Liebe Leserinnen und Leser,

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Ausgabe 14 - Dezember 2007 Mittendrin Aktuelles Aus den Bereichen Betreuerrat / Förderverein Kirchen gemeinde Heimbeirat / Werkstattrat Personalien T...

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Ausgabe 14 - Dezember 2007

Mittendrin Aktuelles Aus den Bereichen Betreuerrat / Förderverein Kirchen gemeinde Heimbeirat / Werkstattrat Personalien Termine

Jahreslosung 2007: Gott spricht: Siehe, ich will Neues schaffen, jetzt w‰chst es auf, erkennt ihrís denn nicht?

Jahreslosung 2008: Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Johannes 14,19

Liebe Leserinnen und Leser, Nur noch wenige Tage, dann ist Weihnachten. Bald hören wir wieder die Botschaft der Engel an die Hirten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“ Was wäre gewesen, wenn die Hirten das damals überhört hätten und sich nicht auf den Weg nach Bethlehem gemacht hätten? Sie hätten nichts gefunden. Weder Ehre noch Freude noch Wohlgefallen. Alles wäre beim Alten geblieben. Sie hätten das Kind in der Krippe nicht gefunden. Und wir? Wer sagt uns heute Worte, die uns in Bewegung setzen, sodass wir glauben, hingehen, suchen und finden? Manchmal habe ich den Eindruck, die Engel der Weihnachtsgeschichte sind uns irgendwann verloren gegangen. Zwar versuchen wir, gerade an Weihnachten, sie durch kunstvolle Figuren in unseren Wohnungen gegenwärtig zu erhalten. Aber Holzfiguren leben nicht. Sie sprechen nicht, sodass wir - anders als die Hirten damals - die Botschaft vom „Frieden auf Erden“ in unserem hektischen Alltag kaum noch zu hören meinen. Könnte es nicht sein, dass die Engel trotzdem um uns da sind? Der Schriftsteller und Dichter Rudolf Otto Wiemer war hiervon überzeugt. Mit seinem Gedicht „Engel“ öffnet er uns die Augen für die uns umgebenden Engel: Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein. Oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel. Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel. Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand Oder wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel. Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel, dem Kranken hat er das Bett gemacht. Er hört, wenn du rufst in der Nacht, der Engel. Er steht am Weg und sagt: Nein, der Engel, groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein; es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. aus: Rudolf Otto Wiemer, Der Augenblick ist noch nicht vorüber, Kreuz Verlag, Stuttgart 2001

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Mittendrin

Können wir das nicht alle bestätigen? Auch in den Heimen Scheuern erleben wir doch immer wieder, dass es nicht nur das ewige Einerlei gibt, sondern auch ermutigende Überraschungen! Unser Leben ist nicht nur Mühsal. Wir erfahren immeer wieder auch Freude, Frieden und Gelingen. Und sei es nur, dass uns einer unserer Bewohner anlächelt, wenn wir gedankenschwer über Problemlösungen grübeln. So erleben wir Tag für Tag vieles, was uns Grund zu Hoffnung und Zuversicht gibt. Damit uns solche Wahrnehmungen nicht abhanden kommen, brauchen wir Vertrauen, das stärker ist als alle Zweifel. Die Engel nennen uns Gottes Ziel und zeigen uns dazu den Weg: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen seines Wohlgefallens.“ So lautet Gottes Plan. Ja, von den Engeln in der Weihnachtsgeschichte können wir viel lernen. In diesem zu Ende gehenden Jahr 2007 haben der Vorstand und die Leitung der Heime Scheuern vielfältigen Grund, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die geleistete Arbeit zu danken. Unser ausdrücklicher Dank gilt der Mitarbeitervertretung, dem Heimbeirat, dem Werkstattrat und dem Betreuerrat für die konstruktive Zusammenarbeit. Sehr dankbar sind wir ebenso für alle vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Eltern, Angehörigen, Betreuerinnen und Betreuern. Auch allen Behörden, Institutionen und Firmen, mit denen wir zusammen arbeiten dürfen, sowie dem Förder- und Freundeskreis der Heime Scheuern e.V. und allen, die uns durch Zuschüsse und Spenden unterstützt haben, danken wir sehr herzlich.

Ihnen allen ein frohes Weihnachtsfest und ein friedvolles Neues Jahr. Ihr

Eckhard Bahlmann Pfarrer und Direktor

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Mittendrin Wir haben doppelten Grund zum Feiern…. - Werkstatt für behinderte Menschen Langauer Mühle und Tagesförderstätte zwischen gestern und heute von Bernd Feix Der Alltag eines erwachsenen Menschen wird in unserer Gesellschaft wesentlich durch das Arbeitsleben ausgefüllt. Auch Menschen mit Behinderung gibt Arbeit und Beschäftigung Selbstbestätigung und soziale Anerkennung. Dies erst ermöglicht ein erfülltes Leben in der Gemeinschaft. Die Heilerziehungs- und Pflegeheime Scheuern bieten seit ihren Anfängen Menschen mit einer Behinderung die Möglichkeit, sinnvollen Beschäftigungen nachzugehen. Dies war bereits viele Jahre vor der Gründung der Tages- förderstätte und vor der Anerkennung der Langauer Mühle als Werkstatt für behinderte Menschen ein wichtiger Bestandteil ihres fürsorgenden Selbstverständnisses. Seit 1987, also nunmehr 20 Jahren, bietet die Tagesförderstätte den Bewohnerinnen und Bewohnern der Heime Scheuern, die durch Art und Schwere ihrer Behinderung keiner Werkstatttätigkeit nachgehen können, einen zweiten Lebensraum außerhalb der Wohngruppe an. Die Schwerpunkte der Betreuung liegen bis zum heutigen Tage in der individuellen Förderung entsprechend des jeweiligen Hilfebedarfes. Inhalte sind dabei u.a. Basale Stimulation, Wahrnehmungsübungen, Bewegungsangebote, lebenspraktische Übungen, Freizeitaktivitäten und therapeutische Angebote. Dort, wo ein Übergang in die Werkstatt möglich erscheint, wird dies in besonderer Weise gefördert. Inzwischen besuchen 205 Menschen die Tagesförderstätte. In 7 Förderbereichen an verschiede-

nen Standorten erhalten sie überwiegend teilzeitige Betreuungsangebote. Die Tagesförderstätte betreut inzwischen auch externe Besucher, die in ihrer Familie außerhalb der Heime Scheuern leben. Zu einem weiteren Aufgabenfeld hat sich in den letzten Jahren die Seniorenarbeit entwickelt. Sie bietet unter dem organisatorischen Dach der Tagesförderstätte älteren Menschen mit Behinderungen nach ihrer Berentung Angebote zur Freizeitgestaltung an. Die Langauer Mühle ist seit nunmehr 25 Jahren als anerkannte Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) eine Einrichtung der beruflichen Rehabilitation und Teilhabe. Sie berücksichtigt eine doppelte, gleichrangige Aufgabenstellung – einerseits den Betreuungsauftrag für Menschen mit Behinderung und andererseits den Produktionsauftrag. Die methodische Vermittlung praktischer Arbeitsabläufe mittels Anleitung, Gestaltung des Arbeitsplatzes sowie Assistenz ist ein wichtiger Bestandteil der Betreuung. Der gesetzliche Auftrag Beruflicher Bildung ist Aufgabe und Anspruch unserer Werkstatt! Heute verfügt die Langauer Mühle über die verschiedensten Produktionsund Dienstleistungwerkstätten, in denen derzeit 420 Menschen mit Behinderung tätig sind. Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Verpackung und Montage, Wäscherei, Metallverarbeitung, Schreinerei, Druck- und Papierverarbeitung, OrthopädieSchuhtechnik, Landwirtschaft,

Landschaftspflege und Gastronomie. Nach den gesetzlichen Bestimmungen der Werkstättenverordnung ist die Förderung des Übergangs auf den ersten Arbeitsmarkt eine wichtige Aufgabe der Werkstätten für behinderte Menschen. Besonderes Gewicht erhält diese Aufgabe durch den politisch gewollten Paradigmenwechsel, der den Anspruch der Menschen auf Teilhabe und Selbstbestimmung verstärkt. Wir haben daher für die WfbM Langauer Mühle die Integration von Menschen mit Behinderung auf den „ersten Arbeitsmarkt“ als Unternehmensziel formuliert. Seit Anfang diesen Jahres ist deshalb eine Integrationsfachkraft für diese Aufgabenstellung freigestellt. Durch individuelle Qualfizierungsangebote sowie die Beratung und Begleitung der Teilnehmer vor, während und nach dem Übergang auf einen Außenarbeitsplatz versuchen wir, dieses Ziel zu erreichen. Bei allen Bemühungen steht der Mensch im Mittelpunkt. Mit dem Instrument der individuellen Teilhabeplanung und mit Unterstützung des begleitenden Dienstes der Werkstatt entwickeln wir unsere Angebote zur beruflichen Rehabilitation und beruflichen Bildung kontinuierlich weiter. Die Leitung der Heime Scheuern ist allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der verschiedenen Werkstattbereiche und der Tagesförderstätte dankbar für das große Engagement und die geleistete Arbeit in der zurückliegenden Zeit.

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Die Langauer Mühle, Pfarrer i. R. Bernhard Fischer, Direktor der Heime Scheuern von 1963 bis 1987, erinnert an die Anfänge der Langauer Mühle Die Langauer Mühle war eine wichtige Zweiganstalt, die für die Gesamteinrichtung von großer Bedeutung war. Zunächst befand sich in der alten Langau die Mühle, in der wir unser eigenes Getreide vermahlen und dann in der eigenen Bäckerei, die auch dort untergebracht war, verbacken haben. Außerdem waren mehrere arbeitstherapeutische Einrichtungen da, wie z.B. die Matten- flechterei, die Korbmacherei, die Korbbinderei, die Bürstenbinderei und dann unsere Schweinemästerei. Wir hatten immer so 115 bis 120 Schweine gleichzeitig in der Mast, die natürlich fast alle für die eigene Küche verwandt wurden. Ab Oktober 1960 haben wir versucht, Heimbewohner mit leichten einfachen Industriearbeiten zu beschäftigen. Die Nassauer Firma Kaiser u. Co., die viele Backformen damals schon herstellte, erklärte sich bereit, uns zu helfen. Es begann mit der Herstellung von Ausstechförmchen für Weihnachtsgebäck, die wir auch verpackt und schließlich dann auch noch versandt haben. Damals konnten wir an den Bau einer offiziellen Werkstatt für Behinderte noch lange nicht denken. Auch hatten wir seinerzeit gar keine Räume für diese Tätigkeiten. Wir mussten sie in den sogenannten Tagesräumen durchführen und hinterher wieder alles wegpacken. Diese Arbeit konnten wir im Laufe der Zeit so ausbauen, dass es uns

im Jahre 1977 gelang, die offizielle Anerkennung als Werkstatt für Behinderte zu bekommen. Damit war dann auch in übertragender Bedeutung der Grundstein dafür gelegt, dass wir daran denken konnten, eine eigene Werkstatt zu bauen. Nachdem wir 1979 die gesamte alte Langau abgerissen hatten, stand uns dieses Gelände als Bauplatz für eine neue, große, moderne Werkstatt zur Verfügung. Es gab natürlich unendlich viele Verhandlungen, teils vor Ort, mit der Gemeinde und dann mit den unterschiedlichen Behörden, vorwiegend dem Sozialministerium, bis es schließlich soweit war, dass wir im Jahre 1980 mit dem Bau beginnen konnten. Im ersten Gespräch mit dem Architekten habe ich ihm gesagt, in jedem Fall wollen wir unser altes Mühlrad erhalten und zwar an dem Platz, an dem es immer gestanden hat und an dem es gelaufen ist. Alles Andere wollen wir versuchen drumherum zu bauen. Und so haben wir das Mühlrad auch stehen gelassen und die Bauarbeiten begannen dann davor und auch dahinter sich weiter zu entwickeln. Nach gut zweijähriger Bauzeit war es dann soweit, dass wir die Werkstatt einweihen konnten. Wir haben Sie am 08.Oktober 1982 eingeweiht, natürlich mit einem internen Fest, aber gleichzeitig auch,

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am Tag darauf, mit einem „Tag der offenen Tür“, damit auch die Bevölkerung der Umgebung die Werkstatt sich ansehen und auch erklärt bekommen konnte, was wir mit dieser Werkstatt bezweckten. Für die Einweihungsfeier haben wir ein großes Zelt neben der Werkstatt aufgebaut. Die Feier begann natürlich mit einer Begrüßung und einer Ansprache an die vielen Gäste. Selbstverständlich waren von den Behörden viele Vertreter gekommen, aber eben auch Menschen aus der Umgebung, die sich für diese Arbeit interessierten. Dem damaligen Minister für Arbeit und Soziales, Rudi Geil, haben wir viel zu verdanken, weil er unsere Arbeit während der ganzen Zeit seines Ministerseins immer wieder unterstützt hat. Dem Leiter der neuen Werkstatt, Robert Ruf, wurde von mir der Schlüssel für die Werkstatt übergeben. Wir haben als Einrichtung der Diakonie unsere Arbeit immer bewusst verstanden, als „im Geiste des Evangeliums anderen Menschen zu helfen“. So steht es wörtlich in der Satzung der Heime Scheuern. Und auch die Glocke hatten wir gießen lassen mit der Inschrift „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“, um den Bezug zur Diakonie und zum christlichen Glauben und zum christlichen Gehalt unserer Arbeit herzustellen.

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Mittendrin Wie die Langauer Mühle entstanden ist Fragen von Beschäftigten an Pfarrer i. R. Bernhard Fischer

Warum haben Sie eine Behindertenwerkstatt gebaut und keine Fabrik? Eben weil wir behinderten Menschen helfen wollten. Oder anders gesagt, weil wir Menschen helfen wollten, die eben nicht in einer Fabrik ihr Geld verdienen können, die hier den Schutz brauchen, den eine solche Werkstatt ihnen bietet. Damit auch diese Menschen, die nicht in eine Fabrik gehen können, eine Arbeit finden können und durch diese Arbeit eine gewisse Erfüllung ihres Lebens. Haben die Menschen, die hier früher gearbeitet haben, auch Geld verdient, gab es auch ein Mittagessen für die Menschen? Alle, die früher hier gearbeitet haben, haben ja hier auch gewohnt und da haben sie natürlich gegessen, so wie die anderen zu Hause auch. Das Essen wurde

aus den Heimen geholt und das Geschirr und die Töpfe wurden hinterher wieder in die Heime gefahren. Also, hier hat man richtig gewohnt und auch gegessen, aber gekocht wurde hier nicht, nur morgens der Kaffee. Aber jetzt die andere Frage, die viel wichtiger ist, und über deren Antwort ihr euch wundern werdet. Nein, sie haben kein Geld verdient. Das waren damals sehr arme Zeiten. Es gab niemanden, der Geld gehabt hätte, um es zu zahlen. Der Staat, der heute bezahlt, der hat es damals noch nicht getan und so mussten wir, das heißt die Einrichtung, nur mit den bescheidenen Mitteln, die wir hatten, mit dem wenigen Geld hier und da eine Freude machen. Es haben an jedem Samstag die Männer fünf Zigaretten bekommen oder zwei zusammen ein Päckchen Tabak. Und alle die, die nicht geraucht haben, das waren damals vorwiegend die Mädchen und die Frau-

en, die bekamen Bonbons am Samstag, eine Handvoll, und mehr gab es nicht. Ja, es war genau so, wie ich es sage. Wie gefällt Ihnen die Langauer Mühle heute, 25 Jahre später? Also da kann ich nur sagen, dass ich mich sehr, sehr freue, wenn ich heute in die Langauer Mühle komme. Und zwar in zweierlei Hinsicht, einmal freue ich mich, dass die Werkstatt noch so gut erhalten ist, nach so langer Zeit. Aber noch mehr freue ich mich darüber, dass es nun möglich wurde, 25 Jahre lang vielen Menschen hier Hilfen zu geben und mit diesen Hilfen dazu beizutragen, dass sie ein frohes Leben führen können. Und damit ist eben das eingetreten, was wir vor langer Zeit, vor mehr als 25 Jahren schon, geplant und auch erhofft haben.

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Mittendrin

Von der Kornmühle zum modernen Dienstleister Entwicklung einer beschützenden Werkstatt zu einer anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen von Willi Debusmann In einer ehemaligen Kornmühle hat vor annähernd 40 Jahren alles begonnen. Neben der Herstellung von Eigenprodukten, wie zum Beispiel Fußmatten und Besen, begann Ende der 60er Jahre in der alten Langauer Mühle der Einstieg in die Industriemontage. Für ein in Nassau ansässiges Industrieunternehmen, das sich auf die Herstellung von Backformen spezialisiert hatte, wurden in reiner Handarbeit Gebäckausstecher produziert. Die dafür benötigten Blechstreifen wurden in Handarbeit zugeschnitten, geprägt und vernietet. Nach dem Abbruch der alten Langauer Mühle, Ende der 70er Jahre, wurde die Produktionsstätte in den Keller des Horny Hauses verlagert und weiter ausgebaut. Es folgten zum Ende der 70er Jahre zwei weitere Produktionsstätten, eine auf dem Lahnberg im Anbau des Karl-Todt-Hauses, eine weitere auf Hof Mauch in der unteren Etage des Wohnhauses bei den Stallungen. Bald konnten weitere Wirtschaftsunternehmen aus der näheren Region als Kunden gewonnen werden und der notwendige Bau der Hauptwerkstatt begann. Ab September 1982 wurde nun dort produziert. Schon nach wenigen Jahren war die Aufnahmekapazität für Beschäftigte der Hauptwerkstatt erschöpft. Aus diesem Anlass wurden Ende der 80er Jahre die leerstehenden Stallungen auf Hof Mauch zu einer Zweigwerkstatt

ausgebaut. Im November 1988 erfolgte der Einzug. Alle im Burchardihaus lebenden Heimbewohner arbeiteten ab sofort vor Ort auf Hof Mauch in zwei Montagegruppen. Mit der Verlegung der Landschaftspflegegruppen in den Keller des Horny Hauses konnten weitere Aufnahmekapazitäten für Beschäftigte in der Hauptwerkstatt Langauer Mühle geschaffen werden. Als 1994 die Zweigwerkstatt in Singhofen bezugsfertig war, wurde die Produktionsstätte auf Hof Mauch aufgelöst und ebenso wie die Wäscherei aus dem Zentralbereich und auch die Schuhmacherei dorthin verlagert. Nach der Eröffnung des Ladenlo-

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kals in Nassau fand der Schuhservice hier seinen jetzigen Bestimmungsort. Mit dem Anbau des Lagers der Hauptwerkstatt 2002 erfolgte die vorerst letzte Baumaßnahme im WfbM-Bereich. Nun war es möglich, die Geschäftsbeziehungen zu wichtigen Auftraggebern auszubauen. Auch konnten in der oberen Etage des Anbaus Räumlichkeiten für drei Fördergruppen zur Verfügung gestellt werden. In einem Zeitraum von annähernd 40 Jahren entwickelte sich somit aus den Anfängen in einer alten Kornmühle aus einer beschützenden Werkstatt eine anerkannte WfbM mit heute über 420 Beschäftigten und 215 MitarbeiterInnen in neun Teilbereichen.

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Mittendrin Begleitender Dienst in der WfbM Neues Angebot: Die Ausgleichsgruppe von Birgitt Roos und Yvonne Gras Am 20. August hat die „Ausgleichsgruppe“ in der Zweigwerkstatt Singhofen ihren Betrieb aufgenommen. Umfangreiche Umbaumaßnahmen waren notwendig, damit dieses neue Angebot für vorgealterte und ältere Werkstattbeschäftigte starten konnte. Besonders für Werkstattbeschäftigte ab dem 50. Lebensjahr sollen je nach individuellem Hilfebedarf Angebote gemacht werden, die die Arbeitsfähigkeit erhalten, den altersbedingten Abbauprozess hinauszögern und die potentiellen Werkstattrentner auf ihren kommenden Ruhestand vorbereiten. Dies geschieht mit stundenweisen Entlastungsan-

geboten vom Arbeitsalltag, mit einer Auszeit von der Arbeitsgruppe. Zur Umsetzung dieser Ziele wurden verschiedene Angebote entwickelt: u.a. gemeinsame Aktivitäten wie Kochen, Backen, Einkaufen zum Erhalt der lebenspraktischen Fähigkeiten, Schulungen der verschiedenen Sinnesmodalitäten durch gezielte Ansprache der einzelnen Wahrnehmungskanäle, Training und Erhalt von wichtigen kognitiven Kompetenzen, gestalterisch- und musisch-kreative Angebote und Förderung durch verschiedene Handwerkstechniken, themenzentrierte Exkursionen, Entspannungsübungen, Erzählkaffee zum lebensbiographischen Austausch

und Ausbau der sozialen Kontakte, Computernutzung und das gemeinsame Erarbeiten von Lebensperspektiven für das Rentenalter. Zunächst in offener Form angeboten, läuft seit September bereits im Kurssystem für ausgewählte Beschäftigte vormittags das volle Programm. Ergänzt wird dies durch Angebote in speziellen Projektwochen. Darüberhinaus ist auch an zwei Nachmittagen das „Erzählkaffee“ als offenes Angebot für die Besucher der Ausgleichsgruppe geöffnet.

25 Jahre Sportlicher Dienst in der Langauer Mühle von Günther Mesloh Von Anfang an gehörte auch die sportliche Betätigung zu den arbeitsbegleitenden Maßnahmen der WfbM Langauer Mühle. Damals wie heute lag der Schwerpunkt der sportpädagogischen Arbeit in der Verbesserung koordinativer Fähigkeiten, der allgemeinen Mobilität und der Motivation zu mehr Bewegung. So gibt es neben den normalen Sportstunden, in denen Gymnastik, Koordination und kleine Spiele angeboten werden, auch besondere Möglichkeiten wie Bewegungsbad, Trampolin, Walking, Schwimmen, Tischtennis und Badminton und ein reichhaltiges Spektrum, aus dem

unsere Beschäftigten sich ihre Lieblingssportart aussuchen können. Zusätzliche interne und externe Bewegungs- und Motivationshighlights sind dann vor allem die Fitnesstage, die jedes Jahr mit Ungeduld erwartet werden. Aber auch Wandertage, Tischtennis-, Badminton- und Schwimmturniere sorgen für sportliche Abwechslung. Weiterentwickelt haben sich natürlich auch die externen Sportveranstaltungen: Waren es zu Anfang vor allem Fußballturniere und ab und zu ein Sport- und Spielfest, so stehen heute neben den reinen sportartspezifischen Turnie-

ren im Tischtennis, Badminton, Schwimmen, Hockey und Fußball auch eine Skifreizeit, mit der Möglichkeit, das Skilanglaufen zu erlernen, Wandertage, Kegeln oder ganz neu Frisbee-Golf auf dem Programm. Dazu kommen als besondere Leckerbissen noch die Veranstaltungen von Special Olympics, die mit ihrem speziell auf die Belange der geistig behinderten Menschen ausgerichteten Programm besonderen Anklang finden. Hier sind vor allem die im Zweijahresrhythmus stattfindenden Nationalen Spiele der sportliche Höhepunkt aller AthletInnen.

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Männer der ersten Stunde Willi Debusmann, Karl-Heinz Enderich, Kurt Schnabel sowie Josef Franz Koletschek und Klaus Ninas im Interview zu den Anfängen ihrer Tätigkeit in der Werkstatt und der Tagesförderstätte.

von Antje Koch-Gellermann Wie haben sie Ihren ersten Arbeitstag erlebt?

Willi Debusmann: „Durch meinen Nachbarn lernte ich die Heime Scheuern kennen. Begonnen habe ich im Oktober 1974 als Mitarbeiter im Pflegedienst im Horny Haus. Nach der Probezeit wurde ich dann zunächst als Mitarbeiter im Erziehungsdienst und nach dem Abschluss der Heilerziehungshelferprüfung auf dem Lahnberg eingesetzt. Zwei der dortigen Bewohner waren in der beschützenden Werkstatt im Kellergeschoss des Horny Hauses tätig. Ich habe sie dort besucht und mir hat die Arbeit so gut gefallen, dass ich mich für diese Tätigkeit bewarb. Alsbald wechselte ich in die Zweigwerkstatt im Karl-Todt-Haus und dann nach Hof Mauch. Im Wohnhaus bei den Stallungen wurde damals für die Firma Kaiserasen- und Lämmer-Backformen

gefertigt und von Hand über eine Kartoffelrutsche aus dem Fenster in einen VW-Bus geladen. Feste Liefertermine gab es damals nicht. Als dann die Langauer Mühle gebaut wurde, erfolgte zunächst der Umzug auch der Beschäftigten von Hof Mauch. Schnell war aber die Werkstattkapazität erschöpft und ich wechselte 1988 wieder zurück zu den Räumen auf Hof Mauch. Nun arbeiteten dort die Bewohner des Burchardihauses für die Firma Ridder.

Kurt Schnabel: „Ich war aufgeregt und wusste nicht so recht, was mich erwartet“, hatte ich doch damals keine Erfahrung mit behinderten Menschen.

1994, mit der Fertigstellung der Zweigwerkstatt Singhofen, wurde die „Werkstatt“ auf Hof Mauch aufgelöst und mein neuer Einsatzort war nun Singhofen. Dort war ich zunächst Abteilungsleiter für den Bereich Verpakkung und Montage, Schuhservice und Papierverarbeitung. 1997 gab es eine Änderung der Organisationsstruktur in der Einrichtung und ich wechselte als stellvertretender Werkstattleiter in die Langauer Mühle.“

Mein Einsatz erfolgte in beiden Bereichen, das heißt, ich habe in Schichtarbeit die Bewohner den ganzen Tag begleitet, also entweder zunächst in der Pflege, mit ihnen gefrühstückt, dann gemeinsam zur Arbeit bis zum Mittagessen oder vom Mittag bis zum Abend. Immer waren wir zusammen, es war sehr interessant und gab keine Trennung so wie heute.

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Im Einstellungsgespräch 1975 mit Pfarrer Fischer bekam ich kurzfristig die Zusage für eine Tätigkeit auf Hof Mauch, zunächst im Pflege- und Erziehungsdienst und sollte mich beim Hausvater melden.

Bald bin ich dann in die WfB im Horny Haus gewechselt. Dort haben wir für Nassauer Firmen, wie Leifheit und Groß, produziert. 1982 ging es dann in die Langauer Mühle in den Montagebereich und anschließend nach Singhofen in den Bereich Drukkerei. Dann sind wir mit der Druckerei in die alte Wichernschule umgezogen. 2005 bin ich zurück nach Singhofen in den Bereich Verpackung und Montage, aber einen Teil der Versandarbeiten aus der Druckerei habe ich dorthin mitgenommen. Der Job ist schon immer mit mir gewandert.“

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Karl-Heinz Enderich: „Die Anfänge der Tagesförderstätte erlebte ich schon mit meiner Einstellung als Mitarbeiter im Heilpädagogischen Dienst 1981. Die Heime Scheuern waren mir durch Mitarbeiter bekannt, die in Hephata, meinem damaligen Einsatzort, hospitiert hatten. Den pädagogischen Leiter, Karl Ruß, lernte ich bei einem Seminar in Arnoldshain kennen. Dort wurde damals das Thema „Heilpädagogische Förderung schwerberbehinderter Erwachsener“ behandelt. Aufgrund meines Umzugs nach Flacht bewarb ich mich dann initiativ in den Heimen Scheuern. Im Bewerbungsgespräch in der Direktion, wurde als Arbeitsfeld der Aufbau des Heilpädagogischen Dienstes besprochen. 1981 schrieb ich einen Brief an die Leitung, der dann die Initialzündung für die Tagessförderstätte war. Nach einem Treffen mit dem Direktor, dem pädagogischen Leiter Karl Ruß und dem Bildungsreferenten Alfred Schurath wurde ich als Assistent des pädagogischen Leiters mit dem Aufund Ausbau der Tagesförderstätte beauftragt. Im August 1987 sind wir dann in die ersten Räume in der ehemaligen Wichernschule eingezogen.“

bensbereiches und damit auch der Tagesförderstätte war eine ganz andere. „Was macht ihr besser als wir auf der Gruppe?“ war eine der Fragen, die gestellt wurden. Wohnen und Leben auf der Gruppe, aber Tagesstruktur in der Tafö im Sinne von Normalisierung, Förderung nach Ende der Schulzeit als Zwischenschritt oder Alternative zur WfB waren damals die Fragestellungen. So mussten wir für die Tafö werben. Bei Spaziergängen mit den BewohnerInnen haben wir auch immer wieder die Wichtigkeit der Taföarbeit formuliert und dies den KollegInnen bewusst gemacht. Es war eine schöne Herausforderung, die mir viel Freude gemacht hat bis zum heutigen Tag.“ Willi Debusmann: „Die Werkstattarbeit hatte mehr den Charakter einer Beschäftigungstherapie. Heute ist vieles professioneller und hat sich verändert, z.B. der Versand oder auch die eigentliche Produktion durch die just-in-time-Produktion, weil es bei vielen Firmen keine Lagerhaltung mehr gibt. Das Verständnis für die Beschäftigten ist gleichgeblieben, aber es geht heute um gezielte Förderung und Qualifikation.“ Kurt Schnabel: „Es gab weniger Hektik. Heute sind die Termine oft knapp und es ist Flexibilität gefragt, damit alles funktioniert. Die damalige Kombination aus Pflege und Arbeit fand ich gut. Ich konnte Erfahrung sammeln und hatte Verständnis dadurch für die Arbeit in beiden Bereichen.“ Wie sollte die Arbeit in der WfbM und Tagesf˜rderst‰tte in Zukunft aussehen ñ wie sind ihre Visionen?

ter hat. Es wäre schön, wenn wir immer auch leichte, einfache Tätigkeiten für die schwächeren Beschäftigten hätten. In unserer Region mit der wenigen Industrie bedeutet dies ein stetiges Bemühen.“ Karl-Heinz Enderich: „Die Tafö entwickelt sich zu einer Bildungsstätte für erwachsene Menschen mit Behinderungen mit unterschiedlichen kulturellen, künstlerischen Beschäftigungs- und Bildungsangeboten im Kontext zur bewohnerbezogenen Beratung, das wäre meine Vision“. Was w¸nschen sie den Ta f ˜ besuchern bzw. den Werkstattbesch‰ftigten? Karl-Heinz Enderich: „ Dass sie ihre Angebote selbst auswählen können und damit auch eine starke Mitsprache an ihrer Gestaltung ihres Alltages haben.“ Willi Debusmann: „ Es wäre schön, wenn wir allen adäquate Tätigkeiten anbieten könnten im Rahmen der Förderung und Qualifizierung bis hin zum ersten Arbeitsmarkt z.B. auch über Außenarbeitsplätze. Und für die Schwächeren, auch ihnen in einem beschützenden Rahmen Tätigkeiten anbieten zu können, denn die Arbeit in der WfbM bedeutet für viele dieser Menschen eine Lebenserfüllung.“ Kurt Schnabel: „ Es soll weiterhin Wert auf eine gute Arbeitssituation gelegt werden. Dies wird ja auch durch die Mitarbeiter vorgelebt.“ Was w¸nschen sie der Werkstatt bzw. Tagesf˜rderst‰tte?

Was war damals anders als heute?

Kurt Schnabel: „Ich wünsche mir etwas mehr Ruhe, damit ich schwächere Beschäftigte ebenso gut in den Arbeitsprozess einbinden kann wie die Stärkeren.“

Kurt Schnabel: „Dass sie noch lange, lange Zeit bestehen bleibt und gute Arbeit für behinderte Menschen anbieten kann.“

Karl-Heinz Enderich: „Die Akzeptanz der Notwendigkeit eines zweiten Le-

Willi Debusmann: „Wir haben einen Stand erreicht, der Zukunftscharak-

Willi Debusmann: „ Dass es so weitergeht wie derzeit, die Zukunft gesi-

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10 chert wird. Dies ist aber nur möglich, wenn die Sicherung des finanziellen Rahmens der Werkstattsätze durch die Kostenträger ermöglicht wird.“ Karl-Heinz Enderich: „Ich wünsche der Tagesförderstätte, dass sie weiterhin unumwunden gute Arbeit leisten kann im Sinne, den Menschen nach vorne zu bringen, zu begeistern und sich den pädagogischen Optimismus für die Zukunft zu bewahren. In Deutschland wird die Arbeit in Werkstätten oder in Förder- und Beschäf tigungsgruppen als Arbeit verstanden. In Schweden sind Tätigkeiten, Beschäftigung, Arbeit, Fortbildungsangebote und Freizeit in erster Linie Angebote, um einen guten Tag zu haben. Ziele dieser Angebote sind Wohlbefinden, möglichst viele Bewegungen in der Gemeinde, Tagesaktivitäten sowie Nähe, Gemeinschaft, Fröhlichkeit, Humor und Respekt auf beiden Seiten. Und dies alles wird als Arbeit angesehen. Eine solche Sichtweise würde ich mir wünschen, für die Zukunft unserer Tafö und der Werkstätten.“ Auch die Besch‰ftigten Klaus Ninas und Josef Koletschek sind M‰nner der ersten Stunde. Wie sie ihre Arbeit erlebten und erleben haben sie mir in einem kurzen Gespr‰ch erz‰hlt.

Mittendrin Klaus Ninas: „Seit 1969 arbeite ich. Zuerst habe ich im Keller vom Horny Haus Backformen gebogen. Die schweren Kisten wurden beim Abladen mit einer Kordel auf einer Holzrutsche befördert und die fertigen Kartons durch das Fenster rausgegeben. Das war eine schwere Arbeit. Später habe ich im Burch- ardihaus gewohnt und auf Hof Mauch gearbeitet und ab der Eröffnung der Langauer Mühle dort Radkästen für Leifheit montiert. Vor 11 Jahren bin ich dann nach Singhofen in den Montagebereich. Heute lege ich Ringe und Dichtungen ein. Am liebsten aber habe ich die Förmchen zusammengepresst. Aber hier fühle ich mich auch wohl. Seit 1954 lebe ich in den Heimen, habe viel gebastelt und auch Kartoffeln geerntet bevor ich in die Werkstatt bin. Nach der Arbeit höre ich gerne Musik und gehe mit meiner Freundin Ulrike spazieren.“ oben: Josef Koletschek Mitte: Klaus Ninas unten: Kurt Schnabel mit Beschäftigten

Josef Koletschek: „ Auf Mauch habe ich zuerst Bretter geklebt und dann Frühlingsblumen-Formen gemacht, in der Langau dann Arbeiten für die Firma Leifheit, für Kaiser Enten- und Herzenformen und heute lege ich in Singhofen Ringe ein, klebe Kartons. In der Arbeit war alles schön. Ich habe auch Sport gemacht und Spaziergänge. Heute gehe ich zum Tischtennis und Freitagmittags zum Badminton. Wenn ich nicht arbeite, fahre ich am liebsten mit dem Zug zu schönen Orten wie Koblenz, Limburg, Bad Ems, Lorch oder Rüdesheim.“

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Ein zweiter Lebensraum: Die Tagesförderstätte von Gabriele Radtke Am 1. August 1987 eröffneten die Heilerziehungs- und Pflegeheime Scheuern die Tagesförderstätte. 24 Besucher und 4 MitarbeiterInnen fanden zunächst in der alten Wichernschule in zwei ehemaligen Klassenzimmern ihren Platz. Eine im Vorfeld erstellte Planung zeigte aber einen deutlich höheren Bedarf an. Gab es doch zunehmend mehr HeimbewohnerInnen, die nach Beendigung ihrer Schulpflicht durch die Art und Schwere ihrer Behinderung nicht oder noch nicht in der Lage waren, eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) zu besuchen. Darüber hinaus warteten aber auch viele BewohnerInnen auf ein tagesstrukturierendes Angebot, die bis dahin auf den Wohngruppen betreut und begleitet wurden. Des weiteren lagen Anfragen von Familien vor, die ebenfalls eine adäquate Förderung für ihre Angehörigen benötigten. Als Grundlage für diesen neuen Baustein der heilpädagogischen Arbeit in der Einrichtung galt es jetzt, die Inhalte bzw. konzeptionellen Formulierungen für das Bindeglied

zwischen Schule, Werkstatt für behinderte Menschen und Wohnbereich zu erstellen. Eine Orientierung am Lehrplan der Sonderschule für geistig Behinderte sowie der Leitsatz: „Jeder Mensch hat das Recht auf Beschäftigung“ kam zum Tragen. Heute bestehen die Aufgaben und Ziele darin, den Besuchern ergänzend zum häuslichen Bereich, eine ganzheitlich orientierte Förderung zur Lebensgestaltung anzubieten. Als Grundlage dient inzwischen der Individuelle Hilfeplan RheinlandPfalz. Die Betreuung findet schwerpunktmäßig in Kleingruppen statt. Zusätzlich werden Einzelfördermaßnahmen durchgeführt. Die Inhalte erstrecken sich von basalen Angeboten über Wahrnehmungsübungen, Bewegungsangebote, lebenspraktischen Übungen und differenzierten Tätigkeiten im arbeitspädagogischen Bereich bis hin zu gemeinsamen Veranstaltungen im Rahmen von “Bildung-Freizeit-Kultur“, die seit Jahren in den Heilerziehungsund Pflegeheimen Scheuern angeboten werden. Auch nehmen die Be-

sucher regelmäßig an internen und externen Malwettbewerben teil. Als räumliche Infrastruktur stehen Kleingruppenräume, Snoezelräume, Werkräume, die Gymnastik- bzw. Turnhalle und das Freizeit- und Bewegungsbad zur Verfügung. Die Teams setzen sich aus den verschiedensten Berufsgruppen zusammen: ErzieherInnen,HeilerziehungspflegerInnen, HeilpädagogInnen, ErgotherapeutInnen, SozialpädagogInnen, Gesundheits-, Krankenund AltenpflegerInnen sowie Auszubildende und Freiwillige-Diakonische-Jahr-HelferInnen. In sieben Förderbereichen werden auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der BesucherInnen der Tagesförderstätte Einzel- und gruppenübergreifende Angebote gemacht. Zum Beispiel Mobilitätstraining Umwelterfahrung, Therapeutisches Reiten , Schwimmen im Freizeit und Therapiebad, Kochen und Backen oder musische und arbeitspädagogische Angebote, „Experimentelles Malen“, „Biographiearbeit“, individuelle Angebote zur Lebensbewältigung und differenzierte Tätigkeiten im arbeitspädagogischen Bereich. Selbstverständlich geschieht die Arbeit in der Tagesförderstätte in engem Kontakt zur Wohngruppe, den Eltern und gesetzlichen Betreuern. Dabei hat sich die Tagesförderstätte zum Ziel gesetzt, allen BewohnerInnen der Heime Scheuern und der externen BesucherInnen, die außerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen ein Angebot im zweiten Lebensraum benötigen, eine solche Möglichkeit anzubieten.

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Doppelte Freude: 25 Jahre WfbM Langauer Mühle und 20 Jahre Tagesförderstätte der Heime Scheuern von Manuela Nörtershäuser Fast 500 Gratulanten beglückwünschten am 16. September 2007 die Heime Scheuern zum 25-jährigen Jubiläum der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM) und zur 20-jährigen Wiederkehr der Gründung der Tagesförderstätte. Die Einrichtung beging diesen besonderen Anlass mit einem Festgottesdienst, Grußworten zahlreicher Ehrengäste, einer Filmpremiere und vielen Attraktionen für Groß und Klein. Bernd Feix, Leiter Arbeit, freute sich, viele Festgäste im Casino der Langauer Mühle begrüßen zu können. Mit Blick auf den anschließenden Festgottesdienst betonte er: „Der Mensch steht im Mittelpunkt unseres Strebens. Wir nehmen unseren Auftrag zur Nächstenliebe ernst und freuen uns, dass die Einrichtungsleitung vor 25 bzw. vor 20 Jahren den Mut hatte, Menschen mit Behinderungen in der Werkstatt eine Teilhabe am Arbeitsleben und in der Tagesförderstätte eine sinnvolle Tagesstruktur anzubieten.“ Sein besonderer Dank ging hierbei an Pfarrer Bernhard Fischer, der von 1963 bis 1987 die Heime Scheuern leitete und auch den Bau der WfbM und der Tagesförderstätte verantwortete. Zu Recht begeistert verwies Feix auch auf den Film zum Werkstattjubiläum, der an diesem Tag Premiere hatte. „25 Jahre Langauer Mühle“ gibt einen 30-minütigen Überblick über Geschichte und

Gegenwart der WfbM und lässt Beschäftigte und MitarbeiterInnen zu Wort kommen. Pfarrer und Direktor Eckhard Bahlmann ermutigte in seiner Predigt, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. „Obwohl es zum Menschsein dazugehöre, sich Sorgen zu machen, sollten Einrichtungen wie die Tagesförderstätte oder die Werkstatt mutig nach vorne blicken, auf Gottes Hilfe vertrauen und daraus Kraft schöpfen, den Weg weiter zu gehen, den sie begonnen haben“. Dass dies funktioniere, zeigten täglich die 420 Beschäftigten der WfbM, über 200 Tafö-Besucher und die 215 MitarbeiterInnen der beiden Tätigkeitsbereiche. Der Jubiläumsgottesdienst wurde, wie schon der Eröffnungsgottesdienst vor 25 Jahren, musikalisch vom gemischten Chor der Heime Scheuern bereichert. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und auch der Einrichtung waren gekommen, um den Jubilaren WfbM und Tagesförderstätte zu gratulieren. Einmütig lobten sie die Heime Scheuern, „die sich mehr als üblich für Menschen mit Behinderungen einsetzten“, so Landrat Günther Kern. Der Nassauer Stadtbürgermeister Herbert Baum hatte Tagesförderstättenbesucher, Beschäftigte und MitarbeiterInnen im Blick als er bemerkte, „hier spüre man den Willen, etwas Außerordentliches zu vollbringen und auch zu leisten.“ An den Festakt schlossen sich für

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Landrat G¸nter Kern überbringt die Glückwünsche des Rhein-Lahn Kreises Interessierte Führungen durch die Werkstatträumlichkeiten und die Filmpremiere an. Parallel dazu öffnete die Schlemmermeile mit allerlei kulinarischen Genüssen. Klein und Groß konnte sich aber auch an den Buden der Tagesförderstätte vergnügen: von einer Kinderhüpfburg über ein Tatoo-Studio bis hin zu den „Wasserolympics“ und Informationsmöglichkeiten über Leben und Arbeiten in der Tafö blieben keine Wünsche offen. Musikalisch sorgten der Drehorgelspieler Zeumann und die Binnbach-Booster für gute Stimmung. Am späten Nachmittag ging ein abwechslungsreicher und informativer Jubiläumstag bei herrlichstem Spätsommerwetter zu Ende.

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Mittendrin Die ersten Schritte mit den Ambulanten Diensten... von Svenja Schwarz-Bremer Mein Name ist Svenja SchwarzBremer. Seit 1999 bin ich in den Heimen Scheuern tätig, zuerst begleitend zu meinem Studium im Rahmen des Gruppenbetreuungsdienstes, seit 2004 als Dipl. Sozialpädagogin (FH) im Referat Service. Seit April diesen Jahres bin ich mit dem Projekt beauftragt, die Ambulanten Dienste der Heime Scheuern auszubauen. Was sind Ambulante Dienste? Die Ambulanten Dienste sind Angebote, die schwerpunktmäßig im häuslichen Umfeld der Klienten stattfinden. Eine dauerhafte Aufnahme in den Wohnbereich der Heime Scheuern ist damit nicht verbunden. Seit fast 10 Jahren wird über die Heime Scheuern bereits das Betreute Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung und für Menschen mit psychischer Erkrankung angeboten. Warum sollen Ambulante Dienste entstehen? Die Ambulanten Dienste sind ein wichtiger Baustein in einer Region. Sie ergänzen die differenzierten ambulanten Wohnformen und werden zukünftig vermehrt an Bedeutung gewinnen. Dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ wird in der Politik und den entsprechenden Leistungsgesetzen vorrangige Bedeutung beigemessen. Mit ambulanten Angeboten kann eine eigenständige Lebensführung von Menschen mit Behinderungen im gewohnten Umfeld ermöglicht wer-

den. Welche Angebote sind geplant? Neben dem bisher schon bestehenden Betreuten Wohnen soll es die Möglichkeit geben, die Schulungen der Wohnschule als ambulante Bildungsangebote für Klienten zu öffnen. Ein wichtiges Segment wird der Aufbau der familienunterstützenden Dienste sein, d.h. die stundenweise Betreuung der Klienten im familiären Umfeld für die Situationen, in denen die betreuenden Angehörigen Unterstützung brauchen. Sollte eine längerfristige Betreuung benötigt werden, kann natürlich gerne wie bisher die Möglichkeit der Gastaufnahme genutzt werden. Zusätzlich werden im jährlich erscheinenden Veranstaltungskalender „Bildung, Freizeit und Kultur“ vielfältige Angebote für den Freizeitbereich vorgestellt. Diese Angebote können auch von Menschen gebucht werden, die nicht in den Heimen Scheuern leben. Was waren die bisherigen T‰tigkeiten in der Projektvorbereitung? Ich habe in der Vorbereitungsphase in zwei Einrichtungen hospitiert, die bereits ambulante Angebote haben. Es war hilfreich, sich mit den KollegInnen über die Erfahrungen auszutauschen. Damit hatte ich eine bessere Planungsgrundlage für die Angebote der Einrichtung. Im Weiteren habe ich Internet- und Literaturrecherche betrieben, Gesetzestexte gelesen, Vorbereitungs-

treffen organisiert, Abstimmungen mit dem Kostenträger getroffen, Konzepte geschrieben und einen Flyer entworfen. Was sind die n‰chsten Schritte? Im Januar wird es einen Termin geben, um die Angebote der Öffentlichkeit vorzustellen, d.h. jeder, der Interesse hat, kann teilnehmen. Hierzu wird noch eine extra Einladung verschickt und eine Bekanntmachung in der Presse erfolgen. Geplant ist, 2008 mit den Angeboten zu starten und die ersten Klienten im Rahmen der Ambulanten Dienste zu betreuen. Ich würde mich freuen, wenn sich Interessierte unter der Telefonnummer 02604/979-147 bei mir melden. Sie können unter dieser Nummer den Flyer anfordern oder einen Termin zur persönlichen Beratung ausmachen.

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Persönliches Budget Das Persönliche Budget wird ab dem 01. Januar 2008 als Wahlleistung und Alternative zum Betreuungsangebot Betreutes Wohnen eingeführt. Bundesweit wird diesem Thema eine große Bedeutung beigemessen, allerdings gibt es in Bezug auf die Durchführung der Hilfegewährung vor Ort noch eine Anzahl von Fragen.

PERSÖNLICHES BUDGET: REGIERUNG ZIEHT BILANZ Vorschläge der Verbände der Behindertenhilfe weitgehend ausgeblendet Das Bundeskabinett hatte in seiner Sitzung am 20. Dezember 2006 den Bericht der Bundesregierung über die Ausführung der Leistungen des Persönlichen Budgets nach § 17 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch (SGB IX) beschlossen. Nach Auffassung der Bundesregierung belegen die dokumentierten Ergebnisse und Erfahrungen, dass sich die im Hinblick auf Persönliche Budgets bestehenden gesetzlichen Regelungen bewährt hätten und daher ausreichen würden, um zum 1. Januar 2008 den Rechtsanspruch auf diese neue Leistungsform in Kraft zu setzen. Darüber hinausgehende Änderungsregelungen seien nicht erforderlich. Des weiteren belegen nach Ansicht der Bundesregierung die im Bericht enthaltenen detaillierte Analysen, Daten und Beispiele, dass Persönliche Budgets ,,hervorragend“ geeignet seien, die Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen am Leben in der Gesellschaft zu fördern und eventuelle Benachteiligungen zu vermeiden oder ihnen entgegenzuwirken. Die von der Bundesregierung vertretene Auffassung, dass sich Träger übergreifende Persönliche Budgets bereits in der gegenwärtigen Ausgestaltung bewährt hätten und daher Nachjus-

tierungsbedarfe nicht erforderlich seien, ist aus der Sicht der Behindertenhilfeverbände deutlich zu hinterfragen. Die Berichtaussage, dass bereits zum jetzigen Zeitpunkt von einer bundesweiten flächendeckenden Umsetzung des Budgetansatzes ausgegangen werden könne, relativiert sich bereits bei näherem Hinsehen angesichts der tatsächlichen Anzahl dokumentierter Budgets: In den 14 Modellregionen des wissenschaftlich begleiteten Bundesmodellprojekts sind gerade einmal 243 dokumentierte Budgets bundesweit zu identifizieren, davon ganze neun Träger übergreifende Persönliche Budgets! Nahezu unreflektiert sind die mit der aktuellen Umsetzung des Budgetansatzes verbundenen Gefähr-dungspotenziale wie etwa die Aufweichung des Bedarfsdeckungsprinzips und damit einhergehende Risiken von Leistungskürzungen. Auch auf den grundlegenden Zielkonflikt des Budgetansatzes zwischen einer stärkeren gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen einerseits und den gleichsam im § 17 Abs. 3 SGB IX formulierten Kostenbegrenzungen wird im Bericht der Bundesregierung nicht eingegangen. Darüber hinaus wurden die von den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege (unter an-

derem auch der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe und das Diakonische Werk der EDK) benannten Handlungsbedarfe und vorgeschlagenen Änderungsregelungen zur Weiterentwicklung des Budgetansatzes im verabschiedeten Bericht weitestgehend ausgeblendet. Diese bezogen sich insbesondere auf die Entwicklung einheitlicher Leistungsträger übergreifender Instrumentarien zur Hilfsbedarfserhebung und Feststellung als auch auf eine Aufhebung der bisherigen Deckelungsregelung nach § 17 Abs. 3 SGB IX. Zudem machten die Verbände auf die Notwendigkeit einer abgesicherten Refinanzierung von Budgetberatung und Assistenz aufmerksam, die eben gerade nicht durch eine Umschichtung der originären Budgetanteile seitens des Budgetnehmers erwirtschaftet werden muss. Die Tatsache, dass der Bericht zu den oben genannten Handlungs- bedarfen keine klaren Aussagen trifft, ist umso problematischer zu bewerten, als dass es sich hierbei nach der Auffassung der Bundesfachverbände der Behindertenhilfe um wesentliche Voraussetzungen und Schlüs-selkomponenten für eine gelingende budgetnehmerorientierte, praxisgerechte und flächendeckende Ausgestaltung und Umsetzung des trägerübergreifenden Budgets handelt.

Quelle: BeB-Informationen - April 2007 Der vollständige Bericht der Bundesregierung zum Träger übergreifenden Persönlichen Budget ist erschienen als Bundesdrucksache 16/3983 und steht zum Download bereit unter http://dip.bundestag.de/btd.16/ Mittendrin Zeitschrift der Heime Scheuern Ausgabe 14 / Dezember 2007

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Mittendrin Die „Firma“ läuft........... Abenteuer Münz-Firmenlauf Zum zweiten Mal nahmen BewohnerInnen sowie MitarbeiterInnen der Heilerziehungs- und Pflegeheime Scheuern am Münz-Firmenlauf in Koblenz teil. Dank der Organisatoren Kurt Müthing und Günther Mesloh ging alles ruhig und routiniert über die Bühne. Nach dem Startschuss versuchte jeder, sich in den riesigen „Läuferlindwurm“ einzureihen, der vom Schloss über das Deutsche Eck in die Altstadt und wieder zurück zum Schloss führte. Die schnellsten LäuferInnen kamen bereits wieder ins Ziel, da waren die letzten der knapp 8000 TeilnehmerInnen noch längst nicht auf der Strecke. Über eine Stunde bewegte sich eine vorwärtsstrebende Menschenmenge, stets angefeuert von unendlich vielen Zuschauern, dem Ziel entgegen. Auch die AthletInnen der Heime Scheuern kamen alle wohlbehalten an und freuten sich über ihren guten Lauf. Schnellster Läufer der Heime Scheuern war wie im vern die Ziel0 den herin kurzen , Helmut :52 Min). Min. Bei undlinger 4:52 Min)

Schnellster Läufer der Heime Scheuern - Kurt Müthing

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Mark Solomeyer ist Goldjunge Gold und Bronze im Badminton bei den Special Olympics World Games in Shanghai von Manuela Nörtershäuser Wer die Sportnachrichten der Heime Scheuern verfolgt, dem wird der Name bekannt vorkommen: Mark Solomeyer, Badmintonspieler aus Leidenschaft und äußerst erfolgreicher Athlet in regionalen, nationalen und nun auch internationalen Wettkämpfen. Der 34-Jährige hat bei den Special Olympics World Games in Shanghai im Badminton-Einzel die Goldmedaille gewonnen und gehört auch mit seinem Partner Sven Marlow im Badminton-Doppel zur Weltspitze. Zusammen holten die beiden Bronze in China. Als Mark Solomeyer am 26. September 2007 mit 251 anderen Athleten der deutschen Delegation zu den Olympischen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung nach Shanghai startete, hatte er schon einiges hinter sich: Training und Wettkämpfe auf regionaler und nationaler Ebene über zwei Jahre hinweg, um die Qualifikation zu schaffen. Als dann tatsächlich die Nominierung von Special Olympics

Deutschland für das Olympiateam kam, war die Freude groß. 36 Nationen traten allein im Wettkampf Badminton gegeneinander an. Im Einzel gewann Mark Solomeyer die Spiele gegen die Athleten aus Indonesien, Indien und Großbritannien. Gefragt, wie es sich anfühlt, mit der Goldmedaille in der Hand auf dem Treppchen zu stehen, fällt es Solomeyer schwer, Worte zu finden: „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es ist auch ganz anders, als hier in Deutschland einen Wettkampf zu gewinnen. Allein das Drumherum, die vielen Menschen und Sprachen... Ich fühlte mich unter Freunden in der Welt.“ Auf seine Medaillen ist Mark Solomeyer zu recht stolz. Aber genauso gern erzählt er von den Eindrücken außerhalb des Sports. „Das war toll organisiert. Wir waren bei chinesischen Familien zu Gast, lernten ihr Leben kennen, konnten uns im Stäbchen-Essen probieren und gemeinsam Teigtaschen backen.“ Umgekehrt, so Solomeyer, hätten die Chinesen auch nicht schlecht gestaunt: „Vollbärte kennt man dort nicht. Ich war dort der ‚Weihnachtsmann’ und viele wollten mit mir auf’s Foto, weil es so ungewöhnlich war.“ Bei aller Freude über den Aufenthalt in China und die sportlichen Erfolge will Solomeyer aber auch

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Mark Solomeyer im Olympia-Dress mit der Bronzeund der Goldmedaille

nicht vergessen, dass er nicht ganz aus eigener Kraft dorthin gekommen ist: „Es gab viele Menschen, die mich unterstützt haben. Da sind u.a. die Heime Scheuern zu nennen, die sich sehr für mich einsetzten und natürlich die Sportlehrer Günther Mesloh und Volker Leiberger, die mir ein optimales Training ermöglichten.“ Gefragt nach seinen Plänen und Wünschen für die Zukunft antwortet Solomeyer: „Meine Medaille bei den Special Olympics 2011 in Athen zu verteidigen wäre toll. Aber das ist noch ein langer Weg. Was ich noch viel wichtiger fände,wäre eine dem Ereignis angemessene Berichterstattung in den Medien. Derzeit gibt es für die Special Olympics nicht einmal einen Bruchteil der Sendezeit, den die ‚normalen’ Olympiaden im Fernsehen belegen. Das finde ich sehr schade!“

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Mittendrin Spaßolympiade 2007 Sportlich-spielerischer „Wettkampf“ unter starken Mannschaften von Manuela Nörtershäuser Im August 2007 fand bereits zum dritten Mal die Spaßolympiade statt. 190 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich zu Sport und Spiel bei sommerlichem Wetter auf der Festwiese. 11 bunt gemischte Mannschaften aus allen Wohn- und Arbeitsbereichen traten im Geschicklichkeitsparcours bei Ausdauer-

und Mannschaftsspielen gegeneinander an. BewohnerInnen und MitarbeiterInnen unterstützten sich gegenseitig beim FrisbeeWerfen, im ÜberraschungseierAngeln oder beim Wiedererkennen von Gegenständen einer vorgelesenen Geschichte. Neben der sportlichen Seite gab es auch ein Liederraten für musikalisch Begabte. Am Nachmittag wurden

alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer Medaille aus eigener Herstellung geehrt. Spaßeshalber hatten die Veran- staltungsorganisatoren Günther Mesloh und Volker Schmidt auch ausgerechnet, welche Mannschaft die meisten Punkte gesammelt hatte: Aber das wichtigste war eigentlich das Dabeisein.

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Auch in der zweiten Jahreshälfte 2007 feierten MitarbeiterInnen ihr Dienstjubiläum 10-j‰hrige Betriebszugeh˜rigkeit Baumgartner Becker Dondorf Dreis Frankreiter Hauth Labonte May Müller Reichert Sautner Schaab Schneider Stricker Tiwi Wolke Wolke

Nadja Irina Christiane Erika Enrico Anja Dieter Wiltrud Manuela Marlies Irene Wilhelm Nadja-Christina Dagmar Julia Jolanta Peter

Haus Bodelschwingh Schlösschen E Haus Rosengarten 3 / 4 Ladenlokal Horny Haus 1 2 Schloss Laurenburg Verpackung und Montage Wäscherei Haus Rosengarten 3 / 4 Schloß Laurenburg Schlösschen 1 Landwirtschaft Haus am Wald Altes Haus 4 Altes Haus 4 Haus Rosengarten 3 / 4 Schimmerich 3

20-j‰hrige Betriebszugeh˜rigkeit: Fritsch Hofmann Keiper Nink Scheibe Schlösser Schneider Schreiner Vath Wallroth

Marita Angelika Christa Liesel Barbara Karl Norbert Christine Michael Pia

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Tagesförderstätte Weißes Haus Haus Rosengarten 1 / 2 Schloss Laurenburg Wohnschule Berufliche Bildung Altes Haus 2 Links Haus Rosengarten 1 / 2 Tagesförderstätte Altes Haus 4

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Mittendrin 30-j‰hrige Betriebszugeh˜rigkeit: Henkes Jachmann Kavelius

Günter Vera Siegrid

Referat Finanz- u. Rechnungswesen Horny Haus 1 3 / 2 3 Wäscherei

Herzlichen Dank für ihre langjährige engagierte Arbeit für Menschen mit Behinderungen sagen wir all diesen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und wünschen ihnen weiterhin Freude an ihrer Tätigkeit und Gottes Segen.

Wir gedenken unseres verstorbenen Mitarbeiters Wilhelm Schaab - Mitarbeiter im Bereich Landwirtschaft von 1997 bis 2007

Wir begr¸ en als neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Name

Einsatzort

Datum

Annemarie Berchert Stefan Börner Petra Bornwasser Olivia Breser Anne Brettnacher Dennis Brunnlieb Gudrun Dillenberger Alexandra Dormagen Marina Giese Wiebke Hahn Isabel Hoffmann Christin Kalbfleisch Janina Keuper Rosalie Klaß Alexander Kleudgen Ramona Krannich Manuela Lehr Verena Leitgeb Marion Müller-Klein Viktoria Ockendorf Daniel Patz Claudia Pötzl Roger Püschel Matthias Quente

Gastronomie Wäscherei Wohnschule Haus Rosengarten 3 / 4 Weißes Haus 2 / 3 Landwirtschaft Tagesförderstätte Haus Rosengarten 3 / 4 Haus Rosengarten 1 / 2 Schlösschen 1 / Altes Haus E Springerpool Wohnen Wohnschule Springerpool Wohnen Horny Haus 1 / 3 2/ 3 Haus am Bach 2 Links Gastronomie Horny Haus 2 2 Werner-Stöhr-Haus Schimmerich 2 Tagesförderstätte Altes Haus 2 Rechts Wäscherei Verpackung und Montage Wäscherei

30. Juli 2007 23. Juli 2007 01. August 2007 01. August 2007 01. September 2007 01. August 2007 01. September 2007 01. August 2007 01. August 2007 15. August 2007 01. Oktober 2007 01. Dezember 2007 15. September 2007 01. Oktober 2007 01. Dezember 2007 30. Juli 2007 01. November 2007 15. August 2007 01. Dezember 2007 01. September 2007 01. August 2007 01. November 2007 03. Dezember 2007 17. September 2007

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20 Christian Schlagheck Monika Schönfeld-Kopuzoglu Alexandra Seibel Theresa Ullrich Kerstin Wendt Esther Wick

Mittendrin Tagesförderstätte Ernst-Runkel-Haus Springerpool Wohnen Horny Haus 1 / 3 2/ 3 Horny Haus 1 / 3 2/ 3 Tagesförderstätte

01. August 2007 01. August 2007 01. August 2007 01. September 2007 01. September 2007 01. August 2007

Wir verabschieden uns von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Name

Einsatzort

Datum

Waltraud Gensmann Liesel Groß Sieglinde Hafermann Esther Kolmer Stefan Lange Iris Schlösser Monika Schneider Inge Seifert Petra Wissgott

Wäscherei Schloß Laurenburg Referat Service Fördergruppen Schlösschen 1 /Altes Haus E Haus Bodelschwingh Wäscherei Altes Haus 2 Links Haus Rosengarten 1 / 2

30. September 2007 31. Dezember 2007 30. September 2007 31. August 2007 31. August 2007 31. August 2007 31. Juli 2007 31. Juli 2007 31. Juli 2007

Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Berufsabschluss von Antje Koch-Gellermann 12 Auszubildende und MitarbeiterInnen der Heime Scheuern haben im Sommer diesen Jahres ihre Ausbildungen beendet. Dafür wurden sie in einer Feierstunde im August von Pfarrer und Direktor Eckhard Bahlmann beglückwünscht. Der Gratulation schlossen sich Birgit Klaiber, Leiterin Wohnen, und Günther Höltken, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, an. Alexander Bendel, Florian Feitenheimer, Hannah Künzel, Nadine Schäfer und Nils Weinheimer beendeten ihre drei-jährige Aus-

bildungszeit zur/zum HeilerziehungspflegerIn ebenso erfolgreich wie Michaela Dietrich, Karin Kumfert und Willi Wall, die im Rahmen der Personalentwicklung berufsbegleitend diesen Abschluss erwarben. Das Ausbildungsverhältnis zur Bürokauffrau endete auch für Jennifer Spitz erfolgreich im Juni 2007. Danilo Born, der den Beruf des Malers und Lackierers „erlernte“, Dennis Jennrich, Auszubildender zum Tischler und Marc Mesloh, der Auszubildende in der Elektrowerkstatt, rundeten den

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Ausbildungsreigen im handwerklichen Bereich mit der erfolgreich bestandenen Prüfung ab. Eckhard Bahlmann verwies auf den Stolz und das Glücksgefühl, das man durchaus zeigen dürfe, wenn man den schwierigen und Ausdauer fordernden Weg einer Ausbildung erfolgreich beschritten hat. Derzeit werden in den verschiedensten Berufsbildern insgesamt 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Wohnen und Arbeit sowie Verwaltung ausgebildet.

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Wir stellen vor: Matthias Quente Seit September verantwortet er als Produktionsleiter den Bereich Wäscherei in der Zweigwerkstatt Singhofen, wo täglich bis 3,5 Tonnen Wäsche gereinigt werden. Davor war Matthias Quente in einem Wäschereibetrieb in den neuen Bundesländern zunächst als Textilreiniger tätig. Nach seiner Meisterprüfung im Textilreinigerhandwerk übernahm er innerhalb des Betriebes verantwortliche Aufgaben.

Neues Aufgabenfeld Seit 15. Dezember ist Simone Mengel als Mitarbeiterin im Bereich Arbeit für die Sicherstellung der Produktionsplanung in den Werkstattbereichen der Langauer Mühle und für Aufgaben rund um das Produktmarketing verantwortlich. Simone Mengel ist seit Ende 2006 im Bereich Controlling der Heime Scheuern tätig.

Neue Aufgabe: Freizeitp‰dagoge Nach über 24-jähriger Tätigkeit als Dipl. Sportlehrer in den Bereichen Wohnen und Arbeit verändert sich ab dem 01.01.2008 das Betätigungsfeld von Günther Mesloh. Er wird sich zukünftig um freizeitpädagogische Angebote unterschiedlichster Art kümmern. Neben sportlichen Angeboten wird er auch im Bereich FreizeitBildung-Kultur und bei der Gestaltung von internen und externen Veranstaltungen aktiv sein. Zu seinem neuen Aufgabengebiet befragt, äußerte sich Günther Mesloh optimistisch: „Es ist eine neue Herausforderung, der ich mich gerne stelle.“

Wir w¸nschen Herrn Quente, Frau Mengel und Herrn Mesloh f¸r ihr neues Aufgabengebiet viele gute Ideen und Gottes Segen.

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Ereignisse zweites Halbjahr 2007

Direktor Pfarrer Eckhard Bahlmann dankte Pfarrerin Silke Funk f¸r ihr dreij‰hriges Wirken in der evangelischen Kirchengemeinde der Heime Scheuern

Lange Kinofilmnacht ÑFluch der Karibikì

Lagerfeuerromantik bei den Westerntagen

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Auszug des WfbM-Bereiches Lahnberg in seine neuen R‰ume im MDZ in Bad Ems - Nievernerstr. 9

Buntes Treiben beim allj‰hrlichen Stiftungsfest im Oktober

Spuknacht in der Orgelpfeife

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Weihnachtliche Kl‰nge beim Adventsmarkt in der Zweigwerkstatt Singhofen

Betreuertag Heime Scheuern informieren über Neues im Betreuungsrecht Fotoprojekt „Zeig mir deine Welt“ vorgestellt von Manuela Nörtershäuser

Im November 2007 luden die Heime Scheuern zum diesjährigen Fachtag für Angehörige und gesetzliche Betreuerinnen und Betreuer ein. Gut 120 Besucher waren der Einladung gefolgt und informierten sich über Entwicklungen in Betreuungsfragen und die damit verbundenen Neuerungen in den Heimen Scheuern. Nach einer Besinnung zum Tage durch Pfarrer und Direktor Eckhard Bahlmann wurde Neues aus den Bereichen Wohnen und Arbeit vorgestellt. Anschließend konnten sich die Besucher des Fachtags in unterschiedlichen Workshops mit Referenten aus den Heimen Scheuern zu den Themen Persönliches Budget, Budget für Arbeit und der Weiterentwicklung der Betreuungsplanung informieren.

Ein viertes, sehr sensibles Thema war die Verantwortung und Mitwirkung von gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuern bei unterbringungsähnlichen Maßnahmen im Zusammenhang von Selbstoder Fremdgefährdung von / durch Menschen mit geistiger Behinderung. Nach dem Mittagessen standen unter dem Motto „Das haben wir erlebt“ Einblicke in kürzlich abgeschlossene Projekte der Initiative Bildung, Freizeit und Kultur auf dem Programm. Neben anderen Aktivitäten der jüngsten Zeit stellten dabei sieben Bewohnerinnen und Bewohner aus den Heimen Scheuern ihre eigenen Fotoarbeiten vor, die sie zusammen mit Ophelia Diop vom Fachdienst Wohnen erstellt hatten. „Bei dem Projekt ging es darum, neue Kommunikationswege für Menschen mit Behinde-

rungen zu finden. Mit der Fotokamera wollten die Teilnehmer des Projekts unter dem Motto „schau mal durch meine Brille“ aus ihrem Alltag und Familienleben berichten“, so Diop.

Birgit Klaiber, Leiterin Wohnen, informiert über Neuerungen im Bereich Wohnen

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Termine 2008 25. - 27. Januar - Fastnacht in den Heimen Scheuern 15. Juni - Jahresfest 23. August - Spaßolympiade 08. Oktober - Stiftungsfest 15. November - Gedenken an die Opfer der Euthanasie 30. November - Adventsfeier der Heime Scheuern und der Langauer Mühle

Weihnachtsgruß Der Betreuerrat und der Förder- und Freundeskreis der Heime Scheuern e. V. wünschen allen BewohnerInnen und Bewohnern, ihren gesetzlichen Betreuern und Angehörigen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes Neues Jahr. Verbunden mit herzlichem Dank für alle finanzielle und ideelle Unterstützung in 2007. Kurt Oster, Vorsitzender

Impressum: Heilerziehungs und Pflegeheime Scheuern, Am Burgberg 16, 56377 Nassau Herausgeber: Eckhard Bahlmann, Pfarrer und Direktor (V.i.S.d.P) Satz und Druck: Druckwerkstatt der Langauer Mühle, Werkstätten der Heime Scheuern

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