Jahresbericht - Caritas international

Jahresbericht - Caritas international

01_Titel 28.06.16 11:49 Seite 1 Jahresbericht 2015 Unsere weltweite Arbeit 2 Caritasinternational Jahresbericht 2015 Inhalt Vorwort Zum Geleit...

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01_Titel 28.06.16 11:49 Seite 1

Jahresbericht 2015

Unsere weltweite Arbeit

2

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Inhalt

Vorwort Zum Geleit

3

4

Katastrophenhilfe Syrien und Irak Flucht vor dem endlosen Krieg

8

Kolumbien Ein Plan für das Leben

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Südsudan Mit dem Krieg kam der Hunger

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Nepal »Wiederaufbau ist ein riesiges Unterfangen«

14

Pakistan, Indien, Myanmar Fluten und Erdrutsche in Asien

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Ukraine »Unser Haus liegt in Trü̈mmern«

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Soziale Arbeit weltweit Interview Wasser – ein Menschenrecht

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Projekte I Die Bedürftigsten zuerst

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Soziale Arbeit in Peru, Kongo, Russland, Südafrika und Brasilien Projekte II Schutzräume für Kinder

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Die Caritas in Bangladesch, Russland, Kongo, Ukraine und Brasilien Projekte III Aktive Teilhabe durch Inklusion

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Beispiele aus Ägypten, El Salvador, Indonesien und Sierra Leone

Wir über uns Aktivitäten und Aktionen

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Spenderkommunikation »Keine Einbahnstraße«

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Spender in Aktion Ideenreich für Menschen in Not

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Der Verband Organe und Struktur

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Zahlen und Fakten Geleistete Hilfen I Nach Ländern und Kontinenten

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Geleistete Hilfen II Nach Arbeitsbereichen und Förderern

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Bilanz I Verwaltungs- und Werbekosten

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Bilanz II Kosten-Erlös-Rechnung

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Ausblick Ziele und Strategien

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Impressum

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Caritasinternational Jahresbericht 2015

04-07_Vorwort_JaBe15 28.06.16 12:01 Seite 1

Vorwort

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Zum Geleit

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde und Förderer von Caritas international, das vergangene Jahr 2015 stand ganz im Zeichen globaler Krisen, die Auslöser waren für massenhafte Flucht und Vertreibung. Hunderttausende Menschen vor allem aus den Bürgerkriegsregionen in Syrien und im Irak entflohen der Gewalt, verließen ihre Heimat und suchten Schutz im Exil. Anders als in den Jahren zuvor führten die Eskalation des Krieges in Syrien und in Teilen des Irak, die zunehmenden Luftangriffe, die Gewalt islamistischer Terroristen und die mit all dem verbundene Perspektivlosigkeit jedoch dazu, dass immer mehr Flüchtlinge nicht in den Nachbarländern blieben, sondern sich auf den Weg machten Richtung Europa. Übervolle Flüchtlingslager in Jordanien, im Libanon und in anderen Nachbarstaaten und die fehlende Aussicht auf baldige Rückkehr ließen sie weiterziehen – zunächst in die Türkei und nach Ägypten, später nach Griechenland und immer häufiger auch nach Deutschland. Waren 2013 hierzulande noch gut 127.000 Asylanträge gestellt worden, stieg die Zahl 2014 schon auf mehr als 200.000. Im vergangenen Jahr dann waren es über eine Million Menschen, die Zuflucht in Deutschland suchten.

DAS JAHR 2015 IN BILDERN

Januar

© Jürgen Escher

Fünf Jahre nach dem Beben in Haiti: Caritas international zieht eine positive Bilanz seiner Projekte in Haiti und wird ihre Partner auch weiterhin unterstützen. „Wir wissen, dass es einen langen Atem braucht. Wir werden die Menschen in Haiti nicht im Stich lassen", sagt Caritas-Präsident Peter Neher.

Vorwort

Engagement gegen den Einsatz von Kindersoldaten: Anlässlich des Tags gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar fordert Caritas international stärkere Anstrengungen im Kampf gegen deren Rekrutierung. In ihren Projekten setzt die Caritas auf Aufklärung, medizinisch-psychologische Betreuung und auf Wiedereingliederung in Familien.

März

© Caritas international

© Ole Schmidt

Februar

Nothilfe nach Wirbelsturm im Pazifik: Nach dem Wirbelsturm Pam, der im Inselstaat Vanuatu verheerende Schäden angerichtet hat, beteiligt sich Caritas international an der Soforthilfe. Pam war mit einer Geschwindigkeit von 250 km/h über den Pazifikstaat hinweggezogen.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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5

Schweres Erdbeben erschüttert Nepal: Nach dem schweren Erdbeben am 25. April in Nepal mit über 8.000 Todesopfern und 18.000 Verletzten leitet die Caritas die Soforthilfe ein. Allein in den ersten drei Monaten nach dem Beben konnte die Caritas fast 200.000 Betroffenen helfen.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

© Caritas international

April

Flüchtlinge ertrinken im Mittelmeer: „Die erneute Katastrophe vieler Hundert ertrunkener Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer muss endlich dazu führen, dass die EU ihre Flüchtlingspolitik überdenkt und neue Wege geht“, fordert Caritas-Präsident Peter Neher.

Mai

© Eoghan Rice

© Stefan Teplan

Damit sind die Folgen von fünf Jahren Krieg in Syrien, von bewaffneten Konflikten und Unterdrückung im Irak, in Afghanistan, in Pakistan und in zahlreichen Ländern Afrikas auch für uns in Deutschland nicht mehr zu übersehen. Die meisten Menschen begegnen den ankommenden Flüchtlingen gleichermaßen mit Empathie und Gastfreundschaft. Tausende Unterstützerinnen und Unterstützer – nicht zuletzt auch aus unserer Kirche mit ihrer Caritas – engagieren sich für die hilfesuchenden Menschen, bieten Unterkünfte, sammeln und verteilen Kleidung, unterrichten und beraten – und helfen ihnen so, Fuß zu fassen in der Fremde. Doch leider gibt es auch eine andere, eine ablehnende Haltung, die den Flüchtlingen entgegenschlägt. Sie drückt sich in extremer Art und Weise in der steigenden Zahl von Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte auf, die sich 2015 laut Bundeskriminalamt auf mehr als 1.000 gegenüber dem Vorjahr verfünffacht hat. Dieser und jeder anderen Form von meist rechtsradikaler Gewalt gilt es entschieden entgegenzutreten. Gleichzeitig muss ein gesellschaftlicher Dialog darüber geführt werden, wie in einer globalisierten und damit enger zusammenrückenden Welt Solidarität, gegenseitige Verantwortung und ein besseres Miteinander möglich werden. Papst Franziskus hat mit seiner Enzyklika „Laudato si’ – Über die >>

Juni Caritas fordert Taten gegen den Klimawandel: Der Deutsche Caritasverband begrüßt die Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus vom 18. Juni als „ein unmissverständliches Zeichen an die Politik, beherzter gegen die Ursachen des weltweiten Klimawandels vorzugehen“.

Vorwort

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Vorwort

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Zum Geleit

Sorge für das gemeinsame Haus“ eine richtungsweisende Position formuliert: „Wir mü̈ssen uns stärker bewusst machen, dass wir eine einzige Menschheitsfamilie sind. Es gibt keine politischen oder sozialen Grenzen und Barrieren, die uns erlauben, uns zu isolieren, und aus ebendiesem Grund auch keinen Raum fü̈r die Globalisierung der Gleichgü̈ltigkeit.“ (52) Die Verantwortung für das „gemeinsame Haus“, die der Papst mit Nachdruck einfordert, gilt gleichermaßen in Bezug auf die Notlage der Flüchtlinge wie auf alle sozialen und ökologischen Krisen. Papst Franziskus verbindet in der Enzyklika die Themen Umweltzerstörung und Klimawandel mit einer Kritik an den weltweit bestehenden sozialen Ungerechtigkeiten und fordert aus ökologischer wie auch aus sozialer Notwendigkeit einen Wandel des Lebensstils insbesondere in den reichen industrialisierten Ländern. Wie sehr der ständig wachsende Ressourcenverbrauch der Industriestaaten Einfluss auch auf weit entfernte Regionen nimmt, erfährt auch Caritas international immer häufiger. So hat sich die Anzahl von Naturkatastrophen in den vergangenen zwanzig Jahren weltweit verdoppelt – nicht zuletzt aufgrund von Klimaveränderungen. Jede Sekunde wird ein Mensch durch eine Naturkatastrophe gezwungen, sein Zuhause zu verlassen. Die Dürren in Ostafrika und die durch Starkregen ausgelösten Überschwemmungen in Südasien lassen Katastrophenhilfe in diesen Regionen zur Regel werden.

Juli Sommeraktion gegen das Vergessen: Die gemeinsame Sommeraktion von Caritas international und Diakonie Katastrophenhilfe – „Die größte Katastrophe ist das Vergessen" – erinnert in diesem Jahr an die verzweifelte Lage der Menschen in Syrien und im Irak.

Vorwort

August

© Wolfgang Duschl

Fluten in Pakistan, Indien und Myanmar: „Ganze Dörfer wurden weggeschwemmt, Dämme sind gebrochen,“ berichtet Amjad Gulzar, Direktor der Caritas Pakistan, die gemeinsam mit indischen Partnern und unterstützt durch Caritas international Hilfe leistet (siehe S. 16).

September

© Caritas international

© Christoph Pueschner

DAS JAHR 2015 IN BILDERN

Aktionsbündnis für Flüchtlingshilfe: Im Rahmen der ZDFSendung „Menschen auf der Flucht – Deutschland hilft!“ dankt das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe den Menschen in Deutschland für ihre große Bereitschaft, Flüchtlingen beizustehen.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

04-07_Vorwort_JaBe15 28.06.16 12:01 Seite 4

Die „Sorge für das gemeinsame Haus“ erfordert hier ein schnelles und grundlegendes Umdenken – aus christlicher Nächstenliebe und aus gegenseitiger Verantwortung. Der Deutsche Caritasverband mit seinem Hilfswerk Caritas international wird sich den Aufgaben auch in Zukunft stellen: durch Programme zur Katastrophenvorsorge, durch langfristige Hilfen, durch internationale Kooperationen und auch durch eine engatierte Flüchtlingshilfe im In- und Ausland. Für Ihre Hilfe und Unterstützung dabei bedanken wir uns sehr herzlich!

Anhaltende Dürre in Ostafrika: Nachdem über Monate kein Regen gefallen ist, sind Ende des Jahres allein in Äthiopien knapp achtzehn Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Es ist die schlimmste Dürre seit 30 Jahren.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Dezember

Leuchtende Zeichen für eine bessere Welt: Am 14. November beteiligen sich Caritasverbände und Pfarrgemeinden in 83 Städten an der Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“. Die Spendeneinnahmen gehen unter anderem an Sozialprojekte im bolivianischen El Alto.

© Caritas international

November

© Caritas international

Oktober

Dr. Oliver Müller Leiter Caritas international

Prälat Dr. Peter Neher Präsident des Deutschen Caritasverbandes

© Wilfredo Limachi

Erdbeben am Hindukusch: Ein schweres Erdbeben kostet in Pakistan, Afghanistan und Indien mehr als 300 Menschenleben, Tausende werden verletzt. Starker Regen und dadurch ausgelöste Erdrutsche erschweren die Hilfen.

© Caritas international

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Vorwort

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten

Syrien / Irak

Flucht vor dem endlosen Krieg Der seit fünf Jahren andauernde Bürgerkrieg in Syrien treibt immer mehr Menschen in die Flucht. Viele von ihnen bleiben in der Nähe ihrer Heimat: Sie leben als Binnenvertriebene in anderen Regionen Syriens oder sie suchen Schutz in Jordanien, dem Libanon oder der Türkei. Doch im letzten Jahr machten sich mehr Flüchtlinge als je zuvor auf den Weg auch nach Europa. Die Caritas hilft ihnen in den Bürgerkriegsregionen und auf der Flucht.

A

leppo, die einstige Millionenstadt im Norden des Landes, ist zum Synonym für den Krieg in Syrien geworden, zum Kulminationspunkt von Gewalt, Zerstörung und Perspektivlosigkeit. Hunderttausende sind vor Bombenhagel, Terror und Hunger geflohen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen harren 300.000 Menschen in der umkämpften Stadt aus. Vor dem Krieg lebten hier einmal 2,5 Millionen. Die Universitätsstadt, die nur wenige Kilometer vom Mittel-

meer und von der türkischen Grenze entfernt liegt, galt als Brücke zwischen arabischer und christlicher Welt. Etwa 20 Prozent ihrer Bewohnerinnen und Bewohner gehörten verschiedenen christlichen Kirchen an. Hier lebten arabische und kurdische Bevölkerung jahrhundertelang nebeneinander. Nach mehr als fünf Jahren Krieg gleichen Aleppo und andere syrische Städte wie Homs oder Deir ez-Zor Trümmerlandschaften, in der völlig zerstörten

© Ben White

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Dem Krieg entflohen: Flüchtlinge werden an der griechischen Küste von Caritas-Helfern empfangen.

Katastrophenhilfe Flucht und Vertreibung

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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Syrien, Libanon, Jordanien, Irak: Die Hilfen der Caritas TÜRKEI

• Aleppo • Latakia

Qamishli • Mossul •

IRAN

• Erbil • Kirkuk

SYRIEN

Infrastruktur ist ein Leben kaum mehr möglich. Tartus • • Homs LIBANON Aleppo, lange Zeit ein Zentrum der demokratisch aus• Libanon-Gebirge Beirut • Bagdad • gerichteten Opposition, wurde zunächst von Regie★ Damaskus rungstruppen angegriffen. Immer wieder drangen auch Irbid • • Mafraq IRAK Truppen des „Islamischen Staats“ (IS) und anderer is• Amman lamistischer Gruppierungen in die Region vor. Die PräISRAEL senz vieler Kriegsparteien machte die Provinz Aleppo JORDANIEN SAUDI-ARABIEN mehr und mehr zum Ziel von Luftangriffen sowohl der internationalen Allianz gegen den IS als auch durch die syrische, russische und türkische Luftwaffe. Syrien & Irak Nothilfe für Vertriebene und Konfliktopfer Wer kann, entflieht diesem Vielfrontenkrieg. Der 31Eingesetzte 2,3 Mio. in Syrien jährige Shiar S., der an der Universität in Aleppo engliMittel 2015 3,66 Mio. im Irak sche Literatur studiert und 2010 seinen Abschluss geMaßnahmen Humanitäre Hilfe sowie mediz. Hilfen u. macht hatte, sollte zu Beginn des Krieges zum Militär & Wirkung Hilfen zum Schulbesuch, Traumaarbeit u.a. eingezogen werden. Als Kurde wollte er nicht aufseiAnrainer Nothilfe für Flüchtlinge ten des syrischen Staates kämpfen. Und als der „IslaEingesetzte 9,2 Mio. Euro, davon 850.000 Euro vom mische Staat“ in der Region stärker wurde, stand er Mittel 2015 Auswärtigen Amt zwischen den Fronten. Ihm blieb nur die Flucht – zuMaßnahmen Nothilfe für Flüchtlinge in Jordanien, Türkei, nächst in die Türkei. In Istanbul arbeitete er als Eng& Wirkung Libanon / Versorgung von über 500.000 lischlehrer und unterstützte die dortige Caritas. Als Flüchtlingen (seit 2011) u.a. mit Lebensmitseine Heimatstadt mehr und mehr unter Raketenbeteln u. Notunterkünften / Bildungsprgramme. schuss kam, wurde das Leben in Aleppo auch für Perspektive Fortführung der HIlfen mit Spenden aus seine Familie unmöglich. Seine Eltern und Geschwister 2015 von 2,8 Mio. Euro sowie aus kirchlichen und öffentlichen Mitteln. folgten ihm in die Türkei. Als Ausländer aber hatten sie keine Aussicht auf Arbeit und Bleiberecht. „Als wir sa2.000 Familien werden Unterkunft und Sanitäreinrichhen, was in Syrien passierte, realisierten wir, dass eine tungen ausgebessert. Caritas international ist vor albaldige Rückkehr unmöglich war“, berichtet Shiar S.. lem in der Hauptstadt Damaskus und im Grenzgebiet „Wir sahen im Fernsehen, wie unsere Heimat zerstört zur Türkei und zum Nordirak, mit den Städten Haswurde. Es war schockierend. Und so beschlossen wir, saké und Qamishli, tätig, sowie in Aleppo und der Redorthin zu gehen, wo es bessere Rechte gab.“ Sie gion Al-Jazeera im Nordosten Syriens. Auch dort leiswagten also den gefährlichen Weg nach Europa. Dazu ten die lokalen Partner – insbesondere die Caritas ließen sie sich zunächst bei der WeltflüchtlingsorganiSyrien – Nothilfe: mit Lebensmitteln, sation UNHCR als Flüchtlinge registrieSchulbeihilfen, medizinischer Versorren und bezahlten mehr als 1.000 Euro gung. Der humanitäre Bedarf in Syrien ist pro Person an Schlepper, die sie nach » Wir sahen im immens, aber aufgrund der äußerst Griechenland brachten. Fernsehen, wie schwierigen Bedingungen und der erDas Schicksal von Shiar S. und seiunsere Heimat heblichen Risiken für die lokalen Mitarner Familie teilen viele syrische Flüchtzerstört wurde « beitenden kann nur eine begrenzte Zahl linge. Viele Menschen blieben wie die von Menschen im Land erreicht werden. Eltern und die Schwester von Shiar S. Diejenigen, die aus Syrien fliehen mussten, fanden lange Zeit im Land – in der Hoffnung, dass der Krieg zunächst in den Nachbarländern Zuflucht – eine Million bald enden möge. Caritas international tut das Mögvon ihnen in Libanon. Das Land, das selbst nur vier lichste, um den Menschen auch innerhalb Syriens zu Millionen Einwohner hat, schaffte es über Jahre, die helfen. Etwa in den Flüchtlingscamps an der Grenze Hilfssuchenden aufzunehmen und mit dem Nötigsten zur Türkei: In Zusammenarbeit mit dem Welternähzu versorgen. Caritas international unterstützt die rungsprogramm bekommen dort 10.000 Familien von Menschen seit Beginn der Syrien-Krise und dem Einder Caritas Nahrungsmittelpakete. Weitere 4.000 Fatreffen der ersten Flüchtlinge durch Hilfen zum Lemilien erhalten Gutscheine für Haushaltsutensilien und bensunterhalt, durch Winterhilfen, bei der Suche nach 1.000 für Babynahrung, Windeln und Kleider. Bei

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Katastrophenhilfe Flucht und Vertreibung

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten

Mobile Hilfen: Im Nordirak verteilt die Caritas Lebensmittelpakete an syrische Flüchtlinge.

Libanon im vergangenen Jahr dramatisch: Das Hilfsprogramm der UN-Welternährungsorganisation WFP musste mangels Zahlungen der Geberländer schon im Januar die Beträge für die syrischen Flüchtlinge im Libanon von 30 auf 19 Dollar pro Person und Monat kürzen, ab Jahresmitte dann gar auf nur noch 13,50 Dollar. Und dies bei ohnehin schon sehr prekären Lebensverhältnissen in den Flüchtlingslagern. Die Schwierigkeiten in den Aufnahmeländern, vor allem aber der nicht enden wollende Krieg in Syrien haben bei vielen Flüchtlingen die Entscheidung reifen lassen, den weiten und gefährlichen Weg nach Europa einzuschlagen. Viele Menschen sehen in der Region keine Perspektiven mehr für sich und ihre Kinder. Ein Neuanfang in der Fremde wurde für Tausende die einzige Option.

möglichst dezentralen Unterkünften, mit Mietbeihilfen und mit Bildungs- und medizinischen Programmen. Auch die Caritas Jordanien setzt gleichermaßen auf akute Hilfen für die Flüchtlinge und auf längerfristige Unterstützung, etwa durch Bildungs- und Ausbildungsangebote. Beispielsweise konnten sich mit Unterstützung der Caritas 200 syrische Flüchtlingsfrauen beruflich weiterbilden – und damit ihre Chancen verbessern, sich ihr eigenes Einkommen zu verdienen. Für die betroffenen Menschen bedeutet dies auch, neue Perspektiven im Exil entwickeln zu können. Denn in den Aufnahmeländern besteht ohne Ausbildung fast keine Chance, Arbeit zu finden. Die Jobs für ungelernte Kräfte in der Landwirtschaft oder im Kleingewerbe sind angesichts großer Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt extrem knapp und völlig unterbezahlt. Aus einem anderen Grund verschlechterte sich die Situation für syrische Flüchtlinge in Jordanien und im

Auf dem Weg nach Europa Shiar S. mit seinen Eltern nach der Ankunft auf Lesbos.

Katastrophenhilfe Flucht und Vertreibung

Sehnsucht nach Aleppo 4,8 Millionen Menschen sind nach Informationen der Vereinten Nationen inzwischen aus Syrien geflohen, weitere 6,6 Millionen flüchteten innerhalb der Staatsgrenzen. Viele von ihnen werden nie in ihre Heimat zurückkehren und sich in den Nachbarstaaten oder in Europa eine neue Exstenz aufzubauen versuchen. Doch für viele andere bleibt die Hoffnung, dass der Krieg irgendwann zu Ende gehen und ein Neubeginn und ein Wiederaufbau möglich werden. Shiar S. träumt davon, dass Aleppo und ganz Syrien dann friedlich, offen, vielfältig und multikulturell sein werden: „Wir lebten in einem reizenden Dorf bei Aleppo. Wenn sich die Situation verbessert, möchte ich dorthin zurückkehren. Ich möchte Neurolinguistik studieren, um der nächsten Generation dabei zu helfen, leichter und schneller fremde Sprachen zu erlernen.“ n

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© Michael Stürzenhofecker

Syrien / Irak

© Patrick Nicholson

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Menschen auf der Flucht: Die Hilfen der Caritas

11 Flüchtlingshilfe Griechenland, „Balkanroute“, Italien Eingesetzte 865.000 Euro, davon 540.000 Spenden, Mittel 2015 325.000 Euro vom Auswärtigen Amt

DEUTSCHLAND

Maßnahmen Humanitäre Hilfe sowie mediz. Hilfen u. & Wirkung Winterhilfen wie Decken und Schlafsäcke Perspektive Für Fortführung der Hilfen stehen 2016 mehr als 1.3 Mio. Euro zur Verfügung.

UNGARN

ÖSTERREICH

SERBIEN RUMÄNIEN ITALIEN MAZEDONIEN TÜRKEI

GRIECHENLAND

„Mittelmeer-Route“ 153.000 Flüchtlinge (2015)

„Balkanroute“ 848.000 Flüchtlinge (2015)

SYRIEN

IRAK

Gefährliche Wege in die Sicherheit Hunderttausende Menschen flohen 2015 Richtung Mitteleuropa. Die Caritas half ihnen auf der beschwerlichen Route und beim Start in Deutschland. llein auf der kleinen griechischen Insel Lesbos kamen im Jahr 2015 nach Angaben des UNFlüchtlingshilfswerks (UNHCR) 500.000 Flüchtlinge an. Insgesamt gelangten mehr als eine Million Flüchtlinge in die Europäische Union, davon fast 850.000 über die „Balkanroute“ und mehr als 150.000 über das Mittelmeer nach Italien. Hinter diesen Zahlen verbergen sich ebenso viele einzelne Schicksale. Die Menschen haben Krieg und Gewalt hinter sich gelassen, aber auch Freunde, Familienangehörige, Haus, Beruf und Schule. Und sie sind auf einer Flucht, die selbst noch viele Gefahren birgt: den Weg durch die Bürgerkriegsgebiete, die Fahrt mit meist kleinen Booten von der Türkei nach Griechenland, im Winter dann auch noch die Kälte. In Serbien hat Caritas international in Kooperation mit der dortigen Caritas und mit Unterstützung durch das Auswärtige Amt ein Hilfsprogramm im Umfang von 200.000 Euro umgesetzt. An die Menschen wurden auf der Fluchtroute Hygieneartikel – Zahnbürsten, Zahnpasta und Duschgel – sowie Decken oder Schlafsäcke verteilt. In den kalten Wintermonaten half die Caritas zudem mit warmen Mahlzeiten, Heißgetränken, Winterbekleidung für Erwachsene und Kinder. Großen Bedarf gab es

Caritasinternational Jahresbericht 2015

© Caritas international

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In mobilen Küchen erhalten die Flüchtenden warmes Essen.

auch an Medikamenten, an Ärzten und Pflegern, an Beratung und psychosozialer Unterstützung. Nach der Ankunft der Geflüchteten in Deutschland standen und stehen ihnen viele Tausend Mitarbeitende und Ehrenamtliche der Caritas mit Rat und Tat zur Seite. Bundesweit mehr als 140 Flüchtlingsdienste helfen bei der ersten Orientierung, leisten individuelle Hilfen sowie Integrationsmaßnahmen. Beratungsstellen unterstützen sie bei der Vorbereitung und begleiten sie während des Asylverfahrens. Und Einrichtungen wie das Therapiezentrum der Caritas für Folteropfer in Köln bieten traumatisierten Schutzsuchenden therapeutische und sozialarbeiterische Unterstützung. n

Katastrophenhilfe Flucht und Vertreibung

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten

Flucht / Vertreibung

Ein Plan für das Leben In Kolumbien wurden in 50 Jahren Bürgerkrieg sechs Millionen Menschen vertrieben. Trotz fortgeschrittener Friedensverhandlungen ist ein Ende der Gewalt noch nicht in Sicht. Caritas international unterstützt Vertriebene in ihrem Recht auf Rückkehr und Entschädigung.

Beengt, aber sicher: Vertriebene in einer Notunterkunft in Pasto.

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ach Guapi, der kleinen Bezirkshauptstadt im Südwesten Kolumbiens, führt keine Straße. Wer hierher kommt, muss das Flugzeug oder das Boot nehmen. Ein Netz aus Flussläufen durchzieht das Hunderte Quadratkilometer große Gebiet. Der Rio Guapi, der das Hinterland mit dem Pazifik verbindet, wird hier „der Kanal“ genannt. „Der Kanal ist für die Menschen Segen und Fluch zugleich“, sagt Padre Tobias, der gemeinsam mit den Caritasmitarbeitern regelmäßig die entlang des Flusses liegenden Gemeinden besucht. Mit seinem reichen Fischbestand bietet er den Bewohner/innen eine wichtige Lebensgrundlage. Andererseits ist der Rio Guapi zentrale Transportroute für alle bewaffneten Gruppen, die den Regenwald rund um Guapi als Rückzugsgebiet nutzen –

© Jürgen Escher

Guerilla-Gruppen, Paramilitärs und Drogenbanden. Koka wird über den Kanal aus dem Regenwald zum Pazifik transportiert, Waffen vom Pazifik in den Dschungel. Immer wieder fliehen Menschen aus den Dörfern nach Guapi – wegen der Kämpfe oder weil Drogenbanden ihren die Felder nehmen, um dort Koka anzubauen. Die Caritas begleitet die Betroffenen – „Plan de la vida“ (Plan für das Leben) heißt der gemeindebasierte Ansatz. Er schließt Überlebensfragen wie Ernährungssicherheit oder Trinkwasserbezug mit ein und entwickelt Strategien, wie sich die Gemeinden gegen Angriffe besser wehren können. Auch in Pasto, zwischen Pazifik und Hochland gelegen, leistet die Caritas Kolumbien Nothilfe für Vertriebene, verteilt Lebensmittel und stellt Notunterkünfte bereit. Und sie setzt sich für den Opferschutz ein, für die Landrückgabe, für Entschädigung und für andere Hilfen. n Kolumbien Schutz für Binnenvertriebene Eingesetzte 1,5 Mio. Euro, u.a, vom Auswärtigen Amt Mittel 2015 u. vom Europ. Amt f. hum. Hilfe (ECHO) Maßnahmen Nothilfen, psychosoziale und rechtliche & Wirkung Hilfen erreichten ca. 10.000 Betroffene Perspektive Ausbau der Friedensarbeit im Land. In Deutschland starten Kampagne und Ausstellung „Basta ya“ über die Opfer von 50 Jahren Krieg in Kolumbien.

ARBEITSSCHWERPUNKT FLUCHT UND VERTREIBUNG

Konfliktopfern eine Stimme geben Mehr als 65 Millionen Menschen waren 2015 weltweit auf der Flucht. Sie fliehen in der Mehrzahl vor Kriegen und bewaffneten Konflikten. Zum Großteil (etwa zwei Drittel) bleiben sie innerhalb des Landes – und fallen damit nicht unter den Schutz der UN-Flüchtlingskonvention. Viele der langjährigen regionalen Schwerpunkte von Caritas international liegen in Ländern mit schweren und langwierigen kriegerischen Konflikten – in der DR Kongo, in Afghanistan, in Kolumbien. Nicht wenige derartiger langjähriger Gewaltkonflikte sind über die Jahre in Vergessenheit geraten, es ist ein Gewöhnungseffekt eingetreten, sowohl bei den Medien als

Katastrophenhilfe Flucht und Vertreibung

auch in der Politik. Fehlende Aufmerksamkeit aber führt oft dazu, dass es auch an finanziellen Mitteln für die humanitäre Hilfe mangelt, weil das Spendenaufkommen gering bleibt. Caritas international zielt mit dem neuen Arbeitsschwerpunkt „Stille Katastrophen mit Schwerpunkt auf Flucht und Vertreibung in kriegerischen Konflikten“ sowohl darauf, den fachlichen länderübergreifenden Austausch verbessern, als auch die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu stärken. So soll langfristig die Hilfe für Opfer schwerer humanitärer Katastrophen ausgebaut werden. n

Caritasinternational Jahresbericht 2015

© Caritas international

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Mit dem Krieg kam der Hunger Der Bürgerkrieg im Südsudan hat Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Caritas international hilft sowohl im Land als auch in den Nachbarländern. Die Gefahr einer Hungersnot besteht trotz des Friedensabkommens fort. er Hunger kam nicht überraschend. Schon im März 2015 zwang der Bürgerkrieg in Südsudan viele Tausend Menschen zur Flucht, die sonst ihre Felder bestellt hätten. Die Lebensmittelvorräte gingen durch geringere Ernten, aber auch durch Raub, Zerstörung und Schwarzhandel zur Neige. Handelswege wurden durch die Eskalation des Konflikts unpassierbar. So waren Ende des Jahres nach Angaben der Vereinten Nationen sechs Millionen Menschen in dem jüngsten Staat der Welt auf humanitäre Hilfe angewiesen; vier Millionen litten Hunger. Der trotz des Friedensabkommens vom August in vielen Regionen weiter anhaltende Konflikt zwischen Regierung und Rebellen macht eine Rückkehr der Flüchtlinge und Vertriebenen noch unmöglich; die Felder bleiben weiterhin brach liegen. Viele Betroffene haben sich in Flüchtlingslager gerettet, wo sie zumindest ein Zeltdach über dem Kopf, Lebensmittel und ein Mindestmaß an medizinischer Versorgung haben. Sie hoffen, dass der Frieden endlich umgesetzt wird. Südsudan

Nothilfe für Binnenvertriebene

Eingesetzte Mehr als eine Mio. Euro, aus Spenden Mittel 2015 sowie aus kirchlichen Haushaltsmitteln Maßnahmen Nothilfen, psychosoziale und rechtliche & Wirkung Unterstützung besonders Betroffener Perspektive Fortführung der Hilfen im Jahr 2016

© Paul Jeffrey

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Ungewisse Zukunft So wie dieser Junge mit seiner kleinen Schwester im südsudanesischen Agok harren Zehntausende Vertriebene in Flüchtlingscamps aus und hoffen auf ein Ende des Bürgerkriegs.

Seit 2014 unterstützt Caritas international in einem gemeinsamen Nothilfeprogramm des internationalen Caritas-Netzwerks die Notleidenden im Südsudan und in den Nachbarländern, in die Hunderttausende geflohen sind. Vor allem dank der lokalen Partner konnten dabei besonders Betroffene – alte und behinderte Menschen, Kinder und Witwen – erreicht werden. Caritas international engagiert sich außerdem in der Diözese Tomubra-Yambio im Südosten und in Juba. Die Hilfen umfassen dabei auch medizinische Versorgung sowie Hygienemaßnahmen. Die Verbesserung der Wasserversorgung durch z.B. Brunnenbau und der Bau von Latrinen konnten die Situation deutlich verbessern. n

© Caritas international

Für den neuen Arbeitsschwerpunkt „Flucht und Vertreibung“ ist Andrea Hitzemann zuständig, die seit drei Jahren die internationale Arbeit des Deutschen Caritasverbandes in Berlin vertritt. Die Arbeit im Berliner Büro schafft Verbindungen zu öffentlichen Geldgebern, politischen Entscheidern und anderen Organisationen, die im Bereich der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit tätig sind. Humanitäre Hilfe muss auch in die Politik eingebunden sein, denn Krisen lassen sich nicht alleine durch Hilfe lösen, sondern müssen auch auf politischer Ebene verhandelt werden. Um das Thema „Flucht und Vertreibung“ zu stärken, erstellt Caritas international speziell aufbereitetes Informationsmaterial und organisiert öffentliche Veranstaltungen.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Katastrophenhilfe Flucht und Vertreibung

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten

Nepal

© Isabel Corthier

»Wiederaufbau ist ein riesiges Unterfangen«

Über Stock und Stein. Zerstörte Straßen erfordern auch beim Schulweg Kletterkünste.

Das schwerste Erdbeben seit fast 100 Jahren hat großes Leid über Nepal gebracht. Caritas international hilft auch in abgelegenen und schwer zugänglichen Landesteilen.

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euntausend Tote, Zigtausende Verletzte, Millionen Obdachlose – zwei schwere Erdbeben haben im April und Mai enormes Leid über die Menschen in Nepal gebracht. Die Caritas war von der Stunde eins an zur Stelle. Und wird die Betroffenen noch viele Jahre lang begleiten.

Hilfe und Trauerarbeit: Viele Menschen in Nepal haben Angehörige verloren.

Katastrophenhilfe Nepal

© Stefan Teplan

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Eine einzige Minute genügte, um Ramjandra N.s Familienglück zu zerstören. Es war die Minute von 11.56 auf 11.57 Uhr Ortszeit in Nepal, am 25. April 2015. Die Minute, die Ramjandra nie vergessen wird. Die Minute, in der das seit fast 100 Jahren schwerste Erdbeben in Nepal das ganze Land erschütterte und schockierte. Und es wird wiederum Jahre dauern, bis Ramjandra N. den Schicksalsschlag überwunden haben wird. Die Katastrophe brachte ihn um seine Frau und sein einziges Kind, um sein Haus und allen Besitz. Die Familie hielt sich in jener Minute gerade in ihrem Haus in Taple auf, einem 4.000-Seelen-Bergdorf im Landkreis Gorkha, rund 25 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt. Es war kurz vor Mittag und das Ehepaar Ramjandra und Surasathi wollte sich mit seiner dreijährigen Tochter Reshma gerade zum Essen zusammensetzen. Da spürte Ramjandra N. plötzlich den Boden unter sich vibrieren, sah die von der Decke herabhängende Glühbirne hinund herpendeln und die Fenster leicht zittern. „Lauft“, schrie er noch, „raus aus dem Haus! So schnell ihr nur könnt!“ Aber seine Frau und seine Tochter wurden von den über sie herabstürzenden Trümmern erschlagen.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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Nepal: Hilfe nach den Erdbeben

So wie Ramjandra N. hat es viele Tausend Menschen in Nepal, einem der ärmsten Länder der Erde, getroffen: Rund 9.000 Tote und über 21.000 Verletzte haben die beiden schweren Beben vom 25. April und 12. Mai gefordert. Rund drei Millionen Menschen wurden von einem Tag auf den anderen obdachlos. Die Caritas war von der ersten Stunde an zur Stelle, um das Leid der Betrofffenen zu lindern. Direkt nach dem Erdbeben und über viele Monate versorgte sie die Notleidenden mit Essen, Trinkwasser, Zelten und Decken. Sie leistete medizinische Hilfe und setzte die vielerorts zerstörten Wasserleitungen wieder instand. Eine besondere Herausforderung war es dabei, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben, bevor der Monsun, der rund zwei Monate anhaltende Dauerregen, Ende Juni einsetzte. „Mehr als Wasser und Brot brauchen wir Zelte und Decken. Sonst sitzen wir bald alle hier nur noch im Schlamm“, war ein Hilferuf, den Caritas-Mitarbeitende oftmals hörten. Eine weitere Herausforderung bestand darin, dass manche der abgelegenen Bergdörfer nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreichbar waren. Durch Arbeiten oft rund um die Uhr, unter enormem Zeitdruck, gelang es Caritas international, in der von ihr betreuten Region von Sindhupalchowk (die nepalesische Regierung wies diversen Hilfsorganisationen jeweils von ihnen zu versorgende Gebiete zu) alle Opfer vor dem Regen zu schützen – neben all den anderen Hilfeleistungen, die sie benötigten. Ein Schwerpunkt lag und liegt dabei auch auf der psychosozialen Betreuung. In so gut wie allen Dörfern traf die Caritas völlig traumatisierte Menschen an, denen der Verlust ihrer Angehörigen und ihres Besitzes jegliche Hoffnung geraubt hatte – Menschen wie Ramjandra. Tausenden von ihnen verhalfen die psychosozialen Betreuer in langer und sensibler Einzel- oder Gruppenarbeit zu neuem Lebensmut. Zumindest was die materiellen Verluste angeht, schenkte die Caritas den Erdbebenopfern neue Perspektiven, denn sie wird viele zerstörte Häuser neu aufbauen. So effektiv und zügig die erste Nothilfe der Caritas abgewickelt werden konnte, so schwierig gestaltet sich dabei aber der Wiederaufbau. Oliver Müller, Leiter von Caritas international, machte sich vor Ort selbst ein Bild der Lage und erklärte nach seinem Besuch offen: „Schwierig war und ist der Bau von Wohnhäusern, weil einerseits aufgrund politischen Streits monatelang die indisch-nepalesische Grenze blockiert war und andererseits die nepalesische Regierung lange gebraucht hat, um die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingun-

Caritasinternational Jahresbericht 2015

CHINA

BHUTAN INDIEN BANGLADESCH

Nepal

Nothilfe, Übergangshilfe

Eingesetzte Etwa zwei Millionen Euro, insbesondere Mittel 2015 aus Spenden Maßnahmen Mehr als 70.000 Familien wurden erreicht & Wirkung und u.a. mit Zelten, Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. Perspektive Fortführung der Hilfen möglich aus Spenden über gut 9 Mio. Euro (2015) sowie aus kirchlichen und öffentl. Mitteln.

gen für den Wiederaufbau zu schaffen. Hoffnung macht uns, dass es nun endlich ein staatliches Konzept für den Wiederaufbau gibt. Besorgniserregend ist allerdings, dass den Hilfsorganisationen dabei enge Fesseln angelegt werden.“ Das Beben dauerte nur wenige Momente. Der Wiederaufbau aber wird Jahre dauern. „Hunderttausende von Häusern zu bauen ist ein riesiges Unterfangen“, erklärte Oliver Müller nach der Katastrophe. „Die Erdbeben-Hilfe von Caritas international ist auf fünf Jahre ausgelegt. Die noch bereitstehenden Mittel in Höhe von 7,7 Millionen Euro werden in den kommenden Jahren zum Beispiel für den Haus- und Schulbau, die Katastrophenvorsorge, die Organisation gesellschaftlicher Selbsthilfe und Bildungsprogramme für benachteiligte Kinder verausgabt.“ n

© Isabel Corthier

© Isabel Corthier

NEPAL

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Wiederaufbau planen: Schülerinnen in Dubachour zeigen ihre Zeichnungen einer neuen Schule.

Katastrophenhilfe Nepal

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Katastrophenhilfe

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Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten

Flucht vor dem Wasser Viele Menschen in Südasien konnten nur ihr Leben retten.

Fluten und Erdrutsche in Asien Starke Monsunregen führen in Pakistan, Indien, Myanmar und anderen südasiatischen Staaten jedes Jahr zu Überschwemmungen. Im vergangenen Jahr waren diese so schwer, dass Millionen Menschen betroffen waren. Caritas international leistete Nothilfe.

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akistan, Indien, Myanmar – über Monate hinweg sorgten starke Regenfälle in Südasien für schwere Überschwemmungen. Insgesamt waren mehrere Millionen Menschen von den Fluten betroffen, Hunderttausende Häuser wurden zerstört. Der Monsun sorgt in Südasien jeden Sommer für den dringend benötigten Regen, immer häufiger aber auch für Überschwemmungen. Im vergangenen Jahr dauerte die Regenzeit besonders lange und waren die Regenfälle besonders stark. Im August führten sie zu so schweren Fluten, dass Hunderte Menschen in Myanmar, Indien, Pakistan, Nepal und Vietnam durch Sturzfluten Südasien Nothilfe nach Überschwemmungen Eingesetzte 199.000 Euro Soforthilfen für Planen und Mittel 2015 Zelte, Lebensmittel und med. Hilfen. Maßnahmen Nothilfe erreichte insgesamt mehr als & Wirkung 18.700 von der Flut betroffene Familien in Indien, Pakistan und Myanmar. Perspektive Spenden und öffentliche Mittel ermöglichen Hilfen zum Wiederaufbau und Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge.

Katastrophenhilfe Südasien

und Erdrutsche ums Leben kamen. Häuser und Felder wurden zerstört, Millionen Einwohner mussten fliehen. Besonders dramatisch war die Lage in Myanmar, wo große Gebiete tagelang von der Außenwelt abgeschnitten waren. Caritas international stellte im August für die Opfer der großflächigen Überschwemmungen in Südasien umgehend Mittel für die Soforthilfe zur Verfügung. Lokale Partner in Myanmar, Pakistan und Indien versorgten die Menschen, die von den Wassermassen eingeschlossen waren, in Notunterkünften mit Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und Kleidung. Ende des Jahres machten erneute schwere Überschwemmungen insbesondere in Südindien weitere Hilfen nötig. „Viele Straßen stehen mehrere Meter unter Wasser. Unzählige Menschen stehen vor dem Nichts“, berichtete Peter Seidel, Indienreferent von Caritas international. In den ländlichen Regionen sei die Lage fatal. „Genau dort helfen wir jetzt schnell und unbürokratisch.“ Caritas international stellte nochmals 100.000 Euro für Lebensmittel, Planen, Wasserreinigungstabletten, Seife, Kleidung und Decken bereit und begann mit dem Wiederaufbau. n

Caritasinternational Jahresbericht 2015

© Caritas international

Südasien / Ukraine

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© Bettina Taraki

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„Wir sind sehr dankbar“ Die 86-jährige Anna Viktorowna mit Ivanna Velitschko von der Caritas.

»Unser Haus liegt in Trümmern« Immer noch fliehen Menschen aus dem Osten der Ukraine. Laut den ukrainischen Behörden gibt es derzeit rund 1,7 Millionen registrierte Binnenvertriebene. Caritas international unterstützt die Caritas Ukraine bei deren Versorgung.

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Quadratmeter Privatsphäre bewohnen die 86jährige Anna Viktorowna und ihre Tochter Tamara, 67. Platz für zwei Betten, zwei Metallspinde, ein kleines Bad. Für alle Bewohner des Containers zusammen gibt es eine Gemeinschaftsküche mit Essraum. Die Containersiedlung wurde von der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Frühling errichtet, die finanzielle Unterstützung und den Grundbedarf deckt Caritas international in Kooperation mit dem deutschen Entwicklungshilfeministerium ab.

Die beiden Rentnerinnen sind mit nur einer Tasche Hals über Kopf vor dem Krieg aus der von den Separatisten selbst ernannten „Volksrepublik Lugansk“ geflohen. Anna erzählt, während Sozialarbeiterin Ivanna Velitschko, die bei der Caritas als mobile Betreuerin für die Flüchtlinge zuständig ist, ihre Hand hält. „Ich habe 40 Jahre hier in Dnjepropetrowsk gelebt. Als ich 80 war, brauchte ich Unterstützung im Alltag. Ich verkaufte meine Wohnung und erstand in Lugansk ein Haus für mich und Tamara. Wir sind beide Witwen. Dann kam der Krieg. Unser Haus liegt jetzt in Trümmern. Alles ist weg.“ Ohne die Hilfe der Caritas würden die beiden nicht klarkommen. Anna bekommt

Caritasinternational Jahresbericht 2015

eine monatliche Rente von 1.300 Hriwna. Allein die Asthmamedikamente kosten schon 1.000. In den beiden Paketen, die Ivana mitgebracht hat, sind Nudeln, Mehl, Reis und andere Grundnahrungsmittel, außerdem Waschpulver, Spülmittel und Hygieneartikel. „Ich wünsche mir, dass das aufhört, dass die Menschen nicht mehr sterben und auf Minen treten“, sagt Anna und kann ihre Tränen nicht zurückhalten. Ivanna nimmt sie in den Arm. Dann reißt Anna sich wieder zusammen und lächelt. „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung, die wir bekommen, dass die Ukrainer nicht alleingelassen werden mit dem Krieg. Und besonders sind wir der Caritas und Ivanna dankbar!“ n Ukraine Hilfe für Vertriebene Eingesetzte Ca. 5 Mio. Euro aus Spenden sowie aus Mittel 2015 kirchlichen und öffentlichen Mitteln Maßnahmen Lebensmittel, Hygieneartikel, medizin. & Wirkung Hilfen, Winterhilfen u.a. für 50.000 Menschen in der Ukraine und in Russland. Perspektive Spenden und öffentliche Mittel über mindestens 3,1 Mio. Euro sichern 2016 die Fortführung der Hilfen.

Katastrophenhilfe Ukraine

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten

Trinken, kochen, waschen – Wasser sichert Überleben.

Wasser – ein Menschenrecht Millionen Menschen mangelt es an sauberem Trinkwasser. In einem neuen Arbeitsschwerpunkt bei Caritas international werden Erfahrungen gebündelt und neue Strategien entwickelt.

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© Caritas international

asser ist nicht mehr nur in Dürreregionen zu einem knappen Gut geworden. Die Verschmutzung von Wasser und sein stetig steigender Verbrauch in Haushalten, Landwirtschaft und Industrie haben zu Trinkwassermangel in vielen Regionen der Welt geführt. Caritas international hat daher das Thema Wasser zu einem strategischen Schwerpunkt gemacht. Vera Schneider, zuständig für diesen neuen Arbeitsbereich, erläutert im Interview die Ansätze und die Ausrichtung ihrer Arbeit. Welche Bedeutung hat das Thema Wasser für die Arbeit von Caritas international? Die Katastrophenhilfe muss oft dann tätig werden, wenn es zu viel oder zu wenig Wasser gibt: bei Überschwemmungen oder bei Dürren. Darüber hinaus wird der Mangel an sauberem Trinkwasser weltweit zu einem immer größerem Problem. Allein im Jahr 2015 hat Caritas international 37 Projekte mit Wasser-Maßnahmen in 22 Ländern

Recht auf Wasser

durchgeführt. Insgesamt wurden diese Projekte mit einem Gesamtbudget von 7,56 Millionen Euro unterstützt. Inhaltlich konzentrieren sich die Projekte auf die Arbeitsfelder Trinkwasser, Hygiene und sanitäre Grundversorgung sowie Ernährungssicherung durch beispielsweise landwirtschaftliche Bewässerung. Mangelhafte Trinkwasserversorgung ist lebensbedrohlich. Wie kann die Caritas hier helfen? Zunächst konzentrieren wir uns gemeinsam mit unseren Partnern auf die Verbesserung der Infrastruktur, durch Bau und Reparatur von Brunnen, von Pumpstationen, von Wasserrückhaltesystemen oder von Wasserdämmen. Dort, wo die Wasserqualität das Problem ist, können Wasseraufbereitungsanlagen installiert werden. Nicht zuletzt geht es darum, Wasser-Komitees für die langfristige Instandhaltung zu gründen sowie die Mitarbeitenden aus- und fortzubilden. In vielen Ländern und Regionen wechseln sich Dürren und Starkregen ab. Wie kann man darauf eingehen?

Caritasinternational Jahresbericht 2015

© Paul Jeffrey

Recht auf Wasser

18_19_Wasser 28.06.16 12:35 Seite 19

Diese Maßnahmen werden in diversen Projekten bereits umgesetzt. Welche Bedeutung hat dabei Ihr Arbeitsbereich? Wir sammeln in unseren Projekten weltweit viel Erfahrung und haben Mitarbeitende und Partner mit viel Fachwissen. Immer wichtiger wird dabei der Erfahrungsaustausch – zwischen den Mitarbeitenden bei Caritas international, aber auch zwischen den verschiedenen Projektpartnern. Wenn beispielsweise im Kontext des Klimawandels in Regionen Dürren auftreten, die bislang davon nicht betroffen waren, hilft es den Menschen dort, Erfahrungen aus anderen Ländern und Regionen kennenzulernen und konkrete Schutzmaßnahmen anzuwenden. Der Mangel an sauberem Wasser resultiert nicht nur aus fehlendem Niederschlag. Wie hilft Caritas international dabei, die Wasserqualität und die Hygiene zu verbessern? Weltweit haben immer noch 663 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Schlechter noch ist es um die sanitäre Grundversorgung bestellt: Jeder Dritte – 2,4 Milliarden Menschen – hat keinen adäquaten Zugang zu Latrinen oder Toiletten. In mehr als der Hälfte aller Wasser-Projekte von Caritas international geht es daher auch um Hygiene, um Desinfektion, um den Bau von Latrinen oder um Wasseraufbereitung. Welche Ziele verfolgen Sie in dem Arbeitsschwerpunkt? Neben dem bereits erwähnten Austausch und dem gemeinsamen Lernen wird es immer mehr darum gehen, den Folgen des Klimawandels, der wachsenden Bevölkerung und dem damit verbundenen steigenden Bedarf und Verbrauch von Wasser zu begegnen. Dazu gehört insbesondere auch, sich gemeinsam mit den Partnern vor Ort für das Recht auf sauberes Wasser einzusetzen. Denn seit 2010 ist der Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung ein von der UN-Generalversammlung und dem UN-Menschenrechtsrat anerkanntes Menschenrecht. Dieses Recht auch durchzusetzen ist eine gewaltige Herausforderung. n

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Ebola

Sauberes Wasser schützt Die Ebola-Epidemie in Westafrika, die laut Weltgesundheitsorganisation 2014 und 2015 mehr als 11.000 Menschenleben forderte, war nur durch strikt einzuhaltende Hygienemaßnahmen zu stoppen. In Liberia, Guinea und Sierra Leone unterstützte die Caritas den Kampf gegen Ebola mit Aufklärungskampagnen, Hygieneschulungen und Hygienesets. Anfang 2016 wurde die Epidemie für beendet erklärt. Caritas international setzt mit ihren lokalen Partnern Projekte zur Verbesserung des Gesundheitssystems fort. Caritas international hat 2015 insgesamt 1.486.564 Euro im Kampf gegen Ebola eingesetzt.

© Hannes Stegemann

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Es geht darum, Wassermanagement-Systeme zu entwickeln. Wasserrückhaltebecken können Ortschaften und landwirtschaftliche Flächen vor Überflutungen schützen, das Wasser speichern und somit für die Trockenzeiten verfügbar machen. Wie das genau aussehen kann, hängt von den lokalen Gegebenheiten und Traditionen ab.

© Miguel Samperl

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Ernährungssicherheit

Wasser sichert Überleben Der Wechsel von langen Dürren und Zeiten extremer Starkregen stellt die Menschen in Mali immer wieder vor große Probleme. Durch „Cashfor-Work“-Programme (Geld für Arbeit) fördert Caritas international – in Kooperation mit dem lokalen Partner ENDA und unterstützt vom Auswärtigen Amt – den Bau und die Instandhaltung von Dämmen, Bewässerungsgräben und Wasserrückhaltebecken. Das schützt vor Fluten und sichert in Trockenzeiten die Ernten. Diese Programme in Mali wurden mit Mitteln des Auswärtigen Amtes über 1.111.110 Euro finanziert.

Recht auf Wasser

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Katastrophenhilfe

Wir über uns

Soziale Arbeit weltweit

Zahlen und Fakten

Projekte

Die Bedürftigsten zuerst Caritas international führte im Jahr 2015 insgesamt 650 Projekte in 73 Ländern durch. Wie in der Katastrophenhilfe und -vorsorge sowie der Hilfe bei Konflikten und Krisen (Seiten 8 bis 17) stehen auch bei der sozialen Projektarbeit von Caritas international die besonders Bedürftigen im Fokus: Menschen mit Behinderung (Seiten 24 und 25), Kinder (Seiten 22 und 23) und alte Menschen (Seite 21). Und auch bei Projekten für den Umweltschutz oder für die Schaffung alternativer Einkommensquellen gilt dieser Grundsatz.

Kongo

In Solidargemeinschaften finden Frauen Arbeit

Für Umweltschutz und Mitsprache Seit Jahrzehnten werden in Peru im großen Stil Kupfer, Gold, Zink, Silber und Buntmetalle abgebaut. Gerade in den ländlichen Gebieten Perus wird dieser Reichtum durch den ungehemmten Raubbau an den Bodenschätzen zum Fluch: Fast die Hälfte der Landbevölkerung lebt in Armut; soziale Missstände und Gesundheitsprobleme häufen sich. Das Netzwerk „Red Muqui“, das 29 Mitgliedsorganisationen vertritt und von Caritas international unterstützt wird, fordert von den Bergbau-Konzernen und vom Staat effektive Mitsprache, transparente Verfahren, bessere Sozial- und Umweltverträglichkeits-Prüfungen und stärkere Kontrollen sowie die Sanierung gesundheitsgefährdender Umweltschäden.

Obwohl es reich an Rohstoffen ist, regiert in Südkivu im Ostkongo die Armut. Mit Gelegenheitsjobs in und rund um die Goldminen ernähren meist die Frauen ihre Familien – und riskieren dabei sowohl ihre eigene Gesundheit als auch die ihrer Kinder. Caritas international bietet diesen „femmes twangaises“, den „Frauen, die stampfen“, eine Einkommensalternative: Sie mahlen Getreide, backen Brot, stellen Seifen her und vermarkten ihre Produkte als Solidargemeinschaft. Viele der Frauen, die sich mithilfe dieses Projekts selbstständig machen konnten, sind heute finanziell unabhängig, können ihren Kindern die Schulkosten zahlen und sind in der Gesellschaft besser geachtet. Das Projekt wurde 2015 mit 75.000 Euro aus Spendenmitteln gefördert.

© Caritas international

Peru

© Caritas international

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Das Netzwerk „Red Muqui“ wurde 2015 mit 20.000 Euro aus Spendenmitteln gefördert.

Soziale Arbeit weltweit Projekte

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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Hilfe zur Selbsthilfe – für Angehörige in der Pflege Die Caritas Russland setzt auf Konzepte der häuslichen Pflege, weil viele alte Menschen ein Pflegeheim nicht bezahlen können und weil sie lieber zu Hause leben wollen. Schon seit Jahren bilden Caritasmitarbeitende Krankenschwestern dazu aus, Angehörigen pflegebedürftiger Personen und freiwilligen Helfenden medizinisches Basiswissen zu vermitteln. So entsteht ein Netzwerk, das vielen mittellosen pflegebedürftigen Rentnerinnen und Rentnern hilft.

© Susanne Staets

Die Hauskrankenpflege in Russland wird von Caritas international für den Zeitraum 2015 bis 2017 mit insgesamt 215.000 Euro gefördert.

© Caritas international

Russland

Südafrika

Geborgenheit, Glück und Gesundheit für Senioren Home, Health and Happiness lautet das Motto von NOAH („Neighbourhood Old Age Homes“), einer Hilfsorganisation für bedürftige alte Menschen in Südafrika. Das breit gefächerte Angebot für Seniorinnen und Senioren reicht von Karaoke bis zum Theaterspielen, von Gesprächsgruppen bis zu Ausflügen in und um Kapstadt. Im Stadtteil Woodstock leitet NOAH zusätzlich eine geriatrische Ambulanz, die sich auf die gesundheitlichen Bedürfnisse alter Menschen spezialisiert hat. Über zwei Jahre wird die Arbeit von NOAH mit insgesamt 80.000 Euro unterstützt.

Brasilien

Selbstorganisierte Rente für Müllsammler

Caritas international unterstützte 2015 das Projekt „Reciclázaro“ mit insgesamt 26.250 Euro aus Spendenmitteln.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

© Martina Gertzen

Schon seit den 1980er-Jahren sind in Brasilien Müllsammler genossenschaftlich organisiert. Viele von ihnen sind inzwischen zu alt für die harte Arbeit auf den Deponien. In São Paulo hat die Müllsammlerkooperative daher das Projekt „Reciclázaro“ ins Leben gerufen. In sechs stationären Einrichtungen mit 600 Heimplätzen sowie mehreren ambulanten Zentren werden alte Menschen ohne Wohnsitz psychologisch betreut und medizinisch versorgt. Sie erhalten dort regelmäßige Mahlzeiten und können für eine begrenzte Zeit auch ein Obdach finden.

Soziale Arbeit weltweit Projekte

20-25_Projekte 28.06.16 12:50 Seite 22

Katastrophenhilfe

Wir über uns

Soziale Arbeit weltweit

Zahlen und Fakten

Projekte

Schutzräume für Kinder Kinder sind von Armut, Konflikten und Naturkatastrophen in besonderem Maße betroffen. Deshalb berücksichtigt Caritas international in allen Projekten die Rechte von Kindern. Vor allem in der Arbeit mit Straßenkindern, in Bildungs- und Erziehungsprojekten sowie bei der Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten engagiert sich die Caritas. Mit ihren Partnern hat sie dabei eigens auf Kinder und Jugendliche abgestimmte Methoden entwickelt.

Russland

Hilfe für ukrainische Flüchtlingskinder

Ein Bildungsangebot für Straßenkinder Schätzungsweise 500.000 Straßenkinder in Bangladesch versuchen durch Müllsammeln, Hilfsarbeiten, Arbeit im Rotlichtmilieu oder Kleinkriminalität ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Mehrheit von ihnen besucht keine Schule. Kinderarmut, die hier weit verbreitet ist, geht oft einher mit fehlender Bildung und damit zusammenhängender Perspektivlosigkeit. In der Stadt Rajshahi im Westen des Landes eröffnete Caritas international 2013 deshalb ein Zentrum für Straßenkinder. Engagierte Sozialarbeiter und Lehrer setzen sich für die Bildung, Beratung und Förderung der Kinder ein. Das Ziel: die Kinder auf eine Wiedereingliederung in eine reguläre Schule vorzubereiten und in die Gesellschaft zu integrieren. Gesundheitsaufklärung, Ernährungsund Hygieneerziehung sowie psychosoziale Betreuung und Beschäftigungstherapie gehören ebenso zum Angebot des Zentrums.

Die Flucht aus ihrer Heimat, das Leben in unbekanntem Umfeld und in provisorischen Unterkünften ist besonders für Kinder sehr belastend. In Südrussland, wo die Caritasverbände Rostow am Don und Wolgograd Flüchtlingsfamilien aus der Ukraine unterstützen und beraten, wurden daher eigens „Rückzugsräume“ für Kinder eingerichtet. Spielzimmer in Flüchtlingsunterkünften ermöglichen Unterricht und Nachhilfe, spielerisches Lernen, psychologische Hilfen für die teilweise traumatisierten Kinder und Projekte zur Friedenserziehung. Außerdem unterstützt Caritas international besonders bedürftige Familien mit Babynahrung, Hygieneartikeln und Medikamenten. Zirkus- und Theaterbesuche sowie Feste sollen den Kindern dabei helfen, trotz ihrer Kriegserfahrungen und dem schwierigen Leben im Flüchtlingslager Freude am Leben zurückzugewinnen. Die Hilfen wurden ermöglicht durch 50.000 Euro aus kirchlichen Haushaltsmitteln.

© Caritas international

Bangladesch

© Philipp Spalek

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Mehr als 100.000 Euro aus Spenden gingen 2015 für die Arbeit mit Straßenkindern nach Bangladesch.

Soziale Arbeit weltweit Projekte

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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Kongo

Wenn Kinder in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa mit dem Gesetz in Konflikt geraten, landen sie oft im städtischen Zentralgefängnis. Mangelndes Interesse und fehlender juristischer Beistand führen dazu, dass Kinder teils über Jahre im Gefängnis „vergessen“ werden. Schaffen sie es wieder in die Freiheit, haben sie oft keine Zukunftsperspektiven. Zusammen mit lokalen Partnern engagiert sich die Caritas deshalb seit 2015 in einem Pilotprojekt für die Wiedereingliederung dieser Kinder in die Gesellschaft. Sozialarbeiter und Freiwillige kümmern sich darum, dass die Kinder wieder zur Schule gehen können oder eine Berufsausbildung abschließen.

Ukraine

Hilfe aus dem Bus für Odessas Straßenkinder Die wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen in der ukrainischen Hafenstadt Odessa sind schlecht. Zahlreiche Kinder leben auf der Straße oder verbringen die meiste Zeit des Tages dort. Das von Caritas international unterstützte Projekt „The Way Home“ betreibt seit Jahren erfolgreich ein mobiles Sozialzentrum. Mit einem Bus erreichen Sozialarbeiter die Kinder und Jugendlichen in der ganzen Stadt. Im Fokus der Arbeit steht die Verbesserung der physischen und psychischen Gesundheit der Kinder, deren schulische und pädagogische Förderung sowie die Unterstützung der Familien durch rechtliche, psychologische und soziale Beratung.

© Jürgen Escher

Das Projekt wurde 2015 mit 64.000 Euro und wird ab 2016 mit 195.000 Euro aus Spenden gefördert.

© Caritas international

Perspektiven jenseits der Gefängnismauern

Brasilien

Schutz vor sexuellem Missbrauch

© Caritas international

„The Way Home“ wurde 2015 mit insgesamt 115.000 Euro unterstützt.

In der brasilianischen Stadt Manaus bestreiten viele Familien ihren Lebensunterhalt durch das Sammeln von Wertstoffen auf Müllhalden. Die Kinder der Familien müssen oft mitarbeiten oder verbringen ihre Tage ohne elterliche Begleitung. Das Risiko, Opfer von sexueller Ausbeutung und Gewalt zu werden, ist für diese Gruppe von Kindern besonders hoch. Die Mitarbeitenden des Projektes führen Elterngespräche und organisieren Aufklärungsveranstaltungen, um für die Thematik des sexuellen Missbrauchs zu sensibilisieren. Zudem unterstützt der lokale Partner der Caritas Eltern darin, Zugang zu staatlicher Unterstützung zu erlangen und ihre Kinder in das reguläre Schulsystem einzugliedern. Projektgelder über 66.000 Euro sichern 2015/2016 die Arbeit gegen Kindesmissbrauch.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Soziale Arbeit weltweit Projekte

20-25_Projekte 28.06.16 13:54 Seite 24

Katastrophenhilfe

Wir über uns

Soziale Arbeit weltweit

Zahlen und Fakten

Projekte

Aktive Teilhabe durch Inklusion Projekte mit Menschen mit Behinderung sind ein Schwerpunkt von Caritas international. Dabei geht es vor allem darum, Stigmatisierung und Isolation abzubauen und die Teilnahme von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben zu ermöglichen. Förderung und Inklusion sowie Aufklärungs- und Lobbyarbeit sind hierbei zentrale Themen für Caritas international und ihre Partner weltweit.

El Salvador

Eigenständiges Leben ermöglichen

Mit kleinen Schritten zu erfolgreicher Inklusion Viele Ägypter kämpfen um das alltägliche Überleben. In diesem Umfeld sind die beruflichen Chancen von Menschen mit Behinderung auf dem freien Arbeitsmarkt extrem schwierig. Umso bewundernswerter ist es, dass der langjährige Partner SETI (Support, Education, Training for Inclusion), mit dem Caritas international eine ganze Reihe weiterer Projekte durchführt, konsequent einen rechtebasierten und inklusiven Ansatz verfolgt. SETI bildet dabei immer wieder erfolgreich junge Menschen mit Behinderung aus und vermittelt sie auf den freien Arbeitsmarkt. So wurde beispielsweise in einer Moschee ein Arbeitsplatz für eine Person mit Behinderung geschaffen. An anderer Stelle organisierte eine Gruppe von Eltern Kunstaustellungen in einem Jugendzentrum, um auf die Thematik „Kinder mit Behinderungen“ aufmerksam zu machen. Die SETI-Aktivitäten werden mittlerweile von Geschäftsleuten, Schauspielern und Fußballspielern unterstützt.

Es sind einfache Dinge, die Maria Antonia sich für ihre Tochter wünscht: „Sie soll vorankommen im Leben. Sie soll zur Schule gehen und einen Beruf erlernen.“ Doch die einfachen Dinge sind nicht einfach für ihre Tochter. Denn Jaileah ist ein besonderes Kind. Die Elternorganisation „Los Angelitos“, zu Deutsch „die kleinen Engel“, setzt sich mit Unterstützung von Caritas international für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in El Salvador ein. Durch aktive Lobbyarbeit konnte als erster Erfolg die Anpassung der Gesetzgebung zur Integration von behinderten Menschen in den Arbeitsmarkt verbucht werden. Jetzt geht es um die praktische Umsetzung. Im Fokus der Arbeit von „Los Angelitos“ steht die Verbesserung der politischen Einflussnahme von Menschen mit Behinderung auf staatliche Strukturen, die Entwicklung innovativer Rehabilitationsmodelle und die Stärkung der Selbstorganisation von behinderten Menschen. Das mehrjährige Programm wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit 155.000 Euro gefördert.

© Augusto Sanchez

Ägypten

© Ayman Tawadros

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Für dieses Programm stehen von 2015 bis 2016 insgesamt 268.000 Euro zur Verfügung.

Soziale Arbeit weltweit Projekte

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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Indonesien

In West Manggarai auf der indonesischen Insel Flores gibt es für Menschen mit Behinderung kaum angemessene staatliche Unterstützung. Um die Lebensbedingungen der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern, engagieren sich vier verschiedene lokale Caritas-Partner vor allem in der Aus- und Weiterbildung von Menschen mit Behinderungen. Beispielsweise lernen sie, Zweiräder behindertengerecht umzurüsten. Im Fokus der Arbeit in den sieben Gemeinden stehen ein verbessertes Angebot von Rehabilitations- und Therapiemöglichkeiten und der Zugang zum öffentlichen Gesundheitssystem. Bessere inklusive Bildungsangebote und Sonderpädagogik helfen dabei, dass Menschen mit Behinderung ihre Potenziale und Fähigkeiten ausschöpfen können. Das ermöglicht ihnen mehr Unabhängigkeit und bietet berufliche Perspektiven.

© Caritas international

2015 standen dem Projekt gut 33.000 Euro – u.a. Zuwendungen von Stiftungen – zur Verfügung.

© Birgit Kemmerling

Perspektiven schaffen durch Bildung

Sierra Leone

Raus aus der Isolation, rein in die Gesellschaft Viele Kinder und Jugendliche in Sierra Leone verloren durch traumatische Erlebnisse während des langjährigen Bürgerkriegs ihr Gehör. Staatliche Aufnahmezentren oder Organisationen, die sich um die betroffenen Kinder kümmern oder ihnen eine Lebensperspektive bieten, gibt es nicht. Mit Hilfe von Caritas international unterhält der Orden „Sisters of St. Joseph of Cluny“ im Zentrum des Landes eine Schule für Gehörlose. Die Kinder und Jugendlichen erhalten eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte schulische Bildung und können Ausbildungsangebote im Bereich Landwirtschaft, Schneiderei oder Färberei wahrnehmen. Die Kinder können eine Tagesschule und ein Internat besuchen, aber auch an zahlreichen außerschulischen Aktivitäten teilnehmen. Damit andere Engagierte von der Erfolgsgeschichte der Schwestern lernen können, vermitteln diese ihre jahrelange Erfahrung in einem Spezialkurs für pädagogische Arbeit mit geistig und körperlich behinderten Menschen an der örtlichen Universität. Die Gehörlosenschule in Sierra Leone wurde bis 2015 mit 45.000 Euro und wird bis 2017 mit nochmals 74.880 Euro gefördert.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Soziale Arbeit weltweit Projekte

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten

Aktivitäten/Aktionen

Gemischte Gefühle, hoffnungsvoller Blick Prälat Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, blickt auf fünf Jahre HaitiHilfe nach dem schweren Erdbeben zurück. © RTL

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aiti erlebte auf tragische Weise eine Zäsur, als am 12. Januar 2010 ein gewaltiges Erdbeben den Karibikstaat verwüstete. Caritas-Präsident Prälat Peter Neher hielt zum fünften Jahrestag vor dem Päpstlichen Rat für Lateinamerika eine Rede, aus der wir hier in Auszügen zitieren: „Es war eine beispiellose Katastrophe, für deren Bewältigung es kein fertiges Schema gab – und die eine weltweite Welle der Hilfsbereitschaft auslöste. Allein bei der deutschen Caritas gingen Spenden in Höhe von rund 20 Millionen Euro ein.

Musik teilen und Perspektiven schaffen Michael Patrick Kelly, der sich als Pate des RTL-Spendenmarathons und als CaritasBotschafter engagiert, reiste nach Äthiopien.

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ichael Patrick Kelly sitzt mit seiner Gitarre im Schatten eines äthiopischen Baumes inmitten einer Traube von Kindern. Ohne große Worte ist gleich eine natürliche Nähe vorhanden. Die Kinder spüren, dass der Gast nicht nur Gaben verteilen will, sondern echtes Interesse hat. Und dass er gekommen ist, um mit ihnen das Wertvollste zu teilen: seine Musik. Kelly besucht ein Caritas-Zentrum für Kinder und Jugendliche, das mit Geldern der Stiftung „RTL – Wir helfen Kindern e.V.“ finanziert wird. Der Künstler und Musiker setzt sich als Botschafter von Caritas international für verschiendene Projekte in Äthiopien ein: mit seinen Konzerten und Ausstellungen oder, wie im November 2015, als Pate des RTL-Spendenmarathons. Ein weiteres Caritas-Projekt hat Michael Patrick Kelly komplett aus den Erlösen einer Benefiz-Tournee finanziert. Rund 600 Personen, überwiegend ehemalige Nomaden, die keine Lebensgrundlage mehr hatten, konnten nachhaltig vom Hunger befreit werden. In der Trockenregion wird mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem Wasser aus Flussläufen für landwirtschaftliche Produktionsflächen nutzbar gemacht. Die Menschen ernähren sich nun besser und ausgewogener und erzielen mit dem Verkauf ihrer Produkte auf den lokalen Märkten ein Einkommen. Rund 21 Hektar haben sich durch die Bewässerung zu „grünen Oasen“ inmitten der trockenen Landschaft entwickelt. n

Wir über uns Aktiv werden

© Francis Djomeda

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Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt standen den Schwestern und Brüdern der haitianischen Kirche und ihrer Caritas zur Seite. Insgesamt leistete die weltweite Caritasfamilie Nothilfe für rund 1,5 Millionen Menschen. Fünf Jahre nach dem verheerenden Erdbeben blicken wir mit gemischten Gefühlen, aber einem hoffnungsvollen Blick nach vorn. Die weltweite Caritasfamilie hat diesen langen Atem und wird Haiti nicht im Stich lassen. Sind wir doch dazu berufen, im Sinne des barmherzigen Samariters dort zu helfen, wo Not ist (vgl. Lk 10,29–37) – damit alle das Leben haben und es in Fülle haben (vgl. Joh 10,10).“ n

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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Die weltweite Caritasfamilie erleben © Caritas international

Die Dialogreise von Caritas international führte nach Tansania – und gewährte Einblicke in die Behinderten-, Flüchtlings- und Bildungsarbeit.

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lüchtlingshilfe, Bildung, Förderung behinderter Kinder – die Arbeitsfelder der Caritas ähneln sich in Tansania und in Deutschland. Entspreched rege verlief der Austausch zwischen den Teilnehmenden der Dialogreise – Führungskräfte aus Fachverbänden und Einrichtungen der Caritas in Deutschland – und den gastgebenden Caritas-Mitarbeitenden. Begleitet wurde das Team von Oliver Müller, Leiter von Caritas international, dem Länderreferenten Wolfgang Fritz sowie Christine Wegner-Schneider, die seit Jahren schon die Dialogreise organisiert. In Dar-

Eine Diözese setzt Zeichen der Solidarität Bischof Fürst und Caritas-Präsident Neher besuchen Flüchtlinge und Hilfsprojekte in Jordanien. ordanien war das Ziel einer Delegation im September 2015, die dort Projekte für notleidende Flüchtlingsfamilien aus Syrien und dem Irak besuchte. Die Caritas Jordanien versorgt die Flüchtlinge mit Kleidung und Lebensmitteln und entlastet Frauen und Familien in Mutter-Kind-Programmen. Flüchtlingskinder können die Schule besuchen, und kranke und traumatisierte Menschen werden medizinisch und therapeutisch betreut. Die Gruppe – Bischof Gebhard Fürst, Caritas-Präsident Prälat Peter Neher, Domkapitular Msgr. Heinz Detlef Stäps, Leiter der diözesanen Hauptabteilung Weltkirche, Uwe Renz, Bischöflicher Pressesprecher, sowie Thomas Broch, Beauftragter für Flüchtlingsfragen der Diözese Rottenburg-Stuttgart – besuchte unter anderem ein von der Diözese mit 185.000 Euro gefördertes Mutter-Kind-Projekt der Caritas Jordanien sowie ein Schulprojekt. „So gut wie möglich wollen wir dazu beitragen, die Lebensbedingungen der unter Gewalt und Vertreibung leidenden Menschen in den Bürgerkriegsregionen zu verbessern, und sie zu einer Zukunft in ihrer eigenen Heimat ermutigen“, betonte Bischof Fürst, der den Besuch als „Zeichen der Solidarität“ bezeichnete. Die Diözese Rottenburg‐Stuttgart unterstützte allein im Jahr 2015 die Flüchtlingshilfe und andere Hilfen von Caritas international mit insgesamt mehr als 1,5 Millionen Euro. n

Caritasinternational Jahresbericht 2015

© Harald Westbeld

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essalam besuchte die Gruppe zunächst ein Projekt des indischen DMI-Ordens. Die Schwestern finden als Projektpartner von Caritas international misshandelte Mädchen, nehmen sie für ein Jahr auf und versuchen, ihnen in diesen Monaten das Rüstzeug fürs Leben mitzugeben. Ein Höhepunkt der letztjährigen Reise war der Besuch der Kinderklinik und Behindertenarbeit in Huduma ya Walemavu, deren Gründerin Anna Mollel vor drei Jahren von Kindern überall auf der Welt mit dem „World Children’s Award“ gekürt wurde. Behinderte Kinder werden hier behandelt und in der eigenen Schule unterrichtet. n

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Katastrophenhilfe

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Soziale Arbeit weltweit

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Zahlen und Fakten

Aktivitäten/Aktionen

Bolivianischer Besuch in Deutschland © Wilfredo Limachi

Bolivianische Sozialarbeiter informieren sich über die Situation von Straßenkindern und Prostituierten in einem reichen Land.

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inen Gegenbesuch in Deutschland machten im November die bolivianischen Sozialarbeiter Alina Rueda und Ariel Ramírez. Beide arbeiten in Projekten zur Rehabilitation von Straßenkindern und Prostituierten in El Alto, die von Caritas international unterstützt werden, Für viele Menschen, die es vom Land in die Städte Boliviens zieht, bleibt die Hoffnung auf ein besseres Leben unerfüllt. Sie führen ein Leben auf der Straße. Dass es das Phänomen von Straßenkindern und Prostitution in beträchtlichem Umfang auch in

Caritas-Delegierte zu Besuch in Bolivien Von den Problemen der Landflucht und den Projekten der Caritas, um das Leben auf dem Land zu verbessern. tadt, Land, Zukunft – der Titel der Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes war auch Thema der Delegationsreise von Caritas international, die die Teilnehmenden im Mai 2015 nach Bolivien führte. Welch gravierende Folgen das verbreitete Phänomen der Landflucht mit sich bringt, erfuhr die 13-köpfige Reisegruppe bei ihrem Besuch mehrerer ländlicher Gemeinden sehr eindringlich. Die älteren Menschen, mit denen die Delegation zusammenkam, berichteten von einem unvorstellbar harten Leben, von den Folgen des Klimawandels und der Umweltzerstörung für die Landwirtschaft und von ihren Kindern und Enkeln, die nach und nach aufgeben und die Heimat verlassen. Sie zieht es entweder nach El Alto – eine enorm anwachsende Trabantenstadt von La Paz – oder in die großen Städte Brasiliens, Chiles, Perus oder Spaniens. In der Gemeinde Concepción im Bistum Coroico initiierte die Caritas eine Selbsthilfegruppe älterer Menschen. Sie ermutigt die Seniorinnen und Senioren, sich zu organisieren und ihre Rechte gegenüber den Behörden einzufordern. „Dank der Caritas“, freute sich Felix Ramón, Sprecher der Seniorinnen und Senioren, „hat sich unsere Lage enorm verbessert.“ Die Caritas entwickelte dort für die alten Menschen Einkommen schaffende Projekte wie die Geflügel- und Kaninchenzucht – nur eines von vielen Beispielen, wie die Caritas in Bolivien der Landflucht vorbeugt. n

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© Marie Schächtele

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einem reichen Land wie Deutschland gibt, verwunderte Alina Rueda und Ariel Ramírez. Ihr Interesse galt nicht zuletzt den unterschiedlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen in Europa. Während das deutsche Gesetz die Prostitution als Beruf anerkennt, werden in Schweden die Freier bestraft und nicht diejenigen, die sich prostituieren. Beide Modelle gäben, so die Besucher, Anregungen für einen eigenen bolivianischen Weg. Beeindruckt und dankbar verfolgten die Gäste am letzten Tag ihres Besuchs die Aktion „Eine Million Sterne“, mit der rund 22.000 Euro für die CaritasArbeit in El Alto gesammelt wurden. n

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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ZDF-Benefizsendung für Menschen auf der Flucht © Oliver Müller

Fernsehsender sammelt Spenden für die Flüchtlingshilfe der im „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ versammelten Hilfswerke.

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ie ZDF-Sendung „Menschen auf der Flucht – Deutschland hilft“ mit Moderator Johannes B. Kerner am 10. September bot dem Aktionsbündnis Katastrophenhilfe einen Anlass, um den Menschen in Deutschland für ihre große Bereitschaft, Flüchtlingen beizustehen, zu danken. „Wir sehen im Engagement der Zivilgesellschaft für Mitmenschlichkeit und humanitäre Hilfe eine ganz wichtige Antwort auf die Krisen an den Grenzen Europas“, erklärten die in dem Bündnis zusammengeschlossenen Hilfswerke Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und Unicef.

»Flüchtlinge nicht pauschal abschieben« Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, und Caritas-Präsident Neher auf Projektbesuch in Albanien und im Kosovo lbanien und das Kosovo waren Reiseziele einer Delegation um den Vorsitzenden der CaritasKommission der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Rainer Maria Woelki, und Caritas-Präsident Prälat Peter Neher im August 2015. Die Reisegruppe, die unter anderem von Weihbischof Ansgar Puff (Erzbistum Köln) und dem Leiter von Caritas international, Oliver Müller, begleitet wurde, informierte sich über die Arbeit der Caritas vor Ort und die Lebensbedingungen der Bevölkerung. Besuche in Flüchtlingseinrichtungen und Schulen standen ebenso auf dem Programm wie Gespräche mit Kirchenvertretern und der Politik. Mit Blick auf die Flüchtlinge, die teils nach Deutschland kommen, betonte Kardinal Woelki: „Das Asylrecht ist ein Grundrecht und ein Individualrecht unabhängig von Herkunft, Religion oder Hautfarbe. Den Asylsuchenden aus den westlichen Balkanstaaten muss eine faire, unvoreingenommene und individuelle Prüfung zustehen. Ich darf Menschen nicht pauschal abschieben, nur weil sie aus Albanien oder dem Kosovo kommen.“ Caritas-Präsident Peter Neher gab zu bedenken, dass viele seiner Gesprächspartner hoffnungslos in die Zukunft blickten. Dort müsse angesetzt werden: „Ein wichtiger Teil der Caritas-Arbeit besteht darin, Kindern und Jugendlichen neben ihrem Schulbesuch praktische Unterstützung zu bieten – und damit Perspektiven im eigenen Land.“ n

Caritasinternational Jahresbericht 2015

© ZDF

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Die Hilfswerke versorgen gemeinsam mit ihren jeweiligen nationalen Partnern Flüchtlinge in den Krisenregionen und entlang der Fluchtrouten auf dem Balkan. Dazu kommen Angebote in Deutschland – von der Erstaufnahme über die Beratung bis hin zu Spendenaktionen. „Die Caritas hat im Inland sowie im Ausland mit ihrem Hilfswerk Caritas international unzählige Hilfsprojekte, auf die wir stolz sein können", so Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes. „Wir sollten jedoch auch nicht vergessen, dass 80 Prozent der Flüchtlinge weltweit in den Ländern leben, die zu den ärmsten gehören.“ Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe sammelte mit dem ZDF 1,35 Millionen Euro Spenden für die Flüchtlingshilfe. n

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

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Zahlen und Fakten

Spenderkommunikation

»Keine Einbahnstraße« Die Kommunikation von Caritas international mit ihren Spenderinnen und Spendern reicht vom Telefon- und Online-Service über Informationsveranstaltungen bis hin zur Spenderreise zu Caritas-Projekten. Dies trägt zu einer verbesserten Transparenz ebenso bei wie zu einem kritischen und konstruktiven inhaltlichen Austausch.

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Schwächsten zur Seite zu stehen und in großen humanitären Krisen umfassend helfen zu können, braucht Caritas international Spenden. „In Krisen und Katastrophen rufen wir zur Unterstützung auf, informieren fortlaufend über die Fortschritte unserer Projekte, machen in den Medien auf Missstände und Notlagen aufmerksam. Erfreulicherweise erhalten wir darauf viele Rückmeldungen, wodurch ein lebendiger Dialog mit unseren Spendern entsteht“, erläutert Michael Brücker, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit und unter anderem verantwortlich für die Spenderkommunikation. Dieser intensive Austausch ist notwendig und unbedingt erwünscht. Das Feedback hilft dabei, die Bedürfnisse unserer Spenderinnen und Spender zu verstehen, besser auf sie eingehen zu können und ihnen möglichst passende Angebote zu machen. Wie in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sind die Ansprüche an Transparenz und insbesondere an die Qualität des Service stark gewachsen. Und weil die Hemmschwelle, Rückmeldungen zu geben oder Anfragen zu stellen, in Zeiten elektronischer Kommunikation deutlich niedriger ist als früher, nimmt die Zahl der Kontaktaufnahmen weiter zu.

ehrere Telefone klingeln. Zeitgleich gehen E-Mails ein, während eine Kollegin mit einem Stapel Briefen aus der Poststelle zurückkehrt. Es ist ein ganz alltäglicher Vormittag im Spenderservice von Caritas international. Jeder einzelnen Anfrage gehen die Kolleginnen nach, hören zu, beantworten Fragen, machen Notizen, leiten Anfragen weiter oder machen sich bei ihren Fachkollegen kundig. Die Bandbreite der Rückmeldungen ist so groß wie das Arbeitsspektrum von Caritas international: „Wie sieht Ihre Hilfe in der Ukraine genau aus?“ „Bitte ändern Sie meine Adresse.“ „Was bewirken Brunnen in Afrika wirklich?“ „Ich habe meine Spendenquittung verlegt.“ „Kann ich selbst mal in einem Ihrer Projekte vor Ort mitmachen?“ „Ich habe bald runden Geburtstag, würde gerne auf Geschenke verzichten und zu Spenden aufrufen.“ Mehrere Hunderttausend Spenderinnen und Spender sind in der Datenbank von Caritas international gelistet. Hinzu kommen Menschen, die im Fernsehen, im Radio oder Internet von akuten Notlagen erfahren haben, die sich engagieren möchten oder durch Freunde auf die Arbeit der Caritas aufmerksam wurden. Um weltweit den

SPENDERREISE

Bei der Caritas zu Besuch Die erste durch Caritas international organisierte Spenderreise führte nach Georgien, wo sich die Reisegruppe ein Bild von der vielfältigen CaritasArbeit machen konnte. Ein Teilnehmer berichtet.

Informationen aus erster Hand: Spenderinnen und Spender in Georgien.

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© Caritas international

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ach dem Flug über Istanbul wurden wir in Tiflis von einem Reisebegleiter der Caritas mit Kleinbus in Empfang genommen. Wir wollten die mobile Jugendarbeit der Caritas in dieser 1,5-Millionen-Stadt kennenlernen. Zielgruppe der Arbeit sind etwa 450 Straßenkinder und -jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren, wobei

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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„Auffällig ist, dass die Menschen zunehmend auch in den kritischen Dialog mit uns treten“, berichtet Brücker. Dies betrifft kontrovers diskutierte Fragestellungen wie die internationalen Fluchtbewegungen ebenso wie kirchenpolitische Debatten oder Grundfragen der Wirksamkeit von humanitärer Hilfe. Die Gründe hierfür sind vielfältig. So haben insbesondere die sozialen Netzwerke zu einer neuen Form der öffentlichen Diskussionskultur geführt, was einen wirklichen Dialog und damit auch ein gegenseitiges Lernen zwischen Spendern und „ihrer“ Organisation ermöglicht. Andererseits machen die allerorts zu beobachtenden Hasskommentare und „Shitstorms“ auch vor angesehenen Hilfsorganisationen wie der Caritas nicht halt. „Für die Kolleginnen und Kollegen ist das ein relativ neues Phänomen und kann im Alltag durchaus belastend sein“, so Brücker. „Doch solange die Grundregeln von Anstand und Respekt gewahrt bleiben, stellen wir uns gerne der kritischen Diskussion zu den drängenden humanitären Fragen.“ Hierbei haben insbesondere die Mitarbeiterinnen der Spenderbetreuung eine wichtige Rolle. „Sie haben unsere Spenderinnen und Spender am Ohr. Sie müssen spontan auf vielfältige Fragen eingehen, Hintergründe erläutern und können oft auch Zweifel ausräumen. Für unsere Akzeptanz als Organisation ist dies von enormer Bedeutung.“ Seit mehreren Jahren übernimmt Caritas international zunehmend selbst die Initiative und tritt mit ihren Spendern aktiv in den Dialog. Im vergangenen Jahr erhielten besonders loyale Spender erstmals das Angebot, Projekte von Caritas international im Rahmen einer Reise selbst in Augenschein zu nehmen (siehe Reisebericht unten). In

auch Familien oder alleinerziehende Mütter von durch die Caritas betreuten Kindern unterstützt werden. Am ersten Tag besuchten wir das Haus der Straßenkinder, die Werkstätten und Wohngruppenräume, wo überall reges Leben herrschte. Ein Höhepunkt war für mich eine Tanzvorführung von Jugendlichen in traditionellen Volkstanz-Kostümen; es wurde deutlich, dass den Jugendlichen nicht nur eine allgemeine sowie eine Berufsbildung vermittelt werden soll, sondern auch die Kultur dieses Landes, in der das Tanzen der Lezginka eine große Rolle spielt. Am nächsten Tag waren wir in Kleingruppen zu Gast bei Familien der betreuten Kinder und erlebten deren armselige Wohnverhältnisse hautnah. Nachmittags besuchten wir eine inklusive Wohngruppe in einem Dorf in der Nähe von Tiflis, wo behinderte Kinder sichtlich liebevoll umsorgt werden. Am

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„Weltgeschichten“ für Spenderinnen und Spender Jürgen Lieser, ehemals stellvertretender Leiter von Caritas international, las 2015 in Münster, Paderborn und Osnabrück aus seinem gleichnamigen Buch und vermittelte so Einblicke in die humanitäre Hilfe der vergangenen dreißig Jahre.

nahezu allen Regionen in Deutschland fanden in den letzten Monaten Veranstaltungen explizit für Spender statt. Immer geht es dabei um drängende humanitäre Fragen, wobei die Formate vielfältig sind – mal als Reiseberichte aus erster Hand, mal in Form von Podiumsdiskussionen oder auch im Rahmen von Lesungen. Auch in die kritische Reflexion der eigenen Werbemaßnahmen werden die Spender eingebunden. So finden in regelmäßigen Abständen sogenannte „Fokusgruppen“ statt, in denen Spender die Zeitschriften, Aufrufe, aber auch den Internetauftritt kritisch unter die Lupe nehmen. Im Laufe des Jahres 2016 lädt Caritas international außerdem zur Teilnahme an einer anonymen Befragung ein. Ziel ist es, die Bedürfnisse und Wünsche der Spender noch besser kennenzulernen. Wirkliche Transparenz, so die dahinterstehende Überzeugung, entsteht nur durch gegenseitiges Kennenlernen und echten Dialog. n

nächsten Tag lernten wir ein Projekt zur häuslichen Krankenpflege von ehemaligen Ossetien-Flüchtlingen beim Besuch ihrer Wohnungen nahe Gori kennen. Am Nachmittag ging es zur Festungs- und Höhlenstadt Uplisziche, zugleich ein schönes Naturerlebnis. Bei einer ausführlichen Stadtbesichtigung von Tiflis sahen wir mehrere orthodoxe Kapellen und Kirchen, eine Synagoge sowie eine Moschee. Abgerundet wurde unser Besuch mit einer Fahrt zum Kloster Bodbe, einem „Nationalheiligtum“ Georgiens, und zu der fantastisch am hohen Kaukasus gelegenen Stadt Sighnaghi. Vielen Dank für diese wunderschöne Reise, die mir jedenfalls die Einsicht vermittelt hat, dass die Caritas in diesem Land eine wertvolle, großartige Arbeit leistet und eine dort wohl auch anerkannte Aufgabe erfüllt. Walter Bitter

Wir über uns Spender-Kommunikation

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Katastrophenhilfe

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Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten

Aktivitäten/Aktionen

Ideenreich für Menschen in Not S

© Caritas international

© Caritas international

stimmgewaltig, auffällig und ideenreich, mal zurückhaltend, besinnlich und ohne großes Aufhebens. Immer aber mit Überzeugungskraft und viel Mitgefühl. Allen Spenderinnen und Spendern und allen Initiatorinnen und Initiatoren von Benefizveranstaltungen, Sammlungen und sonstigen Aktionen, die sich damit für Caritas international und insbesondere für Menschen in Not eingesetzt haben, sagen wir im Namen derjenigen, die die Hilfe erhalten, herzlichen Dank!

ingen, kochen, laufen – die Aktivitäten, mit denen auch im vergangenen Jahr wieder viele Vereine, Jugendgruppen, Gemeinden, Unternehmen, Schulen, Kindergärten und Einzelpersonen zugunsten der Caritas-Hilfen tätig waren, sind vielfältig und bunt. Die hier vorgestellten Aktionen stehen exemplarisch für das großartige Engagement, mit dem Unterstützerinnen und Unterstützer von Caritas international Spenden für Menschen in Not gesammelt haben – mal

Sponsorenlauf für Flüchtlinge

Ökumenisch gekocht

Trotz Regenwetters beteiligten sich rund 1.000 Schülerinnen und Schüler des St. Anna-Gymnasiums in Wuppertal am Benefizlauf ihrer Schule. In den Wochen zuvor hatten sie sich im Unterricht intensiv mit der Situation syrischer Flüchtlinge befasst – und beschlossen, zu helfen. Insgesamt 7.000 Sponsoren, darunter Eltern, Freunde und ortsansässige Unternehmen, belohnten jeden gelaufenen Kilometer mit einem Geldbetrag. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Kinder und Jugendlichen erliefen insgesamt 46.600 Euro! Rund die Hälfte des Betrages kam Flüchtlingen in Wuppertal zugute. Die andere Hälfte ging an ein Hilfsprojekt der Caritas Jordanien.

Das traditionelle ökumenische „Fest zwischen den Kirchen“ der evangelischen Kirchengemeinde Allmersbach und der katholischen Pfarrei St. Martin an Christi Himmelfahrt, das sie seit 30 Jahren gemeinsam in Allmersbach im Tal veranstalten, stand unter das Motto „Hilfe für Nepal“. Nach einem ökumenischen Gottesdienst am Morgen im Freien labten sich die rund 300 Gäste an dem köstlichen Essen, das die Männer beider Gemeinden „ökumenisch gekocht“ hatten. Bei zahlreichen BenefizAktionen während des ganzen Tages kamen stattliche 1.291,28 Euro für die Erdbebenopfer in Nepal zusammen.

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Caritasinternational Jahresbericht 2015

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© Caritas international

SPENDERBETREUUNG

Ob Sie sich über konkrete Projekte, über den aktuellen Stand von Caritas-Hilfen, über formale Dinge wie z.B. Spendenbescheinigungen informieren oder Ihre Spendenaktion ankündigen wollen – unser Team der Spendenbetreuung ist für Sie da und wird Antworten auf Ihre Fragen finden. Scheuen Sie sich also nicht, rufen Sie an oder melden Sie sich per Mail.

Eine Spende mit Seltenheitswert Felipe García, gebürtiger Kolumbianer und Inhaber der Firma Mint Classics, die seltene BMW-Fahrzeuge zum Kauf anbietet, hatte im Mai eine Idee, wie er sich für die Erdbebenopfer in Nepal einsetzen könnte: Er spendet ein BMW-Motorrad und lässt dies zugunsten der Erdbebenhilfe von Caritas international versteigern. Mit im Boot: das Auktionshaus Sotheby’s. Das bot die BMW kostenlos bei einer großen Auktion für seltene Fahrzeuge in Italien feil. Mit großem Erfolg: Für 10.000 Euro wechselte das Motorrad den Besitzer.

Katrin Zeh, Anna Wilkens, Martina Stephan, Karin Anderer Telefon: +49 (0)761 - 200-288 E-Mail: [email protected]

Singen an der Autobahn

© Caritas international

Im Rahmen eines Adventssingens sammelte das Schulorchester des Hegau Gymnasiums in Singen für die Flüchtlingshilfe der Caritas international. Unter der Leitung von Gabriele Haunz stellten die Musikerinnen und Musiker ihr Können bei einem Gottesdienst in der Autobahnkapelle Hegau unter Beweis. Die Freude der Zuhörer über das gemeinsame Musizieren drückte sich am Ende auch in ihren Spenden aus. Insgesamt kamen 870 Euro für die Caritas Flüchtlingshilfe im Ausland zusammen. Schülerinnen und Schüler vor Ort berichteten außerdem, dass sie einmal in der Woche Deutschunterricht für geflüchtete Menschen organisieren. Pfarrer Gebhard Reichert freut sich über das Engagement. „Es gibt so erstaunlich viele Formen, wie sich gerade Jugendliche für Flüchtlinge einsetzen.“

Caritasinternational Jahresbericht 2015

© privat

Erzdiözese Freiburg hilft Erdbebenopfern in Nepal Erzbischof Stephan Burger (rechts) informierte sich nicht nur bei Caritas-Präsident Peter Neher, beim Leiter von Caritas international, Oliver Müller, sowie bei Nepal-Experte Peter Seidel über die aktuelle Lage und die Caritas-Hilfsaktivitäten im Erdbebengebiet. Er hatte auch zum Gebet und zu Spenden für die Erdbebenopfer in Nepal aufgerufen. Die Erzdiözese Freiburg stellte Caritas international eine Million Euro bereit, die, so Müller, „Planungssicherheit für die lebensrettenden ersten Hilfsmaßnahmen“ gebe.

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Wir über uns Aktiv werden

34-35_Die Organe des DCV 28.06.16 13:03 Seite 34

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Zahlen und Fakten

Wir über uns Der Verband

Der Deutsche Caritasverband mit seinem Hilfswerk Caritas international Die Bundeszentrale des Deutschen Caritasverbandes

Präsident: Prälat Dr. Peter Neher Generalsekretär: Prof. Dr. Georg Cremer Sozial- und Fachpolitik Soziales und Gesundheit

Sozialpolitik und Medien

Finanz- u. Personalvorstand: Hans Jörg Millies

Verbandsleitung, Verbandsentwicklung und internationale Verantwortung

Caritas international

Finanzen, Personal und unternehmerische Belange

Theolog./Verbandliche Grundlagen

Zentrale Dienste

Arbeitsrecht u. Sozialwirtschaft

Aufbau und Struktur von Caritas international Caritas international ist das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes e.V. (DCV) und damit in dessen Organisationsstruktur eingebunden. Als Abteilung in der Zentrale des DCV an seinem Sitz in Freiburg ist es innerhalb des hauptamtlichen Vorstands dem Präsidenten zugeordnet. Caritas international gliedert sich in fünf Referate und eine Arbeitsstelle.

Caritas international Leitung: Dr. Oliver Müller

Referat Afrika/ Naher Osten Leitung: Christoph Klitsch-Ott

Referat Asien Leitung: Dr. Reinhard Würkner

Referat Lateinamerika/ Europa Leitung: Claudio Moser

Die drei Länderreferate und die lokalen Partner planen und organisieren Projekte der Katastrophenhilfe und der sozialen Arbeit und setzen sie um. Ingesamt führte Caritas international 2015 650 Projekte in 73 Ländern durch.

Wir über uns Deutscher Caritasverband

Arbeitsstelle Qualitätsmanagement & Controlling Leitung: Volker Gerdesmeier

Referat Katastrophenhilfekoordination Leitung: Dr. Oliver Müller

Referat Öffentlichkeitsarbeit Leitung: Michael Brücker

Entwickelt die Grundlagen nachhaltiger Hilfen und überprüft sie.

Organisiert die Soforthilfe im Katastrophenfall und entwickelt Methoden.

Macht die Anliegen der Ärmsten öffentlich, verantwortet die Einwerbung von Spenden.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

34-35_Die Organe des DCV 28.06.16 13:03 Seite 35

Die Caritas – ein demokratischer Verband

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Die Aufsichtsorgane des Deutschen Caritasverbandes

Der Caritasrat (29 Mitglieder): Willensbildung und Aufsicht Präsident und Generalsekretär kraft Amtes

12 Vorsitzende und Direktoren der DiCV

7 Vertreter der Fachverbände und Vereinigungen

2 Vertreter der Orden

5 Vertreter der Ortsebene

1 Vorsitzender der Finanzkommission

wählt den Generalsekretär, den Finanz- und Personalvorstand, 7 Mitglieder der Finanzkommission sowie 7 Mitglieder des Personalausschusses

Die Mitglieder des Caritasrates Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des DCV e.V., Vorsitzender; Bruder Peter Berg, Generaloberer und Vorstandsvorsitzender der Barmherzigen Brüder Trier; Dr. Matthias Berger, Vorsitzender Finanzkommission; Stephan Buttgereit, Generalsekretär des SKM – Katholischer Verband für soziale Dienste in Deutschland – Bundesverband e.V.; Prof. Dr. Georg Cremer, Generalsekretär des DCV e.V.; Heinz Dargel, Geschäftsführer des CV Dekanat Bremen-Nord e.V.; Egon Engler, Vorsitzender des CV Freiburg-Stadt e.V.; Hartmut Fritz, Brechen; Hanno Heil, Vorsitzender des VKAD e.V.; Domkapitular Bruno Heller, Direktor des Bistums Erfurt e.V.; Dr. Frank Johannes Hensel, Direktor des DiCV Köln e.V.; Renate Jachmann-Willmer, Bundesgeschäftsführerin SkF e.V.; Heinz-Josef Kessmann, Vizepräsident des DCV e.V.; Dr. Wolfgang Kues, Direktor des DiCV Passau e.V.; Dr. Birgit Kugel, Direktorin des DiCV Trier e.V.; Stefan Leister, Vorstandsmitglied des BVkE; Hans-Georg

Liegener, Geschäftsführer des CV für die Region Krefeld e.V.; Prälat Hans Lindenberger, Direktor des DiCV München und Freising e.V.; Franz Loth, Direktor des DiCV Osnabrück e.V.; Schwester Edith-Maria Magar, Vizepräsidentin des DCV e.V.; Dr. Hejo Manderscheid, Direktor des DiCV Limburg e.V.; Oliver Merkelbach, Direktor des DiCV Rottenburg-Stuttgart e.V.; Matthias Mitzscherlich, Direktor des DiCV Dresden-Meißen e.V.; Gerhard Öhlein, Direktor des DiCV Bamberg e.V.; Andreas Rölle, Geschäftsführer des CV Zwickau e.V.; Burkard Schröders, Direktor des DiCV Aachen e.V.; Dr. Irme Stetter-Karp, Vizepräsidentin des DCV e.V.; Thomas Vortkamp, Geschäftsführer des KKVD e.V.; Karl Prinz zu Löwenstein, Geschäftsführer des Malteser Hilfsdienstes e.V. Beratende Mitglieder: Katrin Gerdsmeier, Leiterin des Berliner Büros des DCV e.V.; Hans Jörg Millies, Finanzund Personalvorstand des DCV e.V., Prälat Bernhard Piendl, Leiter der Hauptvertretung München des DCV e.V.

Die Delegiertenversammlung (max. 199 Mitglieder) Vorstand (3) und Vizepräsidenten (3)

Vorsitzende u. Direktoren der 27 DiCV plus LCV Oldenburg

Mitglieder kraft Amtes

2 Vertreter je Fachverband

je 1 Vertreter der Vereinigungen

Mitglieder werden entsandt

6 Vertreter der Orden (über die DOK)

je 3 Vertreter d. Ortsebene aus jedem DiCV

Wahl in Diözesen

bis zu 7 weitere Persönlichkeiten

Wahl durch die DV

wählt den Präsidenten/die Präsidentin des Verbandes und 3 Vizepräsident(inn)en sowie den Caritasrat DiCV: Diözesan-Caritasverbände; LCV: Landes-Caritasverbände; DV: Delegiertenversammlung; DOK: Deutsche Ordensobernkonferenz

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Wir über uns Deutscher Caritasverband

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten Länderübersicht

Die weltweite Hilfe 650 Projekte in 73 Ländern umfasste das Engagement von Caritas international im Jahr 2015. Überall gilt: Die Hilfe kommt an.

AFRIKA Afrika allgemein / 4 Projekte Ägypten / 11 Projekte Äthiopien / 16 Projekte

ASIEN UND OZEANIEN 15.089,61 Euro 820.074,05 Euro 1.904.183,04 Euro

Asien allgemein / 8 Projekte Afghanistan / 12 Projekte

Algerien / 1 Projekt

20.000,00 Euro

Benin / 3 Projekte

229.498,87 Euro

China / 7 Projekte

Burundi / 4 Projekte

373.438,60 Euro

Indien / 24 Projekte

307.286,91 Euro

Indonesien / 19 Projekte

Guinea-Bissau / 5 Projekte

197.994,56 Euro

Ozeanien allgemein / 1 Projekt

19.756,90 Euro 1.805.411,49 Euro

Bangladesch / 10 Projekte

357.185,15 Euro 126.811,71 Euro 1.518.356,89 Euro 549.863,76 Euro

Kenia / 22 Projekte

1.541.891,66 Euro

Japan / 4 Projekte

538.879,50 Euro

Dem. Rep. Kongo / 22 Projekte

2.729.741,60 Euro

Kambodscha / 7 Projekte

499.000,00 Euro

Liberia / 2 Projekte Mali / 7 Projekte Marokko / 1 Projekt

438.830,96 Euro 2.480.596,84 Euro 40.000,00 Euro

Mongolei / 2 Projekte

50.000,00 Euro

Myanmar / 1 Projekt

40.000,00 Euro

Nepal / 19 Projekte

2.038.872,95 Euro

Mosambik / 6 Projekte

434.901,45 Euro

Nordkorea / 7 Projekte

Niger / 7 Projekte

364.828,16 Euro

Pakistan / 27 Projekte

1.489.019,29 Euro

Senegal / 4 Projekte

589.976,91 Euro

Philippinen / 18 Projekte

3.343.875,75 Euro

Sierra Leone / 11 Projekte

765.187,43 Euro

Sri Lanka / 6 Projekte

144.437,50 Euro

Somalia / 1 Projekt

350.000,00 Euro

Tadschikistan / 15 Projekte

556.241,76 Euro

Südafrika / 6 Projekte

543.857,90 Euro

Thailand / 5 Projekte

201.710,00 Euro

Südsudan / 11 Projekte

1.027.688,74 Euro

Vietnam / 10 Projekte

315.651,84 Euro

Tansania / 13 Projekte

823.288,40 Euro

Togo / 2 Projekte Uganda / 6 Projekte Afrika gesamt / 165 Projekte

55.000,00 Euro 397.954,45 Euro

871.090,70 Euro

Asien und Ozeanien gesamt 202 Projekte

14.664.159,75 Euro

16.253.315,58 Euro

NAHER UND MITTLERER OSTEN Irak / 13 Projekte

3.814.413,47 Euro

Iran / 1 Projekt

20.000,00 Euro

Israel und Palästina / 17 Projekte Jordanien / 18 Projekte

1.421.276,57 Euro 6.596.437,50 Euro

Libanon / 15 Projekte

2.470.169,23 Euro

Syrien / 11 Projekte

2.299.525,84 Euro

Naher und Mittlerer Osten gesamt 75 Projekte 16.621.822,61 Euro

Zahlen und Fakten Länderübersicht

Caritasinternational Jahresbericht 2015

36-44_Zahlen 28.06.16 13:12 Seite 37

DIE GELEISTETEN HILFEN IN PROZENT

23,9

21,5

37

24,4 18,0 11,4 0,8

Afrika

EUROPA

Asien

Nahost

Europa

Amerika

International

LATEINAMERIKA

Europa allgemein / 9 Projekte

183.067,01 Euro

Amerika allgemein / 10 Projekte

80.859,33 Euro

Albanien / 8 Projekte

403.613,05 Euro

Argentinien / 2 Projekte

65.000,00 Euro

Armenien / 5 Projekte

284.084,44 Euro

Bolivien / 10 Projekte

Bosnien-Herzegowina / 3 Projekte

221.663,24 Euro

Brasilien / 15 Projekte

733.900,15 Euro

Chile / 9 Projekte

422.249,65 Euro

Ecuador / 3 Projekte

215.500,00 Euro

Deutschland / 13 Projekte Georgien / 5 Projekte

4.996.279,62 Euro 285.007,08 Euro

1.021.897,44 Euro

Griechenland / 2 Projekte

55.000,00 Euro

El Salvador / 6 Projekte

420.752,79 Euro

Italien / 2 Projekte

36.105,00 Euro

Guatemala / 5 Projekte

245.449,24 Euro

Kosovo / 1 Projekt

26.913,76 Euro

Haiti / 22 Projekte

808.173,14 Euro

Kroatien / 1 Projekt

89.807,55 Euro

Honduras / 1 Projekte

30.000,00 Euro

28.000,00 Euro

Kolumbien / 20 Projekte

Polen / 1 Projekt Russland / 13 Projekte

528.039,44 Euro

Kuba / 1 Projekt

Serbien / 3 Projekte

408.486,91 Euro

Nicaragua / 1 Projekt

Slowenien / 1 Projekt

127.676,24 Euro

Peru / 10 Projekte

Tschech. Republik / 1 Projekt

73.973,14 Euro

Türkei / 2 Projekte

76.800,00 Euro

Ukraine / 13 Projekte Europa gesamt / 83 Projekte

Amerika gesamt / 115 Projekte

3.107.830,26 Euro 60.030,70 Euro 15.000,00 Euro 541.192,44 Euro 7.767.835,14 Euro

4.437.350,06 Euro 12.261.866,54 Euro

INTERNATIONAL International / 10 Projekte

563.342,75 Euro

Anmerkungen 1. Die in dieser Übersicht aufgeführten Projektausgaben sind nicht identisch mit den Einnahmen des Jahres 2015. Denn viele Projekte laufen über mehrere Jahre und werden sukzessive finanziert. So dauert der Wiederaufbau nach Katastrophen, etwa nach dem Taifun 2013 auf den Philippinen oder nach dem Erdbeben in Nepal 2015, oftmals über mehrere Jahre an. Entsprechend werden auch die Gelder, die Caritas international zur Verfügung stehen, langfristig und mit Weitsicht eingesetzt. Denn verantwortungsvolle Katastrophenhilfe kommt ohne den Wiederaufbau auch sozialer Strukturen und Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge nicht aus. 2. Unter „International“ sind insbesondere Projekte von Caritas Internationalis sowie Mitgliedsbeiträge für dieses weltweite CaritasNetzwerk und für Caritas Europa geführt. Länderübergreifende Projekte innerhalb eines Kontinents werden in den jeweiligen Rubriken unter „allgemein“ („Afrika allgemein“, „Asien allgemein“ usw.) zusammengefasst.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Zahlen und Fakten Länderübersicht

36-44_Zahlen 28.06.16 13:12 Seite 38

38

Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten Länderübersicht

Geleistete Hilfen

Hilfsleistungen gesamt: 68.132.342 Euro

NACH ARBEITSBEREICHEN Die Aufteilung in dieser Übersicht dient lediglich zur Orientierung. Denn in vielen Fällen sind soziale Projekte für mehrere Zielgruppen gleichzeitig angelegt, wenn es etwa um Hilfen für behinderte Kinder oder für Betroffene eines Erdbebens geht.

74,08 % Nachhaltige Katastrophenhilfe; Hilfen in Krisen und Konflikten 3,42 % Gesundheit, Pflege, Sucht 11,58 % Rechte für Kinder 4,73 % Teilhabe bei Behinderung 6,19 % Chancen für Chancenlose1)

1) Migrationsprojekte, Aufbau von Caritasorganisationen weltweit u.a.

NACH FÖRDERERN Die Übersicht zeigt die im Jahr 2015 aufgewendeten Mittel für Projekte. Die Zahlen sind nicht identisch mit den Spendeneinnahmen und öffentlichen Zuwendungen des Jahres. Denn viele Programme laufen über mehrere Jahre und werden sukzessive finanziert.

40,22 % Spenden 40,78 % Bundesregierung 7,38 % Sonstige Finanzierer1) 2,67 % Europäische Union 8,95 % Kirchliche Haushaltsmittel2)

1) Mittel von Misereor, anderen Caritasverbänden u.a. 2) Mittel des Verbandes der Diözesen Deutschlands sowie Zuwendungen der Ordinariate Freiburg, Köln und Rottenburg-Stuttgart.

ÖFFENTLICHE FINANZIERER Bundesregierung gesamt

27.784.910 Euro

Europäische Union gesamt*

1.916.552 Euro

davon: Bundesministerium für wirtsch.

Nothilfe Afghanistan

Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 15.775.000 Euro

Nothilfe Kolumbien

314.009 Euro

davon: Auswärtiges Amt

12.009.910 Euro

Nothilfe Äthiopien

715.754 Euro

Kirchliche Förderer gesamt

6.093.697 Euro

Soziale Projekte Afghanistan

758.173 Euro

Soziale Projekte Tadschikistan

120.062 Euro

davon: Verband der Diözesen Deutschlands

8.554 Euro

3.735.768 Euro

davon: Ordinariate Freiburg, Köln, Rottenburg-Stuttgart

2.357.929 Euro

* Die Zuschüsse der EU stammen aus dem Nothilfefonds der Europäischen Kommission (ECHO) sowie aus Mitteln der europäischen Entwicklungszusammenarbeit.

Zahlen und Fakten Hilfsgelder

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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Spenden und Zuschüsse Die Grundlagen unserer Arbeit

39

Verwaltungs- und Werbekosten Verwaltungs- und Werbekosten sind alle Ausgaben, die den in der Satzung genannten steuerbegünstigten Zwecken nicht unmittelbar inhaltlich zuzuordnen sind. Laut dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) gilt, dass Werbe- und Verwaltungsausgaben von mehr als 30 Prozent der Gesamtausgaben nicht vertretbar

sind. Unter 20 Prozent gelten die Verwaltungs- und Werbekosten für das DZI als angemessen. Unter 10 Prozent gelten die Verwaltungs- und Werbekosten als niedrig. Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben von Caritas international liegt für das Jahr 2015 bei 7,9 Prozent.

BERECHNUNG DER VERWALTUNGSKOSTEN UNTER ANWENDUNG DES DZI-KONZEPTES Projektförderung1)

69.681.077,38 Euro

(davon Personalaufwand) Projektbegleitung (davon Personalaufwand)

86,9 %

(410.491,22 Euro) 3.608.501,98 Euro

4,5 %

(3.116.953,48 Euro)

Satzungsgemäße Kampagnen-, Bildungs-, Aufklärungsarbeit

597.059,51 Euro

0,7 %

(davon Personalaufwand)

(261.888,83 Euro)

Summe Projektausgaben

73.886.638,87 Euro

92,1 %

Verwaltung

2.305.633,74 Euro

2,9 %

(davon Personalaufwand)

(1.060.328,81 Euro)

Werbung und Öffentlichkeitsarbeit

4.036.584,49 Euro

(davon Personalaufwand) Summe Werbe- und Verwaltungsausgaben GESAMTAUSGABEN

5,0 %

(773.890,31 Euro) 6.342.218,23 Euro

7,9 %

80.228.857,10 Euro

100 %

1) Zahlen enthalten Aufwendungen für die Auslandsbüros von Caritas international, die laut DZI der Projektförderung zugerechnet werden.

Prüfung der Bereichsergebnisrechnung Caritas international ist die Auslandsabteilung des Deutschen Caritasverbandes e.V. (DCV). Die Bereichsergebnisrechnung für den spendenrelevanten Bereich Ausland ist abgeleitet aus dem Jahresabschluss 2015 des DCV, der durch unseren Abschlussprüfer Ebner & Stolz geprüft worden ist.2) In Erweiterung der Jahresabschlussprüfung haben wir den Abschlussprüfer beauftragt, die Bereichsergebnisrechnung für den spendenrelevanten Bereich Ausland auf die Ableitung aus der dem Jahresabschluss zugrunde liegenden Buchführung zu prüfen. Ferner wurde der Abschlussprüfer beauftragt, die Einhaltung der „Leitlinien und Ausführungsbestimmungen zur Selbstverpflichtung für gemeinnützige, überregional spendensammelnde Organisationen“ des DZI (DZI-Richtlinien) in der Fassung vom 17. September 2010 zu prüfen. Die Leitlinien des DZI verlangen unter anderem eine zweckgerichtete und wirksame Mittelverwendung, die Angemessenheit von Vergütungen, eine wahre, eindeutige und sachlich gehaltene Spendenwerbung sowie eine ordnungsgemäße Rechnungslegung.3) Der Abschlussprüfer hat dem Vorstand darüber Bericht erstattet, dass die Prüfung zu keinen Beanstandungen geführt hat. 2) Der Jahres- und der Geschäftsbericht 2015 des DCV sind unter www.caritas.de veröffentlicht. 3) Zusätzliche Angaben gemäß DZI-Leitlinien 2010/Kapitel zu Transparenz sind auch unter www.caritas.de/glossare/transparenz veröffentlicht.

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Zahlen und Fakten Verwaltungs- und Werbekosten

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten Bilanz

Kosten-Erlös-Rechnung Die Hilfsmaßnahmen von Caritas international werden finanziert durch kirchliche und staatliche Zuschüsse sowie private und institutionelle Spenden.

ERLÖSE

2014

2015

21.149.712,81 Euro

29.611.808,88 Euro

Kirchliche Haushaltsmittel

6.152.527,50 Euro

8.162.368,27 Euro

Europäische Union

2.941.085,08 Euro

1.631.956,47 Euro

Sonstige öffentliche und kirchliche Zuschüsse

4.383.822,50 Euro

4.818.807,29 Euro

34.627.147,89 Euro

44.224.940,91 Euro

26.889.626,63 Euro

35.147.692,86 Euro

3.579.538,71 Euro

3.303.745,94 Euro

30.469.165,34 Euro

38.451.438,80 Euro

3.437.058,77 Euro

2.092.766,60 Euro

295.956,33 Euro

280.949,84 Euro

Öffentliche und kirchliche Zuschüsse Bundesregierung

Summe Spenden und sonstige Zuwendungen Projektspenden Stiftungsbeiträge und Unternehmenskooperationen Summe Erbschaften und sonstige Erträge Erlöse aus Vermögen und Zinserträgen Erbschaften, Vermächtnisse Sonstiges Summe

SUMME ERLÖSE GESAMT

45.591,39 Euro

192.649,74 Euro

4.136.475,85 Euro

2.566.366,18 Euro

68.874.919,72 Euro

85.242.745,89 Euro

Erläuterungen Kirchl. Haushaltsmittel: Mittel des Verbandes der Diözesen Deutschlands sowie der Ordinariate Freiburg, Köln und Rottenburg-Stuttgart. Sonstige öffentliche und kirchliche Zuschüsse: Mittel von Misereor, anderen nationalen Caritasverbänden u.a.; Caritas international arbeitet eng mit dem Bischöflichen Hilfswerk Misereor zusammen. Die beiden Hilfswerke tauschen sich fachlich aus, kooperieren in der Programmförderung und betreiben teils gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit. Die Kooperation umfasst auch die jährliche Weiterleitung von mehr als zwei Millionen Euro von Misereor an Caritas international. Bei den weiterführenden Projekten nach der Katastrophenhilfe nehmen beide Werke verstärkt die Gesamtsituation der Menschen in den Blick und können so aus der Nothilfe heraus langfristige Entwicklung fördern. Zu weiteren Partnern und Kooperationen lesen Sie auch: www.caritas-international.de/ueberuns Projektspenden: Spenden von Privatpersonen, von Klöstern u.a. sowie Kollekten. Stiftungsbeiträge: inkl. Zuwendungen von Medienstiftungen wie der BR-Stiftung „Sternstunden“ (334.580,75 Euro) und der RTL-Stiftung (507.000 Euro) sowie der Unicef-Stiftung/Dr.-Rau-Stiftung (638.861,54 Euro). Zinserträge: Aus vorübergehend angelegten Treuhandmitteln. Dies sind Mittel, die bereits für Projekte und Zwecke gebucht und gebunden sind, aber noch nicht an Projektträger weitergeleitet werden konnten. Zahlen und Fakten Kosten-Erlös-Rechnung

Caritasinternational Jahresbericht 2015

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KOSTEN

2014

2015

Geleistete Hilfen Nachhaltige Katastrophenhilfe; Hilfen in Krisen und Konflikten; Gesundheit, Pflege, Sucht; Rechte für Kinder; Teilhabe bei Behinderung; Chancen für Chancenlose Summe Geleistete Hilfen

54.243.547,20 Euro

68.132.342,37 Euro

Personal- und Sachkosten, Abschreibungen 1. Personalaufwand: Löhne und Gehälter, soziale Abgaben, Altersversorgung (davon direkt Projekten zuzuordnen)

5.400.306,52 Euro

5.623.552,64 Euro

(3.646.451,40 Euro)

(3.789.333,53 Euro)

2. Sachaufwand: Projektarbeit, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, Mittelbeschaffung (davon direkt Projekten zuzuordnen)

4.784.421,57 Euro

5.494.005,72 Euro

(1.726.246,28 Euro)

(1.964.962,97 Euro)

838.506,13 Euro

840.023,20 Euro

3. Umlagen: Dienstleistungen (z.B. EDV) 4. Abschreibungen SUMME KOSTEN GESAMT

BEREICHSERGEBNIS

65.903,46 Euro

138.933,16 Euro

65.332.684,88 Euro

80.228.857,09 Euro

3.542.234,84 Euro

5.013.888,80 Euro

Erläuterungen Projektausgaben: Die Aufwendungen umfassen Leistungen in 650 Hilfsprojekten. Personal- und Sachkosten, Abschreibungen: Hier sind alle Aufwendungen enthalten, die für die sachgemäße und effiziente Projektdurchführung notwendig sind. Hierzu gehören die Antragsbearbeitung, die Kontrolle der zweckgebundenen Verwendung, die Abrechnung und die Rechenschaft gegenüber den Spendern. Bereichsergebnis: Das jeweils ausgewiesene Ergebnis wird den Treuhandmitteln entnommen bzw. zugeführt. Zum 31.12.2015 betrugen die Mittel 122.105.326,90 Euro, im Vorjahr 117.091.438,10 Euro (siehe Erläuterungen Zinserträge).

Caritasinternational Jahresbericht 2015

Zahlen und Fakten Kosten-Erlös-Rechnung

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Katastrophenhilfe

Soziale Arbeit weltweit

Wir über uns

Zahlen und Fakten Ausblick

Ziele und Strategien Caritas international hat für den Zeitraum von 2016 bis 2020 eine neue Strategie formuliert, um auf die Zunahme humanitärer Krisen angemessen reagieren zu können.

D

Partner und Projekte

ie Zahl und Intensität von Krisen und kriegerischen Auseinandersetzungen haben weltweit zugenommen. Außerdem kommt es, teils ausgelöst durch Klimaveränderungen, immer häufiger zu Naturkatastrophen und einer schleichenden Verschlechterung der Lebensbedingungen. Die Zahl der Flüchtlinge, Vertriebenen und Migranten nimmt seit Jahren zu, so dass nationale und internationale Aufgaben der Caritas mehr noch als bisher ineinandergreifen und sich ergänzen müssen. Nicht zuletzt aufgrund dieser wachsenden Herausforderungen in der humanitären Hilfe hat Caritas international in ihrer Strategie für die Jahre 2016 bis 2020 neue Ziele und Arbeitsfelder formuliert.

Caritas international arbeitet nach dem Partnerprinzip, wonach sowohl in der Katastrophenhilfe als auch in der sozialen Arbeit weltweit mit lokalen Partnern kooperiert wird. Dabei kann auf deren Erfahrung und Kompetenz zurückgegriffen werden. Diese Zusammenarbeit erfordert Organisationsstrukturen bei den Partnern, die aufgrund ihrer Größe und finanziellen Ausstattung nicht immer gegeben sind. Als strategische Ziele wurden daher eine intensivere Begleitung bewährter Partner bei deren Organisationsentwicklung, die Förderung von Partnern in besonders schweren humanitären Krisen sowie ein weiterer Ausbau der Projektdokumentation und -evaluierung formuliert.

Inhaltliche Schwerpunkte

Personal und Strukturelles

In einem kontinuierlichen Prozess soll die Projektarbeit bei Caritas international qualitativ weiter verbessert werden. In ihrem Strategiepapier werden dazu neue Ziele benannt. Unter anderem soll das bestehende Konzept für nachhaltige Katastrophenhilfe „mit entsprechenden Schwerpunkten in den verschiedenen Kontinenten konkretisiert und für die Projektpraxis handlungsleitend gemacht“ werden. Die Auswertung der Hilfen nach Katastrophen soll dabei noch systematischer als bislang erfolgen. In den Arbeitsfeldern Flucht und Vertreibung wird Caritas international „aktiv Einfluss auf die gesellschaftliche und politische Diskussion“ nehmen und dazu Konzepte und Publikationen herausgeben sowie Veranstaltungen zu diesem Themenfeld organisieren (vgl. hierzu den Beitrag auf S. 12/13). Angesichts zunehmender Extremwetterphänomene unterstützt Caritas international besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen im Zugang zu und bei der nachhaltigen Nutzung von Wasser. Die bisherigen Projekterfahrungen zur Anpassung an den Klimawandel und zum Schutz natürlicher Ressourcen werden ausgewertet. Auch in diesem Themenfeld werden Fachpublikationen und Diskussionsbeiträge erstellt (vgl. hierzu S. 18/19). Schließlich wird Caritas international ihre Position zum Themenbereich Neutralität versus politische Positionierung/Anwaltschaft weiterentwickeln.

Die Unvorhersehbarkeit von Naturkatastrophen und die langanhaltenden Krisen und Konflikte stellen Caritas international – wie alle humanitären Organisationen – im Personalbereich immer wieder vor große Herausforderungen. Um auf die vielen humanitären Notlagen schnell und angemessen reagieren zu können, muss man einerseits auf gut strukturierte Ablaufpläne und Standards zurückgreifen können und andererseits über eine hohe Flexibilität verfügen. Daher baut Caritas international auch strukturell und finanziell zusätzliche notwendige Ressourcen auf. Dabei wird auch weiterhin auf ein ausgeglichenes Verhältnis von öffentlichen Mitteln und Spenden geachtet, um einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden. Parallel zur Stärkung der eigenen Strukturen und denen der lokalen Partner setzt Caritas international künftig noch mehr auf gute Kooperation – mit kirchlichen und anderen Organisationen im In- und Ausland – sowie auf eine regelmäßige „Präsenz im kirchlichen, politischen und öffentlichen Umfeld“. n

Zahlen und Fakten Ausblick

Ausführliche Informationen über die Grundsätze und Leitlinien von Caritas international, über die Prinzipien der humanitären Hilfe, über das Partnerprinzip sowie über Aufbau und Struktur des Hilfswerks finden Sie unter: www.caritas-international.de/ueberuns

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IMPRESSUM Herausgeber: Deutscher Caritasverband e.V. Caritas international Referat Öffentlichkeitsarbeit Postfach 420; 79004 Freiburg Tel.: (0761) 200-288; Fax: (0761) 200-730 E-Mail: [email protected] Internet: www.caritas-international.de Redaktion: Michael Brücker (verantw.), Stephan Günther Texte: Stefanie Binder, Michael Brücker, Christine Decker, Stephan Günther, Bettina Taraki und Heike Janssen (S. 33), Stefan Teplan Titelfoto: Lefteris Partsalis/Caritas Schweiz Lektorat: Ingrid Jehne Gestaltung und Produktion: Sebastian Schampera Druck: Poppen & Ortmann, Freiburg Gedruckt auf 100 % Altpapier (Circlesilk Premium White), FSC zertifiziert

Spendenkonto 202 Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00 IBAN Nr.: DE88 6602 0500 0202 0202 02 BIC-Nr.: BFSWDE33KRL oder www.caritas-international.de

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Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, leistet weltweit Katastrophenhilfe und fördert soziale Projekte für Kinder, für alte und kranke sowie für behinderte Menschen. Caritas international hilft unabhängig von Religion und Nationalität und arbeitet mit 160 nationalen Caritasorganisationen weltweit zusammen. www.caritas-international.de