Dr. Christoph Semisch, der den Verein nunmehr seit 2004 führt. Auch so ein kleiner, aber feiner Verein ähnelt einem Unternehmen, mit verschiedenen Kostenblöcken, Gremien und einer Planung. „Konzerte junger Künstler im Spiekerhus e.V.“ wird rein ehrenamtlich geführt und erhält seit 13 Jahren keine Zuschüsse, da die Mitgliedsbeiträge, Eintrittsgelder und vor allem die Spendenbereitschaft unserer Mitglieder das Vorhaben bisher tragen. Hinzu kommt, dass die externen Kosten so weit wie möglich gering gehalten werden. So werden für Werbung und Programme PC und Copyshop genutzt. Die Kosten für den Internetauftritt – seit 2002 – sind gut angelegtes Geld, denn ohne eigene Homepage geht es heute nirgendwo mehr. Der Publikumszuspruch zeigt uns, dass es den Zuhörern hier nicht auf Hochglanzpräsentation ankommt. Die Zahl von 100 Mitgliedern haben wir als Ziel schon lange

Impressionen von den „Konzerten junger Künstler“

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Man war bemüht, den bürokratischen Aufwand in Grenzen zu halten

Begeistertes Publikum

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im Auge, allerdings noch immer nicht erreicht. Das Publikum aber – welches sich durch Treue und Sachkenntnis auszeichnet – honoriert das Konzertangebot durch hohe Akzeptanz, die sich durch unerwartet hohen Zuspruch auszeichnet: Seit 1999 haben wir durchschnittlich fast 100 Zuhörer pro Konzert. Da die Arbeit mit den jungen Musikern viel Freude bereitet, manchmal aber auch Skurriles hervorbringt, möchten wir den Lesern einige „Stories“ nicht vorenthalten. Konzert am 16. Juni 1995: Ladies Swing-Quartet, 4 Streicherdamen. Nachdem alle Vorbereitungen gelaufen sind (Vorankündigung, Presse, Plakate usw.), bekommen wir nur ganz wenige Tage vor dem Konzert die Nachricht, dass die Cellistin das Bein eines Flügels auf den Fuß bekommen hat und dieser nun leider frisch gebrochen ist und hochgelagert werden muss. Das macht das Cellospielen ziemlich unmöglich, das Konzert muss also leider ausfallen. Innerhalb von höchstens zwei Tagen schafft Herr Gerhardt Ersatz herbei: String-Thing tritt auf, auch ein Streichquartett, das moderne, etwas in Richtung Jazz gehende Musik spielt. Konzert am 6. Oktober 1995: Andreas von Wangenheim, Gitarre und Liu Fang, Pipa. Die 21jährige Liu Fang ist in China bereits sehr erfolgreich. Dieses Konzert soll ihr erstes in Europa werden. Wir sind alle sehr gespannt. 14 Tage vor dem Konzert ist klar: Die Chinesen lassen sie nicht ausreisen, nachdem sie vorher immer hingehalten wurde. Was nun ? Der Zufall will, dass gerade die „Chinesische Woche“ auf dem Rathausmarkt stattfindet und jemand dort eine Pipa-Spielerin gehört hat. Wir machen sie tatsächlich ausfindig, sie ist bereit, das Konzert zu spielen. Das Konzert findet statt und ist wunderbar. Konzert Februar 1999: Musik aus Österreich. Am Anfang unserer Organisation gingen wir von 5 Musikern aus. Es kamen 11 Musiker und ein Busfahrer aus Salzburg in einem großen Reisebus, der zur Hälfte vollgepackt war mit Musikinstrumenten der verschiedensten Art. Alle wurden privat untergebracht. Damit sich die Reise auch lohnte, wurde gleich ein anschließendes Wochenendprogramm mit Sightseeing eingeplant. Das Konzert war unglaublich vielseitig, und zum Schluss wurde getanzt. Das war in seinem Charakter einmalig und ist es bis heute geblieben. Konzert 6. Dezember 2005: BRASSerie – Blechbläserquintett. Vier junge Männer sind inzwischen nach und nach eingetrudelt. Wir sitzen am Küchentisch, trinken Tee und bemühen uns, nicht nervös zu werden. Dann die Nachricht: der Fünfte steckt im Stau zwischen Bremen und Hamburg, noch ziemlich weit weg, Freitag zwischen 17 und 18 Uhr. Nichts bewegt sich. Regelmäßige Nachfragen ergeben, dass das eigentlich kaum zu schaffen ist. Wir überlegen einen Konzertanfang zu viert. Würden sie machen, haben aber keinerlei entsprechende Noten dabei. Wir versuchen, Leiter der ortsansässigen Posaunenchöre zu erreichen, was uns aber auch nicht gelingt. Immerhin begeben wir uns schon mal in den Konzertsaal, und dann passiert das Wunder: Der fünfte Mann kommt um 10 Minuten vor 8 in den Saal gelaufen, zieht sich blitzschnell um und steht um kurz nach 20 Uhr auf der Bühne. Keiner aus dem Publikum merkt etwas, und der gute Mann bestreitet auch noch locker die gesamte Moderation des Abends inklusive Ansage der Stücke. Das war nämlich auch noch sein Part. Die Nerven müsste man haben.

Sie möchten wissen, welche Künstler bei den „Konzerten junger Künstler im Spiekerhus e.V.“ zu Gast waren? Die folgende Tabelle zeigt eine kleine Auswahl dazu, wobei wir uns auf diejenigen beschränkt haben, die sich auf dem Weg zu einer vielversprechenden Karriere befinden oder diese schon gemacht haben. Darunter ist eine Reihe bekannter Namen:

Martin Nitz, Blockflöte

1980, 1981

Hilliard Ensemble

1981, 1983, 1986

Trio Fontenay

1982, 1985, 2000

Sonja Prunnbauer, Gitarre

1983, 1985

Konstanze Eickhorst, Klavier

1984

Gaede Trio

1986

Auryn Quartett

1988

Matthias Höfs, Trompete

1989

Verdi Quartett

1989

Grüneburg Trio

1990

Les Adieux

1990

Mandelring Quartett

1991

Babette Haag, Schlagzeug

1993

Artemis Quartett

1993

Jens Peter Maintz, Violoncello

1994

The Contemporary Mallet Duo

1995, 1996

G-String Quartett

1997

Classic 4 Sax

1999

Gustav Frielinghaus, Violine

1999

Fauré – Klavierquartett

2001

Elbtonal – Schlagwerk

2001, 2006, 2009

Amaryllis – Streichquartett

2001, 2004, 2006, 2009

Blockflöten QNG

2003, 2007

Michael Hsu, Klavier

2004, 2012

Eben – Klaviertrio

2011

Boulanger Trio

2008

V INU M Weinhandel Wolfgang Zemke Wiesenhöfen 2 Tel.: 040 - 603 09 39

22359 Hamburg Fax: 040 - 72 91 08 41

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Propst em. Helmer-Christof Lehmann

Die eigenwillige Entstehung der Kirchengemeinde Volksdorf und ihrer Kirche Eine kirchengeschichtliche Erinnerung mit Ausblick (*/1)

Karte 1: Der Gau Stormarn um 1200 Karte 2: Das Kirchspiel im Bereich des heutigen Kirchenkreises von 1200 bis 1250

Die Ev.- Luth. Kirchengemeinde gibt es erst offiziell seit dem 1. Oktober 1948. Mein Vortrag gliedert sich deshalb in zwei Teile und endet mit einem Ausblick über den heutigen Tag hinaus. Im ersten Teil will ich auf die Zeit vor dem 1. Oktober 1948 eingehen und im zweiten Teil auf die Zeit nach dem 1. Oktober 1948 bis heute anlässlich des 60. Geburtstag dieser Kirche.

I.

Politisch gehört Volksdorf als selbständige Landgemeinde seit 1437 zu den sogenannten hamburgischen Walddörfern. Kirchlich aber war Volksdorf ein kleines Bauerndorf im Kirchspiel Bergstedt; dessen Geschichte reicht zurück bis in die zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ein Blick auf das Kartenmaterial zeigt die bewegte Geschichte dieses Kirchspiels bis in unsere Tage: Schauen Sie sich die Entwicklung der Ortschaft Bergstedt (in Karte 1 (*/2), siehe folgende Seite) an: Um 1200 umfasst der Gau Stormarn ein Gebiet, das links und rechts der Alster von West nach Ost von Rellingen bis nach Trittau reicht und das sich zwischen Trave und Elbe von Nord nach Süd von Sülfeld bis Hamburg erstreckt mit den 4 Kirchspielen Nienstedten, Eppendorf, Steinbek und Bergedorf und dem Kirchspiel Bergstedt, rein optisch gesehen, in der Mitte. Um 1050 herum schrieb der Bischof Adam von Bremen: „Es gibt drei nordelbische Sachsenstämme: Erstens die Dithmarscher, sie wohnen am Meere und ihre Mutterkirche steht in Meldorf. Zweitens die Holsten, sie heißen nach den Holzungen, in deren Nähe sie sitzen … ihre Kirche ist Schenefeld.“ (*/3) Und jetzt kommt´s: „Der dritte und edelste Stamm heißt Stormarn, weil dieser Stamm häufig von Stürmen der Unruhe ergriffen wird. In seiner Mitte erhebt die Mutterkirche Hamburg ihr Haupt.“ (*/4) Wenig später (in Karte 2) sieht die Situation für Bergstedt etwas klarer aus: die Kirchspiele bekommen ihre Grenzen. Das Kirchspiel Bergstedt reicht von Poppenbüttel bis Lütjensee und von Tangstedt bis Ahrensfelde. Ende des 19. Jahrhunderts (in Karte 3) ist das Kirchspiel Bergstedt auf den heutigen Kirchenkreisbezirk Bramfeld-Volksdorf geschrumpft. 1945 (vgl. Karte 4) umfasst das Kirchspiel Bergstedt die Ortschaften Wohldorf-Ohlstedt, Lemsahl-Mellingstedt, Hoisbüttel, Poppenbüttel, Sasel, Volksdorf und Bergstedt, das Kirchdorf mit zwei Pfarrstellen, und zwei Seelsorgebezirke entstehen. 1948 hat das Kirchspiel bzw. die Kirchengemeinde Bergstedt die zwei Seelsorgebezirke: 1. Bergstedt-Poppenbüttel, Lemsahl/Mellingstedt-Wohldorf/Ohlstedt ohne Duvenstedt, aber mit Hoisbüttel, und 2. Sasel und Volksdorf. Dahinter steht eine rasante Entwicklung der Bevölkerungszahl. Im Blick auf Volksdorf sieht sie so aus: um 1820 soll Volksdorf 200 Einwohner gehabt haben. Am 8. Dezember 1978 wird Adolf Wagner, Zimmermannmeister, 86 Jahre alt, von mir zu Grabe geleitet; er war seinerzeit der 500. Einwohner von Volksdorf. Beim Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 hatte Volksdorf 5.000 Einwohner, nach dem

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2. Weltkrieg war die Einwohnerzahl auf mehr als 15.000 gestiegen; inzwischen leben in Volksdorf mehr als 20.000 Hamburger Bürger und Bürgerinnen. In nicht einmal 200 Jahren hat sich die Einwohnerzahl verhundertfacht. Und das war eine Entwicklung im gesamten Hamburger Raum. Ursache dafür waren u.a. der Ausbau der beiden U-Bahnlinien nach Großhansdorf und Ohlstedt in den 20er Jahren und die Folgen des 2. Weltkrieges: Die Ausbombung Hamburgs und der Flüchtlingsstrom aus dem Osten. Derjenige, der schon sehr früh erkannte, dass der Anziehungsort in der Region – insbesondere verstärkt durch das Großhamburggesetz von 1937 – nicht Bergstedt sein werde sondern Volksdorf, war Peter Hansen Petersen, sehr bald kurz „PHP“ genannt, seit Anfang 1934 Pastor in Bergstedt. Ich brauche hier nicht ausführlicher zu werden: Alles Wissenswerte kann nachgelesen werden in dem Auszug aus der Gemeindechronik „Ihr seid das Licht der Welt“ von Frank Kürschner-Pelkmann. (*/5) Nur so viel: PHP, berufen auf die eine Pfarrstelle der Kirchengemeinde Bergstedt, wählte als ersten Wohnsitz nicht das Pastorat in Bergstedt – dort wohne bis 1937 der pensionierte Pastor Christian Bachmann –, sondern er bezog eine alte Villa am Ende des Waldredders mit Blick auf die Horst und machte so Druck, eine zweite Pfarrstelle zu errichten. Sie wurde ihm übertragen zur Seelsorge in Sasel und Volksdorf; diese Pfarrstelle wird dann 1948 zur ersten Pfarrstelle von Volksdorf. PHP gelang es, ein Gemeindeleben zu wecken, das sehr schnell dazu führte, Ausschau zu halten nach einer eigenen Gottesdienststätte neben der Bergstedter Kirche. Wir können uns das kaum vorstellen, aber zu der Zeit gab es im Umkreis von 10 Kilometern keine andere Kirche; die nächste war in Tangstedt (eine eigene Kirchengemeinde seit 1907), eher eine Kapelle „Zum guten Hirten“, 1896 eingeweiht, die andere in Bramfeld (eigene Kirchengemeinde ebenfalls seit 1907), die Osterkirche, im Frühjahr 1914 eingeweiht, und die dritte in der Kirchengemeinde Wellingsbüttel (seit 1938 eigene Kirchengemeinde), die Lutherkirche, die 1937 eingeweiht wurde. Doch wie bekannt: zum Bau einer Kirche in Volksdorf kam es vor dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Es war schon ein überraschender Erfolg, dass am Rockenhof ein Pastoratsgebäude mit Gemeinderäumen und einer Hauskapelle gebaut werden konnte, der Rockenhof 5. Die Situation in der Kirchengemeinde Volksdorf änderte sich nach Kriegsende einschneidend. PHP wurde ab Oktober 1945 Propst der Propstei Stormarn, wechselte bewusst nicht nach Wandsbek, sondern blieb in Volksdorf; Volksdorf wurde unter ihm zum Zentrum der bald größten Propstei bzw. des bald innovativsten Kirchenkreises nicht nur der Landeskirche, sondern der EKD und das schließlich mehr als sechs Jahrzehnte hindurch. Als PHP die Leitung der Propstei übernahm, bestand die Propstei aus 15 Gemeinden mit 25 Pfarrstellen. Die rasante Entwicklung betraf seinerzeit nicht nur Volksdorf, sondern die gesamte Propstei deckungsgleich mit den Hamburger Bezirken im Osten und teilweise mit Gebieten des Landkreises Stormarn und Städten wie Ahrensburg und Reinbek. Als PHP 1962 als Propst ausschied, hatte die Propstei mit ca. 350.000 bis 400.000 Gemeindegliedern 37 Gemeinden und 85 Gemeindepfarrstellen. Aus dem Kirchspiel war inzwischen die Kirchengemeinde Bergstedt hervorgegangen. Unter PHP entstanden aus der Kirchengemeinde Bergstedt am 1. Oktober 1948 die Kirchengemeinden Wohldorf-Ohlstedt, Lemsahl-Mellingstedt, Poppenbüttel, Sasel und Volksdorf; sie schlossen sich mit der übriggebliebenen Kirchengemeinde Bergstedt zu einem Kirchengemeindeverband zusammen, der heute nur noch den Bergstedter Friedhof verwaltet. In dieser Phase von 1946 bis 1962 wurden 19 Kirchen und zwei Kapellen fertiggestellt und waren 10 weitere Kirchenbauten in Vorplanung; darunter die Kirche am Rockenhof an erster Stelle, eingeweiht am Erntedankfest 1952, am Sonntag, dem 5. Oktober 1952.

Karte 3: Das Kirchspiel Bergstedt im Jahre 1894 Karte 4: Das Kirchspiel Bergstedt im Jahre 1945

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Bevor ich darauf näher eingehe, noch einige Hinweise auf die große Aufbauarbeit, die unter der Leitung von PHP zu leisten war: Neben den Sakralbauten entstanden zahlreiche Gemeindehäuser mit Gottesdienststätten, Pastorate, Kindergärten und Mitarbeiterwohnhäuser, dazu die Bauten und Ausbauten „Haus am Schüberg“, Jugend- und Altenheim „Lichtensee“ sowie das Propsteigebäude am Rockenhof 1. Im Nachhinein ist kaum zu fassen, wie allein diese Aufbauarbeit bewältigt werden konnte neben der Hauptaufgabe, inhaltlich neue Akzente zu setzen. Denn wenn sich PHP eines bewusst war, dann dieses: ein bloßes Anknüpfen an die Zeit vor 1933 und ein einfaches Weitermachen, so als habe sich in Kirche und Gesellschaft letztlich nichts geändert, kam für ihn nicht infrage. PHP, der während der NS-Zeit 1933-45 seinen eigenen mutigen Weg gegangen ist mit einem braunen Kirchenvorstand, der weder zu den Deutschen Christen gehörte, den Sympathisanten der NS-Ideologie, noch Mitglied der Bekennenden Kirche war, der seinerzeit als junger Mann nach dem Ersten Weltkrieg sich bewusst entschieden hatte, Theologie zu studieren und Pastor und Seelsorger zu werden; PHP war sich darüber im Klaren: Gerade wenn gilt, dass Kirche nur Kirche ist, wenn sie da ist als Kirche für Andere – wie Dietrich Bonhoefffer Kirche verstand: Kirche als Gottes-, als Geist- und als Liebesgemeinschaft, deren Grund Christus ist, durch den Menschsein möglich wird durch Mitmenschsein, also trinitarisch – , so muss sich das im Bau von Gotteshäusern, in denen sich Gottesvolk zum Gottesdienst versammelt, der immer zugleich Dienst am anderen, an der Welt ist, widerspiegeln. Für PHP war darum der Bau der Kirche am Rockenhof mehr als der erste von 28 weiteren in der Propstei Stormarn: Die Architektur der Kirche am Rockenhof ist gebaute Theologie, sie sollte eine Orientierungshilfe sein für theologisch verantwortete und begründete Kirchenbaukonzepte.

II. Im Mittelpunkt des zweiten Teils meines Vortrages – der Zeit von 1948 bis heute – soll die Kirche am Rockenhof stehen. An ihrer 60-jährigen Geschichte lässt sich viel für die Geschichte der Kirchengemeinde Volksdorf ablesen. Beginnen will ich mit der Architektur, mit dem dahinter stehenden, theologisch verantworteten und begründeten Konzept. Ausführlich hat PHP dargestellt, welche Intentionen den Bau der Kirche am Rockenhof beflügelten, was auch nachgelesen werden kann. (*/6) Ich werde mich auf das Charakteristische und Wegweisende beschränken. Auffallend an unserer Kirche ist: sie ist gekennzeichnet und zeichnet sich aus durch ihre vielfältige Dreigliedrigkeit; in ihr spiegelt sich das dreigliedrige Glaubensbekenntnis wider, das Trinitarische Apostolikum, das Taufbekenntnis, das wir Sonntag für Sonntag in unserem Gottesdienst singend oder betend bekennen. Abbildungen auf der gegenüberliegenden Seite: Grundriss und Seitenansicht der ev.-luth. Kirche am Rockenhof in Volksdorf Abbildung unten: Aufriss: Altarmuschel

Der Grundriss zeigt zum Einen ein breites Mittelschiff, flankiert von zwei schmalen Seitenschiffen, Platz für 400 Gemeindeglieder; zum Anderen gliedert sich das geostete Kirchenschiff vom Hauptportal im Westen aus wiederum dreifach: 1. Der große Vorraum, Narthex genannt, Waffenhaus zu Deutsch, in dem seit eh und je alle Waffen abgelegt wurden zum Zeichen dafür, dass die Kirche ein Raum des verheißenen Gottesfriedens ist. 2. Gelangte man ursprünglich durch eine Flügeltür mittig in das Kirchenschiff, so heute durch zwei seitwärts angeordnete gläserne Flügeltüren, an dessen Ende sich 3. im Osten der Apsis die halbrunde Altarmuschel befindet. Zum Dritten zeigt der Grundriss schließlich das Hauptmerkmal unserer Kirche: die Mittelachse mit Taufe, Kanzel und Altar, an deren Ende die Kreuzigungsgruppe steht. Diese Anordnung der sogenannten Prinzipalstücke will die Eintretenden auf das Entscheidende des christlichen Glaubens und Lebens aufmerksam machen: Spätestens seit Christus, des Gekreuzigten und Auferstandenen, verläuft das Leben nicht mehr nur von der Wiege bis zur Bahre, von der Geburt bis zum Grabe, sondern kraft der Taufe vom vorweggenommenen Tod zum Leben, also nicht mehr nur vom Morgen bis zum Abend, vom Sonnenaufgang im Osten bis zum Sonnenuntergang im Westen, sondern umgekehrt: Christenmenschen sind Morgenmenschen, ihnen sind die Augen dafür aufgegangen, „dass es mit den Tatsachen der Welt nicht getan ist“ (*/7); das österliche Licht lässt alles, wirklich alles, in einem anderen Licht erscheinen. Wir haben hier keine bleibende Stätte. Wir sind unterwegs, das wandernde Gottesvolk, vom Tod zum Leben Befreite: für uns begonnen mit der Taufe, die uns zu Bundesgefährten und -gefährtinnen,

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zu Priestern und Priesterinnen Gottes macht; was uns immer wieder neu zugesagt wird von der Kanzel und von uns gefeiert wird am Altar im Abendmahl, mit Blick auf das Kreuz als Stärkungen zu „Widerstand und Ergebung“. Dass jetzt ein zweiter Altar bewusst als beweglicher Tisch aufgestellt ist, widerspricht dem Wegecharakter unserer Kirche nicht, unterstreicht ihn eher. Die Taufe zeigt vier biblische Szenen, sie symbolisieren die Zahl des Menschen; gegenüber gestellt werden: Mose, der Wasser aus dem Felsen schlägt, erinnert wird an die Befreiung aus der Sklaverei des ägyptischen Gottkönigtums – und die Ausgießung des Heiligen Geistes auf alles Fleisch, erinnert wird an Gottes Zu- und Anspruch, an die „frohe Befreiung aller Menschen aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen (Gottes) Geschöpfen.“ (*/8) Und zum Anderen stehen sich gegenüber: Jesu Taufe durch Johannes und die Segnung der Kinder durch Jesus, erinnert wird an „die Gerechtigkeit Gottes“, an die uneingeschränkte „Zuwendung Gottes“ zu den Kleinsten und Schwächsten, dass auch und gerade in ihnen Gottes Kraft mächtig ist (siehe Ps. 8). Die Kanzel, die wie ein Schiffsbug in das Kirchenschiff ragt, zeigt zweimal drei Gestalten: zum Einen auf der rechten Seite drei Propheten, die ganz generell für das Schauen, für das Hören und das Zeugnisgeben stehen; zum Anderen auf der linken Seite mir drei Apostel, deutlich erkennbar an ihren Leidenszeichen: Petrus, Jacobus und Johannes, die den Märtyrertod starben. Gott bewahrt nicht vor dem Leiden und Sterben um seinetwillen, wohl aber bewährt er sich darin, dass niemand verloren geht; entscheidend ist: Gott lässt sich hören! Gleichsam als Bindeglied zwischen den Propheten und Aposteln – in Front zu ihnen – die Symbole der vier Evangelisten: sie stehen für die Verkündigung Jesu, die sich gerade dadurch auszeichnet, dass sie nicht autoritär und diktatorisch daherkommt, sondern im authentischen, glaubwürdigen, eigenen Bekennen. Von dieser Kanzel soll nicht über, sondern von Gottes Liebe Zeugnis gegeben werden. Und das ganz offensichtlich vom Tischabendmahl und Kreuz im Rücken. Es gehört mit zur Weitsicht von PHP, den Abendmahlstisch freistehend im Raum zu positionieren, an seinen Tragflächen mit Ähren und Weinstock, den Zeichen für Brot und Wein, geschmückt,. Die Gemeinde konnte schon immer sich um den Altar versammeln. Es geht um die Kommunion, um die communio sanctorum, um die Gemeinschaft der 45

Kreuzigungsgruppe

Pastor Peter Hansen Petersen

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Heiligen, die das Brot, das Lebensnotwendige, und den Wein, die Lebensfreude, mit allen teilt und niemanden ausschließt, und das im Bewusstsein, ein Miteinanderleben unter dem Kreuz Christi zu gestalten, das dem Einen ein Ärgernis, dem Anderen eine Torheit ist. Das Besondere und nach meinem Kenntnisstand Einmalige unserer Kreuzigungsgruppe ist nun, dass das Kreuz nicht nur nicht leer ist, sondern dass unter ihm vier fiktive Gestalten stehen. Bei anderen Kreuzigungsdarstellungen ist manchmal niemand zu sehen oder nur Einer, oder es sind drei in Anlehnung an den Evangelisten Johannes zu erkennen oder auch ganze Scharen, je nachdem, an welchen Situationen aus dem Zeugnis der Evangelisten gedacht ist. Aber vier? Ich wüsste keine Parallele. Vier ist die Zahl des Menschen; PHP deutet sie so: „Zwei, die das Ja zum Kreuz gefunden haben, und zwei etwas tiefer, die die in Resignation und Empörung unter dem Kreuz stehen.“ (*/9) Ich sehe das etwas anders; an der Haltung der Hände und Arme sind an diesen vier Figuren die vier Grundformen des Betens ablesbar: Das Danken und Loben einerseits und das Bitten und Klagen andererseits; dafür ließen sich jetzt viele Belege beibringen, besonders aus den Psalmen. Denn „das Kreuz selbst … will dem Heil und der Heilung dienen, denn es bildet, wie seine Gestalt besagt, die segensreiche Verbindung zwischen Himmel und Erde“ – „das Kreuz als Darstellung kosmischer Versöhnung“ – und „zwischen Mensch und Mensch. Das Kreuz als Macht stellt den Kontakt mit dem Heiligen her und schafft eine Gemeinde (der Betenden), die alle sozialen Grenzmarkierungen überschreitet.“ (*/10) Zu den weiteren Merkmalen dieser Kirche gehören ihre Fenster: Da sind in den Seitenschiffen zunächst die blauweißlich schimmernden Bullaugen – „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, fährt durch das Meer der Zeit“. (*/11) Zum Anderen leuchten tagsüber im Hauptschiff mit der Apsis 17 Fenster: 17 ist eine Primzahl, multipliziert mit 9 – in Anspielung auf das 3-malige Kyrie oder Sanctus – ergibt 153, das ist die Anzahl der Fische, die nach Evangelisten Johannes Petrus am 1. Ostermorgen fängt – zu seiner Zeit kannte man nur 153 Völker – Symbol einer weltweiten, weltoffenen Kirche (Joh. 21, 1-14). Zu denken wäre auch an die sechs Schöpfungstage mit der Apsis als siebtem Schöpfungstag, dem Ruhetag Gottes; die fünf Fenster stünden dann für die fünf Bücher Mose. Andererseits, wenn man auf die Grafik der Fenster achtet, so sind die 12 im Mittelschiff völlig gleich: sie könnten für die 12 Stämme des Volkes Israel stehen oder für die ersten 12 Jünger Jesu. Die Fenster in der Apsis sind links und rechts ebenfalls völlig gleich; sie könnten insgesamt an die fünf Wundmale Jesu erinnern; von allen 17 Fenstern unterscheidet sich nur das mittlere, das hinter dem Kreuz zu sehen ist; im obersten Teil über dem Kopf des Gekreuzigten ist ein Kranz erkennbar, die „Krone des Lebens“. Dieses Fenster ist für mich das in seiner Sparsamkeit und Abstraktheit eindrücklichste Osterfenster, das ich kenne: Da ist nichts Triumphalistisches, wohl aber sehr viel Gewinnendes, den Tod, die Finsternis Bezwingendes. Wer noch die Fenster vor der Renovierung 1989 kannte (gussantik aus gebranntem, goldfarbigem Glas; im Chorraum, in der Apsis kupferfarben), wird zugeben: der Kirchenraum hat jetzt an einer Helligkeit gewonnen, die oft stärker ist als außerhalb, dank der angeschliffenen Gläser. Und schließlich das Glasfenster hinter der Orgel: das Westfenster. Um dies aus liturgischen Gründen zu erhalten – am 24. Juni am St.-Johannes-Tag fällt durch dieses Fenster um 18 Uhr das Licht der Sonne direkt auf den Altar und das Kreuz –, musste die Orgel entsprechend aufgebaut werden. Und das führte dazu, dass die Orgel, noch ehe sie einen Ton von sich gab, und nun erst recht, wenn sie ertönt, eben nicht irgendein Möbelstück in diesem Raum ist. Schon in ihrem architektonischen Äußeren ist sie ein Hinweis auf das, was sie sein soll. Zu sehen sind drei Türme. In sich sind sie dreifach gegliedert. Sie zeichnen sich durch einen trinitarischen Aufbau aus. Gemeinsam lassen sie die Orgel so schon zur Verkünderin des trinitarischen Soli Deo Gloria werden und nicht erst, wenn sie dank ihres Klangvolumens und Gestimmtseins erklingt: in ihrer Ästhetik trägt sie dazu bei, diese Kirche beschwingt zu verlassen. Mit anderen Worten: Im Blick auf die nun 60-jährige Geschichte dieser Kirche – vier Fünftel davon durch mein eigenes Erleben – ist es nicht übertrieben, die Behauptung zu wagen: Die Kirche am Rockenhof ist ein Wahrzeichen und kann sich sehen lassen; durch ihre Architektur und erst recht durch ihre vielfältigen Gottesdienste

und Kirchenmusiken, durch die großen und kleinen Feste und Feiern in ihr, durch die ausgefochtenen Kirchenkämpfe in ihren Mauern, bis hin zu den bisher 38 Kinderbibelwochen, durch die ungezählten Begegnungen zu allen Tages- und Nachtzeiten und durch das bis heute einmalig gebliebene kirchengeschichtliche und kirchenverändernde Ereignis: die Einführung der ersten vier Stormarner Pröpste des ersten gegliederten Kirchenkreises in der gesamten EKD von 40 Jahren im Juli 1972 oder durch die Friedensandachten und Initiativen zugunsten der „Dritten – der Einen – Welt“ – die Gemeindechronik gibt davon reichliche Auskunft. Durch ihre Architektur und durch das in ihr ermöglichte Leben ist diese Kirche mit ihrer Ausstattung, ihrer Intention, den Tod Jesu Christi zu verkündigen und seine Auferstehung zu preisen zur Ehre des dreieinigen Gottes und zur Freude derer, die hier ein- und ausgehen, bisher voll gerecht geworden. Wir haben allen Grund, dankbar zu sein: dankbar dafür, dass es sich so gefügt hat und am Rockenhof diese Kirche steht.

III. Ich komme zu meinem kurzen Ausblick auf die Chancen der Kirchengemeinde Volksdorf in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, kurz Nordkirche genannt. Um keine Missverständnisse und Missdeutungen aufkommen zu lassen: Dass es die Nordkirche gibt, gegründet und feierlich und würdig ausgerufen in Ratzeburg auf dem diesjährigen Pfingstfest, wird von mir uneingeschränkt begrüßt; sie, die Nordkirche, steht für Solidarität, für gelebte Geschwisterlichkeit, wovon es gar nicht genug geben kann. Allerdings: so sehr mich dieses Dass, nämlich die Tatsache Nordkirche, freut, bedrückt hat mich und traurig gemacht, wie sie zustande gekommen ist, und noch trauriger und bedrückter macht mich, wie sie nun strukturiert, aufgebaut ist, wie sie jetzt verfassungsmäßig als Fertigbau sich darstellt. Die Nordkirche – auch wenn sich das auf Anhieb nicht zu erkennen gibt – ist nicht partizipatorisch, auf Teilhabe aller ihrer Glieder und Gremien aus, von unten nach oben aufgebaut, sondern hierarchisch rangordnungsmäßig als Ämterkirche, pyramidenhaft von oben nach unten. Man orientierte sich am Modell einer hierarchisch strukturierten Amtskirche und nicht am Modell einer partizipatorischen, genossenschaftlich gestalteten Gemeindekirche von Schwestern und Brüdern, einer Glaubensgenossenschaft von gleichberechtigten Glaubensgenossen und -genossinnen. Um es an einem Beispiel deutlich zu machen: Auf der Kirchenkreisebene sind nicht mehr alle Kirchengemeinden mit mindestens einem Gemeindeglied in der Kirchenkreissynode vertreten, wie das bisher, seit es Synodalverfassungen gab, selbstverständlich war für eine protestantische, gemeindekirchlich verfasste Kirche. Das heißt: Die Kirchengemeinden – also auch die Kirchengemeinde Volksdorf – sind in ihrer kirchenpolitischen Bedeutung und in ihren Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen auf das gesamtkirchliche Leben und Geschehen, geschwächt worden; sie sind im Grunde genommen von vornherein dazu gezwungen, sich verschwörerisch zu verhalten. Hierher gehört auch die Umbenennung des Kirchenvorstandes in „Kirchengemeinderat“ und des Kirchenkreisvorstandes in „Kirchenkreisrat“, denn auf der landeskirchlichen Ebene heißt es nicht „Landeskirchenrat“, sondern nach wie vor „Kirchenleitung“. Mit anderen Worten: Die Kirchengemeinde Volksdorf, die über 60 Jahre im Kirchenkreis Stormarn, der nach einer bewegten Geschichte von 900 Jahren über den Deich gegangen ist, eine klare Stellung innehatte, wird in der Nordkirche regional, kirchenkreislich wie darüber hinaus eher einen schwierigeren Stand haben.

Und damit komme ich zu meinem Schlussvotum: Mit dieser Kirche, mit dieser zu Recht namenlos gebliebenen Kirche – es gab und gibt keinen ihr adäquaten, angemessenen Namen – mit ihrer so signifikanten Ausstattung, mit ihrer erstklassigen Orgel, mit der theologisch aussagekräftigen Anordnung ihrer Prinzipalstücke und nicht zuletzt mit der originellen und bisher einmaligen Kreuzigungsgruppe hat die Kirchengemeinde Volksdorf in meinen Augen dennoch eine bleibende Chance, vollmächtig und ökumenisch vor Ort und darüber hinaus dafür mit einzustehen, dass Gott allem Anschein nach zum Trotz in dieser Zeit und Welt nach wie vor gegenwärtig ist, wirkt und ohne jeden Vorbehalt zu sich einlädt; nicht irgendein Gott, sondern der Gott Abrahams, Isaaks und Jacobs, der Gott, den Jesus seinen und unseren Vater nennt, der von allem befreit, was uns immer wieder klein und hässlich machen will, der einem die Augen dafür öffnet, „dass es mit ‚Tatsachen dieser Welt nicht getan ist“ (*/12), der es möglich macht, dass eine aus viel Eisen und Beton gebaute Kirche wie diese gut dafür steht, dass überraschende Ausbrüche aus dem „stahlharten Gehäuse der Realität“ (*/13) möglich sind, und so uns ermutigt 47

und ermächtigt, in „Widerstand und Ergebung“ da zu sein für- und miteinander. Von dieser bleibenden Chance bin ich zutiefst überzeugt: sie möge uns immer wieder aufrichten angesichts dieser Kirche und anstiften zum Tun des Guten und Gerechten.

Anmerkungen (*/1)

Festvortrag im Rahmen der Festwoche „60 Jahre Kirche am Rockenhof – 10 Jahre Mühleisenorgel am 25. 09. 2012.

(*/2)

alle Karten entnommen aus A. Schreyer: Kirche in Stormarn – Geschichte eines Kirchenkreises und seiner Gemeinden, Hamburg 1981, S. 11 f , 33 und 120.

(*/3)

derselbe, S. 7 .

(*/4)

ebenda.

(*/5)

F. Kürschner-Pelkmann: Ihr seid das Licht der Welt – Aus der Geschichte der Ev. - Luth. Gemeinde Volksdorf, Hamburg 2000, S. 4 - 14.

(*/6)

P. Hansen Petersen: Die Kirche zu Volksdorf, in: Kirchenbau für die Zukunft – Gedanken und Beispiele, Sonderdruck aus Monatsschrift für Pastoraltheologie, Jg. 1953 H. 3, S 101 ff.

(*/7)

L. Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus, 1918

(*/8)

Barmen II, s. Ev. Gesangbuch 1944 Nr. 810.

(*/9)

P. Hansen Petersen, aaO., S. 105.

(*/10) M. Josuttis: Petrus, die Kirche und die verdammte Macht, Stuttgart 1993, S. 205. (*/11) Ev. Gesangbuch Nr. 612. (*/12) L. Wittgenstein, aaO. (*/13) M. Weber, in: Deutsches Pfarrerblatt, Jg. 2012, H. 9, S. 497.

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Rainer Hoffmann

Die „Puddingschule“ in Volksdorf von 1949-1967

14.10.1949: Marsch durch Volksdorf zur „Puddingschule“ (Foto: Archiv der Schule An den Teichwiesen)

Vorwort Blickten wir bisher in den von mir verfassten schulgeschichtlichen Beiträgen weit in das 19. Jahrhundert zurück, so steht diesmal die Volksdorfer Schulsituation in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs im Mittelpunkt der Betrachtung. Viele Leser des Jahrbuchs dürften diese Zeit also aus eigener Anschauung miterlebt haben und sich an die Mangelsituationen in fast allen Lebensbereichen erinnern, so auch an die eingeschränkten Möglichkeiten des Schulbesuchs wegen der fehlenden Schulräume. Die existentiellen Grundlagen für die „Puddingschule“ wurden vor 70 Jahren nach den Schreckensnächten der Operation Gomorrha, den verheerenden Luftangriffen auf Hamburg vom 25. Juli bis zum 3. August 1943, gelegt. Die Bombenangriffe brachten für ca. 35.000 Hamburger den Tod, 125.000 Verletzte waren zu beklagen, und eine Vielzahl von Wohnhäusern und Industriebetrieben wurde zerstört. Das Maizena-Haus der Deutschen Maizena Gesellschaft A. G. von 1922 (*/1), Spaldingstraße 215/Heidenkampsweg, gehörte ebenfalls zu den zerbombten Gebäuden des fast vollkommen vernichteten Stadtteils Hammerbrook; die Verwaltung und die Fabrikation von Maisprodukten wurde deshalb nach Volksdorf verlagert, damit hier die Produktion der für die Versorgung kriegswirtschaftlichen Nährmittel weiterhin sichergestellt werden konnte. Auf einem Gelände an den Teichwiesen, das sich im Eigentum der Stadt befand, wurden Holzbaracken errichtet, um den Fabrikationsbetrieb und den Vertrieb wieder aufzunehmen. In den provisorischen Fabrikationsräumen wurden Puddingpulver, Maizena, Karosirup, Traubenzucker und Dextro Energen hergestellt. Für das Labor und die Verwaltung wurden am Eingangsbereich zwei gemauerte Häuser errichtet. Für die Angestellten, die ausgebombt oder geflüchtet waren, wurden in Volksdorf kleine Holzhäuser aufgestellt, damit diese erst einmal ein Dach über dem Kopf hatten. (*/2) Über die Schule An den Teichwiesen, die im Volksmund wegen der vorherigen Nutzung der Räumlichkeiten auch „Puddingschule“ genannt wurde, ist im Staatsarchiv umfangreiches Fotomaterial erfasst; im Schularchiv sind Jubiläumsschriften von 1969 und 1999 und Fotos überliefert, deren Urheberrechte sich beim Staatsarchiv befinden. Im Hamburger Schulmuseum wurde die Jubiläumsschrift von 1989 archiviert. Die Zeitungsarchive des Hamburger Abendblattes 50

und des Hamburger Echos (Stadtausgabe) in der Universitäts- und Staatsbibliothek waren bis auf zwei Kurzberichte unergiebig. Die Lokalzeitungen wurden bis auf den Alster-Anzeiger von Willy Schleicher, der mit der Lizenznummer 2 der britischen Besatzungsmacht (Axel Springers Hamburger Abendblatt erhielt die Nr. 1) als eine der ersten Hamburger Zeitungen 1947 wieder erscheinen durfte, später gegründet (Saseler Bote ab 1932-1941 und ab 1949-1973, Heimat-Echo 1957-heute, Markt 1968-heute). Bis zum 3. Juni 1950 wurden im Alster-Anzeiger vorwiegend amtliche Mitteilungen und erste Geschäftsanzeigen abgedruckt, dann folgten erste kleine redaktionelle Beiträge, so dass hier keine Beiträge über die Einweihung der „Puddingschule“ im Archiv zu finden sind. Die Quellenlage für das Archivmaterial über die ehemaligen Maizena-Werke in Volksdorf, in deren Räume später die Schule einzog, ist als sehr dürftig zu bezeichnen. Die heute zum Unilever Konzern gehörende Lebensmittelfabrik Knorr, deren Aktienmehrheit von Maizena 1958 aufgekauft wurde, verfügt nur über eine kleine Serie von Fotos ihrer ehemaligen Produktionsstätte in Volksdorf. Erfreulicherweise sind diese von der Archivarin Regina Rehbock im Firmenarchiv in Heilbronn gefunden und für den Abdruck übersandt worden. (*/3) Offensichtlich handelt es sich um Fotos, die bisher noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich waren. Besonders die von einem Pensionär der Firma im Jahr 1979 angefertigte Lageskizze der Firmenniederlassung in Volksdorf ist aufschlussreich, bestätigt sie doch den Bericht von Dr. Nicolai, dass auf dem Firmengelände Kartoffeln angebaut wurden. Ob diese Feldfrüchte nun für die Ernährung der Angestellten vorgesehen waren oder ob sie für die Produktion von Kartoffelstärke benutzt wurden, kann nicht mit Bestimmtheit abgeleitet werden. Aus dem Plan geht auch hervor, dass auf dem Gelände ein leitender Betriebsangehöriger, Dr. Meyer, wohnte. Auf dem nachfolgenden Bild (li.), das den Innenhof des Firmenareals in den Jahren 1944-45 zeigt, ist der Kartoffelacker zu sehen. Auf dem rechten Bild sind die Firmenaufschrift und die Pförtnerloge deutlich zu erkennen.

In diesem Aufsatz soll der Frage nachgegangen werden, wie es zu der Gründung der Schule in den ehemaligen Produktionsräumen der Maizena-Werke kam. Die Schulsituation in Volksdorf nach dem starken Zuzug vieler Hamburger Stadtbewohner, die 1943 ihre Wohnungen durch die Bombenangriffe verloren, soll dargelegt werden. Das Schulleben in der Anfangszeit nach dem Einzug in die provisorischen Räumlichkeiten soll durch Berichte von Zeitzeugen anklingen.

Der Saseler Weg vor der Schulgründung der Schule An den Teichwiesen Zu Beginn lassen wir einen ehemaligen Nachbarn und kurzzeitigen Angehörigen des Kollegiums der Schule zu Wort kommen, der uns ein Fenster öffnet, durch das wir schauen können, wie es im Saseler Weg vor der Schulgründung aussah: „Um 1930 war der Saseler Weg eine einfache Straße mit einzelnen Häusern; es war eben nur ein Weg nach Sasel, nicht befestigt und holperig. Die wenigen Häuser standen auf großem, parkähnlichem Gelände. Man hatte nur etwa 50 Pfennig (!) für den Quadratmeter bezahlt. Als ich 1935 gegenüber der jetzigen Schule baute, war das Gelände dort drüben eine magere Grasfläche mit einem kleinen Birkenwald in der Nordecke. Das Gras war so dürftig, daß Schäfer Stockhusens Schafherde, die hier oft vorbeizog, nicht einmal den Kopf wendete. Im Lauf der Zeit entstanden die Wege Foßsölen und Auf dem Pfahlt und wurden ganz allmählich mit Einzelhäusern bebaut. Für die Kinder dieser Gegend waren der Klöpperpark und das spätere Schulgelände mit dem daran grenzenden Großen Teich ein ideales Spielgelände. Zu Ostern gab es ein großes Osterfeuer, zu dem jedermann beitrug.

Bild links: Innenhof mit dem „Kartoffelacker“ der Maizena-Werke 1944-1945 1945 (Historisches Archiv der Unilever Food Solutions) Bild rechts: Steinbaracken der Maizena-Werke 1944-1945 (Historisches Archiv der Unilever Food Solutions)

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Der Zweite Weltkrieg brachte uns bis auf einen nächtlichen Bombenabwurf mit Dachschäden keine Verluste, nur die umliegenden Flakbatterien machten fast täglich und nächtlich einen gräulichen Krach. Nach der Katastrophe im Juli 1943 änderte sich das Bild unserer Straße. Die Maizena-Werke waren in der Stadt ausgebombt und bauten sich hier ein Ausweichwerk mit Büros und Laboren. Eine große Anzahl von Angestellten ging abends nach der Arbeit vor unseren Fenstern den Saseler Weg entlang, oft mit Paketen beladen, die die großzügige Firma spendete, und erregte dadurch den Neid der armseligen Anwohner, besonders aber auch den Zorn, weil sie nicht daran dachten, uns auf unseren Wegen ins Dorf auszubiegen. Die Maizena-Werke errichteten aber nicht nur die Gebäude, sondern bepflanzten das ganze Gelände und brachten gute Humuserde auf das Land. Auf dem heutigen Schulhof und an den Seiten wurde nahrhaftes Gemüse gepflanzt, eine wahre Pracht für die damalige Zeit. Kein Wunder daher, daß sich die Schulbehörde das Gelände sicherte, als die Maizena-Firma ihre Stadt-Werke wieder bezog, um hier eine neue Schule einzurichten. Es war ein feierlicher Augenblick, als Senator Landahl (*/4) die Einweihungsansprache von den Stufen des jetzigen Schulhofes, der durch Steinblöcke aus den Trümmern des Karstadt-Hauses in Barmbek umrahmt war, hielt. Es war auch für mich als alten Lehrer und Nachbar ein schöner Tag, die Begründung einer neuen Wirkungsstätte für unsere Jugend mitzuerleben.“ (*/5)

Wie sah die Schulraumversorgung in Volksdorf vor der Gründung der „Puddingschule“/Teichwiesen-Schule aus? Wilhelm Battmer war seit 1929 in Volksdorf als Lehrer tätig und wurde nach der Gründung der Schule An den Teichwiesen ihr erster Schulleiter bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1964. Er schilderte 1969 in einem Beitrag für „Die Teichwiesen“ (*/6) die Entwicklung des Schulwesens in Volksdorf. Bis 1929/30 hatten die Volksdorfer Kinder ihr Schulhaus gegenüber dem U-Bahnhof. Der rote Backsteinbau auf dem Schoolbarg war durch Anbauten in Barackenform erweitert worden, da in den Jahren ab 1920 viele Familien in Volksdorf gebaut hatten. „Für drei Klassen war außerdem das Günnemannsche Grundstück mit einem Privathaus angemietet. Das Haus lag in einem großen Garten, der von dem heutigen Haushaltsgeschäft Hoffmeister bis zur Post reichte. Schüler, die später ein Gymnasium in Hamburg besuchen sollten, gingen in Frl. Emkes Privatschule (*/7), die war in einer Villa an der Eulenkrugstraße untergebracht – heute Arztpraxis Mohr und Konditorei Iwohn. (*/8) Da das Dorf Volksdorf sich durch weiteren Zuzug schnell vergrößerte, plante die Gemeindeverwaltung einen neuen Schulbau. Ganze Straßenzüge waren mit Einfamilienhäusern bebaut, mehrere große Ackerflächen wurden durch neue Straßen aufgeschlossen und schnell besiedelt. Auf dem Gelände zwischen Horst und Ahrensburger Weg entstand nach den Plänen von Herrn Professor Schumacher 1928/319 die größte Schule Hamburgs, die Walddörferschule, eine Volksschule mit Oberbau (heute Realschule) und eine höhere Schule (Gymnasium). Durch Festsaal und Gymnastikraum waren beide Baukörper verbunden. „Zwei Schulen unter einem Dach“ lautete, auf eine kurze Formel gebracht, damals der Grundgedanke, der für die künftige Entwicklung der Schule Ausgangspunkt sein sollte. Die Volksdorfer fühlten sich als Mittelpunkt der Walddörfer, als sie eine so große und moderne Schule bekamen. Aber es wurde auch „geunkt“: „Wann werden so viel Schüler in Volksdorf sein, daß die Schule voll wird?“ Das kam schneller, als man erwartet hatte. Schon 1936/37 waren in beiden Schulsystemen alle Klassenräume besetzt. Als im Kriegsjahr 1943 viele Hamburger Familien ihre Wohnung durch Bombenangriffe verloren und aus der Stadt fliehen mußten, konnten viele Schüler in die geräumige Schule umgeschult werden. 1945 waren in der Volksschule Im Allhorn, die zwanzig Klassenräume hatte, fünfundfünfzig Klassen mit 1500 Schülern untergebracht. Als nach der Währungsreform im Juni 1948 die Maizena-Werke ihre Verwaltung und Fabrikation vom Saseler Weg in das Stammhaus verlegen wollten, bot sich unerwartet eine Möglichkeit, die Raumnot in der Volksdorfer Schule zu beseitigen. Die Schulbehörde konnte bei den zuständigen Fachbehörden schnell durchsetzen, daß die Anlage der Maizena-Werke zu einer Schule umgebaut wurde. Die ruhige Lage im Grünen, die übersichtliche Anordnung der einzelnen Baracken um einen freien Platz in der Mitte boten sich geradezu für eine Benutzung als Schule an. Außerdem ließen sich in dem Labor Fachräume für 52

die Schule einrichten. Das war ein ganz besonderer Vorzug. Bei Schulneubauten stand damals nur Geld für den Bau von Klassenräumen zur Verfügung. Schon im Herbst 1948 konnte mit dem Umbau begonnen werden. Herr Schulrat Brunckhorst (*/10) wohnte neben der künftigen Schule, die in seinem Aufsichtsbezirk entstehen sollte. Bevor er in den Dienst ging, überzeugte er sich morgens, ob die Bauarbeiten termingemäß vorangingen. Wenn es „haperte“, spornte er die Handwerker an oder schaltete die zuständigen Stellen in der Behörde ein. Für „seine“ neue Schule warb er gleichzeitig um Lehrkräfte, von denen er erwartete, sie würden „Leben“ in die neue Schule bringen. Zum 1.4.1949 wurde die Allhornschule geteilt. Anfang Oktober konnte der erste Bauabschnitt von Herrn Senator Landahl der Schule An den Teichwiesen übergeben werden. Für 600 Schüler – bald waren es 900 – standen beim Jahreswechsel 1953/54 neunzehn Klassen und die erforderlichen Fachräume zur Verfügung.[…].“(*/11)

Aufstellung der Schulkinder im Hof

Zunehmende Schulraumnot in Volksdorf Die Dringlichkeit der Teilung der Volksschule war für alle Kollegiumsmitglieder der Schule Im Allhorn bei Klassenstärken von bis zu 62 Schülern offenbar, doch warum spiegelte sich diese Not nicht in den Sitzungsprotokollen der Lehrerkonferenzen der damaligen Zeit wieder? Die Dringlichkeit der Teilung der Schule kann zu der Zeit nicht in Frage gestanden haben. Täglich sah man, dass das Verhältnis der Schülerzahl zum vorhandenen Schulraum nicht stimmte. Jeder Klassenraum war 36 qm groß und für 25 Schüler konzipiert. (*/12) Außer den Klassenräumen wurden in den Nachkriegsjahren Sammlungsräume und andere Nebenräume als Klassenzimmer genutzt; zusätzlich mussten Klassen im Schichtunterricht nacheinander unterrichtet werden. Das Thema Teilung der Schule ist erstmals im Protokoll der Lehrerkonferenz vom 14. Januar 1947 vermerkt. Da heißt es zum Schluss: „Weitere ausgefallene und später zu behandelnde Punkte der Tagesordnung sind […] und die Frage der Teilung der Schule.“ In der Konferenz am 17. Mai 1947 wurde der Tagesordnungspunkt wieder aufgenommen, doch ist im Protokoll angeführt: „Herr Borchers bittet darum, dieses Thema bis zur nächsten Konferenz zu verschieben.“ In den folgenden 16 Konferenzen wird das Thema als Tagesordnungspunkt nicht wieder angeführt, obwohl in der Lehrerkonferenz am 12. April 1948 die neueste Schülerzahl mit 1714 angegeben wurde. Endlich in der Konferenz am 22.12.1948 wird folgende Aussage getroffen: „Herr Borchers gibt bekannt, daß – vorbehaltlich der Zustimmung der Bürgerschaft – die Maizena-Baracken am Saseler Weg am 1.1. 1949 in den Besitz des Hamburger Staates übergehen. Die für den Umbau erforderlichen Gelder stehen nur bis zum 31.3.49 zur Verfügung.“ Diese angeführten kurzen Notizen sind während der zwei Jahre von Anfang 1947 bis zum Ende 53

Einweihungsfeier in der „Puddingschule“/ An den Teichwiesen (Foto: Staatsarchiv Hamburg). v.r.n.l.: Schulleiter Battmer, Oberschulrat für die Grundschulen Johannes Schult, Senator Dr. Landahl, Bürgermeister Dr. Nevermann, Landesschulrat Matthewes, Oberschulrat Dressel, Frau Oberschulrätin Blohm

1948 die einzigen Niederschriften zu dem Thema Teilung der Schule in den Protokollen. Besonders zu beachten ist noch die Tatsache, dass das Thema in den Konferenzen noch nicht einmal diskutiert und behandelt wurde. Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, ob das Thema in der damaligen Zeit der knappen Ressourcen nicht so wichtig war und zum Schulalltag in der Stadt gehörte. Andererseits könnten die existentiellen Probleme zur Bewältigung des Alltags so groß gewesen sein, dass keine ausreichende Kraft mehr vorhanden war, für eine Verbesserung der räumlichen Situation zu kämpfen. Bürgerinitiativen, die für Volksdorf heute durchaus typisch sind („Das kleine gallische Dorf“) und sich der schulischen Raumnot angenommen hätten, gab es noch nicht. „Die Sorgen und Probleme des Alltags waren in der Tat sehr groß. So lesen wir, daß es in jenen ersten Nachkriegsjahren keine Schulbücher gab, denn die kritische Militärregierung hatte eine strikte Weisung gegeben, keine der vorhandenen Bücher zu benutzen. Auch spiegelte sich in den Protokollen die außergewöhnliche Not wider, in der sich die Bevölkerung damals befand. Es ist immer wieder von der Schulspeisung die Rede. Kleider und Schuhe aus Spenden werden in der Schule verteilt, zu Weihnachten auch einmal Schokolade für die Kinder. Die Menschen müssen im Winter in ihren Wohnungen frieren; auch das Schulhaus kann nicht immer ausreichend geheizt werden. Anfang 1947 müssen die Weihnachtsferien um mehrere Wochen verlängert werden, weil gar keine Kohlen für die Heizanlage mehr vorhanden sind. Die Kinder werden aber während der Januarwoche, wie auch in den vorangegangenen Weihnachtsferien, zum Essen in die Schule bestellt.“ (*/13) Gründe für die Nichtbehandlung der Raumfrage lagen einerseits darin, dass die Maizena-Baracken in den Jahren 1947 und 1948 noch nicht zur Verfügung standen und diese die einzige Chance boten, in Volksdorf zu einem neuen Schulhaus zu kommen. Andererseits konnte man die Situation in den Nachbargemeinden nicht außer Acht lassen; in Poppenbüttel standen beispielsweise nur fünf Klassenräume für 30 Schulklassen zur Verfügung, da das Schulgebäude als Lazarett genutzt wurde. Die Schüler erhielten in Poppenbüttel pro Tag nur 1½ Stunden Unterricht. (*/14) Dieser Zustand dürfte dem Schulleiter Borchers bekannt gewesen sein und ihn davon abgehalten haben, die Teilung der Schule zu einem vorrangigen Thema zu machen. Herr Erhard Kahl, der Lehrer an der Schule An den Teichwiesen und später Schulleiter an der Schule Im Allhorn war, führte 1989 einen weiteren gewichtigen Grund für die zögerliche Haltung von Wilhelm Borchers an, das Thema Teilung der Schule in den Konferenzen zu behandeln. Dieser ist in der persönlichen Geschichte von Wilhelm Borchers während der Nazi-Zeit zu finden: „Im Januar 1947, als die Sache zuerst auf die Tagesordnung einer Konferenz stand, waren erst knapp anderthalb Jahre vergangen, seitdem Wilhelm Borchers die Leitung der Volksdorfer Schule übernommen hatte. Er war von 1927 bis 1933 Schulleiter gewesen, war maßgeblich an der Schaffung des außergewöhnlichen Schulneubaus Im Allhorn beteiligt gewesen, war 1933 seines Amtes enthoben und 1935 als Lehrer an eine andere Schule versetzt worden. 1945 bekam er nach leidvollen Jahren sein Amt wieder und begann voller Tatkraft, „seine Schule“ wieder aufzubauen. Er versuchte, an die große Zeit der Hamburger Schule vor 1933 anzuknüpfen, den Gedanken der Selbstverwaltung und insgesamt demokratischen Geist neu zu beleben, den Schülern einen Ort der Geborgenheit zu schaffen und im Unterricht ihre spontanen Kräfte anzusprechen und zu entwickeln. Trotz großer äußerer Schwierigkeiten gelang ihm zusammen mit dem Lehrerkollegium ein bedeutender Neuanfang. Und nun sollte dieser Mann schon in der allerersten Zeit seiner erfolgreichen Aufbauarbeit an die Teilung seiner Schule denken? Das konnte nicht in erster Linie ein befreiender Gedanke sein, es mußte vielmehr ein schmerzlicher sein. Seine Kollegen, seine Kinder sollten zu einem großen Teil sein Haus verlassen! So erscheint das Zögern des Schulleiters verständlich, gewiß denen, die ihn kannten.“(*/15) In diesem Zusammenhang ist wieder ein vergleichender Blick nach Poppenbüttel interessant, denn dort wurde sogar die Teilung der Schule, die wie schon erwähnt unter noch schwierigeren

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Bedingungen arbeitete als in Volksdorf, auf der Konferenz am 16. Januar 1948 abgelehnt. (*/16) Es wurde teilweise nachvollziehbare Gründe angeführt, die jedoch nicht zur Lösung der räumlichen Probleme beitrugen. Auch hier dürfte das persönliche Schicksal des Schulleiters eine wichtige Rolle für die Handlungsweise gespielt haben. Der Poppenbütteler Schulleiter Heinrich Kittler (1889-1976) hatte von 1945 bis 1955 bis zu seiner Pensionierung dieses Amt inne und war 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Schuldienst entlassen worden, da er sich von seiner jüdischen Frau nicht trennen wollte. Er musste u.a. mit KZ-Häftlingen unter der Aufsicht von SS-Wachmannschaften Trümmer räumen und Leichen bergen. Als „Wiedergutmachung“ erhielt er die Schulleiterstelle in Poppenbüttel. (*/17) Nun wenden wir wieder den Blick auf die Volksdorfer Schulsituation in der Nachkriegszeit: Am 1. Januar 1949 kam Bewegung in die Sache, indem der zuständige Schulrat, Herr Brunckhorst, auf der Lehrerkonferenz bekannt gab, dass die Trennung der Schulbezirke so zu vollziehen sei, dass der Bahnkörper der Linie Volksdorf-Ohlstedt die Grenze bildete: Sasel werde 134 Schüler in die neue Schule entsenden und 25 Klassen müssten nach dorthin abgezweigt werden. Am 21. März 1949 heißt es im Konferenzprotokoll: „Herr Borchers gibt bekannt, daß sich die Aufteilung der Kollegen auf die Schulen Im Allhorn und An den Teichwiesen erfreulicherweise auf freiwilliger Basis ergeben konnte! Zur Ermöglichung der Aufteilung der Schüler sollen alle Schülerbögen … in Ordnung gebracht werden.“ Das war die letzte Lehrerkonferenz der einen Volksdorfer Schule. Die Schule An den Teichwiesen war amtlicherseits geboren. Es dauerte jedoch noch ein halbes Jahr, bis die Baracken am Saseler Weg für den Schulbetrieb umgebaut und fertiggestellt worden waren. Im Oktober 1949 kam dann der große Tag für die Schüler und Lehrer, an dem sie in ihr Schulhaus An den Teichwiesen einziehen konnten.

Die Ideengeberin für die Nutzung der leer stehenden Maizena-Baracken zu Schulzwecken Die Lehrerin Anni Lübker, die von 1952-1963 dem Kollegium der Schule An den Teichwiesen angehörte, berichtete 1999 in einem Interview Schülern, dass sie den Anstoß für die Nutzung der Baracken als Schulstandort gegeben hatte. „Die TWS habe ich sozusagen mitgeplant. Auf einem Spaziergang um die Teichwiesen, den ich zusammen mit dem Schulrat Brunckhorst unternahm, kamen wir an den leer stehenden Gebäuden der Maizena-Werke vorbei. Da fiel mir ein, dass dies ein guter Standort für die dringend notwendige zweite Volksdorfer Schule wäre. Mein Sohn war damals in der 4. Klasse in der Volksdorfer Schule (Ahrensburger Weg). Das war damals eine Klasse mit 62 Schülern. Die in der Mitte machten sich dick, und die anderen fielen runter. Das war furchtbar, 62 Schüler waren in einer Klasse. Es musste irgendetwas geschehen, und da kam uns beim Spaziergang die Idee, wir richten hier eine Schule ein. Es sah hier noch alles furchtbar aus. Die Maizena-Werke waren ausgezogen […]. Also diese Gebäude standen da, und Herr Brunckhorst meinte dann: „Wir versuchen das und sehen zu, daß wir das hinkriegen.“ […]. Aber insgesamt war noch alles sooo primitiv. Nebenbei – ab und an gab es Ratten. Es war wirklich unglaublich primitiv. Aber wir ließen uns von umliegenden Schulen etwas schenken und zogen dann um. Zunächst hatten wir es schwer mit den Volksdorfer Eltern. Die wollten ja z. T. ihre Kinder nicht gern in so schlechten Baracken haben. Das gab Schwierigkeiten noch und noch.[…].“ (*/18) Alf Schreyer führt an, dass damals der in Volksdorf wohnende Oberschulrat Wilhelm Dressel, der seinerzeit Sachreferent für Schulbauangelegenheiten war, schon am 30. Juli 1948 dem Schulsenator Heinrich Landahl den Vorschlag unterbreitete, die Baulichkeiten auf dem Gelände des ehemaligen Maizena-Werkes in Volksdorf durch die Stadt zu übernehmen. Er wies darauf hin, „daß eine Vorbesichtigung ergeben hätte, daß mit geringen baulichen Veränderungen fast 30 Klassenräume für den naturwissenschaftlichen Unterricht so brauchbar sind und die Küche für die Schulspeisung sofort in Betrieb genommen werden kann.“ (*/19)

Der Einzug in die neuen Schulgebäude Lassen wir die Berichte von zwei ehemaligen Schülerinnen über den Einzug in ihre neue Schule auf uns wirken. Wir beginnen mit den Eindrücken, die Gerda Israel (Schulentlassung 1952) verfasste: 55

„14.10.1949 – Der Tag des Umzuges

Mädchen mit Fruchtkörben für die Honoratioren (Foto: Archiv der Schule An den Teichwiesen)

Das schwere Eingangstor der „Puddingschule“ (Foto: Archiv der Schule An den Teichwiesen)

Eben vor 8 Uhr war die Zeit des Treffpunkts auf dem Schulhof der alten Lehranstalt. Klassenweise von der 1. bis zur M 9 (*/20) erfolgte der Abmarsch zum Rasenplatz. Denn hier wollte die Allhorn-Schule sich durch Herrn Borchers von der Teichwiesenschule durch Herrn Battmer verabschieden. Doch zuvor jubelte Einfeldts Chor das Lied „Tochter aus Elysium“ in die Luft. Dagegensetzen konnten wir uns nur mäßig mit: „Kommt ihr G´spielen!“ unter der Leitung von Frau Hellmers. Der Schulleiter, Herr Borchers, hatte im Sprechen den Vortritt, und als Dank und Abschied überreichte ihm ein Mädel einen großen Blumenstrauß. Ja, und dann kam unser neuer Schulleiter Herr Battmer. „Nicht Abschied wollen wir nehmen, sondern uns noch enger miteinander verbinden!“ lauteten seine packenden Worte. Ein fester Händedruck und schallendes Beifallklatschen von uns Schulkindern war das Lebewohl unsererseits. Allmählich setzte sich die Menge in geordneten Reihen in Bewegung. Ein langer Festzug, von vielen Anhängern der Walddörferschule vermehrt, wollte durch Volksdorf bis zur Einweihungsstätte ziehen. Polizisten sperrten den Verkehr, und hier und dort sagte eine Kamera „klack“. Der Wettergott hatte uns nicht im Stich gelassen. Strahlender Sonnenschein begleitete uns. O, was gab dieser festlich geschmückte Umzug ein reges Interesse! Die Kleineren hatten sich in Dornröschen, Hänsel und Gretel und in die sieben Schwaben verkleidet. Doch die größte Bewunderung erregte ein Blockwagen, ausgestattet mit vielen Blumen und Laub. Drinnen saß bequem ein pausbackiges Hochzeitspaar. Der Herr mit einem schwarzen Anzug und einem Zylinder bekleidet, während seine kleine „Frau“ ihm gegenüber ganz in weiß mit einem langen Schleier saß. Stolz trippelten die 1. und 2. Klassen in ihren Verkleidungen dahin. Alle waren in eine feierliche Stimmung voll Freude und Jubel versetzt. Am Lerchenberg, Im Alten Dorfe, in der Claus-FerckStraße, in der Farmsener Landstraße oder im Saseler Weg: überall säumten viele Menschen die Straßen, um diesen Festmarsch mitzuerleben. Und vielleicht kam manchem Erwachsenen eine Schulerinnerung aus seiner Jugendzeit ins Gedächtnis zurück. – An der Spitze schritten Herr Battmer, Herr Bruckhorst, Herr Wilkens (*/21) und Herr Borchers. Wie wir am Vortage geübt hatten, sollten alle Klassen in den rechten Hofeingang hinein marschieren und uns in einem Halbkreis aufstellen. In der Mitte standen die Chöre. Rechts, links und hinter uns reihten sich Eltern, Verwandte und Bekannte ein. Auch Herr Propst Hansen Petersen, in seinen Talar gekleidet, fehlte nicht. Er wollte seinen Segen auf die neue Lehranstalt geben. Die offizielle Einweihung nahm ihren Auftakt mit dem Lied: „Es tagt der Sonne Morgenstrahl!“ Herr Nevermann (*/22) und Herr Landahl hielten über diesen neuen Schulumbau eine Ansprache. Zuletzt richtete Herr Battmer einige passende Worte an die Schuljugend. Als Dankbarkeit und aus Freude überreichten einige Mädel den Senatoren und dem Direktor der Maizenawerke jedem einen Korb mit prachtvollen Früchten. Zum fröhlichen Ausklang sangen wir alle zusammen das bekannte Lied: Wohlauf in Gottes schöne Welt. Lebewohl ade: Die Luft ist blau und grün das Feld. Lebewohl ade: Die Berge glühn wie Edelstein Ich wandre mit dem Sonnenschein…“ (*/23)

Uwe Meissner, der 1955 aus der Schule An den Teichwiesen entlassen wurde, schildert aus der „männlichen Perspektive“ seine Eindrücke und die Vorteile des neuen Schulstandortes, um den jugendlichen Spieltrieb in vielerlei Hinsicht zu befriedigen. Einschulung in die „Puddingschule“ mit Schultüte 1951 (Foto: Archiv der Schule An den Teichwiesen)

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„Der Schulumzug 1949. Die neue Schule Viel ist nicht mehr da an Erinnerung. Man muss schon überlegen, sich zurückversetzen in das Volksdorf von damals – in die vierte Klasse von Frau Luckow. Der Schulweg in die Schule „Im Allhorn“ war nicht aufregend. Von den Kattjahren 18 links die Straße hoch, unter den U-Bahnbrücken hindurch, dann links in die Claus-Ferck-Straße am Reformhaus vorbei (hier wurde immer unser Schinken geräuchert) Richtung Bauer Mahr; wieder

rechts den Ahrensburger Weg herauf und dann rechts den kleinen Feldweg bis zur Schule. Ich habe sie eigentlich nicht gemocht, diese Schule. [Gemeint ist die Schule „Im Allhorn“ R. H.]. Sie war so abstoßend mit ihren großen Eisentoren und dem von gleichmäßigen Bauten umgebenden Innenhof, der unser Schulhof war und in dem kaum irgendwelche grünen Pflanzen wuchsen. Ich fand die Schule nur deshalb interessant, weil mein Großvater sie mitgebaut hatte. Insofern fand ich die Mitteilung, in die neue Schule, die „Puddingschule“, zu kommen, durchaus positiv. Wir wohnten zwar nur 50 Meter rechts von den U-Bahn-Gleisen, aber das spielte keine Rolle. Alle Schüler, die links von den Bahngleisen wohnten (in Richtung Innenstadt gesehen) blieben „Im Allhorn“, alle, die rechts von den Gleisen wohnten, kamen in die neue Schule. Am 14.10.1949 war der Umzugstag. Treffen auf dem Schulhof; alle mit Blumenkränzen und feinem Anzug. Musik war auch dabei. Ich weiß nicht mehr, wer die Reden gehalten hat; es dauerte jedenfalls alles sehr lange. Dann endlich der Abmarsch durch das ganze Dorf. Ich hatte Glück, ich war in einer der ersten Reihen und fand mich am nächsten Tag in der Zeitung abgebildet. Die neue Schule: Sie war eigentlich sehr ärmlich. Kleine braune Baracken im Viereck aufgestellt, in der Mitte der Schulhof. Aber viel Grün – rundherum und zwischen den Wegen. Das Schönste: die Teichwiesen im Hintergrund mit den gefährlich schönen Torfgruben. Die kannte ich ja schon. Es waren unsere Jagdgründe – zum Leidwesen der Bauern – weil wir ja auch mal das für das Vieh so wichtige Gras herunter traten. Im Winter ein herrliches Eisparadies – auch im Sportunterricht während der Schulzeit haben wir manch schöne Stunde dort verbracht. Die Baracken der ehemaligen Maizena-Werke waren einfach aufgeteilt. Ein Eingang mit Vorraum für Garderobe und jeweils links und rechts ein Klassenraum. Die 4a war ganz hinten rechts im letzten Raum. Eine tolle Lage, hier konnte kaum einer gestört werden. Die Turnhalle war zuerst im linken Trakt in der Mitte, nicht höher als die anderen Räume. Hier wurde mangels Höhe verhalten geturnt. Die Räume waren durch beidseitige Fenster sehr hell, im Sommer sehr warm und im Winter sehr kalt. Ich erinnere mich noch, dass an sehr kalten Tagen die Heizung permanent laut knackte. Der Schulweg war nicht kürzer als vorher, aber wesentlich reizvoller. Von den Kattjahren nicht mehr nach links, sondern nach rechts die jetzige Halenreie hoch, das war damals ein Fußweg zum Bahnhof, dann Farmsener Landstraße, am Flethmannsteich vorbei in den Saseler Weg. Hier gab es einen extra Fußweg für uns mitten durch die grüne Natur mit Teichen und viel Wald. Ich glaube, die Tage, an denen wir nach dem Unterricht direkt nach Hause gingen, konnte man zählen. Im Sommer tobten heiße Räuberkämpfe im Wald, und im Winter liefen die Mutproben auf dem manchmal noch nicht sicheren Eis oder Eisschollenfahrten mit oft feuchtem Ausgang. Einen besonderen Vorteil hatte die Schule wegen der großen Gartenanlage. Die Pflege war von Herr Jönsson (*/24) und Herrn Schwank überhaupt nicht zu schaffen. Also wurden „Strafkommandos“ gesucht, die bei der Gartenarbeit helfen mußten – natürlich während der Schulzeit. Hier genügten in der entsprechenden Jahreszeit ein paar vorlaute Bemerkungen im Unterricht, und schon hatte man einen Spaten in der Hand. Ich fand das toll. Nicht so gut war das Verbot, mit dem Fahrrad zu Schule zu kommen. Dies war nur für weiter entfernt wohnende Schüler gestattet. Der Grund: es fehlten die erforderlichen Fahrradständer auf dem Grundstück. Auch diese Schule hatte eine Eisenpforte, die leider durch Herrn Jönsson mit dem Klingelzeichen um 8 Uhr, oder, wenn er gut gelaunt war, um 08.02 Uhr geschlossen wurde. Um 08.10 Uhr wurde sie wieder geöffnet, nach dem Motto: Wer zu spät kommt, muss richtig zu spät kommen. Zum Glück gab es im Zaun einige Löcher, die den Eingeweihten auch um 08.05 Uhr Einlass gewährten. Im Laufe der nächsten Jahre bekamen wir einen Physikraum, eine relativ passable Turnhalle, den großen Sportplatz, den schönen Schulhof. Ich meine, die Schule war sehr menschlich; das hat sicher in erster Linie an dem Lehrerteam gelegen, aber sicher auch daran, daß wir alle neu angefangen haben; es war nicht eine Schule, sondern unsere Schule, und es waren unsere Lehrer, die mit uns gemeinsam etwas aufgebaut haben. Die Schule war am Anfang ein Provisorium, an dessen Veränderung und Verbesserung wir als erster Jahrgang in erheblichem Umfang teilnehmen durften. Sicher ist dies der Grund für die noch heute enge Bindung an diese Schule, nach immerhin 40 Jahren.“ (*/25)

Leider fand ich bisher keine Veröffentlichung in den archivierten Zeitungen, in denen mit Fotos die Einweihung dokumentiert wurde. 57

Luftaufnahme Maizena-Werk; Schule An den Teichwiesen ca. 1949 (Foto: Staatsarchiv Hamburg)

Im Hamburger Echo vom 17.Oktober 1949 wird die Einweihung der Schule An den Teichwiesen nur in einem Nebensatz in einem Artikel über die Einweihung der Schule Steenkamp erwähnt, (*/26) während das Hamburger Abendblatt am 15. Oktober 1949 der Feier etwas mehr Raum widmete:

„Schulen am laufenden Band Wie ein Ferienheim in den flammenden Herbstwald geschmiegt, empfing gestern die neue Schule an den Volksdorfer Teichwiesen die junge Garde der 700 Schüler und Schülerinnen, die hier unter wahrhaft idealen Voraussetzungen für den Ernst des Lebens erzogen und herangebildet werden sollen. Als Präses der Behörde übergab Senator Nevermann den während des Krieges von den Maizena-Werken erbauten Gebäudekomplex an die Schulbehörde. Senator Landahl hielt die Weiheansprache. […].“ (*/27)

Die Lehrerin Frau Else Staack führt ihre 1. Klasse nach der Einschulungsfeier in den Klassenraum Ostern 1951 (Foto: Staatsarchiv Hamburg) Bild unten: Winter in der „Puddingschule“ (Foto: Archiv der Schule An den Teichwiesen)

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In der Broschüre zum 40jährigen Jubiläum der Schule ist ein Bericht der ehemaligen Lehrerin Frau Else Staack abgedruckt, die dem Kollegium von 1951 bis 1967 angehörte. Er gibt die Aufbruchsstimmung wieder, die in den frühen Nachkriegsjahren trotz aller materiellen Widrigkeiten in dieser Schule herrschte und mit der viele Schwierigkeiten überwunden wurden: „Vor nun schon fast 25 Jahren eröffnete man mir, daß ich zum Ostertermin zwei erste Klassen, nämlich 1b und 1c, übernehmen sollte. Es wären aber nur 35-40 Kinder in jeder Klasse. Zur Verfügung stand mir für beide Klassen ein Raum mit nur einem Schrank in unserer linken Baracke. Wer unsere Baracken noch gekannt hat, weiß, daß sie recht niedrig waren, die Luft also schnell verbraucht war. Die Fußböden knarrten bei jedem Schritt. Die Fenster hielten sich an der Farbe fest und die Heizung knackte von Zeit zu Zeit derartig laut, daß selbst der schläfrigste Schüler wach wurde. Die Wandtafel hing so unglücklich (es ließ sich aber nicht abändern), daß Schrift oder Zeichnung für etliche Kinder immer „blendete“ und sie nachfragen oder aufstehen und zur Tafel gehen mußten. An Regentagen gab es für die Pause keine überdachten Gänge, sondern eine meiner beiden Klassen mußte sich mit der Klasse 1a den kleinen, etwa 16qm großen Flur zwischen den beiden Klassenräumen als Pausenaufenthalt teilen, und das für etwa 70 Kinder! Kommentar überflüssig. Von 8-10 Uhr unterrichtete ich 1b, von 11-13 Uhr 1c. Bei dieser geringen „Beschulung“ blieb es das ganze erste Jahr. Den Kindern wird es gesundheitlich bestimmt gut getan haben. Fehlte einmal die Lehrerin der Parallelklasse, so mußte kombiniert werden. 35 kleine ABC-Schützen zogen dann, die Stühle über den Kopf haltend, über den kleinen Zwischenflur in die Parallelklasse und suchten an den vorhandenen Tischen Platz. Das gab ein hübsches Gewühl, und es dauerte eine Weile, bis Ruhe eingekehrt war.

Aber alles in allem, rückwärts betrachtet, hatten unsere Baracken trotz mancher Unzulänglichkeiten etwas Gemütliches! Man fühlte sich wie in einem Privat-Gartenhaus. Und jeden Tag freuten wir uns aufs Neue über unser großes gepflegtes Parkgelände und den schönen Baumbestand.“ (Else Staack (*/28))

Schlussbetrachtung In den einzelnen Festschriften der Schule An den Teichwiesen finden sich noch etliche interessante Berichte von Schülern, Lehrern und Hausmeistern über ihre „Schulzeit“ an der „Puddingschule“/Schule An den Teichwiesen, doch dafür reicht der Platz in dem Spieker Jahrbuch nicht aus. In der Zwischenzeit gehört der Unterricht in den Baracken der Geschichte an, denn diese wurden am Anfang des Jahres 1967 abgerissen, um Platz für die Neubauten der Schule zu schaffen. Alle Spuren der alten Fabrikationsanlage mit ihren Gebäuden, Wegen und Bäumen wurden getilgt; moderne Schulbauten traten an ihre Stelle, die Ende des Jahres 1968 bezogen wurden. Der ehemalige Schulleiter Wilhelm Battmer schreibt dazu: „Als dann Anfang 1967 an den Teichwiesen die Sträucher und Bäume und sogar der Fischteich den Planierraupen zum Opfer fallen mußten, damit 20 neue Klassenräume entstehen konnten, beklagten zwar mancher Spaziergänger und auch die Schulgemeinschaft den Verlust dieser schönen Grünanlage, über die man sich in jeder Jahreszeit gefreut hatte, aber wenn man jetzt gegen Ende des Jahres 1968 die Kinder in den viel größeren und höheren Klassenräumen erlebt, glaubt man, es wird alles noch besser, noch schöner werden, als es in der „Puddingschule“ war!“ (*/29) Die Schullandschaft in Volksdorfer hat sich seit 1949 stark verändert, mit der Gründung der angesehenen Gesamtschule Walddörfer (heute Stadtteilschule Walddörfer) wurde die Schule An den Teichwiesen in eine Grundschule umgewandelt; weiterhin gibt es heute noch drei andere Grundschulen (Ahrensburger Weg, Eulenkrugstraße, Buckhorn) und die beiden Gymnasien Buckhorn und Walddörfer.

Luftbildaufnahme Schule An den Teichwiesen ohne Baracken nach 1969 (Foto: Staatsarchiv Hamburg)

Anmerkungen (*/1)

Adressbuchdaten aus: http://agora.sub.uni-hamburg.de. Zugriff: 29.05.2013.

(*/2)

HH Schulmuseum (HH Sch), I AnT 1/1989 a. Ohle, Helga: Teichwiesen-Schule. Erinnerungen, Gedanken, Anmerkungen. Meine erste Schulzeit von 1946-1949 in Volksdorf. In: I. Holzgreen; U.E. Müller (Hrsg.): 40 Jahre Schule An den Teichwiesen 1989. Masch. Hamburg 1989. S. 9-12. [kurz: 40 Jahre].

(*/3)

Auf eine Nachfrage beim Archiv der Unilever Food Solutions erhielt ich am 13.6.2013 von der Archivarin Regina Rehbock, Customer Service Ordermanagement, die Antwort, dass der Auslagerungsort Hamburg-Volksdorf zwar in den firmeninternen Chroniken erwähnt wird, jedoch wurden keine Fotos überliefert. Bei einer vertiefenden Recherche fand Frau Rehbock dann doch noch einige interessante Fotos aus den Jahren 1944-1945.

(*/4)

Heinrich Landahl (1895-1971) war ab 1919 Lehrer und von 1926-1933 Rektor der reformpädagogisch orientierten Lichtwarkschule; 1933 wurde er aus politischen Gründen mit einer

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geringen Pension entlassen. Von 1945-1953 und von 1957-1961war er für die SPD Schulsenator. www.wikipedia.org. Zugriff: 1.6.2013. (*/5)

ASATW, Nicolai, Dr.: Am Saseler Weg vor der Schulgründung. In: Wilhelm Battmer u.a. (Hrsg.), Die Teichwiesen. Sonderheft anläßlich der Einweihung des Neubaus der Schule an den Teichwiesen im Frühjahr 1969. Ms. Hamburg 1969, 6. [Kurz: Sonderheft 69]. – Herr Nicolai gehörte 1969 zu einen der ältesten Anwohner des Saseler Weges und war der Teichwiesenschule als Nachbar und wegen seiner halbjährigen Tätigkeit als Aushilfslehrer im Kollegium eng verbunden.

(*/6)

Die Teichwiesen war seit 1966 die Schülerzeitung der Schule An den Teichwiesen; sie bestand noch im Jahr 1969.

(*/7)

Schulz-Sinogowitz, Ilse: Meine Schulzeit in Volksdorf von 1916 bis 1977 und ein bisschen Zeitgeschichte. In: Spieker Jahrbuch I (2007), S. 49-52. Hier wird die Schule aus Zeitzeugensicht näher beschrieben.

(*/8)

Die Praxis und die Konditorei existieren an dieser Stelle nicht mehr.

(*/9)

Fritz Schumacher (1869-1947), vollständiger Name Friedrich Wilhelm Schumacher, war ein deutscher Architekt, Stadtplaner, Baubeamter und Hochschullehrer, der viele Jahre als Oberbaudirektor in Hamburg wirkte. Er war Mitbegründer des Deutschen Werkbundes und Förderer der neuzeitlichen Backstein-Bauweise in Norddeutschland. Wir verdanken ihm u.a. viele der schönsten Backstein-Schulbauten Hamburgs.

(*/10) Hans Brunckhorst (1883-1955): von 1931-1933 Lehrer und von 1945-1950 Schulrat für Volksschulen. Nach: Uwe Schmidt: Hamburger Schulen im „Dritten Reich“. Bd. 2. Anhang. Hrsg. von Rainer Hering. Beiträge zur Geschichte Hamburgs. Hrsg. vom Verein für Hamburgische Geschichte Bd. 64, Hamburg 208, 971. (*/11) Battmer, Wilhelm: Schulneubauten in Volksdorf 1929-1968/69. In: Sonderheft 69, 3-5. (*/12) Kahl, Erhard: Die Teilung der Volksdorfer Schule im Jahre 1949. Notizen und Gedanken. In: 40 Jahre, S. 2-5. (*/13) Kahl: 3. (*/14) STA HH, 362-9/2. Gesamtschule Poppenbüttel. Lehrerkonferenz-Protokoll vom 13.5.1946, S. 16 (eigene Paginierung). (*/15) Kahl: 3 f. (*/16) STA HH, 362-9/2. Gesamtschule Poppenbüttel. Lehrerkonferenz-Protokoll vom 16.1.1948, S. 35 (eigene Paginierung). (*/17) STA HH, 362-9/2. Gesamtschule Poppenbüttel. Die Schule in Poppenbüttel (Ludwig-Frahm-Schule). Masch. Hamburg 1980, 42-44. (*/18) ASATW, Aldefeld, Matthias u.a.: 50 Jahre Schule An den Teichwiesen. Ausschnitte aus Gesprächen und Interviews der Klasse 7a mit Ehemaligen. Frau Lübker Lehrerin an der TWS von 1952 bis 1963. Masch. Hamburg 1999, 10-12. [Kurz: 50 Jahre]. (*/19) Schreyer, Alf: 40 Jahre Teichwiesenschule in Volksdorf: Wie es mit der „Puddingschule“ anfing. In: Unsere Heimat – die Walddörfer 6 (1989), 83-84. (*/20) Begrifflichkeit: Mittelschulklasse 9. Jahrgang; später Technische Oberschule (TO), abgelöst von der Realschule; heute Stadtteilschule, an der die Schüler den Realschul-Abschluss erwerben können. (*/21) August Wilkens war 1949/1950 Klassenlehrer der M 9. In: 40 Jahre, 8. (*/22) Dr. Paul Nevermann (1902-1979) war von 1946-1950 Senator für Bau- und Wohnungswesen und von 1969-1965 Erster Bürgermeister Hamburgs. 1949 war er bei der Einweihung der Schule als Senator und nicht als Bürgermeister (vgl. u.: „Schulen am laufenden Band“), wie es in dem Sonderheft „Die Teichwiesen“ angegeben wurde. www.wikipedia.org. Zugriff: 1.6.2013. (*/23) Israel, Gerda: 14.10.1949 Der Tag des Umzugs. In: 40 Jahre, 5-8. Handschriftlich. (*/24) Herr Gerhard Jönnson war von 1949 bis 1981 Hausmeister an der Schule An den Teichwiesen; Herr Emil Schwank war ab 1949 Heizer an der Schule. (*/25) Meissner, Uwe: Der Schulumzug 1949. Die neue Schule. In: 40 Jahre, 2-13. (*/26) sub. uni-hamburg; Sign.:D 244: Stadtausg. Hamburger Echo Nr. 142 vom 17.10.1949, 74. Jg. S. 3. (*/27) O. V., Schulen am laufenden Band. In: Hamburger Abendblatt, Sonnabend den 15. Oktober 1949, Nr.142, S. 3. Hamburg-Seite. (*/28) HH Sch, I AnT 1/1989a. Staack, Else: Aktion „kleine Klasse“ Ostern 1951. In: 40 Jahre, 18. – Der Bericht wurde von Frau Staack zum 25jährigen Jubiläum im Jahr 1974 verfasst. (*/29) Battmer: Schulneubauten, 5.

Abkürzungen ASATW HH Sch Masch O. V. StA HH Sub.uni-hamburg

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„Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“: Naturschutz und Umweltpädagogik in den Walddörfern Die Schutzgemeinschaft

Logo der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesverband Hamburg e.V. (SDW), wurde 1971 gegründet und ist ein nach dem Bundesnaturschutzgesetz § 29 eingetragener und anerkannter Naturschutzverband. Die SDW engagiert sich von Beginn an für den Naturschutz in unserer Stadt. Neben der traditionellen Naturschutzarbeit wie Landschaftspflege und Biotopschutz zählt die Umweltpädagogik zu den Schwerpunkten der Verbandsarbeit. Als moderner Naturschutzverband mit Verantwortung für zukünftige Generationen hat sich die SDW auch Tätigkeitsfelder außerhalb der klassischen Naturschutzarbeit angenommen. Ziel ist es den Menschen Wald und Umwelt näher zu bringen und damit das Umweltbewusstsein zu stärken. Die Kinder und Jugendlichen stehen hier besonders im Mittelpunkt des Engagements. Was mit Waldjugendeinsätzen und der Einrichtung von Schulwäldern begann, hat heute zu einem vielfältigen Angebot in der Wald- und Umweltpädagogik geführt. Der Bundesverband der SDW hat seinen Sitz in Bonn und koordiniert die bundesweite Arbeit. Neben seiner Lobbyarbeit für den Wald erarbeitet er gemeinsam mit den Landesverbänden die Leitlinien und Schwerpunkte der Arbeit und unterstützt mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit deren Arbeit. Zusammen mit Sponsoren werden zahlreiche Projekte zum Wald- und Naturschutz und der Umweltbildung durchgeführt. Seit 1947 steht hier der Wald im Mittelpunkt der Arbeit. Die 25.000 Mitglieder sind organisiert in ca. 400 SDW-Gruppen, die die aktive Naturschutzarbeit vor Ort durchführen. Mit dem WÄLDERHAUS in Hamburg-Wilhelmsburg realisierte der Landesverband Hamburg 2012 in Verbindung mit der Internationalen Bauausstellung (IBA) und der Internationalen Gartenschau Hamburg (igs 2013) ein völlig neuartiges Multifunktionsgebäude. Es ist nicht nur Veranstaltungsort, Hotel und Restaurant, sondern beherbergt als Herz des Hauses das sogenannte SCIENCE CENTER WALD rund um das Thema Wald und Nachhaltigkeit, in dem die Besucherinnen und Besucher alles Wissenswerte über die Wälder der norddeutschen Region erfahren können. Auf 600 qm über zwei Etagen und an rund 80 Erkundungs- und Mikroskopie-Stationen wird eine Fülle von Aspekten des Waldes, wie zum Beispiel seine ökologische Funktion, seine biologische Vielfalt (Biodiversität) sowie seine umfassende kulturelle Bedeutung dokumentiert und präsentiert, diskutiert, erklärt und erläutert.

Die Arbeit in den Walddörfern Wälderhaus

Wohldorfer Wald, Hainesch-Iland, Raakmoor, Höltigbaum und Fischbeker Heide. Von den fünf Naturschutzgebieten liegen der Wohldorfer Wald und der Hainesch-Iland direkt in den Walddörfern (des ehemaligen Ortsamtsbereichs). Das Raakmoor und der Höltigbaum befinden sich immerhin noch in Nachbarschaft zu den Walddörfern. Die SDW Wald betreibt arbeits- und umweltpädagogische Projekte in den Walddörfern, die in den folgenden Abschnitten kurz vorgestellt werden sollen.

Das Naturschutzgebiet Wohldorfer Wald Dieses Naturschutzgebiet in Nord-Osten Hamburgs ist das älteste Forstrevier Hamburgs. Bereits vor mehr als 500 Jahren, im Jahre 1437, wurde es von der Stadt Hamburg erworben. Aufgrund der außerordentlich schönen Lage erklärte 1770 die Hansestadt das Naherholungsgebiet Wohldorfer Wald zum Erholungswald nach dem Waldgesetz. Heute sind rund 136 ha des insgesamt 364 ha großen Waldes bereits Naturschutzgebiet und stehen nach den Flora-Fauna-Habitat Richtlinien (FFH-RL) und den EG-Vogelschutzrichtlinien (EG-VRL) unter Schutz (vgl. auch 62

Wohldorfer Wald

SPIEKER-Jahrbuch 2012, S. 64ff.). Der Wohldorfer Wald ist durch die eiszeitliche Endmoränenlandschaft geprägt: er ist stark hügelig; moorähnliche Feuchtgebiete und Fließgewässer kennzeichnen das Landschaftsbild. Dieser Struktur verdanken wir heute die unterschiedlichen Waldbilder. Entlang der Ammersbek entwickeln sich artenreiche Auwälder, in den feuchten Mulden und Senken stößt man hier und da auf die seltenen Erlen- und Weidenbruchwälder, die Übergangszonen haben im Laufe der Zeit Eichen, Eschen und Ahorne besiedelt und in den trockeneren Partien erstrecken sich mächtige, bis zu 200 Jahre alte Buchenwälder. Bewusst liegen gelassenes Totholz sowie stehende „Totholzinseln“ und diverse naturbelassene Bäche prägen den Zustand des Waldes. Eine weit über die Waldörfer hinaus bekannte Seltenheit ist die große Orchideenwiese inmitten des Waldes. Die unterschiedlichen Waldtypen bieten einer Vielzahl von Tierarten ein Refugium, das ihnen anderswo in Hamburg kaum irgendwo geboten wird. In den majestätischen Buchen und Eichen finden Höhlenbewohner wie Waldkauz, Hohltaube und mehrere Arten von Fledermäusen ausreichend Quartiere, und das Totholz liefert die Lebensgrundlage für mehr als die Hälfte aller Waldbewohner. Wer aufmerksam und leise durch den Wald geht, kann mit ein wenig Glück selten gewordenen Tierarten begegnen: Der Fischotter zieht in den größeren Gewässern seine Bahnen, der Eisvogel brütet irgendwo an einer Steilkante, der Kolkrabe krächzt über den Baumwipfeln, der Schwarzspecht sowie der seltene Mittelspecht zimmern ihre Höhlen, und gelegentlich hört man nachts den Ruf des Uhus. Der naturnahen Forstwirtschaft und dem Stopp der Entwässerung der Bruchwälder ist es zu verdanken, dass wir diese außerordentliche Artenvielfalt Tag für Tag genießen dürfen. Seit Jahren ist die SDW betreuender Verein im Sinne des „Hamburgischen Naturschutzgesetzes“. Dazu gehört schon seit langem die Beobachtung des Waldes. Seit dem Winter 2006/2007 beteiligt sich die SDW alljährlich an dem systematischen Wintervogelzählungs-Projekt des Arbeitskreises an der staatlichen Vogelschutzwarte Hamburg und zählt im westlichen Teil des NSGs die Wintervogelarten in mehreren hamburgweit koordinierten Begehungen. An der laufenden Brutvogelatlas-Kartierung Hamburgs des Arbeitskreises nimmt die SDW im Wohldorfer Wald sowie in weiteren Gebieten der Walddörfer (Region Moorbekweg/Ahrensburger Weg) teil und ermittelt hier den Brutvogelbestand sämtlicher heimischer Brutvogelarten in den Walddörfern. Seit 2008 lädt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald regelmäßig zu zweistündigen und ganzjährig stattfindenden Führungen rund um das Thema Ökosystem Wald und Vogelwelt in das Naturschutzgebiet Wohldorfer Wald ein.

Das Naturschutzgebiet Hainesch-Iland Der Hainesch-Iland liegt im Nordosten der Stadt und wurde 1975 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es ist 74 ha groß, wurde 1982 als EG-Vogelschutzgebiet gemeldet und liegt zwischen den Hamburger Stadtteilen Sasel und Bergstedt. Das gesamte Oberalstergebiet wurde durch die 63

Weichseleiszeit geformt. Rauschende Schmelzwasserflüsse schufen tiefe Flusstäler und die Kraft der Gletscher modellierte die typischen Hochflächen Hainesch und Iland. Die Pflanzenwelt ist bestimmt von der geologischen Formation der Bachtäler und den Hochflächen Hainesch und Iland. Letztere sind Bauern- und Gartenland mit Resten einer natürlichen Bewaldung, die auf Jahrhunderte lange Nutzung hinweisen. Interessant sind vor allem die Hänge und Täler an der Saselbek, wo sich Blütenpflanzen wie die Teufelskralle, der Mittlere Lerchensporn oder das Bittere Schaumkraut angesiedelt haben. Auch die Wälder entwickeln sich langsam zu einer typischen Auwaldgemeinschaft aus Erlen, Ulmen, Weiden und Stieleichen. In den Sumpfwiesen zum Mühlenteich wächst als Orchideenart das Breitblättrige Knabenkraut. Im NSG Hainesch-Iland sind Wasservögel und Amphibien beheimatet. Hier gibt es viele Enten und Rallen, den Zwergtaucher und die Gebirgsstelze. Gras-, Moor- und Wasserfrosch und auch der Teichmolch sind anzutreffen. In den Hangwäldern finden viele Vögel Brut- und Nahrungsplätze. Im gesamten Naturschutzgebiet kommen etwa 130 Vogelarten als Standvögel oder Nahrungssucher vor. Früher war auch der Eisvogel im Hainesch-Iland beheimatet, wurde aber hier schon lange nicht mehr gesichtet. Um den Eisvogel wieder anzusiedeln, hat die SDW drei Nistkästen in die Steilwände an der Furtbek eingebracht. Bis heute wurden jedoch diese Nistkästen nicht vom Eisvogel angenommen, und bei Vogelkundlern herrscht inzwischen weitgehend die Meinung vor, dass die Hoffnung darauf aussichtslos ist. Aussichtsreich ist wohl allein die Erhaltung bzw. Schaffung natürlicher Steilwände an den Gewässerufern. Auch hier bietet die SDW Hamburg regelmäßig und ganzjährig vogelkundliche Führungen an und führt für den Arbeitskreis an der Staatlichen Vogelschutzwarte Hamburg die Wintervogelzählungen durch. Aufgrund der Nähe zur städtischen Bebauung wird das Naturschutzgebiet leider immer wieder als illegale Müllkippe genutzt. Ob Sperrmüll oder Gartenabfälle, im Hainesch-Iland wird alles abgeladen. Aus diesem Grund war die SDW im Februar 2011 mit sechs Mitarbeitern vor Ort, um den entsorgten Müll der vergangenen Monate zu entfernen. Etliche Kubikmeter Müll, darunter Kunststoffplatten, Hausmüll, Bretter und sogar ein alter Taubenschlag als besonderes „Fundstück“ waren die Ausbeute. Aufgeladen auf den Kleintransporter, wurde der Müll bei der Stadtreinigung entsorgt.

Entwicklungsmaßnahmen an Fließgewässern

Aufräumungsarbeiten im Naturschutzgebiet Hainesch-Iland

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Als betreuender Verband vom Naturschutzgebiet Hainesch-Iland entschloss sich die SDW 2011, eine so genannte Bachpatenschaft für die Saselbek und die ebenfalls durch das NSG fließende Furtbek zu übernehmen. Diese Bachpatenschaften verpflichten zu einer Gewässerrenaturierung als auch zu einer Gewässerunterhaltung. Die Saselbek entspringt dem Allhornteich im Hamburger Stadtteil Volksdorf und fließt in westlicher Richtung, passiert dabei das Volksdorfer Zentrum, durchquert das Naturschutzgebiet Teichwiesen zwischen Volksdorf und Sasel und erreicht schließlich das Naturschutzgebiet Hainesch-Iland in Hamburg Bergstedt. Nach einer Begehung der Saselbek mit Mitarbeitern des Bezirksamtes Wandsbek wurde gemeinsam ein erster Bereich innerhalb des NSGs zur Renaturierung festgelegt. Dort haben Jugendliche und erwachsene Naturfreunde der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e.V. (SDW) karrenweise (insgesamt 20 t) Kies und große „Störsteine“ in die Saselbek geschüttet. Steinige Erhebungen und breite Kiesschwellen prägen jetzt den Bach auf einer Strecke von 40 m. Deutlich lässt sich die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit durch die neue Struktur erkennen. Fast bekommt man den Eindruck, als blicke man auf ein wildes Bächlein im Mittelgebirge, doch ist es die Saselbek, die ihr altes Gesicht zurück erhält. Bevor der Mensch eingriff und die Saselbek nach seinen Vorstellungen veränderte und verbaute, wird sie so oder ähnlich ausgesehen haben. Die künstlich eingebrachten Kiesbetten schaffen neuen Lebensraum für seltene Tierarten wie zum Beispiel Köcherfliegen- und Eintagsfliegenlarven. Diese wiederum sind zum Beispiel eine wichtige Nahrungsgrundlage für einen Fisch, den es auch in der Saselbek gegeben hat – die Bachforelle. Neben der Nahrung benötigt die Bachforellle aber auch viel Sauerstoff. Die Störtsteine, im Fachjargon auch Strömungslenker genannt, sorgen wie die Kiesbetten für Verwirbelungen und eine Erhöhung der Fließgeschwindigkeit, wodurch der Sauerstoffgehalt in der Saselbek nachhaltig erhöht wird. Die SDW Hamburg betreut als Bachpatin speziell zugewiesene Bereiche der Saselbek. Mit Unterstützung des Bezirksamts Wandsbek werden geeignete Maßnahmen zur Strukturverbesserung abgesprochen und umgesetzt. Bis die Saselbek auf ihrer ganzen Strecke renaturiert ist und sich die Bachforelle wieder ansiedelt, wird aber noch viel Wasser den Bach herunterlaufen.

WaldSpiele Hamburg: Lernen in der Natur – effektiv und gesund Seit 17 Jahren veranstaltet die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Hamburg die „WaldSpiele“. In dieser Zeit haben ca.120.000 Kinder im Alter zwischen 9 und 11 Jahren an diesen Spielen teilgenommen. Jährlich sind heutzutage zwischen sechstausend und achttausend Hamburger Jungs und Deerns – mit und ohne Migrationshintergrund, mit und ohne körperliche Einschränkungen – auf dem 2 km langen Parcours durch den Wald unterwegs. Jeweils im April/Mai und im August/September heißt es an insgesamt 20 Tagen „In die Wälder ... fertig ... los.“ Immerhin sind ganze sechs Austragungstage davon in den Walddörfern, nämlich im Volksdorfer Wald. Die anderen drei zur Verfügung stehenden Austragungsorte sind verschiedene Waldgebiete in Niendorf, Harburg und Bergedorf. Die Kinder dürfen an ca. 16 Stationen die unterschiedlichsten Aufgaben – Wissensfragen, Geschicklichkeitsspiele und Sinneswahrnehmungsübungen – lösen. An jeder Station werden Punkte gesammelt. Kinder dieser Altersgruppe messen sich besonders gerne im spielerischen Wettkampf und so werden am Ende auch die beste Gruppe, die beste Klasse und die beste Schule ermittelt. Die Stationen werden durch Mitarbeiter der SDW, ehrenamtliche Helfer der SDW und Mütter und Väter der teilnehmenden Kinder betreut. Dadurch kann individuell auf die Kinder eingegangen werden. Wo es nötig ist, werden mit den Kindern gemeinsam Lösungen erarbeitet, um Frust abzubauen und einen Lernerfolg sicherzustellen. Zwischen den Stationen sind die Kinder selbständig allein im Wald unterwegs. Eine neue Erfahrung, die fordert und fördert. Die WaldSpiele sind eine Ergänzung zum Schulunterricht und eine Bereicherung des Alltags für die Kinder. Erinnerungen an diesen Tag im Wald sind bei den Kindern noch nach Jahren vorhanden. Es ist der besondere Schultag, der Tag im Wald. Dass der Tag so besonders ist, dafür sorgt die SDW mit ihrer Erfahrung und viel Engagement jedes Jahr aufs Neue. Sorgfältige Stationenauswahl und kompetente Betreuung an den Stationen stellen sicher, dass neben dem Spaß das Lernen nicht zu kurz kommt. Lehrerinnen und Lehrer bereiten ihre Klassen gezielt auf die WaldSpiele vor. Jedes Kind erhält eine persönliche Urkunde und ein kleines Geschenk zur Erinnerung. Bisher bekam die beste Schule einen Obstbaum geschenkt. Alle Lehrerinnen und Lehrer erhalten darüber hinaus Informationsmaterial.

Andere umweltpädagogische Angebote der SDW in den Walddörfern

Waldspiele kommen immer gut an

Bild unten: Das Umwelt-Mobil ist da!

Das Umweltmobil der SDW ist jedes Jahr in Hamburg und Umgebung für Schulen, Kitas und Veranstaltungen unterwegs. Viele Termine finden auch in den Walddörfern statt. Ermöglicht wird dies wie in den Jahren zuvor durch die Unterstützung der AURUBIS AG aus Hamburg. Das Umweltmobil ist ein VW -Transporter mit Sonderaufbau, der durch einen Autogasmotor umweltfreundlich angetrieben wird. Die Solaranlage auf dem Dach gewährt eine autarke Stromversorgung, sodass der Unterricht draußen vor Ort im Wald oder am Gewässer möglich ist. Die Innenausstattung erlaubt chemische als auch biologische Untersuchungen, die Ergebnisse können sofort mittels moderner Technik digital verarbeitet werden. Dazu stehen ein Binokular mit Videoanlage und Monitor sowie ein Computer zur Verfügung. Eine Seite des Transporters fungiert als begehbare Dauerausstellung zum Wald, in der sich Besucher von Stadtteilfesten informieren können. Zusätzlich ist alles untergebracht, was man für die klassische Natur-Erlebnis-Pädagogik – von der Augenbinde bis zum Wasserkescher – benötigt. Das Projekt findet in Einzelfällen auch auf dem Schulhof oder beim Kindergarten statt. Normalerweise trifft man sich aber draußen in der Natur wie zum Beispiel im Volksdorfer Wald. 65

Das SOKO Wald-Projekt „Auf den Spuren des Unsichtbaren“ Eine Entwicklung des Bundesministeriums Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) Was hat Kaugummi mit dem Wald zu tun? In welchen Produkten steckt Wald? Wo finden wir Wald in der Stadt? Brauchen wir den Wald für die Stadt überhaupt? Mit diesen und vielen anderen Fragen beschäftigen sich die Ermittler der SOKO (= Sonderkommission) Wald. Mit allen Sinnen erleben die Schülerinnen und Schüler (5.- 7. Klassen) den Wald und begeben sich dann auf die Suche nach den Spuren des Unsichtbaren. Ausgestattet mit Kameras ziehen die Kinder los, um Produkte zu finden, die aus dem Wald stammen. Die fotografierten Dinge (Möbel, Papier, Schokolade, Radiergummi…) werden im Anschluss der Klasse vorgestellt und auf einer großen Weltkarte den jeweiligen Ländern zugeordnet, aus denen die Rohstoffe für die Produkte kommen. Die Teilnahme an der SOKO Wald ist kostenlos und wird vom BMELV gefördert. (Mit jährlich insgesamt rund 20.000 betreuten Kindern und Jugendlichen ist die SDW Hamburgs größter Anbieter im Bereich des umweltpädagogischen Engagements.)

Spenden und Adressen Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Landesverband Hamburg e. V. benötigt für ihre Arbeit sowohl Spenden als auch Fördermitglieder. Veranstaltungshinweise sind in der Presse wie den Wochenblättern oder auf unserer Homepage zu finden (www.sdw-hamburg.de und www.waelderhaus.de). Wir freuen uns über jeden Teilnehmer an einer unserer nächsten Veranstaltungen. Unsere Kontonummer: SDW LV Hamburg, Spendenkonto-Nr. 3 228 129 bei der HypoVereinsbank (BLZ 200 300 00). Kontakt: WÄLDERHAUS, Am Inselpark 19, 21109 Hamburg; Telefon 040 / 302 156-503.

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Einkommensteuererklärung • bei ausschließlich Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit, Renten und Pensionen • bei Einkünften aus Kapitalvermögen, aus Vermietung und den sonstigen Einkünften (z. B. aus sog. Spekulationsgeschäften), wenn die Einnahmen aus diesen Einkunftsarten insgesamt 13.000 EUR bzw. 26.000 EUR bei der Zusammenveranlagung von Ehegatten nicht übersteigen

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80 Jahre Firma Rundt in Volksdorf

Käthe und Robert Rundt Bild unten: 1948: Werkstatt Lerchenberg im Bau und Belegschaft Bild rechts: Ein Blick in die Ausstellungsräume im Laden 1951

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Jahrelang hatte der Klempner- und Installateur-Geselle Robert Rundt bei der Klempnerei-Betriebsgenossenschaft gearbeitet. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Buchhalterin Käthe Rundt, wohnte er seit 1930 in einer Wohnung an der Gussau 101 im damals noch ländlichen Volksdorf. Doch schon gleich nach ihrer Machtergreifung im Januar 1933 liquidierten die Nationalsozialisten viele Genossenschaften, darunter auch die der Klempner. Robert Rundt wurde arbeitslos. Doch das junge Ehepaar resignierte nicht, sondern wagte den Schritt in die Selbständigkeit. Robert Rundt legte die Meisterprüfung ab und gründete den Installateur- und Klempnerbetrieb Robert Rundt. In diesem Jahr feiert die Firma ihren 80. Geburtstag. Als erste Werkstatt dienten die Kellerräume in der Gussau 101. Arbeit gab es in den aufstrebenden Walddörfern genug, und schon bald wurde es notwendig, einen Gesellen und einen Lehrling einzustellen. Eine größere Werkstatt mietete Robert Rundt in der Eulenkrugstraße 68 an. Mit seinen soliden handwerklichen Fähigkeiten und der umsichtigen kaufmännischen Geschäftsführung seiner Ehefrau Käthe entwickelte die Firma sich prächtig. 1936 kaufte das Ehepaar von Hans von Ohlendorff ein Grundstück am Lerchenberg 13, im gleichen Jahr entstand dort eine Werkstatt, 1937 kam das Wohnhaus hinzu. Mittlerweile war der Mitarbeiterstamm auf acht Beschäftigte gewachsen, die ersten Lehrlinge wurden ausgebildet. Im Zweiten Weltkrieg war Robert Rundt von 1940 bis 1945 Soldat. Ehefrau Käthe führte das Geschäft mit einigen Gesellen noch bis Ende 1942 weiter. Nach kurzer englischer Kriegsgefangenschaft begann Robert Rundt mit einigen alten und mit neuen Mitarbeitern den Wiederaufbau seines Betriebs, knüpfte in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs Geschäftsverbindungen mit Architekten und Bauträgern. In den Jahren 1948/49 entstand ein größerer Werkstattanbau, 1951 kam ein Büro- und Ladentrakt hinzu. 1966 kam die nächste bauliche Veränderung: Die Werkstatträume wurden abgerissen und neu gestaltet. „Wir waren richtig gut im Geschäft“, erinnert sich Uwe Rundt, der als Sohn von Robert Rundt im Jahr 1958 nach erfolgreichem Abschluss der Lehre in den elterlichen Betrieb eingetreten war. 1963 legte auch er nach Besuch der Abendschule die Meisterprüfung ab und übernahm nach dem Tod seines Vaters 1968 die Firmenleitung im Alter von 30 Jahren. Wie schon zuvor

sein Vater setzte sich Uwe Rundt ehrenamtlich als Walddörfer Bezirksmeister der Innung für das Sanitärhandwerk ein, wurde 1970 in den Vorstand der Innung und 1977 zum Obermeister gewählt. Als Seniorchef arbeitet Uwe Rundt noch heute täglich im Betrieb, unterstützt seinen Sohn Andreas Rundt, der die Firma seit fast zehn Jahren in der dritten Generation führt. Neuinstallationen im großen Stil für die Neubauten der Walddörfer Genossenschaft in Stüffelring, Stüffeleck und Henseweg, gleichzeitig maßgeschneiderte Badezimmer für Einzelhäuser und jede Menge Reparatur- und Wartungsaufträge – das Leistungsspektrum der Firma in den 60er- und 70er-Jahren war beachtlich, immer mehr Wohnbau-Großaufträge gingen ein. „Die Dachrinnen haben wir damals in unserer Werkstatt noch selbst angefertigt, und in den 60er-Jahren hatten wir sogar einen Dachdecker-Gesellen, der diese Arbeit gleich mit gemacht hat“, erzählt Uwe Rundt. Im Winter fertigten die Rundt-Mitarbeiter neue Badezimmer in der Werkstatt am Lerchenberg als Modelle zentimetergenau an, in den Sommermonaten installierten sie alles beim Kunden. „Auf eine penible Arbeitsvorbereitung haben wir immer Wert gelegt“, sagt Uwe Rundt. „Mal eben mit einem Auto voll Material vorfahren und dann sehen, wie man damit zurechtkommt – das hat es bei uns nie gegeben. Nach Möglichkeit berücksichtigen wir auch die Formate von Wand- und Bodenfliesen, damit an den Ecken kein Stückwerk entsteht.“ Zum Wohnungsbau kam Ende der 70er-Jahre der Büro- und Gewerbebau hinzu. Und auch hier war das Spektrum der Firma Robert Rundt ausgesprochen breit zwischen Prestigeobjekt und Zweckbau. Rundt-Installateure statteten das Fahning-Haus und das Möhring-Haus am Neuen Wall mit neuen Rohrsystemen und Toiletten aus, fertigten andererseits die kompletten Neuinstallationen von Filialen der Baumarkt-Kette Max Bahr oder von Filialen der Haspa an. Länger als 20 Jahre war Robert Rundt zuständig für den laufenden Service im Haspa-Verwaltungsgebäude in der Hamburger Altstadt. 30 Mitarbeiter beschäftigte die Firma bis Ende der 90er Jahre. Die Männer in den knallroten Overalls waren kreuz und quer durch Hamburg gefragt, und viele von ihnen blieben der Firma jahrzehntelang treu. Der zweite Lehrling, den Robert Rundt ausbildete, hieß Ulrich Glimm und arbeitete dort bis zum Eintritt ins Rentenalter Mitte der 80er-Jahre. Und erst in diesem Frühjahr ging Monteur Frank Harloff in den Ruhestand – nach 48 Jahren bei Robert Rundt. Besonders stolz ist Uwe Rundt noch heute auf einen Auftrag des Amalie-Sieveking-Krankenhauses: „Das haben wir unter laufendem Betrieb komplett modernisiert.“ Richtig knifflig war auch die Arbeit beim Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie auf dem Gelände des Universitätskrankenhauses Eppendorf. Das war in den 90er-Jahren. „Dort haben wir in Zusammenarbeit mit einem Planungsingenieur die Forschungslabors komplett neu installiert – mit all den geringen Toleranzen und Besonderheiten, die ein wissenschaftlicher Forschungsstandort mit internationalem Renommé erfordert. Brandneu war damals die Sensor-Technik, mit der vermieden wurde, dass Personen die Armaturen berühren. „Heute ist das Standard in jedem Labor und jedem Betrieb, der mit Lebensmitteln arbeitet“, weiß Rundt. Mit dem neuen Jahrtausend änderten sich die Dinge. Zwar waren schon mit dem Fall des Eisernen Vorhangs billige Arbeitskräfte aus Osteuropa gekommen, deren Firmen ihre Leistungen zu Dumping-Preisen anboten. „Nun aber wurden die Gewerke bei Großobjekten immer häufiger

Auf einem Betriebsausflug im Hamburger Hafen 1950

Die Zeit bleibt nicht stehen: Uwe Rundt 1973 (Bild links) und der Fuhrpark in den achtziger Jahren

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Andreas Rundt

an Generalunternehmer vergeben, für die wir dann als Subunternehmer arbeiten sollten“, beschreibt Uwe Rundt. „Das ergab in den meisten Fällen viel Ärger und wenig Gewinn.“ Im Jahr 2004 verabschiedete sich die Firma Rundt vom Großobjekt, konzentriert sich seitdem auf Privatkunden im Großraum Hamburg. „Klar sind wir dadurch geschrumpft“, sagt der Seniorchef über die Firma, die jetzt noch fünf Mitarbeiter beschäftigt. „Die aber haben genug zu tun.“ Es gibt hinreichend Hauseigentümer, die ein paar Jahre nach der Fertigstellung ihres Eigenheims die vom Bauträger bereitgestellten Bad- oder Kücheneinrichtungen gegen Hochwertigeres auswechseln lassen. Da sind sie bei Robert Rundt richtig. „Eine kleine Auswahl von Sanitäreinrichtungen haben wir hier in unserem Ladengeschäft am Lerchenberg ausgestellt“, sagt Rundt. Mehr Vielfalt bieten Haustechnik-Großhandel wie Stitz in Barsbüttel oder Wesemeyer in Siek, wo die Rundt-Mitarbeiter gemeinsam mit den Kunden meist fündig werden. Neue, regenerative Heiztechniken, Solarthermie, aber auch die auf den Kopf gestellte Alterspyramide bietet dem Betrieb heute ein gesichertes Tätigkeitsfeld. Viele Aufträge bestehen darin, Bäder, Toiletten oder Küchen barrierefrei umzugestalten. „Gut nachdenken vorher erspart Ärger hinterher“ ist dabei nach wie vor das Motto des Betriebs. „RUNDT-ums-Haus-Service“ nennt die Firma heute ihr Leistungsangebot, und das beinhaltet den tropfenden Wasserhahn ebenso wie komplexe Installationsarbeiten wie Fußbodenheizung, Pelletheizung, Erdwärme- oder Luftwärmepumpenanlagen. Wellnesseinrichtungen für Gesundheit und Wohlbefinden sind ein weiteres Standbein von Robert Rundt. Für die eigene Sauna im Haus oder im Garten gibt es Gestaltungs- und Einbauvarianten, auch wenn der Platz begrenzt ist. Dampfbäder und Dampfduschen, ein Solarium, ein Whirlpool im Badezimmer oder Infrarot-Tiefenwärme sind ebenfalls im Rundt-Sortiment. Neben dem 80. Firmengeburtstag steht in diesem Jahr noch ein zweites Jubiläum bevor: Seniorchef Uwe Rundt wird 75. „Irgendwann demnächst einmal muss ich wohl aufhören, loslassen und zu Hause bleiben“, denkt er halblaut nach. „Ich weiß nur noch nicht wann.“

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Wulf Denecke

Das Wohldorfer Herrenhaus 1996 verkaufte die Stadt Hamburg das exakt vor 300 Jahren erbaute Wohldorfer Herrenhaus. Am 9. Juli ging es in das Eigentum des Käufers G. Sawitsch über und wurde bis 1997 innen und außen denkmalgerecht renoviert.

Auf dieses Herrenhaus, die „Residenz“ der Waldherren bis zum Ende der Waldherrenschaft (1830) bezieht sich die Gründung zweier Heimatkundevereine mit dem Namen „De Spieker“. Der erste führte ein Bild des damals schon unter Denkmalschutz stehenden Hauses in seinem Vereinslogo (vgl. den Aufsatz von Heinz Waldschläger im Spieker-Jahrbuch 2007). Der zweite und letzte Vorsitzende dieses ersten Spiekervereins, Wilhelm Füßlein, ist Autor des 1937 erschienenen Buches „Geschichte der hamburgischen Walddörfer“, in dem er ausführlich auf die traditionelle Bezeichnung des Herrenhauses als „Spieker“ eingeht, die auch der zweite, 1962 – also vor exakt 50 Jahren – gegründete Verein für seine Bemühungen, die unter Denkmalschutz 72

stehenden Bauernhäuser Volksdorfs zu erhalten und zu einem Freilichtmuseum zu entwickeln, erneut annahm. Füßlein wendet sich in seinem Buch (S. 80ff.) gegen die Deutung des Archivars O. Beneke, der in seinem „Beitrag zur Geschichte der vormaligen Hamburgischen Waldherrschaft“ (1884) behauptet hatte, die Bezeichnung „Spieker“ für Herren- oder Lusthäuser beziehe sich auf die durch sie ermöglichte „gute Aussicht, zum Umherspekulieren, zum Umherspikern“. Füßlein weist darauf hin, dass es von altersher die niederdeutsche Bezeichnung für einen Kornspeicher gewesen ist. So ist auch im Zusammenhang mit den Wohldorfer Vorgängerbauten in einigen Urkunden von den Kornspeichern, den Spikern, die Rede. Dass das Wohldorfer Herrenhaus seit dem 17. Jhdt. auch als Spieker bezeichnet wurde, führt er darauf zurück, dass sich diese Bezeichnung für Amtssitze von Vögten oder Wächtern im Elbtal als Modename einzubürgern begann und nun „auch um 1700 in die Walddörfer verpflanzt worden“ sei, „woselbst doch gleichzeitig noch dasselbe Wort als (Korn-)Speicher verwendet wurde“ (S. 84). Das Wohldorfer Herrenhaus ist der einzige verbliebene von diesen „Spiekern“. Der heutige Vereinsname „De Spieker – Gesellschaft für Heimatforschung und Heimatpflege in den hamburgischen Walddörfern e. V.“ lässt sich mit beiden Bedeutungen in Verbindung bringen: zum einen auf den Amtssitz der Waldherren, also dem symbolischen Zentrum dieser damaligen Exklaven Hamburgs in Holstein, als auch auf die „bewahrende“ Funktion des „lebendigen Museums in den hamburgischen Walddörfern“, nämlich die „Ernte“ aus vergangenen Zeiten zu speichern, und zwar in dem Sinne, dass „Tradition heißt, den Funken weiter zu geben – und nicht, die Asche zu bewahren“. Um zu zeigen, wie sehr sich die Bemühungen des Vereins in der Zeit seiner Gründungsphase auch auf das Herrenhaus in Wohldorf bezogen, möchte ich hier einen bisher unveröffentlichten Brief zitieren, den Oscar Toepffer, wohnhaft in Wohldorf und kurzfristig Leiter des Rechtsamts im ersten Nachkriegssenat unter Bürgermeister Rudolf Petersen, aber nicht verwandt mit dem späteren Pächter Alfred Toepfer, am 21. Dezember 1964 an Dr. Ferdinand Bloetz, den Gründungsvorsitzenden des Vereins, gerichtet hat. Aus ihm geht hervor, dass der Verein sich damals vorstellen konnte, auch das Wohldorfer Herrenhaus in irgendeiner Form mit Leben erfüllen zu können.

„Lieber Herr Dr. Blötz! Besten Dank sage ich Ihnen für Ihren Brief vom 16. Dezember wegen des Wohldorfer Herrenhauses. Was zunächst die Mitgliedschaft im Spieker angeht, so betrachten Sie mich bitte als Mitglied. Ich werde den Beitrag von 5,-- DM auf eines der Konten des Vereins überweisen lassen. Nun zum Herrenhaus. Man sollte sich zunächst, wie Sie sehr richtig schreiben, darüber klar werden, welchen Zwecken man das Haus nutzbar machen möchte, sodann sollte man überlegen, wie dies zu bewerkstelligen ist. 1. Mir schwebt vor, dass man das Haus in erster Linie für Veranstaltungen aller möglichen Art nutzbar machen sollte, darunter auch die Veranstaltungen, von denen Prof. Italiaander in Wulksfelde gesprochen hat. Auch sollte es sich einrichten lassen, dass die Räume des Hauses gegen entsprechende Vergütung für geschlossene Gesellschaften zur Verfügung gestellt werden, etwa für Tagungen und vielleicht auch für Privatgesellschaften. Das würde voraussetzen, dass man die Möglichkeit schafft, in dem Haus Gäste zu bewirten. Die Bewirtung könnte von einer der nahe gelegenen Gaststätten bequem übernommen werden. Auf diese Bedürfnisse sollte man bei der Herrichtung des Hauses Rücksicht nehmen. Man braucht ein Hausmeisterehepaar, für das man, wenn irgend möglich, in dem Haus eine Wohnung vorsehen sollte. Man braucht einen Parkplatz von beträchtlicher Größe, der für gewöhnlich auch dazu dienen könnte, die Wagen der Besucher des Wohldorfer Waldes aufzunehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass man das dafür benötigte Gelände im Bereiche des Wohldorfer Hofes in unmittelbarer Nähe finden kann. 2. Bevor man weitere Überlegungen anstellt, müsste man einen Überblick über die einmaligen und laufenden Aufwendungen gewinnen. Einmalig wird man eine große Summe gebrauchen. 73

Während des letzten Krieges hat man im Hause Wohnungen eingerichtet. Z. Zt. gibt es an der Haustür 5 Namenschilder mit Türklingeln, sodass möglicherweise fünf Familien dort wohnen. Diese müssten anderweitig untergebracht werden. Das Ortsamt Walddörfer müsste sich Gedanken darüber machen, ob und wie man sie loswerden kann. Die anderweitige Unterbringung müsste man von der Stadt erwarten. Ich erinnere den früheren Zustand des Hauses, denn ich habe mit meiner Familie 1930 und 1931 je einen Monat dort gewohnt. Ich fürchte, man hat, um die Wohnungen dort einzurichten, viele bauliche Änderungen vornehmen müssen, die man wohl größtenteils rückgängig machen muss. Dabei müsste man darauf bedacht sein, dass die Räume, die wieder hergestellt werden oder künftig entstehen, die genügende Größe haben. Auch wäre eine Anrichte notwendig, falls man dort mal Menschen bewirten will. Die Frage der Heizung wäre zu erörtern. Vor allem müsste man auch daran denken, von außen den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Das Haus hat jetzt im Dachgeschoss mehrere Ausbauten, die möglicherweise früher nicht vorhanden gewesen sind. Ich finde in dem Werk von Melhop über die Alster auf S. 263 die Wiedergabe einer Zeichnung von Speckter von 1840, die nicht deutlich erkennen lässt, ob Ausbauten im Dach vorhanden waren. Man hat den Eindruck, dass es keine gegeben hat. In einer Schrift aus Anlass der 500-jährigen Zugehörigkeit der Gemeinde Wohldorf-Ohlstedt zu Hamburg von 1937 findet sich auf S. 20 ein Foto des Herrenhauses ohne Jahresangabe, auf dem nur ein Ausbau im Dach nach der Vorderseite vorhanden gewesen ist, nicht dagegen auf den beiden Seiten des Hauses. Auch findet sich eine ausführliche Schilderung des Herrenhauses in dem erwähnten Werk von Melhop auf S. 309 ff. Dort kann man auch lesen, dass zu der Zeit, als Melhop sein Buch schrieb (herausgegeben 1932), die Instandhaltung und Ausstattung des Herrenhauses auf Staatskosten erfolgte. Es befanden sich in den beiden Wohnräumen im Erdgeschoss besonders schöne Mahagonimöbel. Wer weiß, vielleicht lässt sich aus den Akten der Finanzbehörde feststellen, wo sie seinerzeit bei der Herrichtung der Wohnungen abgeblieben sind. Man müsste daran denken, dass es auch notwendig ist, die unmittelbare Umgebung des Hauses herzurichten. Und dann braucht man, wie bereits oben erwähnt, vor allem einen Parkplatz, der nach meiner Meinung so groß sein müsste, dass man mindestens 100 Fahrzeuge unterbringen kann. Schließlich wäre an die Einrichtung des Hauses mit Mobiliar und evtl. auch mit Geschirr etc. zu denken. Um diese einmaligen Ausgaben zu ermitteln, braucht man einen Architekten, der für solche Aufgaben geeignet ist. Das Ergebnis muss ein sorgfältig erwogener Plan nebst Kostenanschlag sein. 3. Sodann muss man die Frage erwägen, welche laufenden Kosten entstehen. Da wäre zunächst an das Hausmeisterehepaar zu denken. Mann und Frau müssten jeder eine feste Vergütung für die von ihnen zu leistenden Arbeiten erhalten. Der Mann für die Hausmeisterdienste, die insbesondere in den Abendstunden in Betracht kommen werden und die Frau für die Sauberhaltung. Ferner kommen die nicht unbeträchtlichen Kosten der laufenden Instandhaltung in Frage. Diese Kosten müssten möglichst sorgfältig zusammengestellt werden. 4. Gleichzeitig müsste man überlegen, wer der Träger dieses Hauses sein soll, wer also das finanzielle Risiko tragen soll. Die Endlösung sollte sein, dass das Haus sich selbst trägt. Ob dies erreichbar ist, ist mir zweifelhaft. Als Träger könnte ich mir den von Ihnen geleiteten Verein vorstellen. Der Verein könnte für die Verwaltung des Hauses einen besonderen Ausschuss bilden. Selbstverständlich müsste die Bereitschaft des Vereins davon abhängig gemacht werden, dass das Risiko übersehbar bleibt. Ich stelle mir vor, dass die einmaligen Aufwendungen teils von Spendern aufgebracht werden, teils von der Stadt. Was die Spenden anlangt, so wären Steuervergünstigungen angebracht. Ich erinnere mich, dass Herr Prof. Italiaander es für eine Kleinigkeit erklärte, dies Ziel zu erreichen. Vielleicht könnte man seine offenbar hervorragende Erfahrung auf diesem Gebiet dafür nutzen. Die laufenden Ausgaben müssten für eine Anlaufzeit von einigen Jahren gesichert sein, was wohl wiederum nur durch Spenden oder Übernahme von Garantien möglich sein würde. Natürlich sollen Einnahmen erzielt werden. Aber man wird sehr schwer voraussagen können, ob die Erwartungen sich erfüllen werden. 74

5. Wenn man all dies geprüft und erwogen hat, so kann man ernstlich mit der Stadt verhandeln. Man muss der Stadt einen zuverlässigen Vorschlag unterbreiten und dabei klar aussprechen, welche Leistungen man von der Stadt erwartet. Man sollte dabei auch die Frage erwägen, was aus der Sache werden soll, wenn das gesteckte Ziel nicht erreicht wird, wenn es also wider Erwarten nicht gelingt, den Ausgleich zwischen laufenden Einnahmen und Ausgaben herbeizuführen. Für diesen Fall müsste der Träger die Möglichkeit haben, sich von der Sache zu lösen. Hat die Stadt früher einmal das Herrenhaus auf Staatskosten betrieben, so kann sie es zur Not auch künftig tun. Sie würde, wenn die Gedanken, die ich im Vorstehenden entwickelt habe, verwirklicht werden würden, immerhin den Vorteil haben, dass das Haus unter Beteiligung von privaten Spendern wieder anständig hergerichtet worden ist. Mit besten Grüßen und herzlichen Wünschen zum Weihnachtsfest und mit der Bitte mich Ihrer Gattin zu empfehlen bin ich Ihr ergebener gez. Oscar Toepffer

Dieser Brief, meine ich, ohne es nach Aktenlage beweisen zu können, zeigt sehr deutlich, dass 1. im Vorstand des Vereins sehr wohl der Gedanke erörtert worden ist, sich auch des Wohldorfer Herrenhauses anzunehmen, weil seine Geschichte für die Heimatpflege in den Walddörfern von grundlegender Bedeutung ist, dass 2. hier ein Kenner der Materie einen Rat erteilt hat, der sehr klar die Skepsis vermittelt, die ganz zu Recht mit diesem Vorhaben verbunden war und dass 3. – weil keine weiteren Bemühungen in dieser Sache bekannt sind – angenommen werden darf, dass der Verein sich sehr schnell dazu entschloss, diesen Plan nicht weiter zu verfolgen, um sich mit ganzer Kraft den Problemen widmen zu können, die ihm mit dem Aufbau des Freilichtmuseums in Volksdorf bevorstanden und die ohne den vollen Einsatz des damaligen Ortsamtsleiters Otto Warnke und anderer Vorstandsmitglieder nicht zu dem bekannten glücklichen Ende geführt hätten. Da ich mich wegen des Jubiläums des SPIEKER gerade sehr intensiv mit seiner 50-jährigen Geschichte befasst und darüber hinaus in den vergangenen Jahren die Anstrengungen zur Erhaltung dieses Erbes sehr intensiv und leidvoll am eigenen Leibe erfahren habe, darf ich mir erlauben, diesen Entschluss folgendermaßen zu bewerten: Es war absolut richtig, die Bemühungen ganz auf das Volksdorfer Projekt zu konzentrieren, weil nur mit einem Ensemble mehrerer denkmalgeschützter Objekte, mit der Vermietung und Verpachtung geeigneter Räumlichkeiten und der Ausrichtung von Veranstaltungen, die zahlreiche Besucher anziehen, die notwendigen Einnahmen zu generieren sind, die den ökonomisch vertretbaren Betrieb einer solchen Einrichtung gewährleisten können. Die schiere Unmöglichkeit, das an diesem Ort zu erreichen, haben die Jahrzehnte der Verpachtung an die Stiftung F.v.S. (heute: Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.) offenkundig werden lassen. Nur wenn Herrenhaus und Herrenstall sowie das Gut mit seinen Gebäuden als Gesamtensemble zusammen geblieben wären, hätte ein dem Museumsdorf Volksdorf vergleichbares Projekt die Aussicht auf eine erfolgreiche Zukunft gehabt. Im Vergleich dazu ist aber die gegenwärtige Lösung die aus meiner Sicht zweifelsfrei bessere, weil Herrenhäuser bzw. Gutsanlagen in unserer Region in größerer Zahl erhalten geblieben sind, nirgendwo anders aber der umfangreiche Teil eines authentischen Dorfkerns. Und so war es von Seiten der Stadt nur folgerichtig, das Wohldorfer Herrenhaus zum Kauf anzubieten. Wir Zeitgenossen dieser Entscheidung dagegen dürfen froh darüber sein, dass es mit den neuen Eigentümern Liebhaber gefunden hat, die mit Sorgfalt und großem Einfühlungsvermögen den Bestand für weitere Jahre gesichert haben. Uns bleibt wie den Bürgern der vergangenen Jahrhunderte der zauberhafte Blickfang am oberen Ende des Mühlenteiches erhalten und damit ein bedeutendes Zeugnis der hamburgischen Geschichte. Zwar bleibt es verständlich, dass sich Hamburgs kulturelle Anstrengungen im Blick auf historische Zeugnisse vornehmlich auf den Hafen und seine Entwicklung in der Zeit der Hanse 75

und danach auf seine Bedeutung als „Tor zur Welt“ richten, aber es gerät dabei leicht in Vergessenheit, dass vor 500 Jahren die Wälder der mit Zähnen und Klauen verteidigten Walddörfer mit ihrer wertvollen Ernte die Gewähr dafür boten, dass Schiffbauer, Brauer und Fischer über genügend preiswertes Holz für die Produktion bzw. die Einlagerung ihrer Erzeugnisse verfügen konnten und damit der Grund gelegt war für die Entwicklung Hamburgs zur (zeitweise) größten Stadt in deutschen Landen. Darüber hinaus konnte sie ihren immensen Brennholzbedarf zu einem beträchlichen Teil aus ihren eigenen Wäldern decken. So sind Hamburgs ältestes Bauwerk, der Leuchtturm auf Neuwerk im äußersten Westen, und das jetzt dreihundertjährige Wohldorfer Herrenhaus im Nordosten die beiden Gebäude, die gleichsam als Eckpunkte auf wichtige Stationen seiner Geschichte verweisen.

Das Wohldorfer Herrenhaus jetzt (versteckt hinter sterbenden Eschen) am Mühlenteich…

… und einst (um 1840) … Fotos: Spieker-Archiv, Denecke

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Jürgen Moltmann

Jugenderinnerungen (II) Im letzten Jahrbuch (2012) erschien der erste Teil der Erinnerungen Jürgen Moltmanns unter dem Titel „Eine Kindheit in Volksdorf“, die bis in die Zeit reichten, als er – eingezogen zum Reichsarbeitsdienst – im Sommer 1944 in Ostpreußen zubringen musste. Gleich danach (als 18-jähriger) wurde er zur Wehrmacht eingezogen, geriet im Februar 1945 in englische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst 1948 in die Heimat nach Volksdorf entlassen wurde. Diesen Abschnitt, der mit dem verspäteten Antritt des Studiums die Jugend beschließt, lassen wir folgen, weil er eindrucksvoll aufzuzeigen vermag, um wie vieles unbeschwerter seit über 60 Jahren heute Jugendliche nach dem Abitur ihr Studium antreten können.

Jürgen Moltmann in seiner Flakhelferzeit auf der Außenalster

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Im Juli 1944 erhielt ich den Gestellungsbefehl und fuhr in die Kaserne nach Delmenhorst. Man hatte mich der schweren Kompanie eines Infanteriebataillons zugeteilt. Hier gab es tatsächlich eine militärische Ausbildung am Karabiner 98 k, am MG 39 und am MG 42. Gelegentlich machten wir auch Schießübungen. Aber die Hauptsache war dieser sinnlose preußische Drill wie Marschieren, Einschwenken, Stillgestanden, Augen rechts, die Augen links etc. Wir lernten alle Dienstgrade der Wehrmacht vom Gefreiten bis zum General zu unterscheiden. Wir lernten, wie Vorgesetzte bei einer Begegnung zu grüßen seien: drei Schritte vorher und zwei Schritte nachher. Ich kann mich aber nicht entsinnen, dass uns jemals gezeigt worden wäre, wie ein russischer, ein englischer oder ein amerikanischer Soldat aussieht. Da wir „zu Fuß“ waren, wurde uns auch nicht beigebracht, wie ein feindlicher Panzer zu unterscheiden ist. Wir „genossen“ preußischen Kasernenhofdrill aus Friedenszeiten, fern jeder Kriegserfahrung. Am 20. Juli, dem Tag des Attentats auf Hitler, gab es nächtlichen Alarm, angeblich seien Engländer in Ostfriesland gelandet, und wir marschierten mit scharfer Munition stundenlang ziellos durch die Gegend, bis der Alarm abgeblasen wurde. In den nächsten Tagen wurde der Bataillonskommandeur an die Ostfront versetzt. Er hatte Verbindungen zu den Männern vom 20. Juli. Dann wurde der militärische Gruß durch den Hitlergruß ersetzt. Es sickerte nur wenig zu uns nach unten durch von dem, was eigentlich passiert war. Was uns mitgeteilt wurde, war Propaganda. Ich wurde langsam zu einem geschickten Maschinengewehrschützen, jedenfalls konnte ich das Ding am schnellsten auseinander nehmen und wieder zusammensetzen. Das brachte mir einige Urlaubstage und Freistunden ein, die ich mit meiner Mutter und Schwester Marianne in Delmenhorst verbrachte. Im August 1944 brach die deutsche Ostfront im Mittelabschnitt zusammen. In Delmenhorst wurden plötzlich 50 Mann unseres Bataillons ausgerüstet und in Marsch gesetzt, ich gehörte dazu. In Siegen kamen wir mit Anderen zu einer neuen Marschkompanie zusammen und wurden auf die Bahn gebracht. Es war ein wunderbarer Sommer. Ich sehe mich noch im Gras der Kaserne in Siegen liegen und den Wolken nachsinnen und dann in der offenen Tür des Eisenbahnwagens die friedliche Thüringer Landschaft im Abendsonnenschein bewundern. Als wir an die alte deutsche Grenze zu Polen kamen, begannen die Unteroffiziere sich zu besaufen, was mir merkwürdig vorkam, und nicht nur, weil ich nach Vorbild meines Vaters damals jeden Alkohol ablehnte. Sie wussten wohl, was uns bevorstand. In Litzmannstadt/ Lodz stand unser Zug dann 2 Tage lang auf dem Bahnhof. Wir beobachteten die Verladung von Geschützen und Panzern der Division „Großdeutschland“. Neben den kraftvollen Typen dieser Eliteeinheit fühlten wir uns wie kleine Kindersoldaten. Dann aber fuhr unser Zug plötzlich wieder zurück. Wir erreichten wieder Siegen, und unsere Gruppe wurde wieder nach Delmenhorst geschickt. Die Absicht war wohl gewesen, uns zur frontnahen Aus-

bildung gegen die Rote Armee zu schicken, aber das war nach dem Zusammenbruch der Front keine gute Idee mehr. Dem unbekannten General, dem diese Einsicht gekommen sein muss, verdanke ich vermutlich mein Leben. Unsere Jugendeinheit hätte den Fronteinsatz nicht lange überlebt. Am 17. September 1944 wurde es dann ernst. Die englische Operation »Market-Garden« begann mit Luftlandungen in Eindhoven und Arnheim. Wir wurden kampfmäßig ausgerüstet, natürlich wieder mit der überflüssigen Gasmaske sowie mit Spaten und Revolvern, die wir noch nie gesehen hatten. Dann zogen wir zum Bahnhof und fuhren in Viehwaggons den ganzen Tag lang Richtung Westen. Abends wurden wir in Venlo ausgeladen, marschierten die ganze Nacht durch bis nach Asten - ein Marsch von mehr als 35 Kilometern Länge. Flüchtende und versprengte Soldaten kamen uns entgegen, auch Verwundete. Morgens wurden wir am Ufer des Albert-Kanals verteilt und mussten uns eingraben. Abends ging es dann unversehens los: Wir bekamen ein Trommelfeuer von etwa 2 Stunden Dauer. Ich lag in meinem Loch - und schlief ein, bis ich geweckt wurde, und unser Gefreiter rief: „Raus und zurück“. Da wir nichts sahen und wussten, liefen wir hinter ihm her in einen Buschwald und kamen bei tiefer Dunkelheit ins Dorf Asten. Die ganze Nacht durch heulten Granaten über unsere Köpfe in das Dorf und an der Brücke gab es Gefechtslärm. Da uns niemand mehr kommandierte, zogen wir einzeln hin und her, um unsere Einheit zu finden. Als wir uns am nächsten Morgen sammelten, war nur noch die Hälfte der Kompanie am Leben. Alle, die näher als wir an der Brücke gelegen hatten, waren tot. Im Frühmorgen rumpelten dann die englischen Panzer an, die vom XXX. englischen Korps den Luftlandetruppen nachfolgten. Gegen Abend machten wir uns über die dunklen Felder aus dem Staub. In einem Bauernhaus schlachtete jemand ein Schwein und kochte das Fleisch. Es war aber noch ungar, als die Engländer kamen und wir uns verzogen. Von unserem Kommandeur hörten wir später, er habe sich in einem Keller in Asten verkrochen und auf die Engländer gewartet, um sich zu ergeben. Diese erste Kriegserfahrung wiederholte sich später. Es wurde immer auf mich geschossen, ich selbst kam nie zum Schuss. Das war gut so. Unser Gebiet jenseits der Maas wurde von den Engländern langsam, aber sicher eingedrückt. Das ging bis Dezember so. Dann zogen wir uns über die Maas zurück und saßen auf dem anderen Ufer. Kurz zuvor aber hatte ich eine schmerzliche Todeserfahrung. Mein Weggenosse Günther Schwiebert und ich saßen morgens vor einem Waldrand in der Sonne, vor uns waren einige flache Erdbunker ausgebaut. Aus heiterem Himmel bekamen wir plötzlich einen Granatwerferüberfall und stürzten in die Bunker. Ich kam noch hinein, er kam nur bis zum Eingang, als Granaten auf uns einschlugen. Über mir war das Dach des Bunkers plötzlich offen, ihn aber traf ein Granatsplitter hinten in den Kopf. Ich versuchte, ihn zu verbinden und zog ihn in den Wald, aber er schrie und stammelte nur noch. Als ich ihn dann auf einem Wagen zum Verbandsplatz brachte, ist er in meinen Armen gestorben. Er kam aus Worpswede und sollte einmal den bekannten Gasthof seines Vaters übernehmen. Und wieder kam die bohrende Frage zu mir: Warum er und nicht ich? Wozu soll ich weiterleben? Krieg besteht nicht aus einer solchen Reihe außerordentlicher Ereignisse. Der ganz alltägliche Wahnsinn besteht im Kampf gegen Dreck, Läuse und Krankheiten. Ich habe vom September 1944 bis zum Februar 1945 in keinem Bett geschlafen, sondern in selbst gegrabenen oder vorfabrizierten Unterständen und im besten Fall auf trockenem Stroh gehaust. Als wir Ersatz aus dem Ostheer bekamen, kriegten wir die Läuse und wurden sie nicht mehr los. Deutsche Entlausungsanstalten waren machtlos und dienten nur dem Duschen und der Reinigung der Uniformen. Also saßen wir in den Gräben und „knackten“ Läuse, die sich schneller vermehrten, als wir sie töten konnten. Die täglichen Essenholer brachten uns den Wehrmachtsfraß. Das Beste war noch die Erbsensuppe. Ich litt unter Furunkeln am Nacken und lief meistens mit einer Mullbinde um den Hals herum. Der Sanitäter bestrich den Hals zwar mit einer undefinierbaren Tinktur, aber die Furunkel wollten nicht verschwinden. Bei Kerzenlicht las ich, was ich kriegen konnte. Meine Schwester hatte mir Goethes „Faust“ in der Militärtaschenausgabe mitgegeben. Das war der Trost einer anderen Welt. Ich habe das vergilbte Exemplar noch. Sonst spielte man bis zur Verblödung Skat und schrieb sehnsüchtige Briefe. Zu Weihnachten 1944 gab es viel Schnaps, den ich, meinem Vater folgend, strikt ablehnte, was mich natürlich isolierte. Sylvester 1944 schoss die deutsche Front eine Art Feuerwerk, beeindruckte die Engländer aber nicht sonderlich. Anfang Februar 1945 traten englische und kanadische Truppen ihre Offensive über Kleve und den Reichswald ins Ruhrgebiet an. Wir wurden alarmiert und nach Kleve in Marsch gesetzt. Wir gingen durch die verlassene Stadt, kamen in einen vorbereiteten Schützengraben, wurden dort heftig beschossen, kehrten wieder um und wurden auf einen Hügel mit einem Aussichtsturm 79

gebracht, auf dem schon Fallschirmjäger lagen. Dort bekamen wir schweren Artilleriebeschuss. Als Gewehrfeuer näher kam, schossen auch wir, sahen aber nicht wohin. Abends fuhren dann die ersten schweren englischen Panzer durch unsere Stellungen den Berg hinauf und besetzten den Turm. Es stellte sich heraus, dass wir schon eingeschlossen waren. Am nächsten Tag konnte ich den Aufmarsch der englischen Panzer und Artillerieeinheiten beobachten. Sie fuhren in den Reichswald. Weil ich hungrig und durstig, verdreckt und voller Läuse war, musste ich in der nächsten Nacht den Durchbruch schaffen oder mich ergeben. Also ging ich wieder über den Friedhof, kreuzte die Straße, fand mich zwischen abgestellten Panzern und ging weiter Richtung Front. Auf einem Waldweg kamen mir Engländer entgegen, ich stürzte mich in eine Hecke und verlor meine Brille. Dann war mir schon alles egal. Ich stolperte weiter durch den Wald und durch rückwärtige englische Stellungen, wo alle in ihren Zelten schliefen. Ich trank aus Pfützen Schneewasser und war zuletzt total erschöpft. Als ich ein Versteck in einem dichteren Waldstück suchte, sprang plötzlich ein englischer Soldat vor mir auf: „I surrender“ rief ich so deutlich wie möglich, er aber dachte, einer seiner Kameraden mache sich einen Spaß und rief andere herbei. Sie kamen und wir unterhielten uns. Sie erschossen mich nicht, ihr Leutnant gab mir am nächsten Morgen vielmehr ein Kochgeschirr mit baked beans. Es war seit Tagen die erste Nahrung. Seitdem liebe ich baked beans. Dann wurde ich zur Gefangenensammelstelle gebracht. Dort warteten Engländer mit DDT-Spritzen, um die Gefangenen erst mal von den schrecklichen Läusen zu befreien. Das unter die Kleidung gesprühte Gift wirkte prompt: Die Läuse krochen am Hals und an den Ärmeln heraus und nach kurzer Zeit war ich befreit. Damit war für mich der Krieg zu Ende. Ich hatte die Flak, den Arbeitsdienst und die deutsche Wehrmacht überlebt, aber ich war nun POW, ein »Prisoner of War«. Es war der 15. Febr. 1945. Erleichtert und bedrückt zugleich zogen wir in das große Gefangenenlager 2226 in Zedelgem bei Oostende. Wir waren dem Massensterben des Krieges entronnen, aber auf jeden, der das überlebt hatte, kamen Hunderte von Toten. Es war gut, am Leben geblieben zu sein, aber sehr schwer, in der Gegenwart der Toten weiterzuleben, anders zu leben, von neuem zu beginnen. Wir waren dem Inferno entronnen, aber wir saßen hinter Stacheldraht und hatten unsere Hoffnungen verloren. Mancher wurde zynisch, andere wurden krank. Viele standen vor dem Nichts. Ostpreußen und Schlesien waren von den Russen besetzt, die Einwohner geflohen oder vertrieben. Die von dort kamen, wussten nicht mehr wohin. Sie waren heimatlos und sahen keinen Ausweg. Wie eiserne Ringe legte sich die kalte Verzweiflung um die Herzen und nahm die Luft zum Atmen. Jeder versuchte, sein blutendes Herz hinter einem Panzer der Unberührbarkeit und Gleichgültigkeit zu verstecken. Das war die innere Gefangenschaft der Seele, die zu jener äußeren Gefangenschaft hinzukam. Das belgische Gefangenenlager war grauenhaft. Wir saßen und schliefen auf dreistöckigen Pritschen auf dem blanken Holz. Abends wurden die riesigen Baracken dicht gemacht und zwei Kübel hineingestellt. Dann begann oft genug der Naziterror: Da waren HJ-Führer und SS-Leute, die jeden verprügelten, der am „Endsieg“ zweifelte oder kritische Bemerkungen über Hitler und die Partei machte oder von den „Wunderwaffen“, die uns bald retten würden, nichts hielt. Ich höre die Schreie ihrer Opfer noch durch die Halle gellen. Der Ingenieur aus Augsburg, ein älterer Mann, mit dem ich die Pritsche im 2. Stock teilte, hielt mich nieder, weil er Bescheid wusste. Ich kam an einen Punkt, an dem ich mich selbst aufgeben wollte. Meine Furunkulose breitete sich über den ganzen Körper aus und ich tat nichts dagegen. Bis jener Ingenieur mich mit Gewalt zu den Sanitätern schleppte und diese mich umgehend in ein Lazarett nach Oostende schickten. Hier durfte ich baden, bekam frische Wäsche, schlief in einem richtigen Bett und wurde nach 14 Tagen geheilt zurückgeschickt. Ich habe die Narben noch am Körper, damit ich jene Zeit nicht vergesse. Das Kriegsende am 8. Mai 1945 beendete den Nazispuk in den Nächten. Das Rote Kreuz erklärte sich jedoch für uns nicht mehr zuständig, weil es kein Deutsches Reich mehr gab. Unsere Rationen wurden drastisch gekürzt, der englische Porridge am Morgen, an den man sich langsam gewöhnt hatte, wurde mit Wasser verlängert. Gelegentlich wurden manche zur Arbeit hinausgeführt. Ich erinnere einen sonnigen Maientag. Wir schoben einen Güterwagen und plötzlich stand ich vor einem blühenden Obstbaum. Ich wäre vor Glück fast ohnmächtig geworden. Ich sah nach der langen interesselosen Blindheit wieder Farben und spürte wieder Leben in mir. Das Leben blühte wieder auf. Im Sommer 1945 gingen gelegentlich Transporte nach Hause, aber ich war nicht dabei. Ich schloss mich einem Chor an, versuchte, die zweite Stimme zu singen oder wenigstens so zu tun, und lernte viele deutsche Volkslieder zu schätzen, die ich früher eher verachtet hätte. Ich hörte wieder Melodien und war nicht mehr taub. An irgendwelche 80

anderen Tätigkeiten in jenem Lager kann ich mich nicht erinnern. Die Masse der Gefangenen langweilte sich von einem Tag zum anderen und wartete. Im August 1945 wurde ich aufgerufen und einem Transport zugeteilt. Wir wurden in Oostende auf ein Landungsschiff gebracht und dachten, wir kämen nun nach Bremerhaven oder Hamburg. Am Morgen durften wir an Deck gehen und siehe, vor uns öffnete sich die Tower-Bridge in London. Im Hampton Park wurden wir noch einmal nach Uhren und Wertsachen durchsucht, dann fuhren wir 24 Stunden lang nach Norden und fanden uns in einem Lager an der schottischen Küste in Ayrshire wieder. Das Lager 22 in Kilmarnock sollte für die nächsten Jahre nicht gerade meine Heimat, aber wohl mein Aufenthaltsort werden. Hier waren wir in den Nissenhütten nur 20 Mann und hatten Betten mit Strohsäcken und einen Kanonenofen in der Mitte zum Heizen. Es war ein gut eingerichtetes Lager mit einem Sportplatz, einem Gefangenenorchester, Kantine, Kirchenbaracke, Bücherei usw. Es wurde auch versucht, einen gewissen Unterricht aufzuziehen. Oft saßen wir im Kreis um den katholischen Philosophieprofessor Meunier und probierten Gedankengänge mit Aristoteles und Thomas von Aquin. Um aus dem Lager herauszukommen, nahm ich jede Arbeit an, die aufgerufen wurde. Besonders erfolgreich war ich als Elektriker in einem NAAFI-Lager (Navy, Army and Air Force Institutes). Ich musste nur einem guten Handwerker folgen und Lichtleitungen verlegen oder Bügeleisen reparieren. In dem Lager hatte ich einen Freund, der Konserven aus beschädigten Kisten verlagerte. Bei ihm holte ich mir morgens Corned Beef und Ölsardinen und verzehrte sie auf einer Toilette. So kam ich wieder zu Kräften. Als Tischler ging ich mit ins Dumfries House und säuberte mit Glasscherben einen Parkettboden. Ich grub auch Kohle von einem Bergwerk ab und stand im Staub einer Zementfabrik. Nach einiger Zeit aber wurde ich wohl durchschaut und einem Arbeitskommando für New Cumnock zugeteilt. Hinter einer Bergarbeitersiedlung gruben wir die Gräben und verlegten die Abflussrohre für den neuen Ortsteil. Der Boden war leicht gefroren, es war harte Arbeit. Eine andere Gruppe baute die Straßen und asphaltierte. Weil alle immer Hunger hatten, musste ich unsere schottischen und irischen Vormänner täglich überreden, uns Brot zu kaufen. Daraus erwuchs meine spätere Stellung als Dolmetscher dieser Gruppe. Ich brauchte nicht mehr zu arbeiten und wurde bald zum Zwischenhändler zwischen Gefangenen, die im Lager Spielzeug herstellten, und den schottischen Familien, die ihnen etwas Gutes tun wollten und das abkauften. So kam ich mit den schottischen Familien in freundschaftlichen Kontakt. Eine Familie Steele mochte mich gern. Sie riefen mich »Georrie«. Als ich eines Tages mit laufender Nase erschien, weil ich kein Taschentuch besaß, kam Frau Steele mit einer nagelneuen Packung von Taschentüchern und schenkte sie mir. Sie schickten für mich auch nicht zensierte Briefe nach Hamburg. Ich habe mit Mother Steele noch längere Zeit korrespondiert. Die schottischen Vormänner und die Familien waren die Ersten, die uns, den früheren Feinden, mit einer Gastfreundschaft entgegenkamen, die uns tief beschämte. Wir hörten keine Vorwürfe, uns wurde keine Schuld zugewiesen, wir erfuhren eine einfache und herzliche Mitmenschlichkeit. Sie machte es uns möglich, mit den Lasten des eigenen Volkes zu leben, ohne sie zu verdrängen und ohne sich zu verhärten. Wir trugen zwar die Nummern auf dem Rücken und die Gefangenenflecken an den Hosen, aber wir fühlten uns als Menschen angenommen. Diese Menschenfreundlichkeit im fernen Schottland machte aus uns wieder Menschen. Wir konnten wieder lachen. Im März 1945 bekam meine Mutter die offizielle Nachricht, ich sei an der Front „vermisst“. Das hieß in der Regel „gefallen“. Erst im August kam dann einer zu ihr, der berichtete, er habe mich in dem belgischen Gefangenenlager gesehen. Ich glaube, es war im September 1945, dass wir zum ersten Mal eine Postkarte mit 25 Worten nach Hause schicken durften. Dann bekam auch ich die erste Post und wusste, dass meine Familie das Kriegsende heil überlebt hatte und mein Vater in französischer Gefangenschaft saß. Wir waren weit getrennt, aber wir wussten wenigstens voneinander. Im September 1945 wurden wir im Lager mit Bildern aus den Konzentrationslagern Bergen-Belsen und Buchenwald konfrontiert. Sie hingen in einer Baracke mit spärlichen Kommentaren. Manche hielten das für Propaganda, andere rechneten die grauenhaften Leichenberge gegen die Zerstörung der deutschen Städte auf. Aber langsam und unaufhaltsam sickerte die Wahrheit in unser Bewusstsein und wir sahen uns im Spiegel der Augen der Naziopfer. Hatten wir dafür gekämpft? War meine Generation als die letzte in den Tod gejagt worden, damit die KZ-Mörder weiter töten konnten und Hitler ein paar Monate länger leben sollte? Manche waren so entsetzt, dass sie nicht mehr in jenes mörderische Deutschland zurückkehren wollten. Sie sind später in England geblieben. Für mich brach jedes patriotische Gefühl für „Deutschland - heilig 81

Vaterland“ zusammen. Erst als der jüdische Freund meines Vaters Fritz Valentin Ende 1945 aus dem englischen Exil nach Hamburg zurückkehrte – er war Landgerichtspräsident, überzeugter Christ und später Gründer der Evangelischen Akademie in Hamburg –, fühlten mein Vater in französischer und ich in englischer Gefangenschaft die Pflicht, in dieses Land der Widersprüche, in dem Städte wie Weimar verbunden sind mit den Namen Goethe und Buchenwald, zurückzukehren. Zu den Depressionen über die Kriegszerstörungen und diese Gefangenschaft ohne absehbares Ende kam das Gefühl tiefer Scham hinzu, diese Schande des eigenen Volkes mittragen zu müssen. Das schnürte einem wirklich die Luft ab, und dieser Druck hat mich bis heute nicht verlassen. Für mich kam eine Wende von der Depression zu neuer Lebenshoffnung durch zwei Erfahrungen: durch die menschenfreundlichen Begegnungen mit den schottischen Arbeitern und ihren Familien und durch eine Bibel. Eines Tages kam ein wohlmeinender army chaplain in unser Lager und verteilte nach kurzer Ansprache Bibeln. Manchen wären ein paar Zigaretten gewiss lieber gewesen. Ich las abends in dem Buch ohne viel Verstand, bis ich an die Klagepsalmen des Alten Testaments kam. Psalm 39 fesselte meine Aufmerksamkeit besonders stark: „Ich bin verstummt und muss mein Leid in mich fressen, mein Leben ist wie nichts vor dir …, Höre mein Gebet und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen, denn ich bin ein Fremdling vor dir wie alle meine Väter.“ Das war mir aus der Seele gesprochen und rief meine Seele zu Gott. Es ereignete sich keine plötzliche Erleuchtung bei mir, aber ich kehrte jeden Abend zu diesen Worten zurück. Dann las ich das Markusevangelium im Zusammenhang und kam an die Passionsgeschichte, und als ich den Todesschrei Jesu vernahm: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ spürte ich mit wachsender Gewissheit: Da ist einer, der dich ganz versteht, der in deinen Gottesschrei einstimmt und die gleiche Verlassenheit gefühlt hat, in der du jetzt bist. Ich begann, den angefochtenen, verlassenen Christus zu verstehen, weil ich mich von ihm verstanden wusste: Der göttliche Bruder in der Not, der Weggefährte, der mit dir durch dieses finstere Tal geht, der Leidensgenosse, der dich mit deinen Leiden trägt. Ich fasste wieder Lebensmut, und es ergriff mich langsam, aber sicher eine große Hoffnung auf die Auferstehung in Gottes „weiten Raum, in dem keine Bedrängnis mehr ist“. Auch diese Christuserkenntnis kam nicht plötzlich und über Nacht, aber sie wurde mir immer wichtiger und ich las die Passionsgeschichte immer wieder, am liebsten in dem Evangelium nach Markus…

Theologiestudent in Göttingen Im April 1948 kam ich nach Hause, aber es war nicht mehr das Haus, das ich kannte. Es war im Herbst 1944 durch eine Bombe beschädigt worden, und von seinen 7 Zimmern waren 3 mit einer Flüchtlingsfamilie aus Ostpreußen belegt. Mein Vater war 1946 aus französischer Gefangenschaft zurückgekommen und wieder als Lehrer tätig, meine jüngeren Geschwister Eckart und Elisabeth waren herangewachsen. Wir machten abends unser Lager zu zweien in den 4 verbliebenen Zimmern. Ich fand einen kleinen Arbeitsplatz am Ofen. Aber ich genoss die neue Bewegungsfreiheit, wanderte herum, in einer Nacht sogar bis an die Ostsee. Ich erkundete die weite Welt des Geistes, las Heideggers »Sein und Zeit«, griechische Tragiker und die neue amerikanische und französische Literatur, die der Rowohlt-Verlag in Zeitungsformat für 1 RM veröffentlichte. In Hamburg gab es ein Theologisches Vorlesungswerk als Vorstufe für eine Fakultät. Man traf sich im Gemeindehaus der Johanniskirche am Mittelweg und besuchte die Vorlesungen Hamburger Hauptpastoren in ihren Kirchen. Alle 14 Tage kam Professor Karl Ludwig Schmidt aus Kiel und lehrte Kirchengeschichte. Es war eine merkwürdige Versammlung: Der Pastor Echternach war so lutherisch, dass er sogar Luthers Bibelübersetzung für „verbal inspiriert“ hielt. Der Oberkirchenrat Lic. Herntrich kam nur, wenn ihm die Kirchenpolitik Zeit dafür ließ, und war meistens unvorbereitet. Ein Dr. Mülbe leitete den Verein und spazierte mit seinem Hund herum, sonst wusste er nichts. Ich war aus Norton Camp mehr Qualität gewohnt. Doch es gab einen Lichtblick, das war der Pfarrer Helmut Traub. Er war ein „Radikalbarthianer“ und hatte ab 1932 in Bonn bei dem Karl Barth der ersten beiden Bände der Kirchlichen Dogmatik studiert. Er hatte sich später in Berlin mit der Bekennenden Kirche für Verfolgte eingesetzt und dafür im 82

KZ gelitten. Traub predigte in Volksdorf so „senkrecht von oben“, dass er im „Einschlagstrichter“ des Wortes Gottes stets ins Stammeln und Flehen verfiel und mir wie ein Aljoscha Karamasow vorkam. Er sammelte Theologiestudenten in seiner Wohnung um sich. Dort lernte ich auch seine bewundernswerte Frau Änne kennen, eine Theologin der ersten Generation. Traub gab ein Seminar über „Heiligung bei Luther, Calvin und im Pietismus“ und studierte mit uns die Originaltexte. Ich war gern bei ihm. Er vermittelte mich zum Wintersemester 1948/49 zu seinem Freund Ernst Wolf nach Göttingen, der mir dort zu einem Studienplatz verhalf. In den achtziger Jahren wurde mein Leben gründlich verändert. Meine Eltern starben und unsere Kinder wurden erwachsen und gingen ihre eigenen Wege. Das Haus wurde leer und es wurde stiller um uns herum. Meine Frau Elisabeth und ich fanden jedoch auf eine neue Weise eine gemeinsame Aufgabe. Aus maskuliner und feministischer Theologie wurde unbeschadet ihrer jeweiligen Eigenarten eine „gemeinsame Theologie“. Wir begannen, gemeinsame Vorträge aufzubauen und mit gegenseitigem Respekt und genügend Selbstrespekt als „Frau und Mann von Gott reden“ zu lernen. Das geht über die alte, traditionelle Theologie und die neue, feministische Theologie hinaus und nimmt eine Zukunft vorweg, von der gegenwärtig noch wenig zu sehen ist.

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Olaf Andersen

Kinderparadies „Griffelallee“ ein Zeitzeuge aus der Wietreie erinnert sich

Die Siedlung 1930 (Aus dem Familienalbum - mit handschriftlicher Anmerkung des Autors)

Das Kinderparadies

Minna Andersen mit Olaf, Harald und „Stadtkoffer“ auf dem Streekweg (vor dem Geburtstagsbesuch bei der Oma in Barmbek) 84

Die Wietreie ist tatsächlich seit den Tagen, da aus dem Feldweg eine Straße wurde, eine echte Allee, d. h. nach DUDEN-Definition (Fremdwörterbuch 1994) eine „sich lang hinziehende, gerade Straße, die auf beiden Seiten gleichmäßig von hohen, recht dicht beieinander stehenden Bäumen begrenzt ist“. Als Mitte Dezember 1930 meine Eltern Rudolf und Minna Andersen mit ihren Söhnen Olaf (*1926) und Harald (*1928) in die Wietreie 64 zogen, dem letzten Doppelhaus vor dem Streekweg, existierte die Verlängerung der Wietreie über den Streekweg hinaus noch nicht. Und als Kind war mir schon bewusst, dass sie eine ganz und gar gerade Straße ist: Vom Streekweg her konnte man am anderen, oberen Ende der Wietreie auf dem Bergstedter Weg (heute: Volksdorfer Damm) hin und wieder Fahrzeuge vorbeifahren sehen. Mein Vater hatte auf dem Messtischblatt von Volksdorf nachgemessen, dass sie knapp 500 m lang war und von oben bis zu uns etwa 7 m abfiel. Ich entsinne mich noch, dass wir Kinder am Straßenrand vor unserem Haus saßen, als etwas unerhört Seltenes passierte: Es kam ein Auto die Straße heruntergefahren! Es war ein Hanomag – ein sog. „Kommissbrot“ – mit großen metallisch glänzenden Rädern ohne Speichen! Wir hatten den Hanomag schon von weitem sehen können, weil es am Straßenrand nirgends parkende Autos oder andere Fahrzeuge gab. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg war die Fahrbahn in der Mitte mit Basaltschotter und Kies belegt; manch ein Schlagloch vor unserem Haus hat mein Vater mit Schlacken aus der Zentralheizungsanlage aufgefüllt. Zwischen dem mittleren Teil und den gepflasterten Rinnsteinen gab es auf beiden Seiten Streifen in der Art eines Reitweges. Hier gediehen Gras und Unkraut. Die Fahrbahn wurde zu den etwas höher gelegenen Fußwegen hin durch eine Grasnarbe abgeschlossen. Der Streekweg war damals auf ganzer Länge ein Feldweg, hatte aber zwischen Wietreie und Rögenweg einen brauchbaren Fußweg. Die Wietreie besaß am Streekweg-Ende einen „krönenden“

Abschluss in Form einer mächtigen Eiche, die erst im Zuge ihrer Verlängerung gefällt worden ist. Wir Kinder hatten ein riesiges „natürliches“ Spielgebiet, das bis an die Grenzen von Sasel, Bergstedt und die Siedlung Wensenbalken reichte. Unmittelbar in Verlängerung der Wietreie gab es eine durch Knicks begrenzte Heidefläche, die fast bis Sasel reichte. Hier wuchsen Wollgras und Sonnentau, und es wimmelte von Hummeln und Libellen. Mein Bruder brachte eines Tages ein Steinbeil mit nach Hause, das er dort auf einem kaum sichtbaren Trampelpfad entdeckt hatte. In dieses Heidegebiet hinein wurde ab Mitte der 30er-Jahre – unterbrochen durch Kriegs- und Nachkriegszeit – die Wietreie verlängert, und die Scheidereye mit ihren Häusern kam dazu. Für den Transport von Erdreich war eine Lorenbahn gelegt worden, die nach Feierabend ein ebenso unerlaubtes und gefährliches wie attraktives „Spielzeug“ für uns darstellte! Nördlich davon lag ein lang gestreckter Erlenbruchwald am Rand der hier fließenden Streekbek. Im Sommer wuchs dort sehr dichter und recht hoher Adlerfarn, der gute Verstecke bot. Auch der Rögenwald und viele andere Waldstücke und Fichtenschonungen „gehörten uns“. Hinter dem Garten unseres Elternhauses lag die Busch´sche Koppel (benannt nach Bäckerei Julius Busch), wo im Sommer das Getreide stand, nach dem Mähen mit der Mähmaschine die Hocken (als brauchbare Höhlen) aufgestellt wurden und im Herbst die Schafe von Schäfer Stockhusen zu Gange waren. Sie wurden nachts eingepfercht – und wir hatten dann die Fliegen in der Küche! Die Mähmaschine wurde von Pferden gezogen, für die es in der Südwestecke des Feldes einen halboffenen Schuppen gab. Um 1956 entstand auf diesem Feld die Frankring-Siedlung. Auf der anderen Seite (heutiges Wasserwerksgelände) besaß Bauer Mahr einen großen Acker mit einer großen Scheune in der Nordostecke, die 1936 in einer Nacht weitgehend abbrannte (vgl. SPIEKER-Jahrbuch 2009, S.88). Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hat eine Bombe (Notabwurf) eines dann in Sasel abgestürzten Lancaster-Bombers einen riesigen Krater auf der Südhälfte des Ackers entstehen lassen. Rund 150 m von unserem Haus entfernt lag in der Nordostecke eines Ackers am Streekweg zwischen Rögenwegverlängerung und dem Grenzknick an der Heide, dort wo sich heute Häuser und Gärten von (verlängerter) Horstlooge und Rögenstieg befinden, ein etwa 10 x 15 m großer Teich – ein Eldorado für meinen Bruder und mich: Auf der Wasseroberfläche tummelten sich Taumelkäfer und Wasserläufer, unter Wasser konnten wir Libellenlaven, den Gelbrandkäfer und seine gefräßigen Larven entdecken. Wir haben Froschlaich mit nach Hause genommen und die Entwicklung bis zur Kaulquappe verfolgt. Mit etwas Glück sahen wir den Teich- oder sogar den Kammmolch. Seit der Zeit kennen wir die flachen Tellerschnecken und die Wasserspinnen mit ihrer silberglänzenden Luftblase... Das große Heide-, Wald-, Wiesen- und Ackergelände bis Sasel und Bergstedt schenkte uns viele Möglichkeiten, auf Bäume zu klettern, Verstecken zu spielen, Höhlen zu bauen oder einfach nur umherzustreifen. Häufig waren wir aber auch einfach nur „auf Straße vor Tür“. Zu dritt konnte man schon Fußball spielen. Es wurde mit Marmeln gespielt, Kippel-Kappel oder auch Messersteck. Auf der Straße Wietreie gab es kaum Autoverkehr – man konnte also auf ihr auch Treibball spielen oder selbst gebastelte Papp-Windräder bei günstigem Wind laufen lassen. Schließlich blieb auch noch das Spielen in der eigenen Sandkiste. Die Wiesen auf den unbebauten Grundstücken nutzten wir für Ringtennis oder im Herbst dafür, uns im Abfackeln trockener Grasflächen zu üben. Mit größeren Fichtenzweigen vom nahen Windbruch war das Feuer gut zu beherrschen. Bei zu großer Rauchentwicklung bekamen wir allerdings hin und wieder Ärger mit den Erwachsenen. Abschließend sei nicht vergessen, dass diese Grundstücke in der Wietreie,

Von oben nach unten: Der Bombenkrater mit den Brüdern Andersen Der Teich (Elternhaus im Hintergrund) Olaf und Harald in der Sandkiste (1935)

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der Horstlooge und dem Rögenweg uns die Gelegenheit boten, den Schulweg zur Schule Im Allhorn abzukürzen.

Zunehmende Lehrerdichte in Volksdorf

Karte 1 (Ausschnitt, 1882/1910) Karte 2 (Ausschnitt 1928)

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Der Wunsch, in die hamburgischen Walddörfer zu ziehen, war bei vielen Hamburgern kontinuierlich gestiegen, seitdem die Kleinbahn von Rahlstedt bis Volksdorf (1904) und bis Wohldorf (1907) und die „Walddörferbahn“ (U-Bahn) von Barmbek bis Volksdorf (1920) sowie bis Ohlstedt (1925) fuhren. Auf einem Kartenausschnitt (1) von Volksdorf und Umgebung (1910) ist zu sehen, dass im Nordwesten Volksdorfs kein einziges Haus steht, aber die Kleinbahn bis Wohldorf eingetragen ist. Mein Vater war der Meinung wie andere auch, die damals ganz auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen waren, man solle nicht weiter hinausziehen als bis Volksdorf, weil die Züge hierher alle Viertelstunde, nach Ohlstedt bzw. Großhansdorf jedoch nur alle halbe Stunde fuhren. Die Karte (2) „Volksdorf 1928“ zeigt diese Region des Stadtteils mit 46 Häusern, wovon – ausweislich alter Lehrerverzeichnisse – insgesamt 14 Lehrerhaushalte sind. Bis Anfang der 50er Jahre kamen (ohne die Wietreie) noch weitere 19 hinzu. Einige seien hier vorgestellt: Rögenweg 4 wohnte Heinrich Haar (*1880), genannt „Heini“ Haar oder kurz „Haarschi“, mein Klassenlehrer in der Grundschule und stellvertretender Schulleiter an der Volksschule Im Allhorn. Rögenweg 24 wohnte der Gartenfreund Hermann Kröncke (*1880), von dem mein Vater überzählige Johannisbeerbüsche für unseren Garten geschenkt bekam. Seine Tochter (*1906) wurde Lehrerin an der Walddörferschule. Das Kröncke-Haus steht heute noch und wurde wunderschön renoviert. Der Schulleiter der 1949 neu gegründeten Teichwiesenschule (vgl. den Aufsatz über die „Puddingschule“ in diesem Jahrbuch), Wilhelm Battmer (*1898), lebte am Rögenweg 25. Die größte Bedeutung hat für mich Hans Popp (*1894) kurz nach dem Weltkrieg erlangt. Er wohnte in der Horstlooge (Nr. 17) und war nach 1945 Schulleiter in Barmbek. Dazu will ich etwas ausholen: Nach meiner Zeit als Flakhelfer und beim Reichsarbeitsdienst (RAD) von Juni 1943 bis April 1944 wurde ich im Juni 1944 Soldat. Ende März 1945 wurden wir an die Oder-Neiße-Front bei Weißwasser verlegt. Am 16. April gerieten wir nach mehrstündigem Trommelfeuer in Rückzugsgefechte. Ende April und südlich von Berlin sagte dann unser Zugführer: „So Jungs, seht zu, wie ihr nach Hause kommt!“ Nach über 500 km Fußmarsch, davon 150 km in russischer Gefangenschaft, daraus zweimal entkommen, drei Wochen an der Grenze der Ostzone (nahe Schwerin) auf eine günstige Gelegenheit wartend, die Grenze überschreiten zu können, stark abgemagert und verlaust, kam ich Mitte 1945 endlich zu Hause in der Wietreie an. Aber ich hatte ein Problem: Mir fehlten Entlassungspapiere (meine Wehrmachtspapiere hatte ich auf der Flucht verbrannt). Es war dann der Major der Reserve Hans Popp, der es mir ermöglichte, Mitte August 1945 in der Neuen Hamburger Kunsthalle von der dort untergebrachten Entlassungsstelle der Engländer meinen Entlassungsschein zu bekommen. Das Haus von Familie Borchers, von der hier auch die Rede

sein soll, stand (und steht) am Streekweg 14. Zusätzlich gehörten ihnen noch die Gärten Streekweg 12 und 16 sowie Horstlooge 38 und 40. Man sagte, Frau Borchers sei eine „Tochter vom reichsten Bauern von Fehmarn“ gewesen. Sie pflegte und bewirtschaftete die drei Gärten am Streekweg, war sich aber auch nicht zu schade, dafür auf der Busch´schen Koppel Schafkötel mit bloßen Händen in eine leere Konservendose zu sammeln. Auf dem Grundstück Nr. 16 stand ein gemauertes Hühnerhaus. Frau Borchers verkaufte die Eier ihrer Hühner. Manchmal hat meine Mutter mich dorthin zum Eierholen geschickt. Ihr Mann, Wilhelm Borchers (geb. 1884) war bis zu seiner „Degradierung“ durch die Nazis (1933) Schulleiter der Volksschule Volksdorf und durfte danach als Lehrer in Wohldorf-Ohlstedt weiter tätig sein. Schon im März 1922 hatte er eine Denkschrift über den „Neubau einer Schule in Volksdorf“ verfasst. Drei Jahre später war er als Vertreter des Volksdorfer Gemeindevorstandes Mitverfasser einer Denkschrift, die „Errichtung einer höheren Staatsschule für die Walddörfer in Volksdorf“ betreffend (vgl. „Die Horst“, August 1950). Darin ist sicherlich eine wichtige Initiative für den Bau der Walddörferschule zu sehen: der Fritz-Schumacher-Bau wurde 1930 feierlich eröffnet. Das Ehepaar Borchers hatte fünf Kinder. Besonders eindrucksvoll ist der Lebensweg des Jüngsten, Hans-Jürgen (1926-2011), der für uns „Hanne“ hieß. Er wurde er 1966 als Nachfolger von Prof. Friedrich Hund (1896-1997) auf den Göttinger Lehrstuhl für theoretische Physik berufen. Die „Äquivalenzklassen lokaler Felder in der Quantenfeldtheorie“ wurden nach ihm als Entdecker Borchers-Klassen genannt. 1994 wurde ihm für seine wegweisenden Beiträge zur Quantenfeldtheorie die Max-Planck-Medaille verliehen. Das Haus der Familie wird heute noch von einem Sohn des ältesten Sohnes Erich bewohnt und erstrahlt nach liebevoller Renovierung in neuem Glanz.

Der Autor (1944) in der Uniform des RAD

Wietreie – die „Griffelallee“ Wie schon angedeutet, erhielt die Straße ihren Ökelnamen durch die ungewöhnliche Dichte an Lehrerhaushalten. Für die in der Wietreie wohnenden Lehrer konnte es eigentlich keinen Grund geben, etwas gegen diesen Namen einzuwenden. Was wäre, wenn der Volksdorfer Volksmund ihnen mit Pauker- oder Rohrstock-Allee gekommen wäre? Darüber hinaus hat die Assoziationsreihe „Griffel – greifen – begreifen“ doch auch etwas für sich! Mein Vater erfuhr durch einen Kollegen aus der GdF, der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens, kurz „Genitiv-Verein“ genannt, der 1805 gegründeten ältesten Lehrergewerkschaft der Welt, dass das Doppelhaus Nr. 64/66 noch zu vergeben war. Es war der Lehrer an der Polizeischule Heinrich Bauch (*1886; i.R.1933!), der ihm diesen Tipp gegeben hatte und der Wietreie 42 wohnte. Meine Eltern entschlossen sich daraufhin zum Kauf, was wegen der Brüningschen Notverordnungen Anfang der 30er Jahre bei einem Monatsgehalt von 200-300 Mark finanziell kaum durchzuhalten war. Da die Siedlung nicht etwa von einer Lehrerbaugenossenschaft errichtet worden ist, liegt es nahe anzunehmen, dass der „Geheimtipp“ Wietreie im Rahmen der „Gesellschaft der Freunde“ im Curiohaus (benannt nach dem Begründer des „Genitivvereins“) von Mund zu Mund weitergegeben worden ist. Denn schon im Lehrerverzeichnis von 1929/30 werden Lehrer bis zur Nr. 46 bzw. Nr. 19 aufgeführt. Also müssen viele der Doppelhäuser schon Ende der 20er Jahre fertig und bezogen gewesen sein. Ich werde im Folgenden die Lehrer aus der Wietreie aufführen sowie über einige ihrer Kinder berichten. Mehrere Lehrer aus der Wietreie waren an der Volksschule „Im Allhorn“ in Volksdorf beschäftigt: Aus Nr. 2 war es Otto Manshard (*1895), dessen zwei Kinder Walther und Hildegund auch in den Lehrerberuf gingen: Er anfangs als College-Professor für Geographie an der Goldküste, sie Lehrerin in Wandsbek. Auch Albin Mucke (*1893, Nr. 6) war Lehrer an der Allhorn-Schule; wegen einer Kriegsverletzung musste er am Stock gehen. (Sein Sohn Heinz – Abi 1937 – wurde Flötist im Sinfonieorchester des N(W)DR und hat als solcher gewiss auch Unterricht erteilt.) Anna Meyer (*1908, Nr. 28) war von 1935 – 1939 die Grundschullehrerin meines Bruders; in Nr. 40 wohnte Emil Burkart (*1882), wie sein Sohn Heinz „Knulle“ genannt, immer aufrecht und etwas streng wirkend. An der Teichwiesenschule unterrichtete Bruno Jensen (*1902) – aus Nr. 21 – vor allem Kunsterziehung. Hier wurde später auch Ursula Arps (*1913) Lehrerin; sie wohnte in Nr. 46, bevor sie umzog in die Straße Auf den Wöörden. Lehrer im Nachbarort Bergstedt war Willi Mittgard (*1894) aus Nr. 23. Für meinen Vater war Friedrich Kraus (*1885) aus Nr. 52 eine wichtige Lehrerpersönlichkeit. Während der Nazizeit 87

hat manches vertraute Gespräch ihnen über diese Jahre hinweggeholfen. Die Frau seines älteren Sohnes war Lehrerin und Schulleiterin in Wandsbek. Der jüngere Sohn (*1919) wurde auch Pädagoge: Er debütierte 1936 als Pianist und wurde als international bekannter Brahmsinterpret Professor an der Folkwangschule in Essen. Gustav Schmidt (*1886) aus Nr. 4 war seit den 20er Jahren Schulrat (bis 1942) und strahlte – immer korrekt gekleidet – eine gewisse Würde aus. Sein älterer Sohn Paul (*1917) musste nach dem Abitur Ostern 1937 zum RAD und dann zwei Jahre Soldat sein, wurde im Herbst 1939 nicht entlassen, sondern blieb mit an den Kriegsdienst anschließender Gefangenschaft fast 10 Jahre von zu Hause fort. Nach dem späten Lehrerexamen 1949 wurde er schließlich Schulleiter in Farmsen. Mit seinem Bruder Dr. Detlef Schmidt hat er sich mit der Vereinigung ehemaliger Schüler der Walddörferschule und ihrer Zeitschrift „Die Horst“ viel Arbeit gemacht (Vorsitz bzw. Vertrieb). In Nr. 37 gab es vor 1945 noch einen Schulrat für das Volksschulwesen: Wilhelm Lühning (*1900); nach 1945 war er Lehrer in Sasel. Bemerkenswert groß war auch die Zahl der in der Wietreie wohnhaften Sonderschullehrer (die als vorherige Volksschullehrer eine spezielle Qualifikation erwerben mussten). Ich nenne zuerst Dr. Heinrich Möhring (*1899) aus Nr. 34, der später Professor am Pädagogischen Institut wurde. Seine Söhne Heino (Abi 53) und Diether (Abi 55) sind auch Lehrer geworden, der ältere mit der Hauptrichtung Leibesübungen, der jüngere mit den Fächern Physik und Mathematik erst Lehrer, dann stellvertretender Schulleiter am Gymnasium Ohlstedt (heute in Nr. 35). Sie hatten eine ältere Schwester (*1929), die Lehrerin in Oldenfelde wurde. Nebenan in Nr. 36 wohnte Ehepaar Manig: Herbert M. (*1900) war (vor 1945) Schulleiter an der Sonderschule Adlerstraße, seine Frau (*1901) (nach 1945) Lehrerin in Meiendorf. Erstbewohner in Nr. 38 war der Sonderschullehrer Hugo Staack (*1890), der mit seiner Familie später in die Farmsener Landstraße zog. Nachfolger in diesem Haus wurde Hans Jensen (*1880), Konrektor in einer Sonderschule für Lernbehinderte, genannt „China-Jensen“, weil er dort Auslandslehrer gewesen war. Sein jüngerer Sohn Thies Jensen (*1922) war nach seiner Zeit als Leiter einer Sonderschule und als Vorsitzender der GEW Hamburg Oberschulrat für das Sonderschulwesen. Auch Wilhelm Arps (*1881) aus Nr. 46 war an einer Sonderschule tätig. Gymnasiallehrer waren Dr. Willi Kassun (*1891) aus Nr. 17 mit den Fächern Deutsch, Englisch und Niederdeutsch (!) sowie Uwe Jensen (*1915), Sohn von China-Jensen aus Nr. 38 (später Frankring 15 d) mit Englisch und Französisch. Um das Jahr 1945 wurde Nr. 10 bezogen von Alfred Pohlmann (*1904) und seiner Familie. Seine fünf Kinder waren alle jünger als mein Bruder und ich. Der Lehrer an der Wandsbeker Rudolf-Steiner-Schule (und Autor heimatkundlicher Werke) zog später in die Scheidereye 2. Sein Sohn Dr. Joachim Pohlmann, heute in Bergstedt ansässig, wurde Hochschullehrer am Botanischen Institut, begründete den „Gärtnerhof am Stüffel“ und betätigt sich als Ruheständler auch heute noch mit Pflanzenzüchtung auf dem Wulfsdorfer Gut und als Leiter des Archivs im SPIEKER. Zwei Lehrer aus der Wietreie hatte ich selbst als Schüler der Walddörferschule. Das Ziel von Friedrich Kirschstein (*1901) aus Nr. 19 war es im Turn- und Sportunterricht, jeden Schüler für die Körperertüchtigung zu begeistern. Er ist als Soldat aus dem Weltkrieg nicht zurückgekehrt. Seine Witwe Bertha Kirschstein (1896-1986) wurde nach dem Krieg Lehrerin an der Katholischen Gemeindeschule in Barmbek-Nord. Nach ihrer Pensionierung saß sie für die CDU im Ortsausschuss Walddörfer. Von ihren Söhnen Fritz und Helmut war letzterer mein Klassenkamerad. Dr. Hans Großmann (*1900) ist Mitte der 30er Jahre in die Verlängerung der Wietreie gezogen (Nr. 78), nachdem er vorher in Wohldorf-Ohlstedt gewohnt hatte. Nach der Machtergreifung der Nazis war er von der Lichtwarkschule an die Walddörferschule versetzt worden. Dort war er (mit den Fächern Deutsch, Geschichte, Latein) in der 10. Klasse auch mein Klassen- und Lateinlehrer. Mir gefiel seine präzise und ruhige Art. Als tragisch empfanden wir im Januar 1982 seinen Erstickungstod bei einem Tannenbaumbrand in seinem Haus, zusammen mit seiner Frau. Das erste Doppelhaus der Wietreie-Siedlung steht parallel zum Bergstedter Weg (heute: Volksdorfer Damm) und trug die Adresse Bergstedter Weg 29. Hier wohnte der Berufsschullehrer Franz Paulsen (*1891). Berufsschullehrer war schließlich auch der stattlich große Heinrich Quante (*1896) in Wietreie Nr. 12. Nun zurück zur Wietreie 64: Mein Vater Rudolf Andersen (1898-1990) trat 1915 ins Hamburger Lehrerseminar ein. Die Seminarzeit wurde von 1916-1918 durch die Teilnahme am 88

Weltkrieg unterbrochen. Das Schlimmste waren der Giftgas-Krieg an der Westfront und die starke Kälte im Osten. Die Erfahrungen als Soldat hatten ihn zum Kriegsgegner gemacht. Mit dieser Grundeinstellung begann er sein Lehrerdasein an der Volks- und Realschule Breitenfelder Straße in Eppendorf, eine von dem halben Dutzend hamburgischer Versuchsschulen der Schulreformbewegung, denen von Seiten der Behörde etliche Freiheiten in der pädagogischen Gestaltung des Schullebens zugestanden wurden. Hier an der „Wendeschule“ (H. Fiege: S.103ff.) wurde er 1925 stellvertretender Schulleiter unter Kurt Zeidler, einem der Initiatoren dieser Reformschule, von dem auch viel beachtete Werke zur Schulreform stammen. Mein Vater wurde noch vor Ende des Krieges hier selbst Schulleiter und ist einer der wenigen in Hamburg, die nach 1945 auf diesem Posten verblieben sind. Nach 43 Jahren an ein und derselben Schule ging er 1963 in Pension. Mein Bruder übernahm nach dem Tode unseres Vaters (1990) das Elternhaus und hat es zur Nutzung seiner jüngeren Tochter, ihrem Ehemann und den vier gemeinsamen Kindern überlassen, die es nun in dritter und vierter Generation bewohnen. Wie manches andere der zahlreichen Lehrerhäuser in der Griffelallee hat es dieses „Kennzeichen“ nun verloren – und damit ist auch der damals zutreffende Ökelname für die Straße hinfällig geworden.

Elternhaus im Bau (1930)

Quellen: Hauptquellen sind Hamburgische Lehrerverzeichnisse (Schuljahr 1918/19; Schj. 1929/30; Schj. 1953/54), hrsg. von der „Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens in Hamburg“ (GdF) sowie Schj. 1938/39 (Hrsg.: NS-Lehrerverband). Außerdem Jahrbücher, hrsg. vom Hamburger Philologen-Verband: Schj. 1959, 1967, 1970/71, 1974/75. Schließlich Namenslisten, hrsg. vom Mitteilungsblatt der Walddörferschüler „Die Horst“: Schuljahrgang 1-15 (Abi 1934-48); Schjg. 1-13 (Abi 1934-46); Schjg. 16-28 (Abi 1949-61). Außerdem sei noch hingewiesen auf: Hartwig Fiege: Geschichte der hamburgischen Volksschule; Hbg.1970. Kurt Zeidler: Die Wiederentdeckung der Grenze; Jena 1926. Kurt Zeidler: Pädagogischer Reisebericht durch acht Jahrzehnte; Hbg.1975.

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Roland Balke

Die kleine Bauschlosserei in Wensenbalken Eine Familien- und Siedlungsgeschichte Es begann mit einem Hühnerstall und Gartenhäuschen, Wensenbalken Nr. 8.

Gewerbeanmeldeschein für die Schlosserei

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Unser Vater, Otto Balke, war sein Leben lang ein begeisterter Gartenliebhaber und konnte in den frühen 1920er-Jahren mit der finanziellen Hilfe seiner Schwestern hier ein Grundstück von zunächst 1000 m², später von zusätzlich 500 m² Größe erwerben – Ackerland der Bergstedter Bauern. Mit seinem handwerklichen Geschick erstellte er für seine Familie 1924 zuerst ein kleines, bescheidenes Sommerhäuschen. So war es uns Kindern aus der Stadt schon früh vergönnt, die frische Luft und das Landleben zu genießen. Auch war es möglich, die liebevoll herangezogene Ernte aus dem Garten hier zwischen zu lagern, um sie dann (meistens mit dem Fahrrad) zu unserer Stadtwohnung in der Horst-Wessel-Str. 29 III. (heute Sievekingdamm, Hamm-Nord) zu bringen. Um 1938 wurde der Hühnerstall gebaut, natürlich in der hintersten Ecke des Gartens. Unser Großvater, Julius Balke, war Schulmeister und preisgekrönter Geflügelzüchter. Seine Jahrzehnte langen Erfahrungen und guten Ratschläge kamen dem Baumeister sehr gelegen. Nach Süden hin wurden zur optimalen Belüftung und Lichteinwirkung große Sprossenfenster eingebaut, die bis heute von innen nach außen hochgekippt werden können. Neben den Gartenfrüchten gab es also auch hin und wieder leckeren Hühnerschmaus und natürlich immer frische Eier von freilaufenden Hühnern. Außerdem fanden auch die damals noch sehr zahlreichen Spatzen ihr Futter im Freigehege. Die pickten aber auch an den Erbsenkeimlingen und -schoten, sodass wir gegen diese „Raubvögel“ sogar Spatzenfallen aufhängen mussten. Bis zur „Operation Gomorrha“ am 27./28. Juli 1943, wo durch die Luftangriffe der Engländer auch unsere Wohnung in Hamm in Schutt und Asche fiel, betrieb unser Vater eine Bauschlosserei mit Lehrlingen und Gesellen in Hamburg-Hamm, Pappelallee 52. Als Ausgebombte konnten wir am Lottbeker Platz 2 unter dem Dach von Familie Gottsch unterschlüpfen. So waren wir alle – gottlob – von dem Bombenhagel an Leib und Seele verschont geblieben und wohnten in der Nähe unserer neuen Baustelle: Eine „Notwohnung“ durften wir Wensenbalken 8 bauen. Unser Vater bekam in den letzten Kriegsjahren Arbeit bei „Strom und Hafenbau“. Für die Bauarbeiten am neuen Haus – meinem Elternhaus – konnte Vater sich anfangs belgische Gefangene ausleihen. Die Männer musste er morgens mit der Hochbahn von der Veddel abholen und abends wieder zurückbringen. Es waren – wie aus alten Briefen hervorgeht – gute, fleißige Handwerker. Aber es war auch jedes Mal ein großer Zeitaufwand und sie mussten immer was zu essen bekommen. Das war für unsere Mutter oft verflixt schwierig. Mit Datum vom 27. Mai 1949 ist der Gewerbeanmeldeschein zum selbständigen Gewerbebetrieb (Schlosserei) für Otto Balke in Wensenbalken 8 ausgestellt. Hierbei ist ein kleiner Trick angewendet worden: Ein guter Studienfreund bürgte für unseren Vater und gab zur Anerkennung einer eigenen Werkstatt seinen im Krieg unversehrt gebliebenen Betrieb (Schlosserei und Heizungsbau) in Eppendorf als mitzunutzende Geschäftsräume an. Das war also die Geburtsstunde der Firma „Bauschlosserei Otto Balke, Wensenbalken“. Das Gartenhaus wurde mit Schloss und Riegel versehen. Die Klappe, durch die die Hühner ein und aus konnten, ist auch heute noch zu erkennen, dort ist nur ein Blech vorgenagelt. Das Federvieh wurde geschlachtet und gegessen. Ich, der damals kleine Roland von 9 Jahren, bekam die Anweisung: Wenn Kundschaft am Haus nach dem Schlossermeister fragte, nicht zu sagen „Papa ist im Stall“, sondern es heißt: „Papa ist in der Werkstatt“.

Für die zwei Elektrogeräte (Bohr- und Schleifmaschine, mehr gab‘s am Anfang nicht) und für Licht am Arbeitsplatz während der dunklen Jahreszeiten wurde zunächst eine Freileitung verlegt. Auch eine Wasserleitung kam bis hinten in den Garten. Die führte (ohne Zwischenzähler) zu den beiden südlich gelegenen unbebauten Grundstücken der Nachbarn Familie Mooser (heute Spieß) und Familie Boek (heute Familie Pyko-Schlottow). Die Ausstattung der kleinen Werkstatt mit Werkzeug, Geräten und Maschinen war anfangs sehr dürftig. Da kam die Auflösung einer Schlosserei in der Familie Wobst aus Glückstadt mit dem Angebot einiges aus dem Betrieb zu übernehmen gerade recht. Aber es blieb doch alles sehr mühsam, und die rein handwerkliche Geschicklichkeit von Vater sowie seine Geduld und Ausdauer wurde sehr gefordert. Feilen, die stumpf und abgenutzt waren, brachten wir in die alte Feilenhauerei am Rodenbecker Quellental. Da wurden die Feilen wieder nachgeschlagen und waren danach fast wie neu – so etwas kam doch nicht gleich zum Alteisen! Wer mag sich noch an den Mühlenbetrieb der Feilenhauerei in Bergstedt erinnern? Zwei schwere Schraubstöcke und später auch eine Stanze wurden auf der rustikalen Werkbank installiert. Die Werkbank, aus starken Gerüstbrettern zusammengebastelt, besteht heute noch, ebenso ein Schraubstock. Die Stanze hat ihren Platz in Darmstadt beim Enkelsohn Peter gefunden. Die alte Standbohrmaschine ist beim Rückbau zum Gartenschuppen weggekommen. An der Rückwand war ein Regal mit 42 Schubladen für Kleinmaterial gewesen. Die Schubladen waren alle aus Kistenbrettern selber gefertigt. Als dann der Holzwurm sich darüber hergemacht hat, sind einige aus Blech geschlossert worden. In Zeiten schlechter Auftragslage wurde Vorsorge betrieben: Abdeckroste für Kellerkasematten und Fußabtreterroste waren in der Wiederaufbauphase nach dem Krieg ein gefragter Artikel. So produzierte Vater stundenlang (mitunter wohl auch tagelang) die Abstandshalter (kleine Röllchen aus Flacheisen), die zwischen die Trallen kamen. Alle von ihm fabrizierten Bauteile, wie z.B. Gartenpforten, Toranlagen, Garteneinfriedungen, Kellerfenster, Treppengeländer, Balkongitter, Rosenbögen, Schaukelgerüste, Teppichklopf- und Reckstangen usw., wurden in den 50er-Jahren im Allgemeinen noch nicht verzinkt. Da wurde mit Rostschutzfarbe (Bleimennige) gestrichen, eine Sauarbeit! Oft war die Hilfe von unserer Mutter oder von mir, dem jüngsten Sohn Roland, gefordert. Ich habe das verflucht, besonders wenn sich wieder eine Regenfront näherte und ich mich als Zehn– bis Zwölfjähriger dann besonders beeilen musste. Wollte ich doch lieber mit meinem Freund Axel mit der Eisenbahn spielen. Zur Belohnung baute mir mein Papa für meine Märklin-Eisenbahn eine tolle Brücke. Ein Arbeitsplatz war vor der Werkstatt im Freien ohne Überdachung. Da standen auch der große Amboss und die Feldschmiede. Später diente die Fläche meinen Kindern auch als Erlebnisspielplatz. Übrigens: Die Mennige, Pinsel, Terpentin usw. kauften wir bei unserem Nachbarn Alwin Prinz in der „Sachsendrogerie“. – Einen Baumarkt gab es in der Zeit noch nicht. Geschweißt wurde noch mit Hilfe von Karbid. Erst in den 60iger Jahren kamen Gas- und Sauerstoffflaschen, die dann aber immer noch von der Straße durch den langen Garten zur Werkstatt gewuchtet werden mussten, so auch die langen Eisenstangen (Flach-, Rund-,Profil-, T-Eisen, Rohre etc). Das alles wurde auf einer Stellage unter der alten Tannenhecke beim ehemaligen Hühnerfreigehege gelagert. Firma Henry Behland, ein Eisenhändler in Wandsbek, der Vater schon in der Vorkriegszeit in Hamm belieferte, kam mit seinem langen, großen LKW in die damals noch nicht ausgebaute Straße Wensenbalken bei uns vor die Tür gefahren. Die Straße hatte zu der Zeit beidseitig einen Streifen Straßenbegleitgrün und noch kein Regenwassersiel. Henry Behland, der Beziehungen zur Bäckerei von Allwörden hatte, erhielt mal ´n Wäschekorb voller warmer Berliner für seine Belegschaft, just de mang als unser Vater da war. Welche Freude für ihn! Vater war auf Grund alter Verbindungen oft in Wandsbek. Da nutzte er gerne die Gelegenheit zum Baden im Neumann-Reichardt-Bad. Unser Eisenwarenhändler für Nieten, Schrauben, Schlösser, Gewindeschneider, Hammer, Feilen usw. war Firma Wilhelm F. L. Schulz, ein alteingesessener Familienbetrieb in der Innenstadt, Hopfensack. Oft machte mein großer Bruder Richard „Botengänge“ und schleppte auf dem Heimweg bestellte Ware mit nach Hause. Der große unerfüllte Wunsch unserer Mutter war – schon in Hamm, so auch in Wensenbalken – ein zünftiges Aushängeschild. Es gab nur einmal anlässlich eines Kinderfestes einen aus Gartenblumen geflochtenen großen Schlüssel an der Straße.

Meine tolle Eisenbahnbrücke

Der aus Gartenblumen geflochtene „Aushängeschlüssel“

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Mit dem Fahrad und dem Anhänger geht es zur Arbeit

Die Werkstatt im Jahre ????

Bei der Arbeit

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Ein Auto hatten meine Eltern nie. Vaters Motorrad ist im Krieg draufgegangen. Das einzige „Firmenfahrzeug“ war ein altes Fahrrad mit verstärktem Gepäckträger. Dazu gab es eine selbstgebastelte Werkzeugkiste aus Holz. Ein hölzerner Anhänger ergänzte das Gefährt. Die Räder dafür waren zunächst alte, normale Fahrräder. Wenn dann das Rad und der schwer beladene Anhänger um die Kurven fuhren, passierte das Malheur. Die Räder knickten ein. Um eine Wiederholung der Malesche zu entgehen, spendierte Bruder Richard zwei sogenannte Transporträder für das Vehikel. Richard schlug sich in der Nachkriegszeit als Maurer durch, verdiente als Einziger der Familie etwas Geld und konnte dadurch zu der oft leeren Haushaltskasse etwas beisteuern. Die Juckelei mit Fahrrad und Anhänger machte der Meister bis zur Firmenauflösung in den 70iger Jahren. Bei der Aufstellung von Garteneinfriedigungen (überwiegend Maschendrahtzäune mit vorgefertigten Betonsockeln von Fa. Strobel, Sasel, Achtern Hollerbusch, in die die T-Eisenpfosten bei uns einzementiert wurden), wird der zweite Mann gebraucht: Schnur spannen, Löcher graben, Pfosten einsetzen und ausrichten, Spanndrähte durch die Löcher stecken und spannen. Dann ist noch der Maschendraht abzuwickeln und aufzuhängen. Das kann nicht ein Mann alleine. Vater, Bruder Jürgen und ich als Schüler waren ein gutes Team. Auch beim Knippern (die Ösen vom Maschendraht um den Spanndraht haken) hatte der Meister gerne unsere Hilfe. Beim Bauern Timmermann in Hoisbüttel war ein Maschendrahtzaun aufzustellen. Es regnete, oh und wie. – Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter. Nur – mit der regenfesten Kleidung war es in der Zeit noch nicht so doll. Die Arbeit sollte fertig werden und wir hauten fix ´n Schlag ´rein. Müde, abgespannt und nass radelten wir nach Hause, das heißt Vater radelte und ich war in den Anhänger gekrabbelt. Mit ´ner Plane etwas abgedeckt, zusammengekauert, hockte ich da und döste vor mich hin. An der Ecke Heinrich-von-Ohlendorff-Str. / An der Hochbahn fuhr Papa mit einem Rad vom Anhänger über einen Stein und ich kullerte aus der Chaise heraus in den Matsch – Juhu. An Mamas warmen Herd trockneten und wärmten wir uns an Leib und Seele. So war die Welt wieder in Ordnung. Von Zeit zu Zeit gab es für unseren Vater aber auch schöne Großaufträge. Für derartige Transporte zur Baustelle half dann gerne sein Freund, unser Nachbar Max Meier vom Grenzwisch, mit seinem LKW aus. Zu einem Sommerwochenende wurde ein ca. 6 m langes Balkongitter nach langer fleißiger Arbeit in der Schlosserei fertig. Es ergab sich gut, dass wir Brüder (Richard, Jürgen, Roland) zum Kaffetrinken im Garten unter dem hundertjährigen Apfelbaum zusammen saßen und mit Vater das lange, schwere Ding gemeinsam zur Abholung durch den Garten schleppten und an der Straße abstellen konnten. „Wo ich euch alle jetzt so schön beieinander habe, war das doch eine tolle Hilfe“, sagte Vater. Am nächsten Morgen war das Geländer weg, ja spurlos verschwunden! „So´n Schiet aber ok. Dat hebt se mi klaut“. Aber wer hat das Ding da wegholen können? Es muss ja ein großes Fahrzeug gewesen sein. Aber hier in Wensenbalken kommt doch kaum ein langes, großes Auto lang, höchstens mal der Eisenhöker. „Ja, nee, den kenn´n wir ja“. – „Das kann dann eigentlich nur von Fahrer und Beifahrer mit dem großen Auto der Meierei weggeholt worden sein“? Die brachten unserem Milchmann Rischmüller täglich um 4:00 Uhr die Milch. Das ließ sich aber nicht beweisen. Es war ein großer Verlust und ein harter Schmerz für den gewissenhaften, immer freundlichen Handwerker. – Ab den 60er-Jahren holten Fahrzeuge der Zinkerei die fertigen Bauteile zur Feuerverzinkung ab. Wie waren Mutter und ich froh darüber. Die olle Pinselei mit der Mennige wurde entschieden weniger – schade für Alwin Prinz. Zufriedenheit und Frohsinn herrschte bei uns eigentlich immer, so erinnere ich es jedenfalls. Aber es gab auch magere Zeiten, in denen der Groschen dreimal umgedreht wurde, bevor er ausgegeben wurde. Wir hatten Herbst, der Winter nahte, die Aufträge blieben aus. In der nicht heizbaren Werkstatt pfiff der raue Wind durch die Ritzen der Bretterwände. Auf dem Steinfußboden bekam man kalte Füße bis zum Popo. Mit Schweißarbeiten war nur ein vorübergehendes „Einheizen“ möglich. In dieser Zeit bekam unsere Mutter die tolle Idee: „Otto, mach doch zur Advents- und Weihnachtszeit ein paar schöne Schmiedearbeiten“. Schmieden war ja eine seiner Leidenschaften. Also machte sich der Meister frohgemut an der Feldschmiede und am Amboss ans Werk. Es wurden wunderschöne Leuchter (Kerzenhalter), ein- und mehrarmige Tisch- und Wandleuchter, Halterungen für Kugelvasen an der Wand, Postkartenständer, Garderobenständer und vieles mehr aus seinem umfangreichen Ideenschatz gefertigt. Der bei der Werkstatt angebaute Fahr-

radschuppen wurde ausgeräumt, sauber gemacht und mit Zweigen aus der Tannenheck dekoriert. Die hergestellten Borde legten wir mit Weihnachtspapier aus. Rote Kerzen in verschiedenen Längen und Stärken kauften wir (wohl bei Drogerie Egge, Volksdorf). Das Geschmiedete hat noch einen Anstrich mit Zaponlack erhalten. Kurz, es sah alles sehr festlich aus. Wir freuten uns über seine schöne Arbeit. Unsere Schwester Almuth, die ja so künstlerisch veranlagt war, machte noch in froher Erwartung ein Hinweisschild auf die „Ausstellung weihnachtlicher Schmiedearbeiten“. Die ganze Familie war tagelang frohen Hoffens auf herbeieilende Kunden. – Aber es kam keiner. Welche Enttäuschung! Es gab wohl in der Zeit wichtigere Anschaffungen. Doch es kam ein treuer Freund der Familie aus der Nachbarschaft: Eduard Kränz kaufte einen Leuchter. Somit sind aber zahlreiche Kunstschmiedearbeiten der Familie und der Erben erhalten geblieben. Ein sehr aufrichtiger Auftraggeber – noch aus der Zeit vor dem Krieg – war das Architekturbüro „Johannes Schwartau“: „Aber Herr Balke, sie wissen doch, wenn keine Arbeit da ist, für Sie haben wir doch immer ´was zu tun“. So gab es vor allem in Wandsbek-Gartenstadt manch´ netten Auftrag zu erfüllen. Nicht vergessen ist die freundschaftliche Verbindung zwischen den beiden Chorbrüdern und Schlossermeistern Paul Pielke und Otto Balke. Sie halfen und ergänzten sich gegenseitig, wenn Not am Mann war. Der hilfsbereite Schlossermeister war zu jeder Zeit für alle Arbeiten zu Stelle – ob die Haustür zugefallen war oder der Schlüssel abgebrochen im Schloss steckte, ob der Kochtopf ´n Loch hatte oder der Griff wackelte. Nicht verzagen, Otto Balke fragen. Kindern half er gerne bei ihren Bastelarbeiten, wenn etwas zu schweißen, abzusägen, zu nieten oder zu biegen war. So zum Beispiel bei der Familie Elbel, wo die Kriegerwitwe mit drei Jungs und der Tochter im Waldreiterring wohnte. Noch heute sprechen die Burschen in Dankbarkeit von „ihrem“ Schlosser, in dessen Werkstatt so manche gemeinsame Arbeit zum Erfolg führte. Mein plattdeutscher Schauspieler-Kollege Peter Schmidt erzählte mir auf dem Weihnachtsmarkt am Rondell von seinem Problem: Sein eiserenes Bettgestell sollte aus der Wohnung der Walddörfer Baugenossenschaft vom Erdgeschoß in die obere Etage. Das passte aber um keine Ecke ´rum. Da rief er Otto Balke, der das Ding in zwei Teile zersägte und oben wieder mit Nieten „zusammengelascht“ hat. – Eine Flex hatte man damals noch nicht, um das Eisen „durchzuflexen“. Wenn ich heute (2013) durch die Siedlung Wensenbalken gehe, finde ich noch so manchen Orts Werkstücke von unserem Vater, wie zum Beispiel: - Lottbeker Feld Nr. 9: geschmiedete Beschläge an Tor und Pforte. - Böge Nr. 6, 8, 10: drei Gartenpforten der gleichen Art. - Wensenbalken 37: nach dem Entwurf meiner Schwester Almuth, große geschmiedete Buchstaben am Haus. „BÄCKEREI ∞ WALTER WOBST ∞ KONDITOREI“. - Wensenbalken 41: In dem kleinen Einfamilienhaus (2011 abgebrochen) war zu der enggewendelten Treppe ein geschmiedetes Treppengeländer hergestellt worden, welches eine besondere, aber auch schöne Herausforderung für den Kunstschmied war. - Gartenpforten stehen auf den Grundstücken Wensenbalken 76 und Ohlendorffs Tannen 27 - Volksdorfer Grenzweg Nr. 68: (ehemals Dr. Dierks) stand eine schöne Anlage aus Gartentor und -pforte. Noch zwei weitere Lieblingswerke unseres Vaters sind zu nennen: 1. Für seinen langjährigen Freund und Chorleiter Richard Kittlitz, Haselkamp, eine Gartentür. Am unteren Holm der Tür symbolisierte ein Halbkreis die Sonne mit sechs Strahlen, seine Frau mit sechs Kindern. Oben an der Tür war ein Notenband zum Volkslied „Das Leben bringt groß´ Freud“. 2. Für ein Wohnhaus (Neubau Mitte der 50iger Jahre in Ohlstedt) ist ein Kamingitter mit dem Notenband zu „Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß, als heimliche Liebe, von der niemand weiß“. Schade wäre es, wenn beide Werke verschwunden sind. Dafür hätte man im Museumsdorf Volksdorf Platzt gefunden. Ein ehrenhaftes Andenken an den sangesfreudigen Hobbygärtner, Maschinenbauingenieur, Schlossermeister und schlagkräftigen Kunstschmied Otto Balke bewahren wir in unserem Haus, Wensenbalken Nr. 10. Als letztes große Werk hat der 79jährige, im Juli 1973, unser Treppengeländer geschmiedet. Da gehen wir alltäglich mehrmals dran entlang in Dankbarkeit und Hochachtung.

Ein Gartentor – eine Arbeit meines Vaters

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Gerhard Hauer

T. o. S. Vor einigen Jahren gründete sich im Spieker-Kollegenkreis die von Frauke Baumeister geleitete Gruppe „De fidele Klönsnack“. Hier können unsere Spiekerlüüd die Grundlagen und Finessen der niederdeutschen Sprache erlernen und/oder auffrischen. In dieser fröhlichen Runde (Insider-Zitat: „ Manchmal lachen wir mehr als wir snacken.“) der Nachwuchsplattsnacker keimt so manches Erzähltalent, dem wir künftig in loser Folge eine Bühne bieten möchten, in Form des Spieker Jahrbuches. Das Thema ist frei wählbar, doch fesseln und amüsieren soll die Geschichte. Gerd Hauer stellt seine Debut-Kurzgeschichte vor: T.o.S. – Absolut gelungen! Lesen Sie selbst! Wiehnachten liggt nu en paar Daag achter uns und in twee Daag hebbt wi all dat niege Jahr. Denn geiht allns wedder von vörn los. De Daag ward bilütten länger un mien TOS geiht ok wedder los. Du weest nich wat TOS is? Tiet ohn Spriet. Von Neejohr bit Ostern drink ik nix wo Prozente in sind. Mennigeen vun mien Frünnen seggt: „Worüm deist du di dat an? Dat Leven is kort noog, dat mutt man in vulle Töög geneten“. Man, ik find dat good un mien Lebber ok. De ersten Weeken denkt se jümmers, se is transplanteert in en fremden Organismus. Man denn gefallt ehr dat ok un se freit sik, dat se dat ´n beten lichter hett. Bit Ostern is dat gor nich so lang henn, un in de Tiet kannst ok wat beleven. Letzt Jahr to ´n Bispeel, dat mutt ik di mal vertelln. Also, wi weern inlod to en Empfang. Dor weern bannig veel Lüüd. Man de mehrsten kennt wi nich. Ick stunn mit mien Glas mit geele Bruus an so´n Bistrodisch. Mien Fru harr Bekannte sehn un weer dor an’t snacken. Dor keem en Paar op mi to. He weer so in mien Öller, se wat jünger. Beid harrn se en vullet Sektglas in de Hand. „Dürfen wir uns dazugesellen?“ „Bitte sehr, es ist ja noch Platz“. Se hollen ehre Glöös en beten höger, prosten sik un denn ok mi to un nöhm´ en Sluck. Ik foot ok mien Glas, prost jem to un sett mien Glas wedder aff. Se keek mien Glas an, denn mi und seggt: „Sie trinken keinen Alkohol?“ Un in düssen Ogenblick, in düssen Momang hett mi de Düwel reden. Ik heff mi dat wiss nich vörher utdacht. Man ik hör mi seggen : „Ich, äh, ich bin gerade auf Entzug“. Se ritt de Ogen op. „Sie, Sie meinen, Sie sind, Sie waren alkoholabhängig? Und jetzt kämpfen Sie dagegen an?“ Se stött ehrn Mann in de Siet. „Manfred, hast Du gehört, das verdient doch Respekt“. Manfred grummel wat un maakt ´n langen Hals. He keek no rechts un links, as wenn he op wat luurt. „Sagen Sie“, fung se wedder an, „wie lange halten Sie denn schon durch“? „Das ist jetzt die 6. Woche“, anter ik. „Die 6. Woche schon, und wie geht es Ihnen, das ist doch bestimmt schwer und erfordert eiserne Disziplin“. Dor weer he wedder: De Düwel. „Nach der 4. Woche geht es etwas leichter, dann hören die Halluzinationen auf und die Hände zittern auch nicht mehr“. Ik wull ehr wiesen, wo ruhig ik mien Hand holen kunn un wull ´n Sluck ut mien Glas nehm. Aver dat güng nich, se harr een Hand op mien Arm leggt. „Ich finde das großartig, wie Sie damit umgehen, nicht wahr, Manfred?“ Manfred kunn nich antern. He höll sien leddig Sektglas in de Hööcht un luur op de Kellnerin. De keem denn ok an unsen Disch. „Noch ein Glas Sekt, der Herr?“ 94

„Ja, bitte, und für meine Frau auch gleich“ , und swupps, nöhm he sülben gau noch´n tweetes Glas vun dat Tablett. Dat lett he ok glieks bi sik stahn. Dat Glas vun sien Fru weer meist noch vull.

Nu fung se wedder an. „ Wir trinken auch nur ganz wenig Alkohol, nicht wahr Manfred?“. Manfred nickköppt und harr dat erste vun de beiden Glöös leddig. Dat wull he so sacht und lies no mi röberschuwen, aver ik heff em gau den Pott mit de Erdnöt in´n Weg stellt. „Sicher ist Ihre Frau“ - und se schuul no mien rechte Hand - „Ihnen eine große Stütze?“ „Oh,ja“ segg ik und denk: „Nu ward Tiet, dat ik hier wegkomm“. „Sagen Sie, nehmen Sie zur Unterstützung auch Medikamente?“ „Nur am Anfang, nun nicht mehr“, anter ik. „Toll, nicht wahr, Manfred?“ Manfred harr nu ok dat tweete Glass leddig un weer al wedder an’t winken no de Kellnerin. „Noch Sekt der Herr, und für die Gattin auch gleich?“ froog se un stell twe Glöös vör em hen. Un dorbi keek se mi an un harr so´n heemlich Grienen int Gesicht. „Ja , nu is good, dat Speel mutt ´n End hebben“ dach ik. „Viel Spaß noch“ sä ik „ich muss mal an die Luft, eine rauchen“. Un as ik mi an de beiden so vorbi slängel, heur ik Manfred seggen: „Sklave seiner Sucht“. He kunn ja nich weten, dat ik gor nich smöken do. Ja, so weer dat. Aver ik mutt ok togeben, wenn de Tiet denn so bilütten op End togeiht, dann frei ik mi doch op`n lütten Sluck. Un dat weer in dat vergangen Jahr ganz gediegen. Ik harr mi een köhlig Beer inschenkt mit en scheune witte Bloom bobenop. Un denn nehm ik en langen, deepen Sluck. Un weest wat? Dat hett mi nich smeckt. Nee, dat weer bitter, dat harr ik ganz anners in Erinnerung. Ersatzwies heff ik denn en Glas Riesling drunken, un de het mi smeckt. Man, mit dat Beer, dor warr ik hard an arbeiten, dat mi dat wedder smeckt, dat kannst mi glöwen.

Für Sie vor Ort. Ihre Abgeordneten in der Hamburgischen Bürgerschaft. Dr. Andreas Dressel und Karin Timmermann im Wahlkreis Alstertal / Walddörfer

Wahlkreisbüro Alstertal/Walddörfer, Poppenbüttler Hauptstraße 1, 22399 Hamburg, Tel.: 040 - 63 67 14 30, Fax: 040 - 63 67 14 31 Bürozeiten Mo. - Fr. von 10 - 13 Uhr [email protected] / www.andreas-dressel.de [email protected] / www.karin-timmermann.de

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Achtes Waldherrenmahl im Museumsdorf Zum achten Waldherrenmahl seit 2006 luden Stiftung Museumsdorf und Verein De Spieker am 8. Februar 2013. Die Beteiligung von mehr als 130 Gästen stellte einen neuen Rekord dar. Stifter und Förderer des Museumsdorfs, ehrenamtliche Mitarbeiter, Volksdorfer Bürger, Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Bereiche erlebten mit, wie die Waldherrin 2013 den rituellen Hammerschlag ausführte, mit dem sie, die Kultursenatorin Frau Prof. Dr. Barbara Kisseler, ihr „Amt“ antrat. Alle von Verein und Stiftung zum Mahl Geladenen unterstützen das Museumsdorf dankenswerterweise durch ihren Teilnehmerbeitrag und sehr häufig durch zusätzliche Spenden.

Der Hammerschlag der Waldherrin

Mit dem Waldherrenmahl wird einmal jährlich an historischem Ort an die vielhundertjährige Verbindung der hamburgischen Walddörfer mit der (seinerzeit fernab gelegenen) Freien und Hansestadt erinnert. Die Walddörfer wurden bis ins 19. Jahrhundert hinein regelmäßig von zwei hochrangigen Vertretern des Rats, den so genannten „Waldherren“, verwaltet und regelmäßig besucht. Amtssitz der Waldherren war damals das Wohldorfer Herrenhaus. Zu jedem Waldherrenmahl wird ein Vertreter des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg als (präsidierender) „Waldherr“ eingeladen. Als Zeichen seiner Würde dient einer der originalen „Waldhämmer“, mit denen früher – ausschließlich in seiner Gegenwart – die zu fällenden Bäume in den hamburgischen Wäldern der Walddörfer gekennzeichnet wurden. Bisher haben dieses „Amt“ der „Waldherrin“ oder des „Waldherren“ der frühere Wirtschaftssenator Herr Uldall, die damalige Kultursenatorin Frau von Welck, der frühere Erste Bürgermeister Herr von Beust, die ehemalige Umweltsenatorin Frau Hajduk, 2011 der damalige Kultursenator Herr Stuth und 2012 der Volksdorfer Bürgerschaftsabgeordnete Dressel (in Vertretung des erkrankten Innensenators Neumann) bekleidet. 2013 also die Kultursenatorin Frau Kisseler.

Jürgen Fischer und Frau Prof. Barbara Kissleler

Die Senatorin und neue Waldherrin hob in ihrer Ansprache zum Jubiläumsjahr des Spieker hervor, dass das Volksdorfer Museumsdorf als Vorbild gelten kann für attraktive Museumskultur und unermüdliches ehrenamtliches Engagement von Mitarbeitern, Förderern und Stiftern. „Vor 50 Jahren“, so die Senatorin, „entstand durch eine private Initiative das Museumsdorf. Durch die konstruktive Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Partnern wurde es über alle Jahre hinweg erfolgreich geführt, erweitert und konnte sich in der Hamburger Museumslandschaft etablieren.“ Sie betonte auch den Charakter des lebendigen Museums. „Viele Veranstaltungen, Aktionstage, Feste und Vorführungen von historischen Handwerken fordern Jung und Alt zum Ausprobieren und Mitgestalten auf. Bemerkenswert ist dabei die Resonanz: In Zeiten von Smartphones, Facebook & Co. ist der Spinnkurs im Museumsdorf – wie man liest – ausgebucht!“ Barbara Kisseler freute sich, „2013 – ganz im Sinne der mehrfach gelebten ‚Gender Diversity’ – die Waldherrenwürde übernehmen zu dürfen. Das habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.“ Dem Jubiläumsmotto „Bürger trifft Bauer“ wurde dann gezielt der Festvortrag von Frau Karin von Behr gerecht: „Zeitenwende: Die Ohlendorffs in Volksdorf“. Sie, die als Autorin zahlreicher Publikationen zu den Walddörfern bekannt ist, zeichnete den Weg der Familie von Ohlendorff nach in ihrer Bedeutung für die Entwicklung Volksdorfs seit dem Erwerb von großen Flächen als Jagdgelände1867 bis zur Ausprägung als bürgerlicher Villenvorort im 20. Jahrhundert. Der Abend im Wagnerhof war aber auch bestimmt von gutem Essen und intensiven Gesprächen. Das Waldherrenmahl im Museumsdorf ist längst eine feste Volksdorfer Tradition. Das nächste ist bereits in Vorbereitung.

Jürgen Fischer

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Grußwort von Frau Senatorin Prof. Barbara Kisseler

8. Waldherrenmahl und 50jähriges Jubiläum des Museums und des Vereins „De Spieker“ Sehr geehrte Frau Beuck, sehr geehrter Herr Fischer, sehr geehrte Damen und Herren, „Großstädter sind Leute, die vom Land in die Stadt gezogen sind, um hier so hart zu arbeiten, dass sie es sich leisten können, aus der Stadt aufs Land zu ziehen.“ (Im Zeitalter des sauberen Zitierens füge ich hinzu, dass diese Erkenntnis nicht von mir stammt, sondern vom britischen Schriftsteller George Mikes). Und Sie alle haben das ja offensichtlich schon erfolgreich praktiziert und Ihre Freude darüber, Ihre Liebe zum Landleben, schlagen sich im Museumsdorf Volksdorf deutlich nieder. Hier in Volksdorf lässt sich ein Vorbild für eine Museumskultur erleben, die sich durch unermüdliches Engagement auszeichnet, ein großes Stück Volksdorfer Kultur zu erhalten, zu pflegen und in beeindruckender Weise zu gestalten. Dafür möchte ich Ihnen und den rund 2.000 Mitgliedern und Ehrenamtlichen, den Förderern und Stiftern an dieser Stelle schon einmal ein herzliches, dickes Dankeschön aussprechen. Ich freue mich - hier im schönen „Wagnerhof“ - gemeinsam mit Ihnen 50 Jahre Museumsdorf Volksdorf und die damit verbundenen 50 Vereinsjahre „De Spieker“ zu feiern. Und später mit einem – hoffentlich angemessen kräftigen – „Waldhammerschlag“ die traditionsreiche Verbindung zwischen Hamburg und den Walddörfern zu bekräftigen. Denn es ist mir wichtig, die kulturellen Ursprünge und Zusammenhänge in den hamburgischen Stadtteilen zu bewahren. Und bezogen auf die gerade gehörten finanziellen Bedürfnisse bin ich sicher, dass ich, wenn ich lange genug suche, auch eine kleine Hilfe für Sie finden werde! Bis ins 19. Jahrhundert war der Besuch der Walddörfer für die „Waldherren“ eine wahre Reise aus der Stadt heraus. Zum Glück wurde der Glaube von Kaiser Wilhelm dem II. nicht wahr, der sagte: „Ich glaube an das Pferd, das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung.“ (Ich fand immer schon: Monarchie wird überschätzt!) Aber es wäre natürlich romantisch gewesen, mit der Kutsche herzufahren. Heute ist es selbstverständlich einfacher. Volksdorf ist ein beliebter Stadtteil, der die Vielfalt Hamburgs mit unverwechselbarem Charme und wunderbarer Natur bereichert. Diese Verknüpfung von natürlichen Ressourcen und städtischer Kultur hat schon Rudolf Hanauer treffend beschrieben: „Wald um und in der Stadt ist das sicherste Mittel zu verhüten, dass die Einwohner davonlaufen, denn Wald gibt Lebensqualität.“ Aber nicht nur Wald ist Lebensqualität. Insbesondere kulturelle Vielfalt, wie sie hier im Museumsdorf gestaltet und gelebt wird, ist wesentlicher Teil dieser Attraktivität. Vor 50 Jahren entstand hier durch eine private Initiative das Museumsdorf. Durch die konstruktive Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Partnern wurde es über alle Jahre hinweg erfolgreich geführt, erweitert und konnte sich so dauerhaft in der Hamburger Museumslandschaft etablieren. Unmittelbares Erleben vergangener Wohn- und Arbeitswelten, mit Tieren, die um 1900 zu jedem Bauernhof gehörten, und das alles auf „Plattdütsch“, zeigen uns eine althamburgische Historie und einen Teil der Geschichte der Metropolregion Hamburg „jüst so, as in ole Tieden“. (Sie sehen – und hören – ich habe geübt! Aber als Rheinländerin könnte ich jetzt höchstens auf „Kölsch“ weitermachen … un dat weed ene Büttenred á la „ich möch zo Foß noh Kölle jonn“) Das Museumsdorf Volksdorf hat ein ganz besonderes Merkmal: Seine Erlebbarkeit, seine Erlebnisqualität. Viele Veranstaltungen, Aktionstage und Feste und die Vorführungen von histori98

schen Handwerken fordern Jung und Alt zum Ausprobieren und Mitgestalten auf. Bemerkenswert ist dabei die Resonanz: In Zeiten von Smartphones, Facebook & Co. ist der Spinnkurs im Museumsdorf – wie man liest - ausgebucht! Kooperationen des Museumsdorfes – z.B. mit der Forstwirtschaft - geben darüber hinaus einen Eindruck, welchen praktischen Nutzen alte Arbeitsmethoden trotz technikorientierter Welt haben können. Meine Damen und Herren, lieber Vorstand (Frau Beuck, Herr Fischer), liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums, wir alle wissen, wie stark Verbundenheit und Zugehörigkeit zu einem Ort und seiner Geschichte unsere Identität prägen. Indem Sie - die „Spiekerlüüd“ - persönlich Verantwortung übernehmen, Geschichte lebendig zu halten, wecken Sie Begeisterung. Nicht nur für die historischen Themen, auch dafür, sich für eine gemeinsame Aufgabe einzusetzen. Mit Erfolg sorgen Sie nun seit einem halben Jahrhundert für den Erhalt, die Pflege und den Ausbau des denkmalgeschützten Museumsdorfes. Davon träumt das eine oder andere Museum in Hamburgs Mitte: Mit 6,2 Mio. Besuchern (2011) gehören Freilichtmuseen klar zu den Publikumsfavoriten. Mit dem Museumsdorf Volksdorf haben Sie diesen Trend rechtzeitig erkannt, umgesetzt und dadurch ganz sicher entscheidend mitgestaltet. Der alte Spruch mancher Museumsleute: Unser Museum ist so schön – nur die Besucher stören –, den haben Sie sich nicht zu eigen gemacht. Ihnen allen, meine Damen und Herren, die sich mit Begeisterung, persönlichem Engagement und finanzieller Unterstützung für das Museumsdorf Volksdorf einsetzen, danke ich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich! Und da das Museum selbst aus ihrer Mitte heraus entstanden ist und die aktuellen Herausforderungen stets gemeistert hat, bin ich - wie Sie - zuversichtlich, dass das Museumsdorf auch weiterhin mit Ihrer Unterstützung den erfolgreichen Kurs beibehalten wird. Bei den Gastgebern möchte ich mich abschließend herzlich für die Einladung und die Ehre danken, 2013 – ganz im Sinne der bereits mehrfach gelebten „Gender Diversity“ - die Waldherrenwürde übernehmen zu dürfen. Das habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. In diesem Sinne: Herzlichen Dank und uns allen einen stimmungsvollen und unterhaltsamen Abend.

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Karin von Behr

„Bürger trifft Bauer“ Zeitenwende : Die Ohlendorffs in Volksdorf Bauer trifft Bürger. Zu ergänzen ist: Wo Bürger wohnen, sind auch die Künstler nicht weit. Also? Bauer trifft Bürger, Bürger trifft Künstler. In Volksdorf lässt sich das trefflich beweisen. Der Künstler, der das ganze Leben der Ohlendorffs stilistisch durchformte, war kein geringerer als der Rathausbaumeister Martin Haller (1835 – 1925), Bürgermeistersohn, in Paris geschulter Architekt, weltläufiger Schöngeist mit Sinn für Musik und elegante Festlichkeiten. Er war der Hausarchitekt der Ohlendorffs. Für sie baute er in Hamm Hamburgs luxuriösestes Palais, dazu das berühmte – zu seiner Zeit innovativste – Kontorhaus am Dovenhof und in Volksdorf das mehrmals erweiterte Jagd- und Gutshaus im Schweizer Fachwerkstil. Hallers Beziehungen vernetzten sich in der Hamburger Oberschicht. Durch seine Vermittlung öffneten sich alle Türen. In dieser Kombination – viel Geld bei Heinrich Ohlendorff und reiches Talent bei Martin Haller – ließ sich die Hansestadt erobern. Volksdorf war ab 1867 zunächst nur das Jagdrevier des betuchten Kaufherrn. Bis wiederum Martin Haller das Gut mit modernsten technischen Errungenschaften zum Mustergut á la Baron Voght ausbaute. Doch wer war Heinrich Ohlendorff? Er kam 1836 als siebtes Kind des botanischen Gärtners und Pflanzenforschers Johann Heinrich Ohlendorff im Inspektorenhaus des Botanischen Gartens zur Welt. Hier legte sein Vater als erster Gartenbauinspektor auf den entwidmeten Befestigungswällen zu Forschungs- und Studienzwecken den städtischen Lehrgarten an. Am stets mit in- und ausländischen Pflanzenjägern, Züchtern und Expeditionsreisenden besetzten Mittagstisch der großen Familie hörte er früh vom Einsatz wirkungsvoller Düngemittel. Nach der kaufmännischen Lehre gründete er – mit 20 Jahren – mit seinem Bruder Albertus mehrere Betriebe, die nicht nur auf großen Segelfrachtern Guano aus Peru herbeischaffen, sondern das begehrte Düngemittel auch chemisch aufbereiten und zentnerweise einsacken und verkaufen konnten. Aus diesen Anfängen entwickelten sich (um 1876) Fabrik- und in Hamburg-Steinwärder, London, Antwerpen, Rotterdam, Emmerich am Rhein und Kopenhagen. Der Besitz repräsentierte zeitweise einen Wert von 40 Millionen Mark. Das nicht eben duftneutrale Handelsgut brachte den Brüdern nach ihrer Nobilitierung 1873 – auch in Volksdorf – den Spitznamen „die Schietbarone“ ein. Nachdem Heinrich Ohlendorff ab 1867 für seine Jagdgelüste schon 12.000 Morgen Land in den Walddörfern gepachtet und darauf zwei Jagdhütten errichtet hatte, kaufte er 1870 das erste Flurstück in Volksdorf. Die Jagden zur Zeit des Novembervollmonds hatten schon Tradition, galten als rustikal und fröhlich und waren bei Hamburger Honoratioren wie Graf Waldersee, Baron Merck, Reeder Robert M. Sloman, dem Bankier Max von Schinckel, Cäsar Godeffroy oder dem Herzog Adolf zu Mecklenburg recht beliebt. Für ihre Aufenthalte in Volksdorf wurde neben dem Sommersitz ein Gästehaus errichtet, das 20 Personen Platz bot. Die Zukäufe mehrerer Höfe zwischen 1876 und 1884 brachten den cleveren Geschäftsmann bald auf den Gedanken, die wachsenden Ländereien auch wirtschaftlich zu nutzen. Die vier ehemaligen Bauernhöfe wurden im Grundbuch zu einem 271 Hektar großen Gut zusammengefasst. Das sich entwickelnde Mustergut mit 60 Rindern, fünf Pferdegespannen, Schweinen, Schafen, Karpfen, Federvieh und großen Nutzgärten machte nun auch weitere Wirtschaftsgebäude erforderlich. Martin Haller ersetzte die dörflichen Reetdachgebäude durch moderne landwirtschaftliche Zweckbauten. Es entstanden Pferde-, Schweine- und Kuhställe, letztere sogar mit Wasserspülung! Damit diese funktionierte, wurde eine autonome Versorgungseinrichtung etabliert: Ein eisernes Gerüst auf Betonsockel trug den Windmotor, der das Wasser für die Gutsanlage, für Wohn- und Gästehaus lieferte. Das nicht benötigte Nass floss in den Goldfischteich weiter. Milchkühlhaus und Getreidespeicher entsprachen dem neuesten Standard. Für den Gutsinspektor und seine Arbeiter wurden Katen gebaut und zur Verfügung gestellt. Die Hälfte des Volksdorfer Besitzes wurde der forstwirtschaftlichen Nutzung gewidmet. Auf den Heideflächen und überall, wo nichts anderes wachsen wollte, wurden Bäume gepflanzt. Hans, der jüngste Ohlendorff-Sohn, sprach auf einem Erinnerungstonband für den Spieker von 3,5 Millionen gepflanzten Fichten! Auch der forstliche Wirtschaftszweig wurde mit perfekter Infrastruktur betrieben. Zwei eigens zu diesem Zweck angelegte Baumschulen (Farmsener Landstraße und Ecke Vörn Barkholt / Lerchenberg) zogen nicht nur Forstpflanzen auf, sondern auch Bäume und 100

Sträucher für die Parks und Gärten in Hamm, Volksdorf und für das ebenfalls von Haller gebaute Mausoleum in Ohlsdorf. In den ersten Sommern begab sich die große Familie mit ihren neun Kindern und dem Hauspersonal noch in sechs Kutschen von Hamm nach Volksdorf. Aber seit 1885 bemühte sich Heinrich von Ohlendorff für seine Familie, die landwirtschaftlichen Produkte und für die wachsende Schar Hamburger Tagesausflügler um eine bessere Verkehrsanbindung. Die erste elektrische Etagenund Kleinbahn von Alt-Rahlstedt nach Wohldorf erwies sich bei Schmuddelwetter für Umsteiger als unwirtlich und mühsam. Der deshalb um 1912 begonnene U-Bahnbau musste wegen des Ersten Weltkriegs und infolge der Inflation unterbrochen werden. Erst mit der stabilen Rentenmark um 1923 konnte er seiner Vollendung entgegensehen. Etwa ab 1904 hatten sich in Volksdorf einige reiche Hamburger ein Landhaus für die Sommerfrische errichtet. So der aus Südamerika heimgekehrte Kaufmann C. F. von Ewald, der Wollhändler Heinrich Adolph Klöpper, der recht spezielle Baron von Westenholz und der Spediteur und Kaufmann Martin Uhlmann, mit dem die Ohlendorffs geselligen Umgang pflegten. 1906 hatte auch der spätere Oberbaurat und Maler der Hamburgischen Sezession, Emil Maetzel, vom Erbe seines Vaters ein 9000 qm großes Grundstück am damals noch unbenannten Weg 373 (heute Langenwiesen 15) erstanden. Allerdings konnte er es erst in den zwanziger Jahren bebauen. Dieses Künstlerhaus Maetzel, ein Gesamtkunstwerk der 20er Jahre mit Teich, Waldgarten und Gedenkstätte, steht heute unter Denkmalschutz – und zum Verkauf. Ein vor zehn Jahren gegründeter Freundeskreis versucht, es als einziges Künstlerhaus in Hamburg zu erhalten. Während meiner Forschungsarbeit über Emil Maetzel habe ich verblüfft festgestellt, dass auch seine drei Kollegen aus der Leitung der Baubehörde in Volksdorf wohnten: die Herren Erwin Ockert (Aalheitengraben), Carl Brunke und Fritz Schumachers Stellvertreter Dr. Christoph Ranck (Peterstraße, heute: Rehblöcken). Die Zeitenwende vom Bauerndorf zum Villenvorort lag also genau in der Ära Ohlendorff. Schließlich hatte der inzwischen in den Freiherrenstand erhobene Bismarck-Verehrer Heinrich v. Ohlendorff, zusammen mit Claus Ferck und A. Lorenz, im September 1904 bei Senator Schuback schon um die Erstellung eines Bebauungsplans gebeten. Dieser sollte die Naturidylle von störenden Industrie- und Gewerbebetrieben freihalten. Um die „steuerkräftigen Kreise“ nichts ins preußische Umland zu vergraulen, erkor Hamburgs genialer Oberbaudirektor Fritz Schumacher nun Volksdorf als Villengebiet für betuchtere Hamburger. Und setzte seine noch im Sinne der Lebensreform entworfene beispielhafte Bildungsstätte – die Walddörferschule – mitten ins zuvor Ohlendorffsche Grün. Selbstverständlich schickte sein Leiter der Städtebauabteilung, Emil Maetzel, die beiden jüngeren seiner noch schulpflichtigen Kinder sofort auf diese Schule. Als sie 1930 eröffnet wurde, hatte auch Hans, der jüngste Ohlendorff-Sohn, Freimaurer und Erbe der hiesigen Latifundien, sich gerade für Volksdorf als Wohnort entschieden. Kaum waren seine Eltern 1928 gestorben, ließ er das Hallersche Fachwerkhaus abreißen, und durch eine neoklassizistische Villa ersetzen. Mit 49 Jahren durfte er sich endlich vom Druck der Eltern befreien, mit denen er zeitlebens unter einem Dach wohnen musste. Der Landhaus-Architekt Erich Elingius errichtete für den reichen Ohlendorff-Spross ein 400 qm großes Junggesellen-Domizil: Die heutige – ebenfalls unter Denkmalschutz stehende – Ohlendorff´sche Villa. Statt Jagden und Forellenzug gab es hier jetzt Lesungen und Kammermusik. Hans war ein guter Orgelspieler, er komponierte selbst und war mit Max Reger so gut befreundet, dass dieser ihm die Vormundschaft über seine Kinder anvertraute. Die Walcker-Orgel aus dem Elternhaus in Hamm, die Hans zur Konfirmation bekommen hatte, schenkte er dem Walddörfer-Gymnasium. Die von Heinrich v. Ohlendorff ab 1919 begonnenen und von Hans bis in die 50er Jahre fortgesetzten Grundstücksverkäufe an Terraingesellschaften und an die Stadt brachten Beamte, Lehrer und Geschädigte beider Weltkriege nach Volksdorf. Das Hallersche Palais in Hamm kaufte 1930 ebenfalls die Stadt und richtete darin Ateliers und Wohnungen für Künstler ein. Einige namhafte Expressionisten fanden hier bis zur Ausbombung 1943 vorübergehend eine Bleibe (u. a. Arnold Fiedler, Anita Rée, Hans Martin Ruwoldt). Hans war bis 1950 in Volksdorf gemeldet. Dann zog es ihn in die City, in die Nähe seiner Johannisloge „Zum Pelikan“, wo er 1967 starb. Ab 1951 richtete die Hansestadt die Ohlendorffsche Villa als Ortsamt, also als „Rathaus der Walddörfer“ ein. In diesen Tagen wird sie wieder verkauft, an eine Wohnungsbaugesellschaft, mit der Auflage, die Villa denkmalgerecht zu restaurieren und in eine kulturelle Stiftung einzubringen. 101

Die Bewahrung der Geschichte dieses Stadtteils haben wir zwei Personengruppen zu verdanken: 1. den Heimatforschern des Spieker. Hier sind zu nennen: Hans-Günther Ahrens, Rudolf Beckmann, Fritz Beyle, Klaus Eggers, Henry Hartjen, W. O. Paul Kettel, Edgar Krohn, Brigitte und Werner Nowak, Paul Rolle, Alf Schreyer, Heinz Waldschläger und Hans-Hermann Wölfert. Und 2. den Ohlendorff‘schen Frauen: Elisabeth, Heinrichs Frau, die Mutter von 10 Kindern, hielt in 42 handgeschriebenen Tagebüchern das Leben und in Haushalts- und Eierbüchern den Alltag der Ferien in Volksdorf fest. Die sommerlichen Lustbarkeiten fasste ihre Enkelin, Camilla Schmidt-von Knobelsdorf, in der Festschrift zum 90. Geburtstag des Großvaters auf 92 Seiten zusammen. Darin heißt es: „Als das Haus fertig war, und man zu Pfingsten und in den Sommerferien für längeren Aufenthalt nach Volksdorf übersiedelte, kamen Kutscher, Diener und sonstiges Personal aus Hamm mit... Man genoß seine Freiheit bei Croquet- und Tennisspiel, Ausfahrten und Jagden, oder bei den Fischereien, die in den von Heinrich selbst angelegten Karpfen- und Forellenteichen stattfanden. Am Karpfenteich befand sich auch eine sehr hübsche Badeanstalt... Das Boot auf dem Goldfischteich im Park, der herrliche Gemüsegarten und seine Himbeer- und Stachelbeersträucher, der Kuhstall mit dem Strohdiemen dahinter und an Regentagen die Veranda vor dem Gästehaus – all diese Plätze sind mir verknüpft mit der Erinnerung an schönste Kinderspiele. Auf der … Veranda führte man selbst verfasste Theaterstücke auf, in denen oft der Souffleur die Toten von der Bühne tragen musste, und die bei den zahlreich erschienenen Zuschauern große Heiterkeit erregten... Zuweilen durften wir alleine, ohne Kutscher, mit dem Ponywagen ausfahren und wählten als Ziel ... Stellen, wo Heide blühte... und wir machten von allerlei Herrlichkeiten ein Picknick.“ Bevor wir uns nun nach dem Picknick dem Dessert des achten Waldherrenmahls zuwenden, möchte ich Ihnen zum Vergleich noch die Speisenfolge eines Ohlendorff‘schen Jahresessens vom 24. März 1923 servieren, das (Zitat!) „der Schwere der Zeit entsprechend einfach gehalten werden sollte“. Demnach vertilgten die 47 geladenen Herren der „Niederländischen Armenkasse“ Ochsenschwanzsuppe, Kabeljau, Braten von einem selbst gemästeten Kalb, Käse und – zum Dessert – Buttermilchpudding mit Vanillesauce und Früchten.“ Die Tischsammlung für „die verschämten Armen“ betrug – man bedenke die Inflation! - 3.102.820 Mark! Ich bin sicher, die „Stiftung Museumsdorf Volksdorf“ und der „Verein De Spieker“ hätten – wie damals der „Jahresverwalter“ Hans von Ohlendorff - kein Problem damit, so eine Summe sinnvoll zu verteilen. Statt der damals üblichen sieben Reden gab es 1923 – wie heute – nur eine! Bedenken Sie, was uns erspart bleibt! In diesem Sinne: Guten Appetit!

Literatur von Karin von Behr zu Volksdorf: Die Walddörfer. Volksdorf, Bergstedt, Wohldorf-Ohlstedt; Hamburg 1996. Vom Trend der Hamburger, in ländlicher Lage zu siedeln. Bebauung Volksdorfs 1900 – 1945. In: 700 Jahre Volksdorf; De Spieker Hamburg 1996. Volksdorfer Köpfe. Dreißig bemerkenswerte Nachbarn; Hamburg 2001. Monika Maetzel. Hamburg-Volksdorf: Garten unterm Eichenwald. In: Künstlergärten in Deutschland; Hamburg 2005. Emil und Dorothea Maetzel. Ein Freundeskreis für den Erhalt des Gartens. In: Künstlergärten und denkmalpflegerischer Umgang. Schriften der Kunststätte Bossard, Band 4; Jesteburg/ Hannover 2005. Die Ohlendorffs. Aufstieg und Untergang einer Hamburger Familie. Bremen 2010. Baumeister, Planer, Sezessionist: Emil Maetzel – Ein Künstlerleben der 1920er Jahre in Hamburg. Neumünster/Hamburg 2013.

Karin von Behr wurde 2011 vom Verein für Hamburgische Geschichte ausgezeichnet mit der Silbernen Plakette „Für Verdienste um die Pflege der Stadtgeschichte“

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Bürger trifft Bauer Unser altes Volksdorf auf dem Weg zum Vorort Hamburgs Das Buch zum Jubiläumsjahr 2013, mit vielen Bildern und Informationen. Herausgegeben vom Museumsdorf Volksdorf - De Spieker e. V.

Kommen Sie mit uns auf eine Reise in die Vergangenheit!

Im ausgehenden 19. Jahrhundert ist Volksdorf noch ein kleines Bauerndorf, auch wenn es bereits seit 1437 zu Hamburg gehört. Gerne nehmen wir Sie mit, wenn wir uns im alten Dorf umsehen. Entdecken Sie mit uns Bekanntes und Unbekanntes und „schnuppern“ Sie viel Atmosphäre aus dieser Zeit. Viele Hamburger fahren sonntags mit Pferd und Wagen nach Volksdorf, um hier einen entspannenden Tag zu verbringen. Ein Meilenstein in der Entwicklung Volksdorfs ist der Bau der Kleinbahn, denn nun kommen die Erholung suchenden Städter in Scharen in die Walddörfer. So manche kleine Geschichte aus dieser Zeit wird den Leser erfreuen. In Erwartung des Baus der Walddörferbahn, unserer heutigen U-Bahn, wird 1913 ein Bebauungsplan genehmigt, der bereits eine deutliche Vergrößerung des Dorfes vorsieht. Terraingesellschaften wittern ihr großes Geschäft und kaufen den Bauern viel Land ab. Kriegsbedingt verzögert sich der Bau der neuen Bahn. Als sie dann aber zu Beginn der 1920er-Jahre eine regelmäßige und direkte Verbindung in die Stadt bietet, ist Volksdorf auf dem Sprung zu einem Vorort Hamburgs. Das Land wird parzelliert und erschlossen, junge Familien finden attraktive Bedingungen um hier zu bauen - und das Dorf wächst und wächst...

Das Buch „Bürger trifft Bauer“ ist erhältlich im Museumsladen „Tante Emmi“, in der Geschäftsstelle des Museums und in den örtlichen Buchhandlungen. 226 Seiten - 24,50 Euro 103

Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

19. September

Erntedankfest am 30. September 2012 Für den 30. September haben die Spiekerlüüd zum Erntedankfest wieder ein vielfältiges Programm für die Besucher vorbereitet: Um ca.10.30 Uhr wird sich der Zug der schön geschmückten Erntewagen von der „Horstwiese“ hinter dem Museumsdorf aus durch die Straßen Waldredder / Eulenkrugstraße / Wiesenhöfen / Im Alten Dorfe / Claus-FerckStraße bewegen. Alle Wagen werden von Kaltblutpferden gezogen, begleitet von der Reiterei der Reitschule Rühmann. Wie immer freuen wir uns über Kinder und Erwachsene, die den Zug mit Bollerwagen, alten Fahrrädern oder zu Fuß begleiten, und über mit bunten Bändern geschmückte Türen, Tore und Balkone. Am Museumsdorf wird der Zug kurz nach 11 Uhr immer schon von vielen Zuschauern erwartet, die den Einzug der Erntekrone in das alte Dorf miterleben möchten. Dort findet gleich imAnschluss das Ringreiten statt. Auch der legendäre „Kornkreismäher“ des Museumsdorfes wird zum Ringfahren wieder für die „Nichtsattelfesten“ aufgebaut. Wer ihn noch nicht kennt, sollte sich unbedingt überraschen lassen! Für die Kinder gibt es auch wieder vieles zum Basteln und

Liebe Leserinnen und Leser, auf dieser Seite wollen wir Sie auf die Ereignisse des „Spieker“ im September hinweisen. 25 Jahre ist es her, dass der erste Gewerketag bzw. Festtag, wie es jetzt zum allgemeinen Verständnis heißt, im Museumsdorf stattfand. Inzwischen ist die Beliebtheit dieser Tage sehr angestiegen. Wir freuen uns darüber, dass unsere Veranstaltungen so gut besucht und angenommen werden. Auch Ihnen allen vielen Dank für Ihre Besuche und Anregungen. Wir werden im Rahmen des Erntedankfestes an dieses Jubiläum erinnern, wollen daraus aber keine große Extraveranstaltung machen, da uns ein viel größeres Jubiläum ins Haus steht, nämlich 50 Jahre Museumsdorf Volksdorf im nächsten Jahr 2013. Dazu wird ab dem Bauernmarkt ein wunderbarer Kalender, gestaltet und fotografiert von Marianne und Helmut Hofer, von uns verkauft. Ein einmaliges Bildzeugnis aus dem Museumsdorf, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Nähere Informationen zum Jubiläumsjahr folgen in den Wintermonaten. Herzliche Grüße und viel Spaß beim Stöbern auf der Seite wünscht Ihnen Ihre Karina Beuck

Angebot für Weihnachtsfeiern Das Museumsdorf bietet in diesem Dezember für Firmen von dreißig bis 100 Mitarbeitern maßgeschneiderte Programme der besonderen Art an. Arbeiten und feiern Sie mit Ihren Mitarbeitern bei uns, lassen Sie sich persönlich in unserem einmaligen Ambiente beraten.

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

Der Plattdüütsch Krink mit Frauke Baumeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 19.00 Uhr im Wagnerhof statt. Das nächste Treffen ist am 19.09.2012 Heimatkundlicher Gesprächskreis mit Dr. Joachim Pohlmann findet jeden 1.Mittwoch im Monat um 15.00 Uhr im Spiekerhus statt Beratung zum Thema Obst- und Gemüsegarten mit Dr. Joachim Pohlmann am Sa. 22. Sept. 2012 ab 16.00 Uhr hinter der Schmiede 14. Volksdorfer Bauernmarkt am Sonntag, 23 Sept. 2012, 10:00 – 17:00 Uhr. Der Eintritt, der der Erhaltung des Museumsdorfes dient, beträgt 1,00 Euro, Kinder bis zu einer Größe von 1,49 Meter sind frei Erntedankfest am Sonntag, 30. Sept. 2012, 11:00 – 17:00 Uhr. Eintrittspreise: Familien 9,50 Euro (6,00), Erwachsene 5,00 Euro (3,00), Schulkinder 1,00 Euro (Preise in Klammern für Spiekermitglieder). Wer an diesem Tag Mitglied wird, für den ist der Eintritt frei Heimatkundliche Spaziergänge - Die letze heimatkundliche Wanderung in diesem Jahr wird am Dienstag, 9. Oktober stattfinden. Sie treffen sich mit Wulf Denecke um 16 Uhr am Bhf. Buckhorn und wandern gemeinsam durch Volksdorf bis zum Bahnhof Meiendorfer Weg Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes November bis März nur sonntags (und feiertags) um 15 Uhr; von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer- und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (603 9098) oder per Fax (64 42 19 66)



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Den Kalender für das Jubiläumsjahr 2013 mit 12 schönen Schwarzweißbildern aus dem Museum gibt es ab dem 23. September im Museumsdorf, in der Haspa und der Alten Apotheke für 15,00 Euro zu kaufen

Zum Erntedankfest geben wir unserer Freude Ausdruck – Freude über die Gaben der Schöpfung

Spielen rund um Ernte und Getreide. Aus dem Gemüsegarten können die Besucher herbstliche Spezialitäten und alte Sorten von Gemüse anschauen und erstehen. Vom Dorfbackofen und von den historischen Herdstellen duftet es verführerisch nach Brot, Kuchen und anderen Leckereien und der Biergarten an der „Spieker-schänke“ ist geöffnet. Da können selbst die „Zitronenjette“ und der „Ham-

burger Hummel“ nicht widerstehen und kommen mit ihrem Leierkasten wieder aus der großen Stadt zu uns auf Besuch. Um ca. 15 Uhr wird die Erntekrone feierlich in der Großtür des Spiekerhus hochgezogen und anschließend gibt es dort „Danz op de Deel“ mit der Gruppe „Zugvogel“. Jahrhunderte alte traditionelle Tänze spielen dazu unsere Dorfmusikanten. Wer möchte, kann wieder eine schöne Tanz-

Bauernmarkt Am 23. September öffnet das Museumsdorf seine Pforten um 10 Uhr. Der an diesem Tag im Museumsgelände stattfindende Bauernmarkt wird von Jahr zu Jahr beliebter, da man hier nahezu alles direkt vom Erzeuger oder Hersteller einkaufen kann: köstliche frische Lebensmittel, Wohn- und Gartenambiente, Bekleidung und Spielsa-

chen für Kinder, aber auch schon Hüte und dicke Socken für die kommenden kühleren Tage. Verpflegung gibt es an der Spiekerschänke, neben der alten Schmiede und am Backhaus. Der Eintritt in das Museumsgelände kostet an diesem Tag 1 Euro für Erwachsene, Kinder haben freien Eintritt. Das Museumsdorf schließt um 17 Uhr.

Hamburger National 2 Zwiebeln, 1 EL Fett, 500 g frischer Schweinebauch, 1 1/2 Kilo Steckrüben, 1 1/2 l Wasser, Salz, Pfeffer, 750 g Kartoffeln Zwiebeln in Fett braun braten, in Stücke geschnittene Steckrüben und Schweinebauch dazugeben, mit Wasser weich kochen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Kartoffeln mit in dem Gericht kochen oder gesondert zu Tisch geben.

Eintrittspreise: Familien 9,50 Euro (6), Erwachsene 5,00 Euro (3), Schulkinder 1 Euro (Preise in Klammern für Spiekermitglieder). Wer an diesem Tag Mitglied wird, für den ist der Eintritt frei.

Kontakt V.i.S.d.P. (Wilhelm Schmidt) De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 62 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr Mitarbeiter(innen): Karina Beuck Jürgen Fischer Sibylle Könnecke Egbert Läufer Solvejg Rozner

Weitere Informationen unter Telefon 040/603 5225

Rezept

karte nach historischem Muster und als Erinnerungsstück am Spiekerhus erstehen.

Der Bauernmarkt lockt mit vielen Angeboten direkt vom Erzeuger

Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 17. Oktober

Hallo liebe Kinder, da bin ich mal wieder und noch ganz aufgeregt. Wir waren nämlich alle zusammen in Mollhagen zum Kaltbluttag! Ich durfte ausnahmsweise mit, weil ich ganz artig war. Es war toll, so viele Kaltblutpferde auf dem Acker und dem Fahr-

platz zu sehen. Beim Pflügen haben wir fünf: ich, Urson, Umberto, Dani und Jessi, den fünften Platz von sieben Teilnehmern belegt. Außerdem waren unsere Pferde mit unseren Mädels in den Museumsröcken natürlich die Schönsten. Auch bei den Zugleistungsprüfungen haben wir sehr gut abgeschnitten. Einspännig haben wir den 2. und 3. Platz und zweispännig mit unseren Pferden den 2. Platz erkämpft. Wenn wir uns davon erholt haben, bereiten

wir uns auf unser Erntedankfest vor. Ich hoffe, ihr kommt alle, denn ich lasse extra für euch den Kornkreismäher und andere Sachen aufbauen. Bis zum Erntedankfest euer Loki

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Redaktions-Service-Seite vom HEIMAT ECHO für alle Freunde des Volksdorfer Museumsdorfes 104

Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

17. Oktober

Hubertustag am 18. November im Museumsdorf Volksdorf Liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns besonders über die zwölfjährige Sophia, die sich im Museumsdorf „anspruchsvoll betätigt“ und hier darüber berichtet. Noch vor dem Besuch des Hubertustages, der hier vorgestellt wird, sollten Sie sich in der Oktobersonne einen Gang vom Wagnerhof zur Mühle gönnen mit dem Blick auf die Baumkronen. Farblich schönere Tage gibt es im ganzen Jahr nicht. Ihr Jürgen Fischer

Das neue Jahrbuch ist da! Die Mitglieder, die den Bauernmarkt am 23. September besucht haben, durften das SPIEKER-Jahrbuch 2012 bereits vor geraumer Zeit in Empfang nehmen: „Frisches direkt vom Erzeuger!“ Jetzt im Oktober werden die Jahrbücher soweit möglich „ehrenamtlich zugestellt“. Vom November an sind sie für Nichtmitglieder oder zu „Geschenkzwecken“ auch in der Buchhandlung Ida von Behr zu haben.

Wer als SPIEKER-Mitglied das Jahrbuch Ende Oktober noch nicht erhalten hat, sollte sich in der Geschäftsstelle melden: In jedem Jahr kommen Fehlläufer zurück, weil eine Adressenänderung nicht mitgeteilt wurde, die Postleitzahl verdruckt war oder andere „Querschüsse“ die Zustellung verhindert haben. Geben Sie gern Rückmeldung, wenn Ihnen die Lektüre gefallen – oder auch: wenn sie Ihnen nicht gefallen hat!

Plattdeutsche Wetterregel Dröge kole Oktoberdaag dempt tokommen Jahr de Rupenplaag. Trockene kalte Oktobertage dämpfen kommendes Jahr die Raupenplage.

Den Kalender für das Jubiläumsjahr 2013 mit 12 schönen Schwarzweißbildern aus dem Museum gibt es ab sofort im Museumsdorf, in der Haspa und der Alten Apotheke für 15 Euro zu kaufen

Der Plattdüütsch Krink, mit Frauke Baumeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 19:00 Uhr im Wagnerhof statt. Die nächsten Treffen sind am 17.10.2012 und am 21.11.2012 Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes, November bis März nur sonntags (und freitags) um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer- und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (603 90 98), Dienstag 10:00 – 12:00 Uhr oder per Fax (64 42 19 66) Der Obst- und Gemüsegarten, Samstag, 27. Oktober 2012, 15:00 Uhr, mit Dr. Joachim Pohlmann, hinter der Schmiede Schmiedekurs für Frauen, Samstag, 27. Oktober 2012, 16:00 Uhr, bereits ausbebucht Vater und Sohn Schmieden, Samstag, 10. November 2012, 10:00 – 16:00 Uhr, (siehe Artikel auf dieser Seite) Hubertustag mit Hubertusmesse, Sonntag, 18. November 2012, 11:00 – 17:00 Uhr, (siehe Artikel auf dieser Seite)



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Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

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Zum zweiten Mal findet am 18. November von 11 – 17 Uhr im Museumsdorf ein Tag zum Thema „Jagd und Forst“ statt. Gezeigt wird alles rund um die Jagd, erfahrene Jäger machen Vorführungen und stehen zu allen Fragen Rede und Antwort. Es geht um Hege und Pflege des Wildes und den Nutzen davon für den Wald. Büchsenmacher, MesPräparatoren serschmiede, und viele andere zeigen ihr interessantes Handwerk. Die Försterei Volksdorf informiert zum Thema Wald mit einem eigenen Stand. Für Kinder und Leute, die sich für das Thema Jagd weniger interessieren, gibt es ein Extraprogramm rund ums Holz. Holzbearbeitung mit Säge und Beil, zum Anheizen für den Kessel und für den Kamin, Vorbereitung von Vogelfutterstellen und Nistkästen, Drechselarbeiten und vieles mehr. Wildgulasch aus

Am offenen Feuer backen, braten oder grillen – das mögen alle Kinder gern

dem Kessel und andere Lekkereien aus den Backöfen und von den Herdstellen stillen den Appetit. Auch leckeres Wildfleisch wird auf dem Museumsgelände angeboten.

Hier kann man sich zur Herbst- oder Adventszeit mit Wildspezialitäten eindecken. Das fachgerechte Zerlegen des Wildes wird ebenfalls gezeigt. Die Spiekerschänke

hat seit diesem Jahr das neue Biobier „Urstrom“ vom Fass und, wie immer, sehr gute Weine im Angebot. Bei Kälte gibt es natürlich auch schon heißen gewürzten Wein zum Aufwärmen auf dem Museumsgelände und natürlich die gemütliche Kaffeestube im Wagnerhof. Hunde- und Pferdefans finden Informatives und Besonderes für ihre Lieblinge an den Verkaufsund Informationsständen. Den Abschluss bildet eine stimmungsvolle „Hubertusmesse“ an der alten Schmiede. Eintritt für Familien Euro 9,50 € (6), Erwachsene 5,00 € (3), Schulkinder 1,00 € (Preise in Klammern für Mitglieder). Wer an diesem Tag Mitglied im Museumsverein wird hat freien Eintritt. Zur Hubertusmesse ab 16 Uhr ist der Eintritt für Jedermann frei!

Ein besonderer Tag

Papa und ich waren zusammen Schmieden Ich bin Sophia, ich bin 12 Jahre alt, habe einen großen nervigen Bruder aber ein bestimmtes Hobby hab ich nicht. Meine Mama meinte immer ich solle mich „betätigen“! Aber mich mit Anderen um einen Ball zu prügeln oder etwas Ähnliches kommt für mich gar nicht in Frage! Und das sagte ich auch meinem Vater ganz deutlich! „Wenn, dann was anspruchsvolles! Etwas wofür sich die Mühe lohnt!“ sagte ich ein bisschen hochnäsig. Und darauf hin meinte Papa: „ Lass dich einfach überraschen! Das wird dir gefallen!“ Doch zu dem Zeitpunkt bezweifelte ich, dass Papas tolle Idee so ein (wie Papa es nannte) „Kracher“ werden würde. An meinem 12. Geburtstag drückte er mir dann den Prospekt der Schmiede aus dem Museumsdorf Volksdorf in die Hand und fügte ein schelmisches „tada“ hinzu und grinste mich an. Verdattert stotterte ich: „W…w…wow! Super. Dann, an einem Sonnabend war es soweit! Ich warf meine Tasche in den Kofferraum von Papas Auto und los ging es zum Museumsdorf. Der Hof und die Gebäude waren altertümlich und man fühlte sich wie in eine andere Zeit zurückgesetzt! Wir fragten nach, wo genau die Schmiede war und wurden von dem Schmiedemeister nett begrüßt! Die Schmiede war wirklich unglaublich und der Schmiedemeister verstand etwas von seinem Fach. Voller Hingabe und Geduld brachte er uns die Grundregeln des Schmiedens bei und gab uns Tipps und Tricks um besser klar zu kommen. Dann ging es los! Papa und ich waren voller Eifer dabei und gaben alles, denn der

Schlüsselanhänger den wir machen sollten, sollte super werden! Und das wurde er auch! Es tat so gut am Ende des Tages auf meine Arbeit zu schauen und zu wissen: „Wow! Das war ich. Das habe ich selbst geschafft. Nachmittags sind wir mit Ruß verschmiertem Gesicht und schwarzen Händen wieder nach Hause gekommen. Mami und mein großer Bruder konnten kaum glauben, dass wir die tollen Schmiedesachen selbst gemacht haben. Nun will mein Bruder das unbedingt auch probieren und sich für den nächsten Schmiedekurs anmelden. Dann mit Mami zusammen. Ich hatte auf jeden Fall einen tollen Tag in der Schmiede mit meinem Papa zusammen. Anmerkung der Redaktion: Sophie hat uns diesen Brief nach Ihrer Teilnahme an einem „Vater & Sohn“ Schmiedekurs geschickt. Danke Sophie, dass Du uns Dein Erlebnis geschrieben

hast.

Nächster Vater & Sohn Schmiedekurs Sonnabend, den 10. November 2012 von Zeit 10:00 bis 16:00 Uhr. Teilnehmerzahl 6 Personen (3 Paare). Essen / Getränke ein leichtes Mittagessen, Kaffee/Tee, Mineralwasser sind in der Kursgebühr enthalten Kursgebühr 100,- € je Paar (Vater & Sohn) ( 80,- € für Mitglieder des Vereins „De Spieker“) inkl. Material, Verpflegung, Getränke Anmeldung an das Museumsdorf Volksdorf per e-mail: [email protected] museumsdorf-volksdorf.de Diese E-Mail-Adresse ist vor

Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! Tel: 0176 / 30 72 48 55 Ein einmaliges Erlebnis für das Ihr keine Vorkenntnisse benötigt.

Kontakt V.i.S.d.P. (Wilhelm Schmidt) De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 62 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr Mitarbeiter(innen): Karina Beuck Jürgen Fischer Sibylle Könnecke Egbert Läufer Solvejg Rozner Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 17. Oktober

Hallo liebe Kinder, wart ihr zum Erntefest bei uns und habt den schönen Umzug gesehen? Ich kann euch sagen: das Schmücken der Wagen war eine schwere Arbeit, aber sie war auch schön. Die Girlanden binden und Beladen der Wagen und Kutschen ist für mich als Oberaufsicht nicht einfach, überall muss ich aufpassen, dass niemand schludert. Es fällt sonst auf mich zurück und das möchte ich

nicht. Am 7.10. waren wir dann noch zur Deutschen Meisterschaft im Gespannpflügen in Leipzig und haben Hamburg vertreten. Es sind dort nur Landesmeister oder Zweite startberechtigt. Wir sind Zwanzigste von Dreiundzwanzig geworden und sind ganz doll stolz. Ich durfte nicht mit auf das Beet das hätte Minuspunkte gegeben. Dani und Jessi waren die einzigen Frauen im Star-

terfeld und Urson und Umberto waren so hübsch, dass wir den Publikumspreis gewonnen haben. Huuraaaa wir waren dabei!!!!! Bis bald euer Loki

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Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

14. November

Emmis Krämerladen

Neue Gemischtwarenhandlung für das Museumsdorf Am 1. Dezember um 11 Uhr öffnet „Emmis Krämerladen“ im Wohnteil der alten Schmiede zum ersten Mal die schön aufgearbeitete Tür für die Besucher. Er wird im Stil einer Gemischtwarenhandlung von vor etwa hundert Jahren geführt. Das heißt, hier gibt es alles, was für Haus und Hof von Nutzen ist, aber auch Bücher und jede Menge Nostalgisches und Schönes, zum Beispiel Holzspielzeug aus dem Erzgebirge. Teile des Ladens sind historischen Ausstellungsstücken vorbehalten, manche davon gibt es in Neuauflage auch zu kaufen. Im Dezember ist der Krämerladen zum Teil schon vorweihnachtlich dekoriert. Die Besucher können in Ruhe Küche und Laden besichtigen und eventuell ein kleines Geschenk für Nikolaus oder Weihnachten erwerben. Es

Liebe Leserinnen und Leser, heute muss ich mich ganz kurz fassen, denn es warten auf dieser Seite viele spannende Neuigkeiten und schöne Bilder auf Sie: das Museum eröffnet demnächst seine neue Gemischtwarenhandlung und es gibt noch die wunderschönen Schwarzweiß-Kalender als Geschenk für sich selbst oder andere. Außerdem erwartet Sie ein Kurzbericht zu unserem neuen Pferdeführer und ein Magen und Seele wärmendes Rezept für kalte Wintertage. Zu allem gibt mal wieder Hofhund Loki seinen Senf dazu. Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen Ihre Karina Beuck

Eine echte Bereicherung für das Museumsdorf: Emmis Krämerladen im Wohnteil der alten Schmiede

wird eine Menge Waren geben, die aus Produkten des Museums oder seiner Umgebung entstanden sind oder auf den historischen Herden und in den Backöfen des

alten Dorfes hergestellt wurden. Kekse, Honig, Liköre und Kräuteressig, besondere Filzartikel, nostalgische Bilder, Postkarten und Kalender, außerdem schöne Kerzen,

Eingewechselt

Den Kalender für das Jubiläumsjahr 2013 mit 12 schönen Schwarzweißbildern aus dem Museum gibt es ab sofort im Museumsdorf, in der Haspa und der Alten Apotheke für 15 Euro zu kaufen

Rezept Kartoffelsuppe mit Wirsing Zutaten: 250 g magerer Bauchspeck, 375 g Kartoffeln, ½ Kopf Wirsing, 2 Mohrrüben, ½ Knolle Sellerie, ½ Stange Porree, 1 Zwiebel, Fett zum Rösten. Den Speck setzt man mit 2 Litern Wasser auf. Wenn die Brühe kocht, gibt man die kleingeschnittenen, rohen Kartoffeln, den zer-

teilten Wirsing, die kleingeschnittenen Mohrrüben, Sellerie und Porree hinein, worauf man die Suppe langsam so lange kocht, bis alle Zutaten weich sind. Der Bauchspeck wird herausgenommen und in kleine Würfel zerschnitten, die übrige Suppe streicht man durch. Man streut beim Auftragen hellbraun gebratene Zwiebelwürfelchen in die Suppe, in welche man außerdem die Bauchspeckwürfel gibt.

Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes, November bis März nur sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer- und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (603 90 98) oder per Fax (64 42 19 66) Der Plattdüütsch Krink, mit Frauke Baumeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Wagnerhof statt. Das nächste Treffen ist am 21.11.2012 Hubertustag mit Hubertusmesse, Sonntag, 18. November 2012, 11:00 – 17:00 Uhr Der Obst- und Gemüsegarten, Sonnabend, 24. November 2012, 15:00 Uhr, mit Dr. Joachim Pohlmann, hinter der Schmiede Krämerladen im Museumsdorf Volksdorf, am Sonnabend, 1. Dezember 2012, ab 11:00 Uhr eröffnet der Krämerladen im Museumsdorf Volksdorf, im Wohnteil der alten Schmiede. Die regelmäßigen Geschäftszeiten für den Laden und den Ausschank sind DI, DO, und SA von 14 – 17 Uhr



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Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

Neuer Gespannführer im Museumsdorf Vielleicht haben Sie sich schon über den neuen Gespannführer gewundert, der seit Anfang November täglich mit Urson und Umberto auf dem Hof zu sehen ist. Deshalb möchten wir Ihnen heute kurz Martin Harder vorstellen, der an Stelle von Daniela Rothe jetzt bei uns alles rund ums Pferd erledigt und auch ein Auge auf die übrigen Tiere hält. Seine Hündin Finja hütet momentan gemeinsam mit Loki den Hof. Daniela hat uns aus privaten Gründen leider verlassen und wir müssen alle ganz tapfer sein, auch Loki wird uns vielleicht bald nicht mehr mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Martin Harder hat einen eigenen Schleswiger, mit dem er schon seit etlichen Jahren Kutsche fährt und auch zum Arbeiten in den Wald geht. „Sigi“ wird er demnächst auch auf dem Hof mit einsetzen. Die beiden haben in den letzten Jahren auch schon an den Ernteum- Martin Harder: Neuer Gespannführer im Museumsdorf zügen des Museumsdorfes teil genommen. Demnächst mehr auf dieser Seite.

Plattdeutsche Wetterregel Noordoosten Wind un oold Wiewer´s Kieven höllt dree Daag an.

Nordostwind und alter Weiber Keifen hält drei Tage an.

bemaltes Porzellan, Süßigkeiten und vieles mehr wird angeboten. Der Laden wird in der Adventszeit bis zum 20.12. geöffnet sein. Ab 8.1.2013 sind wir nach einer kleinen Weihnachtspause wieder für unsere Kunden und Besucher da. Im Frühjahr werden im Laden auch Erzeugnisse aus dem Gemüsegarten und vom Acker des Museumsdorfes angeboten. Saatgut und Frühlingszwiebeln kann man auch demnächst schon kaufen, dann kann beim ersten Frühlingshauch bereits mit der Bestellung im eigenen Garten losgelegt werden. Aus der historisch eingerichteten Küche mit eingebautem Küchenherd, der ursprünglich aus einem Haus im Lerchenberg stammt, gibt es Kaffee, Punsch oder heißen Kakao, dazu köstliches Gebäck aus den Museumsbacköfen. Die regelmäßigen Geschäftszeiten für den Laden und den Ausschank sind: DI, DO, und SA von 14 – 17 Uhr. Bei Bedarf und genügend Personal werden sie eventuell erweitert

Kontakt V.i.S.d.P. (Wilhelm Schmidt) De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 62 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr Mitarbeiter(innen): Karina Beuck Jürgen Fischer Sibylle Könnecke Egbert Läufer Solvejg Rozner Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 12. Dezember

Hallo liebe Kinder, nun ist es schon November und wir haben nur noch eine Veranstaltung. Das ist der Hubertustag am Sonntag, den 18. November. Bei der Planung haben Karina und Egbert aber einen großen Fehler gemacht: sie haben die Greifvögel, damit sie nicht nass werden, in den Hühnerstall verfrachtet. „Wenn das mal gut geht“, habe ich gedacht und wollte mir das Spekta-

kel ansehen. Ha, Hühner und Habichte in einem Stall, die träumen doch von Fuchseiern. Aber dann hat Karina mich aufgeklärt, die Greifvögel kommen in den „neuen“ Hühnerstall, der ist noch nicht bewohnt. Na, dann wird ja alles gut. Ihr könnt uns besuchen und vielleicht begegnen wir uns da. Bis bald euer Loki

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Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

12. Dezember

Warten auf Weihnachten am 23.12. im Museumsdorf Volksdorf Sonntagnachmittag 15.30 Uhr im Museumsdorf, einen Tag vor dem Heiligen Fest: Es dämmert bereits und das kleine Dorf ist mit Laternen geschmückt, die ein warmes Licht und weihnachtliche Stimmung verbreiten. An der beleuchteten Krippe warten Maria, Josef und der Esel bereits auf das Jesuskind. Alle Kinder sind mit ihren Eltern, Oma und Opa, Onkel und Tanten eingeladen, den Tieren im Museumsdorf ein frohes Fest zu wünschen, wenn sie mit kleinen Leckereien aus unserer Futterküche verwöhnt werden. Einige kleine Weihnachtsengel begleiten die Kinder zu den Ziegen und den übrigen Tieren. Auch die Spatzen und die anderen

Liebe Leserinnen und Leser, mit dem Dezember hat auch die Adventszeit im Museumsdorf begonnen. Der erste Schnee ist gefallen, der ganz besondere Krämerladen im alten Dorf mit seinem gemütlichen Ausschank in der historischen Küche ist eröffnet worden. Eine Oase für alle, die der üblichen Vorweihnachtshektik entgehen und einen handgemahlenen Kaffee genießen möchten. Kommen Sie auf einen Kaffee oder Punsch vorbei und schauen Sie sich in aller Ruhe nach Weihnachtsgeschenken für Ihre Lieben um. Die Mitarbeiter des Museums haben sich außerdem für alle Leute mit Sehnsucht nach etwas Weihnachtsromantik für den 23. Dezember noch eine schöne kleine Veranstaltung rings um den Harderhof ausgedacht. Damit möchten wir allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest bescheren und ein glükkliches neues Jahr wünschen. Ein Wiedersehen im nächsten Jahr auf dieser Seite und im alten Dorfe wünscht sich und Ihnen Ihre Karina Beuck

In der Krippe wird die Weihnachtsbotschaft für jeden fassbar

Vögel, die frei im Dorf leben, werden bedacht. Für sie wer-

den Weihnachtsgarben aufgestellt. Der kleine Rund-

Perlen aus unserem Archiv!

Bauernregel im Dezember Wenn de Immen dat Tielock tobackt, denn gifft dat eenen harten Winter. Wenn die Bienen das Flugloch des Bienenstocks zukleben, gibt es einen harten Winter.

gang endet für den, der mag, auf der großen Diele des Harderhofes bei den Schafen und den Pferden Umberto, Urson und Siggi. Und damit die Zeit noch etwas schneller vergeht, während wir auf das Christkind warten, wird auf der Diele zwischen Schafen und Pferden ab 16:00 eine uralte Weihnachtsgeschichte erzählt. Setzt Euch doch zu uns auf die Strohballen und lauscht der Erzählung. Natürlich können sich draußen an der Krippe alle großen und kleinen Besucher mit einer leckeren Bratwurst oder verschiedenen Knabbereien stärken. Und was schmeckt bei kaltem Winterwetter besser als ein heißer Kinderpunsch oder Glühwein für die Großen. Auch der weihnachtlich geschmückte Krämerladen und die gemütliche Küche im Wohnteil der Schmiede sind an diesem Nachmittag zum letzten Mal in diesem Jahr für die Besucher geöffnet. Der Eintritt in unser kleines Dorf ist frei. Wir wünschen euch ein frohes Weihnachtsfest.

Kontakt

Das Motiv aus den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts zeigt den Bahnhof Volksdorf der Walddörferbahn, vom Kaffeegarten der Gaststätte "Volksdorfer Park" aus gesehen. Diese Gaststätte wurde später von Familie Weinhardt übernommen. Bis in die 60-er Jahre konnte man hier auch Filme sehen. Heute steht an dieser Stelle das Geschäftshaus mit Apotheke und Drogeriemarkt (Claus-Ferck-Straße 8).

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes, November bis März nur sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer- und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (603 90 98) oder per Fax (64 42 19 66). Achtung: Der Plattdüütsch Krink findet im Dez. 2012 nicht statt. Ab Febr. 2013 findet der Krink wieder jeden 3. Mittwoch des Monats statt. Ausstellung zum 50-jährigen Spieker-Jubiläum, Ab Dienstag, dem 15. Januar, gibt es eine Ausstellung zur Gründung und Entwicklung des Museumsdorfes und des Vereins „De Spieker". Die Ausstellung wird täglich außer montags bis zum 22.1. im Wagnerhof zu sehen sein. Krämerladen im Museumsdorf Volksdorf, im Wohnteil der der alten Schmiede. Die regelmäßigen Geschäftszeiten für den Laden und den Ausschank sind Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14:00 – 17:00 Uhr. Der Laden wird in der Adventzeit bis zum 20.12.2012 geöffnet sein. Ab 08.01.2013 sind wir nach einer kleinen Weihnachtspause wieder für unsere Kunden und Besucher da.



Tel: 603 90 98 Fax: 64 62 19 66

Platt ut´t Dörp

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Kalender für das Jubiläumsjahr 2013 mit 12 schönen Schwarzweißbildern aus dem Museum gibt es ab sofort im Krämerladen des Museums, in der Haspa und in der Alten Apotheke für 15 Eurozu kaufen. Ein wunderbares Geschenk für alle Museumsliebhaber und die, die es noch werden wollen.

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V.i.S.d.P. (Wilhelm Schmidt) De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg

Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr

Bi uns in´t Museumsdörp hebbt wi jo veele kloge Köpp bi de Spiekerlüüd. Aver een, Reimer Lindemann heet he, de hett dat nu swatt op - ik meen, he hett dat nu schriftlich – nee, verdorri noch mol, wat seggt man, wenn een in´t Fernsehen wiest hett, dat he de Klögste ist? Egol! Uns Fründ Reimer hett in´t Fernsehen op NDR 3, bi de NDR Quizshow mitmokt, un hett Reimer Lindemann met sien Lüchttoorn dor de „Leuchte des Nordens“ wunnen. Gratulatschon dorto! De Lantücht is ´ne abstrakte, metallne Nobilnun ist es nicht mehr lange sten freu ich mich natürlich dung vun en Lüchttoorn. bis Weihnachten! Freut ihr auf die Wurst, aber Laternen Man, de Lantücht de lücht gor euch schon ganz doll? nich. Mutt se woll ok nich, und Geschichten bei den Stellt euch vor, jetzt wird es Schafen sind natürlich auch hebbt wi doch uns Reimer, de einen Tag vor Weihnachten ganz schön. Wenn ihr uns strohlt, - ik meen, - de lücht nu noch eine Extraveranstal- alle besucht dann feiern wir bi uns. tung für die Museumstiere mit euch zusammen unsere bei uns geben. Eine richtige Weihnachten im Stall. Disse Fernsehsendung köönt ji Weihnachtsfeier mit Later- Frohe Weihnachten von allen juch in´n Puschenkino ankienen, Bratwurst und allem Museumstieren ken, man eerst in´n November Drum und Dran. Am meitokomen Johr. Bis bald euer Loki

Mitarbeiter(innen): Karina Beuck Jürgen Fischer Sibylle Könnecke Egbert Läufer Solvejg Rozner Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 16. Januar

www.museumsdorfvolksdorf.de

Hallo liebe Kinder,

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Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

16. Januar

50 Jahre „De Spieker“ und das Museumsdorf Warum führt heute keine fünfundzwanzig Meter breite Hauptstraße durch das Alte Dorf und den Eulenkrugpfad? Wer konnte das verhindern und wieso bekam der gerade frisch gegründete Verein „De Spieker“ die Möglichkeit, das „Freiluftmuseum“ nach seinen Vorstellungen zu gestalten? Das Jubiläumsjahr 2013 wird mit einer interessanten Ausstellung im Wagnerhof des Museumsdorfes eröffnet, die Aufschluss über viele Fragen aus der Volksdorfer Vergangenheit gibt. Die Mitarbeiter des Archivs haben fast ein Jahr lang Daten, Fakten und viele Bilder zur Gründung des Vereins und seiner Arbeit im und um das Museumsdorf durchforstet. Historische Zeitungsausschnitte, Baupläne, Filmausschnitte und zahlreiche Bilder aus dem heutigen lebendigen Museum wurden zusammengetragen und werden nun in der Ausstellung gezeigt, die am Sonnabend, dem 12. Januar um 14 Uhr von der Museumsleitung gemeinsam mit den Archivmitarbeitern eröffnet wurde. An diesem Tag wurde auch zum ersten Mal das Buch zur Ausstellung „Lebendiges Museum – Museumsdorf Volksdorf“ verkauft. Für 8,50 Euro kann man rund hundert Seiten Wissenswertes aus fünfzig Jahren

Liebe Leserinnen und Leser, ganz herzlich wünsche ich Ihnen ein frohes und gesundes 2013. Der Verein „De Spieker“ feiert in diesem Jahr sein fünfzigjähriges Jubiläum mit ganz besonderen Veranstaltungen. Zu der ersten, schon jetzt im Januar, gibt unser Hofhund Loki wieder seinen beliebten Kommentar ab. Emmis Krämerladen als neuer historischer „Dorfmittelpunkt“ hat bereits seit dem 8. Januar wieder für Sie geöffnet und ein köstliches Rezept zum Nachkochen ist auch wieder für Sie dabei. Viel Freude beim Lesen! Ihre Karina Beuck

Rezept Rote Beete Suppe Zutaten: 2 mittelgroße rote Beete, 1 Zwiebel, 1 EL Fett, 1 Liter Wasser, 2 EL Zitronensaft oder Essig, 3 EL Stärkemehl, 2 Brühwürfel, 1 EL Zucker

Feingeschnittene Zwiebel in Fett anrösten, mit Wasser auffüllen. Geschälte und feingeraspelte rote Beete hinein geben, gar kochen, mit Stärkemehl binden und mit den übrigen Zutaten abschmecken. Diese Suppe verträgt aufgesetzte Sahnetupfen.

Leserbrief „Liebe Redaktion, ich habe für meine Familie die Kartoffelsuppe mit Wirsing (Rezeptvorschlag November 2012) gemacht und sie kam sehr gut an. Auf Wunsch der Kinder gab ich zusätzlich Würstchenscheiben hinein, was gut dazu passte. Vielen Dank.“ Sibylle Polis, Volksdorf

Planung 1962: Zukünftige Straßenführung durch Volksdorf

Museumsarbeit und Museumserlebnissen erwerben. Besonders für alle „NeuVolksdorfer“, die diese Zeit nicht miterlebt haben, sich aber für den Werdegang und die Entstehung „ihres“ Museumsdorfes, so wie sie es heute kennen, interessieren, eine wunderbare Zusammenfassung der damaligen bis hin

zu den neuesten Ereignissen im alten Dorfe. Öffnungszeiten der Ausstellung für die Öffentlichkeit: Dienstag 15.1. – Sonntag 20.1. jeweils von 11 – 17 Uhr. Eintritt frei. In der darauffolgenden Zeit sind Teile der Ausstellung

In Emmis Krämerladen gibt es Bonsches aus dem Glas (...und noch viel mehr) Museumsbacköfen. Die Kücheneinrichtung wurde aus Sammlungen des Museums zusammengestellt, die über Jahre durch private Spenden von historischen Möbelstücken, Lampen, Haushalts- und Küchenutensilien entstanden oder passend dazugekauft wurden. Die Fliesenschilde und der Herd sind aus Häusern in Volksdorf ausgebaut worden,

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes: November bis März nur sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer- und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (603 90 98) oder per Fax (64 42 19 66). Der Plattdüütsch Krink mit Frauke Baumeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Wagnerhof statt. Das nächste Treffen ist am 19.02.2013, 18:30 Uhr. Ausstellung zum 50-jährigen Spieker-Jubiläum: Ab Dienstag, dem 15. Januar, gibt es eine Ausstellung zur Gründung und Entwicklung des Museumsdorfes und des Vereins „De Spieker". Die Ausstellung wird täglich bis zum 22.1.2013, 11:00 – 17:00 Uhr im Wagnerhof zu sehen sein. Krämerladen im Museumsdorf Volksdorf im hinteren Teil der der alten Schmiede. Die regelmäßigen Geschäftszeiten für den Laden und den Ausschank sind Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14:00 – 17:00 Uhr.



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Emmis Krämerladen ist ab dem 8.1. wieder für die Museumsbesucher geöffnet. Die regelmäßigen Geschäftszeiten für den Laden und den Ausschank sind DI, DO, und SA von 14 – 17 Uhr. In der historisch eingerichteten Küche mit eingebautem Küchenherd gibt es für die Besucher Kaffee, Punsch oder heiße Schokolade, dazu köstliches Gebäck aus den

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in denen sie nicht mehr zur heutigen Einrichtung passten. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die zur Einrichtung beigetragen oder dafür etwas gespendet haben und freuen uns auf Ihren Besuch in unserem Krämerladen, in dem man noch, ganz wie in alten Zeiten, viele schöne nostalgische Dinge und für ein paar Cent Süßigkeiten aus dem Bonscheglas einkaufen kann.

Den Kalenner makt de Lüüd, aber uns Herrgott makt dat Wedder. Den Kalender machen die Menschen, aber das Wetter wird vom Herrgott gemacht.

Kontakt V.i.S.d.P. (Wilhelm Schmidt) De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 62 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr

Mitarbeiter(innen): Karina Beuck Jürgen Fischer Sibylle Könnecke Egbert Läufer Solvejg Rozner Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 20. Februar

Ein Einkaufserlebnis, das mit Jugenderinnerungen verbunden ist: Emmis Krämerladen im Volksdorfer Museumsdorf erwartet Kundschaft!

Plattdeutsche Wettterregel

weiterhin nach Anmeldung oder bei regelmäßigen Führungen (sonntags 15 Uhr) im Spiekerhus zu sehen.

www.museumsdorfvolksdorf.de

Hallo liebe Kinder, ich wünsche euch ein schönes neues Jahr. Ich weiß für mich wird es toll. Wir haben ein großes Jubiläum im Museumsdorf. Wir sind 50 Jahre alt und da wird gefeiert. Karina und Egbert planen mit den Anderen nicht nur eine Veranstaltung, sondern mehrere. Ich hoffe, es gibt jedes Mal

Grillwurst oder auch Sahnetorte, dann wird es ein super Jahr. Bei der Ausstellung zum Fünfzigsten im Wagnerhof allerdings warte ich nun schon seit Sonnabend vergeblich drauf. Aber das Beste kommt ja immer zum Schluss. Bis bald euer Loki

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Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

20. Februar

Logojagd Erfolgreicher Abschluss des Wettbewerbs

Liebe Leserinnen und Leser, auch für ein historisches Museum bedeutet Stillstand Rückschritt. Deshalb müssen wir uns mit Gegebenheiten und Gewohnheiten auseinander setzen und Anpassungen vornehmen, wenn wir unseren Ansprüchen gerecht werden wollen. Auf dieser Seite werden Sie als aufmerksamer Leser bereits Veränderungen feststellen. Wir haben unser Logo für die Spiekerseite den Anforderungen des Jubiläumsjahres angepasst und neue Mitarbeiter in unsere Redaktion aufgenommen. Diese werden wir Ihnen in den nächsten Ausgaben vorstellen. Ihre Karina Beuck

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Arbeit mit Zugpferden Auch am Wochenende mal richtig ackern – mit Pferden! Zum Personal gehören zwei Schleswiger Kaltblutpferde, die sich Heu und Hafer mit „echter“ Arbeit ehrlich verdienen. Auf dem gepachteten Acker wird in traditioneller Weise gewirtschaftet. Einen Pflug im Museum ansehen ist das Eine, aber wie fühlt es sich an, wenn er pflügt? Was kann man dabei hören und riechen und wie schwer ist das eigentlich? Könnte ich das auch? Einen ersten Einblick in die Welt der Arbeitspferde möchte das Museumsdorf mit einem Arbeitspferdetag am 16. März geben.

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes: November bis März nur sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (040 / 603 90 98) oder per Fax (040 / 64 42 19 66). Der Plattdüütsch Krink mit Frauke Burmeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Wagnerhof statt. Das nächste Treffen ist der 20.03.2013, 18:30 Uhr. Krämerladen im Museumsdorf Volksdorf im hinteren Teil der alten Schmiede. Die regelmäßigen Geschäftszeiten für den Laden und den Ausschank sind Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14:00 – 17:00 Uhr. Heimatkundlicher Gesprächskreis im Spiekerhus mit Dr. Joachim Pohlmann jeden erstem Mittwoch im Monat um 15:00 Uhr. Die nächste Veranstaltung findet am 06. März 2013 statt.



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Über viele Jahrhunderte, sogar Jahrtausende, waren Pferde vor allem Arbeitskollegen. Heute wird landwirtschaftlich mit Pferden nur noch wenig gearbeitet. Auf Dachböden, in Scheunen und in Museen stehen oft alteAckergeräte herum, aber kaum jemand weiß noch etwas damit anzufangen. Im Museumsdorf Volksdorf möchte man die Gegenstände vergangener Zeiten nicht nur aufbewahren. Im lebendigen Museum werden auch die Kenntnisse und Fähigkeiten, die damit zusammenhängen, gepflegt und weitergegeben.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.museumsdorfvolksdorf.de oder telefonisch beim Museumswart Telefon 01717904669. (kb)

Bauernregel Wenn´t Lichtmess brust un sniet, is dat Vörjahr ni mehr wiet. Wenn es Lichtmess stürmt und schneit, ist das Frühjahr nicht mehr weit.

Lichtmess am 2. Februar gilt seit jeher als erster der wenigen Lostage, an denen die Landbevölkerung das künftige Wetter im laufenden Jahr ablesen konnte. Vergleichbar mit dem Murmeltiertag in USA. Bei uns war zu Lichtmess herrliches Wetter. Danach werden wir also ein spätes Frühjahr bekommen. (el)

Im Frühsommer letzten Jahres hatten wir dazu aufgerufen, für unser Jubiläumsjahr und besonders unsere Jubiläumsveranstaltung im Sommer 2013, ein Logo unter dem Motto "Bürger trifft Bauer" zu entwerfen. Es sollte ein Schwarzweißlogo sein, das möglichst einfach das Zusammentreffen der ab 1900 verstärkt nach Volksdorf drängenden städtischen mit der hier wohnenden ländlichen Bevölkerung darstellt. Damals wurde in Volksdorf viel Land von den Stadtbürgern und Terraingesellschaften aufgekauft und später z.T. mit erheblichem Gewinn weiterverkauft. Es war auch schick, sich ein "Sommerhaus" vor der Stadt zuzulegen. Das Motto "Bürger trifft Bauer" steht also für die Begegnung von Stadt- und Dorfleben und der Ent-

wicklung des Bauerndorfes zum Stadtteil Volksdorf. Nun können wir das Ergebnis verkünden. Die Einsendungen waren sehr vielfältig, kreativ, teilweise auch modern. Die Wahl der Jury ist letztendlich auf einen Entwurf gefallen, den unserer Mitarbeiter Holger Braun inkognito eingesendet hatte. Das Logo wird ab jetzt zum Erkennungszeichen des Jubiläumsjahres, seiner Veranstaltungen und Veröffentlichungen. Da alle Einsendungen preiswürdig waren haben wir uns entschlossen, nicht nur einen Preis zu vergeben, sondern jeden Teilnehmer mit einem Preis zu bedenken. (hb)

Leserbrief Liebe Redaktion, ich habe die Rote Beete Suppe (Spiekerseite Januar 2013) nachgekocht, und sie hat meinem Mann und mir ausgezeichnet geschmeckt. Ich habe es mir allerdings leicht gemacht und habe die schon gekochte Rote Beete aus dem Supermarkt verwendet. Daher war die Suppe bei uns ganz schnell fertig. Das Sahnehäubchen war bei uns aus Crème fraîche, was auch sehr gut dazu passt. Das Nachkochen lohnt sich. Vielen Dank. Maria von Petersdorff, Volksdorf

Das neue Logo steht für die Begegnung von Stadt- und Dorfleben – und damit auch für Volksdorf und seine Entwicklung vom Bauerndorf zum Hamburger Stadtteil

Kontakt V.i.S.d.P. Holger Braun, De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 62 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr

Mitarbeiter(innen): Karina Beuck Holger Braun Sibylle Könnecke Egbert Läufer Peter Lamp Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 13. März

www.museumsdorfvolksdorf.de email: [email protected] museumsdorf-volksdorf.de

Hallo liebe Kinder, wart ihr schon in unserem Emmaladen? Es gibt dort Spielzeug, Bücher, Kaffee, Kakao und selbst gebackenen Kuchen. Ich darf eigentlich nicht hinein, weil neben der Tür ein Schild hängt „Hunde müssen draußen bleiben“. Aber am Donnerstag standen da einige Frauen vor dem Schild, so dass ich es gar nicht sehen konnte, und da bin ich einfach mal

rein gegangen. Es ist richtig toll im Laden, und in der Küche saßen die Besucher und tranken Kaffee. Gerade als ich in der Küche war, ist doch zufällig ein Stück Kuchen mit Sahne herunter gefallen, genau vor meine Nase. Da konnte ich doch nicht nein sagen. Oder? Dann haben sie mich entdeckt und wieder ins Kalte geschickt. Aber ich

war nun auch mal in Karinas Laden. Bis bald euer Loki

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Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

13. März

Das Frühjahr lockt

Bauernmarkt 2013 Liebe Leserinnen und Leser, auf dieser Seite lässt der Vorfrühling grüßen: Neues und Werdendes ist aus dem alten Dorfe zu vermelden. Wir stellen unseren neuen Kutscher vor, laden „im Märzen“ ein zum Anspannen der Pferde, locken schon mal mit allerlei Frischem auf dem AprilBauernmarkt und mit Lokis Bericht vom neuen Leben bei den Osterlämmern. Sogar das Rezept zielt auf die österliche Jahreszeit. Trotz der nörgeligen Bauernregel also Zeit, sich frei zu machen für Frühlingsgefühle! Ihr Jürgen Fischer

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Arbeit mit Zugpferden • In der Freizeit ackern? Draußen auf dem Feld? Mit Pferden? Können Sie das auch? Bei uns schon. Am 16. März 2013 beim Arbeitspferdetag. Vier bis acht Personen ab 16 Jahren können einen Tag lang ausprobieren, was es heißt, Landwirtschaft mit Pferden zu betreiben. Lehrgangsgebühr 130,- Euro inkl. Mittag, Kaffee und Kuchen. Anmeldung: [email protected] oder Tel. 0171 790 4669. Weitere Infos auf unserer Homepage (hb)

Osterkranz mit Mandeln: Zutaten: 600 g Mehl, 40 g Hefe, 125 ml lauwarme Milch, 4 EL Öl, ½ TL Salz, abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone, 90 g Zucker, 3 Eier, ½ Tl Anispulver, zum Garnieren: 60 g Mandelstifte, 1 Eigelb, 1 EL Milch

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Für den Vorteig 2 EL Mehl, 1 TL Zucker, die Hefe und die lauwarme Milch verrüh-

ren. Zugedeckt 15 Minuten gehen lassen. Die restlichen Teigzutaten zugeben, kräftig durchkneten und weitere 20 Minuten gehen lassen. In 3 Teile teilen und zu ca. 70 cm langen Strängen rollen. Die Teigstränge an einem Ende fest zusammendrücken und dann zu einem Zopf flechten. Dann die Enden mit etwas Wasser anfeuchten, den Zopf zu einem Kranz formen und die Enden festdrücken. Den Kranz auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen und zugedeckt weitere 30 Minuten gehen lassen. Das Eigelb mit der Milch verrühren und den Kranz bestreichen. Mandelstifte und Zucker darüber streuen. Den Kranz im vorgeheizten Backofen bei 200 ° ca. 25-35- Minuten backen. (sk)

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes: November bis März nur sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (040 / 603 90 98) oder per Fax (040 / 64 42 19 66). Der Plattdüütsch Krink mit Frauke Burmeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Wagnerhof statt. Das nächste Treffen ist am 17. April 2013, 18:30 Uhr. Krämerladen im Museumsdorf Volksdorf im hinteren Teil der alten Schmiede. Die regelmäßigen Geschäftszeiten für den Laden und den Ausschank sind Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14:00 – 17:00 Uhr. Heimatkundlicher Gesprächskreis im Spiekerhus mit Dr. Joachim Pohlmann jeden ersten Mittwoch im Monat um 15:00 Uhr. Die nächste Veranstaltung findet am 3. April 2013 statt. Dree Lüüd vun‘t „BLATT op Platt” - Plattdeutsche Lesung Platt-Prominenz im Dreierpack. Christa Heise-Batt, Petra Wede un Bernhard Koch vertellt egen Geschichten op Platt. 22. März, 19.30 Uhr im Wagnerhof. Eintritt 15.- Euro (Mitglieder 12.- Euro).



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Rezept

Bauernregel Märzenblomen dögt ni, Märzengröön dat högt ni.

Auf dem beliebten Bauernmarkt am 7. April können sich die Besucher von 10 bis 17 Uhr mit Pflanzen für den Garten, frischem Gemüse, Räucheraal und sonstigen Spezialitäten, das meiste wie immer frisch vom Erzeuger, eindecken. Dieses Jahr können Sie bei der Gelegenheit auch unser „Müttergenesungswerk“ bestaunen. Unsere fünf „Zimtzicken“ haben zusammen für entzückenden achtköpfigen Nachwuchs gesorgt, und das alles innerhalb von vier Tagen im Februar. Für Verpflegung sorgen die „Spiekerlüüd“ mit Kaffeestuuv und leckerer Grillwurst an der Schänke, der Bäcker am Steinbackofen und unsere „Kökschen“ im Backhaus und an den historischen Herdstellen mit Köstlichkeiten aus alter Zeit. Besuchen Sie auch „Emmis Krämerladen“. Der Museumsladen bietet wie an jedem Dienstag-, Donnerstag- und Sonnabend-

Das Blumenangebot für den Frühling: einfach schön

nachmittag auch beim Bauernmarkt ganztags neben dem üblichen Sortiment noch viele Frühlingsboten an.

Neu auf dem Bock

Eintritt zum Bauernmarkt für Menschen über 1,49 m: 1 Euro. (kb)

Kontakt V.i.S.d.P. Holger Braun, De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 62 19 66

Friederike Braun, Maik Sonnenberg und Jessica Läufer (v.li.)

Maik Sonnenberg ist der neue Mann, der sich um die Pferde, das Vieh und das Gelände kümmern wird. Er stammt aus Wismar, ist 31 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Seine landwirtschaftliche Ausbildung hat er auf dem Demeter Hof Gut Wulfsdorf gemacht. Er löst Martin Harder ab, der uns mit seinem Kaltblüter Sigi verlassen hat. Die beiden bleiben dem Museum aber verbunden und werden im Laufe des Jahres bei verschiedenen Ver-

anstaltungen dabei sein. Der Kutschbock ist Maik schon länger vertraut. Jetzt hat er zusammen mit Jessica Läufer und Friederike Braun in Tangermünde den Lehrgang zur Personenbeförderung mit Kutschen bestanden. Die drei dürfen also ab sofort bei Ausfahrten und Veranstaltungen Fahrgäste mitnehmen. Sie möchten mitfahren? Dann eMail an [email protected] museumsdorf-volksdorf.de oder Tel. 0172 442 1770. (hb)

Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr Mitarbeiter(innen): Karina Beuck Holger Braun Sibylle Könnecke Egbert Läufer Peter Lamp Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 17. April 2013

www.museumsdorfvolksdorf.de email: [email protected] museumsdorf-volksdorf.de

Hallo liebe Kinder,

Märzblumen taugen nicht, Märzengrün erfreut nicht.

Diese Wetterregel traute dem frühen, milden Frühling keine Dauer zu. Die Bauern wussten, dass noch mindestens für den April Frostphasen zu erwarten waren. (sk)

ihr werdet es nicht glauben, aber bei uns gibt es schon Osterlämmer! Es sind acht Stück, so viele wie noch nie. Ich als Hütehund habe viel zu tun, aber die Mütter sind ziemlich zickig. Ich denke, es hat damit zu tun, dass sie sich Sorgen um ihre Kleinen machen. Kein Wunder, denn eine Geburt war sehr schwer und Steffi, unsere Tierärztin, musste kommen. Nun geht es allen gut und sie sind auch zu süß. Zwar nicht klein und wollig, sondern klein und glatthaarig, wie Ziegen-

lämmchen nun mal aussehen. „Die fressen uns bald die Haare vom Kopf“, sagt Egbert. Er hat erzählt, dass wir Tiere alle zusammen im Monat 1000 Euro kosten. Vielleicht könnt Ihr Euren Eltern mal vorschlagen, ob eine Familienmitgliedschaft nicht eine schöne Möglichkeit wäre uns ein wenig zu unterstützen. Das kostet nur 45 Euro im Jahr und wir würden uns sehr darüber freuen. Ich schicke Euch schon mal ein Foto, auf dem Ihr sehen könnt, wie tüchtig

ich mich um die Kleinen kümmere. Möglicherweise habt ihr sie ja in den letzten warmen Tagen bei uns im Museum schon gesehen. Bis bald euer Loki

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Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

17.April

Traditionsgespanne auf Gut Basthorst Liebe Leserinnen und Leser, die Mitarbeiter des Museumsdorfes sind in diesem Monat wieder für Sie besonders aktiv: Nach einem hervorragend besuchten Bauernmarkt ist die Planung für die nächsten Veranstaltungen in vollem Gange, auch die Frühjahrsarbeiten halten uns momentan auf Trab, da der Winter uns länger als gewöhnlich mit Eis und Schnee im Griff gehalten hat. Am 20. April nehmen wir mit nicht weniger als fünf verschiedenen Gespannen am Traditionsfahrwettbewerb auf Gut Basthorst teil, am 30. April wird der Maibaum im alten Dorfe aufgerichtet. Ich hoffe, dass sich bis dahin schon grüne Blätter an den Birken befinden, auf denen die Maikäfer für die kleinen Besucher landen können. Loki berichtet heute über Neues aus dem Gelände in der Horst und außerdem finden Sie Veranstaltungshinweise und Tipps auf dieser Seite. Ihre Karina Beuck

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes: November bis März immer sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (040 / 603 90 98) oder per Fax (040 / 64 42 19 66). Der Plattdüütsch Krink mit Frauke Baumeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Wagnerhof statt. Das nächste Treffen ist am 15.05.2013, 18:30 Uhr. Emmis Krämerladen und der Ausschank im Wohnteil der alten Schmiede sind Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14:00 – 17:00 Uhr geöffnet. Die Mitgliederversammlung findet am 18.04.2013 um 19:00 Uhr im Wagnerhof statt. Traditionsgespannfahrtag auf Gut Basthorst bei Trittau am 20.04.2013.von 10 – 17 Uhr. Präsentation historischer, vornehmer Kutschen und Gebrauchsgespanne von Fahrern und Begleitern in passender Kleidung. Tanz um den Maibaum am 30.04.2013 ab 18 Uhr. Musikalische Unterstützung durch unsere „Dorfmusikanten“ und die Tanzgruppe „Zugvogel“. Für das Leibliche Wohl wird gesorgt. Heimatkundlicher Gesprächskreis im Spiekerhus mit Dr. Joachim Pohlmann jeden ersten Mittwoch im Monat um 15:00 Uhr. Die nächste Veranstaltung findet am 08. Mai 2013 statt. Botanischer Spaziergang mit Dr. Joachim Pohlmann zum Thema Pflanzen des Frühlings am 11.05.2013 von 15 – 17 Uhr. Treffpunkt ist der Eingangsbereich des Museumsdorfes. Mühlentag am 20.05.2013: die Grützmühle kann von 10 – 17 Uhr besichtigt werden und das Originalmahlwerk wird betrieben. Vorführung verschiedener Geräte und Maschinen zum Thema Mahlen und Schroten.



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Tanz um den Maibaum Eine Tradition, die man nicht missen möchte: auch in diesem Jahr wird um 18 Uhr wieder bei uns im Museumsdorf der Maibaum, Sinnbild für das neue Leben im Frühjahr, aufgerichtet. Die mit bunten Bändern geschmückte Maibaumspitze wird mit einem Pferdewagen ins Dorf gefahren und die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Volksdorf werden wieder beim Zusammenstecken und Aufstellen tatkräftig mit anpacken. Der Stamm wird dann noch mit einer Girlande aus Zweigen geschmückt. Zur Stärkung für alle gibt es danach Würstchen vom Grill, Bier, Fassbrause und Maibowle, diesmal auf jeden Fall in ausreichender Menge! Die Spiekerlüüd laden herzlich ein beim Tanz um den Maibaum den Einzug des Frühjahrs mitzufeiern. Musikalische Unterstützung werden wir von unseren „Dorfmusikanten“ und Mitgliedern der Tanzgruppe „Zugvogel“ erhalten, die den Tanz anführen werden. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Bauernregel De April is to goot, he gifft´n Tuunstaken ok noch n´Hoot. Der April meint es zu gut, er gibt einem Zaunpfahl auch noch einen Hut. (Mit „Hut“ wird natürlich eine Schneemütze gemeint sein. Wir können nur hoffen, dass unser April uns nicht noch mehr Schnee schenkt.)

Unser Bäckerwagen, gezogen von Anne mit „Bäckersfrau“ Karina Beuck und Kutscherin Jessica Läufer

Am 20. April 2013 geht es auf Gut Basthorst bei Trittau, beim fünften Traditionsgespannfahrtag, mit Pferd und Wagen auf eine ganz besondere Zeitreise. Die wunderschöne Atmosphäre des historischen Gutshofes bietet den Rahmen für ein unvergessliches Ereignis der Extraklasse, bei dem Sie zuschauen oder sogar mitmachen können. Ab 10 Uhr werden traditionelle und stilvolle Gespanne sowie historische Gebrauchsgespanne z.B. von Fahrwart Hermann Drechsler aus Mollhagen und aus dem Museumsdorf Volksdorf zu sehen sein. Fahrer und Passagiere präsentieren vornehme Kutschen mit den „Herrschaften“, aber auch Ackerwagen, Milchkarren und andere Gebrauchsgespanne aus der guten alten Zeit in passender Kleidung. Die Besucher können zuschauen, wie die

Gespanne von den Richtern vorgestellt und bewertet werden und einen Geschicklichkeitsparcours fahren. Bewertet wird, ob die Fahrzeuge original erhalten oder zumindest originalgetreu restauriert sind, die Zugtiere zum Fahrzeug passen, die Art der Anspannung und das verwendete Zuggeschirr, aber auch die Kleidung der Fahrer und Begleiter. Damit wollen die Veranstalter die Kutschen und Wagen und die damalige Fahrkultur in Form eines Wettbewerbs erhalten und gleichzeitig für die Besucher ein einmaliges Erlebnis in der wunderschönen Kulisse von Gut Basthorst bieten. Für das lebendige Museumsdorf ist das eine gute Gelegenheit zu zeigen, dass die Fuhrwerke des Museums nicht nur Ausstellungsobjekte sind, sondern fahrtüchtige, einsatzberei-

te Fahrzeuge. Besucher, die in entsprechender Kleidung „um 1900“ teilnehmen, haben sogar die Möglichkeit hier etwas zu gewinnen. Im freundlichen Gasthaus können sich die Gäste bei Speis und Trank ausruhen und erfrischen. Die Gastgeber und Teilnehmer freuen sich auf Ihren Besuch, der Eintritt ist frei!

Kontakt V.i.S.d.P. Holger Braun, De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 62 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 15. Mai 2013

Für das Museumsdorf unterwegs: das Ziegengespann von Familie Furken

www.museumsdorfvolksdorf.de email: [email protected] museumsdorf-volksdorf.de

Hallo liebe Kinder, jetzt ist es endlich etwas wärmer und das Rumtoben draußen macht wieder richtig Spaß. Deshalb habe ich vor einigen Tagen eine Inspektion unserer Zäune gemacht und an der Horstwiese habe ich einen Schock bekommen. An der Saselbek stand sonst kein Zaun und dort konnte ich immer mal ausbüchsen. Das wollte ich auch diesmal und bin los gerannt, aber nach dreißig Metern war Schluss. Irgendjemand hatte dort einen ganz neuen

Zaun gebaut, um die ganze Fläche auf der anderen Seite der Saselbek. Ich habe wohl ein sehr dummes Gesicht gemacht, denn Karina hat mir erklärt, dass die Stadt dafür gesorgt hat, dass der Zaun gebaut wurde. Egbert hat mir gesagt, dass diese Wiese nun auch noch zu meinem Aufgabenbereich gehört. Wir sollen die Fläche jetzt mit unseren Schafen und Ziegen freihalten. Na Klasse! Hoffentlich finde ich noch ein neues

Loch im Zaun, durch das ich mal auskneifen kann. Na dann, bis bald euer Loki

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Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

15. Mai

Mühlentag Liebe Leserinnen und Leser, wie es sich für ein Museum gehört, sind auf dieser Seite Vergangenheit und Gegenwart thematisch ineinander verschlungen: Der Mühlentag wird jahrhundertealte Techniken zeigen, die neue Gedenktafel für die Museumsgründer geht in unsere eigene 50jährige Geschichte zurück. Schafschur wird heute wie früher gezeigt. Unsere Finanzfragen für Dorf und Verein sind sehr aktuell. Ihr Jürgen Fischer

Viel Spaß bei der Lektüre!

Das Mahlwerk hinter der Mühle wird über den Unterflurgöpel angetrieben

Die Gedenktafel hat ihren Platz im Museumsdorf gefunden

lung einer Gedenktafel im Eingangsbereich des Museumsdorfes am 18. April geehrt. Otto Warnke wurde 1960 unser Ortsamtsleiter. Er hatte damals für sich die städtebauliche EntwicklungVolksdorfs favorisiert und durch seinen Einsatz erreicht, dass eine geplante Durchgangsstraße durch den

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes: November bis März immer sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (040 / 603 90 98) oder per Fax (040 / 64 42 19 66). Der Plattdüütsch Krink mit Frauke Baumeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Wagnerhof statt. Die nächsten Treffen sind am 15.05.2013 und 19.06.2013, jeweils um 18:30 Uhr. Emmis Krämerladen und der Ausschank im Wohnteil der alten Schmiede sind Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Heimatkundlicher Gesprächskreis im Spiekerhus mit Dr. Joachim Pohlmann jeden ersten Mittwoch im Monat um 15:00 Uhr. Die nächste Veranstaltung findet am 05. Juni 2013 statt. Heimatkundlicher Spaziergang mit Dr. Joachim Pohlmann zum Thema „Der einzigartige Grenzverlauf zwischen Volksdorf und Schleswig-Holstein“ am 08.06.2013 von 15 bis 17 Uhr. Treffpunkt ist vor dem U-Bahnhof Buckhorn. Mühlentag am 20.05.2013: Die Grützmühle kann von 11 bis 17 Uhr besichtigt werden und das Originalmahlwerk wird betrieben. Vorführung verschiedener Geräte und Maschinen zum Thema Mahlen und Schroten. Thementag „Wolle“ am 01.06.2013: Von 14 bis 17 Uhr geht es um Wollverarbeitung, Filz und vieles mehr und die Schafe des Museumsdorfs verlieren an diesem Tag ihr dickes Fell. Jubiläumsveranstaltung „Bürger trifft Bauer“ am 30.06.2013: Von 11:00 bis 17:00 Uhr gibt es einen stimmungsvollen Sommerjahrmarkt mit Kindervergnügen, Kindervogelschießen, historischem Korbmarkt und vielen weiteren Überraschungen zum 50-jährigem Jubiläum des Museumsdorfes.



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Otto Warnke bewahrte die historischen Häuser vor dem Abriss und erwirkte den Museumsstatus. Fritz Beyle sorgte als ldeengeber, Architekt und Baumeister für die Entwicklung und Vollendung des Dorfes. Um dies nicht zu vergessen, wurde ihr besonderer Einsatz durch die Enthül-

Eulenkrugpfad zur B 75 und ein angedachter Abriss der alten bereits denkmalgeschützten Bauernhäuser mit folgender Bebauung nicht zur Durchführung kamen. Bei seiner Werbung um Mitstreiter gewann er u. A. den Landgerichtdirektor Dr. Ferdinand Blötz und den kurz vor seiner Pension stehenden Direktor der Meisterschule für Maler Friedrich Beyle. Durch die Aktivitäten dieser 3 Herren entstand der Gedanke zur Schaffung eines Museumsdorfes und eines geeigneten Trägers und damit die Gründung des Vereins ,,De Spieker", zu deren Gründungsmitgliedern sie gehörten. Fritz Beyle war in unermüdlicher Planungs-, Bauleitungs- und praktischer Arbeit und bei der Schaffung der finanziellen Planung federführend und entscheidend tätig. Es bildete sich unter ihm ein handwerklicher Arbeitskreis, der als „harter Kern“ ehrenamtlich und tatkräftig mitarbeitete. Friedrich Beyle starb 1997, Otto Warnke 2004.

Veränderte Mitgliedsbeiträge und freier Eintritt für Mitglieder Die gestiegenen Kosten für Energie, Futtermittel und Personal machen auch vor unserem Museum nicht halt. Allein die Kosten für die Tiere schlagen monatlich mit rund 1000 Euro zu Buche. Deshalb hat die Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit beschlossen die Jahresbeiträge nach 10 Jahren ohne Veränderung maßvoll anzuheben. Die Mitgliedsbeiträge erhöhen sich für Einzelpersonen und Familien um 10 Euro außer Jugendliche bis 18 Jahre. Gleichzeitig hat der Vorstand beschlossen, dass alle Mitglieder ab sofort zu allen Themen- und Festtagen sowie den Bauernmärkten gegen Vorlage ihrer Mitgliedskarte an der Kasse freien Eintritt haben. Die Beiträge allein werden auch nach der Erhöhung nicht die laufenden Kosten dekken. Es müssen Rücklagen für anstehende Instandhaltungs- und Baumaßnehmen gebildet werden, denn nicht alle Arbeiten können in Eigenregie von unseren Ehrenamtlichen durchgeführt werden. Wir sind also auch weiterhin auf die Einnahmen aus Veranstaltungen und Spenden angewiesen.

Immer am Pfingstmontag ist in Deutschland Mühlentag. Im ganzen Land sind dann Mühlen zur Besichtigung geöffnet. Im Jubiläumsjahr sind natürlich auch die Spiekerlüüd dabei und zeigen am 20. Mai von 11 bis 17 Uhr an verschiedenen Gerätschaften den langen Weg durch die Geschichte und die technische Entwicklung der Getreideverarbeitung vom frühgeschichtlichen Mahlstein bis zum elektrisch betriebenen Walzenstock. Im Mittelpunkt steht unsere Rossmühle Sie ist die einzige erhalten gebliebene Rossmühle in Norddeutschland. Wir wollen das über 150 Jahre alte, betriebsfähige Originalmahlwerk in der Mühle in Gang setzen. Allerdings ganz

vorsichtig von Menschenkraft, denn dem Mahlen mit Pferdekraft würde es nicht mehr standhalten. Unsere beiden Kaltblutpferde Urson und Umberto werden stattdessen über den Unterflurgöpel neben dem Mühlengebäude das Mahlwerk hinter der Mühle antreiben. Außerdem werden Waagen, Gewichte und Hohlmaße zu sehen sein, die man früher benutzte, und die großen und kleinen Besucher erfahren, wann das Maß voll ist oder was es mit dem Licht unter dem Scheffel auf sich hat. Für Kinder gibt es natürlich wieder einen Menge auszuprobieren, sie dürfen selbst Körner zu Mehl oder Grütze mahlen und an einer Rallye zum Thema

Thementag Schafschur und rund um die Wolle Am 1. Juni dreht sich im Museumsdorf von 14 bis 17 Uhr wieder einmal alles um die Wolle. Die Schafe sind dann froh, ihre dicke Winterwolle endlich loszuwerden. Nach dem Scheren der Schafe wird die Wolle gewaschen, gekämmt, gesponnen, gefärbt, gefilzt und gewebt. Überall können die Besucher nicht nur zuschauen, sondern auch (fast) alles selbst ausprobieren. Während die Kinder noch Wolle waschen oder ein Spinnrad ausprobieren, können sich die Erwachsenen schon ein nettes Plätzchen an unserem Backhaus suchen und bei Kaffee und Kuchen



oder etwas Herzhaftem den Nachmittag genießen oder unserem gemütlichen „Krämerladen“ einen kleinen Besuch abstatten. Ausgestellt sind Bilder aus dem wunderbaren Buch von Elsa Beskow „Pelles neue Kleider“, das es bei uns im Laden auch zu kaufen gibt. Eine Rallye zum Thema rundet den Nachmittag ab. Eintrittspreise sind für Familien 8 Euro, Erwachsene 3,50 Euro und Schulkinder 1 Euro. Der Eintritt für Mitglieder des Vereins De Spieker ist frei, bitte die Mitgliedsausweise nicht vergessen.

Mahlen und Schroten teilnehmen. Die Erwachsen können prüfen, ob sie die verschiedenen Getreidesorten auseinander halten können. Im großen Steinbackofen backt Bäcker Heiko Wrede aus Rahlstedt wieder Brot und Kuchen. Für das leibliche Wohl sorgen die Kaffeestuuv im Wagnerhof und die Deerns aus dem Backhaus. Eintritt: Familien 9 Euro, Erwachsene 5 Euro, Schulkinder 1 Euro. Mitglieder haben gegen Vorlage ihrer Mitgliedskarte freien Eintritt! Weitere Infos finden Sie auf unserer Internetseite.

Kontakt V.i.S.d.P. Holger Braun, De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 42 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 19. Juni 2013

www.museumsdorfvolksdorf.de email: [email protected] museumsdorf-volksdorf.de

Hallo liebe Kinder,

haben wir ein Glück das wir noch Schweine bekommen haben! Unser Züchter aus Braunschweig hat uns mitgeteilt, dass er keine Protestschweine für uns hat in diesem Jahr. Egbert und Karina waren schon fast verzweifelt, aber ich habe ihnen gesagt: „Das klappt schon noch. Hat doch immer geklappt.“ Dann haben sie alle möglichen Leute angerufen und nach Schweinen gefragt. Es muss unbedingt eine alte Rasse sein, aber keiner hatte

Ferkel. Aber dann hat jemand für uns zwei Schweine gefunden, und was habe ich gesagt, es hat doch noch geklappt. Zum Abholen durfte ich mit fahren nach Soltau. Das war aufregend. Ich, der Loki, durfte mit aussuchen. Nun sind sie da, zwei Bunte Bentheimer, mit Namen Kurt und Eberhard. Ich habe gleich versucht mit den Beiden zu spielen, aber sie müssen sich erst an die neue Umgebung gewöhnen. Wenn sie nicht mehr ganz so



Gedenktafel zu Ehren Otto Warnke und Friedrich Beyle eingeweiht

aufgeregt sind, in ein paar Tagen, versuche ich es noch einmal. Nun erst mal Schluss für heute. Na dann, bis bald euer Loki

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Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf

HEIMAT ECHO

19. Juni

Jubiläumsveranstaltung „Bürger trifft Bauer“ kommen Se rin, kommen Se ran, die Jubiläumsfeier fängt gleich an! Der historische Sommerjahrmarkt findet dieses Mal unter dem Motto des Jubiläumsjahres „Bürger trifft Bauer“ statt und dazu kommt sogar ein nagelneues Buch über Volksdorf heraus. Außerdem berichtet Loki auf dieser Seite vom Spaß des Verkleidens und eine Menge Termine gibt es auch wieder. Auf diesem Wege möchte ich mich ganz herzlich von Ihnen allen verabschieden und ich hoffe, dass Sie auch weiterhin immer gern die „Spiekerseite“ lesen und Ihr Museumsdorf besuchen werden, nach dem Motto „Bürger trifft Bauer“. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Karina Beuck

Platt ut‘t Dörp Bi uns in`t Museumsdörp hebbt wi vergahn Johr en Firstrieder op dat Dak vun`n Harderhoff set. Dat is son Gestell op dat de Aadboor sien Nest boen kunn. Den Anfang dorto hebbt wi al makt. Kloor weet wi, dat en Stork hier nich nisten deit, wiel he nich noog Foder findt. Aver ok so süht dat fein ut dor baven, meen ik.

As wi opletzt, mien Elke, wat min Fruu is, un ik vun´t Inköpen op`n Padd no Huus weern, - wi gaht geern dörch de Horst - hör ik doch wohrhaftig en Stork klappern. „Dat kann nich ween“, dücht mi. Dor, - glieks noch eenmal. Mien Elke keek heel verbaast, as ik stantepee kehrt mog un trüch loop, bit ik op den Harderhoff kieken kunn.

Gewürztes Fleisch In eine Puddingform oder einen starken eisernen mit Kartoffeln Schmortopf legt man eine Schicht Kartoffelscheiben, darauf Fleisch, dann Gewürze. Nun wieder Kartoffeln, Fleisch und Gewürz und so fort, bis das Gefäß gefüllt ist. Die oberste Schicht müssen Kartoffeln sein. Über das Ganze gießt man 1/5 Ltr. wallendes Wasser, schließt die Puddingform und kocht sie 2 Stunden in wallendem Wasser. Benutzt man einen Schmortopf, so benötigt man reichlich Wasser. Hin und wieder vorsichtig umrühren! Der Schmortopf muss einen gut schließenden Deckel haben. Bereitungszeit: 2 ½ Stunden.

Kinderspaß damals wie heute: das Entenangeln Bild unten: Beim Markttreiben darf natürlich der vom Hund gezogene Milchkarren nicht fehlen

Rezept und Preise aus: Samuel Günther: „Kochbuch der staatlichen Haushaltungsschulen Hamburg“ (um 1910)

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf

Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes: November bis März immer sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (040 / 603 90 98) oder per Fax (040 / 64 42 19 66). Der Plattdüütsch Krink mit Frauke Baumeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Wagnerhof statt. Die nächsten Treffen sind am 19.06.2013 und 17.07.2013, jeweils um 18:30 Uhr. Emmis Krämerladen und der Ausschank im Wohnteil der alten Schmiede sind Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Heimatkundlicher Gesprächskreis im Spiekerhus mit Dr. Joachim Pohlmann jeden ersten Mittwoch im Monat um 15:00 Uhr. Die nächste Veranstaltung findet am 03. Juli 2013 statt. Botanischer Spaziergang mit Dr. Joachim Pohlmann zum Thema „Sommerpflanzen“ am 13.07.2013 von 15 bis 17 Uhr. Treffpunkt: Museumsdorf Eingangsbereich. Jubiläumsveranstaltung „Bürger trifft Bauer“ am 30.06.2013: Von 11:00 bis 17:00 Uhr gibt es einen stimmungsvollen Sommerjahrmarkt mit Kindervergnügen, Kindervogelschießen, historischem Korbmarkt und vielen weiteren Überraschungen zum 50jährigem Jubiläum des Museumsdorfes.



Vornehme Bürger reisen aus der Stadt an

Teil kommen diese ganz aus dem „Alten Land“ und den „Vierlanden“ angereist. Das Ehepaar von Ohlendorff und sogar Hamburgs Zweite Bürgermeisterin in ihrer Equipage werden in einer Reisekalesche aus der Stadt anreisen, um dieses Ereignis nicht zu versäumen. Die Besucher werden später Gelegenheit haben, ebenfalls in den hochherrschaftlichen oder bäuerlichen Pferdewagen eine Runde durch Volksdorf zu fahren. Wer den Einzug der Herrschaften und Marktleute nicht verpassen möchte, sollte pünktlich um 11 Uhr in das Museumsdorf kommen, da die Einziehenden vom „Dorfmonarchen“ vorgestellt werden, und um 1900 gab es leider noch keine Mikrofone. Auch Zitronenjette und Hummel werden den weiten Weg mal wieder auf sich nehmen, um an diesem Tag dabei zu sein, denn dem Duft von den Backöfen und Herdstellen können auch sie nicht widerstehen. Besucher, die „um 1900“ gekleidet

Buch „Bürger trifft Bauer“ ------------------------------------------------------------------------------

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Zutaten: ½ Pfund Rindfleisch (35 Pf), ½ Pfund Hammelfleisch (35 Pf), 3 Pfund Kartoffel (12 Pf), 50g Margarine (7 Pf) , 1 große Zwiebel (1 Pf), ½ Lorbeerblatt, 1 Prise Pfeffer, 1 Eßlöffel Salz, 1/5 Liter Wasser (ges. 91 Pfennig) Zubereitung: Das magere Fleisch (evtl. Fleischreste) wird in gleichmäßig große Würfel geschnitten. Die Kartoffeln schält man, schneidet sie in Scheiben und überbrüht sie. Die Zwiebel wird in Würfel geschnitten und in der Margarine gedämpft; das Lorbeerblatt zerstückelt und mit Pfeffer und Salz gemischt.

Keen een Stork dor! Steiht he sachs op de Wisch un söcht no´n dralln Pogg? Ne, ok dor nich. Aver dor klappert dat doch allwedder. - Un nu hör ik dat ok, wokeen dor klappert. Dat is keen Stork , - ne, en Specht hett en afsünnerlich holl klingenden, drögen Knast foot kregen un hackt dor op rüm. - Rinfulln! - Man wär dat nich scheun, wenn dor son staatschen Aadboor boben in sien Nest stünn, or mit wiet utbrede Flünkens sien Runn´n över uns Museumsdörp dreih`n dä? Dat Idyll wär perfekt. - Is aver nich! Wenn ji nu dat nächst mol an´n Harderhoff vörbi kaamt, kiek mol kott no boven. Kunn jo (cn) ween ....

Um 1900 gab es schon einmal eine große Landlustwelle. Viele Bürger fuhren, zuerst mit der Kutsche, später auch mit der Kleinbahn und dem Fahrrad, am Wochenende nach Volksdorf. Die in den Walddörfern und dem Alstertal stattfindenden Jahrmärkte waren bei den Städtern besonders beliebt. Der Sommerjahrmarkt am 30. Juni im Museumsdorf wird von uns zu einem ganz besonderen Festtag aus der Zeit um 1900 für die Besucher gestaltet. Es wird einen Korb- und Karrenmarkt geben, Spielbuden, „Fahrgeschäfte“, Vogelschießen, den „Limonadenbaum“ für die Kinder, Kaffee- und Biergarten für die Erholungssuchenden und Zeitreisen für die Wissbegierigen. Die Kollegen vom Museum am Kiekeberg werden in und um das Spiekerhus das Leben um 1800 zeigen, im Harderhof kann man das Leben der Bauernfamilie um 1900 miterleben. Außerdem gibt es ein Fotostudio 1900 und vieles mehr. Ab 11 Uhr werden die Händler und Marktfrauen in das Museumsdorf einziehen, zum

Ganz fertig ist es heute noch nicht, aber pünktlich zu unserer Jubiläumsveranstaltung erscheint, passend unter dem Titel „Bürger trifft Bauer“, unser neues Buch über die Entwikklung Volksdorfs vom einstigen Bauerndorf, weit vor den Toren der Stadt, zum Vorort Hamburgs im beginnenden 20. Jahrhundert. Unsere Mitarbeiter haben tief im Archiv gekramt und herausgekommen ist ein aufwändig gestaltetes Buch mit vielen neuen, interessanten Berichten und Bildern aus Volksdorfs Vergangenheit. Zu erwerben ab 30.06. für 24,50 Euro. Der Verkaufserlös geht zugunsten des Museumsdorfs.

zu uns kommen, erhalten eine Eintrittsermäßigung. Bitte beachten Sie: Die Straße „Im Alten Dorfe“ wird an diesem Festtag vom Dorfwinkel bis zum Lerchenberg gesperrt sein. Zeit: 11 bis 17 Uhr, Eintritt: Familien 9,50 Euro, Erwachsene 5 Euro, Schulkinder 1 Euro. Mitglieder haben gegen Vorlage ihrer Mitgliedskarte freien Eintritt! Weitere Infos auf unserer Internetseite unter www.museumsdorfvolksdorf.de

Kontakt V.i.S.d.P. Holger Braun, De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 42 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 17. Juli 2013

www.museumsdorfvolksdorf.de email: [email protected] museumsdorf-volksdorf.de



Hallo liebe Kinder,

habt ihr schon mal einen Fasching im Sommer erlebt? Bei uns im Museumsdorf wollen sie sich am 30.06. alle als Bürger oder Bauern verkleiden, um zum Jubiläumsfesttag einen Jahrmarkt 1900 zu zeigen. Für mich wird es problematisch: was zieht man denn als Bürgerhund an? Als Bauernhund sehe ich ja aus wie immer. Ich will mich aber auch verkleiden und kann



Liebe Leserinnen und Leser,

mich nicht entscheiden. Notfalls fahre ich als Kutschenhund auf einer der eleganten Bürgerkutschen mit. Die Bauernwagen kenne ich ja alle schon. Vielleicht sehen wir uns dann auf einer Kutschen, wenn ihr auch mitfahrt. So, nun muss ich mir aber noch einen Hut aussuchen. Bis zum 30.06 euer Loki

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Redaktions-Service-Seite vom HEIMAT ECHO für alle Freunde des Volksdorfer Museumsdorfes 113

HEIMAT ECHO

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17. Juli 2013 | Nr. 29

Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf Über 3000 Besucher waren begeistert

Jubiläumsveranstaltung „Bürger trifft Bauer“ Liebe Leserinnen und Leser, in diesen Tagen sind wir Mitarbeiter noch erfüllt von unserem Jubiläumsfest „Bürger trifft Bauer“, auch wenn wir die schönen 1900-Kostüme inzwischen wieder abgelegt haben. Es war ein besonderer Höhepunkt in unserer Arbeit und somit ein würdiger Abschiedstag für unsere langjährige ehrenamtliche Museumsleiterin Karina Beuck, die immer wieder auch an dieser Stelle auf der Spiekerseite sich geäußert hat. Mitarbeiter und Verein danken ihr und bekunden Anerkennung und Respekt für ihren kaum zu überschauenden und äußerst kompetenten Einsatz zum Wachsen und Gedeihen des Museumsdorfs. Jetzt erstmal allen unseren Freunden und Unterstützern schöne Sommerwochen! Ihr Jürgen Fischer

Volksdorf-Rallye 2013

Das alte Volksdorf mit dem Fahrrad erkunden Es geht um die Zeit ab 1900, als Volksdorf durch den Bau der Kleinbahn von Altrahlstedt nach Wohldorf die Anbindung an die große Stadt erhält. Unsere Mitarbeiter im Archiv haben eine geschichtliche Fahrradtour ausgearbeitet, die durch Volksdorf und Umgebung führt. Die Teilnehmer können ganz individuell starten und etwa 50 verschiedene Punkte besuchen. In einem bebilderten Begleitheft erfahren sie, in welchem lokalhistorischen Zusammenhang

Das Buch zum Jubiläum

Jürgen Fischer, Dr. Dorothee Stapelfeld, Claus Neupert als „Billiger Jacob“ und Karina Beuck (v. li.)

dieser Ort steht. Zusätzlich gibt es ein kleines Suchspiel. Die Unterlagen mit einer detaillierten Karte zu dieser „Volksdorf-Rallye 2013“ kann man für 8,50 Euro erwerben: im Museumsladen und in der Geschäftsstelle des Museums, im Kleinbahnmuseum in Wohldorf (geöffnet sonntags von 13-16 Uhr) und bei den Fahrradhändlern Ehrig in der Claus-FerckStraße und Räderei Prager in der Waldherrenallee.

Urlaubszeit und Regen am frühen Nachmittag waren kein Hindernis und so erfreuten sich am 30. Juni über 3000 Besucher an unserer Jubiläumsveranstaltung, verbunden mit der Johannishöge und dem Kindervogelschießen. Erstmals waren alle Mitwirkenden gekleidet wie Bürger oder Bauern um 1900, unsere Kollegen vom Museum Kiekeberg stellten im Spiekerhus die Zeit um 1804 nach. Hamburgs zweite Bürgermeisterin, Frau Dr. Stapelfeldt, wurde in einer offenen Kalesche vierspännig ins Dorf gefahren. Dazu kamen noch andere herrplare, vergriffen ist. Eine zwei- schaftliche und bäuerliche Fahrte Auflage wurde inzwischen zeuge, die rege für Rundfahrten in Auftrag gegeben. Wer also noch ein Geschenk oder eine Urlaubslektüre sucht oder etwas über Volksdorfs Vergangenheit erfahren ist hier genau richtig. Das Buch gibt es in Emmis Krämerladen im Wohnteil der alten Schmiede zu den üblichen Öffnungszeiten und demnächst auch in der Buchhandlung Ida von Behr. Es kostet 24,50 Euro und der Verkaufserlös geht zugunsten des Museumsdorfs.

„Bürger trifft Bauer“ Pünktlich zur Jubiläumsveranstaltung am 30. Juni erschien unser neues Buch „Bürger trifft Bauer“. Es beschreibt mit vielen, bisher unveröffentlichten Fotos und Texten, wie sich Volksdorf zwischen 1895 und 1931 vom einstigen Bauerndorf, weit vor den Toren der Stadt, zum Vorort Hamburgs im beginnenden 20. Jahrhundert entwickelte. Bereits am Erscheinungstag fand es so viel Zuspruch, dass die erste Auflage, bis auf wenige Restexem-

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes: November bis März immer sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (040 / 603 90 98) oder per Fax (040 / 64 42 19 66). Der Plattdüütsch Krink mit Frauke Baumeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Wagnerhof statt. Die nächsten Treffen sind am 17.07.2013 und 21.08.2013, jeweils um 18:30 Uhr. Emmis Krämerladen und der Ausschank im Wohnteil der alten Schmiede sind Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Heimatkundlicher Gesprächskreis im Spiekerhus mit Dr. Joachim Pohlmann jeden ersten Mittwoch im Monat um 15:00 Uhr. Die nächste Veranstaltung findet am 07. August 2013 statt. Heimatkundlicher Spaziergang mit Dr. Joachim Pohlmann zum Thema „Die Streitige Grenze zwischen Volksdorf und Bergstedt“ am Sonnabend, 17.08.2013 von 15 bis 17 Uhr. Treffpunkt: U-Bahnhof Buckhorn. Der Spaziergang endet am U-Bahnhof Volksdorf. Festtag „Vom Flachs zum Leinen“: Es geht um Leinen, Seide, Wolle, große Wäsche und vieles mehr. Sonntag 25. August, 2013, 11 – 17 Uhr.

durch Volksdorf genutzt wurden. Diese Veranstaltung war auch gleichzeitig der letzte „Arbeitstag“ für Karina Beuck, die sich nach vielen Jahren der Mitarbeit als Museumsleiterin und zweite Vorsitzende des Trägervereins De Spieker aus dem Museumsdorf verabschiedet. Schon früh mussten die Kinder auf dem Hof helfen und Gänse hüten

Tel: 603 90 98 Fax: 64 42 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 14. August 2013

Bauernregel Up de Hundsdaag kann man ni reken. Auf die Hundstage kann man sich nicht verlassen.

Die „Hundstage“ sind die Tage, an dem die Sonne etwa gleichzeitig mit dem Stern Sirius aus dem Sternbild Großer Hund am Morgenhimmel aufgeht. Astronomisch also vom 24. Juli bis 23. August. Früher waren die Hundstage im Volksglauben der Menschen eine unsichere, auch im Wetter unbeständige Zeit.

Kontakt V.i.S.d.P. Holger Braun, De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg

Standesgemäß fuhr Hamburgs zweite Bürgermeisterin im offenen Landauer ins Dorf



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Hallo liebe Kinder,

nun ist bei uns der Rummel mit dem Jubiläum vorbei und es hätte etwas Ruhe einziehen können, da kommt jetzt noch ein Feriengast ins Museum. Ich dachte ich habe, wie ihr, nun auch Ferien. Aber daraus wurde nichts, denn der Gast war zwei Wochen bei mir. Ich musste ihm alles zeigen und erklären. Er kannte sich auf einem Bauernhof nicht aus. Dann hatte

er auch noch vor Allem und Jedem Angst. Wenn neben ihm der Hahn gekräht hat, ist er fast umgefallen vor Schreck. Da lachten schon die Hühner. Auch mussten wir morgens und abends einen Spaziergang durch die Horst machen. Nun ist er wieder weg und ich vermisse ihn ein wenig, denn ich habe einen Freund gefunden. PluBis bald euer Loki to, der Berner Sennenhund.



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HEIMAT ECHO

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14. August 2013 | Nr. 33

Nachrichten aus dem Museumsdorf Volksdorf Weißwäsche und Waschbrett

Großes Flachsfest im Museumsdorf Liebe Leserinnen und Leser, nach dem Höhepunkt und der Halbzeit des Jubiläumsjahres beim großen Kostümfest Johannishöge und der Abschiedsfeier für Karina Beuck kehrt auch jetzt nur eine kurze Sommerpausenruhe im Dorf ein. Denn schon bald locken das große Flachsfest, dann unsere heiße Teilnahme am Kaltbluttag in Mollhagen mit Friederike, Jessica, Urson und Umberto, angefeuert von den Fans aus Volksdorf, das Jubiläumskonzert mit Bauernkantaten und Bürgermusik aus dem 18. Jahrhundert und darauf schon der spätsommerlich-frühherbstliche Bauernmarkt. Auch auf die regelmäßig stattfindenden Führungen im Dorf und zu heimatkundlichen Themen und die Plattdeutsch-Treffen wird hier hingewiesen. Schöne Sommerwochen! Ihr Jürgen Fischer

Museumspferde unterwegs Wer unsere Museumspferde wieder einmal richtig in Aktion sehen möchte, hat dazu beim 9. Kaltbluttag in Mollhagen Gelegenheit. Unser Frauengespann, bestehend aus Jessica und Friederike, wird beim Pflügewettbewerb versuchen, sich in dieser Männerdomäne zu behaupten. Bei der Zugleistungsprüfung können unsere beiden Jungs zeigen, wie stark

16. Volksdorfer Bauernmarkt Am Sonntag, den 22.09.2013, findet wieder von 10 bis 17 Uhr der beliebte Bauernmarkt auf dem Gelände des Museumsdorfs statt. Es gibt Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Honig,

Brot – die neue Ernte frisch vom Erzeuger. Der Eintritt, der der Erhaltung des Museumsdorfes dient, beträgt 1,00 Euro, Kinder bis zu einer Größe von 1,49 Meter sind frei.

Veranstaltungen rund um das Museumsdorf Führungen durch die Häuser des Museumsdorfes: November bis März immer sonntags um 15 Uhr, von April bis Oktober freitags bis sonntags jeweils 15 Uhr, in den Sommer und Herbstferien auch dienstags bis donnerstags. Andere Termine nach Vereinbarung mit der Geschäftsstelle während der Bürozeiten per Telefon (040 / 603 90 98) oder per Fax (040 / 64 42 19 66). Der Plattdüütsch Krink mit Frauke Baumeister findet regelmäßig am 3. Mittwoch im Monat um 18:30 Uhr im Wagnerhof statt. Die nächsten Treffen sind am 21.08.2013 und 18.09.2013, jeweils um 18:30 Uhr. Emmis Krämerladen und der Ausschank im Wohnteil der alten Schmiede sind Dienstag, Donnerstag und Sonnabend von 14:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Heimatkundlicher Gesprächskreis im Spiekerhus mit Dr. Joachim Pohlmann jeden ersten Mittwoch im Monat um 15:00 Uhr. Die nächste Veranstaltung findet am 04. September 2013 statt. Heimatkundlicher Spaziergang mit Dr. Joachim Pohlmann zum Thema „Die Streitige Grenze zwischen Volksdorf und Bergstedt“ am Sonnabend, 17.08.2013 von 15 bis 17 Uhr. Treffpunkt: U-Bahnhof Buckhorn. Der Spaziergang endet am U-Bahnhof Volksdorf. Sonnabend, 07.09.2013 von 15 bis 17 Uhr Thema „Einige Volksdorfer Schulen“, Treffpunkt Museumsdorf Eingangsbereich Großes Flachsfest im Museumsdorf: Alles über Wolle, Leinen, Seide, Flachs, Wäsche, Kleidung, Reinigung, Nähmaschinen, Bügeleisen, Redewendungen und Modenschau. Sonntag 25. August, 2013, 11 – 17 Uhr. Kaltbluttag Mollhagen: Wettbewerbe im Pflügen und Lastenziehen, Hindernisparcours für Gespanne, Quadrillien. Sonntag, 08.09.2013, 11 bis 17 Uhr, Fahrstall Hermann Drechsler, Fasanenweg 54, 22964 Mollhagen Jubiläumskonzert „Bürger trifft Bauer“: Freitag, 20.09.2013, 20:00 Uhr im Wagnerhof das Ensemble Merlini spielt Musik aus dem 18. Jahrhunderts von Georg Philipp Telemann und Zeitgenossen. Bauernmarkt Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Honig, Brot – die neue Ernte frisch vom Erzeuger. Sonntag 22.09.2013, 10 bis 17 Uhr.

sie sind. Und wer Kaltblütern kein Temperament zutraut, kann beim Hindernisparcours erleben, mit welchem Tempo die Gespanne über Brücken und durch Wassergräben fahren. Sonntag, 08.09.2013, 11 bis 17 Uhr, Fahrstall Hermann Drechsler, Fasanenweg 54, 22964 Mollhagen

Jubiläumskonzert Bürger trifft Bauer Am Freitag, den 20. September 2013, findet um 20:00 Uhr im Wagnerhof das Konzert „Bürger trifft Bauer“ mit dem Ensemble Merlini unter der Leitung von Petra Bensieck statt. Gespielt wird Musik aus dem Hamburg des 18. Jahrhunderts, Kompositionen von Georg Philipp Telemann und seinen Zeitgenossen. Eintritt: 15,00 Euro, ermäßigt 12,00 Euro, Vorverkauf: Geschäftsstelle im Spiekerhus und in der Buchhandlung Ida v. Behr. Restkarten an der Abendkasse

Wer kennt den langen Weg von der Flachspflanze zum Leinenstoff? Haben Sie schon einmal etwas durchgehechelt und warum wurde Leinen früher mit Gold aufgewogen? Was hat das alles mit dem „alten Knacker“ zu tun? Diese und viele andere Fragen beantworten wir beim großen Flachsfest. Am Sonntag, den 25. August 2013, dreht sich bei uns von 11 bis 17 Uhr alles um Leinen, Wolle, Seide und Wäsche. Hier können Sie im wahrsten Sinne des Wortes begreifen, wie viel Arbeit nötig ist, um 100 g feinste Fasern zu bekommen. Es wird gewebt und geklöppelt und wir zeigen die Schätze unseres Weißwäschezimmers, denn Leinen gehörte früher zur Ausstattung der Bräute. Eine Modenschau mit Unterwä-

und die Volksdorfer Dorfmusikanten. Die Kaffeestuuv im Wagnerhof, die Spiekerschänke in der Durchfahrtscheune sowie das Backhaus versorgen Sie mit Speis und Trank. Eintritt: Familien 9,50 Euro, Erwachsene 5 Euro, Schulkinder 1 Euro. Mitglieder haben gegen Vorlage ihrer Mitgliedskarte freien Eintritt! Weitere Informationen auf unserer Internetseite.

Kontakt V.i.S.d.P. Holger Braun, De Spieker e.V. Trägerverein des Museumsdorfs Volksdorf Im Alten Dorfe 46-48 22359 Hamburg Tel: 603 90 98 Fax: 64 42 19 66 Geschäftszeiten: dienstags 9 - 12 Uhr donnerstags 10 - 12 Uhr

Lichtbilder zur Rettung der Kunstkate Am Dienstag, 3. September 2013, 19 Uhr, lädt der Verein de Spieker zu dem Lichtbildvortrag „Volksdorf einst und jetzt“ in den Wagnerhof des Museumsdorfs ein. Der Eintritt ist frei, aber: Spenden sind ausdrücklich erwünscht, denn der frisch gegründete „Kulturkreis dieKate e.V.“ möchte die „KunstKate“, das erhaltenswürdige Ferck’sche Gesindehaus Ecke Eulenkrugstraße / Holthusenstraße kaufen und denkmalschutzgerecht sanieren. Mit diesem Benefizabend möchte der Spieker dieses Engagement unterstützen.

sche, Matrosenanzügen, Kleidern und Alltagsbekleidung für Kinder und Erwachsene zeigt, wie man sich früher kleidete. Wie hat sich die Nähmaschine entwickelt und wie wurden Bügeleisen erwärmt? Wie funktioniert ein Waschbrett? Für den Waschtag holen wir das Wasser aus dem Brunnen und zeigen es Ihnen. Welche Märchen, Sprichwörter und Redensarten, zu diesem Themenbereich gehören, erfahren Sie ebenfalls an diesem Tag. Ein ganz besonderer Höhepunkt wird unsere Seidenstraße sein, mit echten Seidenraupen, Kokons und Seidenverarbeitung. Für Kinder gibt es Sackhüpfen, Eierlaufen und am Handarbeitstisch die Strickliesel. Für Musikalische Unterhaltung sorgen die Volkstanzgruppe Zugvogel

Die nächste Spiekerseite erscheint im Heimat-Echo am 18. September 2013 ^^^T\ZL\TZKVYM ]VSRZKVYMKL LTHPS!WYLZZLZ[LSSL' T\ZL\TZKVYM]VSRZKVYMKL



Hallo liebe Kinder,

so langsam wird Egbert wirklich wunderlich. Vor ein paar Wochen hat er dringend auf einen Brief aus Italien gewartet und als der endlich kam, waren da nur 100 winzig kleine Kugeln drin. Die hätte ich ihm auch einfach vom Bäcker holen können, solche sind nämlich auf den Mohnbrötchen drauf. Zack, fertig ist die Laube. Egbert hat mir erklärt, dass es Eier von Seidenraupen sind, die man am Flachsfest bei der

Arbeit beobachten kann. Das ist mir (seiden-)schleierhaft, aber aus den Kügelchen sind tatsächlich schon Raupen geschlüpft. Die machen viel Dreck und müssen alle vier Stunden mit Blättern von den Maulbeerbäumen gefüttert werden, die Karina und Egbert schon vor drei Jahren gepflanzt haben. „In weiser Voraussicht“, sagt Egbert. Was daraus wird, könnt ihr euch am 25. August beim Bis dahin! Flachsfest anschauen.



Euer Loki

 Redaktions-Service-Seite vom HEIMAT ECHO für alle Freunde des Volksdorfer Museumsdorfes 115

Autoren Olaf Andersen Geb. 1926 in Hamburg, seit 1930 wohnhaft in Volksdorf. Von 1933-46 Walddörferschüler, dazwischen 2 Jahre (43-45) Flakhelfer, Arbeitsmann (RAD) und Soldat. Anschließend Studium der Naturwissenschaften in Hamburg. Von 1957-91 Lehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium Lerchenfeld, von 1980 an als stellv. Schulleiter. Seit 1959 verheiratet: 3 Kinder, 7 Enkelkinder. Ab 1966 Mitglied im Verein De Spieker. Seit 1977: Hobby „Laufen“; von 1986-2000 Teilnahme an 28 Marathons; ab 2011 nur noch zügiges Gehen.

Roland Balke Jahrgang 1940, geb. in Hamburg und aufgewachsen im Wensenbalken. Berufsausbildung zum Garten- und Landschaftsarchitekten, begonnen mit der Gärtnerlehre in Wandsbek, fortgesetzt mit fünf Gehilfen- und Wanderjahren in Wuppertal und Zürich, der Meisterprüfung in Essen und dem dreijährigen Ingenieurstudium im Rheingau. Tätig bis zum vollendeten 65. Lebensjahr als Gartenbauingenieur im öffentlichen Dienst in Hamburg. Verheiratet seit 1967 mit Dagmar (Gartenbauingenieurin). Familie mit drei Kindern, wohnhaft auf dem Grundstück der Eltern Otto und Gertrud Balke im Wensenbalken.

Karina Beuck Geb. 1954 in Hamburg-Volksdorf. Nach dem Abitur am Walddörfer Gymnasium 1973 zwei Semester Pädagogik an der Uni Hamburg, anschließend Studium der Agrarökonomie in Kiel, danach Banklehre. Ein Vierteljahr Aufenthalt in den USA; Zeitarbeit. – Heirat 1979, zwei Söhne. Seit 1995 sechs Jahre Teilzeitarbeit in der Walddörfer Buchhandlung. Seit 2001 ehrenamtliche Mitarbeit im Spieker, besonders in den Bereichen Veranstaltungen und Museumspädagogik, von 2002 bis 2009 Projektleitung („Arbeit für starke “). Zweite Vorsitzende seit 2005. Ab 2010 Mitarbeit am Aufbau des Projekts „Menschen brauchen Landwirtschaft“.

Wulf Denecke Geb. 1934 in Hamburg. Nach dem Abitur 1954 Germanistik- und Biologiestudium in Hamburg und Freiburg i. Br. Von 1961 – 1997 Lehrer für die Fächer Deutsch, Psychologie und Biologie an der Walddörferschule und am Gymnasium Buckhorn. Ehrenamtliche Mitarbeit in Naturschutzverbänden, der Gesellschaft für bedrohte Völker und der Janusz-Korczak-Gesellschaft; langjähriges Mitglied im Bundesvorstand der Deutschen Umwelthilfe. 2000-2009: Mitglied im Vorstand des „Spieker“. – Veröffentlichungen zu pädagogischen, natur- und heimatkundlichen Themen.

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Jürgen Fischer Geb. 1943 in Naklo (Polen), seit 1945 in Hamburg. Nach dem Abitur 1962 Studium der Germanistik und Geschichte in Hamburg. Seit 1970 Lehrtätigkeit am Walddörfer-Gymnasium, dort 1981 – 2008 Schulleiter. – Ehrenamtliche Mitarbeit im Vorstand des Kulturkreises Walddörfer und im Vorstand des Ehemaligenvereins des Walddörfer-Gymnasiums. Mitarbeit in der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg. Seit 2005 Mitglied im Spieker, ab 2009 Erster Vorsitzender des Vereins „DE SPIEKER“.

Gerhard Hauer Geb. 1946 in Hamburg, zweisprachig aufgewachsen (hochdeutsch und plattdeutsch). Lehre als Zimmerer, danach Fachschulreife. Bei der Bundeswehr Einstieg in die EDV. Nach Ende des Wehrdienstes Ausbildung zum EDV-Arbeitsvorbereiter. Nach über 15 Jahren als Leiter der Arbeitsvorbereitung im IT-Bereich einer namhaften Hamburger Versicherung Eintritt in den Ruhestand. Heute wieder als Zimmerer im Museumsdorf tätig.

Rainer Hoffmann Geb. 1941. Nach dem Schulbesuch Lehre als Starkstromelektriker und kurze Tätigkeit als Monteur bis zur Ableistung des Militärdienstes 1962. Ab 1964 bis 1977 Berufstätigkeit als Hamburger Polizeibeamter, gleichzeitig Besuch des Abendgymnasiums. Danach Studium der Politologie, Pädagogik und Sportwissenschaften in Hamburg. Ab 1977 Schuldienst an Hamburger Schulen, zuletzt als Schulleiter der Gesamtschule Poppenbüttel. – Veröffentlichungen von Fachartikeln in naturwissenschaftlichen und pädagogischen Zeitschriften. Seit 2003 Veröffentlichungen in den Jahrbüchern des Alstervereins. 2012 Promotion in Hamburg (FB Geschichte).

Peter Lamp Geb. 1949 in Hamburg. Nach Besuch des AlbrechtThaer-Gymnasiums Ausbildung in der Hamburgischen Verwaltung, dort bis 2012 überwiegend in der Schulbehörde tätig, zuletzt beim Schulinformationszentrum. 2007 Umzug nach HamburgMeiendorf, seit 2009 Mitglied beim SPIEKER, jetzt u. A. aktiv mit Führungen durch das Museumsdorf, im Plattdüütsch Krink und in der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere als Fotograf und Redakteur für die Internetseite des Museumsdorfs (www.museumsdorf-volksdorf.de).

Helmer-Christoph Lehmann Geb. 1935 in Berlin. Lebt mit seiner Frau seit 1964 in Volksdorf, zuerst als Gemeindepastor in der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Volksdorf (1964 – 2000) und später auch als Propst im Kirchenkreis Stormarn (1972 – 2000). Engagiert im Kulturkreis Walddörfer als Mitbegründer, z. Zt. als 1. Vorsitzender und an der Umsetzung des Bürgerbegehrens, die Ohlendorff´sche Villa (ehemaliges Ortamt), Im Alten Dorfe, als Kultur- und Begegnungsstätte für die Öffentlichkeit zu erhalten.

Jürgen Moltmann Geb. 1926. War nach Stationen in Wuppertal und Bonn von 1967 bis 1994 Professor für Systematische Theologie an der Universität Tübingen. Prägte die Geschichte der Theologie in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Das umfangreiche Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und in der ganzen Welt verbreitet.

Dr. Christoph Semisch geb. 1955. Schulbesuch in Volksdorf, Abitur 1974 am Walddörfer Gymnasium. Klavierunterricht seit dem 11. Lebensjahr, seitdem nicht mehr davon losgekommen. Studium der Chemie in Hamburg, Promotion in Organischer Chemie 1986. Danach Tätigkeiten in Abfallwirtschaft und Recycling. Derzeit wissenschaftlicher Leiter bei EPEA Internationale Umweltforschung in Hamburg. In der Volksdorfer Musikszene aktiv als Chorsänger, Pianist und Musikmanager – seit 1998 Im Vorstand des Vereins „Konzerte junger Künstler im Spiekerhus“, seit 2004 dessen 1. Vorsitzender.

Thomas Voigt Geb. 1958, aufgewachsen in Volksdorf. Nach dem Besuch des Gymnasiums Buckhorn und dem Studium der Fächer Deutsch und Soziologie in Hamburg Redakteur bei der Segeberger Zeitung, den Kieler Nachrichten und der Funk Uhr, danach Chefredakteur der Fachzeitschrift „110“, Redaktionsleiter beim Hamburger Wochenblatt Verlag und bei der Glinder Zeitung. Gegenwärtig Redakteur bei der Bergedorfer Zeitung.

Michael Rademann Geb.1960 in Hamburg. Studium zum Bioingenieur (Dipl. Ing Umwelttechnik) in Bergedorf. Seit 2008 Mitarbeiter im Landesverband Hamburg der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Mitarbeit in der AG Naturschutz Hamburg, Leiter des vogelkundlichen Stammtisches und Vogelexperte der SDW. Lebt seit 25 Jahren in Volksdorf; verheiratet, 3 Kinder.

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Inserentenverzeichnis Die Unternehmen, die die Herausgabe des Jahrbuches durch Anzeigen unterstützt haben, sind auf den folgenden Seiten zu finden: Alte Apotheke Volksdorf . . . . . . . . . . . . . 119

Friseursalon Elvira Martens . . . . . . . . . . . . 13

Apotheke am Bahnhof Volksdorf. . . . . . . . . . 61

Petschallies – Ihr kompetenter Autopartner . . . . .9

Elektrohaus Volksdorf Bellieno . . . . . . . . . . 67

Gärtnerei Piepereit . . . . . . . . . . . . . . . . . .2

Dr. Karl-Heinz Belser – Rechtsanwalt . . . . . . . 48

Residenz am Wiesenkamp . . . . . . . . . . . . . 19

Marlies Belser – Rechtsanwältin . . . . . . . . . . 61

Schnoor & Partner . . . . . . . . . . . . . . . . . 71

Bergstedt Saaten e.V. . . . . . . . . . . . . . . . . 48

Schröder & Partner . . . . . . . . . . . . . . . . 71

Hair Art . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

Simon Frischemarkt . . . . . . . . . . . . . . . . .9

Hamburger Sparkasse Volksdorf . . . . . . . . . . 97

Spangenberg + Schneider Heizungstechnik . . . . 61

Peter Heyn AutoService . . . . . . . . . . . . . . .4

SPD Volksdorf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95

Thilo Kleibauer – CDU . . . . . . . . . . . . . . . 83

Thalia Buchhandlung . . . . . . . . . . . . . . . 77

Pflanzen Kölle . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120

Vinum Weinhandel . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

Bürobedarf Lerbs. . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Frank Wagner Haus Volksdorf . . . . . . . . . . . .4

Lohnsteuerhilfe Bayern. . . . . . . . . . . . . . . 66

Walddörfer Sportverein . . . . . . . . . . . . . . 19

Ernst Luther Tischlerei. . . . . . . . . . . . . . . 49

Witthöft Immobilien . . . . . . . . . . . . . . . . 49

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Unsere Wurzeln sind in Volksdorf. Seit 1931 Tür an Tür mit dem Museumsdorf Volksdorf.

Im Alten Dorfe 38 · 22359 Hamburg · Telefon: 040/603 44 16 119

Pflanzen

Wohnen

Leben

Die Lust am Leben mit Grün wird oft erst bewusst, wenn Begrünungen durchgeführt wurden. Danach sind sie nicht mehr weg]udenNen und ein /eben ohne 3Àan]en Naum vorstellbar. Sie sind Balsam für die Seele und strahlen durch ihr saftiges Grün Frische und 5einheit aus. 1achweislich bereichern 3Àan]en

22359 Hamburg-Volksdorf Eulenkrugstraße 190 Tel. 040 - 53 30 449 0

die Luft mit Wasserdampf und erhöhen somit die Luftfeuchtigkeit im Raum, mindern die Geräuschbelastung, nehmen schädliche Stoffe auf und bauen diese ab, verringern Stresssymptome und fördern die .on]entrationsfähigkeit. 3Àan]en sind wahre Alleskönner!