jugendstil - MORE-ART

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JUGENDSTIL Der Jugendstil (Name im deutschsprachigen Raum nach der Münchner Kunstzeitschrift: „Jugend“) als eigenständige, internationale Kunstrichtun...

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JUGENDSTIL Der Jugendstil (Name im deutschsprachigen Raum nach der Münchner Kunstzeitschrift: „Jugend“) als eigenständige, internationale Kunstrichtung entwickelte sich um 1890 aus der englischen Art-and-Crafts-Bewegung (Kunst und Handwerk) und war bis 1915 als eigene Stilrichtung von Bedeutung. Eine junge, oppositionelle Künstlergeneration, die international unter Modern Style, in Frankreich unter Art Nouveau und in Österreich unter dem Namen Sezessionisten auftrat, sich jedoch nicht als eine weitere Kunstrichtung verstanden wissen wollte, forderte, angeführt von namhaften Größen wie Antoni Gaudi (ESP), Hector Guimard (FRA), Victor Horta (BEL), Charles Rennie Mackintosh (G.B.) und Gustav Klimt (AUT - Begründer der Sezession) eine neue gesamtkulturelle Lebens- und Umweltgestaltung und eine ausdrucksstarke Kunst zur Bewältigung der sozialen, Titelblatt der Münchner Kunstzeitschrift: kulturellen und geistigen Konikte dieser Zeit. Um befruch„Jugend“, Ludwig von Zumbusch, 1896 tend auf das gesamte gesellschaftliche Leben einwirken zu können, sollten die Künste reformiert werden. Durch Erneuerung und Aufwertung des Handwerks, Hinwendung zu Gegebenheiten der industriellen Produktion und dem Einsatz neuer Materialien im künstlerischen Schaffensprozess versuchte man eine neue Lebensform herauszubilden, die einen zentralen Beitrag zu einer beglückenderen und friedfertigeren Welt leisten sollte. In Wahrheit wurde dieses Ziel jedoch verfehlt, da die künstlerisch aufwendigen Erzeugnisse nur den reichen Schichten zugängig waren, womit der inhaltlich formulierte Anspruch nach Breitenwirkung nicht eingelöst wurde. Neben der Verwendung kostbarer Materialien wurden vor allem ein neuartiges Naturstudium sowie die besondere handwerkliche Sorgfalt stilprägend für diese Kunstrichtung. Die durch ein dominantes ächig-lineares Erscheinungsbild geprägten Werke sind an ihrem dekorativen, teils abstrakt-oralen Charakter, in dem sich auch ein starker Bezug zu japanischen Vorbildern ablesen läßt, zu erkennen. Der „geometrische Jugendstil“, eine Variante, die vor allem im Bereich der Serienproduktion Anwendung fand und auf die Verwendung strenger geometrischer Formen setzte, wurde in Deutschland vom Werkbund und in Österreich von der Wiener Werkstätte, einer von dem Architekten Josef Hoffmann und dem Maler und Graphiker Koloman Moser gegründeten Werkstättengemeinschaft von Wiener Künstlern und Handwerkern, gefördert. Im Sinne der künstlerischen Durchdringung aller Lebensbereiche war kein Gegenstand des alltäglichen Lebens zu banal, als daß die Künstler und Handwerker der Wiener Werkstätte ihn nicht in Angriff genommen hätten. Der Hang zum Gesamtkunstwerk manifestierte sich im Entwurf und Bau von Häusern samt Einrichtungen, wobei sich die Werkstätten für Gold-, Silber- und Metallbearbeitung, für Papier- und Lederarbeiten, sowie Tischlerei, Buchbinderei und Lackiererei nicht mehr auf Einzelgegenstände beschränkten, sondern ganze Serien von Produkten gestalteten. Die intensive und qualitativ hochwertige Tätigkeit, bei welcher man die zentralen Anliegen Hoffmanns und Mosers (Herstellung einer Verbindung zur Architektur sowie das Streben nach zweck- und materialgerechter Sachlichkeit) nicht aus den Augen verlor, führte ein ständiges Produktivgemeinschaftswachstum mit sich und Titelblatt zu „Ver Sacrum“, Ver Sacrum II bescherte der Wiener Werkstätte bald internationales Anse(Heft 4), Koloman Moser, 1899 hen, das bis zur Auösung (1932) anhielt.