Klein- Hermsdorf - Alte Heimat

Klein- Hermsdorf - Alte Heimat

KleinHermsdorf (Heřmánky) Altes Siegel Klein-Hermsdorf liegt 327 m über NN und ist die westlichste Gemeinde im Gerichtsbezirk Odrau und damit auch di...

213KB Sizes 0 Downloads 16 Views

KleinHermsdorf (Heřmánky) Altes Siegel

Klein-Hermsdorf liegt 327 m über NN und ist die westlichste Gemeinde im Gerichtsbezirk Odrau und damit auch die westlichste Gemeinde des Kuhländchens. Es liegt in dem nach NO geöffneten Odertal, unweit der Cerwenkamündung in die Oder, die in einer Höhe von 634 m über NN im Odergebirge entspringt. Bis Klein-Hermsdorf hat sie ca. 40 km zurückgelegt, aber bereits die Hälfte des Gesamtgefälles hinter sich, bis sie, vorbei am Fuße des Schwedenfelsens, Klein-Hermsdorf als die erste direkt am Fluß gelegene Ansiedlung erreicht. Der Ortsname wird 1374 urkundlich erstmals erwähnt. Er wird wie bei den anderen Dörfern, vom Lokator (Siedlungsgründer) Hermann abgeleitet. Das älteste Anwesen ist die Heitelmühle, mit Sägewerk (1). Zur Mühle gehörten 15 ha Landwirtschaft Sie gehörte 1423 zur Erbrichterei Groß-Hermsdorf. Wann sie errichtet wurde, ist urkundlich genauso wenig nachgewiesen, wie die Entstehung der Siedlung. Sicher ist, daß Mühle und Siedlung 1374 vorhanden waren (letzter Besitzer 1945 waren Rudolf und Emilie Heitel). Zur Erbrichterei Hanel mit Gasthaus (3) gehörte ein Steinbruch und 72 ha Landwirtschaft (Besitzer 1945, Dipl.Ing. Josef und Carla Hanel). Zum Erbhof Fadle (7, – mindestens seit 1678) gehörten 20 ha Landwirtschaft (Besitzer 1945 Josef und Maria Fadle). Daneben gab es noch 12 Landwirtschaften mit 3 bis 21 ha Land und drei Kleinbauern mit einer Fläche von 0,8–2 ha. Klein-Hermsdorf hatte an Handwerksbetrieben: 1 Wagnerei, 1 Schmiede, 1 Schneiderwerkstatt und 1 Gemischtwarengeschäft. Außerdem gehörte noch die Sponmühle (123) mit 2 Gattersägen, 1 Dampfmaschine, 1Turbine und 10 ha Landwirtschaft, zu Klein-Hermsdorf. Die Kirche, mit umliegendem Friedhof, wurde 1781–1783 erbaut und ist der hl. Anna geweiht. Sie war Filialkirche der Pfarrei Dörfel. Kirchvater von 1903–1945 war Ferdinand Winkler sen. Auf dem Turm waren 2 Glocken, die im 1. Weltkrieg und nach Neuanschaffung im 2. Weltkrieg für Rüstungszwecke abgeliefert werden mußten. Von 21 Kriegsteilnehmern im 1. Weltkrieg kehrten 10 nicht mehr heim. Im 2. Weltkrieg waren 37 im Kriegsdienst, davon sind 14 gefallen, 5 Zivilpersonen kamen bei Kriegsende ums Leben. Der Schulneubau erfolgte 1869 einstöckig. 1907 wurde ein Stockwerk aufgesetzt, so daß eine einklassige Volksschule mit Gemeindekanzlei und Lehrerwohnung vorhanden war. Der erste Unterricht fand 1741 zunächst in den Häusern, später im Haus Ertel (damals Nr. 4) statt. Der erste mit Dekret bestellte Lehrer war Johann Georg Ertel 1783–1798. Namentlich nachgewiesen, 1. Bürgermeister war 1788 Anton Pfardle. Die Feuerwehr von Klein-Hermsdorf, die erste im Odrauer Bezirk, wurde 1879 gegründet. Gründungskommandant war Josef Fadle. Die Bezirksstraße Odrau – Wigstadtl wurde 1881–82 ausgebaut. Der Neubau des Bahnhofes 1937 zwischen Klein-Hermsdorf und KleinGlockersdorf löste die Haltestelle bei der Villa Lasar (Hs. Nr. 43/44) ab. Die Poststelle befand sich in Hs. Nr. 3. Nach Herrn Weidlich war Josef Biskup der letzte Briefträger. Von hier wurde auch Klein-Glockersdorf versorgt. Die Elektrifizierung des Ortes wurde 1934 durchgeführt. Wasser wurde aus Brunnen und der Jubiläumsquelle geholt. Teilweise waren Hauswasserleitungen eingerichtet. Der Steinbruch von Dipl.-Ing. Josef Hanel soll 1880 in Betrieb genommen worden sein. In den Jahren 1939/45 wurden täglich 20 Waggon Schotter verladen. Die Jahresleistung betrug rd.

200.000 t. Der Betrieb hatte ca. 50 Beschäftigte. Der Steinbruch wurde nach 1960 geschlossen und ein Holzverladebetrieb an der Bahn eingerichtet. Wegen der schönen ruhigen Landschaft im Odertal suchten viele Sommerfrischler (Urlaubsgäste) besonders in Klein-Hermsdorf Erholung, vor allem aus Wien. Deshalb wurde es auch „Klein-Wien” genannt. Sehenswert in Klein-Hermsdorf ist die 1781–83 erbaute Kirche. Einwohnerzahl: 1945 = 252 (4), davon 121 (1) männlich, 131 (3) weiblich (tschechisch). Anzahl der Häuser: 1945 = 54 und Sponmühle bei Mariastein an der Oder. Nach 1945 wurden die meisten deutschen Klein-Hermsdorfer Bürger in verschiedene tschechische Arbeitslager gebracht, wobei vielfach die Kinder von ihren Eltern getrennt wurden. Die Höfe und Häuser wurden einschließlich Inventar von Tschechen in Besitz genommen. Die Vertreibung in die damaligen westdeutschen Besatzungszonen erfolgte 1946 per Bahn in Güterwaggons. Die Klein-Hermsdorfer und ihre Nachkommen leben heute in der Bundesrepublik und teils in Österreich. Aus verschiedenen Gründen verblieben 1946 sechs Familien in Klein-Hermsdorf. Josef Fadle

Kirche erbaut 1782 (1997)

Heitelmühle mit Sägewerk um 1930 (rechts stehend der letzte Besitzer, Rudof Heitel)

http://www.kuhlaendchen.de (Last Page Update: 15.05.2009) © 2006 - 2009 by Alte Heimat, Verein heimattreuer Kuhländler e.V