jetzt reichts aber

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Jetzt reicht’s aber!! Auch wenn das der fünfundvierzigste Gartenkolumnenbeitrag über den schlimmsten Feind des Gärtners wird, der dieses Jahr in irgen...

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Jetzt reicht’s aber!! Auch wenn das der fünfundvierzigste Gartenkolumnenbeitrag über den schlimmsten Feind des Gärtners wird, der dieses Jahr in irgendeiner Gazette erscheint, es muss trotzdem noch einmal gesagt werden. Tod den Schnecken! Nach der kurzen warmen Sommerphase kam der Regen zurück und mit ihm die kriechenden schleimigen Gesellen, die sich geradezu unersättlich sich über unsere Lieblinge hermachen. Unsere Lieblinge sind Funkien, von denen es eine riesige Auswahl gibt, eine schöner als die andere. Blattschmuckpflanzen, Edelsteine des Gartens, manche sogar mit einer ausdrucksstarken und duftenden Blüte. Wunderbare Topfpflanzen, die im Schattenbereich eines Sitzplatzes die tonangebenden Akzente setzen. Als Profigärtner wissen wir selbstverständlich um der Schnecke Lieblingsspeise und haben die Edelsten unter ihnen in die Terracotten gesetzt, manch ein Topf einen halben Meter hoch. Es scheint, zumindest drängt sich die Vermutung auf, als ob ein Sport des Gipfelhinaufschleimens unter den Schnecken ausgebrochen sei, denn in den höchsten Töpfen finden wir frühmorgens die meisten Schnecken. Wenn sich diese Tiere wenigstens Blatt für Blatt vornehmen würden, eines nach dem anderen. Aber nein, sie sind einfach nur maßlos. Senkt sich ein angeknabbertes Blatt unter ihrem Gewicht auf das darunter Liegende, schleimen sie hemmungslos auf Dieses und futtern weiter. Nach kurzer Zeit wirkt die Pflanze nur noch angefressen, so ähnlich wie der Gärtner, wenn er noch zu schlaftrunkener Zeit nach seinen Lieblingen sieht und die Bescherung bemerkt. Es kommt sogar vor, dass diese Mollusken die Blattstiele der Funkien regelrecht fällen, ein eindeutig agressiver Akt der Barbarei. Was hilft nun gegen eine derartige Plage? Das Standardwerk ‚Der Biogärtner’ von Marie Louise Kreuter unterteilt hier in vorbeugende Maßnahmen bis hin zur mehr oder weniger harten Notwehr. Als vorbeugende Maßnahmen werden verschiedene Schneckenzaunsysteme verschiedener Anbieter beschrieben. Weiter werden schneckenabwehrende Pflanzen wie Rainfarn, Senf, Kapuzinerkresse, oder auch das Streuen trockenen Sägemehls und scharfen Sand empfohlen. Basilikum eignet sich nicht, erstens hat man davon für die eigene Küche selbst nie genug und, das ist das was den Gärtner zur Verzweiflung treibt, selbst vor diesem aromatischen Kraut macht die Schnecke keinen Bogen. Wer dieses schon erlebt hat, beginnt leise Reinhard Meys bekanntes Lied des mordenden Gärtners mitzusummen und wendet sich den mehr oder weniger harten Maßnahmen zu. Geradezu human ist der bekannte Bierfallentod, leider mit dem Nachteil verbunden, dass dieses überaus gesunde Getränk dann weniger der eigenen Erfrischung zur Verfügung steht. Schade um das Bier, also scheidet diese Schneckenertränkungsmethode aus. Ausscheiden tut für uns die folgende Möglichkeit aufgrund mangelnder Humanität ebenfalls. Die Rede ist von dem schnellen scharfen Schnitt mit der Rosenschere, ein doch sehr unangenehmer Gedanke. Die Verantwortung abwälzen über den Schneckentod lässt sich mithilfe tierischer Feinde. Vergessen wir einmal den Igel, der eine Nacktschnecke wirklich nur dann frisst, wenn es keine Futteralternative mehr gibt. Nein, der Geheimtipp lautet: Indische Laufenten. Für diese gilt die Schnecke als Hauptspeise. Vor Jungpflanzen und Saatbeeten sollte man dieses Schneckenvertilger trotzdem fernhalten. Sie sollten immer paarweise gehalten werden. Über den Geschmack der Enten ist uns noch nichts bekannt Ein absolutes Highlight der Schneckenbekämpfung ist das Ansetzen einer Schneckenbrühe. (Wir möchten hier nur die Zutaten aufzählen, die Zubereitungsmethode können Sie sich sicherlich denken?). Benötigt werden kochendes Wasser, ein Gefäß, sowie die Hauptakteure. Drei bis vier

Tage ziehen lassen, ab und an umrühren, empfehlenswert ist eine Nasenklammer, hernach absieben und dann mittels Gießkanne über die gefährdeten Pflanzen brausen. Aus dem fernen Berlin ist noch die Kunde zu uns gekommen, dass Schnecken, die bei aufgehendem Vollmond gesammelt und in obiger Weise weiterverarbeitet wurden, eine besonders effektive Brühe ergeben. Manches Mal versetzt der Glaube Berge. Unsere derzeitige Methode der Bekämpfung können wir an dieser Stelle nicht allzu sehr vertiefen. Lediglich einige gedankliche Hinweise können wir geben. Unser Garten ist ein eher naturbelassener Paradies mit viel Schatten, Feuchtigkeit, etc, eine ideale Heimstatt für Schnecken also. Nicht weit von uns entfernt, eine Hecke ist das trennende Element, befindet sich die Diaspora der gemeinen Nacktschnecke, eine kahle, aufgeräumte Rasenfläche. Für die Zukunft haben wir uns fest vorgenommen einige besonders prächtige Exemplare zu markieren und schriftlich festzuhalten, wann sie von uns geflogen ist. Vielleicht können wir damit die Reisegeschwindigkeit feststellen. Bedenklich wird es erst, wenn markierte Exemplare bereits am nächsten Tag wieder im eigenen Garten gesichtet werden.