Konzeption - St. Johannisverein Eggenfelden

Konzeption - St. Johannisverein Eggenfelden

Konzeption Betreutes Wohnen ❚ Für Jugendliche und junge Erwachsene, nach §§ 27, 34 und 41 KJHG (SGB VIII). ❚ Für schwangere Mädchen und junge Frauen ...

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Konzeption

Betreutes Wohnen ❚ Für Jugendliche und junge Erwachsene, nach §§ 27, 34 und 41 KJHG (SGB VIII). ❚ Für schwangere Mädchen und junge Frauen sowie junge Mütter oder Väter mit ihrem Kind bzw. ihren Kindern, nach §19 KJHG (SGB VIII).

Pädagogisches Zentrum

Impressum Herausgeber: Betreutes Wohnen des St. Johannis-Vereins Eggenfelden e. V. Pfarrkirchener Straße 40a D-84307 Eggenfelden Telefon 0 87 21 / 96 34-16 Fax 0 87 21 / 96 34-30 E-Mail: [email protected] [email protected] www.st-johannisverein-eggenfelden.de Erstellt von Gabriela Anna Schwan, Hans-Dieter Hellwig E. Schreiner Dezember 2011-12-28 Stand: Dezember 2011

Pädagogisches Zentrum

Gliederung Vorwort

4

1 1.1 1.2

Die Gesamteinrichtung Der Verein als Träger Leitbild

5 6

2 2.1 2.2 2.3 2.4 2.5 2.6

Das Betreute Wohnen Rahmenbedingungen Infrastruktur Grundlagen des Angebots Aufnahmeverfahren Pädagogische Zielsetzung Pädagogische Arbeit – Methodik – Leistungsangebot

7 8 9 11 12 15

3 3.1 3.2 3.3

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen Tagesablauf Gruppenversammlung Gruppenabend

19 19 19

4 4.1 4.2 4.3 4.4 4.5

Kooperationspartner Amt für Jugend und Familie Schule und Ausbildung Eltern und Vormund Jugendsozialarbeit an Schulen Gesundheitsinstitutionen

20 20 20 20 20

5 5.1 5.2

Das Personal Grundeinstellung des pädagogischen Personals Die Teamarbeit

21 21

6 6.1 6.2

Qualitätssicherung Dokumentation Standards

22 22

Schlussgedanke

23

3 Pädagogisches Zentrum

Vorwort Der St. Johannis-Verein Eggenfelden e. V. blickt auf eine lange Geschichte und Tradition zurück. Heute bietet der Verein breit gefächerte und umfassende Hilfen für Kinder und Jugendliche an. Wir sind ein kirchlich ausgerichteter, eingetragener, völlig selbstständiger und dem Deutschen Caritasverband Regensburg angeschlossener Verein. Wichtigstes Anliegen ist es uns, den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen einen Lebensraum zu gestalten, in dem sie sich angenommen und wohl fühlen können. Mit dieser Konzeption wollen wir unsere Partner in den Jugendämtern, alle Eltern und alle weiteren Menschen, die mit unserem Verein in Verbindung stehen, über unsere Ziele, Angebote und Arbeit informieren. Wir danken allen, die bei der Erfüllung unserer Aufgaben mit uns zusammen arbeiten. Hans-Dieter Hellwig Einrichtungsleiter

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1. Gesamteinrichtung 1.1. Der Verein als Träger und seine Geschichte Der St. Johannis-Verein Eggenfelden e. V. hat es sich als gemeinnütziger Verein seit seiner Gründung im Jahr 1853 zur Aufgabe gemacht, Kindern und Jugendlichen aus der Stadt Eggenfelden bzw. dem heutigen Landkreis Rottal-lnn und den Nachbarlandkreisen in Notlagen und Problemsituationen zu helfen. Im Jahr 1894 konnte dieser Vorsatz mit der Eröffnung des Antoniusheims als eine Rettungs- und Waisenanstalt in die Tat umgesetzt werden. Seit der Eröffnung bis zum Jahre 1989 waren Ordensfrauen der Franziskanerinnen aus Mallersdorf für die Betreuung und Beaufsichtigung der Kinder und Jugendlichen in den unterschiedlichen Bereichen tätig. Mit den Jahren entstanden neue Bedürfnisse, denen der Verein durch weitere Angebote, wie einen Kindergarten (1965), einen Kinderhort (1987), eine Heilpädagogischen Tagesstätte (1993), der Jugendsozialarbeit an Schulen (2007) und einer Kindergrippe (Eröffnung September 2011) einer ständigen Weiterentwicklung zum Wohle der zu Betreuenden Rechnung trägt. Als Maßnahme für Jugendliche, die auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit Unterstützung benötigen, wurden das Betreute Wohnen für Jugendliche (2001) und zuletzt das Betreute Wohnen für schwangere Jugendliche und junge Mütter bzw. Väter mit ihrem Kind oder ihren Kindern (2005) installiert. Heute beschäftigt der St. Johannis-Verein über 30 MitarbeiterInnen, die in den verschiedenen Bereichen insgesamt ca. 200 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 0 und 21 Jahren betreuen. Unsere gesamte pädagogische Arbeit orientiert sich am ganzheitlich-christlichen Menschenbild (Körper-Seele-Geist) und dessen lebensbejahender Wertorientierung. Der St. Johannis-Verein Eggenfelden e. V. wird durch eine für jeweils drei Jahre gewählte Vorstandschaft geführt, dessen Mitglieder alle ehrenamtlich tätig sind. Der 1. Vorsitz obliegt aufgrund der Vereinssatzung immer dem ortsansässigen Stadtpfarrer. Außerdem ist auch der 1. Bürgermeister satzungsgemäßes Mitglied in der Vorstandschaft des Vereins. Mitglied im St. Johannis-Verein Eggenfelden e.V. kann jeder werden, der mit einem Jahresbeitrag von 15,00 € dazu beitragen möchte, dass der Verein weiterhin fortbestehen kann und wir auch in Zukunft gemeinsam die Bedürfnisse der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen erfüllen können.

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1.2. Leitbild Der St. Johannis-Verein Eggenfelden e. V. ist eine Einrichtung ❚ für Kinder und Jugendliche, die im christlichen Miteinander Lern- und Lebenswege sucht und findet und sich neuen sozialen Herausforderungen stellt. ❚ die das Leben als gewollte Schöpfung Gottes schätzt und deshalb die unverwechselbare, einzigartige Persönlichkeit und somit die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen uneingeschränkt achtet und anerkennt. ❚ die die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung ganzheitlich fördert, begleitet, und betreut und ihre Individualität respektiert und bewahrt. ❚ die die Eltern als entscheidende Partner in der Erziehung ihrer Kinder stützt und stärkt. ❚ die die MitarbeiterInnen durch gegenseitige Wertschätzung in ihrer Motivation, Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft einem kooperativen Führungsstil fordert und fördert und einheitliche Qualitätsvorgaben und standardisierte Arbeitsläufe kontinuierlich weiter entwickelt und sicherstellt. ❚ mit Vorbildfunktion, in der alle Verantwortlichen dem Leitbild verpflichtet sind. ❚ die mit den Kooperationspartnern, z. B. Jugendamt, Schulen, Fachdienste, Städte und Gemeinden, eine vertrauensvolle, fachlich qualitätsorientierte Zusammenarbeit unterhält und pflegt. ❚ die zum Nutzen der Kinder und Jugendlichen und der MitarbeiterInnen wirtschaftlich handelt, d. h. Zeit und Geld zielgerichtet, bedarfsgerecht und kostenbewusst einsetzt, neue Möglichkeiten der Finanzierung erschließt und sich als lernende Organisation begreift und versteht. ❚ die dem Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege des Deutschen Caritasverbandes, Regensburg angeschlossen ist und sich zu den Zielen und dem Leitbild dessen bekennt.

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2. Das Betreutes Wohnen 2.1. Rahmenbedingungen Gebäude Den Jugendlichen des Betreuten Wohnens steht auf dem Gelände der Gesamteinrichtung ein Wohnhaus mit drei Wohneinheiten für insgesamt sieben Jugendliche zur Verfügung. Die Wohneinheiten verfügen über zwei mal zwei bzw. ein mal drei Einzelzimmer, jeweils einen Koch- und Wohnbereich, mindestens einem Badezimmer und großem Balkon. Die Wohnungen sind mit Grundmobiliar ausgestattet. Die Mutter-Kind Einheit setzt sich aus einem großen Wohnraum mit seperatem Badezimmer und einem großen Balkon zusammen. Gelegenheit zum Wäschewaschen bieten eine Waschmaschine und ein Wäschetrockner im Untergeschoss des Hauses. Ein Wohnzimmer als Gemeinschaftsraum ebenfalls im Untergeschoss des Hauses mit Internetanschluss und angrenzender Terrasse, kann ebenso genutzt werden wie der Multifunktionsraum und die vielfältigen Außenanlagen der Gesamteinrichtung. In Planung ist ein Werkstattattelier, welches zum Malen, Fotografieren, Filmbearbeitung und Entwicklung, Bauen, Schreinern usw. zur Verfügung steht. Gruppenstärke Im Betreuten Wohnen für Jugendliche und junge Erwachsene können sieben geschlechtsgemischte junge Menschen ab dem 15. Lebensjahr aufgenommen werden. Zudem können die Kinder der im Betreuten Wohnen lebenden Mütter und Väter hier Platz finden. Personal Geleitet wird das Betreute Wohnen von einer pädagogischen Fachkraft, die je nach Belegung durch weitere pädagogische Fachkräfte unterstützt wird. Zudem absolvieren Praktikanten verschiedener pädagogischer Ausbildungsrichtungen hier ihr Praktikum. Um das individuelle Jugendhilfeangebot adäquat gewährleisten zu können, besteht fortwährender Kontakt zwischen den Betreuern, der Einrichtungsleitung, den Leitungen der Einrichtung im Haus und den am Entwicklungsprozess eingebundenen Fachkräften. Öffnungszeiten Das Betreute Wohnen ist ganzjährig geöffnet. Die Betreuungszeiten für die Jugendlichen finden in der Regel von Montag bis Freitag statt. Nachts, sowie an Wochenenden und Feiertagen werden die Jugendlichen nach Bedarf betreut.

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2.2 Infrastruktur Das freistehende Wohnhaus, in dem das Betreute Wohnen untergebracht ist, steht auf dem weitläufigen Gelände des St. Johannis-Vereins in Eggenfelden. Das Gebäude befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Ortskern der Stadt Eggenfelden. Alle ortsansässigen Schulen sind in kurzer Zeit zu Fuß zu erreichen. Einkaufsmöglichkeiten können bequem und ohne Fahrzeug genutzt werden. Für größere Einkäufe und Arztbesuche, sowie die Freizeitgestaltung der Jugendlichen stehen drei Kraftfahrzeuge zur Verfügung. Im Anschluss an das Haus befindet sich ein großer Garten mit Fußball-, Basketball-, Bewegungs- und Spielplatz. Zudem bietet Eggenfelden mit seinen Vereinen ein großes Angebot an Freizeitbeschäftigungen, in das die von uns betreuten Jugendlichen integriert werden können. Besondere Möglichkeiten ergeben sich hierbei in den Bereichen Sport, Musik, Tanz, Computer und Kultur. Mit den Einrichtungen im Haus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Beratungsstellen der Stadt Eggenfelden sowie dem Zentrum für Kinder und Jugendliche Inn-Salzach, den Ärzten, Heilpraktiker, Psychologen und Physiotherapeuten im Ort und in der Umgebung besteht eine intensive Zusammenarbeit.

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2.3. Grundlagen des Angebots Das Betreute Wohnen für Jugendliche und junge Erwachsene ist ein Jugendhilfeangebot nach den §§ 27, 34 und 41 SGB VIII (KJHG) und ist unter der Trägerschaft des St. Johannis-Vereins Eggenfelden e. V., welcher dem Caritasverband der Diözese Regensburg angeschlossen ist. Betreutes Wohnen im St. Johannis-Verein Eggenfelden e.V. heißt, dass, wenn der junge Mensch den Erwartungen der Einrichtung nicht nachkommt, die Regeln nicht einhält und/oder seine Pflichten nicht erfüllt, er hier am falschen Platz ist und die Einrichtung verlassen muss. Entscheidend dafür, ob er trotz einem obengenannten Fehlverhalten in der Einrichtung bleiben kann ist die Bereitschaft, fehlendes Engagement, fehlenden Willen und falsches Verhalten sofort und nachhaltig zu verändern. Betreutes Wohnen im St. Johannis-Verein Eggenfelden e.V. bietet ❚ jede Unterstützung, wenn es darum geht, zu bilden, weiter zu entwickeln, eigenständig zu werden. ❚ eine Perspektive nach der Zeit im Betreuten Wohnen in Form eines außenbetreuten Wohnens. ❚ die Chance, vieles kennen zu lernen, über Grenzen zu gehen, den Horizont zu erweitern. Betreutes Wohnen im St. Johannis-Verein Eggenfelden e.V. erwartet von dem Bewohner und der Bewohnerin, ❚ dass er/sie selbständig leben kann, wenig Unterstützung im Alltag braucht. Beispiele: eigenständige Haushaltsführung, selbständiges Ausführen der Arztbesuche ❚ dass er/sie regelmäßig, pflichtbewusst und mit erkennbaren Fortschritten ihre/seine Ausbildung absolviert und deren Erfolg durch nichts gefährdet. ❚ dass er/sie sich an alle Vorgaben des Hauses, der Einrichtung und der Gruppe hält. ❚ dass er/sie aktiv und engagiert am Gruppengeschehen teil nimmt. ❚ dass er/sie bereit ist, Neues kennen zu lernen, sich weiter zu bilden und Unbekanntes auszuprobieren.

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Unser Angebot richtet sich zum einen an Jugendliche ab dem 15. Lebensjahr, die aus Familien und anderen Lebenskontexten kommen, in denen sie keine ausreichende oder angemessene Förderung und Unterstützung finden und in welchen sie nicht mehr verbleiben können oder wollen und deren erzieherische, familiäre und persönliche Situation pädagogische Begleitung notwendig macht und einen geschützten Wohnraum erfordert. Im Wesentlichen wird hier die Verselbstständigung der Jugendlichen gefördert und fachlich begleitet. Die Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen werden durch stundenweise individuelle Betreuung auf ein eigenverantwortliches und selbstständiges Leben vorbereitet. Durch eine feste Bezugsperson werden sie in Fragen der allgemeinen Lebensführung, beruflichen Zukunft, Freizeitgestaltung und Kontakten zur Herkunftsfamilie kompetent beraten und unterstützt. Zum anderen nehmen wir Schwangere und junge Mütter bzw. Väter mit Kind oder Kindern, basierend auf dem § 19 SGB VIII (KJHG), auf. Dieses Angebot richtet sich an schwangere Jugendliche und junge Erwachsene ab dem 15. Lebensjahr, sowie junge Mütter bzw. Väter, die alleine für ein Kind unter sechs Jahren zu sorgen haben, wenn und solange sie aufgrund ihrer Persönlichkeitsentwicklung dieser Form der Unterstützung bei der Pflege und Erziehung des Kindes bedürfen. Die Betreuung schließt auch ältere Geschwister ein, sofern die Mutter oder der Vater für sie alleine zu sorgen hat. Eine schwangere Frau kann auch vor der Geburt des Kindes in unserer Einrichtung betreut werden, wenn sie aus einer Familie oder einem anderen Lebenskontext kommt, in der sie keine ausreichende oder angemessene Förderung und Unterstützung findet und in welcher sie nicht mehr verbleiben kann oder will und deren individuelle Problematik erwarten lässt, dass sie im Rahmen ihrer neuen Lebenssituation auf Hilfe und Begleitung angewiesen ist. Unsere Einrichtung arbeitet weiter mit (minderjährigen) Schwangeren zusammen, die ihr Kind nicht abtreiben lassen wollen, die nicht mehr bei ihren Eltern und/oder ihrem Partner leben können und die über kein eigenes Einkommen verfügen und deshalb durch diese Lebenssituation überfordert sind. Ferner werden auch allein stehende Mütter oder Väter aufgenommen, die viele persönliche Schwierigkeiten haben und aufgrund dieser Problematik mit ihrem Kind bzw. ihren Kindern nicht zurechtkommen und Unterstützung bedürfen. Wir sind offen für alle Nationalitäten und Religionen. Generell können auch Jugendliche und junge Menschen mit einer Behinderung aufgenommen werden, auch Menschen mit Spektrum Autismus Störungen sind uns herzlich willkommen.

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2.4. Aufnahmeverfahren Die Jugendlichen sollten die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mitbringen und die Motivation zur schulischen oder beruflichen Ausbildung aufweisen. Es sollten vorhanden sein: ❚ Ein Grundmaß an persönlicher Selbstständigkeit. ❚ Lebenspraktische Fertigkeiten und Fähigkeiten. ❚ Die Bereitschaft, regelmäßig einer beruflichen oder vergleichbaren schulischen Ausbildung nachzugehen und auf einen erfolgreichen Abschluss hinzuarbeiten. ❚ Die Bereitschaft zur regelmäßigen und konstruktiven Zusammenarbeit mit den Betreuern während der gesamten vereinbarten Betreuungszeit. Ausschlusskriterien: ❚ Schwere geistige und/oder körperliche Behinderungen. ❚ Die Psyche betreffende Problematiken, die einer geschlossenen Unterbringungsform bedürfen. ❚ Manifeste Drogenabhängigkeit. ❚ Akute Suizidgefahr. ❚ Bedarf einer vollstationären Unterbringung. In der Regel wird der Jugendliche oder junge Erwachsene vom Jugendamt nach den §§ 27,34 und 41 KJHG bzw. dem § 19 KJHG untergebracht. Nach der Anfrage des einweisenden Jugendamtes werden vorhandene Unterlagen wie Anamnesebögen, Berichte und Hilfepläne an die Einrichtung weitergeleitet und ein Vorstellungstermin mit der Einrichtungsleitung und der Gruppenleitung vereinbart. Nach Besichtigung der Einrichtung werden mit allen Beteiligten die aufgetretenen Fragen (z.B. Mietvertrag, Betreuungsumfang, Mitarbeit usw.) erörtert und die Übernahme der Kosten geklärt. Nach Zustimmung aller Beteiligten kann eine Aufnahme erfolgen.

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2.5. Pädagogische Zielsetzung Die Basis unserer Arbeit ist es, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer jeweiligen Lebenssituation mit ihren Zielen, Wünschen und Einstellungen ernst zu nehmen sowie Zusammenhänge in ihrem Familiensystem nachzuvollziehen und zu verstehen. Indikationsschwerpunkte sind die Stabilisierung und Weiterentwicklung der bisher erreichten Persönlichkeitsentwicklung in der eigenen Wohnung und im neuen sozialen Umfeld, erfolgreicher Abschluss einer Schul- und Berufsausbildung, wirtschaftliche Selbstständigkeit und eine erfolgreiche Ablösung aus der Jugendphase. Ein weiterer Bestandteil ist die Vermittlung grundlegender Fähigkeiten zur Haushaltsführung und im Umgang mit Geld. Die wirtschaftliche Situation wird hierbei geklärt und gesichert. Eine Begleitung bei allen aufkommenden Fragen erfolgt auf der Grundlage der Hilfe zur Selbsthilfe. Durch die Verbindung von pädagogischer Betreuung, eigenständiger Wohnform und selbstständiger Alltagsgestaltung, sollen die Jugendlichen ihre Selbstständigkeit entwickeln, festigen und eine adäquate Lebensperspektive entfalten. Durch soziale Kontakte und deren gezielte Unterstützung sollen die sozialen Kompetenzen des Einzelnen gefördert und ausgebaut werden. Primäres Ziel in der Arbeit mit den schwangeren Frauen und jungen Müttern und Vätern ist es, ihnen in persönlicher und sozialer Notlage Wohnraum und sozialpädagogische Begleitung zu bieten. Die Mütter bzw. Väter sollen befähigt werden, mit ihren Kindern selbständig zu leben und diese ausreichend zu versorgen. Durch eine feste Bezugsperson werden sie in Fragen der allgemeinen Lebensführung, beruflichen Zukunft, Freizeitgestaltung, Erziehung und Versorgung des Kindes bzw. der Kinder und Kontakten zur Herkunftsfamilie kompetent beraten und unterstützt. Ein weiteres Ziel besteht darin, den Frauen und Männern mit ihrem Kind bzw. ihren Kindern eine fundierte Zukunftsperspektive zu ermöglichen. Die Ziele werden jeweils individuell zusammen mit dem jungen Menschen festgelegt und schrittweise verankert. Der Aufenthalt soll den Müttern oder Vätern Sicherheit vermitteln, damit sie ihre Persönlichkeit stabilisieren können und ihr Selbstwertgefühl gestärkt wird. So werden die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, damit sich eine gute und tragfähige „Mutter-Kind-Beziehung“ entwickeln kann. Auch werden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dabei unterstützt, ihre Probleme mit der eigenen Biographie aufzuarbeiten und die Beziehungen zur Herkunftsfamilie und zum leiblichen Vater bzw. Mutter des Kindes oder der Kinder zu klären. Eine Einbindung in das soziale Umfeld wird gefördert und unterstützt. Im Vordergrund steht immer das Ziel, den Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen in die Selbstständigkeit zu begleiten. Bei den Sorgeberechtigten versuchen wir nach Möglichkeit für die Situation der Jugendlichen Verständnis zu wecken, um evtl. familiäre Kontakte zu erhalten bzw. wieder aufzubauen.

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Ziele in der allgemeinen persönlichen Entwicklung ❚ Vermittlung von allgemein gültigen Normen und Wertvorstellungen; ❚ Vermittlungen von christlichen Glaubensgrundsätzen und Werten; ❚ Förderung der Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit und der Bereitschaft zur Übernahme sozialer Verantwortung; ❚ Förderung sozialen Lernens durch kontinuierlichen Austausch; ❚ Förderung individueller Neigungen und Stärken; ❚ Unterstützung zur selbstständigen Bewältigung lebenspraktischer Aufgaben; ❚ Unterstützung in der Erhaltung und Förderung der körperlichen Gesundheit und Entwicklung; ❚ Förderung und Forderung in der kulturellen Entwicklung und Meinungsbildung; ❚ Förderung eines Hobbys außerhalb der Einrichtung; ❚ Wissensvermittlung und Auseinandersetzung in Bezug auf altersspezifische Themen wie Persönlichkeitsfindung; ❚ Horizonterweiterung durch Bildungsreisen. Ziele in der individuellen Problematik ❚ Erziehungsoffenheit; ❚ Integrationsfähigkeit; ❚ Fähigkeit zur angemessenen Konfliktlösung; ❚ Realistische Selbsteinschätzung; ❚ Wahrnehmen von Emotionen; ❚ Positives Selbstbild; ❚ Steigerung der Frustrationstoleranz. Ziele für die schulische und berufliche Entwicklung ❚ Förderung und erfolgreicher Abschluss der schulischen und beruflichen Leistungsfähigkeit; ❚ Festlegung von Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres- und Lebenszielen; ❚ Aufbau eines angemessenen Arbeitsverhaltens; ❚ Abklärung und mögliche Verbesserung der schulischen und beruflichen Perspektive.

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Ziele für das soziale Umfeld ❚ Entlastung von Eltern bzw. Elternteilen; ❚ Entzerrung der Konfliktsituation durch Distanz und Toleranz; ❚ Fähigkeiten des Einzelnen erkennen und nutzen; ❚ Aufzeigen von Lösungsstrategien; ❚ Hilfestellung bei der Verbesserung der familiären Beziehungen; ❚ Eltern- und Familienzusammenarbeit. Ziele für die Rolle als Mutter bzw. Vater ❚ Differenzierte Auseinandersetzung mit der veränderten Lebenssituation; ❚ Auseinandersetzen mit der neuen Rolle als Mutter bzw. Vater; ❚ Entwickeln verschiedener Perspektiven für das Leben mit Kind und ggf. ohne Kind (z.B. Adoption, Pflegestelle); ❚ Bei Bedarf Klärung der Beziehung zum Kindsvater bzw. zur Kindsmutter; ❚ Förderung der Erziehungsfähigkeiten als Mutter bzw. Vater; ❚ Organisation des täglichen Lebens mit Kind bzw. Kindern; ❚ Befähigung zur gezielten Suche nach einer angemessenen Betreuung des Kindes bzw. der Kinder während der schul- bzw. berufsbedingten Abwesenheit; ❚ Einbeziehung des leiblichen Vaters bzw. der Mutter in die Erziehung des Kindes bzw. der Kinder; ❚ Aufzeigen und kennen lernen von speziellen Hilfsangeboten; ❚ Aufbau von sozialen Kontakten auch zu anderen Müttern und Vätern; ❚ Organisation der Freizeitgestaltung mit und ohne Kind; ❚ Unterstützung in der Erhaltung und Förderung der körperlichen Gesundheit und Entwicklung des Kindes bzw. der Kinder.

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2.6. Pädagogische Arbeit – Methodik – Leistungsangebot Methodische Grundlagen ❚ Regelmäßige Einzelberatung zur Bewältigung des Alltagsgeschehens und zum Erlernen von Handlungsstrategien für den Umgang mit dem Alltag. ❚ Diagnostik durch Beobachtung, Anamnese, Exploration, Verhaltensbeurteilung und Problemanalyse. ❚ Erlebnispädagogische, sozialtherapeutische und freizeitpädagogische Angebote im Rahmen der Gruppenarbeit zur Integration in die Gruppe, zur Selbstwahrnehmung der eigenen Persönlichkeit in der Gruppe, zur Wahrnehmung von Gruppenrollen, Phasen, Konflikten und Entwicklungen, zur eigenständigen Konfliktlösung innerhalb der Gruppe und zur Stärkung der Gruppendynamik innerhalb der Einrichtung. ❚ Einbeziehung des psychosozialen Umfeldes über die Einrichtung hinaus. ❚ Stetiger Kontakt zu Bezugspersonen außerhalb der Einrichtung, v. a. in Schule und Beruf. ❚ Begleitung bei der Eingliederung in das weitere soziale Umfeld des Lebensraumes, v. a. in institutionelle und kulturelle Angebote. ❚ Systemische Arbeit. ❚ Verlaufs- und Erfolgskontrolle sowie Dokumentation. ❚ Kulturpädagogische Angebote zur persönlichen Horizonterweiterung. ❚ Lernen am Vorbild – durch aktives, selbstkontrolliertes, selbstbewusstes Vorleben.

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Sozialpädagogische Leistungen ❚ Ganzjährige Aufsicht und Betreuung im Rahmen der vereinbarten Betreuungszeiten, in der Regel werktags je nach Tätigkeit der Jugendlichen an Wochenenden und Feiertagen nach Bedarf und Absprache. Außerhalb der Betreuungszeiten können die Jugendlichen über das Dienstmobiltelefon Kontakt aufnehmen. ❚ Die alltägliche Versorgung der Jugendlichen findet weitgehend selbstständig statt. Unterstützung finden die Jugendlichen hier vor allem durch die Begleitung beim Einkauf der Lebensmittel und die Anleitung beim Zubereiten von gesunden Mahlzeiten, sowie gemeinsamen Kochabenden in der Kleingruppe. ❚ Die schulische und berufliche Förderung erstreckt sich auf die alltägliche Begleitung bzw. Förderung des Schul- und Arbeitsbesuches, der Vermittlung weiterführender Hilfen, der Erarbeitung und Begleitung von schulischen Zielen und deren Förderung sowie der Erarbeitung und Umsetzung von beruflichen Perspektiven in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. ❚ Im Rahmen der Freizeitgestaltung gibt es viele hausinterne Angebote (Fußballfeld, Volleyball- und Basketballfeld) . ❚ Förderung einer wöchentlichen sportlichen Tätigkeit. ❚ Betreuung und Pflege im Krankheitsfall, sowie Besuche im Krankenhaus. ❚ Förderung von lebenspraktischen Fähigkeiten durch die Einbindung in den Tagesablauf der Einrichtung, das Lernen der Geldverwaltung und -einteilung sowie beim Umgang mit Ämtern und Institutionen. ❚ Die Förderung von handwerklichen, kulturellen und künstlerischen Fähigkeiten durch die Forderung der Ausübung eines Hobbys. ❚ Die Förderung des Sozialverhaltens mit Hilfe der Förderung von Konfliktlösungsstrategien, durch die Vereinbarung einzelner individueller und gruppenbezogener Arbeitsschritte und die Einbeziehung des sozialen Umfeldes. ❚ Förderung der Persönlichkeitsentwicklung durch Weiterentwicklung von Lebens- und Zukunftsperspektiven, Motivierung zu weitergehenden Hilfen, wie z.B. Sucht- oder/und Psychotherapien sowie Erarbeitung von Konfliktlösungsstrategien und damit verbundener Alltagsbewältigung. ❚ Die Integration in den Sozialraum geschieht durch die schulische, berufliche und freizeitpädagogische Arbeit und Begleitung durch die Bezugspädagogen. ❚ Verselbstständigung durch die zunehmende Übertragung von Verantwortung im Umgang mit alltäglichen Anforderungen (Einteilung der finanziellen Mittel, selbstständige Versorgung, Pflege der Wohneinheit etc.).

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Spezielle elternbezogene Leistungen ❚ Förderung der Entwicklung einer eigenständigen Lebensperspektive für die Mutter bzw. den Vater. ❚ Förderung altersgemäßer Selbständigkeit und Alltagsbewältigung. ❚ Unterstützung beim Ausleben eigener altersspezifischer Interessen durch stundenweise Entlastung der Mutter bzw. des Vaters und Vermittlung von geeigneten Babysittern. ❚ Entwicklung und Erhaltung der Mutter-Kind-Beziehung und ggf. Beratung und Begleitung bei der Trennung von Mutter bzw. Vater und Kind oder Kindern. ❚ Beratung und Förderung in Fragen schulischer und beruflicher Integration und ggf. Unterstützung bei der Aufnahme oder Förderung der Berufs- oder Schulausbildung der Mutter bzw. des Vaters. Der Berufseinstieg wird unter Berücksichtigung der Betreuung der Kinder mit den Müttern und Väter genau geplant und im Vorfeld organisiert. ❚ Förderung der aktiven Auseinandersetzung mit der Schwangerschaft bzw. der Mutterrolle oder Vaterrolle. Spezielle kindbezogene Leistungen ❚ Vermittlung praktischer Fertigkeiten und Fähigkeiten bei der Versorgung und Erziehung des Kindes bzw. der Kinder. ❚ Förderung der Gesundheit und der körperlichen Entwicklung des Kindes durch ausführliche Informationen über die Entwicklung des Kindes und die Begleitung. Anleitung bei der Pflege und medizinischen Versorgung sowie der ausgewogenen Ernährung des Kindes. ❚ Bei Bedarf kurzfristige temporäre Unterbringung des Kindes bzw. der Kinder in einer geeigneten Pflegefamilie. ❚ Enge Zusammenarbeit mit der örtlichen Hebammenpraxis und ihren Angeboten während der Schwangerschaft und über die Geburt hinaus. ❚ Enge Zusammenarbeit mit der Familienhebamme und ihren Angeboten vor der Geburt und bis zu 12 Monate darüber hinaus. ❚ Enge Zusammenarbeit mit dem Koordinierenden Kinderschutz des Landratsamtes Rottal Inn. Es wird angestrebt, dass die Kinderbetreuung grundsätzlich durch die Mutter wahrgenommen wird. Die hausinternen und örtlichen Angebote zur Kindertagesbetreuung sollen jedoch zur Entlastung der Mutter genutzt werden, weshalb die Wahrnehmung dieser Angebote von den Pädagogen unterstützt, vermittelt und begleitet wird.

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Hauswirtschaftliche Leistungen ❚ Die Organisation, Planung und Durchführung des Wocheneinkaufs wird zu Beginn der Maßnahme gemeinsam mit den Jugendlichen durchgeführt und im Verlauf zunehmend an die Jugendlichen übergeben. ❚ Bei der Reinigung der Küche nach der Zubereitung von Mahlzeiten werden die Jugendlichen zu Beginn der Maßnahme unterstützt und angeleitet. ❚ Die wöchentliche Raumpflege der eigenen Wohneinheit findet zu Beginn der Maßnahme in Unterstützung und Anleitung der Pädagogen statt und wird regelmäßig kontrolliert. ❚ Die Reinigung und Pflege gemeinschaftlich genutzter Räume und Flächen wird im Wechsel wöchentlich von einem Jugendlichen durchgeführt und durch den Pädagogen kontrolliert. ❚ Die Reinigung und Pflege der Kleidung und Wäsche der Jugendlichen wird unter Anleitung von jedem Jugendlichen zunehmend selbstständig durchgeführt und regelmäßig von den Pädagogen kontrolliert. Leistungen der Leitung des Betreuten Wohnens ❚ Vorbereitung, Durchführung und Leitung der Teambesprechungen. ❚ Dienst- und Urlaubsplanung der Mitarbeiter. ❚ Fortbildungsplanung der Mitarbeiter. ❚ Beobachtung und Reflexion des Erziehungsauftrages jedes Jugendlichen. ❚ Vertretung der Einrichtung nach außen. ❚ Krisenintervention.

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3. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen 3.1. Tagesablauf Die aufgenommenen Jugendlichen werden in den ersten Wochen nach Aufnahme dabei unterstützt, einen strukturierten Tagesablauf zu organisieren. Die Mahlzeiten bereitet sich jeder Jugendliche selbstständig zu, je nach Beschäftigung und Gelegenheit können zwei zusammen untergebrachte Jugendliche auch gemeinsam kochen und essen. Der Tagesablauf ist weitestgehend durch die Art der individuellen Beschäftigung, welcher die Jugendlichen nachgehen, strukturiert. Eine tägliche Studierzeit sorgt für konzentriertes Lernen in Ruhe am Nachmittag. Die Ausübung des gewählten Hobbys, die sportliche Betätigung, die Pflege der sozialen Kontakte und das Absolvieren der Fahrausbildung gestalten die Abende. Je nach Anzahl der vom zuständigen Kostenträger zusätzlich vereinbarten Betreuungsstunden finden in der Regel montags bis freitags die individuellen Betreuungsstunden statt. 3.2. Gruppenversammlung Regelmäßig findet eine Versammlung aller Jugendlichen des Betreuten Wohnens statt. Die Teilnahme ist für alle Jugendlichen Pflicht. In diesen Gruppenversammlungen werden Regeln des Zusammenlebens besprochen und reflektiert und die Jugendlichen haben die Möglichkeit, aufgetretene Probleme des Miteinanders zu erörtern und zu diskutieren. Sozialtherapeutische und gruppenpädagogische Methoden sorgen hier für Selbstwahrnehmung und Gruppenreflexion bzw. Konfliktlösung. 3.3. Gruppenabende Für alle verpflichtende Gruppenabende sichern die kulturelle Weiterentwicklung der Bewohner. Je nach Schwerpunkt stehen gemeinsam gestaltete Feste, Theaterbesuche, Musikabende, Museumsbesuche, musiktherapeutische Angebote auf dem Programm. Ziel ist es, den Bewohnern möglichst viele Erlebnisse und Eindrücke im Sinne der Horizonterweiterung zu ermöglichen und damit die persönliche Meinungsbildung einzufordern. Immer im Fordergrund dabei steht die Erziehung zu einem gebildeten, wohlerzogenen, selbstsicheren und selbstbewussten, anspruchsvollen Menschen.

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4. Kooperationspartner 4.1. Amt für Jugend und Familie Die pädagogischen Fachkräfte stellen eine intensive Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugend und Familie sicher, indem regelmäßige Telefonate mit dem zuständigen Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialdienstes über den aktuellen Stand der Maßnahme und vor allem über Veränderungen im schulischen oder beruflichen Bereich geführt werden. Durch die halbjährlich stattfindenden Hilfeplankonferenzen, denen ein ausführlicher Entwicklungsbericht voraus geht, werden regelmäßig die Ziele der Maßnahme überprüft und neu formuliert. 4.2. Schulen und Ausbildungsbetriebe Um eine gute Zusammenarbeit mit den Lehrern und Ausbildern der Jugendlichen zu gewährleisten, nehmen die Bezugspädagogen regelmäßig Kontakt zu diesen auf und besuchen Elternabende und Informationsveranstaltungen der Schulen und Ausbildungsbetriebe. 4.3. Eltern und Vormund Je nach Situation und Vorgeschichte der Jugendlichen findet die Elternarbeit durch Gespräche mit einzelnen Elternteilen und/oder gesamter Familie, sowie einer Aufarbeitung familiärer Beziehungsstörungen und die Unterstützung bei der Kontaktaufnahme zur Familie statt. Besteht Kontakt, werden Eltern bzw. Vormund regelmäßig telefonisch oder in einem persönlichen Gespräch über den Verlauf der Maßnahme informiert und nach Möglichkeit eingebunden. Eine Rückführung in die Familie ist bei dieser Jugendhilfeform oft nicht erstrangig bzw. meist nicht durchführbar. Ziel ist die Verselbständigung des/der Jugendlichen und damit verbunden die Ablösung von der Familie. 4.4. Jugendsozialarbeit an Schulen 4.5. Gesundheitsinstitutionen

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5. Das Personal 5.1. Grundeinstellung des pädagogischen Personals Unser oberstes Ziel ist es, den uns anvertrauten Jugendlichen eine stabile Beziehung zu bieten, zu der sie Vertrauen aufbauen können und allen Bewohnern ein harmonisches, niveauvolles und schönes Umfeld zu gestalten, in dem sie sich sicher und aufgefangen fühlen. Dabei ist es oberste Prämisse, uns als Begleiter anzubieten, im steten Bewusstsein unserer Vorbildwirkung, welche wir gerade im Umgang mit Alkohol und Nikotin, Lebensgestaltung und Führung, Selbstwertgefühl und Darstellung als wertvolles Erziehungsmittel sehen und nutzen wollen. Wir wollen die Jugendlichen auf ihrem Weg in ein eigenständiges Leben begleiten und unterstützen und sie fördern, aber auch fordern. 5.2. Die Teamarbeit Wöchentliche Teambesprechungen des Gesamtteams und dem Einrichtungsleiter, sowie (tägliche) Kurzbesprechungen innerhalb des pädagogischen Personals gewährleisten einen optimalen Austausch. Alle Aufgaben werden unter Absprache nach Vorlieben, Interessen und Zeit unter den Teammitgliedern verteilt. Hierbei ist es uns sehr wichtig, dass alle Aktionen und Arbeiten genau geplant und abgesprochen werden. Außerdem finden ein fortlaufender Informationsaustausch und eine Abstimmung mit Verwaltung, Einrichtungsleitung und den Einrichtungen im Haus in regelmäßigen Abständen statt.

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6. Qualitätssicherung 6.1. Dokumentation Es wird für jeden Jugendlichen eine Dokumentationsakte geführt. Einmal wöchentlich wird diese aktualisiert. Kontakte zu anderen Institutionen wie Schule, Ausbildungsstelle, Eltern, Amt für Jugend und Familie, etc. werden hier ebenfalls inhaltlich festgehalten und dokumentiert. Die Umsetzung der gesetzten Entwicklungsziele wird in einem halbjährlich verfassten individuellen Entwicklungsbericht formuliert, außerdem wird für jeden Jugendlichen ein individueller Erziehungsplan erstellt und nach spätestens sechs Monaten überprüft und fortgeschrieben. 6.2. Standards Um eine qualitativ hochwertige Arbeit leisten zu können und diese auch weiter zu entwickeln, wurden Qualitätsstandards für viele Arbeitsprozesse erarbeit und ständig aktualisiert.

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Schlussgedanke Aus meiner tiefsten Seele zieht mit Nasenflügelbeben, ein ungeheurer Appetit nach Frühstück und nach Leben. (Joachim Ringelnatz) In diesem Sinne und gemäß dem höchsten pädagogischen Erziehungsziel, den Menschen zum wahren Menschen werden zu lassen, gilt unser Denken und Tun mit allem, was wir sind und haben, können und leisten dem jungen Menschen, der uns anvertraut ist. Mögen wir ihm stets authentische, lebensbejahende und vorbildliche Begleiter sein.

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