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G O T T F R I E D W I L H E L M L E I B N I Z ¨ SAMTLICHE SCHRIFTEN UND BRIEFE HERAUSGEGEBEN VON DER BERLIN-BRANDENBURGISCHEN AKADEMIE DER WISSENSC...

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G O T T F R I E D

W I L H E L M

L E I B N I Z ¨ SAMTLICHE SCHRIFTEN UND BRIEFE HERAUSGEGEBEN VON DER

BERLIN-BRANDENBURGISCHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UND DER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ¨ ZU GOTTINGEN

ERSTE REIHE ALLGEMEINER POLITISCHER UND HISTORISCHER BRIEFWECHSEL

ZWEIUNDZWANZIGSTER BAND

Copyright Inhaltsverzeichnis

2011

G O T T F R I E D

W I L H E L M

L E I B N I Z ALLGEMEINER POLITISCHER UND HISTORISCHER BRIEFWECHSEL HERAUSGEGEBEN VON DER

LEIBNIZ-FORSCHUNGSSTELLE HANNOVER DER AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN ¨ ZU GOTTINGEN BEIM LEIBNIZ-ARCHIV DER GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ BIBLIOTHEK HANNOVER

ZWEIUNDZWANZIGSTER BAND JANUAR – DEZEMBER 1703

Copyright Inhaltsverzeichnis

2011

LEITER DES LEIBNIZ-ARCHIVS HERBERT BREGER

BEARBEITER DIESES BANDES ¨ NORA GADEKE SABINE SELLSCHOPP REGINA STUBER UNTER MITARBEIT VON MONIKA MEIER

This electronic presentation of Leibniz: S¨ amtliche Schriften und Briefe, Reihe I, Band 22 may not be used, either in part or in total, for publication or commercial purposes without express written permission. All rights of the responsible editors and responsible publishers are reserved. Contact address: Leibniz-Archiv, Waterloostr. 8, 30169 Hannover, Germany; telephone: +49 511 1267 329; fax: +49 511 1267 202; e-mail: [email protected] All rights of the printed edition: Akademie-Verlag Berlin (info[email protected]). The printed volume was published in 2011. Diese elektronische Pr¨ asentation von Leibniz: S¨ amtliche Schriften und Briefe, Reihe I, Band 22) darf ohne ausdr¨ uckliche schriftliche Genehmigung weder ganz noch teilweise zur Ver¨ offentlichung oder f¨ ur kommerzielle Zwecke verwendet werden. Alle Rechte der Bearbeiter und Herausgeber vorbehalten. Kontaktadresse: Leibniz-Archiv, Waterloostr. 8, 30169 Hannover, Deutschland; Telefon: Deutschland 511 1267 329; Fax: Deutschland 511 1267 202; e-mail: [email protected] Alle Rechte an der Druckausgabe: Akademie-Verlag Berlin ([email protected]). Der gedruckte Band ist 2011 erschienen. Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXIII EINLEITUNG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XXIX ¨ I. HAUS BRAUNSCHWEIG-LUNEBURG Januar – Dezember 1703 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23.

Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 3. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Barthold Knoche an Leibniz 3. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 6. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 10. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Barthold Knoche an Leibniz 10. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Georg Eckhart 13. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 13. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 19. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Barthold Knoche an Leibniz 24. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 2. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 5. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Barthold Knoche an Leibniz 6. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Conrad Johann Dannenberg an Leibniz 10. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Barthold Knoche an Leibniz 20. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 24. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Barthold Knoche an Leibniz 26. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie Ende Februar 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 28. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Barthold Knoche an Leibniz 28. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 3. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Friedrich Wilhelm von G¨ ortz 6. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 7. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 10. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

3 4 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 17 18 19 20 23 25 26 27 28 30 31

VIII

inhaltsverzeichnis

24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 31. 32. 33. 34. 35. 36. 37. 38. 39. 40. 41. 42. 43. 44. 45. 46. 47. 48. 49. 50. 51. 52. 53. 54. 55. 56. 57.

Friedrich Wilhelm von G¨ ortz an Leibniz 10. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Georg Eckhart Anfang – Mitte M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 17. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Georg Eckhart 19. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 20. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 21. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 27. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 31. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 4. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Barthold Knoche an Leibniz 7. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 9. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 10. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Georg Eckhart 17. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 17. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 21. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 10. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Georg Eckhart 17. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 19. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 26. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart f¨ ur Leibniz. Beilage zu N. 42 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Georg Eckhart 28. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz Ende Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz Ende Juni oder Anfang Juli 1703 (?) . . . . . . . . . Leibniz an Lorenz Hertel 3. Juli (?) 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 3. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lorenz Hertel an Leibniz 10. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Thiele Reinerding an Leibniz 13. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 13. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Ludwig Justus Sinold gen. von Sch¨ utz 26. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urst Georg Ludwig 4. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jobst Christoph Reiche an Leibniz 7. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jobst Christoph Reiche 10. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jobst Christoph Reiche an Leibniz 11. oder 12. (?) August 1703 . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jobst Christoph Reiche 12. oder 13. (?) August 1703 . . . . . . . . . . . .

32 34 35 36 38 40 41 44 45 47 49 50 52 53 55 57 59 61 62 64 66 67 68 69 71 72 75 77 77 79 80 81 82 82

58. 59. 60. 61. 62. 63. 64. 65. 66. 67. 68. 69. 70. 71. 72. 73. 74. 75. 76. 77. 78. 79. 80. 81.

inhaltsverzeichnis

IX

Leibniz an Johann Georg Eckhart 15. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 17. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ludwig Justus Sinold gen. von Sch¨ utz an Leibniz 6./17. August 1703 . . . . . . . Roland Engelskirchen an Leibniz 18. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 21. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 22. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 24. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Friedrich Hodann an Leibniz 24. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 25. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 1.(?) September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 1. September 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 10. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 22. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurf¨ urstin Sophie an Leibniz 25. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie Ende September – Anfang Oktober 1703 . . . . . . Charles-Nicolas Gargan an Leibniz 13. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Georg Eckhart 30. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 30. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 2. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Georg Eckhart an Leibniz 5. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Herzogin Eleonore von Celle 30. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie 3. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Ludwig Justus Sinold gen. von Sch¨ utz Mitte Dezember 1703. . . . . Jobst Christoph Reiche an Leibniz 29. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

83 83 84 85 86 87 90 91 93 94 96 97 98 100 101 103 105 106 107 108 109 110 111 113

II. ALLGEMEINER UND GELEHRTER BRIEFWECHSEL Januar – Dezember 1703 82. 83. 84. 85. 86. 87. 88.

Joachim Friedrich Feller an Leibniz 1. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Heinrich R¨ udiger von Ilgen 5. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onig Friedrich I. Anfang Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 7. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 7. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Heinrich von Flemming an Leibniz 8. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an F¨ urstin Luise von Hohenzollern 9. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . .

117 118 119 120 123 126 130

X 89. 90. 91. 92. 93. 94. 95. 96. 97. 98. 99. 100. 101. 102. 103. 104. 105. 106. 107. 108. 109. 110. 111. 112. 113. 114. 115. 116. 117. 118. 119. 120. 121. 122.

inhaltsverzeichnis Daniel Ernst Jablonski an Leibniz 9. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 9. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte Anfang Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Alexander zu Dohna-Schlobitten 11. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Friedrich Pfeffinger an Leibniz 11. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 11. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Dietrich Wilhelm von B¨ ulow 12. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Henriette Charlotte von P¨ollnitz 12. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Jacob Julius Chuno an Leibniz 13. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Daniel Ernst Jablonski an Leibniz 13. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Otto Mencke an Leibniz 13. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 13. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Casimir Kolbe von Wartenberg Mitte Januar 1703 . . . . . . Leibniz f¨ ur Christoph Troschel 14. Januar 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christoph Troschel und Johann Fraundorff f¨ ur Leibniz Januar 1703 . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 14. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Henriette Charlotte von P¨ ollnitz an Leibniz Mitte Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Matthias Johann von der Schulenburg 17. Januar 1703 . . . . . . . . . . Matthias Johann von der Schulenburg an Leibniz 19. Januar 1703 . . . . . . . . . . Johann Caspar von Bothmer an Leibniz 19. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jakob Heinrich von Flemming 20. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Heinrich R¨ udiger von Ilgen 20. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Philipp M¨ uller 21. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Jacob Julius Chuno an Leibniz 21. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Nathanael von Staff an Leibniz 22. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gisbert Cuper an Leibniz 23. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cornelius Dietrich Koch an Leibniz 25. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 25. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Henning Huthmann an Leibniz 25. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Heinrich R¨ udiger von Ilgen 26. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Otto Sperling 27. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Alhard von Oberg an Leibniz 27. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Philipp M¨ uller an Leibniz 28. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 28. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

131 132 133 134 135 136 139 140 141 143 143 145 146 147 148 149 152 153 158 160 161 167 167 170 170 172 176 177 181 183 185 187 188 190

123. 124. 125. 126. 127. 128. 129. 130. 131. 132. 133. 134. 135. 136. 137. 138. 139. 140. 141. 142. 143. 144. 145. 146. 147. 148. 149. 150. 151. 152. 153. 154. 155. 156.

inhaltsverzeichnis

XI

Christophe Brosseau an Leibniz 29. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Friedrich von Hamrath Ende Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Andreas Schmidt an Leibniz 30. Januar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Philipp M¨ uller 1. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Wolf Dietrich von Beichlingen 2. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 2. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich von Hamrath an Leibniz 5. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heinrich Christian Kortholt an Leibniz Anfang Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . K¨ onigin Sophie Charlotte an Leibniz 7. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heinrich Christian Kortholt an Leibniz 8. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 8. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alexander Cunningham an Leibniz 11. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 11. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Philipp M¨ uller an Leibniz 12. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Simon L¨ offler an Leibniz 13. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christoph Joachim Nicolai von Greiffencrantz an Leibniz 13. Februar 1703 . Heinrich Christian Kortholt an Leibniz 15. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 15. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fran¸cois Pinsson an Leibniz 15. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 17. Februar 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alexander Cunningham an Leibniz 17. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heinrich Christian Kortholt an Leibniz Mitte Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 18. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 21. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 21. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Heinrich Christian Kortholt 22. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heinrich Christian Kortholt an Leibniz 22. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heinrich Christian Kortholt an Leibniz 22. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Friedrich Pfeffinger an Leibniz 22. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz Ende Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 24. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heinrich Christian Kortholt an Leibniz Ende Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Heinrich Christian Kortholt an Leibniz 26. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 27. Februar 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

192 193 196 197 198 199 200 201 202 203 204 208 210 212 213 214 219 220 222 223 226 229 229 232 236 237 238 239 241 243 244 245 245 247

XII

inhaltsverzeichnis

157. Heinrich Christian Kortholt an Leibniz Ende Februar oder Anfang M¨arz (?) 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158. Johann Ulrich Kraus an Leibniz oder Johann Georg Eckhart 1. M¨arz 1703 . 159. Otto Sperling an Leibniz 3. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160. Giuseppe Guidi an Leibniz 4. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161. Giuseppe Guidi f¨ ur Leibniz und f¨ ur Johann Georg Eckhart 4. M¨arz 1703 . . . 162. Matthias Johann von der Schulenburg an Leibniz 4. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . 163. Alexander Cunningham an Leibniz 6. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164. Giuseppe Guidi an Leibniz 6. (?) M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165. Heinrich Christian Kortholt an Leibniz 7. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166. Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 7. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167. Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 8. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168. Giuseppe Guidi an Leibniz Anfang M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169. Alexander zu Dohna-Schlobitten an Leibniz M¨arz (?) 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . 170. Giuseppe Guidi an Leibniz 11. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171. Leibniz und Jakob Heinrich von Flemming. Vertrag u ¨ber den Anbau von Maulbeerb¨ aumen und die Seidenkultur in Sachsen 12. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . 172. Melchior Daniel Meier an Leibniz 12. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173. Augustinus Levesius an Leibniz 13. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174. Charles Le Gobien an Leibniz 13. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175. Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 14. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176. Johann Jacob Leibniz an Leibniz 5. (15.) M¨arz 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177. Giuseppe Guidi an Leibniz Mitte M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178. Leibniz an Carlo Maurizio Vota 16. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179. Andrew Fountaine an Leibniz 16. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180. Christophe Brosseau an Leibniz 16. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181. Carlo Maurizio Vota an Leibniz 17. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182. Alexander Cunningham an Leibniz 17. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183. Giuseppe Guidi an Leibniz 18. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184. Henriette Charlotte von P¨ ollnitz an Leibniz 19. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . 185. Peter Ambrosius Lehmann und Gottfried Strasberg an Leibniz 19. M¨arz 1704 186. Christophe Brosseau an Leibniz 19. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187. Leibniz an Johann Fabricius 20. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188. Leibniz an Johann Andreas Schmidt 20. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189. Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

249 250 251 254 255 258 259 261 263 264 266 267 268 269 271 275 277 278 279 282 284 285 288 289 290 291 292 294 295 296 297 299 300

190. 191. 192. 193. 194. 195. 196. 197. 198. 199. 200. 201. 202. 203. 204. 205. 206. 207. 208. 209. 210. 211. 212. 213. 214. 215. 216. 217. 218. 219. 220. 221. 222. 223.

inhaltsverzeichnis

XIII

Giuseppe Guidi an Leibniz 23. M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 25. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . K¨ onigin Sophie Charlotte an Leibniz 25. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Henriette Charlotte von P¨ ollnitz an Leibniz Ende M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz Ende M¨ arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 27. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Bartolomeo Ortensio Mauro 27. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 28. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Henriette Charlotte von P¨ollnitz 28. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Heinrich von Flemming an Leibniz 29. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jakob Heinrich von Flemming 31. M¨arz 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 1. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Henriette Charlotte von P¨ ollnitz an Leibniz 3. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Carlo Maurizio Vota 4. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cornelius Dietrich Koch an Leibniz 4. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 4. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz Anfang April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jean-Paul Bignon 7. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Simon L¨ offler an Leibniz 7. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 8. (?) April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 8. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 10. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 12. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Melchior Daniel Meier an Leibniz 12. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jakob Heinrich von Flemming April 1703 (?) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Heinrich von Flemming an Leibniz 12. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . K¨ onigin Sophie Charlotte an Leibniz 14. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 15. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Joachim Bouvet 17. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Pierre de Falaiseau 17. April 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jean de Fontaney 17. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alphonse Des Vignoles an Leibniz 17. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Fabricius an Leibniz 17. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Carlo Maurizio Vota an Leibniz 17. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

301 301 303 304 305 308 309 311 312 313 314 315 320 321 326 328 329 332 333 334 337 338 339 341 342 343 344 345 347 368 372 374 375 377

XIV

inhaltsverzeichnis

224. 225. 226. 227. 228. 229. 230. 231. 232. 233. 234. 235. 236. 237. 238. 239. 240. 241. 242. 243. 244. 245. 246. 247. 248. 249.

Giuseppe Guidi an Leibniz Mitte April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Otto Mencke an Leibniz 21. April 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Lorenzo Magalotti Ende April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Andreas Schmidt an Leibniz 24. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Adolf Hansen von Ehrencron an Leibniz 25. April 1703 . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 26. (?) April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Alphonse Des Vignoles 28. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 29. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christophe Brosseau an Leibniz 30. April 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Carlo Maurizio Vota 1. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Justus Christoph B¨ ohmer an Leibniz 1. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . John Ker of Roxburghe an Leibniz 20. April (l. Mai) 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Antonio Magliabechi an Leibniz 3. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Gisbert von Bodelschwing 4. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 6. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 8. Mai 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte f¨ ur K¨onig Friedrich I. Beilage zu N. 239 Chilian Schrader an Leibniz 8. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alphonse Des Vignoles an Leibniz 9. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Heinrich von Flemming an Leibniz 11. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Matthias Johann von der Schulenburg an Leibniz 12. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . Johann Michael Heineccius an Leibniz 18. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Heinrich von Flemming an Leibniz 18. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Friedrich von Hamrath 20. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jakob Heinrich von Flemming 23. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz und Johann Heinrich Otto. Vertrag u ¨ber die Anpflanzung von Maulbeerb¨ aumen in Sachsen 23. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cornelius Dietrich Koch an Leibniz 25. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fran¸cois d’ Ausson de Villarnoux an Leibniz Ende Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Simon L¨ offler an Leibniz 30. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 31. Mai 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ezechiel von Spanheim an Leibniz 22. Mai (2. Juni) 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Pierre de Falaiseau an Leibniz 5. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sebastian Kortholt an Leibniz 6. Juni 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

250. 251. 252. 253. 254. 255. 256.

378 381 382 384 386 387 389 390 393 394 398 399 400 401 402 404 405 408 409 410 411 414 416 416 417 419 420 421 421 422 424 428 432

257. 258. 259. 260. 261. 262. 263. 264. 265. 266. 267. 268. 269. 270. 271. 272. 273. 274. 275. 276. 277. 278. 279. 280. 281. 282. 283. 284. 285. 286. 287. 288. 289. 290.

inhaltsverzeichnis

XV

Gisbert Cuper an Leibniz 9. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Andreas Schmidt an Leibniz 12. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Pierre de Falaiseau 13. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Andreas Schmidt 13. (?) Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Fabricius 14. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Justus Christoph B¨ ohmer Mitte Juni (?) 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Fabricius an Leibniz 19. (?) Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Heinrich von Flemming an Leibniz 19. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . F¨ urstin Luise von Hohenzollern an Leibniz Mitte Juni 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Fabricius an Leibniz 20. (?) Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Friedrich Pfeffinger an Leibniz 21. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Heinrich von Flemming an Leibniz 23. Juni 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Ulrich Kraus an Leibniz 28. Juni 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Friedrich Adolf Hansen von Ehrencron Juni (?) 1703 . . . . . . . . . . . . Leibniz an Henning Huthmann 30. Juni 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Gisbert Cuper 1. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jakob Heinrich von Flemming 1. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Graf Anton G¨ unther von Schwarzburg-Arnstadt 1. Juli 1703 . . . . Christoph Joachim Nicolai von Greiffencrantz an Leibniz 1. Juli 1703 . . . . . . Jakob Heinrich von Flemming an Leibniz 2. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Christoph Cellarius 3. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Fabricius 3. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Daniel Ernst Jablonski 4. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Wilhelm Heusch an Leibniz 7. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Friedrich Pfeffinger an Leibniz 8. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Joseph Addison an Leibniz 10. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . K¨ onigin Sophie Charlotte an Leibniz 11. Juli 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Andreas Schmidt an Leibniz 13. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Pierre de Falaiseau an Leibniz 3./14. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Matthias Johann von der Schulenburg an Leibniz Mitte Juli 1703. . . . . . . . . . . Matthias Johann von der Schulenburg an Leibniz Mitte Juli 1703. . . . . . . . . . . Johann Fabricius an Leibniz 15. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Andreas Schmidt 16. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Catharina Kolbe von Wartenberg an Leibniz 21. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . .

435 437 438 441 443 446 447 448 449 451 453 455 456 457 458 460 464 466 468 471 472 474 475 476 478 479 481 482 483 486 487 490 491 492

XVI

inhaltsverzeichnis

291. 292. 293. 294. 295. 296. 297. 298. 299. 300. 301. 302. 303. 304. 305. 306. 307. 308. 309. 310. 311. 312. 313. 314. 315. 316. 317. 318. 319. 320. 321. 322. 323. 324.

Christoph Bernhard Crusen an Leibniz 22. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Andreas Schmidt an Leibniz 24. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Arnold von Heems 25. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Fabricius 30. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Francisca Bard Lady Bellamont Ende (?) Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Pierre de Falaiseau 31. Juli 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Henning Huthmann an Leibniz 1. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Matthias Johann von der Schulenburg 3. August 1703 . . . . . . . . . . . Johann Fabricius an Leibniz 3. August 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Joseph Auguste Du Cros an Leibniz 3. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Simon L¨ offler an Leibniz 3. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Daniel Ernst Jablonski Anfang August 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz Anfang August (?) 1703 . . . . . . . . . . . . Leibniz an Friedrich Hans von Walter 4. (?) August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Theodor Jablonski an Leibniz 4. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Fran¸cois d’ Ausson de Villarnoux 5. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Henriette Charlotte von P¨ollnitz 5. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 5. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Jacob Julius Chuno Anfang August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . Nathanael von Staff an Leibniz 6. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tobias Pfanner an Leibniz 6. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Fabricius 7. August 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Andreas Schmidt 7. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Arnold von Heems an Leibniz 7. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Daniel Ernst Jablonski an Leibniz 9. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Georg Rhode Anfang (?) August 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz erste H¨ alfte August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fran¸cois d’ Ausson de Villarnoux an Leibniz 11. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jakob Heinrich von Flemming 12. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Friedrich von Hamrath 12. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz f¨ ur K¨ onig Friedrich I. in Preussen. Beilage zu N. 320 . . . . . . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 12. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . K¨ onigin Sophie Charlotte an Leibniz 14. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Nicolaus Hertius an Leibniz 16. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

493 494 495 497 499 504 508 510 516 517 518 521 522 522 523 525 526 528 530 532 534 535 536 537 539 542 543 544 545 546 547 549 550 551

inhaltsverzeichnis 325. 326. 327. 328. 329. 330. 331. 332. 333. 334. 335. 336. 337. 338. 339. 340. 341. 342. 343. 344. 345. 346. 347. 348. 349. 350. 351. 352. 353. 354. 355. 356. 357. 358.

Leibniz an Johann Heinrich Eggeling zweite H¨alfte August 1703 . . . . . . . . . . . . Johann Jacob Julius Chuno an Leibniz 18. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christophe Brosseau an Leibniz 19. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christoph Cellarius an Leibniz 23. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz 30. August 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 1. (?) September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich von Hamrath an Leibniz 1. September 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . F¨ urstin Luise von Hohenzollern an Leibniz 1. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . Andrew Fountaine an Leibniz 21. August (1. September) 1703 . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Carlo Maurizio Vota 4. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Lorenzo Magalotti 6. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . K¨ onigin Sophie Charlotte an Leibniz 6. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Fran¸cois d’ Ausson de Villarnoux 8. September 1703 . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Daniel Ernst Jablonski 8. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an John Ker of Roxburghe Mitte September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Andreas Schmidt an Leibniz 11. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Theodor Jablonski an Leibniz 11. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Otto Mencke an Leibniz 12. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Nathanael von Staff 13. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Jacob Julius Chuno an Leibniz 15. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Tobias Pfanner 17. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Andreas Schmidt 18. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Friedrich Hans von Walter zweite H¨alfte September 1703 . . . . . . . . Johann Friedrich Pfeffinger an Leibniz 23. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Friedrich Simon L¨ offler 25. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Hans von Walter an Leibniz 25. September 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Friedrich von Alvensleben an Leibniz 28. September 1703. . . . . . . . . . . Bartolomeo Ortensio Mauro an Leibniz Ende September (?) 1703. . . . . . . . . . . Leibniz an Christian Ulrich von Hardenberg Herbst 1703 – Fr¨ uhjahr 1706. . . Georg Daniel Pauli an Leibniz Ende September (?) 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Antonio Magliabechi 2. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Georg Daniel Pauli 2. Oktober 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Fabricius an Leibniz 5. Oktober 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Hans von Walter an Leibniz 7. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

XVII 553 554 559 560 562 563 565 566 567 569 572 576 576 578 579 582 584 585 586 588 590 591 592 593 595 596 597 599 600 601 603 605 606 608

XVIII 359. 360. 361. 362. 363. 364. 365. 366. 367. 368. 369. 370. 371. 372. 373. 374. 375. 376. 377. 378. 379. 380. 381. 382. 383. 384. 385. 386. 387. 388. 389. 390. 391.

inhaltsverzeichnis

Johann Andreas Schmidt an Leibniz 7. Oktober 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christoph Cellarius an Leibniz 12. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Simon L¨ offler an Leibniz 12. Oktober 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Nicolaus Hertius an Leibniz 12. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Heinrich von Flemming an Leibniz 12. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Benedetto Bacchini 13. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Georg Daniel Pauli an Leibniz Anfang – Mitte Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Hiob Ludolf 15. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Benedictus Andreas Kaspar von Nomis 15. Oktober (?) 1703 . . . . Leibniz an Heinrich R¨ udiger von Ilgen Mitte Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Bartolomeo Ortensio Mauro 20. Oktober 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lorenzo Magalotti an Leibniz 20. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gerhard Wolter Molanus an Leibniz 21. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cornelius Dietrich Koch an Leibniz 23. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gisbert Cuper an Leibniz 23. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jacob van Wassenaer Ende Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Ezechiel von Spanheim 26. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz Ende Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . F¨ urstin Luise von Hohenzollern an Leibniz Ende Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . Johann Friedrich Pfeffinger an Leibniz 28. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . F¨ urstin Luise von Hohenzollern an Leibniz 29. Oktober 1703 . . . . . . . . . . . . . . . Conrad Barthold Behrens an Leibniz 1. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 3. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Carl Schott an Leibniz 3. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Heinrich van Huyssen 5. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Thomas Burnett of Kemney an Leibniz 5. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Theodor Jablonski an Leibniz 6. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Theodor Jablonski f¨ ur Leibniz. Liste der neuen Mitglieder der Soziet¨at der Wissenschaften. Beilage zu N. 385 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz 7. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gerhard Wolter Molanus an Leibniz 9. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 10. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Chilian Schrader an Leibniz 11. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Andreas Schmidt an Leibniz 13. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

609 610 610 612 614 615 618 619 621 623 626 627 629 631 632 637 638 643 644 645 647 648 649 651 653 655 662 663 664 665 666 667 668

392. 393. 394. 395. 396. 397. 398. 399. 400. 401. 402. 403. 404. 405. 406. 407. 408. 409. 410. 411. 412. 413. 414. 415. 416. 417. 418. 419. 420. 421. 422. 423. 424. 425.

inhaltsverzeichnis

XIX

K¨ onigin Sophie Charlotte an Leibniz 13. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Otto Mencke an Leibniz 14. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . F¨ urstin Luise von Hohenzollern an Leibniz erste H¨alfte November 1703 . . . . . Leibniz an Johann Andreas Schmidt 16. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 17. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christoph Joachim Nicolai von Greiffencrantz an Leibniz 17. November 1703 Leibniz f¨ ur Andreas Luppius Mitte November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . F¨ urstin Luise von Hohenzollern an Leibniz 19. November 1703 . . . . . . . . . . . . . Jacob van Wassenaer an Leibniz 19. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heinrich Wilhelm Ludolf an Leibniz 19. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Henriette Charlotte von P¨ ollnitz an Leibniz 20. November 1703 . . . . . . . . . . . . Joseph Auguste Du Cros an Leibniz 20. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Conrad Barthold Behrens 22. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cornelius Dietrich Koch an Leibniz 27. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . F¨ urstin Luise von Hohenzollern an Leibniz 27. November 1703 . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Friedrich Pfeffinger 29.(?) November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Augustinus Levesius 30. November 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jacob van Wassenaer an Leibniz 30. November 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Daniel Ernst Jablonski an Leibniz 1. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Lorenzo Magalotti 1.(?) Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Thomas Burnett of Kemney 3. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Conrad Barthold Behrens an Leibniz 4. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . K¨ onigin Sophie Charlotte an Leibniz 4. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gerhard Wolter Molanus an Leibniz 5. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Chilian Schrader an Leibniz 5. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Friedrich Pfeffinger an Leibniz 6. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte 7. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Henriette Charlotte von P¨ollnitz 7. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jacob van Wassenaer 7. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Simon L¨ offler an Leibniz 8. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Daniel Ernst Jablonski an Leibniz 8. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Johann Fabricius an Leibniz 10. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Friedrich Reimmann an Leibniz 10. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Simon L¨ offler an Leibniz 10. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

668 670 671 673 674 677 679 681 683 685 687 688 689 691 692 693 698 700 701 703 705 710 712 713 714 715 717 721 722 726 727 728 728 731

XX

inhaltsverzeichnis

426. 427. 428. 429. 430. 431. 432. 433. 434. 435. 436. 437. 438. 439. 440. 441. 442. 443. 444. 445. 446. 447. 448.

Johann Gr¨ oning an Leibniz 11. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Pierre de Falaiseau 12. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Heinrich Christian Kortholt an Leibniz 12. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Jacob van Wassenaer an Leibniz 13. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an John Hutton 14. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Daniel Ernst Jablonski 14. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Giuseppe Guidi an Leibniz Ende November – Mitte Dezember 1703 . . . . . . . . Leibniz an Hans Christof von Walthausen Mitte Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . Conrad Barthold Behrens an Leibniz Mitte Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jakob Friedrich Reimmann 16. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Henriette Charlotte von P¨ ollnitz an Leibniz 22. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . Daniel Ernst Jablonski an Leibniz 24. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gerhard Wolter Molanus an Leibniz 25.(?) Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . Pierre de Falaiseau an Leibniz 14./25. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gottlieb Justus von P¨ uchler an Leibniz 14./25. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . Chilian Schrader an Leibniz 27. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Heinrich R¨ udiger von Ilgen Ende Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Jacob van Wassenaer 28. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Friedrich Hans von Walter an Leibniz 28. Dezember 1703. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob Friedrich Reimmann an Leibniz 28. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Caspar von Bothmer 31. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Johann Fabricius 31. Dezember 1703 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Leibniz an Gerhard Wolter Molanus Ende Dezember 1703 oder Anfang Januar 1704 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 449. Leibniz als Gerhard Wolter Molanus an Benjamin Ursinus. Stichworte f¨ ur die Beantwortung des Briefes Benjamin Ursinus an Molanus. Beilage zu N. 448 . 450. Leibniz als Gerhard Wolter Molanus an Benjamin Ursinus. Entwurf zu einer Antwort auf Ursinus’ Brief an Molanus. Beilage zu N. 448 . . . . . . . . . . . . . . . . . .

732 735 736 738 739 741 744 745 746 749 751 752 753 755 759 760 761 764 766 768 771 775 779 780 783

ANHANG 451. Pierre de Falaiseau f¨ ur Kurf¨ urstin Sophie. Chiffrierschl¨ ussel Ende Juli 1702 .

787

KORRESPONDENTENVERZEICHNIS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

793

ABSENDEORTE DER BRIEFE . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 805

inhaltsverzeichnis

XXI

PERSONENVERZEICHNIS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 807 SCHRIFTENVERZEICHNIS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 836 SACHVERZEICHNIS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

862

¨ SIGLEN, ABKURZUNGEN, BERICHTIGUNGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

894

FUNDSTELLEN-VERZEICHNIS DER DRUCKVORLAGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 905

VORWORT

Der vorliegende zweiundzwanzigste Band von Leibniz’ allgemeinem, politischem und historischem Briefwechsel umfasst zw¨ olf volle Monate von Leibniz’ Korrespondenz. Ein Drittel der St¨ ucke sind Leibniz’ eigene Schreiben. Den gr¨ oßten einzelnen Anteil an der Bearbeitung des vorliegenden Bandes hat Dr. Nora G¨ adeke. Dr. Sabine Sellschopp bearbeitete die Korrespondenzen mit Addison, Alvensleben, d’Ausson, B¨ ulow, Chuno, Dohna, Du Cros, Fountaine, K¨onig Friedrich I., Hamrath, Heusch, Ilgen, D. E. Jablonski, J. Th. Jablonski, Ker of Roxburghe, C. Kolbe von Wartenberg, J. C. Kolbe von Wartenberg, Luppius, P¨ollnitz, Kurf¨ urstin Sophie, K¨ onigin Sophie Charlotte, Walthausen, Wassenaer. Dr. Regina Stuber bearbeitete die Korrespondenzen mit Behrens, Bignon, Bouvet, Brosseau, Eggeling, Falaiseau, Fontaney, Frauendorff, Hardenberg, Hutton, Koch, Le Gobien, L¨offler, Mencke, Oberg, Pauli, Pinsson, Reiche, Rhode, Troschel, Vota. Dr. Monika Meier bearbeitete die Korrespondenzen mit Bothmer, Cuper, Herzogin Eleonore, Engelskirchen, Gargan, G¨ortz, Guidi (ein St¨ uck), Hansen, Heems, Hohenzollern-Hechingen, Levesius, P¨ uchler, Schott, Walter. Alle u ¨brigen Korrespondenzen wurden von Dr. Nora G¨adeke bearbeitet. Dr. Sellschopp und Dr. G¨ adeke teilten sich, unterst¨ utzt durch Dr. Wolfgang Bungies, die Arbeit an der Schlussredaktion und den Registern, wobei Dr. G¨adeke den gr¨oßeren Anteil u ¨bernahm. Sie verfasste auch den gr¨ oßten Teil der Einleitung. F¨ ur eine große Zahl von Briefen konnten Transkriptionen von fr¨ uheren Mitarbeitern der Ausgabe bei der Preußischen Akademie der Wissenschaften benutzt werden. Einige weitere Transkriptionen wurden von Frau Marianne Barreau (Strasbourg) angefertigt. Die Erstellung der Druckvorlagen lag in den H¨anden von Frau Isolde Hein, die auch mit bew¨ ahrter Kompetenz den Umbruch besorgte. Das Leibniz-Archiv Hannover ist eine Arbeitsstelle der Akademie der Wissenschaften zu G¨ ottingen; ihr ist f¨ ur die finanzielle Unterst¨ utzung unserer Arbeit zu danken, dem Vorsitzenden der Leitungskommission, Prof. Dr. Wolfgang K¨ unne, f¨ ur die stete Betreuung der Belange der Arbeitsstelle. Den Mitarbeitern aller Abteilungen der Gottfried-WilhelmLeibniz-Bibliothek Nieders¨ achsische Landesbibliothek Hannover sei f¨ ur vielf¨altige Unterst¨ utzung gedankt.

XXVI

vorwort

F¨ ur freundlich erteilte Druckerlaubnis haben wir den im Fundstellenverzeichnis aufgef¨ uhrten Bibliotheken und Archiven zu danken. F¨ ur die Mithilfe bei der Kl¨arung von Einzelfragen schulden wir einer Anzahl von Institutionen und Personen großen Dank: Institut f¨ ur Personengeschichte Bensheim, Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Berlin, Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz Berlin, Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Detmold, Hauptstaatsarchiv Dresden, S¨ achsische Landesbibliothek — Staats- und Universit¨ atsbibliothek Dresden, Stiftung Rittergut Schloss H¨amelschenburg Emmerthal, Nieders¨ achsische Staats- und Universit¨ atsbibliothek G¨ottingen, Forschungsbibliothek Gotha, Studienzentrum August Hermann Francke Halle, Universit¨ats- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt Halle, Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Hannover, Kongelige Bibliotek Kopenhagen, Universit¨ atsbibliothek Mannheim, Biblioth`eque publique et universitaire Neuchˆ atel, Stadtarchiv N¨ urnberg, Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam, Archiv der Hansestadt Rostock, Landeskirchenamt Schwerin, Stadtarchiv Stade, Archives municipales Straßburg, Landeskirchliches Archiv Stuttgart, Universitetsbiblioteket Uppsala, Herzog August Bibliothek Wolfenb¨ uttel, Prof. Dr. Joachim Bahlcke (Stuttgart), Prof. Dr. Heide Barmeyer-Hartlieb (Detmold), Prof. Dr. Frank Baron (Lawrence/ Kansas), Dr. Wolfgang Bungies (Hannover), Dr. Jens Bruning (Wolfenb¨ uttel), Friedrich Adolph Freiherr von Dellingshausen (Berlin), Dr. Beate-Christine Fiedler (Stade), Dr. Jens H¨ aseler (Potsdam), Prof. Dr. Klaus Hallof (Berlin), Marjorie Heppe (Kassel), Dr. Klaus-Dieter Herbst (Jena), Dr. Heinz-J¨ urgen Heß (Bad Honnef), Prof. Dr. Anthony McKenna (St. Etienne), Dr. Reiner Kreßmann (Darmstadt), Dr. Ad M. J. Leerintveld (Den Haag), Hannes Lehmann (Dresden), Dr. Lupold von Lehsten (Bensheim), Dr. Maria Munding (Wolfenb¨ uttel), Dr. Klaus vom Orde (Halle), Dr. R¨ udiger Otto (Leipzig), Dr. Margherita Palumbo (Rom), Dr. Erik Petersen (Kopenhagen), Dr. Hartmut Rudolph (Hannover), Dr. Manfred G. Schmidt (Berlin), Mag. Thomas Stockinger (Wien), Dr. Marie-Luise Weber (M¨ unchen), Hans-Joachim Witte (Hannover). Seit dem Jahre 2006 standen Teile des Bandes in unkorrigierter Fassung im Internet. Auf die Hilfsmittel zur Forschung im Internet (http://www.leibniz-edition.de) sei verwiesen. Herrn Prof. Dr. Manfred Breger hat seit mehreren Jahren die Betreuung der unter Linux laufenden Programme und Datenbanken u ¨bernommen. Beim Satz des Bandes wurde das TEX-Macropaket Edmac von John Lavagnino (Massachusetts) und Dominik Wujastyk (London) benutzt; außerdem wurden wie bei allen hannoverschen B¨anden seit

XXVII

vorwort

den Registern von I, 15 die f¨ ur die Leibniz-Ausgabe selbst entwickelten Macros verwendet, die sich gut bew¨ ahrt haben. Hannover, September 2011

Herbert Breger

EINLEITUNG

Dieser zweiundzwanzigste Band des allgemeinen, politischen und historischen Briefwechsels enth¨ alt die Korrespondenzen des Jahres 1703. Von 451 St¨ ucken stammen 149 Briefe von Leibniz, 299 sind an ihn gerichtet oder f¨ ur ihn bestimmt, außerdem finden sich zwei Vertr¨ age f¨ ur ihn und den jeweiligen Partner gleichermaßen sowie im Anhang ein Drittst¨ uck. Von Leibniz’ eigenen Briefen waren 59 schon fr¨ uher gedruckt und 7 weitere im Teildruck bekannt. Von den Briefen der Korrespondenten waren 47 schon fr¨ uher gedruckt und 6 weitere als Teildruck ver¨ offentlicht worden. Insgesamt werden hiermit 328 St¨ ucke nach den Handschriften erstmals ediert; bei 4 Briefen, die als Kriegsverlust zu verzeichnen sind, dienten (Teil-)Transkriptionen f¨ ur die Akademie-Ausgabe als Druckvorlage.

1. Biographie, Hauswesen, Verwandtschaft Unser Bandzeitraum ist fast gleichgewichtig von zwei Orten bestimmt: Berlin/Lietzenburg und Hannover/Herrenhausen. Gut die H¨alfte der Korrespondentenbriefe stammt von dort; Leibniz’ Leben spielt sich vorrangig im Umkreis dieser H¨ofe ab. Wohl Anfang Juni kehrt er nach einj¨ ahrigem Berlin-Aufenthalt nach Hannover zur¨ uck; vermutlich mit kurzem Zwischenaufenthalt in Wolfenb¨ uttel, der sich nur indirekt erschließen l¨asst (vgl. Kapitel 4). Die Verz¨ ogerung der urspr¨ unglich f¨ ur den Herbst 1702, dann im Gefolge K¨ onigin Sophie Charlottes f¨ ur den Januar 1703 geplanten, verschobenen und auch im Laufe des Sp¨ atwinters/Fr¨ uhjahrs immer wieder erneut hinausgez¨ogerten Abreise wird begr¨ undet mit verschiedenen Faktoren, deren tats¨achliches Gewicht nicht leicht auszumachen ist. Leibniz bringt jetzt vor allem gesundheitliche Probleme vor; es d¨ urfte sich dabei um den Beginn seines chronischen Beinleidens handeln, das seit der Jahreswende den Januar u ¨ber sowie erneut seit der zweiten M¨arzh¨alfte bis weit in den April hinein thematisiert wird. Die medizinhistorische Forschung (vgl. E. Go¨ rlich, Leibniz als Mensch und Kranker , S. 118–120) hat, aufgrund der nun bis zu Leibniz’ Lebensende immer wieder zur

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einleitung

Sprache kommenden Beschwerden, einen Ulcus cruris diagnostiziert. F¨ ur unseren Zeitraum sind die Aussagen dazu eher diffus (neben allgemeinen Wendungen wie non optima ” valetudine utor‘‘, un peu mal‘‘ oder fort affoibli‘‘ zun¨achst des petites douleurs‘‘ mit ” ” ” dem Verdacht auf quelque chose de sciatique‘‘; erst im Fr¨ uhjahr ist explizit von jambe ” ” ouverte‘‘ oder une petite erosion au pied‘‘ die Rede); es bleibt zun¨achst unklar, ob es ” sich immer um dasselbe Krankheitsbild handelt. Leibniz selbst bringt seine Beschwerden Mitte April, als er sich wieder geheilt f¨ uhlt, in N. 219 so auf den Punkt: D’autres maux se ” ¨ sont enfin termin´es en une ouverture de jambe‘‘. Außerungen u ¨ber seinen Zustand werden in Hannover und andernorts mit gr¨ oßter Besorgnis aufgenommen (in Hannover kursiert sogar das Ger¨ ucht von seinem nahen Tod); von mehreren Seiten (neben der Kurf¨ urstin z. B. Greiffencrantz, Guidi, Mauro, M¨ uller, Pfeffinger) kommen alarmierte und sp¨ater erleichterte Reaktionen. Auch Leibniz selbst verbindet Bemerkungen u ¨ber sein Befinden mit Bef¨ urchtungen (Gicht, baldiges Lebensende). Zumindest f¨ ur den Januar ist jedoch nicht auszuschließen, dass die gesundheitlichen Probleme auch einen Vorwand lieferten: f¨ ur Zeitgewinn bei dem Projekt der Seidenkultur in Brandenburg-Preußen (vgl. Kapitel 7). So d¨ urfte die erneute Verschiebung der Abreise auch davon bestimmt gewesen sein, dass die k¨onigliche Genehmigung f¨ ur ein von Leibniz erhofftes Privileg zugunsten der Berliner Soziet¨at f¨ ur die Seidenzielung‘‘ auf sich warten l¨ asst und am Berliner Hof insgesamt gr¨oßere Widerst¨ande ” zu u ¨berwinden sind. Diese haben wohl auch einen politischen Hintergrund: die in diesem Winter eintretenden tiefgreifenden Verstimmungen (dazu Kapitel 6) zwischen Hannover/Celle und Berlin scheinen Leibniz’ Aufenthalt in seiner zweiten H¨alfte insgesamt belastet zu haben. Mehrfach macht er die Erfahrung, dass seine Post kontrolliert wird oder sich versp¨atet (z. B. N. 106 sowie N. 13; vgl. auch N. 255); insgesamt sieht er sich, angesichts eines si long ” uber sejour sans sujet apparent‘‘ (N. 17), unter Verdacht. Jedenfalls bekundet er gegen¨ Kurf¨ urstin Sophie gegen Ende Februar den Wunsch, Berlin baldm¨oglichst zu verlassen, was am hannoverschen Hofe beif¨ allig aufgenommen wird. Warum er die Abreise dann doch bis Ende Mai hinausz¨ ogert und nicht, wie mehrmals angesagt, Ostern bereits in Wolfenb¨ uttel verbringt (vgl. z. B. N. 27 u. N. 33), bleibt offen; zu vermuten sind jetzt (neben der explizit angef¨ uhrten außergew¨ ohnlichen Winterk¨alte 1702/1703) tats¨achlich gesundheitliche Gr¨ unde. Von Mitte M¨ arz bis zur ersten Aprilh¨alfte scheint es Leibniz nicht m¨ oglich gewesen zu sein, sein Quartier beim Wirt Vincent in der Br¨ uderstraße zu verlassen; auch Besuche am Hofe der K¨onigin in Lietzenburg m¨ ussen unterbleiben.

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XXXIII

Hinzu kommt vielleicht als weiterer Hinderungsgrund die Berlin-Reise Herzog Anton Ulrichs im April 1703, die einen geplanten Abstecher nach Wolfenb¨ uttel in diesen Tagen obsolet gemacht haben k¨ onnte. Ganz zum Schluss, kurz vor dem tats¨achlichen Antritt der R¨ uckreise, h¨ alt ihn noch einmal eine Erk¨altung am Berliner Hof fest (vgl. N. 253). F¨ ur die R¨ uckkehr ist es jedoch h¨ ochste Zeit: kurz vor der Abreise macht Leibniz die Bemerkung, in Hannover verd¨ achtige man ihn d’un trop grand attachement pour ” Berlin‘‘ (N. 239). Bereits im Winter war dort das Ger¨ ucht aufgekommen, er sei schon ganz in den Dienst des preußischen K¨ onigs u ¨bergewechselt (N. 16) — das Leibniz sogleich mit einem Schreiben an den hannoverschen Kammerpr¨asidenten zu entkr¨aften sucht (N. 21). Auch gegen¨ uber Premierminister Platen l¨ asst er (¨ uber Abbate Guidi) seiner Treue zum hannoverschen Hof Ausdruck geben (mit N. 140). Tats¨ achlich hat Leibniz durchaus Wechselabsichten, aber sie zielen auf ein anderes Territorium: das heimatliche Kursachsen. Die bereits im Vorjahr zum Ausdruck kommenden Bestrebungen (vgl. I, 21), in den Dienst Kurf¨ urst Friedrich Augusts I. von Sachsen/K¨ onig Augusts II. von Polen zu treten, sind noch nicht aufgegeben. Mehrere potentielle F¨ ursprecher treten in unserem Band in Erscheinung — und entschwinden wieder (vgl. Kapitel 8). Schließlich findet Leibniz eine M¨oglichkeit, sich dem K¨onig zu pr¨asentieren (und gleichzeitig eigene Interessen zu verfolgen) mit einem Projekt: auch hier mit der Seidenzielung‘‘, deren Einf¨ uhrung in Sachsen er parallel zu den Brandenburger Versu” chen verfolgt. Offensichtlich mit gr¨ oßerem Erfolg: es gelingt ihm, General Jakob Heinrich von Flemming, die rechte Hand des K¨ onigs, als Partner zu gewinnen (vgl. Kapitel 8). Die ins Auge gefasste zus¨ atzliche Beteiligung des s¨achsischen Großkanzlers Wolf Dietrich von Beichlingen kommt nicht zustande aufgrund von dessen im April erfolgender Verhaftung und Festsetzung auf dem K¨ onigstein (vgl. Kapitel 6). Der Verlust dieses bedeutenden Patrons tut dem Seidenprojekt keinen Abbruch; im Fr¨ uhsommer erfolgt die kurf¨ urstlich-k¨ onigliche Privilegierung. Leibniz’ doppeltes Spiel bei der Verfolgung dieses Projekts erfordert w¨ahrend der Berliner Zeit besondere Vorsichtsmaßnahmen, insbesondere wegen der Postkontrolle. Daraus entsteht der kuriose Einsatz der affaire de M. Kortholt‘‘ — der Name des in ” den ersten Monaten des Jahres 1703 mit einer tats¨achlichen affaire‘‘ belasteten Kieler ” Arztes und Abenteurers Heinrich Christian Kortholt (vgl. Kapitel 14) dient in der Korrespondenz mit Flemming als Verschl¨ usselung f¨ ur Leibniz und die Seidenkultur. Parallel dazu wird das Projekt auch in Brandenburg weiterverfolgt (vgl. Kapitel 7).

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Am Hof zu Hannover sind Leibniz’ Bewegungsm¨oglichkeiten nach der einj¨ahrigen Abwesenheit etwas eingeschr¨ ankt. Eine erneute Reise an den preußischen K¨onigshof Anfang August im Gefolge Kurf¨ urstin Sophies kommt trotz Unterst¨ utzung aus Hofkreisen nicht zustande, wohl aufgrund eines Vetos Kurf¨ urst Georg Ludwigs, der Leibniz offensichtlich st¨ arker unter Aufsicht nehmen will und ihn f¨ ur den Sommer in Herrenhausen installieren l¨ asst (vgl. N. 53, N. 295, N. 306, N. 375). Dennoch gelingt Leibniz eine kurze, knapp zweiw¨ ochige Tour nach Braunschweig und Wolfenb¨ uttel, die er gegen¨ uber der undet mit gesundheitlichem Missbefinden (FieKurf¨ urstin (N. 62; vgl. auch N. 330) begr¨ ber und Kopfschmerzen, zu denen sp¨ ater noch eine Magenverstimmung hinzukommt), das ihm das Arbeiten in Hannover unm¨ oglich gemacht habe. Ein wohl von dort aus geplanter Abstecher nach Berlin, f¨ ur den Leibniz vorsorglich einen Fuhrzeddel‘‘ der K¨oni” gin erbittet, unterbleibt. Auch der Bitte der K¨onigin an ihren Bruder, w¨ahrend seines Jagdaufenthaltes im Herbst Leibniz nach Berlin reisen zu lassen (vgl. N. 71), wird nicht stattgegeben. Die f¨ ur den Herbst 1703 u ¨berlieferten Aufenthalte außerhalb Hannovers sind bestimmt vom Hofdienst: am 9. Oktober erlebt Leibniz im Gefolge Georg Ludwigs die Durchreise des zum spanischen Gegenk¨ onig proklamierten Erzherzogs Karl durch die braunschweig-l¨ uneburgischen Lande in Hameln (vgl. Kapitel 6 sowie Leibniz’ Beschreibung in N. 366 u. N. 383); Ende Oktober/Anfang November h¨alt er sich w¨ahrend des kurf¨ urstlichen Jagdaufenthaltes im Jagdschloss Linsburg auf. Wenn Gerhard Wolter Molanus Leibniz in dieser Zeit (in N. 371) ironisch zu seinem Aulicismus‘‘ gratuliert, d¨ urfte ” sich das darauf beziehen. Gespiegelt wird Leibniz’ Abwesenheit auch in Briefen seiner Mitarbeiter. Insbesondere Johann Barthold Knoche, der Leibniz im vergangenen Jahr nach Berlin begleitet hatte, aber bereits im Herbst wieder nach Hannover zur¨ uckgeschickt worden war (vielleicht aufgrund einer l¨ anger dauernden Krankheit; noch im April ist von wiederholten Fiebersch¨ uben die Rede), richtet flehende Briefe an seinen abwesenden Herrn, in denen er u ¨ber Langeweile ebenso wie u ¨ber Geldnot und den Verfall des gesamten Hauswesens (und der eigenen Kleidung) klagt und vor allem u ¨ber die allgemeine Unsicherheit hinsichtlich Leibniz’ R¨ uckkehr. Daneben kommen h¨ ausliche Details zur Sprache, wie Schwierigkeiten bei der Holzbeschaffung und Friktionen mit der Frau des Kutschers G¨ urgensohn; dieser selbst befindet sich auch jetzt wieder bei Leibniz in Berlin. Neben der Weiterleitung von Post (und von kleineren Hofnachrichten) gibt es Hinweise vor allem auf eine Aktivit¨at

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XXXV

Knoches: die Malerei, f¨ ur die er etliche Scheiben in folio, von dem Berlinischen weißen ” feinen Glase‘‘ (N. 12) erbittet. Demgegen¨ uber finden sich erst in den sp¨ateren Sommermonaten die gewohnten h¨auslichen Berichte Johann Georg Eckharts, der im August des Vorjahres (vgl. die EckhartKorrespondenz vom August 1702 in I, 21) in den Dienst Flemmings u ¨bergewechselt war. Freilich bleibt dieses Gastspiel kurz — und anscheinend unergiebig f¨ ur beide Seiten (Eck¨ harts Außerung in N. 48: Ich gestehe, daß ichs tausentmahl bereue, daß ich Hanover ” verlaßen, und mich in so unruhige und ungewiße dienste begeben‘‘ korrespondiert mit Flemmings Diktum in N. 276, dieser sei nicht accoutum´e `a ce genre de vie chez moy‘‘, ” und dessen eigenem Urteil u ¨ber Eckhart, er sei plus content de sa bonne volont´e que ” d’Effet‘‘). Nachdem eine in Aussicht gestellte Professur an einer der s¨achsischen Universit¨ aten (Leipzig oder Wittenberg) sich verz¨ogert (sie wird nie Realisierung finden), bietet Leibniz dem gestrandeten und praktisch mittellosen (vgl. z. B. N. 51, N. 292) fr¨ uheren ¨ Amanuensis an, f¨ ur eine Ubergangszeit zu ihm zur¨ uckzukehren. Mit der Auflage freilich, nur noch f¨ ur die Hausgeschichte zu arbeiten (vgl. Kapitel 10): damit findet der Monathliche Auszug, von Eckhart mitten im Vorjahr zur¨ uckgelassen und zun¨achst zur Fortsetzung vorgesehen, nach einer Weiterf¨ uhrung bis zum Ende des Jahres 1702 (durch Joachim Meier) definitiv sein Ende. Eckhart hatte Hannover offensichtlich mit Schulden verlassen; die zeitweise Konfiskation seiner Bibliothek durch den Hofbuchh¨andler F¨orster ist bis in den Sommer hinein Thema (vgl. z. B. N. 39). Nur in jeweils einem Brief vertreten sind demgegen¨ uber die Mitarbeiter Conrad Johann Dannenberg und Johann Friedrich Hodann; jener mit Nachrichten aus dem Hauswesen und vom hannoverschen Hof, dieser mit einem Bericht u ¨ber Arbeiten f¨ ur Leibniz in Zusammenhang mit der Scientia generalis sowie u ¨ber eigene wissenschaftliche und berufliche Ambitionen. Das angestrebte munus‘‘, ein Amt im Dienste der Landeskirche, wird ” freilich noch lange auf sich warten lassen — angesichts der unterschwellig (Eckhart, in N. 62) oder offen (Molanus, in N. 415) zur Sprache kommenden kritischen Reaktionen auf Hodanns erste Predigten im August und im Dezember (insbesondere seine rhetorischen Defizite) vermutlich nicht nur aufgrund mangelnder Patronage. Einem (namentlich f¨ ur uns nicht identifizierbaren) unter Leibniz’ Domestiken widerf¨ ahrt im September das Missgeschick einer verfr¨ uhten Entbindung seiner Braut, mit der er soeben vor den Traualtar hatte treten wollen. Dem Betroffenen bringt das eine Auflage zur Kirchenbuße ein, f¨ ur die Hannoveraner Geistlichkeit ergibt sich Anlass zu flammenden Strafpredigten. Leibniz dagegen scheint darin vor allem den Unterhaltungs-

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wert f¨ ur Kurf¨ urstin Sophie zu sehen (in N. 72). Ihr war die Geschichte bereits von anderer Seite zugetragen worden, gegen¨ uber Leibniz folgt nun eine s¨ uffisante Kommentierung: on ” dit que vostre maison est fort fertile dont je me rejouis sur tout si vous y avez quelque part‘‘ (in N. 71). Schließlich ist aus Leibniz’ Hauswesen zu erfahren, dass er sich in Berlin eine Kutsche gekauft hat (vgl. N. 14). Sein Reisesitz, den er vor zwei Jahren hatte anfertigen lassen (vgl. I, 19 Einleitung, S. LXIII), wird dadurch f¨ ur die R¨ uckreise nicht gebraucht und in Berlin abgestellt, offenbar im Haus General Flemmings, der um Abtransport bitten l¨asst (vgl. N. 41). Eckhart, noch in Flemmings Dienst, wird von Leibniz beauftragt, f¨ ur eine Zwischenl¨ osung zu sorgen donec vel peti curem, vel ipse Berolinum redeam‘‘ (N. 44). ” Was die Familie angeht, so ist zum einen der Brief eines entfernten Verwandten zu erw¨ ahnen, des Geistlichen Johann Jacob Leibniz, der, aus N¨ urnberg stammend (und Gottfried Wilhelm von dort pers¨ onlich bekannt), seit Jahren in Stockholm lebt; er wendet sich an den ber¨ uhmten Verwandten mit Fragen zu einer eventuellen Verwandtschaftsbeziehung zu adligen Namenstr¨ agern aus dem Sp¨atmittelalter (N. 176). Nach wie vor ist hier aber der Neffe Friedrich Simon L¨offler der Hauptkorrespondent; das inhaltliche Spektrum der acht Briefe (unter denen ausnahmsweise auch ein Leibnizbrief u ¨berliefert ist) reicht dieses Mal hinaus u ¨ber die u ¨blichen Themen B¨ ucherbeschaffung und Neuigkeiten von der Universit¨ at Leipzig (vgl. Kapitel 13). So findet sich darin eine Bitte des Theologen an den Leiter der Wolfenb¨ utteler Bibliotheca Augusta (um Aus¨ kunft zur Uberlieferung der Confessio Augustana) oder ein Hinweis auf eigene gelehrte Arbeiten L¨ offlers. Und vor allem auf seine beruflichen Ambitionen: seine Bem¨ uhungen um ein anderes Amt im Dienste der s¨ achsischen Landeskirche oder außerhalb des Kurf¨ urstentums, im zu Brandenburg geh¨ orenden Magdeburg. Insbesondere hierf¨ ur erhofft er sich Leibniz’ Protektion. All diese Bem¨ uhungen scheitern, nicht zuletzt aufgrund von L¨ offlers schwacher Stimme. Ein in Zusammenhang mit dem Vorstellungstermin in Magdeburg geplanter Besuch bei Leibniz unterbleibt, weil es L¨offler nicht gelingt, eine klare Auskunft u ¨ber dessen derzeitigen Aufenthaltsort zu erhalten. Aus seiner eigenen Familie berichtet er von der Geburt des zweiten Sohnes Paul Gottfried am 9. Dezember, f¨ ur den er sich Leibniz’ Patenschaft erbittet — wie bereits urspr¨ unglich f¨ ur den vor drei Jahren geborenen ¨ altesten Sohn vorgesehen, dessen Taufe aber in die Zeit von Leibniz’ WienReise fiel (vgl. N. 425 sowie I, 19 N. 107). Leibniz wiederum nimmt die genaue Kenntnis des Neffen u ¨ber die Verwandtschaft in Sachsen in Anspruch: ihn hatte ein (nicht ge-

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fundener) Brief eines Freiesleben erreicht, f¨ ur dessen Zuordnung zu den ihm bekannten Familienmitgliedern er um Hilfe bittet. Schließlich sind L¨ offlers Briefe ein gutes Beispiel daf¨ ur, dass Leibniz eine Person des offentlichen Interesses ist: so kommt dem Neffen dessen Erkrankung um die Osterzeit zu ¨ Ohren — und der Kupferstich seines Portr¨ats zu Gesicht. Auf die Frage, ob das Portr¨at gut getroffen sei, muss er sich allerdings f¨ ur unf¨ahig zu einer Beurteilung erkl¨aren, da er den Onkel seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Dieses Portr¨ at, ein weiterer Hinweis auf Leibniz als ¨offentliche Person, findet Erw¨ ahnung nicht nur in der L¨ offler-Korrespondenz, sondern durchzieht unseren Band fast den gesamten Berichtszeitraum hindurch: beginnend Mitte Februar mit Alexander Cunninghams Vermittlung der aus England kommenden Bitte d’avoir votre portraite en tail ” douce‘‘ (N. 143, wiederholt in N. 163). Trotz Leibniz’ ironisch ge¨außerter Abwehr (N. 30: une taille douce empˆeche un homme d’aller incognito‘‘) sieht die Kurf¨ urstin im Verlangen ” der gelehrten Welt Grund genug, den Kupferstich in Auftrag zu geben, auf ihre eigenen Kosten (N. 31). Die Vorlage, laut N. 73 Anfang Oktober an Leibniz gesandt, stammte von dem hannoverschen Hofmaler Sonnemann und basierte auf dem ersten Leibniz-Portr¨at von Andreas Scheits. Vermutlich dieses Portr¨at ist es, das bereits im Sommer einer scharfen Kritik der Kurf¨ urstin unterzogen und als untauglich abgelehnt worden war (N. 45). Der Kupferstich selbst, von Martin Bernigeroth gefertigt und von dem Buchh¨andler Andreas Luppius verlegt, zieht dagegen die Kritik des Portr¨atierten selbst auf sich: vor allem wegen der darunter gesetzten Verse. Luppius wird angehalten, den Stich in dieser Form, das heißt vor gr¨ oßeren Eingriffen in den Text, keinesfalls zu ver¨offentlichen; schon gedruckte Exemplare ist Leibniz aufzukaufen bereit. Dass es ihm hier nicht nur um grammatikalische Details geht, sondern um den Tenor insgesamt, kommt auch zum Ausdruck in einem Brief an K¨ onigin Sophie Charlotte (N. 396), der seine Skepsis gegen die unter Gelehrten u ¨bliche Praxis des panegyrischen Lobes erkennen l¨asst ( Comme on ” ne canonise les saints que long temps apres leur mort quand leur foiblesses ne sont gueres plus connues, on deuvroit de mˆeme ne donner des grands eloges aux gens de lettres que lors qu’ils ne sauroient plus donner un dementi `a leur panegyristes‘‘). Entsprechende Titulierungen lassen sich u ¨brigens auch in den Briefen unseres Bandes finden (vgl. N. 185). Trotz aller — nicht nur instrumental vorgebrachten — gesundheitlichen Probleme sind diese Monate außerordentlich fruchtbar f¨ ur Leibniz. Mehrere bedeutende Arbeiten werden in dieser Zeit — d. h. wohl vor allem aufgrund der Berliner/Lietzenburger ,Diskussionskultur‘ — konkretisiert; insbesondere die Auseinandersetzung mit John

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Locke und Fran¸cois Lamy, die Diskussion des Substanzbegriffs und der Vorstufen der Theodic´ee sowie der M´editation sur la notion commune de la justice. Letztere d¨ urfte aber nicht nur Berlin, sondern auch Hannover geschuldet sein, n¨amlich einem Vortrag vor Kurf¨ urst Georg Ludwig und Kurf¨ urstin Sophie sur la nature de la bont´e et de la ” justice‘‘ von Anfang August (vgl. Kapitel 11). Hinzu kommt eine Abhandlung zur Dyadik (Explication de l’Arithm´etique binaire). Auch die Scriptores rerum Brunsvicensium werfen ihre Schatten voraus (vgl. Kapitel 10). Was die Ausbeute angeht, so ist 1703 ein reiches Jahr.

2. Im Dienst des Hauses Hannover, Hofnachrichten, das Gespr¨ach mit Kurf¨ urstin Sophie Von Leibniz’ dienstlichen Aufgaben kommt in den Briefen unseres Zeitraums neben der welfischen Hausgeschichte (vgl. Kapitel 10) vor allem die Aufsicht u ¨ber die Arbeiten am Monumentum Gloriae f¨ ur den verstorbenen Kurf¨ ursten Ernst August zur Sprache: in den Korrespondenzen mit dem Augsburger Kupferstecher Ulrich Kraus, der Probeabdrucke schickt, mit dem Pariser Residenten Christophe Brosseau, der Nachrichten des Kupferstechers Drevet u ¨bermittelt, und schließlich mit dem Kammerpr¨asidenten zu Hannover, Friedrich Wilhelm von Schlitz gen. von G¨ ortz, dem Leibniz Bericht erstattet. In der sich langsam dem Ende zuneigenden langen Geschichte dieses Werkes geht es vor allem um letzte Korrekturen — und um die Bezahlung. Knapp ein Drittel der Korrespondentenbriefe kommt aus Hannover. Dass darin besonders ausf¨ uhrliche Nachrichten u ¨ber Hof und Stadt enthalten sind (und unser Band damit zu einem reichen Quellenwerk f¨ ur dieses Thema wird), liegt in erster Linie an Leibniz’ inoffizieller Funktion als Gespr¨ achspartner der Kurf¨ urstin Sophie — und daran, dass er diese Funktion 1703 vor allem brieflich aus¨ ubt. Etwa zwei Drittel dieses Jahres halten er und seine Patronin sich an verschiedenen Orten auf: zwei Monate nach seiner R¨ uckkehr aus Berlin bricht die Kurf¨ urstin Anfang August dorthin zu einem dreimonatigen Besuch bei ihrer Tochter auf. Aus der r¨ aumlichen Trennung resultiert ein umfangreicher Briefwechsel (mehr als 30 u ¨berlieferte Briefe), zu dem Korrespondenzen mit Personen aus dem h¨ ofischen Umfeld hinzukommen. W¨ ahrend von Sophies Sekret¨ar Charles-Nicolas Gargan und ihrem Kammerdiener Roland Engelskirchen jeweils nur ein Brief aus Berlin u ¨berliefert ist, sind es insbesondere Giuseppe Guidi und Bartolomeo Ortensio Mauro, die Leibniz auf dem Laufenden halten: u ¨ber den Karneval und seine Anziehungskraft

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auf ausw¨ artige Besucher, u ¨ber die F¨ ulle von Engl¨andern in Hannover, die schwere Erkrankung und Abl¨ osung des englischen Gesandten Cressett und die Sondergesandtschaft Finch of Winchilseas, die wundersamen Heilerfolge des Arztes Janulli (und seine fortgesetzte Bet¨ atigung als Goldmacher), den Wechsel Steffanis an den D¨ usseldorfer Hof, einen Celle-Aufenthalt der kurf¨ urstlichen Familie, die Vers¨ohnungsbesuche zwischen den welfischen H¨ ofen, Geschehnisse in den Adelsfamilien (Geburten, Hochzeiten, Bef¨orderungen, Krankheitsf¨ alle), den Kirchenbau f¨ ur die deutsche reformierte Gemeinde und deren Querelen mit den franz¨ osischen Glaubensbr¨ udern, einen Eklat um zwei f¨ urstliche Besucher, die dem Pietismus anh¨ angen, ein Duell — und u ¨ber die kursierenden Spekulationen um die Gr¨ unde f¨ ur Leibniz’ immer weiter verl¨ angerte Abwesenheit. Guidi (der auch einen Teil von Leibniz’ Post aus Hannover weiterleitet und u ¨berhaupt als Verbindungsmann zu den Domestiken fungiert zu haben scheint) schickt mindestens einmal, ¨ ofter zweimal pro Woche einen Brief nach Berlin; der u ¨berlieferte Briefwechsel ist der umfangreichste unseres Bandes u ¨berhaupt — und w¨are noch umfangreicher, wenn sich von Leibniz’ regelm¨ aßigen Antworten etwas erhalten h¨atte. W¨ahrend in diesen Briefen sich die Hofgeschichten mit anderem — den Nachrichten von der europ¨ aischen Politik ebenso (vgl. Kapitel 6) wie zu Guidis eigenen Angelegenheiten (vgl. Kapitel 14) — abwechseln, konzentriert sich Mauro (¨ uber den zudem ein Teil von Leibniz’ Italien-Korrespondenz l¨ auft) weitgehend auf den Hof, d. h. vor allem auf die Kurf¨ urstin und ihre Entourage, ob sie sich nun in Hannover oder in Berlin befindet. Er ist es, der die Besorgnis von Sophies Hofstaat angesichts ihrer schweren Erk¨altung im Februar zum Ausdruck bringt — und von deren eigenen Sorgen angesichts einer Erkrankung ihrer hochbetagten Schwester Louise Hollandine in Maubuisson berichtet. Er schildert auch Sophies tiefe Trauer nach dem Kriegstod eines weiteren Sohnes, des Prinzen Christian, am 31. Juli im Gefecht bei Munderkingen; die Nachricht hatte die Kurf¨ urstin gleich nach der Ankunft in Berlin Anfang August empfangen. W¨ahrend das Ausbleiben eines Leibniz-Briefes an die Kurf¨ urstin Befremden erregt (erst nach Wochen, wohl erst Anfang uhen sich ihr eigener Hofstaat und September, kommt mit N. 67 seine Kondolenz), bem¨ der ihrer Tochter, ihre mit großer Beherrschung getragene Trauer etwas zu lindern; selbst der K¨ onig ist bestrebt, dazu beizutragen. Auch sonst sind die Rahmenbedingungen von Sophies diesj¨ahrigem Berlin-Besuch ung¨ unstig: die anhaltende Verstimmung zwischen Hannover/Celle und Berlin, die bereits im Februar zu Sophie Charlottes vorzeitiger Abberufung aus Hannover gef¨ uhrt und den Sommer-Besuch ihrer Mutter in Berlin zun¨achst in Frage gestellt hatte (vgl. N. 15), kann

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erst allm¨ ahlich, in langen und zum Teil f¨ ur die Kurf¨ urstin harten Gespr¨achen etwas abgemildert werden (vgl. Kapitel 6). Leibniz kann Ende Oktober nach Holland und England berichten (N. 374, vgl. auch N. 375 sowie Kapitel 6), zumindest ein Streitpunkt zwischen Berlin und Celle sei ausger¨ aumt ( Mad. l’Electrice y a contribu´e beaucoup‘‘), zudem sei ” der n¨ achste Karnevalsbesuch Sophie Charlottes in Hannover genehmigt. Aber er setzt hinzu: Cependant le different avec nostre cour au sujet de Nordhausen subsiste encor‘‘. ” Leibniz wird von der Kurf¨ urstin u ¨ber die Stimmung am Berliner Hof brieflich auf dem Laufenden gehalten, nicht aber u ¨ber Details der Gespr¨ache, insbesondere ihren eigenen Part. Ihre prinzipielle Einstellung zu dem Konflikt hatte sie bereits zu dessen Beginn, in den Briefen vom Sp¨ atwinter/Fr¨ uhjahr offenbart: sie begegnet ihm vor allem mit Spott (N. 15: une querelle d’Almand pour faire rire nos Ennemis‘‘) bzw. einem gewissen Ennui ” (N. 20: Pour l’affaire de Hildesheim elle a est´e tant rebattue que je ne vous en parle ” plus‘‘). Leibniz schl¨ agt demgegen¨ uber weitaus st¨arkere T¨one an: je crains qu’elle [cette ” querelle] ne cause la ruine de l’Empire et du parti protestant‘‘ (N. 17) — und muss sich in N. 23 von der Kurf¨ urstin sagen lassen, es gebe auch noch andere beklagenswerte Dinge außerhalb der großen Politik ( il me semble que nous avons bien d’autre choses `a deplorer ” qui touchent de plus prets, sur tout les maladies et en fin la mort‘‘). W¨ ahrend er in diesem Fall vor allem kommentierender Beobachter ist, wird er in einem anderen Konflikt von Sophie als inoffizieller Unterh¨andler eingesetzt (N. 46): gegen¨ uber Herzog Anton Ulrich, der sich der Auss¨ohnung zwischen den Welfenh¨ofen nicht in dem Maße ¨ offnet wie sein Bruder Rudolf August (vgl. Kapitel 4). Dieser war Ende Juni Sophies Einladung nach Herrenhausen gefolgt; u ¨ber Leibniz und dessen Korrespondenten Lorenz Hertel wird — vergeblich — versucht, auch Anton Ulrich zu einem Vers¨ohnungsbesuch zu bewegen (vgl. N. 46, N. 47 u. N. 49). Jedoch finden immerhin die aus Herrenhausen ausgesandten Signale und die Empfehlung des ,Wunderheilers‘ Janulli an den schwerh¨ origen Herzog wohlgef¨ allige Aufnahme in Wolfenb¨ uttel/Salzdahlum. Auch wenn zwischen den Regierungen in Hannover/Celle und Berlin Frost herrscht: die h¨ aufigen Besuche zwischen Sophie Charlotte und ihrer Mutter beleben die Kontakte in deren Gefolge; insbesondere Mauros Briefe enthalten immer wieder Reminiszenzen und Gr¨ uße an den k¨ oniglichen Hofstaat. Umgekehrt wird Leibniz die Rolle eines Berliner Sachwalters f¨ ur Personen aus dem hannoverschen Hofkreis zugeschoben (vgl. Kapitel 14). Die Kurf¨ urstin unterh¨ alt er mit Berichten u ¨ber das Hofgeschehen, die zahlreichen Besucher (von denen etliche — wie Vota, Cunningham, Addison — anschließend auch nach Hannover reisen werden) und die philosophisch-theologischen Streitgespr¨ache in

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Lietzenburg. Sophie reagiert nicht nur avec plesir‘‘ auf diese jeu d’esprit‘‘ (N. 29), son” ” dern zeigt auch, bei allem Hoffen auf Leibniz’ baldige R¨ uckkehr, Verst¨andnis f¨ ur seinen immer wieder verl¨ angerten Aufenthalt am Hofe ihrer Tochter (vgl. z. B. N. 15, N. 18). W¨ ahrend ihres eigenen Berlin-Aufenthaltes bittet sie ihn gelegentlich, Kurf¨ urst Georg ¨brigen offenbart der BriefLudwig u ¨ber ihren Hofbericht zu informieren (in N. 70). Im u wechsel selbst Details t¨ aglicher Lebensgewohnheiten — und die genaue Kenntnis des Gegen¨ ubers: w¨ ahrend Sophie in N. 32 ihre Schokolade zum Fr¨ uhst¨ uck erw¨ahnt, wird Leibniz als gewohnheitsm¨ aßiger Kaffeetrinker angesprochen (und scherzhaft vor den Gefahren u ¨berm¨ aßigen Kaffeegenusses gewarnt). Etwas heikel ist eine sich zwischen beiden H¨ofen abspielende Mission, in die Leibniz eingeschaltet ist: mit seinem Versuch, dem Wunsch K¨onigin Sophie Charlottes entsprechend die R¨ uckberufung ihres Hofmusikers, des Servitenm¨onchs Ariosti, in sein Kloster zu verhindern und seinen Verbleib am Lietzenburger Hof (also unter ,H¨aretikern‘) zu sichern (vgl. Kapitel 7), stellt er sich gegen das Votum seines angestammten Hauses. Insbesondere Kurf¨ urst Georg Ludwig und der Celler Herzog Georg Wilhelm vertreten strikt die Auffassung, der Forderung des Ordens, hinter dem der Kardinal de Medici und damit das großherzogliche Haus Toskana stehen, sei Folge zu leisten ( quant on nous ” prette quelqu’un qu’on est oblig´e de le randre‘‘, N. 32), zudem wird Sorge um den Ruf der K¨ onigin angesichts ihres hartn¨ ackigen Festhaltens an Ariosti laut. Sophie macht sich diese Haltung (in N. 29) zun¨ achst zu eigen und hofft auf Leibniz’ Einfluss bei ihrer Tochter. Nach seinem — diplomatisch formulierten, aber deutlichen — Eintreten f¨ ur deren Position (N. 30) schl¨ agt sie pragmatisch die Einschaltung einer Vermittlerin vor, der aus dem Hause Medici stammenden Kurf¨ urstin von der Pfalz (in N. 32). Es wird zwar nicht gelingen, Ariosti in Berlin zu halten (vgl. N. 369), aber die K¨onigin sieht ihre Position zumindest am heimatlichen Hofe, wo man bisher nur Steffanis Version ( qui e[s]t par” tie de cette affaire‘‘) gekannt habe, durch Leibniz verteidigt und dankt ihm nach seiner R¨ uckkehr nach Hannover noch einmal brieflich f¨ ur seinen Einsatz (mit N. 283). V¨ ollige Einigkeit herrscht dagegen bei einem anderen Projekt, das in unserem Zeitraum zu einem erfolgreichen Abschluss kommt: der Befreiung Thomas Burnett of Kemneys, der, auf seiner Frankreich-Reise ins Visier der Beh¨orden geraten, weit u ¨ber ein Jahr unschuldig in der Bastille eingesessen hatte (vgl. I, 21 Einleitung). Sobald Leibniz davon Kenntnis erhalten hatte, war er um die Freilassung seines langj¨ahrigen Korrespondenten bem¨ uht, unter Einschaltung der Kurf¨ urstin und ihrer Tochter (die wiederum erfolgreich die Nichte/Cousine Elisabeth Charlotte in Versailles mobilisieren) ebenso wie diplomati-

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scher Vertreter. W¨ ahrend zu Beginn des Jahres Burnetts Schicksal noch ungewiss ist (und von der Kurf¨ urstin, bei aller t¨ atigen Anteilnahme, mit einer gewissen Ironie kommentiert wird; vgl. N. 1 u. N. 4), zeichnet sich im Sp¨atsommer das gute Ende ab: Ende August (in N. 63) kann Leibniz ihr berichten, er habe aus einer gazette‘‘ erfahren, Burnett sei ” in Freiheit und außerhalb Frankreichs; Anfang September erhofft er sich aus Sophies Korrespondenz mit den beteiligten Diplomaten und der Nichte in Versailles Gewissheit (N. 67), noch um die Monatsmitte spricht er (in N. 339) von seiner Unsicherheit angesichts des erschwerten Nachrichtenaustauschs mit Frankreich. Erst Burnetts Brief vom 5. November (N. 384) aus Genf gibt g¨ anzliche Gewissheit — und erweist dessen eklatante Unwissenheit u ¨ber die Hintergr¨ unde seiner Befreiung. Mit den S¨atzen je vois bien Mon” sieur, que vous ignor´es vostre propre histoire puisque vous ne rend´es point graces ny `a Elle [Kurf¨ urstin Sophie], ny ` a la Reine, qui ont tant travaill´e toutes deux pour vostre delivrance‘‘ leitet Leibniz in seiner Antwort (N. 412) einen ausf¨ uhrlichen Bericht u ¨ber das Wirken der beiden F¨ urstinnen f¨ ur Burnett ein. Burnett wird im kommenden Jahr Gast des hannoverschen Hofes sein (eine Einladung ist in N. 412 bereits angedeutet). Auch in unserem Berichtszeitraum kommen zahlreiche G¨ aste nach Hannover, vor allem Engl¨ander und Schotten (vgl. Kapitel 3), aber auch aus anderen Territorien. Großen Anklang findet vor allem der Jesuit Carlo Maurizio Vota, Beichtvater des polnischen K¨onigs, dessen lebhafte Konversation nicht nur der Kurf¨ urstin zusagt (vgl. N. 15). Andere Besucher erfahren eine wesentlich schlechtere Beurteilung. Mit Spott werden vor allem die Auftritte der parvenuhaften Gr¨afin Wartenberg bedacht (nicht nur w¨ ahrend ihres Karnevalsbesuches in Hannover, sondern auch w¨ ahrend des Berlin-Besuchs der Kurf¨ urstin; z. B. N. 4, N. 22, N. 70); allerdings kann ¨ selbst die rangbewusste Kurf¨ urstin nicht umhin, die moderaten Außerungen der Gr¨afin zum Konflikt zwischen Berlin und Celle lobend zur Kenntnis zu nehmen (in N. 20).

3. England und Schottland Dieses Thema — insbesondere in seiner Relevanz f¨ ur das Haus Braunschweig-L¨ uneburg — nimmt in unserem Zeitraum breiten Raum ein in Leibniz’ Korrespondenz; in der mit dem hannoverschen Hofe, vor allem mit der Kurf¨ urstin und dem Abbate Guidi, aber auch dar¨ uber hinaus: mit Funktionstr¨ agern wie den Gesandten Sch¨ utz und Spanheim sowie einem inoffiziellen Informanten des braunschweig-l¨ uneburgischen Hofes in England, Falaiseau, und mit manchem der Reisenden von der Insel, die den hannoverschen (und den

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cellischen) Hof in diesem Jahr besuchen. Denn neben dem Sondergesandten der K¨onigin Anna aus Anlass ihrer Herrschafts¨ ubernahme, Finch earl of Winchilsea, der nach langen Verz¨ ogerungen (vgl. N. 133) im Februar 1703 in Hannover eintrifft, neben dem der Kurf¨ urstin freundschaftlich verbundenen englischen Gesandten in der T¨ urkei Paget, der zu Jahresbeginn einige Tage in Hannover verbringt, sind es Engl¨ander und vor allem Schotten, die scharenweise ihren pr¨ asumptiven Herrschern die Aufwartung machen (vgl. N. 131); mehrere von ihnen treten mit Leibniz auch in brieflichen Kontakt (Addison, Cunningham, Fountaine, Hutton, Ker of Roxburghe). Dass nicht nur die Sondergesandtschaft Winchilseas einen politischen Hintergrund hat, ist evident: das Thema Sukzession steht deutlich im Raum — in einem beziehungsreichen Abschiedswort Pagets (vgl. N. 94) ebenso wie in einigen Bemerkungen Cunninghams in N. 163, die auf das Reizthema (vgl. N. 219) eines eventuellen Besuchs des Kurprinzen Georg August in England anspielen d¨ urften. Auch lassen sich die meisten Besucher, so weit identifizierbar, bestimmten Lagern zuordnen: es handelt sich vor allem um Schotten (Cunningham, Ker of Roxburghe) oder einstige Parteig¨ anger Wilhelms III. (Addison, Hutton, Woodstock mit seinem Begleiter Fountaine). Einer dieser Reisenden, Alexander Cunningham, der Leibniz’ Empfehlungsbrief den Zugang zum kurf¨ urstlichen Hof verdankt, skizziert ein Bild der betagten F¨ urstin, das ihrem Esprit und ihrem Verstand Rechnung tr¨agt (und sie ,gef¨ uhlt‘ um 30 Jahre verj¨ ungt); er res¨ umiert: elle a toutes les belles qualiti´es que se puvent desir´e `a une Reine d’Angli” allt die Beurteilung etwas anders aus. W¨ahrend die Berichte terre‘‘ (N. 134). Umgekehrt f¨ der Dienerschaft und der Hofleute sich zumeist auf die Nennung der Personen und offiziellen Akte beschr¨ anken (sowie der Festlichkeiten in Hannover und Celle, an denen die G¨ aste teilgenommen haben), kommen aus deren eigenen Reihen und vor allem von der Kurf¨ urstin selbst Charakterisierungen, die nicht immer g¨ unstig sind. Grund daf¨ ur sind pers¨ onliche Eigenheiten, die die Spottlust Sophies reizen (vgl. z. B. N. 15 sowie die indirekte Kritik in N. 29), aber auch das Benehmen der jungen Besucher am Hof insgesamt, das ihren Landsleuten nicht immer angemessen erscheint (vgl. N. 143). Zudem zeichnen sich bereits jetzt Rivalit¨ aten ab (vgl. N. 163). Nahrung erhalten sie nicht zuletzt durch das Vakuum, das die schwere Erkrankung des langj¨ahrigen englischen Gesandten Cressett schafft, der, entgegen seinen W¨ unschen, den hannoverschen Hof im Laufe des Sommer verlassen muss; erst gegen Jahresende wird sein Nachfolger eintreffen. Cressetts Abschied wird zus¨ atzlich belastet durch ein protokollarisches Problem: das Ansinnen seiner Ehefrau nach einer eigenen Abschiedsaudienz, deren Ablehnung in einer englischen

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Gazette kommentiert wird. Leibniz bem¨ uht sich gegen¨ uber seinem Ansprechpartner in England, Pierre de Falaiseau, aufkommende Kritik an Hannover umzuleiten in ein gewisses Erstaunen u ¨ber die Pr¨ atentionen der Gesandtengattin, die weder lettres de creance ” ny caractere‘‘ habe und mit ihrer Forderung, wenngleich gest¨ utzt auf die Praxis am Hof zu Versailles, ein neues Reglement in Hannover eingef¨ uhrt h¨atte (vgl. N. 295). ¨ Uberhaupt ist das Verh¨ altnis zu England bei aller vorsichtigen — im Falle Kurf¨ urst uckhaltung Georg Ludwigs schon fast demonstrativ-desinteressierten (vgl. N. 94) — Zur¨ von einer gewissen Nervosit¨ at grundiert. So wird zu Jahresbeginn die Nachricht von Bestrebungen, Prinzgemahl Georg die K¨ onigsw¨ urde zu verleihen, aufmerksam registriert (vgl. N. 91). John Toland, in den Jahren zuvor gern gesehener Gespr¨achspartner der Kurf¨ urstin in Herrenhausen (vgl. I, 20 N. 467) und bekennender Anh¨anger der braunschweig-l¨ uneburgischen Sukzession, in England jedoch hoch umstritten, ist inzwischen (vgl. I, 20 Einleitung S. LII–LV) auch in Hannover persona non grata; die Kurf¨ urstin selbst weist ihren Kammerjunker an, einen an ihn gerichteten Brief des Philosophen ucht von einer erneuten Schwangerschaft der nicht zu beantworten (vgl. N. 32). Das Ger¨ K¨ onigin Anna wird am hannoverschen Hof mit Besorgnis kommentiert (N. 238). Vor allem in N. 295 scheint deutliches Misstrauen auf: Einstellungen m¨ ussen dementiert (z. B. jakobitische Neigungen der Kurf¨ urstin oder kritische Stimmen zur Herzogin von Marlborough) oder betont werden (z. B. die freundlichen Gef¨ uhle der Kurf¨ urstin gegen¨ uber der K¨ onigin, ihre Wertsch¨ atzung des Ehepaares Marlborough); und nicht nur hier wird die Gefahr einer Herrschaft des prince de Galles‘‘ beschworen. Bei aller Betonung der ” Zur¨ uckhaltung des hannoverschen Hofes bringt Leibniz deshalb, kaum verh¨ ullt, das bereits im Raum stehende, umstrittene Thema eines Englandbesuchs der Kurf¨ urstin ins Spiel ( mettre le point de la succession sur le pied le plus asseur´e qui fut possible‘‘) — ” als seinen eigenen, nicht mit der Kurf¨ urstin abgesprochenen Vorschlag. Der genannte Brief N. 296 richtet sich an Pierre de Falaiseau, Refugi´e in England, dessen Briefe in dieser Zeit Hauptquelle f¨ ur die englischen Verh¨altnisse f¨ ur die Kurf¨ urstin und Leibniz gleichermaßen gewesen sein d¨ urften. Denn dieser Briefwechsel findet zu dritt statt. Falaiseaus Briefe werden gegenseitig kommuniziert, an der Beantwortung auch der an die Kurf¨ urstin gerichteten Schreiben wirkt Leibniz gelegentlich mit. Der scheinbare Verlust eines Falaiseau-Briefes beim Transport von Hannover nach Berlin durch die Hof¨ dame der K¨ onigin Sophie Charlotte zieht dieser den Arger der Kurf¨ urstin zu (vgl. N. 22, N. 26 u. N. 193). Mehrfach betont Leibniz gegen¨ uber dem Korrespondenten, wie sehr des-

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sen Informationen gesch¨ atzt w¨ urden (vgl. N. 219, N. 259); dieser wiederum versichert: je ” vous renday les plus fraˆıches nouvelles de ce pais-cy‘‘ (N. 255). Neben konkreten Ereignissen (wie Parlamentsdebatten oder der Untermauerung eines Magnatenb¨ undnisses durch eine Eheverbindung) gibt Falaiseau (abgesehen von seinen Kommentaren auch zur Lage auf dem Festland) vor allem Stimmungen wieder. Aber er ist nicht nur Informant, sondern versucht auch, indirekt Einfluss auf Entscheidungstr¨ager auszu¨ uben. Hier d¨ urfte er wohl in Konflikt mit dem offiziellen braunschweig-l¨ uneburgischen Gesandten Sch¨ utz geraten sein; in N. 285 beklagt Falaiseau dessen airs froids‘‘. ” Mit Falaiseau und Sch¨ utz korrespondiert Leibniz gleichermaßen u ¨ber eine Entwicklung, die unter den insularen Korrespondenten mehr Aufregung auszul¨osen scheint als bei den eigentlich Betroffenen: die schottischen Unabh¨angigkeitsbestrebungen von der englischen Krone, die mit der Bill of Security‘‘ vom Sommer 1703 auch die hannoversche ” Sukzession dort in Frage stellen. W¨ ahrend von Seiten der Engl¨ander und Schotten, die noch kurz zuvor am Hof geweilt hatten, nun gegenseitige Verd¨achtigungen ausgesprochen werden (vgl. z. B. N. 333, N. 418), demonstriert Leibniz Desinteresse; eine im Auftrag der Kurf¨ urstin verfasste Antwort (N. 430) auf einen Bericht John Huttons enth¨alt ein deutliches Bekenntnis zur Zur¨ uckhaltung — und zum Ignorieren der Ger¨ uchte u ¨ber einzelne Personen. Allerdings gibt es durchaus Versuche der indirekten Einflussnahme: so werden u ¨ber John Ker of Roxburghe ge¨ außerte Verd¨achtigungen zwar beiseite geschoben mit einer Betonung seiner fortgesetzten Wertsch¨atzung am hannoverschen Hofe, doch nimmt Leibniz eine — scheinbar jetzt erst eingetroffene, tats¨achlich wohl bereits einige Zeit zur¨ uckliegende — B¨ uchersendung von ihm zum Anlass (in N. 339), nicht nur die schottischen Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaften zu betonen, nicht nur den Einsatz der Kurf¨ urstin f¨ ur den in der Bastille inhaftierten Landsmanns Roxburghes, Burnett, anzusprechen, sondern auch beil¨ aufig-indirekt zur Einigkeit zu mahnen.

4. Wolfenb¨ uttel und Celle Am 14. August quittiert Leibniz sein ihm seit Ostern von Wolfenb¨ utteler Seite zustehendes Gehalt von 200 Talern gegen¨ uber dem Kammerrat Johann Urban M¨ uller (vgl. ¨ N. 325 Uberl. u. Erl.). Bereits vom 1. Mai 1703 datiert eine Quittung von Leibniz’ Hand (Wolfenbu¨ttel Nieders¨ achs. Staatsarchiv 2 Alt 3989 Bl. 13) von 400 Talern biß auf ” Michaelis 1702‘‘ — deren Datum freilich Probleme bereitet: denn zu diesem Zeitpunkt d¨ urfte Leibniz sich noch in Berlin aufgehalten haben. M¨oglicherweise handelt es sich um

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einen bereits vorgefertigten Entwurf (wie er auch zu der Quittung vom 14. August existiert), vielleicht in Zusammenhang mit dem geplanten Osteraufenthalt (vgl. Kapitel 1) — oder um eine versehentliche Datierung auf Mai statt Juni. Denn um die Zeit befand sich Leibniz tats¨ achlich auf der R¨ uckreise; die Quittung w¨are ein Indiz daf¨ ur, dass er in Wolfenb¨ uttel Station gemacht hat. Ein weiterer Hinweis darauf k¨onnte eine Bemerkung gegen¨ uber Lorenz Hertel (in N. 47) wohl von Anfang Juli sein, die einen dernierement‘‘ ” zur¨ uckliegenden Aufenthalt in Braunschweig und Wolfenb¨ uttel vermuten l¨asst — sowie eine weitere gegen¨ uber Daniel Ernst Jablonski von Anfang Juli (in N. 279) u ¨ber eine Unterredung mit Herzog Anton Ulrich u ¨ber das brandenburgische Collegium Irenicum‘‘ ” (vgl. Kapitel 9). Auch der August-Aufenthalt l¨ asst sich zeitlich nicht genau fixieren. Die Abreise (zu der am 13. August beginnenden Braunschweiger Laurentiusmesse) muss zwischen dem 12. (vgl. N. 320 mit Erl.) und 14. stattgefunden haben; am 15. schickt Leibniz aus Braunschweig eine kurze Mitteilung an Eckhart (N. 58), die — als Nachtrag zu wohl m¨ undlich erteilten Auftr¨ agen — einen eben erst erfolgten Aufbruch vermuten l¨asst. Die Eckhart-Korrespondenz ist es, die weitere verl¨assliche Daten liefert, so mit N. 66 einen Anhaltspunkt daf¨ ur, dass Leibniz am 25. August noch nicht nach Hannover zur¨ uckgekehrt urstin Sophie zu stehen, explizit vom war. Im Widerspruch dazu scheint N. 67 an Kurf¨ 24. August und aus Hannover datiert; offensichtliche chronologische Ungereimtheiten lassen aber vermuten, dass dieses Schreiben, das die von der Kurf¨ urstin lang erwartete Kondolenz zum Kriegstod ihres Sohnes Christian enthielt, r¨ uckdatiert wurde. Weitere Briefe mit sicherer Datierung fehlen bis Anfang September (N. 334 vom 4. sowie N. 366, am 2. September begonnen); dass Leibniz aber bereits Ende August nach Hannover zur¨ uckgekehrt sein d¨ urfte, l¨ asst das Ausbleiben weiterer Briefe Eckharts vermuten, die zuvor, zwischen dem 17. und 25., in dichter Folge vorliegen. Was sich f¨ ur Anfang Juni nur erschließen l¨asst, steht f¨ ur August fest: Leibniz kann dem herzoglichen Br¨ uderpaar zu Wolfenb¨ uttel seine Aufwartung machen (vgl. N. 63). Die durch die Ereignisse vom Vorjahr trotz prinzipiellen Wohlwollens reduzierten Kontakte zu diesem Welfenhof (vgl. I, 20 Einleitung S. XXXV sowie I, 21 Einleitung) entwickeln sich langsam wieder in Richtung Normalit¨ at. Dem entsprechen — zumindest partiell — die politischen Rahmenbedingungen: das Jahr 1703 steht im Gesamthaus BraunschweigL¨ uneburg unter dem Zeichen der Vers¨ ohnung zwischen Hannover/Celle und Wolfenb¨ uttel (vgl. G. Schnath, Geschichte, 3, S. 381–392). Nach seit April 1702 gef¨ uhrten Verhandlungen, die Fragen der Rangordnung betrafen ebenso wie die von Hausrecht und Besitz,

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bringt der Celler Vergleich vom 22. April 1703 eine Einigung, einhergehend mit einer demonstrativen Auss¨ ohnung zwischen den Linien in Form von gegenseitigen Besuchen. Im Umfeld des hannoverschen Hofes bleibt dies nicht unkommentiert gegen¨ uber dem in Berlin weilenden Leibniz. Geradezu ger¨ uhrt schreibt Guidi Ende April u ¨ber das Treffen zwischen den H¨ ofen anl¨ asslich des Celler Vergleichs (in N. 229): La joie de toute la Prin” cipaut´e ` a Cell en se voyant apr`es 15 ans, a et´e inexplicable, comme aussi les marques de tendresse, et de satisfaction‘‘. Von den im Folgesatz erw¨ahnten Versprechen weiterer Besuche — Herzog Rudolf Augusts in Herrenhausen, des hannoverschen Hofes in Braunurstschweig — wird allerdings nur das erste eingel¨ost (vgl. N. 47); die hannoverschen F¨ lichkeiten (und ebenso der Celler Herzog) werden vergeblich auf der Laurentiusmesse erwartet, auch wenn sich ihr Besuch bereits in weiteren Kreisen als Tatsache herumgesprochen hatte (vgl. z. B. N. 297 u. N. 304). In welchem Maße, zeigt N. 300: wenn dieser Braunschweig-Aufenthalt zeitlich zu kollidieren scheint mit einem Besuch Joseph August Du Cros’ am hannoverschen Hofe, so kann in dessen Augen die schriftliche Genehmigung dazu, auch wenn sie vom Kammerpr¨ asidenten selbst kommt, nicht ganz ernst gemeint sein. Die entt¨ auschte Erwartung in Braunschweig/Wolfenb¨ uttel hat eine Entsprechung auf der Gegenseite: aufgrund der beharrlichen Weigerung Herzog Anton Ulrichs, sich seinem Bruder beim Vertragsabschluss oder dem Vers¨ohnungsbesuch in Herrenhausen anzuschließen; auch die diesbez¨ uglichen Bem¨ uhungen Kurf¨ urstin Sophies, bei denen Leibniz als Unterh¨ andler eingesetzt wird (vgl. Kapitel 2), fruchten nichts. Dass die innerwelfische Auss¨ ohnung von Seiten Wolfenb¨ uttels haupts¨achlich von Rudolf August getragen wird, spiegeln auch die Briefe unseres Bandes (z. B. N. 31). So wird dem Besuch Anton Ulrichs in Berlin/Oranienburg kurz vor dem Celler Vergleich eine — gegen Hannover und Celle gerichtete — Intention unterstellt, z. B. von K¨onigin Sophie Charlotte (vgl. N. 216). Frucht dieser Reise wird in der Tat ein Vertrag Anton Ulrichs mit dem preußischen K¨onig sein, der diesem ein Mitspracherecht bei der innerwelfischen Auss¨ohnung gew¨ahrt. Aber, wie Leibniz nach dem eigentlichen Vertragsabschluss zwischen den Linien (Burgdorfer Exekutionsrezess von 20. Juli 1703), die Abmachung zwischen Herzog und K¨onig rekapitulierend, feststellt: Cependant le trait´e de Burgdorf a est´e non seulement conclu, ” mais mˆeme execut´e‘‘ (N. 298). Die Auseinandersetzungen sind damit freilich noch nicht beendet; jetzt konzentrieren sie sich auf eine Detailfrage (Amt Campen), die Leibniz ausf¨ uhrlich gegen¨ uber der Kurf¨ urstin referiert (in N. 63).

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Kenntnis davon muss er vom hannoverschen Hof bezogen haben; seine eigenen brieflichen Kontakte nach Wolfenb¨ uttel sind in unserem Zeitraum sp¨arlich, beschr¨ankt auf den Legationsrat Lorenz Hertel, den Oberhofmeister der Ritterakademie Friedrich Hans von Walter und den Bibliothekssekret¨ ar Johann Thiele Reinerding. Die beiden mit Hertel gewechselten Briefe stehen in Zusammenhang mit dem Vers¨ohnungswerk: nicht direkt, sondern auf inoffizieller Ebene, u ¨ber den langj¨ahrigen Korrespondenten, versucht Leibniz, Herzog Anton Ulrich die Einladung der Kurf¨ urstin nach Herrenhausen zu vermitteln. Dass der Herzog als Mitleser dieser Botschaft gedacht ist, wird deutlich aus deren ,Verpackung‘; im Plauderton vorgebrachten Bemerkungen, die vor allem seine Interessen ansprechen, neben den Heilerfolgen Janullis Anton Ulrichs Roman Octavia und den Erbschaftsstreit seines von ihm protegierten jungen Verwandten, des Grafen Rantzau. Hertels Antwort enth¨alt zwar ein Kompliment des Herzogs f¨ ur die Kurf¨ urstin, jedoch verbunden mit einer Ablehnung der Einladung und seinen bitteren Klagen u ¨ber die hannoverschen ministres‘‘, die eher auf Dissens zwischen den Br¨ udern ” setzten als auf eine Einigung — und im u ¨brigen einen Hinweis auf einen weiteren literarischen Plan Anton Ulrichs, eine (nicht zur Ausf¨ uhrung kommende) Lebensbeschreibung seines Vorfahren Herzog Julius. Wolfenb¨ utteler Hofnachrichten liefern auch die Briefe Walters, die — bei allem Beiwerk an Novit¨ aten — vorrangig als Begleitschreiben zu von Leibniz beigelegten, weiter zu vermittelnden Briefen (insbesondere Drittst¨ ucken) zu sehen sind bzw. als Reaktion darauf. Eigene Interessen Walters spiegeln sich in seinen Berichten u ¨ber die Wolfenb¨ utteler Ritterakademie (N. 350, N. 358, N. 444), f¨ ur deren neu erlassenes Patent er sich Verbreitung in Leibniz’ Korrespondentenkreis erhofft (und erh¨alt); dessen (nicht gefundene) negative Antwort auf Walters Anfrage nach dem Wahrheitsgehalt eines Ger¨ uchts von der Errichtung eines Konkurrenzunternehmens in Hannover sorgt zudem f¨ ur Beruhigung bei dem Oberhofmeister. Die Bibliotheca Augusta spielt in unserem Zeitraum eine nur marginale Rolle. Leibniz tritt vor allem als Entleiher (mehr f¨ ur andere als f¨ ur sich selbst) in Erscheinung. Im Zusammenhang seines August-Aufenthalts wird er von Eckhart gebeten (in N. 64 bzw. N. 66), Literatur f¨ ur dessen cogitationes de Poloniae historia‘‘ in der Bibliothek zu ak” quirieren sowie Material f¨ ur eine Neuedition der Lex Salica; f¨ ur den hierzu erw¨ unschten Codex ist eine Entleihung durch Leibniz in den Wolfenb¨ utteler Ausleihb¨ uchern vermerkt, jedoch erst ein halbes Jahr sp¨ ater. Weitere Entleihungen in seinem Namen kommen (indirekt) Mitte Juli zur Sprache in N. 50, der Antwort Reinerdings auf einen nicht gefundenen

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Leibnizbrief, in dem er sich nach dem R¨ ucklauf von Entleihungen f¨ ur k¨ urzlich verstorbene Korrespondenten, Gerhard Meier und Andreas Morell, erkundigt haben muss. Reinerding (der bei dieser Gelegenheit auch den Verlust eines eingelegten Blattes bei einer einst von Leibniz get¨ atigten Entleihung vermerkt) kann in beiden F¨allen keine Entlastung verk¨ unden: von Morells Entleihungen ist noch nichts zur¨ uck gekommen, bei Meier fehlt eine Handschrift wor¨ uber aber nur des H. Ghbten Rahts Schein vorhanden ist‘‘, bei ” einer anderen zus¨ atzlich der Ausleihvermerk. Die Suche nach diesen (und weiteren bei Meier vermuteten) Handschriften durchzieht mehrere Korrespondenzen (Rhode, Pauli) und Briefe bis in den Herbst hinein. Schließlich erh¨alt der hannoversche Kammersekret¨ar Jobst Christoph Reiche, der eine aus Wien gekommene Anfrage nach dem Verbleib von Handschriften circa res Hungaricas in roth Samt gebunden, mit K¨onig Matthiae Corvini ” bildniß gezieret‘‘ (N. 55) an Leibniz weitergeleitet hatte, eine negative Auskunft nicht nur f¨ ur die Kurf¨ urstliche Bibliothek, sondern auch f¨ ur die Bibliotheca Augusta (N. 57); freilich ohne Erw¨ ahnung, dass sich unter deren Corvinen durchaus auch Handschriften de rebus ” Ungaricis‘‘ finden ließen. Dass der dritte Welfenhof in unserem Band eine gr¨oßere Rolle spielt, liegt nicht an Leibniz’ Korrespondenz selbst: die mit Celle gewechselten Briefe beschr¨anken sich auf ein Schreiben an Herzogin Eleonore mit der Bitte um Vermittlung eines Leibnizbriefes an den Dominikaner Levesius (vgl. Kapitel 9), ein weiteres an den cellischen Offizier Walthausen in Erf¨ ullung einer vom Hof der preußischen K¨onigin kommenden Bitte (vgl. Kapitel 14) sowie auf den — nur einseitig u ¨berlieferten — Briefwechsel mit Chilian Schrader, der sich wie u ¨blich auf Fragen zu historischem Quellenmaterial konzentriert (vgl. Kapitel ¨berlieferte Korrespondenz zu erschließen: Schrader 10). Aus N. 441 ist eine weitere, nicht u ¨ meldet hier die Ubermittlung eines Leibnizbriefs an den cellischen Kammersekret¨ar Georg Christoph von Bonn. St¨ arker pr¨ asent ist Celle als Objekt, insbesondere in den Briefen von Leibniz’ Dienerschaft und aus dem Umkreis des hannoverschen Hofes. Hier geht es um die Besuche zwischen den H¨ ofen (nicht nur, aber auch im Zuge der innerwelfischen Auss¨ohnung), Celles Attraktivit¨ at f¨ ur die englischen Hannover-Besucher (vgl. z. B. N. 22, N. 160), um den Celler Hof als politischen Akteur, insbesondere bei der Besetzung Hildesheims und dem sich daran entz¨ undenden Konflikt mit Berlin (vgl. Kapitel 2 u. Kapitel 7). Und schließlich gibt die angebliche Neigung der Herzogin Eleonore zum Katholizismus Kurf¨ urstin Sophie und Leibniz Gelegenheit zum Austausch scharfz¨ ungiger Bonmots (N. 32, N. 35).

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einleitung 5. Universit¨ at Helmstedt

Helmstedt rangiert in der Liste der Absendeorte an dritter Stelle, aber die Zahl der von dort datierenden Korrespondentenbriefe ist geringer als in fr¨ uheren Jahren. Dies betrifft insbesondere die sonst oft im Spitzenbereich zu findenden Briefwechsel mit den Theologen Johann Fabricius und Johann Andreas Schmidt. Nach dem starken R¨ uckgang im Vorjahr (vgl. I, 21 Einleitung) gewinnen sie erst allm¨ahlich wieder an Umfang; von der Frequenz her gesehen bewegen sie sich etwa im Mittelfeld unseres Bandes. Insgesamt steht die welfische Landesuniversit¨ at 1703 nur in der zweiten Reihe. Wohl weniger aufgrund von Leibniz’ noch im Vorjahr bef¨ urchteten schwindenden Einflussm¨oglichkeiten u ¨ber den Wolfenb¨ utteler Hof: das Direktorat u ¨ber die welfische Hausuniversit¨at liegt 1703 bei Hannover. Aber die Schlachten sind weitgehend geschlagen. Die Proteg´es sind f¨ urs erste versorgt (zu einer nur indirekt u ¨berlieferten aktuellen F¨ ursprache vgl. N. 390; zu Leibniz’ erneuter Interzession in einer bereits abgeschlossen geglaubten Angelegenheit vgl. unten); die Reunion zwischen Katholiken und Protestanten ist auf Eis gelegt und bedarf keiner Sch¨ utzenhilfe der Theologischen Fakult¨at; der innerprotestantische Unionsdialog wird derzeit von Berlin und ohne braunschweig-l¨ uneburgische Beteiligung moderiert (vgl. Kapitel 9). Leibniz kann seine beiden Getreuen in der Theologischen Fakult¨ at nach der R¨ uckkehr aus Berlin nur von der Einrichtung des Collegium Irenicum‘‘ ” in Kenntnis setzen (in N. 260 bzw. N. 261), mit der Aussicht auf Kommunikation der erzielten Beschl¨ usse. Eine (indirekte) Einbeziehung in den inzwischen ziemlich aus dem Ruder gelaufenen Dialog zeichnet sich jedoch erst gegen Ende unseres Berichtzeitraums ab. Da Fabricius (wie auf dem Umweg u ¨ber Daniel Ernst Jablonski zu erfahren war) derzeitig besch¨ aftigt ist mit einem großangelegten Werk zur Kontroverstheologie (vgl. alt Leibniz (der einige Monate zuvor, noch unter dem Eindruck der StagnaN. 222), h¨ tion beim Unionsdialog, eine vorzeitige Ver¨offentlichung zu reformierten Kontroversen vorgeschlagen hatte; vgl. N. 187) es nun f¨ ur besser, den Druck der bereits fertiggestellten, ihm im Manuskript vorliegenden Schrift zur¨ uckzustellen, ut nihil publicando spei ” undigung zu seinem decedat jam deploratae‘‘ (vgl. N. 261). In Fabricius’ n¨achster Ank¨ Kontroversenwerk (N. 288) bleiben Katholiken und Reformierte zun¨achst ausgespart; in die im Jahre 1704 erscheinende (und der Berliner Soziet¨at gewidmete) Ver¨offentlichung sind sie aber doch aufgenommen. Nicht unerw¨ahnt bleiben soll, dass Leibniz Fabricius’ kontroverstheologische Schriften zum Anlass nimmt, noch einmal seine Vorstellung von der Substanz Christi zu erl¨ autern (in N. 261).

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In Zusammenhang mit dem Berliner Unionsdialog steht ein weiteres kirchenpolitisches Thema, in das die Universit¨ at Helmstedt involviert ist: ein von den evangelischen Landst¨ anden des Herzogtums Magdeburg erbetenes Gutachten der Theologischen Fakult¨ at zum umstrittenen Arcanum regium, dessen Autorschaft (f¨alschlich) dem Magdeburger Lutheraner Winckler, einem der Teilnehmer am Collegium Irenicum‘‘, zugeschrie” ben wird (vgl. Kapitel 9). Leibniz, von Fabricius bereits im Juni mit N. 266 informiert, findet erst Ende Juli Zeit, sich mit der Schrift auseinanderzusetzen, dann aber sendet er Fabricius mit N. 294 eine in aller Eile mit Molanus verfasste Gegendarstellung in der Hoffnung auf Verurteilung der Schrift und des Autors durch die Helmstedter Theologen. Deren Stellungnahme ist freilich, wie Fabricius in N. 299 vermeldet, bereits verschickt ¨ und, trotz grunds¨ atzlicher Ubereinstimmung mit den Hannoveranern, doch sehr viel moderater ausgefallen, ne forte ei periculum crearetur‘‘. Leibniz kommentiert die Position ” der Helmstedter etwas malizi¨ os: Prudentiam vestram et moderationem agnosco: malu” istis alios dicere veritates ingratiores‘‘ (N. 312). Dass die Kritik bei Fabricius angekommen ist, zeigt seine Rechtfertigung zwei Monate sp¨ater (in N. 357) mit dem Verweis auf die Voten seiner Kollegen. In deren Kreis ist Fabricius wie u ¨blich in Konflikte involviert. Der bereits seit l¨angerem bestehende Dissens (vgl. I, 19 Einleitung S. XLV) zwischen ihm und dem Theologen Niemeier scheint wieder auf. Seit 1701 konkurrierten beide um die Professur f¨ ur Kontroverstheologie, auf die Fabricius als Calixt-Nachfolger Anspruch erhob (vgl. I, 20 N. 207). Niemeier, dessen Vorstoß zun¨ achst von der Fakult¨at abgewiesen worden war, muss sich an den hannoverschen Hof gewandt haben. In N. 357 berichtet Fabricius, ein kurf¨ urstliches Dekret habe dem Kollegen die kontroverstheologische, ihm selbst dagegen die alttestamentarische Professur zugewiesen. Fabricius f¨ ugt sich ins Unvermeidbare, mit nur d¨ urftig durch Bekundungen des Gehorsams gegen¨ uber dem Direktorat verschleiertem Unmut; in herabsetzenden Bemerkungen u ¨ber Niemeier findet dieser offen Ausdruck. Viel heikler ist eine andere Angelegenheit, bei der Fabricius Leibniz’ F¨ ursprache erbittet. Sie richtet sich gegen seinen engen Vertrauten, den collega aestimatissimus et ” dilectissimus‘‘ Schmidt, dem als Senior der Theologischen Fakult¨at eine gr¨oßere Gehaltszulage zukommt (vgl. N. 263). Trotz des Vorbehaltes fruatur, et suaviter fruatur isthoc ” beneficio‘‘ ist Fabricius der Meinung, eigentlich stehe diese ihm zu: auch hier als dem Nachfolger des fr¨ uheren Seniors Calixt, zudem als einem, der an seiner fr¨ uheren Universit¨ at Altdorf diesen Titel bereits jahrelang getragen und u ¨berhaupt wesentlich l¨anger Theologie gelehrt habe als der Kollege. Fabricius plant, sich in dieser Sache an die H¨ofe

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zu wenden und erbittet (erneut in N. 288) Leibniz’ Rat f¨ ur das Vorgehen sowie seine utzung F¨ ursprache beim hannoverschen Vizekanzler Hugo; mit N. 294 wird ihm Unterst¨ zugesagt. Die Korrespondenz mit Schmidt selbst ist vor allem vom gelehrten Austausch bestimmt: er erbittet und erh¨ alt Auskunft zu historisch-genealogischen Fragen (vgl. Kapitel 10), informiert Leibniz u ¨ber numismatische Neuerscheinungen, stellt den fruchtbaren Kontakt zu Jakob Friedrich Reimmann her (vgl. N. 424). Wie in fr¨ uheren B¨anden (vgl. z. B. I, 17 Einleitung S. XLI, I, 19 Einleitung S. LXXIII) kommt zudem gelegentlich seine Einbeziehung in die protestantischen Bestrebungen zur Kalenderverbesserung zur Sprache (vgl. N. 188 sowie Kapitel 11). Ließe sich Fabricius’ Verh¨ altnis zu Leibniz als das eines Klienten zu seinem Patron bezeichnen, so gilt dies noch mehr f¨ ur den Helmstedter Aristoteliker Cornelius Dietrich Koch. Sein kurzer Briefwechsel mit Leibniz handelt (neben ein paar Universit¨atsnachrichten und einem Einblick in seine wissenschaftlichen Vorhaben) vor allem von seinem munus‘‘, der ihm unter Leibniz’ F¨ ursprache zugesagten Professur f¨ ur Logik und Meta” physik (vgl. N. 115 und N. 250). Da es bei der tats¨achlichen Einsetzung zu einer Verz¨ogerung kommt (vgl. N. 372), scheint Leibniz Ende Oktober erneut am hannoverschen Hofe vorstellig geworden zu sein; wenig sp¨ ater kann Koch beteuern (N. 405): beneficii Tui in ” me [...] memor ero semper‘‘ — die Professur ist ihm sicher. Schließlich ist ein weiterer Helmstedter zu nennen, der offenbar zu Leibniz’ Klienten z¨ ahlte: Justus Christoph B¨ ohmer, Professor f¨ ur Moral und Beredsamkeit, der Anfang Mai (etwas verfr¨ uht) in panegyrischen Versen Leibniz’ R¨ uckkehr nach Hannover begr¨ ußt; dieser antwortet mit einem kleinen Wortspiel. 6. Reichsangelegenheiten und europ¨ aische Politik Kein anderes Thema ist so breit in unserem Band vertreten wie die Politik der europ¨ aischen M¨ achte. Dies liegt an den unruhigen Zeitl¨auften: fast ganz Europa ist einbezogen in die beiden großen Kriege, den Spanischen Erbfolgekrieg und den (Dritten) Nordischen Krieg; als kriegsf¨ uhrende Macht, als B¨ undnispartner, als Subsidiengeber oder als Kriegsschauplatz; die wenigen neutralen M¨achte (wie Portugal, Venedig) werden bedr¨ angt, sich einem der B¨ undnisse anzuschließen. Zudem sind die beiden H¨ ofe, an denen Leibniz sich in unserem Berichtszeitraum aufh¨ alt, in einen Konflikt verwickelt, der sich zwischen Hannover (an der Seite Celles) und Berlin zu Beginn des Jahres an Hildesheim entz¨ undet hatte. Die auf Unruhen

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in der B¨ urgerschaft folgende Besetzung der Bischofsstadt Mitte Januar durch Truppen Herzog Georg Wilhelms von Celle in seiner Funktion als Obrist des Nieders¨achsischen Reichskreises war in Berlin als Affront, als Bruch des vor kurzem erneuerten Ewigen ” B¨ undnisses‘‘ empfunden worden und hatte als Gegenreaktion im Februar die Besetzung der Reichsstadt Nordhausen durch brandenburgische Truppen hervorgebracht — und eine tiefgreifende Verstimmung zwischen Brandenburg und Braunschweig-L¨ uneburg. Leibniz erlebt diesen Konflikt nicht nur aus der N¨ahe, sondern zeigt sich in einem ¨ber den diplomatiBrief an K¨ onigin Sophie Charlotte (N. 142) auch wohl informiert u schen Notenwechsel zwischen Berlin und Celle; er ¨außert sich bedauernd dar¨ uber, dass les animosit´es entre les deux plus puissantes Maisons protestantes de l’Empire eclatent ” dans un temps o` u elles devoient estre le plus unies‘‘. Seine Sympathie scheint eher den heimischen H¨ ofen zu geh¨ oren: w¨ ahrend die Kritik an der Streitlust Friedrichs I. im eben genannten Brief nur durchscheint, kommt sie gegen¨ uber Kurf¨ urstin Sophie in N. 17 deutlich zum Ausdruck: Le Roy est si vif sur ces brouilleries‘‘ (sch¨arfer noch gegen¨ uber ” Falaiseau in N. 219: Sa Majest´e [...] n’attendoit que l’occasion favorable pour eclater‘‘); ” verbunden mit der Klage u ¨ber die eigene, schwierig gewordene Position in Berlin ( comme ” ma franchise fait que lors qu’on m’attaque au sujet des presentes brouilleries entre les deux maisons je ne puis m’empecher de justifier nos Cours o` u elles me paroissent avoir raison‘‘). In einer Nebenbemerkung bringt Leibniz hier einen Hinweis auf einen weiteren Streitpunkt an, der dem Groll Friedrichs I. u ¨berhaupt Grund und fortw¨ahrende Nahrung gegeben haben k¨ onnte: Grenzstreitigkeiten mit dem cellischen Premierminister Bernstorff um die Herrschaft Gartow. Es ist die Beilegung dieses schon lang andauernden Konfliktes (bei dem Herzog Georg Wilhelm sich zun¨achst demonstrativ hinter seinen serviteur‘‘ ” stellt; vgl. N. 20 u. N. 68) unter Mitwirkung der Kurf¨ urstin bei ihrem Berlin-Besuch im Sommer 1703 (vgl. Kapitel 2), die Leibniz gegen Ende des Jahres das Verh¨altnis zwischen den beiden bras‘‘ wieder hoffnungsvoller sehen l¨asst. ” Wenn auch nicht wie hier aus n¨ achster N¨ahe, ist Leibniz auch sonst aktiver, informierter Beobachter des europ¨ aischen Geschehens. So ist er einbezogen in die Korrespondenz zwischen der Kurf¨ urstin und ihrem englischen Informanten Falaiseau (vgl. Kapitel 3) — und vor allem in die politische Nachrichtenb¨orse, die von Abbate Guiseppe Guidi in ¨ Hannover unterhalten wird (vgl. dazu I, 21 Einleitung), als Rezipient und als Ubermittler von Nachrichten. Auch wenn es sich nur noch in Guidis Gegenbriefen spiegelt: Leibniz scheint ihm aus Berlin reichlich Informationen zu Sachsen bzw. Polen geliefert und eine tragende Rolle gespielt zu haben in diesem europaweiten System, das nach dem do-ut-

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des-Prinzip funktionierte und durch Ausbleiben von Nachrichten aus einem Territorium leicht insgesamt ins Wanken geraten konnte. F¨ ur Guidi scheint dieses Informationssystem von existentieller Bedeutung gewesen zu sein und seine Position am hannoverschen Hofe neu etabliert zu haben (gespiegelt in Bemerkungen u ¨ber die Weitergabe von Nachrichten an den Kurf¨ ursten in N. 381 und vor allem zu einer Gehaltserh¨ohung durch den Hof in ur die Zeit nach der Hannover-R¨ uckkehr erbittet er deshalb von Leibniz fr¨ uhzeiN. 376). F¨ tig die Stellung eines Ersatzmanns. Sie erweist sich als schwierig; mehrere Kandidaten kommen ins Spiel. Nachdem Eckhart (zur Zeit im Dienste General Flemmings am polnischen K¨ onigshof) und der polnisch-s¨ achsische Legationssekret¨ar in Berlin Wolthers sich nach anf¨ anglicher Bereitschaft zur Korrespondenz mit Guidi (und nach Entgegennahme von dessen eigenen Informationen) als nicht in der Lage oder nicht willens erweisen, f¨ ur eine regelm¨ aßige Berichterstattung zu sorgen, wird im Sommer des Jahres der kaiserliche Resident in Berlin, Arnold von Heems, rekrutiert. Ob mit Erfolg, bleibt uns zun¨achst verschlossen — mit Leibniz’ R¨ uckkehr nach Hannover versiegt die in den ersten Monaten des Jahres so reiche Korrespondenz mit Guidi weitgehend. Dessen Klagen in N. 317 lassen freilich vermuten, dass auch Heems nur unregelm¨aßig Nachrichten liefert. Guidis Briefe, deren Nachrichtenteil sich gelegentlich auch graphisch deutlich abhebt von den pers¨ onlichen Mitteilungen, liefern Informationen vor allem aus dem Reich, Westeuropa und Italien; eine F¨ ulle an Einzelheiten (vor allem geplante, im Gang befindliche, abgeschlossene oder gescheiterte Belagerungen, Truppenverst¨arkungen und -bewegungen, Vertragsverhandlungen und -abschl¨ usse), insbesondere zum Spanischen Erbfolgekrieg. Manche Hintergrundinformation dagegen kommt von einem anderen Korrespondenten: dem zur Zeit in s¨ achsischem Dienst stehenden General Matthias Johann von der Schulenburg, der als Chef von Subsidientruppen f¨ ur den Kaiser jetzt dessen Gener¨alen unterstellt ist. Seine Briefe geben nicht nur Details zu Truppenbewegungen und -begegnungen (insbesondere im bayrisch-schw¨ abischen Kriegsgebiet) wieder, sondern spiegeln auch das im Jahr 1703 allgemein empfundene L¨ ahmungsgef¨ uhl innerhalb der Großen Allianz, mit dem Vorw¨ urfe gegen¨ uber der Gleichg¨ ultigkeit und Unt¨atigkeit des Wiener Hofes einhergehen. Und gegen¨ uber der milit¨ arischen F¨ uhrung: fast alle Gener¨ale werden als unf¨ahig hingestellt. Unter den wenigen Ausnahmen sind vor allem Prinz Eugen von Savoyen und der Kommandant der Kreistruppen am Oberrhein, Markgraf Ludwig Wilhelm von BadenBaden — dessen positive Beurteilung u ¨brigens von Leibniz, entgegen der Einstellung des hannoverschen Hofes, geteilt wird (vgl. N. 298).

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Pessimismus findet sich nicht nur bei Schulenburg: allgemein wird die Lage der Großen Allianz in unserem Berichtszeitraum d¨ uster beurteilt. In erster Linie liegt das an dem im Vorjahr erfolgten Kriegseintritt Bayerns auf franz¨osischer Seite. Er zieht nicht nur drohende oder erfolgreiche Einnahmen von mehreren Reichsst¨adten des bayrischen Kreises nach sich (darunter auch dem Reichstagssitz Regensburg), sondern vor allem die Vereinigung der Truppen nach dem franz¨ osischen Schwarzwald-Durchbruch (Mai 1703) im Donau-Brenz-Gebiet. Sie f¨ uhrt dort zun¨achst zu einem Stellungskrieg, dessen Ausweitung in Richtung Wien aber jederzeit erwartet wird. Zudem werden die habsburgischen Lande gleichzeitig durch den immer mehr um sich greifenden Aufstand des siebenb¨ urgischen F¨ ursten Franz Rakocszi ersch¨ uttert, der große Teile Ungarns ergriffen hat. Zwar scheitert eine weitere Bedrohung, der Marsch nach Tirol des bayrischen Kurf¨ ursten Maximilian Emanuel im Juni/Juli 1703, am Widerstand der Tiroler Bauern, zwar halten sich die kaiserlichen Truppen mit gelegentlichen Siegen in Oberitalien, zwar behalten am Niederrhein die holl¨ andischen und englischen Truppen die Oberhand (eine Niederlage, bei Ekeren, wird Wassenaer angelastet; er erf¨ ahrt von Leibniz in N. 298 eine Verteidigung): insgesamt wird die Lage jedoch in den schw¨arzesten Farben gemalt, von Leibniz’ Korrespondenten (politischen oder milit¨ arischen Funktionstr¨agern wie Schulenburg, Spanheim, Wassenaer, aber auch einfachen Kommentatoren wie Pfeffinger) ebenso wie von ihm selbst. Nachdem bereits im Laufe des Jahres mehrere kleinere Schlachten und Gefechte im Reichsgebiet verloren gegangen waren, sorgt kurz vor dem Bezug der Winterquartiere die f¨ ur die Große Allianz verlustreiche Schlacht am Speyerbach (15. November) und die damit verbundene erneute Eroberung der Festung Landau durch franz¨osische Truppen noch einmal f¨ ur eine Verst¨ arkung des pessimistischen Grundgef¨ uhls. F¨ ur Hannover und Celle kommt als zus¨ atzliche Bedr¨ uckung hinzu, dass aus der Allianz Vorw¨ urfe wegen einer Mitschuld an dieser Niederlage aufgrund des versp¨ateten Eintreffens braunschweigl¨ uneburgischer Subsidientruppen laut werden. Der Unmut insbesondere in den Generalstaaten geht bis hin zur Infragestellung k¨ unftigen eigenen Engagements (vgl. N. 432) — eine Bef¨ urchtung, die die Kurf¨ urstin bereits im M¨arz aufgrund von englischen Informationen ge¨ außert hatte (vgl. N. 20), wird f¨ ur einen Moment konkreter. Leibniz, der gegen¨ uber dem braunschweig-l¨ uneburgischen Gesandten im Haag, Johann Caspar von Bothmer, feststellt je vois 100 personnes mal inform´ees sur ce chapitre, et prevenues ” contre nous‘‘ (N. 446), ist gegen¨ uber seinen Briefpartnern in England und Holland (Burnett, Falaiseau, Wassenaer) bem¨ uht, diese — in den Korrespondentenbriefen zum Teil nur schwach verschleierten (vgl. z. B. N. 400, N. 409) — Vorw¨ urfe zu entkr¨aften mit dem

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Hinweis auf unterschiedliche Interpretationen des Subsidienvertrages hinsichtlich des Einsatzgebietes der welfischen Hilfstruppen. Gegen¨ uber Bothmer bringt er, als Kolportage eines Ger¨ uchts, in diesem Zusammenhang ein schon l¨anger im Raum stehendes Thema zur Sprache, die nun auch dans l’Empire particulierement `a Francfort et `a Nuremberg‘‘ ” laut werdende Forderung nach einem milit¨arischen Oberkommando f¨ ur Kurf¨ urst Georg Ludwig, die bislang bei den Seem¨ achten auf taube Ohren gestoßen ist. Wohl k¨ undigt sich der Seitenwechsel Savoyens zur Großen Allianz an, jedoch unter der st¨ andigen Bedrohung durch eine franz¨osische Okkupation. Wie unsicher die Situation Anfang November auch hier ist, spiegeln die unterschiedlichen Ger¨ uchte wider, die Thomas Burnett aus Genf, d. h. aus n¨ achster N¨ahe, u ¨ber das Schicksal der kaiserlichen Hilfstruppen auf dem Weg ins Piemont kolportiert. Ein Lichtblick ist der lang erwartete, immer wieder in Frage gestellte (in unserem Band in verschiedenen Stadien reflektierte und kommentierte) Eintritt Portugals in die Große Allianz (Vertrag vom Mai 1703). Dieser St¨ utzpunkt auf der Iberischen Halbinsel erm¨oglicht es dem j¨ ungeren Sohn des Kaisers, Erzherzog Karl (dem sp¨ ateren Kaiser Karl VI.), in Richtung Spanien aufzubrechen, um den von seinem Haus beanspruchten K¨onigstitel zu sichern; nach der K¨onigsproklamation in Wien im September 1703 macht er sich auf den Weg dorthin, der, unter großer ¨ offentlicher Anteilnahme (vgl. N. 350), durch das Reich (und dabei auch durch die braunschweig-l¨ uneburgischen Lande, vgl. Kapitel 1) zun¨achst zu den Zentren der Seem¨ achte, nach Holland und England f¨ uhrt. Immer wieder gibt es Verz¨ ogerungen; noch gegen Jahresende wartet der laut N. 255 bereits f¨ ur den Sommer in England angesagte Erzherzog in Holland l¨angere Zeit auf ein Nachlassen der st¨ urmischen Winde (vgl. N. 429) f¨ ur die Fahrt u ¨ber den Kanal. Aber sobald sich der Zug auf die Iberische Halbinsel abzeichnet, wird der Kaisersohn als Hoffnungstr¨ ager gefeiert. Wenn Leibniz an den hannoverschen Gesandten in England, Ludwig Justus Sinold gen. von Sch¨ utz, Ende Juli schreibt Il y a lieu d’esperer que le Trait´e avec ” Portugal et le passage de l’Archiduc aura des grandes suites‘‘ (N. 52), so weiß er sich ¨ in Ubereinstimmung mit zahlreichen Korrespondenten (wie Falaiseau, Spanheim, Wassenaer, Pfeffinger), die sich zum Teil lang vor dem Antritt des Zuges oder auch nur der K¨ onigsproklamation im September in diesem Sinne ¨außern. Auch publizistisch tritt Leibniz f¨ ur die habsburgischen Rechte in Spanien ein, in einer anonymen Schrift Manifeste contenant les droits de Charles III. Roi d’Espagne ¨ (Druck in Reihe IV). Ahnlich wie bei der 1701 f¨ ur die Rechte des Kaiserhauses am spanischen Erbe verfassten Justice encourag´ee (vgl. I, 19 Einleitung S. LIV f.) sucht er auch

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hier nach allen Seiten sein Incognito zu wahren. Das Manuskript, das Jacob van Wassenaer nach Holland geschickt bekommt, wird in N. 420 ausgegeben als das Werk eines auteur‘‘, der grand sujet [...] de vouloir estre inconnu‘‘ habe; die Drucklegung soll ¨ahn” ” lich wie damals konspirativ in Holland erfolgen, nur der neue K¨onig und sein Hofmeister sollen eingeweiht werden. Allerdings enth¨ alt zumindest Leibniz’ Konzept seines ersten Briefes an Wassenaer in dieser Sache (N. 374), dessen Abfertigung das Manifeste beilag, ein Bekenntnis zu seiner Verfasserschaft. Wassenaer, wenngleich der Meinung [que] la ” piece soit telle, que vous pouri´es l’avouer sans rougir, au jugement des connoisseurs‘‘ (N. 400), verspricht Wahrung des Incognito. Leibniz’ weitere, zum Teil nachgeschobene ¨ bzw. modifizierte W¨ unsche (die bereits anfangs vorgeschlagene spanische Ubersetzung soll laut N. 420 zusammen mit dem franz¨ osischen Text in Frankreich und Holland gleichzeitig publiziert werden und dabei faire paroistre l’Espagnol comme le premier‘‘; bis zur ” Regelung solcher Details soll der Druck zur¨ uckgehalten werden) werden allerdings nicht ber¨ ucksichtigt; sie kommen zu sp¨ at, l’impression etant deja presques achev´ee‘‘ (N. 429). ” F¨ ur den anderen großen kriegerischen Konflikt, den Nordischen Krieg, der sich vor allem auf polnischem Boden abspielt (wenngleich die Republik erst im Laufe unseres Berichtsjahres Anstalten zum offiziellen Kriegseintritt macht; vgl. z. B. N. 280), hat Leibniz mit General Flemming, dem Favoriten Augusts II., einen zentralen Akteur, den Vertreter einer gegen die Auss¨ ohnung mit Schweden gerichteten Linie, als Korrespondenten. Tats¨ achlich scheinen seine Briefe von den polnischen Zust¨anden, dem Ringen um die k¨ onigliche Autorit¨ at nicht nur in der Frage der Weiterf¨ uhrung und Ausweitung des Krieges, ein Bild aus erster Hand zu geben. Aber ein durchaus einseitiges, wie die preußische K¨ onigin in N. 131 vermutet ( les afaires [...] du roy de Pologne dont [...] le comte Fleming ” veut bien disimuler le meauvais estat‘‘): so scheint die von Karl XII. geplante Absetzung Augusts II. nur in Briefen aus dem braunschweig-l¨ uneburgischen Umkreis auf. Milit¨arisches wie die Niederlage gegen die schwedischen Truppen bei Pultusk im April oder deren weiterer Vormarsch wird allenfalls am Rande angesprochen, wie zum Beispiel die schwedische Belagerung Thorns in N. 268. Konkreter sind hier die Informationen Eckharts, die er direkt aus Polen bezieht (N. 64), so zur großpolnischen Konf¨oderation unter F¨ uhrung des sp¨ ateren K¨ onigs Stanislaus Leszczynski oder zur Belagerung Danzigs. Im Zentrum von Flemmings Berichten steht seine Gegnerschaft zur innerpolnischen Opposition. Sie wird vor allem vertreten von Kardinalprimas Radziejowski, der mit Schweden und Frankreich korrespondiert, im Dezember 1702 eigenm¨achtig einen Reichstag einberufen hatte, einen p¨ apstlichen Abgesandten gegen den K¨onig mobilisiert, sich

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im Sommer 1703 schließlich der Solidarisierung des Reichstags zu Lublin mit dem K¨onig beugt und f¨ ur eine Zeit mit diesem vers¨ ohnt; ihm — d. h. der Darlegung einer fehlenden rechtlichen Grundlage dieser Eigenm¨ achtigkeiten des zeitweiligen Interrex — gelten lange Auslassungen zur polnischen Verfassung in N. 87. Wenn Flemming auf Weitergabe seiner Nachrichten an den Berliner Hof hofft, dann zurecht : in seiner Antwort (N. 109) schreibt Leibniz: Je me suis servi des raisons de la lettre de V. E. pour disposer avec ” un Ministre de cette Cour‘‘. Dieser Hof ist es auch, der den Rahmen f¨ ur den Kontakt zwischen Leibniz und Flemming bietet; im Februar/M¨arz kommt es gelegentlich auch zu pers¨ onlichen Begegnungen (vgl. Kapitel 8). Der General h¨alt sich 1703 mehrmals u ¨ber l¨ angere Zeit in Berlin auf, in der Hoffnung, K¨onig Friedrich I. zu einem B¨ undnis mit seinem Herrn zu bewegen. Tats¨ achlich schließt sich Berlin der Gegenseite an; das langsame Zustandekommen des schwedisch-preußischen B¨ undnisses (Vertrag vom 29. Juli) spiegelt sich ebenso in unserem Band wie Spekulationen u ¨ber dessen eventuelle Geheimartikel hinsichtlich einer Verteilung polnischer Territorien. In die Flemming-Korrespondenz eingegangen sind weitere Politika: zum einen die Aff¨ are um den franz¨ osischen Gesandten am polnischen K¨onigshof, Du Heron, der, im November 1702 zur persona non grata erkl¨art, festgesetzt und erst nach Monaten außer Landes verbracht wurde. Leibniz holt f¨ ur seinen einstigen Korrespondenten eine Garantie des Berliner Hofes f¨ ur die Bef¨ orderung von Du Herons Gep¨ack ein (vgl. N. 214). Zum anderen ist es die Inhaftierung des s¨achsischen Großkanzlers Beichlingen auf dem K¨ onigstein, zusammen mit seinen Br¨ udern und anderen Personen seines Umfeldes. Flemming meldet dieses Ereignis vom 10. April zwei Tage sp¨ater an Leibniz (mit N. 215) als etwas, was ihn v¨ ollig u ¨berrascht habe; tats¨achlich wird damit einer seiner haupts¨achlichen Kontrahenten auf Jahre ausgeschaltet. Leibniz gibt diese hochkar¨atige Neuigkeit sogleich (mit N. 38) an Kurf¨ urstin Sophie weiter (und setzt dagegen das lobenswerte Beispiel der Herz¨ oge von Braunschweig-L¨ uneburg qui n’ont point eu besoin de disgracier ” leurs Ministres principaux‘‘ seit u ¨ber 30 Jahren). Spekulationen u ¨ber die Gr¨ unde dieses Sturzes und Beichlingens weiteres Geschick durchziehen seine Korrespondenzen (Sophie, Sophie Charlotte, Schulenburg); im Herbst, nach Er¨offnung eines Prozesses, flammen sie wieder auf. Schließlich lautet die Anklage zwar auf Unterschlagung k¨oniglicher Briefschaften und Geheimverhandlungen mit Schweden, also Verrat — aber der Hauptvorwurf gilt spiritistischen Interessen (vgl. dazu bereits N. 37). In Leibniz’ Reaktion auf diese Information K¨ onigin Sophie Charlottes (in N. 392) liest man das Kopfsch¨ utteln mit: S’il n’y a ”

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rien ` a dire contre la conduite de M. le Comte de Beuchling que d’avoir eu communication avec les esprits il est innocent sans doute‘‘ (N. 396). Schließlich ist von den Geschehnissen des Jahres 1703 noch eines zu nennen, nicht eigentlich politischer Natur, aber von ebenso großer Auswirkung, das zu Beginn des Jahres vor allem die aus Italien stammenden Korrespondenten (Guidi, Mauro) bewegt: das große Erdbeben, das die Halbinsel Ende Januar/Anfang Februar heimsucht, mit mehreren Nachbeben und schweren Zerst¨ orungen (L’Aquila), auch in Rom. Insbesondere Guidi zeigt sich hier beeindruckt von dem — eigentlich als foible de corps, et d’esprit‘‘ ” utterung im Gebet (N. 238) geltenden — Papst, der unerschrocken mitten in der Ersch¨ verharrt, malgr´e la resistence des Cardinaux, qui craignoient que l’admirable Cupola de ” cette Eglise [St. Peter], qui a souffert beaucoup, ne les ensevelissent‘‘ (N. 146).

7. Berlin F¨ ur die zweite Januarh¨ alfte 1703 hatte Leibniz seine R¨ uckkehr nach Hannover geplant; im Gefolge der K¨ onigin, die nach den Feiern zum Jahrestag der preußischen K¨onigskr¨onung am 20. Januar auf die Fahrt an den hannoverschen Hof gehen will, um dort an den Festlichkeiten des Karnevals teilzunehmen. Vor seiner Abreise freilich m¨ochte er den Weg geebnet wissen f¨ ur das Vorhaben, f¨ ur das er seit Dezember 1702 am Berliner Hof wirbt, die einf¨ uhrung der Seidenzielung‘‘ im Hohenzollernreich als Monopol der Soziet¨at der ” Wissenschaften. Die Ertr¨ age aus der Seidenkultur sollen deren Eink¨ unfte aufbessern, die bislang nur in bescheidenen Einnahmen aus dem privilegierten Kalenderverkauf bestehen, und zur Verwirklichung der Vision verhelfen, die Leibniz gegen¨ uber dem Minister Heinrich R¨ udiger von Ilgen entwirft: Le but de la Societ´e estant de travailler `a la per” fection des arts et sciences par des experiences et observations, faire venir des Excellents hommes, avoir un Laboratoire de chymie et un autre de Mecanique, aussi bien qu’un observatoire, un theatre de la nature et de l’art o` u soyent les modelles ou les exemplaires memes de toutes sortes de belles inventions, et l’arrangement des trois regnes de la nature; ce qui pourra servir ` a damer le pion aux Societ´es Royales de France, d’Angleterre‘‘ (N. 118). Bevor aber von Rang-Ablaufen die Rede sein kann, m¨ ussen die Voraussetzungen f¨ ur fruchtbares Arbeiten geschaffen werden. Die Bitte an Ilgen um Unterst¨ utzung (N. 83) und eine Eingabe an den K¨ onig (N. 84) f¨ uhren offenbar zu einer Audienz, in der Friedrich I. Leibniz’ Vorstellungen positiv aufnimmt. Dieser m¨ochte die vom K¨onig zu

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gew¨ ahrende Genehmigung zum Aufbau der Seidenkultur in seinem Land durch die Soziet¨ at sous la protection et ordres de la Reine‘‘ gestellt wissen, puisque la matiere revient ” ” si bien ` a cette grande princesse‘‘ (N. 83). Dass er am 8. Januar eine Vollmacht der K¨onigin entwirft, in der diese ihm die Einf¨ uhrung der Seidenzielung‘‘ zugunsten der Soziet¨at ” auftr¨ agt (vgl. N. 83 Erl.), setzt die Erteilung des k¨oniglichen Placet voraus. Acht Tage sp¨ ater bestellt er u ¨ber die Gesch¨ aftsverbindungen der Bankiers Christoph Troschel und Johann Fraundorff Maulbeersamen und von dem Seiden Wurm Saamen‘‘ (N. 102); auf ” die gew¨ unschte Lieferung im April k¨ onnen sich die Beauftragten aber wegen der Krieges ” Unruhe in Italien‘‘ nicht festlegen. F¨ ur das weitere Vorgehen und vermutlich auch um der Einbindung der Administration in das Projekt willen hat Leibniz die Beauftragung der Staatsminister Ilgen und Fuchs als Kommissare angeregt; der leitende Minister Johann Casimir Kolbe von Wartenberg hat zudem den Kameralisten Luben von Wulffe benannt (vgl. N. 101). Quand la commission sera eman´ee, l’affaire de la soye, ira bien ” encor en mon absence‘‘ (N. 95) — doch kann Leibniz weder durch eine Erkundigung bei Johann Jacob Julius Chuno (vgl. N. 97 Erl.) noch durch Nachfragen bei Kolbe von Wartenberg (N. 101) erfahren, dass die Anregung umgesetzt worden sei. Schon vor der Monatsmitte hat er sich unter Hinweis auf H¨ uft- und Beinprobleme mit der Bitte um eine eigene Fahrgelegenheit f¨ ur einen beschleunigten Aufbruch an den Oberhofmeister der K¨ onigin, Dietrich Wilhelm von B¨ ulow, und ihre Hofdame Henriette Charlotte von P¨ ollnitz gewandt. Doch l¨ asst er einen vorgezogenen Abreisetermin ebenso verstreichen wie den Aufbruch der K¨ onigin und benutzt danach auch nicht mehr den Paß auf frey ” Vorspann‘‘ vom 20. Januar (vgl. N. 112 Erl.). Er begr¨ undet sein Zur¨ uckbleiben mit seinem Gesundheitszustand; der Eindruck ist jedoch nicht abzuweisen, dass ihm eine M¨oglichkeit zur Verschiebung seines Aufbruchs gelegen kam (vgl. Kapitel 1). Dass er seine Abreise wegen des Seidenprojekts verschoben habe, spricht Leibniz gegen¨ uber Kolbe von Wartenberg und Requetenmeister Hamrath aus (vgl. N. 101, N. 124). ¨ Uber Kolbe von Wartenberg sucht er zu bewirken, dass k¨onigliche L¨andereien, auf denen — wie etwa in K¨ openick — bereits weiße Maulbeerb¨aume wachsen, zur Verf¨ ugung gestellt werden (vgl. N. 101). F¨ ur ein Gespr¨ ach mit Friedrich von Hamrath nimmt er eine Fahrt nach Potsdam auf sich (vgl. N. 129); ihm legt er dar, dass die Einf¨ uhrung der Seidenkultur ¨ letztlich weder den K¨ onig noch die Offentlichkeit etwas kosten solle, sondern ce moyen ” seroit pris de l’affaire mˆeme‘‘ (N. 124); dabei denkt er, wie eine sp¨atere Eingabe zeigt, an eine k¨ unftige Pachtgeb¨ uhr, l’Erbzins ou Canon annuel‘‘ (N. 240). Konkrete Ergebnisse ” erzielt er nicht. Friedrich I. l¨ asst ihm — m¨oglicherweise auch vor dem Hintergrund der

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hoheitsrechtlichen Krise um Hildesheim und Nordhausen, die seit Januar die Beziehungen zwischen Brandenburg und Hannover sowie Celle belastet — Anfang Februar mitteilen, er halte die Saison f¨ ur zu weit fortgeschritten und wolle alles auf das n¨achste Jahr verschieben, Leibniz k¨ onne abreisen (vgl. N. 129). Dieser aber bleibt weiterhin, auch wenn ihn bis zu seinem tats¨ achlichen Aufbruch Ende Mai die Bef¨ urchtung nicht losl¨asst, sein langer Aufenthalt in Berlin erwecke in Hannover Misstrauen (vgl. Kapitel 1) — was wie begr¨ undet erscheint angesichts von Briefaufschriften, in denen er nurmehr als Conseilier ” de Roy de Prusse‘‘ (N. 134, N. 143) tituliert wird. Durch Vermittlung Kolbes von Wartenberg hat er von einem Seidenfabrikanten erfahren, den er plus solide‘‘ als erhofft findet (vgl. N. 118, N. 124). F¨ ur die Anpflanzung ” und Pflege von Maulbeerb¨ aumen macht er sich die Verbindung zu dem Woll- und Seidenarbeiter Johann Heinrich Otto zunutze, mit dem er auch Pl¨ane zur Einf¨ uhrung der Seidenkultur in Sachsen schmiedet (vgl. Kapitel 8); undeutlich bleibt freilich, wie er sich die Umsetzung dieser weitgehend zeitparallel angestoßenen Projekte vorstellt. Anfang Mai unternimmt er einen neuen Vorstoß hin auf Gew¨ahrung eines Privilegs u ¨ber die Seidenkultur f¨ ur die Soziet¨ at; er verfasst eine Eingabe an den K¨onig in Form eines Briefes an die K¨ onigin und bittet diese um bef¨ urwortende Weiterleitung. In seinen Ausf¨ uhrungen fließen Argumente zusammen, die er zu Jahresbeginn Kolbe von Wartenberg, Ilgen und Hamrath vorgetragen hat (vgl. N. 101, N. 118, N. 124): er hebt ab auf die durch das Seidenprojekt steigerbare Leistungsf¨ahigkeit und Strahlkraft der Soziet¨at und verkn¨ upft sie mit der Gloire des K¨ onigs; die erbetene Privilegierung und Ausstattung mit L¨ andereien pr¨ asentiert er als kostenneutralen Gunsterweis (vgl. N. 239, N. 240). Als er Ende Mai die Heimreise wirklich antritt, hat er erfahren, que le Roy estoit dispos´e `a ” favoriser la Societ´e, la Reine en ayant parl´e efficacement‘‘ (N. 309). Danach ist es insbesondere Chuno, der die Er¨orterungen mit Otto fortsetzt und konkrete finanzielle Aussagen herbeizuf¨ uhren sucht; doch Otto legt das verlangte Angebot nicht vor (vgl. N. 326), f¨ ur den Bandzeitraum verschwindet er aus dem Bild. Bei den Konzilsmitgliedern kommt Reserve auf gegen¨ uber der Verkn¨ upfung des Seidenprojekts mit der Soziet¨ at: nach Beratungen mit den Br¨ udern Jablonski teilt Chuno Leibniz die einhellige Auffassung der Drei mit, Organisation, Aufsicht und Durchf¨ uhrung des Vorhabens k¨ onnten die dabei engagierten Soziet¨ atsmitglieder in mehrfacher Hinsicht u ¨berfordern oder auch blamieren und seien der Soziet¨at als Wissenschaftseinrichtung nicht angemessen; Leibniz als Initiator des Projekts m¨oge es f¨ ur sich pers¨onlich betreiben und solle darin weiter unterst¨ utzt werden (vgl. N. 326). Leibniz’ Reaktion auf diese distanzierende,

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wenngleich wohl realistische Haltung ist nicht bekannt. Sp¨atere Hinweise der beiden Jablonski auf Fachleute f¨ ur Seidenzucht‘‘ in der ¨ortlichen Hugenottengemeinde (vgl. N. 385, ” N. 410) stehen vermutlich in Einklang mit der von Chuno skizzierten Haltung. Auf die Besch¨ aftigung des Pr¨ asidenten der Soziet¨at mit deren Tagesaufgaben und -problemen w¨ ahrend seines Aufenthalts in Berlin f¨allt aus der u ¨berlieferten Korrespondenz wenig Licht. Chuno sorgt sich am Jahresanfang u ¨ber den schleppenden Verlauf der Arbeiten des Astronomen Kirch f¨ ur die Kalendererstellung, die Voraussetzung f¨ ur Ein¨ber dessen z¨ogerliche nahmen der Soziet¨ at aus dem Kalenderprivileg (N. 97) ist, und u Berechnung des Ostertermins f¨ ur 1704. In der zweiten Jahresh¨alfte wird Kirch von Leibniz und Chuno zur Aufnahme des Briefwechsels mit dem d¨anischen Astronomen Rømer angespornt, verbunden mit der Mahnung, nicht d’une maniere seche, mais d’une fa¸con ” bien obligeante, et propre ` a l’engager ` a une plus ample communication‘‘ zu formulieren ur das n¨achste Jahr wird aber termingerecht (N. 310). Kirchs astronomischer Kalender f¨ fertig (N. 326) und enth¨ alt auf Leibniz’ Anregung hin auch eine gr¨ undliche Rechenschaft ” u ¨ber die von Ihm angesetzte Oster zeit‘‘ (N. 305), die am Platze ist, da das Fest 1704 je nach angewendeter Berechnungsmethode auf einen anderen Termin f¨allt. Ihrem Abschluss n¨ ahern sich auch die auf Anregungen von Leibniz von 1701 (vgl. I, 19 N. 268 und I, 20 N. 220) zur¨ uckgehenden Vorarbeiten f¨ ur einen Staatskalender, der 1704 erstmals als Adreß-Kalender der K¨ oniglich Preußischen Haupt- und Residenzst¨ adte erscheint (vgl. urstenhaus, Hofgesellschaft, Milit¨ar und Administration auch zahlN. 385) und neben F¨ reiche Berufsgruppen ber¨ ucksichtigt. Leibniz’ Anregung an Hamrath, am Hof m¨oge ein Journal gef¨ uhrt werden, aus dem Material gewonnen werden k¨onnte f¨ ur einen Hofkalender nach Muster des Wiener Hofes (vgl. N. 247), steht wohl im Kontext der Suche nach Erschließung weiterer Eink¨ unfte aus dem Kalendermonopol. Nicht zu erkennen ist, ob oder in welchem Maße Leibniz beteiligt ist bei der Aufnahme von drei neuen Mitgliedern im April, deren Namen ihm mehr als ein halbes Jahr sp¨ ater mit N. 386 u ¨bermittelt werden; u ¨ber Aufnahmebeschl¨ usse durch das Konzil in der zweiten Jahresh¨ alfte und die — auch ablehnende — Reaktion der Benannten wird er unterrichtet (vgl. N. 341, N. 385). Einfluss auf die Zusammensetzung der Mitgliedschaft nimmt er mittelbar durch Abweisung des von Henning Huthmann an ihn herangetragenen Wunsches nach Aufnahme in die Soziet¨at sowie finanzieller Unterst¨ utzung (vgl. N. 117, N. 271) und durch mutmaßliches Nichteingehen auf Johann Gr¨onings erneute Selbstempfehlung (in N. 426).

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Von Hannover aus erkundigt Leibniz sich nach den langwierigen Bauarbeiten am Marstall: die Soziet¨ at soll darin Raum insbesondere f¨ ur ein Observatorium erhalten (N. 309); er erf¨ ahrt von den Schwierigkeiten der Zuordnung von R¨aumlichkeiten und von Details der Gestaltung, u ¨ber die man sich mit Stallmeister von Bauer auseinanderzusetzen hat (vgl. N. 326). Am Jahresende sind nach Daniel Ernst Jablonskis Bericht die Arbeiten so weit fortgeschritten, dass das Observatorium nunmehro inwendig ” ausgebauet wird‘‘ (N. 410). Tagesangelegenheiten der Soziet¨at sind ansonsten aus dem Briefwechsel mit Hofprediger Jablonski weitestgehend ausgeklammert. Dessen zentrales Thema sind die unter der Chiffre Irenica‘‘ zusammengefassten Bem¨ uhungen um die in” nerprotestantische Ann¨ aherung, f¨ ur die sie sich im Auftrag ihrer F¨ ursten seit Jahren in engem Austausch eingesetzt haben (vgl. Kapitel 9). Im Sommer geht an den hannoverschen Residenten in Berlin Johann Wilhelm Heusch Leibniz’ Bitte um Begleichung der Kosten f¨ ur zwei Gef¨aße des f¨ ur den Berliner Hof arbeitenden Lackk¨ unstlers Dagly, die er — vermutlich bei einem Besuch in dessen Werkstatt — mitgenommen hatte (vgl. N. 280); sie belegt Bekanntschaft mit dem auch chemische Untersuchungen anstellenden K¨ unstler lange vor der 1707 einsetzenden Korrespondenz. An K¨ onig Friedrichs Neigung zu den rechtschaffenen Studien nach des großen Alex” andri Beispiel [zur] Beforderung der Naturwißenschafft‘‘ appellierend wendet Leibniz sich im August erneut an den Berliner Hof und erbittet (mit Erfolg) f¨ ur eine in England vorbereitete, reich illustrierte Caesar-Ausgabe (die 1712 unter Herausgeberschaft Samuel Clarkes erscheinen wird) die Abbildung eines Auerochsen und zus¨atzliche Ausk¨ unfte (N. 320, vgl. N. 331). Bereits im Fr¨ uhjahr, nach Sophie Charlottes R¨ uckkehr vom Karneval in Hannover, tritt Korrespondenz an die Stelle pers¨ onlichen Aufwartens, wenn Leibniz’ Beinbeschwerden ihn wiederholt davon abhalten, die K¨ onigin in Berlin oder Lietzenburg aufzusuchen und etwa zu den philosophisch-theologischen Diskussionen beizutragen, die sie sch¨atzt. Seine physische Beeintr¨ achtigung ne va pas jusqu’`a l’esprit‘‘ (N. 167), hindert ihn also ” nicht daran, in seinem Quartier beim Wirt Vincent zur Feder zu greifen. Vielleicht tr¨agt er bei solcher Schreibt¨ atigkeit zuweilen the night gown‘‘, das ihm als service to the ” ” Republick of Letters in taking care of your health‘‘ der ihm seit 1701 bekannte Fountaine geschenkt hat (N. 179), der am Ende seiner Europareise vor dem Besuch in Hannover ebenso in Berlin Station macht wie die dann von Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie empfohlenen neuen Korrespondenten Addison und Cunningham. Leibniz notiert Gedanken sur la ” libert´e et le destin‘‘, die er mit Fran¸cois d’Ausson de Villarnoux, Stallmeister der K¨oni-

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gin und Mitgast in seinem Hotel, und sp¨ ater am Hof der K¨onigin mit den reformierten Hofgeistlichen Lenfant und Beausobre diskutiert (vgl. Kapitel 12). In die Diskussionen vor der K¨ onigin wird auch Pater Vota einbezogen, der sich als Abgesandter des polnischen K¨ onigs in Berlin aufh¨alt. Der betagte Jesuit — von dessen Spannkraft und geistigen F¨ ahigkeiten alle beeindruckt sind, die ihm begegnen — disputiert wiederholt mit den drei reformierten Predigern u ¨ber Kontroversthemen wie Autorit¨ at der Konzilien oder Kirchenv¨ ater. Dabei gehen die Wogen gelegentlich so hoch, dass die Diskutanten ont pens´e se prendre au collet‘‘ (N. 28). Leibniz erf¨ahrt davon ” durch Sophie Charlottes Hofdame Henriette Charlotte von P¨ollnitz (vgl. N. 184) in dem sp¨ ottischen Ton, in dem sie ihm oft schreibt; der Kurf¨ urstin berichtet er von dem Vorfall als einem Vergn¨ ugen, das auch Mutter und Bruder der K¨onigin erfreut h¨atte (N. 28). Vota freilich ist nachhaltig ver¨ argert (vgl. Kapitel 8). Die von Kardinal Medici als Protektor des Servitenordens erhobene Forderung nach R¨ uckkehr von Sophie Charlottes Hofmusiker Ariosti, einem freigestellten Angeh¨origen dieses Ordens, in sein Kloster — wohl durch die Intrige eines anderen Mitglieds ihrer ¨ber verschiedene Kan¨ale lanciert und erHofkapelle verursacht (vgl. N. 31) — wird u reicht u ¨ber den aus Hannover an den pfalz-neuburgischen Hof in D¨ usseldorf wechselnden Abbate Steffani auch den Welfenhof. In die dadurch ausgel¨oste Flut von Korrespondenzen wird im M¨ arz Leibniz einbezogen. Er sieht sich in der Situation, Sophie Charlotte auf Wunsch ihrer hannover-cellischen Verwandtschaft zur Trennung von dem vielseitigen Musiker bewegen zu sollen (vgl. N. 29 sowie Kapitel 2), auf dessen Dienste sie nicht verzichten will. Leibniz soll daf¨ ur die Begr¨ undung liefern: car j’[...] ay besoin [d’Ariosti] ” et je vous laise ` a en doner des bones raisons o` u il n’a y rien `a repliquer‘‘ (N. 192). Er schl¨ agt sich auf die Seite der K¨ onigin, darf aber die Kurf¨ urstin nicht br¨ uskieren. In dem von Sophie Charlotte gew¨ unschten und ihr vor der Besiegelung vorgelegten, im Einvernehmen mit Ariosti verfassten Brief N. 30, der auf Zeitgewinn und Beschwichtigung zielt (vgl. N. 197), er¨ ortert er die an die K¨ onigin gerichtete Forderung, ohne dabei dem von Hannover aus deutlich formulierten Verlangen zu entsprechen. Gleichzeitig bem¨ uht er sich mit Billigung der K¨ onigin, u ¨ber andere Verbindungen — seine zu diesem Zwecke wiederbelebte Korrespondenz mit dem Florentiner Lorenzo Magalotti (vgl. N. 226) und Bartolomeo Ortensio Mauros Kontakte zu Steffani (vgl. N. 196) — den Kardinal zum Einlenken bewegen zu lassen. L¨ anger als einige weitere Monate kann die K¨onigin Ariosti jedoch nicht halten.

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Auf Sophie Charlottes philosophisches Interesse zielende Mitteilungen der Korrespondenz der zweiten Jahresh¨ alfte beleuchten die Genese einiger von Leibniz’ philosophischen Arbeiten, seine Mitteilungen zu John Locke regen die K¨onigin zur Lekt¨ ure von dessen Essay concerning Human Understanding an (vgl. Kapitel 11). Im Unterschied zu dieser ernsthaften Auseinandersetzung stehen Leibniz’ Berichte u ¨ber die antifranz¨osische Gesinnung des Philosophen Gabriel Wagner (N. 307, N. 308) im Dienste der Unterhaltung der Lietzenburger Gesellschaft. ¨ Wenn Leibniz in Brief N. 142 an die K¨onigin eine Außerung zur gemeinsamen Anwesenheit von Tochter und Mutter am hannoverschen Hof abwandelt zu einer Aussage allein u ¨ber Sophie Charlotte, so mag er mit seiner Korrektur auf deren Erwartung R¨ ucksicht nehmen, eine Huldigung nicht zu teilen. In seiner Mitteilung zu Burnett of Kemneys Entlassung aus der Haft in der Bastille kondensiert er die dazu von der K¨onigin und zahlreichen weiteren Personen betriebenen diplomatischen Bem¨ uhungen um die Freilassung (vgl. N. 412) zu einem Vorgehen par V. M. principalement‘‘ und schließt die Bemer” kung an: Cet honneur vaut bien un an et demi de bastille‘‘ (N. 418). Sophie Charlotte ” aber kleidet im Herbst ihre Wertsch¨ atzung f¨ ur den fernen Leibniz in die selbstironische Bef¨ urchtung que vous m’oubliez Monsieur [...] Vous voyez qu’il y a un peu de jalousie ” en moy‘‘ (N. 392) und l¨ adt ihn erneut nach Berlin ein.

8. Sachsen — Polen Wie schon im Vorjahr ist Kursachsen/Polen ins Zentrum von Leibniz’ Interesse ger¨ uckt. Es gilt nicht nur den politischen Nachrichten, die ihm in reichem Maße aus diesen Landen zukommen — u ¨ber Flemming und Schulenburg, teilweise auch u ¨ber Eckhart (und vermutlich m¨ undlich auch u ¨ber den s¨ achsisch-polnischen Legationssekret¨ar in Berlin Wolthers). Vor allem sind es Leibniz’ eigene Hoffnungen, die sich auf diesen Hof richten, n¨amlich auf Aufnahme in den Dienst Friedrichs August I./Augusts II. Er setzt dabei auf mehrere F¨ ursprecher: Vota, Flemming, Schulenburg und den s¨achsischen Großkanzler Beichlingen. An Schulenburg hatte Leibniz sich bereits im November 1702 gewandt; in N. 106 reduziert er sein Anliegen auf die Bitte um Unterst¨ utzung seiner Bem¨ uhung um das s¨ achsische Kalenderprivileg. Sie soll so geschehen qu’on ne puisse point soub¸conner que ” ¨ c’est moy‘‘; auch briefliche Außerungen dazu sollen verdeckt ( le moins intelligiblement ” du monde‘‘) erfolgen. Der General, der selbst Leibniz’ F¨ ursprache am Berliner Hof in

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Anspruch nimmt (vgl. Kapitel 14), muss freilich bekennen: le malheur est que je ne suis ” pas assez gros seigneur pour vous rendre service‘‘ (N. 244). An Einfluss am s¨ achsisch-polnischen Hof mangelt es den anderen vorgesehenen Pa¨ tronen nicht. Am meisten ist zun¨ achst von Beichlingen zu erwarten, der Leibniz’ Ubernahme in s¨ achsische Dienste offen bef¨ urwortet zu haben scheint. Von Januar/Februar 1703 datiert ein kurzer Briefwechsel: ein nicht gefundener (aber O. Klopp wohl noch vorliegender Brief) des Großkanzlers an Leibniz und dessen Antwort (N. 127). Bleibt es hier bei Bekundungen von Ergebenheit und Diensteifer (und einer Anspielung auf das ¨ Seidenwerk), so finden sich konkretere Außerungen in einem Brief Eckharts aus Marienburg von Mitte April (N. 37). Demnach hatte Beichlingen vor kurzem mit diesem ein Gespr¨ ach u ¨ber Leibniz gef¨ uhrt, in dem er der estime so er iederzeit gegen sie getragen‘‘ ” Ausdruck gegeben und den Wunsch ge¨ außert haben muss, als daß er sie nur einmahl ” am Pohlnischen hofe oder zu Leipzig sehen solte‘‘. Dass aber alle daran ankn¨ upfenden Hoffnungen (auch eigene Eckharts) inzwischen Schnee vom vergangenen Jahr sind, l¨asst der Eingangssatz erkennen: inzwischen ist der GroßCantzler [...] nach dem K¨onigsteine ” verreiset‘‘. Leibniz richtet seine Hoffnungen nun auf den Beichtvater Augusts II., Carlo Maurizio Vota. Hatte er mit ihm bereits im Winter, am Berliner Hof, regen Kontakt, der durch Votas Hannover-Aufenthalt im Februar nicht so sehr unterbrochen als vielmehr stabilisiert wird durch den großen Eindruck, den der Jesuit am dortigen Hofe macht (vgl. Kapitel 2), nimmt er ihn f¨ ur sich ein mit einer Darstellung seiner wissenschaftlichen Errungenschaften, insbesondere der Dyadik (N. 203), so gewinnt er ihn ganz nach dessen R¨ uckkehr an den polnischen K¨ onigshof durch eine Abschrift seines Essays Lettre sur l’Education d’un Prince. Diese bereits von 1685 datierende Schrift war (¨ uber Flemming, vgl. N. 200) dem K¨ onig zugekommen, der sie sich nun, im April, durch Vota vorlesen l¨ asst. Mehrfach (z. B. in N. 37, N. 223) finden sich Zeugnisse der positiven Resonanz — und der großen Wertsch¨ atzung, die Leibniz an diesem Hofe genießt. Von verschiedenen Seiten (neben Vota Eckhart und Flemming) dar¨ uber unterrichtet, versucht er nun, sich dem K¨ onig auf diesem Wege anempfehlen zu lassen. Am 1. Mai richtet er einen Brief an den Pater (N. 233), in dem er sich — scheinbar en passant im Plauderton, von einem Thema zum n¨ achsten springend — indirekt als Berater des K¨onigs anbietet. Ausgehend von der Education, nach einer Reverenz vor der großen Geisteskraft Augusts ( don’t j’ay ” appris que les lumieres percent jusqu’au fonds des choses‘‘), nimmt er das Revirement in der Regierung Kursachsens zum Anlass, dem Herrscher den Gedanken an einen pers¨onli-

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chen Berater nahezulegen ( Un grand prince luy doit joindre une espece de Referendaire ” General‘‘). Auch wenn Leibniz diese Passage abschließt mit den Worten je ne say com” ment je me suis repandu sans y penser sur une matiere de cette importance dont V. R. peut mieux juger que moy‘‘ ist deutlich, dass das Anforderungsprofil auf ihn zugeschnitten ist: il seroit ` a souhaiter qu’un Referendaire General eˆ ut des lumieres d’une grande ” ´etendue, et une grande reputation de merite et de probit´e ´etablie dans le monde. [...] Mais ces personnes sont rares et ne hasardent point volontiers leur repos, que lorsqu’ils croyent de pouvoir contribuer ` a un grand bien et de rencontrer des princes, dont la grande elevation d’esprit egale la bont´e du naturel. Et je crois que c’est le caractere du Roy‘‘ — eine kaum verh¨ ullte Bewerbung. Dass dieser Brief einen Wendepunkt in der Korrespondenz mit Vota darstellt, d¨ urfte weniger an diesem Vorstoß liegen als an Bemerkungen des Schlussteils, vor allem an einem dort erw¨ ahnten (nicht gefundenen) Schreiben K¨onigin Sophie Charlottes an den Jesuiten. Beides geh¨ ort in den Kontext der u ¨beraus heftigen philosophisch-theologischen Streitgespr¨ ache in Lietzenburg, an denen Vota im M¨arz teilgenommen hatte (vgl. Kapitel 7). Sein Groll u ¨ber die reformierten Hofprediger, der wenige Tage nach dem Ereignis Ausdruck findet in einem Brief an die K¨ onigin, h¨alt auch nach der R¨ uckkehr nach Polen an. Leibniz ist davon zun¨ achst ausgenommen (noch am 11. Mai schreibt Flemming in N. 243: Le Pere Vota Vous a deja declar´e Heros [...] mais il a le poumon extreme” ment ulcer´e contre Mr l’Enfant et Chaquelot‘‘) — bis zum Eintreffen einer im Namen der K¨ onigin wohl von Lenfant verfassten Replik. Seitdem versinkt Vota in Schweigen. Wohl durch Eckhart erf¨ ahrt Leibniz im Laufe des Sommers den Grund: der Pater soll den Verdacht hegen, er selbst sei auteur des points de controverse‘‘ dieses Briefes. N. 334 ” vom 4. September versucht, die Korrespondenz wieder aufzunehmen und die Irritationen auszur¨ aumen mit einer Apologie, in der Leibniz die Autorschaft Lenfants klarstellt und seine von den Hofpredigern abweichende Position (und seine eigenen Kontroversen mit ihnen) ebenso ins Feld f¨ uhrt wie seine Nicht-Beteiligung an der Formulierung des Briefes aufgrund seiner Immobilit¨ at vom Fr¨ uhjahr (Annotationen von seiner Hand auf Lenfants Beilage sollen sich nur auf sein Korrektur-Lesen beziehen); schließlich erkl¨art er gar que ” je ne voudrois pas qu’on parlˆ at sur ce ton l`a‘‘. Auch auf diesen Brief kommt keine Antwort. Im November stellt Leibniz gegen¨ uber K¨onigin Sophie Charlotte fest (N. 396): j’ay ” appris que malheureusement ce Pere me soub¸conne d’avoir eu part `a la lettre de V. M. en quoy il fait grand tort ` a M. l’Enfant et `a moy‘‘. Erst nach zwei Jahren wird Vota sich wieder auf Korrespondenz einlassen.

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Als Patron bleibt also nur Flemming u ¨brig. Mit ihm f¨ uhrt Leibniz nicht nur eine ausf¨ uhrliche Korrespondenz (vgl. Kapitel 6); seine ausgedehnten Berlin-Aufenthalte bieten zudem Gelegenheit zum pers¨ onlichen Gespr¨ach. Bei einem solchen, im Februar oder M¨ arz, gelingt es Leibniz, den General f¨ ur ein Projekt zu interessieren, das dem bonum commune dient — und gleichzeitig dazu beitragen kann, sich selbst dem Herrscher zu pr¨ asentieren: die Seidenkultur im Kurf¨ urstentum Sachsen. Ein vom 12. M¨arz 1703 datieur die render Vertrag (N. 171) formuliert als Ziel ein privilegium perpetuum‘‘ des K¨onigs f¨ ” Seiden- und Maulbeerbaum-Zucht‘‘, dessen Nutznießer Flemming, Leibniz, Beichlingen ” (der zuvor von Flemming als Interessent zu gewinnen w¨are) und ihre jeweiligen Erben sein sollen. Inhalt dieses Privilegs soll sein: ein Monopol zur Anpflanzung von Maulbeerb¨ aumen und Seidenkultur in Kursachsen und incorporirten Landen‘‘; die k¨onigliche ” Vergabe von Plantagen f¨ ur Baumschulen und die daf¨ ur n¨otigen Frondienste gegen Zins; freie Wahl von Pflanzst¨ atten in locis publicis‘‘ durch die Inhaber des Privilegs; freier ” Vertrieb der Seide und die Errichtung von Manufakturen ohne Einspruch durch z¨ unffte, ” innungen, privilegien, oder andern praetexten‘‘; hinsichtlich der Rechte und Freiheiten eine Anlehnung an das Bergregal. Was anf¨angliche Kosten (ohnehin als mittelm¨aßig deklariert; bereits f¨ ur das dritte oder vierte Jahr wird ein Ertrag erwartet) betrifft, so soll ¨ der Initiator Leibniz davon dispensiert sein, Ubersch¨ usse sollen geteilt werden. Dieses werck, welches nicht allein niemand zu schaden gereichet, sondern auch die ” LandesNahrung Vermehret, und im Lande gleichsam einen Ne¨ uen Schaz oder fundgrube zeiget‘‘, fand tats¨ achlich Interesse beim K¨ onig; am 18. Mai, nach mehreren Verz¨ogerungen und konspirativen Mitteilungen (vgl. Kapitel 1) meldet Flemming (N. 246): Je vous ” envoy enfin le Privilege‘‘. Sogleich schließt Leibniz einen neuen Vertrag (N. 249): mit dem Raschmacher‘‘ Johann Heinrich Otto, der m¨oglichst schnell in Kursachsen die Anzucht ” der Maulbeerb¨ aume in Gang setzen soll. Hierf¨ ur erbittet Leibniz von Flemming (in N. 248 und erneut in N. 273) eine ordre‘‘ Augusts II., die den Textilhandwerker dazu in die ” Lage versetzen soll: mit einer Empfehlung an die kurs¨achsischen Regierungsbeh¨orden und mit der Bereitstellung von Land, Geldmitteln, Hilfestellung. Deutlich betont Leibniz im zweiten Schreiben (dem ein Entwurf zur ordre‘‘ beilag) seinen Wunsch, f¨ ur die Empf¨anger ” nicht in Erscheinung zu treten. Aber inzwischen stagniert das Projekt ohnehin; wenn in den kommenden Wochen in seiner Korrespondenz von der Seidenkultur die Rede ist, so bezieht sich das auf die gleichzeitigen Bestrebungen in Brandenburg, f¨ ur die Otto ebenfalls als Fachmann vorgesehen ist (vgl. Kapitel 7).

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9. Kirchenfrieden Das Reunionsprojekt, dem Leibniz in den vergangenen Jahren so viele Anstrengungen gewidmet hatte, ruht — am hannoverschen Hofe mit der Aussicht auf die englische Suk¨ zession sind Ubereink¨ unfte mit Katholiken derzeit nicht gerade opportun. Ein schwacher Nachklang, der zugleich Reunionsverst¨ andnis und -bem¨ uhungen der katholischen Kirche spiegelt, findet sich in zwei kurzen Korrespondenzen, mit dem Dominikaner Augustinus Levesius und Francisca Bard Lady Bellamont. Levesius, dessen Lebensumst¨ ande f¨ ur uns weitgehend im Dunkeln bleiben, der jedoch als in p¨ apstlichem Auftrag agierender, aber inoffiziell auftretender Friedenswerber bei K¨ onig Karl XII. von Schweden Eingang in die europ¨aischen Gazetten gefunden hat, macht im M¨ arz den Versuch, Leibniz zur Konversion zu bewegen — ebenso wie Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenb¨ uttel und die Heideherzogin Eleonore. Erst im November erfolgt Leibniz’ Antwort, kurz und ablehnend, vermutlich nur auf das Dr¨angen Herzog Anton Ulrichs hin (vgl. N. 408 Variante); mit einem Hinweis auf die den Graben vertiefenden Dekrete des Trienter Konzils ( per vestros publica autoritate conditi sunt ” anathematismi quibus Tridentina decreta obsignantur‘‘). Dass der Brief des Dominikaners in Celle dagegen mehr Anklang gefunden zu haben scheint, geht aus einer Bemerkung Kurf¨ urstin Sophies hervor (N. 32). Die im Ruf des (in N. 295 ziemlich offen in Erscheinung tretenden) Krypto-Papis” mus‘‘ stehende Lady Bellamont, Leibniz aus der Entourage der Kurf¨ urstin Sophie be¨ kannt, d¨ urfte Ahnliches versucht haben: mit der Zusendung eines Werkes, das schon einmal eine Konversion (die Karls II. von England) bewirkt haben soll, der Verteidigung des katholischen Glaubens durch den englischen Geistlichen Richard Huddleston. Hier antwortet Leibniz zwar ausf¨ uhrlich, aber ebenso dezidiert ablehnend, mit dem Hinweis auf seine eigene in der Korrespondenz mit Bossuet formulierte Kritik am Trienter Konzil. Ganz anders steht es mit der Frage der innerprotestantischen Union. Hier scheinen die jahrelangen Bem¨ uhungen um einen Dialog zwischen Lutheranern und Reformierten Fr¨ uchte zu tragen: w¨ ahrend Leibniz’ Berlin-Aufenthalt beruft der preußische K¨onig ein Collegium Irenicum‘‘ ein. Allerdings beschr¨ankt auf seine Territorien: damit f¨ uhren ” die seit Jahren zwischen Leibniz, Gerhard Wolter Molanus und Daniel Ernst Jablonski laufenden Vorarbeiten zu einem anderen Ergebnis als erhofft. Aber auch wenn Leibniz nicht direkt einbezogen ist, bleibt der Hofprediger hier zentraler Gespr¨achspartner. F¨ ur die erste Jahresh¨ alfte ist das allerdings nur zu vermuten: abgesehen von einem Dank Jablonskis Mitte Januar f¨ ur communication deßen so in Irenicis passiret ist‘‘ und einer ”

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Besuchsank¨ undigung in N. 98 liegt aus Leibniz’ Berlin-Aufenthalt 1703 keine Korrespondenz vor; an deren Stelle d¨ urfte m¨ undlicher Austausch getreten sein. Das Collegium Irenicum‘‘ wird im M¨ arz einberufen, unter Vorsitz des zu Jahresbe” ginn zum Bischof ernannten (vgl. N. 109) reformierten Oberhofpredigers Benjamin Ursinus besetzt mit je zwei Geistlichen: den Reformierten Jablonski und Strimesius, in Frankfurt Professor und Pastor primarius an der Nicolaikirche, sowie den Lutheranern L¨ utkens, Probst an der C¨ ollner Petrikirche, und dem Diakon am Magdeburger Dom ¨ Winckler. Uber die Vorbereitungen zu diesem Gremium zeigt sich Leibniz nicht informiert: De Concordiae negotio etsi multus sit sermo, ego tamen nihil video agi, aut facile ” posse agi‘‘, teilt er im Februar Philipp M¨ uller skeptisch mit (N.126). Doch ist er im Mai bei seiner Abreise hinreichend genug unterrichtet, um von dem Negotio Irenico‘‘ in ” Wolfenb¨ uttel mit Herzog Anton Ulrich zu reden, der seine — schon im Vorjahr ausgeutzung der Unionsbem¨ uhungen erneut sprochene (vgl. N. 338) — Bereitschaft zur Unterst¨ bekundet. Leibniz setzt auch seinen Mitstreiter Molanus ins Bild, der auf die Nachricht ” von dem Collegio Irenico stabilito‘‘ freudig reagiert und seine Unterst¨ utzung sowie die der auf diesem Felde bew¨ ahrten Helmstedter Professoren Fabricius und Schmidt zusagt (vgl. N. 279). Diese beiden sind von Leibniz (Fabricius wohl auch von Jablonski) bereits knapp informiert worden (vgl. N. 260, N. 261). In der Hoffnung auf progressus nonnullos‘‘ ” (N. 260) fasst Leibniz vergleichbare Vorg¨ ange anders wo und in Sachsen selbst‘‘ (N. 279) ” ins Auge, wohin er und Jablonski seit l¨ angerer Zeit F¨ uhler ausgestreckt haben (vgl. I, 21), und denkt bald auch an eine eigene Reise dorthin (N. 338). In den Sommermonaten l¨ osen die lutherischen Mitglieder des Collegium Irenicum‘‘ ” betr¨ achtlichen Wirbel aus. Heftigen Widerspruch erregt das Bekanntwerden von Arcanum Regium, den Ausf¨ uhrungen des Winckler bekannten Predigers Welmer u ¨ber Maßnahmen, mit denen ein Landesherr kraft seines jus episcopale die Union zwischen Reformierten und Lutheranern bewirken k¨ onne. Der Magdeburger Diakon hatte sie im Manuskript dem K¨ onig schon vor dem Zusammentreten des Collegium Irenicum‘‘ in Abschrift pr¨asentiert; ” ohne sein Wissen, aber teilweise unter seinem Namen wurden sie alsbald gedruckt. Das Werk ruft allenthalben starke Reaktionen hervor, auch in Hannover (vgl. N. 62), und auch die Magdeburger St¨ ande auf den Plan, die bei der Helmstedter Theologischen Fakult¨at ein Gutachten dar¨ uber einholen (vgl. Kapitel 5). [...] die Publikation des an sich selbst ” schlechten Arcani Regii hat b¨ osen Effect gethan‘‘ (N. 338): als Mitglied des Collegium ” Irenicum‘‘ ist Winckler nicht zu halten, auch wenn er sich in einer eigenen Schrift zu rechtfertigen sucht (vgl. N. 410). Probst L¨ utkens st¨oßt sich an Besetzung und Verfahrensweise

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des Collegiums zu Lasten der lutherischen Seite und hat seine intern vorgetragene Kritik im Druck ¨ offentlich gemacht; bald darauf legt er seine Mitarbeit nieder. ¨ Eine in Berlin entstandene Replik auf L¨ utkens’ Außerungen gelangt durch Jablonski ure des Arcanum an Leibniz (vgl. N. 410). Dieser, der bereits im Sommer, nach der Lekt¨ regium versucht hatte, auf das Gutachten der Helmstedter Theologen Einfluss zu nehmen (vgl. Kapitel 5), macht nach der Lekt¨ ure von L¨ utkens’ Schrift kein Hehl aus seiner Ansicht u ¨ber die Vorg¨ ange der vergangenen Monate insgesamt: erachte mich schuldig, ” nachdem ich ehemahlen zu dem Werck gezogen worden, und vielleicht die erste Gelegenheit dazu geben, [...] einige dießfalls habende Gedancken [...] zu u ¨berschreiben‘‘ (N. 431). Es wird deutlich, dass die in Berlin im Fr¨ uhjahr 1703 beschlossene Einrichtung eines Gremiums seinen Vorstellungen nicht entspricht, dass er vielmehr ein nicht formalisiertes Vorgehen im Stil der vertrauliche[n] Communication‘‘ f¨ ur angebracht h¨alt, so wie ” es im Unionsdiskurs der Vorjahre gehandhabt wurde; damit spielt er auch darauf an, dass durch das einseitige Vorgehen in Berlin die zuvor ge¨ ubte Gemeinschaftlichkeit zwischen Hannover und Brandenburg bei den Unionsbestrebungen aufgegeben und somit auch seine Mitwirkung unterbunden scheint. Er kritisiert die in Berlin inzwischen aufgekommene Absicht, den Kreis der Beteiligten betr¨achtlich auszuweiten: der Nutz aber ” ist nicht wohl abzusehen [...] wenn es nur auf Bedencken und Rath dieser einheimischen Theologorum ankommt, so kan man solchen leicht privatim erfahren [...] wenig Personen an der Stelle [sind] schon genug und bequemer als viele‘‘. Er sieht zuvor getroffene Ver¨ einbarungen ignoriert und bef¨ urchtet Ubereilung: alles was ehemals von dem k¨ unftigen ” Verfahren (wie M. H. Herrn Hof-Prediger bestens bewust) verabredt gehabt, [wird] auf einmahl aufgehoben, mithin wie es scheinet, von der unter der Hand n¨othigen Pr¨aparation zu einer ¨ offentlichen Handlung geschritten. [...] Ehemahlen hat man daf¨ ur zu halten geschienen, daß es besser mit langsamen aber sichern Schritten fortgehe‘‘ (N. 431). Jablonski muss best¨ atigen, daß von dem ehemahligen Plan abgeschritten, denn die Zeiten ” haben sich ge¨ andert‘‘; von einigen Vorg¨ angen hat er selbst erst nachtr¨aglich erfahren, ist aber gewillt, innerhalb der Gegebenheiten weiterarbeitend Gott dem Herrn zu Ehren ” das Beste daraus zu machen‘‘ und so viel praesens rei facies zul¨ast, alles auf das vorige ” Modell wieder zubringen‘‘ (N. 437). Das nach einigem Vorlauf — Leibniz ist durch Jablonski vorab informiert — im Dezember eingehende Schreiben des Bischofs Ursinus an den hannoverschen Landesbischof und Abt von Loccum Molanus mit einem Bericht u ¨ber das Collegium Irenicum‘‘ und der Einladung zu Mitteilungen hinsichtlich des erstreb” ten Kirchenfriedens kann als Indiz f¨ ur die Bereitschaft Brandenburgs aufgefasst werden,

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die fr¨ uheren Kontakte wieder aufzugreifen. F¨ ur Jablonski er¨offnet Ursinus’ Botschaft die Gelegenheit, durch den Herrn Abt dasjenige dem Herrn Bischoff beyzubringen, was ” der Sache f¨ orderlich seyn kan‘‘ (N. 437). Vor Abfassung der Antwort ber¨at Molanus sich mit Leibniz, der ihm Stichpunkte f¨ ur Tenor und Formulierung einer Erwiderung liefert, welche die Fortf¨ uhrung der erneuerten Kontakte erm¨oglicht (N. 448, N. 449, N. 450). Auch Fabricius und Schmidt kommen wieder ins Spiel: eine gegen Jahresende in Hannover eintreffende Sendung Jablonskis mit mehreren Exemplaren einer Polemik gegen L¨ utkens’ Schrift wird mit N. 447 an die Helmstedter (die beiden Theologen und ihren Kollegen von der Hardt) weitergeleitet.

10. Hausgeschichte; Geschichts- und Sprachwissenschaft; Historische Hilfswissenschaften Zur Rechtfertigung seines verl¨ angerten Berlin-Aufenthaltes schreibt Leibniz im M¨arz an den hannoverschen Kammerpr¨ asidenten (N. 21): mon travail historique est presque au” tant avanc´e que si j’avois est´e ` a Hanover [...] car j’ay apport´e avec moy les papier necessaires, et j’ay eu icy toute la commodit´e que je voulois de me servir des livres de la Bibliotheque royale‘‘. Erfahren wir von seiner Benutzung der k¨oniglichen Bibliothek sonst nur noch en passant (gegen¨ uber Bouvet und durch Schott), so geben in den tats¨achlichen Stand der Arbeit an der historia domus Briefe Eckharts Einblick. Er war mit seiner Quellenauswertung im August 1703 beim Jahr 814, d. h. dem Tod Karls des Großen und dem Beginn der Herrschaft Ludwigs des Frommen, angelangt (vgl. N. 59); in N. 64 wird der Stand der Arbeit referiert, mit einem kurzen Kommentar zu den zur Zeit kritisch durchgearbeiteten Quellen. Da sich auch die zugrundeliegende Handschrift feststellen l¨ asst, k¨ onnen wir hier — punktuell — den Weg vom materiellen Quellenzeugnis bis zur Verarbeitung in den Annales Imperii verfolgen. Diese detaillierte Auskunft wird Leibniz’ Abwesenheit von Hannover (der Reise nach Braunschweig und Wolfenb¨ uttel) verdankt, w¨ are aber nach seiner eigenen Instruktion f¨ ur den Amanuensis (in N. 58) nicht n¨otig gewesen: Eckhart wird wohl zur Weiterleitung der Post und von Nachrichten in publica re ” sive in literaria‘‘ angehalten; f¨ ur die Arbeit an der Hausgeschichte erh¨alt er jedoch freie Hand ( de nostris laboribus Historicis non moneo, non dubitans alacritate spontanea ” acturum, quod suscepisti‘‘). Eckharts Wiedereintritt in Leibniz’ Dienste war unter der Vorgabe der Konzentration auf die Hausgeschichte erfolgt (N. 44: Te incumbere in id unum ea assiduitate quam ”

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ratio suaderet, et valetudo pateretur‘‘). Vor seiner R¨ uckkehr scheint sich das Fehlen eines f¨ ur diese Aufgabe geeigneten Mitarbeiters bemerkbar gemacht zu haben. Noch am Ende des Vorjahres hatte Leibniz dem fr¨ uheren Mitarbeiter Joachim Friedrich Feller die Anfertigung von Quellenausz¨ ugen zur karolingischen Geschichte des 9. Jahrhunderts angetragen; zu Jahresbeginn relativiert dieser seine anf¨angliche Zusage aufgrund von Zeitproblemen. Abgesehen von einer aufschlussreichen Bemerkung gegen¨ uber Hiob Ludolf (N. 366) u ¨ber die Erstellung des chronologischen Ger¨ usts ( Chronologiam in Historia nostra videor ” mihi sic satis constituisse a Carolo M. ad Ottonem IV. Itaque Collegio Historiae Germanicae multa jam auxilia suppeditare possem‘‘ ) spiegelt sich Leibniz’ eigene Besch¨aftigung mit der welfischen Hausgeschichte vor allem in zwei Briefen. In N. 364, an Benedetto Bacchini in Modena gerichtet, im Kontext des Dauerthemas Azzo-Vorfahren, geht es um das Kernst¨ uck seiner historischen Methode: zum Problem der Personenidentifizierung im Zeitalter der Einnamigkeit, die kritische Unterscheidung zwischen den in den Quellen auftretenden variis Marchionibus Italiae, Hugonibus, Adalbertis vel Azonibus, Obertis ” vel Opizonibus‘‘, die Verwandtschaft der Markgr¨afin Mathilde von Tuscien mit dem Haus Este avant la lettre und dessen Beziehung zu den H¨ausern Malaspina und Pallavicini. Das sind Fragen, die Leibniz seit Jahren, zum Teil seit Beginn seiner Besch¨aftigung mit der welfischen Hausgeschichte, begleiten; Antwort darauf erhofft er sich aus italienischen Quellen, insbesondere unpublizierten; in seinem — explizit aus Anlass einer Italienreise des hannoverschen Hofkavaliers Nomis verfassten — Brief schwingt auch die Hoffnung auf Unterst¨ utzung durch den Korrespondenzpartner mit. Auch im zweiten Fall geht es um Probleme der Genealogie: um die Auseinandersetzung mit zeitgen¨ ossischen Abstammungstheorien von Herrscherh¨ausern. Leibniz’ Anfragen sind hier nur noch zu erschließen aus den Ausf¨ uhrungen des Antwortbriefs (N. 275) Christoph Joachim Nicolais von Greiffencrantz, der Auskunft gibt u ¨ber Thesen (und Literatur) zur Genealogie der Habsburger und der Karolinger, insbesondere zur Frage einer gemeinsamen agnatischen Abstammung der Karolinger und Kapetinger. Ist es hier der anerkannte Genealoge, der Leibniz an seinem Wissen teilhaben l¨asst, so u ¨berwiegen in den anderen Briefen unseres Bandes, die historische Themen ber¨ uhren, Fragen, die an Leibniz gerichtet sind. So bittet Johann Michael Heineccius f¨ ur sein geplantes chronicon Goslariense‘‘ um Material. Johann Friedrich Pfeffinger erh¨alt auf seine Bitte ” (in N. 378) ein Vorwort zu seinen Merckw¨ urdigkeiten des XVII. Jahr-Hunderts (N. 407), deren erster Band (weitere geplante sollten nicht zum Druck kommen) im Erscheinen be-

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griffen ist. In Form eines Briefes an den Verfasser lobt Leibniz die Konzeption des Werkes und rechnet zugleich mit dem verbreiteten Genre fiktionaler Memoiren-Literatur zu Personen der j¨ ungeren Vergangenheit ab. Die Betonung von Pfeffingers quellengest¨ utzter Arbeitsweise gibt Leibniz Gelegenheit, auch seinen eigenen weitgefassten Quellenbegriff zur Sprache zu bringen: Acten und Scripturen [...] M¨ untzen, Grab-Schrifften, Sinn-Bilder, ” und andere dergleichen Denckmahle, [...] so die Historie gleichsam unterst¨ utzen‘‘. Dass er das Werk bereits in statu nascendi, in Gestalt von Korrekturb¨ogen, gekannt hat, geht aus mehreren Briefen Pfeffingers hervor. Vermutlich eher in Zusammenhang mit anderen Projekten Pfeffingers — der Geschichte St. Michaels zu L¨ uneburg oder der des einheimischen Adels (vgl. N. 267) — steht seine Bitte an Leibniz in N. 348 um Hilfestellung bei den chronologischen bzw. prosopographischen Problemen, die sich bei der Auswertung der angeblichen Gr¨ undungsurkunde des Bistums Verden ergeben haben. Leibniz scheint zun¨achst nicht auf die Frage eingegangen zu sein (vgl. N. 378); seine Randbemerkung zum Brief zeigt jedoch, dass ihm die L¨ osung des R¨ atsels vorlag: er erkannte in beiden widerspr¨ uchlichen Quellen Pfeffingers (zurecht) F¨ alschungen. Mit qui ut in aliis scientiis ita et in Historia Genealogica emines‘‘ wendet sich Conrad ” Barthold Behrens nach einer l¨ angeren Unterbrechung des Briefwechsels in N. 380 erneut an Leibniz mit seinem prosopographischen Projekt zum deutschen Adel. Dieser weist ihn auf die in die gleiche Richtung gehenden Interessen Pfeffingers hin und regt damit nicht nur eine Korrespondenz, sondern auch Zusammenarbeit und Materialaustausch an (vgl. N. 413). Historisch-prosopographische Fragen durchziehen in unserem Band auch die Briefe einer anderen von Leibniz’ langj¨ ahrigen Korrespondenzen: mit Johann Andreas Schmidt. In Zusammenhang mit der Kl¨ arung einer numismatischen Frage (die ihn in eine Kontroverse mit dem Morell-Nachfolger Schlegel in Arnstadt f¨ uhren wird) besch¨aftigt sich Schmidt mit der Aufstellung einer Genealogie der Grafen von Regenstein/Blankenburg ur die er Leibniz’ Urteil und Unterst¨ utzung erbittet und erh¨alt (in N. 346) (vgl. N. 340), f¨ — vor allem in Form einer quellengest¨ utzten Kritik. In seinem Stemma ist auch Hugo von Sankt Viktor aufgef¨ uhrt, dessen s¨ achsische Herkunft aus diesem Grafenhaus von Hermann Meibom d. J. postuliert, von Jean Mabillon bestritten, von Leibniz in Erw¨agung gezogen wurde in der Praefatio zur Edition der Chronik Alberichs von Troisfontaines in den Accessiones historicae.

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Dieses Vorwort erweist sich als Referenztext (nicht zuletzt aufgrund der Hinweise auf die noch ungedruckte Reinhausener Stifterchronik) nicht nur f¨ ur Schmidt, sondern auch einen anderen Korrespondenten: Jakob Friedrich Reimmann. Die Korrespondenz mit dem Halberst¨ adter Polyhistor beginnt in unserem Band; die Briefe handeln vor allem von Geschichtsquellen und historischen Projekten. Bereits im Vorfeld der Korrespondenz waren u ¨ber Schmidt (vgl. N. 391, N. 395) Anfragen zur Halberst¨adter Historiographie hin und her gegangen: an Leibniz nach der (heute wohl verschollenen) Chronik Martin von Rhebocks, an Reimmann nach einem Chronicon aliquod antiquum Halberstadense‘‘. In ” N. 424, seinem ersten Brief, legt Reimmann seine Informationen und Fragen zu Rhebock ausf¨ uhrlicher dar. Dahinter scheint genaue Kenntnis der Halberst¨adter Historiographie auf, der er eine Gesamtdarstellung widmen will. In diesem Zusammenhang ¨außert er nicht nur die Hoffnung auf eine Publikation der Kollektaneen von Leibniz’ ,Vorg¨anger‘ Hoffmann, sondern stellt auch non pauca [...] Chronica Mscta et nunquam edita‘‘, die ” Leibniz vielleicht von Nutzen sein k¨ onnten, in Aussicht; im folgenden Jahr wird er ihm die Abschrift einer in seinem Besitz befindlichen Halberst¨adter Chronik zukommen lassen, die Aufnahme in die Scriptores rerum Brunsvicensium findet. Leibniz, der bereits in seinem Antwortbrief dieses Angebot erfreut aufgreift, nutzt die Gelegenheit, um die MeibomThese von der Herkunft Hugos von Sankt Viktor noch einmal zur Diskussion zu stellen. Aus Reimmanns Antwort ergibt sich wiederum, dass Schmidt sich bereits selbst an ihn mit dieser Frage gewandt hatte. W¨ ahrend hier also — bei allen Bekundungen der Ehrerbietung insbesondere Reimmanns gegen¨ uber Leibniz — eine Dreierkonstellation gegenseitiger Unterst¨ utzung bei der Informations- und Materialbeschaffung sichtbar wird, erscheint ein anderer braunschweigl¨ uneburgischer Gelehrter in einem anderen Licht: Hermann Dietrich Meibom aus der Helmstedter Gelehrtendynastie, der (nach Schmidts von Reimmann in N. 445 zitierten Worten) die historischen Kollektaneen seines Vaters Heinrich Meibom d. J. h¨ uten soll ¨ wie der Drache die goldenen Apfel; eine von Leibniz vorgeschlagene Anfrage erscheint Reimmann zwecklos. Das Thema Quellen(-beschaffung) durchzieht auch andere Briefwechsel. So nimmt Leibniz die Wiederaufnahme der Korrespondenz mit Magalotti in Sachen Ariosti (vgl. Kapitel 7) zum Anlass, vor Jahren aus Florenz erbetene Urkundenabschriften f¨ ur eine Fortsetzung des Codex juris gentium, deren Verbleib unklar ist, in N. 335 erneut zur Sprache zu bringen. Auch der nach Italien reisende hannoversche Hofkavalier Baron von Nomis wird gebeten, sich der Sache anzunehmen. Es stellt sich heraus, dass die in Han-

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nover l¨ angst etablierte Zuweisung des Verlusts an den inzwischen verstorbenen hannoverschen Agenten in Venedig wohl irrig ist: in Florenz weiß man nichts von der Sendung; sie wird erneut in Aussicht gestellt. Ebenfalls f¨ ur die geplante Codex -Fortsetzung erh¨alt Leibniz von dem Gießener Juristen Johann Nicolaus Hertius einen Vertragstext aus der Zeit um 1300; die sich anschließende kleine Korrespondenz (nur in Hertius’ Briefen erhalten) handelt vor allem von dessen eigenen rechts-historischen Projekten (vgl. N. 362). Mehrfach kommen Leibniz’ Editionspl¨ane zur Sprache, die sich im kommenden Jahr zu den Scriptores rerum Brunsvicensium konkretisieren werden. Wenn Ende Januar gegen¨ uber Otto Sperling ein Editionsprojekt skizziert wird, das einen non tantum emen” datiorem sed et ampliorem‘‘ Text der Chronik Thietmars von Merseburg und einen (dann aber erst von Eckhart edierten) Anonymus de Thuringiae principibus‘‘ (Cronica Thu” ringorum) aufnehmen soll, so l¨ auft dieses noch unter dem Namen Scriptores restituti‘‘, ” die ein justum volumen‘‘ f¨ ullen k¨ onnten. Hierf¨ ur w¨are Leibniz auch an der Adam-von” Bremen-Edition Sperlings interessiert. Dieser antwortet, die Gesta cum notis‘‘ seien ” bereits vor zwei Jahren an einen Amsterdamer Verleger geschickt worden, um in zwei B¨ anden herausgegeben zu werden; es sei aber noch nichts herausgekommen — tats¨achlich sollte Sperlings Edition erst postum und nur teilweise erscheinen. Ebenso wie in dieser Korrespondenz (N. 119: Supersunt mihi et plane inediti qui aliud volumen implere ” possint‘‘) bringt Leibniz im Oktober auch gegen¨ uber Hiob Ludolf seine Quellensammlung zur Sprache (N. 366: Habeo ineditos et imperfecte editos rerum Germanicarum ” scriptores‘‘), auch hier wieder mit besonderer Hervorhebung der Thietmar-Chronik. In Zusammenhang einer geplanten Dresden-Reise erbittet (in N. 39) auch Eckhart, noch im Dienste General Flemmings, Leibniz’ Thietmar-Kollation, ubi [...] conferam Mstum ve” tustissimum [das Autograph] cum tuo et edito exemplari‘‘. Leibniz sagt zu, verschiebt (da ¨ nimis distractus‘‘) die Ubersendung jedoch; der bald darauf erfolgende Wiedereintritt ” Eckharts in sein Hauswesen d¨ urfte sie obsolet gemacht haben. Schließlich ist die kleine Korrespondenz mit dem Prinzenerzieher am Hofe zu HessenKassel, Nathanael von Staff, zu nennen. Sie betrifft zum einen dessen bislang erfolglose Suche nach einer Urkunde Karls des Großen in den hessischen Archiven, der Leibniz’ An¨ frage gegolten hatte (vgl. N. 113), zum anderen Staffs eigene Bitte nach Uberlassung genealogischer Literatur f¨ ur den hessischen Historiographen Tolner. Und wie immer ersucht Chilian Schrader, auch in unserem Zeitraum mit dem Regensteiner Streit besch¨aftigt, um Materialzusendung, insbesondere aus den Hofmanniana.

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Nicht nur der quellenkundliche Bereich ist vertreten. Mit zwei prominenten Gestalten der Gelehrtenrepublik, Gisbert Cuper und Christoph Cellarius, korrespondiert Leibniz u ¨ber deren Spezialgebiete in den historischen Hilfswissenschaften. Cellarius gegen¨ uber bringt er in dem Brief, der die Korrespondenz er¨offnet (N. 277), sein Interesse an der Historischen Geographie und deren Desiderate zur Sprache (¨ahnlich gegen¨ uber Schmidt in N. 313) sowie seinen Wunsch einer vorrangigen Behandlung von Scythica et Celtica‘‘; ” der gegenseitige Austausch bleibt im wesentlichen auf der Ebene von Respektsbekundungen vor der Leistung des Gegen¨ ubers. Bei Cuper dagegen geht es ins Detail: vor allem im Zusammenhang mit dessen Spezialinteresse, der antiken Epigraphik. So bringt N. 114 einen kurzen Bezug zu einem zentralen Feld von Leibniz’ dienstlicher T¨atigkeit, der Personenidentifizierung im Rahmen der historia domus, mit Cupers Eingehen auf die im Dezember 1702 (I, 21) gestellte Frage nach einem inschriftlich bezeugten T. Accius Phlegon, den Leibniz bereits 1685, in seiner Kritik an der Damaideno-Genealogie, in den Blick genommen hatte (I, 4 N. 158), statt eines dort postulierten Este-Vorfahren einen Freigelassenen vermutend; ¨ ahnlich wie nun auch im Falle eines unter die Vorfahren des r¨ omischen Geschichtsschreibers Livius gez¨ ahlten T. Livius Halys. Cupers diplomatische Antwort l¨ asst s¨ amtliche M¨ oglichkeiten — illustre Vorfahrenschaft ebenso wie die Interpretation als Freigelassene — offen. Seine eigenen Fragen nehmen ihren Ausgang von ihm vorliegenden Inschriften aus Rom bzw. ex Oriente‘‘, prope Aleppo‘‘ und beziehen sich ” ” jeweils auf die Deutung mutmaßlicher G¨ otterbeinamen. In seiner Antwort greift Leibniz auf Beispiele aus der germanischen und antiken Mythologie zur¨ uck und auf seine bereits vor einigen Jahren (I, 16 N. 432) brieflich ge¨außerte These, im Mythologem der Gigantenund Titanenk¨ ampfe spiegelten sich Einf¨ alle von Kelten und Skythen im Balkan bzw. im vorderasiatischen Raum. Damit ist Leibniz’ eigenes Interessengebiet angesprochen: die Erforschung einer schriftlosen Fr¨ uhzeit, bei der die historische Deutung von Mythen allerdings eine geringere Rolle spielt als der Einsatz der Sprachwissenschaft als Hilfsmittel. Bei aller auch gegen¨ uber Cuper ge¨ außerten Skepsis (N. 272: Ego non facile etymologiae fido nisi multis ” conspirantibus confirmetur, et in conjecturis ipsis verisimilitudinem desidero‘‘) demonstriert Leibniz an einzelnen Etymologien seine These: Celtica voco Germanis itemque ” Gallis [...] saepe et Latinis communia‘‘. W¨ ahrend diese Fragen mit Cuper auf der Ebene eines gelehrten Diskurses behandelt werden, ist die Sprachwissenschaft in anderen Briefen Gegenstand der Feldforschung. Eine kurzzeitig im Raum stehende Moskau-Reise Eckharts im Gefolge General Flem-

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mings nimmt Leibniz (in N. 36) zum Anlass, Sprachproben aus Russland zu erbitten. Wenn der Reiseplan auch scheitert, so hat Eckhart seine Zeit im Umfeld des polnischen K¨ onigshofes doch auf diesem Feld gewinnbringend verbracht: noch vor seiner R¨ uckkehr in Leibniz’ Dienst sendet er ihm Studien zur polnischen Sprache zu (N. 39, N. 42 u. N. 43); Leibniz geht ausf¨ uhrlich darauf ein. Die Bitte um Sprachproben aus Russland wird im Herbst gegen¨ uber dem Prinzenerzieher am Zarenhof, Heinrich van Huyssen, wiederholt. Schließlich ist Joachim Bouvet, der Leibniz einst (mit I, 15 N. 238) Vater-Unser-Proben der tartarischen Chinesen u ¨bersandt hatte, erneut Adressat einer Bitte um Sprachproben.

11. Philosophie und Mathematik; Naturwissenschaft; Technik Ende Oktober 1703 schreibt Leibniz an Ezechiel von Spanheim (in N. 375) je m’occupe ” [...] de temps en temps ` a mettre par ecrit quelques pens´ees que mes amis me solicitent de ne point laisser perdre‘‘: wie bereits eingangs angesprochen bringt dieses Jahr reiche Ausbeute vor allem auf dem Feld der Philosophie. Nicht zuletzt aufgrund der philosophischtheologischen ,Turniere‘ am Lietzenburger Hof (vgl. Kapitel 7), die unsere Briefe freilich nur fragmentiert spiegeln. Auch wenn Leibniz, durch sein Beinleiden verhindert, nicht anwesend ist bei dem hitzigen Disput zwischen Pater Vota und den reformierten Hoftheologen, dessen Fama sich wochenlang, u ¨ber mehrere Korrespondenzen, verbreitet (vgl. Kapitel 7 sowie Kapitel 8), scheint er selbst lebhafte Kontroversen ausgetragen zu haben. Zum Teil als Fern-Duell: u ¨ber seinen Nachbarn beim Wirt Vincent, Fran¸cois d’Ausson de Villarnoux, erf¨ ahrt Leibniz, die K¨ onigin habe Vota gegen¨ uber von seinen (m¨ undlich vorgetragenen) meditations sur la libert´e et le destin‘‘ gesprochen; dies ist Anlass f¨ ur ” eine l¨ angere Diskussion u ¨ber diese Frage aus dem Vorfeld der Theodic´ee. Dieser Auseinandersetzung gibt Leibniz, um wenigstens irgendwie bei Hofe pr¨asent zu sein, Schriftform in Gestalt eines Briefes an sein Gegen¨ uber; er geht der K¨onigin zu. Bei der Verlesung im Hofkreis muss Protest von Seiten der Hofprediger Lenfant und Beausobre gekommen sein. Davon erfahren wir Monate sp¨ ater, als Leibniz Anfang August sein u ¨berarbeitetes petit ” papier‘‘ mit N. 306 erneut d’Ausson zukommen l¨asst und dabei nicht nur die Reaktion der beiden Geistlichen, sondern deren Hilflosigkeit anspricht; beide seien — allerdings auch untereinander uneins — nicht in der Lage gewesen, ihre Gegenargumente zu formulieren. Vom Inhalt der Auseinandersetzung erfahren wir nur, Beausobre habe kritisiert qu’on melˆ at la raison avec la Theologie‘‘, hier entgegnet Leibniz, dem k¨onne man nicht ” entgehen, zumindest bei der nat¨ urlichen Theologie qui est toute de la competence de ”

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la raison‘‘. Da die Hofprediger seiner Anregung zu einer schriftlichen Niederlegung ihrer Position nicht nachkommen, ist die kleine Schrift Conversation sur la libert´e et le destin‘‘ ” (Druck in Reihe VI) das einzige, was von diesen Debatten geblieben ist. Ein anderer Text, fast zeitgleich ebenfalls f¨ ur den Berliner Hof verfasst, nimmt seinen Ausgang von Hannover: von einem Vortrag im Hochsommer vor Kurf¨ urst Georg Ludwig im Beisein von dessen Mutter sur la nature de la bont´e et de la justice‘‘. Das erfahren ” wir aus N. 308, einem Brief an K¨ onigin Sophie Charlotte, in dem Leibniz zugleich die ¨ schriftliche Ausarbeitung und deren Ubersendung nach Berlin ank¨ undigt. So verdankt auch die M´editation sur la notion commune de la justice‘‘ (Druck in Reihe VI) ihre ” ¨ Uberlieferung dem philosophischen Interesse am Lietzenburger Hof. N. 308 handelt auch von weiteren nouvelles discussions philosophiques‘‘, in die Leib” niz involviert ist: so die Auseinandersetzung um Substanzbegriff und pr¨astabilierte Harmonie mit dem Benediktiner Lamy, die ¨ offentlich ausgetragen wird, in der 2. Auflage von Lamys De la connoissance de soi-mˆeme und Leibniz’ Replik im Journal des Savants. Seit dem Sp¨ atsommer werfen auch die Nouveaux Essais sur l’entendement humain (VI, 6 N. 2) ihre Schatten voraus. Von Leibniz’ Auseinandersetzung mit Lockes Essay Concerning Humane Understanding erfahren wir aus einem Brief an Sophie Charlotte (N. 396) vom 17. November: Comme sa philosophie ne s’accorde pas trop avec la mienne ” [...] j’ay fait des remarques l` a dessus en parcourant une partie de son ouvrage, lorsque j’allay ` a Brunsvick et Wolfenbutel. Et quand j’en auray le loisir j’acheveray le reste‘‘. ¨ Die Lekt¨ ure von Costes franz¨ osischer Ubersetzung f¨ uhrt Leibniz zu einer Kritik sowohl von Lockes methodischem Vorgehen als auch seinen Grundprinzipien. Die K¨onigin wird dadurch zu eigener Lekt¨ ure angeregt; ihr Bekenntnis, sie finde Lockes Behandlung der principes in´ees‘‘ sy bien combatu‘‘, dass sie schon auf Leibniz’ Gegendarstellung ge” ” spannt sei (N. 414), f¨ uhrt ihn bereits im unmittelbaren Antwortbrief N. 418 zu einer ausf¨ uhrlicheren Darstellung des — Locke, der in der Mathematik nicht genug bewandert sei pour connoistre la nature des demonstrations‘‘ nicht gel¨aufigen — Unterschieds zwi” schen notwendigen/ewigen Wahrheiten und Tatsachen-/kontingenten Wahrheiten. Die ewigen, empirisch nicht beweisbaren Wahrheiten tirent leur source [...] de la lumiere ” inn´ee ou de la raison naturelle‘‘, ein Argument auch der Nouveaux Essais. Fast gleichlautend hatte sich Leibniz bereits kurz zuvor (in N. 412) gegen¨ uber Thomas Burnett ge¨ außert, mit Kritik auch an Lockes Substanzbegriff und an dessen Auffassung von Identit¨ at. Kurz: il y a une infinit´e de choses o` u je voudrois m’expliquer tout autrement que ” Mons. Lock.‘‘

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Falls diese Botschaft an Locke selbst gelangen sollte: Burnett, soeben aus monatelanger Bastille-Haft entlassen (vgl. Kapitel 2 und Kapitel 13), ist in unserem Berichtszeitraum nicht die richtige Adresse. An seinem Zufluchtsort Genf ist er noch weitgehend abgeschnitten von dem, was in der gelehrten Welt und in England und Schottland vor sich geht und muss u ¨ber Lockes Befinden sogar von Leibniz Auskunft erbitten. Allerdings mit der Andeutung einer Neuigkeit: in Zusammenhang seiner Mitteilung u ¨ber die Polemik seines Namensvetters Thomas Burnet gegen den Essay Concerning Humane Understanding berichtet er auch u ¨ber eine (bereits fr¨ uher an Leibniz versandte) Verteidigungsschrift f¨ ur Locke. Die etwas mystifizierende Ausdrucksweise verbirgt, dass es sich um eine Autorin handelt: Catherine Trotter. Ein anderer Verbindungsweg zu Locke zeichnet sich f¨ ur Leibniz gegen Ende unseres Berichtzeitraums ab: u ¨ber den durch Gottlieb Justus von P¨ uchler vermittelten Kontakt zu Lady Damaris Masham (vgl. auch Kapitel 14). Vereinzelt kommen Elemente aus Leibniz’ philosophischem System auch in anderen Korrespondenzen zur Sprache: so das Uhrengleichnis gegen¨ uber Henning Huthmann in N. 271, pr¨ astabilierte Harmonie und Substanzbegriff gegen¨ uber Lorenzo Magalotti in N. 335. Von Leibniz’ Mitarbeiter Johann Friedrich Hodann ist zu erfahren, dass er den Auftrag hat, Definitionen f¨ ur die Scientia generalis‘‘ zusammenzustellen. ” Schließlich ist zu erw¨ ahnen, dass Leibniz in N. 218 ¨ahnlich wie bereits 1701 (I, 19 N. 202) dem jesuitischen Chinamissionar Joachim Bouvet eine ausf¨ uhrliche Darstellung seiner wissenschaftlichen, d. h. (natur-)philosophischen und mathematischen Errungenschaften gibt, mit Hinweis auf seine Auseinandersetzung mit den Cartesianern um Kraftbegriff und Bewegungsmenge und auf den Infinitesimalkalk¨ ul, der es nun erm¨ogliche, de ” resoudre des difficult´es, o` u la G´eometrie n’arrivoit pas auparavant‘‘, zum Beispiel eine Gleichung f¨ ur die Kettenlinie zu finden. uhrlich von der Dyadik, zu deren Interpretation Vor allem handelt N. 218 erneut ausf¨ Bouvets Vorg¨ angerbrief (I, 20 N. 318) mit der Behauptung einer Analogie zu den Hexagrammen der Fuxi-Ordnung eine neue Dimension er¨offnet hatte und von Leibniz begeistert aufgegriffen wird (vgl. Kapitel 12). Diese Entdeckung wird auch anderen hochrangigen Korrespondenten mitgeteilt, Pater Vota (in N. 203) und dem Pariser Acad´emie-Pr¨asidenten Jean-Paul Bignon, der die Schrift Explication de l’Arithm´etique binaire (Druck in Reihe VII) zum Druck in der Histoire de l’Acad´emie Royale des Sciences beigelegt erh¨ alt.

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Weitere mathematische Themen betreffen (neben zwei Rezensionen, die Leibniz f¨ ur die Acta eruditorum verfasst, vgl. Kapitel 13) die Osterterminberechnung f¨ ur das Jahr 1704, die als noch nicht gel¨ ostes Problem (auch f¨ ur das Berliner Kalenderwerk) mehrfach zur Sprache kommt (vgl. N. 97, N. 227, N. 305, N. 309 sowie Kapitel 7). Hilfestellung um se conformer avec les Gregoriens‘‘ sollen die mathematischen Tafeln des an der Kurie ” mit Kalenderfragen befassten p¨ apstlichen Sekret¨ars Bianchini geben, die Leibniz, nach ¨ komplizierter Ubersendung, wohl im Fr¨ uhjahr erh¨alt (vgl. z. B. N. 147, N. 175, N. 188) und an die Berliner Soziet¨ at und deren Astronomen Kirch weiterleitet (vgl. z. B. N. 309). In einem Brief an Huthmann (N. 271) wird Bianchini auch als Autor eines astronomischen Messger¨ ats dargestellt; Guidi schreibt ihm in N. 168 die Erfindung eines Instruments zur Erdbebenwarnung zu. Aus dem Gebiet der Technik ist die Fortsetzung des Austauschs zwischen Leibniz und Schulenburg u ¨ber Milit¨ artechnik und Festungsbau zu erw¨ahnen (N. 105). Schließlich kommen im Briefwechsel mit Hertel die botanischen Versuche des Wolfenb¨ uttler Arztes und Naturforschers Burckhardt zur Sprache, die dieser bereits im Vorjahr in Form eines an Leibniz gerichteten Briefes (Druck in Reihe III) dargestellt hatte.

12. Der Austausch mit China und Leibniz’ bin¨ares Zahlensystem Die Korrespondenz mit den Jesuitenpatres in China setzt sich auch in unserem Band fort. Die Sendung Charles Le Gobiens vom 13. M¨arz 1703 (N. 174) mit dem Brief Joachim Bouvets zur Interpretation der Fuxi-Figur aus dem Yijing vom 4. November 1701 (I, 20 N. 318 u. N. 319) und Jean de Fontaneys Brief vom 15. September 1701 (I, 20 N. 276) erreicht Leibniz am 1. April 1703 in Berlin. Noch im selben Monat erfolgen die Antworten an Bouvet (N. 218) und Fontaney (N. 220). Leibniz erf¨ ahrt aus Bouvets Brief von dessen Begeisterung, zwischen seinem bin¨aren Zahlensystem und der Anordnung der 64 Hexagramme in der Fuxi-Figur (vgl. I, 20 N. 319) eine Analogie herstellen zu k¨ onnen. Mit Leibniz’ Dyadik sah sich Bouvet nun in der Lage, dieses Liniensystem von unterbrochenen und durchgezogenen Linien nicht nur entziffern, sondern mit dem Sch¨ opfungsbericht der Genesis in Einklang bringen zu k¨onnen So unverhofft sich f¨ ur Bouvet auch die Analogie ergeben haben mag, die Verbindung h¨atte von ihm auch schon zu einem fr¨ uheren Zeitpunkt gezogen werden k¨onnen. Leibniz hatte an Grimaldi bereits Anfang 1697 von seiner Idee eines bin¨aren Zahlensystems geschrieben (vgl. I, 13 N. 321), und Bouvet hatte, wie aus seinem Brief vom 4. November 1701 (I, 20

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N. 318) hervorgeht, bereits damals diese Ausf¨ uhrungen zu Gesicht bekommen. In seinem ¨ Brief an Leibniz vom 28. Februar 1698 (I, 15 N. 238) hatte er bereits die Uberzeugung ge¨ außert, la veritable clef‘‘ f¨ ur die Entzifferung der Hexagramme gefunden zu haben. ” Leibniz wiederum arbeitete im Februar 1701, anl¨asslich seiner Aufnahme in die Pariser Acad´emie des Sciences, an seinem Essay d’une nouvelle Science des Nombres. Noch vor dessen Fertigstellung hatte er am 15. Februar 1701 (I, 19 N. 202) Bouvet u ¨ber seine Vorstellung eines bin¨ aren Zahlensystems ausf¨ uhrlich geschrieben: Mais mon principal ” but, a est´e [...] de Vous fournir une nouvelle confirmation de la religion Chrestienne `a l’egard du sublime article de la Creation par un fondement, qui sera `a mon avis d’un grand poids chez les philosophes de la Chine et peutestre chez l’Empereur mˆeme‘‘ (I, 19 N. 202, S. 409). Es war ihm also (in seinem Brief an Bouvet) nicht prim¨ar um eine interne Anwendung in der Mathematik gegangen, vielmehr um eine m¨ogliche theologische Implikation. Das bin¨ are Zahlensystem spiegele die Dichotomie in der Sch¨opfung zwischen Gott und dem Nichts wieder. Da alle Zahlen aus 0 und 1 geschaffen werden k¨onnen, sei dieser Mechanismus ein Symbol f¨ ur die Sch¨ opfung, der creatio ex nihilo. Dieser Brief erreichte Bouvet im November 1701, d. h. zu einem Zeitpunkt, als f¨ ur diesen mittlerweile l¨angst feststand, dass es sich bei der Fuxi-Figur um ein Wissenssystem handle, dessen Code sich mit Hilfe von Zahlen entziffern lassen m¨ usse. Bereits ein Jahr zuvor, am 8. November 1700, hatte Bouvet Le Gobien davon geschrieben (vgl. I, 20 N. 329). Le Gobien hatte Leibniz eine Kopie davon am 10. November 1701 zukommen lassen (vgl. I, 20 N. 328), d. h. acht Monate nach Leibniz’ Darstellung seines bin¨aren Zahlensystems f¨ ur Bouvet. Der erste Briefpartner, dem Leibniz von diesem unverhofften Zusammentreffen seiner Dyadik mit der Fuxi-Figur berichtet, ist Vota. Der Anlass f¨ ur Leibniz’ Schreiben vom 4. April (N. 203) ist die Weiterbef¨ orderung eines Briefes der Kurf¨ urstin Sophie an den Jesuitenpater. Leibniz’ Brief beinhaltet eine ausf¨ uhrliche Darstellung seines bin¨aren Zahlensystems. Offensichtlich noch stark unter dem Eindruck von Bouvets Mitteilung stehend, ist der Brief nicht nur im Ton als beinahe u ¨berschw¨anglich zu bezeichnen ( une ” chose fort surprenante‘‘, il y a de surprenant‘‘, une merveilleuse rencontre‘‘), auff¨allig ” ” ist vor allem, dass Leibniz die von Bouvet vorgenommene chronologische Einordnung von Fuxi innerhalb der biblischen Patriarchen u ¨bernimmt: et qu’il l’a mˆeme pouss´e `a ” l’histoire de la Genese qui luy devoit estre connue, etant plus ancien que Mo¨ıse‘‘. Am 7. April, also eine Woche nach Erhalt des Bouvet-Briefes, schreibt Leibniz an die Pariser Akademie. Sein Brief an Bignon (N. 207), ein Begleitschreiben zu seinem Brief an Fontenelle (Druck in Reihe II), ist knapp gehalten. Er erw¨ahnt lediglich die von Bouvet

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gemachte Entdeckung, dass sich mit Hilfe des bin¨aren Zahlensystems ein 4 000 Jahre altes chinesisches Schriftzeugnis entziffern lasse: et voila maintenant le dechifrement par le ” moyen des Europ´eens‘‘. Dies nimmt er zum Anlass, bei der Acad´emie eine zweite Fassung seines Essays einzureichen (vgl. Kapitel 11). Leibniz’ Antwortbrief wirft ein interessantes Licht auf die unterschiedlichen philosophischen Standpunkte beider Korrespondenzpartner. Beiden gemeinsam ist die Iden¨ tifikation der chinesischen mit der christlichen Uberlieferung aufgrund der hergestellten Analogie: die Fuxi-Figur als eine imago creationis. Bouvet versteht die bin¨are Schreibweise der Zahlen, philosophisch betrachtet, als Ausdruck von begrifflichen Dichotomien: J’entens ici par Imparfait, non l’Imparfait absolu, mais l’Imparfait respectif, comme ” le repos par rapport au mouvement, le froid par rapport au chaud etc.‘‘ (I, 20 S. 539). Im u ¨brigen ist diese Form der Interpretation keine rein europ¨aische. Leibniz spricht von imperfection‘‘ der Sch¨ opfungen ( creatures‘‘) und setzt den Akzent anders, nicht im Sinne ” ” pythagoreischer Dichotomien, sondern im Sinne von Unvollkommenheit, Begrenzung. Er unterstreicht noch einmal den großen Nutzen der bin¨aren Schreibweise der Zahlen f¨ ur die Religion, gebe sie doch un symbol admirable de la creation‘‘ (S. 354), d. h. f¨ ur die ” Sch¨ opfung der Dinge durch Gott einerseits und f¨ ur das Nichts andererseits. Durch die Sch¨ opfung erf¨ ahrt das Nichts seine Begrenzung, umgekehrt ist das Nichts als Negation die Begrenzung der Gesch¨ opfe ( creatures‘‘) in dem Maße, wie es gleichzeitig ihre Un” vollst¨ andigkeit ( imperfection‘‘) darstellt. Ein Bild hierf¨ ur ist der Kreis, der durch seinen ” Umfang ( circomference‘‘) begrenzt ist ( qui luy met son non-plus-ultra‘‘). Insofern ist es ” ” auch f¨ ur Leibniz h¨ ochst erfreulich, dass sich diese Darstellung der creatio ex nihilo in der Fuxi-Figur erkennen lasse. Leibniz’ Vorgehensweise bei der Interpretation dieser Figur ist folgende: Er nummeriert die einzelnen Hexagramme im Quadrat von links nach rechts und liest Zeile f¨ ur Zeile ,europ¨ aisch‘ (S. 354). Diese Lesart erlaubt ihm, in der ersten Zeile die Zahlen von 0 bis 7 in bin¨ arer Schreibweise wiederzuerkennen (S. 354). Diese Anordnung erscheint ihm parfaitement naturel‘‘ (S. 354). Sie spiegele nicht nur die europ¨aische Lesart wieder, ” auch sehr alte orientalische Schriftzeugnisse (er erw¨ahnt Tschelminar), w¨ urden von links nach rechts gelesen. D. h. die Lesart von links nach rechts k¨onnte auch als Hinweis auf das Alter des Schriftzeugnisses geltend gemacht werden. Eine vergleichbare folgerichtige Anordnung kann Leibniz im Kreis nicht erkennen: Car l’ordre est un peu troubl´e dans ” le cercle‘‘ (S. 353). Davon ausgehend, dass der Kreis inhaltlich dem Quadrat entsprechen muss, beginnt er unten mit dem Hexagramm, das nur aus unterbrochenen Linien besteht,

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zu lesen, markiert es mit 0 und nummeriert durch bis 31; die zweite Kreish¨alfte, ebenfalls unten beginnend, geht, da ohne 0, bis 32. Leibniz erhofft sich weitere Erkenntnisse u ¨ber die genaueren Zusammenh¨ ange der einzelnen Hexagramme bzw. zwischen den Hexagrammen und den Beschriftungen mit Hilfe eines sprachgeschichtlichen W¨orterbuchs. Er verweist — zumindest im uns u ¨berlieferten Konzept — mehrmals mit Nachdruck auf die Bedeutung von sprachgeschichtlichen Zusammenh¨angen. Der sprachgeschichtliche Hintergrund sollte den urspr¨ unglichen, authentischen Gedanken aufsp¨ uren. Ist das bin¨ are Zahlensystem ein Instrument, die formale Struktur aufzudecken, so k¨onnte eine fundierte Kenntnis der Sprachgeschichte die inhaltliche Struktur der Anordnung deutlich machen. Dennoch ist der sprachgeschichtliche Blickwinkel kein Widerspruch zu der Vorstellung, dass die Figur, d. h. die Hexagramme, ohne die chinesischen Zeichen, ein Bild der Sch¨ opfung im Sinne des christlichen Dogmas darstellten. Die acht Hexagramme in der ersten Reihe lassen sich wie ein Sch¨ opfungsbericht lesen. Angefangen mit dem Nichts (dargestellt durch 0), pr¨ asentiert jedes Hexagramm einen Tag der Sch¨opfung, wobei der 7. Tag, der Sabbat, als vollkommenster dargestellt ist, da die 7 mit 111 wiedergegeben ist, d. h. ohne 0. Die Wiedergabe mit 111 erm¨ oglicht zudem einen Bezug zur Trinit¨at (S. 360). Bemerkenswert ist allerdings, dass Leibniz, anders als im Brief an Vota, mit keinem Wort auf die f¨ ur Bouvet so außerordentlich wichtige chronologische Einordnung eingeht. F¨ ur Bouvet steht zweifelsfrei fest, dass Fuxi, der als erster Gesetzgeber Chinas gilt, mindestens vom Wissen der unmittelbaren Nachkommen Noahs Kenntnis hatte, wenn er nicht gar selbst in die Reihe der biblischen Patriarchen einzuordnen ist und damit kein Chinese w¨ are. Denkbar w¨ are zudem, dass eine entsprechende graphische oder semantische Deutung seines Namens ihn als eine Pers¨ onlichkeit identifiziere, die mit Hermes Trismegistos oder Henoch gleichzusetzen sei (I, 20 S. 542). Insofern kommt f¨ ur Bouvet die Analogie zwischen der Dyadik und der Fuxi-Figur einer Offenbarung gleich, w¨ahrend Leibniz hier eher ein Instrument sieht, theologische Inhalte gleichzusetzen. Ein interessanter Punkt ist Leibniz’ Einwand gegen¨ uber Bouvets Darstellung der Farben als Dichotomien von schwarz und weiß, die sich auch aus der Dyadik ableiten lasse (I, 20 S. 539 f.). Dem widerspricht Leibniz zun¨achst nicht: un exemple d’eclaircissement, ” o` u cette regle a lieu qui dit exemplorum non requiritur veritas‘‘ (S. 359). Dennoch weist er ausdr¨ ucklich auf die physikalischen Prismabeobachtungen hin. Wie wichtig ihm die Unterscheidung zwischen logischem Anschauungsbeispiel und tats¨achlicher empirischphysikalischer Beobachtung ist, bezeugt das bereits erw¨ahnte Fragment, in dem Leibniz auf diesen Sachverhalt explizit eingeht (vgl. ebd. Erl.). Auch Bouvets scholastisches

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Verst¨ andnis seiner Dyadik ist f¨ ur Leibniz nur mit Einschr¨ankungen g¨ ultig. Er weist darauf hin, dass bin¨ are Zahlenpaare nicht mit scholastischen Qualit¨aten wie etwa bei Suisset zu vergleichen sind (S. 360). Ausdr¨ ucklich hebt er hervor, welche Hoffnungen er in die mathematische Leistungsf¨ ahigkeit der Dyadik setzt. So glaubt er eine M¨oglichkeit gefunden zu haben, die Dyadik in der Zahlentheorie einzusetzen. Hatte Leibniz bereits in seinem Brief vom 15. Februar 1701 die theologischen Deutungsm¨ oglichkeit des bin¨ aren Zahlensystems betont, so weist er hier in dem uns u ¨berlieferten Konzept mehrmals explizit auf die M¨oglichkeit hin, die von Bouvet hergestellte Analogie als Instrument zur Evangelisierung zu nutzen. Leibniz verspricht sich hiervon eine außerordentliche Chance, das Interesse des chinesischen Kaisers am Wissensaustausch mit Europa neu zu beleben. Je crois que vous pourri´es interesser adroitement ” l’Empereur mˆeme dans cette recherche des arts; luy faisant connoistre que le moyen de perfectionner les arts de son pays est d’en donner des descriptions; et par ce moyen on pourra voir ce qui manque aux Chinois, pour le suppl´eer par le secours des Europeens‘‘ (S. 349). Insofern ist es f¨ ur ihn nur konsequent, wenn er den Weg der Evangelisierungsbem¨ uhungen der chinesischen Jesuitenmissionare unterst¨ utzt, ungeachtet aller Kritik: Bien des gens n’ont pas est´e contents de moy tant parmy les Protestans qu’en France, ” de ce que j’ay pris le parti de vos missions‘‘ (N. 220).

13. Nova literaria Auch wenn Leibniz’ prominente Position in der Gelehrtenrepublik in mehreren Briefen angesprochen wird (vgl. z. B. N. 185, N. 254, N. 257, N. 354): nova literaria sind in unserem Band schw¨ acher vertreten als sonst. Das entspricht Leibniz’ eigenem Empfinden: im Juni 1703 schreibt er, soeben aus Berlin nach Hannover zur¨ uckgekehrt, an den Helmstedter Fabricius (N. 261): Cum diu extra commercium literarium fuerim, partim ob valetudinem ” partim ob alia impedimenta, gratissimum erit, si Tuo beneficio in gratiam magis magisque redeam cum literaria republica, docearque quae in ea gerantur‘‘. Die Gr¨ unde daf¨ ur d¨ urften vielf¨ altiger Natur sein. Ob es wirklich die gesundheitlichen Probleme waren, die sich hemmend auf den Austausch in der Gelehrtenrepublik auswirkten, muss dahin gestellt bleiben; explizit erfahren wir allein aus Leibniz’ Brief an Bouvet von Mitte April, er sei eine Zeit lang quasi schreibunf¨ahig gewesen. Im Vordergrund gestanden haben d¨ urften die alia impedimenta‘‘, zu denen Leibniz’ Pr¨asenz ” am Hof zu Berlin, seine intensive Besch¨ aftigung mit der Ausarbeitung von m´editations‘‘ ”

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f¨ ur die K¨ onigin (vgl. Kapitel 11) ebenso geh¨ort haben k¨onnten wie die bereits angesprochene Dominanz der Politik (vgl. Kapitel 6). Dabei d¨ urften die unruhigen Zeitl¨aufte nicht nur einen Schwerpunkt der Nachrichten gebildet, sondern auch ganz konkret Einschr¨ ankungen der Kommunikation erzeugt haben: so erfahren wir aus Guidis Briefen aus den ersten Jahresmonaten von einer im Zuge der Truppenvergr¨oßerungen der Seem¨achte von Seiten Englands ins Spiel gebrachten Forderung nach dem Verbot eines jeglichen commerce des lettres‘‘ mit Frankreich sowie Spanien (vgl. z. B. N. 140). Hinzu kommen ” wohl Leibniz’ pers¨ onliche Schwierigkeiten des Postempfangs. Die lange Abwesenheit von Hannover macht sich bemerkbar. In Berlin unterliegt seine Korrespondenz, wie bereits ¨ in Kapitel 1 angesprochen, einer Uberwachung. Zudem werden Briefe an ihn nur teilweise aus Hannover weitergeleitet: Knoche, der f¨ ur die Weiterbef¨orderung sorgen soll, l¨ asst gr¨ oßere Sendungen (N. 12: von Holland, Wien oder sonsten von weit entfernten ” Ohrten‘‘) lieber auf der Post liegen. Jedenfalls hat Leibniz Grund, sich bei mehreren uckkehr f¨ ur eine sehr versp¨atete Korrespondenten (vgl. z. B. N. 271 u. N. 272) nach der R¨ Antwort zu entschuldigen. Auch ist nicht zu vergessen, dass 1703 mit dem Tod dreier Leibniz-Korrespondenten — im Januar Graevius und Gerhard Meier, im April Morell — der Abbruch langdauernder, zum Teil intensiver Briefbeziehungen f¨allt. Die u ¨ber 30 Jahre hinweg gef¨ uhrte Korrespondenz mit Graevius reicht bis in die Mainzer Zeit zur¨ uck; die mit Meier zeichnet sich (abgesehen von dem Niederschlag, den sie einst in den Collectanea Etymologica finden soll, als einer der wenigen Briefwechsel, den Leibniz selbst zum Druck bestimmen wird) vor allem durch ihren Umfang aus; mit nahezu 150 erhaltenen Briefen rangiert sie in einer nach der Briefh¨ aufigkeit geordneten Rangliste weit oben; die mit Morell hatte trotz dessen schwerer Erkrankung in den letzten Jahren an Intensit¨at gewonnen. Alle drei Todesf¨ alle spiegeln sich auch in Briefen unseres Bandes. Das Echo von Graevius’ Tod in der Gelehrtenrepublik leitet ein Brief Sebastian Kortholts weiter; in N. 254 erfolgt eine W¨ urdigung durch Spanheim. Im Falle Meiers erfahren wir aus mehreren Korrespondenzen (Reinerding, Rhode, Pauli) von Leibniz’ m¨ uhsamer Suche nach einst f¨ ur den Bremer Korrespondenten aus der Bibliotheca Augusta entliehenen B¨ uchern und Handschriften (vgl. Kapitel 4) sowie seinem Interesse an dessen Bibliothek, die im Sommer 1703 zur Versteigerung kommt. La mort de M. Morell [...] a allarm´e toute la Republique des lettres‘‘ (N. 274): es ist ” der Tod dieses excellentis in re nummaria viri‘‘ (N. 272), der den gr¨oßten Widerhall in der ” Korrespondenz findet, verbunden mit der Sorge um sein nachgelassenes numismatisches

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Œuvre. Spanheim (N. 254) und Cuper (N. 257) wenden sich an Leibniz mit Fragen nach dem Stand der Arbeit und ¨ außern die Hoffnung, Morells bisheriger Dienstherr, Graf Anton G¨ unther von Schwarzburg-Arnstadt, werde dem Werk auch bei Vollendung durch einen anderen Gelehrten weiterhin sein Wohlwollen schenken. Spanheims Bitte, bei Graf Anton G¨ unther hierf¨ ur vorstellig zu werden, erf¨ ullt Leibniz mit N. 274; unter Berufung auf eine Reihe von habils hommes de la nation Germanique‘‘ wie Beger, Cuper, Spanheim ” und indem er vorschl¨ agt, dessen einstigen Sekret¨ar Schott mit der Arbeit zu betrauen. Offenbar vergebens: eine Antwort aus Arnstadt bleibt aus, wie Leibniz einige Monate sp¨ ater (mit N. 375; vgl. auch N. 382) bedauernd vermerkt; erst Jahrzehnte sp¨ater (1734 bzw. 1752) wird Morells Thesaurus zum Druck kommen. Ein Resultat hat die Angelegenheit aber doch: die Reaktivierung des in den letzten Jahren nur noch einseitig, von Leibniz’ Seite aus, gef¨ uhrten Briefwechsels mit Spanheim. N. 254 enth¨ alt neben dessen Bitte um die Morell-Erkundigungen und ein paar Bemerkungen zur Tagespolitik eine Vielzahl von nova literaria; sie gelten neben seinen eigenen Werken (mit Hinweis auf den — nicht zur Verwirklichung kommenden — Plan einer Fortf¨ uhrung seiner Observationes ad Juliani Imperatoris Opera) vor allem Neuerscheinungen und im Gange befindlichen Arbeiten aus seinem derzeitigen Wirkungsbereich als brandenburg-preußischer Gesandter, insbesondere Klassiker-Editionen aus Oxford und Cambridge (durch David Gregory und Grabe, Bentley und K¨ uster), darunter auch die ¨ reich bebilderte Caesar-Ausgabe Clarkes (vgl. Kapitel 7). Uber einiges davon berichtet auch — weniger detailreich, eher pauschal — Andrew Fountaines Brief N. 333. Fountaine selbst, dessen Numismata Anglo-Saxonica and Anglo-Danica kurz vor dem Abschluss stehen, weitet auf seiner Reise als Begleiter des Viscount Woodstock seine gelehrten Kontakte aus; in Cupers Briefen (N. 114, N. 257) wird sein Ruf als Numismatiker (vgl. bereits I, 20 Einleitung S. LXXI) weiter etabliert. Die Hauptquelle fr¨ uherer B¨ ande f¨ ur englische nova literaria ist zur Zeit versiegt: Thomas Burnett kann nach seiner Freilassung aus der Bastille (vgl. Kapitel 2 und Kapitel 11) allenfalls Nachrichten aus seinem derzeitigen Aufenthaltsort Genf liefern; mit dem Kommentar, hier gebe es nur wenige wahrhafte Gelehrte (unter denen er vor allem den Theologen Turrettini hervorhebt), aber sehr viele zweit- und drittrangige. Abgesehen von den Berichten zum politischen Geschehen und den verheerenden Erdbeben zu Jahresbeginn (vgl. Kapitel 6) finden sich in unserem Band kaum Nachrichten aus Italien: der einzige Brief Antonio Magliabechis (N. 236) diente wohl vor allem als Begleitschreiben f¨ ur einen reisenden Engl¨ ander. Leibniz’ Antwort ist ausf¨ uhrlicher; seine

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Neuigkeiten beziehen sich vor allem auf ihm k¨ urzlich zugegangene Neuerscheinungen. Zum wiederholten Mal (vgl. bereits I, 17 N. 357) regt er ein Lexikon technischer Begriffe f¨ ur Italien an. Dass er hier die Kommunikation nach wie vor gern erweitert h¨atte, zeigt seine Bitte an den Italien-Reisenden Nomis (N. 367), ihm einen gelehrten Korrespondenten aus Rom oder Venedig zu beschaffen qui fut port´e `a me donner de temps en temps ” des nouvelles de la republique des lettres, a` qui je tacherois de rendre le reciproque‘‘. Mit der Bitte um Nachrichten wendet Leibniz sich auch nach Russland, an Heinrich van Huyssen in N. 383: Vous m’obligeri´es infiniment [...], si vous donni´es quelque ” connoissance de l’Estat des Arts et Sciences du pays‘‘. Hinsichtlich Chinas hofft er zum wiederholten Mal auf Bouvet und die jesuitischen Missionare pour nous faire en echange ” des nostres les belles connoissances des Chinois, sur tout dans les arts‘‘ (N. 218, S. 348). Eine Bemerkung in Bouvets Vorg¨ angerbrief (I, 20 N. 318) l¨asst ihn freilich bef¨ urchten, que l’Empereur [...] ayant achev´e de se satisfaire sur ce qu’il desiroit savoir de la ” Theorie de nos sciences, ne donne plus la facilit´e aux Europeens de l’entretenir sur ces matieres‘‘ (S. 348). So schl¨ agt er erneut (vgl. bereits I, 19 N. 202) die Erstellung von Bildw¨ orterb¨ uchern des Chinesischen vor (und setzt Bouvets Auskunft, es gebe keine bilinguen Verzeichnisse der chinesischen Schriftzeichen, eigene Lesefunde in Katalogen entgegen), fragt nach der Herstellung von Papier und Lettern, nach Lederimpr¨agnierung, nach dem Auftreten von Krankheiten (Gicht, Syphilis, Steinleiden), nach Heilmitteln, nach der Seidenproduktion, bittet um Sprachproben, um Auskunft zur Geographie der ¨ Tartarei, zur Astronomie, zur chinesischen Uberlieferung des Alten Testaments und zu unpunktierten hebr¨ aischen Codices. Auch dem kurzen Brief an Jean de Fontaney (N. 220) muss ein Fragenkatalog beigelegen haben; auch hier ¨außert Leibniz die Bef¨ urchtung, die Zeit daf¨ ur werde bald abgelaufen sein. Wieder dr¨angt er darauf, den Kaiser dazu zu bewegen ` a faire faire les descriptions de tous les arts‘‘. ” Sieht man von den Korrespondenzen mit den in Paris weilenden jesuitischen Chinamissionaren (Le Gobien, Fontaney) ab, in denen Leibniz Nachrichten eher ausgibt als empf¨ angt, so spiegeln allein die mit Jean Paul Bignon (vgl. Kapitel 11), Christophe Brosseau und Fran¸cois Pinsson die Kommunikation mit Frankreich. Die Briefe Brosseaus konzentrieren sich wie immer auf seine Funktion als Mittelsmann bei der Weiterbef¨orderung von Briefen (insbesondere zu Fontenelle und den Chinamissionaren), Auftr¨agen und B¨ uchern ebenso wie in dienstlichen Angelegenheiten (vgl. Kapitel 2). Der einzige Brief Pinssons (der mit einem leichten Vorwurf wegen Leibniz’ l¨angeren Schweigens beginnt)

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berichtet von zwei benediktinischen prosopographischen bzw. bibliographischen Unternehmen: den in Arbeit befindlichen Annales Ordinis S. Benedicti Mabillons sowie der Neuauflage von Le Nourrys Apparatus ad Bibliothecam maximam veterum Patrum, die er Leibniz u ¨bersendet, zusammen mit einem Auktionskatalog der Bibliothek eines Pariser Advokaten. Eine Bemerkung gilt auch dem jansenistischen cas de conscience‘‘ der Theo” logischen Fakult¨ at der Sorbonne. Zu den wenigen Nachrichten, die in mehreren Briefen erscheinen, geh¨ ort die Arbeit an der Histoire de l’Acad´emie Royale des Sciences (vgl. N. 342, N. 355). Holland ist zwar nur durch Cuper, aber in seinen Briefen mit einigem Gewicht vertreten (vgl. Kapitel 11), D¨ anemark nicht nur durch Otto Sperling (vgl. Kapitel 10), sondern auch durch Friedrich Adolf Hansen von Ehrencron, der die lang unterbrochene Korrespondenz mit N. 228 und der Weiterleitung eines Briefes aus Kopenhagen wieder aufnimmt. Von gr¨ oßerem Interesse scheint f¨ ur Leibniz aber dessen vor kurzem beendete T¨ atigkeit als d¨ anischer Gesandter in Madrid zu sein. So stellt er im Antwortbrief N. 270 nicht nur eine Frage sur l’Estat present de l’Amerique Espagnolle‘‘, sondern l¨asst auch ” implizit die Hoffnung auf Information u ¨ber die Gelehrten Spaniens, terra incognita der Gelehrtenrepublik, erkennen. Allerdings vergebens: die Korrespondenz wird nicht fortgef¨ uhrt. Ebenfalls aus Kopenhagen und nach l¨angerer Unterbrechung kommen von Heinrich Wilhelm Ludolf ein paar Hinweise auf gelehrte Kontakte w¨ahrend seiner Orientreise ¨ 1697–1700. Auch hier wird die Korrespondenz nicht weitergef¨ uhrt; die Uberlieferung l¨asst ¨berhaupt erreicht hat. nicht erkennen, ob N. 401 Leibniz u Schließlich das Deutsche Reich: auch von hier ist die Ausbeute (wenn man von der neu er¨ offneten Korrespondenz mit Cellarius absieht, vgl. Kapitel 10) eher mager. Schmidt berichtet von einer numismatischen Neuerscheinung, die er Leibniz mit N. 292 u ¨bersendet. Mit seiner Bef¨ urchtung (N. 258) m¨oglicher Folgen von Beichlingens Sturz (vgl. Kapitel 8) f¨ ur dessen gelehrte Klienten Junius und Tentzel (die f¨ ur den letzteren Fall realistischer ist als Leibniz’ optimistische Einsch¨atzung in N. 260) thematisiert er zugleich die Auswirkung der Tagespolitik auf die Gelehrtenrepublik. Fabricius schildert in N. 266 die Zust¨ ande an der Universit¨ at Altdorf in Zeiten des Krieges: fast alle Professoren haben die Flucht ergriffen. Von Leibniz’ pr¨ asumtiven Klienten Sebastian Kortholt und Johann Gr¨ oning kommen Aufz¨ ahlungen ihrer Schriften und Arbeitsvorhaben, bei Kortholt zudem eine Bemerkung u ¨ber den gelehrten Streit zwischen seinem Vater Christian Kortholt

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und Baillet, den er selbst nun in der zweiten Generation weiterf¨ uhrt. Auch eine andere — theologische — Kontroverse erh¨ alt immer noch neue Nahrung: der terministische Streit, von dem Leibniz’ Neffe L¨ offler aus Leipzig berichtet (N. 421), zusammen mit Personalnachrichten von der Universit¨ at. Ergiebiger sind Leibniz’ Buch-Akquisitionen, in der Mehrzahl Geschenke. So u ¨bersendet John Ker of Roxburghe mit N. 235 Cheynes Fluxionum methodus inversa, die Leibniz f¨ ur das Oktoberheft der Acta eruditorum rezensieren wird. In deren Novemberheft erscheint seine Rezension der Neuauflage von Vivianis De locis solidis, das Leibniz ¨ mit Widmung des Autors erhalten hatte. Uber Otto Mencke erh¨alt er Huygens’ Opuscula ¨ postuma (vgl. N. 225, N. 342) im Auftrag des Herausgebers de Volder. Uber den einstigen Sekret¨ ar Johann Carl Schott l¨ asst Spanheim ihm die Neuauflage seines Orbis Romanus (mit handschriftlicher Widmung) zusenden. Schott k¨ ummert sich auch um Leibniz’ B¨ ucherw¨ unsche aus Spanheims einstiger Bibliothek, jetzt Teil der K¨oniglichen Bibliothek zu Berlin (N. 382). Entleihungen sind auch aus der Bibliothek Johann Friedrich von Alvenslebens zu Hundisburg bezeugt. Von Cellarius geht Leibniz mit N. 360 dessen Sedulius-Edition zu, von Fabricius mit N. 423 dessen Via ad pacem ecclesiasticam. Gegen ¨ Jahresende stellt Gottlieb Justus von P¨ uchler die Ubersendung von Cudworths The True Intellectual System of the Universe in Aussicht, im Auftrag der Tochter des Autors, Lady Damaris Masham: der Auftakt zur Korrespondenz mit ihr (Druck in Reihe II). P¨ uchler, Angeh¨ origer der braunschweig-l¨ uneburgischen Gesandtschaft in England, bietet sich auch an f¨ ur die Neugestaltung der Buchbeschaffung aus England, die in den Monaten zuvor problematisch geworden war: mit N. 291 hatte Christoph Bernhard Crusen seine diesbez¨ uglichen Dienste f¨ ur Leibniz quittiert, mit der Begr¨ undung, es fehlten ihm die f¨ ur die B¨ ucherbesorgung n¨ otigen Geldmittel. So bleibt auch die von Leibniz schon l¨ anger (vgl. I, 20 N. 144) angestrebte Vervollst¨andigung der Philosophical Transactions unsicher, auch wenn er Falaiseau (N. 219) und den hannoverschen Gesandten utzung bittet. P¨ uchlers ErLudwig Justus Sinold von Sch¨ utz selbst (N. 52) um Unterst¨ kundigungen erweisen schließlich, dass nicht mehr alle B¨ande zu erhalten sind. In Paris sind es Pinsson und Brosseau, die sich um Leibniz’ B¨ ucherw¨ unsche k¨ ummern. Zu Jahresbeginn hatte er von Fontenelle eine Liste von mathematischen und physikalischen Neuerscheinungen aus Frankreich erbeten (Druck in Reihe II). Brosseau nimmt sich der Umsetzung an und u ¨bersendet die von Fontenelle ausgew¨ahlten B¨ ucher mit angerem hinziehende Verschickung von f¨ unf Handschriften aus N. 180; auch die sich seit l¨

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der Schweiz, die La Loub`ere Leibniz zugedacht hatte, macht er zu seiner Angelegenheit (vgl. z. B. N. 123, N. 180). In Leipzig ist L¨ offler immer noch mit dem Versand von B¨ uchern aus der LangeAuktion befasst, die er in Leibniz’ Auftrag erworben hatte (vgl. N. 137). Versp¨atet trifft der erste Katalog der Versteigerung von Gerhard Meiers Bibliothek bei Leibniz ein, die ihm daher entgeht; er unternimmt einige Anstrengungen, um nachtr¨aglich an ein paar Lexika zu kommen. Seine Nachfrage bei dem Bremer Johann Eggeling (N. 325) verbindet er mit Erkundigungen nach dem Placcius-Nachlass. Der Katalog der zweiten Auktion geht ihm (mit N. 365) rechtzeitig zu, zumindest nach Aussage von Molanus (in N. 371) ist der Inhalt jedoch entt¨ auschend. Schließlich sind die Zeitschriften nicht zu vergessen. Im M¨arz erh¨alt Leibniz die ersten drei Faszikel des in diesem Jahr neu begr¨ undeten Journals Nova Literaria Germaniae von den Herausgebern Peter Ambrosius Lehmann und Gottlieb Strasberg, mit der Bitte um Begutachtung; wenn er einige Monate sp¨ater Magliabechi (in N. 355) gegen¨ uber italienische Gelehrtenverzeichnisse anregen wird, wird er sich auch auf die Hamburger Aktivit¨ aten beziehen. W¨ ahrend die Fortsetzung von Tentzels Monatlichen Unterredungen in der Curieusen Bibliothec nur in einer abf¨ alligen Bemerkung Eckharts (in N. 75) zur Sprache kommt, nehmen die Acta eruditorum auch jetzt gr¨ oßeren Raum ein, insbesondere im Briefwechsel mit dem Herausgeber Otto Mencke. Das Spektrum reicht von der Fertigstellung und Lieferung einzelner Monatshefte u ¨ber (vor allem aus England) eingegangene Neuerscheinungen (N. 342, N. 393) und Rezensionen (neben Leibniz’ eigenen die Vermittlung einer Besprechung auf Bitten Daniel Ernst Jablonskis; vgl. N. 315 u. N. 338) bis zu Menckes Gratwanderung zwischen der Wahrung eines klaren Profils ( de rebus physicis, Mechanis‘‘) ” und seinem Bestreben, einen neu erschlossenen Korrespondentenkreis — schwedische Gelehrte — nicht zu ver¨ argern durch Ablehnung eines diesen Rahmen u ¨berschreitenden Beitrags (vgl. N. 393). Wie immer spricht er sich gegen das Austragen heftiger gelehrter ¨ Kontroversen in den Acta eruditorum aus; sein bereits l¨anger andauernder Arger (vgl. z. B. I, 19 Einleitung S. LXXVII) u ¨ber die Streitigkeiten zwischen den Br¨ udern Bernoulli findet auch jetzt Ausdruck (vgl. N. 99). Ganz entgegen dieser Gesinnung ist er aber durchaus bereit, einem im Vorjahr erschienenen Werk (Gronovius, Exercitationes Academicae in Nece Judae), in dem Leipzig schlecht wegkommt, ¨offentlich Kritik entgegenzusetzen: Daher wir nicht umbhin gekont, im Januario etwas weniges wieder ihn einzubringen‘‘ ” (N. 225).

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14. Bureau d’adresse — Hofmann, Patron, Klient Leibniz’ Unterst¨ utzung, sein vermittelndes Eintreten sind auch in unserem Zeitraum auf mehreren Feldern gefragt; er ist Ansprechpartner f¨ ur Anliegen aus der gelehrten Welt wie dem Umkreis der H¨ ofe zu Hannover und Berlin, von Personen, die ihn als ihren Patron ansehen, ebenso wie Hof-Angeh¨ origen, gleichrangigen und h¨ohergestellten, bis hin zum F¨ urstenstand. W¨ ahrend seines Berlin-Aufenthaltes agiert er als Sachverwalter f¨ ur Personen aus dem h¨ ofischen Umfeld Hannovers (und umgekehrt), so bei der Beschaffung von Bernsteinplatten, die u ¨ber Mauro an den Abbate Steffani und weiter an die eigentliche Auftraggeberin, eine Gr¨ afin Egmont, gehen (vgl. N. 100 u. N. 147). Zusammen mit Querini nimmt er die Interessenvertretung Guidis wahr bei dessen Versuch, sich dem preußischen K¨ onig anzuempfehlen mit einer Panegyrik auf den Jahrestag der K¨onigskr¨onung am 18. Januar. Leibniz wird um stilistische Beurteilung (und grammatikalische Korrektur) gebeten (vgl. z. B. N. 90); auch u ¨ber den Vorgang der Sophie Charlottes Hofmusiker Ariosti anvertrauten Drucklegung wird er en detail unterrichtet — und u ¨ber deren unerfreuliche Folgen. Denn das Werk bringt Guidi zun¨ achst nichts ein außer u ¨berh¨ohten Druckkosten und langwierigen Auseinandersetzungen mit Ariosti; die erhoffte Belohnung des Hofes bleibt vorerst aus. In kaum einem der Guidibriefe aus den ersten Monaten des Jahres fehlt die Bitte, Leibniz m¨ oge sich um seine affaire‘‘ k¨ ummern; noch kurz vor der Ab” reise von Berlin wird dieser deshalb erneut bei Requetenmeister Hamrath vorstellig (mit N. 247). Aber erst im September (vgl. N. 331) kommt Guidis lang erhoffte Belohnung in Gestalt einer Medaille. Umgekehrt erh¨ alt Leibniz von Guidi tatkr¨aftige Unterst¨ utzung bei der Entkr¨ aftung des in Hannover umlaufenden Ger¨ uchts, er sei bereits in den Dienst des preußischen K¨ onigs u ¨bergetreten (vgl. Kapitel 1). Bereits angesprochen (vgl. Kapitel 2 und Kapitel 6) wurde Leibniz’ Agieren, um die Position Sophie Charlottes in Sachen Ariosti an ihrem elterlichen Hof Hannover zu vermitteln und um dessen Abberufung vom Berliner Hof zu verhindern. Die Anfrage der Hofdame und Vertrauten der K¨ onigin, Henriette Charlotte von P¨ollnitz, nach f¨ ur Petschaften geeigneten Steinen aus Linsburg gibt er weiter an den cellischen Kommandanten in Nienburg, Hans Christof von Walthausen. Ebenfalls zur Entourage der K¨ onigin geh¨ort in diesem Jahr zeitweise F¨ urstin Luise von Hohenzollern-Hechingen. Sie, die bereits fr¨ uher Leibniz’ Dienste immer wieder in Anspruch genommen hatte (vgl. z. B. I, 19 Einleitung S. XLII f.), ben¨otigt seine Hilfe nun in besonderem Maße. Der Spanische Erbfolgekrieg mit seiner Konzentration auf den

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schw¨ abisch-bayrischen Raum und ein Zerw¨ urfnis mit ihrem Ehemann haben sie praktisch heimat- und mittellos gemacht (vgl. N. 22). Bereits zu Jahresbeginn (N. 15) wird sie bei ihrem Karnevalsbesuch in Hannover von Kurf¨ urstin Sophie als bien delabr´ee‘‘ und ” ravye de trouver un asile ` a Luxsenburg par la bont´e de la Reyne‘‘ bezeichnet. Nach eini” gen Monaten, in denen sie am Hofleben zu Berlin/Lietzenburg teilnimmt (vgl. z. B. N. 70, N. 184, N. 265) und anscheinend eine Vertrauensposition bei der K¨onigin gewinnt (wobei ein außenstehender Beobachter gewisse Spannungen im Verh¨altnis zu Fr¨aulein von P¨ollnitz feststellt; vgl. N. 61), ist sie im Herbst erneut unbehaust und in einer dramatischen Lage. Der Agentent¨ atigkeit f¨ ur Frankreich beschuldigt, verl¨asst die F¨ urstin Mitte Oktober Berlin (vgl. N. 71), um einer Vorladung nach Wien zu entgehen und begibt sich incognito, in einer voiage [...] an avanturier ou prinscesse de roman‘‘, auf braunschweig-l¨ uneburgi” sches Gebiet (N. 379). Hier erbittet sie Leibniz’ Vermittlung eines Zusammentreffens mit Kurf¨ urst Georg Ludwig in der N¨ ahe seines Jagdschlosses Linsburg; es gelingt unter konspirativen Umst¨ anden (vgl. N. 377 u. N. 379). Auch Schriftst¨ ucke zu ihrer Rechtfertigung gehen durch Leibniz’ H¨ ande (vgl. N. 379 u. N. 399), ebenso ein Brief an K¨onigin Sophie Charlotte und Gr¨ uße an den ihr wohlgesonnenen Hof in Hannover. Unterst¨ utzung erh¨alt die F¨ urstin auch aus Wolfenb¨ uttel; im November findet sie Zuflucht im nahegelegenen Kloster Heiningen; auch jetzt ist sie sich ihrer Freiheit nicht sicher (vgl. N. 399). Eine tats¨ achliche Verhaftung unter dem Verdacht feindlicher Umtriebe, der Fall Thomas Burnetts of Kemney, kommt, wie bereits angesprochen (vgl. Kapitel 2), in unserem Zeitraum zu einem gl¨ ucklichen Ende; auf Leibniz’ Initiative hin im Zusammenwirken der F¨ urstinnen in Hannover und Berlin. Der Unterst¨ utzung K¨ onigin Sophie Charlottes (vgl. N. 191) versichert er sich auch bei seiner Vermittlung des Wunsches Matthias Johanns von der Schulenburg nach Aufnahme in den Johanniterorden, den er in N. 237 dem Kanzler der Ballei Brandenburg Gisbert von Bodelschwing (gespr¨ achsweise zuvor wohl schon deren Herrenmeister) unterbreitet. Schulenburg verbindet seinen Dank in N. 244 mit dem Bedauern je souhaiterois seule” ment d’avoir scu faire quelque chose d’Efficace pour votre service‘‘. Seine Aufnahme in den Orden, anscheinend nur noch eine Formsache, kommt freilich bis zum Ende unseres Zeitraums nicht zustande (vgl. N. 286 u. N. 298). Auch wenn nicht feststeht, ob Leibniz’ Zeugnis f¨ ur einen ihm f¨ ur den Hofdienst geeignet erscheinenden jungen Mann beim hannoverschen Schlosshauptmann Christian Ulrich von Hardenberg in unseren Zeitraum geh¨ort, auch wenn offenbleiben muss, ob er den ihm von Tobias Pfanner mit N. 311 empfohlenen jungen Gelehrten mit weiteren Emp-

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fehlungsbriefen f¨ ur seine peregrinatio academica versehen hat, auch wenn eine Leibniz angetragene Bitte um F¨ ursprache f¨ ur einen Aspiranten des Magdeburger Domsyndikats nur indirekt aus N. 351 zu erschließen ist: die F¨alle von tats¨achlicher oder erbetener Patronage sind zahlreich. Leibniz’ Position zwischen Hannover und Berlin bringt ihm Ansuchen um F¨ ursprache an beiden H¨ ofen ein, erschwert die Ausf¨ uhrung aber auch durch seine jeweilige Abwesenheit. Im Namen der Berliner Soziet¨at setzt er sich bei Staatsminister Alexander zu Dohna-Schlobitten daf¨ ur ein, dass Alphonse Des Vignoles, Pastor der franz¨ osisch-reformierten Gemeinde der Stadt Brandenburg und Soziet¨atsmitglied, von seinen Predigeraufgaben entbunden wird, damit er im Interesse seiner historischen Arbeiten nach Berlin u ¨bersiedeln kann (vgl. N. 92, N. 169). Johann Gr¨oning erhofft sich neben der Aufnahme in die Soziet¨ at (vgl. Kapitel 7) auch die Vermittlung seines Vorhabens eines Kommentars zum Codex juris Justiniani am Berliner Hof. Philipp M¨ uller versucht, u ¨ber Leibniz’ Berliner Kontakte wieder in sein fr¨ uheres Amt als Propst des Liebfrauenklosters zu Magdeburg zur¨ uckzukehren, das er im Vorjahr f¨ ur eine Theologieprofessur in Jena aufgegeben hatte. Leibniz bringt das Anliegen bei dem M¨ uller anscheinend wohlgesonnenen Minister Ilgen vor, stellt aber bald Aussichtslosigkeit fest: die Ernennung des Nachfolgers kann nicht r¨ uckg¨ angig gemacht werden; M¨ ullers Wunsch, neben diesem als emeritus‘‘ weiter an seiner alten Wirkungsst¨atte zu leben, empfiehlt sich nicht. Auf ihn, ” den invasor‘‘ (N. 136), konzentrieren sich M¨ ullers Invektiven — dem verborgen bleibt, ” dass dahinter eine ¨ offentlich nicht in Erscheinung tretende pietistische Interessenvertretung steht (vgl. N. 111 Erl.). Auf seine zus¨atzlich vorgebrachte Bitte um F¨ ursprache am hannoverschen Hof kann Leibniz nur entgegnen (N. 126): Hanoverae quid possim non ” video‘‘. Auch Alexander Cunningham, der Leibniz’ Empfehlungsschreiben die Einf¨ uhrung am Hofe der Kurf¨ urstin zu verdanken hat (N. 134, N. 143), sieht seine Hoffnungen auf weitergehende Patronage entt¨ auscht (vgl. N. 163). Dagegen dankt Melchior Daniel Meier f¨ ur F¨ ursprache bei Kurf¨ urstin Sophie, die ihm das Amt eines Vize-Archivars und Grenzsekret¨ ars eingebracht hat (N. 172). F¨ ur Cornelius Dietrich Koch werden, wie bereits angesprochen (vgl. Kapitel 5), die letzten Hindernisse vor seiner Installierung als Professor f¨ ur Logik und Metaphysik an der Universit¨at Helmstedt beseitigt. Sebastian Kortholt, der sich nach eigenem Bekunden (N. 256) in Leibniz’ fidem et clientelam‘‘ begeben hat, ” bittet um F¨ ursprache f¨ ur ein aulicum munus‘‘ f¨ ur einen seiner Br¨ uder, den Juristen Joel ” ¨ Johannes, der auch (wohl erst Monate sp¨ater) der Uberbringer dieses Briefes gewesen sein d¨ urfte.

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Ein anderer Bruder, der Arzt Heinrich Christian Kortholt, bleibt in diesem Briefwechsel ungenannt; er stellt aber wesentlich h¨ohere Anforderungen an Leibniz. Er u ¨berschwemmt ihn mit einer Flut von Briefen, in denen er flehentlich um F¨ ursprache bei seinem eigentlichen Patron, General Flemming, bittet, in dessen Diensten er seinen schon l¨ anger verfolgten Plan (vgl. z. B. I, 20 N. 432), nach Russland zu reisen, um das Amt eines Leibarztes des Zaren zu u ¨bernehmen, zu verwirklichen sucht. Kortholts Aussagen u ¨ber ihm angetragene Chargen sind mit Vorsicht zu lesen (zu zeitgen¨ossischen Zweifeln an seiner Glaubw¨ urdigkeit vgl. z. B I, 20 N. 448); so ist auch nicht klar zu erkennen, ob Flemming ihn tats¨ achlich f¨ ur seine Entourage vorgesehen hatte. Anfang 1703 haben sich ohnehin alle derartigen Hoffnungen erledigt: aufgrund einer Unterschlagung (deren eigentliches Opfer Leibniz’ langj¨ ahriger Korrespondent Nicolai von Greiffencrantz ist) sitzt Kortholt im Schuldturm zu Berlin. Durch einflussreiche F¨ ursprecher bei Hofe (insbesondere Graf Sayn-Wittgenstein-Hohenstein) wohl bald wieder auf freiem Fuß, ist er Flemmings Gunst dennoch zun¨ achst verlustig; insbesondere aufgrund eines zus¨atzlichen Vergehens: dass er sich die Rolle eines polnischen Residenten angemaßt hat (vgl. N. 154). Auf die in rascher Folge eintreffenden Briefe mit dem immer gleichen Ansinnen reagiert Leibniz, indem er zun¨ achst die andere Seite h¨ort und Greiffencrantz’ Version (N. 138), die Kortholt in einem sehr ung¨ unstigen Licht erscheinen l¨asst, diesem gegen¨ uber kommentarlos referiert (N. 148), allerdings mit einem ambivalenten Schluss: einerseits der Empfehlung, Unterst¨ utzung bei der Verwandtschaft zu suchen, andererseits der Zusage, mit Flemming zu sprechen. Nachdem auch Kortholts Briefe (vermutlich) ab Anfang M¨arz wieder versiegen und er (mit Sicherheit vor Leibniz’ Abreise aus Berlin) wieder auf freiem Fuße ist, geistert er durch unseren Band u ¨ber l¨angere Zeit als Phantom: in der FlemmingKorrespondenz dient sein Name der Verschleierung von Leibniz’ eigenen Interessen (vgl. Kapitel 1). Erst gegen Ende des Jahres tritt er wieder selbst in Erscheinung: mit einem Brief (N. 428), in dem er — nach einigen Monaten am Hof zu Mecklenburg-G¨ ustrow erneut in Berlin — versucht, sich Leibniz als politischer Informant anzudienen (offensichtlich, wie die Fortsetzung der Korrespondenz zeigt, nicht ohne Erfolg). Schließlich ist eine weitere ziemlich abenteuerliche Gestalt zu erw¨ahnen: Friedrich Alhard von Oberg versucht in N. 120, Leibniz’ hochgeneigte assistentz‘‘ bei einer indi” schen Erbschaftsangelegenheit zu gewinnen. Nora G¨adeke Sabine Sellschopp Regina Stuber

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¨ 1. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 3. Januar 1703. [3.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Hannover Dep. 84 A 180 Bl. 435–436. 1 Bog. 4o. 2 1/2 S. Ohne Anrede und Unterschrift. Bibl.verm. — Gedr. (teilw.): Klopp, Werke, 9, 1873, S. 1–2 (ohne S. 4 Z. 13).

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A Hanover le 3 de Jeanvi´e 1703 Mon fils l’Electeur me charg[e]a la poste pass´ee de vous parler du choi d’un Pickelherin[,] mais pour moy j’ay des choses bien plus serieuses pour demender vostre pieux consail, c’e[s]t qu’il a pleu au Roy de Prusse de permettre que nostre congregation allemande reform´ee fasse une colecte dans son peis pour battir icy une esglise, et comme les misionaires coutent ordinairement beaucoup `a envoier partout, si vous ne croi´es pas que Mr Diablonosqui ou Herr Selig voudrois bien choisir quelqu’un sur le lieu pour faire la colecte[,] on envoiroit d’icy un livre pour cela et on feroit de mesme en Hollande et en Angleterre, je crois qu’ils feront tant plus de piti´e que les Fran¸cois leur refusent leur esglise, que dans le temps que je le commende pour faire la Saine avec les Allemands come cela c’e[s]t fait le premier de l’an, je le trouve peu christien[,] mais les Francoi le sont d’une autre maniere que les autres. Le grand paquet de Mad. Klenck n’estoit pas touchant un fief mais touchant de l’argant qu’une ville luy doit et que le Roy de Prusse luy a desja accord´e, elle metra `a ce que j’espere elle mesme bon ordre aux fiefs car elle est for grosse.

Zu N. 1: K folgt auf Sophies Brief vom 30. Dezember 1702 (I, 21) und antwortet auf den S. 4 Z. 4 und S. 4 Z. 11 erw¨ ahnten, wohl Ende Dezember 1702 geschriebenen Brief, der Antwort auf Sophies Brief vom 20. Dezember 1702 (I, 21) war. Beilage war die S. 4 Z. 13 erw¨ ahnte nouvelle‘‘. 7 f. Pickelherin: Gestalt ” der deutschen Kom¨ odie, vgl. Sophies Brief vom 30. Dezember 1702. 9 permettre: vgl. ebd. sowie Friedrichs I. Zusage vom 26. Dezember 1702 (Berner, Briefwechsel, 1901, S. 25 f., Nr. 44). 10 esglise: 12 Diablonosqui: Der im Vorjahr genehmigte Kirchenbau (vgl. auch N. 4) wurde 1704/05 errichtet. D. E. Jablonski. 12 Selig: Hofprediger in Berlin. 18–20 paquet . . . grosse: A. v. Klenckes Sendung war Beilage zu Sophies Brief vom 20. Dezember 1702; vgl. weiter N. 26 sowie N. 133.

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Come je ne suis pas du consail je ne scay point si l’Empereur demende des troupes de cette maison icy, car je n’en ay rien entandu. Je crois que ce n’est pas une bont´e quant on nous envoit un medecein[.] par vostre lettre je juge que vous n’en av´es pas trop affaire. il y a un joly offisi´e du Roy de Pologne icy[,] un Anglois nomm´e Richart[,] il parle toute sorte de langues et a est´e un an `a Constantinople[.] il espere que les affaires de son Roy hiront bien et qu’on ne le detronera pas[.] il ce va rechoffer en Angleterre pour quelque temps. J’ay mend´e ` a Madame qu’on rit bien icy des pauvre menistres du Roy de France qu’ils ont peur de Bornet[,] que je ne scay o` u la ratte de ce bon homme ce seroit reduit si ce n’estoit pour aller convertir le Pce de Gale. Je vous remersie pour vos bons souhaits `a cette nouvelle ann´ee[.] je vous en ferois aussi si Madame ne disoit W¨ unschen h¨ ulft zu Nichts. r Je vous envoy la nouvelle de M Frisendorf.

2. JOHANN BARTHOLD KNOCHE AN LEIBNIZ Hannover, 3. Januar 1703. [5.] ¨ ugigen Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 481 Bl. 19. 4o. Goldschnitt. 2 S. Mit geringf¨ Korrekturen.

1 demende: im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges. 3 medecein: vermutlich Anspielung auf die Visite des Arztes Weise, den K¨ onigin Sophie Charlotte Ende Dezember 1702 zu Leibniz geschickt hatte; vgl. Leibniz an Sophie Charlotte, 30. Dezember 1702 (I, 21). 4 lettre: nicht gefunden. 5 Richart: vgl. N. 85. 6 detronera: wohl Anspielung auf das Vorhaben Karls XII.; vgl. auch N. 116. 8 mend´ e` a Madame: nicht ermittelter Brief an Herzogin Elisabeth Charlotte von Orl´ eans. 9 Bornet: Th. Burnett of Kemney war seit dem 30. April 1702 in der Bastille inhaftiert. Zum Engagement der Kurf¨ urstin f¨ ur seine Freilassung vgl. etwa ihre Korrespondenz mit Leibniz seit September 1702 in I, 21 und Leibniz’ Schilderung der Hintergr¨ unde von Burnett of Kemneys Befreiung in N. 412. 10 Pce: der im franz¨ osischen Exil lebende Jakob Eduard Stuart, Sohn Jakobs II. von England. 12 W¨ unschen . . . Nichts: vgl. I, 13 N. 82. 13 nouvelle: nicht ermittelt. Zu N. 2: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief aus Berlin vom 26. Dezember 1702 (vermutlich die Antwort auf Knoches vorangegangenen Brief vom 16. Dezember 1702, I, 21) mit dem S. 5 Z. 7 erw¨ ahnten Beischluss und kreuzt sich mit einem nicht gefundenen Leibnizbrief von Anfang Januar, auf den N. 5 antwortet. Beigeschlossen waren die S. 5 Z. 12 genannte Sendung sowie weitere Briefe (vgl. N. 5). Die Antwort auf unser St¨ uck, das Leibniz u ¨ber die Hofpost zugestellt wurde, erfolgte vermutlich zusammen mit N. 5 durch einen nicht gefundenen Leibnizbrief vom 19. Januar 1701 (vgl. N. 9).

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Hannover d. 3ten Januarii. 1703 Wohl Edler etc. Insonders Hochgeehrter Herr Geheimbter Rath, Ich wundsche Ew. Excellentz zu dieser neuen Zeit; Ein Gl¨ uckseeliges fried- und reiches Neues Jahr, best¨ andige Gesundtheit, hohes Alter, und was Ew. Excellentz nur selbsten zu wunschen begehren, vor allem aber so w¨ undsche die Ewige Glori und herrligkeit. Nebst diesem So habe Ew. Excell. lezters Schreiben vom 26 Dec. 1702. wohl erhalten, und ist der Einschluß an Monsieur Bouquet von seiner Liebsten wohl bestellet, Ihrem reden nach, ist er bey der Arm´ee, Man ist ihm aber bald zu Hannover vermuhten, Ich hette zu ende des vorigen Saeculo noch an Ew. Excellenz geschrieben, weill ich aber nichts sonderliches zu schreiben hatte undt auch keine Brieffe vorhanden wahren, habe ich es bis hirher verspahret, mit bitte Ew. Excell. werden so g¨ utig seyn, und Ein liegenden Brieff an Mons. Zehen, bestellen zu laßen, worin 2 Brieffe von seiner Schwestern von Hameln, so mir zu geschicket worden, Es wird ihnen sehr daran gelegen seyn, Ich glaub Er wird mit Ihro Mayst der K¨ onigin auch her¨ uber kommen; der Cantzeley bothe und alle andere so am Neuen Jahre von Ew. Excell. eine verehrung zu genießen haben, hatten sich diesem Neujahr, auch ein gestellet, undt verlanget ihnen auch sehr nach Ew. Excellenz wiederkunfft; Morgen werde ich noch 2 fuder holtz bekommen, welche ich dan gegen Ew. Excellenz r¨ uckkunfft werde S¨ agen und klein machen laßen; von der bewusten Holtz Maus, werde anitzo nichts melden, weill sich nur Ew. Excellenz dar¨ uber (und zwar umb solche pagadell) chaggriniren. Die sachen wegen Augsbourg sind schon vor langer Zeit bestellet, daß es an niemand gefehlet, Schließlich So haben Ew. Excell. mir zwar geschrieben daß ich ja wochentlich 1 1/2 thaler bek¨ahme, dem auch so ist, allein ich habe leyder nicht das geringste u ¨brig, weill ich wegen meiner gesundheit, mich in kleine schulden gestecket, aber doch nun wieder bezahlet, ich habe auch schuhe machen laßen, 7 Einschluß: wohl einer der beiden nicht gefundenen Leibnizbriefe an den Chirurgen J. M. B. Bouquet, auf die dieser am 24. Februar 1703 antwortet (LBr. 101 Bl. 8–9, Druck in Reihe III). 8 bey der Arm´ ee: im Zusammenhang des Spanischen Erbfolgekrieges. Hannoversche Truppen standen 1702/03 im Rhein-Maas-Gebiet, vgl. Schnath, Geschichte, 3, S. 457 f. 12 Brieff: nicht ermittelt. 12 Schwestern: nicht ermittelt. 14 her¨ uber kommen: K¨ onigin Sophie Charlotte reiste am 20. Januar zum Karneval nach Hannover. Leibniz’ vorgesehene R¨ uckreise in ihrem Gefolge (vgl. z. B. N. 95, N. 96 u. N. 106) kam nicht zustande; seine R¨ uckkehr nach Hannover verz¨ ogerte sich bis Anfang Juni 1703. 14 Cantzeley bothe: nicht ermittelt. 19 Holtz Maus: Gemeint ist vermutlich Holzdiebstahl in Leibniz’ Hauswesen; 20 wegen Augsbourg: vielleicht in Zusammenhang mit den von Leibniz zu beaufsichvgl. auch N. 33. tigenden Arbeiten des Augsburger Kupferstechers J. U. Kraus f¨ ur den hannoverschen Hof; vgl. Knoches Brief vom 16. Dezember 1702.

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undt dem Schuster bis zu Ew. Excell. r¨ uckkunfft vertr¨ostet, womit er dan zu Frieden, Indeßen so verharre in tieffster affection Ew. Excell.

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unterthanigster

JB. Knoche.

¨ 3. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ [Hannover,] 6. Januar 1703. [1. 4.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84A Nr. 180 Bl. 431–432. 1 Bog. 8o. 2 S. 1 Z. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Ohne Anrede und Unterschrift. Eigh. Aufschrift. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 3.

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J’espere de vous revoir bien tost icy, o` u je vous ay souhait´e pendant le sejour de my Lord Pajest, cependant je suis en admiration de toute les belles invantions du Roy de Prusse, et j’espere que S. M. m’envoira celon sa promesse toute les seremonies par o` u S. M. se va esterniser, on n’en fait pas moins tous les jours `a la cour Palatine o` u escus de Mr l’Electeur cherche un pour couvrir sa table qui soit de calit´e et qui aura m 2 gages, dont il ne luy manquera point la promesse, il n’y a que des Kamerher `a la cl´e d’or qui porte sa viande et plusieur gardes l’accompagnent tous les jours `a la messe, il a prest de 50 valets de chambre avec une cl´e de fer. A Monsieur Leibenitz ` a Berlin

1 Schuster: nicht identifiziert. Zu N. 3: 10 revoir: Tats¨ achlich verschob sich Leibniz’ f¨ ur die zweite Januarh¨ alfte im Gefolge der K¨ onigin Sophie Charlotte geplante R¨ uckreise bis Ende Mai. 11 Pajest: der englische Diplomat W. Paget, der auf der R¨ uckreise von Konstantinopel Hannover besuchte, vgl. N. 86 und Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 410 Anm. 38. 12 seremonies: zum Jahrestag der preußischen K¨ onigsw¨ urde vom 18. Januar 1701 und insbesondere zum Ordenstage‘‘ des am 17. Januar 1701 gestifteten Ordens vom ” Schwarzen Adler; vgl. Berner, Briefwechsel, 1901, S. 25, Nr. 44.

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¨ 4. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 10. Januar 1703. [3. 7.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180. Bl. 448–449. 1 Bog. 8o. 2 1/2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Ohne Anrede. Eigh. Aufschrift. Bibl.verm.

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A Hanover le 10 de Jeanvi´e Je ne suis pas fach´ee que les deux Contesses ne seront pas icy `a la foys qui ne ce resemblent en rien que par la gresse. c’e[s]t pour tousjour que l’Electeur a donn´e en Imprim´e le previlege ` a ceux de nostre Religion d’avoir une esglise Francoise et Allemande icy de nostre religion, les Francoi sont si jalou des Allemands et ont peur qu’ils pourroient ce randre maitre de leur esglise, qu’il a falu louer une maison pour les Allemands o` u ils praichent. Mr le Landgrave leur veut permettre de faire aussi une colecte chez luy `a condision qu’on permette aussi chez nous une colecte pour une esglise Lutheriene qu’on va batir ` a Cassel[,] ainssi ses deux religions vont estre par tout en bonne amiti´e. J’espere que l’Esvesque de Posnanie aura reseu comme il doit la lettre du Cardinal Primat car si on oste la courrone au Roy de Pologne on luy ostera aussi sa religion qu’il n’a prise que pour estre Roy. Je suis bien aise que je vous verr´es bien tost icy. S. La Reyne vous fera voir come va l’affaire de pauvre Bornet ses longue ennuante. Pour Monsieur Leibenitz.

Zu N. 4: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief wohl von Anfang Januar 1703, in dem jedenfalls von den Z. 7 erw¨ ahnten Gr¨ afinnen die Rede war. 7 Contesses: Gemeint sein k¨ onnte die Reise von C. Kolbe Gr¨ afin von Wartenberg zum hannoverschen Karneval (vgl. N. 133 und N. 17); die nicht reisende andere Dame ist nicht identifiziert. 9 Imprim´ e: Privileg Kurf¨ urst Georg Ludwigs vom 30. Oktober 1702 (vgl. F. Geyken, 300 Jahre Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Hannover 1703–2003 , hrsg. vom Presbyterium der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Hannover, Hannover 2003, S. 49 f. mit Abbildung). 9 nostre Religion: das reformierte Bekenntnis. 12 Landgrave: Karl ´ ecicki gerichteter von Hessen-Kassel. 15 f. Esvesque . . . Primat: Ein an den Bischof von Posen M. Swi¸ Brief des Kardinalprimas M. S. Radziejowski in seinem Konflikt mit K¨ onig August II. (vgl. N. 106 und N. 109) wurde nicht ermittelt. 20 Reyne: Sophie Charlotte; Brief nicht gefunden. 20 Bornet: Th. Burnett of Kemney; zu den Bem¨ uhungen seit Juni 1702 um seine Freilassung aus der Bastille vgl. etwa Leibniz’ Korrespondenz mit La Rosiere sowie mit Kurf¨ urstin Sophie seit September 1702 (I, 21).

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5. JOHANN BARTHOLD KNOCHE AN LEIBNIZ Hannover, 10. Januar 1703. [2. 9.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 481 Bl. 20–21. 1 Bog. 4o. 3 S.

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Dero lezters Schreiben (worin ein brieff an Mons. Danneberg gelegen) habe ich wohl erhalten, undt daraus ersehen als wann Ew. Excellenz in etlichen Posten keine Brieffe von mir bekommen, so ich mich doch nicht erinnern kan, Es muß sie Madlle Gehlhoff haben vergeßen mit zu schicken, den ich habe am 3 Januarii Ao 1703. von hier ein dicken Brieff an Ew. Excell. geschicket, worin auch ein Brieff an Mons. Zehen, und u ¨brige Brieffe an Ew. Excell. Allhier. Ubersende wiederumb 2 brieffe vor den einen habe mußen 4 gg geben. Es hat am verwichenen Montage Herr Tomas von Wiering auß Hamburg ein Zettul wegen u ¨berschickung der Advisen hergeschicket, von 2 Jahren, macht in allen 36 m. ich hette es wollen mit u ¨ber schicken, alleine Ew. Excell. m¨ochten es durch Ihre brieffe verwerffen, Es Passiret, sonderlich nichts neues Alß daß heute oder Morgen wirdt die Redoute angefangen werden; Ich habe mit Ulrichs Frau wegen Ulrichen geredet, gab sie zur Antwort, warum Ulrich dann nicht so wohl schreiben k¨onte alß sie, und w¨ uste sie ja die Uhrsach nicht warumb er nicht ein mahl geschrieben, weill ich Von Berlin weg gewesen, also wen er ihr was zu schreiben hette, solte er ihrs schreiben, so wolte sie ihm wieder antworten, der d¨ orichte Wagner komt zum ¨offtern in unser Hauß und fraget wegen Ew. Excell. fleißig nach, Mons. Koch l¨aßet sich Ew. Excell. nebst dienstl. Gr¨ uße Gehohrsahmst Empfehlen, die Frauw Baringe fraget auch fleißig wegen Mons. Eccards

Zu N. 5: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief von Anfang Januar 1703, dem der Z. 4 angesprochene, nicht gefundene Brief an C. J. Dannenberg beigelegen hatte, und wird vermutlich durch den nicht gefundenen Leibnizbrief vom 19. Januar beantwortet, auf den N. 9 antwortet. Beigeschlossen war die Z. 9 genannte Sendung. 6 Madlle Gehlhoff: in Kurf¨ urstin Sophies Hofstaat f¨ ur die Versendung der Post zust¨ andig. 7 vergeßen: Verz¨ ogerungen konnten auch bedingt sein durch Kontrollen von Leibniz’ Post; vgl. N. 106. 8 geschicket: N. 2. 9 2 brieffe: nicht ermittelt. 11 verwichenen Montage: 8. Januar. 12 Advisen: der von Th. von Wiering herausgegebene Hamburger R e l a t i o n s - Courier . 16 Ulrich: Leibniz’ Kutscher U. G¨ urgensohn. 17 f. ich . . . gewesen: Knoche hatte Leibniz im Juni 1702 nach Berlin begleitet, war aber bereits im Herbst wieder nach Hannover zur¨ uckgekehrt. 19 Wagner: G. Wagner. 20 Koch: vermutlich C. D. Koch. 21 wegen Mons. Eccards: Leibniz’ Mitarbeiter J. G. Eckhart war im Sp¨ atsommer 1702 bei J. H. von Flemming in den Dienst als Sekret¨ ar getreten.

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N. 6

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nach, m¨ ochte gerne ein brieffgen von ihm haben, Indeßen so w¨ undsche daß Ew. Excell. gesundt und Gl¨ uckl. m¨ ogen zu hause an gelangen, und verharre h...i Hannover d. 10ten Janv. Ao 1703

6. LEIBNIZ AN JOHANN GEORG ECKHART Berlin, 13. Januar 1703. [25.]

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¨ Uberlieferung: L Abfertigung: LBr. 228 Bl. 255–256. 1 Bog. 8o. 3 S.

Monsieur Ma derniere lettre vous aura est´e rendue sous le couvert de M. le Comte de Fleming. Mais j’ay balanc´e si je vous devois envoyer la cyjointe de M. F¨orster, par ce que j’avois vˆ u des lettres de Thorn, qui faisoient esperer que M. le Comte pourroit bien tost revenir icy. J’ay pens´e ouvrir la lettre, avant que l’avoir regard´ee; mais je me suis apperceu incontinent, qu’elle n’estoit pas ` a moy, ainsi je ne l’ay point achev´e d’ouvrir, et je n’en ay rien lˆ u.

Zu N. 6: Aufgrund inhaltlicher Bez¨ uge ist Eckhart als Adressat zu vermuten; die f¨ ur diese Korrespondenz atypische franz¨ osische Sprache findet sich auch im Vorg¨ angerst¨ uck, Leibniz an Eckhart, 30. Dezember 1702 (I, 21). Eine Antwort ist nicht u ¨berliefert; w¨ ahrend Eckharts Berlin-Aufenthalt im Februar/M¨ arz 1703 (vgl. N. 25 Erl.) d¨ urfte die Kommunikation m¨ undlich erfolgt sein. Beischluss war der Z. 9 erw¨ ahnte Brief N. F¨ orsters. 8 Comte de Fleming: J. H. von Flemming, in dessen Dienste Eckhart im vergangenen Sp¨ atsommer u ¨bergetreten war (vgl. die Eckhart-Korrespondenz vom August 1702 in I, 21). 9 cyjointe: vermutlich F¨ orsters Brief vom 29. Dezember 1702 (LBr. 228 Bl. 252–253), in dem ausstehende Geldforderungen (unter anderem f¨ ur die Verpflegung Eckharts in F¨ orsters Haus) angemahnt und Eckharts hinterlassene B¨ ucher zum Unterpfand erkl¨ art werden. Auch in Leibniz’ Vorg¨ angerbrief vom 30. Dezember 1702 ist von Forderungen F¨ orsters an Eckhart die Rede. Vom 14. M¨ arz 1703 datiert ein Schreiben Eckharts wohl an F¨ orster (LBr. 228 Bl. 259), in dem er sich mit dessen B¨ ucherrechnung auseinandersetzt. Zu Eckharts Bestrebungen, seine in der Hand F¨ orsters verbliebenen B¨ ucher zur¨ uckzuerhalten, vgl. z. B. N. 39. Weiter handelt F¨ orsters Brief vom Monathlichen A u s z u g , dessen Jahrgang 1702 durch Eckharts Ortswechsel vorerst unabgeschlossen war. 10 lettres: Gemeint sein k¨ onnte u. a. Flemmings Brief aus Thorn vom 8. Januar (N. 87), in dem von einer eventuellen Reise nach Sachsen mit Abstecher nach Hannover die Rede ist.

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N. 7

Au reste je suis avec passion Monsieur

tout `a vous

Leibniz

Berlin 13 Janvier 1703

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P. S. La Reine espere partir le 20. Le Prince Royal et la Duchesse de Courlande iront aussi ` a Hanover. Je vous prie de marquer mes respects `a Monsieur le Comte.

¨ 7. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 13. Januar 1703. [4. 8.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 425–426. 1 Bog. 8o. 1 3/4 S. Ohne Anrede und Unterschrift. Eigh. Aufschrift. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 3–4.

A Hanover le 13 de Jean. 1703

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Mr l’Electeur ce mocque de moy que je vous ay mend´e de chercher un Picquelherin car il vouleut aussi que si vous l’eussi´es fait, que vous auri´es compos´e une hara[n]gue, pour faire ` a la Reyne pour la complimenter sur son arriv´ee `a un si fameu theatre, ses gredins jouent ` a la ville au depand de l’Electeur pour divertir les masques avan que d’aller ` a la Ridoute, Nous esperons bien que la Reyne amenera toutte ses dames et que vous ser´es parmy elles pour vous tenir chodement. Le previlege de l’Electeur est imprim´e qu’il a donn´e au reform´es pour tousjour[.] Mr le Landgrave veut aussi permettre une colecte chez luy `a condition qu’on fera de mesme icy pour une Esglise Lutherine ` a Cassel ce que mon fils a accord´e avec plesir. Pour Monsieur Leibenitz ` a Berlin

4 partir: zum Karneval nach Hannover; vgl. z. B. auch N. 109. 13 Picquelherin: vgl. N. 1. 15 arriv´ ee: die bevorstehende Ankunft der K¨ onigin Zu N. 7: Sophie Charlotte in Hannover zum Karneval. 19 previlege: vgl. N. 4. 20 Landgrave: Karl von Hessen-Kassel.

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N. 8

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¨ 8. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE Berlin, 19. Januar 1703. [7. 10.]

¨ Uberlieferung: L Konzept: LBrF 16 Bl. 38. 8o. 1 3/4 S. Mit einer Korrektur. Eigh. Anschrift nachgetragen. Bibl.verm.

A Madame l’Electrice

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Madame Comme je suis un peu mal, je n’ay os´e aller dans la suite de la Reine; et je suivray a mon aise; devant sur tout apprehender le froid dans l’estat o` ` u je me trouve: mais je feray mon possible pour me mettre bien tost aux pieds de V. A. E. La Reine portant tout avec Elle je n’ay rien `a dire dans la lettre, si non que j’en ay receu une de Monsieur le Comte de Fleming de Thorn, du 8 de janvier, o` u regne sa gayet´e ordinaire. Il se rejouit infiniment de ce que je luy mande que V. A. E. et la Reine se souviennent de temps en temps de luy agreablement et il adjoute qu’estant resolu de faire un tour en Saxe, il pourroit faire une petite echappate `a Hanover s’il savoit que Vos Altesses Electorales et la Reine l’agreeroient. Il me semble que sans rien hazarder je pourrois bien l’en asseurer. Au reste je suis avec devotion Madame de V. A. E.

le tres sousmis et tres obeissant serviteur

Leibniz

Berlin 19 janvier 1703.

Zu N. 8: Die summarische Erw¨ ahnung der Kurf¨ urstin am 24. Februar (N. 15) von toute vos agreable ” lettres‘‘ schließt vermutlich auch die nicht gefundene Abfertigung von L ein, die wohl von der k¨ oniglichen Reisegesellschaft u ¨berbracht wurde. 7 mal: vgl. z. B. N. 95, N. 96, N. 109 mit Variante; Leibniz’ Bein¨ rlich, Leibniz als Mensch und Kranker , beschwerden werden als Ulcus-cruris-Leiden aufgefasst (vgl. Go 1987, S. 118 f.). 7 Reine: K¨ onigin Sophie Charlotte begann die Reise nach Hannover am 20. Januar, vgl. N. 109. 7 suivray: Tats¨ achlich verschob sich Leibniz’ R¨ uckreise etappenweise bis Ende Mai. 11 de . . . Fleming: N. 87. 16 asseurer: in N. 109.

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N. 9

9. JOHANN BARTHOLD KNOCHE AN LEIBNIZ Hannover, 24. Januar 1703. [5. 12.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 481 Bl. 22. 4o. 2 S.

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Ew. Excell. Schreiben vom 19ten dito habe ich wohl erhalten, und daraus ersehen daß Ew. Excell. nicht wohl seyn welches mich dan von Hertzen leidt ist, w¨ undsche also daß Ew. Excell. m¨ ogen bald wieder gesundt zu hause angelangen, weill ich zu nichtes kommen ¨ kan, und so verdrießl. lebe daß ich es nicht sagen kan, Im Ubrigen so habe den kasten wovon Ew. Excell. geschrieben empfangen, und ihne in meine stube bey den andern Pack gestellet, sonsten passiret anitzo sonderl. nichts, als das man w¨ochentl. 3 mahl Redoute spielt, undt dan und wan Comoedie, Ich bitte Ew. Excell. wollen so g¨ utig seyn undt eingelegten brieff an Mons. Zehen, durch Ulrichen bestellen laßen, weill ein brieff darin von seinem Papa, so mir nach Hannover gesendet ist, in meynung Mons. Zehe, w¨ahre schon zu Hannover, bitte allso Ew. Excell. wollen befehlen, daß es alsobald bestellet werde, weill mich Sein H. Vatter darumb gebeten, Unterdeßen werde mit Verlangen nach Ew. Excell. t¨ agl. außsehen, und eine warme stube Parat halten, und verharre h...i Hannover d. 24ten Janv. Ao 1703

Zu N. 9: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief aus Berlin vom 19. Januar 1703 (transportiert vermutlich durch das Gefolge K¨ onigin Sophie Charlottes auf der Reise nach Hannover) und wird vermutlich beantwortet durch den nicht gefundenen Leibnizbrief vom 30. Januar, auf den N. 12 antwortet. Beigeschlossen war der Z. 11 genannte Brief. 5 nicht wohl seyn: Zu Leibniz’ Beinbeschwerden, mit denen er die Verschiebung seiner R¨ uckreise nach Hannover begr¨ undete, vgl. N. 8 Erl. 11 brieff: nicht ermittelt. 11 Ulrichen: U. G¨ urgensohn.

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N. 10

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¨ 10. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE Berlin, 2. [Februar] 1703. [8. 11.]

¨ Uberlieferung: L Konzept: LBrF 16 Bl. 37. 4o. 1 2/3 S. Mit einigen Korrekturen. Eigh. Anschrift. Bibl.verm.

A Mad. l’Electrice de Bronsvic ` a Hanover Madame

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Berlin 2 janvier 1703

La rigueur du froid m’empeche d’entreprendre le voyage dans l’estat o` u je suis. Cependant M. le Comte de Fleming est arriv´e icy avec Mad. la Comtesse; et de plus avec le P. Vota, ce qui rejouira la Reine pourveu qu’on le puisse disposer `a aller `a Hanover, car il est un peu incommod´e de la toux, et son ˆage luy donne de la crainte. Il y avoit icy un jeune Milord Anglois ou plustost Irlandois, qui est all´e `a Hambourg avec son gouverneur qu’on peut appeller Jacobite, car je crois qu’il n’a point voulu prester des sermens. Ils ne paroissent pas tout ` a fait resolus de venir a` Hanover. Il y a icy un Mons. Leigh (je crois) neveu d’un des milords qui ont protest´e contre l’Acte fait en faveur de V. A. E. mais parce qu’il croyoit qu’on y diminuoit trop la Royaut´e. Ce jeune gentilhomme viendra a Hanover, avec son gouverneur M. Cunningham qui ne manque pas de savoir, et qui ` est mˆeme auteur, et sait plusieurs particularit´es; et a eu l’honneur autresfois de faire la reverence ` a V. A. E. Il viendra encor ` a Hanover un savant Anglois Monsieur Addison,

Zu N. 10: Dass eine Abfertigung (nicht gefunden) zu L existierte, die vermutlich von A. Cunningham ¨ u ¨berbracht wurde, l¨ aßt sich aus N. 134 folgern; sie ist vermutlich in die Außerung der Kurf¨ urstin vom ¨ber toute vos agreable lettres‘‘ einbezogen. Zu der — bereits durch die Erw¨ ahnung 24. Februar (N. 15) u ” von J. H. von Flemmings Ankunft in Berlin (vgl. Z. 8) nahegelegten — Korrektur der Monatsangabe vgl. N. 128 u. Erl. 8 arriv´ e: am 1. Februar (vgl. N. 130 Erl.). 9 aller: C. M. Vota war am 5. Februar zur Reise entschlossen, vgl. N. 11. 11 Milord . . . gouverneur: beide nicht identifiziert. 12 sermens: der im M¨ arz 1702 verlangte Treueid auf die Sukzessionsregelung. 13 Leigh: John Campbell second duke of Argyll (Sept. 1703), auch genannt Lord Lorne, dessen Tutor und Reisebegleiter A. Cunningham († 1737) war. 14 milords: nicht identifiziert. 14 l’Acte: der Act of Settlement von 1701. 16 Cunningham: 18 reverence: vermutlich eine Verwechslung mit dem vgl. seinen Dank f¨ ur die Empfehlung in N. 134. Namensvetter Alexander Cunningham († 1730), der Kurf¨ urstin Sophie im Oktober 1692 in der G¨ ohrde seine Aufwartung gemacht hatte; vgl. I, 8 N. 55, N. 57 u. N. 318.

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N. 11

bon poˆete Anglois et Latin, et qui a fait un joli ouvrage o` u il ´eclaircit les anciens poˆetes par les medailles. Au lieu de M. Stepney (que le Roy de Suede n’a point voulu prevenu peutestre par Monsieur de Stralenheim qu’il estoit bon Saxon) la Reine envoye au Roy de Suede Monsieur Robinson, qui est venu en Suede ministre de la parole de Dieu, et en fin il est devenu resident et sera maintenant Envoy´e. Ainsi il pourra parler au Roy de Suede non seulement de la part de la Reine, mais encor de la part de Dieu; Mais j’ay peur que le Roy de Suede dira qu’il parle ` a Dieu luy mˆeme. Car on se fait un dieu de ses impulsions.

¨ 11. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE Berlin, 5. [Februar] 1703. [10. 15.] ¨ Uberlieferung: L Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 423–424. 4o. 2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 2–3.

Madame 15

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Berlin 5 janvier 1703

Le R. P. Vota s’est enfin resolu de faire le chemin d’Hanover pour avoir plustost l’honneur de faire sa cour ` a V. A. E. aussi bien qu’`a la Reine, et pour retourner aussi plus tost ` a son Roy. Car il a de grandes correspondances en Italie ailleurs, et entre assez dans les affaires du Roy son maistre, pour le quel il est fort zel´e, comme il est tres bien intentionn´e d’ailleurs. Je souhaiterois de pouvoir accompagner ce R. P. mais je trouve plus convenable d’attendre que la rigueur du froid soit diminu´ee. Car je trouve mˆeme en sortant sur la rue, que je m’en ressens.

1 ouvrage: J. Addison, Dialogues (vgl. SV.) wurde erst sp¨ ater ver¨ offentlicht. 4 Reine: K¨ onigin Anna von England. 6 Envoy´ e: J. Robinson, langj¨ ahriger englischer Resident in Schweden und sp¨ ater Bischof von Bristol und London, wurde am 13. Januar 1703 außerordentlicher Gesandter und residierte in Danzig. Zu N. 11: L wurde von C. M. Vota u ¨bermittelt, der am 14. Februar in Hannover eintraf (vgl. N. 140). upft. Die Erw¨ ahnung von toute Wir korrigieren die Monatsangabe so wie im Brief N. 10, an den L ankn¨ ” vos agreable lettres‘‘ durch die Kurf¨ urstin am 24. Februar (N. 15) bezieht sich vermutlich auch auf unser St¨ uck. 16 Reine: Sophie Charlotte. 17 Roy: August II. von Polen.

N. 12

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Le pere venant de me dire qu’il part, je n’ay pas le temps d’´ecrire `a la Reine. Aussi le pere n’a-t-il pas me demander de lettre que pour V. A. E. Au reste je suis avec devotion Madame de V. A. E.

le tres humble et tres obeissant serviteur

Leibniz.

P. S. Le P. Vota passe ` a Magdebourg pour faire encor sa Cour au Roy.

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12. JOHANN BARTHOLD KNOCHE AN LEIBNIZ Hannover, 6. Februar 1703. [9. 14.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 481 Bl. 23–24. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit wenigen Korrekturen. Geringf¨ ugiger Textverlust durch Siegelausriss.

Ew. Excellentz schreiben vom 30 Januarii habe ich wohl erhalten und habe zuvor Augenbl. auff Ew. Excell. mit Freuden gewartet, Alleine es ist gantz contrair gekommen, Und hatte ich mir schon Hoffnung gemachet, daß, so Ew. Excell. nicht bald k¨amen, habe ich mit ehister gelegenheit, und zwar mit dem Berlinischen Leuten wieder mit nacher Berlin reisen wollen, dann mir die Zeit so Unerh¨ort lang gewehret, daß es nicht zu sagen, In dehm ich nichts zu thun gehabt, ob ich zwar zum ¨offtern gezeichnet, oder gemahlet, so ist meine Farben, außgebrauchet, undt hat es mir also an L’argent gefehlet, bitte allso Ew. Excellenz wollen mir doch recht berichten, ob auff dero Ankunfft noch bald zu hoffen, sonsten ich (wen es Ew. Excell. nicht zu wieder,) mit dem Berlinischen Leuten wieder

5 Magdebourg . . . Roy: Dorthin war Friedrich I. am 20. Januar gereist (vgl. N. 109). Zu N. 12: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief aus Berlin vom 30. Januar 1703, dem mehrere Briefe beigeschlossen waren, und wird vermutlich beantwortet durch den nicht gefundenen Leibnizbrief vom 13. Februar 1703, auf den N. 14 antwortet. Beilage war der S. 16 Z. 19 genannte Brief. 11 contrair: Leibniz kehrte erst Anfang Juni 1703 wieder nach Hannover zur¨ uck. 13 Berlinischen Leuten: der Hofstaat K¨ onigin Sophie Charlottes, die zum Karneval nach Hannover gereist war.

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N. 12

hherausi kommen werde; Im u ¨brigen so habe eingeschloßene Brieffe so wohl auf die Post, als an der K¨ onigin Mayt Leib Kutscher wohl bestellet, vor zweyen Tagen, habe mit Mons. Dannenberg, oben bey H. Eccards stube die th¨ ure versiegelt, mit Mons. Dannebergs Pittschafft; Ich habe den Brieff von Mons. Le chavalier Fontaine gar Sp¨ath empfangen, und hat er mir den Brieff selber in die hand gegeben, Er h¨atte so gerne mit mir reden wollen, wegen der f¨ urm Jahre Berlinischen reise, Alleine es wahr ihm sowohl verbothen, alß mich mit ihm zu reden, Uhrsache, weill wir einander nicht verstehen k¨onnen, Ich habe ihm aber nach meiner wenigkeit, auff Teutsch, wegen u ¨berbringung des Brieffes, gehorsambst, gedancket; weill Ew. Excell. keine brieffe weiter zu senden verlanget, so habe doch mit wenigem melden wollen, daß 2. oder 3. Brieffe alhier noch auff der Post liegende, wof¨ ur aber ein hauffen Geld soll auß gezahlet werden, ich glaube, sie seyn von Holland, Wien, oder sonsten von weit entfernten Ohrten, Sonsten, habe ich etliche kleine P¨ ackgens so allhier in der N¨ ahe seyn geschicket worden, alß Helmst¨adt Wolffenb¨ uttel oder Hildesheimb, die man nicht wohl kan Ew. Excell. zu schicken. Schließl. so w¨ undsche Ew. Excell. eine baldige und gute Beßerung, wie es Ew. Excell. selbsten nur w¨ undschen m¨ ugen, und verharre h...i Hannover d. 6ten Februarii Ao 1703

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P. S. Ich bitte gehorsahmst, Ew. Excellenz wollen so g¨ utig seyn, und Einliegenden brieff an Mons. Zehe, durch Ulrichen bestellen zu laßen, ich habe auff den letzten brieff annoch keine Antwort, Undt so ich Ew. Excell. bitten d¨ urffte, daß sie mir die g¨ ute erweisen wollen, undt mir etliche Scheiben in folio, von dem Berlinischen weißen feinen Glase, durch Ulrichen kauffen zu laßen, ich werde es mir von hertzen gerne wieder abrechnen laßen, es m¨ uste es aber Ulrich wohl verwahren, daß es nicht zerbrochen werde, (ich habe es groß n¨ othig, vor meine Gem¨ ahlde oder Portraite zu gebrauchen, es muß aber rein seyn daß keine fehler im Glaß seyn, sonsten es das gantze gem¨ahlde kein ansehen machet[)], hiemit sage ich mein geb¨ uhrendes und unterth¨aniges Adieu etc.

1 Brieffe: nicht identifiziert. 2 Leib Kutscher: nicht ermittelt, vgl. N. 14. 3 th¨ ure versiegelt: vgl. N. 13. 4 Brieff: nicht gefunden; vgl. N. 179 Erl. 10 Brieffe: nicht identifiziert. 13 P¨ ackgens: darunter vielleicht N. 115 u. N. 125. 19 brieff . . . Zehe: nicht ermittelt. 19 letzten brieff: vgl. N. 9.

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13. CONRAD JOHANN DANNENBERG AN LEIBNIZ Hannover, 10. Februar 1703.

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 195 Bl. 52. 1 Bl. 4o. 2 S.

HochEdler, Vest und Hochgelahrter Hochgebietender Herr. Eurer Excell. zu zweyen mahlen an mich abgelaßenen schreiben zu schuldigster folge habe die siegele f¨ ur und an den th¨ uren, unten und oben mit Bartholden in augenschein genommen, und selbige annoch unverletzt allenthalben gefunden, auch die th¨ ur bey H. Eccards stuben annoch versiegelt, Die uhrsache aber warumb auff Ihro voriges nicht soforth geantwortet ist, weil der LehnSecretarius Hugo von einem tage zum andern mich, unter Vorgeben, daß er einen Zettel vom Juden an Eur. Excell. mihr, umb selbes mit zu u ¨berschicken, zustellen wolte, hingehalten, bis dato aber derselbe mihr nichts eingereichet, und ich also nicht l¨ anger mit antwort mehr verz¨ogern wollen. Es lauffen die brieffe 14 tage, auch wol 3 wochen nach dem dato ein, daß ich nicht gedencken kan, wo selbe unter weges so lange auffgehalten werden m¨ ogen, wie mit diesen letzten beyden geschehen. Ein Englischer Abgesandter ist f¨ ur weinig tagen alhie ankommen, und gestern solenniter zur audientz und taffel auffgeholet worden, welches negst offerirung schuldigsten gehorsambs vermelden sollen alstets verharrend Eurer Excellence Hannover am 10. Februarii 1703.

Dienstgehorsamster Conrad Johan Dannenberg

Zu N. 13: Unser St¨ uck, mit dem die u ¨berlieferte Korrespondenz endet, folgt auf Dannenbergs Brief vom 2. Dezember 1702 (I, 21) und antwortet auf zwei nicht gefundene Leibnizbriefe wohl von Dezember bis Anfang Januar (vgl. Z. 5 Erl.) aus Berlin. K war vielleicht Beischluss zu N. 135. 5 schreiben: darunter der in N. 5 erw¨ ahnte Leibnizbrief wohl von Anfang Januar 1703 aus Berlin. 6 Bartholden: 10 Juden: vermutlich L. Berens. 12 f. Es lauffen . . . ein: zu J. B. Knoche. 8 versiegelt: vgl. N. 12. Verz¨ ogerungen in Leibniz’ Postverkehr vgl. z. B. auch N. 5. 15 Abgesandter: Gemeint ist vermutlich der Sondergesandte Charles Finch earl of Winchilsea, vgl. Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 52.

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N. 14

14. JOHANN BARTHOLD KNOCHE AN LEIBNIZ Hannover, 20. Februar 1703. [12. 16.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 481 Bl. 25–26. 1 Bog. 4o. 3 S.

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Ew. Excellentz schreiben vom 13. Febr. habe wohl erhalten, und daraus mit Freuden ersehen, daß Ew. Excell. werden bald zu r¨ uck kommen, Es ist fast alle tage Jemand gewesen, so nach dero Ankunfft gefraget, es hat auch der H. Vice Canzler nach fragen laßen; Mons. le Chevalier de la Fontaine ist annoch hier, wie lang er aber sich noch hier wird auffhalten weis man noch nicht gewis; Und Mons. Bouquet ist anitzo hier, so ich von seiner Liebsten vernommen, und wird er Ew. Excell. bey dero Ankunfft schon auffwarten, Ulrichs Frau hat zwar an Ulrichen geschrieben, daß sie wolte hin¨ uber kommen, Alleine es wahr ihr Ernst nicht; sie wolte nur h¨ oren, was er darauff w¨ urde antwordten, Wegen der Ihro Mayt die K¨ onigin Abreise von hier ist noch nicht gewiß, wie bald, ich war vor wenig Tagen bey dem Leibgutscher, der mir dann sagte, daß sie k¨ unfftige woche (wann die Redoute vorbey) wieder von hier reisen w¨ urden, Ob es nun wird dabey bleiben, lehre die Zeit, Ew. Excell. haben sehr wohl gethan, daß sie den wagen gekaufft haben, damit sie desto commoder konnen reisen, alleine Ihren sitz oder stuhl wird es auff der r¨ uckreise keinen vorthel geben, wenn er nicht wird gebraucht werden, Ich habe es Mons. Zehe geschrieben, daß er die Brieffe nicht k¨ unfftig solte so groß machen; bitte dienstl. doch noch diesen Brieff an ihn bestellen zu laßen, er hat mir darumb gebeten, Im Ubrigen so habe heute wieder 2 fuder Holtz bekommen, habe also nun 6 fuder ingesamt bekommen, und ¨ so man das Ubrige als 7 Fuder nichts auch bald einfodert, mochten sie es uns hernach vorenthalten, sonsten passiret sonderlich nichts[.] es sind diese Woche die Zellische Ministre benebst Ihro Dhl. dem hertzoge von Zell hier gewesen, seyn aber schon wieder weg,

Zu N. 14: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief aus Berlin vom 13. Februar 1703 und wird vermutlich beantwortet durch den nicht gefundenen Leibnizbrief vom 24. Februar, auf den N. 19 antwortet. Beischluss war der Z. 19 angesprochene Brief. 6 Vice Canzler: L. Hugo. 8 anitzo hier: vgl. N. 2. 10 Ulrichen: Leibniz’ Kutscher U. G¨ urgensohn, der sich mit Leibniz in Berlin aufhielt. 12 Abreise: Die vorzeitige R¨ uckreise K¨ onigin Sophie Charlottes nach Berlin erfolgte am 24. Februar (vgl. N. 153). 13 Leibgutscher: nicht ermittelt; vgl. N. 12. 16 sitz: zu Leibniz’ selbst entworfenem Reisesitz vgl. z. B. I, 19 N. 143, N. 304. Noch im Sommer 1703 befand sich der Reisesitz in Berlin; vgl. z. B. N. 41. 23 hier gewesen: vgl. N. 122 u. N. 140.

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N. 15

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Ich habe Ew. Excell. nochmahls wegen des Glases eine Erinnerung thun wollen, Mons. Zehe wird es Ulrichen schon sagen, wo es am besten zu finden, Indeßen verharre h...i Hannover d. 20ten Febr. Ao 1703.

¨ 15. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 24. Februar [1703]. [11. 17.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 437–438. 1 Bog. 4o. 3 S. 2 Z. Ohne Anrede und Unterschrift. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 4–5.

A Hanover le 24 de Feveri´e1 Je prans tant de plesir en vostre conversation que je n’aurois pas est´e si longtemps sans repondre ` a toute vos agreable lettres si je ne vous avois creu en chemin pour revenir, mais apresent que la Reyne retourne par ordre du Roy[,] apres que nous avons chican´e autant que nous avons peu[,] je ne doute point que vous rester´es encore quelque tems avec elle et que vous ne ser´es point regard´e comme un homme suspect, pour moy j’ay mend´e au Roy de Prusse qu’on ne cettoit point attendu qu’il nous feroit une querelle d’Almand pour faire rire nos Ennemis[,] mais il parroit que cela ne l’a point defach´e et il semble aussi que Bernsdorf ne soit pas fach´e qu’il y ait noise pour son propre interest, Je 1

hDaneben von L e i b n i z ’ Hand:i 1703

Zu N. 15: K best¨ atigt den Erhalt von toute vos agreable lettres‘‘, vermutlich N. 8, N. 10 und N. 11, ” und kreuzt sich vermutlich mit N. 17. K wurde wohl in dem grand paquet‘‘ u ¨bermittelt, das die Kurf¨ ur” ollnitz bei der R¨ uckreise K¨ onigin Sophie Charlottes mitgab und auf das sie stin laut N. 22 H. Ch. von P¨ am 7. M¨ arz noch keine Erwiderung hatte. Beigeschlossen waren die S. 20 Z. 1 erw¨ ahnten Briefe P. de Falaiseaus. 12 retourne . . . chican´ e: Die K¨ onigin war infolge der politisch-milit¨ arischen Spannungen zwischen Brandenburg-Preußen und Braunschweig-L¨ uneburg-Hannover sowie -Celle vorzeitig zur¨ uckgerufen worden und brach am 24. Februar auf; zu Mutmaßungen w¨ ahrend der vorhergehenden Wochen u ¨ber ihren Abreisetermin vgl. die gleichzeitigen Mitteilungen G. Guidis. 15 mend´ e: Kurf¨ urstin Sophie an K¨ onig Friedrich I., 17. Januar 1703 (Berner, Briefwechsel, 1901, S. 31). 17 interest: Zu Differenzen u ¨ ber den Grenzverlauf zwischen Brandenburg und Braunschweig-L¨ uneburg-Celle kam es h¨ aufig im Bereich der Herrschaft Gartow, die seit 1694 im Besitz des cellischen Premiers A. G. von Bernstorff war.

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vous envoy les lettres de Falaisesau ` a quoy je responds peu de chose, mais je luy donne delicatement ` a entandre qu’il a est´e bon paintre, car le bon my Lord Winselsay paise fort ` a la main avec tout mon scavoir faire j’ay de la paine `a l’entretenir[,] ce n’est pas de mesme avec le Pere Vota dont j’admire la vivasit´e. je crois qu’il l’a maintenue `a ne s’apliquer pas trop ` a la controverse dont il ne s’acquite pas trop bien, mais sur des autre matieres sa conversation est admirable et vive[.] Ser Roulant Guin est en Hollande et me veut voir icy. il a est´e mambre du dernier Parlement et le plus fervant pour la succession et veut vivre en particulier presentement avec le bien qu’il a, Nous avons une grande quantit´e d’Anglois icy presentement de toute les sortes auquels je ne demende point le Cathegisme comme vous pouvez croire. le Dr Hotton m’a pleu quoi qu’il ait mechante opinion de la guerison de Cresset qui est bien `a plaindre[,] sur tout de ce qu’il a des moments de bon sans[,] la Reyne enmene aussi une Princesse bien delabr´ee de toute les manieres qui doit estre ravye de trouver un asile `a Luxsenburg par la bont´e de la Reyne. Pour moy[,] je crains que je n’oser´es y retourner si ce n’est que le Roy allie en Prusse ou en Hollande[,] car S. M. aime les voyages.

16. JOHANN BARTHOLD KNOCHE AN LEIBNIZ Hannover, 26. Februar 1703. [14. 19.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 481 Bl. 27–28. 1 Bog. 4o, auf die halbe Breite beschnitten. 3 1/2 S.

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1 lettres . . . responds: nicht gefunden, vgl. N. 26. 2 Winselsay: Ch. Finch earl of Winchilsea, Sonderbotschafter der K¨ onigin Anna f¨ ur Hannover und Celle nach ihrem Regierungsantritt. Falaiseau charakterisierte ihn in einem Brief an die Kurf¨ urstin, der in seinem Brief an Leibniz vom 2./13. Oktober 1702 (I, 21) erw¨ ahnt ist. 6 Guin: Sir Rowland Gwynne. 9 quantit´ e d’Anglois: vgl. Leibniz’ Abschrift einer am hannoverschen Hof entstandenen Aufstellung dieser Personen mit Charakterisierung (Hannover Leibniz-Bibl. Ms XXIII, 289, 1 Bl. 10, gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 5–7). 10 Hotton: John Hutton, zuvor Leibarzt Wilhelms III. 11 Cresset: vgl. N. 131. 12 Princesse: F¨ urstin Luise von Hohenzollern-Hechingen, die am 16. Februar eingetroffen war und bien chang´ ee‘‘ wirkte (N. 145 und ” N. 146). Zu N. 16: K kreuzt sich mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief vom 24. Februar 1703 aus Berlin, auf den N. 19 antwortet. Die Antwort erfolgte vielleicht in dem nicht gefundenen Leibnizbrief wohl von Anfang M¨ arz, der in N. 168 erw¨ ahnt ist.

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Weillen mir der Abt Guidi, ein Zeddel an Mons. Meyer zugeschicket, und mir laßen sagen, daß ich solte an Ew. Excellentz schreiben, als scheinet es gewiß nicht, alß wann Ew. Excellenz noch so bald nicht werden hier kommen, zu mahlen, Ihro Mayt die K¨onigin wiederumb da angelanget, So bitte Ew. Excell. hiemit unterth¨anigst, sie wollen mir doch die Gnade erweisen, und doch an Hn F¨ orstern oder sonsten an Jemand ordre stellen, daß mir doch so lange etwas Geld werde vorgestrecket, weill ich ehe zu nichtes kommen kan, und mir gantz Miserabel gehet, dann ich mir (wie ich Ew. Excell. schon geschrieben) gantz von Gelde entbl¨ oßet, daß ich mir schon bey einem meiner guten Freunde in kleine schulden gestecket, dan ich mit den halben thaler die woche nicht viel außrichten k¨onnen, weillen offters Brieffe kommen, seyn so ich bezahlen m¨ ußen, wie auch holtz klein zu machen, und auch vor Lichter, ich behelffe mir zwar sehr knappe[,] alleine ich kan doch die woche unter 3 lichter nicht aus kommen kan, weill ich nicht so gleich bey Abends Zeit kan zu bette gehen, und so ich wolte alle abend bey gute Freunde gehen, wolte meines Geldes noch mehr drauff gehen, Ich bitte also Ew. Excell. nochmahlen gantz gehorsahmst, mir doch ehistens mit eztliche thaler beh¨ ulfflich zu seyn, ich werde es mir ja hertzlich gerne wieder abziehen laßen, ich m¨ ochte w¨ undschen daß ich wieder bey Ew. Excell. w¨ahre, es solte mir gewis wohl 10 hMi forthel seyn, den ich habe mir gar zu sehr in meiner Krankheit von Gelde entbl¨ oßet, ehe ich wieder gesundt geworden bin, Ew. Excell. k¨onnen auch leicht erachten, daß ich stets denn Gantzen tag, unm¨ ugl. kan alleine zu hause seyn, den es gar ¨ zu einsahm anitzo zu hause ist, ob ich gleich dan und wann mich Ube in mahlen und zeichen, so habe doch dennoch keine Ver¨ anderung dabey, Es haben mir auch Ew. Excell. ja kein geld mit gegeben, nach Hannover, bey meiner damahligen Abreise von Berlin, sonsten ich vielleicht beßer zu recht kommen k¨onnen, und versprachen mir ja Ew. Excell. daß sie in 14 tagen w¨ urden nach folgen nach Hannover, alleine es sind aus denen 14 tagen, bald 22 wochen geworden, Also werden Ew. Excell. leicht gedencken k¨onnen, wie ich mich unter der Zeit habe behelffen m¨ ußen, Wenn Ew. Excell. nicht gerne sehen, daß ich von H. F¨ orstern was borgen soll, so solte es mir die Fr. v. L¨ ude, ja gerne leihen, wenn Ew. Excell. nur ein Zettel u ¨bersenden, ich werde hinwiederumb Ew. Excell. vor solche

1 Zeddel: nicht gefunden; vermutlich die von M. D. Meier in N. 172 angesprochene charta‘‘ A. Ritt” ners mit einem Zusatz von Leibniz’ Hand. 4 da angelanget: in Berlin. Sophie Charlotte war am 24. Februar zur R¨ uckreise aufgebrochen; vgl. N. 153. 7 geschrieben: in N. 2. 22 damahligen Abreise: 23 versprachen: Dass Leibniz nach der Verschiebung seiner (urspr¨ unglich f¨ ur Ende vgl. N. 5 Erl. August geplanten) Abreise vom Berliner Hof zun¨ achst von einer R¨ uckkehr nach Hannover im Herbst 1702 ausging, geht auch aus seinem Brief an Fabricius vom 14. Oktober 1702 (I, 21) hervor.

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g¨ ute, Tag v. Nacht, auffw¨ artig seyn Ew. Excell. zu dienen, Ich erwarte also hierauff eine baldige Antwort und verharre in solcher Zuversicht h...i Hannover d. 26ten Febr. Anno 1703

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P. S. Monsieur Fontaine wird morgen verreisen, wie auch ein Engl. Milord, Es ist auch Mons. Meyer etzliche mahle bey mir gewesen, und nach Ew. Excell. gefragt. ich werde ihm daß Zeddel so H. Guidi mir zugeschicket, heute noch zu stellen, und wegen Ew. Excell. ein Compliment machen, Solten Ew. Excell. ja sobald noch nicht kommen, So bitte, Ew. Excell. erlauben mir dieses, daß ich mag (wen gelegenheit hin¨ uber gehet) mit u ¨ber kommen, Weill man schon starck hievon spricht daß die Dhl. Churf¨ urstin, wirdt gegen Ostern wieder nach Berlin reisen, und w¨ urde alsdann wohl schwer her gehen, daß Ew. Excell. so bald nicht wieder k¨ ahmen; Eß wird aber nach Ew. Excell. Ankunfft, sehr gefraget, von allen Ministers, und habe ich neulich von des Cammer Praesidenten Lacquein vernommen, als wan er von seinem Hn geh¨oret, als wann Ew. Excell. bey Sr Mayt dem K¨ onig schon w¨ urcklich in diensten, und hingegen diesen hof quitiret, worauff ich nichts gewißes antworten k¨ onnen; Ulrichs Frauen verlanget auch sehr nach Ew. Excell. und Ulrichs Ankunfft, weill es ihr auch all knappe gehet; Auff Unsere Kirschen wird nun wohl nicht mehr zu hoffen seyn, weill sie sehr schimmeln und hmulstrichi riechen, Imgleichen, so wird das Sch¨one Laken, zu Ew. Excell. Kleide, wohl meist von den hMutteni oder M¨ausen, oben im Schrancken zerfreßen werden, imgleichen auch das u ¨brige LinnenZeug oder Kleider; welches doch schade seyn w¨ urde, weill niemand darnach sehen kan;

4 Engl. Milord: vermutlich H. Bentinck viscount Woodstock, dessen Reisebegleiter A. Fountaine war. 10 Ostern: am 8./9. April. 12 Cammer Praesidenten: F. W. v. Schlitz gen. v. G¨ ortz. 13 Lacquein: nicht ermittelt. 17 Kirschen: vgl. die Korrespondenz in I, 21.

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¨ 17. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE [Berlin, Ende Februar 1703.]. [15. 18.] ¨ Uberlieferung: L Konzept: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84A Nr. 180 Bl. 419. 4o. 2 S. Mit zahlreichen Korrekturen. Randanstreichung im Bereich von S. 24 Z. 13 bis 18. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 8–10.

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Madame Quoyque j’aye voulu attendre le retour de la Reine je ne m’arresteray point dans ce pays. Outre que mon devoir m’appelle `a Hanover et l’estat de mes affaires et meme ma sant´e dont je dois avoir plus de soin que je n’ay fait[,] quoyque peutestre trop tard; je ne suis point exemt de soub¸con icy. Des gens accoustum´es aux intrigues s’imaginent que tout le monde y donne; et on soub¸conne qu’un si long sejour sans sujet apparent, n’est pas sans dessein. Et comme ma franchise fait que lors qu’on m’attaque au sujet des presentes brouilleries entre les deux maisons je ne puis m’empecher de justifier nos Cours o` u elles me paroissent avoir raison, je passe meme pour passionn´e. Je soutiens tousjours que je tiens le Duc de Zell incapable de ces actions obliques et dessein[s] dont on l’accuse icy au sujet de Hildesheim, cela estant ny de son humeur ny meme de saison, et tout `a fait contraire ` a la sagesse de ce prince et de son conseil. Pour ce qui est de Northausen[,] ils disent qu’on a est´e trois mois ` a Hanover sans repondre `a la derniere lettre du Roy et que mˆeme la reponse n’est venue, qu’apres la prise, et que la ville aussi traitoit le Roy d’une maniere fort cavalliere. Et qu’ayant s¸cu enfin que l’Electeur y vouloit jetter des trouppes, on a voulu le prevenir. La difference est que nous le devions faire du consentement de la ville, et eux l’ont fait malgr´e elle. Ils alleguent qu’ils y avoient trop d’interest pour le

Zu N. 17: Die Abfertigung von L (nicht gefunden; vielleicht der in N. 168 erw¨ ahnte Brief) kreuzt sich vermutlich mit N. 15 sowie mit N. 18 und wird beantwortet durch N. 20. Die Abfertigung steht aufgrund ¨ von Leibniz’ Außerung u ¨ber sein Warten auf die R¨ uckkehr der K¨ onigin (vgl. S. 23 Z. 7) in zeitlicher N¨ ahe zu Sophie Charlottes Eintreffen am 28. Februar in Berlin (vgl. Doebner, Briefe, 1905, S. 28 Anm. 3). ¨ 7 retour: Uber die Verk¨ urzung von K¨ onigin Sophie Charlottes Aufenthalt in Hannover wegen der im Brief angesprochenen Differenzen hatte Leibniz bereits aus ihrem Umfeld erfahren, vgl. N. 142. 11 long sejour: Leibniz hielt sich seit Juni 1702 in und bei Berlin auf. 13 brouilleries: die Spannungen zwischen Brandenburg-Preußen sowie Hannover und Celle wegen der Besetzung Hildesheims Mitte Januar durch cellische Truppen und der Okkupation Nordhausens Anfang Februar durch brandenburgisches Milit¨ ar, vgl. Schnath, Geschichte 3, 1978, S. 563–567.

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souffrir. Et quand on dit que les constitutions de l’Empire ne permettent point qu’on se fasse raison, il paroist bien que les grands ne s’y croyent point trop assujettis. On a fait deja l’accord avec la ville qui a receu le Roy pour protecteur perpetuel. Mais l’Electeur s’y opposera puisque la ville l’a deja pris pour protecteur sa vie durant et que le dernier accord est forc´e. Le Roy est si vif sur ces brouilleries qu’on ne sauroit presque l’estre davantage, et je crois que pas un de ses ministres luy ose dire ce qu’il faudroit pour diminuer son aigreur qui vient principalement des longues et facheuses querelles de la vieille Marche[,] de sorte que le chagrin o` u il estoit deja contre la Cour de Zell a fait aisement donner creance a Sa Majest´e, ` ` a tous ces rapports passionn´es qui sont venus de Hildesheim, o` u l’on a r empoisonn´e les bonnes intentions de Monsg le duc de sorte qu’on a pris de cela et de Northausen occasion d’´eclater. Chez nous et `a Zell, on paroist d’humeur `a ne pas ceder d’un pas. Ainsi il faut qu’un tiers s’en mˆele. J’eusse souhait´e que le Comte de Hazfeld venu icy de l’Electeur palatin et reparti eˆ ut eu entre autres cette commission, mais il semble que c’estoit au sujet des trouppes qu’il estoit venu. Cependant cette querelle ne pouvoit jamais arriver dans une situation plus dangereuse. Elle vaut je ne say combien de millions ` a la France. Enfin je crains qu’elle ne cause la ruine de l’Empire et du parti protestant. II n’y a que V. A. E. qui puisse dire cela au Roy d’une maniere forte et touchante et encor ` a l’Electeur et au Duc. La Comtesse de Wartemberg se loue extremement des bont´es de V. A. E. et de Mgr l’Electeur, elle paroist meme tres persuad´ee des bonnes intentions personnelles de Mgr le duc de Zell. L’auteur de la lettre d’Angleterre que je rapporteray me paroist un peu trop passionn´e contre le present gouvernement, dont je ne souhaitte point le malheur[,] de peur que cela ne rejallisse sur le public. Je crois deviner ce qu’il pense que nous devons faire; il a quelque raison[,] mais je crois que nous devrions faire encor autre chose, dont je ne veux point parler par lettres car elle est un peu odieuse. (C’est qu’il faudroit pousser comme il faut la cause commune sans se laisser divertir par des petites affaires; autrement les affaires generales allant mal, il est seur que le prince de Galles regnera un jour en Angleterre[)].

8 querelles: Zu den Reibungen insbesondere im cellisch-brandenburgischen Grenzgebiet vgl. ebd. S. 546. 20 Comtesse: Catharina Kolbe von Wartenberg war bereits am 5. Februar nach Berlin zur¨ uckgereist, vgl. N. 133. 23 lettre d’Angleterre: nicht ermittelt. 29 prince: Jakob Eduard Stuart.

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¨ 18. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 28. Februar 1703. [17. 20.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 442–443. 1 Bog. 4o. 2 S. Ohne Anrede und Unterschrift. Mit Korrekturen. Eigh. Aufschrift. Siegel. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 7–8.

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A Hanover le 28 de Feveri´e 1703 Come vous avez tard´e si longtemps `a attandre le beau tems je ne croi pas que vous choisi´es celuy d’apresant qui est tout couvert de naige pour revenir[,] c’e[s]t pour cela que je recommence nostre comerse et que je souhaite que vous me fassi´es avoir en imprim´e les statutes de l’ordre Orenge que le Roy de Prusse a oubli´e de m’envoier come il me l’avoit promis. l’affaire de Hildesheim l’avoit aparament donn´e de plus mechantes Id´ees[,] j’espere que ce tourbillion est un peu pass´e[,] le Roy de Prusse m’a fait la grace de m’envoier le trett´e qu’il a fait avec cette maison mais il n’y a rien qui soit contre le Schutz recht de cette maison et il y est dit dans ses termes `a l’esgard de Bremen Lubeck Hamburg et Hildesheim, das wan einige gefahr obhanden das besagte stette von iemanden es sey von wehm es wollen angegriffen undt belagert oder sunsten opprimirt w¨ urden qu’alors les Princes confeder´es ce pretteray la main pour les secourir[,] mais ce pas n’est point arriv´e[.] le sindic de Hildesheim a est´e icy pour remersier nos Princes de la paine qu’ils ont prise[.] on n’y a rien fait qui resemble `a la prise de Northeim. A Monsieur de Leibenitz ` a Berlin

Zu N. 18: K kreuzt sich vermutlich mit N. 17. 10 statutes . . . Orenge: Gemeint ist der Schwarze Adlerorden, zu dessen Insignien ein orangefarbenes Band geh¨ orte. Die S t a t u t e n (SV.) bestanden seit 1701. F¨ ur das erste Ordenskapitel am 19. Januar 1703 setzte J. von Besser zu Beginn des Monats das Ceremoniell des Ordens vom Schwarzen Adler‘‘ auf (gedr.: L. Schneider, Das Buch vom Schwar” zen Adler-Orden, Berlin 1868, Anhang Nr. 8, S. 15–17). Friedrich I. hatte Ende 1702 versprochen, der Kurf¨ urstin eine ausf¨ uhrliche beschreibung . . . aller ceremonien, so bei dem Ordenstage f¨ uhr gehen‘‘, zu ” schicken (Berner, Briefwechsel, 1901, S. 25). 11 Hildesheim: in Zusammenhang mit Unruhen in der B¨ urgerschaft Mitte Januar 1703 von cellischen Truppen besetzt. 13 trett´ e: der (vorhergehende B¨ undnisse erneuernde) Freundschaftsvertrag vom 2. Dezember 1700 bzw. 19. Januar 1701, auf dessen ¨ rner, Kurbrandenburgs zweiten Separatartikel die Kurf¨ urstin sich in Z. 15–17 bezieht, vgl. Th. von Mo Staatsvertr¨ age von 1601 bis 1700 , Berlin 1867, Nr. 441, S. 671 f. 18 sindic: wohl Dr. Schrader. 18 nos Princes: Kurf¨ urst Georg Ludwig und Herzog Georg Wilhelm. 19 Northeim: Gemeint ist Nordhausen, das am 7. Februar in Reaktion auf die Besetzung Hildesheims durch cellische Truppen von Brandenburg-Preußen besetzt worden war.

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19. JOHANN BARTHOLD KNOCHE AN LEIBNIZ Hannover, 28. Februar 1703. [16. 33.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 481 Bl. 29. 4o. 2 S.

Hannover. d. 28ten Febr. 1703. 5

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Dero leztes Schreiben vom 24ten Febr. habe wohl erhalten, und leider darauß ersehen, daß Ew. Excellentz R¨ uck kunfft noch weit zu r¨ uckgestellet, ich m¨ochte mir wohl auff ein Paar tage, fl¨ ugels w¨ undschen damit ich Ew. Excell. k¨onte mit Vergn¨ ugen wieder auffwarten, die Uhrsache, und warum habe in lezt vorhergehenden Brieff gnugsahm gemeldet; Monsieur le Chavalier Fontaine wird Zweiffels ohne mit dieser Post selbsten an Ew. Excell. geschrieben, die weill er nicht hat wollen sagen laßen, seine Abreise, Erstl. habe ich von deßen Bedienten verstanden, daß er wolte von hier erst auff Zell, verreisen, weill sie gedachten alda eine Jagt anzustifften, weill aber das wetter sehr umbgeschlagen, Und zu dem Jagen, ein wenig zu frisch, m¨ochte er vielleicht hnochi wohl einwenig hie verbleiben, es weiß aber nie mand von den Bedienten, gewißheit hievon, sondern er hat laßen heraus sagen Er wolte selbst mit der Post an Ew. Excell. schreiben; Ew. Excell. thue auch mit wenigen zu wißen, daß ich neulig, auff H. Abt Guidi Befehle, seine Brieffe von der Post geholet, als der Eine wahr vielleicht von Ew. Excell. der ander aber wahr von Monsieur Eccard, auch an H. Guidi, worauff stundt franco Halle, was H. Eccard nun zu schreiben an H. Guidi, kan ich nicht sagen, ich kennete seine Hand, und wahr ein wenig dickerer brieff, mit des General Flemmings Siegell darauff[.] an Mons. Meyer, ist das Zettel zu geschicket, von H. F¨ orsters diener, den er sich einwenig von der Stadt hier

Zu N. 19: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief aus Berlin vom 24. Februar 1703 und wird vermutlich beantwortet durch den nicht gefundenen Leibnizbrief vom 31. M¨ arz 1703, auf den N. 33 antwortet. 6 R¨ uck kunfft: Leibniz kehrte erst Anfang Juni 1703 nach Hannover zur¨ uck. 8 Brieff: N. 16. 10 geschrieben: der einzige u ¨berlieferte Brief A. Fountaines an Leibniz aus diesem Zeitbereich, N. 179, datiert vom 16. M¨ arz 1703. 12 weill . . . umbgeschlagen: zum Schneefall Ende Februar vgl. N. 18. 17 der Eine: Aus der in unserem Zeitraum dichten Korrespondenz zwischen Leibniz und G. Guidi wurde keiner der Leibnizbriefe gefunden. 18 f. was . . . schreiben: J. G. Eckhart sollte Guidi Informationen aus Sachsen und Polen liefern f¨ ur dessen Nachrichtenagentur vor allem zur Politik der europ¨ aischen H¨ ofe. 20 General . . . Siegell: Eckhart war im vergangenen August als Sekret¨ ar in 21 diener: den Dienst J. H. v. Flemmings getreten. 20 Mons. Meyer: M. D. Meier, vgl. N. 16. nicht ermittelt.

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auff halten solte, kombt aber bisweillen herein, sonsten weis sonderl. nichts zu schreiben, als habe nochmahls unterth¨ anigst erinnern wollen, so ich in meinem vorigen und zwar lezten brieffe erwehnet, verh¨ offe darin erh¨ oret zu werden, Ich verbleibe h...i

¨ 20. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 3. M¨ arz 1703. [18. 22.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 433–434. 1 Bog. 4o. 2 1/3 S. Ohne Anrede und Unterschrift. Eigh. Aufschrift. Siegel. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 10–12.

A Hanover le 3 de mars 1703. J’ay trouv´e vostre lettre trop ` a mon gr´e pour avoir voulu en avoir le plesir tout seul[,] je l’ay montr´e ` a l’Electeur qui en estoit for contant aussi[,] hor un poin qui nous choqua tous deux o` u vous dout´es qu’il ne soit trop tart de prandre soin de vostre sant´e dont nous serions tous deux bien fach´e[,] il est cependant tris[t]e que nous depandons si fort du temps et je veux croire qu’un broulliart vous a fait escrire ses triste parrolles[.] je suis fort en desordre aussi j’ay eu quelques acces de fievre[,] apresent que cela est pass´e je suis plus enrum´ee que jamais ce qui rant fort stupide[,] aussi le bel esprit Mr Abeson ne ce manifeste gaire qu’en escrit (` a ce que je crois) car il est for still aupres de moy, l’Envoi´e qui sera de retour de Cell aujourduy n’est d’aucune conversation et `a peu prest comme Falesau l’avoit depeint, j’ay sceu d’allieurs qu’on est for scandalis´e en Angleterre que l’Empereur ne fait pas plus pour luy mesme[,] J’ay peur qu’ils retireront leur espingle du jeu et nous laisseront la guerre en Allemagne. Pour l’affaire de Hildesheim elle a est´e tant rebattue que je ne vous en parle plus. Nos troupes ne coutent pas un sou `a la ville

19 deplaint K korr. Hrsg.

2 f. so . . . erwehnet: vermutlich Anspielung auf die bereits mehrfach ge¨ außerte Bitte um Geld. Zu N. 20: K antwortet auf N. 17. 16 Abeson: J. Addison, vgl. N. 10. 17 Envoi´ e: Charles Finch 18 retour: Zum Celle-Besuch der Engl¨ ander am hannoverschen Hofe earl of Winchilsea, vgl. N. 15. vgl. N. 160. 19 depeint: vgl. N. 15 u. Erl. 21 l’affaire: die Besetzung Hildesheims durch cellische Truppen.

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mais ` a Northausen celle de Brandeburg y font paier en ennemis, il faut que je dise `a la louange de la Contesse de Wartenberg qu’elle a dit la pure verit´e de tres bonne manieres au Duc de Cell ` a l’esgard des Broulleries de Bernsdorf et que sy cettoit son affaire qu’elle aimeroit mieux tout perdre que d’estre cause d’un diferent entre deux si grand Pces qui devroient tousjour estre unny, mais le Duc me dit en suite je suis oblig´e de maintenir ” mes serviteurs‘‘, Je ne vous crois point en voiage par ce vilain temps[,] sans cela je ne vous escrirois plus, je suis for stupide et fort incommod´ee par le rume[,] cependant vous me fer´es plesir aussi d’avoir soing de vous mesme come j’en prans aussi pour moy de mon cost´e. A Monsieur de Leibenitz.

¨ 21. LEIBNIZ AN FRIEDRICH WILHELM VON GORTZ Berlin, 6. M¨ arz 1703. [24.] ¨ Uberlieferung:

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L1 Konzept: LBr. 321 Bl. 21. 4o. 2 S. Mit zahlreichen Korrekturen. Datum: Berlin 6 Mars ” 1603.‘‘. Eigh. Anschrift: A Monsieur le Baron de Goerz Ministre d’Estat president des ” finances et Grand Mareschal de la Cour de S. A. E. Hanover‘‘. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 12–13. L2 Abfertigung: Darmstadt Hessisches Staatsarchiv F 23 A Nr. 142/13. 1 Bog. 4o. 3 S. (Unsere Druckvorlage.)

Monsieur Il y a long temps que je me serois donn´e l’honneur de vous ´ecrire, si depuis quatre mois je n’avois esper´e d’avoir bien tost celuy de faire la reverence `a V. E. Mais apresent 2 Contesse: Catharina Kolbe von Wartenberg, vgl. N. 17. 3 Broulleries: Grenzkonflikte zwischen Brandenburg und Braunschweig-L¨ uneburg-Celle im Bereich von A. G. von Bernstorffs Herrschaft Gartow. Zu N. 21: L2 folgt auf G¨ ortz’ Brief an Leibniz vom 9. Juli 1702 (I, 21) und war vermutlich dem nicht gefundenen Leibnizbrief an G. Guidi beigeschlossen, der N. 170 vorausging. Beilage war die S. 30 Z. 9 genannte Quittung P. Drevets, Anlass das S. 29 Z. 1 und S. 30 Z. 4 erw¨ ahnte Schreiben Chr. Brosseaus anger als vorgesehen in Berlin aufhielt, hatte er dessen vom 29. Januar 1703 (N. 123). Da Leibniz sich l¨ Bitte um Erstattung von Auslagen nicht wie vorgesehen pers¨ onlich vortragen k¨ onnen (vgl. N. 180 u. Erl.). L2 wird beantwortet durch N. 24.

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ce que M. Brosseau m’a mand´e au sujet du pourtrait de feu Monsgr l’Electeur dont je parleray tantost; m’a oblig´e d’´ecrire ces lignes. Apres le retour de Mad. l’Electrice je partois souvent, lors que la Reine m’arrestoit insensiblement, et me fit enfin attendre son voyage. Mais quand il arriva j’estois tomb´e malade d’une maniere qui m’a fort affoibli. Je suivois la Reine de semaine en semaine, mais la continuation du mal, quoyqu’un peu diminu´e, et la rigueur de la saison ne le permettoient pas. L’appetit qui estoit presque perdu, est revenu, mais le repos ne l’est pas encor. Cependant comme la saison qui avance nous promet quelque temps doux, je ne manqueray s’il plaist ` a Dieu, d’en profiter. Car outre cent autres raisons, je ne puis pas avoir assez soin de moy icy, ny de la diete dans une hauberge. Ainsi j’ay la plus grande impatience du monde d’estre chez moy. Cependant je n’ay point cess´e icy, et mon travail Historique est presque autant avanc´e que si j’avois est´e `a Hanover, comme l’on va voir, car j’ay apport´e avec moy les papiers necessaires, et j’ay eu icy toute la commodit´e que je voulois de me servi[r] des livres de la Bibliotheque royale. Je me hasteray au possible pour sortir de ce travail peinible car je considere ma maladie comme une admonition qui m’oblige de me presser. Il ne falloit pas estre sorcier pour prevoir les brouilleries qui viennent d’´eclater entre les deux maisons. Car on ne cachoit pas l’aigreur icy depuis long temps. Je souhaitte qu’il s’ensuive une plus etroite amiti´e, et que ce soit comme a m a n t i u m i r a e. Autrement les mechans effects qui s’ensuivront de tous cost´es sont tres visibles. Au reste je deplore le malheur de la patrie. Il semble que la nation Germanique se veut perdre. Elle aura aussi tout le blame de la malheureuse issue de la guerre, qui n’est que trop apparente. On ne peut rien dire d’assez fort contre la conduite qui se voit. Je

3 f. souvent, (1 ) mais enfin la Reine (a) m’a fait attendre (b) me fit insensiblement attendre (c) me voulut (d) me f bricht ab (2 ) lors que . . . attendre L1 5 de semaine en semaine fehlt L1 9 outre 1 1 2 . . . raisons fehlt L 12 comme . . . voir, erg. L L 13 apport´ e . . . et j’ay fehlt L1 15 de (1 ) cette affaire (2 ) ce Travail L1 15 peinible fehlt L1

1 pourtrait . . . l’Electeur: der Kupferstich Kurf¨ urst Ernst Augusts f¨ ur das M o n u m e n t u m Gloriae (vgl. SV.). 3 retour: Kurf¨ urstin Sophie war im August 1702 aus Berlin nach Hannover zur¨ uckgekehrt. 4 voyage: K¨ onigin Sophie Charlotte war am 20. Januar 1703 zum Karneval nach Hannover abgereist (vgl. N. 109). 17 brouilleries . . . ´ eclater: nach der Besetzung Hildesheims durch cellische und Nordhausens durch brandenburg-preußische Truppen am 16. Januar bzw. 7. Februar 1703, 19 a m a n t i u m i r a e : vgl. vgl. auch N. 142 und Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 563–567. Terenz, Andria, 555. 22 guerre: der Spanische Erbfolgekrieg.

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suis touch´e particulierement des effects que cela aura par rapport `a une Maison, dont je souhaitte tant la gloire. Car si la guerre tourne mal, peut on douter que le pretendu Prince de Galles regnera en Angleterre? Je finis par M. Brosseau: Il me mande qu’ayant d’abord avanc´e deux cens livres au graveur, pour l’encourager, il a est´e oblig´e dernierement de luy donner encor 300 livres, de sorte qu’il a maintenant 500 livres, qui est la moiti´e du prix convenu. En recompense, il espere que l’ouvrage sera presque fait ` a pˆaques. J’ay voulu mander cela `a V. E. `a fin que M. Brosseau puisse estre rembours´e quand Elle le jugera `a propos. Je joins icy la quittance du graveur qu’il m’a envoy´ee, et je suis avec respect Monsieur

de Vostre Excellence

Berlin 6 Mars 1703

le treshumble et tresobeissant serviteur Leibniz.

¨ 22. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 7. M¨ arz 1703. [20. 23.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 452–453. 1 Bog. 4o. 2 S. Ohne Anrede und Unterschrift. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Eigh. Aufschrift. Siegel. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 14.

A Hanover le 7 de mars 1703 Je voy Mr que Madsel Pelnitz par sa vivasit´e ordinaire a oubli´e ou perdu le grand paquet que je luy avois donn´e pour vous puis que vous n’en faites point mension; pour 2 f. le pretendu . . . Galles: Jakob Eduard Stuart, 1701 in Frankreich als Jakob III. von England und Jakob VIII. von Schottland zum britischen Thronerben erkl¨ art. 4 mande: vgl. N. 123; zu den Abschlagszahlungen Brosseaus an den Pariser Kupferstecher P. Drevet vgl. auch Brosseaus Brief vom 20. November 1702 (I, 21). 7 pˆ aques: 8./9. April. 8 f. la quittance . . . envoy´ ee: Der Antwort von G¨ ortz zufolge handelte es sich um eine Quittung u ¨ber die zuletzt an Drevet gezahlten 300 Livres. Diese war Leibniz wahrscheinlich mit N. 123 zugegangen. Zu N. 22: K bezieht sich vermutlich in Z. 19 auf einen (nicht gefundenen) Leibnizbrief wohl vom Monatsanfang, bei dem es sich um einen der beiden (nicht gefundenen) Briefe handeln d¨ urfte, deren noch ausstehende Beantwortung die Kurf¨ urstin in N. 26 anspricht. 18 Pelnitz: H. Ch. von P¨ ollnitz, die am 24. Februar im Gefolge der K¨ onigin die R¨ uckreise nach Berlin angetreten hatte. 19 paquet: Die atigung ging nach seiner Mitteilung in Sendung enthielt vermutlich auch N. 15 und N. 153; Leibniz’ Best¨ N. 30 verloren.

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mon indisposistion elle m’incommode beaucoup, quoi que je n’aye plus de fievre, je suis tousjour fort enrum´ee. nos Anglois sont revenu de Cell le plus contant du monde[,] ils disent y avoir un second carnaval, Mr. Abeson n’y a point est´e et comme il est for retir´e je n’en jou¨ıs pas beaucoup, aussi je crois qu’il medite sur ce qu’il veut escrire, je crois que vous aur´es veu par les gazettes la loi qu’on a faite pour ceux qui seront contre la succession de cette maison. La Pce de Zolleren m’a avou´e qu’un emportement est cause de sa maladie ainssi l’esprit a bien cloch´e aussi, son mari ne l’a point veu devan son depart dont je crois qu’elle seroit fort consol´ee pour veu qu’il luy fournisoit de l’argant, le Roy de Prusse me fait l’honneur de me tesmoigner tousjour beaucoup d’amiti´e dans ses lettres, si Bernsdorf faisoit comme la Contesse de Wartenberg feroit si elle estoit dans sa place (come elle l’a dit au Duc de Cell) on seroit bien tost d’accord et peutestre que le Roy n’auroit pas est´e si aigri sans raison pour l’affaire de Hildesheim[,] les affaires vont si mal pour l’Empreur que je crois qu’on aura une for triste campagne[,] les troupes ne sont point recrut´ees mais le carnaval n’a pas laiss´e d’estre for beau `a la cour et dans la ville.

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A Monsieur de Leibenitz ` a Berlin.

¨ 23. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 10. M¨ arz 1703. [22. 26.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 459–460. 1 Bog. 8o. 2 S. 1 Z. Ohne Anrede und Unterschrift. Eigh. Aufschrift. Siegel. Bibl.verm.

1 indisposistion: vgl. N. 153. 2 Anglois . . . Cell: vgl. N. 160, N. 166 und N. 168. 3 Abeson: J. Addison. 5 loi: die am 25. Februar 1703 beschlossene Erweiterung und Versch¨ arfung der im Vorjahr ergangenen Abjuration Bill. 6 Pce: F¨ urstin Luise von Hohenzollern-Hechingen. 7 maladie: vgl. N. 15. 10 f. si . . . Cell): vgl. N. 20. 11 dit: vgl. N. 20. 13 si mal: vermutlich Anspielung auf die Aktionen franz¨ osischer Truppen im Oberrheingebiet. Zu N. 23: K bezieht sich vermutlich in S. 32 Z. 2 auf einen (nicht gefundenen) Leibnizbrief wohl von Anfang M¨ arz, vielleicht einer der beiden (nicht gefundenen) Briefe, die die Kurf¨ urstin in N. 26 anspricht.

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`a Hanover le 10 de mars 1703

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J’espere que vous ne deplor´es qu’en parrolles le malheur de la patrie et de toute la nation Germanique et que cela ne touche point le coeur, car il me semble que nous avons bien d’autre choses ` a deplorer qui touchent de plus prets, sur tout les maladies et en fin la mort, et que le mauvez tems a de l’influence sur nostre sant´e et sur nostre humeur. je n’aurois pourtant pas song´e ` a tout cela non plus, si je n’avois est´e fort incommod´ee d’un rume dont je me porte aujourduy beaucoup mieux. Je suis fach´ee que Mesr les Estats menage si peu le Roy de Prusse sur ses juste pretensions. Nostre Envoi´e partira bientost c’e[s]t tousce qu’on vous peut dire d’icy et que l’Electeur auroit bien voulu estre de la petite table come le Pere Vota vous et Jaquelot s’y trouvere. A Monsieur Leibenitz ` a Berlin.

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¨ 24. FRIEDRICH WILHELM VON GORTZ AN LEIBNIZ Hannover, 10. M¨ arz 1703. [21.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 321 Bl. 58–59. 1 Bog. 4o. Goldschnitt. 4 S. Mit wenigen Korrekturen. Eigh. Anschrift. Bibl.verm.

Han. ce 10 de Mars 1703

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J’ay receu Monsieur la lettre que vous m’avez fait l’honneur de m’escrire avec bien du plaisir, Vous pouvez estre seur Monsieur que l’on prend icy generalemt part `a vostre sant´e et moy m’interessant particulieremt `a tout ce qui vous regarde je souhaitte avec passion que vous puissi´es estre icy de retour aussy tost que La Reine voudra se passer 7 mieux: vgl. auch N. 166. 8 f. Mesr . . . pretensions: Die Generalstaaten fungierten als Testamentsvollstrecker Wilhelms III. von Oranien, auf dessen Erbe auch Friedrich I. Anspr¨ uche erhob. 10 Envoi´ e: Charles Finch earl of Winchilsea. 12 s’y trouvere: Zu den philosophischen Debatten vor K¨ onigin Sophie Charlotte vgl. weiter etwa N. 167, N. 184, N. 28. ahnt. Der n¨ achste Brief der KorresponZu N. 24: K antwortet auf N. 21 und wird in N. 178 erw¨ denz (Leibniz an G¨ ortz) datiert vom 23. September 1704 (Druck in I, 23). 22 Reine: K¨ onigin Sophie Charlotte.

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de vostre conversation. J’ay un sensible chagrin des brouilleries arriv´ees entre les deux maisons. Je suis bien aise que vous ayez remarqu´e le chagrin qu’on a `a Berlin contre nous avant que le cas soit arriv´e pour lequel on l’a fait eclater. Vous s¸cavez Monsieur que l’iniquit´e et l’injustice ne sont pas nos vices, et comme Dieu nous a donn´e un peu de fermet´e avec la droiture de nos sentimens, il faudra avoir patience pendant quelque tems, et laisser faire au tems, ce que nous ne pouvons pas obtenir par des bonnes raisons. Vous avez raison Monsieur de blamer la mauvaise conduite de la nation germanique, j’espere que L’Empereur aura encore quelque miracle dans sa manche, sans cela je conviens que les affaires de nostre patrie iront tres mal, au moins elles n’ont pas est´e dans un si mauvais estat depuis la grande guerre d’Allemagne. Je vous prie Monsieur de faire mes compliments au R. Pere Vota; j’espere que vous vous serez justifi´e aupres de luy de l’inscription de la medaille de La princesse Matilde, o` u il trouvoit ` a redire au titre de Duc d’Aquitaine, J’aurois souhaitt´e que Mr L’electeur et Me L’electrice luy eussent donn´e de leur medailles, mais cela ne s’est pas fait `a mon grand regret, J’ay eu le chagrin de l’avoir pri´e `a din´e pour le faire jeuner chez moy, puisque c’estoit ` a un jour maigre dont on ne s’estoit pas dout´e. J’ay donn´e la quittance que vous m’avez envoy´e au Sr Schildt avec ordre de payer les 300 . dont elle parle ` a vos ordres. Je vous prie Monsieur d’assurer Monsieur Le B. de Dobresinsky de mes respects, on m’a dit qu’il a fait bastir une jolie maison, vous m’obligeriez fort Monsieur de m’en

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3 le cas: die Besetzung Hildesheims durch cellische Truppen am 16. Januar 1703. 10 la grande . . . d’Allemagne: der Dreißigj¨ ahrige Krieg. 12 l’inscription: Leibniz hatte die Inschrift f¨ ur die Medaille entworfen, die nach dem Beschluss des englischen Parlaments u ¨ber die Nominierung Kurf¨ urstin Sophies ¨ bzw. ihrer Nachkommen f¨ ur die Thronfolge in Großbritannien im Juni 1701 und der Uberreichung der Sukzessionsakte in Hannover im August 1701 im Auftrag des Kurf¨ ursten gepr¨ agt worden war (vgl. I, 20 N. 18 und N. 19; Abb. u. a. in: Schnath, Geschichte, 4, 1982, Tafel 5). Auch das Bildkonzept der Medaille mit den Brustbildern Kurf¨ urstin Sophies und Mathildes von England, der zweiten Gemahlin Heinrichs des L¨ owen, folgt Vorschl¨ agen von Leibniz (vgl. I, 19 N. 24, S. 45 Z. 3–11). Die Inschrift weist Mathilde als Mutter Kaiser Ottos IV., zuvor Herzogs von Aquitanien, aus. Die Apposition ist in dem u ¨berlieferten Textvorschlag von Leibniz nicht enthalten, wohl aber in den genannten Ausf¨ uhrungen zum Bildkonzept u ¨ber Parallelen zwischen Sophie und Mathilde. Den Titel des Herzogs von Aquitanien f¨ uhrte Otto, seit er 1196 mit der Grafschaft Poitou belehnt worden war. 17 la quittance: u ¨ ber eine Abschlagszahlung Chr. Brosseaus an den Pariser Kupferstecher P. Drevet (vgl. N. 21). 19 Dobresinsky: F. B. von Dobrzensky. 20 maison: vermutlich in Ruhleben. Das Vorwerk mit Haus und Garten, die Dobrzensky f¨ ur Sophie Charlotte hatte herrichten lassen, hatte diese ihm 1700 als Schenkung u ¨berlassen. In seinem Brief an Leibniz vom 17. M¨ arz 1703 sagt Dobrzensky zu, sich G¨ ortzens Bitte wegen in K¨ urze an diesen zu wenden (LBr. 208 Bl. 14; Druck in Reihe II).

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envoyer le plan grossieremt design´e avec l’eschelle des mesures o` u on puisse voir la proportion qu’il luy a donn´ee. J’ay appris avec regret la mort de Mr Rebeur, je le plains extrememt pour le merite que j’ay reconnu en luy, et pour l’estime que M. Le C. de Dona avoit de sa capacit´e. Je suis Monsieur

passionemt vostre tres humble et tres obeissant serviteur

Goertz.

M Leibnitz. 25. LEIBNIZ AN JOHANN GEORG ECKHART [Berlin, Anfang – Mitte M¨ arz 1703]. [6. 27.] 10

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¨ Uberlieferung: L Abfertigung: LBr. 228 Bl. 70. 4o. 1 S. Gefaltet, mit starken Knitter- und Schmutzspuren. — Auf Bl. 70 vo Federproben von Eckharts (?) Hand.

Wegen bestellung der briefe an H. Abbate Guidi oder an mich k¨ondte es auff folgende Weise gehalten werden: daß Monsieur Eckard beliebe das billet an M. Guidi ohnversiegelt, doch mit u ¨berschrifft an ihn unter einen umbschlag an die Churfurstin zu Hanover Durchl. an H. Wolters zu schicken der es vermittelst der T¨ urcken beyzeiten zu der K¨onigin paqvet eingeben laßen k¨ ondte. Wenn etwas an mich geschickt wird, kan der brief versiegelt unter couuert der Churfurstin Durchl. mir zukommen. Doch mit der praecaution daß man die uberschrifft an mich durch den umbschlag nicht sehen k¨onne etc.

4 Dona: A. zu Dohna-Schlobitten. Zu N. 25: L ist aufgrund der Ausf¨ uhrungen zur Brief¨ ubermittlung an G. Guidi in den Sp¨ atwinter 1703 zu datieren und nimmt wohl Bezug auf ein kurz zuvor mit Eckhart gef¨ uhrtes Gespr¨ ach. Dieser hielt sich im Gefolge J. H. von Flemmings von Anfang Februar bis Mitte M¨ arz in Berlin auf (vgl. auch N. 27); in dieser Zeit muss Leibniz ihn als polnisch-s¨ achsischen Korrespondenten f¨ ur Guidis politische Nachrichtenb¨ orse gewonnen haben (vgl. N. 160, N. 164, N. 170 u. N. 212). Dies d¨ urfte sich Ende Februar ergeben haben. Guidi hatte zun¨ achst in N. 145 um Vermittlung einer Korrespondenz mit dem polnisch-s¨ achsischen Legationssekret¨ ar, H. Wolthers, gebeten; in N. 160 ¨ außert er Einverst¨ andnis auch mit Eckhart. J. B. Knoches Erw¨ ahnung eines Eckhartbriefes an Guidi in N. 19 vom 28. Februar l¨ asst vermuten, dass dem bereits ein erster Bericht vorausgegangen war. Da Knoches Beschreibung dieser Sendung nicht mit den hier gegebenen Anweisungen wegen bestellung der briefe‘‘ u ¨bereinstimmt, schließen wir, dass ” uck voranging, folglich einen terminus post quem liefert. Der terminus ante quem erN. 19 unserem St¨ gibt sich — weitgefasst — aus N. 27 vom 19. M¨ arz, mit der Erg¨ anzung der Anweisungen unseres St¨ ucks. 15 T¨ urcken: Gemeint sein d¨ urften F. Aly oder F. W. Hassan, die Kammert¨ urken Sophie Charlottes.

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¨ 26. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 17. M¨ arz 1703. [23. 28.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 414–416. 1 Bog. 1 Bl. 4o. 5 S. Ohne Anrede und Unterschrift. Eigh. Aufschrift. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 15–16.

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A Hanover 17 mertz 1703 J’ay ` a vous respondre Mr ` a deux lettres mais ce que j’y ay cherch´e je ne l’ay pas trouv´e, ` a scavoir vostre entiere convalessance, Dieu mersi je me trouve tout afait remise sans aucun aide de medesein, j’avois pourtant essai´e plusieur remedes qui m’ont aid´e autrefoys, sans m’en trouver mieux. ` a la fin des figues avec du sucre candi brul´e dans de l’eau de vie m’ont tir´e d’afaire, si tost que je m’en suis servy, en me couchant, on voit par l` a que tous les remedes ne sont qu’un hazard, et qu’un mesme mal n’est pas tout afait de mesme une foys comme l’autre, et ne ce peut aussi guerir de la mesme facon[,] pleut ` a Dieu que vous pouvi´es aussi trouver bien tost le remede qui vous doit tout ` a fait remettre, ma soeur de Maubuson l’a trouv´e car elle m’a escrit deux agreable lettres depuis sa furieuse attaque, et Madame qui l’a est´e voir l’a trouv´ee de tres bon humeur. mais si ses esvanouisements reviene qui ont est´e comme un espesce de paralesie il est ` a craindre qu’elle feroit place ` a une autre abesse, dont il y en a desja plusieures qui s’y attande ` a ce qu’elle me mende, Je m’apersoy que Msel Pelnitz a perdu le gros paquet que je luy avois donn´e pour vous, puis que vous n’en dites rien, il y avoit une lettre pour vous de Falesau et une qu’il m’avoit escrit en chiffre que je vous envoiay deschifr´ee[,] ce seroit facheu qu’ils fusent tomb´e dans d’autre mains. quant `a l’avantage que le Conte de Stirum a eu contre les Bavarois le Marquis de Barait peut dire comme

Zu N. 26: K antwortet auf zwei (nicht gefundene) Leibnizbriefe wohl aus der ersten M¨ arzh¨ alfte; sie sind auch aus N. 22 und N. 23 erschließbar, zudem wird einer in N. 175 erw¨ ahnt. K kreuzte sich vermutlich mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief, auf den N. 29 antwortet, sowie mit N. 28 und wird zusammen mit N. 29 beantwortet durch N. 30. 15 Maubuson: Pfalzgr¨ afin Louise Hollandine, zu ihrer Krankheit vgl. auch N. 175. 15 escrit: nicht ermittelt. 16 Madame: Herzogin Elisabeth Charlotte von Orl´ eans. 19 Pelnitz: H. Ch. von P¨ ollnitz. 21 lettre . . . chiffre: beide Briefe Falaiseaus nicht gefunden; zum Eintreffen der von der Kurf¨ urstin in N. 15 angek¨ undigten Sendung bei Leibniz vgl. N. 30. 22 f. avantage . . . Bavarois: im Gefecht bei Dietfurt am 4. M¨ arz, unter dem Kommando von Generalfeldmarschall H. O. von Limburg-Styrum. 23 Marquis: Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth.

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le Dr ` a la commedie que cela luy a cout´e beaucoup de paine, car il n’y a point est´e, mais le Duc Regant de Wirtenberg y a fait voir sa valeur. Je suis fach´ee avec vous que la Reyne perdra le Pere Vota, hor Mr l’Enfant c’e[s]t un des plus agreable esclesiastiques, un religieu de Hildesheim a demend´e icy la protextion de l’Electeur que le chapitre a tenu en prison de peur qu’il ne decouvrit leur fredaines dont `a leur avis il a parl´e trop librement, nostre Envoi´e d’Angletere n’at[t]ant que le beau tems pour retourner chez luy, c’e[s]t un bon petit homme, il a eu des bagues de l’Electeur et du Duc de Cell tres belles[,] pour moy je n’ay voulu regaller que Mad. sa feme en luy envoiant deux tables de Braselets de 7 diaments chacune assez belle[,] on attant Mr Schutz qui doit revenir pour peu de tems avec la commodit´e de my lord Marlboury, je ne mauraliser´es point sur l’afflution de celuycy car j’aime mieux me representer des objects gai que melancoliques. Je serois fach´e qu’un Duc de Brunswic servit `a la cour de Prusse si on ne le trettat pas mieux qu’un Duc de Holsten, le Roy de Prusse est tousjour fort obligant pour moy et je veux espere[r] qu’il soit apais´e puis qu’il a donn´e le change, Je ne voy point que le Roy de Suede gagne beaucoup par la guerre qu’il a faite, une bonne paix feroit voir un sang plus ras[s]i[s] dans ce brave Prince, le Roy de Prusse a donn´e ordre `a la ville de Sost de paier Mr Klenck qui s’en est mosqu´e sans le faire. A Monsieur de Leibenitz ` a Berlin

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27. LEIBNIZ AN JOHANN GEORG ECKHART Berlin, 19. M¨ arz 1703. [25. 34.] ¨ Uberlieferung: L Abfertigung: LBr. 228 Bl. 260–261. 1 Bog. 8o. 4 S. Mit Korrekturen.

1 commedie: nicht identifiziert. 2 Duc Regant: Eberhard IV. Ludwig, ausschreibender F¨ urst des Schw¨ abischen Reichskreises und Kommandeur. 3 perdra: C. M. Vota kehrte um den 20. M¨ arz an den polnischen K¨ onigshof zur¨ uck. 4 religieu: nicht identifiziert, vielleicht J. Th. G. Sonnemann, vgl. dessen Brief an Leibniz vom 25. September 1702 (I, 21). 6 Envoi´ e: Charles Finch earl of Winchilsea. 9 Schutz: L. J. Sinold gen. von Sch¨ utz, welfischer Vertreter am englischen Hof. 10 Marlboury: J. Churchill duke of Marlborough. 13 Duc . . . Holsten: Bezug nicht ermittelt. 15 guerre: der Nordische Krieg. 17 paier: vgl. N. 1. Zu N. 27: L steht in Zusammenhang mit einem Treffen mit Eckhart in Berlin in der ersten M¨ arzh¨ alfte ahnte Lieferung G. Guidis, vielund erg¨ anzt die Instruktionen aus N. 25. Beilage war die S. 37 Z. 3 erw¨ leicht N. 161; Beischluss war m¨ oglicherweise der nicht gefundene Leibnizbrief an J. H. von Flemming, der in N. 200 u. N. 203 erw¨ ahnt ist.

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Monsieur

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Berlin Montag 19 Martii 1703

Ich hoffe deßen gluckliche ankunfft mit des Herrn Generalen Grafen von Fleming Excellenz, bald zu vernehmen. In zwischen schicke was ich vom H. Abt Guidi vor denselbigen erhalten. Was die abrede betrifft, so wir genommen wegen bestellung der Briefe an den Herrn Guidi, oder wenn ich wieder zu Hanover, an mich, so thue noch dieses hinzu: weilen es sich vielleicht nicht schicken m¨ ochte wenn man der Konigin immer verschloßene Briefe an die Churf¨ urstin zu schicken wolte; so k¨ ondte das jenige was man k¨ unfftig dießfals an H. Wolthern schicken m¨ ochte, in einen verschloßenen umbschlag geleget werden, deßen u ¨berschrifft

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A Sa Majest´e la Reine de Prusse und da k¨ ondte man die Zeitung so H. Guidi haben soll hinein legen, und auff deren dos, oder auff einen offenen umbschlag darumb schreiben: A Son Altesse Electorale Mad. l’Electrice d’Hanover et puis ` a M. l’Abb´e Guidi Dergestalt kan es die K¨ onigin auch lesen, wenn sie die m¨ uhe nehmen will; und w¨ urde es dann an die Churf¨ urstin fort schicken. In zwischen k¨ ondte man dem H. Secretario Wolthers schreiben, daß was man an ihn vor die K¨ onigin schicket, er mir, so lange ich noch hier bin zu schicke; Hernach aber wenn ich weg, der K¨ onigin selbst. Solte man zugleich an H. Guidi oder mich etwas absonderlich schreiben wollen, so k¨ ondte es versiegelt in das couuert an die K¨onigin geleget werden. Der H. P. Vota vermeynet morgen zu verreißen. Ich ermahne ihn sehr seinem vorhaben nach Vindicias nominis Italici contra Gallos zu schreiben, und bitte ihn meinetwegen bißweilen daran zu erinnern.

2 ankunfft: Gemeint ist vermutlich in Marienburg am polnischen K¨ onigshof. 3 schicke: vielleicht N. 161. 5 abrede: vgl. N. 25. 9 Wolthern: der Legationssekret¨ ar des polnischen K¨ onigs in Berlin. 26 Vindicias . . . Gallos: vgl. auch N. 175 u. N. 203.

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Bitte meine schuldigste recommendation bey des Herrn Grafen von Fleming Exc. zu machen, auch bey dem H. Hofrath von Minckwiz einen dienstl. gruß meinetwegen abzulegen. Ich hoffe bald von hier abzureißen und meine Ostern wils Gott in Wolfenbutel zuhalten, werde aber so fort nach Hanover eilen 5

verbleibende

Meines Hochg. H.

dienstwilligster

G. W. v. Leibniz.

¨ 28. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE Berlin, 20. M¨ arz 1703. [26. 29.]

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¨ Uberlieferung: L Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 421–422. 1 Bog. 8o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 17–18.

Madame

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Berlin 20 Martii 1703

J’ay pris un peu l’allarme sur ce que M. l’Abb´e Hortense m’a mand´e de la maladie de Mad. l’Abbesse de Maubuisson; sachant combien V. A. E. l’aime; mais j’espere que depuis vous aur´es eu de meilleures nouvelles Madame; et en tout cas il faut que V. A. E. rappelle sa fermet´e ordinaire. J’espere que le rˆ ume et la toux ne seront plus rien ou peu de chose quoyque le mauvais temps continue, qui m’empeche encor de me mettre en campagne. Le P. Vota a bataill´e successivement contre M. Jaquelot, M. l’Enfant et M. Beausobre. Le premier a voulu faire voir qu’on avoit eu autant de raison de douter de l’arriv´ee de S. Pierre, qu’on en a de douter de la papesse Jeanne; M. l’Enfant l’a scandalis´e horriblement, en disant qu’il ne se soucie point de l’autorit´e des conciles, et que celuy de Nic´ee qui est le plus consider´e de tous a est´e une assembl´ee d’ignorans. Et M. Beausobre qui estoit le plus moder´e jusqu’icy, s’est tellement echauff´e hier, qu’ils ont pens´e se prendre au collet. La Reine eˆ ut souhait´e que V. A. E. et Monsgr l’Electeur eussent est´e de ce regal. Le pere en me venant dire `a dieu aujourdhuy m’a dit d’avoir ´ecrit

3 hoffe . . . abzureißen: Tats¨ achlich blieb Leibniz noch bis Ende Mai in Berlin. 3 Ostern: am 8./9. April. Zu N. 28: L kreuzt sich vermutlich mit N. 26 sowie mit N. 29. 12 mand´ e: in N. 175; vgl. N. 26. 17 bataill´ e: vgl. den Bericht von Henriette Charlotte von P¨ ollnitz in N. 184. 22 echauff´ e hier: vgl. N. 184. 24 ` a dieu: vgl. auch N. 26. 24 ´ ecrit: nicht ermittelt.

N. 28

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` V. A. E. pour marquer sa devotion qui ne sauroit estre plus grande: Il m’a cont´e que ce a moine qui est venu chez le Roy de Suede comme de la part du Pape, est un dominicain Fran¸cois que le parti contraire au Roy et particulierement le Cardinal primat, ont fait venir de Rome pour avoir un homme ` a eux qui peˆ ut donner des mechantes impressions du Roy par ses rapports ` a Rome. Il estoit veritablement charg´e du Pape d’aller trouver le Roy de Pologne sous main; mais s’estant adress´e premierement `a son ennemi, et aux Sapieha que le Roy considere comme rebelles, il ne saura plus estre propre `a servir le Pape aupres du Roy, estant partial. Il ecrit au Roy une lettre apologetique pour excuser ses demarches. Elle est pleine d’hypocrysie, mais le Roy ne luy a point r´epondu. Un Tribunal de Hollande a eu l’incivilit´e de faire citer le Roy de Prusse `a y comparoistre en justice, en faisant afficher l’assignation aux carrefours en forme de placard, au lieu de la faire insinuer ` a M. Smettau, son plenipotentiaire. Le Roy en est fort en colere, et des gens passionn´es ne luy ont sugger´e pas moins que de faire bruler un Exemplaire de ce placard par la main du Bourreau; mais des gens plus moder´es feront sans doute en sorte que le Roy en demande satisfaction ` a Messieurs les Estats. Ces Bagatelles (car dans le fonds ce n’est autre chose) font plus de tort qu’on ne pense. Pour estre fort sensible, on n’en est pas plus heureux. On s’echauffe fort aussi sur l’affaire de Moeurs. On devroit se divertir de ces spectacles, mais j’ay aussi le defaut d’estre un peu trop sensible au bien public, si on le peut dire un defaut. Et c’est ce qui me fait prendre beaucoup de part `a ce qui regarde l’Empire et la nation Germanique. Il est vray que pour [estre] sensible au bien public, je le suis ` a peu pr´es comme Dieu se met en colere, c’est `a dire par raison et non par passion. Je suis avec devotion, c’est `a dire avec raison et passion Madame de V. A. E.

le tres soumis et tres obeissant serviteur

Leibniz.

2 moine: vermutlich A. Levesius. 3 Roy: August II. von Polen. 3 Cardinal primat: M. S. Radziejowski. 10 Tribunal: In der Auseinandersetzung u ¨ber den Anspruch Friedrichs I. auf Beteiligung am Erbe Wilhelms III. von Oranien war in Holland die Verhandlung vor einem dortigen Gericht verf¨ ugt worden; vgl. T h e a t r u m Europaeum 16, 1717 (ad a. 1703), Sp. 249 a. 12 Smettau: der brandenburgische Gesandte im Haag W. von Schmettau. 15 Messieurs les Estats: Die Generalstaaten fungierten als Testamentsvollstrecker Wilhelms III. 17 Moeurs: Friedrich I. betrachtete die von Kleve lehnsabh¨ angige Grafschaft, die seit 1600 in oranischem Besitz war, als heimgefallenes Lehen und ließ sie nach dem Tode Wilhelms III. 1702 in Besitz nehmen.

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N. 29

¨ 29. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 21. M¨ arz 1703. [28. 30.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. F 16. Bl. 39–40. 1 Bog. 4o. 2 3/4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Ohne Anrede und Unterschrift. Eigh. Aufschrift. Schwarzes Siegel. Bibl.verm. — Gedr.: 1. Klopp, Werke, 9, 1873, S. 19–20; danach 2. (teilw.) Ebert, Ariosti, 1905, S. 87 (= S. 40 Z. 10–18).

A Hanover le 21 de Mars 1703

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J’ay leu vostre lettre avec plesir et les jeu d’esprit que vous avez eu avec Mesr les Celestes, mais s’il estoit permis de sauver son honneur par un meurter[,] les fillies qui tuent leur fruit seroient fort ` a excuser, Je crains que la lettre que l’abb´e Steffani me fait escrire ` a la Reyne ne luy plaira pas au suject d’Oudillio que le Cardinal de Medecis a permis de servir S. Mt´e et qu’il veut ravoir comme protecteur du couvant o` u Autillio est moine et dont en ce peis l` a on fait une tres grande affaire, aussi mon fils l’Electeur trouve bon que la Reyne le laisse aller, car en Italye o` u le monde est medisant[,] on seroit estonn´e que la Reyne fit tant de cas pour ne pouvoir se passer d’un homme qui a si peu de talants qu’elle en peut trouver cent qui le surpassent de beaucoup, ainssi j’espere que vous aider´es ` a la persuader de le laisser partir, sur tout pour ne point choquer le Cardinal qui avec toute sa maison a tousjour tach´e de servir la nostre. Je partir´e cet apres din´e pour faire une visite `a Cell par ce mauvais tems, car quant il fait beau j’aime mieux estre ` a Herenhausen. L’esprit est casi tout revenu `a Cresset[,]

Zu N. 29: K antwortet auf den S. 40 Z. 8 genannten Leibnizbrief etwa aus der Monatsmitte, der sich vermutlich mit N. 26 kreuzte, kreuzt sich seinerseits mit N. 28, wird erw¨ ahnt in N. 191 und wird 8 f. Mesr les Celestes: die zusammen mit N. 26 beantwortet durch N. 30. 8 lettre: nicht gefunden. Berliner Hofprediger I. de Beausobre, I. Jaquelot und J. Lenfant sowie der Jesuit C. M. Vota; zu deren Disputen am Hof K¨ onigin Sophie Charlottes auch ohne Leibniz’ Teilnahme vgl. N. 184 und N. 28. 10–13 abb´ e . . . moine: A. Steffani, nach langem Dienst f¨ ur Hannover an den pfalzneuburgischen Hof in D¨ usseldorf gewechselt (den verwandtschaftliche Beziehungen mit Kardinal F. M. de’ Medici verbanden), hatte — m¨ oglicherweise bei seinem Aufenthalt in der ersten Monatsh¨ alfte in Hannover (vgl. N. 166 und N. 175) — der Kurf¨ urstin den Wunsch des Kardinals und Protektors des Servitenordens F. M. de’ Medici nach R¨ uckkehr des Servitenm¨ onchs und Musikers Attilio Ariosti, der vom Dienst am Hof von Mantua an den Berliner Hof beurlaubt war, in sein Kloster in Bologna u ¨bermittelt. 17 aider´ es: F¨ ur Leibniz’ Vorgehen vgl. N. 191. 20 esprit . . . Cresset: vgl. N. 131.

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il a pris cong´e de my Lord Winselsay de bon sans, qui est parti d’icy for satisfait en resevant des presants de nous trois, et prit en bonne part que le mien n’estoit pas pour luy mais pour Mad. sa feme, c’e[s]t un tres bon petit home, le Dr Hotton qui `a mon advis avoit le plus d’esprit de son trin, a for regrett´e de ne vous avoir veu, son chaplin qu’on dit qui le gouverne par habitude[,] aiant est´e son gouverneur[,] est un bon compagnon `a table, la Rauwgrave est apresent ` a moy, mais elle veut encore faire un tour au Palatinat apres Paque pour peu de temps ` a ce qu’elle me persuade.

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A Monsieur Leibenitz ` a Berlin.

¨ 30. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE Berlin, 27. M¨ arz 1703. [29. 31.]

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¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. F 16. Bl. 41–42. 1 Bog. 4o. 3 3/4 S. Teilw. halbbr¨ uchig. Mit Korrekturen und Erg¨ anzungen. Eigh. Anschrift. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 20–23, danach (teilw.) Ebert, Ariosti, 1905, S. 90–91 (= Z. 15 – S. 42 Z. 27).

A S. A. E. Mad. l’Electrice ` a Hanover Madame

Berlin 27 Mars 1703.

La Reine est partie hier pour Luzenbourg, del`a Elle ira `a Potsdam o` u se feront les nˆ oces; je ne suis point en estat de suivre, la jambe m’empechant encor de sortir. C’est ce qui m’a empech´e aussi d’executer les ordres de V. A. E. aupres de Sa Mt´e au sujet de M. Attilio et je n’ose point le faire par lettres car le besoin qu’Elle a de ce personnage sans le quel toute sa musique seroit par terre, fait qu’il est delicat de toucher cette corde, mais quand on parle ensemble, on peut entrer en matiere comme par occasion et mesurer

1 Winselsay: Ch. Finch earl of Winchilsea. 1 parti: am 14. M¨ arz endete die Mission. 2 nous trois: neben Sophie Kurf¨ urst Georg Ludwig und Herzog Georg Wilhelm; vgl. N. 26. 4 chaplin: nicht identifiziert. 6 Rauwgrave: Luise Raugr¨ afin von Pfalz-Simmern. 7 Paque: am 8. April. Zu N. 30: Die Abfertigung von L (nicht gefunden) antwortet auf N. 29, geht auf N. 26 ein und wird beantwortet durch N. 31; unser St¨ uck wird erw¨ ahnt in N. 198. Vor der Versiegelung nahm K¨ onigin oces: die Heirat der HerzoSophie Charlotte Einsicht in den Brief, vgl. N. 195. Beilage war N. 196. 17 nˆ ginwitwe Elisabeth von Kurland, der Halbschwester K¨ onig Friedrichs I., mit Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth am 30. M¨ arz. 19 Attilio: A. Ariosti; vgl. auch N. 192.

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ses paroles suivant les dispositions qu’on trouve. Mais par lettres, ce n’est pas de mˆeme. Et j’apprends que celle de M. l’Abb´e Stefani a fort deplˆ u `a la Reine. En effect quelle apparence de luy oster un tel homme, sans avoir un autre tout prest pour remplir sa place. Et les egards qu’on doit ` a la Reine devoient empecher M. l’Abb´e de luy faire avant cela sa proposition. C’est ce que je dis plus distinctement dans la lettre cyjointe `a M. l’Abb´e Mauro, afin qu’il l’insinue ` a M. l’Abb´e Stefani. II est vray que je ne le dis que de mon chef. Mais la raison y est toute entiere. Quant `a M. Attilio[,] je crois qu’il ne seroit pas tant mal qu’on pourroit peutˆetre se l’imaginer. Les bons Musiciens y ont beaucoup de libert´e, pour ne rien dire de celle des religieux en general dans quelques endroits de l’Italie. Mais il trouve estrange qu’il semble qu’on le veut rappeler sur des bruits qu’il traite de faux et calomnieux, ce qui le flestriroit comme s’il avoit est´e criminel. On luy a rien dit de la part de son ordre[,] autrement il se seroit justifi´e et la raison vouloit qu’on commen¸cˆ at par l` a avant de le rappeler. A mon avis cette maniere de le pousser le pourroit mener plus loin qu’il n’a jamais pens´e: mais une maniere plus douce et moins prejudiciable feroit mieux son effect sur luy. Il croit que ce n’est pas tant l’ordre que l’envie de quelques uns qui pousse la roue et qui par de faux bruits a reveill´e le zele du Grand Duc en le faisant peut estre croire que l’ame du religieux est en grand danger. Tout cesseroit, si S. A. S. savoit qu’elle seroit plus en danger si on le poussoit `a bout injustement. Car quoyque je n’aye point la moindre marque qu’il a quelque penchant `a quitter son ordre et la religion Romaine, je vois pourtant bien, que s’il s’y resolvoit, il ne seroit point dans le pouvoir de la Reine de le renvoyer, et mˆeme elle ne pourroit pas le disgracier pour cela, sans paroistre peu zel´ee pour sa religion. Je conclus que tout ira mieux si l’on va plus doucement, wenn man nicht mit der th¨ ur ins hauß f¨ allet. Au reste M. Attilio n’est pas si meprisable ni si ais´e `a remplacer, qu’on l’a insinu´e `a V. A. E. Il peut faire luy seul un opera, car il compose et fait des vers, et l’un et l’autre fort passablement. De plus il s’entend en plusieurs instrumens de Musique, sans parler du chant.

7 f. crois (1 ) | qv’il ne seroit gueres versehentlich nicht gestr. | moins bien dans son ordre qv’icy. les (a) musicie bricht ab (b) bons (2 ) qv’il ne seroit . . . l’imaginer. Les bons Musiciens L 11–13 On . . . rappeler erg. L

2 celle . . . Stefani: nicht ermittelt, erw¨ ahnt in N. 192 und N. 196. 5 lettre: N. 196. Duc: Cosimo III. von Toskana, Bruder des in N. 29 erw¨ ahnten Kardinals Medici.

17 Grand

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Mlle de Pelniz s’en prend ` a moy de ce que V. A. E. a crˆ u la lettre confi´ee `a ses soins perdue. J’en ay accus´e la reception, et meme j’ay r´epondu sur quelques raisonnemens de M. Falaiseau. Si V. A. E. ne s’en souvient pas il faut que ma lettre ait est´e perdue. Quelques fois la Reine envoye et ecrit ses lettres de si bonne heure, qu’on est reduit `a la poste que j’ay trouv´ee peu seure. Je suis bien aise que Milord Winchelsea est parti satisfait et que M. Cresset est gueri. Il vaut mieux le garder que d’avoir tous les jours des nouveaux Envoy´es d’Angleterre qu’il faut tousjours songer `a contenter. Je suis fach´e de n’avoir pas eu la connoissance de Mons. Hutton de Milord, d’autant plus qu’il a cherch´e la mienne. Je ne say par quel hazard mon nom est si connu aux Anglois. C’est peutestre parce que je suis `a la Cour d’Hanover et qu’on a raison en Angleterre d’estre curieux de tout ce qui regarde cette Cour. Un des Anglois demandoit ma taille douce, mais je n’ay pas est´e fort port´e `a la faire faire, craignant, qu’`a moins que d’estre flatt´ee, elle ne contribueroit gueres `a ma reputation, et de plus une taille douce empˆeche un homme d’aller incognito, comme je voudroy faire chez les savans d’Angleterre, si jamais je faisois encor le voyage d’outremer. Les nouvelles de l’Allemagne superieure ne pouvoient gueres estre plus mechantes. Il est fort ` a craindre que l’Empire aille comme en pieces, si les 3 cercles, celuy de Suabe[,] de Franconie et de Bˆ aviere[,] sont contraints `a prendre la neutralit´e[,] apres quoy les autres qui regardent ce desordre avec un oeil indifferent ne seront gueres en estat de porter le fardeau. Mais c’est l’affaire de ceux von gottes gnaden, et eux ou leur posterit´e en souffriront encore plus que les particuliers. Puisque le duc de Marlbourough est arriv´e en Hollande, M. de Schuz le sera aussi. II pourra dire bien des particularit´es `a V. A. E. Quelques Whigs le voudroient plus ` a eux, mais je trouve qu’il a raison de n’epouser aucun parti. Je suis avec devotion Madame

de V. A. E. etc.

1 s’en prend: in N. 193. 1 f. crˆ u . . . perdue: Gemeint ist N. 15 mit den beigelegten Briefen Pierre Falaiseaus; zur Sorge der Kurf¨ urstin um den Verlust der Sendung vgl. N. 22 und N. 26. 2 accus´ e ... r´ epondu: Leibniz wird auf die Sendung, die er erst nach der R¨ uckkehr der K¨ onigin nach Berlin am 28. Februar erhalten haben kann, in einem seiner beiden sicher bezeugten, nicht gefundenen Briefe an die Kurf¨ urstin aus der ersten M¨ arzh¨ alfte (vgl. N. 26) geantwortet haben. 11 Un des Anglois: vgl. die von A. Cunningham in N. 143 u ¨bermittelte Anfrage.

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¨ 31. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Celle, 31. M¨ arz 1703. [30. 32.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84A Nr. 180 Bl. 450–451. 1 Bog. 8o. 3 S. Ohne Anrede und Unterschrift. Eigh. Aufschrift. Siegel. Geringf¨ ugiger Textverlust durch Siegelausriss. — Gedr.: 1. Klopp, Werke, 9, 1873, S. 23; danach 2. (teilw.) Ebert, Ariosti, 1905, S. 93 (= Z. 7–9).

`a Cell le 31 Mars 1703

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Come la poste va partir dans ce moment je n’ay le tems que de vous dire que c’e[s]t peutestre une intrigue de Ferdinando qui fait agir Steffani contre Uttilio, vous avez raison´e avec moy sur les affaires d’Angleterre il y a longtems sans nomer Valesau ny m’envoier de responce pour luy, si ce n’est que vostre responce estoit dans la lettre que la Reyne luy a escrite[.] le Duc Roudolphe Auguste a de conmun avec vous d’avoir une jambe ouverte et qui ce ferme d’elle mesme quant les mechante humeurs en sont sortie[,] on dit icy qu’il ne souhaite que la paix dans la maison de Brunswic et que le Roy de Prusse tache de l’enpecher. Vous avez raison que vous aim´es mieux vous montrer vous mesme que vostre pourtrait[,] cependant les savants demende cette memoire que vous ne devez refuser[,] j’en fer´es la depence[,] cela ce peut faire ` a Berlin apresent que vous ne pouvez mar[cher]. A Monsieur Leibenitz ` a Berlin.

Zu N. 31: K antwortet auf N. 30. 9 Ferdinando: der von K¨ onigin Sophie Charlotte besch¨ aftigte S¨ anger F. Chiaravalle. 9 Uttilio: Attilio Ariosti. 9 f. raison´ e . . . d’Angleterre: Gemeint sein kann N. 17, sofern sich die Kurf¨ urstin nicht auf einen der nicht gefundenen Leibnizbriefe aus der ersten M¨ arzh¨ alfte bezieht. 10 Valesau: P. Falaiseau. 14 f. souhaite . . . l’enpecher: W¨ ahrend der von Herzog Rudolf August mitgetragenen Ausgleichsverhandlungen mit Wolfenb¨ uttel, die Celle zugleich f¨ ur Hannover f¨ uhrte, erwirkte Herzog Anton Ulrich am 18. M¨ arz eine Garantie- und Schutzzusage Friedrichs I., auf die am 19. April ein Vertrag folgte; vgl. Schnath, Geschichte 3, 1978, S. 384 f. 17 apresent: Erst im Herbst wurde Leibniz’ Portr¨ at auf Veranlassung der Kurf¨ urstin gestochen, vgl. N. 70 und N. 396.

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¨ 32. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Hannover, 4. April 1703. [31. 35.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 429–430. 439. 1 Bog. 1 Bl. 4o. 5 1/2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Ohne Anrede. Bibl.verm. — Gedr.: 1. Klopp, Werke, 9, 1873, S. 24–26; danach 2. (teilw.) Ebert, Ariosti, 1905, S. 95 (= S. 45 Z. 7 f., S. 46 Z. 11–19).

A Hanover le 4 d’avril au lit dans mon eslement ` a vous pouvoir entretenir ` a mon aise, je voudrois que vous vous trouvi´es aussi bien dans le vostre ` a Berlin[,] mais vous y avez beu du caff´e et je ne prans que de la choquelate car j’ay peur d’une balle dans le servau, que my Lord Wudstock nous a cont´e avoir est´e trouv´e dans la teste d’un mort de caff´e, mais `a vous Dieu mersi il sort par la jambe d’o` u j’espere que sortira toutce que vous avez de mal sain dans le cor, `a l’exsemple du Duc Roudolphe Auguste au quel la jambe ce referme de soy mesme, mais si vous esti´es icy o` u j’espere que le beautemps vous menera bien tost, vous seri´es gueri par la medesine universaile de Janulli, il dit qu’elle a fait des miraqule `a quoi il ne s’attandoit pas, randu la veue ` a un qui avoit est´e aveugle 4 ans, il ne desespere pas de l’Abb´e qui dit avoir veu un moment depuis qu’il ce sairt de son remede[,] quoi qu’il en soit Jeanoulli a raport´e de Dedmolt la valeur de 12 cent escus dont il a pai´e ses debtes et assez `a faire d’autre aura potabile[,] on le souhaite jusqu’en Dennemarc pour luy donner mille ducats s’il guerit une dame ` a la quelle il a fait dire qu’il l’hiroit trouver si elle vouloit ce randre a Hamburg[,] il a la poche plaine de lettres de remersiments et d’autres qui demendent ` de sa drogue[,] c’e[s]t ainssi qu’il a trouv´e la piere Philosophale, le Pce de Furstenberg pretant l’avoir trouv´e tout de bon et Mad. Schlunnitz dit que c’e[s]t pour cela que le Roy de Pologne le garde que sans cela il y a longtemps qu’il l’auroit chass´e,

Zu N. 32: K wird beantwortet durch N. 35. Beilage war der S. 47 Z. 9 genannte Brief. Zur Erleichterung der Lesbarkeit des nur nach S. 47 Z. 8 untergliederten Texts haben wir Abs¨ atze eingef¨ ugt. 10 Wudstock: H. Bentinck viscount Woodstock, der den Karneval in Hannover besucht hatte. 15 Janulli: A. Janulli, Arzt und Alchemist. 16 l’Abb´ e: nicht identifiziert. 18 de Dedmolt: Zu 20 dame: nicht identifiziert. 22 Pce: Janullis Heilerfolgen am Hofe von Lippe-Detmold vgl. N. 201. der kurs¨ achsische Statthalter Anton Egon F¨ urst von F¨ urstenberg. 23 Mad. Schlunnitz: Mitglied der Familie von Schleinitz, nicht identifiziert.

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Je suis fach´ee que le Roy de Prusse prant ce temps icy pour pousser ses pretantiens, il est vray qu’il nous prant sans vert, on croit `a Cell qu’il fait son mieux pour empecher l’union de la maison en quoi il n’aura pas beaucoup de paine aupres du Duc Antoine mais c’e[s]t apresent l’ain´e qui fait tout, la defaite du Conte Slick n’est pas si petite[,] le pauvre Laure de Mad. Bellemont y a est´e bless´e qui en escrit le detail le butin qu’ils ont fait et les prisonni´e qu’ils ont pris et dit que les Bavarois ont perdu du monde aussi, ce que le Conte de Stirum fait sou le comendement du Marquis de Barait ne coute pas tant de paine `a celuy sy que son mariage, le pauvre Marquis d’Ansbache a est´e tu´e que tout le monde regrette[,] c’e[s]t tousce qui luy en revient, Quant a` Outillio on en fait une tres grande affaire[,] l’Electeur et le Duc de Cell disent quant on nous prette quelqu’un qu’on est oblig´e de le randre si on ne veut faire un affront ` a celuy qui l’a prett´e[,] que le Cardinal de Medesis aiant comme protecteur du couvant d’Outillio obtenu la permission de son superieur pour obliger la Reyne qu’elle est oblig´ee de le renvoier quant il le veut ravoir, comme il l’a assez fait scavoir par Mad. l’Electrice Palatine[,] mais si S. M. le veut garder plus longtems il faudroit en escrire `a Mr le Cardinal mesme pour le souhaiter plus longtems, peutestre que le tremblement de terre fait faire des reflections de conscience `a ce Cardinal de laisser si longtems un moine parmy des Heritiques[.] Tolant a escrit une longue lettre ` a Bruns contre les Toris dont je l’ay ordonn´e de ne respondre autre chose que de l’avoir reseu, des gans qui ont du bien ne rapelleront jamais le Pce de Gale, il n’y a que des Catholiques et des pauvres qui veulent faire Fortune qui

1 pretantiens: wohl Anspielung auf die anhaltende Verstimmung wegen Hildesheims und Nordhausens und auf die Ann¨ aherung an Braunschweig-Wolfenb¨ uttel, von der in N. 31 die Rede ist. 2 f. empecher . . . Antoine: vgl. N. 31. 4 l’ain´ e: Herzog Rudolf August. 5 defaite . . . Slick: am 11. M¨ arz bei Passau, vgl. N. 200. 5 Laure: nicht identifiziert; vielleicht der Bruder der in N. 211 erw¨ ahnten Nichten (vgl. Doebner, Briefe, 1905, S. 172)? 7 Stirum: H. O. von Limburg-Styrum kommandierte kaiserliche Truppen gegen Bayern in der Schlacht bei Schmidm¨ uhlen am 28. M¨ arz 1703. 8 de Barait: Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth. 9 Marquis: Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach war infolge seiner Verwundung am 29. M¨ arz gestorben. 11 Outillio: Attilio Ariosti. 12 prette: zu Ariostis Stellung zwischen seinem Orden und dem Berliner Hof vgl. N. 29 Erl. 14 superieur: vermutlich der General des Servitenordens K. Lodigeri; zu den um die R¨ uckberufung bem¨ uhten Personen vgl. N. 192. 15 f. Mad. . . . Palatine: Anna Maria Ludovika von Pfalz-Neuburg, aus dem Hause Medici. 20 lettre ` a Bruns: nicht 17 tremblement: Mitte Januar und Anfang Februar, vgl. N. 133 und N. 147. ermittelt, vermutlich an G. Chr. von Braun, Kammerjunker der Kurf¨ urstin. 22 Pce de Gale: Jakob Eduard Stuart.

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sont pour luy, je trouve autant d’honnete gans parmy les Toris qu’autre part. Cresset `a mon gout est pire qu’auparavant car il n’est plus enrag´e et a des bon moments, avec cela fort extravagant, il [s]’e[s]t broull´e avec Lestoc et veut aller prandre les eaus `a Hamburg c’e[s]t le vray chemin pour s’en esloigner. la Duchesse de Cell est persuad´ee dans tous les poins de la religion catholique[,] j’ay veu la lettre qu’elle a reseu du Dominiquin qui est aupres du Roy de Suede et la responce qu’elle y a faite[,] cette corespondence luy est venue par Bonac qui a dit au pere qu’elle portoit le pourtrait du St Pere au bras ce qui est vray mais c’e[s]t celuy du defunt. Je vous envoy une lettre pour vous faire voir le beau genie de vostre recomendation, je vous prie d’aller de ma part ou de faire scavoir au Felt marechal combien je me sans luy estre oblig´ee pour les bont´es qu’il a eu pour Mad. de Monbel et que je me fer´es tousjour un plesir si l’occasion ce presentoit de luy pouvoir en tesmoigner ma reconnoisance.

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Sophie Electrise.

33. JOHANN BARTHOLD KNOCHE AN LEIBNIZ Hannover, 7. April 1703. [19.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 481 Bl. 30–31. 1 Bog. 4o. 3 1/2 S.

Ew. Excell. wehrtgesch¨ atztes Schreiben vom 31ten Martii ist mir den 5 Aprill wohl eingeh¨ andiget Und daraus ersehen, wie daß Ew. Excell. deßwegen ungeduldig worden, worumb ich nicht geschrieben, allein es ist hieran der H. Guidi schuldt, wie auch Ew. Ex-

1–4 Cresset . . . esloigner: Zu seiner Erkrankung und den Er¨ orterungen u ¨ber seine im Juli 1703 vollzogene Abberufung vgl. Schnath, Geschichte 4, 1982, S. 50–52. 3 Lestoc: J. P. L’Estocq, Leibarzt in Celle. 3 Hamburg: Gemeint ist Homburg. 5 f. lettre . . . responce: Das Schreiben von A. Levesius und die Antwort sind nicht gefunden; vgl. auch N. 78 und N. 233. 7 Bonac: J. L. d’Usson de Bonnac, seit November 1701 außerordentlicher Gesandter in Schweden. 8 defunt: Es l¨ age nahe, auf den 1700 verstorbenen Papst Innocenz XII. zu schließen; doch wird in N. 233 Papst Innocenz XI., gest. 1689, genannt. 9 lettre: nicht ermittelt. 10 Felt marechal: H. H. von Flemming. 11 Monbel: vermutlich Frau von Montbail, 1691–1695 Erzieherin des brandenburgischen Kurprinzen Friedrich Wilhelm. Zu N. 33: K , wohl als Beischluss zu N. 209 versandt, antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief aus Berlin vom 31. M¨ arz 1703. Ein Mitte April gegen¨ uber G. Guidi angek¨ undigter Brief Knoches an achste u ¨ berlieferte Brief der Korrespondenz (LBr. 481 Leibniz (vgl. N. 217) wurde nicht gefunden. Der n¨ Bl. 32) datiert vom 19. November 1704.

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cell. selbst, In dem sie jederzeit so wohl an mich als an Mons. Guidi geschrieben, daß Sie bald w¨ urden hier zu Hannover seyn, und verhoffeten Ew. Excell. alles in guten Zustande zu finden, nach dehm haben sie auch wieder geschrieben, daß Sie wolten die Ostern entweder zu Wolffenb¨ uttel oder zu Hannover selbst, halten, Also stunde ich in Zweiffel ob Ew. Excell. annoch zu Berlin oder schon auf d. reise gewesen, Imgleichen wan ich dem H. Abt Guidi fragte, gab er zur antwort: Monsieur Leibnitz wird bald hier kommen, Sonsten er daran nichts manquiren soll, weill ich ohne dehm leider nichts zu thun, als nur mich stets mit dem Fieber plagen mußen, wan es ein tag oder 2. 3. hinweg bleibt komt es dennoch wieder, auff ein 8 tage, Und seynd mir der 1/2 thaler, so ich hette sollen berechnen, viel darauff gangen, weill E. Excell. ein so hartes hertze gegen mich tragen, und mir Im geringsten auff mein unterth¨ anigstes bitten nicht Antworten wollen, dieweill ich Ew. Excell. zu unterschiedenen mahlen gehorsahmst ersuchet, mich mit wenigen Gelde zu helffen, damit ich nicht hette durffen bey Jederman in Schulden Stecken, habe auch schon 2 mahl vor mein geld mußen Schuhe bezahlen, und So Ew. Excell. nicht bald hier kommen werden, wird mir Reverenter zu sagen, Camsohl und hosen vom Leibe fallen, wie auch nicht weniger der Rock, nemblich (der Graue) dann den blauen habe ich den Winter schon nicht mehr an ziehen k¨ onnen, Jederman so mich kennet fraget mich wie es k¨ ahme, daß ich so liederl. daher ginge, ob ich vielleicht nicht mehr bey Mons. Leibnitz in diensten, sonsten er Seine leute nicht so schlecht ließe hergehen; Ew. Excell. hatten mich leicht k¨ onnen her¨ uber kommen laßen, weil allzeit Gelegenheit dahin gewesen, aber es muß eine besondere Uhrsache seyn, Mit Ulrichs Frau habe ich neulich wieder ein Rencontre gehabt wegen des Holtzes In dehm Sie mir eine parthey holtz wieder in den Pferdt Stall geschleppet, so kahmen die M¨ adgens zu mir auff die Kammer, welche es gesehen, und sagten es mir, damit stund ich auff und ging hin, da wahr sie mit einem Arm voll Holtz schon auß dem thorweg, ich aber stieg in Ihrem Stall oben, hinein, allwo von dem dielen eine loß, und brachte alles Holtz wieder herauß, in dem holtz Stall, und verschloß es wieder, und batt die Frauw von L¨ uden daß sie hat ein schloß vor dem thorweg inwendig geleget, sie ist nach dehm etliche mahl des Morgens gantz Fr¨ uh wieder vor dem thorwege gewesen, aber umb sonst, welches die M¨ adgens geh¨oret und gesehen, Wann es Ew. Excell.

1 geschrieben: Von den zahlreichen Leibnizbriefen an Guidi aus unserem Zeitraum, deren Existenz aus den Antwortbriefen hervorgeht, wurde nichts gefunden. Guidis Ungewissheit bez¨ uglich Leibniz’ R¨ uckkehr ergibt sich z. B. aus N. 217. 2 bald: Leibniz kehrte erst Anfang Juni 1703 wieder nach Hannover zur¨ uck. 3 Ostern: am 8./9. April. 12 unterschiedenen mahlen: vgl. z. B. N. 16. 21 Ulrichs Frau: die in Leibniz’ Haushalt besch¨ aftigte Frau des Kutschers U. G¨ urgensohn.

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wollen passiren laßen, so muß ich es auch leiden, aber ich glaube wen mir solches passirte, wurde kein ¨ arger dieb auf der Weldt Seyn, Ich verlange aber keinen Splitter davon, viel weniger wie sie (Ulrichs) Fuderweise, der liebe Gott Soll mich schon daf¨ ur bewahren, hirvon werde bey Ew. Excell. wiederkunfft schon ein mehrers Reden, Ihr Excell. k¨onnen es aber nach dero Belieben, dem Ulrichen wohl sagen, damit es her nach nicht m¨oge heißen, daß ich Sie verfuchsschw¨ antzet hette, wie er wohl pflegt zu sagen, Ich berichte auch mit wenigen daß der Cammer Fourier gesaget, er wolte kein holtz mehr folgen laßen, bis Ew. Excell. erstl. wieder hier, wir haben noch 6 fuder zu fodern, 7 haben wir bekommen, ist aber kaum ein halb fuder mehr da; sonsten, es an fodern nicht gefehlet, Es passiret sonderl. nichts neues, als das Sr H. der Churfurst und die Durchl. ChurFurstin neulich von Zell wieder hier kommen, Im u ¨brigen verharre h...i

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Hannover, d. 7ten Aprill 1703. P. S. So ich Ew. Excell. soll noch weiter schreiben, erwarte ich dero Befehle. Der Brieff an Mons. Meyer ist alsofort bestellet worden. er gehet hbeii F¨orstern zu Tisch,

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34. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Marienburg, 9. April 1703. [27. 36.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 146. 4o. 1 S. Eigh. Aufschrift. Siegel. Siegelausriss. Oben auf Bl. 146 ro Vermerk von Leibniz’ Hand: resp.‘‘. ”

HochEdler insonders Hochgeehrter H. Geheimbder Rath Ich schreibe in Eil und berichte in geheim daß wir in etl. tagen gewiß nach Moscou gehen. Ich m¨ ochte gerne eine instruction zu dieser Reise haben, und ein Memorial von allerhand recherchen. Ich hoffe sie werden mir solches mitheilen und mit n¨achster Post

7 Cammer Fourier: nicht ermittelt. 11 von Zell: vgl. N. 29 u. N. 190. 14 Brieff: wohl einer der beiden (nicht gefundenen) Leibnizbriefe, auf die M. D. Meier mit N. 213 antwortet. Zu N. 34: K wird beantwortet durch N. 36. 22 f. wir . . . gehen: J. H. von Flemming war als Botschafter am Zarenhof im Gespr¨ ach; vgl. N. 107.

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in einen couvert an Mr. Brands Ecuyer de S. Exc. Madame la Grande Thresoriere `a Marienbourg, so kriege ichs ins geheim und unversehr. Ich hmußi einmahl außf¨ uhrlich von einem mir zugestoßenen Gl¨ ucke schreiben. Indeßen verharre Ew. Exc. 5

gehorsamster diener

Eckhart

Mar. d. 9. Apr. A Son Excellence Monsieur de Leibniz Conseiller priv´e de S. Alt. El. de Br. Lun. ` a Wolfenbutel. S. Mst der K¨ onigin von Preußen leuten zugeben[.] cito.

¨ 35. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE Berlin, 10. April 1703. [32. 38.]

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¨ Uberlieferung: L Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 440–441. 1 Bog. 8o. 4 S. Mit Korrekturen und kleineren Erg¨ anzungen. — Gedr.: 1. Klopp, Werke, 9, 1873, S. 32–34 (mit der Monatsangabe Aoust‘‘); danach: 2. (teilw.) ” Ebert, Ariosti, 1905, S. 97–98. (= S. 51 Z. 17–20).

Madame 15

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Berlin 10 Avril 1703

Nous sommes icy dans une grande impatience en attendant l’apresdemain pour savoir au vray si le Comte Styrum a defait les Bavarois ou non. Car des lettres de Nurenberg et de Leipzic en ont donn´e quelque notice confuse. Pourveu qu’il ne se trouve tout le contraire comme il est arriv´e plus d’une fois, et encor dernierement `a la bataille de Fredlingue. J’ay vˆ u une lettre intercept´ee du prince Jaques, o` u il marque beaucoup d’attachement au parti du Roy de Suede, et souhaitte fort que si la paix se fait, on l’y comprenne

1 Madame: die Frau des polnischen Krongroßschatzmeisters Johann Georg (Jan Jerzy) von Przebendowski, Margareta Elisabeth von Flemming. 6 f. a ` Wolfenbutel: Leibniz’ geplanter Wolfenb¨ uttelAufenthalt an Ostern (8./9. April) (vgl. z. B. N. 27) kam nicht zustande. Zu N. 35: L antwortet auf N. 32. 16 si . . . ou non: Zu dem erwarteten Gefecht in der Oberpfalz kam es nicht. 16 defait: Gemeint ist die Schlacht bei Schmidm¨ uhlem am 28. M¨ arz, aus der bayrische Truppen siegreich gegen die des Kaisers hervorgingen. 19 Fredlingue: Das Treffen bei Friedlingen am 14. Oktober 1702 ging taktisch unentschieden aus, brachte aber den Kaiserlichen einen strategischen Vorteil. 20 prince Jaques: Jakob Eduard Stuart.

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et aye soin de ses interets, parce qu’autrement il semble craindre le ressentiment du Roy de Pologne. Le Roy de France a ´ecrit une reprimande au Marechal de Villars de ce qu’il avoit repass´e le Rhin apres la prise du fort de Kehl, et donn´e par l`a au marcgrave Louis le loisir de respirer et de couvrir les passages. Je suis ravi du bonheur de M. Janoulli devenu Esculape de la Westfalie. Il porte sur soy une grande objection contre sa medecine universelle, tant qu’il ne guerit pas sa surdit´e. II en est quelque chose de ce qu’on a dit `a V. A. E. que le prince de Furstenberg se conserve par l’opinion qu’il a donn´ee au Roy de Pologne de pouvoir faire la pierre philosophale[,] c’est par le moyen du jeune gar¸con apoticaire de Berlin. Le Roy de Prusse croit prendre son temps, lorsque l’Empereur et l’Empire ont besoin de luy. Je ne say si l’avantage qu’il en tirera, vaudra les suites que le malheur public qui en peut naistre, aura. Cependant sa Majest´e accorde `a l’Empereur deux regimens de Cavallerie, celuy de Wartenslebe, et un autre qu’il a obtenu du duc de Meclebourg, le tout va ` a 650 chevaux. Ce n’est pas tant l’affaire de la Reine que celle d’Attilio que ses ennemis veulent flestrir. Il s’attend que son ordre luy fera justice, aussi n’a-t-il encor receu aucune reprimande ny admonition; et on ne le condamnera pas auparavant en le rappellant d’une maniere prejudiciable et sur des rumeurs vagues sem´ees par ses ennemis, sans l’avoir ouy. Je ne voy pas qu’il y ait la moindre chose `a dire contre la Reine d’Angleterre ny contre son gouvernement. Et si les Toris se gouvernent tousjours ainsi, M. Toland a grand tort de se dechainer contre eux. Mais c’est sa mechante maniere qu’il feroit bien de quitter, de peur d’accident. Le pretendu prince de Gale ne regnera jamais en Angleterre, si l’affaire depend des Anglois; mais il y a lieu de tout craindre de la puissance exorbitante o` u nous verrons la maison de Bourbon si cette guerre se termine mal. Il semble que Mad. la Duchesse de Zell approuve la Maxime que le P. Wolf debitoit icy apres d’autres, qu’il faut estre ou Socinien ou Papiste. Mais il semble pourtant que cette princesse garde encor toutes les ceremonies des reform´es, et communie avec eux. 4 prise . . . Kehl : am 9. M¨ arz 1703. 4 marcgrave: Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, Oberbefehlshaber der Truppen der Großen Allianz am Oberrhein. 6 Esculape . . . Westfalie: Wendung aus N. 201. 11 gar¸con: J. F. B¨ ottger, vgl. I, 20 N. 46. 14 accorde: im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges. 25 prince: Jakob Eduard Stuart. 28 P. Wolf: der Jesuit Fr. L. Wolf von L¨ udinghausen.

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Cela ne s’accorde pas bien avec ces doctrines, c’est pourquoy je crois qu’elles ne sont pas encor assez fixes, et pourroient estre rechass´ees. Je commence ` a sortir et je verray Monsieur le General Feldmareschal au premier jour pour executer les ordres de V. A. E. Cependant je suis avec devotion 5

Madame de V. A. E.

le tres sousmis et tres obeissant serviteur

Leibniz.

36. LEIBNIZ AN JOHANN GEORG ECKHART Berlin, 17. April 1703. [34. 37.] ¨ Uberlieferung: L Abfertigung: LBr. 228 Bl. 265. 4o. 2 S. mit Korrekturen. — Gedr.: Guerrier, Leibniz , 1873, S. 50–51.

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Monsieur deßen schreiben ist herumb spaziret, weilen es nach Wolfenbutel adressirt gewesen, also mir sp¨ at zu kommen. Was man mir zuschreiben will, kann an H. Wolthers geschicket werden, mit dem will ich abrede nehmen, wie es weiter zu bestellen. Herr Gvidi beclagt sich daß er lange nichts erhalten. Gehet die Reise nach Moskau, so k¨ ondte man mit Medicis und andern virtuosis von den Naturalibus regionis communiciren, mit Kaufle¨ uten von den Wahren die in der Moscau fallen, oder von andern orthen hinein gebracht werden. Sonderlich von der Caravana nach China, und deren umbst¨ anden. Sonsten ist bekand daß ich vorlangst gewundschet habe Specimina lingvarum zu erhalten, die in des Zars Gebieth, und die daran stoßen; sonderlich die Vater Unßer mit versionibus interlinearibus, und sonst einigen gemeinen worthen, so in der Sprach 3 Feldmareschal: H. H. von Flemming. Zu N. 36: L antwortet auf N. 34 und kreuzt sich mit N. 37. Eine Antwort ist nicht u ¨berliefert. 11 Wolfenbutel: Leibniz hatte nach verschiedenen Seiten hin (vgl. z. B. N. 27) angek¨ undigt, die Ostertage in Wolfenb¨ uttel verbringen zu wollen. 12 Wolthers: vgl. N. 27. 13 beclagt: vgl. N. 201, N. 209 u. N. 212. Am 15. April (N. 217) meldet G. Guidi das Eintreffen eines Eckartbriefes. 14 erhalten: f¨ ur Guidis Nachrichtenb¨ orse; vgl. N. 27. 17 Caravana: nicht identifiziert; vermutlich eine der j¨ ahrlichen stattfindenden Handelskarawanen von Russland nach China. 19 vorlangst gewundschet: Gemeint sein k¨ onnte Leibniz’ Fragenkatalog Desiderata circa Linguas quae sub Imperio Moschico et in vicinis regioni” bus usurpantur‘‘ von 1697 (I, 14 N. 236); zu weiteren ¨ ahnlichen sprachgeschichtlichlichen Fragenkatalogen vgl. I, 11 N. 125 Erl.

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gebra¨ uchlich. In specie verlange ich nachricht von allerhand sorten der Tartaren, und deren distinctionibus. Auß den Sprachen kan man die Volcker am besten unterscheiden, doch ist n¨ othig daß man dabey die situation des Landes wiße, da dergleichen Sprach u ¨blich. Ob einige Msa Graecorum patrum in Moscau seyn k¨ondte man sich auch informiren. Solte es gelegenheit geben bitte Monsieur Huyssen meinet wegen dienstl. zu gr¨ ußen, der wird in vielen anleitung geben konnen. Wenn etwas curioses, so nicht zu kostbar, anzutreffen, wurde ein echantillon davon guth seyn. Man weiß hierzuland noch nicht wie die juchten von den Rußen bereitet werden, daß sie so gar auch einen angenehmen geruch bekommen. Wenn ein guth gluck aufgestoßen, gratulire dazu von herzen, und verbleibe iederzeit Monsieur Berlin 17 April 1703

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deßelben dienstergebenster G. W. v. L.

37. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Marienburg, 17. April 1703. [36. 39.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 257–258. 1 Bog. 4o. 4 S. mit geringf¨ ugigen Erg¨ anzungen.

Ich habe neulich erwehnet ihnen ein sonderliches mir arrivirtes gl¨ uck zu erzehlen, allein es ist nur ein gewiesenes nicht aber beschertes gl¨ uck gewesen; da der GroßCantzler nunmehr nach dem K¨ onigsteine verreiset. Es ließ mich derselbe zu sich kommen, discurrirte mit mir von allerhand sachen, sonderlich aber von seinen Magico-Geomanticis nugis und gab mir zuverstehen, wie er sich aus dergleichen wunderlichen b¨ uchern, deren er

7 anleitung: H. van Huyssen war seit 1702 Lehrer des russischen Thronfolgers Alexej. Zu N. 37: K kreuzt sich mit N. 36. Eine Antwort ist nicht u ¨ berliefert. 19 neulich erwehnet: in N. 34. 21 verreiset: Der s¨ achsische Großkanzler W. D. von Beichlingen war am 10. April 1703 in Marienburg festgesetzt und auf die Burg K¨ onigstein verbracht worden; vgl. T h e a t r u m Europaeum, 16, 1717 (ad. a. 1703), S. 275 f. 22 nugis: Nach Beichlingens Verhaftung standen negromantische ” K¨ unste‘‘ an der Spitze der gegen ihn ver¨ offentlichten Beschuldigungen; vgl. N. 392 Erl.

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etliche 1000 hat, ausz¨ uge machen ließe, die Er hernach wolte drucken laßen, damit die leute so vielleicht nicht geglaubet daß alle dergleichen b¨ ucher in rerum natura w¨aren, beßer informiret, und auch aus diesem stercore das aurum beysammen sehen k¨onten. Er gedachte dabey viel von Ihr. Exc. und der estime so er iederzeit gegen sie getragen nichts mehr w¨ unschende als daß er sie nur einmahl am Polnischen hofe oder zu Leipzig sehen solte. Er gab mir auch die commission Ew. Exc. zu ersuchen umb communication einer liste derer Pseudomathematischen b¨ ucher, wie Sie sie nennen, so in der Wolfenb¨ utelschen bibliothec vorhanden, damit er sehen k¨ onte was ihm vieleicht noch fehlte. Nach langen familiaren und sonderlichen discoursen fragte Er mich endlich ob ich lust h¨atte in Sachsen employiret zuwerden; und wie ich solches bejahete versprach Er mir die Erste Professur so w¨ urde loß werden, und wolte Er mir gleich den Anwartungs-Befehl nach den feyertagen von k¨ onigl. Mst unterschrieben geben. Allein wie Er auf ein nimmermehr wiederkommen verreiset, so ist auch meine Professur vor dieses mahl in brunnen gefallen. Ew. Exc. sehen hieraus daß mir noch immer der Professor im Kopfe steket, und kan ich bezeugen, daß ich zu nichts als zu dergleichen metier lust habe. Sonst will nochmahls wegen instruction zur Moscowitischen Reise errinnerung gethan haben, und werden Ew. Exc. mich unendlich obligiren, wenn sie selbe an mich hieher mit einem Umschlag `a Mr. Brandes Ecuyer de S. Exc. Mad. la Grande Thresoriere senden werden. Denn ich m¨ochte nicht gerne daß Mein Gn¨ adiger Hr es w¨ uste, daß ich diese reise Ew. Exc. offenbahret. Ihr. K¨onigl. t Ms sind sehr vergn¨ ugst gewesen u ¨ber ihr Project de informatione Principis, und haben Sie dem P. Votta fast die gantze nacht selbige lesend und erkl¨arend zugeh¨oret, auch endlich herausgebrochen, sie m¨ ogten den Platonem sehen der dieses Project zur praxi vorgeschriebener maßen br¨ achte. P. Votta hat es sehr admiriret, wie Er in der Antwort auf Ew. Exc. brief vieleicht selbst schreiben wird. Er ist noch ungehalten auf die Hrn Jaquelot und l’Enfant, und will er Ihre ihm gemachte wunderliche einw¨ urfe zu Papiere bringen v.

3 stercore . . . aurum: vgl. Aelius Donatus, Vita Vergilii, 18. 11 Anwartungs-Befehl: vgl. N. 39 Erl. 12 k¨ onigl. Mst: August II. von Polen, als Friedrich August I. Kurf¨ urst von Sachsen. 15 instruction: vgl. N. 34. Leibniz’ instruction‘‘ erfolgte am selben Tag mit N. 36. 18 Mad. la Grande ” Thresoriere: die Frau des polnischen Krongroßschatzmeisters Johann Georg (Jan Jerzy) von Przebendowski, Margareta Elisabeth von Flemming. 19 Gn¨ adiger Hr: J. H. von Flemming. 20 Project: Eine Abschrift seiner bereits kurz nach 1685 verfassten Lettre sur l’Education d’un Prince‘‘ (IV, 3 ” 23 Antwort: N. 223 vom 17. April 1703. N. 68) hatte Leibniz mit N. 200 an Flemming geschickt. 24 brief: N. 203. 25 einw¨ urfe: Gemeint sind die Streitgespr¨ ache, die im M¨ arz 1703 am Lietzenburger Hof zwischen Pater Vota und reformierten Theologen stattfanden; vgl. auch N. 28 u. N. 334.

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der K¨ onigin von Preußen dediciren. Neues habe hier nicht entdecket als einige alte gr¨aber der Johanniter Ritter; sollte ins K¨ unfftige etwas finden, werde ich nicht ermangeln Ew. Exc. davon part zugeben, wie ich denn iederzeit verharre h...i Marienburg. d. 17. Apr. 1703.

¨ 38. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE Berlin, 21. April 1703. [35. 45.]

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¨ Uberlieferung: L Auszug: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 455. 4o. 1 5/6 S. Mit Korrekturen. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 26 bis 29.

Extrait de ma lettre ` a Mad. l’Electrice

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Berlin 21 Avril 1703 Je viens de recevoir une lettre de M. le Comte de Fleming o` u il me dit d’avoir est´e tout surpris d’une resolution peu attendue du Roy son Maistre d’envoyer M. le Comte de Beuchling avec ses freres ` a Konigstein. Qu’il ne l’avoit appris que deux heures apres qu’ils estoient partis, et que le Roy luy avoit temoign´e de la compassion pour son Grandchancelier, et qu’il falloit qu’il y eˆ ut eu de fortes raisons de porter Sa Mt´e `a ce point de severit´e qui ne luy est point naturelle. A Berlin on dit qu’on a arrest´e aussi Monsieur et Madame de Rechenberg; et quelques uns adjoutent que cette dame s’estant retir´ee `a 18 et de Madame L korr. Hrsg. 1 dediciren: nicht ermittelt, vermutlich nicht erschienen. In seinem Brief vom 23. M¨ arz 1703 (gedr.: K. A. Varnhagen von Ense, Leben der K¨ onigin von Preußen Sophie Charlotte. Berlin 1837, S. 201 bis 203) geht Vota gegen¨ uber der K¨ onigin ausf¨ uhrlich auf die philosophisch-theologischen Dispute ein. 2 Johanniter Ritter: Gemeint sind vermutlich Ritter des Deutschen Ordens; die Marienburg war vom Beginn des 14. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts Hauptresidenz des Ordensmeisters. Zu N. 38: Die nicht gefundene Abfertigung, der letzte u ¨ berlieferte Brief vor Leibniz’ R¨ uckkehr nach Hannover Anfang Juni 1703, blieb vermutlich unbeantwortet. Aus G. Guidis Bemerkung am Anfang von N. 253 (S. 422 Z. 23 f.) l¨ aßt sich auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief von Ende Mai schließen. 12 lettre: N. 215. 14 Beuchling . . . freres: der s¨ achsische Großkanzler W. D. von Beichlingen sowie seine Br¨ uder Gottlob Adolph und Johann Siegfried. — Der bei Klopp, Werke, 9, 1873, S. 29–31, im Anschluss an unseren Brief als scheinbar gleichzeitiger Text gedruckte Bericht u ¨ ber die Vorw¨ urfe gegen ¨ Beichlingen wurde erst im Sp¨ atsommer 1703 notiert, vgl. N. 68 Uberlieferung. 18 Madame: Luise von Rechenberg war W. D. von Beichlingens Geliebte.

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Danzig, y a est´e trouv´ee deguis´ee. On dit aussi que M. de Beuchling a contresign´e l’ordre que le Roy a envoy´e au General qui commande `a Konigstein de preparer des logemens pour des personnes de qualit´e, ne se doutant pas que ce sort pourroit tomber sur luy meme. Cependant on dit qu’il en a receu la nouvelle avec assez de tranquillit´e, et qu’il a repondu, qu’il n’avoit point d’autre volont´e que celle du Roy, ce qui avoit fait croire a quelquesuns que le Roy et Monsieur de Beuchling estoient d’intelligence, afin que sa ` cheˆ ute apparente exemtˆ at le Roy de certaines obligations. Mais je ne saurois croire le Roy capable d’un tel tour, ny M. Beuchling assez resign´e pour un tel sacrifice de sa libert´e et de sa reputation. Les apparences sont qu’il est tomb´e tout de bon. Ces sortes de disgraces sont des remedes bien violens, dont il vaudroit mieux qu’un prince n’eut point besoin. Et il me semble qu’il luy seroit bien aise de s’en empecher, en ne gastant pas les propres gens par trop d’indulgence, ce qui les fait aller trop loin, et le force enfin a venir ` ` a des extremit´es. Et j’ay allegu´e avec l’eloge dˆ u la louable conduite des ducs de Bronsvic-Lunebourg depuis 30 ans et plus qui n’ont point eu besoin de disgracier leurs Ministres principaux, et ont meme conserv´e ceux de leur predecesseurs. Cependant icy personne ne peut apporter que des raisons vagues et generales de la cheute de Monsieur de Beuchling, ou telles qu’on s’imagine sur des conjectures vagues et generales. Cependant on veut qu’entre autres charges qu’on luy impose, est certaine mechante monnoye qui a rempli la Saxe, et que le dernier voyage que le Roy a fait en Saxe incognito a donn´e `a sa Majest´e de fortes impressions contre luy. En effect on disoit d´eja il y a quelque temps, que sa Mt´e avoit temoign´e d’avoir appris dans ce voyage des choses qui luy importoient et qu’il n’avoit point connues auparavant. Msgr le duc Antoine estoit parti de Wolfenbutel Mercredi apres pˆaques pour venir icy. Mais S. A. S. ayant sˆ u en chemin, que le Roy avoit destin´e le jour de dimanche pour faire ses devotions s’arresta trois jours ` a Huntesbourg chez M. Alvenslebe. Cela a fait aussi, qu’il s’est hast´e extremement pour retourner, et qu’il a envoy´e chez la Reine pour s’excuser qu’il ne pouvoit point venir ` a Luzenbourg `a cause de cela, mais qu’il esperoit de revenir, et qu’il s’acquitteroit alors de ce devoir. Il n’a point eu ce Ministre avec luy: mais Messieurs de Bennigsen et Bousch, et encor un autre gentilhomme dont je ne puis 2 General: F. von Brause. 13 allegu´ e: Kontext nicht identifiziert. 18 charges: vgl. die Mutmaßungen in T h e a t r u m Europaeum, 16, 1717 (ad a. 1703), Sp. 276. 19 voyage: vermutlich im November 1702, vgl. Leibniz’ Brief an M. J. von der Schulenburg vom 5. Dezember 1702 (I, 21) u. Erl. 23 Mercredi: 11. April 1703. 25 chez: auf J. F. von Alvenslebens Schloss Hundisburg bei Magdeburg. 29 Bennigsen et Bousch: vermutlich der Oberkammerjunker von Bennigsen und der Oberschenk von dem Bussche. 29 gentilhomme: nicht identifiziert.

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me souvenir presentement. Le Roy contre sa coustume a est´e trois heures avec luy le soir du depart, et on a un peu trinqu´e. Et encor les autres repas qu’il a faits avec sa Majest´e, ont est´e plus longs que de coustume. Le Fils et les freres du Roy n’ayant point est´e `a Oraniebourg pendant son sejour, il a eu l’avantage d’eviter les difficult´es du ceremoniel. S’il a negoti´e quelque chose de consequence, c’est ce qu’on ne peut point dire. Cependant il n’y a bien de l’apparence qu’il n’est point venu pour des prunes. Nous verrons si sa visite sera plus de consequence que celle de Monsgr le duc de Zell `a Bronsvic, o` u l’on me dit que les princes fils de Mgr le duc Antoine ont est´e aussi pour faire honneur `a S. A. S. L’evenement fera voir si le voyage d’Oraniebourg a eu de l’influence dans les trait´es de Bourgdorf qui se font en son nom, aussi bien que de son frere ain´e.

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39. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Berlin, 10. Juni 1703. [37. 40.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 266–267. 1 Bog. 4o. 4 S. mit zahlreichen Erg¨ anzungen und Korrekturen. Bibl.verm. Oben auf Bl. 266 ro Vermerk von Leibniz’ Hand: resp.‘‘. ”

Quam doluerim, quod Berolini Te non invenerim, vix dici potest. Consilii enim tui indigebam et adhuc indigeo vel maxime, dum novum honorem, quem aggredior, tot difficultatibus obseptum invenio, ut ferme de acquisitione illius desperem; Licet enim clemenimus Rex noster mihi literas expectantiae in professionem philosophicam proxime vacaturam

3 freres: die Markgrafen von Brandenburg-Schwedt. 5 de consequence: ein Vertrag vom 19. April zwischen K¨ onig Friedrich I. und Herzog Anton Ulrich u ¨ ber Hilfeleistung f¨ ur Wolfenb¨ uttel und Verzicht des Herzogs auf Abmachungen mit Hannover und Celle ohne Beteiligung Brandenburg-Preußens. 7 ` a Bronsvic: Die Herz¨ oge Georg Wilhelm und Rudolf August trafen gegen Mitte April in Braunschweig zusammen. 7 f. l’on me dit: Quelle nicht identifiziert. 8 princes fils: August Wilhelm und Ludwig Rudolf. 9 trait´ es: Ergebnis der seit Januar 1703 in Burgdorf gef¨ uhrten Ausgleichsverhandlungen zwischen den Welfenh¨ ofen war ein am 22. April in Celle geschlossener Vergleich, auf den am 20. Juli der Burgdorfer Exekutionsrezess folgte. Zu N. 39: K wird beantwortet durch N. 40 und erneut aufgegriffen in N. 44. 16 non invenerim: Leibniz war Ende Mai aus Berlin nach Hannover aufgebrochen. 19 Rex noster: August II. von Polen.

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aut Lipsiae aut Wittenbergae concesserit, et interea Professorem extraordinarium denominaverit; indigus tamen omnium rerum nescio, quo me vertam, et quomodo me alam usquedum innotuerim et auditores mihi conciliaverim. Volo tamen prius omnia perpeti, quam vitae cursum, quem hactenus tenere coactus fui, continuare; et malo inter libros meos esurire, quam eo, quo hactenus id feci modo, laute vivere. In reditu, ut ad alia deveniam, ex Prussia, linguam Polonicam curatius consideravi et cum Germanica contuli, ubi plurima inveni scitu non indigna ex. gr. radices vocum plurimarum nostratium, quae apud nos deperditae sunt; deinde plurima verba, quibus veteres scriptores Germani usi, hujus autem aetatis viri carent, tandem genuinas vocum significationes; et consideratis talibus vocibus in eam deveni opinionem, ut crederem Adamum recens creatum non actu locutum fuisse, sed loquelam tantum in potentia habuisse, primo balbutiisse et res sonum vel strepitum edentes strepitu aut sono illo convenienti voce quovis possibili modo expressisse, eamque vocem omnibus huic rei similibus rebus applicuisse quae deinde tractu temporis specialior facta et variata fuerit e. gr. ut vox b l o t , b l u t primo significaverit quod libet crassius fluens, deinde vero in diversas abierit specialiores significationes. Ita jam Polonicum b l o t o , germ. b l o t , et Latinum l u t u m sunt unius originis et significationis; nihilo tamen minus blut sanguis et Saxonicum bloot eadem vox mihi videtur uti et Saxon. f l o t , pinguendo lactis. Nam b. in f. mutari saepius, vel mille exemplis probabo; pauca tamen hic sufficient P. Bobr , G. bieber , L. fiber; Brat, frater, bruder ; Vater , pater; Pol. bat, Sax. Fat; Suet. yfer , Germ. u ¨ber , Graec. ; Germ. Fyer , Gr. ; Civitas Freudenthal, Bohemice Bruntal; it. Freyberg, Boh. Prybor, civitates Moraviae: Vidi etiam et notavi ex Polonica lingua accurate quas artes et quae Opificum genera a Germanis acceperint, quod vero ipsi sibi debeant. Detexi et pluribus fabulam de Popielo a muribus corroso et ex nomine ejus confictam ostendi. Quod si scivero Te, Excellentissime Domine, hasce nugas non omnino detestari, super pluribus Te interrogare audebo.

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1 concesserit: Weder f¨ ur Wittenberg noch f¨ ur Leipzig ist archivalischer Niederschlag einer solchen Expektanz ermittelt. 5 reditu: aus Marienburg. 6 consideravi: vgl. auch Eckharts an Leibniz gerichtete sprachwissenschaftliche Betrachtungen N. 43. 19 pauca . . . sufficient: Einige dieser Sprachvergleiche sind sp¨ ater auch in Eckharts Etymologisches Lexicon‘‘ (Hannover Leibniz-Bibl. Ms IV 471) ” eingegangen. 21 Freyberg . . . Prybor: Pribor. 23 fabulam: zur Sage vom polnischen Herzog Popielus II., der nach einem Verwandtenmord von M¨ ausen und Ratten verfolgt und aufgefressen wurde, vgl. Zedler, Universal-Lexicon, 28, 1741, Sp. 1522 f.

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Ditmari specimen velim, ut haberem, aut, quod melius esset, totam collationem, quam separate servas. Nam brevi eundum mihi erit Dresdam, ubi divertam apud Dn. Weckium et in ejus camera conferam Mstum vetustissimum cum tuo et edito exemplari. Vale jam, Vir maxime, et mearum angustiarum memor consiliis tuis salutaribus me non omnino priva. Videbis enim per omnia obsequentem, tuisque monitis tum in studiis tum in vita obedientem, h...i

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Berolini d. 10. Jun. 1703. raptissime. P. S. Quomodo libros meos, mihi jam summe necessarios, librerem et recipiam, solicitus sum; velim ut F¨ orsterus eos mihi remittat, eo pacto ut ipsi pro debito Menstrua excerpta conficerem; quod ipsi non inutile foret. Sed credo ipsum jam satietatem menstruorum Exc. cepisse. Meum corpusculum paucis contentum parvo sumptu sustinebo.

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40. LEIBNIZ AN JOHANN GEORG ECKHART Hannover, 17. Juni 1703. [39. 41.] ¨ Uberlieferung: L l

Abfertigung: LBr. 228 Bl. 268. 4o. 2 S. mit Korrekturen, darunter einige vermutlich nach der Anfertigung von l. (Unsere Druckvorlage.) Auszug nach L von Schreiberhand (= S. 60 Z. 10–22 u. S. 61 Z. 2 f.): Hannover LeibnizBibl. Ms IV 470 Bl. 90. 4o. 1 S. Mit Korrekturen von der Hand des Schreibers sowie von ¨ Leibniz (Lil). Uber dem Textbeginn von Leibniz’ Hand: Lingu‘‘. ”

1 f. Ditmari . . . servas: Gemeint ist wahrscheinlich die Collatio Ditmariani Codicis Antwerp. cum ” ¨ edit. Helmestadiensi‘‘ (Hannover Leibniz-Bibl. Ms XIII 754a) nach der Corveyer Uberarbeitung von ¨ ssel Bibl. Royale Albert Ier Ms 7503–18). Leibniz hatte diese Thietmar von Merseburg, Chronicon (Bru Handschrift, die Grundlage f¨ ur seine sp¨ atere Edition in den Script. rer. Brunsv. (Bd 1, 1707, S. 323–427) war, 1687 von D. Papebroch aus Antwerpen erhalten (vgl. I, 4 N. 529). Vgl. Eckert, Scriptores, 1971, S. 64 f. 3 Mstum vetustissimum: zum (im 2. Weltkrieg weitgehend zerst¨ orten) Autograph Dresden S¨ achs. Landesbibl. Msc. R 147, das Eckhart 1704 einsehen konnte, vgl. Eckert, a. a. O., S. 66. 3 edito exemplari: Thietmar von Merseburg, Chronici libri IIX , hrsg. v. J. J. Mader, 1667 (Leibniz’ Handexemplar: Hannover Leibniz-Bibl. Leibn. Marg. 85). 8 librerem et recipiam: Zu Eckharts als Unterpfand in der Hand N. F¨ orsters verbliebenen B¨ uchern vgl. N. 6 Erl. 9 f. Menstrua excerpta: der von Eckhart herausgegebene Monathliche A u s z u g , dessen Erscheinen nach dem Jahrgang 1702 eingestellt worden war. Zu N. 40: L antwortet auf N. 39 und kreuzt sich mit N. 41. Die Antwort ist N. 42. 19 Lingu‘‘: ” Dieses Stichwort vermutlich aus Leibniz’ Ordnungssystem findet sich auf zahlreichen weiteren Bl¨ attern dieses Handschriftenfaszikels zur Sprachwissenschaft.

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Vir doctissime, Amice carissime

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Gaudeo collatam Tibi professionem extraordinariam cum certa professionis ordinariae proxime vacaturae spe. Sed non admodum gaudeo, quod ab Illmo Comite de Fleming discedis vel jam discessisti: nam suasissem consultus ut ei adhaesisses, donec locus aliquis ordinarius fuisset apertus. Et ut taceam multas difficultates Tibi objectum iri interim, certe illud potissimum est, quod vereor ne aliquando, ubi vacaverit cathedra, aliquis alius intrudatur; quod Domini Comitis autoritate facile caveres, si tibi omnia apud ipsum integra servarentur. Sed de his Tu rebus omnibus perspectis optime deliberare potuisti, quae mihi e longinquo dijudicare integrum non est. Gratum est, quod linguam Polonicam consideras attentius, id dudum optabam fieri ab aliquo nostratium, inde enim multae rerum nostrarum origines poterunt illustrari. Quid ex Popieli nomine de ficta corrosione per mures colligas, intelligere gratum erit. Ad mentem meam est prorsus, quod ex sonis elementaribus rudioribus, minusque articulatis petendae sunt vocabulorum origines. Ita memineris a me notatum sp significare aliquid cum vi penetrans ad cunei instar, ubi s notat ingressum subtilem, p secutam vim, ita spies, spiz , spaten, spada, sporen, spund , spendel acus, spindel , spule vel spille fusum a forma conica in extremo (ex quo deinde per tropum spiel ludus) spliz , splitter quod vi illa disjunctum, spoliare, (cum acu vel simili subadacto cutis detrahitur) spuere, sprizen. Cum minor est exercenda vis, pro p subeunt l vel n, ut sliz , sneiden, sram. Talia sese offerunt innumera linguas consideranti. Mittam Tibi supplementi Ditmariani specimen, ubi paulum vacaverit, nunc enim nimis sum distractus. Libros Tuos adire nondum vacavit. Miror quod nec verbum in literis Tuis de Illmi Comitis rebus. An et conjugem adduxit, ut intelligo. An in Pomerania aliquando haerebit ob mortem parentis: an potius tempus

16 f. ita (1 ) spies, spiz . . . fusum | a forma conica in extremo erg. u. gestr. | (ex quo . . . ludus) (2 ) a forma conica in extremos spies, spiz . . . ludus) Lil

12 Popieli nomine: vgl. N. 39. 14 notatum: z. B. im Brief an H. Ludolf (I, 15 N. 261). 21 supplementi Ditmariani: zu der in Leibniz’ Auftrag erstellten Kollation zu Thietmar von Merseburg, Chronicon, vgl. N. 39 Erl. 22 distractus: Leibniz war erst Anfang Juni nach einj¨ ahrigem Berlin-Aufenthalt nach Hannover zur¨ uckgekehrt. 24 conjugem: Franziska von Sapieha. 25 parentis: G. C. von Flemming, der Anfang Mai 1703 verstarb; vgl. N. 246.

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N. 41

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Berolini exiget, et per septimanas aut menses illic rerum Domini sataget. Haec erant quae discere gratum fuisset, et nunc quoque erit. Interim vale et me ama[.] Dabam Hanoverae 17 Junii 1703. Tuus omni studio

G. G. Leibnitius.

41. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Berlin, 19. Juni 1703. [40. 42.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 269–270. 1 Bog. 4o. 2 S. Siegel. Siegelausriss. Eigh. Aufschrift. — Auf Bl. 270 ro L1 von N. 44.

Quas nuper ad Te dedi literas Te recipisse credo, et anxius expecto responsum, consiliumque, ut possim saltem bibliothecam meam habere; sine illa enim quid faciam nescio; obtuli F¨ orstero continuationem Menstruorum Extractorum, ut exinde solutionem, detrahendo mihi mercedem, habere possit, sed nescio an morosus ille accipiet, et vellem viliore pretio ac antea laborem illum suspicere modo libros meos liberare ac brevis his uti possem. De sella Tua vectoria jussu Dn. Generalis Tibi scribendum est. Neque enim usus est illa, uti Ulricus sciet, et jussit in domum tuam illam referre, cum abiret mecum; sed qui relicti sunt domi, obliti hujus mandati sellam sed bene custoditam, retinuere. Jubeas igitur, precor, cui danda sit ad custodiendum et statim ut voluntati tuae satisfiat curabo. Qualicovskii Jus publ. Poloniae et Animadversiones anonymi spero Te tecum Hanoveram sumsisse et bene est. Precor etiam ne obliviscaris Ammiani Marcellini quem Dn. Consiliario Schradero Zellas misisti. Locutus sum his diebus cum Regina Prussiae, et quidem per duas integras horas et variis de rebus, id quod mihi aliquo modo solatio 1 Berolini: vgl. auch Leibniz’ Nachfrage in N. 273. 1 Domini: August II. von Polen. Zu N. 41: K kreuzt sich mit N. 40 und wird beantwortet durch N. 44. 9 literas: N. 39. 11 continuationem . . . Extractorum: Der von Eckhart herausgegebene Monathliche A u s z u g , dessen Erscheinen nach dem Jahrgang 1702 eingestellt wurde. 14 sella . . . vectoria: zu dem von Leibniz entworfenen Reisestuhl vgl. z. B. I, 19 N. 147. 14 jussu Dn. Generalis: J. H. von Flemming, der in dieser Sache selbst an Leibniz schrieb; vgl. N. 264. 15 Ulricus: Leibniz’ Kutscher U. G¨ urgensohn. 18 Qualicovskii: N. Chwalkowski, Regni Poloniae jus publicum, 1676. 18 Animadversiones anonymi: M¨ oglicherweise [Chr. Hartknoch], Exercitatio ad N. Chwalkovii Ius Publicum Regni Poloniae, 1685. 20 misisti: Ammianus Marcellinus, Rerum gestarum qui de XXXI supersunt libri octodecim; vermutlich in der Ausgabe von 1636 (vgl. I, 19 N. 161).

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fuit. Habeo alia quae scribere possem sed incredibili capitis dolore quo jam per aliquot dies laboravi, impedior et me solummodo tuo favori commendo qui nihil magis in votis habeo quam ut sim h...i Berolini d. 19. Jun. 1703. 5

A son Excellence Monsieur de Leibnitz Conseiller priv´e de S. Alt. Elect. de Brounsv. Luneb. et President de l’Academie des Sciences qui est ` a Berlin prs. ` a Hanouvre

42. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Berlin, 26. Juni 1703. [41. 43.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 271–272. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen und Erg¨ anzungen.

Quas die 17. Junii ad me dedisti, quanquam paulo tardius, recte tamen accepi, atque ex iis, quae de mutatione mea sentias, intellexi. Et verum quidem est melius fecisse, ut Extraordinariam nactus, ordinariam in familia Dni Generalis expectassem. Sed alio ordine fatorum me trahente, sequar, oportet. Namque uti Illustrissimus familiam suam jam in paucos contrahit, meque negotiis peractis, dum Sch[l]aventitzi suis rebus domesticis intentus haerebit, nullus utitur, ita putavit Professione mihi procurata et sibi et mihi consultum esse, ut adeo ejus voluntati obedire debeam. Interim tamen me non relinquet auxilii inopem et nullibi non mihi adfuturum promisit. Fateor tamen si haec ante scivissem, non passus essem, ut in servitium illius inducerer, in quo et temporis et sanitatis jacturam vix reparandam feci, cum Hanoverae vel privatus potuissem subsistere, et inter libros meos suaviter dies noctesque ducere. Sed haec facta sunt, infecta fieri nequeunt. Jam mihi prospiciendum est de modo rebus meis et bibliotheculae meae consulendi, de victu et amictu non sum sollicitus, certus, si vel paululum innotuerim, nihil mihi defuturum. Rerum tamen ut omnium ita et mearum initia sunt perquam gravia. Dn. Illustrissimus ante me ex servitio suo dimisit Praefectum Stabuli, Praefectum

Zu N. 42: K antwortet auf N. 40 und kreuzt sich mit N. 44. Beilage war N. 43. Abgeschickt wurde 13 Dni Generalis: J. H. von Flemming. 23 victu et die Sendung erst am 3. Juli (vgl. N. 48). amictu: sprichw¨ ortlich. 25 Praefectum Stabuli: nicht ermittelt. 25–63,1 Praefectum Domus: nicht ermittelt.

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Domus, et Dn. Sch¨ utzium nobilem Suecum, abibit etiam brevi ab eo alter Secretarius et duae ex nobilibus virginibus. Quantum numerum servorum dimiserit, quot equos vendiderit aut amicis donaverit, vix credes si dicam. Est quidam ex Officialibus Regimenti, qui ejus secretarius, Praefectus domus et stabuli erit. Ipse cum Illustrissima, quae cum illo hic loci adhuc degit, intra breve tempus aliquot dierum in terram suam in Silesiam abibit, exacturus ibi tempus aestivum atque si recte conjicio, sub hyemem Berolinum rediturus. ex omnibus apparet illum jam in eo esse, ut sibi vivat, et bello affecto se negotiis subtrahat. Quod ejus propositum, uti per omnia non possum non probare, ita et ego constitui, nulli ex privatis inposterum servire sed me meo sustentare labore et in miserrima licet vita mea tamen libertate tam diu frui, donec mihi Deus locum, in quo subsistere honeste possim monstrabit: eritque mihi in hoc rerum mearum statu dulcissimum solatium, si me tuo illustri patrocinio dignum aestimaveris et consilio rebus in anxiis non destitueris. Quemadmodum et non minime gaudeo probatum tibi esse institutum meum in linguam Slavonicam inquirendi, perrexi in eo ante aliquot dies et deveni ad originem vocis S l a v o r u m , de quo an cogitata mea approbes vellem scire. De Popielo adhuc quaedam discutienda sunt, interim tamen scias vocem aliam quae nomen ejus refert, P o p i e l n i c a (a popi´ ol , cinis), significare murem marinum, cujus pelles grauwerk vocant; in hoc autem fabulae natales latere puto. Poloni Germanos appellant voce N i e m i e c , diu haesi unde hoc nomen veniat; tandem inveni a flumine N i a m i e n sive N e m e n , quod Germanos in Prussia a Polonis separat, ita vocatos, atque observabis ab una parte fluminis oppidorum et villarum nomina omnia Germanica, ab altera omnia Polonica. Vellem ut varia lexica linguarum rariorum et libros haberem curiosos, et profecto video me plura detegere posse; sed jam memoria saltem consulenda et pauci quos mecum habeo libelli ante omnia optarem, ut Lexicon, quod Tu, vir Illustris atque excellentissime, servas Georgianum (nempe hGurgistaniumi aut Montanorum) et Moscovitica conferre cum Polonicis possem. Si forte ad Dn. Prof. Wagnerum scribas, quaeso, ipsum moneas, ut mihi tandem aliquando huc remittat, epistolas Gallicas et cogitata [de] verme,

1 Secretarius: nicht ermittelt; vielleicht G. Biber. 2 virginibus: nicht ermittelt. 3 quidam: nicht ermittelt. 4 Illustrissima: Franziska von Sapieha. 5 terram suam: Slawentzitz. 15 cogitata: Gemeint ist N. 43. 15 f. Popielo: zur Sage um den polnischen Herzog Popielus II. vgl. N. 39. 20 N e m e n : Memel. 24 f. Lexicon . . . Georgianum: vermutlich St. Paolini, Dittionario Giorgiano e Italiano, 1629; vgl. I, 14 N. 435. 26 Prof. Wagnerum: R. Chr. Wagner. 27–64,1 verme . . . monstroso: Gemeint ist vermutlich ein angeblicher monstr¨ oser‘‘ Wurm, den die Frau des hannoverschen ” Schmiedes Stolten in sich getragen hatte. Unter den zahlreichen Berichten, die im Herbst 1701 dar¨ uber an Leibniz gingen, vgl. v. a. I, 20 N. 91 u. N. 92.

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uti volebant, monstroso. Nam Regina, me ante aliquot dies Luzenburgi videns voluit a me habere excerpta eorum, egoque curiositati ipsius lubentissime satisfacerem. Scripsi ad illum jam tribus vicibus ea de causa etiam ex Prussia, sed nullum habui responsum unde nescio vivat ac an mortuus sit. Ego me Tuo patrocinio de meliori commendo h...i 5

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Berolini d. 26. Jun. 1703. P. S. Sum adhuc in domo Illustrissimi sed modo pecuniam extorquere possem, statim abirem. Si illam non recipiam miser sum. Neque 40. istos Vallenses, quos scis, adhuc accepi. De fatis meis nolim ut Cognati mei quid resciant, donec meliorem faciem nanciscantur. Von H. F¨ orstern m¨ ogte ich resolution haben.

¨ LEIBNIZ 43. JOHANN GEORG ECKHART FUR Beilage zu N. 42. [42. 44.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 273. 4o. 2 S. mit geringf¨ ugigen Korrekturen und zahlreichen, auch doppelten Unterstreichungen von Eckharts Hand.

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Das nomen appellativum ein Slave komt nicht von dem proprio Slavus, sondern dieses von jenem her. Und ist eins mit dem polnischen Chlop, ein bauer, b¨aurischer Mensch, ein leibeigner. Denn es ist bekandt, daß in Pohlen und Moscau alle bauern leibeigen sind. Die pronunciation komt ein ander nahe und vor das ch oder c (denn die Moscowiter sprechen es wie Clop. aus) kan leicht ein s gekommen seyn oder das c h doch bey ausl¨ andern so ausgesprochen seyn als s c h , wie z. E. c h ´a l u p a eine bauerkiffe frantz. obwohl in andern Verstande c h a l o u p e oder nach teutscher schreibart s c h a l u p heißet. Denn daß das wort Slave ein leibeigner vom nomine proprio Slavus erstl. soll herkommen seyn, komt mir unglaublich vor; da ich zumahl lese, daß die u h r a l t e n S c y t h e n e i n e s t h e i l s schon zu Herodoti zeiten B a s i l i d e s , R e g i i , das

Zu N. 43: Bei K d¨ urfte es sich trotz der direkten Wendung an Leibniz am Schluss des Textes nicht um einen Brief handeln, sondern um die N. 42 beigelegten sprachwissenschaftlichen cogitata‘‘. ” 20 bauerkiffe: Kiffe bezeichnet im Nieders¨ achsischen ein a ¨rmliches kleines Haus; vgl. Adelung, W¨ orterbuch, 2, 1796, Sp. 1573.

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ist, h e r r n , sind genennet worden, qvi suos s e r v o s esse c o e t e r o s S c y t h a s arbitrati sunt: a meridie qvidem ad Tauricam regionem pertingentes, ad auroram vero, ad fossam, qvam duxerunt illi, q v i e c o e c i s g e n i t i (i. e. servi1, s e d u n d e i t a v o c a t i ? ) usque ad emporium paludis Moeotidis qvod vocatur Cremni , qvorum pars ad flumen Tanain porrigitur . Woraus erscheinet, daß sie in C r i m (welcher hier expres genennet wird) P r e k o p (denn Perekop auf Rußisch v. Przycop auf Polnisch heißt hfossai, welchen sc. die coeci nati gegraben ad derivandum, wie Praetor. Orb. goth. sagt e ponto Euxino aqvam), M e n g r e l i e n (deßen provintz Gurice (a Gor, mons, dicta) ist) G e o r g i e n (daher sie anderswo Georgiani, nicht wegen des ackerbaues, sondern von den Goraw, den bergen, so sie bewohnet, genennet werden) und die gantze Taurische geb¨ urg durch biß an Indien hin ihren sitz gehabt. Es k¨onten auch wohl die Scythae die so u ¨ber Thracien hin auf dem Rodopeischen Geb¨ urge, untern Ponto Euxino hin hieher gezogen werden. A n d e r n t h e i l s waren S c y t h a e servi, so von den Scythis regiis vor leibeigene gehalten worden und also Slaven waren; und die seynd ohn fehl[b]ahr die denen Riphaeis oder Georgianis den bergScythen entgegen gesetzte und so genante Bulani, Bolani, Polani, Poloni, welche Ptolomaeus bey die Weichsel setzet, die aber ohnfehl[b]ahr sich sehr weit durch Moscau hindurch in die Tartarey erstrecket, und das platte land daherum bewohnet, welches das wort Pole bedeutet. Nun ist klar das die Moscowiter ihrer obern hlei[b]eignei nicht allein seyn sondern sich auch ihre Magnaten selbst des Czars und andre ihren herrn C l o p o s das ist Slaven nennen. Herberst. descript. Mosc. p. 49. bey welchen auch p. 75. die stadt C[l]oppigrod, das ist Slaven-stadt

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hDar¨ uber von E c k h a r t s Hand:i NB.


1 genennet: Herodot, , 4, 20. 1–5 qvi . . . porrigitur : ebd. 2 Tauricam regionem: die Krim. 4 paludis Moeotidis: das Asowsche Meer. 4 Cremni: nicht identifiziert; vgl. W. W. How u. J. W. Wells, A Commentary on Herodotus, 1, Oxford — New York 1912 (Nachdr. 1989), S. 341. 5 flumen Tanain: der Don. 6 P r e k o p : die Landenge von Perekop (Krim). 7 Praetor.: M. Praetorius, Orbis gothicus, 1691, l. 1, cap. 7, § 1, S. 30 mit dem Sprachvergleich Perekop — Przekop — fossa. 8 M e n g r e l i e n : Mingrelien (im heutigen Georgien). 12 Rodopeischen Geb¨ urge: das Rhodope-Gebirge. 15 Riphaeis: Die Bergkette der Rhip¨ aen wurde in der Antike unterschiedlich lokalisiert, u. a. unweit Skythiens; vgl. F. A. Uker, Skythien und das Land der Geten oder Daker nach den Ansichten der Griechen und R¨ omer , Weimar 1846, S. 98–102 sowie S. 339. 16 Ptolomaeus: bei Klaudios Ptolemaios, nicht zu finden. 20 Herberst.: S. von Herberstein ¨ (vgl. SV.; Auflage nicht identifiziert). In der deutschen Ubersetzung von 1563 (vgl. SV.) wird S. 86 der Ort Chlopigrod dort als bei Uglitsch (im Goldenen Ring) liegend bezeichnet.

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benennet und eine historie von dieser benennung erzehlet wird, die da accurat u ¨berein komt mit Justini Geschichte l. 1. c. 5. und es k¨onte dieses Clopigrod gantz wohl Ptolemaei Clepidava seyn etc. die Post gehet ab und kan ich also es nicht vollenden. Ew. Exc. sehen schon wo ich hinaus will, und k¨ onnen die consequenz errathen.

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44. LEIBNIZ AN JOHANN GEORG ECKHART Hannover, 28. Juni 1703. [43. 48.]

¨ Uberlieferung:

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L1 Teilkonzept (= Z. 21 – S. 67 Z. 8): LBr. 228 Bl. 269–270. 1 Bog. 4o. 1/2 S. auf Bl. 270 ro. Mit zahlreichen Korrekturen. — Auf Bl. 269 K von N. 41. L2 Abfertigung: LBr. 228 Bl. 274. 4o. 2 S. (Unsere Druckvorlage.)

Doctissime domine

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Amice carissime

Tuas alteras accepi. Interim non dubito meas Tibi redditas. Sellam meam Curulem Berolini remansisse nec per somnium mihi in mentem venit, neque aut tu significaveras aut noverat Ulricus. Quin contra viderat ille impositam currui, atque ita discesserat, cum vos abituriretis. Sed oportet mutata ab ejus discessu sententia forte quod vestri rem novam sibi non satis commode tractarent, rursus depositam et consensu Illustrissimi Domini Comitis relictam fuisse. Quod si novissem asportassem mecum. Nunc rogo ut eam apud vos bene asservatam manere liceat; donec vel peti curem, vel ipse Berolinum redeam, quod anno sequente Deo volente continget. Haec de sella. Ammianum repetam Cellis, et Chwalcowskiana asservabo dum petas. Relegenti nunc literas Tuas priores unde apparet Te mox recessurum ab Illmo Comite et nonnihil adhuc laborare in constituendis rebus sub auspicatum muneris novi quod

2 Justini: M. Junianus Justinus, Historiae Philippicae, 2, 5; vgl. auch I, 17 N. 191. 2 Ptolemaei: a. a. O. l. 3, Tab. 7. 3 Clepidava: Kamenec-Podolskij in der heutigen Ukraine. Zu N. 44: L antwortet auf N. 41, nimmt noch einmal Bezug auf N. 39, kreuzt sich mit N. 42 und mit N. 48. Die Antwort ist N. 51. 12 meas: Gemeint ist vermutlich N. 40. 12 Sellam . . . Curulem: 14 Ulricus: Leibniz’ Kutscher U. G¨ urgensohn. 17 Comitis: J. H. Graf von Flemming. vgl. N. 41. 20 Ammianum: vgl. Ammianus Marcellinus (SV.). 20 Cellis: von Ch. Schrader; vgl. N. 41. 20 Chwalcowskiana: zu N. Chwalkowski (SV.) vgl. N. 41.

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nondum satis fructiferum est; in mentem venit considerare, an non posses melius exire difficultatibus si dilatis in proximum ver Witebergensis domicilii initiis, huc venires et pergeres adjuvare me in Historico labore. Sed si id placeret, oporteret hoc spatio durante, omissis aliis omnibus Te incumbere in id unum ea assiduitate quam ratio suaderet, et valetudo pateretur. Ita ultra sustentationem sub exitum ejus temporis a me habiturus esses praemium honestum. Quid videatur et an placeat conditio significabis ocyus, et si placet etiam adventum maturabis. Vale et me ama. Dabam Hanoverae 28 Junii 1703 Tuus omni studio

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G. G. L.

Nescio quis dixit Dn. de Minkwiz obiisse, id spero falsum.

¨ 45. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ [Herrenhausen, Ende Juni 1703]. [38. 46.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 464–465. 1 Bog. 8o. 1 S. Ohne Anrede und Unterschrift. Bibl.verm.

8 maturabis. | Scribo id ea lege si alioqui a Domino Comite recedis, nam ei Te non gestr. | bricht ab L1

10 obiisse: vgl. auch N. 276. Zu N. 45: Die Erw¨ ahnung von l’orengerie‘‘ (S. 68 Z. 5) verweist auf Herrenhausen, wo die Kurf¨ urstin ” sich seit Mai aufhielt. Unser St¨ uck entstand vor dem durch ein Schreiben der Kurf¨ urstin vom 18. Juni veranlassten Besuch Herzog Rudolf Augusts am hannoverschen Hof, wo er um die Monatswende Juni-Juli mit Herzog Georg Wilhelm von Celle zur Beilegung der innerwelfischen Differenzen zusammentraf (vgl. Schnath, Geschichte 3, 1978, S. 388 f. mit Erl. sowie Bodemann, Raugr¨ afinnen, 1888, S. 256 f.). — Der Textzeuge war in den 1870er Jahren nicht auffindbar, vgl. Klopp, Werke 9, 1873, S. XII, sowie auf dem archivalischen Umschlag (beschriftet mit touchant un mauvais Portrait de M. Leibniz 1703.‘‘) den ” Vermerk Inhalt fehlt 15/6 78 Doebner.‘‘, der sp¨ ater durchstrichen wurde und den undatierten Zusatz ” wiedergefunden‘‘ erhielt. ”

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Le pourtrait ne vaut rien il vous a fait un gros nez d’Hivrogne tout parroit trop masif. j’espere que vostre jambe sera remise avant l’arriv´ee de Mesr le Ducs de Wolfenbudel et de Cell, je n’ay point d’avis´ee de la venue de la Reyne pour le Carnaval mais 3 livres d’Angleterre dont l’un est un manuscript qui vous divertiront quant vous ser´es a l’orengerie. `

¨ 46. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ [Hannover, Ende Juni oder Anfang Juli 1703 (?)]. [45. 63.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 314–315. 1 Bog. 4o. 1/3 S. Ohne Anrede. Unterschriftsinitiale. Eigh. Aufschrift. Schwarzes Siegel. — Gedr.: Klopp, Werke, 8, 1873, S. LX (zu 1701).

Si vous escrivi´es vos sentiments au Duc Antoine et combien je souhaite de le voir en bonne concorde avec nous peutestre il ce laisseroit flechir. Pour Monsieur de Leibenitz.

1 pourtrait: das 1703 datierte Leibniz-Portr¨ at des hannoverschen Hofmalers Andreas Scheits oder dessen Kopie, die bald darauf der K¨ onigin Sophie Charlotte geschenkt wurde, vgl. L. Schreiner, Leibniz im Bilde seiner Zeit. In: Totok—Haase, Leibniz , 1966, S. 65–82, hier S. 71 f. 2 jambe: Wegen seiner seit Ende 1702 auftretenden Beinbeschwerden hatte Leibniz seit Januar seine R¨ uckreise von Berlin hinausgeschoben und war erst in den ersten Junitagen wieder in Hannover eingetroffen. 3 venue: Nachdem der Karnevalsbesuch der K¨ onigin Sophie Charlotte im Februar 1703 infolge der Differenzen zwischen Berlin und Hannover vorzeitig beendet worden war, bestand erst am Jahresende Gewissheit u ¨ber ihre Teilnahme im folgenden Jahr (vgl. N. 436 und Doebner, Briefe, 1905, S. 181). 4 livres: nicht ermittelt. Zu N. 46: K steht vermutlich in Zusammenhang mit den innerwelfischen Auss¨ ohnungsbem¨ uhungen, die um die Monatswende Juni/Juli 1703 auf Initiative der Kurf¨ urstin zu einem Besuch Herzog Rudolf Augusts in Herrenhausen f¨ uhrten (vgl. auch N. 45). In Leibniz’ Korrespondenz von Anfang Juli mit L. Hertel spiegelt sich der Versuch, auch Herzog Anton Ulrich zu einem Besuch zu bewegen (N. 47 und N. 49). Darin sehen wir den Hintergrund unseres St¨ ucles.

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N. 47

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47. LEIBNIZ AN LORENZ HERTEL Hannover, 3. [Juli (?)] 1703. [49.] ¨ ¨ ttel Herzog August Bibl. Leibniziana I, 30 Bl. 62 Uberlieferung: L Abfertigung: Wolfenbu bis 63. 1 Bog. 4o. 3 S. mit kleinen Korrekturen. Bibl.verm. — Gedr. (teilw.): 1. (= S. 70 Z. 13–15) Burckhard, Historiae, 3, 1746, S. 327; 2. (= S. 70 Z. 6–12) Guhrauer, Leibnitz , 2, 1846, Anmerkungen S. 86.

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Monsieur Quoyque nous ayons le bonheur presentement de jouir de Monsgr le Duc Rudolfe Auguste nos cours reunies ` a Herrnhausen souhaiteroient que ce bonheur fut entier, et que Monseigneur le Duc Antoine Ulric fut de la partie. Je voudrois qu’elles allassent chercher S. A. S. jusqu’` a Bronsvic, et qu’en sait on? J’espere que Mad. l’Electrice ira ` a Berlin apres quelques semaines, mais j’y ay est´e trop long temps pour y retourner si tost. Nous avons icy un Operateur Empirique qui fait merveilles pour la veue et pour l’ouye. Il a soulag´e beaucoup de personnes de tout ˆage, qui avoient de la peine `a entendre ce qui se disoit, et il dit d’abord si ses remedes peuvent servir: de sorte que Mad. l’Electrice ayant appris de Mgr le Duc Rudolfe, que Mgr le Duc Antoine est quelques fois incommod´e des fluxions sur les oreilles, a crˆ u que je ferois bien d’en mander quelque chose; et je prends la libert´e, Monsieur, de vous en parler pour en dire un mot `a S. A. S. si vous le trouv´es apropos.

Zu N. 47: L folgt vielleicht auf eine m¨ undliche Unterredung (vgl. S. 70 Z. 5). Aus Hertels Antwortbrief N. 49 u ¨bernehmen wir die Datierung unseres St¨ uckes auf den 3. Juli, mit der sich die Aussage u ¨ber den Herrenhausen-Besuch Herzog Rudolf Augusts von Braunschweig-Wolfenb¨ uttel eher in Einklang bringen l¨ asst als mit Leibniz’ Datumsangabe. 9 reunies: Zum von Kurf¨ urstin Sophie vermittelten Besuch Herzog Rudolf Augusts in Herrenhausen im Zuge der Vers¨ ohnungsversuche zwischen den Welfenlinien vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 388 f. 10 Antoine Ulric: zu Herzog Anton Ulrichs Widerstand gegen die Durchf¨ uhrung der Ausgleichsversuche vgl. Schnath, a. a. O., S. 383–392. 12 a ` Berlin: Die Berlinreise Kurf¨ urstin Sophies, durch die schwerwiegenden Differenzen zwischen Berlin und Hannover bzw. Celle seit dem Sp¨ atwinter 1703 (vgl. Schnath, a. a. O., S. 564–567) belastet, fand von Anfang August bis Anfang November 1703 statt. 13 trop long temps: Leibniz hatte sich von Anfang Juni 1702 bis Ende Mai 1703 am Berliner Hof aufgehalten. 14 Operateur Empirique: A. Janulli; vgl. N. 32. 19 parler: Tats¨ achlich ließ Herzog Anton Ulrich sich von Janulli behandeln; vgl. den Brief Kurf¨ urst Georg Ludwigs an Kurf¨ urstin Sophie vom 29. August 1703 (gedr.: Schnath, Briefe Georg Ludwigs, 1976, S. 293).

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Cet Empirique monstre une chose curieuse. C’est un morceau de toile faite d’Asbeste, ou d’Amianthe, qui resiste au feu. On n’a gueres vˆ u d’´echantillon qui soit si ferme. Il dit de l’avoir des Piren´ees: mais je crois qu’un autre le luy a donn´e tout fait. Comment va l’affaire du proc´es avec Mad. de Burkersroda. Je ne say comment j’ay oubli´e d’en parler. Mad. l’Electrice aussi bien que Madame attendent avec impatience la perfection du Roman d’Octavia; et moy pour le moins autant qu’elles. Car je l’ay releu expr´es dernierement ` a Wolfenbutel et Bronsvic, depuis le commencement, jusqu’`a la fin de ce qui estoit publi´e. L’Histoire du Prince Indien sectateur de la Metempsychose m’a plu extraordinairement, et a rejoui icy les amis de feu M. Helmont; qui nous promettoit aussi d’estre un jour ´etoiles quoyque je ne say pas s’il nous auroit log´e justement dans la via lactea. Je seray bien aise d’apprendre que Mons. Burcard cultive la recherche des semences masculines des plantes et qu’il y a fait des nouveaux progr´es car j’y trouve beaucoup d’apparance. Je suis avec zele Monsieur

vostre treshumble et tres obe¨ıssant serviteur

Leibniz.

Hanover 3 juin 1703.

¨ 4 proc´ es: Zum von Lucie Olgard von Burckersrode, geborene Gr¨ afin von Rantzau, gef¨ uhrten Erbschaftsstreit gegen A. L. Graf von Rantzau, 1698 bis 1706 in Den Haag anh¨ angig, vgl. I, 16 N. 90 sowie I, 18 N. 20 Erl. 6 Madame: Elisabeth Charlotte von Orl´ eans. 6 perfection: von Herzog Anton ¨ neburg, SV) Octavia, dessen Fortsetzung mit Bd 4 ab Anfang Ulrichs Roman (vgl. Braunschweig-Lu ¨ neburg, Werke, III, 1, Stutt1703 erschien (vgl. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig und Lu gart 1993, S. XLI). 8 f. ce . . . publi´ e: Vermutlich ist damit die erste Textfassung, Bd 1–3, gemeint, die zuerst 1677–1679 erschien (vgl. ebd. S. XXIII–XXV). 9 L’Histoire: Im Kapitel Die Begeben” heit des Phraortes, K¨ oniges der Sedocheser‘‘ (a. a. O. Bd 3, 1679, S. 1018–1032). 10 les amis . . . Helmont: Gemeint ist vermutlich vor allem Kurf¨ urstin Sophie; zu ihrer Teilnahme am philosophischen Gespr¨ ach mit F. M. van Helmont u ¨ber dessen Doktrin von der Seelenwanderung vgl. I, 13 Einleitung S. XXXIV–XXXVIII und die dort zitierten St¨ ucke. 11 f. d’estre . . . lactea: vermutlich Anspielung auf das zitierte Kapitel der Octavia (S. 1020). 13 cultive: zu J. H. Burckhards botanischen Versuchen vgl. seinen Brief an Leibniz vom 12. April 1702 (gedr. u. a.: J. H. Burckhard, Epistola ad Leibnitium, Helmstadii 1750; Druck in Reihe III). Vgl. auch J. H. Burckhard, Historiae Bibliothecae Augustae quae Wolfenbutteli est, 3, Lipsiae 1746, S. 327.

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48. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Berlin, 3. Juli 1703. [44. 51.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 275–276. 1 Bog. 4o. 4 S. Geringf¨ ugiger Textverlust am Ende des St¨ ucks.

Berlin d. 3. Jul. 1703. Mein neuliches Schreiben an Ew. Exc. habe anitzo u ¨bersenden wollen, da es vergangenen Postdag zusp¨ at ins Post haus kommen. Ich berichte hienechst, daß der H. General als morgen geliebts Gott weg nacher Schlawentitz gehet, und m¨ogte er wohl so bald nicht wiederkommen; Er hat mir in meinen sachen alle assistentz versprochen und wird seine parole auch halten, allein mit dem Gelde kann ich nichts heraus preßen, und binn ich also sehr miserabel dran: indem ich schweren kan, daß ich nicht mehr als 10 gr. in meiner gewalt habe, und auch nicht weiß wo weiter in so kurtzer frist vors erste was her zu nehmen. Wenn ich nur erst mit ehren zu Wittenberg w¨are, so solte es schon gut gehen: denn daselbst habe ich schon 2. Edelleute, so meiner g¨antzlichen information untergeben sind und davon ich zum wenigsten frey eßen und trincken haben kann. Bitte also Ew. Exc. wollen die g¨ utigkeit haben und mir versprochner maßen die 40. thlr. avanciren, sie werden mich hiemit aus der ¨ außersten noth reißen und k¨onnen es hernach vom H. General schon wiederbekommen. Ich gestehe, daß ichs tausentmahl bereue, daß ich Hanover verlaßen, und mich in so unruhige und ungewiße dienste begeben. Ew. Exc. aber kan ich doch nicht verdencken, daß sie mich hieher recommendiret, als da ich wohl abnehmen kan, daß sie die in diesem so sch¨ on von außen gl¨antzenden hause herschende confusion und denen oberbedienten vorstehende Gefahr nicht vorher gesehen. Wolte Gott ich h¨atte mich k¨ ummerlich mit monath schreiben beholfen, so h¨atte ich meinen bißen brot in frieden und einige reputation in der welt erhalten. Nun sitze ich im elende doch Gott weiß, wo auch dieses zu dienen kan. das ungl¨ uck soll so nicht gegen mich w¨ uten, daß ich die studien hindan setzen solte, und will ich sie auch selbst am bettelstabe verfolgen; wo

Zu N. 48: K kreuzt sich mit N. 44 und wurde zusammen mit der bereits am 26. Juni zur Abfertigung bereiten N. 42 versandt. Eine Antwort wurde nicht gefunden. 6 Schreiben: N. 42. 7 General: J. H. von Flemming. 8 Schlawentitz: Flemmings schlesisches Gut Slawentzitz. 14 Edelleute: nicht ermittelt. 16 versprochner maßen: nicht ermittelt. 23 monath schreiben: Von 1700 bis 1702 hatte Eckhart den Monathlichen A u s z u g herausgegeben.

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vor mich doch Gott bewahre. Auf Ew. Exc. setze ein großes Vertrauen und k¨onnen sie mich theils durch ihre autorit¨ at theils durch ihre vorschriften aus vielen drangsaal heraus ziehen. Ich meines theils versichre, daß ich lebenslang mit dem gr¨osten respecte so vieler wohlthaten eingedenck seyn und davor verharren werde h...i 5

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P. S. Wegen der 40. Thlr. bitte meiner nicht zu vergeßen, und beteure ich h¨oflich, daß ich sie nicht wieder empfangen will auch wohl deßwegen einen schein von dem Secr. Bibern u ¨bersenden. Ich binn noch in des H. Generals hause. Wenn Er aber weg ist, werde mich selbst bek¨ ostigen m¨ ußen. Und weiß ich nicht wie ich, im fall mich Ew. Exc. verlaßen, von hier kommen soll. Wie die derivation vocis Slavi gef¨alt bitte zu benachrichtigen. der Reichstag gehet in Pohlen gut und gl¨ ucklich fort, und ist der Marschall dazu inaudito pene exemplo in drey stunden zum ersten erwehlet worden, welches der F¨ urst [Wisnowy—] h—i.

49. LORENZ HERTEL AN LEIBNIZ Wolfenb¨ uttel, 10. Juli [1703]. [47.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 398 Bl. 149–154. 3 Bogen 8o. 9 S. in der Abfolge o o Bl. 149 r /v , 154 ro/vo, 150 ro/vo, 151 ro/vo, 152 ro. Mit Korrekturen u. Erg¨ anzungen. Bibl.verm.

`a Wbttel ce 10. de Juillet.

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Je n’ay pˆ u satisfaire Monsieur aux Commissions dont vous m’avez chargez dans votre lettre du 3me Juillet aupr´es de S. A. le Duc AU qu’au retour de notre Prince, qui fˆ ut dimanche au soir. ce qui a retard´e la reponce que je devois `a la votre.

9 derivation: N. 43. 10 Reichstag: zu Lublin (Beginn am 19. Juni); vgl. Monatlicher S t a a t s S p i e g e l , Juni 1703, S. 78. 10 Marschall: Zum Landboten-Marschall gew¨ ahlt wurde F¨ urst Michael Wi´sniowiecki; vgl. Historische R e l a t i o n. Continuatio 14. Ostern bis Michaelsmesse 1703, S. 68. Zu N. 49: K antwortet auf N. 47. Der n¨ achste Brief der Korrespondenz (Hertel an Leibniz) datiert umlich auf vom 30. M¨ arz 1704 (Druck in I, 23). 20 lettre . . . Juillet: N. 47, von Leibniz vermutlich irrt¨ Juni datiert. 20 retour: vielleicht Bezug auf die Reise Herzog Anton Ulrichs nach Eisenach und Gotha (vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 388). 21 dimanche: am 8. Juli.

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S. A. est tres oblig´e aux soins que Made l’Electrice veut bien prendre pour la conservation de Sa Sant´e et quoyque la fluxion qui luy rend l’ou¨ıe difficile, l’incommode beaucoup Elle ne sait pourtant pas, si Elle doit fort souhaiter d’en estre soulag´e, puisque cet accidant l’empˆeche quˆeque fois d’entendre de choses peu agreables et par hconsequenti le dispence d’y repondre. Cependant, comme il a entendu que l’Empyrique dont vous parl´e est d´eja dispos´e de venir icy, il ecoutera ses raisonnements sur son indisposition, laquelle ` a Son age doit estre fort differente par sa cause `a celle des autres, les nerfs qui composent l’organe d’ouie estant sans doute affoiblie[s] par le defauts des esprits qui luy donne[nt] la vigueur, il faudra donc trouver sur tout un moyen d’y suppl´eer. S. A. croit avoir d´eja vˆ u autrefois cet homme, sous une autre qualit´e, mais de quˆeque maniere qu’Elle le trouve. S. A. souhaitera toujours de marquer `a la premiere occasion `a Made l’Electrice combien il se sent touch´e et redevable de ses obligeantes soins, et vous pouvez croire Monsieur qu’il n’a pas tenu ` a Elle qu’Elle n’ayt jouis en mˆeme temps que son frere de l’entrevu¨e de Herrenhausen, mais que voulez vous que l’on en fasse pendant que les obstacles facheux continuent, et que l’on dit, que chez vous, on n’est pas dispos´e d’en lever le moindre, pas mˆeme par le plus indifferent expedient, pour sauver seulement quˆeque apparence, qu’y aura[-]t[-]il donc a` esperer du reste, et pour vous dire la verit´e je crois que les ministres de vos cours savent qu’ils trouveront mieux leur conte dans la discension des deux frers que dans un accommodement equitable, autrement, voulant seurieusement parvenir ` a un but tant souhait´e, ils admetteroient aussy les moyens qui pourroient y conduire, mais par ceux dont on pretent obliger le Duc A. U. pour donner aveuglement les mains aux conditions propos´ees et de l’y contraindre, pour ainsi dire, par l’authorit´e de son frere, je ne voye pas qu’`a tout extremit´e, on puisse obtenir autre chose qu’une paix platr´ee et un accommodement peu sincere, vous savez, que nous en avons souvant parl´e et plaint les malheurs qui en pourroient resulter. En attandant S. A. le Duc A. U. cherche ` a calmer ses ennuyes dans la retraite de Saltzdahl, tres heureux si on ne troubloit pas ` a tous momens la tranquillit´e qu’il y cherche. Les heures qu’il peut derober aux affaires sont destin´ees ` a achever l’Octavia qui va `a Sa conclusion, vous

5 l’Empyrique: A. Janulli; vgl. N. 47. 14 l’entrevu¨ e: vgl. N. 47. 18 vos cours: Hannover und ¨ Celle. 19 discension: die Differenzen zwischen den herzoglichen Br¨ udern infolge der Uberw¨ altigung Wolfenb¨ uttels durch Hannover und Celle und hinsichtlich der Auss¨ ohnung der drei Welfenh¨ ofe; vgl. Schnath, a. a. O., S. 377–380 und S. 383–392. 22 conditions propos´ ees: Gemeint sein d¨ urfte der ¨ neburg (SV.). Celler Vergleich vom 22. April 1703. 28 l’Octavia: vgl. Braunschweig-Lu

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savez qu’il n’auroit plus song´e ` a c´ete occupation, si Made n’avoit pas souhait´e d’en voir la fin et S. A. espere si les principes de Sa metempsychose ne trompent point, de voir un jour c´ete Princesse et Made dans une des etoiles de la premiere grandeur. L’Octavia achev´ee, si Dieu prete encore vie ` a notre Prince, il se propose de travailler `a la vie de Duc Jule, sous le titre leben des Großen Julii , pour faire entrer dans c´ete histoire quantit´es des morceaux de l’histoire modernes et galantes qu’il n’a pas bien pu placer dans une histoire romaine, o` u en a d´eja dress´e et recueilli de memoires, je le trouvay hier `a ranger les papiers ce qu’il disoit estre ` a luy un entremede et occupation plus agreables que celle d’examiner les contes des revenus du baillage de Campen et S. A. persiste toujours dans l’opinion que les articles controvers´es ne pourront mieux estre debattu et regl´es que dans une conference entre Made l’Electrice, Made la Duchesse de Celle et luy et quand on seroit mutuellement convenu des points d’accommodement de constituer pour garants la Reyne de Prusse, Madame, et la Duchesse de Ploen, S. A. a d´eja dress´e un plan pour ce sujet qu’Elle vous montrera un jour. Pour ce qui est l’affaire du Comte de Ranzau les faux temoins que Made Burckersroden a produits ` a Rome sont ` a c´ete heure condamn´e pour 5 ans aux galeres, mais nous apprenons, qu’ils ont appell´e de la 1e sentence pour gagner du temps, aussytˆot que la sentence sera confirm´e on procedera ` a la conclusion de l’affaire principale qui pend `a la

1 Made: Herzogin Elisabeth Charlotte von Orl´ eans. Zu ihrem Interesse an der Fortsetzung der ¨ neburg, Werke, III,1, Stuttgart 1993, Octavia vgl. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig und Lu S. XXXVII f.; ihr sind die letzten beiden B¨ ande der zweiten Fassung sowie die dritte Fassung gewid4 travailler: Der geplante Roman u ¨ber Herzog Julius von met. 2 metempsychose: vgl. N. 47. Braunschweig-Wolfenb¨ uttel kam nicht zum Abschluss; vgl. Anton Ulrich, Herzog zu Braunschweig ¨ neburg, a. a. O., S. XLV. und Lu 9 baillage . . . Campen: Im Celler Vergleich (22. April 1703) war Wolfenb¨ uttel als Abfindung f¨ ur seinen Anteil an Sachsen-Lauenburg das Amt Campen abgetreten worden, dessen Wert von Herzog Anton Ulrich als zu gering veranschlagt wurde; vgl. Schnath, a. a. O., 3, 1978, S. 387 f. 13 Duchesse de Ploen: Dorothea von Braunschweig-Wolfenb¨ uttel, Gemahlin Herzogs Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Pl¨ on. 15 faux temoins: Anna Maria Pietersen und ihr Ehemann G. Massei. Zu einer Galeerenstrafe wurde nur der beteiligte Notar P. F. Valentini verur¨ teilt. Zu den im Erbschaftsstreit der Lucie Olgard von Burckersrode gegen A. L. von Rantzau get¨ atigten Zeugenbestechungen vgl. W. Prange, Christoph Rantzau auf Schmoel und die Schmoeler Leibeigenschaftsprozesse, Neum¨ unster 1965, S. 98. 18 conclusion: Obwohl A. L. von Rantzau 1706 vorl¨ aufig und 1718 erneut gerichtlich als Erbe Chr. von Rantzaus anerkannt wurde, endete der Erbschaftsstreit f¨ ur ihn erst 1722 mit einem Vergleich; vgl. Prange, a. a. O., S. 98 f. 18 affaire principale: Die Anfechtung ¨ der Identit¨ at A. L. von Rantzaus als Sohn Chr. von Rantzaus durch dessen Schwester Lucie Olgard von Burckersrode stand in Zusammenhang mit deren Klage gegen das Testament ihres Bruders.

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N. 50

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Cour des Justice ` a La Haye. Mr Borchard est fort appliqu´e `a ses observations et trouve ses theses de la semence mˆ ale des plantes confirm´e[e]s par des experiences qu’il a fait a Saltzdahlen et dans mon petit jardin, il y entremˆele des observations sur les infectes ` et maladies des arbres dont l’est´e present a fournis ample matiere dans nos quartiers et dont on vous communiquera les reflexions quand elles seront un peu mieux dig´er´ees, pour les soumettre ` a votre examen, nostre medecin se recommand fort `a l’honneur de votre souvenir et moy je suis Monsieur

votre tres humble et tres obeissant serviteur

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Hertel.

50. JOHANN THIELE REINERDING AN LEIBNIZ Wolfenb¨ uttel, 13. Juli 1703.

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Hann. 153 Acc. 2004/107 Nr. 7 Bl. 281–282. 1 Bog. 4o. 2 S. Eigh. Anschrift. Siegel.

HochEdler etc. Sonders HochzuEhrender H. Geheimbter Raht: Aus deßen j¨ ungsthin u ¨bersandtes Schreiben, habe erfahren, daß auch H. Dr Meyer zu Bremen im Hn entschlaffen. Nun hat derselbe von hiesiger F¨ urstl. August. Bibliothec annoch Papiae Lexicon sub ro N 21. Mscr. fol. wor¨ uber aber nur des H. Ghbten Rahts Schein vorhanden ist.

1 Borchard: der Arzt und Naturforscher J. H. Burckhard. Zu N. 50: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief, dem eine Liste mit Buch- und Handschriftentiteln beigelegt war. Der n¨ achste u ¨berlieferte Brief der Korrespondenz (Leibniz an Reinerding) datiert vom 21. Februar 1704 (Druck in I, 23). Da f¨ ur den 18. August 1703 (also im Zeitbereich von Leibniz’ Aufenthalt auf der Braunschweiger Laurentiusmesse) mehrere Entleihungen aus der Bibliotheca Augusta auf seinen Namen belegt sind (vgl. Raabe, Leser und Lekt¨ ure, Teil A, Bd 1, 1998, S. 184), ist zwischen beiden erhaltenen Briefen zudem pers¨ onlicher Kontakt anzunehmen. 14 Meyer: der am 31. Januar 1703 verstorbene Gerhard Meier. 16 Papiae Lexicon: Papias Vocabulista (Grammaticus), ¨ ttel Herzog August Bibl. Cod. Glossarium vel . . . elementarium doctrinae erudimentum, Ms. Wolfenbu Guelf. 21 Aug. 2o. 17 Schein: Eine Entleihung der Handschrift durch Leibniz f¨ ur Meier ist f¨ ur den 17. Februar 1700 bezeugt; vgl. Raabe, a. a. O., S. 204. In Leibniz’ Nachlass befindet sich eine Quittung von Meiers Hand (LBr. 627 Bl. 240) vom 18. Juni 1700; vgl. I, 18 N. 342 Erl.

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N. 50

Von dem getitulirten AltSachsischen hgespr¨achi und gebetbuch, Mscto aber, finde unter denen Schein-Zetteln keine nachricht. Der H. Ghbter Raht hat es beschrieben — 54. 4. Mscr. — Vermuhtlich wird es in 4to 8o oder 12o zu verstehen seyn. Die Zahl mochte wol nicht allerdings recht seyn, weil unter der Zahl 54. 4. Msc. 4to sich alhier ein buch findet, alß Steganographia nova. Habe auch die Msca von klein 4to 8. und 12. durch gesehen, finde aber kein buch mit obbesagten Titul darunter. Wan die Zahlen sich etwa anders befinden w¨ urden, k¨onte alhier nochmahlen nachgesehen werden, Sonst wird dem H. Ghbten Raht noch erinnerlich seyn, daß vor einiger Zeit ein New Testament Theol. 4to von hier nach Hannover mit genommen worden, worin forn v. hinten Gem¨ ahlte enthalten, worunter dan auch der K¨onig in Schweden H. Gustavus Adolphus mit zu finden v. zwar zu mehr mahlen, Einmahl aber war Er gar klein abgemahlet, und nur eingeleget, dießes fol. nicht hwiederumi zur¨ uck kommen seyn; Es hat solches auch Hans Jacob gleich anfangs observiret, wie dan ich auch selbiges darin gesuchet; aber nicht gefunden, welches dan zu erinnern nicht umbgehen k¨onnen. Die B¨ ucher von Arnstadt sind noch nicht wieder geschickt worden. Wolffenb. den 13. Julii 1703.

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M. Hg. H. Geheimbten Rahts

Dienstfertigster Diener

Reinerding

A Monsieur Monsieur Leibnitz Conseiller Priv´e de la Cour de Hannovre etc. ` a Hannovre.

1 gebetbuch: vermutlich die am 26. Februar 1701 von Leibniz f¨ ur Meier entliehene Sammelhand¨ ttel Cod. Guelf. 58. 4 Aug. 8o (Psalterium u. Breviarium in schrift der Herzog August Bibl. Wolfenbu niederdeutscher Sprache, Gebete u. Hymnen nieders¨ achsisch); vgl. I, 19 N. 310 Erl. 6 Steganographia ¨ ttel Herzog August Bibl. Cod. Guelf. 54. 4 Aug. 4o von 1602 vgl. nova: zu der Handschrift Wolfenbu S t e g a n o g r a p h i a (SV). 11 f. New Testament: vermutlich die von Leibniz am 18. Februar 1701 ¨ ttel Herzog August Bibl. 84.8 Theol. 4o); vgl. B i b l i a (SV). entliehene Ausgabe von 1575 (Wolfenbu Vgl. auch Raabe, a. a. O., S. 184. 13 Gem¨ ahlte: Der Band enth¨ alt handkolorierte Abbildungen u. a. mit Darstellungen biblischer und historischer Personen, darunter zwei Portr¨ ats Gustav Adolfs (freund¨ ttel). liche Auskunft von Brigitte Jezierski, Herzog August Bibl. Wolfenbu 15 dießes fol.: nicht ermittelt. 16 Hans Jacob: der Bibliotheksdiener Hans Jacob M¨ uller. 18 B¨ ucher . . . Arnstadt: Vermutlich von A. Morell (verstorben im April 1703) aus der Bibliotheca Augusta entliehene B¨ ucher (vgl. Raabe, a. a. O., S. 211).

N. 52

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51. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Helmstedt, 13. Juli 1703. [48. 58.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 277. 4o. 1 3/4 S. Auf Bl. 277 ro Anstreichung am Rande in anderer Tinte.

Recepi literas, quas ad me dedisti humanissimas et vidi animum in me pronum. Accepto conditionem et ne tempus perdatur, statim abeunte Illustrissimo Comite me dedi, venique jam Helmestadium; ubi intrans cubiculum Dni Wagneri, offendo eum vultu pallido et extenuato febrimque, qua laborat, ostentante. Perrexissem statim Hanoveram, sed parvulum aeris, quod habebam, me hic retinuit, et optarem, ut possem parvulam summam ad iter conficiendum a Te nancisci, sed illud clanculum et ne quis sentiat. Invenies me diligentem et omnia Tuis exceptis rebus, insuper habentem. Sed unicum est quod oro, ut habeam cubiculum, in quo solus esse possim. De caetero nolim etiam ut quis Hanoverae resciat me rediturum. volo enim latere et Deo Tibique vivere, quantum fieri poterit. Vale h...i Eccardus

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Helmstadii raptissime d. 13. Jul. 1703. P. S. Cur non statim responderim ad tuas habui rationes non unas.

¨ 52. LEIBNIZ AN LUDWIG JUSTUS SINOLD GEN. VON SCHUTZ [Hannover (?)], 26. Juli 1703. [60.] ¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. 848 Bl. 5. 1 Bl. auf 8o beschnitten. 2 S. Mit Korrekturen. Eigh. Anschrift. Randanstreichung im Bereich von S. 79 Z. 6.

Zu N. 51: K antwortet auf N. 44. Eine Antwort d¨ urfte in dem nicht gefundenen Leibnizbrief erfolgt sein, den N. 292 erw¨ ahnt; er d¨ urfte Eckhart erst nach seinem erneuten Dienstantritt bei Leibniz in Hannover im letzten Julidrittel erreicht haben. 5 literas: N. 44 mit Leibniz’ Angebot, Eckhart bis zum Antritt einer versprochenen Professur in Sachsen wieder in seinen Dienst zu nehmen. 6 Comite: J. H. von Flemming. 7 Wagneri: R. Chr. Wagner. onnte, Zu N. 52: Die nicht gefundene Abfertigung, die auch in Herrenhausen verfasst worden sein k¨ folgt auf Sch¨ utz’ Brief an Leibniz vom 30. Juni/11. Juli 1702 (I, 21) und wird beantwortet durch N. 60. Beilage war das S. 78 Z. 14 angesprochene memoire‘‘. ”

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N. 52

A Mons. le Baron de Schuz Monsieur

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26 Juillet 1703

J’ay eu le malheur de ne point pouvoir faire mon devoir aupres de V. E. lors que vous esti´es dans ce pays cy, parceque je me trouvois `a Berlin, empech´e par une indisposition. Je suis cependant ravi d’apprendre, que vous av´es Monsieur fait heureusement un trajet dangereux. Il y a lieu d’esperer que le Trait´e avec Portugal et le passage de l’Archiduc aura des grandes suites, surtout si le Duc de Savoye et meme la republique de Venise, comme on s’en flatte, vouloient prendre la part, que demande leur conservation. On est fort attentif maintenant au parlement d’Ecosse et il faut croire que la Cour aura soin des vrais interests de la nation, qui demandent l’etablissement de la succession protestante, et des bonnes mesures contre ce pretendu Prince de Galles. Au reste serois[-]je supplier V. E. de faire acheter pour moy les philosophical-Transactions qui me manquent, suivant le memoire cy joint.

14–79,1 cy joint (1 ) Monsieur Cruse s’en estoit charg´ e, mais il est revenu sans (2 ) Mons. Sloane secretaire de la Societ´ e Royale, (3 ) Si V. E. (4 ) Si vous L

4 esti´ es: im Fr¨ uhjahr 1703; vgl. N. 26 u. N. 30. 4 ` a Berlin: von Mitte Juni 1702 bis Ende Mai 1703. 4 indisposition: zu Leibniz’ bereits im Vorjahr einsetzenden Beinbeschwerden vgl. seinen Brief an K¨ onigin Sophie Charlotte vom 30. Dezember 1702 (I, 21) sowie z. B. N. 200 in unserem Band. 7 Trait´ e: das im Mai 1703 geschlossene B¨ undnis Portugals mit der Großen Allianz; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Juni 1703, S. 59–62. 7 passage: Auf die erwartete Proklamierung Erzherzog Karls in Wien zum spanischen K¨ onig sollte dessen Zug in Richtung iberische Halbinsel folgen; dazu kam es im Herbst 1703. 8 grandes suites: im Spanischen Erbfolgekrieg. 8 Duc de Savoye: Der B¨ undniswechsel Herzogs Viktor Amadeus II. von Savoyen auf die kaiserliche Seite fand im Herbst 1703 statt. 8 republique de Venise: zu Spekulationen u ¨ber die Haltung der bislang neutralen Republik vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Juni 1703, S. 76 f. 10 parlement: Anspielung auf die Versuche des schottischen Parlaments, f¨ ur die Zukunft eine englisch-schottische Personalunion auszuschließen und damit auch die hannoversche Sukzession zu verhindern (Act of Security). 10 Cour: der englische K¨ onigshof. 12 Prince: der englische Kronpr¨ atendent Jakob Eduard Stuart. 14 memoire: nicht gefunden; zu Leibniz’ Bem¨ uhungen, die fehlenden B¨ ande zu erhalten, vgl. die Korrespondenz mit Chr. B. Crusen in I, 20 u. I, 21. Dieser hatte sich schließlich aus Kostengr¨ unden nicht in der Lage gesehen, Leibniz’ Auftrag zu erf¨ ullen (vgl. N. 291).

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N. 53

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Si vous av´es la bont´e, Monsieur d’envoyer quelcun de vos gens `a Monsieur Hans Sloane secretaire de la societ´e royale il aura la bont´e de me procurer ces livres, et je me flatte que V. E. aura celle d’en payer le prix que je feray rendre icy aussi tost qu’Elle me le fera savoir ` a qui je dois le payer. Pour ce qui est de m’envoyer ces Transactions, il n’y a point de presse, et j’aime mieux attendre pour les recevoir plus seurement. V. E. sait assez que le trait´e d’Execution a est´e enfin conclu `a Bourgdorf avec Mgr le Duc Rudolphe, et que Mgr le Duc Antoine s’est excus´e d’y consentir, `a cause du Trait´e qu’il a avec le roy de Prusse. Je suis etc.

¨ 53. LEIBNIZ AN KURFURST GEORG LUDWIG Hannover, 4. August 1703.

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¨ Uberlieferung: L1 Konzept: LBr. F 11 Bl. 13–14. 1 Bog. 4o. 1 S. auf Bl. 13 ro. Mit zahlreichen Korrekturen und Erg¨ anzungen. — Auf Bl. 14 K von N. 303. L2 Abfertigung: Ebd. Bl. 11–12. 1 Bog. 4o. 2 S. auf Bl. 11 ro u. Bl. 12 ro. Mit zahlreichen, vor ¨ allem stilistischen Abweichungen gegen¨ uber L1. Uber der Anrede Datierungsvermerk von fremder Hand (Eingangsvermerk?). Bibl.verm. (Unsere Druckvorlage.)

2 procurer: vgl. Leibniz’ Brief an H. Sloane vom 17. April 1703 (gedr.: E. J. Aiton, An unpublished letter of Leibniz to Sloane, in: Annals of Science, 38, 1981, S. 103–107, hier S. 104 f.; Druck in Reihe III). 3 payer: Dies hatte Sch¨ utz bereits zugesagt; vgl. den Brief Chr. B. Crusens an Leibniz von Anfang April 1702 (I, 21). 6 trait´ e d’Execution: der Burgdorfer Exekutionsrezess vom 20. Juli 1703, der den Ausgleich zwischen den Welfenh¨ ofen vertraglich regeln sollte; vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 389. 7 Trait´ e: der Vertrag vom 19. April 1703 mit der Zusage Herzog Anton Ulrichs, ohne Brandenburg-Preußen keine Abkommen mit Hannover und Celle zu treffen; vgl. Schnath, a. a. O., S. 385. Zu N. 53: L2 stellt den Abschluss von Leibniz’ Versuchen dar, die kurf¨ urstliche Erlaubnis zu einer erneuten Berlinreise im Gefolge Kurf¨ urstin Sophies zu erhalten; zu den Vorstufen vgl. N. 303. Seiner Bitte wurde nicht stattgegeben; vgl. N. 308. — Der n¨ achste Brief der Korrespondenz (Leibniz an Kurf¨ urst Georg Ludwig) datiert vom 16. September 1704 (Druck in I, 23).

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N. 54

Monseigneur

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Ayant sˆ u que Madame l’Electrice m’avoit fait la grace de penser il n’y a que trois jours, qu’Elle pourroit faire plaisir ` a la Reine, en m’y amenant contre son attente, quoyque pour quelques jours seulement, car en effect je n’y saurois gueres demeurer au del`a de quinze; j’en ay est´e embarass´e, et en remerciant S. A. E. de sa bont´e, j’ay t´emoign´e, que je ne pourrois me resoudre, sans un ordre de V. A. E. Et ayant appris depuis que V. A. E. m’avoit fait la grace de dire, qu’Elle vouloit que je luy fisse la cour de temps en temps `a Herrenhausen; je suis all´e d’abord le dire a` Mad. l’Electrice, mais Elle m’a repondu que V. A. E. partiroit aussi bien tost. Ne sachant donc pas bien vos intentions, Monseigneur, je souhaite de les apprendre avant que de retourner `a Madame l’Electrice. Et si V. A. E. le trouve bon ainsi; j’aime mieux de rester icy, jusqu’`a ce que V. A. E. quitte Elle mˆeme; Estant avec devotion Monseigneur

de V. A. E.

le tres sousmis et tres fidele serviteur

Hanover ce 4 d’aoust 1703. 15

Leibniz.

54. JOBST CHRISTOPH REICHE AN LEIBNIZ [Hannover, 7. August 1703]. [55.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 762 Bl. 10. 4o. 1/4 S. Ohne Anrede und Schlusskuria¨ lien. Uber dem Text von Leibniz’ Hand 7. Aug. 1703‘‘. — Auf Bl. 10 ro, untere H¨ alfte, L2 ” von N. 55.

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Die Hh. GRathe laßen ersuchen umb beliebige er¨ofnung, was auf den anschluß des H. von Oberg geantwortet werden k¨ onen.

2 f. il . . . jours erg. L1 3 contre son attente erg. L1 aucune demarche pour cela sans un ordre L1

6 je ne (1 ) ferois (2 ) pourrois faire

3 m’y amenant: Kurf¨ urstin Sophie reiste Anfang August nach Berlin bzw. Lietzenburg. 7 f. ` a Herrenhausen: vgl. z. B. N. 294 sowie N. 375. Zu N. 54: K folgt auf Reiches Brief an Leibniz von Mitte April 1702 (I, 21) und wird beantwortet durch N. 55. 21 von Oberg: Gemeint ist B. von Oberg, braunschweig-l¨ uneburgischer Gesandter in Wien. Zum Anliegen Obergs vgl. Leibniz’ Antwort. 21 geantwortet: Gemeint ist das Schreiben der Geheimen R¨ ate vom 12. August 1703 mit einem Nachtrag vom 13. August 1703 (Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Cal. Br. 24 Nr. 4305) als Antwort auf einen Brief Obergs vom 28. Juli 1703 (ebd. Cal. Br. 24 Nr. 4888, Bl. 331).

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N. 55

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55. LEIBNIZ AN JOBST CHRISTOPH REICHE Hannover, 10. August 1703. [54. 56.] ¨ Uberlieferung: L1 Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Y 35 e Bl. 1. 4o. 1/2 S. Kriegsverlust. Als Druckvorlage diente uns eine unvollst¨ andige (?), teilweise in Kurzschrift verfasste Transkription f¨ ur die Akademie-Ausgabe, welche auch den Bibl.verm. lag bei PS Obergs ” aus Wien 1703 Juli 28‘‘ wiedergibt. L2 Aufzeichnung: LBr. 762 Bl. 10 ro. 4o. 1/2 S. (Unsere Druckvorlage.) — Auf Bl. 10, obere H¨ alfte, K von N. 54.

hL1i

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Hann. 10. Aug. 1703 Man kan versicheren daß in Churf¨ urstl. Durchl. Bibliothec sich nicht das geringste von solchen B¨ uchern findet, wie Sie von des H. Cardinals von Collonitsch Eminenz beschrieben. Man hat auch nicht geh¨ ort, daß dergl. B¨ ucher zu hditoi gewesen, so in manuscriptis[,] die ungarischen Sachen betreffen, bestehen, hundi mit K¨ onig Matthiae Corvini Bildnis oder Wappen, oder etwas von solcher Art bezeichnet sein sollten.

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hL2i Der H. von Oberg schreibet, es habe ihm der Cardinal von Collonitsch bedeutet, nachricht zu haben, das etwa 10 oder 12 Tomi Manuscriptorum circa res Hungaricas in roth Samt gebunden, mit K¨ onig Matthiae Corvini bildniß gezieret durch privat Leute nach Hanover und von dannen in die Churfl. Bibliothec kommen. Ich habe aber geantwortet, daß dienstlich davon nichts vorhanden, und man auch in Hanover davon keine nachricht meines wißens habe.

Zu N. 55: L1 antwortet auf N. 54 und wird beantwortet durch N. 56. Bei der Wiedergabe der kurzschriftlichen Partien von L1, die wir in Kursive setzen, st¨ utzen wir uns auf eine von Herrn Dr. Reiner Kreßmann angefertigte Umschrift. 6 PS Obergs: B. von Obergs Brief an die Geheimen R¨ ate vom 28. Juli 1703 (Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Cal. Br. 24 Nr. 4888, Bl. 331). 13 B¨ uchern: 13 Collonitsch: L. K. von Kollonitsch. 21 f. geantwortet: die Abfertinicht ermittelt; vgl. N. 56. gung L1.

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N. 57

56. JOBST CHRISTOPH REICHE AN LEIBNIZ [Hannover, 11. oder 12. (?) August 1703]. [55. 57.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Y 35 e Bl. 2–3. 1 Bog. 4o. 3/4 S. Kriegsverlust. Eine Transkription f¨ ur die Akademieausgabe ist erhalten. (Unsere Druckvorlage.) — Auf dem unteren Teil L von N. 57.

Di[e] H. GR¨ athe laßen auch umb beliebige nachricht ersuchen ob in der Wolffenbuttelischen bibliothec nicht dergleichen b¨ ucher von Ungarischen sachen, wie der Cardinal Collonitsch gegen den H. von Oberg erwehnet, etwa vorhanden seyn m¨ogten.

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57. LEIBNIZ AN JOBST CHRISTOPH REICHE [Hannover, 12. oder 13. (?) August 1703]. [56. 81.]

¨ Uberlieferung: L Konzept: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Y 35 e Bl. 2–3. 1 Bog. 4o. 1/4 S. Kriegsverlust. Eine Transkription f¨ ur die Akademieausgabe ist erhalten. (Unsere Druckvorlage.) — Auf dem oberen Teil K von N. 56.

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Ich habe einsmahls die Manuscripta zu Wolfenbutel durchgangen, und erinnere mich nichts dergleichen de rebus Ungaricis darunter beobachtet zu haben.

Zu N. 56: K antwortet auf N. 55 und wird beantwortet durch N. 57. Unsere Datierung st¨ utzt sich auf das Schreiben der Geheimen R¨ ate an B. von Oberg (Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Cal. Br. 24 Nr. 4305) vom 12. August mit Nachtrag vom 13. August; vgl. N. 57. Wir datieren deshalb auf 11./12. August. 7 b¨ ucher . . . sachen: nicht ermittelt, vgl. N. 55. 8 Collonitsch: L. K. von Kollonitsch. 8 von Oberg: vermutlich in einem nicht gefundenen Teil des Briefes B. von Obergs vom 28. Juli 1703 (nur PS erhalten); vgl. N. 55. Zu N. 57: L antwortet auf N. 56. Unsere Datierung st¨ utzt sich auf das Schreiben der Geheimen R¨ ate an B. von Oberg (Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Cal. Br. 24 Nr. 4305), das im Nachtrag vom ¨ ttel 13. August den Inhalt unseres St¨ uckes wiedergibt. 15 Ungaricis: vgl. N. 55. Auch in Wolfenbu Herzog August Bibl. sind derartige Manuskripte nicht vorhanden.

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N. 59

58. LEIBNIZ AN JOHANN GEORG ECKHART Braunschweig, 15. August 1703. [51. 59.] ¨ Uberlieferung: L Abfertigung: LBr. 228 Bl. 278. 8o. 1 S. mit Erg¨ anzungen und Korrekturen.

Vir doctissime Oblitus sum petere, ut velis mihi mittere literas, quae pro me adveniant, ut cum iis Hamburgenses quoque Novellas, ubi si videbitur aperieris legerisque: de nostris laboribus Historicis non moneo, non dubitans alacritate spontanea acturum, quod suscepisti. Ego quo magis res procedat, Reditum accelerabo. Vale et me ama. Dabam Brunsvigae 15 Aug. 1703 deditissimus

G. G. Leibnitius

5

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P. S. Rogo addas quae forte intelliges sive in publica re sive in literaria.

59. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Hannover, 17. August 1703. [58. 62.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 279. 4o. 1 S.

Quae abiens in mandatis dedisti, quoad potui executus sum. Adii Judaeum, et quae volebas, remonstravi, sed ille dixit se nihil a Camera habere posse, unde se coactum retinere pecuniam Cellis tibi numeratam; suam si te intercedente ex aula recipiat, praesto se esse ad refundendam illam, quam jam retineat. Nequam genus est Judaicum, adeo

Zu N. 58: L nimmt Bezug auf m¨ undlich erteilte Auftr¨ age. 6 Novellas: Gemeint sein d¨ urften Faszikel des Jahrgangs 1703 der von P. A. Lehmann und G. Strasberg in Hamburg hrsg. N o v a literaria Germaniae; vgl. auch N. 185. 8 Reditum: Leibniz hielt sich in der zweiten Augusth¨ alfte (sp¨ atestens ab 14.) zur (am 12. August beginnenden) Laurentiusmesse in Braunschweig auf; seine R¨ uckkehr erfolgte nach dem 25. August; vgl. N. 66 u. N. 330 Erl. undlich erteilte Auftr¨ age. Beischluss waren die S. 84 Zu N. 59: K nimmt vermutlich Bezug auf m¨ Z. 7 genannten Schriftst¨ ucke. 15 Judaeum: vermutlich Lefman Berens. 17 pecuniam: Gemeint ist vielleicht die Leibniz von Celle seit 1691 zugestandene j¨ ahrliche Besoldung von 200 Talern.

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N. 60

nunquam me uti debuit, audire voluit. Quod Ludiam attinet, velim proxime in literis ad me dandis, scribas Germanice te nolle ut amplius cameram inhabitem nisi ipsa velit aliquid remittere ex triginta imperialibus. Videtur enim credere, ac si id quod urgeo non a Te, sed ex meo cerebro proveniat. Si vero tuas habuero, ipsi eas monstrabo. Venit huc Dn. Prof. Buddeus et voluit tecum loqui de Lexico universali Germanico, quod sumptus largiente Fritschio ad praelum parat. Voluit hinc Guelferbytum pergere, unde credo eum jam tecum locutum fuisse. Attulit fasciculum ab Hofmanno, cui additas literas inclusi. Novi de caetero nil scio, camera mea non egressus praeter quod hodie primum Ludovici Pii annum bono cum Deo absolverim. Vale vir summe h...i Hanoverae 1703. 17. Aug.

¨ 60. LUDWIG JUSTUS SINOLD GEN. VON SCHUTZ AN LEIBNIZ London, 6./17. August 1703. [52. 80.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 848 Bl. 3–4. 1 Bog. 4o. 2 S. Aufschrift von Schreiberhand. Siegel. Postverm. Bibl.verm.

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Monsieur J’ay receu la lettre du 26. Juillet que vous m’avez fait l’honneur de m’ecrire et vous suis tres oblig´e de votre souvenir. J’ay desja donn´e ordre qu’on cherche les livres que vous demandez et je vous les envoieray par la premiere occasion seure. Il y a peu de nouvelles ` a mander d’icy o` u tout est dans une grande tranquillit´e[.] on prepare toutes choses pour l’execution du traitt´e avec le Portugall et tout sera hpresti avant la fin de ce mois. hc’esti la grande affaire qui reglera toutes les autres, et on a raison icy ` a n’oublier rien pour la faire reussir. 1 Ludiam: Leibniz’ Hauswirtin D. E. von L¨ ude. 3 remittere: Bezug nicht ermittelt. 5 Lexico universali: J. F. Buddeus, Allgemeines Historisches Lexicon, Tl. 1–4, erschien erst 1709. 7 fasciculum: nicht identifiziert. 7 literas: F. Hoffmanns Brief vom 9. August 1703 (LBr. 413 Bl. 34–35; Druck in Reihe III). 8 f. primum . . . annum: das Jahr 814 f¨ ur Leibniz, Annales Imperii (Pertz, Werke, I, 1, 1843, S. 292–297). ande der Philosophical T r a n s Zu N. 60: K ist die Antwort auf N. 52. 17 livres: die erbetenen B¨ a c t i o n s. 20 traitt´ e: das Mitte Mai geschlossene B¨ undnis zwischen Portugal und der Großen Allianz, das u. a. die Entsendung von Truppen nach Portugal vorsah.

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Je vous offre mes services treshumbles en ce pays icy et vous prie d’etre persuad´e que je suis hpassionementi Monsieur

Votre tres humble et tresobeissant serviteur

Schutz.

Londres le 6/17 Auout 1703. A Monsieur Monsieur Leibnitz Conseiller d’Etat et de Legation de S. Alt. Elect. de Brounsvig ` a Hannover.

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61. ROLAND ENGELSKIRCHEN AN LEIBNIZ Lietzenburg, 18. August 1703. ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 243 Bl. 6–7. 1 Bog. 4o. Goldschnitt. 2 S. Eigh. Aufschrift. Schwarzes Siegel.

Monsieur

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L¨ utzeburg ce 18 Aoˆ ut 1703

j’ay rendue en main propre la lettre dont il vous a plˆ u me charger `a S. M. La Reine Si tost que j’ay est´e ariv´ee en ces lieu, et `a ce que je pˆ u voir, elle en estoit bien aise, j’ay parl´e ` a Monsieur Eversman touchant les lettres, dont vous m’avez parl´e, il m’a dit, que toutes celles qu’il avoit receu pour vous, il vous les avoit envoy´e dans le paquet de la Reine, il a crˆ u qu’ils seroient mieux adress´ees par cette voye que de les envoyer par la Poste, il dit qu’il n’en a receu que deux ou trois, et il espere que vous les aur´es receu. je me serois donn´e l’honneur de vous escrire plustost, mais la triste nouvelle de la mort du Sime Duc Christian a est´e cause que je n’y ay pas song´e, j’espere que vous me pardonner´es cette faute, cependant nous commen¸cons `a nous consoller un peu voyant que nˆ otre illustre Electrice fait tout ce qu’elle peut, pour n’y pas penser, et graces `a Dieu elle se porte fort bien, Dieu v[e]uille que cela continue, Mademoiselle Pelenitz avoit prepar´ee beaucoup de choses pour divertir S. A. E. qu’elle a tout quitt´e quand cette mechante

Zu N. 61: K bezieht sich auf Auftr¨ age, die Leibniz Engelskirchen Anfang August vor dessen Abreise ¨ nach Berlin im Hofstaat Kurf¨ urstin Sophies erteilt hatte, darunter die Ubergabe des Z. 12 genannten Briefes an K¨ onigin Sophie Charlotte sowie von N. 307. K ist das letzte u ¨berlieferte St¨ uck der Korrespondenz; vorausgegangen war Engelskirchens Brief an Leibniz vom 3. November 1702 (I, 21). 12 lettre: N. 308. 14 Eversman: J. Eversmann, Kammerdiener von K¨ onigin Sophie Charlotte. 14 lettres: Briefe, die nach Leibniz’ Abreise aus Berlin Ende Mai 1703 noch dorthin gesandt worden waren. 22 Mademoiselle Pelenitz: H. Ch. von P¨ ollnitz. 23 beaucoup . . . divertir: vgl. auch N. 329 und N. 352.

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nouvelle est venˆ ue, mais ` a present elle recommance `a les rechercher pour mettre tout en oeuvre, Madame la Princesse de Hohenzolern fait la mˆeme chose, et j’ay peur que cela causera de la jalousie entre ces deux personnes car chacune travaille de son cott´e, et c’est ` a qui fera mieux, s’il se passe icy quelque chose d’extraordinaire, je me donner´es l’honneur de vous l’escrire estant Monsieur

vostre tres humble et tres obeisant serviteur

Roland Engelskirchen.

A Monsieur Monsieur Leibnitz Conseiller priv´ee de S. A. E. Monseigneur l’Electeur de Bronsvic et Luneburg ` a Hannover

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62. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Hannover, 21. August 1703. [59. 64.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 280. 4o. 1 S.

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Ex quo nuper scripsi, nihil admodum notatu dignum hic actum est. Dn. Hodannus Concionem habuit die Sabbathi praeteriti et placuit in omnibus exceptis gestibus et voce Auditoribus suis, sed Dnus Abbas Luccae, agens non adfuit. Die Solis in Concione post meridiem habita Dn. M. Heinemannus meminit Tractatus, qui jam sub nomine W i n c k l e r i prodiit, et A r c a n u m r e g i u m audit, eumque acerbissime traduxit. Vanum autorem, pietistam et stolidum hominem appellans. Sereniss. Elector quotidie venationibus se exercet. Dn. de Bar ablegatus ab eo est ad adducendum funus defuncti Principis Christiani. Vale h...i Hanov. d. h21.i Aug. 1703.

2 Madame . . . Hohenzolern: F¨ urstin Luise von Hohenzollern-Hechingen. Zu N. 62: K wird beantwortet von oder kreuzt sich mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief, auf den N. 64 antwortet. Dass es sich beim Datum von K um den 21. und nicht den 29. August handelt (beide Lesungen w¨ aren m¨ oglich), ergibt sich aus N. 65. Danach fand die Z. 13 angesprochene Predigt J. F. Hodanns bereits vor dem 24. August statt. 12 scripsi: N. 59. 13 die Sabbathi: 18. August. 14 Dnus Abbas: G. W. Molanus. 14 Die Solis: 19. August. 15 Heinemannus: vermutlich C. Chr. Heinemann, Pastor an der Marktkirche zu Hannover. 15 Tractatus: vgl. Welmer (SV.) sowie z. B N. 294. 18 Bar: der hannoversche Kammerrat H. S. von Bar. 18 ablegatus: mit Weisung vom 14. August; vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 150. 18 funus: Herzog Christian von Braunschweig-L¨ uneburg war am 31. Juli 1703 im Gefecht von Munderkingen ums Leben gekommen.

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¨ 63. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE Braunschweig, 22. August 1703. [46. 67.]

¨ Uberlieferung: L Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 444–445. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen und Erg¨ anzungen. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 34–37.

Madame

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Bronsvic ce 22 d’Aoust 1703

Immediatement apres le depart de V. A. E. la chaleur de l’air a fait que j’ay est´e attaqu´e par une espece de fievre errante, qui ne gardoit point de periodes, mais elle s’est termin´ee en simple mal de teste, qui m’a quitt´e enfin graces `a dieu. Cependant ce mal m’a empech´e d’ecrire ` a Berlin, comme mon devoir le demandoit, mais il m’a fait faire un tour ` a Bronsvic, parce qu’aussi bien je n’estois pas en ´etat de travailler `a rien. J’ay port´e un compliment de la part de V. A. E. au duc Rudolphe Auguste qui en a est´e rejoui, et s’est plaint obligeamment que V. A. E. n’avoit point voulu passer par Bronsvic, et que l’Electeur et le duc de Zell ne viendroient point `a la foire. Le duc Antoine a est´e ravi d’apprendre la bonne sant´e de V. A. E. et auroit souhait´e de vous voir, Madame, partout o` u il auroit pˆ u. Il y a une petite difficult´e survenue ` a l’´egard de l’Execution du trait´e de Bourgdorf. Veritablement l’´echange de la portion de Saxe-Lauenbourg contre le baillage de Campen a est´e fait: mais on pretend qu’il a est´e regl´e encor avec le duc Rudolphe que doresnavant les officiers d’Hanover precederont ceux de Wolfenbutel dans les assembl´ees qui regarderont cette partie du Harz qui est commune aux deux cours. Maintenant que cela doit estre execut´e, et que mˆeme le duc Rudolphe s’estoit charg´e `a Bourgdorf d’une ordonnance dress´ee par nos gens, qu’il avoit promis de signer et d’envoyer au Harz, le duc Antoine en a eu le vent, et s’y est oppos´e de toutes ses forces, a donn´e des contreordres, et mˆeme a

Zu N. 63: L wird beantwortet durch N. 68. 7 depart: Die Kurf¨ urstin war am 6. August zum Aufenthalt bei ihrer Tochter in Lietzenburg abgereist, vgl. N. 304. 13 n’avoit . . . Bronsvic: vgl. N. 304. 14 foire: die am 12. August beginnende Laurentiusmesse. 17 difficult´ e . . . trait´ e: zum Burgdorfer Exekutionsrezess vom 20. Juli 1703 zur Beilegung der Differenzen zwischen Wolfenb¨ uttel sowie Celle und Hannover und den Widerst¨ anden gegen seine Durchf¨ uhrung vgl. Schnath, Geschichte, 3, S. 388–392.

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tant fait aupres de son frere, que celuyci a donn´e une reponse par ´ecrit `a M. Busch venu icy pour soliciter l’execution de ce qui avoit est´e regl´e, la quelle porte qu’il ne pouvoit point faire ce prejudice ` a ses successeurs. M. Busch a envoy´e cette r´eponse par un expres a Engesen o` ` u nos Ministres estoient assembl´es, et attend les ordres de nos deux cours l`a dessus. Cependant M. Danquelman de Hall, est venu icy `a nouveaux frais pour continuer a entretenir le duc Antoine dans un eloignement entier de tout accommodement, qui ` n’agr´ee point au Roy de Prusse, Et je trouve que S. A. en est assez eloign´ee d’elle mˆeme, et fait sonner bien haut ce point de la preseance au Harz. M. du Cros est bien fach´e de n’estre point venu `a Hanover pendant que V. A. E. y estoit encor. Il pretend pourtant d’y aller un de ces jours. Il tient que Mad. la princesse d’Anhalt pourroit contribuer beaucoup ` a reconcilier le Roy de Prusse avec la maison de Bronsvic: mais je ne say si cette princesse s’en mˆeleroit volontiers d’autant que la maison d’Anhalt n’est pas trop dans nos interests `a cause de l’affaire de Lauenbourg, et un Ministre d’Anhalt, nomm´e M. Raumer est aussi revenu icy dont je ne crois pas que les negotiations nous soyent trop favorables[,] outre que je m’imagine que si le Roy de Prusse pouvoit estre regagn´e si tost V. A. E. le feroit aussi bien que personne. Cependant M. du Cros seroit d’avis que V. A. E. faisant un tour `a Oranienboom, M. le duc Antoine s’y rendit aussi. On soub¸conne aussi chez nous que la Suede pourroit avoir fait un trait´e avec le Roy de Prusse, mais je ne voy pas qu’on en sache assez le contenu. Je me souviens que la Cour de Berlin nous prioit instamment autres fois d’employer nos bons offices aupr´es de la Suede pour faire reconnoistre la nouvelle Royaut´e, et je voudrois que nous l’eussions pˆ u faire avec effect, et que nous eussions est´e les entremetteurs de cet accommodement, car par ce moyen on nous en auroit l’obligation `a Berlin et rien ne se seroit pass´e l`a dedans qui nous auroit pˆ u donner ombrage, cependant on dit que la cour de Dannemarc est assez jalouse de ce trait´e, et plus encor celle de Pologne. L’Empereur mˆeme l’est[,]

1 Busch: Berghauptmann H. A. von dem Bussche. 5 Danquelman: D. L. von Danckelmann. 9 du Cros: Leibniz bezieht sich vermutlich auf ein kurz zuvor in Braunschweig oder Wolfenb¨ uttel gef¨ uhrtes Gespr¨ ach; vgl. auch N. 300. 10 princesse: wohl F¨ urstin Henriette Katharine von Anhalt-Dessau, vgl. N. 300. 13 n’est . . . interests: wegen der weiterhin erhobenen Anspr¨ uche des Hauses Anhalt auf Lauenburg. 17 Oranienboom: Schlossanlage der F¨ urstin Henriette Katharine. 19 trait´ e: zum schwedisch-preußischen Vertragsentwurf vom 29. Juli vgl. N. 330 Erl. 21 prioit: nicht ermittelt; zu Leibniz’ Vorschl¨ agen betr. ein Eintreten Hannovers f¨ ur die Anerkennung der preußischen K¨ onigsw¨ urde vgl. I, 20 N. 69, N. 71 u. N. 73.

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dit-on[,] car l’on craint que la France n’y entre indirectement. Car Monsieur Piper est tousjours soub¸conn´e un peu. Je parts demain pour retourner ` a Hanover et si Mgr l’Electeur s’eloigne de Herrnhausen je me propose de faire un petit tour `a Berlin, esperant que la Reine me fera la grace d’envoyer par provision un Fuhrzeddel `a l’ordinaire pour me rendre `a Luzenbourg aussi tost que je pourray. Il semble que les affaires ne vont pas encor trop bien dans le parlement d’Ecosse, et je ne voy pas que les ordres qu’on dit que la Reine a donn´es au duc de Queensbury ayent grand effect. On craint aussi que le duc de Vendˆ ome ne perce enfin dans le Tirol, et la nouvelle de la prise de Bersello, o` u la garnison a est´e faite prisonniere de guerre, est assez mauvaise. Je ne voy que le passage de l’Archiduc en Espagne, qui puisse changer considerablement les affaires. J’ay vˆ u dans une gazette, que M. Burnet seroit relach´e, et qu’il doit sortir incessament du Royaume de France, ` a quoy il n’aura point de repugnance. V. A. E. apprendra de Madame ce qui en est. Je suis avec devotion Madame de V. A. E.

le tres soumis et tres obeissant serviteur

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Leibniz.

Je suis ravi que le duc de Zell a charg´e V. A. E. d’un compliment pour le Roy de Prusse, V. A. E. me fera une grace singuliere, si Elle fait connoistre au Roy de Prusse dans l’occasion, qu’il a en moy un serviteur bien intentionn´e, et qui le t´emoigne assez de temps en temps ` a Hanover et ailleurs.

1 Piper: Minister und Ratgeber Karls XII. 3 retourner: Leibniz’ R¨ uckkehr verz¨ ogerte sich, vgl. etwa N. 66. 5 Fuhrzeddel: vgl. N. 336 u. Erl; jedoch trat Leibniz die Reise nicht an. 7 affaires . . . Ecosse: vermutlich Anspielung auf die Verweigerung der k¨ oniglichen Zustimmung durch den k¨ oniglichen Kommissar f¨ ur Schottland J. Douglas duke of Queensbury, zur Bill of Security‘‘ des schottischen Parla” ments, mit der die Nachfolge nach K¨ onigin Anna geregelt und die Unabh¨ angigkeit Schottlands gesichert werden sollte, aber auch die hannoversche Sukzession in Frage gestellt wurde. 10 Vendˆ ome: Oberbefehlshaber der franz¨ osischen Truppen in Italien. 11 Bersello: Brescello ergab sich am 22. Juli der franz¨ osischen Belagerung. 12 l’Archiduc: Erzherzog Karl sollte den habsburgischen Erbanspruch auf das spanische Reich durchsetzen. 14 gazette: nicht ermittelt. 14 Burnet: Th. Burnett of Kemney, seit Fr¨ uhjahr 1702 in Haft in der Bastille. 16 Madame: Elisabeth Charlotte von Orl´ eans.

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64. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Hannover, 24. August 1703. [62. 66.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 282–283. 1 Bog. 4o. 3 S. mit Korrekturen.

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Quas nuper dederas literas includendas Dn. Biberus curavit, nec tamen adhuc responsum accepit, quod si accipiet Dno Hortensio faciet extradi. Scribit mihi de statu Polonico sequentia: Aus Pohlen haben wir daß der K¨ onig bey Prage eine br¨ ucke u ¨ber die Weichsel habe bauen und seine arm´ee, bestehende aus Sachsen, Pohlen und Lithauern dar¨ uber passiren laßen, welche gegen den feind marchiren sollen. Ich bekam neulich ein Schreiben aus Pohlen von einer gewißen Palatine, woselbst ich vor diesen gewesen [est filia defuncti Generalis Magnae Poloniae Lesczincki] worinnen sie mich berichtete, daß der GroßPolnische Adel eine confoederation gemacht, welche gantz nicht wieder den K¨ onig, sondern gegen diejenigen w¨ are, so ravage in ihrer Provintz thun w¨ urden: Aber nichts desto weniger horet man doch, daß der General Reinschild daselbst itzo hin und wieder contributiones eintreibet. bey Dantzig ist der angekommene Schwedische Transport bey weiten nicht so groß als man vorgiebet, maßen derselben nicht u ¨ber 800. Man seyn soll. Unser H. General ist noch nicht zur¨ uk kommen, es scheinet, ob sey er von Schlawentitz nach dem K¨ onige gegangen, welches ich aber doch nur muthmaße, weil ich bey zwey Postagen nichts von ihm erhalten. Ego, quod me attinet jam totam Eginhardi et Monachi Sangallensis confusissimam historiam Caroli M. de verbo ad verbum multis narratio-

Zu N. 64: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief, dem die Z. 4 angesprochenen Briefe beigeschlossen waren. Beischluss zu unserem St¨ uck war vielleicht N. 65. 4 dederas: darunter vermutlich N. 319. 5 Dno Hortensio: B. O. Mauro. 5 Scribit: Brief nicht ermittelt. 6 bey Prage: Praga, Vorort (heute Stadtteil) von Warschau. 6 br¨ ucke: vgl. Historische R e l a t i o n , Continuatio 14. Ostern bis Michaelsmesse 1703, S. 70. 8 feind: Schweden. 9 f. filia . . . Lesczincki: Gemeint sein d¨ urfte die Schwiegertochter R. Leszcy´ nskis, Katharina Opali´ nska, die Ehefrau des sp¨ ateren K¨ onigs Stanislaus I. 11 confoederation: Gemeint ist vielleicht die pro-schwedische Konf¨ oderation von Schroda vom 9. Juli 1703, deren Anf¨ uhrer Stanislaus Leszczynski war. 13 Reinschild: C. Rehnski¨ old. 14 Transport: im Rahmen der Belagerung Danzigs durch schwedische Truppen im Sommer 1703. 16 General: J. H. von Flemming. 16 Schlawentitz: Slawentzitz. 17 K¨ onige: August II. von Polen. 18 f. Eginhardi . . . Sangallensis: Eckhart bezieht sich hier wahrscheinlich auf die Sammelhandschrift Hannover Leibniz-Bibl. Ms XIII 858 zur Geschichte Karls des Großen mit Einhard (Eginhardus), Vita Karoli magni, den A n n a l e s Regni Francorum (beide in dieser Zusammenstellung als ein Werk mit Namen A n n a l e s Einhardi geltend) und Notker Balbulus, Gesta Karoli.

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nibus omissis historiae inserui, quod antea non potui perficere et inveni etiam locum illum, quem Crusius de graeca legatione retulit in Sangallensi. Jam historiam Ludovici Pii decurro. Et vellem Adonem et aliquem scriptorem Italum, de Principibus Longobardis et de aliis Italiae rebus solide scribentem afferre mihi posses; in iis rebus enim nunquam non mihi aqua haeret. Si Praetorii Antiquitates Prussiae et scriptor unus aut alter rerum Polonicarum rarus et alias non obvius Guelferbyti esset, vellem eum in meos usus expetere, quandoquidem una atque altera vice cogitationes meas de Poloniae historia, ut ne memoria excidant, confusaneo ordine in chartam conjicere soleo. Jam pro me literae intimatoriae Dresdae brevi expedientur, uti amicus Dresdensis retulit. De caetero monstratur hic Caballus, qui varias artes callet, et omnia quae Magister aut etiam alius cum illo loquitur, sed suo more intel[lig]it. Ludit chartis, movit monetae varias sortes etc. Vale h...i

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Hanoverae d. 24 Aug. 1703.

65. JOHANN FRIEDRICH HODANN AN LEIBNIZ Hannover, 24. August 1703. ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 441 Bl. 9. 8o. 2 S. Am Rande von Bl. 9 ro geringf¨ ugiger Textverlust. Auf Bl. 9 ro (S. 92 Z. 6–9 und S. 92 Z. 13 f.) am Rande doppelte Anstreichung mit Bleistift.

1 historiae inserui: vgl. z. B. Leibniz, Annales Imperii, ad. a. 813, cap. 2 (Pertz, Werke, I, 1, ¨ 1843, S. 288). 1 f. locum illum: Uber die Gesandtschaften zwischen dem byzantinischen Kaiserhof und dem Hof Karls des Großen in Aachen 811/812 berichtet Notker Balbulus in den Gesta Karoli, II, 6–7. Vgl. Leibniz, Annales Imperii, ad. a. 812, cap. 3–4 (Pertz, Werke, I, 1, 1843, S. 284 f.). 2 Crusius: M. Crusius, Annales Suevici, 2, 1595, c. 6 (S. 9 f.), dessen Darstellung der Irref¨ uhrung der byzantinischen Gesandten am Aachener Hof Notkers Erz¨ ahlung in II, 6 entspricht. 2 historiam 3 Adonem: Ado archiepiscopus Viennensis, Chronicon de sex aetatibus mundi. Ludovici: vgl. N. 59. ¨ ttel Herzog August Bibl. vorhandenen Ausgaben kommen vorrangig die von Unter den in Wolfenbu 1522 (A: 275.3 Hist. 2o) bzw. 1568 (A: 404.4 Hist.) in Frage (vgl. SV.). 5 aqua haeret: vgl. z. B. Cicero, De officiis, 3, 33. 5 Antiquitates Prussiae: Gemeint sein k¨ onnte M. Praetorius, Deliciae Prussiae [Ms]. 7 cogitationes: nicht ermittelt. 8 literae: Archivalischer Niederschlag zu Eckharts Expektanz auf eine Professur ist im Hauptstaatsarchiv Dresden nicht erhalten; vgl. auch N. 39 Erl. 9 amicus: vielleicht J. K. Weck; vgl. N. 39. 10 Caballus: nicht ermittelt. Zu N. 65: K folgt auf Leibniz’ Brief vom 12. Dezember 1702 (I, 21) und wurde vielleicht als Beischluss zu N. 64 versandt. Der n¨ achste Brief der Korrespondenz (Hodann an Leibniz) datiert vom 1. Januar 1704 (Druck in I, 23).

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Vir Illustris atque Excellentissime, Patrone aetatem omni observantia colende.

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Diligentiae, quantum potueram, in elaboranda atque recitanda nuper concione adhibebam: Dominus Abbas autem tum ad coenobium Loccumense profectus ei non interfuit, nec spes est, quemadmodum a domesticis ejus audivi, eum aliquot hebdomadum spatio in urbem rediturum. Fortasse tamen post ejus reditum fiet, ut me e sacra cathedra dicentem audiat. Impedivit me concio illa aliquantum in definitionibus parandis occupatu[m] at vero, postquam eam nunc absolvi, ad operas consuetas redeo, et quotidie, quantum licet, conficio. Labor is, prout re ipsa experior, ita comparatus est, ut, si quis sine intermissione ei incumbat, nihil agat: sin quandoque ab eo remissionem sibi indulgeat, multo sit aptior ad explendum munus demandatum. Misceo igitur huic studio interdum alia, quae fundamentum sint rerum deinceps a me, si Deus voluerit, elaborandarum. Hoc enim in statu quicquam componere, quod coram Virorum Doctorum oculis, ut compareat, dignum aestimem, multa me impediunt: praesertim cum labores mihi ab Excellentia Tua impositi praecipuam curam ad se trahant, et simul ea, quae jam olim pene a me perfecta sunt, luci publicae sistere non audeam. Nuper enim, cum coram Domino Abbate mentionem injicerem tractatus mei de imagine Dei, Peccato et Regeneratione, ejusque contenta aliqua recenserem: is dicebat, editionem libelli apud alios invidiam mihi creaturam; servarem mihi meditationes meas, hoc institutum nihil mihi profuturum ad gratiam apud ipsum acquirendam. Cogitationes igitur hasce paulisper seposui, et opus demandatum, quantum vires animi et corporis, oculique imbecilliores concesserint, strenue urgebo. Interim firmiter mihi promitto, beneficia Excellentiae Tuae, quibus per tempus frui mihi licuit, imposterum mihi fore stabilia, donec Excellentiae Tuae commendante fixum aliquem locum accipiam. Deum precor, ut Te in itineribus Tuis boni publici causa susceptis, quocunque ieris, custodiat, animoque ac corpore sospitem atque incolumem ducat atque

2 concione: am Samstag, dem 18. August, vgl. N. 62. 3 Dominus Abbas: G. W. Molanus. 6 definitionibus parandis: vermutlich Definitionen f¨ ur die Scientia generalis. Im Leibniz-Nachlass liegen hierzu mehrere Listen von Hodanns Hand vor, vgl. Couturat, Opuscules, 1903, S. 437–510. In Frage kommen v. a. Nr. 2 u. Nr. 5 (LH IV 7 D 2, 2 Bl. 1–52 bzw. LH IV 7 D 2, 5 Bl. 1–90; letztere mit Hodanns Abschlussvermerk vom 28. Mai 1704). 10 alia: nicht nachgewiesen. 16 tractatus: nicht nachgewiesen; im Brief vom 28. Oktober 1702 (I, 21) erw¨ ahnt Hodann diese 1701 fertiggestellte Schrift, f¨ ur deren Drucklegung ihm die finanziellen Mittel fehlten. 22 f. fixum . . . locum: Erst 1714 erhielt Hodann die Position des Rektors in Winsen a. d. Luhe. 23 itineribus: Leibniz hielt sich in Braunschweig zur Laurentiusmesse auf; vgl. N. 58.

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reducat, brevique tempore de omnibus feliciter confectis laetantem nobis restituat. Hujus benignitati commendo Excellentiam Tuam qui sum Excellentiae Tuae obstrictissimus cliens

J. F. Hodann.

Hanoverae Anno 1703 d. 24. Augusti.

66. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Hannover, 25. August 1703. [64. 74.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 281. 8o. 2 S.

Literas cum Novellis mitto et quoniam, quod tibi nuntiem, novi nihil habeo, me tuo favori commendo. Incidit magna illa differentia inter editiones Legis Salicae Lindenbrogianam et Heroldinam; quod si haberi posset optimus ille Codex Guelferbytanus, forte uni atque alteri loco in ambabus editionibus medela fieri posset, atque hoc labore unius alteriusque horulae. Vale, vir summe, et fave h...i Hanoverae d. 25. Aug. 1703.

Zu N. 66: K hatte als Beilage die Z. 8 angesprochenen Briefe und Novellae‘‘. 8 Literas: nicht ” identifiziert; vermutlich befand sich auch N. 65 darunter. 8 Novellis: vgl. N. 58. 9 editiones: Zu den Editionen von F. Lindenbrog u. F. Pithou (von 1602) und von J. B. Herold (von 1557) vgl. L e g e s ¨ ttel Herzog August Bibl. 97 Ms. Weiß. 4o. (SV.). 10 Codex Guelferbytanus: vermutlich Wolfenbu Diese Handschrift wurde von Leibniz am 15. Februar 1704 entliehen; vgl. Raabe, Leser und Lekt¨ ure, Teil A Bd 1, 1998, S. 185. Zu Eckharts sp¨ aterer Edition (von 1720) vgl. L e g e s (SV.).

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¨ 67. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE Hannover, [1.(?) September] 1703. [63. 68.] ¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. F 16 Bl. 43. 4o. 2 S. Mit zahlreichen Korrekturen und einigen Erg¨ anzungen. Bibl.verm.

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Madame

Hanover 24 Aug. 1703

Depuis le depart de V. A. E. je n’ay pas est´e deux semaines sans quelque indisposition. Les chaleurs m’ayant excit´e un mal de teste, j’allay `a la foire de Bronsvic parce qu’aussi bien je ne pouvais pas travailler et ce mal de teste le dissipa en effect: j’espere que ma lettre de Bronsvic aura est´e rendue `a V. A. E. En estant de retour il y a 8 jours j’ay trouv´e que la nature m’a tenu encor lieu de remede, et m’a fait l’effect d’un emetique, mais un peu violent, qui a est´e suivi d’une prostration d’appetit; dont je commence a me remettre et ` ` a manger peu ` a peu des choses solides. Cet Estat et plus encor l’admirable force d’esprit de V. A. E. me servira d’excuse et de raison de ce que je ne je vous ay point ´ecrit, Madame, des choses que V. A. E. mˆeme pouv´es mieux penser et dire que le meilleur ´ecrivain du monde, mais dont vostre grande ame n’a point besoin, et qui ne suffiroient point pour resister `a l’emotion du coeur independante de la raison, si vostre haute prudence et les tendres soins de la Reine ne donnoient le change ` a vostre sensibilit´e. Le voyage de V. A. E. est venu `a point nomm´e.

5 Hanover (1 ) Septemb. 1703 (2 ) 24 Aug. 1703 L

Zu N. 67: Leibniz’ Korrektur seiner nachtr¨ aglichen Datierung kollidiert mit Angaben aus dem Brief sowie aus der weiteren Korrespondenz. Am 24. August war er nicht in Hannover, von wo J. G. Eckhart ihm noch am 24. und 25. August schrieb. Bei Abfassung von L lag seine R¨ uckkehr eine Woche zur¨ uck (Z. 9); in dieser Zeit erlitt er die Z. 10–12 angedeuteten und im gleichzeitigen Brief N. 330 S. 564 Z. 1 bis 4 in ihrem mindestens etwa f¨ unft¨ agigen Verlauf er¨ orterten Krankheitserscheinungen. L kann also nicht vor dem 1. September konzipiert worden sein; terminus ante quem ist die Vorlaufzeit f¨ ur das am 6. September geschriebene Billet N. 336 als Antwort auf den mit unserem St¨ uck gleichzeitigen Brief N. 330. Eine Abfertigung ist nicht gefunden; sofern sie erfolgte, kreuzte sie sich mit N. 68. 6 depart: am 6. August zum Aufenthalt in Lietzenburg. 6 f. indisposition: vgl. N. 319 und N. 63. 7 foire: 14 point ´ ecrit: zum Tode des die am 12. August beginnende Laurentiusmesse. 9 lettre: N. 63. Prinzen Christian am 31. Juli im Gefecht von Munderkingen; davon wusste Leibniz jedenfalls am 12. August, vgl. N. 319.

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Je ne doute point que le Roy et tout Berlin ne se fasse une affaire des plus serieuses de divertir l’esprit de V. A. E. et on m’asseure que tout le monde admire cette fermet´e d’ame que la providence paroist avoir reserv´ee ` a quelque chose de grand encor. Je ne diray rien des expressions des ducs R. A. et A. U. quoyqu’elles marquent fort leur attachement `a V. A. E. J’espere que les lettres de Madame a` V. A. E., ou de M. de Meiercron `a Monsieur d’Alefeld auront confirm´e les nouvelles de la delivrance de nostre pauvre M. Burnet qui se devoit faire suivant ce que j’ay lˆ u il y a quelques semaines dans une gazette imprim´ee. Je ne comprends rien encor aux affaires du parlement d’Ecosse, o` u il y a des esprits remuans et qui causeroient du desordre, si on leur lachoit tant soit peu la bride. La facilit´e avec la quelle les Anglois ont tant obten[u] du feu Roy, les anime, mais ils ne considerent point que les Anglois avoient bien de l’argent `a donner. Si le Prince George se hremeti de la charge de Haut Amiral, qui a tant d’avantages attach´es, c’est une marque que ce prince se trouve fatigu´e de cet employ et qu’ainsi, que sa sant´e doit decliner extremement. On dira peutestre qu’il prefere l’aise et repos `a tout autre avantage, ce qui ne seroit pas fort extraordinaire. Mais comme il n’a eu ce grand poste que l’ann´ee pass´ee, il semble que sans le besoin de sa sant´e une si subite demission ne seroit pas fort honnorable. Je n’entends plus rien de M. Falaiseau. Comme M. Frisendorf est all´e rencontrer M. Lilienrod retournant `a Stockholm qui sera maintenant je crois ` a Hambourg, je m’imagine que le trait´e entre la Suede et les Estats est conclu qui contient un renouvellement des anciennes alliances et un nombre

2 et (1 ) M. l’Abb´ e Mauro m’asseure qve V. A. E. (2 ) on L 2 que toute L korr. Hrsg. 10–12 La facilit´ e . . . donner erg. L 22–96,2 qui contient . . . Nord erg. L

2 m’asseure: vgl. N. 322. 4 ducs: Rudolf August und Anton Ulrich von Wolfenb¨ uttel. 6 Madame: Elisabeth Charlotte von Orl´ eans. 6 f. Meiercron . . . delivrance: Zur Einschaltung der Gesandten D¨ anemarks am Pariser resp. Berliner Hof in die Bem¨ uhungen um die wohl im Juli 1703, nach mehr als vierzehnmonatiger Haft (vgl. N. 384), erfolgte Freilassung Th. Burnetts of Kemney aus der Haft in der Bastille vgl. Leibniz’ Bericht in N. 412. 8 gazette: nicht ermittelt; vgl. N. 63 und N. 412. 9 affaires: vgl. N. 63. 11 obten[u]: Gemeint ist die St¨ arkung des englischen Parlaments seit der Glorreichen Revolution, auch in Zusammenhang mit dessen finanzpolitischen Befugnissen. 11 feu Roy: Wilhelm III. 13 George: Gemahl der K¨ onigin Anna von England. 19 Falaiseau: Zuletzt hatte P. de Falaiseau am 14. Juli geschrieben (N. 285), Leibniz hatte am 31. Juli geantwortet (N. 296). 21 trait´ e: vgl. N. 330.

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de trouppes mercenaires que la Suede leur donne pour de l’argent, comme c’est apresent le trafic des puissances du Nord. Je m’imagine que le General Feldmareschal Fleming, aura eu l’honneur de voir V. A. E. s’il est encor ` a Berlin. Je suis avec devotion Madame de V. A. E. le etc.

¨ 68. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ [Lietzenburg, 1. September 1703]. [67. 69.] ¨ Uberlieferung:

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K Abfertigung: Hannover Leibniz-Bibl. Ms XXIII 375a Bl. 1. 4o. Abgerissen vom vorderen Blatt des Bogens. 3/4 S. Anfang fehlt. Unterschriftsinitiale. Eigh. Aufschrift. Schwarzes Siegel. An mehreren Zeilenanf¨ angen Buchstaben besch¨ adigt infolge Abreißens. Bibl.verm. (Unsere Druckvorlage.) A Auszug von Leibniz’ Hand (abbrechend, gestrichen): Hannover Leibniz-Bibl. Ms XXXIV ¨ 1765 Bl. 25. 4o. 3 Z. auf Bl. 25 vo u. d. Uberschrift Extrait de la lettre de Mad. l’Electrice ” de Luzembourg du 1 de Septemb. 1703.‘‘ (= S. 96 Z. 22 f. Je vous . . . auroit‘‘). Dar¨ uber, ” gestrichen in einem Zuge mit A, Auszug aus dem Z. 22 genannten Brief. Gegenl¨ aufig auf Bl. 25 ro und dem Anfang von Bl. 25 vo Text von Leibniz’ Hand betr. die gegen W. D. von Beichlingen erhobenen Vorw¨ urfe (Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 29–31; Druck in Reihe IV).

L’abb´e de Polignac en resent tous les remerciments de la Reyne de Prusse comme il les a eu aussi. Je vous envoy une vielle lettre du Duc Maximilian de Viene touchant l’avance qu’il a voulu faire pour des chevaus, o` u peutestre il auroit peu gagner, mais Leifman disoit qu’un autre avoit desja avanc´e l’argant. je vous prie de vous en informer et de demender

3 Fleming: H. H. von Flemming. Zu N. 68: K , dessen Datierung wir Leibniz’ Angabe in A entnehmen, antwortet auf N. 63 und kreuzt sich vielleicht mit N. 67. Beilage war der in S. 96 Z. 22 genannte Brief. Die Abtrennung des ersten Blattes k¨ onnen wir nicht erkl¨ aren. 20 remerciments: f¨ ur die Beteiligung M. de Polignacs an den Bem¨ uhungen um die Freilassung Th. Burnetts of Kemney aus der Haft in der Bastille, vgl. N. 412. 22 lettre: Herzog Maximilian Wilhelm an Kurf¨ urstin Sophie, Wien 20. Juli 1703 (Hannover Leibniz-Bibl. Ms XXIII, 375a ¨ Bl. 9–10); zu Leibniz’ Exzerpt daraus s. o. Uberlieferung. 23 Leifman: der Hof- und Kammeragent Elieser Lefmann Berens Cohen.

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si la chose est encore faisable. mon afflection est cause que j’ay oubli´e d’en escrire `a mon fils l’Electeur, et peutestre serat il trop tart apresent, la response du Roy de Prusse au compliment du Duc de Cell estoit qu’il estoit fach´e qu’il eut plus de consideration pour Bernsdorf que pour un bon amy comme luy. A Monsieur de Leibenitz ` a Hanover.

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¨ 69. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Lietzenburg, 10. September 1703. [68. 70.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 461–462. 1 Bog. 4o. 1 S. auf Bl. 461 ro. Ohne Anrede. Unterschrift mit ZierInitiale. Eigh. Aufschrift. Siegel. — Auf Bl. 461 vo–462 eigh. Aufzeichnung von Leibniz ¨ u ¨ber Wichleys Bericht von seinen Reisen im Mittelmeerraum und Agypten bis zum Roten Meer (Druck in Reihe IV). Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 40.

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A Luxburg le 10 de 7bre 1703 Je vous escris par une carte vivante de l’Affrique, dans la personne de Mr Wichley (je ne scay si J’hortograve bien son nom) mais c’e[s]t un gentilhome de bonne maison qui a voiag´e avec un jugement solide, et qui merite bien que vous les presenti´es de ma part `a l’Electeur, car je crois qu’il trouvera beaucoup de goust en sa conversation, les honnette gans qu’il a trouv´e de toute sorte d’opinions luy ont ouvert l’esprit `a voir que ce n’est pas la superstion qui sairt au bonne meurs, il vous confirmera l’affection que j’ay pour vous et le cas que je faits de vostre merite. A Monsieur de Leibenitz ` a Hanover.

1 afflection: die Trauer um Prinz Christian. 3 f. consideration . . . Bernsdorf: Anspielung auf die Grenzkonflikte zwischen Brandenburg und Braunschweig-L¨ uneburg-Celle auch im Bereich von A. G. von Bernstorffs Herrschaft Gartow. ¨berbracht und wird zusammen mit Zu N. 69: K wurde von dem in Z. 14 genannten Reisenden u N. 70 u. N. 71 beantwortet durch N. 72. 14 Wichley: Dieser Reisende konnte nicht n¨ aher identifiziert werden.

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¨ 70. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Lietzenburg, 22. September 1703. [69. 71.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 427–428. 1 Bog. 4o. 3 1/4 S. Ohne Anrede und Unterschrift. Eigh. Aufschrift. Schwarzes Siegel. Geringf¨ ugiger Textverlust durch Siegelausriss. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 43–44.

Lutzburg le 22 de 7bre 1703

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Comme Mr Clamer Bouche a entrepris en bonne intantion, le voiage du Gheur et d’Hanover Je me raporte ` a luy de tousce qu’il dira `a Mr l’Electeur et `a Mr le Duc, je crois que les affaires sont au moins en bonne main, ce qui en sera, je dois dire come la gazettie d’Hollande Wat dar van kommen sal, sal den teit lerren, au moins il me semble qu’on voit bien icy qu’il n’y a rien ` a gagner d’estre mal avec nous, cela me fait croire qu’on souhaite d’y estre bien, Mr Hilgen ce porte mieux, les gans deviene for malade icy, mais Dieu merci personne ne meurt, Sigr Hortance a la fievre tierce, mais `a ce qui me parroit nullement en danger de suivre le Conte Palmieri, le Roy partit d’icy mardi pass´e pour Coppenic, la Contesse de Wartenberg resta `a Berlin sou pretexte de nous tretter `a soup´e Jeudi pass´e o` u nous fumes avec la Pce de Zolleren[,] Mr Doson et Galli et ne trouvames avec la Contesse que my Lord Raby et Mr Allefelt y arriva aussi en suite, on vit une tres grande manifisence en toute chose et la Contesse montra toutes les belle choses en disant un tel m’a donn´e ce cy[,] un autre m’a donn´e cela, ce qui me fit souvenir de l’eausau qui

Zu N. 70: K kreuzte sich wohl mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief, der in N. 71 erw¨ ahnt wird, und wird zusammen mit N. 69 u. N. 71 beantwortet durch N. 72. 8 Bouche: Cl. von dem Bussche, brandenburgischer Rat und Drost. 9 le Duc: Georg Wilhelm von Celle. 10 affaires: neben den Spannungen wegen Nordhausen insbesondere der cellisch-brandenburgische Grenzkonflikt, f¨ ur den Ende September eine Vereinbarung erreicht wurde; vgl. N. 375. 13 Hilgen: H. R. von Ilgen; vgl. N. 368. 14 Hortance: B. O. Mauro. 15 suivre: Der hannoversche Hofkavalier Fr. Palmieri war im Oktober 1701 in Lietzenburg gestorben. 15 mardi: 18. September 1703. 17 Pce de Zolleren: F¨ urstin Luise von Hohenzollern-Hechingen. 17 Doson et Galli: Fr. d’Ausson de Villarnoux und G. C. de Galli, Hofkavaliere der K¨ onigin bzw. Kurf¨ urstin. 18 Raby: seit Juni 1703 englischer Botschafter in Berlin. 18 Allefelt: H. H. von Ahlefeldt, d¨ anischer außerordentlicher Gesandter in Berlin. 20 l’eausau: Anspielung auf Le geai par´ e des plumes du paon‘‘, vgl. J. de la Fontaine, Fables Choisies, ” Mises en Vers, 1668, 4, 9.

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avoit partout emprunt´e des plumes, que si chacun reprenoit le sien la bonne dame seroit rest´ee toute neue, hier elle feut encore icy seulle en carosse (comme tousjour) avec my Lord Raby, et ce matin ils sont parti ensemble `a 6 heures du matin pour suivre le Roy `a la chasse, S. M. a est´e traitt´e par le Pce Royal son fils dans un lieu qui luy apartient, o` u tout estoit ` a mervellie, et o` u S. M. trouva sa statue toute dor´ee, je crois que tout luy a for pleu car il est Idolatre de Mr son fils. la Pce Henriette d’Hanhalt a est´e deux jours de suite icy de Berlin sans y avoir voulu loger n’y manger[,] on croit que c’e[s]t qu’elle ne veut pas ceder ` a la Pce de Zolleren, elle est all´e `a Swet voir sa soeur, my Lord Willeby est icy avec sa suite, je crois si ce n’estoit par respect pour son pere que luy et Silvin se mocqueray beaucoup du gouvernement d’Olfild car j’ay veu qu’ils en rient tous deux. my Lord Raby a de nouvaus ordres de sa Reyne de tacher de faire la paix entre Prusse et Brunswic[,] si Mr Bouche n’en vient ` a bout j’en desespere, je crois qu’on scaura `a ce soir le chemin que le Nauvau Roy d’Espagne prandra, le Roy de Prusse me dit qu’il auroit mieux fait de prandre ce titre d’abord, si l’Electeur prant plesir `a savoir ce qui se pass[e] icy vous luy fer´es voir ma le[tre] en le faisant souvenir de moy. Sonneman a copi´e vostre pourtrait de la grandeur qu’il doit estre en tallie douce, cela deroge tousjour un peu quoi qu’il resemble tout `a fait au pourtrait de la resemblance de l’original comme c’e[s]t ` a l’ordinaire. A Monsieur de Leibenitz ` a Hanover.

4 lieu: (nach 1713 K¨ onigs)Wusterhausen, seit 1698 in Friedrich Wilhelms Besitz. 6 Pce . . . d’Hanhalt: Henriette Agnes von Anhalt-Dessau. 8 Swet . . . soeur: Johanna Charlotte von Anhalt-Dessau, verheiratet mit Markgraf Philipp von Brandenburg-Schwedt. 8–10 Willeby . . . Olfild: Sie hatten zu Anfang des Jahres am hannoverschen Karneval teilgenommen. Eine von Leibniz’ Hand abschriftlich u ¨berlieferte Charakterisierung der im Februar 1703 anwesenden Engl¨ ander nennt u. a. Mylord ” Willoughby, fils de Mylord Lindsey‘‘ — vermutlich Charles Bertie, Sohn des Robert Bertie third earl of th Lindsay, 16 Baronet Willoughby de Eresby —, Monsieur Oldfield (il est avec Mil. Willoughby)‘‘ sowie ” Monsieur Selwin . . . parent du vice-roy d’Ecosse par sa grande mere‘‘ — diese beiden sind nicht n¨ aher ” identifiziert (Hannover Leibniz-Bibl. Ms XXIII 1203 Bl. 2–3; gedr. Klopp, Werke, 9, 1873, S. 5 f). 11 Reyne: Anna von England. 13 Nauvau Roy: Erzherzog Karl war in Wien am 12. September zum spanischen K¨ onig proklamiert worden. 16 copi´ e . . . douce: J. Th. G. Sonnemann, seit 1702 Hofmaler in Hannover, fertigte die Vorlage nach der f¨ ur Sophie Charlotte gemalten, verschollenen Kopie ¨ ttel, Herzog August Bibl., signiert 1703) an; zur von A. Scheits’ erstem Leibniz-Portr¨ at (Wolfenbu Bereitschaft der Kurf¨ urstin, ein Leibnizbild zu finanzieren vgl. N. 31.

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¨ 71. KURFURSTIN SOPHIE AN LEIBNIZ Lietzenburg, 25. September 1703. [70. 72.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 456–457. 1 Bog. 4o. 2 S. 1 Z. auf Bl. 456 ro–457 ro. Ohne Anrede und Unterschrift. Eigh. Aufschrift. Schwarzes Siegel. Bibl.verm. — Auf Bl. 457 L von N. 72. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 45.

A Lutzburg le 25 de 7bre 1703

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Comme le Lantdrost Bouche sera dans nos cours je ne vous repliquer´es plus rien sur tousce que vous me mend´es, et suis fach´ee pour le bien public que les troupes du Roy de Prusse entre les mains d’un estourdy avec ceux de Stirum ont est´e entierement defait et le pauvre Natzmar qu’on loue extremement tu´e qui avan sa mort estoit devenu prophete aiant mend´e icy que celon l’ordre que le Pce Louis leur avoit donn´e que les Fransoy seroient des poltrons s’il[s] ne les battoient `a platte couture comme cela vient d’arriver, on dit que les Saxsons ont mal fait ce qui chagrinera bien Mr de Schulenburg. Sonneman a copi´e tres bien vostre pourtrait de la grandeur qu’il doit estre en tallie douse et Herr Lupius le veut faire mettre en tallie douce par un dont j’en ay veu qui sont fort beau, la Princesse de Zolleren est fort en paine[,] on l’accuse `a la cour Imperiale et icy de corespondance avec la France ce que je trouve bien ridicule[.] la Reyne m’a dit ´ qu’elle vous a demend´e ` a l’ Electeur pour quant il hira `a Linsburg, Mad. de Monbel et son mari ce veulle separer, il l’a for battu la croiant Pietiste par pure jalousie, si ses gans

Zu N. 71: K antwortet auf den Z. 9 genannten Leibnizbrief und wird, zusammen mit N. 69 u. N. 70, beantwortet durch N. 72. 8 Bouche: Cl. von dem Bussche. 9 mend´ es: nicht gefunden. 9 troupes: das vom Niederrhein nach S¨ uddeutschland verlegte preußische Hilfscorps. 10 estourdy: Leopold von Anhalt-Dessau. 11 defait: die Niederlage der kaiserlichen Truppen unter H. O. von Limburg-Styrum am 20. September bei H¨ ochst¨ adt a. d. Donau; jedoch wurde der R¨ uckzug der Reichstruppen erfolgreich durch das preußische Corps gedeckt. 11 tu´ e: Der preußische General D. G. von Natzmer geriet in bayerische Gefangenschaft. 12 Louis: Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden als Kommandant der Reichstruppen. 14 mal fait: Tats¨ achlich waren dem s¨ achsischen Hilfscorps unter M. J. von der Schulenburg mehrere erfolgreiche Attacken gegen die franz¨ osischen Truppen gelungen. 15 copi´ e: vgl. N. 70. 16 Lupius: der Verleger A. Luppius. 16 par un: M. Bernigeroth. 17 Princesse: F¨ urstin Luise von Hohenzollern-Hechingen. 17 l’accuse: Zu diesen Vorw¨ urfen vgl. auch den Brief Kurf¨ urst Georg Ludwigs an Kurf¨ urstin Sophie vom 27. Oktober (gedr.: Schnath, Briefe Georg Ludwigs, 1976, Nr. 34, hier S. 300). 19 demend´ e: Kurf¨ urst Georg Ludwig genehmigte die Reise nicht, vgl. Schnath, a. a. O. Nr. 33, S. 299. 19 Monbel: vermutlich Frau von Montbail; vgl. N. 32.

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l` a estoient ` a Berlin come ils ont est´e ` a Cassel, il auroit raison de la soupsonner; dont l’Envoi´e de Cassel nous a fait de bien lubriques histoires qui est icy pour le mariage de la Princesse de Courlant avec le Marcgrave Albert. on dit que vostre maison est fort fertile dont je me rejouis sur tout si vous y avez quelque part. A Monsieur de Leibenitz ` a Hanover.

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¨ 72. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE [Herrenhausen, Ende September – Anfang Oktober 1703]. [71. 79.] ¨ Uberlieferung: L Konzept: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 456–457. 1 Bog. 4o. 1 3/4 S. auf Bl. 457. Mit Korrekturen. Bibl.verm. — Auf Bl. 456 bis 457 ro oben K von N. 71. — Gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 40–43.

Monsgr l’Electeur m’a dit que V. A. E. luy a ecrit du Spar-kalck , qu’on peut mouler, et qui s’endurcit par apres. S’il resiste aux injures du temps, c’est une belle chose. Mgr l’Electeur a veu dans les maisons de plaisance des Venitiens le long de la Brenta des colonnes tres belles, qui paroissent estre de marbre et qui ne sont que de brique enduite de gyps. J’espere que M. Hortense sera mieux, on m’a dit qu’il craint l’exemple de M. Palmieri et croit que Luzebourg est fatal aux Italiens. Il ne logeroit pas pour un empire ny dans la chambre o` u M. Palmieri ny dans celle o` u M. le Raugrave est mort. Et moy j’ay log´e, et loge dans toutes les deux, et me moque des ominosit´es. Cependant mes valets intimid´es

2 Envoi´ e: nicht identifiziert. 2 mariage: Die Trauung von Maria Dorothea von Kurland und Albrecht Friedrich von Brandenburg-Schwedt fand am 31. Oktober statt. 3 f. fertile . . . part: vgl. die Antwort N. 72. Zu N. 72: L beantwortet N. 69, N. 70 sowie N. 71 und wurde wohl bald nach Eintreffen dieses Briefes auf dessen Freiraum notiert. Auf Herrenhausen als Schreibort deutet Z. 18 – S. 102 Z. 1 hin. Die Abfertigung (nicht gefunden) kreuzte sich wohl mit einer nicht gefundenen Sendung der Kurf¨ urstin von Anfang Oktober, mit der sie die Zeichnung des Leibniz-Portr¨ ats f¨ ur den Kupferstich schickte (vgl. N. 73); darin waren m¨ oglicherweise auch enthalten ihre Mitteilung vom Abklingen der Erkrankung B. O. Mauros (vgl. Z. 16), auf die sich Leibniz in N. 369 bezieht, sowie ihre in N. 375 und N. 374 erw¨ ahnte Nachricht u ¨ber die Grenzvereinbarung vom 28. September zwischen Celle und Berlin. 11 Spar-kalck : aus Gips gebrannter Kalk. 13 a veu: Georg Ludwig hatte Venedig im Fr¨ uhjahr 1686 besucht. 16 exemple: vgl. N. 70. 18 le Raugrave: Karl Moritz, gest. am 13. Juni 1702 in Herrenhausen.

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par les autres ` a Herenhausen, croyent de voir le Raugrave, et ceux de M. Hammerstein ont crˆ u qu’il les a poursuivis, car M. Hammerstein logeoit aussi dernierement `a l’Orangerie. Je crois qu’un arbre agit´e par le vent avoit touch´e au chapeau de l’un, ce qui les avoit fait courir tous deux. A propos des valets[,] un des miens ayant pris contre mon conseil (qui n’ay pourtant point voulu le contraindre) une femme `a luy, `a ce qu’il croit, ils ont si mal pris leurs mesures, qu’apres les bans ou demonstrations publiques, les noces solennelles se devant faire[,] l’accord´ee est accouch´ee la veille. De sorte qu’il a fallu contremander les convi´es, except´e ceux qui venoient de la patrie de l’accord´ee, qui ont trouv´e plus de besoigne faite qu’ils ne croyoient. C’est un cas assez singulier que quelque bourgeois mettra dans sa Chronique domestique d’Hanover. Pere et mere de l’epoux en ont est´e inconsolables. Mais le gar¸con en a ri avec les autres, et je trouve qu’il a pris le meilleur parti. Mais il ne riroit point, s’il estoit oblig´e de faire Kirchenbusse, et bien luy en prend que les pietistes ne regnent point icy. Cependant il a est´e foudroy´e, de toutes les chaires des predicateurs d’Hanover. Monsieur Wichley voyageur Anglois m’a port´e une lettre que V. A. E. m’a fait l’honneur de m’ecrire. Mgr l’Electeur ` a qui je l’ay present´e par ordre de V. A. E. l’a trouv´e fort ` a son gr´e. Car il rendoit bonne raison de toutes choses. Il a fait une carte de la pointe de la Mer rouge et des environs qui sera grav´ee en France, car il l’y a envoy´ee par le Consul de France au Caire. Il ne comprend pas comment Moise a pˆ u mener 600 mille hommes par le desert, o` u il n’y a rien du tout pour subsister. Et si l’on dit que les Israelites y ont subsist´e par miracle, il demande, si donc les Amalequites et autres avec qui les Israelites ont combattu ont aussi subsist´e par des miracles perpetuels. De sorte qu’il croit que les nombres sont corrompus et excessifs. Apresent tout ce pays depuis l’Egypte jusqu’`a la Palestine peut `a peine nourrir cinq mille hommes; et mˆeme il faut qu’ils fassent venir leur bled du Caire. 1 Hammerstein: m¨ oglicherweise der Kammerjunker Wilhelm von Hammerstein. 4 un des miens: ¨ber Mitteilungen nicht identifiziert. 15 lettre: N. 69, auf dessen Freiraum Leibniz eine Aufzeichnung u ¨ des Reisenden u ¨ber den Mittelmeerraum bis hin zum Roten Meer notierte (vgl. N. 69 Uberlieferung), woraus er im Folgenden berichtet. 18 sera grav´ ee: nicht ermittelt. Die Karte sollte nach Leibniz’ Aufzeichnung durch den franz¨ osischen Konsul in Kairo ` a M. de L’isle G´ eographe ` a Paris‘‘ gesandt ” werden (a. a. O. Bl. 462 vo). In Zusammenhang mit einer kartographischen Erkundigung anderen Inhalts erhielt Leibniz gegen Ende 1705 die gedruckte (und handschriftlich erg¨ anzte) zweiseitige Liste des ” ouvrages geographiques de G. de l’Isle, de l’Academie Royale des Sciences, et qui se trouvent a ` Paris chez l’Auteur, rue des Canettes, pr` es de S. Sulpice. 1705‘‘ (LBr. 951 (Varignon) Bl. 41, Druck in Reihe III); vgl. Gerhardt, Math. Schr., 4, 1859, S. 129, 148); sie enth¨ alt keine Karte zum Roten Meer. 19 Consul: vermutlich B. de Maillet, vgl. N. 401. 20 600 mille: vgl. 2. Mosis XII, 37.

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Monsieur Bilderbeck ayant appris par apres quelque chose de ce que ce voyageur nous avoit racont´e, a dout´e de sa bonne foy, et a cit´e un proverbe Alemand qui dit autant que ce Fran¸cois a beau mentir qui vient de loin. Mais je ne doute point de la bonne foy de cet honneste homme. Cependant je crois que la chose merite une plus exacte discussion. Milord Huntingdon le vouloit ramener avec luy `a Constantinople. Il luy a repondu, que si ce Lord vouloit aller ` a Scio, il le suivroit, car il a trouv´e que c’est un agreable sejour, et les femmes belles ` a merveille. Il m’a fort pri´e de marquer sa devotion perpetuelle `a V. A. E. et ` a la Reine[,] admirant vos lumieres et vostre bont´e aussi bien que les autres perfections. J’ay vˆ u une ample relation de M. le Lieutenant General Schulembourg de l’Action o` u le General Stirum a est´e battu. Au milieu du malheur il y a eu ce bonheur que le Lieutenant General d’Usson tromp´e par quelque equivoque du signal a commenc´e son attaque un peu trop tost, et a est´e repouss´e avec perte, sans cela la defaite auroit est´e plus entiere. Nos gens mandent que les Saxons aussi bien que les Brandebourgeois ont tres bien fait, mais non pas les Franconi¨ens. J’ay lˆ u moy meme la lettre que M. de Schulenbourg a ecrite ` a Mlle sa soeur, deux ou trois jours avant l’action o` u il mande que si on execute l’intention qu’on a d’aller ` a Donawerth, on fera ce que l’ennemi pourroit souhaiter le plus. De sorte qu’il faudroit imprimer cette lettre avec la relation de l’action.

73. CHARLES-NICOLAS GARGAN AN LEIBNIZ Lietzenburg, 13. Oktober 1703. ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 298 Bl. 27–28. 1 Bog. 4o. 2 S. u. 3 Z. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen.

1 Bilderbeck: vermutlich der Rat am Oberappellationsgericht Celle. 3 ce . . . loin: nicht nachgewiesen; vgl. aber die Reisen und L¨ ugen verkn¨ upfenden Zitate in Thesaurus Proverbiorum Medii Aevi, Bd 8, 1999, Nr. 231–244, 252–260. 5 Huntingdon: nicht identifiziert. 6 Scio: die Insel Chios. 10 relation: nicht ermittelt. 10 l’Action: die (erste) Schlacht bei H¨ ochst¨ adt a. d. Donau am 20. September. 15 lettre: nicht ermittelt. 17 Donawerth: Der Vormarsch der kaiserlichen Truppen hatte auf das ¨ ostlich von H¨ ochst¨ adt gelegene Donauw¨ orth gezielt. Zu N. 73: Vor K ist zuletzt Gargans Schreiben vom 6. Dezember 1702 u ¨berliefert (I, 21). Unser St¨ uck wurde durch den S. 104 Z. 2–6 genannten Auftrag Luise von Hohenzollern-Hechingens veranlasst, oglicherweise die ihre notwendig gewordene Abreise aus Berlin vorbereitete (vgl. N. 71 und N. 377); m¨ bezieht es sich zudem auf einen nicht gefundenen Brief von Leibniz (vgl. S. 104 Z. 10–13). Der n¨ achste u ¨berlieferte Brief der Korrespondenz ist Gargans Schreiben vom 19. Juli 1704 (Druck in I, 23).

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¨ neburg 1703 i. haus braunschweig-lu Monsieur.

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N. 73

De Lutzenbourg ce 13 d’Octobre 1 7 0 3

Comme le paquet de S. A. E. Made ´etoit deja ferm´e Madame la Princesse de Hohenzolleren me fait dire par Hassan de vous faire, Monsieur, un compliment de sa part, et de vous avertir qu’elle partira apr´es demain d’icy. Mais que vous l’obligeri´es sensiblement de vous rendre ` a Linsbourg, car devant passer aux environs de cet endroit, elle vous fera donner avis de son arriv´ee dans le voisinage, souhaitant de vous parler, Monsieur. Au reste, Monsieur, n’ayant pas eu de nouvelles dignes de vˆotre curiosit´e, je n’ai os´e vous importuner d’une mechante lettre, si vous me jug´es cependant capable de vous pouvoir rendre icy service honor´es moi de vos ordres, et vous me trouver´es toujours prest `a vous obe¨ır. Pour ce qui regarde la lettre que vous av´es ´ecrite au Comte de Wartenberg, et que vous av´es crˆ u ´egar´ee, la Reine m’a dit l’avoir fait tenir `a Son Excell. Monsr de Galli me charge de vous rendre graces de sa part de l’honneur de vˆotre souvenir, et Made la Raugrave est fort sensible ` a vos honnˆetet´es. Le premier n’a eu de longtˆems aucune r nouvelle de M Sitonis ` a Milan, et ignore mˆeme s’il est encore en vie. Monsr l’Abb´e est tres bien remis de sa derniere indisposition, et vous remercie de la part que vous voul´es bien prendre ` a sa sant´e. Comme vous aur´es sans doute receu le dessein de vˆotre portrait, que S. A. E. vous a envoy´e il y a environ 8 jours, je n’ai qu’`a y ajouter que l’on m’a dit qu’on le fera graver ` a Leipzig. Mr Attilio se porte bien et est sur son depart pour Vienne. Je suis avec un attachement respectueux

2 S. A. E. Made: Kurf¨ urstin Sophie. 3 Hassan: F. W. Hassan, Kammert¨ urke Sophie Charlottes. 5 Linsbourg: wo Kurf¨ urst Georg Ludwig sich in K¨ urze aufhalten w¨ urde (vgl. N. 377 und N. 379). 6 donner avis: vgl. N. 377. 10 la lettre: nicht gefunden. 11 Monsr de Galli: G. C. de Galli. e 12 f. Mad la Raugrave: Raugr¨ afin Luise von Pfalz-Simmern. 14 Monsr l’Abb´ e: zu B. O. Mauros 15 f. la part . . . sant´ e: vgl. auch N. 72 S. 101 Z. 16–18. 16 dessein . . . portrait: Erkrankung vgl. N. 70. J. Th. G. Sonnemann hatte nach der f¨ ur Sophie Charlotte angefertigten Kopie (Verbleib unbekannt) ¨ ttel Herzog August Bibl., signiert 1703) die des ersten Leibniz-Gem¨ aldes von A. Scheits (Wolfenbu Vorlage f¨ ur einen Kupferstich hergestellt (vgl. N. 70 und N. 71). 17 envoy´ e: vermutlich mit einem nicht gefundenen Brief der Kurf¨ urstin von Anfang Oktober (vgl. auch N. 72 Erl.). 18 fera graver: durch den Leipziger Kupferstecher M. Bernigeroth (vgl. auch N. 396 S. 676 Z. 7–12, N. 398 und N. 421). 18 Mr Attilio: A. Ariosti war vom Berliner Hof abberufen worden (vgl. z. B. N. 29, N. 196, N. 226 sowie die Korrespondenz unseres Bandes mit K¨ onigin Sophie Charlotte von Ende M¨ arz/Anfang April 1703; vgl. auch Ebert, Ariosti, 1905, bes. Anhang, Nr. 45 und 46); in den folgenden Jahren wirkte er am kaiserlichen Hof in Wien.

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N. 74

Monsieur

vˆ otre tres-hˆ umble et tres obe¨ısst servr

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Gargan.

P. S. Le frere de Boloncini est icy et occupera la place d’Attilio apr´es son depart.

74. LEIBNIZ AN JOHANN GEORG ECKHART Linsburg, 30. Oktober 1703. [66. 75.]

¨ Uberlieferung: L Abfertigung: LBr. 228 Bl. 286–287. 1 Bog. 8o. 3 S. Mit zahlreichen Korrekturen und Erg¨ anzungen.

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Linsburg 30 Octob. 1703 Monsieur Eckard wird mein jungstes hoffentlich erhalten haben. uchstube komWenn Ulrich her¨ uber reiset, konnen die samtliche 2 12 thl so aus der K¨ men, Monsieur Eckarden zugestellet werden. Ulrich wird vor seiner her¨ uber-reise etwas holz anfahren laßen; und weil iezo guth wetter, und die zufuhre beßer als zu vor, wird er auch vermuthlich etwas Heu mit nuzzen kauffen k¨ onnen. Mit Haber wird er auch sehen ob Nuz zu schaffen. Die dritthalb Thaler wochentlich aus der K¨ uchstube konnen nach Ulrichs her¨ uberkunfft vollig Mons. Eckarden zugestellet werden. Wenn was neues einlaufft, oder passirt, in re literaria oder sonst bitte umb nachricht[.] Meine gabel hat sich gefunden, mit dem l¨offel, bey den apfeln eingewickelt, das meßer aber nicht. Ulrich wird es vielleicht in Hanover gelaßen haben.

2 Le frere de Boloncini: der Komponist und Cellist A. M. Bononcini, der bereits im Vorjahr zusammen mit seinem a ¨lteren Bruder G. B. Bononcini in Lietzenburg engagiert gewesen war und vermutlich bis zum Tod Sophie Charlottes am Berliner Hof wirkte. Zu N. 74: L kreuzt sich mit N. 75 und nimmt vermutlich auch Bezug auf einen fr¨ uheren Brief (nicht gefunden; vgl. Z. 8) wohl ebenfalls aus Linsburg, wo Leibniz sich wohl seit dem 27. Oktober in der Umgebung des kurf¨ urstlichen Hofes aufhielt. Eckharts Antwort ist N. 76. Beischluss zu unserem St¨ uck war ein Brief an G. Guidi. 8 jungstes: nicht gefunden; vermutlich ebenfalls vom 30. Oktober, da Eckhart in N. 75 nicht darauf eingeht. 9 Ulrich: U. G¨ urgensohn. 9 her¨ uber reiset: nach Linsburg.

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N. 75

Lauffen briefe an mich ein wolle Sie Monsieur Eckard ohnbeschwehrt unter ein couvert machen und also Monsieur Schlemm zu schicken. Den einschluß an Monsieur Guidi bitte gleich bestellen zu laßen. Verbleibe iederzeit Monsieur

vostre tres humble et tres obeissant serviteur Leibniz

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75. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Hannover, 30. Oktober 1703. [74. 76.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 284–285. 4o. 3 S. Mit Erg¨ anzungen.

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Nebst u ¨bersendung inliegendes Packets berichte, daß Ulrich mich gebethen an Ew. Exc. zu schreiben, wie er sich hin und wieder erkundiget und erfahren, daß Se Churf. Durchl. unfehlbar k¨ unfftigen Dienstag hier wieder erwartet w¨ urden. Stehe er daher in Zweifel, ob es rathsam sey, mit den Pferden, da von eins ohne dem noch nicht wieder zurechte w¨ are, nach Linsburg zukommen, und so gleich drauf wieder zur¨ uck zugehen. Und wolle er Ew. Exc. expreßen befehl dieserhalben erwarten. Denn wenn dem so, daß Se Churf. Durchl. umb besagte zeit wieder solten zur¨ uck kommen, so meinete er, es w¨ urde Ew. Exc. Vortheil seyn, daß er die Pferde hier ließe, und sich auf einem K¨ uchen wagen, nach Linsburg aufmachte, umb Ew. Exc. sachen ein zupacken und anhero zubringen. Doch wird er Ew. Exc. befehl hier abwarten. Sonst ist hier nichts neues vorgegangen, außer daß mir H. Tentzels neuer curieusen Bibliothecqus ersten Repositorii erstes fach zu gesichte kommen, in welchem ich nichts neues und wenig curieuses finde; in sieben

2 Monsieur (1 ) Guidi zu schicken (2 ) Schlemm L

3 einschluß: nicht gefunden; vielleicht die Antwort auf N. 376. Zu N. 75: K mit der Z. 9 genannten Beilage kreuzte sich mit N. 74 und antwortet vermutlich auf den dort erw¨ ahnten Leibnizbrief (nicht gefunden) aus Linsburg. Dort hielt Leibniz sich wohl vom 27. Oktober bis in das erste Novemberdrittel hinein (R¨ uckkehr sp¨ atestens am 9.) in der Umgebung des kurf¨ urstlichen Hofes auf. 9 Packets: nicht ermittelt. 9 Ulrich: Leibniz’ Kutscher U. G¨ urgensohn. 11 Dienstag: 6. November. 19 neuer . . . fach: mit dem Erscheinungsjahr 1704.

N. 76

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bogen sind nicht mehr als drey vorl¨ angst bekandte b¨ ucher recensiret; Als Leonis Papae Magni Opera, Chiffletii Opera, und Lehmans Meißnische berg Chronick, und zwar sehr n¨ uchtern. Daß also, wenn ich nicht andre uhrsachen h¨atte, ich seinentwegen nimmer Ausz¨ uge machen k¨ onte: denn dieses sein wesen wird von schlechtem abgange und also von kurtzer Dauer seyn. Ich habe die Egidien Bibliothek durch suchet, allein außer einer großen menge alter juristischer Grillen, wenig n¨ utzes gefunden, so Ew. Exc. oder mir dienen k¨ onte. Ich verharre hiemit h...i

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Hannover d. 30. Octobr. 1703.

76. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Hannover, 2. November 1703. [75. 77.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 289. 1 Bl. 4o, aus einem Bog. 4o nachtr¨ aglich herausgeschnitten. 1 S. Eigh. Aufschrift, beschnitten (Textverlust). Siegelrest.

Deroselben Schreiben vom 30. Oct. habe wohl erhalten und Ulrich dero meynung gesaget. Hofe auch er werde dero bestes auf alle wege in acht nehmen. Er kan aber mit den Pferden ohnm¨ oglich kommen; indem das eine noch sehr malade ist. Wird er sich also heute oder morgen auf einen k¨ uchen wagen zu ihnen hin¨ uber machen. Neues habe vor itzo sonst nicht zu berichten, verharre also h...i

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Hannover d. 2. Nov. 1703. A Son Excellence [Monsieur ] de Leibnitz [Conseiller p]riv´e de S. Alt. [Elect. de] Bronsv. Luneb. ` a Linsborg.

1 recensiret: ebd. S. 3–88. 2 berg Chronick: Chr. Lehmann, Pinifer Misniae illustratus [o. J.]. 5 Egidien Bibliothek: die Bibliothek der Aegidienkirche zu Hannover, eingegangen in die Ratsbibliothek, sp¨ ater Stadtbibliothek Hannover; vgl. B u c h b e s t ¨ a n d e 2, 2 Niedersachsen H – Z , bearb. von A. M¨ uller-Jerina, Hildesheim u. a. 1998, S. 55. urfte nicht erfolgt sein. 13 Ulrich: U. G¨ urgenZu N. 76: K antwortet auf N. 74. Eine Antwort d¨ sohn.

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N. 77

77. JOHANN GEORG ECKHART AN LEIBNIZ Hannover, 5. November 1703. [76.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 228 Bl. 290–291. 1 Bog. 4o. 2 S. Eigh. Aufschrift. Siegel.

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Weil Ulrich sogleich keinen Wagen nach Linsborg haben k¨onnen, und man doch hier nicht anders weiß, als daß die Durchl. Churf¨ urstin unfehlbahr den k¨ unftigen Mittenwochen hier seyn will; Als hat er vermeinet Ew. Exc. w¨ urden seiner ben¨othiget seyn und ist mit einem Pferde zu Sie hin¨ uber geritten. Das andre ist noch nicht wieder im stande, und w¨ urde man u ¨bel ¨ arger machen, wo man es einen so weiten weg gebrauchen w¨ urde. Sonst habe ich briefe von dem H. General Fleming gehabt, darinnen er mir verspricht, demjenigen so von mir bewustes nach Hannover geschrieben, eine solche reprimande zugeben, daß er ins k¨ unftige mich auf diese art nicht mehr verl¨aumbden solle. Welches mich von hertzen erfreuet. Ich empfehle mich hiemit Ew. Exc. Gnaden und verharre h...i Hannover d. 5. Nov. 1703.

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A Son Excellence Monsieur de Leibnitz Conseiller priv´e de S. Alt. Elect. de Brounsv. Lun. ` a Linsburg.

Zu N. 77: Das n¨ achste St¨ uck der Korrespondenz (Leibniz f¨ ur Eckhart) datiert vom August 1704 (Druck in I, 23). 4 Ulrich: U. G¨ urgensohn. 5 f. k¨ unftigen Mittenwochen: am 7. November. Kurf¨ urstin Sophie kehrte nach dreimonatigem Aufenthalt am Berliner bzw. Lietzenburger Hof nach Hannover zur¨ uck; N. 387 zufolge wohl am 8. November. 9 briefe: nicht gefunden. 10 bewustes: nicht ermittelt.

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N. 78

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78. LEIBNIZ AN HERZOGIN ELEONORE VON CELLE [Hannover, 30. November 1703].

¨ Uberlieferung: L1 Konzept: LBr. 556 (Levesius) Bl. 5–6. 1 Bog. 8o. 1 S. auf Bl. 6 vo. Mit zahlreichen Korrekturen und Erg¨ anzungen. Eigh. Anschrift. Bibl.verm. — Auf Bl. 5 u. 6 ro L1 von N. 408. 2 L Reinschrift von L1, zun¨ achst m¨ oglicherweise zur Abfertigung vorgesehen: Ebd. Bl. 7. 4o. Goldschnitt. 1 S. auf Bl. 7 vo. Mit zahlreichen Korrekturen. Bibl.verm. (Unsere Druckvorlage.) — Auf Bl. 7 ro L2 von N. 408.

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Madame Je supplie V. A. S. de me pardonner la libert´e que je prends d’envoyer ce que je reponds ` a une personne qui ` a ce que j’ay appris a aussi ecrit `a V. A. S. car n’ayant point son adresse je suis oblig´e de recourir ` a V. A. S. C’est un dominicain italien qui estoit `a Warsovie, lorsqu’il m’ecrivoit. On dit qu’il est en quelque consideration: mais comme sa lettre n’est qu’une exhortation en termes assez generaux, `a embrasser la communion de Rome, qu’il a accompagn´ee d’un exemplaire imprim´e d’une homilie Latine du pape

9 vor der Anrede die eigh. Anschrift A Mad. la duchesse de Zell L1 9 Madame Madame L2 13 qv’il est (1 ) missionnaire de Rome, (a) et de qvelqve confiance dans la (b) et qv’ bricht ab (c) dans qvelqve (aa) confiance (bb) estime dans la Cour de Rome (d) et qve (e) et de (2 ) de qvelqve consideration dans son parti L1 13 qv’il est (1 ) de (2 ) en qvelqve consideration | dans son parti gestr. | L2 15 latine erg. L1

Zu N. 78: Die Abfertigung wurde nicht gefunden; eine Antwort ist nicht u ¨berliefert. Absendeort und -datum entnehmen wir dem beigelegten Schreiben von Leibniz an A. Levesius (N. 408). Leibniz’ Bitte, dieses an Levesius weiterzuleiten, wurde erf¨ ullt (vgl. B. O. Mauros Brief an Leibniz vom 15. Juni 1704, Druck in I, 23). Unserem St¨ uck war zuletzt der Brief Herzogin Eleonores an Leibniz vom 20. M¨ arz 1701 (I, 19 N. 49) vorausgegangen; das folgende St¨ uck der Korrespondenz ist Leibniz’ Brief an Herzogin Eleonore vom 3. Oktober 1714 (gedr.: Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 510–512). 11 ecrit: nicht gefunden. Wahrscheinlich handelt es sich um den Brief, der bereits im Fr¨ uhjahr in verschiedenen 14 sa lettre: N. 173. Korrespondenzen erw¨ ahnt wird (vgl. N. 32 S. 47 Z. 4–8 und N. 233 S. 397 Z. 1–4). 15 exemplaire . . . pape: vgl. Clemens XI., SV.

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N. 79

regnant; je n’aurois gueres de sujet de luy repondre si Mgr le duc Antoine ne m’avoit ordonn´e de luy faire encor un compliment car il a ´ecrit aussi `a S. A. S. Je suis avec devotion Madame

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vostre treshumble et tresobeissant etc.

¨ 79. LEIBNIZ AN KURFURSTIN SOPHIE [Hannover,] 3. Dezember 1703. [72.] ¨ Uberlieferung: L Konzept: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Dep. 84 A Nr. 180 Bl. 454. 4o. 1 S. Mit mehreren Korrekturen. Eigh. Anschrift. Bibl.verm. — Gedr.: 1. (teilw.) ¨ hmer, Magazin f¨ Bo ur das Kirchenrecht, die Kirchen- und Gelehrten-Geschichte Bd 1, 1787, S. 318 (ohne S. 111 Z. 2–4); 2. Klopp, Werke, 9, 1873, S. 50.

A Madame l’Electrice de Bronsvic Madame

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hCie 3 Decemb. 1703

J’espere que V. A. E. m’aura accord´e la grace de ne point monstrer les vers au dessous de la taille douce ny par consequent [la] taille douce non plus, jusqu’`a ce qu’on les ait chang´es. Ces vers quelques beaux qu’ils puissent paroistre en paroles sont d’un sens intolerable, car ils disent que la sagesse ignore elle meme ce qu’elle a cach´e `a un tel, mais cela choque la Sagesse divine, et pourroit estre censur´e avec justice. Et de plus

12 f. Madame (1 ) | Comme erg. u. gestr. | J’avois crˆ u qve V. A. E. m’avoit accord´ e de (2 ) J’esperois (3 ) J’espere . . . de L 15 chang´ es (1 ) je la supplie de me laisser ceux qve (2 ) ces vers sont intolerables qvoyqve d’ailleurs (3 ) ces vers | (a) qvoyqve nicht gestr. | dar¨ uber (b) qvelqves | beaux (aa) en paro bricht ab (bb) qv’ils . . . paroles L 17 et | (1 ) peut nicht gestr. | dar¨ uber (2 ) pourroit | estre (a) blam´ e (b) censur´ eL

1 f. duc Antoine . . . ordonn´ e: Auch in der wahrscheinlich verworfenen Nachschrift zu seinem Brief an Levesius (N. 408) verweist Leibniz auf den Auftrag Herzog Anton Ulrichs. 2 ´ ecrit: nicht gefunden. Zu N. 79: Eine Abfertigung ist nicht gefunden. Der n¨ achste u ¨berlieferte Brief der Korrespondenz (Leibniz an Kurf¨ urstin Sophie) datiert vom 12. Februar 1704 (Druck in I, 23) und antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief wohl vom Jahreswechsel. 13–15 vers . . . chang´ es: Zum Text der Verse unter dem im Auftrag der Kurf¨ urstin hergestellten Kupferstich von Leibniz’ Portr¨ at und zu Leibniz’ ¨ Anderungsw¨ unschen vgl. N. 396 Erl. sowie N. 398.

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N. 80

il y a une contradiction, car comment peut elle ignorer ce qu’elle cache. J’espere que nous aurons bien tost la correction. M. Fountain m’ecrit qu’il viendra au Carneval. Il me demande si nous avons encor bonne opinion de Milord Roxbourough Ecossois. Je suis avec devotion ¨ 80. LEIBNIZ AN LUDWIG JUSTUS SINOLD GEN. VON SCHUTZ Hannover, [Mitte] Dezember 1703. [60.]

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¨ Uberlieferung: L (Teil-)Konzept: Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Hann. 93 Nr. 492/1. Bl. 133. 8o. 1 3/4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Eigh. Anschrift.

A Monsieur le Baron de Schuz Ministre d’Estat et Envoy´e extraordinaire de Bronsvic-L¨ uneb. ` a Londres Monsieur

Hanover Xbr 1703

L’approche de la nouvelle ann´ee me fait penser `a Vous marquer mon Zele, et `a vous souhaiter toutes sortes de prosperit´es pour celle qui vient et beaucoup d’autres. Il seroit ` a souhaiter pour le general et pour le particulier que l’ann´ee o` u nous allons entrer fut plus heureuse, que celle que nous finissons; mais il faut benir Dieu de tout et ne manquer pas de nostre cost´e pour n’avoir rien `a nous reprocher. Mgr l’Electeur et Monsgr le Duc de Zell ne sauroient marquer plus de Zele. Et c’est dommage qu’on ne concerte pas bien les choses avec eux. Si on l’avoit fait en Hollande 1 cache. (1 ) Je suis avec devotion Absatz Madame de (2 ) J’espere L avec devotion (2 ) M. Fountain L 2 f. Carneval. (1 ) Je suis (2 ) Il L

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2 correction. (1 ) Je suis

2 m’ecrit: N. 333. Zu N. 80: Bei der nicht gefundenen Abfertigung d¨ urfte es sich um den Leibnizbrief handeln, auf den N. 440 anspielt. Die dort in Aussicht gestellte Antwort ist nicht u ¨berliefert. Wir pr¨ azisieren Leibniz’ Da¨ tierung aufgrund dieser Erw¨ ahnung sowie der Kenntnis von der Ubermittlung eines discours Ecossois‘‘ an ” die Kurf¨ urstin Sophie, die nicht vor dem 11. Dezember erfolgt sein kann (vgl. S. 112 Z. 3 Erl.). Der n¨ achste Brief der Korrespondenz (Sch¨ utz an Leibniz) datiert vom 6. M¨ arz 1704 (Druck in I, 23). 18 concerte . . . eux: Gemeint sind die unterschiedlichen Auslegungen von Einsatzbereich und Kommandogewalt der den Seem¨ achten im Spanischen Erbfolgekrieg zur Verf¨ ugung gestellten braunschweig-l¨ uneburgischen Subsidientruppen. Ihrem sich verz¨ ogernden Marschbefehl zum Entsatz der belagerten Festung Landau wurde in Holland und England der Verlust der Schlacht am Speyerbach (15. November 1703) angelastet; vgl. 18 en N. 400, N. 409, N. 420, N. 429, N. 427 und N. 446 sowie Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 460. Hollande: vielleicht Anspielung auf den zun¨ achst vor allem von Holland ausgehenden Widerstand gegen ¨ die Ubertragung eines Oberbefehls an Kurf¨ urst Georg Ludwig (vgl. Schnath, a. a. O., S. 451–454).

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nos Generaux auroient pˆ u venir ` a temps, et peutestre que Landau auroit est´e secouru et toute la face des affaires chang´ee. Le discours Ecossois que M. Robethon a envoy´e `a Mad. l’Electrice paroist outr´e en bien des choses; et sur tout en ce qu’il suppose que tous les Episcopaux d’Ecosse sont jacobites. Il veut aussi que pour empecher les Anglois d’avoir trop d’influence en Ecosse la Royaut´e ou couronne meme soit presque aneantie comme s’il n’y avoit point d’autres remedes. Car suivant l’Acte qu’on appelloit de seuret´e, les Rois ne pourroient plus meme donner des charges. C’est assez qu’un Roy ne puisse point faire du mal mais il ne faut pas luy oster les moyens de faire du bien. Et le Roy de Pologne mˆeme qui est le moins absolu des Rois d’Europe peut pourtant [donner] des emplois. Les seigneurs dans leur Adresse ont touch´e quelque chose de la succession. Ce qui fait tousjours un bon effect. B e i n g a s s u r e d , disent ils. Elle le sera si cette guerre tourne bien: autrement elle ne le sera pas assez si les choses demeurent sur le pied present.

11 chose (1 ) de l’Acte (2 ) de la succession L

1 secouru: Landau war am 17. November von franz¨ osischen Truppen eingenommen worden. 3 discours Ecossois: nicht ermittelt; vermutlich identisch mit der Schrift sur les affaires d’Ecosse‘‘, die ” die Kurf¨ urstin laut ihrem Brief an Sch¨ utz vom 11. Dezember 1703 (gedr.: Doebner, Briefe, 1905, S. 180 = N. 197) von J. de Robethon zu erhalten hoffte. 5 jacobites: Anh¨ anger Jakob Eduard Stuarts. 7 l’Acte: die Gesetzesvorlage des schottischen Parlaments vom August 1703 zum (1704 zur Verabschiedung kommenden) Act of Security, der eine eigenst¨ andige schottische Regelung der Nachfolge K¨ onigin Annas vorsah und die hannoversche Sukzession in Frage stellte. 8 donner des charges: zum Beschluss ¨ des schottischen Parlaments vom Juni 1703, nach dem Tod K¨ onigin Annas solle die Amtervergabe in Schottland durch Los erfolgen, vgl. T h e a t r u m Europaeum, 16, 1717 (ad a. 1703), Sp. 322b. 9 f. le moins absolu: Anspielung auf das polnische Wahlk¨ onigtum. 11 seigneurs . . . Adresse: die Adresse des englischen Oberhauses an K¨ onigin Anna vom 11. (22.) November 1703; gedr.: J o u r n a l of the ¨ House of Lords: volume 17: 1701–1705 , S. 334 f.; in deutscher Ubers. (mit irref¨ uhrender chronologischer Einordnung) in: Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Nov. u. Dez. 1703, S. 134–137. 12 B e i n g a s s u r e d : vgl. auch N. 427. Die Passage lautet tats¨ achlich: being secured of a Protestant Succession‘‘. ” 12 f. Elle . . . present: Anspielung auf die franz¨ osische Unterst¨ utzung des Thronanspruchs Prinz Jakob Eduards und das derzeitige franz¨ osische Kriegsgl¨ uck. 14 l’Acte: der Act of Settlement von 1701.

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81. JOBST CHRISTOPH REICHE AN LEIBNIZ [Hannover,] 29. Dezember 1703. [57.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 762 Bl. 11. 4o. 1 S. Bibl.verm.

Voicy entre autres le Factum, que vous m’avez demand´e, le quel je vous prie de vouloir bien me renvoyer quand vous ne vous en servirez plus. Le Sieur Heinsius vous envoyera Monsieur, les relations de Ratisbonne de l’ann´ee courante et moy je vous souhaite de tout mon coeur la prochaine parfaitement heureuse, estant avec beaucoup de respect h...i Ce 29 Xbr 1703.

Zu N. 81: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief. Der n¨ achste erhaltene Brief dieser Korrespondenz datiert vom 18. M¨ arz 1704 (Druck in I, 23). Die Beilage (vgl. Z. 4) wurde nicht gefunden. 4 Factum: nicht ermittelt. 5 Heinsius: Antoine Heinsius. 6 relations: nicht gefunden.

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II. ALLGEMEINER UND GELEHRTER BRIEFWECHSEL Januar – Dezember 1703

82. JOACHIM FRIEDRICH FELLER AN LEIBNIZ Regensburg, 1. Januar 1703. ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 263 Bl. 64–65. 1 Bog. 4o. 4 S. Bibl.verm.

Wohlgebohrner Herr, Großer Patron. Eurer Excellenz eingeschloßenes Schreiben an den Hn von Hornegk habe u ¨berliefert, und dadurch so einen guten Zutritt bey Ihm erhalten, daß ich f¨ ur dero hochgeneigten Vorspruch nicht gnugsam dancken kan. Er hatt Ew. Excell. Mantissam Codicis Diplom. noch nicht gesehen, und deswegen an Seine Excell. den Hn Zellischen geschickt, welcher Ihm sagen laßen, daß er sich bey einem und dem andern darnach umthun, und sie, wo m¨ oglich, ihm verschaffen wolle. Mit Zusamentragung der gemeldten Excerptorum wolte Ew. Excell. gern und willig aufwarten, wenn mir die obliegende Information, auch daneben vorfallende occupationes, Zeit und muße dazu u ¨brig ließen. Ich bringe des tages 7. Stunden mit schulsachen bey dem jungen Herrn zu, (der ietzt in das 17te Jahr gehet). nach deren endigung ich so m¨ ude und m¨ urbe bin, daß ich kaum ein buch ansehen mag, und mich also in denen vormals bey E. Excell. und nachdem getriebenen studiis wenig odere nichts u ¨ben kan. Hoffe dannenhero es werden E. Excell. diese entschuldigung annehmen, und sich dabey versichert halten, daß, wenn ich solte etwan wieder einmal in dortige lande, und also E. Excell. n¨ aher kommen; oder sonst eine gewiße station erhalten, da ich mehr meri juris seyn k¨ onte, ich mit freuden die bewuste Arbeit unternehmen w¨ urde. Ob meine

Zu N. 82: K antwortet auf Leibniz’ Brief vom 2. Dezember 1702 (I, 21). Mit Fellers n¨ achstem Brief vom 3. M¨ arz 1704 (Druck in I, 23) endet die Korrespondenz. 5 Schreiben: Leibniz’ Empfehlungsschreiben f¨ ur Feller an den passauischen Geheimen Rat Ph. W. von H¨ ornigk vom 2. Dezember 1702 (I, 21). 8 Zellischen: der cellische Gesandte beim Reichstag zu Regensburg, Chr. Schrader. 11 Excerptorum: Leibniz hatte Fellers in dessen Vorg¨ angerbrief vom 2. November 1702 (I, 21) ge¨ außerte Bitte, ihn mit Aufgaben zu betrauen, am 2. Dezember 1702 mit einem Vorschlag zu Quellenausz¨ ugen zur karolingischen Geschichte f¨ ur die Historia domus beantwortet. 14 jungen Herrn: Feller war Hofmeister bei Chr. Schraders Sohn Ludwig Julius.

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Anverwandten mich hier lange beym informiren, und zwar an einem orth da so viel zu lernen und zu h¨ oren nicht ist, alß man anfangs meint, hwerdeni sitzen laßen, kan nicht wißen: ich laße solches des H¨ ochsten willen anheim gestellt seyn, und w¨ unsche in u ¨brigen bey diesem neuen eingetretenen Jahre, daß der H¨ochste E. Excell. in solchem, hnebsti folgenden wolle bey steter gesundheit und unverw¨ urckten Wohlstande erhalten, zum nutz des boni publici, und zu sonderbarer Consolation aller ergebensten Clienten, darunter ich nur der geringste zu seyn w¨ unsche, und lebenslang in geb¨ uhrender Submission zu verbleiben Ew. Excellenz

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unterth¨aniggehorsamster Diener

Regensburg den 1. Januar. 1703

J. F. Feller.

¨ 83. LEIBNIZ AN HEINRICH RUDIGER VON ILGEN Berlin, 5. Januar 1703. [110.] ¨ Uberlieferung: L Konzept (urspr¨ unglich zur Abfertigung vorgesehen): LBr. 447 Bl. 3–4. 1 Bog. 8o. 3 S. Mit zahlreichen Korrekturen. Eigh. Anschrift. Bibl.verm.

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Monsieur Vostre Excellence ayant depuis longtemps des informations particulieres de ma bonne volont´e, et me marquant tant de bont´e pour la faire valoir j’ay pens´e et repens´e jusqu’`a quel point j’en dois profiter. Et voicy ` a quoy je me suis determin´e. Je seray tousjours bien aise que le Roy et son premier Ministre sachent mon zele, et meme mes travaux pour le service du public, et du Roy entrepris pour la plus part sur les ordres par ´ecrit de Sa Mt´e, depuis quelques ann´ees et qui ont eu tout le succ´es, qu’il falloit en plus d’une chose: mais je ne trouve point digne de moy, ny convenable au respect dˆ u `a Sa Mt´e, que j’importune le Roy par la demande de quoyque ce soit en mon particulier. Si je suis reserv´e dans mes propres interests, je ne le suis point de mˆeme dans ceux de la Societ´e royale des Sciences, car la gloire du Roy, et le bien public y sont interess´es. Ainsi j’espere que Sa Mt´e favorisera la Societ´e des Sciences par la concession [de] la Culture de

Zu N. 83: Die Abfertigung (nicht gefunden) folgt auf Ilgens Brief vom 30. Dezember 1702 (I, 21).

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la soye dans ses estats sous la protection et ordres de la Reine, qui veut se faire le plaisir d’y employer son autorit´e, puisque la matiere revient si bien `a cette grande princesse. Les epreuves faites ne nous laissent point douter de quelques succ´es. Cette concession ne prejudicie ` a personne, elle augmente les richesses de l’Estat et dans peu d’ann´ees la Societ´e si elle est assist´ee comme il faut dans cette entreprise pourra donner plus de contentement par ce moyen au Roy et au public. Je supplie V. E., d’y contribuer comme Elle le peut sans doute avec grand succ´es. Et je suis avec beaucoup de reconnoissance etc.

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Monsieur de V. E. etc. Berlin 5 janvier 1703.

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¨ Uberlieferung: L Konzept: LH XIX 14 Bl. 133. 2o. 1 S. Mit Korrekturen und Erg¨ anzungen. — Gedr.: 1. Klopp, Werke, 10, 1877, S. 372 f.; danach 2. Harnack, Geschichte, 2, 1900, S. 151.

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A Monsieur Monsieur d’Ilgen Ministre d’Estat du Roy

¨ 84. LEIBNIZ AN KONIG FRIEDRICH I. [Berlin, Anfang Januar 1703]. [240.]

Allerdurchleuchtigster großmachtigster K¨onig, Allergdster Herr Weilen E. Konig. Mt sich allergdst erbothen dero Societ¨at der Scienzen, da etwas anstandiges und unpraejudicirliches vorkommen solte, mit deßen concession zu begnadigen, und aber die einf¨ uhrung der Seidenzielung im großen von solcher verlangten beschaffen1 protection . . . Reine: vgl. Leibniz’ Konzept vom 8. Januar f¨ ur eine Vollmacht f¨ ur die Einf¨ uhrung ” der Seidenzielung‘‘ (LH XIX 14 Bl. 111, gedr.: Klopp, Werke 10, 1877, S. 372). Zu N. 84: Aus N. 83 vom 5. Januar 1703 mit dem Wunsch, u ¨ber H. R. von Ilgen die Bitte um Gew¨ ahrung einer concession‘‘ f¨ ur das intendierte Seidenwerk an Friedrich I. heranzutragen, ergibt sich ” der terminus post quem f¨ ur die Datierung; den terminus ante quem bietet Leibniz’ Entwurf vom 8. Januar f¨ ur eine Vollmacht der K¨ onigin f¨ ur die Einf¨ uhrung der Seidenzielung‘‘ (vgl. N. 83 Erl.), der die aus ” unserem St¨ uck sowie aus N. 101 zu folgernde Audienz voraussetzt, auf welcher der K¨ onig seine Einwilligung erteilte. Beilage zu der nicht gefundenen Abfertigung war eine der zahlreichen Abhandlungen zur Seidenkultur, die Leibniz um die Jahreswende 1702/03 verfasste (Druck in Reihe IV). 18 erbothen: in der Generalinstruktion vom 11. Juli 1700 (gedr.: Brather, Akademie, 1993, S. 94–105, hier S. 103 und S. 105).

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heit sich befindet, wie E. K. M. Sich auß der beylage mit mehrern vortragen zu laßen in gnaden geruhen werden; so habe E. Konig. Mt allerunterthanigst ersuchen sollen zu examinierung dieser Sach Commissarien zu verordnen, und weilen mit E. M. hohen approbation ich zwey dero Staats Ministros dazu vorgeschlagen, nehmlich den H. Baron von Fuchs und den H. von Ilgen so stehet in E. M. allergdsten gefallen, denen mehr andere beyzuf¨ ugen oder nicht. Die beschle¨ unigung des Wercks erfordert die Zeit, weilen da es mit gebuhrenden Nachdruck angegriffen werden soll, die ben¨othigte menge des Saamens von frembden orthen ehistens verschrieben werden muß. Und ich verbleibe mit allertieffster devotion E. Konigl. Mt

aller unterthanigster Knecht

Gottfried Wilhelm von Leibniz.

85. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, [7.] Januar [1703]. [86.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 9–10. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Bibl.verm.

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Monsieur Il est arriv´e icy de Thorn Monsr de Richard Anglois qui est presentement Colonnel d’Artillerie du Roy de Pologne, il passe ` a Londre pour des affaires domestiques. Il a fait reverence ` a Madame l’Electrice, qui l’a present´e apres `a S. A. E., et comme sa vertu, et experience, les dons qui a des 6 langues, ses longues voyages, le rendent commendable, ainsi il a donn´e icy toute la satisfaction. Madame l’Electrice m’a fait voir un Billet, que Mr de Frisendorff a envoy´e icy de Cell, dans le quel on fait mention, qu[’]i[l] estoit venu chez le Roy de Suede un certain homme, qui sembloit avoir du merite, et qu’il avoit dit, qu’il etoit envoy´e du Pape `a Sa Majest´e, pour le prier de faire la paix avec le Roy de Pologne, que le S. Pere [l’]avoit toujours admir´e, et celebr´e ses exploits, mais qu’il le louera d’advantage, quand il laisser`a Zu N. 85: K , dessen Jahresangabe wir aufgrund des politischen Kontextes (v. a. S. 122 Z. 2 u. S. 122 Z. 12 f.) korrigieren, datiert vom 4. Januar, wurde aber erst zusammen mit N. 86 versandt und kreuzte sich mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief vom 9. Januar, auf den N. 104 antwortet. 21 Billet: nicht ermittelt. 21 Frisendorff: der schwedische Gesandte in Hannover, K. G. von Friesendorff. 23 homme: A. Levesius; zum Hergang vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Jan. 1703, S. 120 f. 23 Pape: Clemens XI. 24 la paix: im Nordischen Krieg.

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en repos la Pologne. Il a dit qu’il n’avoit pas des lettres Creditiffes, `a cause que le Pape savoit bien, que Sa Majest´e n’auroit pas accept´e le titre de fils. Cela semble une fable, mais Mr de Frisendorff asseure que cela est veritable. Il put etre donc que Sa Santet´e aye donn´e cet ordre ` a queque Missionaire, ce que je n’ay pas pˆ u eclaircir par les Lettres de Rome, car nous n’avons pas receu les lettres d’Italie, `a moins que cet homme ne soit queque trembleur, qui aye entrepris cette Commission lui m´eme. Comme j’ay present´e ` a S. A. E. Madame l’Electrice le dit Mr Richard, qu’on m’a recommand´e de Dresde, j’ay eu l’occasion d’avoir plusieurs conversations touchant la Pologne, et les troubles qui la desolent, il a dit entre autres choses, que c’est le Cardinal Primas, les Saphia, et d’autres Nobles gagn´es par la France, qui pussent le Roy de Suede, craignant que si la paix se fait, leur Sovrain ne leur pardonner`a leur revolte. A Ratisbonne ont fait des fortes istances de la part des Cercles opprim´es, `a fin que les Cercles arm´es viennent ` a leur secours, et que les Trouppes dont les hauts alli´es tirent des subsides, ne soient pas cont´ees parmi le contingent, que en vertu de la Conclusion de l’Empire, ils seroient oblig´es de fournir pour l’ann´ee de 120 000 hommes. L’Envoy´e de Baviere ` a Ratisbonne frequente le College Electoral, et proteste contre tout ce qui est oppos´e ` a l’interest de son Maitre, dont on fait monter les Trouppes `a m hommes aux quels on opposera un[e] Arm´ee nombreuse des trouppes choisies pour 40 leur donner de l’occupation par tout. Le Comte de Schlik commandant les Trouppes de Boheme et le General Thun celles de Saxe, et d’autres sous lui, et le General Gheschwindt aur` a le Commandement de celles, qui sont au confin de la Tirole, et de Saltzbourg. le Commissariat General etant confi´e au Conseiller de l’Empire Mr d’Heuvel. Mr Robinson Minitre Ecclesiastique Anglois ir`a chez le Roy de Suede `a la place de r M de Stepnein. 4 f. Lettres de Rome: nicht ermittelt; vermutlich im Rahmen der von Guidi betriebenen politischen Nachrichtenb¨ orse. 9 troubles: im Zusammenhang des Nordischen Krieges und der Opposition gegen die Herrschaft Augusts II. 9 f. Cardinal Primas: A. M. S. Radziejowski. 12 Cercles opprim´ es: Gemeint sind vermutlich die s¨ uddeutschen Reichskreise, die im Spanischen Erbfolgekrieg franz¨ osischen bzw. bayrischen Angriffen ausgesetzt waren. 16 L’Envoy´ e: K. M. von Z¨ undt. 17 Maitre: Kurf¨ urst Max Emanuel von Bayern. 20 General Thun: Gemeint ist vermutlich der ehemals bayerische, jetzt kaiserliche General-Leutnant I. L. de la Tour und Taxis. 20 celles de Saxe: Das Kommando u ¨ ber die s¨ achsischen Hilfstruppen lag tats¨ achlich bei General-Leutnant M. J. von der Schulenburg. 20 Gheschwindt: J. M. Gschwind von Peckstein. 22 d’Heuvel: von Heuwel. 23 Robinson: J. Robinson, außerordentlicher Gesandter Englands in Polen bei K¨ onig Karl XII. von Schweden. 24 Stepnein: Der f¨ ur diesen Posten zun¨ achst vorgesehene G. Stepney wurde von Karl XII. abgelehnt und verblieb auf seinem Posten als englischer Gesandter in Wien (vgl. N. 10).

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Les dernieres Lettres d’Angleterre marquent qu’on ne savoit pas encore si l’on proposeroit au Parlement l’augmentation des Trouppes, mais qu’il y a lieu de l’esperer, puisque le Duc de Marlboroug s’y employe avec chaleur et plusieurs de la Chambre basse temoignent d’y etre dispos´es. Aussi les Etats Generaux ont recommand´es `a leurs Ambassadeurs de reiterer leurs istances pour le payement de ce qui est deu `a l’Eveque de Munster pour profiter de 2 000 hommes, qui ce Prince offre. Le Roy de Dannemarc fait presser les Etats Generaux de se charger de mille Dragons, et de mille fantassins, qu’il dit n’avoir lev´e, que pour satisfaire aux Traitt´es de 1701; et qu’ainsi on ne pˆ ut pas trover mavois, qu’il pretende les frais de la lev´ee, et l’entretien des ces Trouppes, qu’il a fait offrir du commencement de Juillet dernier, neantmoins S. M. Danoise [a] declar´e ne povoir pas livrer ces Trouppes avant l’expiration de l’Hyver. Les dits Etats se trovent fort fatigu´es des affaires concernant la Succession du Roy d’Angleterre de sorte que ils ont fait entendre `a ceux qui sont charg´es de cette sollicitation de la part du Roy de Prusse, et de la Princesse de Nassau que puisque jusqu’icy ils n’ont pas seulement pˆ u venir ` a un accomodement provisionel, leurs H[autes] P[uissances] jugent qu’ils doivent convenir d’un moyen de vider leurs differences, soit en se raportant a queque juge neutre, ou se soumettant ` ` a des arbitres, `a quoy leur H[autes] P[uissances] promettent de cooperer encore, quoyque elles soyent fort mal edifi´ees de ce qu’on parle, comme si c’estoit leur faute que les choses n’avancent pas d’avantage. Voyci ce que j’ay p` u vous dire ce matin `a l’hate, mais je suis avec mon extime accoutum´ee Monsieur votre tresheumble et tres obeissant serviteur

Abb. Guidi.

Hannover 4 Janvier 1 7 0 2

1 Lettres d’Angleterre: nicht ermittelt; vermutlich im Rahmen von Guidis politischer Nachrichtenb¨ orse. 2 l’augmentation: Die von den Generalstaaten geforderte Truppenverst¨ arkung am Niederrhein wurde Mitte Januar unter Auflagen genehmigt; vgl. M e r c u r e historique, Febr. 1703, S. 204 bis 209. 5 l’Eveque: Friedrich Christian von Plettenberg-Lenhausen. 8 Traitt´ es: Vertr¨ age mit den Seem¨ achten und dem Kaiser zur Bereitstellung von Truppen vom Juni 1701; vgl. I, 20 N. 179 u. Erl. 12 Succession: der Streit um das oranische Erbe K¨ onig Wilhelms III. zwischen dem preußischen K¨ onig Friedrich I. und Prinzessin Henriette Amalie von Nassau-Dietz, in den die als Testamentsvollstrecker fungierenden Generalstaaten als Schiedsrichter involviert waren.

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P. S. J’ay fait Monsieur l’inscription, que j’envoyerai `a Berlin avec l’autre pour etre imprim´ee, croyant qu[’]i[l] ne seroit pas bien de le faire imprimer icy, et que vous aur´es la bont´e de la vouloir corriger, autrement je ne l’envoyeray pas. Madame de Kilmansek avec Mr son Mary sont all´es `a Cell, d’o` u est venu ici Mr de Monceau.

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86. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 7. Januar [1703]. [85. 90.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 13–14. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit Erg¨ anzungen u. Korrekturen. Bibl.verm.

Vous trover´es icy jointe la lettre de la poste pass´ee, qui n’arriva pas `a tems `a la poste. Nous avons icy depuis jeudi Mylord Paget qui est venu de Costantinople. Il a un Equipage Royal. Il a pris audience de S. A. E. et de Madame l’Electrice, et vient regulierement ` a faire Sa Cour. Il partira demain pour Hollande, et de l`a pour Angleterre. Il a une quantit´e des Chevaux, des Mulets, des Chariots, des Carrosses, et des domestiques, parmy les quels il y a des Turcs, on m’a dit qu’il a vendu `a Vienne 150 Chevaux, et qu’il s’est defait d’une douz[a]ine des Esclaves Cheretiens qu’on lui avoit regal´e `a la Porte. Il est venu toujours ` a la Cour avec un Just’aucoeur bleu avec les bottonieres d’or four´e, et aussi avec des bottines aussi four´es, il est ag´e de 72 ans. Nous n’avons receu le[s] lettres d’Italie, que hier. 1 l’inscription . . . l’autre: die panegyrischen Texte Guidis (vgl. SV.) zum Jahrestag der preußischen K¨ onigskr¨ onung, deren einen er bereits vor einem Jahr verfasst hatte (vgl. I, 20 N. 421). 4 Madame: Sophie Charlotte von Platen, verheiratet mit J. A. von Kielmannsegg. 5 Monceau: R. H. de Crux comte de Monceaux. Zu N. 86: K , dessen Jahresangabe wir aufgrund der Erw¨ ahnung du feu Roy d’Angleterre‘‘ (S. 125 ” Z. 8) in 1703 korrigieren, wurde zusammen mit N. 85 versandt und kreuzte sich mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief vom 9. Januar, auf den N. 104 antwortet. In N. 90 wird unser St¨ uck erw¨ ahnt. Vermutlich liegt in K einer der Berichte vor, die Guidi unter den Korrespondenten seiner politischen Nachrichtenb¨ orse kursieren ließ (vgl. z. B. auch N. 161); daf¨ ur spricht auch der von uns als Durchschuss wiedergegebene Strich, der Guidis Ausf¨ uhrungen in eigener Sache (ab S. 125 Z. 17) vom vorangegangenen Text absetzt. 12 jeudi: 4. Januar. 12 Mylord Paget: W. Paget, bis 1702 englischer Gesandter in Konstantinopel; zu seinem Hannover-Besuch vgl. auch N. 90 u. Erl. 20 lettres d’Italie: nicht ermittelt.

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On me mande de Verone, que les Francois s’etant apperceus que l’Arm´ee Imperiale etoit fort affoibli´e ` a cause des trouppes eloign´ees pour faire les h—i, tacherent de surprendre Governolo, mais le dessein leur etant echou[´e], ils furent oblig´e de camper devant cette forteresse, et il y avoit 6 jours, qu’on faisoit du feu d’un cot´e et de l’autre, e[t] que a Veronne on entendoit les coups du Canon. On croyoit que les Francois ne reussirent ` pas, mais il y a ` a craindre, ` a cause que les Francois sont superieurs, et que les Imperiaux n’ont ny argent, ny du Monde. Il mourroit beaucoup du Monde dans l’une et l’autre Arm´ee, et dans le Camp Imperial les Chevaux crevoient faute des fourages. Le Cardinal Grimani est parti ` a l’improveau de Rome pour Vienne, il a promis au Pape de faire en sorte de delivrer l’Italie des Trouppes Imperiales et francoises, apparement qu’il a fait cet offre pour avoir la permission du S. Pere de tirer (comm’il a fait) une bonne quantit´e de bled, et du foin du Ferrarois pour le Prince Eugene. le Cardinal de Lamberg ir` a` a Rome en sa Place. Monsre Spada Internonce `a Cologne ir`a en Pollogne, Monsre Pignatelli ir` a` a Rome en qualit´e de Maitre de la Chambre du Pape, et Mr Ruffo ser` a Arciveque de Naples, pour remplir ce Siege vacante par la mort du Cardinal Cantelmi, par la quel manque le 12 Chapau. On ne sauroit exprimer la joie du Pape par l’absence du Cardinal Grimani. les pluyes ont et´e aussi frequentes en Italie, les Courriers ne puvent faire leurs Courses. Vous scaur´es que les Francois ont voulu aussi surprendre Brisac `a la faveur de la nuict et jetter le feu dans la Tour, o` u on garde la poudre, mais en vain; ont vol` u aussi s’emparer de Heidersein, mais ont et´e repouss´es avec perte des 400 hommes. Les lettres de l’Haye du 2 Janvier marquent que l’Armement Naval etoit regl´e pour cette Ann´ee, et les Etats Generaux auront 40 vaissaux de ligne, 12 fregates, 6 boulots,

9 parti: Zur Wienreise von Kardinal Vincenzo Grimani und seiner geplanten Unterbreitung eines Friedensplanes zwischen Bourbonen und Habsburgern am Kaiserhof vgl. T h e a t r u m Europaeum, 16, 1717 (ad a. 1702), Sp. 947 b f. 10 Pape: Clemens XI. 13 en Pollogne: ab Anfang 1704. 14 Monsre Pignatelli: der derzeitige (bis Oktober 1703) p¨ apstliche Nuntius in Polen. 15 Arciveque: Erzbischof von Neapel wurde F. Pignatelli. 15 mort: am 11. Dezember 1702. 16 joie: Anspielung vermutlich auf kurz zur¨ uckliegende diplomatische Turbulenzen zwischen dem Heiligen Stuhl und Spanien, ausgel¨ ost durch einen Pr¨ azedenzstreit zwischen Kardinal Grimani und dem spanischen Gesandten in Rom, F. de Uceda; vgl. z. B. Guidis Brief vom 14. Dezember 1702 (I, 21) sowie Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Dez. 1702, S. 93 f. 19 surprendre Brisac: zum Angriff auf (Alt-)Breisach vom 18./19. Dezember 1702 vgl. M e r c u r e historique, Jan. 1703, S. 46 f. Die Eroberung durch franz¨ osische Truppen erfolgte erst im September 1703. 21 Heidersein: Das mit Truppen der Reichskreise besetzte Johanniterschloss Heitersheim war zuletzt am 17./18. Dezember 1702 von franz¨ osischen Truppen erfolglos angegriffen worden; vgl. ebd. S. 46. 22 lettres: nicht ermittelt.

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6 galiottes ` a bombes, 6 autres galiottes, 12 battimens `a plat fond pour servir dans les rivieres, et sur les cotes, avec un grand nombre de moindres Vaissaux pour les Hopitaux, pour le transport des munitions de guerre, et de bouche, tellement que cel`a fer`a un armement Navale plus nombreux qu’il n’y en a encore eu dans cette Guerre, sans y comprendre un’escadre de 12 Vaissaux, qui devoit partir au premier jour, et un’autre Escadre destin´ee pour le Portugal. L’Envoy´e de Prusse faisoit grand bruit de ce que la Princesse de Nassau avoit tir´e une quantit´e de l’argenterie du feu Roy d’Angleterre du lieu o` u on la garde, pour s’en servir au regale, qu’elle donna le mois pass´e, l’Envoy´e pretendant que cela ne se devoit pas faire sans sa participation, puisque cette Argenterie, n’est pas encore partag´ee, et qu’il y en a une partie, qui vient du Prince Frideric Henry. L’Envoy´e d’Angleterre avoit present´e un Memoire pour demander que Messieurs les Etats fissent prendre garde de pres aux effects apport´es de Vigos, la Reine de la Grande Bretagne ayant nom´e queques Seigneurs de son Conseil, pour etre presents lors qu’on dechargera le Galion, qui est dans la Tamise, `a fin qu’apres que tout sera inventaris´e, l’on en puisse faire un partage ´equitable. Enfin j’ay pris la resolution de faire imprimer icy les deux Inscriptions, pour vous oter la peine de les corriger, beaucoup plus, que je ne scavois pas si vous aur´es eu le tems de vous y occuper; mais je ne scarai pas me dispenser de vous charger d’en presenter un Exemplaire au Roy, car mes productions auront besoin de votre appuy pour soutenir leurs foiblesse. les autres je les envoyeray par le Chariot de poste affranchies, et vous les pourrois distribuer ` a votre loisir, et en donner une partie `a Mr Attilio, qui me fair`a la faveur d’en distribuer aussi. J’espere que vous trover´es aussi dans la seconde Inscription queque chose ` a votre gr´e, et que du reste vous excuser´es ma petitesse. Domine nescio plus. Cependant Monsr Le Marquis de Querini ne manquer`a pas d’en ecrire `a S. E. Monsieur

4 Guerre: der spanische Erbfolgekrieg. 6 pour le Portugal: wohl als Teil des von Portugal verlangten alliierten Flottenschutzes. 7 L’Envoy´ e de Prusse . . . bruit: W. von Schmettau als Vertreter der Anspr¨ uche K¨ onig Friedrichs I. auf das oranische Erbe K¨ onig Wilhelms III. 7 Princesse: Henriette Amalie von Nassau-Dietz als Vertreterin der Anspr¨ uche ihres Sohnes Johann Wilhelm Friso. 8 feu Roy: Wilhelm III., verstorben am 19. M¨ arz 1702. 11 Frideric Henry: der Großvater Wilhelms III. und Friedrichs I., Friedrich Heinrich von Oranien. 12 L’Envoy´ e d’Angleterre: J. Stanhope (?). 12 Memoire: nicht ermittelt. 13 apport´ es de Vigos: nach dem englisch-niederl¨ andischen Sieg am 23. Oktober 1702 u ¨ber eine spanisch-franz¨ osische Flotte. 16 partage ´ equitable: vgl. dagegen Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Jan. 1703, S. 110. 17 faire . . . icy: vgl. dagegen N. 90. 17 Inscriptions: vgl. Guidi (SV.). 22 Attilio: A. Ariosti.

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le Comte de Wartenberg, afin que les Inscriptions trovent pres du Roy un bon accueil, et qu’elles eveillent sa generosit´e, selon mon projet. Je suis h...i Hannover ce 7 Janvier 1 7 0 2 Monsr Nomi est retourn´e de Dusseldorff.

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87. JAKOB HEINRICH VON FLEMMING AN LEIBNIZ Thorn, 8. Januar 1703. [109.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 271 Bl. 18–20. 1 Bog. 2 Bl. 4o. 8 S. in der Reihenfolge o a o Bl. 18 r , Bl. 18 r , Bl. 18 vo, Bl. 18a vo, Bl. 20 ro, Bl. 19 ro, Bl. 20 vo, Bl. 19 vo, teilweise quer beschrieben. Geringf¨ ugiger Textverlust durch Ausriss bzw. Tintenfraß und -kleckse. Mit Korrekturen und Erg¨ anzungen. Am oberen Blattrand Paginierung teils von Leibniz’, teils vermutlich von Eckharts Hand. Kustoden von Eckharts Hand.

Monsieur

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Tho[r]n ce 8 de Jan. [1]703.

Je re¸cois l’honneur de la vostre du 30 hdecembr.i et je vous suis bien oblig´e de marquer que vous m’y donnez de la continuation de vostre affection. Vous pouvez etre assur´e que je n’ay pas manqu´e aussy de veiller icy sur la recommendation que Vous m’avez fait d’un Jeun Cavalier de Vostre connoissance pour luy obtenir l’indigenat icy en Pologne qu’il merite aussy bien par ces ancestres qui depuis long temps ont et´e habitu´e icy en Pologne que par ses propres tres belles et rares qualit´es; Je n’ay pas veilli en vain puisque j’ay deja obtenu une resolution: tout conforme `a la volont´e du Cavalier bien que je ne la trouve pas encore assez conforme `a ses merites mais tempus dabit et il se faut contenter ` a ce[tte] heure d’avoir effectuer la Chose selon ses souhaits; les nouvelles que Vous me donnez principalement celle de la Reine et de L’electrice qu’Elles se sont souvenu de moy me sont tres aggreables[,] il pourroit arrive[r] Etant resolu de faire un tour en Saxe que je pourrois faire un petit echappad `a Hannovre si je savois que la 4 retourn´ e: vermutlich in Zusammenhang mit dem bevorstehenden Wechsel seines Verwandten A. Steffani an den dortigen Hof; vgl. Guidis Briefe bis Anfang April 1703. Zu N. 87: K antwortet auf Leibniz’ Brief vom 30. Dezember 1702 (I, 21) und wird, von Leibniz zuvor bereits in N. 8 erw¨ ahnt, beantwortet durch N. 109. 16 Cavalier: Bezug nicht ermittelt; vielleicht T. von Lubienietzki. 24 tour: Flemming war im Aufbruch nach Berlin, um dort im Auftrage Augusts II. B¨ undnisverhandlungen zu f¨ uhren, und reiste von dort aus kurz nach Sachsen; vgl. Hassinger, Brandenburg-Preußen, 1953, S. 22 f.

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Reine et l’Electrice ne le trouverront pas mauvais; le passage de l’ordre et de la suret´e de Royaume me plaist extremement dans vostre lettre; Et vous avez raison de dire que l’autorit´e du primat se reduit hors du temps de la Vacance `a celle du premier senateur cela veut dire de la preseance et quod sit primus in ordine de donner son suffrage; D’ailleurs aussy dans la vacance meme l’autorit´e du Cardinal ou Archeveque plustost (car leges patriae ne veulent point de Cardinal) est fort limit´ee et per constitutionem Episcopus Cujaviensis substitutus est ad emendandos errores Archiepiscopi comme nous avons veu dans L’election derniere et il s’est pratiqu´e dans celle de Stephan Bator; mais hors de la Vacance le primat comme vous croyez n’est aucunement en possession de se meler de plus importantes choses que jusques ou la Volont´e ou la negligence du Roy le luy permet; Aussy ne s’est il point autrement meler de la reconnoissance de la royaut´e de Prusse comme les autres Senateurs l’ont fait si peutetre on vous a dit du Conseil qu’il a donn´e au Roy sachant que tout autre conseil hd’uni Senateur auroit eu le meme effet[.] Car cela revenoit tousjours ` a la Volont´e du Roy d’y deferer ou point[.] Aussy le Roy auroit pu faire et a fait sans son conseil; par l` a on voit bien que la requisition du Cardinal n’est pas si utile comme on croit ` a Berlin pour l’artillerie mise en depost `a Memel; C’est un grand abus que l’on croit que le Cardinal represente la republique; C’est le Roy plustost qu’il la represente c’est en luy que l’autorit´e de la republique reside et `a qui Elle a defer´e son droit certis conditionibus quod naturaliter ipsa habet et non in Dnum Cardinalem; Res publica non datur nisi in tribus ordinibus; Regius; Senatorius et equestris ordo neque

1 passage: vgl. Leibniz an Flemming vom 30. Dezember 1702 (I, 21). 3 primat: der Kardinalprimas A. M. S. Radziejowski, Erzbischof von Gnesen. Hintergrund der folgenden Ausf¨ uhrungen ist dessen Opposition gegen K¨ onig August II. insbesondere in Bezug auf die Fortf¨ uhrung der kriegerischen Auseinandersetzungen mit Schweden im Nordischen Krieg und die Frage eines B¨ undnisses mit Frankreich. 4 quod . . . ordine: Die lateinischen Wendungen hier sowie Z. 6 f., Z. 19 – S. 128 Z. 4, S. 128 Z. 5 f. u. S. 128 Z. 13 f. zum polnischen Verfassungsleben lassen sich nicht auf ein konkretes Werk zur¨ uckf¨ uhren. Laut freundlicher Auskunft von Professor Dr. J. Balcke (Stuttgart) d¨ urfte es sich nicht um Zitate, sondern um weit verbreitete Topoi des polnisch-litauischen Verfassungslebens handeln. 5 f. leges patriae: Gemeint sind vermutlich die Pacta conventa. 6 f. per . . . Archiepiscopi: vgl. Z. 4 Erl. 8 L’election derniere: In der Doppelwahl von 1697 hatte die Unterst¨ utzung Augusts II. durch den in der Kirchenhierarchie auf den Kardinalprimas folgenden und als dessen Vertreter als Interrex agierenden Bischof von Kujawien, St. Dambski, zur Entscheidung gef¨ uhrt. 8 celle . . . Bator: Bei der nicht eindeutigen K¨ onigswahl von 1575/76 erfuhr Stephan B´ athory gewichtige Unterst¨ utzung durch den damaligen Bischof von Kujawien, St. Karnkowski. 11 meler . . . reconnoissance: Kardinalprimas Radziejowski geh¨ orte zu den Magnaten, die der in der polnischen Adelsrepublik umstrittenen preußischen K¨ onigskr¨ onung bef¨ urwortend gegen¨ uberstanden. 19–128,4 certis . . . legis: vgl. Z. 4 Erl.

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Cardinalis neque Archiepiscopalis ordo datur ; o` u ces trois ordres sont ibi summa potestas ibi respublica; et hi tres ordines possunt esse enim absente Cardinali sive Archiepiscopo et illorum conclusa pro lege habentur; Sed absente Rege enim congregati ordines non habent vim legis; si ces ordres sont assembl´es par le Roy et que le Roy est malad les autres deux ne peuvent rien conclure; si morbo rege congregantur ordines desinunt vocari ordines sed illorum conventus appellatus Rockosch ou seditio sive tumultus; on dit encore a Berlin ` ` a ce qu’on m’a ecrit que l’on ne croit point la lettre ecrite du grand chancelier de la couronne suffisante pour rendre l’artillerie puis que le chancelier n’est pas encor reconnu du primat; je m’etonne si l’on peut etre si peu inform´e `a un endroit qui a tant de l’interest avec notre Royaume de l’etat de notre Royaume; toute la terre presque sait et les plus eloign´es ne l’ignorent point que le Roy de Pologne dispose librement des charges en Pologne et les donne ex lubitu `a qui il veut[.] Et combien des charges ne sont elles point donn´ees malgr´e le Cardinal; in facie rei publicae i. e. tempore comitiorum multa officia collata sunt a rege contra instantias sive senatorii sive Equestris ordinis o` u personne quand les charges ont et´e confer´ee n’a rien eu `a dire que autant son inter´es particuliere et la licence de bouche icy en Pologne luy a sugger´e ce que po[u]rtant n’est rien d’autentique; Aussy le chancelier a le s[c]eau en main sous quel s[c]eau le senatus consilium dernier s’est tenu et toutes les charges qui se donnent journellement se donnent sous ce s[c]eau dont on seroit trop peu asseur´e si l’efficace de cette charge dependoit de la recognition du Cardinal; Mon Dieu si le Roy n’avoit pas et´e si indulgent jusqu’icy l’imagination de l’autorit´e du Cardinal ne seroit jamais all´e jusqu’`a ce point o` u l’on la veut mettre faussement aujourd’huy; Mais revenons `a l’artillerie et voyons combien peu de raison on a de differer la reddition sur une fausse disculpation de l’imaginaire autorit´e du Cardinal; Tout cela roule sur la donation que le Roy en a fait `a la republ. Mais on sayt quod nulla donatio perfecta sit nisi accesserit acceptatio; Laquelle manque

12 les donnent K, korr. Hrsg.

5 f. si . . . tumultus: vgl. S. 127 Z. 4 Erl. 7 lettre: nicht ermittelt. 7 grand chancelier: Polnischer Großkanzler war seit 1702 A. Chr. Zaluski, Bischof von Ermland. 13 f. in facie . . . ordinis: vgl. S. 127 ¨ Z. 4 Erl. 17 s[c]eau: Gemeint ist vermutlich die umstrittene Ubertragung des großen Kronsiegels an Bischof Zaluski Ende 1702. 17 f. senatus . . . dernier: Der Reichstag zu Thorn im Dezember 1702 hatte in Abwesenheit des Kardinalprimas getagt; dieser schrieb kurz danach eigenm¨ achtig einen Reichstag in Warschau aus; vgl. Monathlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 97–102. 25 quod . . . acceptatio: Quelle nicht ermittelt.

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de la part de la republique inde plenum dominium revient au Roy; ensuite posito sed non concesso quod hic enim perfecta esset acceptatio tamen libera dispositio remanet regi omnium tormentorum Rei publ. appertinentium quam omnes Reges ab aevo exercuerunt. Et presens Ser. Rex enim semper exercuit; par tout o` u il a et´e et qu’il a trouv´e des canons ou munition de la republ. comme `a Leopol. Varsovie Cracovie Marienb[ur]g le Roy en a dispos´e librement il en a tir´e et remis comme il a jug´e apropos[,] aussy les pieces de canons perdues dans la derniere battaille ont et´e la plus part de la republique; Moy meme par une Lettre de Sa Mt´e j’ay tir´e de canons de Vilna et de Birse pour m’en servir devant hAugustenburgi si dont cette disposition revient au Roy comme en effet Elle luy appartien de l’artillerie de la Repb. `a plus forte raison on ne luy peut pas la dispute[r] de celle qui se trouve ` a Memel en depost; Et finalement le Roy en Prusse a fait declare[r] au Roy quelques temps pass´e qu[’]i[l] vouloit acheter la munition qui se trouve a Memel; a t-il dont presuppos´e en mon Roy potestatem vendendi , il a presuppos´e en ` meme temps en luy plenum dominium et ainsy vous voyez sur quel fondement le refus est battu; ce sont fructus perperi qui ne connoit l’etat de la republique que par les cajoleries fausses du Cardinal et par l’oeillad de Madame Bielinski; et celuy comme etant dupp´e par le Cardinal et la dame dit donne des fausses impressions `a la Cour de Berlin dont les ministres devroient ouvrir les yeux p[ou]r voir plus clairement qu’ils ne [f]ont l’etat veritable de la republique qui n’est pas si confusum cahos comme on l’imagine; Je vous souhaite la nouvelle ann´ee tres heureuse avec beaucoup de contentement; Je suis de bon coeur Monsieur Thorn ce 8 Jan. [1]703

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votre treshumble tresobeissant serviteur Conte de Fleming

Monsieur je vous ecris en gra[n]d haste et ne pouvais pas tirer copie de cette lettre je vous prie de la garder pour me la rendre heni h—i.

1–4 posito . . . exercuit: Quelle nicht ermittelt. 5 Leopol.: vermutlich Lemberg (Lw´ ow). 7 derniere battaille: Gemeint ist vermutlich die Schlacht von Klisz´ ow (Juli 1702). 8 Lettre: nicht ermittelt. 8 Vilna: Wilna. 8 Birse: Birsen. 9 devant hAugustenburgi: die livl¨ andische Festung D¨ unam¨ unde, nach der Eroberung durch s¨ achsische Truppen unter Flemming (April 1700) zu Ehren Augusts II. umbenannt. 12 declare[r]: nicht ermittelt. 16 Madame Bielinski: Gr¨ afin Bieli´ nski, die Ehefrau des polnischen Großmarschalls; Bezug nicht ermittelt. 16 celuy: Gemeint ist hier vermutlich A. Chr. Zaluski.

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¨ 88. LEIBNIZ AN FURSTIN LUISE VON HOHENZOLLERN Berlin, 9. Januar 1703. [265.]

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¨ Uberlieferung: L Konzept, zun¨ achst vermutlich zur Abfertigung vorgesehen: LBr. F 21 Bl. 24. 8o. 2 S. Mit Korrekturen. Eigh. Anschrift. Datum und Anschrift wahrscheinlich nachgetragen.

A Mad. la princesse de Hohenzolleren Madame

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Berlin 9 janvier 1703

Je commence par souhaiter ` a V. A. S. toute sorte de prosperit´es et sur tout une parfaite sant´e pour cette ann´ee et beaucoup d’autres. Quant ` a la commission dont V. A. S. me fait l’honneur de parler, on ne trouve pas appropos que j’aille moy meme m’ingerer icy dans cette cour et que je mande d’estre employ´e car ordinairement cela est mal pris et mepris´e, mais si V. A. S. avoit ´ecrit icy pour cet effect et qu’on m’eut recherch´e, je l’aurois pˆ u faire honnestement. Il est ` a souhaiter qu’on trouve moyen au plustost `a regagner l’Electeur de Baviere, autrement il y a beaucoup ` a craindre pour le bien general. Et si l’Allemagne ne fait des efforts ` a proportion de l’Angleterre et de la Hollande les affaires pourroient tourner mal. Ce que Dieu veuille empecher. Je suis avec devotion Mad.

de V. A. S. le tres humble et tres obeissant serviteur

Leibniz.

Zu N. 88: Die nicht gefundene Abfertigung antwortet auf den Brief der F¨ urstin Luise an Leibniz vom 14. Dezember 1702 (I, 21), eine Antwort ist nicht u ¨berliefert. 10 commission: Luise von Hohenzollern-Hechingens Bitte an Leibniz, die Anerkennung der Gleichrangigkeit der F¨ ursten von Hohenzollern-Hechingen mit den alten F¨ urstenh¨ ausern durch weitere Regenten best¨ atigen zu lassen und sich deswegen zun¨ achst f¨ ur ein Beglaubigungsschreiben K¨ onig Friedrichs I. an Herzog Georg Wilhelm von Celle einzusetzen (vgl. ihren Brief vom 14. Dezember 1702). 10 f. pas appropos: zur Vorgehensweise, wie sie Luise von Hohenzollern, sich auf die fr¨ uhere Unterst¨ utzung durch das preußische K¨ onigshaus berufend, vorgeschlagen hatte, vgl. ebd. sowie I, 19 N. 84. 14 regagner . . . Baviere: Kurf¨ urst Max Emanuel, der Bayern Anfang September 1702 auf Seiten Frankreichs und Spaniens in den Spanischen Erbfolgekrieg gef¨ uhrt, aber auch danach noch mit dem Kaiser verhandelt hatte.

N. 89

ii. allgemeiner und gelehrter briefwechsel 1703

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89. DANIEL ERNST JABLONSKI AN LEIBNIZ [Berlin], 9. Januar 1703. [98.]

¨ ˇala, Neue Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 439 Bl. 70. 4o. 1 S. Bibl.verm. — Gedr.: Kvac Beitr¨ age, 1899, S. 82–83.

HochEdelgebohrner Herr, Mein HochgeEhrtister Herr Geheimbter Rath etc. hochwerther G¨ onner Der H. D. Stercky hat sich l¨ angst vorgenommen gehabt, M. Hen Geheimbten Rath auffzuwarten, und umb die Ehre desselben Bekantschafft sich zu bewerben. Weiß nicht, durch was vor F¨ urf¨ alligkeiten derselbe bisher daran behindert worden. Zweiffle aber nicht, daß, zumahl auf erhaltene g¨ unstige Erlaubn¨ us, Er sich ehistes bey M. Hen Geheimbten Rath einfinden werde, wozu auch ich demselben Anlaß geben will. Empfehle inzwischen M. Hen Geheimbten Rath in G¨ otl. GnadenObhut, vnd in hertzl. Anwunsch baldiger Vollkommener Gesundheit, verharre ich Er HochEdelgebohrn

d. 9. Jan. 1703.

Mes Hen Geheimbten Raths gebet- und dienstergebenster diener D. E. Jablonski.

Zu N. 89: Nach Jablonskis Brief vom 20. Dezember 1702 (I, 21) belegt K erneut schriftlichen Kontakt w¨ ahrend Leibniz’ langen Berlinaufenthaltes. Kurz darauf erfolgte Leibniz’ Sendung an Jablonski, die in N. 98 erw¨ ahnt ist. 7 Stercky: J. Sterky, bis 1702 Prof. der Theologie in Lausanne, wurde 1703 Erster Pastor an der Parochialkirche in Berlin. 13 Gesundheit: zu Leibniz’ Beinbeschwerden vgl. z. B. seinen Brief an K¨ onigin Sophie Charlotte vom 30. Dezember 1702 (I, 21).

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ii. allgemeiner und gelehrter briefwechsel 1703

N. 90

90. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 9. Januar 1703. [86. 94.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 147. 4o. 2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Bibl.verm.

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Je me suis donn´e l’honneur de vous ecrire [par] la poste precedente, et de vous dire, que j’aurois fait imprimer icy les deux Inscriptions, dont il est question, mais plusieurs raisons m’ont fait changer de dessein, outre que je trove plus convenable qu’on les imprime ailleurs, et loin du Poete. Mais la plus principale est, que vous pourri´es Monsieur (comme je vous en supplie tresheumblement) les repasser, et les corriger avant et apres qu’elles seront imprim´ees; vous donnant la permission d’ajouter, d’oter et de faire tout ce que vous jugerois ` a propos, ne doutant pas, que comme vous av´es eu la bont´e de me consiller l` a dessus, vous ne vouli´es achever l’ovrage comm’il faut. Monsr Attilio vous les mettr`a dans les mains, et se charger` a de l’Estampe, mais je vous prie de les vouloir corriger, `a fin que ne glissent dans l’Estampe de plus grosses fautes, de celles que vous y trover´es. Moy que je ne vole que ass´es bas, je me flatte d’avoir dit queque chose de bon aussi dans la Seconde Inscription. Je suis seulement embarass´e, comme les distinguer, et faire voir, qu’elles ont et´e faites dans un tems different, et je ne croy pas qu’il y aura autre remede, que le marquer en bas par l’Ann´ee; la premiere ayant et´e faite l’Ann´ee pass´ee, et la seconde la courrante. Je me remet a` vous aussi touchant le titre, et aussi de le presenter ` a Sa Majest´e. Une des vos paroles `a ma faveur voudra plus que tout ce que scaroient dire les autres. Je me recomande `a vos bont´es, et je suis h...i Hannover ce 9 Janvier 1 7 0 3

Zu N. 90: K kreuzte sich ebenso wie N. 94 mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief aus Berlin vom 9. Januar, auf den N. 104 antwortet. 5 ecrire: N. 86. 6 deux Inscriptions: Guidis (vgl. SV.) panegyrische Schriften zum Jahrestag der preußischen K¨ onigskr¨ onung. 9 repasser . . . corriger: vgl. Guidis 12 Attilio: A. Ariosti, der im Gefolge K¨ onigin Sophie Dank f¨ ur Leibniz’ Korrekturen in N. 116. Charlottes nach Hannover reiste. 18 la premiere: wohl der I, 20 N. 421 beigelegte Text.

N. 91

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P. S. Sur tout il faudroit faire ensorte que elles fussent imprim´ees pour le jour de la fete. Mylord Paget partit hier au matin, et demain on commence le Carneval.

¨ 91. LEIBNIZ AN KONIGIN SOPHIE CHARLOTTE [Berlin, Anfang Januar 1703]. [128.]

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¨ Uberlieferung: L Konzept (urspr¨ unglich zur Abfertigung vorgesehen): LBr. 735 (P¨ ollnitz) Bl. 15. 4o. 1/3 S. durchstrichen auf Bl. 15 ro. — Auf Bl. 15 vo L von N. 96.

Madame J’envoye icy ` a V. M. l’abreg´e de la lettre ecrite pour faire declarer le Prince George de Dannemarc Roy d’Angleterre. Toutes les raisons de la lettre sont dans cet abreg´e hbricht abi

1 f. jour . . . fete: der Jahrestag der preußischen K¨ onigskr¨ onung, der am 18./19. Januar feierlich begangen wurde. 3 partit: Zu W. Pagets Hannover-Besuch vgl. auch die Briefe der Kurf¨ urstin Sophie an L. J. Sinold gen. von Sch¨ utz vom 5. Januar bzw. an H. C. von Bothmer vom 9. Januar 1703 (gedr.: Doebner, Briefe, 1905, S. 172 bzw. 222 f.). Zu N. 91: Das abbrechende St¨ uck, f¨ ur das eine Abfertigung nicht belegt ist, folgt auf Leibniz’ Brief von Ende Dezember 1702 (I, 21) und sollte als Beilage das Z. 9 genannte Schreiben haben, das Kurf¨ urstin Sophie am 30. Dezember 1702 (I, 21) abschriftlich an Leibniz gesandt hatte. Daraus sowie aus der (vielleicht durch Eile oder Papiermangel bedingten) Wiederverwendung des Texttr¨ agers am 12. Januar 1703 f¨ ur N. 96 ergibt sich unsere Datierung. 9 f. abreg´ e . . . Angleterre: vgl. Leibniz’ eigh. Konzept und zwei eigh. Ausfertigungen eines Abreg´ e d’une lettre ´ ecrite ` a un Membre de Parlement pour faire decla” rer le Prince George Roy d’Angleterre‘‘ (Hannover Nieders¨ achs. Hauptstaatsarchiv Hann. 93 Nr. 492/1 Bl. 110 bzw. Bl. 104–107) nach der ebd., Bl. 100–103, u ¨berlieferten Abschrift von vermutlich A letter to a member of Parliament in reference to His Royal Highness Prince George of Denmark , [1702]. Zu Bestrebungen in England, Prinzgemahl Georg zum K¨ onig zu machen, vgl. Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 74 f.

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N. 92

92. LEIBNIZ AN ALEXANDER ZU DOHNA-SCHLOBITTEN Berlin, 11. Januar 1703. [169.]

¨ Uberlieferung: L Abfertigung: Tartu Universit¨ atsbibl. Morgenstern CCCLIVa, Ep. phil., T. V, N. 103 Bl. 185–186. 1 Bog. 8o. 3 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen.

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A Son Excellence Monsieur le Comte de Dona Ministre d’Estat du Roy et Gouverneur de Msgr le Prince Royal Monsieur

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Je ne puis me dispenser de recommander `a V. E. au nom de la Societ´e Royale des Sciences Monsieur des Vignolles Ministre de l’Eglise Fran¸coise `a Brandebourg, que nous et beaucoup d’autres qui le connoissent, souhaiterions d’avoir icy. On trouve son merite, sur tout dans les recherches historiques fort estimable, et sa bonne volont´e d’autant plus digne de louange, qu’il est rare de voir l’application jointe avec la capacit´e. Quoyque la Societ´e des Sciences, dont il est un digne membre, y soit interess´ee; ce n’est pas pourtant sur cela, mais sur le service du Roy et du public, que je veux appuy[er]. M. des Vignolles est fort propre ` a ´etablir exactement les faits d’histoi[re,] les temps et les circomstances, et cela sert non seulement dan[s] l’Histoire sacr´ee, o` u la vraye relig[ion] a tant d’interest, mais encor dans l’Histoire posterieure, o` u l’´eclaircisse[men]t des titres et monumens Historiques [est] bien souvent de consequence pou[r] l’estat; et c’est dans des rencont[res] approchans que j’ay remarqu´e en luy une industrie et une adresse peu ordinaires. Mais ces sortes de travaux demandant des livres et des aides, qu’une ville de Brandebourg ne sauroit fournir; il nous est ven[u] une pens´ee, que je sousmets au jugement ´eclair´e de V. E., et qui paroist assez faisable. C’est qu’en le dispensant des fonctions du Ministere de son Eglise de Brandebourg on le mette en estat de resider icy et d’employer plus utilement sa doctrine dans un plus grand theatre. A quoy l’Eglise totale du pays

Zu N. 92: Das Billet N. 169, dem direkter Kontakt zwischen Leibniz und Dohna vorausgegangen sein wird, belegt dessen Reaktion auf unser St¨ uck. Da die Abfertigung in einen Sammelband eingebunden wurde, sind auf der Innenseite des Bogens einige Zeilenenden nicht mehr sichtbar, jedoch zuverl¨ assig zu erg¨ anzen. 13 membre: seit 1701 als abwesendes Mitglied. 22 fournir: vgl. Des Vignoles’ Beschreibung in I, 20 N. 424.

N. 93

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cependant ne perdra rien puisqu’il ne laissera pas de temps en temps de faire valoir icy les talens qu’il a pour la chaire. Je suis avec respect Monsieur

de Vostre Excellence

le treshumble et tres obeissant serviteur

Berlin 11me janvier 1703.

de Leibniz.

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93. JOHANN FRIEDRICH PFEFFINGER AN LEIBNIZ L¨ uneburg, 11. Januar 1703. [151.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 725 Bl. 114–115. 1 Bog. 8o. 3 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen und Erg¨ anzungen.

Monsieur

11 Janv. 1703 L¨ uneb.

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Je ne s¸cay si toutes les lettres que je me suis fait l’honneur de Vous ecrire, Monsr sont arriv´es ` a bonnes enseignes. La cy jointe m’est venu¨e ce matin par la poste de Hamb. Mr d’Eyben se recommende ` a Vos graces, Monsieur. A ce qu’il paroit, la commission de Pretz est finie, puisceque sa lettre est datt´ee `a Gottorp. Il mande que le Roy de Suede se porte assez bien. Il ne seroit gueres profitable aux conjonctures roulantes, s’il alloit quitter

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Zu N. 93: K mit der Z. 12 erw¨ ahnten Beilage wird beantwortet durch einen nicht gefundenen Leibnizbrief, der sich aus Pfeffingers folgendem Brief, N. 151, erschließen l¨ asst; er war vielleicht identisch mit dem aus N. 138 zu erschließenden Begleitbrief an Pfeffinger und m¨ usste demnach wohl aus der zweiten Januarh¨ alfte 1703 datiert haben. 11 lettres: nicht identifiziert. Pfeffingers letzter vorangehend u ¨berlieferter Brief vom 3. Dezember 1702 (I, 21) war die Antwort auf einen (nicht gefundenen) Leibnizbrief vom 21. Oktober 1702. M¨ oglicherweise folgte im Dezember ein weiterer, nicht gefundener Brief Pfeffingers. 12 cy jointe: nicht identifiziert; vielleicht der Brief Chr. J. Nicolais von Greiffencrantz vom 17. Dezember 1702 (I, 21) oder der Brief J. Tiedes vom 26. Dezember 1702 (LBr. 929 Bl. 29–30; Druck in Reihe III). 13 commission: Chr. W. von Eyben war als herzoglicher Kommissar nach Preetz (bei Kiel) gesandt worden mit dem Auftrag der Schlichtung von Besitzstreitigkeiten; vgl. Pfeffingers Vorg¨ angerbrief. 14 lettre: nicht ermittelt. 14 f. se porte . . . bien: Anspielung auf die Verwundungen Karls XII. bei einem schweren Reitunfall im September 1702, die Ger¨ uchte u ¨ ber eine Lebensbedrohung ausgel¨ ost hatten; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Okt. 1702, S. 97 f. sowie T h e a t r u m Europaeum, 16, 1717 (ad a. 1702), Sp. 1041 b.

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ce monde presentement. On parle d’une alliance entre les Moscowites et la Republique de Pologne, pourvˆ uque le Zele immoder´e pour la Religion, n’encourage le Cardinal Primat a tourner casaque. N’est pas une honte, que de laisser dominer l’Electeur de Baviere, ` comme bon luy semble? Si on ne dompte pas son ambition cet hyver, adieu la campagne prochaine. Avanthier, les 3 Compagnies du Regiment de la Motte, qui ont et´e en garnison icy, re¸ceurent ordre de partir le meme jour pour Zell. Ne seroit ce pas pour le Hildesheim? En Vous souhaittant une tres bonne et tres heureuse ann´ee, suivie de beaucoup d’autres, je suis avec respect Monsieur

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Votre tres humble et tres obeissant valet

Pfeffinger.

Mr Benthem Vous assure de ses respects, Monsr.

94. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ [Hannover, 11. Januar 1703]. [90. 104.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 11–12. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Bibl.verm.

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Les dernieres novelles d’Angleterre parlent encore problematiquement de l’augmentation des Troupes, parceque bien que le Duc de Marlboroug y travaille de tout son puvoir, 2 pourvˆ uque que K korr. Hrsg. 1 alliance: Auf dem Senatstag zu Thorn im November/Dezember 1702 war August II. autorisiert worden, f¨ ur die polnische Adelsrepublik Verhandlungen mit ausw¨ artigen M¨ achten u ¨ber eine Beilegung des Nordischen Krieges zu f¨ uhren (vgl. Hassinger, Brandenburg-Preußen, 1953, S. 82); dies k¨ onnte hier gemeint sein. 2 Cardinal Primat: A. M. S. Radziejowski. 3 laisser dominer: Gemeint sein d¨ urfte allgemein die Position von Kurf¨ urst Max Emanuel von Bayern nach seinem Eintritt in den Spanischen Erbfolgekrieg auf der Seite Frankreichs im Sp¨ atsommer 1702 oder kleinere Unternehmungen ¨ ttl, Max Emanuel, 1976, seiner Stoßtrupps gegen die Winterquartiere kaiserlicher Truppen (vgl. Hu S. 347). 5 de la Motte: Ch. de La Motte war Chef eines cellischen Infanterieregiments. 6 Hildesheim: Tats¨ achlich wurde Hildesheim am 16. Januar 1703 von cellischen Truppen besetzt, vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 564. Zu N. 94: K kreuzt sich vermutlich, ebenso wie N. 90, mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief vom 9. Januar, auf den N. 104 antwortet. Die Datierung unseres St¨ ucks ergibt sich aus dem Hinweis auf den Besuch W. Pagets (vgl. S. 139 Z. 9) in Hannover sowie den Karnevalsbeginn hyer au soir‘‘ (vgl. S. 139 ” Z. 12). 15 novelles d’Angleterre: vermutlich im Rahmen von Guidis politischer Nachrichtenb¨ orse. 15 f. l’augmentation: vgl. N. 85.

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des certains esprits opiniatres continuent de soutenir, qu’on n’en sauroit faire maintenant la proposition au Parlement. On espere neantmoins, que les bien intentionn´es prevaudront, et pourront disposer la Chambre basse `a proposer elle m´eme cette augmentation des Troupes, que le Public juge absoulement necessaire. Les Gazettes publient de quelle maniere les Communes se sont excus´ees de perpetuer la pension de 5 000 livres Sterlins au Duc de Marlboroug, mais l’on y peut ajouter, que ce Duc et sa femme jouissant m de plus de 200 ducatons de revenu, l’on juge qu’ils pourront amasser de quoy soutenir la novelle qualit´e. Le Duc de Leids et le Lord Hallifax ont eu des si fortes paroles dans la Chambre haute, que le Marquis de Carmarthen fils du Duc avoit fait appeller Mr Hallifax, mais l’on a et´e averty, et l’on a mis [en] ordre. A l’istance du Roy de France celui d’Espagne a ordonn´e qu’on poursuive le proces de l’Almirante de Castille que son Neveau et un Vallet ont depos´e s’etre abbouch´e avec le Prince de Darmstatt, et avec le Comte de Wallestein, pour prendre des mesures en faveur de l’Arciduc, mais ces depositions n’etant pas m´eme vraisemblables, l’Almirante n’auroit pas eu beaucoup ` a craindre, si les Francois ne s’en fussent mel´es. Il me semble que les affaires de Pologne vont si mal pour le Roy, que celles d’Italie pour l’Empereur. Voyci comme s’est pass´e a Governolo: le Duc de Vandome ayant occup´e queques maisons proche de cette Place de l’autre cot´e du Mincio, fit donner trois assaux aux fortifications, que les Allemands y avoient fait mais les Francois furent repouss´es

2 proposition: Diese erfolgte Mitte Januar. 4 Gazettes: nicht ermittelt; die Adresse des Unterhauses an die K¨ onigin sp¨ ater auch (¨ ubers.) gedr. in: M e r c u r e historique, Febr. 1703, S. 202 f. 5 perpetuer: Das Vorhaben der K¨ onigin, diese j¨ ahrliche Zuwendung an J. Churchill duke of Marlborough auf Dauer f¨ ur ihn und seine Nachkommen zu etablieren, war im Dezember 1702 im Unterhaus am Protest der Tories gescheitert; vgl. Gregg, Queen Anne, 1980, S. 165 f. 8 novelle qualit´ e: der im Vorjahr verliehene Herzogtitel. 9 Duc de Leids: Th. Osborne duke of Leeds. 9 Lord Hallifax: Ch. Montagu first earl of Halifax. 10 Marquis de Carmarthen: P. Osborne marquis of Carmathen. 12 proces: Zum Prozess gegen J. T. Enriquez de Cabrera Almirante de Castilla, mit dem Vorwurf der Kooperation mit der kaiserlichen Seite, vgl. M e r c u r e historique, Jan. 1703, S. 107–112 sowie N. 224 Erl. 13 Neveau: nicht identifiziert, vielleicht P. Enriquez de Cabrera. 14 Prince de Darmstatt: Georg von Hessen-Darmstadt, 1697–1701 Vizek¨ onig von Katalonien. 14 Comte de Wallestein: der kaiserliche Botschafter in Portugal C. E. von Waldstein. 15 l’Arciduc: der zum spanischen Gegenk¨ onig ausersehene Erzherzog Karl. 17 affaires de Pologne: im Nordischen Krieg. 17 celles d’Italie: im Spanischen Erbfolgekrieg. 18 s’est pass´ e: Gemeint sind vermutlich die franz¨ osischen Angriffe auf Governolo Mitte Dezember 1702, die tats¨ achlich mit einem R¨ uckzug der kaiserlichen Armee endeten. Vgl. bereits Guidis Bericht vom 28. Dezember 1702 (I, 21).

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vigoreusement avec perte de 700 hommes, outre les bless´es, et ils furent m´eme pouss´es jusqu’aux batteries, et on leur encloua deux Canons. Vandome s’arret`a dans son camp attendant des plus grands renforts, pendant que Precontal avec des barques arm´ees sur le Po avoit occup´e le Village Sacchetta ` a l’emboucheure du Mincio. Il fit donc sortir de Modene et d’autres endroits 5 000 hommes avec 6 Canons de Campagne, il se post`a vers Crevacuoro sur le Bolognois avec apparence de vouloir assieger Final de Modene, d’o` u aussitost sortirent 3 000 Allemands qui camperent `a la Palata, un mille distant de l’ennemi. Vandome ayant donc amus´e ce Garnison l`a, redoubl`a les assauts jusqu’`a 7, o` u m il perdit en tout 2 hommes, outre 1 000 bless´es. Mais le Prince Eugene voyant qu’il ne pouvoit comter sur d’autres secours, il fit pendant la nuict ruiner la Tour et plusieurs Maisons de Governolo, et ayant repass´e le Mincio avec ses Troupes, fit rompre le Pont, et se retir` a` a Ostia; et les Francois entrerent en Governolo, desorte que la navigation du Po, et du Mincio de Cremone jusqu’` a Mantoue est delivr´ee. Un[e] autre lettre dit que la Place capitul`a, et que la Garnison sortit avec toutes les marques d’honneur, que le Prince Eugene faisoit etat de passer au desseus du Mirandolano, mais ayant trov´e le Pont de la Secchia coup´e, il fut oblig´e d’aller vers Ponte Molino pour conserver la navigation de l’Adige, puisque on a perdu celle du P`o, et cette relation me semble plus juste. Les Francois marchoient `a Ostiglia e Revere, de sorte que le Prence Eugene ser` a oblig´e de se jetter sur le Ferrarois. On dit que le Prince comprises m les Garnisons n’a pas entierement 18 hommes. Je ne scay pas quel presage on peut faire aux affaires de l’Empereur, et je commence `a croire que ce que le Cardinal Grimani dit au Pape, se verifier` a, et que l’Italie ser` a vid´ee des Allemands, et des Francois, car il est presque impossible que l’Empereur puisse envoyer de secours au Prince Eugene, `a moins que les choses de Baviere ne prennent un’autre plie. Vous scar´es que le Cardinal Grimani est all´e `a Vienne, et que le Cardinal Lamberg ir` a ` a Rome en sa place, ` a ce que les domestiques du premier ont dit. Le Cardinal de Medicis a accept´e la protection de France, et on verra en peu oter de son Palais de Piazza Madama les Armes de l’Empereur.

12 Ostia: Gemeint ist vermutlich Ostiglia. 14 lettre: nicht ermittelt. 21 dit: vgl. N. 86 Erl. 25 Lamberg: Kardinal Johann Philipp 22 Pape: Clemens XI. 25 all´ e ` a Vienne: vgl. N. 86. von Lamberg, F¨ urstbischof von Passau. 26 Cardinal: Kardinal Francesco Maria de’ Medici; vgl. M e r c u r e historique, Jan. 1703, S. 18 f. 27 oter: vgl. N. 229.

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Mon Corrispondent que j’ay ` a ce Cour l`a me mande, qu’il avoit demand´e `a Mr Magliabecchi s[’]i[l] vous avoit repondu, il lui dit que non, mais qu’il l’auroit fait au plus tost, et qu’il auroit donn´e la lettre ` a lui; et que ne l’ayant veue encore, il craignoit qu’il avoit oubli´e, et qu’il ne manqueroit pas de lui faire souvenir. Mr Magliabecchi est occup´e `a transporter la bibliotheque de Monsigneur le Cardinal de Medicis dans un’autre endroit. Du reste Monsieur vous aur´es receu de Mr Attilio mes Inscriptions, ma lettre, et mes tresheumbles prieres, pour les visiter[,] corriger, et presenter, si vous les jug´es dignes de Sa . . . Je vous replique mes istances encore une fois. Mylord Paget partit d’icy Lundi pass´e. En prenant cong´e de S. A. E. notre Maitre lui dit que il esperoit d’avoir le bonheur de le voir un jour en Angleterre, S. A. E. repondit, que c’etoient des choses, qui etoient dans les mains de la Providence, e[t] qu’on les devoit attendre d’elles. Hyer au soir on commenca le Carneval par la Commedie Allemande qu’on joua en Ville, et que toutes les Masques puvent voir sans rien payer. apres on ovrit la Redoutte. Je suis h...i

¨ 95. LEIBNIZ AN DIETRICH WILHELM VON BULOW Berlin, 12. Januar 1703.

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¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. 126 (J. H. von B¨ ulow) Bl. 10. 8o. 2 S. Mit einigen Korrekturen. Eigh. Anschrift.

A Monsieur de Bulau Grand Maistre de la Reine Chevalier de l’ordre du Roy Monsieur

Berlin 12 Janvier 1703

Comme il me viennent des petites douleurs, qui semblent menacer de quelque chose de sciatique, je suis tent´e de partir au plus tost. Et j’ay suppli´e la Reine de vouloir me 1 Corrispondent: nicht identifiziert; vermutlich der am 3. Oktober 1702 (I, 21) gegen¨ uber Magliabechi als Mittelsmann ins Spiel gebrachte amicus Florentinus‘‘ Guidis. 2 repondu: Gemeint ist ver” mutlich die Antwort auf Leibniz’ Brief vom 3. Oktober 1702. Der n¨ achste u ¨ berlieferte Brief A. Magliabechis datiert erst vom 3. Mai 1703 (N. 236). 6 receu: vgl. N. 90. 6 Attilio: A. Ariosti. 6 Inscriptions: vgl. Guidi (SV.). 6 lettre: wohl N. 90. 8 Sa . . . : der preußische K¨ onig Friedrich I. 9 partit: am 8. Januar; vgl. N. 86. 10 voir . . . Angleterre: Anspielung auf den hannoverschen Sukzessionsanspruch. 12 commenca: am 10. Januar; vgl. N. 90. ur schriftlichen Kontakt mit dem Oberhofmeister der K¨ onigin SoZu N. 95: L ist der einzige Beleg f¨ phie Charlotte. 21 douleurs: Zu Leibniz’ Beinbeschwerden seit Ende 1702 vgl. seinen Brief an K¨ onigin Sophie Charlotte vom 30. Dezember 1702 (I, 21). 22 suppli´ e: vgl. N. 96.

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faire avoir une voiture telle que j’ay tousjours eue, ohne entgelt, Et puisque je rempliray un propre carosse o` u je seray empaquet´e malade avec un valet encor malade; il ne me faudra pas plus de voiture seul que dans la suite de la reine, de sorte que cela ne coustera rien d’avantage. Si j’allois seul j’irois par Magdebourg pour jouer du plus seur. Or cela estant je vous supplie aussi Monsieur de favoriser cette demande aupres de la reine qu’ailleurs o` u il faut, afin qu’on l’obtienne au plus tost. Quand la commission sera eman´ee, l’affaire de la soye, ira bien encor en mon absence. J’aurois souhait´e de parler ` a M. le Grand Veneur, mais j’apprends qu’il n’est pas en estat de recevoir visite. Mais vous Monsieur aur´es la bont´e un jour de luy marquer combien je l’honnore. Je suis avec zele et obligation Monsieur

vostre tres humble et tres obeissant serviteur

Leibniz.

¨ 96. LEIBNIZ AN HENRIETTE CHARLOTTE VON POLLNITZ [Berlin, 12. Januar 1703]. [105.]

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¨ Uberlieferung: L Abfertigung: LBr. 735 Bl. 15. 4o. 3/4 S. auf Bl. 15 vo. Mit Korrekturen und Erg¨ anzungen. Eigh. Anschrift. Auf Bl. 15 ro L von N. 91.

A Mademoiselle de Pelniz Mademoiselle

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J’avois voulu prendre une precaution, mais je l’ay neglig´ee par malheur. C’est que j’ay avois suppli´e la Reine par vostre entremise, de me procurer une voiture mais j’ay oubli´e d’y insister. Et je vous asseure que si je l’avois prest´e je partirois d`es demain, 19 f. mais . . . insister erg. L 2 valet: vermutlich U. G¨ urgensohn. 3 la suite: Leibniz hatte im Gefolge der K¨ onigin reisen wollen, die am 20. Januar nach Hannover aufbrechen wollte; tats¨ achlich verschob sich seine R¨ uckreise bis Ende Mai. 6 commission: die erhoffte Anweisung von Seiten des K¨ onigs als Voraussetzung f¨ ur die Einf¨ uhrung der Seidenkultur, vgl. etwa N. 101. 8 Grand Veneur: Chr. von Pannwitz; zu Leibniz’ Bem¨ uhen, ihn in die Bem¨ uhungen um die Seidenkultur einzubeziehen vgl. die Korrespondenz mit K¨ onigin Sophie Charlotte von Ende Dezember 1702 (I, 21). Zu N. 96: L folgt auf den Brief Henriette Charlotte von P¨ ollnitz’ vom 2. Mai 1702 (I, 21) und uckgesandt; wir datieren aufgrund der inhaltlichen N¨ ahe zu N. 95. wurde mit der Antwort N. 105 zur¨ 19 suppli´ e: vermutlich m¨ undlich, vgl. auch N. 95. 19 voiture: f¨ ur die R¨ uckreise nach Hannover, die Leibniz zun¨ achst im Gefolge K¨ onigin Sophie Charlottes antreten wollte, die am 20. Januar aufbrach.

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car je trouve des petits sentimens de douleur qui semblent menacer de quelque chose de sciatique. Seroit il possible, Mlle d’obtenir encor cette voiture au plustost? En ce cas je vous supplie de porter mes desirs aux pieds de la Reine. Si je pouvois estre prest pour le commencement de la semaine qui vient, tant mieux. Vous sav´es bien que les ceremonies ne m’arresteront pas. Et la commission de la soye estant en train ira bien quand je n’y seray pas. Je suis avec respect Mlle

Vostre treshumble et tres obeissant serviteur

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Leibniz

A Mlle de Pelniz.

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97. JOHANN JACOB JULIUS CHUNO AN LEIBNIZ [Berlin,] 13. Januar 1703. [112.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 185 Bl. 50–51. 1 Bog. 4o. 3 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Eigh. Aufschrift. Siegel. Textverlust durch Siegelausriss bei Schlusskurialien und Unterschrift.

Monsieur Je souhaite d’aprendre que votre sant´e soit parfaite et constante. J’ay fait demander

5 mieux (1 ) Je suis avec (2 ) Vous L

6 f. Et . . . pas erg. L

1 douleur: Leibniz litt seit mehreren Wochen an Beinbeschwerden. 5 commencement . . . vient: die am 14. Januar beginnende Woche; tats¨ achlich verschob Leibniz den Aufbruch mehrfach und reiste erst Ende Mai ab. 5 ceremonies: die Feiern am 18. und 19. Januar zum Jahrestag der preußischen Kr¨ onung. 6 commission: Neben einer erhofften Vollmacht der K¨ onigin f¨ ur die Einf¨ uhrung der Seidenzielung‘‘ (vgl. ” Klopp, Werke, 10, 1877, S. 372; Druck in Reihe IV) bem¨ uhte sich Leibniz vor allem um eine Anweisung des K¨ onigs f¨ ur sein Vorhaben (vgl. etwa N. 83, N. 97, N. 101). Zu N. 97: K antwortet auf einen vermutlich Anfang Januar geschriebenen Leibnizbrief (nicht gefunden); die Beantwortung erfolgte vielleicht m¨ undlich. 17 sant´ e: Zu Leibniz’ etwa seit Dezember 1702 akuten Beinbeschwerden vgl. N. 95 u. Erl.

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Auff der hofCammer Auff der Ambts Cammer Bey dem H. Hofrath Miegen Bey dem H. Hofrath von Stosch und auff der Jagdt Canzley: s’il y avoit quelque Commissoriale decommand´e ou d’expedi´e dans l’affaire de la production des soyes dans ce pays icy. Mais personne n’en sait rien en aucun de ces endroits. Je ne saurois mesme deviner ` a qui l’expedition en pourroit etre command´ee car pour Monsr de Hamrath cette affaire n’est nullement de son departement. J’ay averti Monsieur Kirch par un billet de coucher par ecrit ses pens´ees et ses doubtes sur la feste de paques de 1704. et pour ne pas perdre du tems de ne s’amuser pas presentement d’une recherche qui le meneroit trop loin et feroit perdre le tems qu’il faut pour avoir reponce de Ratisbone avant le commencement de l’impression de nos Almanacs. J’ay mand´e aussi ` a Mr Jabloncki le Secretaire d’envoyer `a Mr Kirch ce qu’il avoit couch´e, pour le faire faire diligence au travail de nos Almanacs et de luy ecrire en mesme tems une lettre pour luy mander que c’est du consentement de tous les autres membres du Concilium Societatis qu’on luy fait cette proposition et qu’on s’y voit oblig´e par les plaintes frequentes qu’on a port´e ` a la Cour sur le sujet et par les ordres que les Ministres de la Cour nous ont donn´e en plusieurs occasions d’y remedier. Qu’on tachera aussi de brider les Imprimeurs afin que tout aille bien. Je ne say pas ce qu’il repondra `a tout cecy[.] Mais ` a l’egard de paques de 1704. il m’a fait dire d’y vouloir satisfaire. Je suis avec passion Monsieur

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Votre tres humble

et tres obeissa[nt] serv[iteur

Couneau]

ce 13 Janvier 1703. Ne savez vous pas Monsieur quels autheurs ont ecrit la vie de Tamerlan le Tatare A Monsieur Monsieur de Leibniz Conseiller d’Etat de S. A. E. de Brounswig.

6 Commissoriale: vgl. Leibniz’ Vorschlag in N. 84. 10 billet: nicht ermittelt. 11 doubtes . . . paques: Infolge der Verschiedenheit der Berechnungsmethoden, die katholische und protestantische Gelehrte anwandten, ergaben sich f¨ ur 1704 unterschiedliche Ostertermine; vgl. z. B. I, 19 N. 336. 13 de Ratisbone: vom Reichstag in Regensburg. 14 Almanacs: die von G. Kirch zu bearbeitenden Kalender, die der Finanzierung der Soziet¨ at dienen sollten. 15 f. ce . . . couch´ e: nicht ermittelt.

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98. DANIEL ERNST JABLONSKI AN LEIBNIZ [Berlin], 13. Januar 1703. [89. 279.] ¨ ˇala, Neue Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 439 Bl. 71. 4o. 1 S. Bibl.verm. — Gedr.: Kvac Beitr¨ age, 1899, S. 83.

Ich sage gehorsamsten Dank vor die mir hochgeneigt geschehene communication deßen so in Irenicis passiret ist, H¨ atte meiner Schuldigkeit fleissiger wahrnehmen wollen vnd sollen, wenn daran nicht anderweitig w¨are behindert worden. Bitte mir aber die Freyheit aus, morgen gegen XI. Uhr gehorsamst aufzuwarten, vnd verharre in schuldigstem respect h...i d. 13. Jan. 1703.

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99. OTTO MENCKE AN LEIBNIZ Leipzig, 13. Januar 1703. [225.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 636 Bl. 160. 2o. 1 S. Eigh. Aufschrift. Siegel. Postverm. Am oberen linken Rand von Bl. 160 ro von Leibniz’ Hand: resp‘‘. ”

Tit.

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Sonders Hochgeehrtester Patron. Dero geehrtes kam zu rechter zeit, so daß die errata noch dem Decembri vorigen jahres angeh¨ anget werden k¨ onnen. Der Setzer aber protestiret hautement, daß Er an

Zu N. 98: K dankt f¨ ur die in Z. 5 erw¨ ahnte Sendung. 5 communication: nicht ermittelt. 6 Irenicis: die Bem¨ uhungen um die Ann¨ aherung von Lutheranern und Reformierten. Zu N. 99: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief von vermutlich Ende 1702 (vgl. Z. 17 f.), wohl identisch mit dem durch Leibniz’ Antwortvermerk zu Menckes Schreiben vom 25. November ¨ 1702 (I, 21) bezeugten Brief. K wird beantwortet (vgl. Uberlieferung sowie N. 225) durch einen ebenfalls nicht gefundenen Leibnizbrief. Beilage zu K war ein Aufsatz von Joh. Bernoulli, vgl. Erl. zu S. 144 Z. 19. 17 errata: Vgl. A c t a erud., Dez. 1702, S. 565 f., betreffend Leibniz, Specimen Novum Analyseos pro Scientia Infiniti, circa Summas et Quadraturas, in: ebd., Mai 1702, S. 210–219.

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N. 99

denen erratis keine Schuld habe, sondern alles gesetzet worden, wie es geschrieben gewesen; welches sich zeigen muß, wan ich das concept aufzufinden zeit habe. Indessen k¨omts dahin, daß ich dergleichen algebraica gar nicht mehr in die Acta werde bringen k¨onnen, indem ich sie nicht verstehe, auch niemand alhier habe, der solche verstehe, die drucker auch nicht mehr daran wollen. H. Pfautzen kan ich hierunter fast nichts zumuthen, weil Er meistens kranck, undt seinen kopf damit nicht angreifen darf. Von Basel seyn mir im vorigen jahr 2 Schediasmata zugekommen, unter dem Nahmen Hn. Hermanni, wiewol ich den Hn. Bernoulli pro autore halte. Das kleinere ist in die Acta kommen, doch bloß auß complaisance. Das andere, welches sehr groß und schwer zu setzen war, habe ich wieder zur¨ uckgesant, mit vermelden, daß wir durchauß keine contentiosa weiter in die Acta bringen w¨ urden. undt eben dieses war wieder das neue Parisische journal des S¸cavans, oder doch wieder ein von einem membro der Academie des Sciences dem journal einverleibtes Schediasma. So h¨ atte auch vorher dieses auß dem journal ins lateinische ubergesetzet werden m¨ ussen, dazu ich niemand capabel weiß, wie ich dan auch das st¨ uck vom journal die Stunde nicht gesehen. Es wird dem Hn. Bernoulli verdr¨ ußen. allein Er ist ohne dem so wol, alß sein H. bruder zu Gr¨ oningen, mein feind worden, weil ihre Schediasmata litigiosa in die Acta gebracht worden, undt also m¨ ussen wir uns h¨ uten, daß wir unß nicht an andern von neuen verbrennen. Indessen muß ich sehen, wie M. h. Patrons continuation noch hineinkomme, wolte aber gern des beygefugten von Hn. Jo. Bernoullio uberhoben seyn. Es machen mir diese dinge gar zu viel verdruß, undt der hundertste verstehet sie nicht. Ich wundsche im ubrigen zu diesem undt vielen folgenden jahren alles ersinliche vergn¨ ugen undt verbleibe unter Gottes Schutz Meines Hochgeehrtesten Patrons

ergebenster diener

L. Otto Menckenius

Leipzig den 13 Jan. 1703 8 Hn. Bernoulli: Jacob. 8 Das kleinere: J. Hermann, Methodus inveniendi radios osculi in Curvis ex Focis descriptis, in: A c t a erud., Nov. 1702, S. 501–504. 9 Das andere: Es handelt sich vermutlich um die urspr¨ ungliche Fassung von Ders., Demonstratio geminae Formulae a Celeberrimo Dn. Joh. Bernoulli, in Actis Erudit. Mens. Apr. A. 1701 exhibitae, in: a. a. O., Aug. 1703, S. 345–352. Darin bezog sich Hermann wohl auf Joh. Bernoulli, Quadrature d’une infinit´ e de segmens, in: H i s t o i r e de l’Acad´ emie Royale des Sciences de l’ann´ ee 1699 , 1701, S. 134–139 (zweite Z¨ ahlung). Eingereicht worden war der Artikel am 11. Juli 1699 von P. Varignon, vgl. Paris Acad´ emie des Sciences, Proc` es Verbaux, Tome XVIII, 1698–1699, 11.7.1699, Bl. 409 vo–413 vo. 16 bruder: Johann. 18 continuation: Leibniz, Continuatio analyseos quadraturarum rationalium, in: A c t a erud., Jan. 1703, S. 19–26. 19 des beygefugten: Vgl. Joh. Bernoulli, Problema exhibitum, in: A c t a erud., Jan. 1703, S. 26–31. Zu einem Teil des Manuskripts, der in die gedruckte Version nicht aufgenommen wurde, vgl. LBr. 57, 2 Bl. 256–257.

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A Son Excellence Monsieur Leibnitz Conseiller priv´e de Son A. E. de Hannovre maintenant ` a Berlin franco Wittenb.

100. BARTOLOMEO ORTENSIO MAURO AN LEIBNIZ Hannover, 13. Januar 1703. [147.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 619 Bl. 39–40. 3 1/2 S. 8o. Eigh. Aufschrift. Siegelreste.

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Hr le 13 Jr 1703. On a dit icy, Monsieur, que vous estiez incommod´e: j’en serois fort fach´e, mais j’espere que devant que ce billet vous arrive vous aurez recouvr´e vostre sant´e. On a ouvert la Redoute, et commenc´e le Carneval, La veritable joye ne commencera qu’a l’arriv´ee de la Reyne et de sa charmante suitte. Mr l’Abb´e Stefi, qui vous asseure de ses services, s’attend `a recevoir par vostre entremise les plaques d’ambre que Me la Comtesse d’Egmont souhaitte si fort d’avoir: ayez la bont´e d’envoyer quelquefois vostre valet les solliciter. J’envoye dans le paquet que Me l’Elce envoye `a la Reyne une lettre pour Mr le Bar. d’Obresenski; il importe fort qu’elle luy soit rendue: ayez, Monsieur, la bont´e, de recomander qu’elle ne s’egare pas, et de m’avertir s’il l’aura re¸cue: je crains que d’autres ne soyent pas arriv´ees ` a bon port, et particul[ieremen]t celles que je me donnay l’honneur de luy ecrire et ` a vous aussy du Gheur. Je vous supplie de me mettre aux pieds de la Reyne, de S. A. R. Me la Duchesse et de la Ser. Prsse et Serme Duc de Courlande, j’espere et souhaitte ` a l’egal de qui que ce soit l’honneur de rendre mes respects `a Mgr le Pce Royal, et nous vous attendons avec impatience, ne m’oubliez pas cependant Monsieur prez de ces Messieurs qui m’honnorent de leur souvenir, et croyez moy toujours

Zu N. 100: K folgt auf Mauros Brief vom 27. Dezember 1702 (I, 21). Dass Leibniz’ auf die Z. 11–13 ge¨ außerte Bitte nach der Beschaffung von Bernsteinplatten einging, ergibt sich aus N. 147 u. N. 166. 7 incommod´ e: vgl. z. B. N. 109. 10 l’arriv´ ee: K¨ onigin Sophie Charlotte reiste am 20. Januar nach Hannover; vgl. N. 109. 11 Stefi: A. Steffani. 13 vostre valet: Gemeint ist vermutlich J. B. Knoche. 14 lettre: Mauros Brief an den Oberhofmeister K¨ onigin Sophie Charlottes, F. B. von Dobrzensky, wurde nicht ermittelt. 18 ` a vous: Mauro an Leibniz, 10. November 1702 (I, 21). 18 Gheur: das welfische Jagdschloss in der G¨ ohrde. 19 Duchesse: Herzoginwitwe Elisabeth Sophie von Kurland. 19 Prsse: vermutlich Marie Dorothea von Kurland.

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tres humble tres ob[eissan]t serv[iteur]

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Hort. Mauro.

Aux charmantes Muses, et ` a leur Presid[en]te mes respects, si l’occasion s’en presente dites en un mot ` a L. A. R. Mgrs les Margraves, et `a Mr le Co. et Me la Comtesse de Dohna et ` a Me la Comt[ess]e Louyse. Le catalogue vous sembleroit trop vaste si j’y ajoutois les Dames qui logent prez du Canal. A Monsieur Monsieur Leibnitz Berlin

101. LEIBNIZ AN JOHANN CASIMIR KOLBE VON WARTENBERG [Berlin, Mitte Januar 1703].

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¨ Uberlieferung: E Erstdruck nach dem nicht gefundenen Konzept: Klopp, Werke, 10, 1877, S. 379–380.

Monsieur. J’espere que V. E. aura reconnu par tout ce que j’ay eu l’honneur de dire hier, qu’`a 2 Muses . . . Presid[en]te: Gemeint sind vermutlich Sophie Charlottes erste Hofdame H. Ch. von P¨ ollnitz und die ihr unterstehenden 12 weiteren Hofdamen. 3 Margraves: Markgraf Philipp Wilhelm zu Brandenburg-Schwedt und seine Br¨ uder Albrecht Friedrich und Christian Ludwig, Markgrafen zu Brandenburg. 4 Louyse: Luise Charlotte zu Dohna, Tochter von A. von Dohna-Schlobitten. 5 Dames: nicht identifiziert. uck geh¨ ort in den Zusammenhang des Projekts zur Seidengewinnung, das LeibZu N. 101: Unser St¨ niz seit Ende 1702 einzuleiten suchte. Adressat ist wohl der k¨ onigliche Oberkammerherr und leitende Minister. Auf ein Gespr¨ ach mit diesem vom Vortag hatte Leibniz sich schon vor dem Jahreswechsel berufen (vgl. seinen Brief an H. R. von Ilgen von Ende Dezember 1702 in I, 21). Die ¨ ahnlichlautende Bezugnahme in unserem St¨ uck Z. 12 auf Ausf¨ uhrungen Kolbe von Wartenbergs am vorhergehenden Tage k¨ onnte eine Gleichsetzung beider Zeitangaben nahelegen, doch fand die Audienz bei K¨ onig Friedrich I., auf die S. 147 Z. 12 f. anspielt, wohl nicht vor dem 6. Januar statt (vgl. N. 83 und N. 84). Unser Schreiben k¨ onnte in Reaktion auf J. J. J. Chunos Mitteilung vom 13. Januar (N. 97) aufgesetzt worden sein. Die ¨ Außerungen S. 147 Z. 20–22 stimmen u ¨berein mit der sich um Mitte Januar abzeichnenden Ver¨ anderung von Leibniz’ Pl¨ anen zur R¨ uckkehr nach Hannover, infolge derer er sich aus dem Gefolge der K¨ onigin herausl¨ oste — wof¨ ur ihm am 20. Januar ein separater Fuhrpass ausgestellt wurde —, dann aber seine Abreise vorerst verschob (vgl. etwa N. 95, N. 109, N. 118). Ob das Konzept abgefertigt wurde, ist nicht ermittelt, eine Antwort k¨ onnte m¨ undlich erfolgt sein. Aus N. 309 wird Kolbe von Wartenbergs T¨ atigwerden f¨ ur Leibniz’ Bestrebungen im sp¨ ateren Fr¨ uhjahr 1703 deutlich. Der n¨ achste u ¨berlieferte Brief der Korrespondenz (Leibniz an Kolbe von Wartenberg) datiert vom 3. Mai 1704 (Druck in I, 23); ein Leibnizbrief an Kolbe von Wartenberg vom Herbst 1703 ist aus N. 73 zu erschließen.

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l’´egard de la Culture de la Soye on ne pense point d’estre incommode au Roy, et qu’on ne luy demande que ce qui est fond´e dans la justice et dans son utilit´e mˆeme. Je ne pense qu’au bien public et ` a la gloire de Sa Mt´e, en cherchant d’avancer l’´etablissement de la societ´e des Sciences, qui sera une des choses du monde les plus belles et les plus avantageuses, si elle est mise en bon estat; ainsi il semble que j’y dois esperer de V. E. toute l’assistance et protection imaginable, sachant combien V. E. affectionne tout ce qui regarde la gloire et la satisfaction du Roy. Mais comme le temps presse, tant ` a l’´egard de la semence, qu’`a l’´egard des ordres a mettre ` ` a Keppenich et aux autres endroits, o` u il y a d´ej`a quelques meuriers blancs, puisqu’on perd une ann´ee si l’on differe trop, ce qui n’est pas une petite perte pour un ´etablissement nouveau, dont le fruit ne peut se gouster qu’au bout de quelques ann´ees, j’ose supplier V. E. de faire et expedier la commission au plustost. Le Roy m’ayant demand´e quels commissaires que je desirois, j’avois nomm´e sur le champ deux de ses Ministres d’Estat, M. de Fuchs et M. d’Ilgen. V. E. y a adjout´e avec beaucoup de raison un Cameraliste, M. de Lube. Il fera en tout cela qu’Elle jugera `a propos. V. E. qui ne peut manquer de connoistre la sincerit´e de mes intentions, n’ignore pas que je ne me sacrifie que trop pour le bien public, et surtout pour l’avancement des Sciences, dont, except´e quelque reputation et applaudissement des plus grands hommes de l’Europe, je n’ay retir´e que du desavantage dans mes affaires particulieres; neantmoins je ne m’en repens point, et je m’arreste encor icy, avec mon incommodit´e, pour cette seule raison de venir ` a quelque reglement necessaire et preliminaire. Mais comme je suis fort press´e cependant de mes affaires domestiques pour retourner chez moy, outre la sant´e, je supplie tres humblement de faire favoriser et depˆecher l’expedition et le reglement autant qu’il est possible. Et je seray tousjours avec respect et reconnoissance, etc.

¨ CHRISTOPH TROSCHEL 102. LEIBNIZ FUR Berlin, 14. Januar 1703. [103.] ¨ Uberlieferung: L Abfertigung: LH XIX Bl. 119. 4o. 1 S.

9 Keppenich: K¨ openick. 13 commissaires: vgl. N. 84. 15 de Lube: der Geheime Kammerrat Chr. Fr. Luben. uck und die Antwort N. 103 sind die einzigen u ¨berlieferten Briefe der KorreZu N. 102: Unser St¨ spondenz.

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H. Troschel f¨ urnehmer Banquier alhier wird hirmit ersuchet, zehen Pfund von dem weißen MaulbeerBaum-Saamen, item ein halb Pfund von dem Seiden wurm Saamen forderlichst zu verschreiben, damit man es diesen fr¨ uhling etwa im Aprili haben m¨oge. Er wird die g¨ uthigkeit haben dieße ordre zu stellen, daß man mit tuchtigen Saamen verwahret werde. Es w¨ urde dienlich seyn, wenn der Baum-Saamen etwa aus 2 oder 3 unterschiedenen provinzien k¨ ame, und dabey bezeichnet w¨ urde aus welcher provinz ein ieder sey. Doch dieß von unterschiedenen provinzien, verstehet sich, wenn es f¨ uglich zu thun. Es werden ihm in zwischen zu solchem ende funffzig Thaler zu geschickt, solte sich finden daß ein mehres aufgewendet worden, werde es zu erstatten nicht ermanglen. Geschehen Berlin den 14 januar 1703.

103. CHRISTOPH TROSCHEL UND JOHANN FRAUNDORFF ¨ LEIBNIZ FUR Berlin, 14. Januar 1703. [102.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LH XIX Bl. 118. 4o. 1 S.

F¨ unffzig Rthl. haben Seine Excellenz der Herr geheimte Rath von Leibniz p. p. unß endesunterschrieben zu Comitierung zehen Pfund weißen Maulbeer Baum und 12 Pfund Seiden wurm Saamen außzahlen laßen, mit der Versicherung was dießes etwan mehr belauffen m¨ ogte nochmahls bey der l¨ ufferung zu souppliren, dargegen versprechen wir das verlangte so bald jenes m¨ oglich anzuschaffen, an bestimten Monat k¨onnen wir unß aber aniezo wegen der Krieges Unruhe in Italien nicht binden. Berlin den 14 Jenner 1703

Troschell und Fraundorff

2 weißen . . . wurm Saamen: Zu Leibniz’ Bem¨ uhungen um die Errichtung einer Seidenraupenzucht vgl. etwa N. 101. ¨berliefert. Zu N. 103: K antwortet auf N. 102. Ein weiterer Brief dieser Korrespondenz ist nicht u 20 das verlangte: Leibniz erhielt im Fr¨ uhjahr 1704 Samen des Maulbeerbaumes aus Italien, vgl. Leibniz an K¨ onigin Sophie Charlotte vom 18. Mai 1704 (Druck in I, 23).

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104. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 14. Januar 1703. [94. 116.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 148–149 u. Bl. 268. 1 Bog. 4o u. 1 Bl. 8o (P. S) 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Eigh. Aufschrift. Bibl.verm.

Je vous remercie tresheumblement Monsieur, de ce que vous av´es eu la bont´e de me continuer les novelles de Pologne aussi dans cet Ordinaire par la votre du 9; autant plus que les affaires l` a sont dans leur crise. Mais comme je feray moy lors que vous ser´es parti de Berlin? il y aurat-il le moyen d’en etre inform´e? je me recommande `a vous, autrement mes Correspondents d’Italie se troveront bien maigres. Nous avons icy un Comte d’Harach, je le veus jou¨er hier au soir avec Madame la Princesse, il me parut un gar¸con d’esprit, et sage. Mr le General d’Herleville est de retour icy depuis hier. Mr Janulli a fait un’autre epruve de tirer l’or de l’argent du Hartz. Il a tir´e d’un demi livre d’argent un ducat d’or, de sorte que (` a ce qu’il me dit hier) d’une livre d’argent du Hartz en lingot, il tirer`a deux ducats, et on aur` a le profit (frais faites) d’un Ducat d’or par livre. de sorte que on commence ` a l’ecouter tout de bon, et on continuera `a faire l’essais de chaque mine du Hartz, pour voir la quelle a l’argent meilleur pour cette operation. l’argent monnoy´e n’est pas si bon, on ne tiroit pas tant d’or, et on y perd queque lot d’argent apres l’operation, mais c’est autrement dans l’argent qu’il n’est pas monnoy´e. il y est toujours quequn present quand Mr Janulli fait l’operation, dernierement il y fut Mr Brauns. Il pretend

14 ligon K korr. Hrsg.

Zu N. 104: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief aus Berlin vom 9. Januar 1703. 6 novelles de Pologne: f¨ ur die von Guidi betriebene politische Nachrichtenb¨ orse. 8 moyen . . . inform´ e: Als Nachrichtenlieferant aus Sachsen/Polen trat anschließend kurzzeitig J. G. Eckhart in Aktion; vgl. z. B. N. 25. 9 Correspondents: nicht identifiziert. 10 Comte d’Harach: nicht identifiziert. 10 f. Madame la Princesse: vermutlich Georg Ludwigs Tochter Sophie Dorothea. 12 de retour: Generalmajor H. d’Herleville, der Kommandant eines hannoverschen Regiments am Niederrhein im Spanischen Erbfolgekrieg. 12 f. autre epruve: Zu A. Janullis Versuchen von 1702 vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 282 sowie Guidis Brief an Leibniz vom 9. Dezember 1702 (I, 21); zu seinen fr¨ uheren Kontakten mit einem angeblichen Goldmacher vgl. I, 17 N. 168 u. N. 184. 20 Mr Brauns: vermutlich G. Chr. v. Braun.

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encore de donner des autres profits, quand il fer`a un tour au Hartz, et particulierement il dit qu’on perd beaucoup d’argent dans la depuration, `a cause que au Hartz ils n’ont pas le secret d’empecher que le[s] Sels volatils ne s’en allent par la Chemin´ee, ce qui importer` a 2, ou 3 lots par livre. On lui a defendu de n’en parler d’advantage, et de continuer l’operation sans dire mot ` a personne, ce que je trove bien juste par plusieurs raisons. On continue icy le Carneval, et la Commedie Allemande; comme la redoutte ont gran concours des Masques, s’y trovant masqu´ee toute la Cour. Les Bourgois d’Hyldeseim, demandent (les mousquetons `a la main) comte au Magistrat des revenues de la Ville, qui administrent, demandant aussi d’etre decharg´es des impots et taxes. On a fait marcher d’icy et de Cell de ce cot´e l`a queques Compagnies pour retablir la tranquillit´e dans la Ville; on me dit hier que les Bourgois avoient ferm´e les Portes, et qu’ils ne veulent pas laisser entrer les dites Compagnies. Les lettres de Ratisbonne marquent que les deux Cercles de Franconie et de Suabe m avoient pris la resolution d’augmenter leur troupes jusqu’`a 24 hommes pour les joindre aux Imperiales, ou de les faire agir separement, pour faire un’irruption en Baviere, et pour tout hazzarder pour la seuret´e de leurs etats, et pour mettre enfin les Bavarois `a la raison, ce qui ser` a fort ` a propos, si on met cet dessein `a l’epreuve bien tost, et `a tems, car c’est costant que la France pretend d’agir `a la Campagne prochaine offensivement, et que Li`ege, et Brisac seront les premiers objets de ses entreprises. On veut que le coup port´e par la France au Duc de Lorraine, lors qu’il y songoit le moins, fait ovrir les yeux au Duc de Savoye, et qu’il pourroit songer `a changer de Casacque, mais les affaires des Imperiaux sont si mal `a present en Italie, que je ay de la peine ` a croire que ce Prince fasse queque pas ce que nous verrons en peu . . .

9 Bourgois d’Hyldeseim: Zu den seit Oktober 1702 in Hildesheim herrschenden Feindseligkeiten zwischen Gilden und Rat, die Ende Dezember zu einem bewaffneten Tumult der B¨ urgerschaft gef¨ uhrt hatten, vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 3–6 sowie Gebauer, Die Hildesheimer Unruhen vom Winter 1702/1703 , 1917, v. a. S. 50–58. 11 fait marcher: Zur Besetzung Hildesheims durch cellische Truppen am 16. Januar 1703 vgl. Schnath, a. a. O., S. 564. 14 lettres de Ratisbonne: nicht ermittelt. 15 resolution: vom 15. Dezember 1702 bzw. 8. Januar 1703; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Jan. 1703, S. 40–60. Druck der Resolutionen ebd. S. 40–43 bzw. S. 58–60. 21 coup: Das Herzogtum Lothringen sollte als Aufmarschgebiet f¨ ur franz¨ osische Truppen dienen und war bereits mit 10 000 Mann besetzt; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Dez. 1702, S. 68 f. 22 Duc de Savoye: Viktor Amadeus II. trat erst im November 1703 der Großen Allianz bei; zur Vorgeschichte vgl. Danzer, Feldzug 1703 , 1878, S. 43–49.

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Les Lettres de l’Haye du 9 ne nous apportent grand chose `a cause que les lettres d’Angleterre avoient manqu´e par deux Ordinaires. On continue en Hollande le soin pour rendre les troupes completes, et pour avancer l’armement Naval. Outre la depence fix´ee pour l’equipage de cett’Ann´ee, l’on en fait encor une de 1 666 500 livres pour une Escadre, qui passer` a incontinent en Angleterre avec douze cent hommes de debarquement, afin de joindre un plus grand nombre de Vaissaux, et de Troupes Angloises, dont on ne sait pas encore la destination au juste. Mr Schmettau avoit de nouveau present´e deux grands memoires au sujet de la part, que son Maitre pretend aux Contributions, et au Canon pris `a Wenl`o, et `a Ruremonde, demandant aussi la restitution tir´ees du Magazin de Wenl`o pour le Si`ege de Keiserswert. Il y fait aussi connoitre, que son Roy est en possession de la Seigneurie de Monfort, qui venant du Prince Frideric Henry d’Orange, il ne croit pas que personne la lui puisse disputer; mais Messieurs les Etats jugent que c’est une infraction `a leur droit d’executeurs des Testemens, puisque S. M. de Prusse les ayant reconnu comme tels, elle n’auroit dˆ u entreprendre une telle affaire sans leur participation, et leur consentement. Faute d’autres novelles je suis h...i

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Hannover ce 14 Janvier 1 7 0 3 P. S. Je veux esperer Monsieur que vous ay´es receu par Mr Attilio mes deux Inscriptions, que je les lui ay envoy´ees par Made Bec. de Bousch, et que vous av´es eu la bont´e de les lire, corriger et les faire imprimer, si vous l’av´es trov´e `a votre gr´e, dont je attendrai votre advis par la poste future. On dit que la Reine ser`a icy le 22 du courrant.

1 Lettres de l’Haye: nicht ermittelt, vgl. oben S. 149 Z. 6 Erl. 8 present´ e: Die Denkschriften des brandenburg-preußischen Gesandten im Haag wurden nicht ermittelt. 9 son Maitre: K¨ onig Friedrich I. 9 Wenl` o . . . Ruremonde: Die holl¨ andischen Grenzfestungen in den Spanischen Niederlanden, seit 1701 von franz¨ osischen Truppen besetzt, hatten am 23. September (Venlo) bzw. 7. Oktober 1702 (Roermond) gegen¨ uber preußischen und englischen Truppen kapituliert. 10 Si` ege: Die von franz¨ osischen Truppen besetzte kurk¨ olnische Festung Kaiserswerth war am 20. April 1702 von alliierten Truppen erobert worden. 11 connoitre: in Zusammenhang der Bem¨ uhungen Friedrichs I., seine Anspr¨ uche auf das oranische Erbe durchzusetzen. 14 Testemens: Wilhelms III. 18 Attilio: A. Ariosti. 18 f. Inscriptions: die von Guidi (vgl. SV.) verfassten Panegyriken zu den Jahrestagen 1702 und 1703 der preußischen K¨ onigskr¨ onung. 19 Made Bec. de Bousch: vielleicht Eleonore Gottliebe von dem Bussche (?). 20 lire . . . imprimer: W¨ ahrend Leibniz (vgl. N. 116) eine Korrektur der Texte vornahm, lag die Sorge f¨ ur die Drucklegung bei A. Ariosti; vgl. Guidis Briefe vom Februar. 21 ser` a icy: K¨ onigin Sophie Charlotte brach am 20. Januar nach Hannover auf.

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Madame l’Electrice me dit hier au soir que vous ser´es de retour en peu, je veux pourtant croire, que vous ne partir´es devant la Cerimonie anniversaire, et que vous pourr´es donner la main ` a ma petite affaire. Si vous me fair´es la grace de les presenter au Roy, vous y pourr´es ajouter queque bon mot ` a ma faveur, et donner du poid `a la chose, pour la faire r bien reussir. M de Guerini a ecrit efficacement `a Mr le Comte de Wartenberg. A Monsieur Monsieur de Leibnitz Conseiller priv´e de S. A. E. de Brunsvic

¨ 105. HENRIETTE CHARLOTTE VON POLLNITZ AN LEIBNIZ [Berlin, Mitte Januar 1703]. [96. 184.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 735 Bl. 10–11. 1 Bog. 8o. Goldschnitt. 1 2/3 S. auf Bl. 10. Eigh. Aufschrift auf Bl. 11 ro. Schwarzes Siegel.

Le tems ne ma pas permis Mr de vous ecrire plus tost[,] non seulement pour m’informer de l’estat de vostre sant´e mais beaucoup plus encor pour me plaindre de vous du billiet que vous m’avez envoi´e et que je vous renvois[.] il faut que vous aye[z] bien mechante oppinion de moy pour me croire aussy interess´e que de vouloir un assurence d’un aussy honnet homme que vous et dont je distingue assurement le merite[.] vous me ferie[z] tort si vous doutie[z] de mes sentimens, j’espere de vous voire bien tost[.] c’est alors que je vous ferez des reproches plus sanglantes en n’attendent garde[z] vostre billet je ne l’exsige pas non plus se qu’il contient. Je suis Monsieur

Vostre tres humble servente

Pelnits

Pour Monsieur Leibenitz

1 ser´ es de retour: Leibniz’ R¨ uckreise, vorgesehen im Gefolge der K¨ onigin, verschob sich bis Ende Mai 1703. 2 Cerimonie anniversaire: die Feierlichkeiten zum Kr¨ onungstag am 18./19. Januar. 3 presenter au Roy: Durch Leibniz’ Vermittlung erhielt Guidi f¨ ur seine Verse im Auftrag K¨ onig Friedrichs I. eine goldene Medaille; vgl. N. 331. 5 Guerini: G. Querini. 5 ecrit: nicht ermittelt. uckgesandte Billet N. 96, ist noch vor der AbZu N. 105: K , die Antwort auf das gleichzeitig zur¨ reise der K¨ onigin Sophie Charlotte und ihrer Begleitung am 20. Januar nach Hannover (vgl. N. 109) zu datieren.

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106. LEIBNIZ AN MATTHIAS JOHANN VON DER SCHULENBURG Berlin, 17. Januar 1703. [107.]

¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. 840 Bl. 31–33. 1 Bog. 1 Bl. 4o. 5 1/3 S. Mit zahlreichen Korrekturen u. Erg¨ anzungen.

Monsieur

Berlin 13 Janvier 1703

Je viens de recevoir tout presentement l’honneur de vostre ample lettre, mais avec ce deplaisir, qu’elle a est´e ouverte ` a la poste icy et recachet´ee. Je ne say si les couverts que Vostre Excellence y auroit pˆ u mettre auroient de rien servi, et peutestre ne les at-on point respect´es. Je vois que pour faire moins regarder les lettres, il faut les cacheter d’un cachet fort simple et petit, et les adresser sous le couvert d’une personne o` u l’on n’attend rien, comme par exemple ` a quelque Recteur d’Ecole. Vostre ami et le mien n’a garde de se precipiter le moins du monde, surtout apresent. Il voit bien tout ce qui est `a dire. Il souhaitte qu’on parle de luy dans les lettres le moins intelligiblement du monde. On l’entendra tousjours. Je n’ay compt´e Monsieur que sur vostre presence dans le Privilege, mais puisqu’il a este ´ecrit, je vous supplie, de le tourner en sorte qu’on ne puisse point soub¸conner que c’est moy. Ce qu’on ne fera que trop aisement, sur tout si le P. Vota parle en mˆeme temps de cela et de l’invitation de la Reine qui a tant parl´e `a M. Fleming du P. Vota.

14 f. tousjours | Danach 4 Zeilen unlesbar gestr. | Je L

Zu N. 106: Die nicht gefundene Abfertigung antwortet wohl auf einen der drei Schulenburgbriefe ¨ von Mitte bis Ende Dezember 1702 (I, 21), wobei deren bruchst¨ uckhafte Uberlieferung keine Festlegung zul¨ asst. Die Abfertigung unseres St¨ ucks erfolgte — nach Zusatz des P. S. — fr¨ uhestens am 17. Januar 1703. Aufgrund der Postlaufzeiten ist anzunehmen, dass sie sich mit N. 107 gekreuzt haben muss, wenngleich die jeweiligen Ausf¨ uhrungen zur k¨ unftigen Gestaltung des Briefverkehrs zun¨ achst einen direkten Bezug vermuten lassen k¨ onnten. 11 ami: Es handelt sich um Leibniz selbst. In seinem Brief aus der ersten Novemberh¨ alfte 1702 (I, 21) hatte er Schulenburg um F¨ ursprache bei K¨ onig August II. von ¨ Polen/Sachsen wegen einer Ubernahme in dessen Dienste gebeten; briefliche Nachrichten dazu sollten verdeckt erfolgen. 15 Privilege: Gemeint ist vermutlich das J. Th. Fritsch verliehene Kalenderprivileg; vgl. N. 107 u. Erl. 18 Reine: die preußische K¨ onigin Sophie Charlotte.

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Le Cardinal primat se dechaine terriblement contre le Roy, par des lettres qu’il ´ecrit de tous cost´es. Dans une lettre ` a l’Evˆeque de Posnanie il semble exciter les Eveques a se joindre en Synode et fulminer des censures Ecclesiastiques. Il ne parle que de la ` persecution d’Eglise, mais toute la persecution consiste dans les rations qu’on demande a ses sujets. Il dit que les paysans Cosaques ont le coeur de resister `a leur signeurs dont ils ` se disent opprim´es, mais nous, dit il, qui sommes Evˆeques et gentilhommes, n’avons pas le courage de repousser le joug. En ´ecrivant au Palatin de Siradie, il accuse le Roy, de tirer encor de la subsistance pour les trouppes qu’il a donn´es `a l’Empereur. Et en ecrivant a deux Generaux il temoigne de ne point esperer que le Roy fasse quelque demarche ` contre les Cosaques insinuant qu’on a appris par des lettres intercept´ees qu’il favorise ces rebelles. Ce qui me paroist une horrible Calomnie. Il souhaitte que les trouppes de la Republique estant venues ` a bout des Cosaques avec l’assistance des Tartares puissent l’est´e qui vient estre employ´ees ` a d’autres desseins. Il insinue clairement que c’est contre le Roy, dont il accuse obstinationem et libidinem omnia pacta legesque evertendi . On a dit que le Roy luy a envoy´e un confident pour tacher de le regagner. Sa Mt´e cependant comme dans la plus grande tranquillit´e du monde prepare un tres beau carousel. Dieu veuille que les Suedois ne troublent la feste. J’apprends que quelques regimens Saxons

8 f. ecrivant (1 ) aux Generaux (2 ) | aux versehentlich nicht gestr., streicht Hrsg. | ` a deux Generaux L

1 Cardinal primat: der Erzbischof von Gnesen A. M. S. Radziejowski. 1 Roy: August II. 1 lettres: vgl. N. 109 mit zum Teil fast gleichlautender Beurteilung der Briefe. 2 l’Evˆ eque: Ein Brief ´ ecicki, wurde nicht ermittelt. des Kardinalprimas an den Bischof von Posen, M. Swi¸ 5 Cosaques: Gemeint ist der 1702 ausgebrochene Aufstand der Kosaken in der polnischen Ukraine. 7 Palatin de Siradie: Eine (mit Korrekturen von Leibniz’ Hand versehene) Abschrift des Briefes des Kardinalprimas an den Woiwoden von Sieradz, J. Chr. Pieni¸ az˙ ek, vom 8. Dezember 1702 liegt vor in LBr. 840 Bl. 144 ¨ (dt. Ubersetzung gedr.: T h e a t r u m Europaeum 16, 1717 (ad a. 1702), Sp. 1047b f.). 8 trouppes: die s¨ achsischen Subsidientruppen im Spanischen Erbfolgekrieg, die unter der F¨ uhrung Schulenburgs standen. 9 Generaux: Eine (mit Korrekturen von Leibniz’ Hand versehene) Abschrift des Briefes des Kardinalprimas an namentlich nicht genannte polnische Gener¨ ale (darunter wohl auch der Kronfeldherr H. Lubomirski; vgl. N. 109 Erl.) vom 2. Dezember 1702 liegt vor in LBr. 840 Bl. 145. 10 lettres intercept´ ees: nicht ermittelt, erw¨ ahnt im Z. 9 Erl. genannten Brief an die polnischen Gener¨ ale; vgl. auch N. 109. 12 Republique: die polnische Adelsrepublik. 15 confident: Gemeint sein k¨ onnte der polnische Krongroßkanzler A. Chr. Zaluski, der seine Vermittlung zwischen August II. und dem Kardinalprimas angeboten hatte, oder der tats¨ achlich als Vermittler zum Einsatz gekommene p¨ apstliche Nuntius F. Pignatelli. 17 J’apprends: Quelle nicht ermittelt.

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ont est´e envoy´es en Lithuanie. Je ne say si le reste n’y tournera aussi au besoin, et medite peutestre quelque nouvelle hjonctioni, avec le Tzar. Ce parti ne seroit pas le moins raisonnable, pourveu qu’on puisse regagner le Tzar, que quelques uns disent que M. Patkul a un peu brouill´e avec le Roy: mais on espere d’y remedier. Le Roy de Prusse est prest de mener 20 mille hommes au Rhin de ses propres forces adjoutant 7 000 hommes ` a ceux qu’il y a deja; si les Alli´es luy en tiennent compte comme il faut. Il semble que Sa Mt´e compte encor d’avoir deux bataillons de Wolfenbutel. On dit que le Roy de France renforce la grandeur de tous ses bataillons, cela forcera les autres d’en faire autant. Le Roy ne tirera rien de la Prusse pour cela, o` u il a 12 000 hommes des trouppes regl´ees des meilleures. Si un grand secours ne vous vient pas de la basse Allemagne ou du bas Rhin, je ne voy pas comment vous puissi´es reduire l’Electeur de Baviere. Il faudroit donc qu’au mois de mars 20 000 hommes du bas Rhin par le moyen des voitures et bons ordres sur les chemins, se joignissent ` a ce que l’Empereur a sans cela et on sera seur de son fait, et previendra la France. Sans cela, je crains tout. Pouss´es y la Cour imperiale, Monsieur, si vous pouv´es c’est l’unique salut. C’est meme un grand malheur, si on ne l’a deja mis en negotiation. Je voudrois qu’on promit et donnat quelque chose de la Gueldre au Roy de Prusse pour le charger de cette expedition. Cependant il faut des bonnes mesures, pour prevenir la France, afin qu’en absence de ces trouppes elle ne tombe pas sur la Hollande et le voisinage. Car les Anglois n’ont pˆ u estre port´es `a augmenter les forces de terre. Ils semblent vouloir gagner quelque chose pour eux mˆemes en Amerique, mais j’ay predit `a ceux qui sont icy, qu’ils ne le garderont pas si la cause commune va mal.

20 f. terre. (1 ) Il semble (2 ) Il semblent L korr. Hrsg.

4 brouill´ e: Gemeint sind wohl im Winter 1702/03 am s¨ achsisch-polnischen Hof kursierende Vermutungen, J. R. von Patkul, Motor der anti-schwedischen Koalition einst am Hofe Augusts II. und jetzt Peters d. Großen, arbeite auf einen Sonderfrieden Russlands mit Schweden hin; vgl. Y. Erdmann, Der livl¨ andische Staatsmann Johann Reinhold von Patkul, Berlin 1970, S. 148–154. 6 adjoutant: Zus¨ atzlich zu dem sich aus den Verpflichtungen als Reichsstand und aus dem Krontraktat ergebenden Truppenkontingent versprach Brandenburg-Preußen, im Spanischen Erbfolgekrieg nach seinem aus dem Akzessionstraktat (Dezember 1702) folgenden Beitritt zur Großen Allianz weitere 7000 Mann zu stellen. 7 bataillons: Nach dem Braunschweiger Vergleich (1702) hatte Herzog Rudolf August dem Reichsheer 3200 Mann zugesagt; vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 374. 17 Gueldre: Die Festung Geldern wurde ab Januar 1703 bis zum Jahresende zun¨ achst von holl¨ andischen, sp¨ ater von brandenburg-preußischen Truppen belagert.

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C’est une grande piti´e, que la Resolution de l’Empire estant prise pour les 120 000 hommes, au lieu de penser ` a les faire paroistre effectivement, on ouvre la boutique `a Vienne, et prenant de sommes modiques d’argent, coutant, on decharge beaucoup princes[,] villes ou Estats. J’avois esper´e que le grand danger feroit cesser ce mauvais menage. Mais enfin l’interest particulier est incorrigible, et cela fera fondre l’arm´ee comme la neige. J’ose dire que cela sera la source de la ruine de l’Allemagne, et de tout le bon parti. Quelques puissans princes sont bien aises de ce trafic et se font assigner les petits cela ne seroit pas tout ` a fait mauvais s’ils en usoient bien, ne fouloient pas les petits et faisoient paroistre effectivement leur contingens et ceux des autres. J’avoue de n’avoir point veˆ u de livre plus detaill´e sur l’artillerie que celuy de Surirey. Mais je crois bien qu’il manque beaucoup et personne, Monsieur, en juge mieux que Vous. J’ay trouv´e quelques observations sur la force des mines, que je n’ay point remarqu´ees ailleurs. Les roues de fer battu dont il parle me plaisent beaucoup. Coehorn se sert maintenant de quantit´e de petits mortiers portatifs fort legers. Un ingenieur est venu icy qui jette du feu liquide avec une espece de seringue. Cela pourroit servir `a defendre un lieu ´etroit par cette pluye de feu. Le feu Gregeois estoit approchant de cela mais ces bombes qui contiendroient ce feu liquide feroient peut estre mieux la meme hchosei. On trouve par les anciennes descriptions du feu Gregeois que s’estoit en effect la composition de la poudre non grain´ee, mel´ee avec quelques drogues attachantes. Je ne manqueray pas de marquer vos devotions `a la Reine et de faire vos complimens lle a M de Pelniz. Tout part ensemble pour Hanover le 20 et je seray de la suite. Monsieur ` le General Feldmareschal de Wartenslebe venu de Gotha commande toutes les forces du

10 celuy de (1 ) S. Remy (2 ) Surirey L

1 Resolution: Beschluss des Reichstags zu Regensburg vom 4. Dezember 1702; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Dez. 1702, S. 3–8. 10 Surirey: P. Surirey de Saint Remy, Memoires d’Artillerie, 1697; vgl. Schulenburgs Brief vom 30. Dezember 1702 (I, 21) sowie bereits I, 17 N. 268. 12 observations: ebd. Bd 2, S. 148–187. 13 Coehorn: M. van Coehoorn, Nieuwe Vestingbouw , [1695]; gemeint ist vermutlich die Auflage von 1702. Angesprochen sein k¨ onnten auch Coehoorns Aktionen w¨ ahrend der Belagerung von Bonn. 14 ingenieur: nicht ermittelt. 18 descriptions: vgl. Ch. Du Cange sieur Dufresne, Glossarium ad scriptores mediae et infimae graecitatis, 1688, S. 1275. Vgl. auch E. Eickhoff, Seekrieg und Seepolitik zwischen Islam und Abendland, Berlin 1966, S. 143 f. 21 Pelniz: Henriette Charlotte von P¨ ollnitz. 21 seray . . . suite: Tats¨ achlich kehrte Leibniz aufgrund seines Beinleidens nicht im Gefolge K¨ onigin Sophie Charlottes, sondern erst Anfang Juni 1703 nach Hannover zur¨ uck; vgl. z. B. N. 109.

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Roy de Prusse. Il paroist avoir beaucoup de merite dans le mestier, de plus il est bon courtisan encor, et traitant tout le monde avec douceur. Mais M. le Baron de Heide plus vieux general a quitt´e le service aussi tost que le Roy a pris M. de Wartenslebe. On avoit crˆ u qu’il se retireroit, estant riche et ˆ ag´e, mais on a est´e surpris qu’il a pris le service des Estats. Le Prince Royal est admirable, et tres port´e `a approfondir le metier de la guerre. C’est l` a son plus grand plaisir, qui luy tient lieu de dans´es et de mascarades. Jug´es s’il est bien men´e, o` u il pourra aller. Le Comte de Dona son Gouverneur et ministre d’Estat du Roy est asseurement homme d’un grand merite. Je suis avec attachement Monsieur

de vostre Excellence

le treshumble et tres obeissant serviteur

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Leibniz. Comme je vay bientost ` a Hanover avec la Reine, et y resteray ordinairement, j’attendray l` a vos ordres. Mais il ne faudra presque point toucher du tout ny l’amy ny autre chose de cette nature. Berlin 17 Janvier 1703 P. S.1 Ce que vous dites, Monsieur, sur la fortification est merveilleux et marque combien vous av´es approfondi la matiere. On m’a communiqu´e un plan de la forteresse de Nieu-Brisac, avec quelques profils[.] A considerer cela je trouve que la place d’armes dans l’angle rentrant de la contrescarpe fait un flanc de 18 toises pour de la mousqueterie; mais il faudroit mieux y avoir quelque canon encor. Les traverses `a parapet aussi qui sont dans le chemin couvert paroissent utiles. Quant `a la retraite, il y a des degr´es pour descendre en bas, et si c’est un foss´e d’eau ils trouvent prest un bateau couvert `a l’´epreuve des bombes, pour se retirer de la contrescarpe dans la demilune. Cette demilune est double[,] et il y en a partout devant les courtines. Suit le corps de la place, compos´e de bastions et de tenailles au lieu de courtine. Ces tenailles basses sont proprement pour

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hDar¨ uber von L e i b n i z ’ Hand:i P. S. de ma lettre `a M. de Schulembourg

3 quitt´ e: im September 1702. 3 pris: A. H. von Wartensleben war am 19. August 1702 zum Generalfeldmarschall ernannt worden. 6 Prince: Friedrich Wilhelm. 8 Comte: A. zu Dohna-Schlobitten. 16 dites: in Schulenburgs Brief von Mitte Dezember 1702 (I, 21). 18 Nieu-Brisac: Neu-Breisach.

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le foss´e. Mais le bastion consiste dans ses contregardes ou faces, dans le flancs, o` u il y a quelque canon cach´e, et dans les tours bastionn´ees de massonnerie, qui sont en dedans et forment comme un retranchement. Il est vray que je n’y trouve pas assez de canon. La contregarde est couverte de mousqueterie, et cette defense est bonne contre les coups de main, mais outre qu’on peut fort incommoder ces mousquetaires avec la grˆele des mortiers portatifs; le principal est la defense du Canon. Et en cela il me semble que cette fortification n’abonde pas, et n’est capable d’empecher les grandes batteries. Je vous demande pardon si je parle de cette matiere comme un aveugle parleroit des couleurs. Car je n’en ay aucune practique. Cependant j’y suis entr´e pour vous obe¨ır etc.

107. MATTHIAS JOHANN VON DER SCHULENBURG AN LEIBNIZ Pisek, 19. Januar 1703. [106. 162.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 840 Bl. 34–35. 1 Bog. 4o. 4 S. Auf Bl. 34 ro oben von Leibniz’ Hand: repondu‘‘ sowie NB. La croix de S. Jean‘‘. ” ”

Monsieur 15

Pilseck ce 19me de janv [1]703

Je commence par vous dire que j’ai recu toutes vos lettres, que vous m’avez ecrit depuis l’Et´e pass´e jusqu’` a present sur quoy vous pouvez conter. j’espere que les miennes vous auront et´e de meme et ` a l’avenir nous les marqueront, l’affaire de votre Amis est venu´e apres mon depart ` a ma connoissance dont j’ai et´e plus que fach´e, j’en ai cependant ecrit et sur tout de ce qui regarde le libraire `a Leipzig, j’en auray peutetre reponce[,] sans

Zu N. 107: K kreuzte sich vermutlich mit N. 106 und antwortet pauschal auf Leibniz’ Briefe aus den letzten Monaten (vgl. die Korrespondenz in I, 21) und geht dabei speziell auf den aus der ersten Novemberh¨ alfte 1702 ein. Leibniz antwortet mit einem nicht gefundenen Brief, der Schulenburg m¨ oglicherweise nicht oder erst versp¨ atet erreichte (vgl. N. 162). 13 croix . . . S. Jean: Zu Schulenburgs Bem¨ uhungen um Aufnahme in den Johanniterorden vgl. N. 244. 15 lettres: vgl. die Korrespondenz in I, 21. Die Bemerkung bezieht sich wohl auf von Leibniz und Schulenburg gleichermaßen ge¨ außerte Bef¨ urchtungen, Briefe k¨ onnten verloren gehen; vgl. z. B. die im November/Anfang Dezember gewechselten Briefe. 16 les ¨ miennes: vgl. die Korrespondenz in I, 21. 17 Amis: Leibniz und seine Bestrebungen um Ubernahme in den Dienst Kursachsens. Im Brief aus der ersten Novemberh¨ alfte 1702 hatte Leibniz Schulenburg um 18 depart: nach B¨ ohmen. 19 libraire: Unterst¨ utzung gebeten; vgl. auch N. 106 in unserem Bande. J. Th. Fritsch. An dem ihm 1699 verliehenen Kalenderprivileg bekundete Leibniz eigenes Interesse; vgl. Leibniz an Schulenburg, 28. November 1702 (I, 21) u. Erl.

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cela j’ecris une seconde fois, et on verra ce qui en arrivera sans qu’il soit fait mantion de votre Amis, qui ne se doit pas precipiter, ni s’engager qu’`a bons enseignes. le temp nous fournira de bonnes occasions et nous ne manquerons pas d’en profiter. j’ai fait une faute de ce cot´e l` a. c’est ce qui fait que j’en avertis mes Amis, apres cela je vous diray que d’entretenir un commerce de lettres avec ses Amis c’est un de plus grand plaisir de la vie sur tout avec vous Monsieur, j’aurois ` a vous parler de bien des affaires, mais cela ne se peut presentement, je voudrois payer quelque chose de bon et avoir le plaisir de vous voir une couple d’heure par semaines, voila le Prince Eugene hors d’Italie. cela ne laissera pas d’animer les Fran¸cois, et fera agir les notres avec moins de confiance, si les Fran¸cois entendoient ce metier ` a fond, et qu’il y eut parmis Eux quelque grand General cette affaire finiroit mal, ils demandent avec instance la paix ou du moins qu’on fasse sortir les arm´ees de part et d’autre d’Italie, vous scavez les propositions que les Anglois font pour avoir quelques ports sur la mer adriatique, les Pantalons en seroient bien embarrass´es. Les resolutions que le Portugal prendra en cette affaire ici sont de consequance, Elles donneront un grand branle aux affaires. on croidt que le Prince Eugene commandera le corp de Troupes qui attacquera la Baviere du cot´e de Passau, il m’a fait l’honneur de m’ecrire une longue lettre en alleman o` u il se sine Eugenio fan Savoye, vous voyez comme il s’eloigne de tout ce qui approche du Fran¸cois. on croidt qu’il y a quelque mistere en l’opiniatr´e de l’Electeur de Baviere on le verra bientost car j’ai ordre de marcher bientost du cot´e de Passau, si ce Prince tient ferme il est sur qu’il se repose sur la diversion des Fran¸cois, de meme que sur celle des Suedois, car sans cela il ne pourroit pas songer de resister aux Troupes qui iront l’attacquer, et moins encor par la situation de son pais; je vous manderay tout ce qui arrivera l` a dessus, comment iront les affaires en Pologne, on me dit en confidance que le General Flemming pourroit aller comme Ambassadeur en Moscovie et y commander l’arm´ee, et que l’on songoit `a faire la guerre en plus que jamais, les preparatifs et les grandes forces sont necessaires pour la guerre, j’avoue que c’est

8 hors d’Italie: Zur Verbesserung der Situation der kaiserlichen Armee in Italien hatte Prinz Eugen von Savoyen f¨ ur mehrere Monate die Truppe verlassen und war nach Wien gereist; vgl. Braubach, Prinz Eugen, 1, 1963, S. 358–368. 9 les notres: die Reichstruppen im Spanischen Erbfolgekrieg. 12 propositions: Zur Forderung Englands nach Flottenpr¨ asenz im Mittelmeer vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Sept. 1702, S. 108. 13 Pantalons: die Republik Venedig. 14 resolutions: Das B¨ undnis Portugals mit den Seem¨ achten wurde erst im Mai 1703 geschlossen; zum Vorfeld vgl. die Berichte in Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Jan. – April 1703. 17 lettre: nicht ermittelt. 22 situation: Zur sich gegen Kurf¨ urst Max Emanuel richtenden Stimmung in Bayern im Winter 1702/03 ¨ ttl, Max Emanuel, 1976, S. 337 f. vgl. Hu 24 pourroit aller: zu diesem Ger¨ ucht vgl. auch N. 34.

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quelque chose d’essentiel mais il faut encor outre cela de la ruse beaucoup, une grande et parfaite connoissance et intelligance des affaires de guerre, et une extreme diligance parmis les officiers et meme dans les soldats, avec cela il faut Etudier les manieres et les s¸cavoir faire, des Ennemis sur tout du chef[.] tout ceci fait les trois quarts du General et je suis sur qu’il n’y a rien de si facile que d’attrapper le Roy de Suede et de le faire donner dans le panneau. mais si peu de gens ont un vray jugement en ce qui font, reflechissent sur le pass´e, se laissent eblouir par l’avenir et negligent par la present combien des gens est ce qui je connois qui s’amusen des bagetelles, et qui sont charg´e de bien des affaires. ils les gateront au lieu de les redresser. je suis tout `a vous

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Schou. 108. JOHANN CASPAR VON BOTHMER AN LEIBNIZ Den Haag, 19. Januar 1703. [446.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 97 Bl. 22–23. 1 Bog. 4o. Goldschnitt. 2 2/3 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Eigh. Anschrift.

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`a la Haye ce 19me Janvier 1703 Je vous suis extremement oblig´e Monsieur de l’honneur de vostre lettre du 6me et des veux qu’elle contient pour moy ` a l’occasion de cette nouvelle ann´e, j’en fais reciproquement pour vostre prosperit´e souhaitant que cette ann´ee et une longe suite d’autres soient remplies pour vous de tout ce qui peut vous rendre parfaitement content. Je crains avec vous Mr que les affaires finiront tres mal pour l’Empereur en Italie[,] toute la resource consiste dans la reduction de l’Electeur de Baviere, la France fait tout son possible pour soutenir ce Prinsce pendant que les preparatifs qu’on fait contre luy n’avancent que selon la lenteur ordinaire, cela donne lieu de craindre que le Prinsce Eugene ne pourra pas se soutenir ass´es longtems en Italie pour attendre le soulagement qui doit luy venir par la dite reduction de l’Electeur de Baviere. On peut aisement prevoir les mauvaises suites qu’une telle fin de la guerre en Italie pourroit avoir sur les operation Zu N. 108: K antwortet auf den Z. 16 erw¨ ahnten, nicht gefundenen Leibnizbrief vom 6. Januar 1703, der Bothmers Schreiben vom 29. Dezember 1702 (I, 21) erwiderte. Eine Antwort ist nicht u ¨berliefert. 20 les affaires: Nach dem f¨ ur die franz¨ osisch-spanische Seite erfolgreichen Feldzug des Vorjahres in Oberitalien befand die kaiserliche Armee sich dort Anfang 1703 in einer ung¨ unstigen Ausgangslage. 21 la reduction . . . Baviere: Anfang September 1702 war Bayern unter Kurf¨ urst Max Emanuel auf Seiten Frankreichs in den Spanischen Erbfolgekrieg eingetreten.

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de la campaigne prochaine tant en Alemaigne qu’icy. On travaille cependant icy `a une m augmentation de 20 hommes supposant que l’Angl. y concourrera pour une moti´e. Vous scav´es sans doute que le Pape a fait faire compliments par un Dominicain au Roy de Suede sur ses succ´es en Pologne, cela me paroit une invention du Cardinal pour disposer ce Prinsce ` a avoir plus de veneration pour les choses sacr´ees comme sont ses terres et celles de ses confreres que le Roy Auguste n’en a montr´e. Nous sommes `a la veille d’entendre parler de l’attaque de Trarbach, je souhaite qu’elle reuscisse et seray toujours parfaitement Monsieur

vostre tres humble et tres obeissant serviteur

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Bothmer.

a Mr de Leibnitz `

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109. LEIBNIZ AN JAKOB HEINRICH VON FLEMMING Berlin, 20. Januar 1703. [87. 171.] ¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. 271 Bl. 21–22. 1 Bog. 2o. 3 S. Mit zahlreichen Korrekturen und Erg¨ anzungen. Bibl.verm. Eigh. Anschrift.

A son Excellence Monsieur le Comte de Fleming General de la Cavalerie de Sa Majest´e le Roy de Pologne Monsieur

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Thorn

Berlin 20 januar 1703

Aussi tost que j’ay eu l’honneur de recevoir la lettre de V. E. j’ay fait vostre compliment ` a la Reine, qui vous en remercie, et qui aura bien du plaisir de vous voir `a Hanover, 2 augmentation: zur genannten Vermehrung der alliierten Truppen vgl. Danzer, Feldzug 1703 , 1878, S. 124–126. 3 f. le Pape. . . Suede: zur Audienz des Dominikanerm¨ onches Augustinus Levesius bei K¨ onig Karl XII. im Auftrag Papst Clemens XI., in der es u. a. um die Schonung der Kircheng¨ uter in Polen nach den schwedischen Eroberungen im Rahmen des Nordischen Krieges ging, vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Jan. 1703, S. 120 f.; vgl. auch N. 85. 4 Cardinal: A. M. S. Radziejowski, Kardinalprimas von Polen. 6 Roy Auguste: K¨ onig August II. von Polen. 7 l’attaque de Trarbach: Am 23. Januar 1703 gelang es den Alliierten, die Stadt Trarbach einzunehmen; das Schloss blieb bis Ende 1704 franz¨ osisch besetzt (vgl. N. 113 u. Erl.). Zu N. 109: Die nicht gefundene Abfertigung antwortet auf N. 87. Eine Antwort scheint nicht erfolgt zu sein; vor dem n¨ achsten u ¨berlieferten brieflichen Kontakt ist ein Zusammentreffen in Berlin in der ersten M¨ arzh¨ alfte (vgl. N. 171 mit Erl.) zu erschließen. Dort hielt sich Flemming (mit Unterbrechungen) von Anfang Februar bis Mitte M¨ arz als Unterh¨ andler Augusts II. f¨ ur ein anti-schwedisches B¨ undnis auf.

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j’en ay ecrit aussi ` a Mad. l’Electrice qui sera sans doute dans les mˆemes sentimens, Tout est parti aujourd’huy. Le Roy pour Oraniebourg, d’o` u il ira `a Potsdam et del`a `a Magdebourg o` u l’on dit que sa fille viendra; et la Reine, le Prince Royal, Duchesse, `a Hanover; Mad. la GrandeChambellane est aussi de la suite. Je suis tomb´e malade depuis 3 semaines et plus, et mon appetit est derang´e, ainsi je suivray tout doucement et j’espere de me remettre cet hyver[.] Mons. Cortholt est infiniment oblig´e de la bont´e que V. E. a eue et de ce qu’elle mande dans la lettre a` moy. Il tachera d’en profiter aussi tost qu’il luy sera possible. Et il compte de voir V. E. puisqu’elle fait esperer qu’elle fera le voyage de la haute et de la basse Saxe. Ainsi il remet tout `a cela les lettres ne servant point d’avantage. Je me suis servi des raisons de la lettre de V. E. pour disposer avec un Ministre de cette Cour, tres habile homme sans doute et fort vostre serviteur. Et j’ay fait voir clairement, que ce seroit faire tort au Roy, que de luy donner un Phore perpetuel tel comme le primat de Gnesna, qui n’a point de pouvoir dans le Civil, plus qu’un autre senateur, tant qu’il y a un Roy. Il semble qu’au bout du compte, ce n’est pas tant la Republique dont on apprehende le desaveu, que la Suede dont on craint le ressentiment dans ces conjonctures delicates si l’on rend l’artillerie puisque les Suedois `a ce qu’on croit pourroient soub¸conner quelque intelligence. Mais on est oblig´e d’alleger des raisons de justice pour . On dit que le Ministre Suedois a declar´e `a la diete de Ratisbonne, que son maistre auroit six vingt mille hommes contre ses ennemis l’ann´ee qui vient. Je

2 f. d’o` u . . . viendra erg. L 5 et plus erg. L 5 derang´ e | et (1 ) des (2 ) quelque fluxion froide est tomb´ ee sur la hanche hmaisi gestr. | , ainsi L 7 dans . . . moy erg. L 9 f. ` a cela (1 ) pour ne point toucher l’affaire (a) dans des (b) dans (c) d’avantage dans des lettres, estant bien aise qv’on l’ignore encor icy | et ne jugeant pas gestr. | (2 ) les lettres . . . d’avantage L 17 dans . . . delicates erg. L 17–19 puisque . . . pour Satz bricht ab erg. L 18 qui pourroient L a ¨ndert Hrsg.

1 ecrit: in N. 8. 3 fille: Luise von Brandenburg-Preußen, Gemahlin des Erbprinzen Friedrich von Hessen-Kassel. 3 Duchesse: Herzoginwitwe Elisabeth Sophie von Kurland; vgl. N. 6. 4 Mad. la GrandeChambellane: Catharina Kolbe von Wartenberg. 6 Mons. Cortholt: Es muss offen bleiben, ob damit Flemmings Klient H. Chr. Kortholt (vgl. N. 130) gemeint ist oder Leibniz selbst, der dessen Namen zur Tarnung seiner eigenen Angelegenheiten verwandte; vgl. z. B. N. 199. Ein Brief Kortholts an Leibniz ist aus diesem Zeitraum nicht u ¨berliefert. 11 Ministre: nicht identifiziert. 13 Roy: August II. von Polen. 14 primat: der Kardinalprimas A. M. S. Radziejowski, Erzbischof von Gnesen. 16 Republique: die polnische Adelsrepublik. 19 Ministre: G. F. von Snoilsky.

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m’imagine qu’on comprend sous cela les forces de la Suede et de la Finnonie, qu’on va opposer aux Moscovites. Cela ne laissera pas d’incommoder terriblement les pays. On a vˆ u icy une grˆele de lettres du Cardinal, qui sont en effect contre le Roy. Il semble que son but est de sonner le toxin; et peut estre mˆeme d’irriter le Roy pour faire quelque demarche prejudiciable. Mais c’est en cela que je suis bien asseur´e qu’il se trompe, le Genie de sa Mt´e estant trop superieur pour le laisser emouvoir au gr´e d’autruy. Il fait rire lors que dans la lettre ` a l’Eveque de Posnanie, il ne parle que des persecutions de l’Eglise, des synodes et des censures Ecclesiastiques pour les reprimer et qu’on trouve au bout du compte que tout se reduit ` a tant de rations qu’on a demand´e pour la subsistance des soldats. Veut il que les gens des Ecclesiastiques soyent exemts des charges publiques contre la coustume establie, ou veut il qu’on garde tout pour les Suedois qui l’avalleront enfin sans scrupule. Je crois que les bons offices du Nonce seront tousjours utiles au roy pour tenir Messieurs les Prelats de Pologne dans la moderation. Le Cardinal en monstre si peu, qu’il ne fait point difficult´e de tirer au argument du soulevement des Cosaques, ces paysans (dit il) se revoltent contre leur seigneurs dont ils se croyent opprim´es; et nous qui sommes Evesques et Gentilhommes, n’avons point le coeur de secouer le joug qu’on nous impose contre la libert´e de l’Eglise et de l’Estat. Il accuse le Roy dans une lettre je crois au Palatin de Siradie de faire encor payer en Pologne la subsistance des trouppes qu’il a prest´ees `a l’Empereur. Chose que je crois odieusement

8 des synodes . . . reprimer erg. L 10–12 Veut . . . scrupule erg. L 13 f. moderation. | En ecrivant au palatin de h—i Siradie (1 ) le Cardinal semb bricht ab (2 ) et aussi ` a l’Eveque de Posnanie, il gestr. | Absatz Le Cardinal L

3 lettres: Außer den unten Z. 18, S. 164 Z. 1 und S. 164 Z. 16 genannten Texten befindet sich im Leibniz-Nachlass die Abschrift eines Briefes des Kardinalprimas vermutlich an den preußischen K¨ onig Friedrich I. vom 5. Januar 1703 (LBr. 209 Bl. 2–3). 7 lettre . . . Eveque: Ein Brief des Kardinalprimas ´ ecicky, wurde nicht ermittelt. an den Bischof von Posen, M. Swi¸ 12 Nonce: der mit dem Versuch einer Vermittlung zwischen August II. und dem Kardinalprimas im Januar 1703 betraute p¨ apstliche Nuntius in Polen, F. Pignatelli. 15 soulevement: der 1702 ausgebrochene Kosakenaufstand in der polnischen Ukraine. 18 lettre: Eine (mit Korrekturen von Leibniz’ Hand versehene) Abschrift des Briefes des Kardinalprimas an den Woiwoden von Sieradz, J. Chr. Pieni¸ az˙ ek, vom 8. Dezember 1702 liegt vor in ¨ LBr. 840 Bl. 144 (dt. Ubersetzung gedr.: T h e a t r u m Europaeum 16, 1717 (ad a. 1702), Sp. 1047b f.). 19 trouppes: die s¨ achsischen Subsidientruppen im Spanischen Erbfolgekrieg.

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invent´ee et plus encor l’imputation qu’il insinue en ´ecrivant aux deux Generaux, comme si le Roy favorisoit la rebellion des Cosaques suivant je ne say quelles lettres intercept´ees. Cependant je crois bien que le Roy n’aime pas la destruction de tant de ses sujets. Et il est estrange que le premier Ecclesiastique du Royaume qui doit estre plein de sentimens chrestiens et contraire ` a la destruction et effusion de sang, ose consulter, qu’on abandonne aux Tartares tant de milliers de Chrestiens pour estre les vieux massacr´es, et les jeunes train´es esclaves chez les Mahometans, et expos´es `a perdre la foy. Un Pape severe comme Innocent XI. auroit sans doute fait une belle Mercuriale `a un tel prelat. Et je ne crois point que Clemens XI approuveroit son Conseil, s’il en estoit inform´e. Le Cardinal parle aussi de quelque illegalit´e pretendue comme si le Roy apres son voyage secret contraire aux loix avoit fait eclater son retour par une collation precipit´ee des s[c]eaux donn´es `a l’Eveque de Warmie et ` a un autre contre l’alternative et l’incompatibilit´e. Il me semble d’avoir oui dire que regulierement le Grand Chancelier et le Vice Chancelier doivent estre Ecclesiastiques et seculiers alternativement. Peut estre que le Roy a crˆ u que dans des conjonctures importantes cette loy recevoit de la dispense. Je viens de voir la lettre du marquis de Torcy au Cardinal. On y confond l’arrest de M. de Bonnac, et celuy de Mons. du Heron comme s’ils estoient de mˆeme qualit´e. S’il est vray comme on asseure, que M. du Heron a cabal´e contre la personne du Roy;

8–15 Et je . . . dispense erg. L

1 Generaux: Eine (mit Korrekturen von Leibniz’ Hand versehene) Abschrift des Briefes des Kardinalprimas an namentlich nicht genannte polnische Gener¨ ale vom 2. Dezember 1702 liegt vor in LBr. 840 Bl. 145. Zu den Adressaten d¨ urfte auch der Krongroßfeldherr H. Lubomirski z¨ ahlen, dessen vorangehender Brief an den Kardinalprimas paraphrasiert ist in T h e a t r u m Europaeum 16, 1717 (ad a. 1702), Sp. 1025a f. 9 parle: Gemeint ist der S. 163 Z. 18 angesprochene Brief an den Woiwoden von Sieradz. 10 voyage secret: der geheime Aufenthalt Augusts II. in Dresden vom 10.–18. November 1702; vgl. Leibniz an Schulenburg, 5. Dezember 1702 (I, 21) Erl. 12 l’Eveque: der Bischof von Ermland, A. Chr. Zaluski, polnischer Großkanzler. 12 autre: nicht ermittelt. 16 lettre: Eine Abschrift des Briefes J.-B. Colberts, marquis de Torcy, an den Kardinalprimas vom 3. Dezember 1702 liegt vor in LBr. 840 Bl. 29–30. 16 f. l’arrest . . . du Heron: Die franz¨ osischen Gesandten in Schweden bzw. Polen, J.-L. d’Usson, marquis de Bonnac, und Ch.-F. de Caradas, marquis Du Heron, agierten f¨ ur ein B¨ undnis zwischen Polen und Frankreich nach vorangehendem Friedensschluss mit Schweden. Bonnac war aufgrund seines f¨ ur Polen nicht g¨ ultigen Passes kurz arretiert worden. Ungef¨ ahr gleichzeitig war Du H´ eron, der eine Aufforderung, das Land zu verlassen, ignoriert hatte, am 10. November 1702 in Warschau inhaftiert und bis zur Abschiebung nach Frankreich festgehalten worden; vgl. T h e a t r u m Europaeum 16, 1717 (ad a. 1702), Sp. 1042b sowie Leibniz an Schulenburg, 28. November 1702 (I, 21) u. Erl.

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peut on s’imaginer que le droit des gens et les privileges des Ministres publics forcent a souffrir un ennemi dans le sem. Personne les a jamais ´etendu jusqu’`a ce point l`a. Et ` le Roy de France sait bien ce qui se doit practiquer, luy qui a fait saisir et mener hors de son royaume un Nonce du Pape seulement par vangeance. Je m’imagine que le Roy aura publi´e ou publiera encor quelque petit mot en forme de Manifeste, qui fasse voir ses raisons sur ce point, qui paroissent invincibles. La formalit´e du droit des gens semble le demander car autrement la France fait l’ignorante, et continue ses plaintes en public. Le Cardinal ne fait cependant voir que trop, que la France luy tient tousjours fort au coeur, puisque dans ces lettres il declame tant contre cet enlevement de M. du Heron. Quand j’auray l’honneur de vous voir `a Hanover je vous monstreray Monsieur, une lettre intercept´ee du Marquis de Bethune au Cardinal d’Estr´ees au sujet du Cardinal Radziewski, qui alloit alors ` a Rome, au Conclave, o` u fut elˆ u Alexandre VIII. Cette lettre fait un pourtrait fort estrange de ce Cardinal Polonnois. Elle a est´e dechiffr´ee en Angleterre. Le Ceremoniel ayant est´e establie et regl´e entre les deux Rois M. d’Alefeld a enfin eu son audience publique, en qualit´e d’Envoy´e extraordinaire du Roy de Dannemarc debout et decouvert, le Roy de Prusse estant assis et couvert. Cela se fit quelques jours avant les solennit´es de l’anniversaire et des chevaliers de l’Aigle noire qui se passerent le 18 et 19, M. Ursinus a beni l’ordre en qualit´e d’Eveque, le Roy enfin l’ayant declar´e tel sa vie durant. Mais sa Mt´e ne determine pas si apres cela elle gardera des Evˆeques.

6 f. La formalit´ e . . . public erg. L 10–14 Quand . . . Angleterre erg. L de Dannemarc et celuy de Prusse (2 ) les deux Rois L

15 entre (1 ) le Roy

2 sem: Sejm. 4 Nonce: C. Piccolomini, am 12. September 1662; vgl. ebd. u. Erl. 11 lettre intercept´ ee: Eine Abschrift des Briefes des franz¨ osischen Gesandten in Polen F.-G. marquis de Bethune an Kardinal C. d’Estr´ ees vom 6. September 1689 samt Dechiffrierung und Schl¨ ussel (gedr.: J. Wallis, Opera mathematica, 3, 1699, S. 662–667) liegt vor in LBr. 974 Bl. 8–13. 12 Conclave: 1689. 13 dechiffr´ ee: durch J. Wallis, der das Material 1697 an O. Mencke sandte; vgl. I, 14 N. 144. 15 Alefeld: H. H. von Ahlefeldt. 19 declar´ e: Trotz fehlender Weihe war Oberhofprediger B. Ursinus als einer der Konsekratoren bei der preußischen K¨ onigskr¨ onung 1701 als Bischof aufgetreten (vgl. I, 19 N. 186, S. 379 trait´ e et consider´ e en Eveque pour cette fonction‘‘). Zur Diskussion darum vgl. I, 19 N. 157, N. 171 u. ” N. 186.

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Le dessein du Roy de Prusse est tousjours d’agir avec 20 000 hommes mais il n’y a rien encor de concert´e avec les Hauts Alli´es. Le Cercle de Westfalie cependant est entr´e dans la grande Alliance. Mais toutes ces accessions ne signifieront pas grand chose, si les Allemands ne feront pas assez d’efforts `a leur depens. Car il n’est point possible que l’Angleterre et la Hollande seules puissent porter presque tout le fardeau. Bien des gens pretendent que les trouppes de Pologne et Saxe ne resisteront point aux Suedois, et cederont partout quand ils les verront venir, presque tout estant maintenant trop inegal. Je me rapporte ` a ce qui en est, mais il ne me paroist pas que les affaires seroient perdues pour cela: Puisqu’il me semble que le Roy pourroit faire tout marcher en Lithuanie, et s’y joindre avec une arm´ee du Tzar. Et je ne doute point que Sa Mt´e n’ait encor d’autre ressources. Outre qu’il ne faut point demeurer d’accord de la supposition. L’Electeur de Baviere fait encor extremement le fier, je doute qu’on puisse venir `a bout de luy sans des nouvelles forces fort considerables, comme de 15 `a 20 mille hommes, qui viendroient du bas Rhin et de la basse Allemagne. Si le Roy de Prusse obtient son but, il y aura au moins 7 000 hommes au del` a de l’ann´ee pass´ee. Mais la Maison de Bourbon faisant des terribles lev´ees, j’avoue que je suis un peu en peine du succes d’autant plus qu’il ne paroist point que l’Angleterre augmentera ses forces de terre. La Republique de Venise vient de recevoir un tres grand affront, ayant est´e oblig´ee de nommer celuy qu’Elle tient ` a Paris, Ambassadeur extraordinaire pour faire reparation d’honneur et demander pardon au Roy, de ce que le Magistrat de Venise a fait mourir certains freres Rizzati condamn´es pour des assassinats anterieurs depuis partisans de France, et qui avoient eu la hardiesse de venir `a Venise sous l’ombre de la protection de cette couronne. On voit par l` a que cette Republique craint infiniment plus la France que l’Empereur et ses Alli´es. Et le Pape a moyenn´e ce bel accord. Je seray bien ravi aussi de voir V. E. en bonne sant´e ` a Hanover. Cependant je suis avec respect Monsieur de V. E.

le treshumble et tresobeissant serviteur

Leibniz.

1 agir: im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges. 2 Hauts Alli´ es: die Verb¨ undeten der im September 1701 von Seiten des Kaisers und der Seem¨ achte geschlossenen Großen Allianz gegen Frankreich. 2 Cercle de Westfalie: Als letzter der Vorderen Reichskreise war der Niederrheinisch-Westf¨ alische Reichskreis im Herbst 1702 der Großen Allianz beigetreten. 9 Roy: August II. 18 affront: vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Jan. 1703, S. 124 f. 19 Ambassadeur: A. Pisani. 20 Roy: Ludwig XIV.

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¨ 110. LEIBNIZ AN HEINRICH RUDIGER VON ILGEN Berlin, 20. Januar 1703. [83. 118.] ¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. 447 Bl. 5. 8o. 1 S. Mit wenigen Korrekturen. Unterer Blattrand unregelm¨ aßig abgerissen.

Monsieur

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Mon dessein estoit de vous rapporter chez vous la piece curieuse que vous m’avi´es communiqu´ee. Mais par malheur j’ay est´e si mal dispos´e depuis quelques semaines, que je n’ay pˆ u m’acquitter de mon devoir. Je la vous renvoye donc avec beaucoup de remerciments et vous supplie de me conserver l’honneur de vos bonnes graces, estant avec zele Monsieur

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vostre tres humble et tres obeissant serviteur

Berlin 20 Janvier 1703

Leibniz.

¨ 111. LEIBNIZ AN PHILIPP MULLER Berlin, 21. Januar 1703. [121.] ¨ Uberlieferung: 1

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verworfene Abfertigung: LBr. 671 Bl. 49–50. 1 Bog. 8 . 2 3/4 S. Eigh. Anschrift. Mit Korrekturen. Auf Bl. 49 ro neben der Anrede Vermerk von Leibniz’ Hand: nicht abgangen‘‘. ” Bibl.verm. (Unsere Druckvorlage.) o Abfertigung: Gotha Forschungsbibl. Chart. A 412 S. 11–[14]. 1 Bog 8 . 2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Eigh. Aufschrift. Siegel. Oben auf S. 11 u ¨ber der Anrede Empfangsvermerk von M¨ ullers Hand: praes. d. 27. Jan. 703‘‘. (Unsere Druckvorlage.) ”

Zu N. 110: Die Abfertigung ist nicht gefunden, eine Antwort er¨ ubrigte sich. 6 piece: nicht ermittelt. 7 mal dispos´ e: seit Ende des Vorjahres vgl. etwa N. 109. Zu N. 111: L2 folgt auf M¨ ullers Brief vom 31. Juli 1702 (I, 21), vermutlich als Antwort auf M¨ ullers (wohl in einem nicht gefundenen Brief oder in einer u ¨ber seinen Mittelsmann A. Rittner vorgetragenen) Bitte um Intervention in seinem Streitfall. Dass die fr¨ uhere Fassung L1 nicht abgefertigt wurde, k¨ onnte an Leibniz’ Behinderung durch das inzwischen manifeste Beinleiden oder an der sich im Vergleich der beiden Fassungen spiegelnden Bewegung in M¨ ullers Angelegenheit liegen. L2 wird beantwortet durch N. 121.

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hL1i A Monsieur Philippe Muller Theologien celebre et prevost de S. Marie dans Magdebourg. Jena. Vir Summe Reverende et Amplme 5

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Testis mihi spero fuerit apud Te, Max. Rev. Dn. Ritnerus, quum calide Tua causa cum Eximo Ilgenio praesente ipso fuerim locutus, ut pene etiam ejus conscientiam onerarim, si malo intercedere potuisset. Nuper eandem ipsi cantilenam occinui, effecique, ut in se receperit, similem ad Dn. Schweinizium habere concionem; ingerereque memoriam promissorum, ut Tibi certum aliquid honestumque constituatur, prout spes facta fuit. Sin minus minabitur dicere omnibus non recte Tecum actum esse. Quanto satius faciliusque fuisset impedire vulnerationem causae. Equidem intra tres septimanas Deo volente mihi hinc discedendum est, ipsa Regina post anniversarium Coronationis Festum, Hanoveram iter factura; cui comes ire honori mihi ducam. Interea antequam discedam renovabo assultus apud nostrum amicum; neque enim alium video, per quem fieri aliquid pro Te possit. Ille caeteros in quorum manu res est, urgebit, tundet, obtundet: neque aliter aliquid fiet. Suadeo ut ad ipsum Illmum Ilgenium in hanc sententiam crebro scribas, aut ad Dn. Rittnerum, amicum tuum sincerum, qui ipsi monstret ingeratque.

5 Tua causa: M¨ ullers Bem¨ uhungen, wieder in sein fr¨ uheres Amt als Propst des Klosters Unser Lieben Frauen zu Magdeburg eingesetzt zu werden, das er auf Weisung des Berliner Hofes nach Annahme einer theologischen Professur an der Universit¨ at Jena hatte aufgeben m¨ ussen. Dass hinter dieser in Berlin und Magdeburg nicht unumstrittenen Anweisung zugleich eine pietistische Interessenvertretung stand, geht aus den Briefen von M¨ ullers zentralem Gegner C. H. von Canstein an A. H. Francke von 1702 u. 1703 hervor (vgl. Briefwechsel Cansteins mit Francke, 1972, v. a. N. 154, N. 158, N. 159, N. 171, N. 173, N. 210 ¨ chele, Das P¨ u. N. 217). Vgl. auch R. La adagogium am Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg und der Hallesche Pietismus. In: Zwischen Kanzel und Katheder. Das Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg vom 17. bis 20. Jahrhundert, Magdeburg 1998, S. 39–46, hier S. 40. 6 Ilgenio: Zu H. R. von Ilgen als M¨ ullers Patron vgl. Cansteins Briefe vom 7. Februar 1702 und von Mitte Februar 1703 (N. 154 u. N. 210). 8 Schweinizium: G. R. von Schweiniz, der Vertraute Cansteins, der gegen¨ uber Ilgen dessen Position in den Verhandlungen um M¨ uller vertrat und zeitweise als sein Verbindungsmann zu M¨ ullers Nachfolger Johann Fischer fungierte. 9 promissorum: aus dem Dimissionspatent K¨ onig Friedrichs I. f¨ ur M¨ uller vom 27. Februar 1702 (LBr. 671 Bl. 47). 12 discedendum: Tats¨ achlich verschob sich Leibniz’ Abreise von Berlin bis Ende Mai. 13 anniversarium . . . Festum: am 18./19. Januar.

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Quis Fischero Rigae successerit, nosse velim. Fabritius Helmestadiensis recusavit. Quod superest Deum precor ut Tibi hunc annum det pristino feliciorem, multosque caeteros jucunde fluentes; inprimis ut diu adhuc valeas ac in publicum prosis. Vale et me ama. Dabam Berolini 30 Decemb. 1702. Deditissimus

G. G. Leibnitius.

P. S. Neque dissuaderem, ut ad Regem scriberes literas moderatas et graves, sed quibus tamen ostenderes quantis curis res monasterii sustentaveris, et quam illae pessum sint iturae, si sic pergatur. Inimicis autem Tuis per privatas literas ad amicos scriptas denuntiari curabis, nisi aliquo modo sarciant inflictum Tibi vulnus, artes eorum consiliaque in hac ipsa causa publice expositurum in memoriam posteritatis ut detestari discant homines velatam hypocrisin pallio pietatis.

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hL2i Vir Summe Reverende et Amplme, Fautor Honoratissime Testis mihi spero fuerit apud Te maxime Rev. Dn. Rittnerus quam calide Tua causa cum Excmo Ilgenio ipso praesente fuerim locutus. Eaque res non caruit fructu. Nam cum aliquanto post ad ipsum invisisset dominus de Schweidniz; vicissim ad eum habuit concionem, effecitque ut postridie mitteret ille schedam de 300 Vallensibus Tibi solvendis. Sperat etiam centum annos Tibi confici posse. Sed Dominus de Ilgen egoque optaremus plus haliquidi nec desperatur. Sed de restitutione Tua in praeposituram, qualicunquo titulo, etiam emeriti Dn. de Ilgen spem non habet. Ego non optima valetudine utor, itaque Reginam quae heri cum Principe Regio et ducissa Curlandiae Hanoveram hinc discessit non potui comitari ut constitutum erat. Sequar tamen mox Deo volente. 1 Fischero: Fischer war bis 1699 General-Superintendent in Livland und Titularbischof von Riga gewesen. 1 recusavit: vgl. Fabricius an Leibniz, 27. April 1702 (I, 21). 6 Regem: Friedrich I. 18 300 . . . solvendis: M¨ uller waren im Dimissionspatent 400 Taler, aufzubringen durch seinen Nachfolger, zugestanden worden. Bereits im Vorfeld hatte Canstein sich erboten, f¨ ur eine Summe von 300 Talern aufzukommen (vgl. seinen Brief vom 7. Februar 1702), dies aber mit der Forderung einer Einflussnahme auf die Zusammensetzung des Konvents von Unser Lieben Frauen verbunden (vgl. z. B. seine Briefe vom 7. Februar u. 22. April 1702, N. 154 u. 171). 22 non . . . utor: Anspielung auf Leibniz’ seit Ende Dezember 1702 manifeste Beinbeschwerden. 22 Principe Regio: Friedrich Wilhelm. 23 ducissa: Herzoginwitwe Elisabeth Sophie. 23 non . . . comitari: Zu Leibniz’ Absage der R¨ uckreise im Gefolge K¨ onigin Sophie Charlottes vgl. z. B. N. 95.

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Quod superest vale Vir amplissime et mihi fave. Dabam Berolini 21 Januar 1703

Deditissimus Godefridus Guilielmus Leibnitius

A Monsieur Monsieur Philippe Muller prevost de S. Marie de Magdebourg et Theologien celebre ` a Jena.

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112. JOHANN JACOB JULIUS CHUNO AN LEIBNIZ [Berlin,] 21. Januar 1703. [97. 309.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 185 Bl. 52. 1 Bog. 8o. 1 S. auf Bl. 52 ro. Eigh. Aufschrift. Siegel. Bibl.verm.

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Les ordres pour les dienstfuhren s’expedient auff der Ambts Cammer , pour l’Electorat de la marche dont les domaines sont de son ressort. C’est donc l`a qu’il faut demander si l’expedition est command´ee. Je suis h...i ce 21 Janv. 1703.

Couneau

A Monsieur Monsieur de Leibniz le Conseiller d’Etat de S. A. E. de Brounswig.

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113. NATHANAEL VON STAFF AN LEIBNIZ Kassel, 22. Januar 1703. [310.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 888 Bl. 11–12. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Bibl.verm.

Zu N. 112: K antwortet auf eine wohl m¨ undliche oder (nicht gefundene) schriftliche Erkundigung. 9 dienstfuhren: wohl in Verbindung mit dem von K¨ onig Friedrich I. am 20. Januar 1703 unterzeichneten Paß auf frey Vorspann‘‘ f¨ ur Leibniz (LH XLI 6 Bl. 13–14). ” Zu N. 113: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief, die Antwort auf Staffs Brief vom 1. Mai 1702 (I, 21); das Ausbleiben einer Antwort auf unser St¨ uck erkl¨ art Leibniz in N. 343.

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Monsieur Mon intention n’a jamais ´et´e de differer si long temps `a me donner l’honneur de vous ecrire, si je ne m’etois propos´e de vous satisfaire, concernant le diploma de Charle-Magne dont vous me fites la grace de me parler. J’ay ´et´e longtemps `a rechercher o` u ce manuscrit pouvoit ´etre, car les archives sont fort separ´ees; `a la fin l’on m’a dit qu’il etoit dans celuy de la Cour, cependant jusques ` a cette heure je n’ay peu venir `a bout d’y venir, et je crains bien plus que l’on ne permettra pas de le copier, veu qu’une personne m’a dit qu’il concernoit une donation ou fondation d’un monastere. Cependant je feray tout mon possible de venir ` a bout. Depuis quelque temps Mr Tolnerus s’est offert de composer l’histoire de l’origine de cette maison, et m´eme a envoy´e icy un plan et de tabelles o` u il[s] montent tres-haut. L’on a communiqu´e ces papiers `a cet homme dont je vous avois montr´e le projet l’ann´ee pass´ee sur la m´eme matiere, et lequel l’a presentement beaucoup amplifi´ee par les soins et recherches qu’il a peu faire dans les livres imprim´ez. Il a creu que Mr Tolnerus s’etoit mepris´e dans sa deduction genealogique confondant les anciens Ducs de Lothier avec les Duc[s] de la Mosel ou Lorraine d’aujourdhuy: Il m’a pri´e de luy procurer le traitt´e de Vignier de L’origine de la maison de Lorraine etc.: Je n’ay pas voulu luy refuser cela, Monsieur, et vous supplie en cas que vous ne vous en serviez justement pour le present de le vouloir donner `a Mr. de Marwitz pour me l’envoyer[,] je vous le renverray quand il vous plaira ou d’abord que mon amy a tir´e ce dont il a a faire. Vous me feriez pareillement une grace tres-grande de vouloir nous preter Votre ` Butkens de troph´ees brabantine: lequel est tout `a fait necessaire pour la connoissance de cette famille. Je vous promet, Monsieur de ne le garder que 8 `a 10 jour[s] et vous le feray

3 diploma: vermutlich die Schenkungsurkunde Karls d. Gr. f¨ ur Kloster Hersfeld vom 15. September 802, DKI 198 (= MGH Diplomata Karolinorum, 1, 1906, S. 266 f.); vgl. Staffs Brief vom 1. Mai 1702 ¨ u. Erl. sowie bereits I, 20 N. 447 Uberl. 5 archives: Gemeint sind wohl das hessische Samtarchiv in Ziegenhain und das sp¨ atere kurhessische Archiv Kassel. 10 l’histoire: Eine im landgr¨ aflichen Auftrag als dynastische Hausgeschichte verfasste Historia Hassiae‘‘ C. L. T¨ olners datiert von 1714 (¨ uberl. Kassel ” Gesamthochschulbibliothek und Murhardsche Bibliothek 2o Ms. Hass. 33/1–4); vgl. Th. Fuchs, Traditionsstiftung und Erinnerungspolitik. Geschichtsschreibung in Hessen in der Fr¨ uhen Neuzeit, Kassel 2002, S. 311–314. 10 maison: Hessen-Kassel. 10 plan . . . tabelles: nicht ermittelt. 11 homme: der in I, 20 N. 229 genannte amy, qui est curieux en Genealogie‘‘, dessen genealogische Studien auch im ” Vorg¨ angerbrief Erw¨ ahnung finden. Vermutlich handelt es sich um den Prinzenerzieher J. E. Vollandt; vgl. N. 310. 16 Vignier: vgl. J. Vignier, SV. Leibniz hatte das Werk vor einigen Jahren von Staff entliehen; vgl. I, 20 N. 229. 21 Butkens: Ch. Butkens, SV; vgl. bereits I, 20 N. 284 sowie Staffs Brief vom 1. Mai 1702.

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ravoir sans aucun dommage. Je conteray m´eme cette bont´e pour une grace singuliere et ne manqueray de chercher toutes les occasions `a vous rendre de pareils services. Il n’y [a] rien que l’on puisse mander d’icy: Le chˆ ateau de Traerbach ne peut ´etre attaqu´e par ce temps icy: Cependant l’on veut deloger les Fran¸cois du bourg pour fermer d’avantage le chˆ ateau. Le Prince Guillaume se prepare de retourner au Regiment: Le Prince Hereditaire est encor ` a Reinfels. Je suis avec bien des obligations et de zele Monsieur

Votre treshumble

de Cassel 1703 ce 22me de Janvier.

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et tres-obe¨ıssant serviteur DeStaffe.

114. GISBERT CUPER AN LEIBNIZ Deventer, 23. Januar 1703. [257.]

¨ Uberlieferung:

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K 1 Konzept: Den Haag Koninklijke Bibliotheek Cod. 72 H 17 Bl. 14–17. 2 Bog. 4o. 6 S. Mit Korrekturen. K 2 Abfertigung: LBr. 187 Bl. 9–10. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit wenigen Korrekturen. Auf Bl. 9 ro oben links von sp¨ aterer Hand (J. D. Gruber?): 23 Jan. 1703‘‘. (Unsere Druckvorlage.) ” A Abschrift nach K 2: Gotha Forschungsbibl. B 1166a Bl. 6–7. 4o. 2 2/3 S. von der Hand o von J. C. Schl¨ ager. — Auf Bl. 7 v beginnt A von N. 257.

3 Traerbach: W¨ ahrend die Stadt Trarbach am 23. Januar 1703 durch hessen-kasselsche und holl¨ andische Truppen aus franz¨ osischer Hand zur¨ uckerobert wurde, blieb das Schloss, nach Abbruch eines Belagerungsversuches, zun¨ achst in franz¨ osischer Hand; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 78 f. sowie Philippi, Landgraf Karl von Hessen-Kassel, 1976, S. 313. 5 Prince Guillaume: Wilhelm von Hessen-Kassel. 6 Reinfels: Zur Sicherung des Rhein¨ ubergangs f¨ ur die allierte Seite im Spanischen Erbfolgekrieg war die Festung Rheinfels von hessen-kasselschen Truppen unter dem Kommando von Erbprinz Friedrich besetzt worden, vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Dez. 1702, S. 1–3 sowie Jan. 1703, S. 97 f. Zu N. 114: K 2 antwortet auf Leibniz’ Brief vom 5. Dezember 1702 (I, 21). Unser St¨ uck, dem der ahnte Brief vom 24. Januar 1703 beigelegt war, wurde durch J. C. v. Bothmer nach HanS. 173 Z. 3 erw¨ nover gesandt (vgl. dessen Schreiben an Cuper vom 26. Januar 1703, Den Haag Koninklijke Bibliotheek Cod. 72 H 17 Bl. 3–4). K 2 wird zusammen mit N. 257 beantwortet durch N. 272.

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Illustriss. et praestantiss. Viro Godefrido Guielmo Leibnitz S. D. Gisb. Cuperus. Literas meas tibi gratas fuisse, atque adeo te non improbare ea, quae ad Morellum misi, summa cum voluptate intellexi, vir Excellentiss. ecce nunc tibi novas ad eundem virum eruditiss., quibus si etiam album calculum adjicias, erit certe quod incedam omnibus laetitiis, et serio triumphem. Neque tamen in iis tecum tot thesauros ipse invenio; sed ego attribuo eos humanitati et benevolentiae tuae; quas utique semper conservare conabor, nec omittam unquam occasionem, qua testari possim, quantopere amicitia tua et institutum nuper literarum commercium grata mihi sint et accepta. Pro Morelli epistola gratias habeo; doleo inter eum et Gallandum, a quo frequentes literas, easque eruditas accipio, simultates ortas esse; et hinc forte dilatam iri praeclarissimi operis editionem. Equitem Fountanum summo nummorum veterum amore teneri, inque iisdem interpretandis mirifice versatum esse, licet quartum et vigesimum annum attigerit primo, non modo ex epistolis Principis de Ligne, tuis, Morelli intellexi, verum etiam ex aliis, quas ad me dedit Rapinus, rector et moderator juventuti filii a Comite de Portland datus; qui mihi significavit etiam, Equitem illum in Italia sibi comparasse Pescennium Nigrum ex argento, et Messallinam, quo nomine eidem ex animo gratulor, teque etiam atque etiam

2 Literas meas: Cuper an Leibniz, 24. Juli 1702 (I, 21). 2 ea . . . Morellum: Cuper hatte seinen Brief an A. Morell von Ende Juli 1702 u ¨ber Leibniz an den Arnst¨ adter Numismatiker gesandt (vgl. ebd u. Erl.). 3 novas: Cupers Brief an Morell vom 24. Januar 1703 (LBr. 187 Bl. 11–15) erreichte seinen im April 1703 verstorbenen Adressaten nicht mehr. 10 Morelli epistola: Mit Leibniz’ Brief vom 5. Dezember 1702 hatte Cuper Morells Schreiben an ihn vom 20. Oktober 1702 (Den Haag Koninklijke Bibliotheek Cod. 72 G 24) und die gedruckte Fassung von dessen Lettre ´ ecrite a ` Monsieur le Chevalier Fountaine erhalten (vgl. Morell an Leibniz, 20. Oktober 1702, Leibniz an Cuper, 5. Dezember 1702, beide I, 21, und Morell, SV.). 11 simultates: In der Lettre ´ ecrite a ` Monsieur le Chevalier Fountaine, 1702, geht Morell auf seine Kontroverse mit A. Galland um die Editionsgrunds¨ atze des eigenen numismatischen Thesaurus und die des vergleichbaren, aber anders konzipierten Unternehmens von J. Foy-Vaillant ein (vgl. SV.); zur Entwicklung dieser Kontroverse vgl. auch die Korrespondenz mit Morell in I, 21; zu deren Bewertung durch Cuper vgl. dessen oben genannten Brief an Morell vom 24. Januar 1703, LBr. 187 Bl. 13 vo. 12 editionem: Die Ver¨ offentlichung des von Morell vorbereiteten Thesaurus erfolgte postum 1734 und 1752. 13 Fountanum: A. Fountaine (geb. 1676). 16 Rapinus: P. de Rapin, seit 1693 Hofmeister von H. Bentinck (geb. 1682), Sohn von W. Bentinck, first earl of Portland. Dieser reiste inzwischen gemeinsam mit A. Fountaine. 17 f. Pescennium . . . Messallinam: M¨ unzen aus der Regierungszeit des C. Pescennius Niger bzw. des Claudius zu Lebzeiten seiner dritten Ehefrau Valeria Messalina mit den Portr¨ ats des Kaisers bzw. der Kaisergattin.

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rogo, ut eum, quod commodum erit, observantissimis et amantissimis verbis meis salutare velis. Ego tecum plane facio, et existimo, eos qui Magistratus in Coloniis gesserunt non plane excludendos, vel adscribendos esse familiis Romanis; cum magna illa esset dignitas, et praecipuae dignitatis viri honores eos non fuerint dedignati; et recte puto Morellum hoc argumentum tractare, quanquam nolim omnes, qui in nummis obvii sunt, Duumviros eo loco habere. T i t u s L i v i u s H a l y s , et T. A c c i u s P h l e g o n , possunt quidem cum Liviis et Acciis memorari; sed tamen vel cognomina indicant, eos libertos, sive iis prognatos, vel saltem liberos Graecos fuisse, qui ob hanc vel illam causam, familiarum illarum nomina sibi assumpserunt, id quod etiam de plurimis aliis, obviis in lapidibus vetustis et nummis, proculdubio animadvertisti verum esse. Laudo conatus tuos in enodandis vocibus Celticis et Scythicis; et optandum foret, ut nobis superessent plura illarum linguarum vestigia; sed tamen, ut verum fatear, periculosae est plenum opus aleae, argumenta sumere ex simili alterius linguae sono vel similibus litteris. Fecerunt id olim, uti non ignoras, Goropius Becanus, et Schriekius; et, ne omnes alios recenseam, ante aliquot annos Franc. Foris Ostrokocsi in Originibus Hungaricis, qui etiam part. 2. p. 150. longe diversam nobis A r i m a s p i derivationem tradit, et aliam, tuae non absimilem, plane rejicit. Ego, si quas voces observaverim, sive eae Scythicae sive Celticae sint, annotabo diligenter, atque ad te mittam, et nunc accipe Celtas tubam quandam appellasse , quemadmodum te docebit Eustathius ad Homerum, cujus integrum locum invenies in epistola ad Morellum; firmatque illud Hesychius:

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æxÔfwnon Kˆrnon t˜n ‹lpigga, Galˆtai.

17 f. et (1 ) tuam illam, ut et speciosam (2 ) aliam . . . absimilem K 1

6 tractare: vgl. A. Morell, Lettre ecrite ` a Monsieur le Chevalier Fountaine, 1702, Bl. )( 2. 7 T i t u s . . . P h l e g o n : vgl. Leibniz’ Brief vom 5. Dezember 1702 u. Erl. 12 conatus tuos: vgl. ebd. u. Erl. 15 Goropius Becanus: vgl. J. Gorp, Origines Antwerpianae und Opera, SV. ´ ris Otrokocsi, SV. 15 Schriekius: vgl. A. van Schrieck, SV. 16 Franc. Foris Ostrokocsi: vgl. F. Fo 17 A r i m a s p i derivationem: ebd., S. 150–153. 21 Eustathius ad Homerum: vgl. Eustathios, , Bd [2], 1542, S. 1139, Z. 54–61, zu Homeros, , 18, 219. 21 f. invenies: In seinem Brief an Morell vom 24. Januar 1703 gibt Cuper die Seite der r¨ omischen Ausgabe des Ilias-Kommentars von Eustathios an und zitiert den Text, worum Morell ihn gebeten habe (LBr. 187 Bl. 13 vo–14 ro). 22 Hesychius: vgl. Hesychios, Lexicon s. v. , ed. K. Latte, Bd 2, Havniae 1966, S. 415.

toÜ ParekbolaÈ eÊs t˜n Iliˆda kaÈ >OdueÐan >IlÐas

Kˆrnux

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Sed patere, vir amplissime, ut tecum agam de aliis binis nominibus, quae plane incognita sunt, et quae aeque parum ac Celtica illa capio. Missae ad me sunt ex Oriente ante binos vel tres menses variae Inscriptiones Latinae et Graecae ineditae; et in tribus earum exstant duorum deorum plane nomina, quae te spero nobis explicaturum:

‚gn¸wn DII MADBAQW.KAI.SELAMANEI.PATRWOIS.JEOIS.EUQHN DIOGENHS.ANTIOQOU.KAJUIOJ[E]SIAN.JEOFILOU TOU.ADELFOU.AUTOU.KAI.JEOFILA.H.EPIKALOUMHNH.EULA BOUS.JEOFILOU.H.GUNH.AUTOU.KAI.SWSEIS.H.MHTHR.KAI.JEO FILHS.KAI.SWSEIS.OI.UIOI.AUTWN.OIKODHMHSANTES.EKTI SAN.EK.TWN.IDIWN.EN.TW.ARKTIKW.TOU.PERIBOLOU.MEREI DRAQ.YD.OIKODOMHSAN KAI.EN.TW.MESHMBRINW.TOU.AU TOU.PERIBOLOU.MEREI.MHKOUS.MEN.APO.ANATOLHS.EP.DUSI PHQEIS.X.UYOUS.DE.PHQEIS.Z.DRAQ....DR AMFOTE RAS.DE.TAS.OIKDODOM....DIANEIKA...OS TOU.ME NISKOU.OIKODOMOU.DRAQ. AT....ETOUS.ELR.APEL LAIOOU IJ. Vides, vir praestantissime, ne quid dicam de forma literarum J. et O. memorari 0

nobis J o v e m M a d b a c h u m , e t S e l a m a n e m ; vel si tres distincti sunt dii, J o v e m , M a d b a c h u m , e t S e l a m a n e m ; sed quid ea nomina sibi velint, juxta cum ignarissimis scio. Exstat hic lapis prope urbem Aleppo, insertusque est muro veteris castelli in monte siti: et quanquam sensus illius satis clarus sit, et aera certa, dolendum tamen eum integrum non esse. Sed diutius tibi molestus esse vereor: Vale quapropter, vir illustris, et me ama. Daventriae 23. Jan. 1703.

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5–16 ... .: Die Inschrift war Cuper vermutlich durch J. Heyman mitgeteilt worden. Die Fassung weicht geringf¨ ugig ab von dem Druck nach sp¨ ateren Textaufnahmen seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in: Inscriptions grecques et latines de la Syrie, hrsg. v. L. Jalabert u. R. Mouterde, Bd 2, Paris 1939, Nr. 465; dort auch weitere Informationen zu den beiden G¨ ottern (Zeus) Madbachos und Selamanes und den Aussagen der Inschrift u ¨ber die Identit¨ at des Stifters Diogenes. 17 de forma ... : Das Theta wird in Cupers Abschrift als Quadrat mit einem kurzen Querstrich an der linken Innenseite wiedergegeben, das Omikron als einfaches Quadrat.

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115. CORNELIUS DIETRICH KOCH AN LEIBNIZ Helmstedt, 25. Januar 1703. [204.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 486 Bl. 30–31. 1 Bog. 4o. 3 S. Eigh. Aufschrift. Bibl.verm.

Per-Illustris atque Excellentissime Domine

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Regis potentissimi in Aula versanti Tibi non ausus sum has Conclusiunculas, pro Arena paratas ante offerre, quam reditum Tuum Hanoveram brevi futurum desperarem. Redditas Tibi esse binas meas, et priores, quas Lucretio Ms. adjunxeram et posteriores non dubito. Quibus quod petieram, nempe, ut Philosophiae professionem mihi decerneres, ex eo, fecisse Te, Vir Indulgentissime, colligo, quod Per-Illustris Dn. Hugo me ita nuper Ministris Cellensibus commendavit, ut voti mei compotem me brevi fore intelligam. Qua de re Tibi, ante omnes, debeo atque ago immortales gratias, recipioque, omnibus viribus atque opibus me elaboraturum, ut non omnino male collocatum id muneris esse, Excelli rerum Br. et Lun. Administri sentiant. Interpretationem Latinam Lib. 1. praecipuae Philosae Aristotelis absolutam haut scio an oculis Tuis, Vir Per-Illustris, quoad eo loco versaris, subjicere ausim. Quod sine dubio possum, id facio, Deum precor, ut Te, Excellentisse Domine, hunc et sequentes innumerabiles annos laetum conservet, Potentissimo Regi, Serenisso Electori, Ducibus Br. et Luneb. Rei literariae publicae! Per-Illustris atque Excelli Nominis T. cliens et cultor subjectissus

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Koch.

Helmst. XXV. Jan. MDCCIII. Zu N. 115: K folgt auf Kochs Brief vom 2. Oktober 1702 (I, 21). Beilage zu unserem St¨ uck war die Z. 6 erw¨ ahnte Schrift. 6 Regis: K¨ onig Friedrich in Preußen. 6 Conclusiunculas: C. D. Koch, Conclusiones CCCXCII. Ciceronis e Libris V. Disputationum Tusculanarum, Selectae, 1703. 7 reditum: Leibniz’ mehrfach verschobene R¨ uckkehr nach Hannover fand erst Anfang Juni 1703 statt. 8 priores . . . Lucretio Ms.: Bei der Beilage zu dem nicht gefundenen Brief von 1702 handelt es sich um ¨ eine italienische Ubers. von A. Marchetti u. d. Tit. Di Lucrezio Caro, della natura delle cose (Hannover Leibniz-Bibl. Ms IV 311). Leibniz ließ diese Handschrift f¨ ur Sophie Charlotte auf einer Auktion 1701 in Holland erwerben (vgl. I, 20 N. 42 Erl.). Erhalten hatte er sie offensichtlich Ende 1702 u ¨ber Koch, der sich zu dieser Zeit in Holland aufgehalten hatte. 8 posteriores: nicht gefunden. 11 commendavit: Koch erhielt am 5. November 1703 eine Professur f¨ ur Logik und Metaphysik in Helm¨ stedt. 14 Interpretationem: Kochs (nicht gefundene) Ubersetzung von Aristoteles ¨ , A, Kap. 1–3, war Beilage zu I, 20 N. 223. Notizen von Leibniz’ Hand zu dieser Ubersetzung finden sich in LBr. 486 Bl. 67–68. (gedr.: Gerhardt, Phil. Schr., 7, 1890, S. 471–474).

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A Son Excellence Monseigneur Leibnitius Conseiller priv´e de Sa Maj´e de Prussen et de S. A. El. de Br. et de Lun. ` a Berlin. 116. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 25. Januar 1703. [104. 122.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 152–154. 1 Bog. 1 Bl. 4o. 5 S. Mit Korrekturen. Bibl.verm.

Je vous attendois dans la Suite de la Reine, c’est pourquoy Monsieur, que vous n’av´es pas receu des mes novelles, m’etant imagin´e, que si vous ser´es rest´e ancor queques jours ` a Berlin, vous m’en aur´es dit queque chose. Je suis fach´e de la cause qui vous retient a Berlin, quoyque vous me faites esperer, que votre indisposition est legiere, et que vous ` vous rendr´es bientost ` a Hannover. Touchant mes Inscriptions je vous rends mille et mille graces. Tout ce que vous y av´es chang´e est tres bien imagin´e, et soy´es persuad´e qu’une des raisons, qui m’a empech´e de les imprimer icy, en a et´e votre absence, mais je n’aurai pas permis non plus de les laisser imprimer ` a Berlin, si vous n’y aur´es et´e `a cause de l’Estampe. J’ay appris aussi de Mr Attilio tout ce que vous av´es oper´e pres de Monsieur le Grand Chambellan, et je vous en remercie encore une fois. Je veux esperer, que devant votre depart le Roy me donnera par votre moyen queques marques de son genereux agreement. Le Prince Royal arriv` a icy lundi avant mydi, et la Reine pendant le din´e, on ne l’attendoit pas si tost, on se leva de table, et on all` a `a sa rencontre, et le soir Sa Majest´e alla `a la Redoute, on va ` a table sans fassons comme l’ann´ee pass´ee. Mr L’Abb´e Steffani partit d’icy lundi le matin pour D¨ usseldorff, je croy pour ses propres affaires, car il en demand` a la permission `a Monsigneur l’Electeur dans l’antichambre de Madame, et S. A. E. lui repondit, pourquoy non? Zu N. 116: K wurde wohl durch den nicht gefundenen Leibnizbrief beantwortet, den Guidi am 4. Februar erhielt. Seine Antwort darauf erfolgte mit N. 133. 7 Suite: K¨ onigin Sophie Charlotte war am 22. Januar in Hannover eingetroffen. Leibniz’ geplante R¨ uckkehr aus Berlin in ihrem Gefolge musste wegen seines Beinleidens verschoben werden; vgl. z. B. N. 95 u. N. 109. 12 Inscriptions: vgl. Guidi (SV.). 16 Attilio: Attilio Ariosti. 16 f. Grand Chambellan: J. C. Kolbe von Wartenberg. 18 Roy: Friedrich I. 18 donnera: Eine Belohnung Guidis durch den Berliner Hof erfolgte erst im September; vgl. N. 331. 19 Prince Royal: Friedrich Wilhelm. 19 lundi: am 22. Januar. 24 Madame: Kurf¨ urstin Sophie.

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Nous avons icy bien des etrangers, il y est arriv´e parmi les autres un fils de Mylord Aunlthon. Ils sont pass´e par icy aussi deux Comtes de Lippa; vous les aur´es pris Monsieur par des Bergers, ils sont sans politesse, et comme ils sont des Pietistes, et qu’ils ont avec eux un Governeur, ou Ministre de cette Sette, ils ne regardent personne dans le visage, mais ont les jeux toujours baiss´es ` a terre. Ils demeurerent queque tems dans le Cabinet de Madame, on les voulut amener ` a la Commedie, ils se mirent en chemin, mais apres une Scrupule leur fit changer de sentiment, et s’en allerent chez eux. Leur Governeur a la mine d’etre savant, il eut queque conversation avec Mr L’Abb´e de Loccum. On dit que cette opinion prend pied dans L’Allemagne, et meme je suis asseur´e, qu’il y en a dans cette Ville, et qu’on s’y assemble de tems en tems. On a fait l’etat ` a Monsigneur le Prince Electoral, le quel apparemment `a Paque quitter` a Son Governeur. Vous scar´es Monsieur le tumulte qui arriv`a depuis queques jours `a Hyldheseim, les Bourgois ayant pris les armes, et s’etant saisis des Portes de la Ville, pour obliger le Magistrat de rendre comte de son administration, et de les decharger des impos, ce qui obbligea Monsignr Le Duc de Cell, de faire approcher queques Compagnies `a la dite Ville, les quelles ont et´e apres receus ` a l’amiable et sans contraste par le[s] Bourgois dans la Ville, ` a present tout est en repos, mais le[s] dites Compagnies n’en sortiront point jusqu’`a que les dites differences ne soyent accomod´ees, y etant all´e des Commissaires pour les vider. On a bien fait de bruit de cet affaire et particulierement le grand Chapitre, `a cause qu’il ne veut pas entendre, que Monsigneur le Duc de Celle soit Protecteur d’Hyldheseim. Monsieur de Crasset est malade, mais la faute est `a lui. Il s’est terriblement echaff´e jusqu’` a l’emportement ` a cause d’une de ses Lettre[s], qui s’est perdue, quoyque elle ne soit pas de consequence, on lui a donn´e la satisfaction de faire faire serment aux Ministres de cette poste d’avoir envoy´e la dite lettre, mais neantmoins il n’a et´e satisfait, et il a parl´e d’une maniere si hautene, jusqu’` a dire, qu’il ecriroit `a la Reine, et qu’il fairoit

1 fils: Vielleicht ist gemeint F. Chr. van Reede-Ginkel second earl of Athlone, der Sohn von G. van Reede-Ginkel first earl of Athlone (vgl. N. 145). 2 Comtes: Graf Rudolf Ferdinand von Lippe-Biesterfeld und sein Neffe Graf Georg Hermann von Leiningen; vgl. Schnath, Briefe Georg Ludwigs, 1976, S. 300 Anm. 4. 4 Governeur: E. Chr. Hochmann von Hohenau. 8 L’Abb´ e: G. W. Molanus. 12 Governeur: Ph. A. zu Eltz. 13 tumulte: zu den Unruhen in Hildesheim und der anschließenden Besetzung durch cellische Truppen vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 563–567. 22 Crasset: Der englische Gesandte J. Cressett litt akut an geistiger Verwirrung; vgl. Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 51 f. mit den archivalischen Zeugnissen der von Guidi referierten Vorg¨ ange. 26 Reine: die englische K¨ onigin Anna.

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arret´e les lettres de Mr Schutz deux mois, et plusieurs autres choses, qui ont chocqu´es tout le Monde. Pour dire le vray il est devenu insupportable aux Anglois m´emes, qui en parlent avec mepris, et hors de Mr Scotti, qui lui fait la Cour par necessit´e, les autres ne le regardent point. On a promis finalement au dit Monsr Scotti una place de Gentilhomme de Cour, lors qu’il y en auroit une vacante. Je m’etonne que nous n’avons pas des novelles de Pologne, pendant que ces affaires l` a sont dans la Crise. Les Lettres de Dannemark parlent d’un mariage entre la Princesse, et l’Administrateur du Hollestein, qu’y a tout chang´e au gouvernement. Il sont arriv´es enfin quatre Ordinaires d’Angleterre `a L’Haye, mais on n’en est pas plus ` a son aise, par ce que on n’a encore aucune resolution touchant l’augmentation des Troupes. On s’etoit promis, que la Reine auroit prorog´e Le Parlement pour queques jours, afin de lui pouvoir en suite proposer cette augmentation, mais cela ne s’est point fait, et l’on est en Hollande fort deconcert´e de ces Longueurs, qui font perdre un tems d’autant plus pretieux, que les Francois mettent toute pierre en [oe]uvre pour tacher de reparer leurs pertes. Il y a eu queque bruit `a Nimegue, et `a Bomel, sur l’election du Magistrat, et sur les impos, les Etats ont et´e oblig´es de bannir queque Bourgois, et d’en mettre all’amende quequ’autres, mais la contagion s’etoit repandu dans la Zelande. vous sav´es la crainte que les Provinces ont d’Amsterdam depuis longtems. les Anglois (`a ce que j’endens d’eux memes) ne veulent pas porter onus diei h—i, comme du tems du Roy defunct, ils pretendent que l’Hollande fasse ses efforts, en disant qu’ils n’ont rien `a faire touchant leurs Provinces; cependant l’argent vient rare en Hollande, et je ne scay pas comme les choses iront. L’Electeur de Baviere est obstin´e plus que jamais, il a derechef ordonn´e `a tous ses Sujets, depuis 18 ans jusqu’a 50 de prendre les armes, il y a quequn qu’il dit que S. A. E.

12 promis, que que la K korr. Hrsg. 3 Mr Scotti: der Hofjunker J. Scott. 8 Lettres: nicht ermittelt; wohl im Rahmen der von Guidi betriebenen politischen Nachrichtenb¨ orse. 8 Princesse: Gemeint ist vermutlich Herzoginwitwe Hedwig Sophie von Holstein-Gottorp, die keine zweite Ehe einging. 8 f. l’Administrateur: Christian August von Holstein-Gottorp. 11 l’augmentation: Die von Holland gew¨ unschte Verst¨ arkung der englischen Truppen im Spanischen Erbfolgekrieg wurde von englischer Seite nach anf¨ anglicher Ablehnung kurz darauf bewilligt; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Jan. 1703, S. 106 f. sowie Febr. 1703, S. 91 bis 93. 16 bruit: zu den blutigen Angriffen auf den Magistrat in Nimwegen im Januar 1703 vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 94. 20 f. Roy defunct: Wilhelm III.

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se fait appeller Roy de Suabe et de Franconie. On n’entend rien parler de l’Arm´ee Imple, qui est de ce cot´e l` a; on dit qu’elle n’agit faute des moyens. Les Francois en Italie se sont eloign´es de Bercello, mais leur situation est telle, que la dite Place est presque blocqu´ee, s’ils y retournent, l`a prendront, car la guernison est fort foible; les Allemands se tiennent au Final, `a Ostia, e `a Revere, et tacheront de disputer le terren aux ennemis; mais ils manquent presque de tout, et je ne voy pas, comme on les puissent assister, pendant les troubles de Baviere. Je ne croy pas que le Prince Eugene retourner` a plus en Italie, o` u le Comte Guido de Starenberg a pris le comandement. Les Italiens sont aigris contre la Cour de Vienne, leur semblant, qu’elle n’a entrepris cette guerre, que pour desoler la Lombardie. L’assassinat commis sur la personne de Monsigneur Zeccadori Prelat domestique du Pape, et son Secretaire des lettres latines dans le propre palais du Pape est inoui, et bien hardi. On croit ` a Rome que le coup a et´e ordonn´e par un haute main car malgr´e la taglia des dix mille ecus, que le Saint Pere a mise pour decovrir l’assassin, le Prelat est mort sans qu’on puisse rien decovrir. Un Chevalier Saxon, qui est dans la suite de Mr Bosen Ambassadeur du Roy de Pologne, qui va ` a Londre; vint icy hier ausoir en poste pour voir la Redoutte, et la Commedie francoise, qui se jouera ce soir, pretendant apres de rejoindre l’Ambassadeur a Osnabruck. ` Il a dit que le Roy de Pologne donner`a le reste de ses Trouppes `a l’Angleterre, et a l’Hollande, et qu’il ne se met pas en peine de ce que fair`a contre lui le Roy de Suede, ` car S. M. se tient ` a la parole que la Republique lui a donn´ee de prendre les Armes en sa faveur aussi tost que le Roy aur` a conged[i]´e toutes ses troupes, et aussi `a la parole que l’Empereur, l’Anglet[err]e, l’Hollande et la Dannemarc lui ont donn´ee, de declarer la

3 Bercello: die modenesische Festung Brescello (Bersello). 5 Ostia: Gemeint ist vermutlich Ostiglia. 8 retourner` a: Prinz Eugen von Savoyen, Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen in Italien, war um die Jahreswende nach Wien gereist, um seine Vorstellungen zur Verbesserung der Truppenausstattung am Kaiserhof vorzubringen. 11 L’assassinat: Zum Mord an dem p¨ apstlichen K¨ ammerer und Sekret¨ ar Zeccadori am 29. Dezember 1702 vgl. Historische R e l a t i o n , Continuatio 13, Neujahr bis Ostern 1703, S. 29. 14 Saint Pere: Clemens XI. 16 Chevalier: nicht ermittelt. 16 Mr Bosen: Chr. D. von Bose. 20 donner` a: Zu den 1701/02 zugesagten Subsidientruppen Augusts II. im Spanischen Erbfolgekrieg f¨ ur den Kaiser und die Seem¨ achte vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 345. 22 donn´ ee: Gemeint ist vermutlich die Konf¨ oderation von Sandomir.

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guerre au Roy de Suede, s’il continuer` a dan[s] le dessein de la detrhonation. Nous verrons si le Roy de Pologne l’aur` a devin´e. En attendant je suis h...i Hannover 25. Janvier 1 7 0 3.

117. HENNING HUTHMANN AN LEIBNIZ Ilfeld, 25. Januar 1703. [271.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 435 Bl. 34–35. 1 Bog. 4o. 2 1/2 S. Ohne Anrede. Eigh. Aufschrift. Siegel. Bibl.verm.

Gavisus nuper sum valde, cum comperi, Tractatum de mutua Corporis et Animae communicatione, quem Dus Damius Berolinum miserat, in manus Domini pervenisse. Nam is quidem nondum erat, quem eum esse oportet ad animos legentium convincendos. Attamen Viro, qui demonstrationem inchoatam scit discernere a blaterationibus superficialibus, poterat aptus videri ad ultiorem perfectionem. Eandemque jam, opinor, consecutus est, postquam iterum atque iterum a me attente perlectus, ubi deficiens vel obscurior deprehensus est, auctus et illustratus evasit. Quamprimum omnia, quae commentatus sum, descripsero, non cessabo examini et judicio Vestro transmittere. Quoniam autem ex Dno de Ramei audivi, placuisse Domino Directori Societatis regiae, ut et ego in eam adsciscerer ad diligentiam meam sustentandam et suscitandam; gratias ago maximas pro hoc in me favore. Orans, ut benevolo in me animo esse perseverent, quicunque cum Dno Directore fautores sese mihi ostendunt. Cum per gratiam Dei non adeo ineptus sim ad abstrusas veritates indagandas, spero fore, ut Societatis illustris celebritatem non sufflaminem, sed in annos singulos magis magisque promoveam. 1 detrhonation: Zum von Karl XII. in einem Brief an Kardinalprimas N. S. Radziejowski vom 30. Juli 1701 propagierten Vorhaben der Dethronisation Augusts II. vgl. Hatton, Charles XII., 1968, S. 168 f. u. S. 174. Zu N. 117: Mit K setzt die u ¨berlieferte Korrespondenz nach Leibniz’ Brief vom M¨ arz 1697 (I, 13 ¨ N. 410) erneut ein. Davor sind indirekter Kontakt und die Ubermittlung einer Schrift Huthmanns anzunehmen, wie sich aus Z. 8 ergibt. Leibniz antwortet auf unser St¨ uck, das ihn w¨ ahrend seines Berlin-Aufenthaltes erreichte, nach seiner R¨ uckkehr nach Hannover mit N. 271. 8 Tractatum: nicht ermittelt; vermutlich nur Ms. 16 de Ramei: wohl G. B. de La Ram´ ee, brandenburg-preußischer Landeshauptmann der Grafschaft Hohnstein (vgl. Brather, Akademie, 1993, S. 357). 17 ego . . . adsciscerer: Eine Aufnahme Huthmanns in die Berliner Soziet¨ at der Wissenschaften fand nicht statt; auch f¨ ur Vorbereitungen dazu gibt es keinen Beleg (vgl. Brather, a. a. O., Register).

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N. 117

Quem in finem jam indico, esse mihi tractatum jam elaboratum de quantitate anni, quam ei Judaei ex praescripto Dei tribuerunt. Exod. XII. 1. 2. Primus sententiae hujus autor est Ravius Profess. Upsaliensis. Sectator deinde et novi fundamenti adinventor Wasmuthius Prof. Kiloniensis. Sed neutri contigit, ut omnia scripturae loca exacte quiverit conciliare. Quod tamen a me praestitum reor. Singulari enim studio omnia loca tamdiu examinavi, donec se ratio ostendit vera omnis contradictionis tollendae. Ideo autem distuli Tractatum edere, quia veritus sum, ne objiceretur, Deum saltem usum esse hypothesi Chaldaeorum. Deprehenditur vero anni quantitas habita fuisse 365 dierum, et 5 47 horarum. Quarto quoque anno intercalatio facta est diei integri. Excessus igitur, quem intercalatio attulit, confecit annis quinquagenis hsenisi unum diem. At Judaei non omiserunt protinus unum illum excedentem diem, sed anno cuilibet centesimo duodecimo duos ademerunt dies. Neque ratione caruit haec dierum omittendorum dilatio. Uti tractatus ostendit. Mihi autem saepius cogitanti, quomodo per naturam probari queat, an haec sit vera anni quantitas et vera annorum aequandorum ratio, necessarium visum est instrumentum Quadrantis, cujus radius esset ducentorum pedum. Cum autem fabricatio et adhibitio instrumenti tanti haud foret commoda, putavi substitui posse turrim, quae versus septentrionem habeat vallem conjunctam et montem propinquum, sicut arx diruta Hohnstein prope Ilefeldiam habet. Si et Vobis, Domini honorandi, examen anni Judaici dignum videtur, quod ad verum anni quantitatem demonstrandam per naturam instituatur, mittam tractatum, quem elaboratum habeo ex Bibliis erutum, adjuncto simul modo, qui commodus mihi videatur ad examen illud sumptibus non ita magnis instituendum. Ea turris altitudo requiritur, quae quotidianam dierum differentiam integrum pedem per umbram faciat. Quapropter, quid hac in re fieri velitis, certior fieri exspecto. Ulteriori interim favori me commendans prosperrima quaeque apprecor Illustris Tuae Excellentiae

officiosissimus

M. Henningus Huthman.

Ilefeldiae octavo Cal. Febr. MDCCIII.

1 tractatum . . . anni: nicht ermittelt; vermutlich nur Ms. 3 autor . . . Ravius: Chr. Raue (Ravius), Chronologia Biblica, 1670. 3 f. novi . . . Wasmuthius: Gemeint ist vermutlich M. Wasmuth und seine Begr¨ undung einer biblischen Chronologie auf der Basis astronomischer Berechnungen, niedergelegt in seinem nachgelassenen Werk Novum opus Astro-Chronologicum, 1692. Vgl. auch Ders., Epistola de anni diluvialis, ejusque dierum in Script. S. expressorum, mathematica demonstratione, gedr. in: S. Reyher, Mathesis Mosaica, 1678, S. 98–124. 8 hypothesi Chaldaeorum: Gemeint ist die babylonische Zeitrechnung.

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Viro Illustri atque Amplissimo, Domino Leibnitz, Societatis Scientiarum a potentiss. Rege Borussiae Directori, et Sereniss. Electori Brunsvicensi a Consiliis intimis, Fautori meo admodum colendo. Berolinum.

¨ 118. LEIBNIZ AN HEINRICH RUDIGER VON ILGEN Berlin, 26. Januar 1703. [110. 368.]

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¨ Uberlieferung: L Konzept: LH XIX Bl. 120–121. 1 Bog. 8o. 4 S. Mit zahlreichen Korrekturen und Erg¨ anzungen. Eigh. Anschrift. Seitliche Blattr¨ ander unregelm¨ aßig beschnitten.

A M. d’Ilgen ` a Potsdam Monsieur

Berlin 26 Janvier 1703

Je prends la libert´e de mander ` a V. E. que je suis quasi resolu d’attendre le retour du Roy de Magdebourg. car ayant entam´e l’affaire de la Culture de la soye et de la plantation des Meuriers blancs qui est tres importante; je considere que l’ann´ee sera perdue si l’on differe d’y mettre ordre. Et la perte d’une ann´ee pour un tel ´etablissement n’est pas peu de chose. Et si je venois ` a present ` a Potsdam je crains qu’il n’y aura point assez de temps de faire quelque hchosei[.] Et je pref`ere encor en cela le public `a ma comodit´e. J’espere que Sa Mt´e m’en saura quelque gr´e, et prendra du moins en bonne part mon zele qui me fait travailler ` a un point o` u et sa gloire et le bien de ses estats, et meme son propre avantage se trouvent joints. Outre que le pays sera avantag´e et les revenus de sa Majest´e augment´es considerablement je crois que ce qui fait fleurir la Societ´e des Sciences convient directement ` a la gloire et au service du Roy. Le but de la Societ´e estant de travailler a` la perfection des arts et sciences par des experiences et observations, faire venir des Excellents hommes, avoir un Laboratoire de chymie et un autre de Mecanique,

13 differe (1 ) de la regle (2 ) d’y . . . ordre L 14 f. Et si . . . hchosei erg. L 16 f. part (1 ) qve je travaille en sa (2 ) mon . . . sa L 19 qvi (1 ) fera (2 ) fait L 20 Sciences (1 ) sert (2 ) convient L 21 f. faire . . . hommes erg. L 22 de chymie . . . Mecaniqve erg. L

Zu N. 118: 10 f. retour . . . Magdebourg: Dorthin war K¨ onig Friedrich I. am 20. Januar aufgebrochen; vgl. N. 109.

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aussi bien qu’un observatoire, un theatre de la nature et de l’art o` u soyent les modelles ou les exemplaires memes de toutes sortes de belles inventions, et l’arrangement des trois regnes de la nature; ce qui pourra servir ` a damer le pion aux Societ´es Royales de France[,] d’Angleterre. L’instruction que le Roy a donn´ee `a la Societ´e porte tout cela et de plus le dessein de la propaganda fide par les missions, jusqu’`a la Chine par la Muscovie et ailleurs. Estant seur que la foy apresent ne se peut mieux repandre et propager que par les sciences jointes ` a la vertu. Et comme hreciproquementi les missions eloign´ees donnent moyen d’augmenter les sciences. Or comme tout ce que fera la Societ´e se fera au nom et pour la gloire du Roy. Tout ce que Sa Mt´e luy accordera, Elle l’accordera `a Elle meme. Et comme le Roy m’a confirm´e verbo Regio, qu’ayant promis d’avantager la Societ´e de quelques nouvelles Concessions convenable dans les occasions il le feroit effectivement quand on en proposeroit de faisables, et qui ne prejudicieroient `a personne; je ne doute point que Sa Mt´e ne soit dans le dessein d’accorder celle de la Culture de la Soye qui paroit la plus convenable qui se puisse[.] Je ne say comment sa Mt´e a est´e prevenue, qu’on luy demanderoit d’avancer des sommes d’argent considerables. Le dessein n’est pas d’estre importun `a Sa Mt´e. On tachera de n’estre gueres ` a charge, comme aussi bien on ne l’a gueres est´e jusqu’icy. Cela estant, je supplie V. E. de favoriser et preparer cette afaire au pres du Roy, et de M. le Grand Chambellan, ` a fin que j’en puisse sortir plus promptement au retour de la Cour. J’ajouteray que M. de Hamrath a est´e charg´e de M. le Grand Chambellan d’entendre M. Coppisch qui tient les manufactures de soye et M. de Hamrath m’a dit qu’il trouve ma proposition tres faisable, cela servira encor `a l’avancer. Je suis avec beaucoup d’obligation etc.

2 ou . . . memes erg. L 3 f. ce qvi . . . Angleterre erg. L 6 repandre et erg. L 7 f. vertu. (1 ) Absatz Or (2 ) Comme tout ce (3 ) Et (a) qv’en meme temps (b) comme . . . tout ce L 11 convenable . . . occasions erg. L 13 f. qvi paroit . . . puisse erg. L 16 Le dessein . . . Mt´e erg. L 18 et preparer erg. L

4 L’instruction: vom 11. Juli 1700 (gedr.: Brather, Akademie, 1993, S. 94–105). 10 confirm´ e: vgl. Leibniz’ Bezugnahme auf eine Zusage des K¨ onigs in N. 84; vgl. auch N. 240. 19 Grand Chambellan: J. C. Kolbe von Wartenberg. 21 Coppisch: C. Koppisch. 21 m’a dit: vermutlich im Januar.

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119. LEIBNIZ AN OTTO SPERLING Berlin, 27. Januar 1703. [159.] ¨ Uberlieferung: L

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Abfertigung: Kopenhagen Kongelige Bibliotek GKS 3092 4o VI,4a. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit Korrekturen. Bibl.verm. (Unsere Druckvorlage.) — Gedr. (ohne Anrede, Schluss, P. S.): 1. Kortholt, Epistolae, [1], 1734, S. 244 f.; danach 2. Dutens, Opera, 4, 2, 1768, S. 268 f. (Teil-)Abschrift: Ebd. NKS 2753 4o Nr. 119. 4o. 1 1/2 S. Ohne P. S. Datumsangabe 7 Jan. ” 1703‘‘. Neben der Anrede Vermerk von der Hand des Abschreibers: Otto Sperling‘‘. ” ˆ tel Bibl. publique et universitaire fonds Bourguet Ms. 1288.5. Abschrift: Neucha

Vir Amplissime Literis Tuis responsum debeo dudum: dilatum est quia parabam simul disputatiunculae nostrae continuationem. Sed ea utcunque concepta deinde perdita inter schedas aegre adduci potui ut actum agerem. Septentrionis monumenta severiore critica indigent, antequam iis vel in temporibus scriptori vicinioribus, ne dum in remotis, fidem habeamus. Plerumque diversorum tradita parum cohaerent inter se, ut somnia haegrorumi intelligunt qui Saxonem aliosque conciliare volunt. Scriptores et Codices satis recentes sunt. Narrationibus de Asis et similibus vix quicquam tribuere audeo. Runographema nescio an ullum compertae ultra Carolinum aevum antiquitatis. Ubique cruces, quas frustra interpretando amoliare. Scandinaviae antiquos incolas Finnolapponas fuisse, his ad interiora pulsis litora marginesque a Germanis colonis occupatos ostendit situs locorum ususque migrationum. At postea colonias ex septentrione in Germaniam rediisse, non ideo nego. Haec omnibus expensis consecutus mihi videor; nec tamen aliorum judiciis intercedo.

Zu N. 119: L, zusammen mit einem Brief an Fr. von Walter (nicht gefunden; vgl. N. 228 Erl.) als Beischluss zu einem Leibnizbrief an O. Rømer desselben Datums versandt (gedr.: Dutens, Opera, 4, 2, 1768, S. 121–123; Druck in Reihe III), folgt auf I, 18 N. 360 und antwortet auf einen nicht gefundenen Brief Sperlings. Dessen Antwort ist N. 159. 11 f. disputatiunculae nostrae: u ¨ber Sperlings These vom angeblichen Ursprung der europ¨ aischen V¨ olker in Skandinavien; vgl. I, 18 N. 360 sowie unten S. 186 Z. 1 Erl. Leibniz hatte bereits im Augustheft 1699 der N o v a Literaria Maris Balthici et Septentrionis (vgl. SV.) dagegen Stellung genommen. 16 Saxonem: Saxo Grammaticus, Gesta Danorum (vgl. SV.).

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Pro eruditissimis Tuis dissertationibus gratias agere memini. Ajunt Adamum Bremensem multo Tibi esse edito meliorem. Ego Ditmarum nactus sum non tantum emendatiorem sed et ampliorem. Anonymum quem de Thuringiae principibus edidit Pistorius altero tanto auctiorem habeo. Multos alios medii aevi ex Codicibus meliores reddidi. Itaque justum volumen scriptorum restitutorum molior, cujus ornamentum insigne foret Adamus Tuus; sed credo eum ipse mavoles edere atque illustrare notis. Supersunt mihi et plane inediti qui aliud volumen implere possint. Et in utramque curam Deo volente incumbam. Te hortor magnopere ut tot praeclara opera quae affecta habes, paulatim publico dones. Vale et fave. Dabam Berolini 27 Januar 1703. Deditissimus

Godefridus Guilielmus Leibnitius.

1 dissertationibus: darunter vermutlich die von Sperling mit I, 18 N. 202 u ¨bersandte De baptismo ethnicorum dissertatio, 1700. Leibniz geht hierauf sowie auf zwei Aufs¨ atze Sperlings in den N o v a Literaria Maris Balthici et Septentrionis, Juni 1699 u. Dez. 1699 (vgl. SV.), in seiner Antwort I, 18 N. 360 ein. 2 Adamum . . . meliorem: Adam von Bremen, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum. Sperlings geplante Edition ist nur in Teilen (Buch I, cap. 1–32 und Sperlings Kommentare hierzu) postum erschienen; vgl. I, 18 N. 304 Erl. Leibniz’ Anspielung auf eine fr¨ uhere Edition bezieht sich wohl auf die E. Lindenbrogs von 1595 u. d. Tit. Historia Ecclesiastica (vgl. SV.) [Marg.]. 2 f. Ditmarum ¨ ¨ ssel Bibl. . . . ampliorem: Die Corveyer Uberarbeitung von Thietmar von Merseburg, Chronicon (Bru Royale Albert Ier Ms 7503–18) hatte Leibniz bereits 1687 von D. Papebroch erhalten (vgl. I, 4 N. 529 sowie z. B. I, 16 N. 263) und mit der Ausgabe J. J. Maders, Thietmar, Chronici libri IIX , 1667, kollationieren lassen ( Collatio Ditmariani Codicis Antwerp. cum edit. Helmestadiensi.‘‘, Hannover Leibniz-Bibl. ” Ms XIII 754a). Leibniz’ Edition erfolgte in den Script. rer. Brunsv., 1, 1707, S. 323–427 (vgl. Eckert, Scriptores, 1971, S. 62–71). 3 f. Anonymum . . . Pistorius: Historia de landgraviis Thuringiae [Pistoriana], gedr. in: J. Pistorius, Illustrium veterum Scriptorum, qui rerum gestarum historias reliquerunt Tomus 1 , 1583, S. 908–955 (heute als C r o n i c a Turingorum bezeichnet), aus dem Eisenacher Dominikanerkloster. 4 altero . . . habeo: Bei der Eccardiana‘‘ (Hannover Leibniz-Bibl. Ms XX 1170), ” der aus Leibniz’ Materialsammlung erstmals von J. G. Eckhart in: Historia genealogica Principum Saxoniae Superioris, 1722, Sp. 351–468 edierten H i s t o r i a de landgraviis Thuringiae aus dem Eisenacher Minoritenkloster, handelt es sich tats¨ achlich um ein von der Pistoriana‘‘ verschiedenes Werk ” (vgl. I, 19 N. 58 Erl.). Leibniz hatte Eckhart bereits 1701 Anweisungen f¨ ur die Druckvorbereitung erteilt (vgl. ebd. sowie I, 19 N. 60). 5 volumen . . . restitutorum: Der Mitte der 1690er gefasste Plan einer Edition (zusammen mit A. Des Vignoles) von Scriptores historici restituti‘‘ wurde nicht verwirklicht; ” mehrere der daf¨ ur vorgesehenen Quellentexte edierte Leibniz in den Script. rer. Brunsv., 3 Bde, 1707 bis 1711. 5 f. cujus . . . Tuus: Ein a ¨hnliches Angebot hatte Leibniz Sperling bereits 1700 u ¨ber F. von Walter unterbreiten lassen; vgl. I, 18 N. 304. Vgl. auch bereits I, 12 N. 146.

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P. S. Intra paucos dies Hanoverae ero Deo volente. Ergo si qua mandare velles possent Hanoveram directa mitti Hamburgum ins Hahrburger hauß , ubi Brunsvigo-Luneburgiae postae sedes.

120. FRIEDRICH ALHARD VON OBERG AN LEIBNIZ Goslar, 27. Januar 1703.

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 690 Bl. 18–19. 1 Bog. 4o. 3 S. Eigh. Aufschrift. Siegel. Postverm.

Wohlgebohrner Herr Hochgeehrter Herr Geheimbter Rath

Goslar den 27. Jan. 1703

Nachdem ich von Ew. Wohlgeb. meinen hochgeehrten Herrn Geheimbten Rath die permission erhalten mit Brieffen dießelben auffzuwarten, so habe die gentzlig Hoffnung daß solches mir nicht in u ¨belen werde gedanket werden, in dem vor kurtzer Zeit ohn vermuthet an einen sicheren ord angekomen, daselbsten mit einigen in guter Bekantschafft gerathen deren nehester befreunder vor etligen Jahren in Ostindien gestorben, undt dem gewißen Vernehmen nach viele g¨ uter hinterlaßen haben soll, wie beygef¨ ugte Nachricht mit mehren ausweißen werden, Dieweilen mir nun bekant daß Ew. Wohlgeb. MH. Geheimbter Rath, vieler orten bekant, undt daß durch ihre Vielverm¨ogenheit ein großes profitieret undt ausgerichted werden kan, so habe ich mich erk¨ uhnet (doch mit dero erlaubniß) dießes an Ew. Wohlgeb. zu u ¨berschreiben anbey zugleich zu vernehmen, ob Ew. Wohlgeb. MH. GeH. rath dero hochgeneigste assistentz denen Erben in dießen falle zu geben gewehren wolten; Es erbieten sich die Erben alle Satisfaction zu dießen weg zu thun, so fern sie nur den befehl m¨ ogten erhalten, wie auff was art solches m¨oge geschehen, ich habe sonsten mit

1 Intra . . . ero: Tats¨ achlich kehrte Leibniz erst Anfang Juni nach Hannover zur¨ uck. Zu N. 120: K folgt auf Obergs Brief vom 7. August 1702 (I, 21). Die u ¨berlieferte Korrespondenz wird fortgesetzt durch einen Brief Obergs vom 12. April 1712 (LBr. 690 Bl. 6). Beilagen zu unserem St¨ uck waren: die Z. 15 erw¨ ahnte Nachricht‘‘ u ¨ber Streitigkeiten in Holland um die Hinterlassenschaft eines in ” Diensten der Ostindischen Kompanie t¨ atig gewesenen Erblassers (LBr. 690 Bl. 22) und die S. 188 Z. 7 erw¨ ahnte Auflistung von Bedingungen eines Cavaliers‘‘ (vgl. S. 188 Z. 6) hinsichtlich der Rekrutierung ” von Soldaten f¨ ur Kurf¨ urst Georg Ludwig (LBr. 690 Bl. 23). 11 permission erhalten: Es bleibt unklar, ob auf schriftlichem Wege oder m¨ undlich. 14 befreunder: nicht ermittelt.

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denen selben auff gewiße maße tractiret, w¨ urde mir also lieb seyn, wann ich den in den Bergwerck erlittenen großen Schaden den regres wieder k¨onte erhalten, Ich versichere daß MH. GeH.rath, falß die sache durch ihre große Verm¨ogenheit werde zum stande bringen, mit gnugsahmer erkentligkeit werden begegnet werden. Wiewohl ich verhoffen will daß dieses mein ansinnen Ew. Wohlgeb. nicht von u ¨bel ausdeuten werden, Es ist auch an ein gewißen ort ein Cavalier, der eine Compagnie In dero Churf. dinsten zu werben herrausgelaufen, wie beygehende punctation zu ersehen wirdt, solte solches alda wohl auffgenomen undt acceptieret werden, will gebethen haben mir ohn beschwehr wenig advis nach Goslar zu geben, anbey bittende die antwort an Herr Weismann Hauße alhie ohn beschwehr einzusenden, undt per Couvert an demselben gelangen laßen, warumb ich sonderlig will gebethen haben, Inzwischen der zuversicht Lebende, daß Ew. Wohlgeb. mein hochgeehrter Herr Geheimbter Rath die angetragene M¨ uhe nicht vor u ¨bel deuten werden, mich in dero affection recommenderent stetigst verbleibender Ew. Wohlgeb.

Meines Hochgeehrten Herrn Geh.Raths ergebenster Diener d’Oberg

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A Monsieur Monsieur de Leibnitz Conseiller intime de Son Altesse Electorale d’Hannover[.] Citissime ` a Hannover.

¨ 121. PHILIPP MULLER AN LEIBNIZ Jena, 28. Januar 1703. [111. 126.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 671 Bl. 51–52. 1 Bog. 4o. 2 S. Ohne Anrede. Eigh. Anschrift. Siegel. Postverm. Bibl.verm.

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Si Domine Excellme fidei Tuae vicem ideoneam reddere non possim, exul et desertus; at reddet Deus meritor[um] aestimator integer. Indicat secundis literis Dn. Ritt-

2 Schaden: nicht ermittelt. 6 Cavalier: nicht ermittelt. 9 Herr Weismann: nicht ermittelt. Zu N. 121: K antwortet auf N. 111 und wird beantwortet durch N. 126. 23 literis: nicht ermittelt.

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nerus, in eo jam versari spem, velimne Emeriti nomine transigere; quod Vestrae nondum pollicebantur. In hoc articulo fortunae respondi, Ageret pro eo ac posset titulo tali et perpetraret, Tuae Excelliae ope consilio. nam ipse sine discrimine eos prensat, a quibus plus noxae metuitur. nae, vel miserrimis, cuivis me debuero, ut Seneca cordate monet, in selectu beneficii. caeteroquin dituissem et praevaluissem pridem. Schedae 300. vallens. usum tantisper differemus, dum constet de isto successu, quem Tuapte quaeso prudentia et autoritate molire, organon . DN. d’Ilgen rem facile perpetrarit, si animus sit tendere ad extremum virium. Interest Regiae gloriae, insontem, non auditum, spectatae fidei, talisque ordinis virum, servare. quid Invasor notus mereatur, promoveat, liquet; citatus a Sueco ut reus conjurationis; nec dignus loco, in exemplum tam infandum, quo vim fecit mihi et provinciae, probrum Ecclesiae toti. Interea dignare me intercessione apud Electoralem Seren. Hannoverae, ut veniam in partem fortunae supparis amissae; donec Dei bonitas aliter disposuerit. navare operam aliquam non desinam: certe in exoptatum concordiae sacrae nomen, cujus vel prima caussa erat hujus Professionis aditio, unde eversum ivere meum statum, praetextum quantillum aucupati per insidias. Plane tot specimina perfidiae, inconstantiae, et malarum artium in hominibus, qui ullatenus in meo casu concurrerunt, ut stupeatur. Sed . heic per molestias Rectorales nil potui exequi. dies 3. Febr. me absolvet. Si tunc itandum sit aliquo, monebis fideliter. Jam

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1 Emeriti nomine: Im Dimissionspatent K¨ onig Friedrichs I. f¨ ur M¨ uller vom 27. Februar 1702 (vgl. N. 111) war diesem zugestanden worden, lebenslang den Titel eines Propstes und Praelaten von Unser Lieben Frauen zu Magdeburg zu f¨ uhren. 1 Vestrae: N. 111. 2 respondi: nicht ermittelt. 3 ipse: Gemeint sein d¨ urfte M¨ ullers Nachfolger Johann Fischer. 4 monet: nicht ermittelt. 6 differemus: vgl. auch C. H. von Cansteins Briefe an A. H. Francke von Mitte Februar 1703 bzw. vom 14. April 1703 (gedr.: Briefwechsel Cansteins mit Francke, 1972, N. 210 u. N. 218). 10 Sueco: nicht ermittelt; vermutlich Anspielung auf den von M¨ uller am 27. Mai 1702 (I, 21) angesprochenen Brief eines Ungenannten aus Schweden, in dem Fischer als Freund J. R. von Patkuls bezeichnet wird; dabei bezieht M¨ uller sich wohl auf die Beylage N. IX zu Rechtliche Acta in peinlichen Sachen des K¨ onigl. Schwedischen Hoff-Cantzlers Herrn Baron Joh. Bergenhielm contra Herrn Capitain Johann Reinhold Patkul, 1701, S. 27 f. (vgl. [Chr. Thomasius], Gr¨ undliche Deduction, SV.]). 10 reus conjurationis: Fischers Gegensatz zur schwedischen Krone hatte seine Position in Livland unhaltbar gemacht. 11 provinciae: das Herzogtum Magdeburg, dessen Landst¨ ande sich bereits 1702 f¨ ur M¨ uller ausgesprochen hatten. 14 concordiae: Gemeint ist wohl das Projekt einer innerprotestantischen Union. 14 hujus . . . aditio: M¨ ullers 1701 angetretene Professur f¨ ur Theologie an der Universit¨ at Jena, deretwegen er sein Magdeburger Amt hatte aufgegeben m¨ ussen. 15 insidias: zu der hinter M¨ ullers Demission stehenden Intrige vgl. N. 111 Erl. 18 ... : Homeros, , 19, 65.

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vale et vive memor tui, qui anxius est de Tua valitudine, cura sis accurate, differ itationes hybernas, ac memento quam ingratus Te talibus consumpseris. Jen. d. 28. Januar. 1703. Excelliae Tuae

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servus fidei immotae

Ph. M. D.

A Son Excellence Monsieur De Leibniz Conseiller d’Etat Intime, de Sa Seren[i ]t[´e ] Elector. de Brunsvic-Hannover; demain ` a Berlin. Fr.

122. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 28. Januar 1703. [116. 133.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 155. 4o. 2 S. Bibl.verm.

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J’appris hier de Monsieur Attilio avec beaucoup de sentiment, que vous etes encore indispos´e, ce que j’avois deja preveu lors que la Poste de Berlin ne m’apporta des vos cheres novelles. Je vous souhaite de tout mon coeur une parfaite guerison, afin d’avoir l’honneur et le plaisir de vous emporter icy au plus tost[,] et pour vous remercier de bouche de la peine, que vous av´es pris touchant mes Inscriptions. On continue icy le Carneval avec beaucoup de vigueur[.] on attend icy mardi prochain Monsigneur le Duc de Cell, et on parle que Monsigneur le Prince heritier de Cassel y purroit venir aussi. Mr de Bose Ambassadeur du Roy de Pologne `a la Reine d’Angleterre pass`a les jours pass´es dans notre voisinage, et ` a ce qu’on me dit hier au soir, il est arriv´e icy autre r Minitre de Sa Majest´e M de Flemming frere du Lieutenant General, revetu du caractere d’Envoy´e ` a S. A. E. notre Maitre, qui lui donner`a l’audiance aujordhui. Vous scar´es mieux

Zu N. 122: K kreuzte sich vermutlich mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief wohl von Ende Januar, den Guidi am 4. Februar erhielt und auf den er mit N. 133 antwortete. 9 Monsieur Attilio: A. Ariosti, der sich im Gefolge K¨ onigin Sophie Charlottes in Hannover aufhielt. 10 indispos´ e: Aufgrund seines Beinleidens hatte Leibniz die f¨ ur Januar geplante R¨ uckreise nach Hannover verschoben. 13 Inscriptions: vgl. Guidi (SV.). 14 mardi: 30. Januar. 15 Prince heritier: Erbprinz Friedrich von Hessen-Kassel. 17 Ambassadeur: der s¨ achsische Gesandte in England, Chr. D. von Bose. 19 frere: vermutlich Joachim Friedrich oder Bogislav Bodo. 19 Lieutenant General: vermutlich J. H. von Flemming.

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que moy ce qui se passe touchant le Roy de Pologne, dont on dit qu’il ser`a oblig´e de sortir du Royaume. Mylord fils de Mylord Portland est arriv´e icy depuis hier avec Mr le Chevalier Fontaine. Nous avons eu jeudi pass´e une Commedie qui puvoit finir en Tragedie. les dits Messieurs les Comtes de Lippa demeurant encore icy, pour y introduire le Pietismo, prit l’envie ` a Monsieur de Braunz, ` a qui se joignirent Mada de Vehi, et Mr d’Eltz le Cadet, d’aller les voir, et examiner ` a fond leurs opinions. ce qu’ils firent; mais la Conversation fˆ ut pouss´e si avant, que Messieurs les Pietistes se jetterent sur Mr Braunz et Mr d’Eltz, qu’ils maltraiterent, ce que la Canaille, qui estoit dehors, ayant entendu, enfonc`a les Portes et maltrait` a` a son tour les Pietistes, et apres cass`a les fenetres, et les meubles de la maison, de sorte que si les Soldats n’auroient pas accorru il seroit arriv´e des choses bien etranges. Les Pietistes ont demeur´e en arrest jusqu’`a hier au soir, et on les mis hors de la Porte de la Ville, avec beaucoup de peine d’empecher la Canaille, qu’elle ne fist des affronts aux Pietistes, ` a qui on tir` a queque piece de glace. Cette novelle vaut plus que toutes les autres, que je scarai vous donner. Comme on a decovert plusieurs icy, qui suivent ces opinions, je croy que le Consistoire en prendr`a connoisance, et qu’on tacher`a d’etouffer ce feu qui v` a` a naitre, et qu’il purroit embraser l’Allemagne. Vous scav´es que la Chambre des Communs a accord´e m X hommes d’augmentation aux m hommes, qui sont au service des Hollandois. Les Etats ont fait scavoir `a l’Empereur 40 m de donner des meilleurs ordres aux affaires. les dits X hommes sont donn´es `a condition que l’Hollande rompe tout commerce avec la France, et m´eme de lettres. On avoit dit que Mylord Marlboroug ne viendroit pas en Hollande, mais il y viendr`a apres que le Parlement sera separ´e. Je suis h...i Hannover 28. Janvier 1 7 0 3.

2 sortir du Royaume: Zu den Bestrebungen, August II. als polnischen K¨ onig abzusetzen, vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 103. 3 fils: H. Bentinck viscount Woodstock, der Sohn J. W. Bentinck earl of Portlands. 5 f. dits Messieurs: vgl. N. 116. 7 Monsieur de Braunz: vermutlich der Kammerjunker der Kurf¨ urstin, G. Chr. von Braun. 7 Mada de Vehi: vermutlich Maria Katharina von Weyhe. 7 Mr d’Eltz: nicht identifiziert, vielleicht J. Chr. zu Eltz. 19 accord´ e: vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 91–93. 20 scavoir: ebd. S. 92. 22 rompe . . . lettres: ebd. S. 92 f; zur weiteren Entwicklung vgl. Guidis Briefe vom Februar sowie Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , M¨ arz 1703, S. 90. 24 separ´ e: im M¨ arz 1703.

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123. CHRISTOPHE BROSSEAU AN LEIBNIZ [Paris,] 29. [Januar] 1703. [180.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 119 Bl. 368–369. 1 Bog. 8o. 3 1/2 S. Eigh. Anschrift.

Ce 29. de l’an 1703. 5

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Vostre lettre du 6. de ce mois m’a bien est´e rend¨ ue. J’ay communiqu´e au Rd Pere Verjus l’article de cette lettre qui regarde ce que vous souhaitez des Peres Bouvet et de Fontenay affin qu’Il oblige le Pere Gouye s’Il a receu d’Eux quelque chose qui vous conviene, de me le mettre entre les mains. On a donn´e ` a Monsr de Fontenelles la lettre que vous luy avez ´ecrite, mail Il n’y a point encore fait de r´eponse, J’iray le voir pour le porter `a vous envoyer le catalogue des livres que vous me marquez souhaiter de luy. Je doute qu’on puisse vous faire tenir ces livres et les 5. de Mr de la Loubere ` a cause de leur pesanteur par la voye des glaces de miroirs de la Reyne de Prusse, en cas que cela se puisse Je seray ravi de vous faire ce plaisir. Du reste Mons. Drever est venu ceans dans ce moment o` u l’ayant trouv´e fort d´egoust´e d’achever l’ouvrage qu’Il a commenc´e, J’ay est´e contraint pour le contenter de luy payer encore une centaine d’escus. ce qui fait 500 avec les 200. que je luy ay cy devant avancez. Il dit, et Il a raison, que l’on donne d’abord `a un graveur qui entreprend un ouvrage le

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Zu N. 123: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief vom 6. Januar 1703 (vgl. Z. 5) und wird beantwortet zusammen mit N. 180 u. N. 186 durch den nicht gefundenen Brief vom 7. April 1703 (vgl. N. 232). Beilage zu unserem St¨ uck war wohl die in N. 232 erw¨ ahnte Rechnung nebst Quittung des Kupferstechers Drevet, vgl. N. 21. 6 l’article: nicht ermittelt. 9 lettre: Leibniz’ Brief an Fontenelle vom 6. Januar 1703 (LBr. 68 Bl. 139–140, gedr. teilw.: Zacher, Dyadik , 1973, S. 69; Druck in Reihe II). 10 f. catalogue des livres: Im genannten Brief an Fontenelle hatte Leibniz um eine Aufstellung de toutes sortes de livres‘‘ (LBr. 68 Bl. 139) zur Mathematik und Physik gebeten, die in ” den letzten Jahren in Frankreich erschienen waren. 12 les 5.: f¨ unf deutsche Handschriften, die S. de La Loub` ere in der Schweiz erworben hatte, darunter B u n d - B u c h . . . Geschrieben zu Solothurn . . . 1675 (2 Bde; vgl. SV.) sowie A b s c h e i d - B u c h . . . zusammen geschriben . . . 1675 (3 Bde; vgl. ¨ SV.). La Loub` ere hatte deren Ubersendung bereits am 31. August 1702 angek¨ undigt, vgl. La Loub` ere an Leibniz, 31. August 1702 (I, 21). 13 miroirs: vgl. Brosseaus Brief vom 18. Dezember 1702 (I, 21). 15 Drever: P. Drevet. 16 l’ouvrage: Gemeint ist der Kupferstich f¨ ur das M o n u m e n t u m Gloriae des verstorbenen Kurf¨ ursten Ernst August. 17 cy devant: vgl. Brosseau an Leibniz, 20. November 1702 (I, 21).

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tiers du prix dont on est convenu avec luy, l’autre tiers lorsqu’Il a fait la moiti´e de son ouvrage, et l’autre tiers apres l’avoir fini. Il m’a dit ne pouvoir vous envoyer une epreuve de cet ouvrage, ce ne seroit qu’un broullion, et ce n’est qu’en matiere d’impressions de livres qu’on doit exiger de telles epreuves. Je l’ay pri´e d’achever l’ouvrage entre cy et Pasques, et Il me le fait esp´erer. Je vous remercie de vos bons souhaits, et J’en forme pour vous une infinit´e d’infiniment plus avantageux par ce que vous les meritez, et que je suis parfaitement Monsieur, Vostre tres humble et tres ob´eissant serviteur

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Brosseau. M. de Leibnitz.

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124. LEIBNIZ AN FRIEDRICH VON HAMRATH [Berlin, Ende Januar 1703]. [129.]

¨ Uberlieferung: L Konzept: LH XIX Bl. 114–115. 1 Bog. 4o. 3 1/2 S. Mit zahlreichen Korrekturen und Erg¨ anzungen. Geringf¨ ugiger Textverlust infolge durchgehender Verf¨ arbung und teilw. Besch¨ adigung des Bogens an einer Stelle. — Gedr. (teilw.): Klopp, Werke, 10, 1877, S. 381–383 (= S. 193 Z. 18 – S. 195 Z. 14).

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Monsieur Le retour du Roy estant si proche, je pris la resolution de rester encor pour avoir avant mon depart quelques lumieres sur le dessein de Sa Majest´e touchant ma proposition, qui me sont necessaires pour prendre mes mesures, et `a fin de ne pas partir incertain de

Zu N. 124: Das St¨ uck folgt auf Leibniz’ Brief an F. von Hamrath von Ende November 1702 (I, 21). Diesen nehmen wir als Adressaten an, da der in unserem St¨ uck dargelegte Sachverhalt auch in dessen ¨ Schreiben N. 129 ber¨ uhrt wird. Aufgrund der Außerung je pris la resolution de rester encor‘‘ (S. 193 ” Z. 18) setzen wir unser St¨ uck sp¨ ater an als Leibniz’ Brief an H. R. von Ilgen vom 26. Januar (N. 118), in dem er sich noch als quasi resolu d’attendre‘‘ bezeichnet. Eine Abfertigung ist nicht belegt; m¨ ogli” cherweise er¨ ubrigte sie sich aufgrund der in N. 129 erw¨ ahnten Begegnung. 18 retour du Roy: aus 19 ma proposition: Leibniz’ PromeMagdeburg, wohin er am 20. Januar gereist war (vgl. N. 109). moria vom Dezember 1702 u ¨ber die Anpflanzung von Maulbeerb¨ aumen und die Gewinnung von Seide in brandenburg-preußischem Gebiet (LH XIX Bl. 134–135; gedr.: Klopp, Werke, 10, 1877, S. 373–378).

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tout, apres avoir attendu si long temps, et laiss´e partir la Reine que je pourrois avoir l’honneur d’accompagner. J’espere que sans commission, n’y autre circuit, je pourray obtenir ces lumieres l`a par vostre faveur, Monsieur, sur les intentions de Sa Mt´e et de M. le Grand Chambellan. Peut estre aussi qu’on pourroit venir d’abord `a quelque chose de preliminaire `a l’egard des jardins de Keppenich et de Potsdam et quelques autres plantations, o` u l’on n’aura point besoin de grand chose car je ne puis vous dissimuler Monsieur que voyant la saison approcher, j’ay d´eja fait quelque avance pour faire venir de la semence de mouriers d’Italie et ` a fin de gagner le temps, de sorte que nous ne pouvons plus manquer de profiter de cette ann´ee, si nous ne voulons la perdre expr`es, ce qui seroit bien dommage. Je me flatte que mon zele sera d’autant plus pris en bonne part, que tout ce que j’ay fait depuis quelques ann´ees pour le service du Roy a est´e sans interest, et sans que j’en aye tir´e davantage en mon particulier (pour ne rien dire de plus)[,] le tout uniquement dans la veue de procurer le bien public dans l’avancement des sciences, o` u la gloire du Roy seroit merveilleusement interess´ee, parceque j’avois jug´e, que de tous les potentats protestans, le Roy estoit celuy, o` u il y avoit le plus d’apparence de faire quelque chose de cette nature. Et je puis dire en conscience que c’est l’unique sujet de mon sejour dans ce pays cy depuis tant de temps, car mon ˆ age et ma constitution font que je me presse pour ´etablir quelque chose de bon et de durable. Si cet ´etablissement de la culture de la soye se fait suivant mon projet, j’espere que la societ´e royale des sciences sera au moins mise en estat un jour de ne point faire honte ` a son Fondateur. Il est vray que ce ne sera que dans quelques ann´ees, et par beaucoup de soin et d’application que la chose pourra faire voir

11 qve | mon sejour dans ce pays cy gestr. | et tout L korr. Hrsg. 12 f. Roy (1 ) sans en rien pretendre ny recevoir a est´ e sans interest et mˆ eme | (si je l’ose dire) erg. | avec bien de la depense et de l’incommodit´ e et perte de temps, uniqvement (2 ) a est´ e sans interest | et sans avantage de mon cost´ e versehentlich nicht gestr. | pour ne rien dire de mon temps qve j’ay employ´ e et qve j’estime encor plus qve la depense qve j’ay pˆ u faire: uniqvement (3 ) a est´ e . . . uniqvement L 15–17 parceqve . . . nature erg. L 19–195,3 ´ etablissement (1 ) reussit, on sera en estat de faire des belles choses (2 ) de la culture de la soye (a) reussit, la societ´ e des sciences sera en estat de faire des belles choses pour le Roy et au nom du Roy et digne du Fondateur comme (b) se fait . . . venir et L

1 laiss´ e partir: K¨ onigin Sophie Charlotte war am 20. Januar nach Hannover aufgebrochen; Leibniz 6 Keppenich: K¨ openick. 8 avance: hatte in ihrem Gefolge mitreisen wollen (vgl. N. 109 und N. 106). Am 14. Januar hatte Leibniz eine Bestellung von weißem MaulbeerBaum-Saamen‘‘ und Seiden Wurm ” ” Saamen‘‘ aufgegeben (vgl. N. 102 und N. 103).

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son utilit´e. Et si l’on obtient enfin quelque fonds considerable par ce moyen pour faire quelques belles choses, le tout ne se ferat il pas pour le Roy et au nom du Roy et suivant le bon plaisir de Sa Mt´e, comme de faire venir et de recompenser d’excellens hommes en toute sorte de professions, et de faire des experiences et recherches considerables. Ce qui sera non seulement glorieux au Roy, mais encor tres utile parcequ’on attirera mille importantes connoissances et fera mˆeme des nouvelles decouvertes profitables dans la m´ecanique, chymie, oeconomie, et mˆeme dans la Medecine et dans les arts de paix et de guerre, sans parler des missions dans la Chine par la Moscovie et d’autres pour la propagation de la foy par les sciences, ce qui donneroit encor des occasions pour un commerce avantageux surtout parce que celuy de l’ambre jaune dont le Roy est presque seul le maistre est si agreable aux chinois. Et tout sera en effect au Roy et pour le service du Roy et conforme ` a l’instruction donn´ee `a la societ´e, aussi bien qu’aux promesses gracieuses du Roy de favoriser Sa societ´e par des concessions sans prejudice si on en pouvoit proposer comme je fais maintenant. Je suis bien fach´e de n’avoir pas connu plustost M. C¨oppisch. Ces sortes de personnes sont rares, on ne peut pas les trouver quand on veut, pas mˆeme pour de l’argent, et quand on les a il en faut profiter. Comme j’ay approfondi les Mecaniques, cela me donne quelque facilit´e de juger encor de ce qui sert aux manufactures, et comme j’ay practiqu´e autresfois les plus excellens hommes dans ces sortes d’entreprises, savoir feus Messieurs Becher, K[ra]ft Schreter, et autres, j’ay pˆ u d’autant mieux sonder ` a fonds M. Coppisch et je l’ay trouv´e plus solide que je n’avois crˆ u. Je ne l’ay pas encor practiqu´e assez pour juger s’il est sincere, cependant il temoigne d’estre fort satisfait de mon projet de la Culture de la soye. Il a une veue pour perfection-

12–14 du Roy (1 ) . Il est vray (a) qv’on ne reussira pas sans (aa) peine (bb) beaucoup d’application, et que peut estre hon nei (b) qve cette culture de la soye (aa) ne reussira pas sans svivre (bb) fera pas grand chose, sans svivre la voye qve je me propose (2 ) et conforme . . . maintenant L 15 C¨ oppisch. | Je serois venu il y a long temps ` a des propositions, si j’avois (1 ) connu (2 ) s¸cu icy un homme de ce merite et de cette connoissance pour assister ` a l’execution des bons desseins gestr. | Ces L

12 l’instruction: vom 11. Juli 1700 (gedr.: Brather, Akademie, 1993, S. 94–105). 15 C¨ oppisch: der Berliner Seidenmanufakturier C. Koppisch. 20 Becher . . . Schreter: Zu Leibniz’ Kontakten mit J. J. Becher († 1682), J. D. Crafft († 1692) sowie W. von Schroeter († 1688 oder 1689) vgl. die Korrespondenzen bzw. Erw¨ ahnungen in Reihe III, 1–6 sowie Band I, 4.

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ner les Manufactures de ce pays cy, que j’approuve fort, et si le Roy la faisait executer, j’ay trouv´e un moyen qui donneroit d’abord ce qu’il faudroit pour les premi´eres depenses sans rien couster ` a Sa Mt´e, et sans l’incommodit´e du public, ou plus tost avec l’avantage du public; et ce moyen seroit pris de l’affaire mˆeme, et par consequent tres naturel. Peutestre qu’il vous parlera luy meme, Monsieur, de toutes ces choses; j’espere aussi d’avoir cet honneur l` a, et d’apprendre ainsi ce qu’il y aura `a faire.

125. JOHANN ANDREAS SCHMIDT AN LEIBNIZ Helmstedt, 30. Januar 1703. [188.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 818 Bl. 207. 4o. 2 S. Mit einer Korrektur.

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Vir Excellentissime Ante aliquot hebdomades fasciculum hunc Tibi destinatum ad me miserat DN. M. Junius, quem ipse quidem offerre voluissem, si in reditu Helmstadium venisses. Sunt et duo alia Ephemeridum exemplaria penes me, alio tempore transmittenda. Si et aliis in Societate Regia quaedam offerenda putas, eas sine mora mittet autor. Unicum hujus desiderium est ut in Societatem laudatam recipiatur et aliquo Subsidio ex ea sublevetur ad Ephemeridum continuationem. Dignum illum vel me tacente judicabis, cui quovis modo

6 ` a faire. | Car je m’imagine gestr. | L

Zu N. 125: K mit der Z. 11 angesprochenen Beilage folgt auf Leibniz’ Brief an Schmidt vom 7. April 1702 (I, 21), f¨ ur den keine Antwort u ¨berliefert ist, und d¨ urfte ebenfalls unbeantwortet geblieben sein. 11 miserat: Drei Exemplare von U. Junius, Novae . . . motuum coelestium Ephemerides ad annum . . . 1702 , 1702 waren Beilage zu seinem Brief an Leibniz vom 29. November 1702 (LBr. 457 Bl. 1–2; Druck in Reihe III); diese Sendung d¨ urfte hier gemeint sein. 12 in reditu: aus Berlin, wo Leibniz sich seit Juni 1702 aufhielt. 13 duo alia: vermutlich die ebd. angesprochenen beiden ungebundenen Exemplare. 14 f. desiderium: Im Z. 11 Erl. genannten Brief bringt Junius diesen Wunsch auch selbst gegen¨ uber Leibniz vor. 15 recipiatur: Junius war bereits 1701 von Leibniz als ausw¨ artiges Mitglied der Berliner Soziet¨ at der Wissenschaften vorgeschlagen worden (vgl. I, 19 N. 278). Seine Mitgliedschaft kam erst 1723 zustande (vgl. Brather, Akademie, 1993, S. 357).

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auxilium feratur. Habet quidem sibi minus faventem mathematicum vestrum; sed sine dubio id non curabis, si veras rerum causas nosse volueris. A Tuo nutu scribit pendere unice Ephemeridum in sequentibus annis continuationem. De aliis alio tempore. Vale et fave Excellentissimi Nominis Tui

cultori

J. A. Schmidt. D

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¨ Uberlieferung: L Abfertigung: Gotha Forschungsbibl. Chart. A 412 S. 15–[18]. 1 Bog. 8o. 2 S. Mit Korrekturen. Oben auf S. 15 u ¨ber der Anrede Empfangsvermerk von M¨ ullers Hand: praes. d. 10. Febr. 1703‘‘. ”

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Helmst. d. 30 Jan. 1703 raptim.

¨ 126. LEIBNIZ AN PHILIPP MULLER Berlin, 1. Februar 1703. [121. 136.]

Vir summe Reverende Fautor et amice honoratissime De Te sub Emeriti nomine restituendo, Dno de Ilgen spes nulla apparuit. Nam de novo praeposito dejiciendo nec cogitandum putat. Vos autem hunai degere posse bona gratia rem credit . Ego quidem non video, cur non possis imperare Tibi: sed difficile agnosco ita semper vigilare, ut non erumpat aliquid in quotidiano convictu, ubi tanta animorum aversio est. Hoc ergo velim amplius expendas. Hanoverae quid possim non video. Dn. Abbas Fabritius mihi aliquando se Rigam vocatum scripsit ut Fischero succederet, sed declinasse. Quis locum nunc teneat haud scio. Caeterum nil consultius video quam, ut per literas subinde Dn. de Ilgen compelles, quas scilicet reddat optimus Dn. Rittnerus et colloquendi inde occasionem sumat, quae Tibi pro responso serviat.

âk tÀn ‚dunˆtwn

1 mathematicum vestrum: Gemeint ist vermutlich G. Kirch. Zu dessen menarbeit erwachsenem Konflikt mit Junius vgl. Kirch, Korrespondenz , 3, tinuationem: Junius’ Ephemerides wurden nur noch bis 1703 fortgesetzt. Zu N. 126: L antwortet auf N. 121 und wird beantwortet durch N. 136. hann Fischer. 19 scripsit: Fabricius an Leibniz, 27. April 1702 (I, 21). Leibniz’ Nachfrage bei J. Fabricius in N. 187.

aus anf¨ anglicher Zusam2006, S. 826. 3 con14 novo praeposito: Jo20 haud scio: vgl. auch

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De Concordiae negotio etsi multus sit sermo, ego tamen nihil video agi, aut facile posse agi; nisi intentior cura adhibeatur. Et vana est illa superficiaria ratio proletariorum Irenopoeorum. Rex nunc Magdeburgi me ne discedam moratur adhuc valetudo, quam nolim, comittere itineri dum hiems adhuc riget. Sed ubi laxabit se reditum maturabo. Quod superest vale et me ama. Dabam Berolini 1 Febr. 1703

Deditissimus G. G. Leibnitius.

127. LEIBNIZ AN WOLF DIETRICH VON BEICHLINGEN Berlin, 2. Februar 1703.

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¨ Uberlieferung: L Abfertigung: Berlin Privatbesitz . 1 Bog. oder 2 Bl. 4o. 2 S. (Unsere Druckvorlage war eine Fotokopie.)

Hochgebohrner Herr Graf

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Gn¨adiger Herr

Die ohnverdiente und ohnverhoffte gnade eines Schreibens von E. Hochgr¨afl. Excellenz verpflichtet mich zu einer großen und st¨aten erk¨antligkeit, die ich mit wahren und treuen diensten zu erzeigen w¨ undsche.

1 Concordiae negotio: die von Berlin aus betriebenen Bestrebungen zu einer innerprotestantischen Union, die 1703 im Collegium charitativum‘‘ Gestalt annahmen. 4 Magdeburgi: zum Aufenthalt ” K¨ onigs Friedrichs I. in Magdeburg vgl. N. 109 u. N. 118. 4 valetudo: Leibniz’ Beinbeschwerden. 5 reditum: Leibniz’ R¨ uckreise nach Hannover verschob sich tats¨ achlich bis Ende Mai. Zu N. 127: L, das einzige vorliegende St¨ uck aus der Korrespondenz mit dem s¨ achsischen Großkanzler, ist die Antwort auf einen bisher nicht gefundenen Brief Beichlingens. Dabei handelt es sich vermutlich um ein Schreiben vom 23. Januar 1703, dessen Existenz allein durch O. Klopp, Leibniz’ Plan der Gr¨ undung einer Societ¨ at der Wissenschaften in Wien, in: Archiv f¨ ur o ¨sterreichische Geschichte, 40, 1869, S. 157–271, hier S. 175, belegt ist. Aus dessen paraphrasierender Wiedergabe ergibt sich, dass Leibniz’ Wunsch, in den Dienst des s¨ achsischen Hofes zu wechseln (vgl. z. B. seinen Brief an M. J. von der Schulenburg aus der ersten Novemberh¨ alfte 1702 (I, 21), dort Geh¨ or gefunden hatte. Beichlingens wohlwollende Haltung Leibniz gegen¨ uber geht auch aus N. 37 hervor. Angesichts der in der Korrespon¨ denz mit J. H. von Flemming aufscheinenden Uberlegungen, Beichlingen in das gemeinsame Projekt zur Seidenkultur in Sachsen einzubeziehen (vgl. z. B. N. 171), ist eine Bezugnahme auch darauf nicht auszuschließen. — Zu einer Fortf¨ uhrung der Korrespondenz d¨ urfte es nicht gekommen sein; bereits am 10. April wurde Beichlingen inhaftiert und f¨ ur Jahre auf die Festung K¨ onigsstein verbracht.

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Meine allerunterthanigste devotion zu K¨onigl. Mayt und liebe des Vaterlandes, gegen welche beyde E. Hochgr¨ afl. Excellenz sich so hoch verdient gemacht, verursachen vorl¨ angst in mir eine tiefste ergebenheit gegen dero hohe Person, so nun durch solche erzeigte gnade zum h¨ ochsten vermehret worden. Die von E. Excellenz so gnadig erwehnte particularien betreffend, habe gegen des H. Grafen von Fleming Excellenz mit volliger m¨ undtlicher Nachricht mich herauß gelaßen, so solche mitzutheilen u ¨bernommen, und verhoffe daß selbige auch E. Hochgr¨aflich. Excellenz zu gn¨ adigen gefallen gereichen werden. Ich verbleibe lebenszeit

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E. Hochgr¨ afl. Excellenz unterthanig-gehorsamster Gottfried Wilhelm von Leibniz.

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Berlin 2 Februarii 1703

¨ 128. LEIBNIZ AN KONIGIN SOPHIE CHARLOTTE Berlin, 2. [Februar] 1703. [91. 131.]

¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. F 27 Bl. 94. 4o. 1 1/3 S. Mit Korrekturen. Bibl.verm.

A la Reine de Prusse ` a Hanover Madame

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Berlin 2 Janvier 1703

Je suis malheureux de ne pouvoir encor faire ma cour `a V. M. `a Hanover. Mais pendant ce froid tout le monde me conseille de differer dans l’estat o` u je suis. Il est vray que je serois inutile ` a Hanover pour la Cour, et encor plus pour la redoute[.] Au lieu que je travaille icy ` a mes travaux ordinaires presque comme si j’estois `a Hanover. Et je me presse meme de peur de n’avoir pas trop de temps de reste.

1 K¨ onigl. Mayt: August II. von Polen, Kurf¨ urst von Sachsen. Zu N. 128: Wir korrigieren die Monatsangabe (wie auch in N. 10), denn Leibniz’ Datierung auf Januar stimmt nicht mit der Erw¨ ahnung von K¨ onigin Sophie Charlottes Aufenthalt in Hannover (Z. 17) zusammen. Dorthin war sie am 20. Januar aufgebrochen, doch hatte Leibniz seine geplante R¨ uckreise in ihrem Gefolge aus gesundheitlichen Gr¨ unden (Z. 18) nicht unternehmen k¨ onnen. Die Abfertigung (nicht gefunden) wird beantwortet durch N. 131. 18 estat: zu Leibniz’ Beinbeschwerden vgl. etwa N. 96 und N. 109 S. 162 Z. 4 f. mit der Variante S. 162 Z. 5.

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M. le Comte de Fleming est venu icy; et pour monstrer sa punctualit´e `a executer les ordres de V. M. il a amen´e le P. Vota. Le Comte va en Saxe dans quelques jours pendant l’absence du Roy et quoyqu’il souhaite extremement de faire sa Cour `a V. M. `a Hanover, il n’ose point l’asseurer. Le P. Vota est incommod´e d’une toux, dont son ˆage luy fait craindre les suites. Je fais mon possible pour le porter d’aller trouver V. M. mais le Medecin en decidera. Il a encor toute sa vivacit´e, et toute sa passion contre la France. Le Cardinal Primat s’est ravis´e et tache de se raccommoder avec le Roy. Mais il y aura tousjours beaucoup de defiance. L’expedition des Suedois vers la Russie a donn´e moyen aux Saxons, de respirer. Car si le Roy de Suede les auroi[t] suivi de pr´es ils auroient est´e oblig´es d’abandonner Posen et Thoren et peutestre toute la Grande Pologne et la Prusse. Mons. le Comte de Fleming a pris une maison icy pour un an, et fait tout venir icy de Breslau. Cependant je ne say pas s’il sera fort long temps icy luy mˆeme. Il vient icy autoris´e non seulement du Roy, mais encor de la Republique en vertu du Senatus consilium qui donne pouvoir au Roy de Pologne `a faire des trait´es avec d’autres puissances au nom de la R´epublique.

129. FRIEDRICH VON HAMRATH AN LEIBNIZ Magdeburg, 5. Februar 1703. [124. 247.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LH XIX Bl. 131–132. 1 Bog. 4o. 3 S. — Gedr.: Klopp, Werke, 10, 1877, S. 383–384.

Monsieur Ayant represent´e au Roy mon Maistre tout ce que vous m’av´es fait l’honneur de me dire ` a Potsdam, touchant l’establissement des vers de soye dans ses Estats, Sa Majt´e 1 venu: am 1. Februar zu B¨ undnisverhandlungen im Auftrage des s¨ achsischen Kurf¨ ursten und K¨ onigs von Polen August II., vgl. N. 87 Erl. 3 absence du Roy: Der preußische K¨ onig Friedrich I. hielt sich derzeit in Magdeburg auf. 3 souhaite: vgl. N. 87. 7 raccommoder . . . Roy: zum Konflikt zwischen dem polnischen Kardinalprimas A. M. S. Radziejowski und K¨ onig August II. vgl. N. 87. 8 expedition: w¨ ahrend des Nordischen Krieges. 13 de Breslau: m¨ oglicherweise von seinem oberschlesischen Gut Slawentzitz, Kr. Cosel, aus. 14 Republique: die polnische Adelsrepublik. 14 f. Senatus consilium: auf dem Reichstag in Thorn im Dezember 1702. ahnZu N. 129: K bezieht sich auf den N. 124 dargelegten Sachverhalt, den Leibniz bei der Z. 23 erw¨ ten Begegnung vorgetragen hatte. 23 ` a Potsdam: vermutlich um die Wende Januar — Februar.

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m’a repondu que comme elle trouvoit la saison deja trop avanc´ee pour regler tout ce qu’il falloit pour cedit establissement[,] elle avoit resolˆ u de le differer jusques `a l’ann´ee prochaine et qu’en attendant elle feroit regler `a loisir ce qui pourroit estre necessaire `a ce sujet. C’est de quoy j’ay crˆ u Monsieur vous devoir faire part et cela d’autant plus parce que vous m’av´es fait l’honneur de me dire que cette seule affaire arrestoit vˆotre depart de Berlin qui d’ailleurs estoit press´e, afin que vous n’y perdi´es inutilement le temps que je scay vous estre fort precieux. Je souhaite donc que vous fassi´es vˆotre voyage en toute sorte de contentement et vous prie d’estre persuad´e que je seray tousjours avec beaucoup de passion Monsieur

Vˆotre treshumble et tresobeissant serviteur

a Magdebourg ce 5me Fevrier 1703 `

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F. de Hamraht.

130. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ [Berlin, Anfang Februar 1703]. [132.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 497 Bl. 20. 1/2 Bl. 4o. 1 S. Doppelte Randanstreichung am Textbeginn.

Wolgebohrner H. Geheimer Rath. Ich bin so ungl¨ ucklich daß ich weegen einer schuld die ich vor H. Greiffenkranzen von H. Heidecampen eingefordert, von 246 Rhl in angst bin, da mir doch H. Greiffenkranz das geld gebrauchen zu laßen vor meine m¨ uhe promittiret. H. Flemming bei dem ich

5 depart: F¨ ur die beabsichtigte R¨ uckreise war am 20. Januar ein Paß auf frey vorspann vor den ” Geheimten Rath von Leibnitz‘‘ ausgestellt worden; nachdem sein Aufenthalt in Berlin bis in das Fr¨ uhjahr hinein dauerte, wurde am 14. Mai die G¨ ultigkeit des Passes best¨ atigt (LH XLI 6 Bl. 13–14). Zu N. 130: K folgt auf Kortholts Brief von Anfang August 1702 (I, 21). In der Reihe von (weitgehend undatierten) Briefen, in denen Kortholt Leibniz’ Unterst¨ utzung in seiner Geldaffaire erbittet, d¨ urfte unser St¨ uck der erste sein, da hier die Angelegenheit in ihren Grundz¨ ugen umrissen wird. Leibniz entsprach Kortholts Bitte um einen Brief an Chr. J. Nicolai von Greiffencrantz am 7. Februar 1703 (Brief nicht ur unser St¨ uck ergibt. Auf die ersten gefunden, erw¨ ahnt in N. 138), woraus sich ein terminus ante quem f¨ Februartage weist auch die Erw¨ ahnung der eben erfolgten Ankunft J. H. von Flemmings in Berlin hin (vgl. S. 202 Z. 1 Erl.). 17 schuld: vgl. Greiffencrantz’ Darstellung in N. 138.

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in diensten hkompti eben hier wil caution leisten. Aber ich f¨ urchte sie schwatzen ihn wiederum. So doch E. Excell. bei ihm und bei Ihr Maj. d Konigin konten ein gut wort verleihen, auch H. Greiffenkranzen schreiben. Es ist ja mein wie sein eigner schaade und kumpt ein ungl¨ uck aus deem andern. 5

E. Excellentz

unterth¨anigster diener

Kortholt.

¨ 131. KONIGIN SOPHIE CHARLOTTE AN LEIBNIZ Hannover, 7. Februar [1703]. [128. 142.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. F 27 Bl. 95–96. 1 Bog. 4o. 3 2/3 S. Mit erg¨ anzter Jahreszahl, vermutlich von Leibniz’ Hand. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke 10, 1877, S. 197–198.

A Hanover ce 7 de fevrier

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Je suis fach´ee de n’avoir d’autres novelles de vous que par vostre lestre Monsieur car je croy`es vous voir icy peu de tems apres moy[.] j’espere cependent que ce retardement contribuera ` a vostre geurison et que vous persuader´es le Pere Vota de venir avec vous icy[.] vous pouvez l’assurer que pas seulement moy mais Mad. L’electrice et Mons. L’electeur ont grande envie de le voir ayant fort oui parler de son esprit et bone conversation[.] il n’en menque point d’Angloise icy apresant[,] car il y a beaucoup d’Englois et Ecossois et il en viendra encore davantage avec Milord Winchelsey[.] Mons. Cresset ce remet ausy de son mal et son exemple fait voir que l’on va facilement de la sagesse `a la folie[.] il faudroit

1 eben hier: Flemming hielt sich vom 1. Februar bis Mitte M¨ arz 1703 zu B¨ undnisverhandlungen weitgehend am Berliner Hof auf; vgl. Hassinger, Brandenburg-Preußen, 1953, S. 84 f. sowie die Flemming-Korrespondenz unseres Bandes. 2 bei ihm: zu Leibniz’ Eintreten f¨ ur Kortholt bei Flemming vgl. N. 148 u. N. 154. Zu N. 131: K antwortet auf N. 128 und wird beantwortet durch N. 142. 14 persuader´ es . . . icy: Noch vor dem 10. Februar reiste C. M. Vota auf Zureden von Leibniz an den hannoverschen Hof (vgl. Doebner, Briefe, 1905, S. 28 Anm. 3), w¨ ahrend Leibniz in Berlin blieb. 17 f. beaucoup . . . davantage: vgl. Leibniz’ Abschrift einer ihm aus Hannover zugesandten Aufz¨ ahlung und Charakterisierung der in Hannover anwesenden Engl¨ ander und Schotten (Hannover Leibniz-Bibl. Ms XXIII 1205 Bl. 2–3, gedr.: Klopp, Werke 9, 1873, S. 5–7). 18 Winchelsey: Ch. Finch earl of Winchilsea, vom 7. Februar bis Mitte M¨ arz 1703 englischer Sonderbotschafter in Hannover. 19 mal: Der englische Gesandte J. Cressett litt Anfang 1703 zeitweilig an Geistesverwirrung, vgl. Schnath, Geschichte 4, 1982, S. 51 f.

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savoir en quel etat e[s]t apresant sa glandule pineale[.] d’Osson qui e[s]t revenu d’Holende m’a dit que le mesme malheur e[s]t ariv´e a` Mons. Ham[,] ausy j’espere que c’e[s]t le seul membre des estats generaux en cet estat l` a[.] sans cela les afaires hiroi[en]t ausy mal que celles du roy de Pologne dont je crois que le comte Fleming veut bien disimuler le meavais estat[.] Vous aur´es des relations de nos divertisemens Monsieur ainsy je ne vous en fais point et ne fer´es que vous prier de croire que je vous estime autant que vous le merit´es et suis toute afection´ee ` a vous servir

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Sophie Charlotte Je vous prie que sy vous ne me pouvez porter vous mesme des novelles de Lutzbourg de me mender sy quelque chose s’y fait pendent mon apsence et metre vostre retohrique en oevre pour persuader le Pere Vota de venir icy[.] je suis assurement tres oblig´ee au comte de Fleming de me l’avoir procur´e car je le conte come un bon meuble `a Lutzbourg quand Mad. L’electrice y viendra[.]

132. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ Berlin, 8. [Februar 1703]. [130. 139.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 497 Bl. 21–21 a. 1 Bog. 8o. 2 S. auf Bl. 21 ro u. Bl. 21 a ro, quer beschrieben.

Sie pardoniren doch mich daß ich E. Excell. so offt incommodire. Ich schreibe heute an H. von Greiffenkrantz, von H. Heidekampen abzulaßen, und stelle ihm meinen Zustand vor. Ich bitte umb Gottes willen doch desgleichen zu thun. Der Mann schaadet ja mir und

1 d’Osson: F. d’Ausson de Villarnoux, Stallmeister und Kammerherr der K¨ onigin. 2 Ham: vermutlich der 1699 abberufene langj¨ ahrige Sonderbotschafter der Niederlande in Brandenburg. 4 disimuler: bei den beabsichtigten B¨ undnisverhandlungen in Berlin, vgl. N. 128. Zu N. 132: Trotz des unlesbaren, mit keinem Monatsnamen zu verbindenden Wortes nach dem Tagesdatum datieren wir K aufgrund des Kontextes, Kortholts Geldaff¨ are, in der er sich im Februar 1703 mehrfach an Leibniz wandte (vgl. an datierten Briefen N. 139, N. 149) auf den 8. Februar. 18 schreibe: Brief nicht ermittelt; Chr. J. Nicolai von Greiffencrantz’ Antwortbrief (nicht ermittelt) erreichte Kortholt 20 desgleichen: Leibniz hatte bereits am 7. Februar in Kortholts am 14. Februar 1703 (vgl. N. 139). Angelegenheit an Greiffencrantz geschrieben; vgl. dessen Antwortbrief N. 138.

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sich. Ich habe noch mein Veterlich und M¨ utterlich erbe zu guut. O schreiben Sie doch und bitten ihn. Ich hab nichts wieder gegen sie zu promittiren als eine ewige obligation. Ich crepire hie. H. Lubonizky ist nicht bei mir geweesen, und H. von Heidecamp liegt zu seinem eignen Schaaden den H. General in die ohren. Ich habe nach Wien auch vocation. Und nun sol ich auff einmahl umb dieser bagatelle zu grunde gehen, da ich doch mehr als dieses ausstehen habe. Aber nie habe ichs nun so flugs. Ich weis nicht was ich nicht wolte thun so mich einer hie aush¨ ulffe. Solte Ihr. Maj. die Koniginn nicht ein wort bei Hn Flemmingen auch vor mir sprechen? Ich bin h...i Berlin d. 8 h—i

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133. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 8. Februar 1703. [122. 135.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 340–341. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit Korrekturen. Bibl.verm.

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Vous ser´es bien etonn´e de mon silence, et vous n’av´es pas tort, mais comme une persone, qui est venu de Berlin a repandu de si mechantes novelles de votre chere sant´e, jusqu’` a dire, qu’on se puvoit attendre de recevoir des novelles de votre mort, j’ay crˆ u qu’il n’estoit pas tems dans un tel etat de vous incommoder, et d’azzarder mes lettres. la dite persone disoit de vous avoir visit´e `a son depart, c’est pourquoy que chacun lui ajoutoit du foy. mais je fus bien ravi Dimanche pass´e lors que je receus des vos novelles, je courrus d’abord ` a la Cour pour en informer la Reine et Madame l’Electrice, qui en

1 Veterlich . . . erbe: vgl. N. 149 u. N. 150. 3 Lubonizky: Zu Kortholts Bem¨ uhungen um einen Posten als Begleiter der geplanten Russland-Expedition T. von Lubienietzkys vgl. seine Korrespondenz mit Leibniz in I, 20; zu Lubienietzkys zur¨ uckhaltender Reaktion vgl. I, 20 N. 448. 4 General: J. H. von Flemming. 4 vocation: vgl. auch N. 139 u. N. 155. Zu N. 133: K , u ¨ ber die Hofpost u ¨bermittelt (vgl. N. 135), antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief wohl von Ende Januar (Z. 19) und kreuzte sich wohl mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief vom 10. Februar, auf den N. 140 antwortet. 15 persone: nicht ermittelt; in Frage kommen k¨ onnte A. Cunningham, der Anfang Februar von Berlin nach Hannover reiste und auf Leibniz’ Empfehlung hin dort bei Hofe vorgestellt wurde; vgl. N. 134. 15 mechantes novelles: Zu Ger¨ uchten am hannoverschen Hofe u ¨ber Leibniz’ besorgniserregenden Gesundheitszustand vgl. z. B. auch N. 147. 19 Dimanche pass´ e: 4. Februar.

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estoient aussi en peine comme moy. Comme apparement vous n’av´es pas et´e si mal, je ne scay pas par quelles veues on a debit´e ce faux bruit, s’il n’auroit et´e pour m’empecher de vous recommander mes interets, car je ne scarai pas croire qu’un domestique de la Reine vous en vouloit. Je puvois (c’est bien vrai) vous ecrire lundi au depart du Prence Royal, ou de Madame la Comtesse de Wartenberg, mais mon chagrin ne m’a laiss´e songer `a cette occasion, dont je vous en demande pardon. Je n’ay pas manqu´e de dire `a S. E. Monsr le Comte de Platen ce que vous m’av´es ordonn´e. il vous fait ses Complimens, et se rejouit d’avoir des meilleures novelles de votre Sant´e. Du reste vous m’obliger´es infiniment de veiller ` a mes interets, et sans vos soins je voy que tout e[s]t perdu, puisque apparement la Cabale s’y est mise. Vous scav´es qu’on a tach´e de faire imprimer mes Inscriptions pour me soulager, mais l’Amy qu’il se n’est mel´e n’a tach´e apparement que de me faire un serviziale d’Inchiostro. Quelle incongruit´e que de faire imprimer 800 exemplaires? (si cela est vrai) et de les faire touts lier avec du papier de France? Il m’a apport´e un comte de 57 ´ecus, qu’il m’a fallu lui faire bons, m’ayant montr´e seulement les papiers ecrits en Allemand, les quels bientost a remis dans sa poche. Il me devoit payer 22 pistolles, que je devois envoyer par lettre de change en Italie, mais il a retenu les 57 ecus, de sorte que je ne scay pas ` a present comme servir mon Amy, qui a eu en moy cette confiance, dont je suis en desespoir. Je me suis immagin´e de depenser une douz[a]ine d’´ecus, parceque notre Imprimeur ne me demandoit pour 200 exemplaires que 4 ecus; mais me voyey bien tromp´e, et ` a votre retour je vous dirai le reste. Notre Fre¨ ule m’a receu froidement, elle ne m’a pas dit un seul mot touchant la Pastorale. Pour dire le vrai, je ne comprens pas cette maniere d’agir, et je reviens ` a mon commencement, c’est `a dire, qu’il y a bien de la Cabale. Je vous remercie tresheumblement des vos novelles, dont je serai priv´e `a votre retour; mais si vous av´es queque connoissance (come j’espere) avec Monsr le Resident de Pologne, 1 vous . . . mal: Tats¨ achlich litt Leibniz seit Ende 1702 an Beinbeschwerden. 4 lundi: 5. Februar. 4 depart: Kronprinz Friedrich Wilhelm war vorzeitig aus Hannover zur¨ uckbeordert worden; vgl. die am 30. Januar bzw. 3. Februar 1703 zwischen K¨ onig Friedrich I. und Kurf¨ urstin Sophie gewechselten Briefe (gedr.: Berner, Briefwechsel, 1901, S. 27–29). 7 ordonn´ e: nicht ermittelt. 9 mes interets: im Zusammenhang von Guidis Panegyrik (vgl. SV.) auf den Jahrestag der preußischen K¨ onigskr¨ onung. 11 l’Amy: vermutlich A. Ariosti. 13 papier de France: franz¨ osisch Marmor als kostspieliges Einbandpapier. 17 mon Amy: nicht ermittelt, vielleicht der in N. 212 in dieser Angelegenheit erw¨ ahnte Salaroli. 19 Imprimeur: vermutlich der hannoversche Hofdrucker S. Ammon. 20 Fre¨ ule: H. Ch. von P¨ ollnitz. 21 Pastorale: die Sch¨ aferoper von G. Bononcini, Cefalo e Procride, vgl. z. B. auch das P. S. von Guidis Brief vom 16. Juli 1702 (I, 21). Zu einer Belohnung Guidis vgl. N. 152. 24 novelles: wohl f¨ ur Guidis politische Nachrichtenb¨ orse. 25 Resident: der Legationssekret¨ ar H. S. Wolthers.

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qui est ` a Berlin, vous pourr´es bien me preparer sa correspondence, dont je m’acquitterai si exactement que vous sav´es. J’ay veu la lettre que le Roy de Pologne a ecrit au Roy de France pour justifier l’arrest de Mr Du Heron, je l’envoyai d’abord `a S. A. Ee, je l’ay trov´ee obligeante, mais lui ne servir` a` a rien apparement, parce que le Cardinal Primas a trop pouss´e les affaires. Vous scar´es qu’il y a huict jours que nous avons retir´e la Compagnie que nous avions envoy´ee ` a Hyldheseim, parceque ces differences l`a sont en bon chemin pour un accomodement; mais Monsr le Duc de Cell ne retirer`a pas Ses Trouppes au moins toutes devant que tout soit en repos dans ces quartiers l`a. Madame de Klenk a fait deux garcons dans sa premiere couche, tous les deux se portent bien. Mr le General Lieutenant Hor est mort icy. Vous scaur´es, qu’on a enlev´e dans les environs de Bonn le Colonnel Villars de Cell avec 60 Dragons, plusieurs Chevaux, et avec l’argent qui devoit servir pour payer le Regiment, les Francois se sont gliss´es dans un Marais qui estoit gel´e. Apres la prise de la ville de Trarbak on ne scait pas si le Chateau s’est rendu, mais c’est costant que les Trouppes des grandes Allies sont fort expos´es. Mr de Crasset est tousjours dans ses reveries, c’est vray qu’il se porte mieux, mais il extravage de tems en tems. On attend aujourdhui Mylord Wincheslei, mais il est si longtems qu’on l’attend, que je ne scai pas s’il arrivera aussitost. Nous avons icy Monsieur Ufflstock fils du GrandChancellier d’Angleterre, et plusieurs autres etrangers.

2 lettre: nicht ermittelt. 3 l’arrest: Zur Verhaftung des franz¨ osischen Gesandten in Polen, Ch.-F. de Caradas, marquis Du Heron, im November 1703 in Warschau vgl. z. B. N. 109. 4 Cardinal Primas: Zum brieflichen Protest des polnischen Kardinalprimas M. S. Radziejowski gegen das Vorgehen gegen¨ uber Du Heron vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 100. 7 Hyldheseim: Nach einem Aufruhr der Hildesheimer B¨ urger hatte Herzog Georg Wilhelm von Celle als Kreisobrist des Nieders¨ achsischen Reichskreises die Stadt am 16. Januar 1703 besetzen lassen; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , a. a. O., S. 3–6 sowie Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 564. 10 deux garcons: Georg Ludewig u. Georg Wilhelm (geb. am 5. Februar). 12 Hor: nicht identifiziert. 15 prise: vgl. N. 135. 16 Chateau: die Festung Mont Royal/Trabach. 17 Trouppes: im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges. 18 reveries: Der englische Gesandte J. Cressett litt Anfang 1703 zeitweilig an Geistesverwirrung; vgl. z. B. auch N. 131. 19 attend: der englische Sondergesandte Charles Finch earl of Winchilsea; seine erste Audienz am hannoverschen Hofe fand am 9. Februar 1703 statt; vgl. N. 13. 21 Monsieur Ufflstock: Gemeint ist vermutlich H. Bentinck viscount Woodstock; vgl. z. B. N. 166. 21 GrandChancellier: J. W. Bentinck first earl of Portland. 21 f. plusieurs autres: vgl. N. 131.

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A ce qu’on nous mande d’Ausbourg l’Electeur de Baviere a march´e `a Naimbourg, et on nous mande mˆeme qu’il est attacqu´e, le Prince et Eveque D’Ausbourg qui est all´e l` a pour y accompagner Madame l’Electrice Duariere sa Mere, il ne put pas retourner `a sa Residence. Les Imperiaux en Italie sont reserr´es en petit nombre dans un coin, les Francois en passant ont jett´e derechef queques Bombes dans Bercello, mais sans dommage, les Imperiaux qui ont fortifi´e tous les postes de la Chiara dadda, et du Lac de Garde empechent la navigation par le Mincio aux ennemis, mais quand la Saison ser`a plus douce, on ne doute pas, que ceuxci ne s’emparent de Bersello, et peu apres d’Ostiglia, et Revere, qui est ce tout ce que les Imperiaux, ` a la h—i de Mirandole et Finale possident en Italie. Vous aur´es appris le tremblement de terre qui a et´e senti `a Rome, ce qui est une chose bien extraordinaire pour ce Ville l` a, car le Cardinal d’Ostat ecrivant `a Enric IV lui fit part d’un telle novelle, mais quelle n’avoit pas et´e verifi´ee. Ce tremblement n’a fait que ovrir queque batiment, mais a ruin´e plusieurs villes de l’Etat du Pape, Spoleti et l’Aquila ont bien souffert, mais Norcia est tout `a fait boulevers´e, de sorte que de 4 Covents des Religieuses il n’y en avoit que quatres qui etoient en vie. on l’a senti en Toscane, et jusqu’` a Verone. Enfin les Etats Generaux sont oblig´es de defendre le commerce des Lettres `a l’istance de l’Angleterre, mais comme il y aur` a bien de banquerouttier, on etude deja le cas de m preference. Les Etats leveront encore 15 hommes, ils se plaignent que l’Electeur Palatin a[u] nom de l’Empereur a fait preter serment de fidelit´e de Gueldre. la Cour de Vienne ne garde trop de mesures, et apres elle se trove dans des embaras. Je n’entend pas que les Imperiaux commencent queque chose contre la Baviere. Les divisions regnent en Angleterre, et le parti pour Jacques 3 prend toujours plus de force, par les provisions des charges. 1 Naimbourg: Neuburg a. d. Donau, Hauptort des kurpf¨ alzischen Herzogtums Neuburg, war am 3. Februar 1703 von bayrischen Truppen eingenommen worden; vgl. auch N. 135. 2 Prince . . . Ausbourg: Alexander Sigmund von Pfalz-Neuburg. 3 l’Electrice Duariere: Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt, deren Witwensitz Neuburg war. 6 Bercello: die Festung Brescello (Bersello). 11 tremblement: Mitte Januar und am 2./3. Februar; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Feb. 1703, S. 105 sowie N. 147. 12 ecrivant: Bezug nicht ermittelt. 15 l’Aquila: L’Aquila degli Abruzzi. 18 commerce des Lettres: Zur von England gestellten Forderung nach Aufhebung jeglichen Briefverkehrs zwischen Holland und Frankreich bzw. Spanien als Voraussetzung f¨ ur die Aufstockung der englischen Truppen am Niederrhein vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 91–94 u. M¨ arz 1703, S. 108 f. Vgl. den Brief Kurf¨ urstin Sophies an L. J. Sinold gen. von Sch¨ utz, 23. Januar 1703 (gedr.: Doebner, Briefe, 1905, S. 170 f.), mit der Bef¨ urchtung einer interruption du commerce entre la Hollande ” et la France‘‘. 24 divisions: in der Sukzessionsfrage. 24 Jacques 3: Jakob Eduard Stuart.

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La flotte d’Hollande, qui devoit aller en Amerique, v`a en Portugal, ce seroit un presage de bonne correspondance avec les hauts alli´es. Voyci tout ce que je puis vous dire a` l’hate. Je vous recommande de noveau mes interets, dont je ay toute la confiance ` a vous. Je ne scay pas si cette Lettre vous trover`a en Berlin, c’est pourquoy que je omette mon nom, vous asseurant que je suis h...i ce 11me Fevrier S. E. m’a fait demander si vous etes apresent `a Berlin, je lui ay fait reponce, que je le croyois mais que je ne le savois pour seur, et que je vous ecrivei.

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134. ALEXANDER CUNNINGHAM AN LEIBNIZ Hannover, 11. Februar 1703. [143.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 186 Bl. 4–5. 1 Bog. 4o. 2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Eigh. Aufschrift. Siegel. Postverm. Bibl.verm.

Monsr

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Nous etions arriv´e icy le lendemain apres que nous somes sorti de Berline, nous nous repesames tres bien se soir, et ` al’hure de la Coure nous nous y truvames, o` u nous crumes d’etre chez nous, par la bone acueile que on y nous a fait, au comancement je me suis souvenie de votre lettre, mais quand je etois introduis chez Madam l’Electrice d’abord elle me fit comprandre la bont´e che vous avez eu pour moy. ain¸cy le descours rouloit sur le sujet de votre tres grand merit je ne scais pas si cela plaisoit plus `a elle ou `a moy, Son altess quelque fois voulant s’ecart´e par quelques traites d’esprit dont le brillant me

1 aller en Amerique: vermutlich im Rahmen der holl¨ andisch-englischen Operationen in der Karibik gegen franz¨ osische und spanische Kolonisten; vgl. auch N. 135. 2 presage: Der sich bereits zu Jahresbeginn anbahnende (vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Jan. 1703, S. 100) Beitritt Portugals zur Großen Allianz wurde im Mai 1703 vollzogen (vgl. ebd., Juni 1703, S. 58–62). Zu N. 134: Mit K beginnt die Korrespondenz mit Cunningham, der nicht mit dem gleichnamigen Gelehrten identisch ist, mit dem Leibniz seit seiner Italienreise bekannt war (zu ihm vgl. I, 14 N. 132 S. 226 Erl.; zur Unterscheidung vgl. z. B I, 19 N. 132 S. 276 Erl.). Dem Briefwechsel mit unserem Korreuck wird in spondenten war pers¨ onlicher Kontakt in Berlin (vgl. auch N. 10) vorausgegangen. Unser St¨ N. 143 erw¨ ahnt und wurde wohl mit diesem zusammen beantwortet durch den nicht gefundenen Leibnizbrief, auf den N. 163 antwortet. 17 lettre: vermutlich N. 10.

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fierent jett´e les [y]euxs enbas[,] neamoins la recognisance vouloit que je la rapellass `a vous et l’esteme que on a pour vos talents pas sulement icy en Allemaigne mais en France Angleterre Italie et par tout o` u les belles arts sont en vogue jusque en Chine meme, Et pour vous dire franchement elle a toutes les belles qualiti´es que se puvent desir´e `a une Reine d’Angliterre[,] elle surpass meme la Reine sa fille, quoyqu quasi sans pareille, et si Madam l’Electrice ne reigne pas sur la trone elle reigne dans les cur´es de tous ceux qui savent ce que soit Reigner, On dit que elle a soisant dix ann´es je ne la donerais que quarante[c]inque mais si elle a septante m e a v o t a s u n t , pour luy donner autan. Touchant les dames Mon atachement est ` a un bell esprit bonsang et les maniers engagents et degag´es: Je trouve en elle toutes ces qualiti´es et un j e n e q u o y , fort naturele et sans etre aucunement fard´e, En elle on voit la Religion sans supastition et la Raison en son etandu, les sentiments de la tendress que elle a pour le merit et la justice sont baux et deignes de elle[,] son altess Elal par ses maniers et pu de paroles me fit d’abord souvenir de fu roy d’Angliterre[.] je luy etoit put etre present´e come l’ombre d’un autre (la quele je ne serais jamais) ainsi il ne me disoit rien et je ne osois pas luy rompre la silence, en meme temps je vous avoue que tous les joures je l’esteme de plus en plus pour la grandure de son ame, Madam l’Electrice m’a present´e au Duke de Zell, en luy je trove toutes les belles qualiti´es et le bien que j’ay toujours entendu dire de son Altess. je prandrais un autre occasion de vous ecrire du prince Elr je l’esteme extrement si je pu je vu luy parler en particulier afin que je puisse partout luy rendre justice et persuader aux autres ce que je croy de luy moy meme, My Lord Wilselsea e[s]t arriv´e icy et a eu son audience[.] J[e] crois il sera fort au gr´ee de cette Coure et je appliquera pour affermer la bone correspondance[.] On pass le temps icy gayement mais je souhaiterais plus votre presence que toute la Carnival, Mes bais les maines `a Monsr Heisse et je suis Votre tres humble et tres obeisant servitur Hanover le 11

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Monsr adressez vos Commandements `a moy chez Monsr Bertram icy. 14 fu roy: Wilhelm III. 14 l’ombre: Anspielung nicht ermittelt. 20 persuader: vielleicht Anspielung auf das 1702 in England kursierende Ger¨ ucht u ¨ ber Bestrebungen, die englische Thronfolge von Wilhelm III. direkt auf Kurprinz Georg August zu u ¨bertragen, dem von Seiten Hannovers und Celles entgegengetreten wurde; vgl. Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 71 f. 21 Wilselsea: der englische Sondergesandte Ch. Finch earl of Winchilsea, der Anfang Februar in Hannover eintraf; vgl. auch N. 166. 24 Heisse: der braunschweig-l¨ uneburgische Resident in Berlin 22 audience: am 9. Februar; vgl. N. 13. J. W. Heusch. 27 Monsr Bertram: Cunninghams Wirt in Hannover; vgl. Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 41.

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N. 135

A Monsieur Monsr Leibnetz Conseilier de Roy de Prusse chez Monsr Vincent `a Berline1.

135. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 11. Februar 1703. [133. 140.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 156–157. 1 Bog. 4o. 3 1/4 S. Bibl.verm.

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Je ne doute pas Monsieur, que vous n’ay´es receu ma precedente, que j’avois fait recommander ` a Monsre Heich. Vous aur´es veu ce que Mr Att[ili]o a fait touchant mes Inscriptions, m’ayant apport´e un comte de 57 ecus, qui m’a fallu luy faire bons, ce qui m’a mis dans un tres grand chagrin, et si vous ne pouv´es reussir de m’obtenir queque recompence, je ne scay pas comme sortir de cette facheuse affaire. J’ay toute la confiance en vous. On ne scait pas que croire de votre chere sant´e, puisque on ne vous voit pas de retour icy, et non plus vos lettres. Madame l’Electrice me demand`a hier au soir des vos novelles, m’ordonn` a de vous ecrire, et de m’en informer: elle me dit qu’on a receu vos precedentes, mais qu’on ne scait pas si vous av´es receu les notres, et qu’elle ne vous ecrit point, `a cause que vous ne repond´es point. Mylord Winchesley eut venderdi pass´e son audience.

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hVon a n d e r e r Hand:i franco Halberstadt 7

1 de Prusse: In seinem nicht gefundenen Antwortbrief d¨ urfte Leibniz auf die korrekte Titulatur 1 Monsr Vincent: J. Vincent, Leibniz’ Wirt in der hingewiesen haben; vgl. die Aufschrift in N. 182. Br¨ uderstaße. Zu N. 135: K kreuzte sich vermutlich mit dem nicht gefundenen Leibnizbrief vom 10. Februar, auf den N. 140 antwortet, und hatte als Beischluss den S. 211 Z. 20 angesprochenen Brief. 6 ma precedente: N. 133. 7 Monsre Heich: der hannoversche Resident in Berlin, J. W. Heusch. 8 Inscriptions: vgl. Guidi (SV.). 14 vos precedentes: Gemeint sein d¨ urfte vor allem Leibniz’ Brief vom 19. Januar (N. 8). 15 les notres: Gemeint sein d¨ urften die aus dem Januar 1703 datierenden Briefe der Kurf¨ urstin N. 1, N. 3, 16 repond´ es point: Vom 2. und 5. Februar datierten Leibnizbriefe an die Kurf¨ urstin N. 4 u. N. 7. (N. 10 u. N. 11). 17 audience: Die Audienz des englischen Sondergesandten Charles Finch earl of Winchilsea am hannoverschen Hof fand am 9. Februar statt; vgl. auch N. 13.

N. 135

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Nous avons icy Mr le Comte de Caunitz fils du premier Minitre, qui passer`a icy le Carneval avec la Comtesse sa femme. On fit hier au soir la copulation de la Dame d’Honneur de Madame la Duchesse de Curlande avec le Monsre de Silesie; on avoit oubli´e d’appeller le Pretre, ce qui fit prolonger la Cerimonie. Je voy les Cartes bien brouill´ees dans l’Europe, je ne scay pas comme finiront. Je ne vous dis des particularit´es, car je ne scay pas si vous etes en chemin. vous scaur´es que l’Electeur de Baviere s’est empar´e de Naibourg, et qu’il marchoit vers Norimberg; Monsigr le Marquis de Baraith avoit et´e oblig´e de se sauver sans perdre du tems. A la Cour de Vienne sont bien embarass´es. On dit que on attend icy demain le fameux Pere Vota. l’Envoy´e de Pologne, qui etoit icy etant parti d’icy avanthier selon les ordres, qu’il avoit receu. On parloit en Angleterre de ne plus envoyer la flotte dans l’Amerique, mais de l’employer ailleurs, cela seroit fort ` a propos pour l’Empereur; mais pour moy je croy que les Anglois regarderont plustost ` a leur interets, que `a celui du public, et de la bonne cause. Il semble qu’on est dans le dessein d’assieger Bonn, il faudr`a le faire pour se garantir des incursions. Les Francois meditoient de secourir le Chateau de Trarbak. Voicy une Lettre de votre Vallet. En attendant de nos novelles je suis h...i Hr ce 11 fevrier 1 7 0 3. 1 Comte de Caunitz: M. U. von Kaunitz. 1 premier Minitre: Reichsvizekanzler D. A. von Kaunitz. 2 sa femme: Maria Ernestine von Ostfriesland und Rietberg. 3 Dame d’Honneur: nicht identifiziert. 3 Madame la Duchesse: Herzoginwitwe Elisabeth Sophie von Kurland. 4 Monsre de Silesie: nicht identifiziert. 8 Naibourg: Neuburg a. d. Donau, am 3. Februar 1703 von bayrischen Truppen eingenommen; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 22–29. 8 marchoit: Der geplante Vorstoß Kurf¨ urst Max Emanuels von Bayern gegen die Reichsstadt N¨ urnberg wurde im Laufe des Jahres 1703 aufgegeben. 9 Marquis de Baraith: Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth. 11 demain: C. M. Vota traf am 14. Februar in Hannover ein; vgl. N. 140. 11 l’Envoy´ e: der s¨ achsische Gesandte Chr. D. Bose; vgl. N. 122. 13 envoyer la flotte: Nach der Vertreibung franz¨ osischer Siedler von den karibischen Inseln durch eine holl¨ andisch-englische Flotte war eine gegen die spanischen Kolonien in Mittelamerika gerichtete Aktion geplant; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Dez. 1702, S. 73. 17 d’assieger Bonn: als Residenz des Erzbischofs und Kurf¨ ursten von K¨ oln, Joseph Clemens von Bayern. 19 secourir: W¨ ahrend die Stadt Trarbach am 23. Januar 1703 von holl¨ andischen und hessen-kasselschen Truppen erobert worden war, blieb die nahegelegene Festung Mont Royal noch in franz¨ osischer Hand; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 78 f. 20 Lettre: vielleicht der Brief C. Dannenbergs, N. 13.

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N. 136

¨ 136. PHILIPP MULLER AN LEIBNIZ Jena, 12. Februar 1703. [126.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 671 Bl. 53. 8o, urspr¨ unglich zu einem Bogen geh¨ orig, zweites Blatt nachtr¨ aglich unregelm¨ aßig abgeschnitten. 2 S. Siegelrest. Bibl.verm.

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Consuli, Domine Excellme mihi non magis opto, quam generosi Tui animi experimento frui, inter tot hominum ludibria, perfidiam et infanda. Excellmo Ilgenio, Vobis Autoribus, jam submitto arbitrium mei. Vivere una cum Invasore nec opus sit, nec animus. Sat domuum quas vindicavi esse, et praediorum, ubi commorer tacitus, ac laborem. sic in templo Deum loco secreto adoravero. nec mea miseria siverit, sese conspici; ut quadriennio occultus desidi jam ante. Saltem restituar generaliter, ut, Invasore fors decessuro, pristinum locum teneam, tantisper locum separatum, victum ac libertatem heic, et in aliis a Regia Majestate concessis locis agendi obtinere possim. NB. Potest vero S. Regia Majestas me dignari praedicato idoneo tantisper, et jubere exequenda varia dum meae ignominiae consulatur. Satis, quot homines ita foveantur: ac facile contribui possit Canonicatus aliquis. NB. mihi unum est votum, Excelliae Tuae exemplo historiam et mitia studia exequendi. NB. DN. meus Rittnerus eget Adjutore, quo melior non obtigerit divinitus quam Excellia Tua: cui me obnoxium scio. De Irenismo idem sentio. praestat .

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Jenae d. 12. Febr. anno 1703 h...i

Zu N. 136: K antwortet auf N. 126. Der n¨ achste Brief der Korrespondenz (M¨ uller an Leibniz) datiert vom 5. November 1704 (LBr. 671 Bl. 54–55). 7 Invasore: M¨ ullers Nachfolger in Magdeburg, Johann Fischer. 9 : Homeros, , 1, 242. 11 f. decessuro . . . possim: Durch Anf¨ uhrungszeichen als Zitat gekennzeichnet; nicht ermittelt. 16 historiam: wohl Anspielung auf M¨ ullers Plan, eine Geschichte des Magdeburger Liebfrauenklosters zu schreiben; laut dem Dimissionspatent K¨ onig Friedrichs I. vom 27. Februar 1702 (vgl. N. 121 Erl. S. 189 Z. 1) war ihm dies weiterhin gestattet. 20 Irenismo: Gemeint sind wohl die Bem¨ uhungen des Berliner Hofes um eine innerprotestantische Union; vgl. N. 126.

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>OdÔeia

N. 137

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¨ 137. FRIEDRICH SIMON LOFFLER AN LEIBNIZ Probstheida, 13. Februar 1703. [208.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 571 Bl. 166. 4o. 2 S.

Vir Illustris ac Excellentissime Domine Patrone ac Avuncule observantissime colende Vestram Illustrem Excellentiam Salvam Sospitemque Hanoveram rediisse ex animo gaudeo, Deumque precor ut is Vestram Illustrem Excellentiam sive domi versantem sive peregrinantem gratia sua complecti tuerique velit. Teneor equidem adhuc aliqua spe potiundi pastoratum Reichenbacensem, an vero eidem eventus responsurus sit Deus optime cognitum perspectumque habet; nondum enim constat an Regia Majestas Poloniae ad preces Serenissimi Saxoniae Principis Episcopi Numburgensis illum ephoratum Plaviam translatura sit, necne. D. Falcknero urbis patriae consule ante duas hebdomada repentina morte e vivis sublato unanimi patrum senatorumque suffragio designatus et a senatu Sanctioni Regis et Electoris Dresdae confirmatus est novus consul D. Christ vitricus meus, qui etiam superiori hebdomada cum civium applausu administrationem reipublicae Lipsiensis adiit. Credi posset me hujus affinis autoritate nunc perfacile ad munus ecclesiasticum in urbe administrandum evehi posse; verum cum ii patres senatoresque, qui ex nimio erga comilitones favore meis conatibus fortunaeque adversantur, debilem in pronunciando vocem mihi objiciant, et si concedere cogantur inviti, ut in urbem vocarer, rem eo deducerent, ut in infimum locum, in quo mihi perpetuo subsistendum esset, reponerer, ac ita videam in me etiam compleri proverbium: propheta in patria vilescit, ut vel alibi in Saxonia vel extra eam ad meliorem spartam ecclesiasticam evehar enixe ardenterque Divinum Numen imploro. Eripuit etiam nuper mors Dn. L. Menckenio dilectissimam uxorem, hinc factum, ut domum superiori hebdomada Vestrae Excellentiae

Zu N. 137: K folgt auf L¨ offlers Brief vom 14. Dezember 1702 (I, 21) und blieb, ebenso wie die folgenden beiden Briefe, unbeantwortet. Beilage war die S. 214 Z. 2 erw¨ ahnte Schrift. 6 rediisse: Leibniz kehrte erst Anfang Juni 1703 wieder nach Hannover zur¨ uck. 9 pastoratum Reichenbacensem: zur angestrebten Verbindung zwischen der Pfarre Reichenbach und dem nahe gelegenen Plauen vgl. L¨ offlers Vorg¨ angerbrief. 11 Episcopi Numburgensis: Moritz Wilhelm, Herzog von Sachsen-Zeitz. 13 morte: J. F. Falckner verstarb am 18. Januar 1703. 21 propheta . . . vilescit: vgl. Matth¨ aus 13, 57. 24 uxorem: Sibylle Mencke verstarb am 16. Januar 1703.

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libros ab eo acceperim, qui una cum Langianis commodam occasionem expectant, qua ad Dn. Foersterum a Fritschio transmittantur. Adjeci his literis programma Dn. Pfautzii quod his diebus, cum novelli magistri creandi essent conscripsit, et quo quendam, qui Juliani calendarii patrocinium suscepit, refutavit. Tempus, quod mihi ab ordinariis officii laboribus superest, in elaborandis edendisque B. Carpzovii concionibus dominicalibus de hymnis sacris germanicis articulisque fidei ante duodecim annos habitis consumo, quae post annum Deo Juvante lucem aspecturae sunt. Caeterum vivas floreasque ac patrocinio Tuo complectaris Vir Illustris ac Excellentissime

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N. 138

Probstheidae d. 13. Februar. A. 1703.

Tuum observantissimum servum Frid. Sim. Loeflerum.

138. CHRISTOPH JOACHIM NICOLAI VON GREIFFENCRANTZ AN LEIBNIZ Sildemow, 13. Februar 1703. [275.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 327 Bl. 178–181. 2 Bog. 4o. 7 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen und Erg¨ anzungen.

Monsieur,

A Sildemoh pr´es Rostock ce 13 Febr. 1703.

Je viens de recevoir la Vostre du 7. de ce mois, qui fait mention d’une autre, qui me doit ´etre venu¨e par la voye de Mr Pfeffinger, mais qui ne m’a pas encore ´et´e rendue. Je suis ravy de revoir vostre main, mais je suis fach´e, du sˆ ujet, que la lettre traitte. Je

1 Langianis: Gemeint sind B¨ ucher aus der Bibliothek Chr. Langes, deren Erwerb auf der Auktion am 22. Mai 1702 Leibniz in Auftrag gegeben hatte (vgl. L¨ offlers Brief vom 11. Juli 1702, I, 21). 2 programma: Chr. Pfautz, Ad solennem magistrorum XXXVII Renunciationem . . . Facultatis philosophicae Lipsiensis Decanus . . . invitat, 1703. 7 aspecturae sunt: J. B. Carpzov, Lehr- und Liederpredigten, 1706. Zu N. 138: K , dem der S. 216 Z. 12 erw¨ ahnte Brief H. Chr. Kortholts beigelegt war, folgt auf Greiffencrantz’ Brief vom 17. Dezember 1702 (I, 21) und ist die Antwort auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief vom 7. Februar 1703. Davor lag ein weiterer nicht gefundener Leibnizbrief, der Greiffencrantz wohl nicht erreicht hat. Leibniz, der den Inhalt unseres St¨ uckes teilweise in N. 148 referiert, antwortet am 20. Juni 1703 mit einem nicht gefundenen Brief, den Greiffencrantz mit N. 275 beantwortet. 18 voye . . . Pfeffinger: Begleitbrief an J. F. Pfeffinger nicht gefunden.

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defere avec tout le respect imaginable, ` a l’Intercession, dont vous honorez Mr Kortholt, mais je suis quasi persuad´e, que lors que vous serez inform´e des veritables circomstances, de cette affaire, Vous concluerez, que ce n’est pas en mon pouvoir de l’y secourrir, peut´etre encore, qu’elle est telle, qu’elle ne merite pas l’honneur de Vostre Interessement. Mr Kortholt n’en s¸caura disconvenir, que je n’aye eu pour luy toute l’amiti´e, que mon Estat d’` a present m’ait permis, de faire paroitre `a son Egard. Mr de Wulfraht, son Cousin Germain, un des plus riches du Pays, et autrefois Bailly de feu Monseigneur le Duc de Gustrow, me l’a fait connoistre, il y a deux ans ou d’avantage; j’honorois desja fort la memoire de feu Mr son Pere. Depuis ce temps-l`a, il a quasi ´et´e domestique chez moy; Il s’est log´e dans ma maison, mˆeme pendant mon absence, des semaines, mˆeme des mois entieres. Ma cuisine, et ma famille, a toujours ´et´e `a son service, il a mˆeme ´et´e avec moy en des petits voyages, sans qu’il luy ait jamais cout´e le sol. Quand il partit pour Berlin, il me tint un Discours, que je crˆ us et jugeay fort honneste. Il temoigna d’´etre fach´e, de me voir hors d’Employ; il me prona fort ceux de la Cour de Berlin; il soutint, que le point de la Religion n’y ´etois jamais interess´e: Il vanta en suite l’Entr´ee, qu’il avoit chez les ministres; et m’offrit ` a la fin ses services, si je le croyois capable, de m’en pouvoir rend[r]e, et voulˆ ut, que je luy particularisasse l` a dessus mes intentions; finissant par l`a, qu’il seroit bien aise, de se pouvoir vanger des Amitiez, qu’il pretendoit avoir re¸cu ˆ de moy. Je l’en remerciay alors, mais luy dis, que je ne s¸caurois rien determiner l`a-dessus, et que nous le reglerions selon ce proverbe Allemand; Marck lehret kauffen. J’estois en ce temps-l`a scandaliz´e du Proced´e de Mr le Baron de Heydecamp, qui me refusa de rembourser des deniers, que j’avois avanc´e pour luy ` a Vienne en 1696. pour retirer son Baronat, que mˆeme je luy avois procur´e, de la Taxe Imperiale. Son silence `a mes instances m’avoit fait passer outre, et choisir un Procureur, pour playder contre luy. Mr Kortholt m’avoit recommend´e un, nomm´e Gunther. Il s’agissoit, de faire toucher une douzaine d’´ecus, pour ses arrhes, et pour entamer le playdoyer. J’avois fait venir du Drap de Hambourg, pour un Habit; Mr Kortholt me pria de le luy laisser, en ayant plus affaire, que moy, et s’engager d’en vouloir rendre le prix au dit Mr Gunther. Cependant il n’en a rien fait, (aussy n’ay je jamais song´e ` a cette bagatelle) mais ´etant ` a Berlin, il me mande, que Monsrr le Baron de

3 affaire: vgl. die Korrespondenz mit H. Chr. Kortholt in unserem Band. 6 Cousin: unter den u ¨berlieferten Namenstr¨ agern Wulfraht/Wolfrat nicht identifiziert. 7 feu . . . Duc: Gustav Adolf von Mecklenburg-G¨ ustrow. 9 Pere: Christian Kortholt. 12 partit: im Januar 1702, vgl. I, 20 N. 420 u. N. 432. 14 hors d’Employ: vgl. I, 19 N. 381. 14 f. point . . . Religion: Anspielung auf das reformierte Bekenntnis des Berliner Hofes. 20 proverbe: vgl. Wander, Sprichw¨ orter-Lexikon, 3, 1873, S. 464.

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Heydecamp ´etoit d’intention de prevenir l’arrest du Juge, Et qu’il ne faudroit, que son Obligation, pour toucher les deniers. J’avois desja assez pratiqu´e Mr Kortholt, pour le connoitre, et pour ne me pas trop fier en luy. Il avoit en mˆeme temps tach´e de m’amuser par des propositions d’engagement ` a la Cour de Berlin, o` u il alla si viste, que cel`a me fit douter de quelque proced´e irregulier, et d’autant plus y aller bride en main. Vous vous souviendrez peut-´etre Monsieur, que je pris la libert´e, il y a un ann, pour demander vos advis, sur les propositions avantageuses, que dit Mr Kortholt m’avoit detal´e, et si Vous, Qui connoissiez la Cour de Berlin, l’y croyiez si entrant comme il me le vouloit persuader? Cependant quand il m’en parla avec tant d’assurances, je commencay peu a peu de donner dans le Panneau; Au moins ne pˆ ` us-je resoudre, de luy temoigner de la defiance ouvertement, quand il me pressa avec tant de chaleur sur une affaire, qui n’etoit pas tout ` a fait impossible. Je joins icy une de ses lettres, que je retrouve par hazard, pour Vous faire voir de quelle fa¸con il a tach´e de m’y pousser; laquelle je ne serois pas fach´e de ravoir, pour la garder ` a cause de la hraret´ei de son style. Je luy envoyay `a la r fin le Chirographe, de Mons de Heydecamp, mais me garday bien de n’y point joindre ny quietance, ny pleinpouvoir pour toucher des d´eniers. Cependant il a trouv´e le secret, de se faire payer sans cel` a, et ` a mon ins¸cu ˆ; aussy ce payement me fut assez long temps cach´e, et je me vis par fois tent´e par Mr Kortholt, si la moiti´e de cette somme, en cas que le payement en ensuivit, ne luy demeureroit, pour des importants Services, qu’il esperoit, et ´etoit mˆeme assur´e de me pouvoir rendre. Sur quoy j’ay toˆ ujours reparty que quand je verrois l’Estat de ses promesses, toute la somme ne feroit pas une affaire entre nous, mais que jusques-l` a je trouverois, ` a propos de me tenir au Proverbe, Spem pretio non r emo. A la fin M Kortholt m’envoya une Obligation, de me vouloir rembourser de la somme de 260 ´ecus, qu’il avoit touch´e pour moy. J’en etois d’autant plus d´econtenanc´e, qu’il avoit desja parˆ u aussy, que tout ce, qu’il m’avoit mand´e de la faveur de leurs Exces Mess. les Comtes de Wartenberg, et de Wittgenstein, n’avoit ´et´e, que ce qu’on luy avoit fait accroire, ou peut ´etre des fictions pour me surprendre. Je luy renvoyay d’abord son Obligation et luy t´emoignay en mˆeme temps, que ce proced´e-l`a ne m’accommodoit nullement, et que je me ferois bien payer par Mr de Heydekamp. L`a dessus Mr Kortholt me fit des instances, et des dilays sur dilays. Je me serois content´e, s’il n’eut rembours´e de la moiti´e: mais voyant ` a la fin, qu’il n’en feroit jamais rien, et qu’il y avoit toˆ ujours des nouvelles defaites, je luy declaray d’´etre las de ces remises, et que je passerois outre. Sur 6 demander: vgl. I, 20 N. 471. 12 une . . . lettres: nicht gefunden. Adelphoe, 219. 26 Wartenberg: J. C. Kolbe von Wartenberg.

22 f. Spem . . . emo: Terenz,

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quoy il me repartit, entre autres en des termes, qui ensuivent. Daß er m¨ uße geschehen laßen, waß er nicht hindern k¨ onnte. L` a dessus je pressay Mr de Heydecamp, qui ayant d´eput´e 2. Notaires vers Mr Kortholt, qui devoient faire un Diplome de sa reponse; qui me fˆ ut depech´ee, et qui contient entre autres choses; Que je luy avois fait present de ces deniers; pour les importants Services qu’il m’avoit rendu `a la Cour. Vous jugerez aisement, Monsieur, qu’un passage si peu conforme `a la Verit´e, me devoit scandalizer. vˆ u qu’il m’y avoit plustost desservy, que rendu le moindre bon office; et qu’il avoit mˆeme fait par son Charivaris, que cette petite Curiosit´e, que j’avois cueilly des ancestres Imperiaux et Royaux de S. A. Royale Mon-Seigneur le Prince heritier de la Couronne de Prusse, n’avoit pas ´et´e publi´ee; croyant mieux de le differer jusques `a hrevoiri jour dans l’affaire, dont pour ne rien dissimuler, j’avois commenc´e de me flater; et qu’elle seroit mieux vu¨e `a la Cour, si elle venoit d’une personne, qui jouissoit effectivement de la Protection de sa Mjt´e. Car je ne desadvou¨e point, que je n’aye souhaitt´e, qu’il fut vray, que Mr Kortholt me confirma tant de fois, et que j’eusse eu l’advantage, (etant encore en age, et par la Bont´e de Dieu, assez de Sant´e de pouvoir rendre Services) d’entrer dans ceux d’un Monarche si consider´e de toute l’Europe; mais je vous puis assurer foy d’homme d’honneur, que jamais il ne m’est venˆ u en teste, d’y employer Mr Kortholt, ny que jamais je luy en ay fait aucune proposition, quoyque je n’aye point rejett´e d’abord celles, qu’il m’avoit fait de temps en temps. Or pour revenir ` a Mr de Heydecamp, je luy repliquay, que je ne laisserois pas d’aller sur luy, aussy pour luy averer la fausset´e de la reponse du dit Mr Kortholt, et que pour jouer ` a jeu ouvert, je joignis ` a la lettre, que je luy ´ecris, des passages du Droit et des ICtes, qui favorisoient ma Cause en propres termes. L`a dessus Mr de Heydecamp est pass´e ` a ces extremitez, que vous m’avez particularis´ees. Mais le front de Mr Kortholt, qui ose encore vous assurer, que je luy ay donn´e permission de se servir pour un temps de cet argent. Ce seroit agir malhonnestement, que de m’´etre voulˆ u dedire, et mˆeme d’une fa¸con si aigre, d’une promesse donn´ee. Je ne luy ay jamais promis, que de pouvoir resoudre `a luy laisser une partie de ces deniers, mˆeme jusques `a 150. ´ecus, pour un ann; et que j’y adviserois d´es lors, qu’ils seroient payez. Mais comme ce n’´etoit que pour une partie, et mˆeme de futuro, je croy, que des nova emergentia, c’est `a dire, le tour qu’il vient de me jo¨ uer de la somme entiere, et les fictions, dont il m’a accabl´e (pour ne rien dire de pis) a la fin decouvertes, joint ` ` a ce, qu’il a re¸cu ˆ l’argent `a mon ins¸cu ˆ, et qu’il en a dispos´e

8 cueilly: vgl. I, 19 N. 255 u. N. 337. 23 extremitez: Gemeint ist vermutlich der von C. S. von Heidekamp gegen H. Chr. Kortholt gef¨ uhrte Prozess und die diesem drohende Festsetzung im Berliner Schuldturm. 24 assurer: Gemeint ist vermutlich N. 130.

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d’une fa¸con un peu hautaine, m’en peuvent raisonnablement dispenser. S’il eut eu des lettres pour averer le cy dessus, auroit-il ´et´e assez mal advis´e, pour ne les point produire? Pour moy, je suis fach´e du malheur, qui luy est arriv´e; J’ay toute la deference imaginable, Monsieur, ` a vostre Intercession; et je suis bien embarrass´e, qu’y repondre? Je ne vois pas ais´e, de me pouvoir interesser pour luy; Cette hdemarchei feroit foy `a la reponse, qu’il a donn´e aux Notaires, ou la rendroit au-moins fort vraysemblable, aussy bien que ce, qu’il a eu la hardiesse de vous ecrire, ce qui me terniroit extremement, si il ´etoit veritable. D’ailleurs ce pass´e me doit assez instruire, que ces deniers seroient perdus pour jamais, et ses manieres d’agir ` a mon Egard, n’ont nullement merit´e, que je luy fasse un tel sacrifice. Que ne demande[-]t-il le Secours de Monsr de Wulfraht, son Cousin Germain, un des riches Cavaliers de ce Pays; que n’en demande-t-il de ses autres Parents, Madame sa Mere, son Oncle, sa Tante, ses Freres, et ses Soeurs, ´etants toˆ uts en Etat de le pouvoir r assister. Dit Mons son Cousin Germain, qui s¸cait l’affaire, et lequel etant fort de mes Amys, s’est quelques fois ry de moy (Et que s¸cait-on si d’autres ne font pas le mˆeme), que j’avois ´et´e ainsy attrapp´e; ne s’est jamais echap´e une seule parole, de vouloir payer le sol pour luy, quoyque j’aye pˆ u luy temoigner, que l’affaire ne demeureroit point l`a, et qu’elle tourneroit infailliblement ` a la Confusion de son Parent. Je Vous demande pardon, Monsieur, d’une lettre si excessivement longue; Elle s’est accru¨e, sans y penser. Et j’ay crˆ u vous devoir representer toˆ utes les Circonstances, de cette bagatelle, pour vous faire juger du Proced´e fort-irregulier de Mr Kortholt, et de la necessit´e qui m’oblige de ne me point interesser dans l’affaire, tant que cel`a pourroit fonder des sinistres presomptions contre moy, comme qui me fˆ usse dedit de mes promesses donn´ees, et qui par-l`a eˆ usse caus´e le malheur d’un Amy. Si toutefois je puis favoriser son affaire soˆ us main, sans lacher prise ` a Mr de Heydecamp, Je le feray avec plaisir, `a Vostre Egard, et sacrifieray mˆeme volontiers, les ressentiments, que je pourrois justement avoir contre luy, pour vous temoigner, que ce qui me vient de vostre part, ne me s¸cauroit jamais ´etre indifferent; Je suis avec zele et respect Monsieur

Vostre tres-humble et tres-obeissant serviteur C. N. de Greyffencrantz.

7 ecrire: vgl. Erl. S. 217 Z. 24. 12 Mere: Anna Kortholt, geb. Kirchhof. 12 Oncle: nicht identifiziert. 12 Tante: nicht identifiziert. 12 Freres: Mathias Nikolaus, Joel Johannes und Sebastian Kortholt. 12 Soeurs: Anna (verh. Lindemann), Auguste Catharina (verh. Paasch), Sophia Margareta und Maria Christina Kortholt.

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139. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ Berlin, 15. Februar 1703. [132. 144.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 497 Bl. 47–48. 1 Bog. 4o. 4 S.

Mit gestriger post habe ich ein schreiben von dem H. von Greiffencrantz, darinn contestiret er sehr hoch, daß er gegen mir nichts wolle unternehmen (wie ers denn auch keine uursache hat)[.] Weis aber nichts noch von dem was hie passiret, dar¨ uber er sich sehr verwundern wird. Denn es ist ihm nie ein ernst geweesen H. Heidecampen anzutasten. Der aber aus Unverstand macht solche unn¨ othige h¨andel. Aus Wien habe wieder briefe gehabt, und wollen sie mich da gerne haaben. Ich laße mirs aber gegen den Herrn von Flemming nicht sonderlich mercken. Man schreibt mir unter andern, daß die Kaiserinn an der rothen ruhr danieder liege, und die Medici da sehr st¨ umpeln, das doch mit der Hypecuanna leicht und certissime und secure zu curieren. Es sol sich auch ein Chymiste so in Berlin secretarius geweesen, da auffhalten. Ich weis nicht ob es Struuve ist. Auch aus Halle haben sich einige hinbegeeben. Die Venetianer seind auch da mit hauffen. Einer hat von dem Kaiser monatlich 6000 fl. Sol einen grooßen staat f¨ uhren. Der leibmedicus Hartart sol die Inspection u ¨ber die Chymisten und bergwercke haben. Sol selber aber weenig davon verstehen. Es macht einer auch da eine augmentation des brodts aus Kleien. Wil Millionen damit erspaaren. Ein andern wil gern den besten spiritum vini aus Ungarischen heefen gebrandt hieher schaffen. Die bergwercke sollen sehr liegen aus mangel der Capitalisten und daß kein verstand von denen sachen da ist. Die gelegenheiten sollen so sch¨on sein daß sie gleich das eerste jahr konnen ausbeute machen. Jetz dencke ich werden wir die Koniginn bald wieder hie haben. Meine Sache ist aus so nur der H. von Flemming, sich von dem Agenten Wolters nicht so viel in die ohren blaasen l¨ast und einer ihn nur dazu

Zu N. 139: K wird zusammen mit Kortholts anderen Briefen zu seiner Geldaffaire von Anfang bis Mitte Februar beantwortet durch N. 148. 4 schreiben: nicht ermittelt, auch in N. 144 u. in N. 150 erw¨ ahnt. 7 Heidecampen: C. S. von Heidekamp, dessen Schulden bei Chr. J. Nicolai von Greiffencrantz Kortholt unbefugt eingezogen und einbehalten hatte; vgl. N. 138. 8 wieder briefe: nicht ermittelt; vgl. auch N. 132. 10 Kaiserinn: Eleonore Magdalene Therese von Pfalz-Neuburg. 11 Hypecuanna: Ipecacuanha. 13 Struuve: vielleicht der Arzt E. G. Struve; vgl. Zedler, Universal-Lexicon, 40, 1744, Sp. 1108 f. 15 leibmedicus: Gemeint ist vermutlich M. F. Hertodt. 22 wieder . . . haben: K¨ onigin Sophie Charlotte reiste, vorzeitig zur¨ uckberufen, in der letzten Februarwoche aus Hannover nach Berlin ab; vgl. N. 147 u. N. 153. 23 Wolters: der polnisch-s¨ achsische Legationssekret¨ ar zu Berlin.

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bringen kan, daß er mich h¨ oret. Denn er weis den clavem nicht. Ich zweiffle nicht Ihr. Excell. werden schon das ihrige mit dazu contribuiren der ich vor alle compassion und m¨ uhe meinetweegen ewig obligiret bin, und mir w¨ unsche leebenslang zu heißen h...i Berlin. d. 15. Februar. [1]703.

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140. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 15. Februar 1703. [135. 145.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 160–161. 1 Bog. 4o. 2 1/2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Randanstreichung im Bereich S. 221 Z. 3 f. Bibl.verm.

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S. A. E. Madame l’Electrice m’a fait la grace de m’envoyer votre lettre du 10 courrant, la quelle m’apporte la consolation et l’esperance de vous voir icy auplustost. Je me flattois, que vous m’aur´es dit queque chose touchant l’affaire qui me regarde, mais comme vous ne m’en dites rien, je despere une bonne issue, ce qu’il faudr`a souffrir avec patience. La Pere Vota arriv` a icy hier, ` a ce qu’on m’a dit, je tacherai aujordhui de le voir, pour profitter de Sa connoissance. Aujordhui j’ay et´e ` a Linden, pour voir S. E. Monsieur le Comte de Platen[,] qui garde la chambre depuis queques jours ` a cause d’un rhume; il m’a demand´e des vos novelles, m’ayant dit, que apparement vous av´es fait acquisition d’une Maitresse `a Berlin, puisque vous ne vous souven´es plus d’Hannover, je luy ay reparti, que vous aur´es et´e bien aise de les puvoir quitter, mais qui vous tenoient par les epaules, et que avec tout cel`a vous esperi´es de leur echapper, et de vous rendre icy auplustost. il m’a pri´e de vous faire ses Complimens.

2 contribuiren: vgl. N. 148. Zu N. 140: K antwortet auf einen Leibnizbrief vom 10. Februar (nicht gefunden). 9 lettre: nicht gefunden. 10 voir icy: Leibniz kehrte erst Anfang Juni nach Hannover zur¨ uck. 11 l’affaire: Gemeint ist hier vermutlich Guidis Hoffnung auf eine Belohnung durch den Berliner Hof f¨ ur seine Panegyrik (vgl. SV.) zum Jahrestag der preußischen K¨ onigskr¨ onung (vgl. z. B. N. 86); dass auch die damit in Verbindung stehende Druckkostenaff¨ are (vgl. N. 133) gemeint sein k¨ onnte, ist dagegen unwahrscheinlich. Leibniz’ Bem¨ uhungen um Guidis Belohnung f¨ uhrten erst im September zum Erfolg; vgl. N. 331.

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Vous scaur´es que 9 Compagnies d’Infanterie de Wolfembuttel sont entr´ees dans la Ville d’Hyldheseim, pour renforcer la gernison de Cell; qu’y est depuis queque tems. Monsigneur le Duc de Cell part aujordhui pour sa Residence, On dit que Madame la Duchesse de Curlande s’en retourner` a bien tost, mais on ne dit rien de la Reine. Vous aur´es receu la novelle de la prise de Reinberg. Nos Officiers marcheront dans cette Semaine de ce cot´e l` a, je ne scay pas si on entreprendr`a le Siege de Bonne. Quequn dit que les Alli´es ont abbandon´e Trarbak, sur l’advis que les Francois venoient secourrir le Chateau. Il semble que l’Electeur de Baviere commence les hostilit´es, s’il est vrai ce qu’on nous mande d’Ausbourg, que S. A. E. a fait prisonniers de guerre la gernison de Naibourg, la quelle a fait entrer en Ingolstat, n’ayant laiss´e en libert´e que les Officiers. les m`emes lettres marquent, que S. A. E. marchoit ` a Norimberg, sans que les Imperiaux fissent mine de s’opposer. Il lui importe beaucoup de faire declarer les Cercles de Franconie et de Suabe. S’il prend Norimberg, ou Nordlingen, que ce que deviendront les Villes Imperiales; il semble qu’on s’est dechain´e contr’elles. En Italie font plus de bruit les tremblemens de Terre, que les Cannons, les Francois s’etant lass´es de bombarder Bercello, se sont eloign´es de l`a. Ils font queque movement, il semble qu[’]i[ls] en veulent ` a Ostilia, qui est bien fortifi´e par les Allemands, qui gardent ce poste important, ` a cause qui leur donne la communication de Mirandola. On a perdu l’esperance d’un Armistizzio, queques Trouppes Allemandes, quoyque en petit nombre etant venues en Italie. Toute l’Italie est en devotion, et dans la costernation. Dans le seul etat du Pape m 8 personnes sont restees enseveli´ees tout vivantes par le tremblement de terre, ce qui ote `a m la Chambre 30 ecus de rents.

1 entr´ ees: zur Besetzung Hildesheims vgl. N. 133. 3 f. Madame . . . Courlande: Herzoginwitwe Elisabeth Sophie von Kurland, die mit K¨ onigin Sophie Charlotte nach Hannover gereist war (vgl. N. 109). 4 rien . . . Reine: K¨ onigin Sophie Charlotte wurde wegen der Spannungen zwischen Berlin und Hannover/Celle aufgrund der Besetzung Hildesheims vorzeitig zur¨ uckbeordert, verließ Hannover aber erst am 24. Februar; vgl. z. B. N. 153. 5 prise: Die Einnahme der von franz¨ osischen Truppen besetzten Festung Rheinberg durch brandenburg-preußische Truppen fand am 7. Februar statt; vgl. Monatlicher S t a a t s s p i e g e l , Febr. 1703, S. 79. 6 Siege: Bonn, von Kurf¨ urst Joseph Clemens von K¨ oln den franz¨ osischen Truppen ge¨ offnet, wurde am 15. Mai durch die Truppen der Großen Allianz (unter Beteiligung von hannoverschen Regimentern) erobert; vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 458 f. 8 Chateau: die Festung Mont Royal. 11 marchoit: vgl. N. 135 Erl. 7 Trarbak: vgl. N. 135. 15 tremblemens de Terre: vgl. N. 133. 16 Bercello: Brescello (Bersello).

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Les lettres de l’Haye du 10 courrant marquent, que finalement, que les defences du Commerce, et de la correspondance avec les deux Couronnes avoient et´e resoluees le jour precedent. Les Lettres d’Angleterre ne parlent plus si affermativement des bons sentimens du Portugal, et que on avoit resol` u, que la flotte n’iroit `a l’Amerique, mais qu’on l’employeroit plus utilement ailleurs. C’est tout ce que je scaurois vous dire aujordhui, qui put etre ser` a superflu, si cette lettre vous rencontre en chemin. En touts cas, vous verr´es avec quelle attention je m’honnore de votre correspondance, et avec quelle extime je suis h...i Hr ce h15mei Fevrier 1703

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141. FRANC ¸ OIS PINSSON AN LEIBNIZ Paris, 15. Februar 1703. ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 728 Bl. 67–68. 1 Bog. 8o. 3 S. Bibl.verm.

A Paris ce 15e fevrier 1703

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Quoiqu’il y ait un tres long temps que je n’aye receu de vos nouvelles, apres vous avoir ecrit plusieurs fois et envoy´e mesme la derniere fois la Remontrance de Mr Simon je ne laisse pas monsieur non obstant ce profond silence de profiter encore aujourdhuy de l’avis que l’on me vient de donner qu’on vous envoyoit tous les nouveaux ouvrages de mathematique qui ont paru comme vous n’etes pas moins entendu dans toutes les autres sciences que dans cette partie. je vous envoye l’Apparatus ad Bibliothecam maximam Veterum Patrum que vient de donner le Pere le Nourry Benedictin confrere de Dom

1 f. defences . . . Couronnes: nach der von England geforderten Einstellung jeglichen Brief- und Handelsverkehrs mit Frankreich und Spanien von Seiten der Niederlande. 3 f. bons sentimens: hinsichtlich eines Beitritts zur Großen Allianz. 4 ` a l’Amerique: Gemeint ist Mittelamerika. Zu N. 141: K folgt auf Pinssons Brief an Leibniz vom 9. November 1702 (I, 21). Das n¨ achste u ¨berlieferte St¨ uck der Korrespondenz ist ein Brief Pinssons an Leibniz vom 20. September 1704 (Druck in I, 23). Demnach lag davor ein nicht gefundener Leibnizbrief an Pinsson vom Mai 1703. Beilage zu unserem St¨ uck war das Z. 19 erw¨ ahnte Buch sowie der S. 223 Z. 3 erw¨ ahnte Katalog. 15 envoy´ e: R. Simon, Remonstrance a ` Monseigneur le cardinal de Noailles, 1702. Vgl. Pinssons Vorg¨ angerbrief. 17 qu’on unschten Neuerscheinunvous envoyoit: In N. 123 versprach Brosseau die Lieferung der von Leibniz gew¨ gen.

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Mabillon qui travaille ` a un volume de l’histoire de son ordre qui vous salue toujours tres particulierement et pour vous marquer combien vos ordres me sont precieux je me sers de la mesme occasion pour vous envoyer en mesme temps le catalogue des livres d’un de nos Avocats qui a ´et´e vendue ces jours cy en gros par un autre de nos Avocats pour 7 000 . Il paroist icy une reponse de Mr De Meaux contre la Traduction du nouveau Testament de Mr Simon imprim´ee ` a Trevoux. on attend sa reponse. il paroist aussi icy plusieurs petites pieces contre une consultation qui a est´e sign´ee par 40 Docteurs de Sorbone dont treize ont deja retract´e. cette dispute produit de petits ecrits. c’est tout ce qui paroist icy presentement de plus considerable. en attendant d’apprendre des nouvelles de votre bonne sant´e que je vous souhaitte aussi parfaitte que l’ann´ee precedente et pour vous et pour le publicq que vous enrichissez de vos lumieres et de vos decouvertes permettez moi de me dire toujours

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Monsieur

Votre tres humble et tres obeissant serviteur

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Pinsson.

¨ 142. LEIBNIZ AN KONIGIN SOPHIE CHARLOTTE Berlin, 17. Februar 1703. [131. 167.] ¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. F 27 Bl. 97–98. 1 Bog. 4o. 3 2/3 S. Mit zahlreichen Korrekturen. Eigh. Anschrift. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke 10, 1877, S. 198–199.

1 volume de l’histoire: der erste Bd der A n n a l e s Ordinis S. Benedicti occidentalium monachorum patriarchae, 1703–1739. 3 catalogue: nicht ermittelt. 5 reponse: J. B. Bossuet, Instructions sur la Version du Nouveau Testament, 1702. 5 Traduction: R. Simon, Le Nouveau Testament de Notre Seigneur J´ esus-Christ, traduit sur l’ancienne Edition latine, 1702. 6 on attend: Vgl. z. B. die anonym erschienenen Briefe R. Simons, in: B i b l i o t h e q u e c r i t i q u e , Bd 4, 1710, N. 37 S. 322–338, N. 43 S. 417–423, N. 50 S. 515–529. 7 consultation: Das von Mitgliedern der theologischen Fakult¨ at innerhalb der Universit¨ at in Umlauf gebrachte Flugblatt L e t t r e de M∗∗∗, ” Chanoine de B., a ` Mr. T. D. A.‘‘ (nachgedr., in: Collectio judiciorum de novis erroribus, Bd 3, T. 2, 1736, S. 413–417) war von 40 Gelehrten 1701 unterzeichnet worden. Zu n¨ aheren Details zu der Affaire cas de conscience‘‘ vgl. A. Tuilier, Histoire de l’Universit´ e de Paris et de La Sorbonne, Bd 2, Paris ” 1994, S. 89–91. 8 retract´ e: Bis auf einen Theologen haben alle Unterzeichner widerrufen. 8 petits ecrits: Vgl. die Briefe von Papst Clemens XI. vom 12. bzw. 13. Februar 1703, Ad perpetuam rei memoriam, Breves Litterae . . . ad Regem Christianissimum, Dilecto Filio nostro Tituli S. M. super Minervam S. R. E. Presbyt. Cardinali de Noailles nuncupata; vgl. SV. Zu N. 142: L antwortet auf N. 131; die Abfertigung l¨ asst sich aus N. 146 erschließen.

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A la Reine de Prusse ` a Hanover Madame

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Berlin 17 Fevrier 1703

J’ay fort souhait´e de faire ma cour `a Hanover `a V. M. mais de la maniere que Mons. d’Ausson en parle, Elle sera bien tost icy. Et moy je me suis resolu `a une maniere de remede pour quelques jours que je voudrois achever avant le voyage. Il est vray que le Carneval a autant perdu en m’ayant pas, que j’en ay perdu moy en n’y estant pas. Mais je perds beaucoup en ne me trouvant pas `a Hanover lorsque V. M. y est. Car alors je puis satisfaire ` a mes souhaits sans m’´ecarter de mes soins et devoirs ordinaires. J’espere de voir encor le R. P. Vota quelques momens soit icy ou `a Hanover, c’est asseurement un Excellent homme, et plus solidement savant que je n’avois crˆ u. Mais je doute si V. M. le pourra garder long temps car il sert le Roy son maistre dans la correspondance [avec] la Cour de Rome de ce Nonce; et le Nonce sert au Roy en moderant un peu les emportemens du Cardinal et des Eveques Polonnois qui sans luy seroient all´e peutestre ` a des synodes et ` a des excommunications. Mons. le Comte de Fleming sera sans doute revenu de Dresde icy avant le retour de V. M. de sorte qu’Elle pourra avoir de luy une information parfaite de l’estat des choses qui paroissent encore assez incertaines. Mais celles qui importent le plus c’est ` a dire les affaires generales le sont pis qu’incertaines. L’Electeur de Baviere a fait un coup d’importance, qui derangera fort les mesures prises pour l’attaquer. Si quelques 15 mille hommes ne viennent pas de l’Allemagne inferieure pour le secours des Cercles de l’Allemagne superieure: il y a grand sujet de craindre. Le Roy a offert 4 000 hommes ` a l’Empereur, mais il faut qu’il y ait attach´e des conditions qui font trainer la conclusion.

7 pas (1 ) houi V. M. et Mad. l’Electrice sont ensemble. (2 ) ` a Hanover lorsqve V. M. (a) et Mad. l’Electrice y sont ensemble. Car je puis satisfaire (b) y est L

4 parle: vermutlich m¨ undliche Information u ¨ ber die Verk¨ urzung von Sophie Charlottes Aufenthalt in Hannover wegen der unten S. 225 Z. 1 angesprochenen Differenzen. 5 remede: nicht ermittelt. 11 le Roy: K¨ onig August II. von Polen. 12 le Nonce . . . moderant: zu Vermittlungsbem¨ uhungen des Apostolischen Nuntius F. Pignatelli vgl. N. 109. 13 Cardinal: der polnische Kardinalprimas M. S. Radziejowski, vgl. N. 87. 14 synodes . . . excommunications: vgl. N. 109. 15 Dresde: Vgl. N. 128; Flemming kehrte am 17. Februar nach Berlin zur¨ uck. 19 un coup: durch die Einnahme von Neuburg a. d. Donau Anfang Februar. 22 Le Roy: der preußische K¨ onig Friedrich I. 22 offert: In N. 106 ist die Rede von 7 000 Mann.

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Par surcroit de malheur je voy que les animosit´es entre les deux plus puissantes Maisons protestantes de l’Empire, eclatent dans un temps o` u elles devoient estre le plus unies. La lettre tres forte du Roy au duc de Zell au sujet de la ville de Hildesheim avec la reponse du duc, qui ne demeurera peutestre pas sans replique[,] donneront bien de la joye aux ennemis de la religion protestante et de la libert´e publique. La lettre du Roy se plaint d’une infraction de l’alliance perpetuelle et insinue que par cette infraction le Roy est d´egag´e de l’obligation de hcei trait´e qui porte qu’`a l’´egard des villes de Hambourg, Lubec, Breme, et autres o` u Hildesheim est nomm´e aussi, on doit agir de concert. Le duc repond qu’il n’est parl´e dans ce Trait´e que du cas o` u ces villes sont menac´ees de quelque invasion, au lieu qu’il y avoit ` a Hildesheim un danger interne d’une emotion populaire, qui mena¸coit le magistrat de tuerie et de saccagement, et qui demandoit un promt remede; sans qu’on ait pˆ u avoir le temps de communiquer. Et qu’ainsi bien loin que S. A. S. ait occup´e la ville, elle n’a fait qu’assister le Magistrat pour en demeurer le maistre. Et comme la lettre du Roy t´emoigne qu’on a appris que le danger n’estoit pas si grand et que les gens du duc avoient irrit´e les esprits au lieu de les concilier, pour avoir ce pretexte de s’emparer de la ville et de profiter des desordres de la guerre presente; le duc rejette fortement un soub¸con peu conforme `a l’humeur et aux actions pass´ees de ce prince. J’espere qu’on s’addoucira `a la fin, cependant les trouppes du Roy s’estant saisies de la ville de Northausen, qui est comme la clef du pays d’Hanover et o` u l’Electeur de Bronsvic a meme quelque droit de protection `a ce qu’on dit, j’en crains de nouvelles brouilleries. Car le Roy s’attribue toute la jurisdiction haute et basse dans la ville, en vertu d’un droit achet´e de l’Electeur de Saxe comme Landgrave de Thuringue. Dieu veuille que ces petites choses n’empechent point une bonne intelligence dans les grandes affaires, qui sont dans l’assiette la plus dangereuse du monde. Car si la guerre

6 f. insinue . . . trait´ e erg. L 18 prince. (1 ) On dit qve le Roy (a) a (b) repliqvera a cette lettre mais (2 ) J’espere L 18 fin, (1 ) mais on voit bien (2 ) cependant L

1 animosit´ es: zu den bis Z. 22 er¨ orterten Spannungen zwischen Hannover und Celle sowie Brandenburg-Preußen wegen der Besetzung Hildesheims durch cellische Truppen am 16. Januar und in Reaktion darauf die brandenburg-preußische Okkupation Nordhausens am 7. Februar vgl. Schnath, Geschichte 3, 1978, S. 563–567. 3 f. lettre . . . reponse: nicht gefunden. 6 alliance: das 1700 erneuerte Foedus perpetuum von 1693 zwischen Brandenburg und Braunschweig-L¨ uneburg. 13 S. A. S.: Herzog Georg Wilhelm von Celle. 16 guerre: der Spanische Erbfolgekrieg. 22 achet´ e: 1697 verkaufte Kurf¨ urst Friedrich August I. von Sachsen Reichsvogtei und -schultheißamt u ¨ ber Nordhausen an Brandenburg.

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ne se termine pas heureusement, je crains fort que le pretendu prince de Galles ne regne un jour en Angleterre. Milord Raby consolera cette cour de ce qu’Elle n’aura pas M. Cresset. Je suis fort touch´e du malheur de ce Ministre, qui a tousjours marqu´e beaucoup de zele. Je n’ay rien a dire de cette cour, car V. M. en est mieux inform´e que personne, et moy presque moins ` que personne car je n’y viens gueres et je ne m’informe pas non plus de ce qui s’y passe. Monsieur Eosander m’a asseur´e que le bastiment de V. M. `a Luzenbourg ne sauroit mieux aller. Mad. la duchesse ne jouissant pas et peutestre n’esperant pas de jouir de long temps de son douaire en Courlande[,] le mariage[,] surtout avec un prince r´egent de sa Maison[,] l’accommodera mieux que le veuvage. Apparemment le jeune duc restera aupres du prince Royal.

143. ALEXANDER CUNNINGHAM AN LEIBNIZ Hannover, 17. Februar 1703. [134. 163.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 186 Bl. 6–7. 1 Bog. 4o. 2 1/2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Auf Bl. 7 ro geringf¨ ugiger Textverlust durch Siegelausriss. Eigh. Aufschr. Siegel. Postverm. Bibl.verm.

Il y a [h]uites joures que je vous ay ecrit en recognisance de votre merit et les honnetet´es que vous m’avez fait ` a Berline[,] je ne pu jamais meriter la bone oppinion que

1 pretendu erg. L

1 prince: Jakob Eduard, der von Frankreich protegierte englische Kronpr¨ atendent aus dem Hause Stuart. 3 Raby: seit Juni 1703 außerordentlicher Botschafter Englands am Berliner Hof. 3 Cresset: außerordentlicher Gesandter Englands in Hannover bis zum Herbst 1703; seine Abberufung wurde u ¨ber l¨ angere Zeit erwartet. 9–11 duchesse . . . veuvage: Elisabeth Sophie von Brandenburg, verwitwete Herzogin von Kurland, das seit 1701 von Schweden besetzt war; zu ihrer Wiederverheiratung mit Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth am 30. M¨ arz vgl. N. 189. 11 jeune duc: Herzog Friedrich Wilhelm von Kurland. 11 f. prince Royal: der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm. Zu N. 143: K , vielleicht N. 145 beigeschlossen, wurde vermutlich zusammen mit N. 134 beantwortet durch den nicht gefundenen Leibnizbrief (in N. 164 erw¨ ahnt), auf den N. 163 antwortet. 18 ecrit: N. 134. 19 ` a Berline: vgl. N. 10.

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vous avez donn´e ` a Madam L’Electrice de moy je tacherois de satisfair `a mon devoir `a ell et de ne vous jama[i]s donner lieu de me reprocher d’etre ingrat. Notre junesse Anglois se distinguent en peruiques[,] beaux habits et dans la dance qu’est un merit `a present icy ass´e respect´e, ils mangent et ils boivent ` a la table de son altess Elrl toutes jours come si ils etoient les descendants d’Esaw, et ils commence de se fair les petits maiters, un jour ils sont bien contentes, un autre ils sont mutins jusques `a pester contre le marashal de la Cour ou ses officiers, apres ils le caressent, ils ont leurs intervales, et on diroit que ils sont si mal que Monsr l’Envoy´e; tout cela fait un divertisement aux quelques uns parmi nous et les gens d’Esprit se moquent de mepris des officiers du Marashal, sachant bien en meme temps de conserver le respect que ils doivent `a leurs Altesses[.] Un sule Monsr Adison vaut toutes les autres en beaux talents mais les Gens de Cour n’y pen`etrent pas toujours, ou ceux qui ont fait leur Cour deja tachent `a eloigner les autres du pure de donner la tramontane ` a ceux meme de loign on voit quelques un parmi nous fair de mins seriuses les autres se donner des airs brilliants par leurs habits, mais ceux qui conoisent touts les deux aux fond savent qu[e] le merit de l’un et de l’autre est `a pu pres la meme chose, puisque vous m’avez procur´e la bienvielance de Madam L’Electrice je vous dirais ce qu[e] je ne vous ay pas dit auparavant c’est que je ay rendu service `a cette illustre famile en publique et autrement sans en avoir fait profession `a vos ministres, et ce n[’]e[st] pas par vanit´e que je vous l’a di ` a present mais pour vous consoler que la bont´e que vous avez eu pour moy n’etoit pas mal fond´e, et en cas que l’envie me pren de fair autan je ne saurois pas me resoudre ` a m’adress´e ` a persone icy s’il ne sorta l’Electur Madam l’Electrice ou a vous meme, quant aus autres je ne les connois pas, et pour ce qu[i] regard nos gens ` qui sont icy je les connois trop bien, pour n’avoir poin de correspondance avec eux, On m’a ecrit d’Angliterre d’avoir votre portraite en tail douce je vous en prie Monsr de me fair savoir o` u cela se put trouver afin che je puiss contenter les Curiuses et moy meme[,] j’ay ecrit ` a l’Eveque de N qui est le mieu eclair´e dans nos Manuscripts pour savoir ce

1 donn´ e: vermutlich N. 10. 2 Notre . . . Anglois: vgl. N. 15 sowie die von Leibniz’ Hand geschriebene (aber vermutlich nicht von ihm verfasste) Liste der Engl¨ ander am Hof zu Hannover im Februar 1703 (Hannover Leibniz-Bibl. Ms XXIII 289,1 Bl. 10; gedr.: Klopp, Werke, 9, 1873, S. 5–7). 5 d’Esaw: Gemeint ist vermutlich Esau. 6 marashal: F. W. v. Schlitz gen. v. G¨ ortz. 8 l’Envoy´ e: Gemeint ist vermutlich der scheidende Gesandte J. Cressett, der in diesen Wochen zeitweilig an Geistesverwirrung litt (vgl. N. 131). 17 rendu service: nicht ermittelt. 24 ecrit: nicht ermittelt. 24 portraite: urstin Sophie im September Nach Leibniz’ Hinweis auf diesen Wunsch (vgl. N. 30 und N. 31) ließ Kurf¨ 1703 sein Kupferstich-Portr¨ at erstellen; vgl. N. 70. 26 Eveque: Gemeint ist vielleicht der Bischof von Norwich, J. Moore.

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qu’on ait en Angliterre touchant nos pretensiones sur la France, il m`e samble que c’etoit l` a desu que vous voudrez etre instruit je ne manqueray pas de vous communiquer tout ce que j’en pu savoir, Monsr Hutton qui a et´e le Medicin de Roy Guliaum est arriv´e icy avec My Ld Winselsea, c’est un homme qui a et´e `a la Cour et qui scait si bien viver luy meme dans le mond que d’empecher aux autres de mourir, Le bon pere Vota est arriv´e icy de Pologne il a eu audience de Madam L’Electrice il luy a parler sur le sujet de deux coronnes l’un temporel l’autre immortel et la felicitoit sur ses esperances de toutes le dux, mais elle sachant bien que les compliments ne coutoient pas baucoup `a ces bons peres elle luy a repondu en bone protestante que elle ne sutient pas la Doctrine de Merit et touchant l’un et l’autre elle se soumetoit `a la volont´e de Dieu[.] La repartie me plaisoit fort ne etant pas moins politique que protestant dans l’antichambre il a eu des entretiens sur les reveries de sa Religion mais avec les gens fort pu instruites dans leur sien, et moins eclair´e dans les foiblesses de celle de Rome ou dans la manier de les attaquer sans les choquer, il s’est plaint ` a moy que quelques un des nos gens luy avoit di des injures contre le Pape, je l’adouci et mis en bone humur, come je l’ay soutenu en tout ce que etoit so[ute]nable je suis entr´e dans ses bones graces jusques `a professer publiquement que il avoit rencontr´e un honnett Anglois, quoyqu’il ait la tete rempli de mil petits histoirets sur la religion je me tromp si il n’est pas plus grand politique que Theologien, mais en tout sa force est consum´e par le temps, et la pu que luy en rest c’est un ignis fatuus, La Reine est tousjours belle et en bon humur, Monsrr Gregorius a publi´e son liver sur l’astronomie, La mort de My Lord Athlon a et´e subite Monsr Adison vous fait ses bais les mains vos ordres puvent eter adress´e ` a moy ches Monsr Bertram icy les quels seront toujours respect´e par h...i Hannover le 17me fevrier 1703

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Monsr Je vous prie de fair mes bais les mains `a Monsr Heiss. il me put comander en tout et je me recomend ` a son souvenir. A Monsieur Monsr Leibnitz Conseilier du Roy de Pruss ches Monsr Vincent `a Berline1. 1

h V o n a n d e r e r H a n d : i franco Halberstadt 8

20 liver: D. Gregory, Astronomiae physicae et geometricae elementa, 1702. 21 mort: G. van Reede-Ginkel earl of Athlone war am 11. Februar 1703 verstorben. 25 Monsr Heiss: J. W. Heusch.

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144. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ [Berlin, Mitte Februar 1703]. [139. 148.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 497 Bl. 23. 4o. 1 S. quer beschrieben. Eigh. Anschrift.

Der H. Flemming ist nun wieder hie. Ich habe seine briefe, da ich ihm schrieb, daß ich nach Wien kommen solte, daß ich bei ihm solte bleiben, und zwar mit sonderlichen expressions. Von H. Greiffenkrantz der von dieses noch nichts weis, daß ich muthmaaße außer die briefe werden intercipiret, habe ich schreiben daß er gegen mich nichts ung¨ utiges werde vornehmen. Nun seind Heidekamps schreiben vom 8. Febr. Meine vom 15. Febr. und alle seine briefe lauten so, die ich den H. Obermarschalck in originali zugestellet, der mirs ungesucht wol h4mahli zu mir gesandt. Ich habe H. Greiffenkrantzen sein geld von Heidekamp eingefordert. Ihm die obligation dagegen zu gestellet. Nun hat H. Greiffenkrantz aus hschertzi an ihn geschrieben. Er solle seine qviitung weisen. Das ist die gantze affaire. Dem wil H. Heidekamp gleich desperiren und begehet dar¨ uber solche foiblesse. Ich bin h...i Alle leute, der hoffrichter selbst lachen u ¨ber diese sache. Ich wil cautionem Juratoriam nur umb Zeit zu gewinnen praestiren.

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Ihr. Excell. den H. von Leibniz.

145. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 18. Februar 1703. [140. 146.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 158–159. 4o. 3 1/2 S.

Zu N. 144: In der Reihe von Kortholts Briefen zu seiner Geldaffaire d¨ urfte K vor N. 148 liegen, da Kortholt noch nichts von Leibniz’ Erkundigungen bei Chr. J. Nicolai von Greiffencrantz zu wissen scheint. Daraus und aus den Angaben des Textes (vgl. Z. 4 und Z. 8) wird eine Datierung in die dritte Februarwoche wahrscheinlich. 4 wieder hie: Gemeint ist vermutlich die R¨ uckkehr J. H. von Flemmings aus Dresden nach Berlin, die am 17. Februar 1703 erfolgte; vgl. Hassinger, Brandenburg-Preußen, 1953, S. 84 Anm. 130. 7 schreiben: vermutlich der in N. 139 erw¨ ahnte Brief, den Kortholt dort als am Vortag eingetroffen bezeichnet. 9 Obermarschalck: A. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. 15 hoffrichter: nicht ermittelt. Zu N. 145: K hatte als Beischluss den S. 231 Z. 12 angesprochenen Brief.

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Je tacherai de tirer des mains de Monsr Attilio les quittances de l’Imprimeur, et aussi de celui qui a li´e les Inscriptions, mais, si je ne me trompe, il m’a cont´e 9 ecus pour l’Estampe. Il a et´e une grande indiscretion, que de me faire depenser 57 ecus, et tout le Monde conclut, ou que Mr Attilio m’a jou´e une piece, ou, que, faute d’argent, il a pris tout ` a credit, et a pouss´e la depence, ` a fin de me debourser les mains d’argent qu’il a pˆ u. Enfin je suis bien attrapp´e, et sans vous Monsieur il faudr`a faire comte d’avoir jou´e a la Bassette, quoyque je ne connoisse pas ce jeu. Je n’ay pas pˆ ` u parler `a Madame la Comtesse de Wartenberg, ` a cause que les derniers jours de sa demeure dans cette ville, elle a gard´e la chambre, Mr de Querini m’a dit, qu’il lui a recomand´e cette affaire, e[t] Mr Att[ili]o m’a dit la m´eme chose, mais comme je ne voy pas les effects, ainsi j’y ne scaurois pas ayouter foy, parceque c’est costant, que le Roy a toujours donn´e des marques de sa generosit´e ` a tous ceux, qui lui ont present´e des semblables compositions. Je scay bien que les brouilleries presentes puvent bien apporter de l’empechement `a l’affaire; mais finalement faut il que je en patisse? Il me semble qu’on pourroit franchement s’azzarder de demander qu’on me defraye sans songer au regal. Je me mets dans vos mains. Le Pere Vota est une Mine bien feconde, il entretient la Principaut´e matin et Soir `a table, et aussi dans l’Antichambre, comm’il y a icy un nombre prodigieux d’Anglois, et qu’ils le questionne[nt] sur la Religion, il leur donne de coups `a droit, et `a travers, desorte que ils n’osent plus d’ovrir la bouche. Quelle memoire, et quelle vigueur dans un age si avanc´ee! Il m’a dit qu’il partir` a d’icy avec la Reine, dont le depart n’est pas fix´e, mais on croit qu’il ser` a dans cette semaine, c’est `a dire vers la fin; mais Madame la Duchesse de Courlande pourroit partir ou demain, ou apres demain. Venderdi pass´e arriv`a icy un Prince de Cassel, c’est ` a dire le second, et deux heures apres Madame la Princesse de Honzolleren, qui alla descendre ` a la redoutte.

1 quittances: Zum Streit um die Bezahlung der Druckkosten f¨ ur Guidis (vgl. SV.) Panegyrik auf die preußische K¨ onigskr¨ onung vgl. N. 133. 1 l’Imprimeur: nicht ermittelt. 2 celui: nicht ermittelt. 4 Attilio: A. Ariosti. 8 demeure: Catharina Kolbe von Wartenberg war Anfang Februar von Hannover abgereist; vgl. N. 133. 13 brouilleries presentes: die tiefgreifende Verstimmung zwischen Berlin und den Welfenh¨ ofen in Hannover und Celle aufgrund der Besetzung Hildesheims bzw. Nordhausens; vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 564–568. 17 nombre . . . d’Anglois: vgl. N. 133. 18 questionne[nt]: vgl. auch N. 143. 20 depart: Zur vorzeitigen R¨ uckreise K¨ onigin Sophie Charlottes nach Berlin am 21 Duchesse: Herzoginwitwe Elisabeth Sophie von Kurland; vgl. N. 140. 24. Februar vgl. N. 153. 22 Venderdi pass´ e: 16. Februar. 23 Prince de Cassel: Wilhelm von Hessen-Kassel. 23 Princesse: Luise von Hohenzollern-Hechingen.

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On n’est pas content de faire continuer la redoutte jusqu’`a 11 heures, on y retourne apres soup´e, et on y demeure jusqu’` a 4 heures du matin. On outre trop icy les plaisirs (`a ce qu’il me semble). Monsieur le Comte de Platen premier Minitre garde encor la Chambre `a cause du Rhume, mais j’espere que demain viendr` a en Ville. Monsieur le Comte son fils a gagn´e une pleuresie, on me vient de dire, qu’aujordhui il se porte un pu mieux. Je m’etonne que tout le Monde n’en soit attacqu´e, parceque apres la dance, et la poussiere, on va boire des eaux ` a la glace. La Ville est si pleine d’etrangers, qu’on ne scait pas o` u les loger, c’est un grand profit pour la Ville. Il est retourn´e icy Mr Maillet notre Ingegneur, il dit que Mr Stark a retenu (malgr´e m tant de cris) les 12 ecus, qu’il prit ` a la Chatreuse de Liege, il se put mocquer du reste. J’ay fait vos Complimens. Je vous envoye l’incluse, qui m’a et´e donn´ee par votre Vallet. Vous me fair´es plaisir en me procurant la correspondence de Mr le Resident de Pologne, lequel a ecrit au Pere Vota, que l’Arm´ee de la Couronne a de neveau pret´e serment de fidelit´e au Roy, et d’autres Lettres marquent que les Moscovites ont massacr´e tous les habitans des fauxbourgs de Narva, et brul´e en suite les dit[s] fauxbourgs. Les lettres de l’Haye du 13 marquent la mort du Comte d’Atlhone, et que l’opinion commune etoit que Mr d’Ouverkerke sera fait VeltMarechal en sa place, qu’il n’est pas vray qu’on ait defendu le Commerce et la Correspondence avec la France, les sentimens etant encore fort partag´es sur ce sujet, et qu’on avoit de la peine `a comprendre pourquoy le Cardinal Portocarrero n’a pas voulu etre du Conseil du Cabinet du Roy Catholique,

4 garde . . . Chambre: vgl. N. 140. 5 fils: E. A. von Platen. 10 Stark: vermutlich der im Rhein-Maas-Gebiet eingesetzte hannoversche Offizier, den Guidi z. B. auch in seinem Brief an Leibniz vom 17. August 1702 (I, 21) erw¨ ahnt. 12 l’incluse: nicht identifiziert, vielleicht N. 143. 13 Vallet: vermutlich J. B. Knoche. 14 correspondence: f¨ ur Guidis politische Nachrichtenagentur; vgl. auch N. 164. 14 Resident: Gemeint ist der polnisch-s¨ achsische Legationssekret¨ ar H. S. Wolthers. 15 ecrit: nicht ermittelt. 15 f. pret´ e serment: vgl. auch M e r c u r e historique, M¨ arz 1703, S. 319 bis 323 (mit Druck der Eidformeln). 16 d’autres Lettres: nicht ermittelt. 16 massacr´ e: Zu den russischen Verw¨ ustungen im Umland von Narva zu Jahresbeginn vgl. M e r c u r e historique, Febr. 1703, S. 172. 18 mort: G. van Reede-Ginkel earl of Athlone war am 11. Februar 1703 verstorben. Sein Nachfolger wurde H. von Nassau-Ouwerkerke. 20 defendu . . . Correspondence: vgl. N. 133 Erl. 22 Cardinal Portocarrero: Zu den Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem franz¨ osischen Gesandten in Spanien, Kardinal C. Estr´ ees, und Kardinal L. M. F. de Portocarrero sowie dessen R¨ uckzugsabsichten vom spanischen Hof, vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , M¨ arz 1703, S. 99 f.

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quequns en inferant, qu’il commence ` a se degouter des Francois, et qu’il a de la jalousie du Cardinal d’Etrees. Les Lettres de Londre marquent que la Reine avoit achet´e un bien pour le Duc m guin´ees. Cette grande faveur lui procure des ennemis, il y a eu des paroles Marlboroug 12 si fortes entre lui, et le Duc d’Ormond, qu’on croyoit, qu’ils seroient oblig´es de se battre. Mr Itelbac Governeur de Naiburg etoit pass´e par Ausbourg, il etoit tres mal satisfait, de ce que Madame l’Electrice Douariere Palatine l’a oblig´e de rendre la place, qui puvoit resister bien longtems, beaucoup plus que l’Electeur de Baviere n’a pas tenu l’accord fait dans la Capitulation, ayant fait prisonniers de guerre la garnison. Il semble que cette Princesse est all´ee espressement ` a Naibourg pour rendre cette place. Plusieurs sont d’advis, que le Governeur n’etoit pas oblig´e d’obeir `a l’Electrice. les Imperiaux ne font encore aucun movement, ils manquent des armes. quel desordre! Du reste je voudrois bien, et de tout mon coeur avoir des novelles de votre entiere guerison, et avoir le plaisir de vous voir bientost icy, pour vous dire de bouche, que je suis h...i Hr ce 18me fevrier 1 7 0 3 On ne parle point icy de l’affaire d’Hyldheseim.

146. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 21. Februar 1703. [145. 152.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 162–163. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Bibl.verm.

3 Lettres de Londre: nicht ermittelt. 3 bien: Dieses Vorhaben der K¨ onigin Anna wurde vom Unterhaus abgelehnt; vgl. M e r c u r e historique, Febr. 1703, S. 93, u. M¨ arz 1703, S. 202 f. 5 Duc d’Ormond: J. Butler second duke of Ormonde. 6 Naiburg: zur Einnahme Neuburgs a. d. Donau durch bayrische Truppen am 3. Februar vgl. N. 135 u. N. 140. 7 l’Electrice Douariere: die Witwe des pfalz-neuburgischen Kurf¨ usten Philipp Wilhelm, Elisabeth Amalie von Hessen-Darmstadt, deren Witwensitz Neuburg war. 9 prisonniers: vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 29, 14 guerison: vgl. N. 133. 17 l’affaire d’Hyldheseim: vgl. N. 133. sowie N. 140. Zu N. 146: K wird vermutlich beantwortet von dem nicht gefundenen Leibnizbrief vom 27. Februar, der in N. 164 erw¨ ahnt wird.

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Quoyque je n’aye receu des vos novelles, je suis satisfait sachant que vous av´es ecrit a la Reine, parceque je puis bien croire que vous vous port´es mieux. ` La nuict pass´ee Madame la Duchesse de Courlande est partie pour Berlin, on dit que la Reine partir` a aussi dans cette Semaine, avec la Princesse d’Honezollern, qui est bien chang´ee, et comme le Carneval est fini tous les Etrangers en fairont du m´eme, c’est `a dire le Prince de Cassel, la Comtesse de Pykembourg, le Comte et Comtesse de Caunitz, et plusieurs Messieurs Anglois. Mr le jeune Comte de Platen se porte mieux, mais on nous a bien effray´e. Mr d’Offeln est aussi parti la nuict pass´ee pour Vienne. Je n’entend pas plus parler d’Hyldheseim, les Trouppes de Lunebourg y demeurent encore. Le Pere Vota se nourit de son propre discours, car il ne mange, ny dorm; je m’etonne comm’un homme si cast´e et si ag´e puisse continuer de la sorte, et qu’il aye une memoire si bonne. On a debit´e icy une novelle, que L’Electeur de Baviere a assieg´e Norimberg, si cela est, il se ser` a asseur´e du Cercle de Franconie. On ne scauroit pas comprendre du vient la noncealance des Imperiaux qui devoient attacquer ce Prince `a la fin de Janvier. Il mantient cependant en train les negotiations de paix `a Ratisbonne, je ne croy pas que la Cour de Vienne croye qu’il est tout de bon, mais je croy que pour covrir sa foiblesse, fasse mine d’y ajouter foy.

1 ecrit: Gemeint sein k¨ onnte N. 142. 3 Duchesse: Herzoginwitwe Elisabeth Sophie von Kurland, die mit K¨ onigin Sophie Charlotte zum Karneval nach Hannover gekommen war (vgl. N. 109). 4 partir` a: am 24. Februar; vgl. N. 153. 5 chang´ ee: Eine Krankheit der F¨ urstin Luise von Hohenzollern-Hechingen, die am 16. Februar nach Hannover gekommen war (vgl. N. 145), wird in N. 22 angedeutet. 6 Prince de Cassel: Gemeint ist vermutlich nicht der am 16. Februar erst angekommene Wilhelm von Hessen-Kassel (vgl. N. 145), sondern sein Bruder, Erbprinz Friedrich, der am 26. Februar abreiste (vgl. N. 156). 6 Pykembourg: Johanna Sophie zu Schaumburg-Lippe. 6 Comte . . . Caunitz: M. U. von Kaunitz und seine Frau, Maria Ernestine von Ostfriesland und Rietberg, vgl. N. 135. 7 Messieurs Anglois: vgl. N. 133 u. N. 131. 8 se porte mieux: vgl. N. 145. 10 d’Hyldheseim: Zur Besetzung Hildesheims durch cellische Truppen vgl. N. 133. 15 assieg´ e: Dieses Ger¨ ucht ist unzutreffend; Kurf¨ urst Max Emanuel von Bayern gab seine Belagerungspl¨ ane in den folgenden Monaten auf; vgl. auch N. 135. 18 negotiations: Gemeint sind vermutlich die im Februar laufenden Verhandlungen zwischen dem Reichstag und dem Bayrischen Kurf¨ ursten um die Herausgabe der von diesem besetzten St¨ adte und die Einstellung der Kriegshandlungen einerseits und andererseits dessen Versuch, die Reichstruppen zur Neutralit¨ at zu bewegen; vgl. Danzer, Feldzug 1703 , 1878, S. 9.

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Il y a des negotiations secretes aussi pour ceder la Ville de Bonn aux Hollandois; on dit que l’Electeur de Cologne voyant que la dite ville ne put pas subsister, a fait sur main cette proposition, craignant que les Francois [o]nt envoy´e la garnison en Italie. Vous scaur´es que le Roy de Prusse a surpris Creven, mais que le Roy de France a fait entrer en Gheldre 800 Francois abill´es en Egiptiens en plusieurs reprises. On veut que les Hollandois se soyent empar´es du Chateau de Trarbak; et on attend avec impatience des novelles du haut Rhin, pour apprendre la suite des desseins des Francois sur le Chateau de Heitersheim. On ne doute plus que le Roy de Dannemarc n’ait un dessein, qui eclaiter`a put etre en peu, puisque c’est tout de bon, qu’on s’applique `a l’equippement d’une escadre des Vaissaux, et ` a renforcer la milice terrestre. On travaille ` a l’Haye ` a faire approver aux Provinces les defences du Commerce, et de la Correspondence avec la France, et l’Espagne, mais cependant on a et´e fort aise d’apprendre par les dernieres Lettres d’Angleterre, qu’on y a trov´e des expedients pour proceder incessamment ` a l’augmentation des trouppes sans attendre la resolution positive des Etats Generaux, touchant la condition exig´ee. Plusieurs avis font croire, que le Portugal ne cherche que `a gaigner du tems, et n’a pas dessein de se declarer pour les Alli´es. On se plaint toujours ` a Londre, de ce que la Reine d’Angleterre continue `a favoriser les Jacobites, mais cependant on asseure que deux tiers de ce Royaume sont pour la

19 continuent K korr. Hrsg.

1 ceder: Tats¨ achlich hatte Kurf¨ urst Joseph Clemens von K¨ oln angeboten, die franz¨ osische Besatzung aus der Stadt Bonn abziehen zu lassen und diese den Truppen des Westf¨ alischen Reichskreises zu u ¨bergeben; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 80 f. 4 surpris: Ort nicht identifiziert; vermutlich handelt es sich um la petite Ville de Crevelt‘‘, laut M e r c u r e historique, Febr. ” 1703, S. 161 am 2. Februar von preußischen Truppen erobert. 5 Gheldre: Geldern, zu den Spanischen Niederlanden geh¨ orend, wurde ab Februar 1703 bis zum Jahresende von preußischen Truppen belagert. 6 empar´ es: Die Festung Mont Royal bei Trarbach blieb vorerst in franz¨ osischer Hand; vgl. N. 135. 7 novelles: Franz¨ osische Truppen hatten am 12. und 15. Februar den s¨ udlichen Oberrhein u ¨berschritten; vgl. Danzer, Feldzug 1703 , 1878, S. 293. 9 dessein: nicht ermittelt. 12 f. Commerce . . . l’Espagne: Zur von England gestellten Forderung der Aufhebung jeglichen Briefverkehrs zwischen Holland und Frankreich bzw. Spanien als Voraussetzung f¨ ur die Aufstockung der englischen Truppen am Niederrhein vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 91–94 u. M¨ arz 1703, S. 108 f. 20 Jacobites: 17 Portugal: Zum sich anbahnenden Beitritt Portugals zur Großen Allianz vgl. N. 133. die Anh¨ anger des katholischen Halbbruders der K¨ onigin, Jakob Eduard Stuart.

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succession de la ligne protestante, et il faut croire, qu’on negliger`a rien ny par mer ny par terre, car on a ` a faire ` a un terrible ennemi. Depuis l’embrasement de la flotte `a Vigos, on croyoit que la France n’etoit en etat par cette Campagne de jetter des batimens en Mer, cependant on me mande de Londre, que 12 fregates sont sorties de S. Mal`o pour aller croiser sur les Anglois, et sur les Hollandois et qu’on est apres `a en equipper jusqu’au nombre de h50i avec toute sorte de diligence pour le meme sujet. Les Lettres que j’ay receu d’Italie m’ont jett´e dans une tresgrande consternation, au recit qu’on m’a fait du terrible tremblement de terre, qui repliqua les secousses dans la Ville de Rome le 2 Fevrier pendant l’espace d’un demy quart d’heure. le Pape qui estoit dans la Chapelle Paoline avec le Sacre College, se mit `a genoux, et y demeur`a avec une tres grande intrepidit´e jusqu’` a la fin, pryant le bon Dieu d’appaiser sa colere. Il descendit apres dans l’Eglise de S. Pierre, malgr´e la resistence des Cardinaux, qui craignoient que l’admirable Cupola de cette Eglise, qui a souffert beaucoup, ne les ensevelissent, et on me mande, que s’il arrive un autre Secousse de la sorte, que la dite Cupola tomber`a, avec la plus parts des plus grands batimens de Rome, qui sont deja chancellants. On fait des prieres continuelles, et la Noblesse tente sur les places; attendant `a touts moments le renversement general de la Ville. Je ne scay pas Monsieur ce que l’Italie deviendr`a. On voit qu’il y a des cavit´es, que du Vesuvio marchent jusqu’` a Inspruk, et comme elles recoivent de plus en plus de souffre, je crains que ce beau pais ne devienne le Theatre de la desolation. Pavre Italie! Touchant les affaires de Guerre dans ce pais l`a tout va mal pour les Imperiaux. le Governeur de Bercello voudroit bien se rendre aux Francois `a des conditions honnorables, mais ceux ci pretendent que la garnison soit prisonniere de guerre. Cependant le Resident d’Angleterre a obtenu le Port de la Spezie des Genois, pour la flotte Combin´ee, nous verrons ce qui arriver` a, mais la Cabale regne beaucoup `a Londre. On dit que la Reine partir` a d’icy Samedi prochain. Je ne vous parle plus des mes interets, afin de ne vous pas importuner, et je demeure avec mon extime accoutum´ee h...i Hannover ce 21 Fevrier 1 7 0 3.

2 l’embrasement: Spanische und franz¨ osische Schiffe waren am 23. Oktober 1702 bei Vigo von der englischen und holl¨ andischen Flotte eingenommen und zum Teil in Brand gesetzt worden; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Nov. 1702, S. 66–68. 7 Lettres: nicht ermittelt; in Zusammenhang 22 Bercello: die modenesische mit Guidis politischer Nachrichtenb¨ orse. 8 secousses: vgl. N. 133. Festung Brescello (Bersello). 23 Resident: vermutlich L. Blackwell. 26 f. mes interets: am Berliner Hof; vgl. Guidis Briefe seit Januar 1703, insbesondere N. 140 Erl.

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147. BARTOLOMEO ORTENSIO MAURO AN LEIBNIZ Hannover, 21. Februar 1703. [100. 153.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 619 Bl. 44–45. 8o. Goldschnitt. 4 S. z. T. quer beschrieben. Leichter Tintenfraß.

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Hr le 2 1 F e v r. [ 1 ] 7 0 3. Quand nous esperions Monsieur de vous recouvrer, on nous a donn´e la peur de vous perdre: vostre maladie nous a fort allarmez, on a eu apres des meilleures nouvelles, dont j’ay remercy´e Dieu, et je le prie de vous rendre une entiere et longue sant´e. Hier je receus dans mon paquet la cy jointe, je suis fach´e de trouver pour vous l’envoyer l’occasion du depart de la Reyne: vous s¸cavez `a quel point on la souhaittoit icy, et n’ignorez pas comme on regrettera son absence. Je vous supplie lors que vous verrez Sa Mt´e de ne pas oublier mes respects. J’ay recomand´e ` a Mr Melani lors qu’il envoyer´a par quelque occasion les papiers de matematique (que Mgr Biankini luy a donn´e pour vous) `a Venise, de prendre bien garde a qui il les confiera et d’en avertir Mr Zanli que j’avertiray d’en avoir plus de soin que `

Zu N. 147: Die Bef¨ orderung unseres St¨ ucks, das die Z. 9 erw¨ ahnte Beilage hatte, geschah vermutlich u ¨ber das Gefolge der K¨ onigin Sophie Charlotte. Die Beantwortung erfolgte wohl in dem nicht gefune la peur: vgl. Leibniz’ Bemerkung u ¨ber seinen denen Leibnizbrief, auf den N. 175 antwortet. 6 donn´ Gesundheitszustand in N. 17 und die Reaktion am hannoverschen Hofe darauf sowie auf den Bericht eines aus Berlin angereisten Besuchers (A. Cunningham?) in N. 20 bzw. N. 133. 7 nouvelles: vermutlich um die Monatsmitte; vgl. N. 140. 9 cy jointe: wohl das PS. eines Briefes A. Melanis an Mauro vom 14. Februar 1703 (LBr. 619 Bl. 43), dem ein Brief F. Bianchinis an Leibniz (wohl vom 23. Januar datierend; gedr.: Feder, Comm. epistol., 1805, S. 310–330; Druck in Reihe III; vgl. Kirch, Korrespondenz , 3, 2006, S. 537) beigeschlossen war. Dieses PS. tr¨ agt den Zusatz f¨ ur Leibniz von Mauros Hand: Voyla Monsieur apres une terrible description du Trembl[emen]t de Terre du 2 de Fevrier que fait ” Mr Melani ce qu’il me mande ` a vostre egard‘‘. 10 depart: am 24. Februar. Aufgrund der schwerwiegenden Differenzen des Berliner Hofes mit Celle und Hannover nach der Besetzung Hildesheims durch cellische Truppen wurde K¨ onigin Sophie Charlotte vorzeitig nach Berlin zur¨ uckbeordert; vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 564 f. 12 Sa Mt´e: der preußische K¨ onig Friedrich I. 13 papiers: in Melanis Brief angek¨ undigte carte mattematiche‘‘ Bianchinis f¨ ur Leibniz, die Melani ihm u ¨ber Venedig durch ” einen Reisenden zukommen lassen wollte. 15 Zanli: der hannoversche Agent in Venedig G. B. Zanovello. 15 plus de soin: Anspielung auf die Affaire um Urkundenabschriften, die vor Jahren in Florenz f¨ ur Leibniz angefertigt worden waren (vgl. I, 15 N. 149). Dass sie ihn nicht erreicht hatten, wurde dem fr¨ uheren hannoverschen Agenten in Venedig, P. Mendlein, angelastet. Vgl. auch N. 367 u. N. 335 sowie dagegen N. 370.

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Mr Mendlein n’a eu des autres de Florence. Voyant Mr Revort je voudrois bien s¸cavoir s’il a receu les lettres que je donnay pour luy `a Mlle Saint Aubin lors qu’elle partit avec Me la Comtesse de Wartenbergh. Je vous ay fait avertir que j’ay re¸cu ˆ vre boyte j’en ay averty Mr l’Abb´e Stefani qui n’est pas encor de retour, mais on l’attend `a tous momens: il sera fach´e de ne trouver pas icy Sa Mt´e. Je suis Monsieur h...i

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Il Terremoto de’ 2 febr. a Roma `e stato spaventoso, h` a durato un ottavo d’hora, e tutte le gran fabriche se vesono risentite: non `e caduta per` o ch’una parte dell antico Colosseo. Ma si teme nello stato della Chiesa et altrove d’intender nuovi danne: escosse si forti dando soggetto di dubitare hche si estenda lungoi la causa.

148. LEIBNIZ AN HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT Berlin, 22. Februar 1703. [144. 149.]

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¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. 327 (Greiffencrantz) Bl. 184. 4o. 2 S. Unterer Rand unregelm¨ aßig abgeschnitten. Eigh. Anschrift Mit Korrekturen und Erg¨ anzungen. Geringf¨ ugiger Textverlust am unteren Blattrand.

A Monsieur Cortholt

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Berlin den 22 Febr. 1703. Ich bin einige tage zu Potsdam geweßen und habe alhier einen Zeddel von Meinem Hochg. H gefunden, auch ein antwort-schreiben vom H. von Greiffencrantz erhalten, darinn er sich entschuldiget daß er meiner intercession nicht deferiren konne. Er meldet daß er MhH die obligation geschickt ohne ordre die gelder zuheben und ohne qvittung: daß MhH dennoch die gelder gehoben und ihm solches eine Zeitlang 1 Revort: Gemeint ist vermutlich J. Ph. Rebeur. 2 lettres: vgl. auch N. 153. 3 boyte: Es 4 retour: aus D¨ usseldorf (vgl. handelt sich um ein Gef¨ aß mit Bernsteinplatten; vgl. N. 100 u. N. 166. N. 116). 6 Terremoto: zu den Erdbeben im Januar und Februar 1703 in Italien vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 105. Zu N. 148: Nachdem Leibniz auf seine Anfrage hin die Version Chr. J. Nicolais von Greiffencrantz von Kortholts Geldaffaire erhalten hatte (N. 138), gibt die nicht gefundene Abfertigung von L ein Referat dieses Briefes. Leibniz antwortet mit der nicht gefundenen Abfertigung auf einen nicht identifizierten Zeddel‘‘ und vermutlich weitere der in unserem Band vertretenen Briefe Kortholts in dieser Angele” genheit. Kortholt antwortete darauf vermutlich mit N. 149 u. N. 150. 17 einige tage: Vermutlich spielt Leibniz hier auf seinen Potsdam-Aufenthalt Ende Januar/Anfang Februar an, vgl. N. 129. 17 Zeddel: unter den zahlreichen schriftlichen Mitteilungen Kortholts zu seiner Geldaff¨ are nicht identifiziert.

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verhehlet, hernach allerhand auffschub gesucht, und auff sein des H. von Greiffenkranz instanz wegen der bezahlung mit Vermelden, daß widrigen falls es suchen m¨ uste, geantwortet, MhH m¨ uste geschehen laßen, was er nicht hindern k¨ondte. Darauff er nicht umbhin gekondt auff den H. Baron von Heidekam zu gehen, der sich dann an MhH h¨alt. Was MhH von denen ihm dem H. von Greiffenkranz geleisteten diensten melde, so sey nicht ohne das MhH ihm viel hofnung gemacht, und solches zwar von freyn st¨ ucken, aber ohne den geringsten effect. Daher als MhH begehrt er mochte ihm die gelder laßen, hatte er [— — ] sich zu nichts verstehen wollen. Hatte auch MhH nie zugestanden sich des geldes zubedienen. Sehs in ubrigen nicht warumb er wegen Meines hochg. H. der sich zumahl gegen ihn erwehnter maßen hbezeigeti, ein so ansehliches verlieren solle. Es habe u ¨berdem Mein HochgH wohlhabende Anverwandten, an die er sich umb hulfe zu adressiren hatte. Daß ist das vornehmste deßen so der H. von Greiffenkranz mir schreibet. Mit dem H. Grafen von Flemming habe von MhH affaire zu sprechen noch nicht gelegenheit gehabt werde aber daran nicht ermanglen, und zweifle im u ¨brigen nicht es werde MhH in omnem Eventum auch zu den seinigen in dieser Sach recours nehmen. In zwischen verbleibe iederzeit Meines HochgH

dienstergebenster GWL

149. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ Berlin, 22. Februar 1703. [148. 150.] 20

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 327 (Greiffencrantz) Bl. 185–186. 1 Bog. 4o. 3 S. Eigh. Aufschrift. Siegel.

Ich habe H. Greiffenkrantz eigene briefe darinn er mir an bietet die 150 Rhl. auszuleihen, das schon u ¨ber die helffte des geldes ist. Auch habe ihm geschrieben da meine paterna und materna noch v¨ ollig bei meiner mutter, daß ich desfals ihm wolte dieselbe als ein hypotheq u ¨berlaßen, da ich den briefe zeigen kann daß meine Mutter nach ihrem tode mir gerne alles geeben wil. Nun ruiniret mich Greiffenkrantz hiedurch, und ihm

Zu N. 149: K sowie N. 150, vom selben Tag datierend, d¨ urften Kortholts Antworten auf N. 148 sein. Aufgrund des unterschiedlichen Formats ist eine getrennte Versendung anzunehmen, wobei unser St¨ uck wahrscheinlich das fr¨ uhere war (vgl. N. 150 Erl.). 22 briefe: vgl. den in N. 150 wiedergegebenen Briefauszug. 24 mutter: Anna Kortholt geb. Kirchhof. 25 briefe: nicht ermittelt.

N. 150

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selber thut er keinen vortheil. Der H. von Flemming findet sich schon in etwas wieder. Es ist nichts als bose leute die H. Greiffenkrantz so auffmachen. Denn seine briefe seind gantz anders. Ich werde sie meinen gegen bericht senden. Ich habe ohne dem briefe nach Wien zu kommen. Wie kan H. Greiffenkrantz bei mir hverliehreni. hatte er dieses nicht gethan. ich ware schon bei H. von Flemming im Dienste. Auff freunde verlaße ich mich. Ich habe aber mein eignes bei meiner Mutter noch stehen. Und habe von meinem gantzen capitual nicht mehr als 100 thaler gebraucht. Das andre ist noch alles da. Das wil nun die mutter gerne behalte[n] bis nach ihrem tode, und so hat sie sich gegen meinen advocaten Dr. hColtmanni offeriret. So ware nun H. Greiffenkrantz gesichert gnug meinetweegen. Thut er doch andern leute geld auff Zinse aus. Aber was sol ich mit ihm procediren. Ich wil nun auff Juratorie caution loos sein. Ich habe hie auch noch geld ein zufordern. Und was hilffe ihm mein hsitzeni mein affront mein ruin. Er hat warhafftig mir freiheit gegeben das geld zu gebrauchen so ichs ein kriegte. Da ichs hette wolte ers wieder umblehen. Ich habe auch seinet weegen sonst m¨ uhe gnug gehabt, aber er ist selber schuld daß nichts reussiret: Wo E. Hochwolg. ihn konne persuadiren daß er auff meine hconsensationi und mein Vaterliches und M¨ utterliches erbe und meinen eid siehet. solte es mir sehr lieb sein. Der Obermarschalk nimpt sich meiner starck an. Es giebt dem H. Greiffenkrantz weenig ehre. den ich kan ihn noch wol bezahlen, aber nicht so. Ich bin h...i

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Berlin. d. 22. Febr. [1]703. A Son Excellence Mr le Conseiller priv´e de la Justice de Leibniz treshumblement. 150. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ [Berlin,] 22. Februar [1703]. [149. 154.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 327 (Greiffencrantz) Bl. 187–188 u. LBr. 497 Bl. 86–87. 2 Bog. 8o. 8 S.

3 briefe: nicht ermittelt; vgl. N. 132 u. N. 155. 9 hColtmanni: vielleicht der 1711 beim Berliner Oberappellations-Gericht belegte W. H. Culman. 17 Obermarschalk: A. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Zu N. 150: Unser St¨ uck d¨ urfte zusammen mit N. 149 die Antwort auf N. 148 darstellen; aufgrund des unterschiedlichen Formats ist getrennte Versendung anzunehmen. Da Kortholt in N. 149 Beweise f¨ ur ¨ die Zustimmung Chr. J. Nicolais von Greiffencrantz zur zeitweisen Uberlassung von 150 Reichstalern an ihn nur anspricht, hier aber aus einem Belegbrief zitiert, sehen wir unser St¨ uck als das sp¨ ater geschriebene an.

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Extract aus des H. von Greiffenkrantz schreiben vom 9 Augusti [1]702.

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Wegen des von Mon Maitre begehrten anleihens habe mich in einem meiner vorigen gantz deutlich erkl¨ aret, aber auff den punct noch keine antwort erhalten, ob es ihme also anst¨andig oder nicht? Wenn mon cher maitre 150 Rhl davon zur anleihe behielte m¨ uste noch etwas nach richtig zu zu leegen dem calculo u ¨brig sein, welches ich wol gerne hieher h¨atte. Sie haben gemeinet es w¨ are mit denen 200 Rhl womit ich ihnen gerne gedienet h¨atte eine feinte geweesen. Allein ich versichere sie bei reedlichen wahren worten, daß warhafftig ein unverm¨ ogen dabei gewesen. Ich habe dergleichen schreiben mehr und habe die eben nicht so genau bewahret. Dieses ist nur mir ohngefehr zu handen kommen. Daraus sehen Ihr. Excell. sein eigen anerbieten. Aber wenn ich gleich nun saage und auch eidlich bekr¨afftigen wolte daß er mir die summa von 246 thaler auff ein jahr lassen wolte. Denn er hielte es vor eine verlohrne schuld, und warumb solte ich mich vor nichts andre leute zu feinde machen, was richte ich aus? Doch stillschweigen kann ichs nicht, und mus die andre briefe auch auffsuchen. Wer solte sich darauff nicht konnen verlaßen daß einer das geld brauchen m¨ochte, wenns ihm so angetraagen wird. Ich habe mich auch zu dem manne nimmer solches versehen. In seinem letzen meldet er noch, er wolle gegen mir nichts ung¨ utiges vornehmen. An meine freunde habe geschrieben. Sie seind aber grausaam geitzig selbst meine eigne mutter. Die doch noch mein V¨ aterliches in handen hat. Und indeßen mus ich doch sitzen und kan mich nirgends verantworten. Wenn ich gleich nun die beweeglichste briefe schreibe, so antwortet er mir nicht. Daß ich die waarheit sagen sol wird er auch nicht wollen; Es ware viel beßer vor ihm so er sich in der g¨ ute finden ließe und den revers von mir annehme, daß er auff das jene so ich noch zu gewarten, so es ja nicht ehe geschehen solte, vollige disposition und einige hypotheq haben solte. So er dieses nicht gethan und H. Wolters mich bei H. Flemming zu blamiren dadurch occasion gekriegt h¨atte, ward H. Flemming schon resolviret gleich das geld zu zahlen. So ist er ihm selber im weegen noch jetzo. Denn wenn ich H. Flemming nur sprechen konte ware die sache meine ich gethan. Solte er sich nicht beweegen laßen hwenni ich hjuramentoi mich obligirte ihn

1 schreiben: Brief nicht ermittelt. 13 f. verlohrne schuld: zum Hintergrund vgl. N. 138. 18 letzen: vermutlich der in N. 139 u. N. 144 erw¨ ahnte Brief, den Kortholt am 14. Februar erhalten hatte. 19 mutter: Anna Kortholt geb. Kirchhof. 20 V¨ aterliches: Chr. Kortholt war 1694 verstorben. 26 Wolters: der polnisch-s¨ achsische Legationssekret¨ ar zu Berlin. Wie Kortholt in N. 154 berichtet, wurde ihm selbst zur Last gelegt, er habe sich dessen Funktion, d. h. die eines Residenten, angemaßt.

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in hquovis foro competentei zu erscheinen, oder ihm zu zahle[n]. Es geth ohne dem ein advocate nach Holstein hin, dem werde ich committiren, daß er von meiner mutter die extradition meines V¨ aterlichen antheils urgiret. Summa ich sehe lieber wenn ein g¨ utiges accommodement konte getroffen werden per juramentum. Seine briefe seind doch da daß er mir 150 Rhl. von die 246 angebothen, daß er auch allezeit in spe gestanden daß ich seine commission ausrichten w¨ urde, die ja noch nicht erloschen. Der Obermarschalk und r M Ram´ee sollen ihm desfals antworten, wo ihnen durch diese sache seine conduite nicht zu wieder wird. Denn es seind viele die diese harte procedur improbiren. So man ihm abrathen k¨ onte ware es gut vor mir und ihn. H. Flemming wird sich wol geeben. Ich habe doch seine briefe. Ihr Maj. die Koniginn konte auch etwas dabei thun. Ich hab von ihrem Frauen Zimmer das ich curiret noch keinen heller. Hinc illae lachrymae. Aber ich schame mich fast daß Ich Exell. so viel m¨ uhe mache. Indeßen bin ich h...i d. 22. Febr.

151. JOHANN FRIEDRICH PFEFFINGER AN LEIBNIZ L¨ uneburg, 22. Februar 1703. [93. 267.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 725 Bl. 116–117. 1 Bog. 4o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen und Erg¨ anzungen.

22 fevr. 1703 L¨ uneb. Ce n’est pas ma faute que je Vous envoye tousjours de si gros pacquets, ils me viennent de Sleswig tout comme je Vous les envoy. Votre fluxion me fait de la peine, Monsr. Soignez Vous un peu mieux, je Vous en prie, effectivement cet hyver n’est bon, qu’`a engendrer des rhumatismes et maladies.

6 Obermarschalk: A. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. 7 Ram´ ee: vermutlich G. B. de La Ram´ ee. 10 briefe: nicht ermittelt; auch erw¨ ahnt in N. 155. 11 Frauen Zimmer: vermutlich Anspielung auf Kortholts Behandlung des Kammerfr¨ auleins von Schlippenbach; vgl. Kortholts Brief vom 21. Juni 1702 (I, 21) u. Erl. 11 Hinc . . . lachrimae: Horaz, Epistulae, 1, 19, 41. Zu N. 151: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief, vermutlich die Antwort auf N. 93. Beilage war das Z. 19 erw¨ ahnte pacquet‘‘. Die Antwort erfolgte vermutlich in dem nicht gefundenen Leib” 21 fluxion: nizbrief wohl vom Juni 1703, auf den N. 267 antwortet. 19 pacquets: nicht ermittelt. Leibniz litt seit der Jahreswende an einem offenen Bein.

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N. 151

Je n’ay rien entendu de la charge, dont Mr de Greiffencranz doit etre revetˆ u `a la cour de Holstein; je voudrois qu’il y fut deja, peutetre pourrois je aussy faire un pas plus avant, par cette occasion, la poudre scholastique me rendant bien enrhum´e. Les affaires d’Italie vont si mal, que vous avez raison, Monsr de douter d’une bonne campagne. deploranda fata Imperii. Un chacun y fait le maitre. Les villes Imperiales semblent avoir gaign´e le haut mal cette ann´ee cy. Le Roy de Prusse en veut il a d’autres qu’` a Nordtausen, M¨ ullausen et Goslar? Peut etre le Roy de Pologne luy aura ced´e quelques pretensions sur icelles. de la maniere comme on s’y prend, il sera difficile de reduire l’Electeur de Baviere ` a la raison. Les Cercles de Suabe et de Franconie courent grand risque d’en etre gob´es, ` a moins qu’on aille `a la rencontre. C’est peu de chose, que ce que les Suedois gaignent en Pologne, pandant que les Moscowites ruinent la Livonie d’un bout ` a l’autre. La dethronisation des Roys n’est plus a la mode. ` Notre bon Colonel et Commandant au Kalkberg Mr de Nettelhorst mourut icy ces jours pass´es, du miser´er´e. Peut etre aurons nous Monsr d’Antinis, Lieutenant Colonel dans le Regiment de Ranzow, et Commendant `a Harbourg `a sa place. S¸cavez vous, Monsr que Mr de Werpoup, Gendre de Mr de Berenstorf, est devenu grand drossard de duch´e de Lauenb. ` a la place du geh. Rath Bothmer, mort depuis peu. r Mons de Sp¨ orck, grand Echanson ` a Wolfenb¨ uttel a obtenu la place de grand Ba¨ılliff de

1 charge: nicht ermittelt. M¨ oglicherweise handelt es sich um ein Ger¨ ucht aufgrund einer Verwechslung Chr. J. Nicolais von Greiffencrantz mit seinem Bruder (vermutlich Adolph Friedrich), der als schwedischer Major nach Schleswig-Holstein-Gottorp abgeordnet war (vgl. N. 397). Dass jener seit Jahren auf der Suche nach einer h¨ ofischen Charge war, ergibt sich bereits aus I, 19 N. 381 u. I, 20 N. 471. Vgl. auch N. 138. 3 poudre scholastique: Anspielung auf Pfeffingers Lehrt¨ atigkeit an der Ritterschule zu L¨ uneburg. 4 affaires d’Italie: im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges. 5 villes Imperiales: Neben den im folgenden genannten Reichsst¨ adten d¨ urfte auch N¨ urnberg gemeint sein, auf das ein bay6 Roy de Prusse: Anspielung auf die Reaktion rischer Angriff erwartet wurde (vgl. z. B. N. 135). Brandenburg-Preußens im Hildesheimer Konflikt. Nachdem zun¨ achst eine Besetzung der Reichsstadt Goslar erwartet worden war, ließ Friedrich I. am 7. Februar 1703 die Reichsstadt Nordhausen besetzen, vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 564 f. 8 pretensions: vermutlich Anspielung auf die bevorstehende Einl¨ osung der gegen¨ uber Polen erhobenen Pfandanspr¨ uche Brandenburg-Preußens auf Elbing. 8 maniere: vermutlich Anspielung auf die Einnahme Neuburgs a. d. Donau durch bayrische Truppen am 3. Februar 1703; vgl. N. 133 u. Erl. 11 gaignent: im Rahmen des Nordischen Krieges. 12 dethronisation: zu den Vorst¨ oßen Karls XII. von Schweden, August II. des polnischen Thrones zu 17 Berenstorf: A. G. von Bernstorff. 18 geh. Rath Bothmer: J. A. von entheben, vgl. auch N. 116. Bothmer. 19 Sp¨ orck: G. F. von Sp¨ orcken.

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Harbourg, qu’avoit autrefois feu Mons. de Wackerbart; et mon eleve, Monsr de Fabrice a succed´e ` a Mr de Werpup dans la charge de conseiller de guerre. Je suis h...i

152. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ [Hannover, Ende Februar 1703]. [146. 156.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 342. 4o. 2 S. Bibl.verm.

Je me donne l’honneur de vous ecrire ces deux lignes par le R. Pere Vota vous disant que la freule Pelnitz aux frequentes instances de Mr de Querini m’envoya hyer 50 ecus pour la peine de la Pastorale, il ne faudra donc rien dire d’advantage, et faire bon visage. Pour l’autre affaire Mr Attilio a promis de le pousser, nous verrons. Il seroit bien un cas extraordinaire, si S. M. m’oublieroit. m Nous avons des novelles que 18 Francois ont pass´e le Rhin `a Huningen pour se joindre aux Bavarois. 500 Chevaux des Imperiaux sont entr´es dans la Baviere, ils ont enlev´e 800 bestiaux. Les trouppes de Wolfembutel se sont saisies de Goslar. Voyci tout ce que j’ay de noveau. Le Tremblement de terre qui a et´e ` a Rome me fait craindre encore d’autres malheurs. Je voudrois etre inform´e de votre Sant´e, puisque vous ne m’av´es rien mand´e la poste pass´ee. Je suis h...i

1 Fabrice: J. L. von Fabrice; vgl. Grieser, Fabrice, 1956, S. 15 Anm. 3. Zu N. 152: K wurde M. Vota auf seiner R¨ uckreise nach Berlin mitgegeben, die dieser sp¨ atestens am 24. Februar angetreten hatte (vgl. N. 153); daraus sowie aus der Erw¨ ahnung des franz¨ osischen Rhein¨ ubergangs ergibt sich unsere Datierung. Unser St¨ uck kreuzt sich mit einem nicht gefundenen Leibnizbrief vom 27. Februar, auf den N. 164 antwortet. 8 Pastorale: vgl. N. 133. 9 l’autre affaire: Guidis Hoffnung auf eine Belohnung von K¨ onig Friedrich I. f¨ ur seine panegyrischen Schriften zum Kr¨ onungstag (vgl. SV. sowie die vorausgehende Korrespondenz). 9 Mr Attilio: A. Ariosti. 11 pass´ e: am 12. Februar 1703; vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 82. 12 entr´ es: Zu den Ansammlungen von Reichstruppen an den bayrischen Grenzen im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges vgl. Danzer, Feldzug 1703 , 1878, S. 380–383. 14 saisies: Hier handelt es sich vermutlich um ein Ger¨ ucht im Zusammenhang mit der Besetzung Hildesheims durch cellische Truppen; vgl. Schnath, Geschichte, 3, 17 Sant´ e: Zur 1978, S. 564 f. 16 Tremblement: Mitte Januar und am 2./3. Februar; vgl. N. 133. Sorge am hannoverschen Hof um Leibniz’ Gesundheitszustand vgl. z. B. N. 133.

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153. BARTOLOMEO ORTENSIO MAURO AN LEIBNIZ Hannover, 24. Februar 1703. [147. 166.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 619 Bl. 41–42. 1 Bog. 4o. 2 S. auf Bl. 41 ro u. Bl. 42 ro. Eigh. Aufschrift. Siegelrest.

Hr le h2i4 Fevr. 1703.

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Nous partismes de Lutzelb. le 24 d’Aoust, et la Reyne part d’icy aujourdhuy: je n’ay jamais veu plus de tristesse ` a la Cour, j’en ressens ma part: Me l’Elce hier ne se trouvoit pas bien, ce depart n’est pas une medicine pour elle. Je vous ay envoy´e une lettre par Haly, qui est homme fort exact: j’ay donn´e un papier `a la freule de Bernastre pour le R. P. Vota, dont je suis charm´e, il est party et je le regrette fort. J’espere que vous ne tarderez pas ` a revenir, cependant en ayant l’occasion je vous prieray de me mettre quelquefois aux pieds de n[ost]re Auguste Reyne: elle a eu la bont´e de me convier `a Lutzelbourgh, je ne s¸cay si devant ce voyage je ne feray celuy des Champs Elysiens. J’ay ecrit `a Mr Rebeur, je ne s¸cay si Mlle S. Aubin luy a rendu mes l[ett]res. Ne trouvez pas mauvais que je fa¸ce cette replique, ` a Mr le Co. et Me la Comtesse de Dhona mes respects, mes compliments a tous les amys de Berlin et faites moy la justice de me croire h...i ` H. Mauro. A Monsieur Monsieur Leibnitz. pr[esentemen]t `a Berlin.

Zu N. 153: Wir lesen das Tagesdatum unseres St¨ ucks, f¨ ur das auch der 14. in Frage k¨ ame, als 24., da die R¨ uckreise K¨ onigin Sophie Charlottes erst nach dem 23. Februar stattfand (vgl. Berner, Briefwechsel, 1901, S. 32); daf¨ ur spricht auch Mauros Verweis auf den 24. August. K wurde vermutlich vom Gefolge K¨ onigin Sophie Charlottes nach Berlin transportiert. 6 partismes: der Aufbruch Kurf¨ urstin Sophies und ihres Hofstaates von Lietzenburg im Sommer 1702. 7 f. trouvoit . . . bien: Kurf¨ urstin Sophie litt an einer fiebrigen Erk¨ altung; vgl. N. 20. 8 lettre: vermutlich der Brief N. 147, der wohl F. Aly, dem Kammert¨ urken Sophie Charlottes, mitgegeben wurde. 9 papier: nicht ermittelt. 9 freule de Bernastre: eine der Hofdamen Sophie Charlottes. 11 revenir: Leibniz kehrte erst Anfang Juni nach Hannover zur¨ uck. 15 Co.: A. zu Dohna-Schlobitten.

N. 155

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154. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ [Berlin, Ende Februar 1703]. [150. 155.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 497 Bl. 26. 1 S. quer beschrieben.

Ich kan fast nicht gnug dancken daß Sie ohne mein wißen sich so stark interessiret haben. Der H. von Flemming ist gantz vor mir. Aber es haben ihm einige im Kopff gesetzet, ich hatte mich vor einen Agenten vom Konig von Poolen ausgegeben so mehr par raillerie als aus ernst geschehen. habe ich in metaphysica das Ens in potentia et ens [in] actu nicht zu unterscheiden gewust, so bin ich erb¨othig alle straaffe desweegen aus zu stehen. Aber haben Ihr. Excell. so viel unverdiente guutheit vor mir gehabt, so thun sie dieses noch hinzu, daß Sie ihm solches aus dem sinne reeden, oder so er nicht wil daß er per tertium nur vor mich caviret. Denn ich bin ja sonst auff einmahl ruiniret. Ich bin so lang ich lebe h...i

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155. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ [Berlin,] 26. [Februar 1703]. [154. 157.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 497 Bl. 27–28. 1 Bog. 4o. 4 S.

Ich habe die sache weil sie immediate vor den Konig k¨ompt, und das memorial welches de[r] H. Obermarschalk nebst anerbietung vieler andern gnaade zu u ¨bergeeben Zu N. 154: K geh¨ ort in den Kontext von Kortholts Geldaffaire und damit in die Reihe seiner Briefe an Leibniz von Anfang Februar bis in das erste M¨ arzdrittel 1703. Sein Dank f¨ ur Leibniz’ Eintreten d¨ urfte sich weniger auf dessen Anfrage bei Chr. J. Nicolai von Greiffencrantz nach dem Hintergrund der Affaire (vgl. N. 138 und N. 148) als auf eine Interzession in Berlin, vermutlich bei J. H. von Flemming, beziehen. Eine solche kann nicht vor dem 22. Februar stattgefunden haben (vgl. N. 148). Einen terminus ante quem liefert N. 155 vermutlich vom 26. Februar, da Kortholt dort sein angemaßtes Auftreten als Agent Augusts II. von Polen, das er hier bekennt, bereits voraussetzt. Ob unser St¨ uck auf einen (nicht gefundenen) Leibnizbrief antwortet oder sich auf ein Gespr¨ ach bezieht, ist nicht zu ermitteln. 7 f. Ens . . . actu: Thomas von Aquin, Summa Theologiae, Quaest. LXVI, Art. 1. Zu N. 155: Die Datierung von K in den Februar ergibt sich daraus, dass Kortholt Leibniz’ F¨ ursprache bei J. H. von Flemming erbittet, der Berlin Mitte M¨ arz oder kurz danach wieder verließ (vgl. z. B. N. 8). Vermutlich ging unserem St¨ uck ein (nicht gefundener) Leibnizbrief oder ein Gespr¨ ach voran. 16 sache: der von C. S. von Heidekamp gegen Kortholt beim Berliner Kammergericht gef¨ uhrte Prozess wegen dessen unbefugter Einziehung der Schulden Heidekamps bei Chr. J. Nicolai von Greiffencrantz und anschließender Unterschlagung des Geldes; zum Hintergrund vgl. N. 138. 17 Obermarschalk: A. zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein.

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auff sich genommen, ein weenig anders eingerichtet, und bin auff nichts gangen als auff die relaxazion, weil Heidekampff nach Greiffenkrantz nicht befugt weil ich noch nicht h—i, die hsachei auch noch nicht liqvid, mir personal arrest auffzulegen. Werde nun sehen was es werden wird. Was Flemmingen vor hmeinungei m¨ ußen in den Kopff gesetzet sein wird wol von Calumnianten her komme[n] da ich mich nicht verantworten kan und er zu leichtglaubig, weis ich nicht. Es haben sonst des H. von Flemming Excell. mich allein hie auffgehalten. Auff ihre parol promesse zugesaagte pension von 400 thaler, schreiben aus Thoren das ich habe, bin ich hie geblieben. habe die hsacheni zu Wien auffgehalten und bald abgeschrieben. So nun des H. Flem. Hochgr. Excell. mir wolten so gn¨adig sein, so sie mich ja in ihren Diensten nicht brauchen wolten, da ich doch glaube daß sie mich zu allerlei affairen geschickt finden w¨ urden, und sie derer gnug haben, und mich bis Wien helffen. Ich habe ja das meinige und kan es restituieren. hNuri heist es mit der geleegenheit Fronte capillata est. Ich habe schon so manche geleegenheit vorbei streichen laßen. Und gedacht Es kompt wol was beßers. Aber endlich kriegt man dar¨ uber seine Jahre und heist es Piscator ictus sapit. Es ist mir nun alles gleich was mir vor die hand kompt. Es sei was es wolle dabei ich nur meine subsistenz finde. Denn es geth mir wie den Jungfern — wenn sie nicht bei Zeiten zugreiffen so bleiben sie darnach sitzen. Nun eine alte Jungfer wil doch keine gerne heißen, und ohne herren zu sein ist eine ungewiße sache, da man doch darumb sich bewerben mus wenn man noch seine Kreffte und vigveur hat. Ich habe jetz sehr gute adresse mit nach Portugal zu kommen, dazu ich wol lust habe. Denn es ist auch schon auffs tapet geweesen. Es haben Ihr. Mai. die Kaiserin einige sachen von mir gehabt so durch die frauleins da angebracht und mich wol recommendiren. Auch habe ich die Hypecuannam zur rothen ruhr recommendiret, davon die Medici, da nichts gewust. Also wenn des H. Flemmings Excell. nur so viel thate daß er mir vors eerste ein weenig, solte es auch nur unter der hand sein assistierte. Es w¨ urden sich noch wol mehr finden und ich w¨ urde nicht unerkenntlich sein. Ich habe wol geschrieben. Aber er mus auch gantz alarmiret sein. Und das vom agenten ist nicht grundes gnug. So dem so ware so ware es eine faute und ich hatte meine straaffe davor. Man kan doch einen nicht mehr als proportionirlich straaffen. Aber umb einer faute willen die noch nicht ausgemacht eine[n] gar zu abandoniren finde ich nicht raison genug. Und ist doch des H. Flemmings 7 schreiben: nicht ermittelt. J. H. von Flemming hielt sich um die Jahreswende 1702/03 in Thorn auf. 8 Wien: vgl. N. 132, N. 139 u. N. 144. 13 Fronte capillata: vgl. D i s t i c h a Catonis, 2, 26. 15 Piscator . . . sapit: Sprichwort. 21 Kaiserin: Eleonore Magdalene Therese von Pfalz-Neuburg. 27 vom agenten: Anspielung auf Kortholts Anmaßung 23 Hypecuannam: Ipecacuanha; vgl. N. 139. einer Funktion als polnischer Resident, die Flemming zu Ohren gekommen war; vgl. N. 154.

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Excell. nicht irraisonabel auch nicht ingenereus. Also kan ichs gar nicht reimen. Mich zu ruiniren wollen das kan er ja auch mit gutem gewißen uber sein hertz nicht bringen. Es wird ja noch etwas sein das ihm von mir anstehet. Und heist es hsonsti Ubi plura nitent paucis non debemus offendi maculis. Aber ubi etiam tantum pauca nitent, hoc non abjiciendum est totaliter una vice. Wenn Ihr. Excell. mit den H. Obermarschalck bekandt sein, der wird ihnen meinetwegen gerne assistiren. Vor dem wird H. Greiffenkrantz auch respect tragen. Der Man macht sich nun eine blame hiedurch. Und wird doch endlich die waarheit an den tag kommen, welche diese ist. Er wolte gerne mit meinen pfoten als die affe mit der katz die castanien aus dem feuer haben. Er machte keinen staat auff diese schuld. Er hatte das geld schon zu seiner revange an die advocaten destiniret. Er gieng nur alles ein. Abe[r] ich habe ebe[n] alle briefe so genau nicht observiret. Es kaame[n] andre sachen dazu da er auch ein mehrers promittirte. Aber ut et avarus, er wolte darnach gerne umbsatteln. Da hies es mit mir. Wer das creutz hat seegnet sich. Und er verlieret doch dabei nichts. Es haben ihm nur andre leute weis gemacht mein Vater habe mich enterbet, und seind doch noch briefe von meiner von vorigen monat da die mich nur getrostet auff ihren Ende. hAlsoi wird hie wol ein h—i von werde[n], so nur E. Excell die hohe gutheit haben wolte die dealbation meiner persohn per se et alios nur bei H. Flemmings Ex. zu hpronuncireni Ich bin sehr inervirt, so viel muhe ihnen zu machen. Aber es heist cui plurimum debes illi hplusi velle debere. Ich bin h...i d. 26. 156. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 27. Februar 1703. [152. 160.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 164–165. 1 Bog. 4o. 4/5 von Bl. 164 abgeschnitten. 2 1/3 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen.

3 f. Ubi . . . maculis: vgl. Horaz, Epistulae, 3, 3, 351. 8 f. pfoten . . . haben: vgl. J. de La Fontaine, Fables, 9, 17. 12 ut . . . avarus: vgl. das Sprichwort Qui luxuriosus est, necesse est ut et avarus sit. 13 Wer . . . sich: vgl. Wander, Sprichw¨ orter-Lexikon, 2, 1870, Sp. 1610. 15 Vater: Chr. Kortholt. 15 meiner: Gemeint ist wohl Kortholts Mutter Anna Kortholt. 19 cui . . . debere: vgl. Cicero, Epistulae ad familiares, II, 6. Zu N. 156: K kreuzt sich mit einem nicht gefundenen Leibnizbrief ebenfalls vom 27. Februar (erw¨ ahnt in N. 164). Die — vermutlich auf Guidis Wunsch (vgl. S. 248 Z. 5) — herausgeschnittenen Partien unseres St¨ ucks handelten vermutlich von dessen Versuch, vom Berliner Hof eine Belohnung f¨ ur seine panegyrischen Texte zum Jahrestag der preußischen K¨ onigskr¨ onung (vgl. Guidi, SV.) zu erlangen; ahnten Brief. vermutlich handelt es sich bei unserem St¨ uck um den in N. 168 erw¨

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[— — — ] Mr Farinelli a receu un bague de 130 ecus, Madle Hasman pour une Cantata, qui a apport´e de Venise a receu 16 Ducats d’or, et plusieurs autres ont et´e recompens´es genereusement, au moins si on m’auroit envoy´e une Medaille, ci sarebbe stato il decoro. [— — — ] moy la grace de la bruler. S. A. E. Madame l’Electrice est incomod´ee de la fievre tierce, mais cette indisposition ne l’empeche pas de aller ` a table, et de se trover dans l’appartement les jours qu’elle n’a pas la fievre. Elle en a eu deux acces, et je remarquay hier au soir, qu’elle avoit des boutons dans la bouche, qui est un signal, que la mal s’en v`a. Elle me demand`a des vos novelles, dont elle prend beaucoup de part. Dieu nous conserve cette bonne Princesse longtems. Hyer au matin le Prince de Cassell partit d’icy, o` u il[s] ne sont rest´es que Messieurs les Anglois. Monsigneur le Prince Electoral, et Madame la Princesse mangeront dorenavant toujours ` a la Table de S. A. E. On dit que Mr Le LieutenantColonnel (qui sert attuellement S. A.[)], quittera la Guerre, et sera declar´e son Chambellan. Monsr Le Consiller d’Etat d’Els ne se mele que de l’economie du Prince, Mr le jeune Goritz est aussi ` a son service. Il sont a` present 9 heures du matin, j’ay sceu que Madame l’Electrice n’avoit et´e attacqu´e de la fievre, et je veux esperer, que comme la derniere vint `a 7. heures, qu’elle aur` a et´e la derniere, et qu’elle ne reviendr` a plus. Les bonnes novelles de Pologne sont confirm´ees de toutes cot´es. Vous scaur´es que la Chambre haute a declar´e coupables d’haute trahison tout ceux qui entreprendront d’alterer l’acte de la succession, mais aussi qui attenteront `a la vie, ou aux droits de Madame l’Electrice de Brunsvic. L’avancement du Duc d’Ormond `a la

1 Madle Hasman: nicht ermittelt. 6 fievre: vgl. N. 20 u N. 166. 12 partit: vermutlich Erbprinz Friedrich von Hessen-Kassel; vgl. N. 122 sowie Philippi, Landgraf Karl von Hessen-Kassel, 1976, S. 315. 13 Anglois: Zu den englischen Besuchern am hannoverschen Hof vgl. N. 131. 14 LieutenantColonnel: vermutlich R. Chr. von Oeynhausen; vgl. N. 206. 16 d’Els: der Hofmeister Kurprinz Georg Augusts, Ph. A. von u. zu Eltz. 17 Goritz: J. von Schlitz gen. von Goertz. 21 novelles: nicht identifiziert; zu den aktuellen Ereignissen in Polen vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , Febr. 1703, S. 97–104. 22 declar´ e: vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , M¨ arz 1703, S. 106 f. 24 L’avancement: Die Ernennung von James Butler second duke Ormonde, zum Lord Lieutenant von Irland am 5. Februar anstelle des langj¨ ahrigen Tory-F¨ uhrers Laurence Hyde earl of Rochester, stand in Zusammenhang mit dessen Kaltstellung.

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ViceRoyaut´e d’Irlande fait voir que les Principaux Torrys sont desunis. On ne doute pas que Mr d’Opdam ne soit fait Weltmarechal. Il y a qui pretendent que la Cour de Lisbone se ranger`a du cot´e de la France moyennant le Mariage de la Princesse de Portugal avec le Duc de Berry. Du reste je ne scay pas que croire des Imperiaux, c’est `a dire s’ils pourront empecher la conjonction avec les Bavarois. Je suis ` a l’hate, mais avec toute l’extime h...i

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Hannover 27 fevrier 1 7 0 3.

157. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ [Berlin, Ende Februar oder Anfang M¨arz (?) 1703]. [155. 165.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 497 Bl. 22. 1 Bl. 4o, sechseckig beschnitten bzw. abgerissen. 1 S. Eigh. Aufschrift. Siegel.

Ich sende Ihr. Excell. noch etwas hiebei das entweeder ihre hasservationi und correction, oder vitale abolition erwartet, und dann allein verendiget. olim war des H. von Flemmings Excell. noch liebhaber von diesen sachen. Ob man es ihm zustellen oder dadurch occasion nehmen wolle steth in E. Excell. gutd¨ uncken und sapientiori judicio. Wo mir die Gurgel nicht zugeschn¨ uret wird, so mag ich mir aus dem Carcere ein Mausolaeum hentamireni, und mirs was ich andre gelehret, all unser vergn¨ ugen sei inwendig in uns selbst und konne kein eedel gem¨ uth gefangen gehalten werden, nun auch in praxi erweisen. Aber der leib wil auch das seinige haben. 2 d’Opdam: J. van Wassenaer heer van Obdam. Generalfeldmarschall der Generalstaaten wurde H. von Nassau-Ouverkerk. 3 se ranger` a: Es handelt sich um ein unzutreffendes Ger¨ ucht; tats¨ achlich bahnte sich der Beitritt Portugals zur Großen Allianz an, der im Mai 1703 unterzeichnet wurde. 4 Mariage: Eine Verm¨ ahlung des zweiten Enkels K¨ onig Ludwigs XIV., Karl duc de Berry, mit einer portugiesischen Prinzessin (gemeint ist vermutlich Therese) kam nicht zustande. 5 f. empecher la conjonction: Zu der bef¨ urchteten Vereinigung der franz¨ osischen mit den bayrischen Truppen kam es im Mai 1703. Zu N. 157: Anhaltspunkt f¨ ur die Datierung von K mit der nicht identifizierten Beilage k¨ onnte Kortholts Haft infolge seiner Veruntreuung von Geldern Chr. J. Nicolais von Greiffencrantz sein, wenn man Z. 16 und Z. 18 nicht nur metaphorisch verstehen will. Da am 7. M¨ arz bereits von einer bevorstehenden uckes vorher an. Eine weitere Freilassung die Rede ist (vgl. N. 165), setzen wir die Datierung unseres St¨ Eingrenzung k¨ onnte N. 155 vom 26. Februar liefern, aus der die Distanzierung J. H. von Flemmings von Kortholt evident wird (vgl. Z. 13–15).

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A Son Excellence Msgr. le Conseiller priv´e de justice de Leibniz treshumblemen ` a son logis.

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158. JOHANN ULRICH KRAUS AN LEIBNIZ ODER JOHANN GEORG ECKHART Augsburg, 1. M¨ arz 1703. [269.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 502 Bl. 6. 4o. 1 S.

HochEhrw¨ urdtiger und Hochgel¨ ahrter Herr.

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Hierbey sendte ich Eine Prob von denen Chur F¨ urstl. Durchl. Medalien; Habe vermeinet Ehendt darmit fertig zu werdten, allein es ist eine verborgene M¨ uhe darinen, an denen zwey andtern habe ich schon auch angefangen, will sehen das auch baldt zum Endt kommen, in der Ersten Tabel. fehlt noch eine Medalien. Hoffe sie werdte auch baldt folgen, was weiter darmit zu thun vor fellt erwarte ich mit Erstem, Dise baydte abtr¨ uckh, ist einer auff Median. der andtr auff Regal. darmit man wegen des Truckhens Ordere ertheilt kan werdten. Indessen nebenst G¨ ottlicher Gnadten Empfehlung verbleibe ich Ihro HochEhrW¨ urdten Augspurg d. 1. Martius Aus 1703.

Dienst Willigster diener Johann Ulrich Kraus.

2 logis: Leibniz logierte bei dem Wirt J. Vincent in der Br¨ uderstraße. Zu N. 158: K mit zwei Probeabdrucken als Beilage steht in Verbindung mit Kraus’ Arbeiten am Gedenkband M o n u m e n t u m Gloriae Ernesti Augusti unter Leibniz’ Anweisung. In der Vergangenheit war die Korrespondenz dazu teilweise von J. G. Eckhart gef¨ uhrt worden (vgl. I, 19 N. 100 Erl.); m¨ oglicherweise war er, zur Zeit nicht in Leibniz’ Diensten, eigentlich als Adressat gedacht (vgl. auch die unterschiedlichen Anreden in unserem St¨ uck bzw. N. 269). Der nicht gefundene Antwortbrief enthielt Korrekturanweisungen, auf die Kraus in N. 269 eingeht. 8 Medalien: Zu den von Kraus u. a. geschaffenen drei Tafeln mit Abbildungen von Medaillen und M¨ unzen auf die Herrschaft Ernst Augusts und zu seinem Gedenken vgl. I, 19 N. 20 mit Erl.

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159. OTTO SPERLING AN LEIBNIZ Kopenhagen, 3. M¨ arz 1703. [119.]

¨ Uberlieferung: K 1 Konzept (?): Kopenhagen Kongelige Bibliotek GKS II Nr. 234. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen und Erg¨ anzungen. Leichte Textabweichungen und Verk¨ urzungen gegen¨ uber K 2. A Abschrift (?) nach K 1 von Sperlings Hand: Ebd. NKS 2123 4o II. Nr. 234. 3 S. K 2 Abfertigung: LBr. 884 Bl. 8–11. 2 Bog. 4o. 7 S. Auf Bl. 8 ro oben neben der Anrede zwei Bleistiftstriche. Bibl.verm. (Unsere Druckvorlage.)

PerIllustris et Excellentissime Vir. Quas Berolino ad me dederas a. d. XXVII. Januar. ante paucos dies traditae fuerunt. Gratissimae fuerunt non uno nomine; et quidem illo praecipue, quod tanto studio incumbas rei literariae juvandae. Deus Te, Vir Amplissime, nobis sospitem diu servet: his imprimis temporibus, quando literae bonae contemtui sunt, et obsolescunt fere, ut multis nihil magis barbarum sit, quam literatum esse. Vere scribis Septentrionis monumenta magno cum judicio legi debere, sunt enim inter illa non minus fabulosa, quam sunt Herodoti, Patris Historiarum; illudque commune habent cum plerisque priscis, qui fabulas veris intermiscuerunt toto horreo, quum non aliter tunc fieret Historia, nec aliter scribi posset, postquam fabulis omnes relationes interpolatas accipiebant. Sunt tamen Septentrionalibus etiam purgatissimae historiae, et judiciosissime, ac cum veritate infucata scriptae, prout nuper Thormodus Torfaeus in serie sua Regum Daniae doctissime prodidit, et quibus credi possit, quibus vero secus, commonstravit. Nec Saxonem excuso Grammaticum, quoniam ipse se excusat, variisque operis sui locis aperte profitetur se illis non credere quae scribit, referenda tamen esse, quod sic antiquitas retulerit.

Zu N. 159: K 2 antwortet auf N. 119. Eine Antwort wurde nicht gefunden. Der n¨ achste u ¨berlieferte Brief der Korrespondenz (Sperling an Leibniz) datiert vom 21. August 1705 (LBr. 884 Bl. 12–13). 17 Herodoti: Herodot, . 22 Thormodus Torfaeus: vgl. SV. 24 Saxonem: Saxo Grammaticus (vgl. SV.).


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De Asis seu Asiaticis, qui cum Othino Septentrionalia occuparint LXX. ante Christum annis, ita omnes consentiunt Historici illorum, ut fas non sit de illis amplius dubitare. De Runographia illorum optime mones ante Carolinum aevum vix aliquid in ea constare: imo mea fide, si uti illa non grave Tibi foret, Vir Illustris, haud ante Christianam religionem in Dania coeterisque Septentrionalibus regnis solide fundatam ullam fuisse tuto plane contendo; qualis scilicet nunc est in tot Inscriptionibus, quae per totum Septentrionem, h. e. in Dania, Norvegia et Suecia (excipiuntur enim Islandia, et Faeroenses insulae, ubi nullae) tanto numero reperiuntur. Atque omnes illae tamen plebejae sunt, nec ab ullo Rege, vel Nobilibus magnatibus invenio positas. Certum tamen est Runicas illas literas, aut notas, aut siglas paganis horum locorum dudum in usu fuisse, et cum Normannis etiam in Normandiam Francicam translatas, prout monuit Rabanus Maurus apud Goldastum in Allemannicis. At non propter scriptionem apud paganos in usu fuerunt, quum illi nihil scriberent, sed ad magiam suam exercendam, notas has in cantando, et diabolicis praestigiis efficacissimas, ut putabant, reddendo, talibus Runis usi sunt, unam vel alteram lignis, gladiis, hastis insculpendo, pro amoribus et odiis excitandis, seque contra hostes muniendis. Quae quoniam cum Christiana religione introducta abrogari debuerunt et exstirpari, vulgus autem eripi sibi aegre pateretur, hinc plebis causa coacti sunt Runas illas ipsis relinquere, sed in Alphabetum redactas, ut illis scriberent quantum vellent, et cum opus esse ducerent: hasque Runas consecratas vocabant, ut distinguerentur ab illis magicis, quibus nunquam scriptio quaedam continua vel Alphabetica paganis est peracta, sed notatio quaedam sola, in combinationibus suis et perplexitatibus magicis artibus inserviens. Quae deinde de Scandinaviae incolis Finno-Lapponibus subjungis, ea ex nullo antiquo Scriptore probari unquam poterunt. Finni enim nunquam olim Scandinaviam habitarunt, multo minus Lappones, qui ex Finnis exierunt; prout Schefferus in sua Lapponia diserte docuit. Finni autem habitarunt in alio tractu a Scandinavia multis maribus discreto, ubi nunc est Finlandia, Sinus Botnicus et Sinus Finnicus, quam etiam insulam veteres existimarunt, et Plinio dicitur Eningia, ubi alii Fenningiam legi volunt. Haec ex 1 cum Othino: Zu der auf Snorri Sturluson, Heims kringla, beruhenden These, Odin sei ein m¨ achtiger K¨ onig der Vorzeit gewesen, der aus Asien nach Skandinavien eingewandert sei, vgl. I, 13 N. 225 ¨ (hier S. 341) mit Erl. 2 consentiunt Historici: vgl. den Uberblick J. Peringskiølds in seiner Ausgabe von J. D. Cochlaeus, Vita Theoderici, 1699, S. 625. 11 Rabanus Maurus: Hrabanus Maurus, De inventione linguarum ab Hebraea usque ad Theodiscam, et notis antiquis. Gedr. in: M. Goldast [Hrsg.], Alamannicarum rerum scriptores aliquot vetusti, Bd 2, 1606, S. 91–93, hier S. 92. 25 Schefferus: ¨ J. Scheffer, Lapponia, 1673, S. 42–56. 28 Plinio: Plinius d. Alt., Naturalis historia, IV, 13, 96.

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antiquis Scriptoribus nobis de illis terris constant. Jam vero quod Germanos in Scandinaviam, a meridionali Balthici maris littore venientes, in Scandinaviam colonias deduxisse, et sedes ibi fixisse, pulsis Finno-Lapponibus, ad interiora ulterius asseris, neque illud probari poterit. Ne semel quidem hoc Germani tentarunt, sed contra omnes historiae occlamant, tam Septentrionalium quam externorum, quae Vandalos, Danos, Longobardos, Herulos, Rugios, Burgundos, Gothos, ex Septentrione littora Germaniae insedisse ante Christum natum, et post Othini adventum, cujus dominio se subjicere nolebant, ideoque emigrationes illas suscepisse certum est. Neque tamen una migratione haec credas effecta, sed pluribus, aliis serius, aliis statim migrantibus. Haec antiquitati, ejusque Scriptorib. convenire senties, coetera recentiorum figmenta cerebrina sunt, quibus fides nulla debetur. Adamum Bremensem cum notis perpetuis meis ante biennium Amstelodamum misi, ut ibi, prout promiserant, ederetur duobus tomis in 4to. Librum 4tum hic mecum retinui, ut viderem prius, quomodo promissis satisfacerent. Sed nondum manum admoverunt scelestae fidei typographi, nunc has, nunc alias excusatiunculas afferentes. Et quoniam in Germania promtius illud opus lucem visurum promiserunt docti Viri, revocavi jam saepius quae miseram: sed nec illud hactenus impetrare potui: adeo me ludos faciunt egregie. Suades etiam, ut alia mea praelo submittam: Quam vellem ego; multa namque parata habeo. Sed hic loci, quod Tibi dictum sit, oleum et operam perdimus: nullum enim typographum, nullum Maecenatem reperimus, qui talia curet. Ego sumtibus illis impar sum. Blattis igitur et tineis scripta sint: ea jam aetas mihi est, illud senium et frigus, ut non curem. Praesidem Te Societati Antiquariae Berolinensi Regiae factum percepi; ex animo gratulor: nullum Te Illustriorem et diligentiorem aut doctiorem praeficere poterant. Si qua re Societatem illam Illustrem juvare potero, me paratissimum invenies. Legisti, nisi fallor, quae de nummo tetradrachmo argenteo Constantini M. rarissimo, et forte unico in thesauris nummariis, quos hactenus videre mihi licuit, disserui in Novis literariis Lubecensibus, quem Vestrae Societati offero, non solum, sed et aliam meam supellec¨ 1 Scriptoribus: Gemeint ist wohl vor allem Plinius d. Alt, a. a. O. 12 Adamum Bremensem: Zu Sperlings in Arbeit befindlicher Ausgabe von Adam von Bremen, Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum vgl. N. 119. 20 oleum . . . perdimus: vgl. Plautus, Poenulus, I, 2, 332. 22 Blattis . . . tineis: vgl. Martial, Epigrammata, 6, 61, 7 u. 14, 37, 2. 28 disserui: O. Sperling, De nummo Constantini maximi rarissimo Dissertatiuncula, in: N o v a Literaria Maris Balthici et Septentrionis, Mai 1700, S. 148–152 u. Juni 1700, S. 177–183.

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tilem curiosiorem, quam magnis sumtibus collegi in itineribus meis, dum , et a Parente etiam meo b. m. hereditariam possideo, Numismata, Naturalia, Artificialia, Conchylia, omnis generis rariora, quae ad museum curiosum pertinere possunt, illic reperiuntur. Et quamvis sciam Potentissimi Regis Prussiae musea jam talibus repleta, ut noctuas Athenas mittam, offero illa tamen aequo pretio; quum non dubitem in illis reperiri quaedam, quae tanti Regis musea adhuc ornare possint, et quoniam ego herede his digno careo, et jam Septuagenarius ego sarcinas colligo excessurus, nec illis, ut prius, animum amplius adverto. Valeas diutissime, meque commendatum Tibi esse sinas, qui nunquam non ero Excellentissime Vir

Illustris Tui nominis perpetuus cultor

O. Sperling.

Dabam Hafniae a. d. III. Martii Ann. MDCCIII. Dn. Waltherus noster convalescit, et si quas ad me dabis, ille reddet optime.

160. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 4. M¨ arz 1703. [156. 161.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 168. 8o. 2 S. Ohne Anrede. Bibl.verm.

J’appris venderdi le soir, que le Roy de Prusse ayant demand´e des Trouppes au Duc de Saxe Gotha, il les avoit fait parter par Elbinrode de cet etat, sans en avoir demand´e la permission, et m´eme elles y avoient commis queque desordre, de sorte que je voy verifi´e ce que vous m’av´es dit dans votre precedente, et plut `a Dieu, que ces demel´ees n’ayent de la suite. Nos Anglois sont tous ` a Cell hormis Mylord Ustio. Madame l’Electrice s’est tout ` a fait delivr´e de la fievre, mais elle a un grand rhume, et un thousse qui l’incomode. 5 noctuas Athenas: vgl. M. Tullius Cicero, Epistulae ad Quintum fratrem, 2, 15, 4. 12 Dn. Waltherus: F. von Walter; vgl. auch N. 270. Zu N. 160: K , die Antwort auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief (vgl. Z. 19), hatte vermut16 venderdi: 2. M¨ arz. 19 precedente: nicht gefunden; vielleicht der in lich N. 161 als Beilage. N. 19 erw¨ ahnte Leibnizbrief. 21 ` a Cell: vgl. N. 166. 21 Mylord Ustio: vermutlich H. Bentinck viscount Woodstock; vgl. N. 133 u. N. 166. 22 fievre: vgl. N. 156 u. N. 20.

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Demain il y aura un grand Bal ` a Cell chez Made les Cours, Made de Kilmansegg est la Reine du bal, et plusieurs frailes d’Hannover y iront. Mr Cuningham ne m’a pas envoy´e la lettre, comme il m’avoit intentionn´e. Vous pouri´es bruler l’autre papier et dire seulement `a Mr Attilio ce que vous juger´es a propos. ` Mr de Querini vous fait ses Complimens, et il est fort scandaliz´e de la procedure du dit Mr Attilio, le quel ser` a bien de menager jusqu’`a la fin de l’affaire. Mr l’Abbe Steffani est de retour de Dusseldorff, Je suis h...i

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Hanr ce 4. Mars 1 7 0 3 J’ecris ` a Mr Eccard, que vous luy envoyer´es mes novelles, dont je vous en prie.

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¨ LEIBNIZ UND FUR ¨ JOHANN GEORG 161. GIUSEPPE GUIDI FUR ECKHART (?) Hannover, 4. M¨ arz 1703. [160. 164.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 166–167. 1 Bl. 4o. 3 1/2 S. Ohne Anrede und Unterschrift.

Hannover ce 4 Mars 1703 Toutes les Lettres nous marquent que Mr Willars a pass´e le Rhin avec

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Francois,

1 Bal: vgl. N. 166. 1 Made les Cours: H. de Lescours. 3 lettre: vermutlich N. 163; vgl. N. 164. 4 papier: Gemeint ist vermutlich N. 156 (vgl. dort S. 248 Z. 5). 6 procedure: vermutlich Anspielung auf Guidis umstrittene Druckkostenrechnung. 7 Attilio: A. Ariosti. 8 de Dusseldorff: A. Steffani wechselte 1703 nach D¨ usseldorf in den Dienst Kurf¨ urst Johann Wilhelms von Pfalz-Neuburg; vgl. auch N. 166. 10 mes novelles: vgl. N. 164. Zu N. 161: Mit K liegt vermutlich einer der Berichte vor, die Guidi seinen politischen Korrespondenten zugehen ließ, in Erwartung von Nachrichten von deren Wirkungsort. F¨ ur Sachsen/Polen war f¨ ur diese Rolle J. G. Eckhart vorgesehen, mit Leibniz als Vermittler (vgl. N. 164). Aufgrund des Datums nehmen wir an, dass es sich bei unserem St¨ uck um eine zur Weitergabe an Eckhart bestimmte Beilage zu N. 160 handelt, die diesem aber vermutlich erst nach seiner Abreise aus Berlin — vielleicht als Beilage zu N. 27 — zuging. 17 Lettres: nicht ermittelt; wohl im Rahmen von Guidis politischer Nachrichtenb¨ orse. 17 Willars: L. H. duc de Villars. 17 pass´ e le Rhin: am 14. Februar bei H¨ uningen.

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pour tenter la pretendue conjonction avec les Bavarois. le Prince de Baden, qui n’a que m e dans un Chateau avec 15 hommes, ne se croyant capable de leur resister, s’est retir´ son Monde, o` u il se retranche, et comme le dit Chateau est plac´e dans un assiette ass´es commode, il pretend de puvoir empecher aux Francois la dite conjonction. Mais quequn craint, qu’elle ser` a inevitable, parceque les Francois pourroient bien passer du cot´e des Suisses. On dit que l’Electeur de Baviere ayant appris la marche du General Schlik, qui m m a 22 hommes, et ` a qui se doit joindre le Comte de Styrum avec 20 , a pris le parti de marcher ` a lui, et lui livrer bataille, sachant put etre que hors des Saxons, ce General n’a ees. Il faudr` a attendre l’issue de cette operation, et on v`a bien que m 4 des trouppes regl´ m d’accord, que l’Empereur et l’Electeur jouent leur reste. 20 Hollandois, qu’on a detach´e de la Moselle, se seront joints ` a l’heure qu’il est `a l’Arm´ee Imperiale. Comme l’Electeur avoit demand´e au Roy de France un des ses Generaux, et que Sa Mt´e tres Chretienne lui envoyoit le Ms de Barbesyeux, cettuici quoyque travesti, a et´e reconnu apres qu’il avoit travers´e le lac de Costance ayant et´e fait prisonniers par les Imperiaux. On n’entend pas parler du Prince Eugene, c’est costant qu’on ne purr`a pas songer a l’Italie, jusqu’` ` a que les troubles de Baviere soyent appais´es. Les Francois apres avoir fait plusieurs tentatifs sur Bercello, ayant connu l’impossibilit´e de le puvoir reduire dans cette saison, s’en retirerent, ayant chang´e le Siege en un blocque; ils ne laissent neanmoins d’y jetter des bombes d’un tems `a l’autre. Ils meditoient de tirer une ligne de Mantove jusqu’au Final de Modene, pour renfermer les Imperiaux en Revere, et en Ostiglia, mais jusqu’` a present ne l’ont pas effectu´ee par precaution des Imperiaux, les quels, quand ils ne puissent recevoir des secours, feront ass´es, s’ils purront mantenir les dits postes, qui presentement occupent jusqu’`a l’overture de la Campagne,

1 conjonction: Die Vereinigung von bayrischen und franz¨ osischen Truppen fand erst Anfang Mai statt. 2 Chateau: Gemeint ist vermutlich Rastatt als Teil der von Markgraf Ludwig Wilhelm I. von ¨ Baden-Baden aufgebauten Stollhofener Linie. 5 passer: Gemeint ist vermutlich die zur Uberlegung anstehende Route von Basel den Hochrhein entlang und u ¨ber das Wutach-Tal nach Donaueschingen; vgl. Danzer, Feldzug 1703 , 1878, S. 300. 6 marche: der Einbruch der kaiserlichen Truppen in die Oberpfalz Anfang M¨ arz. 7 joindre: Diese Vereinigung wurde mehrfach verhindert; vgl. z. B. N. 244. 8 hors des Saxons: das s¨ achsische Hilfskontingent unter M. J. von der Schulenburg. 13 envoyoit: Der als Bauer verkleidete franz¨ osische Generalleutnant marquis de Barb´ esi` eres war auf dem Weg zu Kurf¨ urst Max Emanuel von Bayern im Februar bei Bregenz gefangen genommen worden; vgl. M e r c u r e historique, 34, M¨ arz 1703, S. 259. 15 Prince Eugene: von Savoyen. 17 tentatifs: Die mit kaiserlichen Truppen besetzte modenesische Festung Brescello (Bersello) ergab sich erst im Sommer 1703 der franz¨ osischen 20 Final de Modene: Finale Emilia (Modena) war mit kaiserlichen Belagerung; vgl. N. 224 Erl. Regimentern besetzt. 21 Revere . . . Ostiglia: Br¨ uckenk¨ opfe der kaiserlichen Truppen am Po.

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alors il y aur` a beaucoup ` a craindre ` a cause des renforts qu’on envoye attuellement aux Francois. Mantove respire un peu, quoyque les Hussars l’inquietent avec leurs Courses frequentes. c’est tout ce qu’on m’a mand´e dernierement de Verone, qui est le lieu plus proche aux Arm´ees, les autres novelles de Venise etant fort steriles. Les Anglois considerent comme un’affaire de grande consequence, que la Chambre haute ait declar´e coupables de haute trahison ceux qui entreprendront d’alterer l’acte de Succession, mais aussi, qui attenteront `a la vie, et aux droits de Madame l’Electrice de Brunsvic. L’avancement du Duc d’Ormond `a la ViceRoyaute d’Irlande, fait juger que les principaux Thorrys sont desunis, et qu’on verr`a bien tost quequns abbandonner le parti; et on pretend que le Comte de Rochester seroit degout´e de la Cour, et que dans cette veue il se seroit demis de la dite ViceRoyaut´e. Il sembloit `a Londre que depuis ce changement les Interets du Duc de Marlboroug (qui a mari´e une des ses filles `a Mylord Bridgewater) soyent augment´ees, et on veut m´eme que cel`a auroit fait queque impression dans la maison des Communes, dont environs une centaine de leurs membres se seroient tourn´es du cot´e de la moderation. On pressoit `a Londre toujours des matelots pour la Flotte, et les equipages avancoient par tout le Royaume avec ardeur, mais on ne scavoit pas encore au vray de quelle maniere tant de Vaissaux seroient employ´es. Les Lettres de l’Haye du 27 Fevrier, marquent que celles d’Espagne asseurent, que le Roy Catholique a declar´e, qu’il estoit oblig´e de se servir de l’argent tir´e des gallions, ne sachant pas d’autre moyen o` u prendre les neuf millions d’ecus, dont il a besoin pour la Campagne prochaine, et quoyque les principaux Conseils ne craignent point de dire que le Roy ne sauroit en co[n]science disposer ainsi du bien autrui, on ne doute point, qu’on ne suive en cel` a la maxime de la France, dont les Creatures dirigent tout `a Madrid, queques plaintes que les Espagnols en fassent. Les novelles de Lisbonne font ass´es connoitre qu’il n’y a rien de bon `a attendre de cette Cour l` a dont la plus part des Ministres sont Creatures de la France, ou d’ailleurs,

6 declar´ e: vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , M¨ arz 1703, S. 106 f. 8 L’avancement: am 5. Februar. 11 demis: L. Hyde earl of Rochester, der bei K¨ onigin Anna in Ungnade gefallen war, hatte sich im Februar 1703 von der Funktion des Lord Lieutenants von Irland zur¨ uckgezogen. 12 filles: Elizabeth Churchill, die Anfang Februar 1703 S. Egerton forth earl of Bridgewater heiratete. 16 Flotte: wohl in Zusammenhang mit dem (zun¨ achst zur¨ uckgestellten) Plan, englische und holl¨ andische Kriegsschiffe nach Portugal zu schicken, vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , a. a. O., S. 107 f. 18 Lettres: nicht ermittelt. 19 tir´ e des gallions: vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , a. a. O., S. 100. 25 rien de bon: Zu Ger¨ uchten u ¨ber einen m¨ oglichen R¨ uckzug Portugals von den B¨ undnisverhandlungen mit der Großen Allianz vgl. ebd. S. 100 f.

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on n’est pas en etat de rien operer de considerable, aussi ne songe[-]t’on plus en Hollande ` a envoyer des trouppes dans ce pays l`a. Celles que le Baron de Heyde a men´e en Angleterre devant revenir icy aux premiers jours; mais quequns des Vaissaux de cette Escadre joindront les Anglois pour fermer le Port de Dunkerque, et les autres resteront en Angleterre, pour etre employ´es dans les occasions. Il est etonnant que tant des puissances etrangeres aillent chercher de l’argent en m Hollande, n’y ayant jusqu’` a l’Angleterre, qui y eut emprunter 200 livres sterlins, et demande la garantie de l’etat ` a cet effect afin d’employer cette somme `a payer les Trouppes Angloises.

162. MATTHIAS JOHANN VON DER SCHULENBURG AN LEIBNIZ Riedt, 4. M¨ arz [1703]. [107. 244.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 840 Bl. 339. 1/2 Bl. 4o. 2 S. Ohne Anrede.

Riedt en Baviere ce 4me de mart.

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Il y a quelque temp que je n’ai pas eu le plaisir de recevoir de vos nouvelles ni de vos lettres. ma soeur vous communiquera ce qui se passe en ce pais ici, je vous ecriray plus amplement, en attandant je vous [prie] de me dire vos santimants en Amis, sur les pretansions que les imperiaux font, qui sont que touts les officiers de l’Empereur doivent commander les officiers des autres Princes d’Allemagne et par consequant ceux du Roy de Pologne mon Maitre, et que pis est quand meme ceuxci seroient de beaucoup plus anciens, ainsi je commande presentement les Generaux Majors de l’Empereur, si demain un d’Eux est fait feldt Marechal Lieutenant, il me commande, vous avouerez que c’est bien dur, j’ai eu autre fois des disputes avec Eux, et je s¸cai ce qui a et´e regl´e par l’Empire,

2 Celles: ein den Seem¨ achten subsidi¨ ar zur Verf¨ ugung gestelltes brandenburg-preußisches Infanterieregiment. Zu N. 162: Beilage war der S. 259 Z. 1 angesprochene Text (nicht identifiziert). Leibniz’ Antwort erfolgte vermutlich in einem Brief vom 14. April sowie bereits in einem diesem vorangehenden Brief, der Schulenburg nicht erreichte; beide nicht gefundenen Briefe sind in N. 244 erw¨ ahnt. 15 soeur: E. M. von 17 pretansions: Klagen hier¨ uber ¨ außert Schulenburg sp¨ ater der Schulenburg. Vgl. dagegen N. 191. auch in seinem Leibniz zug¨ anglich gemachten offiziellen Bericht vom 12. Mai; vgl. N. 244 Erl. 18 commander: im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges.

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mais voyez ce que nos maitres muets disent l`a dessus, alleguez contre cela tout ce qui se peut de plus subtil et envoyez moy au plustost je vous en prie. la poste part, je suis tres sincerement h...i

163. ALEXANDER CUNNINGHAM AN LEIBNIZ [Hannover, 6. M¨ arz 1703]. [143. 182.]

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¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 186 Bl. 13–14. 1 Bog. 4o. 2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Eigh. Aufschr. Siegel. Postverm. Bibl.verm.

Je vous remercie de l’honnur que vous m’avez fait par la votre come aussi pour toutes vos civiliti´es envers moy j’ay et´e fort solicitux pour l’etat de votre sant´e et rien me console davantage que ` a savoir que vous et´e en etat de soutenir le voyage et que vous serez bien tot icy je me fit l’honnur de aller voir L’Abb´e Molanus et je le trouve deign de votre amiti´e et du Caracter que vous lui donez[,] il est person d’un merit solid et perfaitement un honnest homme j’esteem sa bibliotheque et sa medailiere entre les delices d’Hanover et si j’avois long temps `a rester icy je voudrois tacher de profiter de sa conversation. Madam L’Electrice grace `a Dieu se port baucoup mieu et n’a poin eu le moindre resentiment de la fievre depuis quelques jours, le touce l’incomode un pu et elle a fort bien fait aujourdui de se tenir dans sa Chambre. Monsr Cresset se port encor fort mal et My Ld Winselsea est ` a Zell, il doivt retourner ce soir et il a la liberti´e de la

Zu N. 163: K , die Antwort auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief aus Berlin wohl von Ende Februar (erw¨ ahnt in N. 164; vermutlich die Antwort auf N. 134 u. N. 143; vgl. auch Z. 15 Erl.), ist aufgrund der Angaben zur R¨ uckkehr der englischen Hofg¨ aste aus Celle (vgl. Z. 18) auf den 6. M¨ arz zu datieren. K erreichte Leibniz vermutlich als Beischluss zu N. 164. 9 sant´ e: zu Leibniz’ im Winter/Fr¨ uhjahr 1703 verschiedentlich auftretenden Beinbeschwerden vgl. etwa die Korrespondenzen mit Chuno, Knoche, Kurf¨ urstin Sophie, Ilgen seit Jahresanfang. 10 voyage: Leibniz’ (f¨ ur Januar geplante) Abreise von Berlin fand erst Ende Mai statt. 15 port . . . mieu: Kurf¨ urstin Sophie litt an einer fieberhaften Erk¨ altung urfte sich auf seine Information (vgl. N. 20). Leibniz’ zu vermutende Anfrage dazu bei Cunningham d¨ bereits durch N. 153 beziehen. 17 f. port . . . mal: zu J. Cressetts schwerem Nervenzusammenbruch vgl. Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 51, sowie N. 15. 18 retourner: am 6. M¨ arz 1703; vgl. N. 166.

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Reine de revenir en Angliterre mais il put rester jusques `a ce qu’un auter sera nomm´e, les Seigniurs en Angliterre temoignent lure affection pour la sucession de cette maison de plus en plus, et ils ont ajout´e un article par la quele tous ceux qui voulerent tacher `a changer la dit nomination seront coupables de crime d’haut trahison, My Ld Rochester n’entret pas ` apresent dans les affaires et plusieurs enter les Communes en temoignent leur resentiment, mais ces sont les Zel´es ou les Brulons qui ne seront pas en grand nombre quand ils auront lev´e la masque, My Ld Sumers parmi les signieurs soutient l’intr`et et la droit de cette maison et je serois fort fach´e qu’il vint icy come ses enimies ont repandu le bruit ` a Londre, il n’y a jammais pens´e il scait o` u hil luyi faut agir, et ce n[’]e[st] pas icy o` u les Anglois doivent songer ` a rester apres d’avoir receue les honnurs ordinaires della Cour, quant ` a moy j’ay honte d’avoir et´e icy si long temps et d’abord que mes lettres seront venu je me retirerois en Angliterre o` u je me pu rendre plus util, plust `a dieu que je puiss inspir´e les memes bon sentiments aux autres que j’ay de Madam l’Electrice l’Electur le prince et la princess. je vous prie de prendre la liberti´e de consuler le prince Elr de songer a aprendre bien la langue Anglois. il y a des nouvelles difficult´es qui survient `a ses rivaux, ` en cas que vous ecrivez au Chevalier Fontain je ne voudrois pas que vous me nomez `a luy, il est june et il chercht ` a fair sa fortune par tout, je le connue `a Rome, et il depend de Dean de Christ Church en Oxford qui a des autres vues de moy. Je vous prie Monsr de ne pas oblier de marquer dans votre primire `a moy o` u je pu trouver voter taile-douxe, on m’a ecrit de Londre pour l’avoir, je ne saurois pas mieux marquer le Respect qu j’ay pour eux, que en leur faisant la tenir. Je suis h...i

1 rester: Ch. Finch earl of Winchilsea verließ Hannover in der zweiten M¨ arzh¨ alfte 1703 (vgl. N. 29). ¨ Zeitweilig war seine Ubernahme von Cressetts Gesandtent¨ atigkeit wegen dessen schwankenden Gesundheitszustandes erwogen worden; vgl. Schnath, a. a. O., 4, 1982, S. 52. 1 sera nomm´ e: Cressetts Nachfolger, E. Poley, wurde erst im Sommer ernannt und traf im Dezember 1703 in Hannover ein. 3 article: Beschluss vom 4. Februar 1703. 4 Rochester: L. Hyde earl of Rochester, der bei K¨ onigin Anne in Ungnade gefallen war; vielleicht Anspielung auf seinen R¨ uckzug von der Funktion des Lord Lieutenants von Irland im Februar 1703. 7 Sumers: der fr¨ uhere Lordkanzler J. Somers; zu seiner Unterst¨ utzung der hannoverschen Thronfolge vgl. Schnath, a. a. O., S. 73 u. passim. 8 enimies: Seit Ende der 90er Jahre hatte Somers sich vielf¨ altigen Angriffen vor allem von Seiten der Tories und des ¨ Unterhauses ausgesetzt gesehen, die zu seiner Entlassung aus den o ¨ffentlichen Amtern f¨ uhrten. 15 difficult´ es: vermutlich im Zusammenhang von Erw¨ agungen u ¨ber einen Englandbesuch des Kurprinzen Georg August, der Gegenstand der ¨ offentlichen Diskussion in England war. 18 Dean: H. Aldrich; Anspielung vermutlich auf dessen Tory-Orientierung. 20 ecrit: vgl. auch N. 143.

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A Monsieur Monsr Leibniz Conseilier priv´e de son Altess L’Electur de Brunswik `a Berline1.

164. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ [Hannover, 6. (?) M¨ arz 1703]. [161. 168.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 327–328. 1 Bog. 8o. 4 S. Ohne Schlusskurialien und Unterschrift. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Bibl.verm.

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`a part J’apprens par la votre du 27 ce qui s’est pass´e touchant mon affaire sans m’en etonner, parceque je conue bien notre Amy, et j’avois deja dit du commencement `a Monsr de Querini que je m’etois appercu, que on me vendoit. Lors que Mr Att[ili]o arriv`a icy m’apport` a les comtes de l’Imprimeur du Papier, et de la li[g]ature des exemplaires, je lui demand´e de me les lire, il dit, qu’il ne les entendoit pas, mais d’abord il mit les papiers dans sa Secretaire, ce qu’il me fit beaucoup soubsonner, neantmoins ne puvant m’immaginer qu’on me vouloit jouer, je me contentai de prendre 44 ecus de 102, qu’il me devoit payer sans me plaindre d’autre chose, que de la depense trop grande qu’il avoit fait. Mais je voy ` a present, qu’il a voulu marchander sur mon argent, et faire un traffique

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hVon a n d e r e r Hand:i franco Halberstadt

Zu N. 164: K , die Antwort auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief vom 27. Februar, steht in thematischem Zusammenhang mit N. 160. Eine auch zeitliche N¨ ahe, d. h. eine Datierung Anfang M¨ arz, l¨ asst die Erw¨ ahnung des Beischlusses vermuten (wohl N. 163; vgl. S. 263 Z. 1 Erl.). In diesen zeitlichen Kontext passen auch die Anspielung auf den Celle-Besuch der englischen Hofg¨ aste sowie die mit J. G. Eckhart getroffenenen Abmachungen zur Nachrichten- und Post¨ ubermittlung. Hierzu ¨ außert sich Leibniz, eine bereits getroffene Vereinbarung pr¨ azisierend, in N. 27. Daraus ergibt sich der 19. M¨ arz als (weitgefasster) terminus ante quem f¨ ur unser St¨ uck. Wahrscheinlich ist aber eine Datierung auf den 6. oder 7. M¨ arz (vgl. S. 263 Z. 1). 8 la votre: nicht gefunden. 8 affaire: die Auseinandersetzung mit Attilio Ariosti um Guidis (vgl. SV.) Druckkostenrechnung; vgl. N. 133 u. N. 170. 10 f. arriv` a icy: im Gefolge K¨ onigin Sophie Charlottes bei deren Hannover-Besuch im Januar/Februar 1703.

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avec son profit, m’otant la dite somme. Je ne doute pas, que `a present voyant d’etre decouvert, qu’il n’accomode vittement l’affaire, m’envoyant la somme, que je lui ay fait bonne, ne doutant non plus que le Roy n’aye pass´e cet comte; mais `a bon comte, au lieu d’obliger Sa Majest´e, il me l’a desoblig´e par cette malversation, en faisant me paroitre un temeraire ` a Sa Mt´e. Je veux Monsieur reparation sur cette affaire, quand encore il me faudroit ecrire au Roy, ne povant souffrir aucunement sans blesser ma reputation, d’etre mal dans l’esprit de Sa Mt´e. Quelle excuse troverat i[l] pour se justifier? il m’a dit, qu’il a tout pay´e, il m’a montr´e le comte, il a retenu l’argent, dans ses mains, et s’il auroit eu envie de payer, n’auroit pas laisser courrir le comte dans La Chambre. Mr de Querini en v` a d’accord, et la Fre¨ ule de Pelnitz, qui le connait bien, s’etoit imagin´e `a peu pres, de ce qui est arriv´e, ce que je vous dis sub sigillo. Il en fair` a tantes, qu’il se perdr` a. mais je m’etonne seulement, qu’il n’epargne moy, que je le pouvois perdre, si je voulois, comme je lui ay fait temoigner dernierement en sa presence; mais un qui a et´e ingrat ` a son Benefacteur, ne put mieux traiter les autres. Vous m’entend´es bien. Je m’abstiens de lui ecrire, je prierai seulement Mr de Querini d’en lui dire queque chose, mais si je n’aurai pas des seuret´es d’etre bien justifi´e pres du Roy, je prendrai la libert´e de lui presenter mes justifications, et je ne doute point qu’il n’aye compassion de moy. Je suis bien malheureux ` a Berlin, et j’ai de la confusion d’etre oblig´e de vous meler dans ces sortes d’intrigues, mais je ne scarai pas m’en dispenser, et m`eme je vous prie tresheumblement de la finir, et d’ovrir bien les yeux. Pour l’autre affaire, dont je vous ay pri´e, je m’en remet `a vous, `a qui je propose tout franchement, car je scay par experience, que vous pren´es part dans mes interets, et que avec votre prudence vous sav´es moderer, ce que je purrois trop outrer; je dis touchant la lettre que Monsr Schluter vous aur` a mis dans la main.

19 je de K korr. Hrsg.

3 Roy: der preußische K¨ onig Friedrich I. 15 m’entend´ es: m¨ oglicherweise Anspielung auf Ariostis Bem¨ uhungen, einer Abberufung aus Berlin zu entgehen; vgl. dazu v. a. die Korrespondenz mit K¨ onigin Sophie Charlotte und mit H. Mauro vom M¨ arz und April 1703 in unserem Band. 22 l’autre affaire: Gemeint sein k¨ onnten Guidis Hoffnungen auf eine Belohnung f¨ ur seine Panegyrik (vgl. SV.) durch den Berliner Hof. 25 lettre: nicht gefunden.

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Vous trover´es icy la reponce de Mr Cuningham, il a receu votre lettre un peu trop tard, ` a cause que le Sieur Bertrand renvoy`a mon Vallet, lui disant qu’il etoit `a Cell; apparemment il ne scait pas son Nom. Je vous remercie aussi de la Correspondence, que vous m’av´es procur´ee. Je lui ecris, ou de me faire tenir par votre moyen les Lettres dans le pacquet de Madame l’Electrice, ou de Mr Heich, ou sous l’adresse de Monsieur le Comte de Platen. Je ne scay pas depuis queque tems je recois vos lettres par la poste, et plusieurs fois par celle de Brunsvic, desorte que, outre la depence, je les recois trop tard. J’en fairay autant, des celles que je vous envoye, si je ne puis pas m’accorder avec Mr Schlemm, en attendant je continuerai de vous les envoyer avec l’adresse de la Reine. Pendant que vous etes ` a Berlin je pourois envoyer les novelles `a vous, et vous les pourois apres envoyer `a Mr Eccard, non seulement ` a cause de l’embaras de la poste, mais aussi `a cause que je ne puis pas ecrire tant des lettres sur le m`eme sujet. Ma Correspondence etant devenue excessive.

165. HEINRICH CHRISTIAN KORTHOLT AN LEIBNIZ Berlin, 7. M¨ arz 1703. [157. 428.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 497 Bl. 49–50. 1 Bog. 4o. 4 S.

Ich seehe gerne die sache mit H. Greiffenkrantz in g¨ ute beigeleeget und wil ich ihm terminen setzen, und solche darum ich die zahlung thun kan, umb keine unruhe mir

1 reponce: vermutlich N. 160. 2 Sieur Bertrand: Bertram, der Wirt A. Cunninghams in Hannover; vgl. N. 143 sowie Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 41. 2 Vallet: nicht ermittelt. 2 ` a Cell: Zu dem — am 6. M¨ arz beendeten — Celle-Besuch der Engl¨ ander am hannoverschen Hofe vgl. N. 163 u. N. 160. 4 Correspondence: mit J. G. Eckhart, der f¨ ur Guidis politische Nachrichtenb¨ orse kurzzeitig als Korrespondent f¨ ur Polen und Sachsen fungierte. Guidi bezieht sich hier vielleicht direkt auf den (nicht gefundenen) Brief Eckharts von Ende Februar, der in N. 19 erw¨ ahnt wird. 6 Mr Heich: J. W. Heusch. Zu N. 165: K d¨ urfte der letzte Brief in der Reihe von Kortholts Mitteilungen zu seiner Geldangelegenheit sein. Vom 5. August 1703 datiert ein Brief Kortholts an J. H. von Flemming, der original im Leibniz-Nachlass u ¨berliefert ist (LBr. 271 Bl. 41–42, mit Adressatenvermerk von Leibniz’ (?) Hand). 18 sache: Zum Gegenstand des gegen Kortholt gef¨ uhrten Gerichtsverfahrens vgl. die ausf¨ uhrliche Darstellung Chr. J. Nicolais von Greiffencrantz in N. 138.

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und ihm weiter zu machen, die uns allen beiden nur schadlich sein w¨ urde. Soferne er aber ohne gnugsahm uursachen aus einer erbitterung die ihm andre beigebracht, und daruber er mich nicht recht vernommen solte wieder mich wollen w¨ uthen, so weis ich auch was zu thun. Er hat darinn vors eerste sehr u ¨bel gethan daß er schreibet als wenn er nichts von dem empffang des geldes w¨ uste da er mir doch den 14 Xbr also schreibet. Nachdem Mon maitre mir schon vor einem halben jahr den empffang des geldes kund gethan, wundert mich daß sie mich mit dem geringern theil deßen nicht befriedigen. Ich kan ihnen das schreiben in originali senden. Mehr wil ich jetzo nicht saagen. hat mich doch zu Luzeburg noch keine bezahlet da ich baar geld ausgeleeget und das nicht weenig wie der H. Cammerjuncker Follert weis. Ich werde solange getreeten werden, bis ich loosbrechen mus, und werde denn auch nicht schoonen. Es werden der H. Greiffenkr. weenig ehre bei dieser sache haben. denn das leugnen hilfft nicht. Die briefe mußen es ausweeisen. Er wil saagen ich habe keine commission gehabt vor ihn zu negotiiren. Sol ich denn das vor nichts thun? Ist er doch selber in culpa daß nichts reussiret. Ich hoffe diese woche loos zu sein. H. von Heidekamp erkent seine faute. hDenni wil ich ihnen die briefe voorleesen. Ich bin bald in den gedancken als wenn H. Greiffenkrantz etwa jetz eben was melancholischen humeurs sei. Auff die arth muste ich andre exceptiones machen. Ich schreibe das nur im vertrauen. denn ex contradictionibus und lapsibus memoriae werden sie es finden. Ich bin h...i Berlin. d. 7. Mart 1703.

166. BARTOLOMEO ORTENSIO MAURO AN LEIBNIZ Hannover, 7. M¨ arz 1703. [153. 175.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 619 Bl. 46. Bl. 111. 2 Bl. 4o. 2 S. (Bl. 111 ro quer beschrieben). Mit doppelter Bleistiftanstreichung am Textbeginn. Siegelausriss.

4 schreibet: Brief nicht ermittelt. 10 Follert: wohl der Kammerjunker der K¨ onigin, L. G. von Fuller; vielleicht Anspielung auf die Behandlung des Kammerfr¨ auleins von Schlippenbach (vgl. N. 150). 15 loos: aus der Schuldhaft; vgl. zu den Hintergr¨ unden N. 275. Zu N. 166: K , dessen beide Teile wir aufgrund des Inhalts sowie der Papierfaltung zusammenf¨ ugen, wird vielleicht beantwortet durch den nicht gefundenen Leibnizbrief, auf den N. 175 antwortet.

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Hr le 7 Mars 1 7 0 3 Je n’importuneray pas la Reyne cet ordinaire: Me l’Elce va `a Table `a midy et joue, il n’y a que la Toux qui la tourmente, et pourra ecrire elle mesme. D’abord que Mr l’Ab. Stefani arriv` a, je luy rendis la Boite, il l’a ouverte, et tout y est tres bien et selon qu’il desiroit: 24 plaques ` a 12 m. gr. la piece font 8 ecus, mandez moy Monsieur `a qui je les dois donner: nous vous sommes tous deux inf[inimen]t obligez pour le soin que vous avez eu de cette comission, il a hier envoy´e la boite `a Me la Co. d’Egmont: il nous va quitter, et on le regrette fort. Nous souhaittons v[ost]re retour, et bonne sant´e. Hier les Anglois sont revenus de Cell’ o` u Mr de Lescours a fort magnifiquem[en]t termin´e le Carneval. Mil. Wustock et le Chlier de Fontaine et Me de Baer iront pourtant donner une visite `a Me Stequinelli. Quand vous verrez la Cour, ou les amis je vous supplie Monsieur, de ne pas oublier h...i J’ajoute icy des vers du Duc de Nevers et du Stathalter de Nesselrode: si tous les Poetes estoient aussy bien dans leurs affaires que ces deux, il y auroit du plaisir `a grimper sur Parnasse. Vous pourrez des premiers divertir Sa Mt´e et luy envoyer mon billet si je ne trouve pas autre sujet de l’entretenir. Me l’Elce luy ecrira ellemesme, et je puis faire ma Cour ` a Sa Mt´e par un silence respectueux. Outre les Bals de la Cour de Cell’ il y en u a eu chez Mr de l’Escours avec un repas magnifique, et autant chez Me Stequinelli, o` le Prce Guille se plaisoit fort; Mgr le Duc E. A. au contraire regarde toutes ces bagatelles avec un oeil fort indifferant. Mil. de Wenscheslin hier encor en fit de grands eloges, et tous les Anglois en parlent de mesme.

3 tourmente: zur Erkrankung der Kurf¨ urstin Sophie vgl. N. 20. 4 Boite: vgl. N. 100 u. N. 147. 5 plaques: aus Bernstein; vgl. N. 100. 7 quitter: A. Steffani wechselte 1703 nach D¨ usseldorf in den Dienst Kurf¨ urst Johann Wilhelms von Pfalz-Neuburg. 9 revenus: vgl. auch N. 22. 9 Mr de Lescours: der Oberhofmarschall im Hofstaate Herzogin Eleonores von Celle, A. de Lescours. 9 termin´ e: Aschermittwoch war am 21. Februar. 10 Wustock: H. Bentinck viscount Woodstock. 10 de Baer: vielleicht Anna Agnes von Bar, geb. von Chalon gen. von Gehlen. 11 Stequinelli: Agnese Elisabeth Stechinelli von Wickenburg. 13 vers: nicht ermittelt. 13 Duc de Nevers: Ph. J. Mancini-Mazarin, duc de Nevers. 13 Stathalter : der kurk¨ olnische Kammerherr und Statthalter von Recklinghausen F. v. Nesselrode. 15 Sa Mt´e: Sophie Charlotte. 15 billet: nicht ermittelt. 16 ecrira: nicht ermittelt. 19 Prce Guille: vermutlich Prinz Wilhelm von Hessen-Kassel, vgl. N. 175. 19 E. A.: vermutlich Herzog Ernst August d. J. von Braunschweig-L¨ uneburg. 20 Wenscheslin: der englische Sondergesandte Ch. Finch earl of Winchilsea, der Anfang Februar 1703 in Hannover eintraf; vgl. Schnath, Geschichte, 4, 1982, S. 77 f. sowie N. 13 in unserem Band.

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¨ 167. LEIBNIZ AN KONIGIN SOPHIE CHARLOTTE Berlin, 8. M¨ arz 1703. [142. 191.] ¨ Uberlieferung: L Konzept: LBr. F 27 Bl. 99. 1/2 Bl. 4o. 1 1/3 S. Mit einigen Korrekturen. Bibl.verm. — Gedr.: Klopp, Werke 10, 1877, S. 201. 5

A la Reine Madame

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Berlin 8 Mars [1]703

Lorsque dernierement je voulus faire ma cour aupres de V. M., je trouvay qu’elle estoit all´ee ` a Luzenbourg. Depuis je n’ay pas est´e en estat de sortir, non pas que je me trouve fort mal, mais ` a cause d’une incommodit´e au pied. Ce n’est pas la goutte ou quelque chose heni approchant, que je craignois il n’y a pas long temps. Mais comme la nature envoye des fluxions acres aux extremit´es, il m’est venu une petite erosion au pied au dessous du genou qui m’empeche de mettre des bas, de peur de l’effaroucher. J’espere que le mal sera sans consequence. Il ne va pas jusqu’`a l’esprit, et comme M. d’Ausson qui est log´e maintenant o` u je suis, me disoit que V. M. avoit parl´e au R. pere Vota de mes meditations sur la libert´e et le destin, cela nous donna occasion, `a M. d’Ausson et moy de raisonner l` a dessus, et ` a moy de mettre nostre conversation par ecrit en forme de lettre dont je luy envoyay le brouillon. Mais hencori sans cela je tache d’employer le temps chez moy, ne le pouvant faire en contribuant au divertissement de V. M. comme j’aurois voulu faire en me mettant tantost pour tantost contre le P. Vota, selon la nature des choses, lorsque V. M. le met aux mains avec nos savans ministres fran¸cois. Je suis avec devotion Madame

de V. M. etc.

Zu N. 167: 7 cour: Die K¨ onigin hatte sich nach ihrer R¨ uckkehr aus Hannover seit dem 28. Februar in der Statt‘‘ aufgehalten (vgl. Doebner, Briefe, 1905, S. 28 Anm. 3). 9 incommodit´ e: ein ” seit Ende 1702 wiederholt auftretendes Beinleiden. 14 o` u je suis: bei dem Wirt J. Vincent in der Br¨ uderstraße. 15–17 mes meditations . . . brouillon: u ¨berliefert in der in Briefform gefassten, stark u ¨berarbeiteten Darlegung in LH IV 4 3b Bl. 9–10 (gedr. Grua, Textes, Bd 2, 1948, S. 478–486, u. d. Tit.: Conversation sur la libert´ e et le destin‘‘; Druck in Reihe VI); vgl. weiter N. 306. 19 f. contre . . . ” ministres: Zu den Diskussionen zwischen dem Jesuiten Vota und den Hofpredigern I. de Beausobre, J. Lenfant und I. Jaquelot vgl. etwa N. 184, N. 243 und die Abschrift von Vota an Sophie Charlotte, 23. ¨ ttingen Universit¨ M¨ arz 1703 (Go atsbibl. Ms. Phil. 138 m 3 Bl. 4).

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168. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ [Hannover, Anfang M¨ arz 1703]. [164. 170.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 331–332. 1 Bog. 8o. 4 S. Bibl.verm.

J’ay et´e bien surpris de n’avoir pas receu des vos novelles. Comme lors que la poste arriv` a, je me trovois chez Mr Schlemm, je me chargai de la lettre que vous ecrivi´es `a S. A. E. Madame l’Electrice, croyant qu’il y en auroit une pour moy, mais S. A. E. m’en envoya une pour votre Lacquais, ` a qui je la fis tenir d’abord. Vous trover´es icy mes novelles, que vous aur´es la bont´e d’envoyer `a Mr Eccard d’abord que vous l’aur´es leu´ees. Je ne scay pas si vous etes `a Berlin, ou `a Lutzembourg, et si je purai continuer de les faire passer par vos mains, ce que je fais, afin que vous les voy´es, et afin aussi de n’etre oblig´e de faire un duplicat, et j’attendrai votre advis l`a dessus. Faites moy la grace de me dire si un certain Mr Schluter, qui est dans les Trouppes du Roy, vous a rendu une lettre, que je lui donnai icy `a son depart. Comme elle concernoit mes interets, je ne voudrois pas qu’elle fut egar´ee. Vous pourr´es savoir des novelles de ce Monsieur che Monsr Le Baron de HeydeCamp. Pour ce qui est de ma precedente je m’en remet `a votre prudence de faire ce que vous trover´es mieux. vous pourr´es faire tenir l’incluse `a Mr Att[ili]o, c’est une lettre qu’on m’a envoy´e d’Italie. Il a ecrit ` a Mr de Querini, qu’il ne vous avoit pas veu encore, et qu’il ne

Zu N. 168: K hatte die Z. 8 u. Z. 18 genannten (nicht gefundenen) Beilagen. Unser St¨ uck kreuzt sich vermutlich mit einem nicht gefundenen Leibnizbrief, auf den N. 170 antwortet. Die Datierung auf Anfang M¨ arz ergibt sich aus den Nachrichten u ¨ber A. Steffani, H. Bentinck viscount Woodstock und die arz 1703 Kommunikation mit J. G. Eckhart. Termini sind der 7. M¨ arz (vgl. S. 268 Z. 7 Erl.) und der 11. M¨ (vgl. Z. 8 Erl.). 5 lettre: vielleicht N. 17. 7 une . . . Lacquais: Dieser Brief an J. B. Knoche wurde nicht gefunden, vielleicht die Antwort auf N. 16. 8 envoyer: Leibniz hatte Guidi f¨ ur dessen politische Nachrichtenb¨ orse Eckhart als Berichterstatter f¨ ur Sachsen und Polen anempfohlen; vgl. N. 164. Bereits am 11. M¨ arz (in N. 170) meldet Guidi aufgrund von Eckharts Klagen u ¨ber ausbleibende Nachrichten an Leibniz, er werde jenem seine Nachrichten k¨ unftig auf einem anderen Wege zukommen lassen. 14 Roy: der preußische K¨ onig Friedrich I. 14 lettre: nicht identifiziert; auch in N. 164 erw¨ ahnt. 15 mes interets: vermutlich in Zusammenhang mit Guidis Panegyrik f¨ ur Friedrich I. (vgl. SV.). uhrung von 17 precedente: Hier d¨ urfte N. 156 gemeint sein; Teile dieses Briefes wurden, wohl in Ausf¨ Guidis Wunsch, vernichtet. 19 ecrit: nicht ermittelt.

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m’oublieroit pas, nous verrons ce qu’il dir` a, et comme remedier`a `a l’affaire, et n’oubli´es pas de bruler toutes mes lettres qui concernent l’affaire en question. Vous scaur´es que Mr L’Abb´e Steffani n’ayant pu obtenir un augmentation des gages, ny le caractere de Conseiller priv´e, a obtenu de S. A. E. son cong´e. Il s’est etabli deja `a Dusseldorff, il accomode ses affaires, apres s’en ir`a de ce cot´e l`a. Mylord Ustok devoit partir d’icy ce matin pour Angleterre. Il s’arreter`a queques jours ` a Cell, o` u il a amen´e une Truppe des nos Dames, qui vont l`a `a un Bal chez Madame Stekinelli. Je n’ovre jamais les lettres d’Italie sans me chagriner, je suis fort touch´e du pytoiable d’etat de Rome. On me dit, que Monsr l’Abb´e Bianchini a fait un instrument avec de petites Cloches, par le quel pretend de prevoir le tremblement de terre un quart d’heure auparavant. Je ne scay pas si cel` a est pratticable, mais je scay qu’il en a fait un Regal au Pape. Donn´es moy des novelles de votre chere sant´e, dans laquelle je prends tant de part, et soy´es persuad´e, que je suis h...i Je vous prie tresheumblement de faire l’adresse des mes lettres `a Mr Schlemm, ou `a Madame l’Electrice, autrement je les recois toujours par la poste. 169. ALEXANDER ZU DOHNA-SCHLOBITTEN AN LEIBNIZ [Berlin, M¨ arz (?) 1703]. [92.]

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¨ Uberlieferung: L Abfertigung: LBr. 209 Bl. 2–3. 1 Bog. 4o. 1/2 S. auf Bl. 2 ro. Eigh. Anschrift. Siegel.

2 bruler: vgl. N. 156. 4 cong´ e: A. Steffani wechselte an den Hof des Kurf¨ ursten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg; vgl. auch N. 166. 7 Cell: Laut N. 166 hatte H. Bentinck viscount Woodstock diese 10 etat de Rome: nach dem Erdbeben Reise am 7. M¨ arz noch nicht angetreten. Vgl. auch N. 160. 10 instrument: vgl. J o u r n a l des Scavans, 7. Januar vom 2./3. Februar; vgl. N. 133 u. N. 140. 1704, S. 41 f. Der Erfinder tr¨ agt dort den Namen Banchieri. 13 Pape: Clemens XI. 14 sant´ e: Zur Besorgnis um Leibniz’ Gesundheitszustand am hannoverschen Hof vgl. z. B. N. 133. 16 l’adresse . . . Schlemm: vgl. N. 164. Zu N. 169: K , vermutlich an pers¨ onlichen Austausch zwischen Leibniz und Dohna ankn¨ upfend, bezieht sich auf N. 92; Beilage war der S. 269 Z. 1 genannte Entwurf, auf den keine schriftliche Erwiderung erfolgt zu sein scheint. Wir datieren in Anlehnung an A. Des Vignoles Brief vom 17. April 1703 (N. 221), aus dem hervorgeht, dass er auf Leibniz’ Empfehlung hin eine Zusage erhalten hatte. Ein Leibnizbrief vom Mai 1712 ist das letzte belegte St¨ uck der Korrespondenz (vgl. Stargardt, Auktionskatalog, 574, Marburg 1965, S. 92, Nr. 791).

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Vous voul´es bien Monsieur que je vous Comunique `a la haste la minutte de L’expedition pour Mr de Vignole. je vous prie de marqu´er sur un billiet `a part ce que vous desir´es que j’y Change. je le feray de bon Coeur si cela s’acorde htanti soit peux aus mesurs que je suis oblig´e de gard´er h— — —i Dohna.

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Herrn Geheimbten Raht Leibnitz 170. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ Hannover, 11. M¨ arz 1703. [168. 177.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 169. 4o. 2 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen. Bibl.verm.

Je n’ay pas manqu´e de rendre votre lettre `a Monsieur le Baron de Goeritz, et de l’accompagner des plus fortes raisons pour le desabuser des sentimens qui auroit peu avoir de vous; il me dit tant mieux tant mieux; s’il revient icy, j’en suis bien aise‘‘. Pour vous ” dire le vray, vous voyant demeurer si longtems `a Berlin, on avoit commenc´e `a subsonner, de ce qu’on vous a mand´e; et quand j’ay appris queque chose, je n’ay pas manqu´e de desabuser tout ceux, qui m’en ont parl´e. Votre Lacquais me demande touyours quand vous ser´es de retour; et je lui dis, que je ne le scay pas, il craint lui aussi, que vous ne reviendr´es pas icy, plusieurs personnes l’ayant asseur´e de c¸a, mais je l’ay desabus´e. Mr Eccard se plaint, qu’il ne recoit pas des mes novelles, et j’en suis marry, car il me communique les novelles de Pologne avec profusion; et comme je ne scay pas si cel` a arrive, ` a cause que vous all´es putetre sovent `a Lutzembourg, j’ay pris l’expedient ce matin de lui adresser mes novelles ` a part. 1 minutte: nicht ermittelt. Auf einen weiteren Brief Dohnas bezieht sich A. Des Vignoles in N. 242. Zu N. 170: K antwortet auf den nicht gefundenen Leibnizbrief, dem vermutlich N. 21 beigeschlossen war. Unser St¨ uck kreuzt sich mit oder wird beantwortet durch den nicht gefundenen Leibnizbrief (mit Beischl¨ ussen), auf den N. 177 antwortet. 12 lettre: vermutlich N. 21. 15 longtems: Leibniz hielt sich seit Juni 1702 in Berlin und Lietzenburg auf und hatte seine Abreise mehrmals verschoben. 15 commenc´ e ` a subsonner: Gemeint ist vermutlich das Ger¨ ucht, Leibniz werde in den Dienst des preußischen K¨ onigs 17 Lacquais: J. B. Knoche. 18 craint: vgl. z. B. N. 16. 19 asseur´ e: u ¨bertreten; vgl. N. 16. vgl. N. 16. 23 adresser: Laut N. 164 sollte Leibniz die Vermittlung zwischen Guidi und Eckhart u ¨bernehmen; vgl. auch N. 168 u. N. 27.

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Je vous remercie tresheumblement de la peine que vous pren´es pour mon interets, je vous le recommande encore une fois, car ca seroit bien cruel si je devrois perdre 57 ´ecus, et etre frustr´e d’une recompense. Il faudroit Monsieur penetrer si la liste des depences qu’on a envoy´e au Roy, a et´e pay´ee, c’est a` dire si Sa Majest´e l’a paii´ee. Je vous prye de prendre garde ` a tout, car vous n’en scaurois prendre ass´es. Mr l’Abb´e Steffani devoit partir aujordhui pour Cell; on dit qu’en trois Semaines s’en ir` a` a Dusseldorff. Monseigneur le Duc Erneste est encore `a Cell. On dit que l’accomodement de cette Maison Electorale avec Monsigneur le Duc de Wolfemb¨ uttel est en bon train, on voit Mr le hBeuomani de Bousch aller et venir de l`a, plut ` a Dieu, que cel` a se fasse. On a apport´e hyer au Soir des lettres `a S. A. E. de Norimberg avec la novelle, que le Comte de Styrum a defait un gros detachement, que l’Electeur de Baviere lui avoit oppos´ee. Deux regimens ont et´e taill´es en piece, et un’autre pris prisionniers de Guerre; et que le General Schlich continuoit ses exploits, ayant pris, outre Scherding d’autres places, et comme il a fait publier, que tous ceux, qui se donneroient `a lui, seroient bien trait´es, il faisoit observer un[e] exacte discipline. On apprehend pour le Fort de Kehl, le Prince Louis n’etant pas en etat de se secourrir en cas qu’il soit attacqu´e, `a cause qu’il est trop loin, mais la rude saison en fair` a peutetre differer le siege. Je vous prie Monsr de faire un enveouluppe `a mes lettres et de les adresser `a Mr Schlemm.

1 interets: Gemeint ist die Aff¨ are um die Bezahlung von Guidis Druckkostenrechnung; vgl. N. 133. 2 perdre: vgl. N. 145. 4 Roy: der preußische K¨ onig Friedrich I. 6 partir: vgl. auch N. 183. 7 s’en ir` a: A. Steffani trat 1703 in den Dienst Kurf¨ urst Johann Wilhelms von Pfalz-Neuburg u ¨ber; vgl. N. 166. 8 Duc Erneste: Herzog Ernst August von Braunschweig-L¨ uneburg. 9 l’accomodement: Die sich u ¨ber Monate hinziehenden Verhandlungen zur Auss¨ ohnung zwischen den Welfenh¨ ofen bzw. Celle und Wolfenb¨ uttel hatten am 17. Januar 1703 in Burgdorf begonnen; vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 381–392. 10 de Bousch: Berghauptmann H. A. von dem Bussche. 12 lettres: nicht ermittelt. 13 Comte de Styrum: der kaiserliche Feldmarschall O. H. von Limburg-Styrum. 13 detachement: Gemeint ist vermutlich die kriegerische Aktion im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges bei Kehlheim am 4. M¨ arz (vgl. Monatlicher S t a a t s - S p i e g e l , M¨ arz 1703, S. 15 f.), deren Fortsetzung bei Sch¨ arding aber verlustreich f¨ ur die kaiserlichen Truppen ausging (vgl. Danzer, Feldzug 1703 , 1878, S. 389–393). 15 Schlich: L. A. J. von Schlick. 17 Fort de Kehl: Die badische Festung Kehl wurde seit 20. Februar von franz¨ osischen Truppen belagert und am 12. M¨ arz u ¨bergeben. 18 Prince Louis: Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden. 20 adresser: vgl. auch N. 164, N. 168 u. N. 177.

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On est fort scandaliz´e en Hollande du Minitre de Prusse. Je suis h...i Hannr 11. Mars 1 7 0 3.

171. LEIBNIZ UND JAKOB HEINRICH VON FLEMMING Vertrag u ¨ber den Anbau von Maulbeerb¨aumen und die Seidenkultur in Sachsen. Berlin, 12. M¨ arz 1703. [109. 199.]

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¨ Uberlieferung: L1 Konzept: LBr. 271 Bl. 29–30. 1 Bog. 2o. Blattr¨ ander teilweise eingerissen. 2 1/2 S. Zun¨ achst halbbr¨ uchig beschrieben. Mit zahlreichen Korrekturen und Erg¨ anzungen, davon einige aus L2 u ¨bernommen (LiL1). Mit Abweichungen von L2 in Graphie und Formulierungen. Bibl.verm. L2 Ausfertigung: LH XX Bl. 11–12. 1 Bog. 2o. 4 S. Mit kleinen Erg¨ anzungen und Korrekturen. Eigh. Unterschriften und Siegel von Flemming und Leibniz. Bibl.verm. (Unsere Druckvorlage.) — Gedr. (mit Faksimile): L e i b n i z - F a k s i m i l e s , 1971, S. 50–51. E Erstdruck nach nicht gefundener Abschrift der Zweitausfertigung von L2 (einst Dresden Hauptstaatsarchiv , vermutlich verschollen): Distel, Leibniz-Correspondenzen, 1879, S. 127–129. 1 Bog. 2o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Abweichungen von L2 in Graphie und Formulierung.

Es ist he¨ ut acto zwischen Herrn Jacob Henrich Grafen von Fleming, K¨onigl. Pohlnischen und Churf¨ urstl. Sachs. w¨ urcklichen Geheimen Staats-Raths und Generalen von

18 Anfang Copia. Es E

18 acto fehlt E

1 Minitre: der preußische Gesandte W. von Schmettau im Haag in Vertretung der Anspr¨ uche K¨ onig Friedrichs I. auf die oranische Erbschaft Wilhelms III. ¨ Zu N. 171: L2 und die f¨ ur Flemming bestimmte Ausfertigung (nicht gefunden, vgl. Uberlieferung sowie S. 275 Z. 12) wurden von Leibniz nach vorangehenden Besprechungen aufgesetzt, die im Sp¨ atwinter 1703 in Berlin stattgefunden haben d¨ urften; sie wurden vermutlich bei einem Zusammentreffen am 12. M¨ arz unterschrieben und besiegelt. Im Hauptstaatsarchiv Dresden befinden sich f¨ unf paraphrasierende Ausz¨ uge von der Hand von Kanzleischreibern (10025 Geheimes Konsilium Loc. 7042 Vol. XV Nr. 1429; 10026 Geheimes Kabinett Loc. 1418/4 Bl. 6; Finanzarchiv Loc. 32558 Nr. 41 Bl. 1–3; ebd. Spezialreskripte 1703 Vol. I Nr. 123; ebd. Spezialreskripte 1705 Vol. I Nr. 2 Bl. 6).

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der Cavallerie etc. etc. Excellenz; und H. Gottfried Wilhelmen von Leibniz, Churf¨ urstl. Braunschw-L¨ uneb. Geheimten Rath, folgendes verabredet worden. Nachdem gedachter H. von Leibniz vor vielen jahren bey Churf¨ urst Johann Philippen zu Maynz glorw¨ urdigsten andenckens durch w¨ urckliche große Proben versichert worden, daß die weißen Maulbeerb¨ aume in Teutschland wohl und leicht zu ziehen, und nicht weniger die Seidenw¨ urme von deren Laub in menge zu speisen, also dadurch mit großen Nuz die beste Seide zu wege zu bringen, welche der Italianischen an G¨ uthe im geringsten nicht weichet, sondern zum ¨ offtern vorgehet; Daher auch H¨ochstgedachter Churf¨ urst kurz vor seinem Ende zum H¨ ochsten beclaget, daß er nicht ehe angefangen, und durch die eingefallene L¨ auffte das werck v¨ ollig einzurichten gehindert worden: So ist er (der H. geheimte Rath von Leibniz) offtmahls darauff bedacht gewesen, wie dieses Seines Ersten Herrn wundsch zu erf¨ ullen, und dem Vaterland Teutscher Nation ein solches Kleinod best¨ andig zu erwerben. Es hat ihm aber bißweilen an Zeit und gelegenheit, und dann an bequemen Le¨ uten zur execution gefehlet. Nachdem er aber nun alles bey handen hat, und des successus durch ne¨ ue und ansehnliche Proben versichert; hat

2 verabredet und versprochen L1 3 f. bey (1 ) ChurMaynz (2 ) Churfurst . . . andenckens L1 7 beste fehlt E 8 f. kurz . . . Ende gestr. L1 9 f. daß er (1 ) durch die eingefallene (a) weitlauffigkeiten (b) lauffte (2 ) nicht . . . eingefallene | Krieges gestr. | l¨ auffte (a) an fortsetzung des wercks (b) das werck . . . einzurichten L1 13 Kleinod (1 ) nicht lange zu vorenthalten (2 ) best¨ andig . . . erwerben L1 13–273,1 erwerben. (1 ) Es hat ihm bloß und allein an leuten gefehlet, (a) die (b) denen alle nothigen handgriffe bekand (c) die in allen die nothigen handgriffe geubet wiewohl er fest entschloßen gewesen, dergleichen aus Italien hverschreibeni zu laßen. Nachdem aber endtlich er solche Personen gefunden, die (aa) es so weit bracht (bb) so weit kommen daß sie in ihren kleinen bezirk in einem jahr in die 16 h—i sehr guthe Seide neulichst zu wege bracht (2 ) Es hat ihm aber . . . versichert und was in hTeutschlandi zu hbeobachteni hat er darauff nicht langer anstehen wollen L1

3 vor . . . jahren: Leibniz stand von 1668 bis 1673 im Dienste des Mainzer Kurf¨ ursten Johann Philipp von Sch¨ onborn. Zeugnisse f¨ ur seine Besch¨ aftigung mit der Seidenraupenzucht sind aus dieser Zeit nicht u ¨berliefert. Jedoch datiert sp¨ atestens von 1671 (vgl. I, 1 N. 90, S. 154) seine Bekanntschaft mit J. J. Becher, dessen Initiative 1665 zur Einrichtung einer Seidenmanufaktur in M¨ unchen gef¨ uhrt hatte, vgl. H. Hassinger, Johann Joachim Becher , Wien 1951, S. 37 f. u. passim. 9 Ende: am 12. Februar 1673. 15 bey handen: Zu Leibniz’ Besch¨ aftigung mit der Seidenraupenzucht im Winter 1702/03 vgl. z. B. N. 102, N. 101. 15 Proben: Zwei Seidenproben in einem von Leibniz beschrifteten Umschlag sind erhalten in LH XIX Bl. 150. 22 Personen gefunden: Gemeint sind vermutlich neben J. H. Otto seine in Leibniz’ Promemoria zur Seidenraupenzucht f¨ ur den preußischen K¨ onig Friedrich I. von 1703 (LH XIX Bl. 116) genannten Schw¨ ager Andreas Michael bzw. Ludwig Ernst G¨ uthiger.

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er nicht l¨ anger anstehen wollen und in betrachtung daß Ober-Sachsen (sein Vaterland) sonderlich zu dieser Seiden und Maulbeerbaum-Zucht bequem, des Herrn Grafen von Fleming Excellenz einen Vortrag dahin gethan, ob Sie mit ihm darinn zusammenstehen wolten umb wegen der Seiden-Zielung ein privilegium perpetuum von K¨onigl. Mt zu Pohlen und Churf. Durchlt zu Sachsen zu suchen, auch wohl des Herrn Grafen von Beuchling Excellenz, als eines großen bef¨ orderers gemein-n¨ uziger anstalten dazu zu ziehen; also daß das privilegium privativum auff Sie drey und ihre Erben zu richten, deswegen der Herr General Graf von Fleming u ¨bernimt bey seiner iezigen Reise nach dem K¨onigl. Hof den Herrn GroßCanzler Grafen von Beuchling dahin so viel an ihm zu verm¨ogen, daß Seine HochGr¨ afl. Excell. diesen contract mit unterschreibe. Da aber selbige u ¨ber verhoffen dessen bedencken haben solten; so soll dennoch was zwischen beyden gegenw¨artigen Herrn Contrahenten hiemit verabredet, in seinem vigore verbleiben. Und hoffet man daß des H. GroßCanzlers Excellentz einen weg wie den anderen diesem guthen Vorhaben bef¨ orderlich seyn werden. Was nun bey K¨ onigl. Majest¨ at etwa zu suchen, bestunde ohngef¨ahrlich in folgenden: 1o daß K¨ onigl Mt vor sich und ihre successores an der Regierung allergn¨adigst geruhen m¨ ogen, denen obgedachten Associatis und deren Erben ein privilegium privativum perpetuum zu verleihen, die Pflanzung der Maulbeerb¨aume und die SeidenZucht in denen ChurS¨ achs. und incorporirten Landen allein einzuf¨ uhren und fortzusetzen, also daß niemand ohne ihre einwilligung die Weißen Maulbeerb¨aume pflanzen, oder auff einige weise, Seiden erzielen solle. 2o daß Konigl Mt gewiße bequeme Stellen, so man etwa angeben w¨ urde, zu Baumschuhlen anweisen, auch wohl nach gelegenheit durch frohndienste bearbeiten und verze¨ unen laßen; dagegen aber K¨ onigl. Mt, damit Sie außer Schaden gehalten w¨ urden, davon zu ewigen Zeiten, solange die Cultur bestehet, einen best¨andigen billigen Grund-Zinß zu genießen haben w¨ urden.

6 Anstalten dahin zu invitiren E 12–14 Und hoffet . . . werden erg. L2, danach erg. LiL1 14 bef¨ orderl. erscheinen werden E 16 vor sich . . . Regierung erg. L2, danach erg. LiL1 17 obgedachten (1 ) Interessenten (2 ) Associatis L1 18 f. in (1 ) dero landen (2 ) denen ChurSachs. . . . Landen L1 22 so . . . wurde erg. L1

8 iezigen Reise: nach Marienburg an den k¨ oniglichen Hof; vgl. N. 199. 17 privilegium: Zu dem von Leibniz f¨ ur sich und Flemming im Namen K¨ onig Augusts II. entworfenen Privileg vgl. N. 214 Erl.

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3o daß denen privilegiatis frey stehe, in locis publicis, an den straßen, in st¨adten und d¨ orffern oder sonst, solche B¨ aume einzeln oder in form von all´een zu pflanzen und zu Nuzzen, da dann die auffsicht der all´een als eines ornamenti publici den publico mitzukommt. 4o daß zu Vertrieb der erzielten Seide ihnen frey stehn soll, alle dienliche anstalt zu machen, auch wohl allerhand Manufacturen anzulegen, und auch frembde rohe Seide mit zu h¨ ulff zu nehmen; und daß denen von ihnen brauchende Manufacturiers niemand unter Vorwand der z¨ unffte, innungen, privilegien, oder andern praetexten hinderlich seyn solle. o 5 daß K¨ onigl. Mt dieser Unternehmung alle freyheiten, jura und privilegia der bergtheile und bergwercks interessenten zuzustehen, und sonst alle Gnade, Vorschub und hulffe wiederfahren zu laßen, in gnaden geruhen. Weilen es ein so edeles und innocentes werck, welches nicht allein niemand zu schaden gereichet, sondern auch die LandesNahrung Vermehret, und im Lande gleichsam einen Ne¨ uen Schaz oder fundgrube zeiget. Ander dienlichen Clausulen zu geschweigen so dem Canzley stylo gem¨aß an hand zu geben. Ehe das verhoffentlich zu erhaltende privilegium außgefertiget, d¨ urffte dienlich seyn, deßen tenorem zu communiciren, wie dann in allem communi consilio aufrichtig zu verfahren und k¨ unfftig fernere aus-f¨ uhrlichere abrede zu nehmen. Und obgleich nicht n¨othig das privilegium und deßen Conditiones sofort zu publiciren, So k¨ondte doch von wegen K¨ onigl. Mayt so bald es nothig ein ernster befehl nacher Sachsen ergehen daß denen sich dießfals angebenden Personen aufs schle¨ unigste und nachdr¨ ucklichste an hand gegangen werde. Wie dann keine Zeit zu versa¨ umen, sondern dahin zu trachten, daß bereits in diesem Jahre mit Gottes h¨ ulffe der anfang mit pflanzung der Ba¨ ume gemacht werden m¨ oge. Weilen aber die Kosten so fort gewiß (obschohn mittelm¨aßig) der Nuzzen aber noch etwas außgesezzet, scheinet welches vielleicht manche von dieser Unternehmung abgeschrecket; so vermeynet der Herr Geheimte Rath von Leibniz ein Mittel zu haben, dadurch bereits im dritten oder Vierdten Jahr zu einer ansehnlichen Seidenzielung zu gelangen. Es sey aber solches thunlich oder nicht, so wollen die u ¨brige Herrn Interessenten 3 f. da . . . zukomt erg. L1 5 f. alle . . . wohl erg. L1 5 f. zu (1 ) deren v bricht ab (2 ) Verarbeitung der frembden Seide (3 ) Vertrieb L1 7 f. und daß . . . solle erg. L1 12 f. die gemeine Nahrung E 22–24 Wie . . . m¨ oge erg. L1

21 Personen: vgl. Erl. zu S. 272 Z. 13 Var.

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ihn, in ansehung daß er das Werck angegeben, und dienliche Mittel zu deßen Vollstreckung Vorgeschlagen, von allem zuschuß dispensiren, und die von ihm etwa zu des Wercks behuf anwendende Kosten so fort erstatten. Wenn man aber k¨ unfftig zum u ¨berschuß gelanget, so werden die Kosten vom ertrag abgezogen und was u ¨brig unter die Associatos gleich getheilet. Schließlichen obschohn diese Schrifft pro contractu Societatis, und zum grunde dieses gesch¨ afftes dienen soll; so beh¨ alt man sich doch bevor, zumahl nach erhaltenen privilegio Regio, alles außf¨ uhrlicher und umbst¨ andlicher zu fassen. Es geschehe aber solches oder nicht, so soll doch diese Schrifft in ihrer verb¨ undtlichen Krafft verbleiben. Wobey man allerseits allen contrariis juris beneficiis et remediis in optima forma renuntiiret und sich sowohl als seine Erben, Erbnehmen, und causam a se habentes best¨andigst obligiret. Urkundtlich ist dieses alles also verabredet, und in zwey gleichlautenden Exemplarien von beyden Herrn Contrahenten durch dero Unterschrifft und Pitschafft bekr¨afftiget worden, So geschehen Berlin den 12 Martii 1703 J. H. Graf von Fleming

G. W. von Leibniz.

172. MELCHIOR DANIEL MEIER AN LEIBNIZ Hannover, 12. [M¨ arz] 1703. [213.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 630 Bl. 11–12. 1 Bog. 4o. 3 S. Mit zahlreichen Korrekturen.

10 juris fehlt E

12 und in . . . Exemplarien erg. L1

14 Berlin den 11. Martii 1703 L1

Zu N. 172: K , die Antwort auf eine Nachricht (nicht gefunden), die Leibniz der S. 276 Z. 3 genannten charta‘‘ (vielleicht der in N. 16 angesprochene Zeddel‘‘) angeh¨ angt hatte, folgt auf Meiers Brief vom ” ” 15./26. Mai 1702 (I, 21). Leibniz antwortete vermutlich mit einem der beiden nicht gefundenen Briefe, auf die N. 213 antwortet. — Die Erg¨ anzung des unvollst¨ andigen Datums ergibt sich aus Meiers Brief an einen Berliner Adressaten (vermutlich A. Rittner) vom 12. M¨ arz 1703 (LBr. 630 Bl. 13–14), der Themen ¨ unseres St¨ ucks (Transport von Meiers in Berlin zur¨ uckgelassenem Gep¨ ack, die Ubertragung des Amtes als Vize-Archivar und Grenzsekret¨ ar vor zwei Monaten) behandelt. Vermutlich wurden beide Briefe ¨ gemeinsam verschickt; die Gr¨ unde f¨ ur die Uberlieferung von Meiers Brief an Rittner in Leibniz’ Nachlass sind ungekl¨ art.

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Vir PerIllustris atque Excellentissime Domine ac Patrone submisse colende.

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Nihil quidem jucundius mihi accidere potuit, quam benignissima illa Tuae in me gratiae confirmatio quae ipsa Exc. Tuae manu chartae Ritnerianae subnexa erat. at tamen simul ruborem quendam mihi attulit, quod ita provocato mihi omissum hactenus meum exprobrat officium. Enim vero perbenigne Tua Excell. accipiet excusationem, si audiet, non negligentia quadam aut maximae piae in Ipsam reverentiae meae oblivione id cecidisse; sed quod ab ipsis Suis usque persuasus sum, Eam meas literas Berolini non amplius offensuras esse, quippe quam in dies se hic expectare dictitarunt. Et quamvis adhuc eandem mihi canant cantilenam, debui tamen paucis illam moram purgare, atque PerIll. Tuam Excellentiam obsecrare, ut propterea non desistat in posterum Sua me gratia dignari. De me hoc referre habeo, in tempore ac felicissimis ventis heic appulisse me. Contigit enim mihi, non tantum omnium Status Ministrorum, ut vocant, favorem, sed etiam ipsam Sermi Electoris nostri Clementiam mihi conciliare, qua Illorum atque imprimis Clementiss. Electricis nostrae et PerIll. ViceCancellarii commendatione Serma Ipsius Alt. El. ad votum me 2 abhinc mensibus clementissime nuncupavit V i c e A r c h i v a r i u m e t l i m i t u m S e c r e t a r i u m. Non est quod miraris, cum Tuae commendationis Berolini Sermae Electrici factae pondus alium eventum habere non potuerit. Maximas ergo PerIll. Exc. Tuae hoc nomine habeo gratias, et crede me nunquam obliturum esse tanti beneficii. Ampliores Ipsi quoad potero, agam, si Eam hic reducem felicem atque incolumem, quod Deus O. M. faxit, visurus sum. Res meae adhuc Berolini in aedibus Ilgenianis restant, nec scio, quo modo huc commode transferri potuerunt. Si forte Exc. Tuae idonea sese ad id obtulerit occasio, obnixe rogo, ut eam Dno Ritnero Primario ad St. Mariae. Pastori benigne aperire velit. Dab. Hann. a. d. 12. 1703. Perillustris Excell. Tuae

submissus servus

M. D. Meier.

3 chartae: nicht gefunden. 8 expectare: Leibniz’ bereits f¨ ur den vergangenen Herbst geplante R¨ uckreise aus Berlin nach Hannover verz¨ ogerte sich bis Ende Mai 1703. 15 ViceCancellarii: L. Hugo. 15 commendatione: vgl. auch Meiers Dankschreiben an Kurf¨ urstin Sophie vom 11. Januar 1703 (LBr. 630 Bl. 9–10). 18 commendationis: Meier hatte Leibniz im Vorjahr um F¨ ursprache wegen eines Amtes gebeten, vgl. Meiers Vorg¨ angerbrief. 23 restant: Meier war 1700 von Berlin aus als Begleiter eines Verwandten H. R. von Ilgens zu einer Reise nach Holland und England aufgebrochen; vgl. I, 18 N. 393 u. N. 409 Erl. sowie Meiers Vorg¨ angerbrief.

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173. AUGUSTINUS LEVESIUS AN LEIBNIZ Warschau, 13. M¨ arz 1703. [408.] ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 556 Bl. 1–2. 1 Bog. 2o. 3 S. Bibl.verm.

Illustrissime Domine Tuum in Republica christiana et litterata nomen, a non paucis ab hinc Annis mihi suggesserat ut aliquod saltem litterarum possem obtinere colloquium, quo cum tali ac tanto viro fieret licitum discurrere de summa re Christi Domini in orbe Universo; totum, ni fallor, aquisivit, qui totum et tanti et ex tanto Eruit; Regnum ipsius, Regnum est mundi non solum diffusi in volumine temporum, sed a promulgatione Evangelii per omnia spatia locorum; Regnum ipsius praedictum, figuratum, promissum, ex scripturis ab Ecclesia catholica semper custoditis et traditis, in Regno Davidis, in Regno Salomonis intelligitur, sic unitum omnium gentium, sicut illud omnium tribuum Isr¨ael; istud vero merito licet in suo genere amplum, comparative ad Regnum Christi brevissimum, quoniam Regnum erat fortis tantum Davidis, sapientis Salomonis, Christi Domini Vero Regnum est Regnum Virtutis et sapientiae Dei Incarnati. Major Vicinitas et communicandae homiliae sanctissimi papae nostri Clementis 11. occasio et obsequium redditae in die sacratissimo natali ultimo praeterito, de lapide illo exciso ex Monte Bmae Virginis Mariae absque opera manus hominis, et faciente utraque unum in uno supposito naturarum divinae et humanae, in petra, quam reprobaverunt aedificantes, capitis anguli, fundamenti parietum etiam ex adverso venientium, Judeae familiae, et dispersae gentilitatis; ut conscientiam et operam tuam Eruditissimam invitem ad unienda, pro viribus in Domino Jesu, membra quae Christus caput conjunxerat, uniendas oves dispersas quas pastor bonus ad unum ovile adduxit; uniendos fratres in terris qui unum advocant patrem in caelis quique tam clare uni stabulo, stabulum ex Augo quasi stans paululum, Ecclesiae militantis et peregrinantis ex Evangelio consignavit; ni fallor Eruditissime alium stabularium omZu N. 173: K , der erste u ¨berlieferte Brief der Korrespondenz, wird beantwortet mit N. 408 (vgl. N. 78). Beilage war die gedruckte Predigt Papst Clemens’ XI. zum Weihnachtsfest 1702 (LBr. 556 Bl. 3 bis 4; vgl. SV.). Zum Namenstag des Leander hispalensis (S. 278 Z. 12) am 13. M¨ arz (nicht 27. Februar) vgl. H. Grotefend, Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, Bd 2.2, Hannover u. Leipzig 1898, S. 127. 10 praedictum . . . scripturis: vgl. 2. Samuel (2. K¨ onige) 7, 12–13, 1. Chronik (1. Paralipomenon) 22, 10, Jesaia 9, 5–6, Micha 5, 1–3 u. ¨ o. 12 omnium tribuum Isr¨ ael: vgl. Hesekiel (Ezechiel) 34, 23 f. u. ¨ o. 19 in petra . . . anguli: vgl. Matthaeus 21, 42 u. ¨ o. 22 f. oves . . . adduxit: vgl. Johannes 10, 16.

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nium et singulorum non invenies a Christo in Evangelio Emimae Authoritatis prae libris canonicis, assignatum praeter Petrum viventem creditum et vindicatum ab antiquitate sacra in successoribus cathedrae Romanae, perseveraturum in illis, cunctis diebus contra portas Inferni usque ad consummationem saeculorum. age ergo, Meritissime Domine nec non litteratissime Regno Christi, haereditati Christi, possesioni Christi, familiae Christi, corpori vero Christi, uni pari Christi milites; Authoritas non tantum petri in Petro nostro firmissima fundatissima sanctissima, sed et scientia discretix, sed et praedicatio sana, sed et claritas luminosa bona Igneitate et rara patientia quam plurimum juvabunt. Unitatem fidei expetit et unitas baptismi, et unitas Regni christiani, Regni Virtutum ex fide, et praemiorum aeternorum ex gratia Dei; et unitas ut cum Paulo loquar, ipsius Christi, et ipsius Dei, quam omnium simbolorum utriusque aetatis normae profitentur et protestantur. hos tibi animos pandit ex civitate Varsaviae die sancti Leandri hispalensis Episcopi anni 1703. debita veneratione et Reverentia refertos Dominationis tuae Illustrissimae

humillimus et addictissimus in Domine servus f. Aug. Levesius ordis praedic.

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174. CHARLES LE GOBIEN AN LEIBNIZ Paris, 13. M¨ arz 1703. ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 541 Bl. 23–24. 1 Bog. 8o. 2 S. Eigh. Anschrift. Auf o Bl. 24 v am linken oberen Rand von Leibniz’ Hand: Le P. Bouvet dit p. 8 qu’il m’envoye ” une relation latine imprim´ ee ` a Pekin‘‘. — Gedr.: 1. (teilw., = S. 279 Z. 2–11) Zacher, Dyadik , 1973, S. 117; 2. Widmaier, China, 1990, S. 178; 3. Widmaier, Briefwechsel, 2006, S. 394.

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14 addictissimos K, korr. Hrsg.

3 f. contra portas Inferni: vgl. Matthaeus 16, 18.

10 unitas . . . Paulo: vgl. Epheser 4, 3–6.

13. Zu N. 174: K hatte als Beilage J. Bouvets Sendung an Leibniz vom 4. November 1701 (I, 20 N. 318 u. N. 319). Das pacquet‘‘ wurde von Ch. Brosseau weiterbef¨ ordert (vgl. N. 186). Ein Antwortbrief (vgl. ” achster u ¨berlieferter Brief an Le Gobien datiert vom 18.–20.(?) N. 233) wurde nicht gefunden. Leibniz’ n¨ August 1705 (gedr.: Widmaier, China, 1990, S. 225–227). 19 p. 8: Vgl. I, 20 N. 318, S. 546 Z. 10. 20 relation: Brevis r e l a t i o (SV.). Leibniz hat diese Schrift nicht erhalten, vgl. N. 218.

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`a Paris le 13. mars 1703 Nous avons receus par la voye d’Angleterre, Monsieur, une lettre que le R. P. Bouvet m’a fort recommand´ee affin qu’on vous la rendist fidellement. Les lumieres que vous lui avez communiqu´ees lui font un extreme plaisir et lui inspirent une nouvelle ardeur pour creuser les sciences les plus mysterieuses de la Chine. vous trouverez dans sa lettre un essai de son travail, les scavans de ce pa¨ıs `a qui j’en ay fait part par ses ordres, m’en ont paru fort contens. Ils est bien glorieux, Monsieur, de marcher sur vos traces, et de developer ` a vostre imitation des sciences qui ont paru jusqu’ici impenetrables. Je ne doute point que l’Amphitrite ne nous apporte de nouveaux memoires et de nouvelles connoissances, si ce vaisseau est assez heureux pour arriver `a bon port. Car s’il tombe entre les mains des armateurs, tout sera perdu. Si vous souhaitez, Monsieur, ´ecrire au P. Bouvet et aux autres Peres qui sont ` a Pekin, je vous prie de me faire rendre vos lettres ici dans deux ou trois mois, peutestre trouverons-nous quelque occasion assez favorable pour les envoier en ce pays-l` a. Je ne scai si M. Brosseau vous a envoi´e un second recueil de lettres curieuses et edifiantes de nos missionaires que j’ai fait imprimer depuis quelques mois. Le R. P. Verjus qui a une estime et une consideration toute particuliere pour vous m’a pri´e de vous asseurer de ses respects. permettez moi de me joindre `a lui pour vous marquer qu’on ne peut estre plus que je suis Monsieur

Vostre tres humble et tres obeissant serviteur

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C. Le Gobien.

M. Leibnitz.

175. BARTOLOMEO ORTENSIO MAURO AN LEIBNIZ Hannover, 14. M¨ arz 1703. [166. 189.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 619 Bl. 47–48. 1 Bog. 8o. 4 S. Ohne Unterschrift. — Teildr. (S. 280 Z. 20 f.): Feder, Sophie, 1820, S. 162.

4 communiqu´ ees: Leibniz’ Brief an Bouvet vom 15. Februar 1701 (I, 19 N. 202). 6 essai: Brevis r e l a t i o , 1701, SV. 9 l’Amphitrite: Das franz¨ osische Handelsschiff kam von seiner zweiten (und letzten) Fahrt nach China am 17. August 1703 wieder nach Frankreich. 14 envoi´ e: vgl. N. 186. Zu N. 175: K antwortet auf einen nicht gefundenen Leibnizbrief (vgl. S. 280 Z. 13).

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Hr le 14 Mars 1703.

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Vous ferez tres bien, Monsieur, d’attendre que le temps s’adoucisse, il est trop rigide encor pour se mettre en voyage, quand mesme la Reyne vouloit vous le permettre: je souhaitte fort que vostre sant´e se retablisse. J’ay est´e touch´e de la perte de Mr Rebeur: Mgr le Pce Royal a raison de le regretter, il est fort regrett´e icy de tous ceux qui avoient le bien de le connoistre, on a lou´e le bon naturel que le Pce a fait paroistre encor en cette occasion. Dieu le conserve dans ces beaux sentim[en]s. Je vous suis inf[inimen]t oblig´e de ne m’avoir pas oubli´e chez Mr le Co. de Dona; lors que vous en trouverez l’occasion je vous prie, Monsieur, de m’y continuer vos bons offices, encor prez de Mr d’Obresinski, s’il est de retour, et de Ms de Schwerin et de Brant. En lisant hier vostre l[ettr]e ` a Me l’Elce S. A. El. me dit qu’elle vous s¸cavoit bon gr´e de l’interest, que vous preniez ` a sa sant´e, mais qu’elle estoit plus en peine pour celle de Me la Prsse Louise que pour la sienne. La relation que le Medecin fait de son mal a Madame d’Orleans donne de l’apprehension, mais Madame l’ayant est´ee voir apres, ` et l’ayant trouv´ee en meilleur estat, et mesme en humeur de plaisanter, cela a dissip´e en quelque partye nostre crainte: cependant on n’est pas si rasseur´e qu’on n’attende en tremblant les nouvelles de Vendredy; elle estoit n´ee du 1 6 2 2 ; atteinte d’apoplexie, et un tel age ont de quoy nous allarmer. La tendresse de Me l’Elce m’affligeroit plus que tout autre accident, sa conservation, et sa tranquilit´e font un de nos voeux plus importans, en quoy je s¸cay que Sa Mt´e aussy nous seconde. Hier je re¸cu ˆs l’honneur de sa lettre, `a la quelle je ne s¸cay si j’oseray repliquer: il n’est rien de si consolent que les bontez de cette Auguste Prsse. Je trouve que Mr l’Ab. Stef. avec tous les avantages qu’on luy offre au Rhin, perd beaucoup de ne pouvoir pas faire sa Cour sur la Sprey, car il me paroist fort hast´e pour son voyage, et veut estre de retour de Cell’ icy vendredy; on fait empaquetter tous ses livres et ses hardes, cette transmigration m’est tres sensible: je vous ay pri´e de

5 Rebeur: J. Ph. Rebeur, der Instruktor Kronprinz Friedrich Wilhelms. 9 Co. de Dona: vermutlich A. zu Dohna-Schlobitten. 11 d’Obresinski: der Oberhofmeister in Berlin F. B. von Dobrzensky. 11 f. Schwerin . . . Brant: beide Mitglieder des Geheimen Rates zu Berlin, O. von Schwerin u. E. von Brandt. 14 sant´ e: zur vorangegangenen Erkrankung der Kurf¨ urstin Sophie vgl. N. 153 sowie N. 20. ¨ 15 Louise: die Schwester der Kurf¨ urstin Luise Hollandine, Abtissin von Maubuisson; vgl. auch N. 26. 15 relation: nicht ermittelt. 19 Vendredy: 16. M¨ arz. 22 lettre: nicht ermittelt. 24 Stef.: A. Steffani. 24 f. au Rhin: in D¨ usseldorf; vgl. N. 166 Erl.

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m’avertir ` a qui je dois donner les 8 ecus pour les 24 pieces d’ambre jaune qui sont tres bien faites, et ` a souhait; je replique ` a Mr Melani qu’il ayt soin des papiers de Mgr Biankini pour les envoyer ` a n[ostr]e Agent Zanli ` a Venise, par bonne occasion. Sur le bruyt de vostre indisposition il me mande dans les derniers lettres du 24 fevr. qu’il songeoit `a les rendre au dit Mgr, mais je le presse (s’il l’a fait) de les reprendre: pressez le P. Vota pour l’ouvrage dont vous me parlez, Vindiciae nom. Ital. c[ont]ra Gal. il meriteroit de la Nation une Statue au Capitole, dont jadis Camillus chass´a ces Barbares, qui auroient sans ce brave Dictateur etouff´ee la Gloire de Rome dans sa Naissance. Defendat Cives imitator Vota Camilli, et domet invidiam Galle superbe tuam Toute l’Europe applaudiroit ` a un dessein si juste, et si genereux. On se defend au Kehl, le Co. Styrum `a bien commenc´e en Baviere, que le Co. de Schliech donne lieu d’un autre cost´e ` a Mr l’Elr de rentrer dans le bon party, apres cela on aura beau jeu. Ce temps n’est gueres propre pour tenir la campagne: on a laiss´e passer inutilement le meilleur par une lenteur fatale, mais il vaut mieux tard que jamais. Mgr l’Elr re¸cu ˆt hier des bonnes nouvelles, de cette affaire depend le bon ou le mauvais sort de la guerre presente. S. Al. E. ira ` a Cell’ mais pas si tost, Mgr le Duc E. A. l’attendra ce l` a. Le P d’Hesse ne s’y ennuyoit pas: il a eu de la peine `a quitter l’Isle de Calypso, il avoit besoin que la main de Mentor le jettast en bas de l’ecueil.

1 pieces d’ambre: vgl. N. 100. 2 replique: auf den N. 147 beigelegten Briefausschnitt A. Melanis an Mauro vom 14. Februar sowie vermutlich auf den erw¨ ahnten Brief vom 24. Februar; jeweils zur Frage der Weiterbef¨ orderung der Leibniz von F. Bianchini zugedachten mathematischen Tafeln. 3 Zanli: der hannoversche Agent in Venedig G. B. Zanovello. 4 lettres: nicht ermittelt. 6 l’ouvrage: vgl. N. 27. 7 Barbares: die Gallier vor Rom zu Beginn des 4. Jhs v. Chr. 12 defend: Die Festung Kehl hatte bereits am 12. M¨ arz vor franz¨ osischen Truppen kapituliert. 12 Styrum: der kaiserliche Feldmarschall O. H. von Limburg-Styrum. 13 Schliech: der kaiserliche General L. A. J. von Schlick. ¨ chmann, Gefl¨ 15 mieux . . . jamais: vgl. Bu ugelte Worte, 32. Aufl. 1972, S. 560. 16 nouvelles: nicht ermittelt; vielleicht im Rahmen der Bestrebungen Kurf¨ urst Georg Ludwigs um ein Oberkommando im Spanischen Erbfolgekrieg, das er jedoch erst 1707 erhielt; vgl. Schnath, Geschichte, 3, 1978, S. 470 f. 17 ira: Kurf¨ urstin Sophie reiste am 21. M¨ arz nach Celle; vgl. N. 29. 17 E. A.: Herzog Ernst August d. J. von Braunschweig-L¨ uneburg. 18 Pce: vermutlich Wilhelm von Hessen-Kassel; vgl. N. 145. ´nelon, Les avantures de 18 l’Isle de Calypso: vielleicht Anspielung auf F. de Salignac de La Mothe Fe T´ el´ emaque fils d’Ulysse, 1699, S. 13 f. mit der Absage Telemachs an das ihm von Kalypso zugedachte luxuri¨ ose Leben nach einer Ermahnung Mentors.

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176. JOHANN JACOB LEIBNIZ AN LEIBNIZ Stockholm, 5. (15.) M¨ arz 1703.

¨ ¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 545 Bl. 2–3. 1 Bog. 4o. 2 S. Eigh. Aufschrift. Siegel. Uber der Anrede Vermerk von Leibniz’ (?) Hand: Holm. 5. Mart. 1703.‘‘. Postverm. Bibl.verm. ”

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Hochwohl-geborner etc. H¨ ochst zu Ehrender Patron etc. und Cousin etc. Je mehr Jahr Ich zuruck zehle, dero Excellenz in meiner ersten Jugend ¨oftters umarmet zuhaben, je gr¨ oßere Empfindlichkeit habe Ich, niemalen, sonderlich in meiner lezten Tour von T¨ ubingen aus, nach diesem rauhen Nord-Pol, daß Gl¨ uck genießen zuk¨onnen, einen so großen Freund zusprechen, dem Ich bey den N¨ urnbergern, M¨ unz-meistern zu N¨ urnberg das lezte mal aufgewartet, von welcher Zeit an Ich auch guten Theils in Casibus revera perplexis gelebet, biß Ich nach G¨ottlichen willen an der Stockholmischen Revier gestrandet, und nun in das siebende Jahr die Teutsche Gemein allhier nach meinen wenigen Kr¨ aften bediene. Daß ich mich aber unterfange dero Excellenz, mit diesen gegenw¨ artigen Zeilen zu beunruhen, ist ursach, mich bey dero zu informiren wie weit doch die Leibnizische Familien aus der Antiquit¨at aufzusuchen, zumalen Ich es mit solcher Sach h¨ oher nicht bringen kann als daß Ao 1315. Fridericus hujus nominis III. a Leibniz Praepositus et Archidiaconus Salisburgensis in Archi-Episcopum erwehlet, das Hospital St. Blasii daselbst ex propriis erbauet mit Friderico de Austria in einer Off-

Zu N. 176: K ist neben I, 5 N. 13 der einzige u ¨berlieferte Brief der Korrespondenz. 6 in . . . Jugend: Direkte Kontakte in der Jugendzeit Johann Jacobs sind f¨ ur 1666/67, w¨ ahrend Gottfried Wilhelms Aufenthalt in Altdorf und N¨ urnberg, anzunehmen. 8 T¨ ubingen: An der Universit¨ at T¨ ubingen war Johann Jacob 1694 immatrikuliert und wurde 1695 zum Doktor der Theologie promoviert. 9 M¨ unz-meistern: P. P. Metzger, vgl. I, 5 N. 13 Erl. 10 aufgewartet: vermutlich Anfang 1688. 10 f. Casibus . . . perplexis: Gemeint sein k¨ onnten Vorw¨ urfe gegen¨ uber Johann Jacob in Zusammenhang mit seiner Predigert¨ atigkeit, deretwegen er 1688 um seine Entlassung aus dem Diakonat von St. Sebald in N¨ urnberg nachsuchte; vgl. G. A. Will, N¨ urnbergisches Gelehrten-Lexicon, 2, N¨ urnberg und Altdorf 1756, S. 421; zus¨ atzlich vielleicht Anspielung auf Leibniz’ Altdorfer Disputatio De casibus perplexis, 1666. 16 f. Fridericus . . . Leibniz: Friedrich III. von Leibnitz war zun¨ achst (seit 1308) Dompropst und 1315–1338 Erzbischof von Salzburg. Er entstammte der Salzburger Ministerialenfamilie der Burggrafen von Leibnitz aus der Mittelsteiermark. 18 erbauet: das bei der Blasiuskapelle der Stadt Salzburg am 17. Juli 1327 gegr¨ undete B¨ urgerspital. 18 Friderico de Austria: Herzog Friedrich I. (der Sch¨ one) von ¨ Osterreich und Steiermark, als deutscher Gegenk¨ onig Friedrich (III.).

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und Defensiv Allianze gelebet, Otto de Leibniz und Friedericus de Leibniz zu Rittern geschlagen, wie solches in der so genandten Metropoli Salisburgensi H. Wigulei Hund a Sulzenmos p. m. 21 und 22 zur gen¨ uge enthalten, auch Aventinus deßen genau gedenckt. Annal. Boj. l. 7. p. m. 604. bitte so Sie h¨ohere Zeiten mir mit-theilen k¨onnen unsrer Vor-Eltern, solches nicht zumißg¨ onnen. In u ¨brigen ob Ich schon erst Semisecularis bin, so suche ich doch so viel m¨ oglich meine u ¨brige lebens-Tage noch mit einiger Ruhe zu cr¨ onen, der Ich in das 25ste Jahr mein bestes in meinem Amt gethan, k¨onnen dero Excellenz mir zu einem Canonicat beh¨ ulflich seyn, wolte Ich solches mit w¨ urcklichen danck erkennen, zumalen, zum Frieden von hiesiger Cron so viel als kleine oder keine hoffnung, Habe ein einig T¨ ochterlein, und m¨ ogte meine Vergn¨ ugung mit mir und meinen B¨ uchern theilen. Von hier nichts neues als daß wir beseufzen unsren Allergn¨adigsten K¨onig von Seinem Thron und uns so entfernet zu sehen, bey welcher Sache aber uns nichts als das nachsehen geg¨ onnet wird. Bitte schl¨ ußlichen diese gebrauchte K¨ uhnheit nicht nach der sch¨ arfe anzuklagen, der Ich solche hiermit unter devoter umarmung abbitte. dero Excellenz

Gebeth und dienst-verpflichteter

Johannes Jacobus Leibniz

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SS. Th. D. Consist. Holm. Aßeßor, et coet. Teut. Past. Holm. d. 5. Marti styl. vet. Ao 1703. A Monsieur Monsieur Geoffroy Guillaume de Leibniz, Docteur en Droit tres Celebre Conseiller d’Etat de Son Alteße Serenißime l’Electeur d’Hannover etc. pour le Present ` a Hannover.

1 Allianze: vgl. W. Hund, Metropolis Salisburgensis, 1582, 1620, in der uns zug¨ anglichen Ausgabe von 1719 Bd 3, S. 15. 1 f. zu Rittern geschlagen: vgl. Hund, a. a. O., S. 15. Genannt sind hier (S. 16) ein Otto de Leibnitz‘‘ sowie ein Fridericus de Loibnitz‘‘. Der Akt fand am 28. September 1319 statt; ” ” vgl. Die Regesten der Erzbisch¨ ofe und des Domkapitels von Salzburg 1247–1343 , 3, bearb. v. F. Martin. Salzburg 1934, N. 174 (S. 17 f.). 2 f. Metropoli . . . 22: in der Ausgabe von 1719 Bd 3, S. 15 f. 4 f. unsrer Vor-Eltern: Verwandtschaftsbeziehungen sind nicht nachgewiesen. 10 T¨ ochterlein: Anna Katharina. 11 K¨ onig: Karl XII. 12 entfernet: Anspielung auf den Nordischen Krieg.

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ii. allgemeiner und gelehrter briefwechsel 1703

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177. GIUSEPPE GUIDI AN LEIBNIZ [Hannover, Mitte M¨ arz] 1703. [170. 183.]

¨ Uberlieferung: K Abfertigung: LBr. 343 Bl. 329–330. 1 Bog. 8o. 4 S. Mit geringf¨ ugigen Korrekturen.

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J’ay donn´e l’adresse ` a vos Lettres, et je vous prie de vous charger de l’incluse, que j’ay receu d’Italie. Je n’ay pas receu des novelles de Mr Eccard, apparemment que vous ne lui aur´es pas envoy´e les miennes, comme je vous ay suppli´e, et moy je ne v