Knuspriger Spatz auf der Festtafel - Bayerische Staatszeitung

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Dezember 2014 | Jahrgang 63 Nr.12 Knuspriger Spatz auf der Festtafel Das erste Weihnachten nach Ausbruch des „Großen Kriegs“: Spätestens da zeigte si...

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Dezember 2014 | Jahrgang 63 Nr.12

Knuspriger Spatz auf der Festtafel Das erste Weihnachten nach Ausbruch des „Großen Kriegs“: Spätestens da zeigte sich, wie sehr der Alltag an der Heimatfront von Entbehrungen dominiert wurde. Vor allem wurde klar, dass die Nahrungsmittelversorgung noch knapper werden würde. | Seite 3

Paradiesisch wie auf Erden Unser noch unerforschtes Bayern: Mit dem Schmalzler gen Himmel. Über Jenseitsvorstellungen. | Seite 2

Zwielichtige Handwerker Mahlmühlen sicherten die Lebensmittelversorgung. Der Landesherr hatte deshalb ein strenges Auge darauf. Und doch wurden Müller verdächtigt, zu betrügen. | Seite 6

Pfiffige Managerinnen Ihre Bücher verkauften sich einst weltweit: Heute erinnert an die Jugendbuchautorin Agnes Sapper vor allem eine Sozialstiftung in Würzburg. | Seite 11

Inhaltsverzeichnis 2014

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Unser noch unerforschtes Bayern Mit dem Schmalzler gen Himmel: Bernhard Setzwein über Jenseitsvorstellungen der Bayern, die vom Bekannten ausgehen

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enn wir unterm Weihnachtsbaum „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ anstimmen, kanns passieren, dass eines der Kindlein aus dem naseweisen Nachwuchs fragt: „Papi, was is’ ’n Himmel?“ Damit Sie nicht bei Erklärversuchen ins Schleudern geraten, machen wir einen Crashkurs in theologisch-metaphysischen Grundfragen. Schlagen wir die unbedingt kanonischen Bücher allen spekulativen Redens und Denkens auf: die gesammelten Werke von Karl Valentin. Wir werden darin eine Dialogszene zwischen Vater und Sohn finden, die handelt genau von Himmel und Hölle. Auch dort fängt alles mit der saudummen Fragerei an: „Du Vater, was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen Himmel und Hölle?“ Das ist ebenso naiv wie gewitzt gefragt. Wie ja überhaupt der Valentin das Sich-saudumm-Stellen zur erkenntnisfördernden Haltung schlechthin perfektioniert hat. Doch die Antwort des Vaters ist von ähnlich schlagender Simplizität: „Sehr einfach – der Himmel ist oben und die Hölle ist unten.“ Logisch. Sonst müssten wir ja auch singen: „Vom Himmel drunt’, da komm ich rauf.“ Und unsere Barockkirchen müssten am Fußboden bemalt sein und nicht am Plafond. Die Asambrüder sind nur deshalb in halsbrecherischer Weise auf Holzgerüsten herumgeturnt und haben den schönsten unserer Gotteshäuser so überaus liebreizende Deckenfresken verpasst, weil der Himmel nun mal oben ist. Wer die ewige Glückseligkeit schauen will, der muss sich das Genick verrenken und den Blick nach oben richten. Dafür wird er dann entlohnt mit Ausblicken in ein Paradies, die kommen einem manchmal direkt vor, wie vom bayerischen Tourismusverband in Auftrag gegeben: wegen der Hügel und der Zwiebelkirchtürme, der Wälder und der darin herumhupfenden Hirsche. Wer nun einwenden möchte, der Himmel müsste doch etwas ganz und gar Unvorstellbares sein,

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eine Jenseitigkeit, von der wir uns keinerlei Begriff machen können, dem sei entgegen gehalten, was schon eine theologische Kapazität wie Abt Odilo während seiner Festpredigt im Dießener Marienmünster am Ammersee vor einiger Zeit gesagt hat. Und zwar mit Blick auf jene Deckenfresken, die man den „Dießener Himmel“ nennt. Er hat gesagt: „Gegenüber philosophischer Abstraktion oder dem Leerwerden vor allem in der fernöstlichen Mystik würde der bayerische Himmel also ein Himmel der Bilder sein. Bilder, die aus unsrer irdischen Welt kommen und zugleich helfen, die irdische Welt zu übersteigen.“ Das glaube ich gerne, dass der Bayer es mit dem Leerwerden nicht so hat. Drum steht auch neben jeder g’scheiten bayerischen Kirch’ ein g‘scheites bayerisches Wirtshaus. Ist er dann entsprechend voll, der Bayer, nach Mess’ und Frühschoppen, also sowohl angefüllt mit geistiger als auch irdischer Nahrung, dann ist er auch in der Lage, sich einen Himmel vorzustellen. Dieser kann dann schon mal die Gestalt einer Uferpromenandenszenerie am Starnberger See annehmen. So jedenfalls hat Gustav Meyrink den bayrischen Himmel beschrieben. Der war zwar Wiener und vorübergehender Wahl-Prager, aber zum Schluss hat er 22 Jahre in Starnberg gelebt. Und anscheinend sein Paradies gefunden. Jedenfalls beschreibt er in dem schönen Text „Qualen und Wonnen des Jenseits“ ein bayerisches Voralpenland, das einfach himmlisch ist. Über den Starnberger See fährt eine Totenbarke, in Schwung gehalten wird sie von Mitgliedern des Ruderclubs „Charon“. Die Leut’, die in der Totenbarke sitzen, haben alle „gamslederne Hosen, Pinselbüschel auf den Hüten und Wadelstrümpfe an“, und die Herren schütten sich in regelmäßigen Abständen Tabakpulver auf die Daumengrube. So eine Überfahrt ins Himmelreich ist halt griabig. Auf der anderen Seite des Sees wartet eine Kutsche, die befördert die Himmelsankömmlinge weiter. Alles wäre zum Jauchzen, gäbe es unter den Fahrgästen nicht eine matronenhafte Preußen-Dame, die den Kutscher anherrscht: „Hören Se mal, Sie Postilljong, wird d’n nich endlich ma Halt jemacht. Die Ferde müssen doch Fefferkuchen kriejen.“ Nun ja, bei den Bayern ist halt selbst im Himmel nicht alles perfekt. UNSER BAYERN Monatliche Beilage der Bayerischen Staatszeitung Herausgeber: Verlag Bayerische Staatszeitung GmbH, Arnulfstraße 122, 80636 München Redaktion: Karin Dütsch (V.i.S.d.P.) Druckvorstufe: Compumedia, München Druck: Vogel Druck und Medienservice GmbH, Würzburg Unser Bayern wird gedruckt auf mit dem blauen Umweltengel zertifiziertes Papier aus 100 % Altpapier

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Knuspriger Spatz Alltag der Menschen an der Heimatfront während des Ersten Weltkriegs: Ein Leben voller Entbehrungen

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er Erste Weltkrieg brachte den Soldaten an der Front große Härten – doch er lastete auch schwer auf den Frauen und Kindern in der Heimat. Die Feindmächte blockierten die Nordsee und verhinderten, dass Deutschland dringend benötigte Güter von außen erhielt. Deutschland importierte vor 1914 etwa ein Fünftel seines Lebensmittelbedarfs. Diese Zufuhr kam infolge der Seeblockade fast völlig zum Erliegen. Außerdem sank die inländische Produktion um etwa ein Drittel, weil kriegsbedingt Arbeiter, Pferde und Düngemittel in der Landwirtschaft fehlten. Jedem Einzelnen standen fortan etwa 40 bis 50 Prozent weniger Kalorien zur Verfügung. Im zweiten Kriegsjahr, 1915, gab es nach amtlicher Einschätzung im Deutschen Reich zu viele Schweine, und es war zu erwarten, dass man sie erst einmal längere Zeit durchfüttern musste. Also wurde reichlich geschlachtet. In den folgenden Jahren wären die Deutschen froh gewesen, wenn sie diese Tiere noch gehabt hätten. Im Sommer 1916 war die Ernte sehr schlecht, es wurden nicht einmal halb so viele Kartoffeln eingebracht wie 1915. Inzwischen waren auch in den privaten Haushalten, im Handel und beim Staat die Lager aufgebraucht. Der Winter 1916/17 blieb als „Kohl-“ oder „Steckrübenwinter“ im Gedächtnis haften. Die Deutschen litten Hunger. Es gebe „nur Kohlrübensuppe, Kohlrübenschnitzel, Kohlrübennachspeise“, klagte der Religionsphilosoph Ernst Troeltsch, ein Mann aus dem bayrischen Schwaben. Die Versorgung mit Brot fiel auf 60 Prozent des Vorkriegsstandes, obwohl das Getreide inzwischen bedeutend gründlicher ausgemahlen wurde. Die Brotqualität sank: Das Mehl wurde durch die Beimengung von Ersatzstoffen wie Gersten-, Mais- und Kastanienmehl gestreckt. Die Versorgung mit Kartoffeln und pflanzlichen Fetten fiel im Deutschen Reich auf 40 Prozent des Vorkriegsstandes, bei Fleisch auf 30 Prozent und weniger. Laut Reichsfleischkarte sollte jeder Deutsche 250 Gramm Fleisch pro Woche erhalten; tatsächlich gab es aber beispielsweise in Nürnberg nur 188 Gramm pro Kopf. Vor dem Krieg verbrauchte jeder Nürnberger täglich rund 200 Gramm Fett und Eiweiß. Im Krieg wurde der Min-

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destverbrauch auf 50 Gramm Fett und 80 Gramm Eiweiß festgesetzt; doch im Dezember 1917 konnten die Zuständigen nur noch 30 Gramm Fett und 40 Gramm Eiweiß pro Person abgeben. Auf den Märkten war seit 1917 Fleisch kaum noch zu bekommen. In der Markthalle am Nürnberger Trödelmarkt wurden zeitweise nur ein paar junge Ziegen zum Kauf angeboten, ferner „einige Kaninchen, auch Krähen und Eichhörnchen“. „Wenn ich auf dem Rathaus die Lebensmittelkarten abholte, stand ich gewöhnlich in der Schlange abgehärmter Frauen im ungelüftet-stickigen Korridor des Rathauses und horchte auf ihre Klagen und Vorwürfe, die von Mal zu Mal bitterer wurden“, schrieb ein Zeitgenosse. 1917 betrug der Kalorienwert der amtlichen Zuteilungen rein rechnerisch unter 1000 Kilokalorien – und dabei bekam die Mehrheit der Bevölkerung eher weniger als diesen Durchschnittswert. Da man bei leichter Arbeit rund 2300, bei mittelschwerer 3000 und bei schwerer Arbeit täglich rund 4000 Kilokalorien verbraucht, bedeutete dies nicht nur Hunger, sondern auch beträchtliche Gewichtsverluste. Eine Frau aus Leipzig schrieb, sie wiege „kaum noch vierzig Kilo“. Gewichtsverluste von einem Fünftel waren in diesen Kriegsjahren die Norm. Den Berliner Hygieneprofessor Alfred Grotjahn erinnerten seine Landsleute im Aussehen an Mongolen, weil ihre Backenknochen so weit vorragten und ihre Haut so faltig herabhing.

Kleiner Luxus Ein Weihnachtsgruß in Kriegszeiten – ohne Ehemann und Vater, der an der Front war. Die Frau auf dem Bild signalisiert mit ihrer Kleidung: Auch sie tut ihren Dienst an der Heimatfront. Und eine Schale mit Obst unterm Weihnachtsbaum war quasi der einzige Luxus, den man sich leistete. Schon bald nach Kriegsbeginn war der Alltag nämlich von Rationierungen bestimmt. Foto: SZPhoto 3

Hunger in Deutschland: Das war ein Thema für die Propaganda. Eine Karte aus Deutschland machte sich lustig über die angeblich verpuffte Wirkung der britischen Handelsblockade: Es gab doch genügend Schweine! Anders ein Spottbild vom Kriegsgegner Frankreich: die Deutschen, ein ausgemergeltes Fotos: SZPhoto Volk.

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Weihng für die Empfehlu aus der Wochen er ge nachtsta emeine Wegweis m schrift Allg ilie vom 22. Deze m Fa ie d r fü . ber 1917

Der vierte Kriegswinter, 1917/18, war ungewöhnlich streng. Die Lebensmittel waren knapp, da vermochte auch die von der Regierung verhängte Rationierung nichts zu ändern: Oft kam es vor, dass eine Frau stundenlang in einer Warteschlange angestanden hatte und am Ende nichts bekam, weil die von ihr gewünschten Lebensmittel inzwischen ausverkauft waren. Die Not nahm bedrohliche Ausmaße an. An Fleisch war nicht mehr zu denken; aber auch die traditionellen Sattmacher, die Kartoffeln, waren inzwischen sehr knapp geworden. Die Grundnahrungsmittel waren rationiert.

70 Mark oder 6 bis 8 Mark am Tag. Frauen arbeiteten 56 bis 57 Stunden die Woche. Eine Nürnberger Rüstungsarbeiterin verdiente in der Stunde im Durchschnitt 50 Pfennige. Davon konnte sie, bei einem Literpreis von 30 Pfennig und mehr, nicht einmal zwei Liter Milch kaufen. Der Preis für das Pfund Ochsenfleisch lag in Nürnberg 1918 im Oktober 1918 bei 2,20 Mark; ein Pfund Lammfleisch kostete 2,20 Mark, ein Pfund Schweinefleisch 1,50 Mark, und für das Pfund Mehl zahlte man 26 Pfennige, zeitweise – wie im Oktober 1918 – aber auch 55 Pfennige.

Wer jedoch genügend Geld besaß, konnte auf dem Schwarzmarkt seine Vorräte aufbessern. Schätzungsweise ein Drittel aller Lebensmittel gelangte damals im Deutschen Reich auf den Schwarzmarkt. Das vertiefte den Graben zwischen den sozialen Schichten. Denn die meisten Menschen hatten nicht nur nichts zu essen, sondern auch nichts zum Ausgeben: Ein Arbeiter verdiente in der Woche – bei einer Arbeitszeit von 60 Stunden – 50 bis

Viele Frauen waren unterernährt und konnten nicht mehr stillen – damit sanken auch die Überlebensaussichten ihrer Säuglinge. Eine Frau schrieb: „... immer wieder das gleiche Bild der blassen abgezehrten Frauen, die, mit kleinen Kindern bepackt – die mussten ja überallhin mitgeschleppt werden – im scharfen Ostwind ‚nach Kohlen standen’, unverändert durch die Monate hindurch.“ Eltern schickten ihre Kinder zum Betteln. „Wenn

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wir die Kasernen verlassen, stehen Haufen von bettelnden, ausgemergelten Kindern vorm Tor, froh, ein Stück Brot zu ergattern“, schreibt Ernst Toller in seinem Buch Eine Jugend in Deutschland. Viele Kinder blieben an kalten Tagen der Schule fern, weil es ihnen an Kleidung oder an Schuhwerk fehlte. Viele Kinder kamen ausgehungert zum Unterricht; immer wieder wurden Schüler im Klassenzimmer ohnmächtig. Die Kinder wuchsen langsamer, sie blieben kleiner als ihre Eltern. Es fehlte aber nicht nur an Nahrungsmitteln, sondern auch an anderen lebensnotwendigen Versorgungsgütern: an Kohle, Bekleidung, Seife. Die Bekleidung der meisten Deutschen war schadhaft und unzulänglich. Die Behausungen waren ungemütlich eng und kaum beheizt. Im Winter 1917/18 besaß jede zweite Familie keine Kohle mehr, denn auch die Kohleförderung wurde während des Krieges gedrosselt. Bei all den Entbehrungen wuchs in Deutschland die Kriegsmüdigkeit – auch in Bayern, wo in der Industriearbeiterschaft infolge des Hungers und der allgemeinen Not die Friedensappelle der Sowjets auf fruchtbaren Boden gefallen waren. Am 22. August 1917 hatte Nürnbergs Oberbürgermeister Otto Geßler auf einer Sitzung des Ernährungsbeirats gesagt: „Die Leute wollen einfach nicht mehr, es sei ihnen alles gleichgültig. Es fehle den Leuten der Blick auf die ungünstigen Wirkungen, die ein unglücklicher Ausgang des Krieges hätte.“ Hungerkrawalle hatte es in den bayerischen Industriestädten bereits im Frühjahr 1917 gegeben; im Januar 1918 fanden große Streiks statt. Im gleichen Monat formierten sich mehrere zehntausend Menschen zu Demonstrationen gegen den Krieg. Mitte Juni 1918 gab es in mehreren bayerischen Städten – vor allem in München, Nürnberg, Erlangen und Hof – Massendemonstrationen. Erste Revolutionsgerüchte kamen in Umlauf. Angesichts dieser Streiks schrieb Oberbürgermeister Geßler am 13. Juli 1918 in seinem Wochenbericht an die mittelfränkische Regierung in Ansbach: „Den Hauptgrund der Beunruhigung stellen zweifellos die fortwährenden Kürzungen der Lebensmittelrationen dar. Die Herabsetzung der Brotration und die angekündigte weitere Herabsetzung der Fleischration in Verbindung mit den fleischlosen Wochen bedrängen die städtische Bevölkerung immer mehr.“ Allerdings fiel nach einem ungewöhnlich heißen Frühjahr und einem warmen, trockenen Sommer die Ernte 1918 gut aus. Dadurch entspannte sich die Ernährungslage ein bisschen. Das öffentliche Interesse galt verstärkt wieder anderen Fragen: dem Kriegsverlauf an der Westfront und den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten über ei-

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Vor dem Ersten Weltkrieg war Deutschland bei der Nahrungsmittelversorgung beinahe autark. Bei der Vorratshaltung für den Ernstfall war man aber nicht auf einen so langen Kriegsverlauf eingestellt. Bald wurde die Ausgabe von Lebensmitteln rationiert – lange Menschenschlangen vor Geschäften prägten bald das Stadtbild. Umgekehrt wurde alles Mögliche eingesammelt, um Rohstoffe für die Kriegswirtschaft zu gewinnen; hier eine WollFotos: SZPhoto sammelstelle.

nen Waffenstillstand. Im Monatsbericht Oktober 1918 schrieb der Kommandierende General in Nürnberg: „Die Stimmung der Arbeiterschaft wird z. Z. nicht wie sonst von Ernährungsfragen und -nöten beherrscht, sondern von der militärischen und politischen Lage. Daher wurde auch die gerade im Zeitpunkt der höchsten Stimmungsanspannung eingetretene Preiserhöhung für Milch, Fett und Eier verhältnismäßig ruhig hingenommen.“ Am 3. November 1918 demonstrierten in Nürnberg auf der Insel Schütt 30 000 bis 40 000 Menschen gegen den schleppenden Gang der Waffenstillstandsverhandlungen. Die Zivilbevölkerung wollte endlich den Frieden. Nach dem Ende des Kriegs ergab eine amtliche Untersuchung, dass mehrere 100 000 Deutsche infolge der Mangelernährung gestorben waren. Manfred Vasold 5

Zwielichtige Handwerker Serie

Mahlmühlen sicherten die Lebensmittelversorgung. Ihre Betreiber standen lange Zeit im Ruf, ihre Kunden zu betrügen

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ühlen waren im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit sehr aufwendig gebaute und komplizierte technische Großeinrichtungen. Unter Ausnutzung der Wasserkraft wurde mit ihnen nicht nur Mehl gemahlen – sie taten ihren Dienst auch als Papier-, Walk-, Kugel-, Schleif-, Loh-, Pulverund Sägemühlen. Hier soll es um die Mahlmühle gehen, die wohl gängigste und bekannteste Mühlentechnik. Wie arbeitsintensiv ihr Betrieb für den Müller war, lässt sich am besten beschreiben, wenn man den Weg des Getreides durch die Anlage verfolgt.

Durch die Zentrifugalkraft wurden die Körner nach außen geschleudert und von der hölzernen Ummantelung der Steine, der Zarge, aufgefangen. Über den Ablauf gelangten sie in den Beutelkasten. Hierbei handelt es sich um einen schrägliegenden, feinmaschigen „Beutelstrumpf “ aus Seidengaze, der in der Mitte an der Beutelstrumpfgabel befestigt war. Diese reichte am anderen Ende an das Mühleisen und wurde durch die bereits erwähnten Nocken in gleichmäßige Rüttelbewegungen gebracht. Dadurch entstand ein lautes Geräusch – das Klappern der Mühle.

Das gereinigte Getreide musste zunächst mühsam auf den Dachboden, zumindest jedoch auf die Höhe des Einfüllstutzens, der„ Gosse“, getragen oder durch einen Flaschenzug gezogen werden. Das Getreide benötigte eine gewisse Fallhöhe (Lageenergie), um den langen Weg bewältigen zu können. Unter der Gosse war der „Rüttelkasten“ angebracht; dieser erhielt seine Bewegung durch einen in den Läuferstein eingelassenen Eisenring mit vorspringenden Nocken, die gegen einen am Rüttelkasten angebrachten Stab schlugen.

Beim ersten Zermahlen gab es zunächst Schrot und in geringen Mengen feines Mehl, das aus dem Beutelstrumpf fiel. Erst durch mehrere Mahlgänge und anschließendes Sichten im Beutelkasten entstanden die unterschiedlichen Mahlprodukte Mehl, Schrot oder Kleie. Sie konnten, nachdem sie erneut durch den Beutelstrumpf auf das Rüttelsieb gefallen waren, voneinander getrennt werden. Die Arbeitsgänge Mahlen und Sichten mussten bis zu sieben Mal wiederholt werden. Für zwei Zentner Weizen brauchte der Müller einen ganzen Tag.

Durch das gleichmäßige Schütteln rieselte das Getreide aus dem Rüttelkasten zwischen die Mühlsteine. Deren Abstand zueinander konnte mit der Aufhelfstange verstellt werden. Der obere Stein war der Läufer; er wurde mit dem „Mühleisen“ über mehrere Umsetzgetriebe, die vom Mühlrad ausgingen, angetrieben. Seine Oberfläche hatte im äußeren Bereich radial verlaufende Erhöhungen („Mahlbalken“)und Vertiefungen („Schlenzen“), wodurch die Getreidekörner aufgebrochen und zerrieben wurden.

Seit dem Frühmittelalter war die Mühle aufgrund ihrer wichtigen Funktion zur Versorgung der Bevölkerung durch einen eigenen Sonderfrieden, den Mühlfrieden, geschützt. Zu dieser Zeit waren die Mühlen Eigentum der Müller. Im Hochmittelalter wurden sie zunehmend ein Element der Grundherrschaft, verfügten doch nur die weltlichen und geistlichen Herren über das Kapital zur Errichtung der technisch immer aufwendigeren Mühlen. Die Müller gerieten so in die grundherrschaftliche Abhängigkeit eines Obereigentümers: Sie mussten für die Überlassung der Mühle ertragsunabhängige Abgaben leisten; den meisten Müllern blieb jedoch ein gutes Auskommen. Als sich im 12. Jahrhundert ein königliches Regal an allen schiffbaren Flüssen im Reich entwickelte,

Wasser liefert nicht nur Energie, um das Mühlrad anzutreiben, sondern auch Unrat. Damit der nicht das Rad blockiert, müssen der Müller oder sein Gehilfe Foto: BSB Bildarchiv immer wieder zum Rechen greifen.

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Die Reismühle bei Gauting ist seit 1314 belegt. Sie ist ein „sagenhafter“, amouröser Ort: Angeblich wurde in ihr Karl der Große gezeugt. Aber diese „Adelung“ beanspruchen auch andere Foto: BLfD Mühlorte.

das dann vom König auf die Landesherren oder die reichsfreien Städte übertragen wurde, entstand daraus das „Mühlregal“. Dieses beinhaltete grundsätzlich zwei Rechtstitel: den Mühlenbann und den Mahlzwang. Der Mühlenbann besagt ganz allgemein, dass zum Bau einer Mühle die Genehmigung des Landesherren einzuholen war. In Bayern war dies so geregelt, dass nur zur Errichtung einer Mühle an öffentlichen Gewässern die Genehmigung des Herzogs bzw. des Pflegrichters nötig war. Im Übrigen stand es den Grundherren frei, Mühlen an den ihnen gehörigen Bächen zu errichten – vorausgesetzt, sie verletzten nicht das Recht einer bereits bestehenden älteren Mühle. Zur Errichtung einer Ehaftmühle, also einer Mühle mit Zwing- und Bannrechten, war jedoch auch bei Privatgewässern eine landesherrliche Genehmigung erforderlich. Der Mahlzwang bedeutete, dass die Untertanen eines Grundherren ausschließlich dessen Mühle benutzen durften – allerdings konnte man sich in Altbayern von dieser Verpflichtung loskaufen. Im Gegensatz zu Brandenburg, wo der Mahlzwang für König Friedrich Wilhelm I. eine so hohe Einnahmequelle darstellte, dass die militärische Aufrüstung davon bezahlt werden konnte, behandelte man in Bayern den Mahlzwang eher locker. Bereits weit vor der gesetzlichen Aufhebung der Ehaftmühlenrechte am 23. Februar 1863 durch die neue Gewerbeordnung, hieß es in der Mühlordnung von Dachau aus dem Jahr 1759: Die „Ehaftmühlle, welche über Mannsgedenken und jeziger

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Zeit verhanden seynd, sollen fleißigist zuegericht und besuecht werden, damit kein ehehafft Müll nit zugrund gehe oder verderbe“. Geregelt war der Mühlbetrieb in eigens ausgetüftelten Mühlordnungen. Die älteste im heutigen Bayern bekannte Mühlordnung stammt aus dem Jahr 1412 und regelt die Arbeiten auf den „Newen Muln zu Wurtzburg“. Die älteste bisher bekannte Mühlordnung aus dem altbayerischen Raum stammt aus dem Jahr 1437 und regelte den Mühlbetrieb in der Stadt Ingolstadt. Wie alle mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mühlordnungen sind diese sehr knapp gehalten und regeln überwiegend technische Details, die Mühlbeschau und die Entlohnung der Müller. Die späteren Mühlordnungen beschäftigen sich fast ausschließlich mit der Zunftverfassung der Müller und regeln die Zulassung zum Handwerk sowie die Details der Gesellen- und Meisterprüfung. So behandelt die Mühlordnung von Wasserburg aus dem Jahr 1776 fast ausschließlich die Zunftstatuten und schweigt sich über die Bezahlung der Müller aus, die in allen vorausgegangenen Ordnungen einer der Hauptpunkte gewesen war. Kontrolliert wurde die Einhaltung der jeweiligen regionalen Bestimmungen durch die Mühlbeschau, deren Durchführung im Zuständigkeitsbereich der Pfleggerichte lag. Dabei inspizierte eine Gruppe von Pflegern, Amtmännern, Gerichtsschreibern, Mühlgrafen, Wassergrafen, Handwerkern und ähnlichen Honoratioren einmal oder öfter im Jahr 7

Mit kleinen Sternen zeichneten Kartografen in Plänen die Mühlräder ein. Hier der Ausschnitt aus einem Nürnberger Stadtplan von 1811. Foto: Bayer. Vermessungsverwaltung

sämtliche Mahlmühlen des Pfleggerichts. Wurden Verstöße gegen die Artikel der Mühlordnungen festgestellt, drohten empfindliche Strafen. Eine solche Mühlbeschau kam der Staatskasse allerdings teuer zu stehen. 1691 kosteten die Überprüfungen im Rentamt München 341 fl (Gulden), im Rentamt Straubing 281 fl, im Rentamt Burghausen 223 fl. Es stellte sich die Frage nach der Rentabilität. Betrachten wir zum Beispiel die Mühlbeschau des Jahres 1614 im Pfleggericht Griesbach genauer: Das Beschauerkollegium bestand aus dem Pfleger, dem Gerichtsschreiber, zwei geschworenen Wassergrafen, dem Amtmann, zwei Knechten und einem Diener mit zwei Pferden. Die Beschau dauerte zehn Tage, für jedes der fünf Ämter des Pfleggerichts benötigte man zwei Tage. Der Pfleger erhielt täglich 3 fl, der Gerichtsschreiber 1 fl, die Wassergrafen und der Amtmann je 24 hl (Heller). Die Gesamtkosten der Beschau beliefen sich auf 64 fl 36 hl. Bei der Beschau der 40 Mühlen des Pfleggerichts wurden insgesamt 14 Mühlen straffällig, das entspricht einem Prozentsatz von 35. Die eingenommenen Strafen betrugen 35 Pfund Pfennige. Hinzu kam noch das von den straffällig gewordenen Müllern eingenommene Deputat für die Beschau, sodass summa summarum 65 fl eingenommen wurden. Es handelte sich hier also rein buchhalterisch gesehen um ein Nullsummenspiel. Doch die Mühlbeschau hatte sicherlich einen anderen als einen monetären Hintergrund: Es ging um ein staatliches Herrschaftsinstrument zur Überprüfung und Einhaltung der festgelegten gesetzlichen Bestimmungen und damit um eine frühe lebensmittelrechtliche Gesetzgebung. Dass diese Beschauen dringend notwendig waren, belegen beispielsweise die in der Herrschaft Hohenaschau durchgeführten Kontrollen: Von den insgesamt neun in der Herrschaft vorhandenen Mühlen wurden durchschnittlich sechs bis sieben Mühlen straffällig. Dabei stellte Unsauberkeit in Form von Spinnweben noch den geringsten Mangel dar. Auffällig ist auch die in der doch recht kleinen Herrschaft Hohenaschau große Zahl von Mühlen; 8

das war aber kein Einzelfall. 1771 kam im ländlichen Bereich ein Müllermeister auf 268 Personen. In den Märkten lag das Verhältnis bei 390 : 1 und in den Städten bei 790 : 1. In den vier bayerischen Rentämtern München, Landshut, Straubing und Burghausen gab es insgesamt 2946 Mühlen. Dass Altbayern mit Mühlen offenbar reichlich versehen war, rührte möglicherweise von der Konkurrenz zahlreicher Grundherren her; jeder legte Wert auf eine eigene Mühle. Die Müller standen an der sechsten Stelle in der Häufigkeit aller Gewerbe. Es galt, der Überbesetzung des Handwerks vorzubeugen. Das begann schon bei der Ausbildung der Lehrjungen. Um ihre Zahl zu begrenzen, mussten sie eine ehrliche Geburt nachweisen und ein hohes Lehrgeld bezahlen. Darüberhinaus knüpften die Mühlordnungen die Zulassung zur Meisterprüfung an verschiedene, schwer zu erfüllende Bedingungen: etwa an die Heirat mit einer Meisterswitwe oder Meisterstochter. Dass das Müllerhandwerk so beliebt war, lag wohl an dem offensichtlich guten Einkommen, das sich in Altbayern aus zwei unterschiedlichen Entlohnungsarten zusammensetzte. Beim Mahlen „auf Muss“ erhielt der Müller den dreißigsten Teil des Getreides, das zum Mahlen auf die Mühle gebracht wurde. Die andere Art war das Mahlen„auf Maß“. Hier musste aus einer bestimmten Menge Getreide eine gewisse Menge Mehl herausgemahlen werden, meist ein Drittel mehr. Der überschüssige Rest gehörte dem Müller. Bei dieser Art der Entlohnung kam es häufig zu Streitereien mit den Mahlgästen. Dann ging es um die mangelnde Qualität des Getreides: Aus schlechtem Getreide konnte weniger Mehl abgemahlen werden. Dann waren entweder die Müller benachteiligt oder die Mahlgäste, aus deren Getreide die erforderliche Mehlmenge nicht heraus gemahlen werden konnte. In Bayern stand es jedermann frei, auf „Muss“ oder auf„Maß“ mahlen zu lassen. Das Getreide, das die Müller zur Entlohnung erhielten, mussten sie auf der Schranne verkaufen – es konnte aber auch abgemahlen und dann zu Brot gebacken werden. Beides erlaubte bzw. bestätigte die Landes- und Polizeiordnung von 1616. Nur der Mehlhandel blieb ausschließlich den „Melbern“ vorbehalten.

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Maschinenbaukunde einst: 1735 erschien aus Jacob Leupolds großem Enzyklopädieprojekt der reich bebilderte Band über den Bau und die Technik von Mühlen. Hier eine Illustration, die den Mühlenaufbau mit Gosse, Mühlgerüst, Bodenstein, Läufer, Kammrad, Wellenbaum mit Beutelkasten und Beutelstrumpf zeigt. Das A und O für eine gute Mehlqualität hing wesentlich vom Mühlstein ab. Zum einen musste er exakt eingebaut sein, zum anderen entschied seine Qualität über den Mahlgrad. Hier ein historischer Mühlstein im Freilichtmuseum Glentleiten. Fotos: Archiv, Freilichtmuseum Glentleiten

Bleiben wir bei der Qualität des Mehls: Die hing ab von den Mahlsteinen. Besonders wichtig war bei Einrichtung der Mühle das Einpassen der beiden Steine, also des fest eingebauten Bodensteins und des Läufers. Beide Steine mussten in der Waage liegen – da war handwerkliche Präzisionskunst gefragt. Die Passgenauigkeit hatte entscheidende Bedeutung für die Laufruhe, Mahlleistung und Lebensdauer des Steins. Für dessen Haltbarkeit war seine Herkunft ausschlaggebend. Der bekannteste Mühlsteinbruch in Altbayern lag in Neubeuern (Lkr. Rosenheim). Dort existiert dicht an den Innufern ein sehr stark zusammenhängender Nagelfluhstein von mittelgrober Struktur, der zu Mühlsteinen gebrochen wurde. Die Qualität dieser Steine war so gut, dass sie auf dem Inn und dann weiter auf der Donau innerhalb Bayerns gehandelt wurden. Weitere Mühlsteinbrüche, allerdings nur mit regionaler Bedeutung, gab es im Lahngraben und am

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Schwaigenberg bei Aschau i. Chiemgau sowie im Ramsauer Achental am Kunderweg (Lkr. Berchtesgaden). Die besonders haltbaren und festen Mühlsteine kamen indes aus dem Sächsischen. Der bekannteste Mühlstein von dort war der „Krawinkler“, der aus Krawinkel bei Halle kam. Die Belastung der Mühlsteine durch das Abmahlen des Getreides war erstaunlich hoch. So nutzte sich selbst der Krawinkler innerhalb eines Jahres allein durch das Abmahlen des gröberen Getreides für Bauern um etwa 2,5 Zentimeter ab. Die Steine aus Neubeuern hatten einen jährlichen Abrieb von etwa einer Handbreite. Mühlen lagen in der Regel außerhalb des Dorfetters, also der Dorfbebauung, und gehörten nicht zur Dorfgmain. Das gab immer wieder Anlass zu Klagen der Dorfbewohner gegen die Müller: Vor 9

allem Bäcker und Müller gerieten aneinander, wenn es um die Verarbeitung des Getreides auf „Muss“ ging. Den Müllern wurde sehr oft Unehrlichkeit unterstellt. So schreibt der Rechtswissenschaftler Wiguläus Kreittmayr in seinen Anmerkungen zum Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis (1756), dass „das Müllerhandwerk (...) überhaupt für ein verstohlenes Volk gehalten wird, und ist dem Sprichwort nach kein Müller ehrlich und redlich, der nicht Haar auf der Zung und in der Hand hat“. Die Unehrlichkeit der Müller stellte sie fast auf eine Stufe mit den Henkern. Dies hängt vielleicht auch damit zusammen, dass die Müller häufig beim Bau einer neuen Richtstätte den Galgen aufstellen oder die Galgenleiter liefern mussten. Ferner war es den Müllern in einigen Gegenden erlaubt, über Mehldiebe zu richten. Zu dieser Bestrafung gehörte der Haargalgen: Man wurde an den Haaren an einen Galgen gehängt, durfte sich aber nach einiger Zeit losschneiden. Diese Selbstjustiz machte die Müller suspekt. Ohnehin hatten sie den Ruf, gewiefte Betrüger zu sein. Man verdächtigte sie, dass ihre Mehlkästen doppelte Böden hätten, dass sie mit schönem weißen Mehl das schlechte schwarze bedeckten, dass sie das Mehl mit Sägespänen versetzten. Andere Vorwürfe galten der Verwendung von falschen Maßen, dem Abspenstigmachen von Mahlgästen, der Übervorteilung und der Gewinnsucht. Doch nicht nur Betrug soll in den einsam gelegenen ländlichen Mühlen vorgekommen sein, sondern auch Raub, Mord, Spuk und vor allem Ausschweifungen. Ganz so von der Hand zu weisen scheint dies nicht zu sein. Erinnert sei beispielhaft an die Schachermühle der Kneißls im Dachauer Hinterland, einem bekannten Treffpunkt von Kleinkriminellen und Hehlern. Darüber hinaus erscheint die Mühle seit dem Mittelalter als heimlicher Ort, der auch erotische Abenteuer verspricht. Diese Verbindung wird noch heute in dem am Place Pigalle in Paris stehenden Vergnügungslokal „Moulin Rouge“ bewahrt. Der technische Fortschritt veränderte das Mühlwesen grundlegend. Hier sind vor allem die bedeutenden Neuerungen des Thomas Ellikot zu nennen, der ab 1785 in seiner „Kunstmühle“ viele Handarbeiten von Fördergeräten verrichten ließ. Bei gleichbleibendem oder sogar sinkendem Personalbedarf erzielte er eine Steigerung des Ertrags und der Mehlqualität. Ermöglicht hatte dies vor allem die Verwendung von eisernen Wellen und Zahnkränzen, die wesentlich belastbarer waren als die hölzernen Teile. Mit ihren neuen technischen Anforderungen benötigten diese Mühlen auch einen neuen Zweck10

gebäudetyp: Dieser hatte mehrere Stockwerke und bereits fabrikmäßigen Charakter. Die Mühle als Architekturträger im großen Rahmen war damit etabliert. Parallel dazu machten die Verbesserungen in der Maschinentechnik den kommerziellen Einsatz von Dampfmaschinen als Treibkräfte anstatt der Wasserräder rentabel. Die erste Mühle, die mit Dampfkraft betrieben wurde, entstand 1786 in London. Auch die Anforderungen an die Mühlsteine änderten sich – die beste Qualität Europas kam nun aus den Steinbrüchen von La Ferté-sous-Jouarre in der Nähe von Paris. In den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts begann sich auch die deutsche Mühlenbauerzunft für die moderne Mahlmühle zu interessieren. Das galt besonders für das Königreich Bayern, das sich selbst als eines der getreidereichsten Länder Europas bezeichnete. Der Getreidehandel war für das nur schwach industrialisierte Land von besonderer Bedeutung und der technologische Rückstand in der Mühlentechnik wäre deshalb kaum zu kompensieren gewesen. Wegen der enormen Investitionskosten, die ein einzelner Müller kaum aufbringen konnte, entwickelte sich in Bayern eine besondere Form des Betriebs: die Aktienmühle. Die Modernisierung der Mahltechnik war nicht möglich ohne höhere Energieeinspeisung. An langsam fließenden Flüssen taten nun meist Francis-Turbinen ihren Dienst und verdrängten die Mühlräder. Parallel dazu setzten sich eiserne Walzen zur Vermahlung des Getreides durch: Die Vermahlungskapazitäten stiegen enorm – die Mühle wandelte sich vom Handwerks- zum Industriebetrieb. Die erste derartige Mühle mit Walzenstühlen wurde 1836 in München errichtet. Als sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die Sortierung der Mahlprodukte der Plansichter durchsetzte, der durch mehrere übereinander angeordnete Kästen mit unterschiedlicher Bespannung das Mahlgut sortierte, war eine technische Reife erlangt, an der sich bis heute vom Prinzip her wenig geändert hat. Daneben traten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Müller häufig auch als kleine Elektrizitätsunternehmer auf: Der erste elektrische Strom, der auch im Dorf die Elektrifizierung ermöglichte, kam häufig aus der Mühle. Freilich erlaubte das nur, Glühbirnen aufleuchten zu lassen. Der vermehrte Bedarf an Strom vor allem für Kraft (Elektromotoren) in der Landwirtschaft in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts, oft erst nach dem Zweiten Weltkrieg, überstieg die Leistung dieser regenerativen Energiequelle. Die Mühle als Elektrizitätswerk blieb zwar nur eine kurze Episode – an die man sich aber im Zuge der vermehrten Nutzung regenerativer Energien zunehmend wieder erinnert. Christoph Bachmann

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Pfiffige Managerinnen Unrevolutionäres zu Frauenfragen: Über die einst weltweit gelesene Jugendbuchautorin Agnes Sapper

S

icher, sie war keine revolutionäre Frauenrechtlerin – dazu war sie viel zu sehr ihrer Zeit und der evangelischen Erziehung verhaftet. Doch soziale Anliegen, vor allem die „Frauenfragen“, die Ausbildung von Mädchen oder das Dienstmädchenproblem, waren immer wieder Themen ihrer Publikationen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Agnes Sapper (1852 bis 1929) neben der HeidiAutorin Johanna Spyri und Ottilie Wildermuth eine der erfolgreichsten und meistgelesenen deutschsprachigen Jugendbuchautorinnen. Die Gesamtauflage ihrer Werke wird auf rund drei Millionen geschätzt, wovon etwa ein Drittel allein auf ihren bekanntesten Roman Die Familie Pfäffling entfällt. Am 12. April 1852 wurde Agnes in München geboren. Ihr Vater war der Jurist und Politiker Karl Brater, der damals die Süddeutsche Zeitung gegründet hatte – allerdings nicht jene Tageszeitung, die man heute unter diesem Namen kennt, sondern ein kurzlebiges politisches Magazin, das bereits nach vier Jahren wieder aus dem Blätterwald verschwand. Die Mutter, Pauline Brater, geborene Pfaff, entstammte einer kinderreichen Professoren-Familie aus dem fränkischen Erlangen, deren Leben Agnes später in einem eigenen Buch beschrieb. München und Erlangen hießen

auch die wichtigsten Stationen im Leben der jungen Agnes. 1875 heiratete sie Eduard Sapper – Jurist wie ihr Vater, damals Stadtschultheiß im schwäbischen Blaubeuren. Mit ihm zog sie nach Baden-Württemberg, zunächst nach Blaubeuren, dann weiter nach Neckartailfingen, nach Esslingen und zuletzt nach Calw. Das Paar bekam fünf Kinder: zwei Töchter und drei Söhne, von denen jedoch zwei nicht das Kleinkindesalter überlebten. Ihr Mann ermutigte Agnes, sich 1883 mit einer Erzählung an einem Wettbewerb zu beteiligen; In Wasserfluten erhielt den ersten Preis. Gut zehn Jahre später erschien mit Das erste Schuljahr ihre zweite Erzählung. Ihre eigentliche schriftstellerische Tätigkeit begann jedoch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Würzburg. Dorthin war sie nach dem frühen Tod des Ehemanns 1898 zu ihrer Schwester und ihrer Mutter übersiedelt. Die Familie Pfäffling, ihr berühmtestes Werk, entstand 1907. Die Mutter und deren Jugenderinnerungen lieferten die Ideen, auch wenn Agnes Sapper dies mehrfach bestritt. Schon allein die Namen Pfaff und Pfäffling lassen sich unschwer in Verbindung bringen. Der liebenswerte Roman, der den Untertitel „eine deutsche Wintergeschichte“ trägt, handelt vom bewegten Alltag einer kinderreichen Musiklehrer-Familie in einer süddeutschen Kleinstadt, der vor allem durch die Mutter Cäcilie Pfäffling gemanagt wird. Das Buch wurde ein überwältigender Erfolg und nicht nur zur Weihnachtszeit gerne gelesen. In viele Sprachen übersetzt, sogar ins Japanische, trat es seinen Siegeszug rund um den Globus an. Wie wohl auf Japanisch „Pfäffling“ ausgesprochen wird? Der übersetzte Titel in Japan lautete auf jeden Fall: Das Haus der Liebe. Soldaten nahmen das Buch während des Ersten Weltkriegs mit in den Schützengraben; deutsche Auswanderer brachten es bis in den Süden Afri-

Lebensbilder der Agnes Sapper: mit ihrer Schwester Anna 1864, als Braut und als Mutter mit Tochter Anna. Oben ein Porträt von ihr Fotos: Archiv aus dem Jahr 1914.

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dinnen nicht nur tatkräftige Hausfrauen, sondern oft auch pfiffige kleine Mädchen, die sich – und anderen – zu helfen wissen, nicht auf den Mund gefallen sind und Eigeninitiative entwickeln. Die einst viel gelesene Jugendbuchautorin geriet nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend in Vergessenheit. Während Meyers Konversationslexikon 1927 von Sappers „gesunder sittlicher Weltanschauung“ sprach, ließ der Kinderbuchautor James Krüss 1992 kaum ein gutes Haar an ihren Werken, spricht von „Gluckenphilosophie“ und der Sehnsucht des deutschen Spießers nach der falschen Idylle. Krüss gehört einer neuen Generation von Kinderbuchautoren an, hat Freude am Skurrilen und Fantastischen. Agnes Sapper dagegen singt das Loblied der geordneten Familie, preist Tugenden wie Pflichtbewusstsein, Fleiß, Aufrichtigkeit, Hilfsbereitschaft, Gehorsam, Anstand und gutes Benehmen. Doch ist ihre Welt ganz und gar nicht nur die heile. Aus ihrem Engagement für strafgefangene Frauen entstand die Geschichte von Regine Lenz; in Thüringer Wald schildert sie die Not der dortigen Spielzeugmacher-Familien und ihrer Kinder, die bis zur Erschöpfung Puppen anfertigen müssen, mit denen andere Kinder spielen dürfen.

Gretchen Reinwald, die Titelfigur aus Das erste Schuljahr. Die Illustration zu dem Bestseller stammt von Cora Lauzil.

kas und nach Australien. In jüngster Zeit diente der Stoff sogar als Vorlage für den 1993 gedrehten und mehrfach ausgezeichneten Kinderfilm Aufregung um Weihnachten. Auch andere Bücher Sappers zogen hinaus in die Welt. Im Thüringer Wald etwa wurde einst sogar in amerikanischen Schulen eingeführt. Besonders am Herzen lag Agnes Sapper die Bildung von Mädchen, ein Anliegen, das bereits der Vater mit Nachdruck vertrat. Auch Mädchen sollten eine solide Ausbildung erhalten, um ihnen eine eigenständige Existenz zu ermöglichen, nach dem Motto „Kommt das Liebesglück, so ist’s gut, kommt es nicht, so ist mein Leben doch von Wert“, wie es in Werden und Wachsen, dem Fortsetzungsband der Familie Pfäffling heißt. Agnes selbst hatte eine für die damalige Zeit gute Ausbildung genossen, sprach fließend Französisch und hätte sich als Lehrerin wohl gut durchs Leben gebracht, wäre ihr nicht Herr Sapper über den Weg gelaufen. Diese Voraussetzungen erweckten allerdings bei der angeheirateten schwäbischen Verwandtschaft zunächst durchaus Misstrauen. Ob sie denn überhaupt kochen könne? Und den Haushalt führen? Sie konnte! Und in ihren Erzählungen sind die Hel12

„Frau Sapper kann erzählen. Sie kann Situationen erfinden. Sie hat sogar Talent für das Komische“, musste selbst ihr später Kritiker James Krüss einräumen. „Ihre Erzählungen unterscheiden sich wohltuend von süßlichen Backfischromanen à la Trotzkopf, auch von den ‚bluttriefenden Hurraskribenten’ und den ‚frömmelnden Poesietanten’ der wilhelminischen Ära“, urteilt heute die Autorin Dorothea Keuler. Bis zu ihrem Tod behielt Agnes Sapper ihre Wohnung in Würzburg, lediglich unterbrochen von zahlreichen Reisen, vor allem zu den Familien ihrer Kinder. In Würzburg wurde ihr 70. Geburtstag noch mit einer Feierstunde und einer Festschrift begangen. In dieser Stadt war sie jahrelang als Waisenpflegerin tätig gewesen; während des Ersten Weltkriegs hatte man sie häufig im Lazarett gesehen. Ihrer sozialen Ader ist auch 1926 die Stiftung eines Altersheims aus Teilen ihres Honorars zu verdanken – heute ein Übergangswohnheim für psychisch Kranke, das als Agens-Sapper-Haus von der Diakonie betrieben wird. In Würzburg starb Agnes Sapper am 19. März 1929. Ihr Familiengrab auf dem dortigen Hauptfriedhof besteht bis heute. Beinahe wäre es allerdings 2006 eingeebnet worden. Der rote Aufkleber der Friedhofsverwaltung prangte bereits auf dem Stein. Buchstäblich in letzter Minute erklärte sich das Diakonische Werk Würzburg bereit, das Grab für weitere 15 Jahre zu finanzieren. Cornelia Oelwein

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Inhaltsverzeichnis 2014 Die Krise spitzt sich zu. Die Befehle lagen schon monatelang in

Schuld und Sühne. Eine Ausstellung im Staatsarchiv München

der Schublade: Stimmungsbilder aus Bayern am Vorabend des Ersten

dokumentiert Strafverfahren gegen NS-Verbrechen vor deutschen

Weltkriegs. Von Martin Hille

........................ Januar / Seite 3

Gerichten. Von Christoph Bachmann

.............. April / Seite 14

Zum Henker! Serie „Aktenkundig“: Züchtigen, foltern, hinrichten:

Pokalfreuden in Franken. Im Kriegsjahr 1914 wurde mit der

Scharfrichter hatten viele Aufgaben, entsprechend vielfältig waren ihre

Spielvereinigung Fürth erstmals eine bayerische Mannschaft deutscher

Berufsbezeichnungen. Von Christoph Bachmann

... Januar / Seite 8

Fußballmeister. Von Christian Muggenthaler

......... Mai / Seite 3

Rehabilitierter Himmelsstürmer. Vor 400 Jahren erschien Simon

Flanierung und forschen. Grüne Pracht aus aller Welt: Im Mai

Marius‘ Hauptwerk über die Jupitermonde. Ein Plagiat!, behauptete

1914 eröffnete der neue Botanische Garten in München-Nymphen-

Galileo Galilei. Von Karin Dütsch

.................. Januar / Seite 12

burg. Von Petra Raschke

................................ Mai / Seite 6

Kille wau! Kille wau! In Dietfurt grassiert das „gelbe Virus“: Der

Zügellose Geister. Serie „Aktenkundig“: Dienstboten, die auf-

Chinesenfasching hat eine lange Tradition, seine Ursprünge sind rätsel-

muckten, zu wenig arbeiteten oder mehr Geld und Essen wollten,

haft. Von Eva Meier

................................. Januar / Seite 14

Vom Geflügelhof zum Kultur-Gut. Alle 50 Jahre erlebte der Goldachhof im Erdinger Moos eine entscheidende Veränderung. Von Cornelia Oelwein

................................ Februar / Seite 3

durften gezüchtigt werden. Von Margit Ksoll-Marcon ..............................

Mai / Seite 10

Urmensch in Knickerbockern. Volksdichter mit ein paar blinden Flecken. Zum 50. Todestag von Georg Britting.

............................... Mai / Seite 14

Verzweifelter Schlussstrich. Serie „Aktenkundig“: Verarmt, un-

Von Bernhard Setzwein

geliebt, verfolgt: Die Behördenunterlagen zu Selbstmorden offenbaren

Leckerbissen von der Stange. Im Europäischen Spargelmuseum

viele Motive. Von Ulrike Hofmann

................. Februar / Seite 7

in Schrobenhausen erfährt man alles über das kultige Gemüse.

.............................................. Juni / Seite 3

Bizarrer Greis. Der Waldrapp hat in Bayern wieder ein Zuhause

Von Eva Meier

bekommen. In Burghausen wird er vielleicht bald auf der Burg nisten.

Alle antreten! Serie „Aktenkundig“: Mit staatlich angeordneten

Von Petra Raschke

.................................... Februar / Seite 9

Reihenuntersuchungen sollte die Ausbreitung von Seuchen wie der TBC

.......... Juni / Seite 6

Bauern im Frack und ihre Schätze. In der Agrarhistorischen

eingedämmt werden. Von Markus Schmalzl

Bibliothek in Herrsching findet sich Schrifttum zu landwirtschaftlichen

Schleichendes Vergessen. Alois Alzheimer wurde berühmt durch

Fragen aus 500 Jahren. Von Petra Raschke

..... Februar / Seite 12

die Beschreibung einer bis heute unheilbaren Geisteskrankheit.

............................................ Juni / Seite 10

Bewundert und gehasst. Serie „Aktenkundig“: Die anfängliche

Von Eva Meier

Faszination für Zigeuner wich bald dem Ordnungseifer, die Nichtsess-

Verkannter Neuerer. Das Bild vom naiv-politischen Künstler lässt

haften wieder loszuwerden.

vergessen, dass die Postmoderne in der Klassik ohne Richard Strauss

Von Christoph Bachmann ................................

März / Seite 3

undenkbar ist. Von Marco Frei

......................... Juni / Seite 12

Heimtückischer Virus. Bis in die Sechzigerjahre suchte die Kin-

Einfach und wahr. Der Opernreformer Christoph Willibald Gluck

derlähmung auch Bayern heim. Der Kalte Krieg behinderte schnelle

aus der Oberpfalz beeinflusste Komponisten von Mozart bis Strauss.

Impfaktionen. Von Andrea Hirner

...................... März / Seite 8

Von Marco Frei

......................................... Juni / Seite 15

Beflügelter Tausendsassa. Der Landsberger Hubert von Herko-

Wildrissig und sattglänzend. Ob mit oder ohne Deppen-Apo-

mer machte in England Karriere und schaffte es bis zum Hofmaler der

stroph: Wie sich die Bayerische Breze von ihren Schwestern in aller Welt

Queen. Von Eva Meier

................................. März / Seite 12

unterscheidet. Von Cornelia Oelwein

........ Juli, August / Seite 3

Eigenwilliger Porträtist. Vor 100 Jahren wurde der zeitweilige

München – fast am Rhein. Über die prezise ausgetüftelten Vari-

Wahlmünchner und Murnaugast Alexej von Jawlensky geboren.

anten einer Kanalverbindung zwischen Main und Donau.

Von Eva Meier

........................................... März / Seite 14

Von Victor Henle

................................ Juli, August / Seite 7

Im Dauerclinch mit dem Papst. Vom Herzog zum Kaiser: Das

Kriegskrüppel. Serie „Aktenkundig“: Wer sich fürs Vaterland auf

Leben von Ludwig dem Bayern war eine Erfolgsstory in politischen

dem Schlachtfeld aufopferte, war in der Heimat als Versehrter arm

Umbruchzeiten. Von Eva Meier

......................... April / Seite 3

dran. Von Christoph Bachmann .............

Juli, August / Seite 12

Vogel im Treibhaus. Ein Hotel, ein Rohrplattenkoffer und die deut-

Ahnung vom Abschiednehmen. „Bis in sechs Wochen sind wir

sche Sprache: Zum 100. Todestag des Dichters Christian Morgenstern.

wieder da“: Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und das „August-

Von Bernhard Setzwein

.................................. April / Seite 6

erlebnis“ in Bayern. Von Martin Hille

...... Juli, August / Seite 17

Kampf ums flüssige Brot. Serie „Aktenkundig“: Wenn früher

Fröhlicher Fettnapfspringer. Von einem, der tief gründelte – und

Bierpreiserhöhungen anstanden, kam es oft zu schweren Krawallen.

gehörig aneckte. Vor 150 Jahren wurde Frank Wedekind geboren.

Von Johannes Staudenmaier

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............................ April / Seite 9

Von Christian Muggenthaler .................

Juli, August / Seite 22 13

Summende Sorgenkinder. Mehr als anderswo in Deutschland spielt die Imkerei in Bayern eine große Rolle. Doch das Bienensterben bremst. Von Petra Raschke .................. Juli, August / Seite 24

Auf der Sau durchs Dorf. Serie „Aktenkundig“: Fürs arme Volk hatte sich die Gerichtsbarkeit viele Formen von Ehrenstrafen ausgedacht. Von Markus Hirte ......................... November / Seite 3

Kraxeln im Team. Im 19. Jahrhundert begannen die Eroberungs-

Frischer und lustiger Ort. Bauernhof, Ziegelei, Gestüt: Das ehe-

züge der Wander- und Klettervereine durch den Frankenjura. Von Manfred Vasold ....................... Juli, August / Seite

malige Wittelsbacher Gut Laufzorn hat eine wechselvolle Geschichte. Von Andrea Hirner ................................ November / Seite 6

28

Formen durch Verformen. Der Metallkünstler Alf Lechner liebt

Zeichen des Gedenkens. Vor allem im Bayerischen Wald

und stört die geometrische Ordnung. Von Victor Henle .................................

entdeckt man viele Totenbretter: Ein Brauchtum, das noch heute gepflegt wird. Von Eva Meier ............... November / Seite

September / Seite 3

12

Lug und Trug. Serie „Aktenkundig“: Nepper, Schlepper, Bauern-

Surrende Preziosen. In St. Ottilien hat Bruder Aurelian Biswanger

fänger: Über Maschen und Manöver, andere um ihr Hab und Gut zu bringen. Von Andreas Nestl .................... September / Seite 8

Hunderte von Nähmaschinen zusammengetragen. Von Maria Mercedes Hering ................ November

„Zupfa und net rupfa!“ Im grünen Goldrausch: Vom Hopfen und

Knuspriger Spatz. Alltag der Menschen an der Heimatfront wäh-

Hopfenzupfen nördlich und südlich der Donau. Von Petra Raschke ............................. September

rend des Ersten Weltkriegs: Ein Leben voller Entbehrungen. Von Manfred Vasold ........................... Dezember /

/ Seite 12

Rebellen der Berge. Serie „Aktenkundig“: Erst auf die verbotene Pirsch, dann hinauf zur feschen Sennerin: Wer waren die Wilderer wirklich? Von Christoph Bachmann ............... Oktober / Seite

3

Schachzüge der Weltpolitik. Vor 600 Jahren begann das Konstanzer Konzil. Dort lieferten sich auch zwei Wittelsbacher eine bluternste Fehde. Von Eva Meier .................. Oktober / Seite

8

Fatale Erstarrung. Schon im Herbst 2014 kritisierte Kronzprinz

/ Seite 14

Seite 3

Zwielichtige Handwerker. Serie „Aktenkundig“: Mahlmühlen sicherten die Lebensmittelversorgung. Ihre Betreiber standen lange Zeit im Ruf, ihre Kunden zu betrügen. Von Christoph Bachmann ....................... Dezember / Seite 6 Pfiffige Managerinnen. Unrevolutionäres zu Frauenfragen: Über die einst weltweit gelesene Jugendbuchautorin Agnes Sapper. Von Cornelia Oelwein .......................... Dezember / Seite

11

Rupprecht die mangelnde Kompetenz in der deutschen Kriegsführung. Von Martin Hille .................................... Oktober / Seite 11

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Unser noch unerforschtes Bayern Die Seite 2 jeder Ausgabe Von Bernhard Setzwein

Amazon-Drohnen. Über die phantastische Idee einer ohnehin schon unüberbietbaren Firma. .................................. Januar

Nichts für Weicheier. Freiluft-Saison in Bayern: Der echte Kulturfan braucht dazu keine 30 Grad Celsius. ............. Juli / August

Starkbier und Küche. Über die Ancienne und Nouvelle Cuisine der Bayern. ....................................................... Februar

Nüchterner Blasmusiker. Mit einer Halben zuviel intus auf der Bühne – früher war das bei Stars normal. .............. September

Politischer Wechselstrom. Morgens beim Ministerpräsidenten: Die gefährlichste Tageszeit im Freistaat. ......................... März

No-Spy-Maßnahme. Bernhard Setzwein will seine alte Schreibmaschine dem Vaterland großherzig überlassen. .......... Oktober

Gerade noch eben Meister. Der FC Bayern hat den Fußball umgebracht. Wie der FCB die Fans für dumm verkauft. ....... April

Grüne Weißwurst. Von der Unart, Altbewährtes nicht einfach so sein lassen zu können, wie es ist. ......................... November

Deklaratorischer Charakter. Was es mit der bayerischen Volks........................................ Mai

Mit dem Schmalzler gen Himmel. Über Jenseitsvorstellungen der Bayern. ................................................... Dezember

befragung light auf sich hat.

WM ohne Franken-Kicker. Warum gibt es keine fränkische Fußball-Nationalmannschaft? ....................................... Juni

Das Schmuckstück – auf den Schlussseiten Spuk des korrupten Beamten: Der Bärenmoosmann und andere Geister an Allgäuer Sagenorten. Von Karin Dütsch .................................................. Januar 1250 Jahre Kloster Ottobeuren: Die mächtige und prächtige Anlage wurde gar als „deutsches Escorial“ gerühmt. Von Eva Meier .................................... Februar Die Shakespeare-Bibliothek in München ist mit ihren Tausenden von Büchern und Fotokopien einzigartig. Von Eva Meier ....................................................... März Für eine Ausstellung kehrt der Pommersche Kunstschrank nach 400 Jahren zurück nach Augsburg, wo er gefertig wurde. Von Reiner Oelwein .......................... Mai

Das Schulhaus im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim, in dem der Dorflehrer und Bienenzüchter Johann Witzgall wirkte. Von Petra Raschke ... Juli / August Ludwigs Henkelkörbchen und anderes aus Elfenbein: Eine Ausstellung in Oettingen über Elefanten. Von André Paul ............................................. September Schöpfungshymnus und Gebet: Vor rund 1200 Jahren entstand das Wessobrunner Gebet. Von Eva Meier .................................................. Oktober Ein Stück Natur für die Ewigkeit? Roxy Paines EdelstahlBaumskulptur Discrepancy in München. Von Angelika Irgens-Defregger ........................... November

Die Buckelwiesen bei Mittenwald sind mit ihrer außergewöhnlichen Artenvielfalt ein naturkundlicher Hotspot. Von Petra Raschke ...................................... Juni

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20 04 63, 80004

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