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Kurzfassung Veranstaltung: "Eingriffsplanungen und Managementpläne für Fledermäuse" Referent: Dipl. Biol. Lothar Bach Thema: Fledermäuse und Querungsh...

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Kurzfassung Veranstaltung: "Eingriffsplanungen und Managementpläne für Fledermäuse" Referent: Dipl. Biol. Lothar Bach Thema: Fledermäuse und Querungshilfen

31. Jänner - 1. Februar 2008 Schloß Hagenberg, 4232 Hagenberg

Fledermäuse und Querungshilfen Lothar Bach, Bremen Querungshilfen sind eine der üblichen Vermeidungsmaßnahmen in Straßenbauplanungen. Sie sollen gewährleisten, dass Fledermäuse gefahrlos breite Straßentrassen queren können und damit keine Verinselung von Populationen oder Straßentod bei möglichen Querungsversuchen auftritt. Im Vortrag werden eine Palette von unterschiedlichen Querungshilfen und deren Effizienz, soweit abschätzbar, vorgestellt. Vor allem in den Mittelgebirgslagen spielen Wirtschaftswegetunnel und andere Unterführungen eine wichtige Rolle betreffend Querungshilfen. Vor allem durch die meist gute Anbindung an die umgebende Landschaft werden diese Unterführungen sehr intensiv genutzt. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf Grünbrücken. Die Effizienz insbesondere von Grünbrücken hängt von der Gestaltung (Breite, Bewuchs) ab. So sollten Grünbrücken eine möglichst beidseitige Bepflanzung mit geräusch- und lichtabschirmenden dichten Gebüschen aufweisen. Zusammen mit einer entsprechenden Breite dienen solche Grünbrücken anschließend nicht nur als reine Querungshilfe (Verbindungskorridor über die Straße hinweg), sondern auch als Jagdgebiet. Die Breite der Grünbrücken ist abhängig von der ihr zugedachten Nutzung. So reichen für reine Querungshilfen in einer offenen, mit Hecken bestandenen Landschaft relativ schmale Brücken aus, während in Waldflächen nur breitere Grünbrücken sinnvoll sind, da die Aktivität der Fledermäuse nicht so stark kanalisierbar ist. Neben der Ausgestaltung der Querungshilfen selbst ist die Anbindung an wichtige von Fledermäusen genutzten Strukturen zwingend erforderlich. Eine wichtige abschließende Forderung ist die Effizienzkontrolle bei zukünftigen Bauprojekten.

Inhalt Zusammenfassung .............................................................................................................. 2 1 Einleitung ....................................................................................................................... 3 1.1 Fledermäuse und Querungsbauwerke..................................................................... 3 1.2 Zielsetzung der Untersuchung................................................................................. 4 2 Untersuchungsgebiet und Methode............................................................................. 5 2.1 Untersuchungsgebiet............................................................................................... 5 2.2 Material und Methode .............................................................................................. 5 3 Ergebnisse ..................................................................................................................... 7 3.1 Nachgewiesene Arten auf/über den Grün-brücken.................................................. 7 3.2 Nachweishäufigkeit der Arten .................................................................................. 9 3.3 Funktion der Grünbrücken: Überflug - Jagd............................................................. 9 3.4 Aktivitätszeiten....................................................................................................... 10 3.5 Nutzungsunterschiede zwischen den Grün-brücken.............................................. 12 3.6 Zusammenhang Brückenbreite - Vegetations-aufwuchs - räumliche Anbindung... 12 3.7 Nutzungsvergleich Grünbrücken - technische Bauwerke ...................................... 14 4 Diskussion.................................................................................................................... 16 4.1 Problemdarstellung................................................................................................ 16 4.2 Nutzung von Grünbrücken..................................................................................... 17 4.2.1 Übersicht ................................................................................................... 17 4.2.2 Artenvorkommen und Funktion der Grünbrücken...................................... 18 4.2.3 Vergleich mit technischen Bauwerken....................................................... 19 4.3 Schlussfolgerungen ............................................................................................... 20 6 Literatur ......................................................................................................................... 22

Rohdatentabellen Tab. 8: Termine der Fledermausuntersuchungen Tab. 9: Wetterbedingungen an den Untersuchungsterminen Tab. 10: Rohdaten der Rufaufzeichnung („Horchkisten“) für die ausgewählten Grünbrücken Tab. 11: Rohdaten der Rufaufzeichnung („Horchkisten“) für die technischen Bauwerke (Über- und Unterführungen) Tab. 12: Detektorbegehungen der Grünbrücken - Fledermauskontakte

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Zusammenfassung Im Jahr 2005 wurde das Untersuchungsprogramm der Effizienzuntersuchungen von Grünbrücken um die Artengruppe der Fledermäuse erweitert. In diesen Fachbeitrag wurden 8 Grünbrücken und zum Vergleich 7 technische Bauwerke aufgenommen. Die Grünbrücken wurden mit dem Detektor, mit Rufaufzeichnung („Horchkisten“) und in Einzelfällen mit dem Fangnetz untersucht, die Vergleichsstandorte vorwiegend mit Horchkisten und vereinzelt mit dem Detektor. Die Untersuchungen wurden während 4 verschiedener Phasen im Sommer durchgeführt. Pro Standort wurden 2 - 4, meistens 3 Beprobungen (= 3 Nächte) durchgeführt. Zur Nutzung der Grünbrücken durch Fledermäuse wurde Folgendes festgestellt: ü Grünbrücken werden als Querungshilfe genutzt. ü Grünbrücken werden auch als Jagdgebiet genutzt, wo Strukturen wie Büsche, Hecken, Wiesenflächen und Einzelbäume es zulassen. ü Grünbrücken werden zu allen Aktivitätszeiten während der Nacht genutzt und ü sie werden sowohl von strukturgebundenen Arten wie z.B. Fransenfledermaus und Bartfledermaus, aber auch von weniger strukturgebundenen Arten wie Zwergfledermaus, Rauhautfledermaus und Breitflügelfledermaus genutzt, ü Grünbrücken werden intensiver als technische Straßenüberführungen, aber etwas weniger als technische Unterführungen genutzt. Die vorliegende Untersuchung stellt eine erste Untersuchung zu dem Problembereich dar, die Autoren regen weitere Untersuchungen an.

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

1 Einleitung 1.1 Fledermäuse und Querungsbauwerke Die in Mitteleuropa heimischen Fledermausarten sind nachtaktive Insektenjäger. In Deutschland wurden bisher 24 Arten aus 2 Familien und 9 Gattungen nachgewiesen, von denen 22 regelmäßig zur Fortpflanzung kommen (BOYE et. al. 1999). Alle einheimischen Fledermausarten zählen zu den streng geschützten Arten. Nach den Artenschutzbestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes, in denen das EU-Recht (FFH-Richtlinie, Europäische Artenschutzverordnung u.a.) implementiert wurde, ergeben sich für Planungen Konsequenzen, die über die früheren Bestimmungen der Eingriffsregelung hinausgehen. Zumindest für die nach §10 (2) Nr. 11 Bundesnataurschutzgesetz streng geschützten Arten müssen Maßnahmen getroffen werden, die einen Eingriff unter eine Erheblichkeitsschwelle senken. An dieser Stelle können dann Vermeidungs-, Minimierungs- und Ausgleichsmaßnahmen greifen, um die jeweilige Eingriffsintensität unter diese „Erheblichkeitsschwelle“ zu senken. Eine Möglichkeit dieser Minimierungsmaßnahmen ist die Errichtung von Grünbrücken zur Überwindung von breiten, stark befahrenen Verkehrsachsen/Trassen (Bundesstraßen, Autobahnen, Eisenbahntrassen). Grünbrücken wurden in den vergangenen Jahren verstärkt in waldreichen Gegenden gebaut, um Lebensräume mittelgroßer und großer Säugetiere wieder zu vernetzen und ihnen eine sichere Querung der Trassen zu ermöglichen. Hierbei standen vor allem Zielarten wie Rotwild, Schwarzwild (auch wegen der Minderung der Kollisionsgefahr) und andere mittelgroße und große Säugetiere im Vordergrund (vgl. IUELL et. al. 2003, GLITZNER et. al. 1999, PFISTER et. al. 1997). Fledermäuse – wie Vögel auch – sind wegen ihrer Flugfähigkeit und vermeintlich leichten Überquerung von Hindernissen nicht zuvorderst die Zielartengruppe der Betrachtung von wildtierspezifischen Querungsbauwerken gewesen (vgl. PFISTER et. al. 1997). Erst in den letzten Jahren haben sich Erkenntnisse ergeben, dass auch Fledermäuse durch breite und stark befahrene Verkehrsachsen in ihrer Flugmobilität beeinträchtigt werden und Grünbrücken als Leitelemente eine Rolle spielen können, ähnlich Hecken und Baumreihen in der freien Landschaft (DAVENPORT et al. im Druck, MESCHEDE & RUDOLPH 2004). Fragen sind z.B. wo und in welcher Frequenz Fledermäuse Trassen queren. Für Tunnelbauwerke liegen inzwischen erste Erfahrungen vor (AG Querungshilfen 2003, BACH et. al. 2004), für Überführungen jedoch nicht. Trotzdem wurden auch für Fledermäuse entsprechende Querungsbauten über diese Trassen angedacht (BACH et al. 2004, LIMPENS & TWISK 2004, FGSV 2003, BRINKMANN 2005). Aus diesem Grunde war es naheliegend, bereits bestehende Grünbrücken auf ihre Eignung als Fledermausquerungshilfe näher zu beleuchten. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass die vorliegend untersuchten Brücken nicht unter den Gesichtspunkten der Vernetzung von Fledermauslebensräumen, sondern aus anderen Gründen, gebaut wurden, d.h. sie wurden nicht an bekannten Flugstraßen oder bekannten Raumbewegungen von Fledermäusen ausgerichtet. Gleichwohl soll ihre Funktion auch für Fledermäuse betrachtet werden.

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

1.2 Zielsetzung der Untersuchung Zielsetzung der vorliegenden Untersuchung ist die Aufzeigung und Bewertung der Nutzung von Grünbrücken als Verbindungsstruktur und Jagdgebiet für Fledermäuse. Dies erfolgt möglichst im Vergleich mit „normal“ gestalteten Straßenbrücken (technische Bauwerke), sofern sich solche Bauwerke in bearbeitbarer Nähe befinden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Erfassung des Artenspektrums und der Intensität der Nutzung als Jagdgebiet und Flugroute.

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

2 Untersuchungsgebiet und Methode 2.1 Untersuchungsgebiet Mit der Projektleitung wurden acht zu bearbeitende Grünbrücken aus dem FE-Vorhaben 02.220/2002/LR ausgewählt, die auch auf weitere Säugetieren hin untersucht wurden: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.

Hörnleswald über die B 464 Aichelberg über die BAB A8 Schwarzgraben über die B31neu Weiherholz über die B31neu Hirschweg über die B31neu Nesselwangen über die B31neu Hohenlinden über die B31neu Württembergle über die B33neu (im Text auch „Markelfingen“ genannt)

Daneben wurden folgende vier Brückenstandorte als Vergleichsstandorte vorwiegend mit Horchkisten (automatische Rufaufzeichnung) untersucht: 1. Forstwegbrücke über die B 464 2. Unterführung unter der B31neu östlich von Schwarzgraben (UF Regentsweiler) 3. Unterführung unter der B31neu östlich von Weiherholz (UF Löhrenbrunnen) 4. Überführung Negelhof über die B 31neu (aus praktischen Erwägungen von der Projekt….leitung ebenfalls als Grünbrücke bezeichnet) 5. Forstwegunterführung unter der B 31neu zwischen Negelhof und Hirschweg 6. Straßenbrücke für K 7773 über die B 31neu östlich Hirschweg (ÜF Haldenhof) 7. Straßenbrücke für K 7786 zwischen Nesselwangen und Hohenlinden (ÜF Biblis)

2.2 Material und Methode Die Grünbrückenstandorte wurden während vier mehrtägiger Phasen im Mai, Juli, August und September 2005 untersucht. Dabei wurden milde und trockene Witterungen, d.h. gute Erfassungsbedingungen für Fledermäuse bevorzugt (vgl. Anhang). Detektorerfassung Die Grunddatenerhebung wurde mit Fledermaus-Detektoren des Typs D-240 bzw. Bale Tranquility II (beides Mischer + Zeitdehner - Kombinationsgeräte) vorgenommen. Die Detektorbegehungen wurden vorwiegend zwischen der Abenddämmerung und etwa 02:00 Uhr, an manchen Tagen auch bis zur Morgendämmerung durchgeführt. Ein lichtstarkes Fernglas wurde in den Dämmerungsphasen, während der Nacht vereinzelt ein Nachtsichtgerät (AEG Ferro 51) oder ein Handscheinwerfer eingesetzt. Einsatz von Horchboxen Zusätzlich zu den Geländebegehungen mit dem Detektor wurden automatische UltraschallAufzeichnungsgeräte (“Horchkisten oder Horchboxen“) eingesetzt. Bei den Horchkisten handelt es sich um die Kombination von Ultraschallwandlern mit einem sprachgesteuerten 5

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Bandaufzeichnungsgerät; während den ersten beiden Erhebungsphasen mit einem Zeitgeber, in den anderen Erhebungsphasen ohne Zeitgeber. Eine solche Horchkiste empfängt während der gesamten Aufstellungszeit einer Nacht alle Ultraschalllaute im eingestellten Frequenzfenster. Eine sichere Artbestimmung anhand der aufgezeichneten Laute ist nicht in allen Fällen möglich (gut unterscheidbar sind Großer Abendsegler und Breitflügelfledermaus, z. T. Zwergfledermaus), doch erlaubt der Einsatz dieser Geräte die Ermittlung von Flug- oder Aktivitätsdichten. Bei der Auswertung wird neben der reinen Zählung der Lautsequenzen notiert, ob es sich um lange Sequenzen handelt und „feeding-buzzes“ (schnelle Rufabfolge als Hinweis bzw. Beleg für Jagdflug) enthalten sind und ob mehrere Individuen gleichzeitig flogen. In allen Erfassungsnächten wurden jeweils bis zu max. fünf Horchkisten auf den Grünbrücken und weiteren nahegelegenen technischen Brücken aufgestellt. Eine kontinuierliche “Überwachung“ mit Horchkisten erhöht gegenüber einer stichprobenartigen Begehung mit dem Detektor die Wahrscheinlichkeit, eine unregelmäßig über die Nacht verteilte Rufaktivität und entsprechende Flugaktivität zu erfassen. Die akustische Artbestimmung erfolgte nach den arttypischen Ultraschall-Ortungsrufen der Fledermäuse (AHLÉN 1990a, b; BARATAUD 2000, LIMPENS & ROSCHEN 1994, SKIBA 2003). In einzelnen Fällen konnten die Tiere mit dem Detektor nur bis zur Gattung bestimmt werden (Bartfledermäuse) bzw. bei sehr kurzen Kontakten nur als „Fledermaus spec.“. angegeben werden. Netzfang An 2 Terminen wurde an einzelnen Grünbrücken exemplarisch Netzfang durchgeführt (die erforderlichen Genehmigungen lagen vor). Dabei wurden die Grünbrücken auf ganzer Breite mit feinen Japannetzen und Puppenhaarnetzen quer abgeriegelt und in kurzen Abständen – etwa alle 10-15 Minuten - untersucht.

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

3 Ergebnisse 3.1 Nachgewiesene Arten auf/über den Grünbrücken An und auf den Grünbrücken wurden 10 Fledermausarten festgestellt (Tab. 1). Zusätzlich zu den an Wald- und Gehölzstrukturen gebundenen Arten wie Bartfledermaus, Bechsteinfledermaus, Fransenfledermaus, (Braunes) Langohr, Großes Mausohr, Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus und Zwergfledermaus wurden zudem die nicht bzw. wenig strukturgebundenen Arten Großer Abendsegler und Breitflügelfledermaus als Querer über die Grünbrücken ermittelt. Tab.1 Im Untersuchungsgebiet vorkommende Arten und ihr Gefährdungsstatus nach den Roten Listen von Baden-Württemberg (BRAUN et al. 2003) und Deutschland (BOYE 1999), Nachweis mittels Detektor, Sicht und Lautanalyse

Rote Liste Bad.-Württ.

Rote Liste Deutschland

Strukturbindung (an Gehölze, Wald)

Großer Abendsegler (Nyctalus noctula)

i

3

rel. gering bei der Jagd (Quartiere im Wald)

Bartfledermaus spec. (Myotis brandtii/ mystacinus) 1

1 2

3 3

hoch

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)?

2

1

sehr hoch

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)

2

V

gering

Fransenfledermaus (Myotis

2

3

sehr hoch

Großes Mausohr (Myotis myotis)

2

3

mittel

Langohr spec. (Plecotus auritus/ austriacus)3

3 V

1 2

auritus: hoch austriacus: mittel

Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)

i

G

mittel

Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)

3

-

hoch

Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

3

-

mittel

Art

nattereri) 2

1 = Vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, V = Arten der Vorwarnliste, G = Gefährdung anzunehmen, Status unbekannt,

i = gefährdete wandernde Tierart,

- = nicht aufgeführt.

1) Die beiden Geschwisterarten M. mystacinus & M. brandtii können aufgrund ähnlicher Rufcharakteristika im Freiland bisher nicht sicher unterscheiden werden. 2) Die Fransenfledermaus und die Bechsteinfledermaus wurden im Jagdgebiet beobachtet. Die Arten sind aber bislang auf der Basis ihres Flug-, Jagd- und Echoortungsverhaltens nicht 100%ig zuverlässig zu bestimmen. Da in der Region am Bodensee die Bechsteinfledermaus bisher auch nicht nachgewiesen ist (nächster Nachweis bei Singen), halten wir eine sehr vorsichtige Präsentation dieser Art an dieser Stelle für angebracht. 3) Die beiden Geschwisterarten Plecotus auritus & P. austriacus können auf Grund ähnlicher Rufcharakteristika im Freiland bisher nicht sicher unterschieden werden. Sehr wahrscheinlich handelt es sich im UG um das Braune Langohr, die typische Waldart.

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken Tab.2 Nachgewiesene Fledermausarten in der Region (aus: BRAUN & DIETERLEN 2003) auf/über den Grünbrücken HD

Grünbrücke Fledermausart Bartfledermaus spec.

AB

GB Reg GB Reg x

x

Bechsteinfledermaus

x

Braunes Langohr Breitflügelfledermaus

SG

x

Fransenfledermaus

WH

HW

NW

HL

WB

GB Reg GB Reg GB Reg GB Reg GB Reg GB Reg x

x

x

x

x

x

x

x

x

x x

x x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x x

x

x x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

Graues Langohr

x

Großer Abendsegler Großes Mausohr

x

x

Kleine Bartfledermaus

x

x

Kleiner Abendsegler

x

x x

Langohr spec. Mückenfledermaus

x

x

x

x

x

x

x

x x

x

x

x

x

x

x

Rauhautfledermaus

x

x

x

x

Wasserfledermaus

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x x

Weißrandfledermaus

x

Zweifarbfledermaus

x

x

Zwergfledermaus

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

x

Sa. Arten

6

10

10

12

7

10

8

10

7

10

10

10

8

10

6

10

HD = Hörnleswald, AB = Aichelberg, SG = Schwarzgraben, WH = Weiherholz, HW = Hirschweg, NW = Nesselwangen, HL = Hohenlinden, WB = Würtembergle - GB = Grünbrücke, Reg = Region

Pro Grünbrücke wurden zwischen 6 und 10, im Durchschnitt 7.8 Arten bzw. Artengruppen nachgewiesen. Aus dem baden-württembergischen Fledermausatlas (BRAUN & DIETERLEN 2003) kann entnommen werden, dass im Durchschnitt 11 Arten (10.9) in den jeweiligen Regionen vorkommen (Tab. 2). Stetige und fehlende Arten auf den Grünbrücken im Vergleich zu den Vorkommen in der Region Stetige Arten, d.h. auf allen Grünbrücken festgestellte Arten waren Zwergfledermaus, Rauhautfledermaus und Bartfledermaus. Erstaunlicherweise wurden die eigentlich nur schwer nachweisbaren, weil sehr leise rufenden Langohren, an 7 von 8 Grünbrücken ermittelt, ebenso wie der Große Abendsegler, der trotz der Präferenz einer großen Flughöhe eine stetige Grünbrückenart ist. Die Fransenfledermaus wurde an 6, Großes Mausohr und Breitflügelfledermaus an jeweils 5 der 8 Grünbrücken nachgewiesen. Die Bechsteinfledermaus wurde dagegen nur an den beiden Grünbrücken Nesselwangen und Aichelberg festgestellt. Der fehlende Nachweis der Fransenfledermaus, einer typischen Waldart, auf der im Wald gelegenen Grünbrücke Hörnleswald könnte mit der vergelichsweise geringen Stichprobengröße zusammenhängen. Die Grünbrücke Hohenlinden selbst – auch ohne Nachweise der Fransenfledermaus - reicht nur an einer Seite direkt an den Wald, was für eine Waldfledermausart von Bedeutung ist. Die Bechsteinfledermaus ist schwer mit dem Detektor nachweisbar, außerdem weist diese Art meist nur geringe Individuenzahlen in ihren Vorkommensgebieten auf. Die fehlenden Nachweise auf den Grünbrücken sind so erklärbar. 8

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Wasserfledermäuse orientieren sich bei ihren Flügen von den Waldquartieren zu den Jagdgebieten über Stillgewässern gerne an Fließgewässern, die im Grünbrückenumfeld nicht vorhanden waren. Dies mag erklären, warum an den Grünbrücken Hirschweg, Hohenlinden, Schwarzgraben und Würtembergle keine Wasserfledermäuse nachgewiesen werden konnten.

3.2 Nachweishäufigkeit der Arten Von diesen 10 Arten bzw. Vertretern von Artengruppen konnten an acht untersuchten Grünbrücken insgesamt 1209 Fledermauskontakte in 204 Beobachtungsstunden registriert werden (5,9 Kontakte/Std.). Dabei war die Zwergfledermaus die mit Abstand am häufigsten beobachtete Art (585 Kontakte), gefolgt von den Bartfledermäusen (191 Kontakte) und der Rauhautfledermaus mit 96 Kontakten (Abb. 1). Vergleichsweise häufig waren ebenfalls die Langohren, die Fransenfledermaus und das Große Mausohr. Alle weiteren Arten wurden nur sporadisch festgestellt. In 63 Fällen konnte eine Zuordnung nur bis zur Gattung Myotis erfolgen.

Anzahl Beobachtungen

600

n = 1209

500 400 300 200

*

*

100 0 Ppip

Mm/b

Pnat

Mspec

Plec

Mnat

Nnoc

Mmyo

Eser

Mdau

Mbech?

Abb.1 Häufigkeitsverteilung der beobachteten Arten an 8 Grünbrücken. (* = nicht strukturgebundene Arten). Angegeben sind: Ppip = Zwergfledermaus, Mm/b = Bartfledermäuse, Pnat = Rauhautfledermaus, Mspec = unbestimmte Myotisart, Plec = Langohr, Mnat = Fransenfledermaus, Nnoc = Großer Abendsegler, Mmyo = Großes Mausohr, Eser = Breitflügelfledermaus, Mdau = Wasserfledermaus, Mbech = Bechsteinfledermaus.

Neben den strukturgebundenen Arten konnten in 27 Fällen auch die weniger stark strukturgebundene Breitflügelfledermaus bei der Querung der Grünbrücken festgestellt werden. Die beobachteten Großen Abendsegler fliegen in Höhen von 30 und mehr Metern (bis etwa 150 m) und müssen nicht zwingend in Verbindung mit den Grünbrücken stehen.

3.3 Funktion der Grünbrücken: Überflug - Jagd Grünbrücken können grundsätzlich als Überflughilfe oder zur Jagd (oder beidem) genutzt werden. Die meisten Arten nutzen die Grünbrücken sowohl als Überflughilfe, als auch zeitweilig zur Jagd. Auffällig war, dass nur die drei Arten Großer Abendsegler, Breitflügel-, und Wasserfledermaus die Grünbrücken einzig zum Überflug nutzten. Alle anderen Arten konnten auch bei der Jagd direkt auf der Grünbrücke, bzw. am Grünbrückenrand festgestellt werden. 9

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Erwartungsgemäß sind besonders die strukturgebundenen Arten wie Bart- und Fransenfledermäuse oder Langohren, aber auch die am häufigsten beobachtete Zwergfledermaus intensive Nutzer von Grünbrücken (Tab. 3). Tab.3 Nutzung der Grünbrücken durch Fledermäuse

Überflug

Jagd

Abendsegler (Nyctalus noctula)

x

x

Bartfledermaus spec. (Myotis brandtii/mystacinus)

x

x

Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii)?

x

-

Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus)

x

-

Fransenfledermaus (Myotis nattereri)

x

x

Großes Mausohr (Myotis myotis)

x

x

Langohr spec. (Plecotus auritus/austriacus)

x

x

Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)

x

x

Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)

x

-

Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)

x

x

Art

Grünbrücken dienen den Fledermäusen zu unterschiedlichen Funktionen und werden die ganze Nacht über genutzt. In welcher Intensität wird folgend aufgezeigt.

3.4 Aktivitätszeiten Um zu klären, ob Grünbrücken die ganze Nacht über genutzt werden, oder nur zu bestimmten Zeiten und damit indirekt Hinweise zu bekommen zur Nutzung und Funktion von Grünbrücken, wurde die Nacht in 3 Aktivitätsphasen eingeteilt, die sich an dem Verhalten der Fledermäuse orientieren. Die erste und die letzte Nachtphase beschreiben dabei den Zeitraum des abendlichen Ausflugs bzw. des morgendlichen Heimflugs (jeweils 2 Stunden), während die mittlere Nachtphase die Zeit abbildet, in der erfahrungsgemäß vorwiegend gejagt wird. Betrachtet man die verschiedenen Aktivitätsphasen auf den acht untersuchten Grünbrücken, so stellt man in der Summe fest, dass die Aktivität in den Morgenstunden am höchsten ist, gefolgt von den abendlichen Ausflugsstunden (Tab. 4). Allerdings ist die Aktivität während der mittleren Nachtphase nicht unbeträchtlich, vor allem wenn man bedenkt, dass in der Zeit zwischen etwa 1:00 und 2:00 Uhr die Aktivität von Fledermäusen erfahrungsgemäß am niedrigsten ist, Individuen oft Zwischenquartiere aufsuchen und Ruhephasen einlegen.

Uhrzeit

Stunden

Aktivität (Kontakte/Std.)

21:00-23:00

48

8,95

23:00-3:30

108

4,35

3:30-5:30

32

11,05

Tab.4 Nächtliche Aktivitätsverteilung an den acht untersuchten Grünbrücken

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Die Beobachtungen im Gelände zeigten, dass die Brücken während der mittleren Nachtphase zwar vorwiegend bejagt, aber auch in gerichtetem Durchflug zum Jagdgebietswechsel gequert wurden. Dieses Bild wird bestätigt, wenn man die nächtliche Aktivitätsverteilung der einzelnen Arten betrachtet (Abb. 2, 3). Dabei fällt auf, dass sich die Verteilung ähnelt. Grob kann man unterscheiden in die Pipistrellus-Arten einerseits (Zwerg- und Rauhautfledermaus) und die Myotis-Arten andererseits. Die Pipistrellen weisen etwa doppelt so hohe Abend- und Morgenaktivitäten auf wie in der 2. Aktivitätsphase, wobei die Rauhautfledermaus, im Gegensatz zur Zwergfledermaus, eine leicht höhere Morgenaktivität besitzt. Bei den Myotis-Arten ist der Unterschied der Aktivität zwischen 1. und 3. zur 2. Nachtphase geringer, was auch der allgemeinen Aktivitätsverteilung dieser Arten entspricht. Die Langohraktivität ist wiederum vergleichbar mit jener der Pipistrellen, wobei die Aktivität insgesamt weitaus geringer ist.

mittlere Aktivitätsdichte

5,0 4,0 3,0 2,0 1,0 0,0 Ppip

Pnat

Mm/b

Mnat

Mmyo

21:00-23:00

Uhrzeit

Mdau

23:00-3:30

Mspec

Plec

3:30-5:30

Abb.2 Nächtliche Aktivitätsverteilung der einzelnen Arten auf acht untersuchten Grünbrücken (1 Nachtphase: .48 Std., 2. Nachtphase: 108 Std., 3. Nachphase:32 Std.). Abkürzungen s. Abb. 3.

30,0

25,0

Plec

Kontakte / Std.

20,0

Mspec Mbech? 15,0

Mdau Mmyo Mnat

10,0

Mm/b Pnat Ppip

Weiherholz

Schwarzgraben Nesselwangen

Hohenlinden

Markelfingen

Hirschweg

Hörnleswald

3:30-5:30

23:00-3:30

21:00-23:00

3:30-5:30

23:00-3:30

21:00-23:00

3:30-5:30

23:00-3:30

21:00-23:00

3:30-5:30

23:00-3:30

21:00-23:00

3:30-5:30

23:00-3:30

21:00-23:00

3:30-5:30

23:00-3:30

21:00-23:00

3:30-5:30

23:00-3:30

21:00-23:00

3:30-5:30

23:00-3:30

0,0

21:00-23:00

5,0

Aichelberg

Abb.3 Aktivität und Artenverteilung an acht untersuchten Grünbrücken (ohne Breitflügelfledermaus und Abendsegler). Angegeben sind: Ppip = Zwergfledermaus, Mm/b = Bartfledermäuse, Pnat = Rauhautfledermaus, Mspec = unbestimmte Myotisart, Plec = Langohr, Mnat =-- Fransenfledermaus, Nnoc = Großer Abendsegler, Mmyo = Großes Mausohr, Eser =-- Breitflügelfledermaus, Mdau = Wasserfledermaus, Mbech = Bechsteinfledermaus.

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Zwischen den Grünbrücken gibt es Unterschiede: so sind vglw. hohe abendliche Aktivitäten auf den Grünbrücken Nesselwangen, Hohenlinden und Hirschweg, vglw. niedrige Aktivitäten auf den Grünbrücken Schwarzgraben und Aichelberg festzustellen. Eine unterschiedliche Aktivitätshöhe zwischen Abendphase und Morgenphase pro Grünbrückenstandort deutet an, dass Individuen größere Räume nutzen und nicht auf demselben Wege zurückkehren wie sie gekommen sind.

3.5 Nutzungsunterschiede zwischen den Grünbrücken In Bezug auf die Nutzung der einzelnen Grünbrücken ergibt sich folgendes Bild (Tab. 5): Während die Grünbrücken Hirschweg und Aichelberg intensiv beflogen werden, werden die Standorte Negelhof, Schwarzgraben, Württembergle und Hörnleswald eher wenig beflogen. Die Grünbrücken Nesselwangen, Hohenlinden und Weiherholz nehmen eine mittlere Stellung ein. Brückenbauwerk

Rufe

Stunden

Rufe/Stunde

intensiv bearbeitete Grünbrücken Hirschweg

195

17

11,2

Aichelberg

192

21,5

8,9

Hohenlinden

165

21,5

7,7

Nesselwangen

157

23,5

6,7

Weiherholz

152

32

4,8

Württembergle

81

21,5

3,8

Schwarzgraben

95

27,5

3,5

Hörnleswald

81

23,5

3,4

Tab.5 Aktivitätsdichte pro Brückenstandort (ohne die nicht strukturgebundenen Arten Großer Abendsegler und Breitflügelfledermaus)

extensiv bearbeitete Vergleichsstandorte Negelhof

20

8

2,5

Haldenhof-Brücke

48

8

6

Sogar die technische Straßenbrücke Haldenhof weist eine höhere Aktivität auf als die gering genutzten Grünbrücken. Vegetationsstrukturen allein – der wesentliche Unterschied zwischen Grünbrücken und technischen Bauwerken – können also nicht die Aktivitätsdichte vollständig erklären.

3.6 Zusammenhang Brückenbreite – Vegetationsaufwuchs – räumliche Anbindung Tabelle 6 stellt die Nachweisraten pro Zeiteinheit, die Strukturen auf der Grünbrücke und die räumliche Anbindung der jeweiligen Grünbrücke an umliegende Gehölze dar.

12

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken Tab. 6 Fledermausaktivität in Bezug zu Struktur auf der Brücke, Anbindung und Breite der Brücken

Bauwerk

Kontakte/Std.

Strukturen

Anbindung an umliegende Gehölze

Breite

Hirschweg

11,2

Sträucher

auf einer Seite gegeben

64 m

Aichelberg

8,9

dichte Sträucher

beidseitig gegeben

53 m

Hohenlinden

7,7

lückiger Bewuchs

auf einer Seite dichte Anbindung, die andere Seite eher lückig

39 m

Nesselwangen

6,7

dichte Sträucher

auf einer Seite dichte Anbindung, die andere Seite eher lückig

20 m

Weiherholz

4,8

Sträucher

auf einer Seite dichte Anbindung, die andere Seite eher lückig

65 m

Württembergle

3,8

Sträucher

fehlender direkter Anschluss

31 m

Schwarzgraben

3,5

dichte Sträucher

beidseitig gegeben

39 m

Hörnleswald

3,4

fast reine Krautvegetation

beidseitig gegeben

37 m

Negelhof

2,5

Sträucher

auf einer Seite gegeben

13 m

6

technisches Bauwerk

auf einer Seite gegeben

ca. 9 m

HaldenhofStraßenbrücke

Grünbrücken mit hohen Aktivitäten wie Hirschweg und Aichelberg hatten i.d.R. vielfältige Vegetationsstrukturen, d.h. dichte Gehölze die als Leitlinien und Lärm- und Lichtschutz fungierten und eine gute Anbindung an umliegenden Gehölz- und Waldbestände boten. In Bezug auf die Breite der Grünbrücken deutet sich eine schwache Abhängigkeit der Grünbrückennutzung durch Fledermäuse von der Breite der Bauwerke an (Abb. 4).

Kontakte/Std.

12,00 10,00 8,00 6,00 4,00 2,00 0,00 65

64

53

39

39

37

30

20

Brückenbreite in m Abb. 4 Kontakte pro Stunde in Bezug zur Brückenbreite (vgl. Tabelle 6)

13

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Breite Grünbrücken (> 50 m): Vereinfacht gesagt wiesen breite Grünbrücken auch die höchste Zahl an Fledermauskontakten auf. Ausnahmen sind die beiden Grünbrücken Weiherholz auf der negativen und Nesselwangen auf der positiven Seite. Dies kann mit den Strukturen und der Anbindung an umliegende Waldflächen erklärt werden: die Grünbrücke Weiherholz hat nur an einer Seite eine enge Anbindung an den Wald und ist in Teilen lückig bewachsen, die Grünbrücke Nesselwangen weist einen dichten zweireihigen Strauchbestand auf, der an einer Seite dicht an Wald, an der anderen Seite an lockere Obstbaumbepflanzung reicht. Grünbrücken mittlerer Breite von 30 – 39 m wiesen auch eher mittlere Zahlen an Fledermauskontakten auf. Die Ausnahme ist hier die Grünbrücke Hohenlinden, die vergleichsweise hohe Zahlen aufweist. An einer Seite besteht eine direkte Anbindung an den Wald, auf der anderen Seite liegen eine Straße und eine lückige Obstbaumreihe. Eine Erklärung kann sein, dass diese Grünbrücke zu den Untersuchungszeiten vglw. intensiv zur Jagd, weniger als Überflughilfe genutzt wurde, woraus sich vglw. hohe Nachweisraten ergäben. Schmale Grünbrücken (< 20 m): Die Brückenstandorte mit relativ geringer Fledermausaktivität zeichneten sich entweder durch eine fehlende, oder nur einseitige Anbindung an Gehölzbestände oder vglw. lückige Strukturen (Hörnleswald ohne Gehölze) aus. So wurde die Grünbrücke Württembergle etwa 150 m versetzt von einer typischen Leitstruktur (Hecke) gebaut, was nach eigenen Beobachtungen zur Folge hatte, dass beispielsweise Rauhautfledermäuse weiterhin der Hecke folgten und dann die Trasse der B33 im freien Flug abseits der Grünbrücke querten. Ob dies auch für andere Arten galt, konnte nicht geklärt werden. Entsprechend gering war die Aktivität auf der Brücke. Technisches Bauwerk: Erstaunlich ist das gute Abschneiden der Haldenhof-Straßenbrücke. Diese strukturlose Brücke stellt jedoch eine direkte Verbindung zwischen zwei Ortschaften und dem Wald dar.

3.7 Nutzungsvergleich Grünbrücken – technische Bauwerke Die Tabelle 7 offenbart Unterschiede zwischen den Grünbrückenstandorten, technischen Über- und Unterführungen. Technische Bauwerke können mit Grünbrücken bei Verwendung der Methode der Rufaufzeichnung nur bedingt verglichen werden, da bei ihnen der Erfassungsgrad relativ besser ist als bei mehr als 50 m breiten Grünbrücken. Deshalb wurden in Tab. 7 die verfügbaren Detektordaten hinzugefügt. Auf diese Weise wird der Methodenfehler der automatischen Erfassung für die breiten Grünbrücken vermieden. Der Vergleich der Daten zeigt eine Reihung der Nutzungsintensität von Unterführungen über (breite) Grünbrücken zu technischen Straßenüberführungen. Grünbrücken weisen mit mittleren Werten von 5.8 eine mehr als viermal so hohe Nutzungsrate wie technische Straßenbrücken mit nur 1,4 Kontakten/Std auf.

14

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Brückenbauwerk Grünbrücken (Mittel)

Horchkisten Rufe/Stunde

Detektor Rufe/Stunde

3.9

5,8

Grünbrücken >50 m Hirschweg

8

11,2

Weiherholz

3,7

4,8

Aichelberg

2,4

8,9

Mittel

4,2

7,6

Tab.7 Aktivitätsdichte pro Bauwerk (ohne die nicht strukturgebundenen Arten Großer Abendsegler, Breitflügelfledermaus); Daten der automatischen Erfassung (Horchkisten) und Detektordaten

Grünbrücken 30 – 50 m Schwarzgraben

2,3

3,5

Hohenlinden

3,5

7,7

Hörnleswald

2,5

3,4

Mittel

2,5

4,1

Grünbrücken < 30 m Nesselwangen

7,7

6,7

Negelhof

0,8

2,5

Mittel

3,4

5,6

Straßenbrücken B464, Forstwegbrücke

0,6

B31neu, Haldenhof-Brücke

1,4

B31neu, Straßenbrücke zw. Nesselwangen & Hohenlinden

2,1

Mittel

1,4

keine Daten

Unterführungen B31neu, Unterführung zw. Negelhof & Hirschweg

4,1

B31neu, Unterführung östlich Schwarzgraben

9,6

B31neu; Unterführung östlich Weiherholz

4,7

Mittel

6,9

keine Daten

Die höchste Aktivität insgesamt wurde an den mit wenigen Metern vergleichweise schmalen Unterführungen mit einem Mittel von 6.9 Kontakten/Stunde festgestellt. Die hohen Werte waren vorwiegend auf die Unterführung bei Schwarzgraben zurückzuführen. Abgesehen vom Standort Negelhof, wiesen wiederum alle Grünbrückenstandorte eine deutlich höhere Aktivität auf als alle technischen Straßenbrücken.

15

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

4

Diskussion

4.1 Problemdarstellung Sowohl Telemetriestudien als auch Detektoruntersuchungen zeigen einheitlich, dass alle Fledermäuse die Landschaft in einer besonderen Weise nutzen. Grob beschrieben verlassen sie am Abend ihr Quartier, fliegen auf einer traditionellen Flugstraße ins Jagdgebiet, wechseln ihre Jagdgebiete innerhalb einer Nacht in unterschiedlicher, artspezifischer Weise und kehren am Morgen in ihr Quartier zurück. Während der Wochenstubenzeit im Sommer wird das Quartier von Weibchen während der Nacht häufiger aufgesucht, um die Jungen zu säugen. Dieses komplexe Verhaltensmuster wird je nach Art stark variiert. Ein wichtiger Bezug ist hierbei die Strukturbindung der einzelnen Arten, d.h. die Erforderlichkeit von Strukturen zur Orientierung in der Landschaft. Diese Strukturbindung steht in engem Zusammenhang mit der artspezifischen Echoortung: im Extrem unterscheidet man hierbei Arten des freien Luftraumes wie Abendsegler und Zweifarbfledermaus und stark strukturgebundene Arten wie Langohren und Bechsteinfledermäuse, die sehr leise rufen und ihre Nahrung zum Teil von Blättern ablesen (sogenannte Gleaner). Diese Strukturbindung ist neben dem Nahrungserwerb aber auch verantwortlich für die Verteilung der Tiere in der Landschaft. Während Arten des freien Luftraumes in großen Höhen über Wiesen und Wälder fliegen können, brauchen strukturgebundene Arten, wie Fransenund Bechsteinfledermäuse Leitlinien (Hecken, Mauern, Waldränder etc.), um sich vom Quartier ins Jagdgebiet bewegen zu können (LIMPENS & KAPTEYN 1991). Werden diese Leitlinien zerschnitten, verlagern sich die Flugstraßen oder die Tiere orientieren sich über kurze Distanz an der nächstgelegenen Struktur, dem Boden, was dazu führt, dass sie dabei in Höhen von 0.5-1m über dem Boden fliegen. Hier werden sie dann beim Queren von breiten Straßen von Fahrzeugen erfasst (KIEFER & SANDER 1993). In Mitteleuropa stellen große Straßen (Autobahnen, Bundesstraßen) einen wichtigen Faktor bei der Zerschneidung von Landschaften dar. Eine Möglichkeit, solche Zerschneidungen zu vermeiden oder deren Effekt zu vermindern, ist der Bau von geeigneten Unterführungen und Überführungen als Querungshilfe (vgl. PFISTER et. al. 1997, AG QUERUNGSHILFEN 2003, LIMPENS & TWISK 2004), die mittlerweile auch großräumig in Europa Anwendung finden (IUELL et. al. 2003) Bislang gibt es allerdings keine speziellen Untersuchungen zur Effizienz der Querungsbauwerke für Fledermäuse. Daten und Erfahrungen zur Bauwerknutzung fielen bislang vornehmlich als Nebenprodukte im Rahmen anderer Untersuchungen ab (AG QUERUNGSHILFEN 2003, BACH et al. 2004, BRINKMANN et al. 2002, KRULL et al. 1991). Eine Ausnahme bildet die Untersuchung von FUHRMANN & KIEFER (1996) zur Lösung eines speziellen Querungsproblems beim Großen Mausohr. Die vorliegende Studie ist damit die erste geplante systematische Erfassung zur Nutzung von verschiedenen Querungshilfen durch Fledermäuse. Zu beachten ist bei dieser Studie allerdings, dass die Querungsbauwerke nicht aus Fledermausschutzgründen erfolgten.

16

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Bei der Frage der Wirksamkeit von Grünbrücken für Fledermäuse kann grundsätzlich erwartet werden, dass mit Gehölzstrukturen versehene Bauwerke, von strukturgebundenen Fledermäusen genutzt werden. Dies gilt zumindest für Bauwerke in waldreichen Landschaften, wie in den Untersuchungsgebieten. An Querungsbauwerke in Stadtlandschaften oder der offenen Feldflur können u.U. andere Ansprüche gestellt werden, da sie grundsätzlich auch für andere Fledermausarten von Bedeutung sein können (BOYE et. al. 1999, SIMON et. al. 2004) oder einer anderen Nutzung durch Fledermäuse unterliegen.

4.2 Nutzung von Grünbrücken Welche Funktionen übernehmen die Grünbrücken für Fledermäuse? Grünbrücken können mindestens vier Funktionen erfüllen: traditionelle Flugrouten können aufrechterhalten werden, zerschnittene Jagdgebiete können verbunden und damit erreichbar für Fledermäuse werden, die gefahrlose Überquerung einer Hochleistungstrasse wird ermöglicht sowie als Jagdgebiet selbst. In Planungen werden dazu Kombinationslösungen wie Querungsbauwerk plus Leitpflanzung und/oder hohe dichte Vegetation oder technische Bauwerke als Überflughilfe vorgeschlagen (vgl. MÜLLER-STIEß 2003).

4.2.1 Übersicht Insgesamt kann nach den Untersuchungsergebnissen festgehalten werden, dass Grünbrücken ü von mindestens 10 Fledermausarten, ü als Überflugshilfe auf ihren abend- und morgendlichen Flugstraßen, ü zum nächtlichen Wechsel der Jagdgebiete, ü zur Jagd, ü sowohl von strukturgebundenen Arten wie z.B. Fransenfledermaus, Bartfledermaus, ü als auch weniger und/oder nicht strukturgebundenen Arten wie Breitflügelfledermaus, Großer Abendsegler genutzt werden. ü Die Nutzung von Grünbrücken um mehr als das 3fache über der Nutzung von technischen Überführungsbauwerken liegt. ü Die Nutzung von Grünbrücken etwas niedriger zu sein scheint, als bei den vergleichsweise betrachteten technischen Straßenunterführungen. ü Das Spektrum der die Grünbrücken nutzenden Arten dem Spektrum der Arten entspricht, die in der Region vorkommen. Schon allein diese Ergebnisse lassen den Wert von Grünbrücken für Fledermäuse erkennen. Die Nutzung der verschiedenen Grünbrücken war uneinheitlich, was sowohl an der Breite der Grünbrücken, ihrer Ausstattung mit Gehölzen/Strukturen und ihrer Anbindung an bestehende Fledermausfunktionsräume lag. So wäre beispielsweise die Nutzung der Grünbrücke Württembergle deutlich höher gewesen, wäre sie etwa 150m nach Westen versetzt in Verlängerung einer als Leitlinie fungierenden Hecke gebaut worden.

17

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Im Folgenden sollen die Ergebnisse zwischen den Grünbrücken und im Vergleich zu den anderen untersuchten Bauwerken detaillierter diskutiert werden.

4.2.2 Artenvorkommen und Funktion der Grünbrücken An allen Standorten konnten mit den angewandten Methoden mindestens 60-80% der im regionalen Umfeld der Brücken nachgewiesenen Arten (BRAUN & DIETERLEN 2003) festgestellt werden. Bei den jeweils nicht nachgewiesenen Arten handelt es sich vor allem um Arten, die mit der hier genutzten Methode nicht effizient erfassbar (sehr leise rufende Langohren) und auch nicht eindeutig zu bestimmen sind (z.B. Bechsteinfledermaus,), infolge des Fehlen der Habitate (Wasserfledermaus) oder ihrer Seltenheit (Weißrand-, Mückenfledermaus) nicht zu erwarten waren, oder nicht zwingend auf Querungshilfen angewiesen sind (Zweifarbfledermaus). Zudem sind die Artengruppen Bartfledermaus und Langohr per Detektor (Schwerpunktmethode der vorliegenden Untersuchung) nicht weiter bestimmbar, so dass sich hinter diesen Artengruppen jeweils beide Arten verbergen können. Beachtet man diese Kriterien und die geringe Begehungszahl (i.d.R. 3 Nächte), so ist festzustellen, dass nur in zwei Fällen jeweils eine erwartete Art nicht angetroffen wurde (Hörnleswald: Fransenfledermaus; Württembergle: Großes Mausohr). Die hier nicht nachgewiesenen Arten Bechstein- und Wimperfledermaus sind auf Leitstrukturen zur Orientierung in der Landschaft relativ stark angewiesen. Beide Arten orientieren sich mit ihren Ortungsrufen an der Vegetation oder der Bodenoberfläche (MESCHEDE & RUDOLPH 2004). KRULL et al. (1991) konnten zeigen, dass Wimperfledermäuse lieber einen längeren Weg fliegen um eine breite Trasse mit Hilfe einer Unterführung zu queren, als den kürzesten Weg quer über die Straße zu nehmen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen BRINKMANN et al. (2002). Um allerdings die Frage der Nutzung von Grünbrücken für diese beiden leise rufenden Arten zu klären, sind gesonderte Untersuchungen mit Fang und Telemetrie notwendig. Aus unseren Ergebnissen ist der hohe Wert dieser Grünbrücken deutlich abzulesen und es kann gefolgert werden, dass wahrscheinlich alle im Gebiet vorhandenen Arten die Grünbrücken dauerhaft nutzen, sofern sie sich im Aktionsradius des jeweiligen Bestandes befinden. Abgesehen von der Grünbrücke Hörnleswald wurden an allen Grünbrücken hohe frühe abend- und späte morgendliche Durchflüge festgestellt, was bedeutet, dass diese Brücken eine deutliche Funktion als querende Leitlinie erfüllen. Bei der Grünbrücke Hörnleswald ist dies weniger stark ausgeprägt, hier war die Durchflugaktivität nachts deutlich höher. Dabei kann nicht klar unterschieden werden, ob es an den fehlenden Strauchstrukturen oder an der Lage mitten im Wald liegt. Eine ähnliche Verteilung der Aktivität findet man zwar auch bei der Grünbrücke Aichelberg, doch ist hier die Aktivität insgesamt deutlich höher. Beide Grünbrücken stehen mitten im Wald. In geschlossenen Waldbeständen lösen sich Flugstraßen in der Regel auf. Beide Grünbrücken weisen Unterschiede auf. Während die Fledermäuse auf der Grünbrücke Hörnleswald i.d.R. durchfliegen und keine jagenden Tiere beobachtet wurden, war auf der Grünbrücke Aichelberg neben nächtlichem Durchflug (Jagdgebietswechsel) auch rege Jagdaktivität zu verzeichnen. Rege Jagdaktivität und nächtlicher Durchflug zum Jagdgebietswechsel wurde auch an allen anderen Grünbrücken beobachtet. Dies gilt prinzipiell für alle Arten, wobei aber Bart-, Zwerg- Rauhautfledermäuse und Lang18

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

ohren deutlich hervortraten. Nur auf der Grünbrücke Hohenlinden jagten fast ausschließlich Zwerg- und Rauhautfledermäuse. Damit konnte gezeigt werden, dass die vier Funktionen je nach Fledermausart und Nachtaktivitätsphase insgesamt erfüllt wurden. Somit stellen Grünbrücken mit ihrer Lenkungsfunktion eine Möglichkeit dar, durch gefahrloses Queren von breiten Straßentrassen das verkehrsbedingte Mortalitätsrisiko von Fledermäusen zu senken (vgl. RICHARZ 2000). Die Nutzungsverteilung zeigt darüber hinaus noch einen weiteren Aspekt der Grünbrückengestaltung. Strukturarme Grünbrücken werden vorwiegend zum Durchflug, nicht oder nur geringfügig bzw. nur von in halboffenen Landschaften jagenden Arten als Jagdgebiet genutzt (Hörnleswald, Hohenlinden). Strukturreiche Grünbrücken, das sind oft auch breit dimensionierte Brücken, da auf größerer Fläche eine größere Strukturvielfalt entstehen kann, werden zusätzlich auch zur Jagd aufgesucht. Grund hierfür scheint neben dem reinen Strukturangebot gleichzeitig der stärkere Licht- und Lärmschutz zu sein. Dafür spricht die vglw. geringe Aktivität auf der Grünbrücke Schwarzgraben: sie weist zwar eine durchgehende Hecke als Leitstruktur auf, diese befindet sich aber in der Mitte der Grünbrücke. Licht- und Lärmemission können so in Teilen der Brücke wirken. Es ist bekannt, dass einige Myotis-Arten und Hufeisennasen Licht meiden (RYDELL & RACEY 1995). Fledermäuse mit der Strategie des Absammelns (Gleaner), wie Bechstein-, Fransenfledermäuse, Mausohren und Langohren jagen nahe an Strukturen (Blätterwerk, Boden) entweder mit sehr leisen Echoortungsrufen oder mit passiver Orientierung durch das Hören von Insektenbewegungen auf Blättern oder krabbelnder Tiere im Bodenlaub (SCHNITZLER & KALKO 2001; COLES et al. 1989). Sie hören ebenso auf Insektenrufe z.B. von Heuschrecken. Straßenlärm kann diese leisen Geräusche überdecken und kann es wesentlich schwerer oder sogar unmöglich machen für Fledermäuse zu jagen. Allerdings existieren hierzu bislang keine systematischen Untersuchungen.

4.2.3 Vergleich mit technischen Bauwerken Wie die Ergebnisse gezeigt haben, nutzen Fledermäuse Grünbrücken deutlich häufiger als technische Überführungsbauwerke, jedoch etwas weniger als Unterführungen. Verschiedene Autoren (z.B. BACH et al. 2004, BAY & HÄUSSLER o.J.; RICHARZ & LIMBRUNNER 1992, RICHARZ 2000) berichten ebenfalls, dass z.B. Arten wie Rauhautfledermaus, Wasserfledermaus, Zwergfledermaus und Wimperfledermaus Straßenunterführungen nutzen, während z.B. hochfliegende Arten wie Kleiner und Große Abendsegler Straßen in sicheren Höhen überfliegen. BACH et al. (2004) konnten zeigen, dass Unterführungen unterschiedlicher Größe von elf Arten und zwei Artengruppen (Bartfledermäuse und Langohren) in einer zum Teil sehr hohen Aktivität genutzt werden. Im Vergleich dazu wurden „normale Straßenbrücken“ nur von fünf Arten und der Artengruppe der Bartfledermäuse in geringen Zahlen genutzt. Dies gilt selbst, wenn die Anbindung der Straßenbrücken an Leitlinien besser war. Ein Grund für die geringe Nutzung der „normalen Straßenbrücken“ mag sein, dass die Seitenwände bzw. Geländer zwar eine vertikale Struktur darstellen können, an der sich Fledermäuse orientieren können, der Licht und Lärmeinfluss aber zu groß ist, so dass die meisten Tiere Querung auf diesen Bauwerken vermeiden. Vor allem Waldarten wie Bechstein-, Fransen-, Bartfledermäuse, Mausohren und Langohren meiden Lichtquellen. Von Wasserfledermäusen und Kleinen Hufeisennasen ist bekannt, dass sie ihre Flugstra19

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

ßen verlagern, wenn diese beleuchtet werden (ALDER 1993, BILLINGTON mündl.). Ob die Nutzung der normalen (technischen) Straßenbrücken zusätzlich vom hinüberführenden Autoverkehr beeinflusst ist, kann hier nicht geklärt werden. Dass Unterführungen stärker genutzt werden als Grünbrücken, mag an der Anbindung (zumeist kombiniert mit Waldwegen) liegen und/oder an der Dammlage der Trasse, die möglicherweise für Fledermäuse als Struktur (Wand) angesehen wird, der dann zur nächsten Unterführung gefolgt wird. Die vorliegenden Untersuchungen bestätigen die Hinweise, wie sie z.B. für den Leitfaden Tierquerungshilfen zu Dimensionierungen und Gestaltungen von Unterführungen gegeben werden (FGSV 2003).

4.3 Schlussfolgerungen Die untersuchten Brückenstandorte wurden nicht nach bestehenden Flugstrassen oder speziellen Verbindungsachsen für Fledermäuse geplant, weder in Bezug auf die Lage noch in Bezug auf die Gestaltung oder landschaftliche Einbindung. Trotzdem wurden sie von Fledermäusen im Vergleich mit normalen Überführungen deutlich intensiver genutzt. Selbst diese nicht speziell für Fledermäuse geplanten Grünbrücken erfüllen also auch für diese flugfähigen und nicht unbedingt auf solche Bauwerke angewiesenen Arten ihre Funktion, als Überflughilfe und sogar als kurzfristiges Jagdhabitat. Betrachtet man die Brückenbreite, die Struktur auf der Brücke und die räumliche Anbindung der Grünbrücke an umliegende Gehölze, so erklärt sich die Grünbrückennutzung als Funktion aus diesen Aspekten. Am Besten erweisen sich breite Brücken mit dichtem Strauchaufwuchs und einer engen Anbindung an vorhandene Landschaftsstrukturen, besonders Gehölze und Wald. Dabei sind in Waldstandorten vermutlich deutlich breitere Grünbrücken erforderlich als in der Feldmark. In geschlossenen Waldbeständen spielt die Ausflugszeit eine weniger wichtige Rolle, hier ist vornehmlich die Wechselmöglichkeit zwischen Jagdgebieten beiderseits der Trasse wichtig. Zudem lösen sich in Waldbeständen Flugstraßen sehr schnell auf und die Tiere durchfliegen den Wald in breiter Front. Dies bedeutet, dass hier Querungshilfen nicht mehr gezielt an Leitlinien errichtet werden können, sondern in regelmäßigen Abständen und mit entsprechend größerer Breite Querungsmöglichkeiten den Tieren ermöglichen müssen. Anders sieht die Situation in der offenen Feldflur mit Hecken als Leitlinien aus. In der freien Feldmark spielen häufig die abend- und morgendliche Flugstraßennutzung entlang Leitlinien (Hecken etc.) zwischen Quartier und Jagdgebiet eine wichtige Rolle. Hier reichen vermutlich die untersuchten Breiten der Grünbrücken aus, da sie einen entsprechenden (doppelreihigen) Gehölzaufwuchs garantieren und damit einen Licht und gewissen Lärmschutz bieten. Wie die Ergebnisse gezeigt haben, spricht scheinbar nichts gegen eine Kombination mit land- und forstwirtschaftlichen Wegen, da diese zur Nachtzeit auch nur sehr gering von Fahrzeugen genutzt werden. Die vorliegende Untersuchung in waldreichen Landschaften basiert auf einer Stichprobengröße von 2-4, meist 3 Nächten pro Bauwerk im Sommer 2005. Bisher gibt es nur wenige Erfahrungen über die Wirkungsweise von Grünbrücken oder Unterführungen als Querungs20

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

hilfe für Fledermäuse. Insofern hat die vorliegende Untersuchung Pioniercharakter. Die vorliegenden Ergebnisse und Interpretationen können als ein erster Baustein einer umfassenden Analyse betrachtet werden. Für einzelne Arten (z.B. Bechsteinfledermaus) konnten aktuell kaum Ergebnisse gewonnen werden, die Erwartungshaltung ist hier besonders bei breiten, strukturreichen Bauwerken direkt am Wald deutlich höher.

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

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Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken - Rohdatentabellen Tab. 8 Termine der Fledermausuntersuchungen

Termin 1

Termin 2

Termin 3

Termin 4

Grünbrücken Hörnleswald

25.5.

14.7.

27.07.

-

Aichelberg

26.5.

14.7.

26.07.

-

Hirschweg

27.5. (HK), 29.5. (1 h)

16.7.

27.08.

-

Schwarzgraben

29.5.

17.7.

28.07.

30.08. und 31.08.*

Weiherholz

28.5.

17.7.

29.07.

29.08. und 31.08.*

Nesselwangen

27.5.

16.7.

28.08.

-

28.5. (HK)

15.7.

24.07.

26.08.

-

15.7.

25.07.

01.09.

Hohenlinden Württembergle (Markelfingen)

Vergleichsstandorte Forstweg B 464

25.5.

14.7.

27.07.

-

Negelhof

27.5.

16.7.

28.08.

-

16.7.

27.08.

-

UF zw. Negelhof/Hirschweg Haldenhof

27.5.

16.7.

-

-

Straßenbrücke zw Nesselwangen/Hohenlinden

28.5.

16.7.

26.08.

-

UF Schwarzgraben

29.5.

17.7.

30.08.

-

-

17.7.

29.08.

-

UF Weiherholz * während kurzer Kontrollgänge

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken - Rohdatentabellen Tab. 9 : Wetterbedingungen an den Untersuchungsterminen

Datum

Wetter, Temperatur bei SU

25.5.2005

20°C, klar, später teilweise bewölkt, ± windstill

26.5.2005

22°C, klar, leichter, später mäßiger Wind

27.5.2005

20°C, klar, später teilweise bewölkt, ± windstill

28.5.2005

22°C, leicht bewölkt, später klar, ± windstill, Gewitter über Bodensee und im Westen

29.5.2005

21,6°C, windstill, später leichter Wind, wechselhaft bewölkt

14.7.2005

21°C, klar, ± windstill

15.7.2005

26°C, (gegen 23:00 Uhr noch 22°C), teilweise bewölkt, leichter Windwindstill

16.7.2005

21°C, teilweise bedeckt, später aufklarend und leichter Nebel, leichter Wind bis windstill

17.7.2005

21°C, klar, ± windstill

24.07.2005

um 25°C, klar bis wechselnde Bewölkung, vorwiegend trocken (heiß)

25.07.2005 26.07.2005 27.07.2005

25°C, trocken, klar, später einzelne Wolken, mäßiger Wind

28.07.2005

18 °C, anfangs trocken, bewölkt, nachfolgend leichter Nieselregen, leichter Wind

29.07.2005

18°C, anfangs trocken, nachfolgend Regen

26.08.2005

20°C, trocken, leichter Wind

27.08.2005

20°C, trocken, leichter Wind

28.08.2005

20°C, trocken, leichter Wind bis windig, vorwiegend klar (nur einzelne Wolken)

29.08.2005 30.08.2005 31.08.2005

22°C, trocken, windig

01.09.2005

20°C, bis gegen 02.00 Uhr trocken, dann Gewitter

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken - Rohdatentabellen Tab.10 Rohdaten der Rufaufzeichnung („Horchkisten“) für die ausgewählten Grünbrücken

B 464, Hörnleswald Datum Std.

Rufe

Index Rufe / h

25.5.

7,5

21

2,8

2 Pp, 1 Mm/b, 14 Mspec, 4 Plec

27.7.

7,5

17

2,3

4 Pp, 2 Mm/b, 8 Mspec., 3 Plec.

Gesamtindex

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

2,6

A8, Aichelberg, HK 1 Datum Std.

Rufe

Index Rufe / h

26.5.

7

20

2,9

6 Pp, 2 Mm/b, 12 Mspec

14.5.

5

11

2,2

10 Pp, 1 Mm/b

Gesamtindex

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

2,6

A8, Aichelberg, HK 2 Datum

Index Rufe / h

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Std.

Rufe

26.5.

7

18

2,7

13 Pp, 5 Mspec

14.5.

5

8

1,6

6 Pp, 1 Mmyo, 1 Mm/b

Gesamtindex

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

2,2

B31neu, Schwarzgraben-Straße Datum 29.5.

Std.

Rufe

Index Rufe / h

7

17

2,4

Gesamtindex

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

14 Pp, 2 Pspec, 1 Mspec

2,4

B31neu, Schwarzgraben-Ost Datum 29.5.

Std.

Rufe

Index Rufe / h

7

12

1,7

Gesamtindex

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

8 Pp, 4 Mspec

1,7

B31neu, Weiherholz Datum 28.5.*

Std.

Rufe

7,5

28

Index Rufe / h 3,7

Gesamtindex

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

23 Pp, 5 Pspec

3,7

B31neu, Hirschweg Datum Std.

Rufe

Index Rufe / h

27.5.

8

58

7,25

48 Pp, 9 Mm/b, 1 Mspec

17.7.

3,5°

34

9,7

21 Pp, 13 Mm/b

Gesamtindex

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

8,5

B31neu, Nesselwangen Datum Std.

Rufe

27.5.

7,5

64

17.7.

7,5

52

Gesamtindex

Index Rufe / h

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

8,5

41 Pp, 1 Pspec, 6 Mm/b, 4 Mmyo, 2 Plec, 10 Mspec

1 Es

6,9

44 Pp, 8 Mm/b

2 Es

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

7,7

B31neu, Hohenlinden Datum 15.7.

Std.

Rufe

Index Rufe / h

6,5

23

3,5

Gesamtindex

* ** °

19 Pp, 3 Mm/b, 1 Mn

3,5

= HK konnten nur sehr leise gestellt werden, da die Straßengeräusche zu laut waren. Dies bedeutet, dass die HK nur laute Rufsequenzen aufnehmen konnten und Myotis-Arten unterrepräsentiert sind. = es konnte nicht geklärt werden, ob die Tiere die Brücke queren! = Band durchgelaufen, v.a. wegen Heuschrecken

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken - Rohdatentabellen Tab.11a Rohdaten der Rufaufzeichnung („Horchkisten“) für die technischen Bauwerke (Über- und Unterführungen)

B 464, Forstwegbrücke Datum Std.

Rufe

Index Rufe / h

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

25.5.

7,5

3

0,4

1 Pp, 2 Mspec

14.7.

5

3

0,6

2 Pp, 1 Mmyo

Std.

Rufe

Index Rufe / h

28.5.

8

10

1,25

7 Pp, 2 Mm/b, 1 Mspec

16.7.

9,5

2

0,2

2 Pp

5 Nn

27.8.

7.5

8

1,1

5 Pp, 3 Mspec.

1 Nn

B31neu, Negelhof Datum

Gesamtindex

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

0,9

B31neu, Straßenbrücke Haldenhof Datum

Index Rufe / h

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

Std.

Rufe

28.5.

8

16

2

16.7.

9,5

5

0,5

3 Pp, 2 Mm/b

1 Es

27.8.

7.5

13

1,7

9 Pp, 4 Mspec.

1 Nn

Gesamtindex

10 Pp, 3 Pspec, 1 Mm/b, 2 Mspec

1,4

B31neu, Straßenbrücke zw. Nesselwangen & Hohenlinden Datum

Index Rufe / h

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Std.

Rufe

28.5.

8

14

1,75

12 Pp, 2 Mm/b**

16.7.

9,5

22

2,3

20 Pp, 2 Mm/b

Gesamtindex

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten 1 Nn

2,0

Unterführung Bonndorfer Ried, zw. Negelhof und Hirschweg = es konnte nicht geklärt werden, ob die Tiere die Brücke queren! **B31neu, Datum Rufsequenzen Rufsequenzen wegen Heuschrecken ° = Band durchgelaufen, v.a.Index Std.

Rufe

± strukturgebundener Arten

nicht strukturgebundener Arten

16.7.

9,5

45

4,7

6 Pp, 39 Mm/b

3 Es

24.7.

8

28

3,5

15 Pp, 8 Mm/b, 5 Mspec.

Gesamtindex

Rufe / h

4,1

B31neu, Unterführung Regentsweiler, östlich Schwarzgraben Datum Std.

Rufe

Index Rufe / h

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

29.5.

7

3

0,4

2 Pp, 1 Mspec

17.7.

7,5

164

21,9

152 Pp, 12 Mm/b

31.8

7

39

5,6

31 Pp, 8 Mspec.

Gesamtindex

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

1 Nn

9,3

B31neu, Unterführung Löhrenbrunnen, östlich Weiherholz Datum 17.7. 29.7.

Std.

Rufe

7,5 7,5

35 36

Gesamtindex

Index Rufe / h 4,7 4,8 4,75

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

20 Pp, 15 Mm/b 27 Pp, 6 Mm/b, 3 Mspec.

1 Es

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken - Rohdatentabellen Tab.11b Zusätzliche Standorte

B31neu, Schwarzgraben-Straße Datum

Std. 29.5. 7 30.8. 7 Gesamtindex

Rufe 17 16

Index Rufe / h 2,4 2,3 2,35

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten 14 Pp, 2 Pspec, 1 Mspec 11 Pp, 2 Mmyo, 3 Mspec.

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

Rufsequenzen ± strukturgebundener Arten 8 Pp, 4 Mspec 14 Pp, 5 Mspec.

Rufsequenzen nicht strukturgebundener Arten

B31neu, Schwarzgraben-Ost Datum

Std. 29.05. 7 30.08. 7 Gesamtindex

Rufe 12 19

Index Rufe / h 1,7 2,7 2,2

1 Nn

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken - Rohdatentabellen Tab.12 Detektorbegehungen der Grünbrücken - Fledermauskontakte Uhrzeit 21:00-23:00

Beobachtungen Ppip Pnat Mm/b 22 4 18

Mnat 2

Mmyo Mdau Mbech? Mspec 2 3

23:00-3:30 3:30-5:30 21:00-23:00

29 18 18

4 6 2

11 9 3

2 1 3

3 2 4

23:00-3:30 3:30-5:30

12 19

5 3

3 4

3 2

5 5

21:00-23:00 23:00-3:30

41 36

3

5 12

3 3

5 4

3:30-5:30 21:00-23:00

17 29

1 7

15

8

2

23:00-3:30 3:30-5:30

48

8 5

17

8

21:00-23:00 23:00-3:30

12 14

9 8

8 9

3:30-5:30 21:00-23:00

3 62

2 6

3 12

5

23:00-3:30 3:30-5:30

31 51

4 2

4 5

2 3

21:00-23:00 23:00-3:30

11 19

1 5

1 12

3:30-5:30 21:00-23:00

8 17

2 3

8 6

23:00-3:30 3:30-5:30

49

2 19

2 5

1

Nnoc 7

2 3 2

3 4 3

2

2 3

2

4 5

3 2

3 4

3 3

2 4

1 4

4

7

3

1

3 3

3

4 2

2

4

5 4

5 3

2 4

Nesselwangen

Württembergle

3

Hirschweg

3 4

5 5

3 5

Hörnleswald

Aichelberg

5 2

3 3 2 3

3 3 1 2 2 2

4 3

2

4 3 4

3 1

2

3

6

Nächte 4

3 3

1 5

2 4

Weiherholz

1

1 4 2 3

Zahl der

Hohenlinden

2

2 3

5

Grünbrücke

Schwarzgraben

3 2

3 1 3

9

Eser

5 3 3

2

17 4

1

Plec 2

2 3 3 3 3 1

1

Ppip = Zwergfledermaus, Pnat = Rauhautfledermaus, Mm/b = Bartfledermaus, Mnat = Fransenfledermaus, Mmyo = Großes Mausohr, Mdau = Wasserfledermaus, Mbech = Bechsteinfledermaus, Mspec. = unbest. Myotisart, Plec = Langohren, Eser = Breitflügelfledermaus, Nnoc = Großer Abendsegler

Nächtliche Aktivität 120

Anzahl Beobachtungen

100 Nnoc Eser

80

Plec Mspec

60

Mbech? Mdau

40

Mmyo Mnat

20

Mm/b Pnat

0

Ppip 21:00- 23:00- 3:30- 21:00- 23:00- 3:30- 21:00- 23:00- 3:30- 21:00- 23:00- 3:30- 21:00- 23:00- 3:30- 21:00- 23:00- 3:30- 21:00- 23:00- 3:30- 21:00- 23:00- 3:3023:00 3:30 5:30 23:00 3:30 5:30 23:00 3:30 5:30 23:00 3:30 5:30 23:00 3:30 5:30 23:00 3:30 5:30 23:00 3:30 5:30 23:00 3:30 5:30 Weiherholz

Schwarzgraben

Nesselwangen

Hohenlinden

Markelfingen

Brücken/Nachtzeiten

Hirschweg

Hörnleswald

Aichelberg

Anhang IV

Anhang IV Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken Bearbeiter: H. Müller-Stieß

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Effizienzkontrolle von Wildtierpassagen in Baden-Württemberg (FE 02.220/2002/LR)

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken Auftraggeber VAUNA Verein für Arten, Umwelt- und Naturschutz e.V.

Auftragnehmer Dipl.-Biologe Lothar Bach Dipl.-Biogeograph Heiko Müller-Stieß

November 2005

Fachbeitrag Fledermäuse an ausgewählten Grünbrücken

Impressum Auftraggeber: VAUNA e.V., Oberammergau Ludwig Lang Straße 12 82487 Oberammergau Auftragnehmer: Lothar Bach Freilandforschung, zool. Gutachten Hamfhofsweg 125 b 28357 Bremen Tel/Fax: 04221/2768953 Email: [email protected] Heiko Müller-Stieß Öko-Log Freilandforschung Gutentalstr. 51 66482 Zweibrücken Tel. 06332/75377 Fax 06332/903429 Email: [email protected]

Projektbearbeitung: Dipl.-Biol. Lothar Bach, Bremen Dipl.-Biogeograph Heiko MüllerStieß, Zweibrücken Dipl.-Biol. Petra Burkhardt, Bremen Dipl.- Biogeographin Birgit Stieß

Titelfoto: Grünbrücke Schwarzgraben im Sommer 2005 (Aufnahme: H. MüllerStieß).