Liebe Mitschwestern und Mitbrüder, liebe - Abtei St. Hildegard

Liebe Mitschwestern und Mitbrüder, liebe - Abtei St. Hildegard

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Die Geschichte eines Hauses ist die Geschichte seiner Bewohner, die Geschichte seiner Bewohner ist die Geschichte ihrer Zeit. Die Geschichte ihrer Zeit aber ist die Geschichte Gottes. Wilhelm Raabe

Liebe Mitschwestern und Mitbrüder, liebe Verwandte und Freunde der Abtei St.Hildegard! Wir stehen wieder an der Schwelle eines neuen Jahres, eines Jahres, das für unsere Gemeinschaft von besonderer Bedeutung ist. Denn im Jahr 2004 gedenken wir des Einzugs unserer Gründerinnen aus der Abtei St. Gabriel in Prag vor 100 Jahren. 100 Jahre sind keine lange Zeit, im Vergleich zu den 850 Jahren, die seit der Eibinger Klostergründung durch die hl. Hildegard vergangen sind. Andererseits: blicken wir zurück auf dieses erste Jahrhundert Neu-St.-Hildegards und führen uns vor Augen, wie unsere Gemeinschaft durch zwei Weltkriege, ein „Drittes Reich“, Vertreibung, Exil, von Not geprägte Nachkriegsjahre und schließlich durch einen gesellschaftlichen Umbruch nie gekannten Ausmaßes sicher geführt wurde, so ahnen wir die Bedeutung dieser 100 Jahre. Und so möchten wir voll staunender Freude das Jahr 2004 auch feiern. Nicht so groß wie die Jubiläumsjahre der hl. Hildegard – das letzte liegt gerade fünf Jahre zurück –, bescheidener natürlich und mehr nach innen, aber voll Dankbarkeit gegenüber dem Herrn unserer Geschichte. Höhepunkt des kommenden Jahres wird sicher die Einweihung unserer neuen Orgel sein. Und hier wäre auch der Ort, schon heute allen von Herzen zu danken, denen wir sie verdanken: zunächst der Hessischen Kulturstiftung und der ehemaligen Hessischen Kultusministerin Ruth Wagner für den unerwartet großzügigen Zuschuss, den sie uns zukommen ließen; dann unseren Musiker-Freunden, die über Jahre hinweg wunderbare Benefiz-Konzerte für unser Orgelprojekt veranstalteten; den vielen Freunden, bekannten und unbekannten, und nicht zuletzt befreundeten Ordensgemeinschaften, die uns mit Rat und Tat unterstützen. Wir sind unendlich dankbar dafür und wissen um unsere Verantwortung, dem feierlichen Gotteslob, dem gerade auch die Orgel dient, immer den ersten Platz einzuräumen.

2 Nun möchten wir Sie zu einem Streifzug durch das vergangene Jahr einladen, um Ihnen etwas teil zu geben an dem, was dieses Jahr wieder zu einer Geschichte Gottes mit unserem Haus gemacht hat. Das herauszufinden ist allerdings nicht ganz leicht. Zur Vorbereitung dieser Chronik hat M. Clementia uns die Frage vorgelegt, „Welche prägende Erfahrung und welches Ereignis im Hinblick auf unsere Gemeinschaft war für Sie besonders wichtig?“ Die Antworten, die daraufhin einliefen, bestätigen in ihrer Vielfalt nur, wie verschieden die Akzente sind, die man setzen könnte. Eines aber wird deutlich: es sind nicht nur besondere Ereignisse, die ein Jahr prägen, Veränderungen, neue Herausforderungen u.ä., sondern oft ganz unspektakuläre alltägliche Dinge, über die man sonst kein Wort verliert. So schrieb eine unserer Ältesten: “Was mich in diesem Jahr besonders beeindruckt hat, ist dies: es gab immer Veränderungen in einzelnen Arbeitsbereichen, teils durch mehr Arbeit, teils durch Krankheiten bedingt. Es fiel mir dabei sehr positiv auf, wie flexibel sich die einzelnen Mitschwestern auf die Situation einließen und dadurch aufbauend für unsere Gemeinschaft wirkten. Das ist wohl dem Wirken des Heiligen Geistes zuzuschreiben ... wir dürfen auch in unserer Gemeinschaft an die Wunder glauben, die Gottes Fügungen mit sich bringen.“ Für das, was Sie hier lesen, gilt deshalb vielleicht immer noch das Geheimnis, das der Fuchs dem Kleinen Prinzen anvertraute: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Dezember Wie ich über sie gewacht habe, um auszureißen oder niederzureißen, ... so werde ich über sie wachen, um aufzubauen und einzupflanzen (Jer 31,28).

„Vigilate – seid wachsam“, dieses Schlüsselwort des geistlichen Lebens gab uns M. Clementia in ihrer Konferenz zum ersten Advent als Jahresmotto mit auf den Weg. Das Thema „Wachsamkeit“ soll uns auch durch diesen Jahresrückblick geleiten. M. Clementia griff das Thema im Laufe des Jahres immer wieder auf, und auch Abt Clemens befasste sich in seinen Einführungen zur Eucharistiefeier oft mit der Wachsamkeit. Ein schönes Wort vermittelte er uns an M. Clementias Weihetag:

3 „ Lass den Tag nicht verstreichen, ohne ihm ein großes oder kleines Geheimnis abzuringen. Es sei dein Leben wachsam, täglich eine Entdeckung.“ (Juan Ramon Jimenez)

M. Clementias Konferenzen und Abt Clemens’ Einführungen in die Heilige Messe wurden mehrfach als Lichtblicke und prägende Gemeinschaftserfahrungen genannt. Auf einem Bild von Vincent van Gogh: „Die ersten Schritte“ gab M. Clementia zu Beginn des neuen Kirchenjahres jedem von uns den Namen einer Mitschwester mit der Bitte, diese in besonderer Weise betend durch das Jahr zu begleiten. In der 1. Adventswoche zeigten uns Sigrid und Edgar Pallmann aus München die ersten Schritte zum meditativen Tanz. Die Tanzgruppe gab uns am 2. Adventssonntag eine erste Kostprobe ihres Könnens. Im diesjährigen November freuten wir uns schon auf die Fortführung des Kurses, die aber leider an unserem baubedingten Platzmangel scheiterte. Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben! Sr. Maria-Regina hielt am 5. Dezember ein kleines Referat über „Adventliche Gedanken bei Abt Columba Marmion“. Sr. Christiane besuchte die Jugendhaftanstalt in Wiesbaden als Vorbereitung für Exerzitien, die sie den Gefängnisseelsorgern des Bistums Limburg zu halten hatte. Unser Oblate, Militärpfarrer Ralf Hufsky, kehrte nach seinem siebenmonatigen Einsatz im Kosovo nach Hause zurück und berichtete uns dreimal von seinen Erfahrungen. Am 10. Dezember fuhren fünf Mitschwestern zu einem Gregorianikkurs nach Goslar, der von Prof. Johannes Berchmans Göschl geleitet wurde. Unterwegs besuchten sie unsere Mitschwestern in Marienrode. Im Hinblick auf das beginnende Jahr der Bibel hielt Sr. Christiane dem Konvent einen Vortrag zum Thema „Lectio divina“, der eine gute Resonanz fand. In diesen Wochen lief auch eine Gemeinschaftsaktion, alle 150 Psalmen für unsere Sr. Angela, die ja nicht mehr lesen kann, lateinisch auf Tonband zu sprechen. Januar Halt Wache! Beobachte die Wege (Nah 2,2).

Am 4. Januar fuhr unsere Triennalprofesse Sr. MariaMagdalena zu einem dreimonatigen Deutschkurs nach Bonn. Leider musste sie den Kurs Ende Februar abbrechen,

4 um sich einer schweren Operation zu unterziehen, die aber gottlob gut verlaufen ist. Sr. Christel Reiter ADJC kam für vier Wochen zu uns, um sich auf eine neue Aufgabe in ihrer Ordensgemeinschaft vorzubereiten. Sie war uns ein lieber Klausurgast, der uns noch dazu tatkräftig in der Küche half. Zu unseren „Stammgästen“ in der Klausur gehören inzwischen seit vielen Jahren M. Hedwig aus Köln, Sr. Armina aus Gengenbach, Sr. Maria aus Ahrweiler, Sr. Liguoria aus Bingen, Sr. Bernadette aus Gemünd-Schleiden und Sr. Mechtild aus Mannheim. Die Begegnung mit ihnen ist für unsere Gemeinschaft immer wieder eine große Freude und Bereicherung. Im Hochamt des Epiphaniefestes legten die Eheleute Grüger-Ackermann ihre Oblation ab. Zur Vesper des 7. Januar sang ein australischer Chor aus Sydney in unserer Kirche den Evensong. Es war eine musikalische Darbietung auf hohem Niveau. Zwei Tage später trafen wir uns mit unseren Mitarbeitern, ihren Familien und unseren Nachbarn zum traditionellen Neujahrskaffee. Sr. Philippa nahm die Figuren unserer Hauskrippe zum Thema für eine weihnachtliche Meditation. Anschließend dankte M. Clementia unseren Mitarbeitern für ihren unermüdlichen Einsatz und für ihre Treue. In der darauffolgenden Vesper spielte Herr Volker Krebs (inzwischen Orgellehrer unserer Organistinnen) einen virtuosen Ein- und Auszug. Eine Woche später beschäftigten uns zwei interessante und bewegende Vorträge: Prof. Dr. Lütz aus Köln referierte über sein Buch „Der blockierte Riese“ und überbrachte uns in humorvoller Art die Botschaft, dass in unserer Kirche noch keineswegs alles verloren ist. Herr Pfarrer Erhard, Gefängnisseelsorger in Würzburg, gab einen engagierten und erschütternden Einblick in seine Tätigkeit in „Deutschlands modernstem Knast“, wie er sagte. Ebenfalls noch im Januar bot ein einwöchiger Besuch von Archimandrit Irenäus Totzke, Niederaltaich, uns die willkommene Gelegenheit, mit ihm die Göttliche Liturgie und die Vesper im ostkirchlichen Ritus zu feiern. In einer Konferenz gab er uns eine Einführung in den Geist der Ostliturgie und in einer Rekreation einen aufschlussreichen Überblick über den Stand der Ökumene zwischen Rom und den orthodoxen Kirchen. Wir freuten uns, dass sein Besuch auch in diesem

5 Jahr wieder in die Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen fiel. Frühzeitig im Jahr tauschten wir uns im Konvent über die Möglichkeit aus, eine Reihe von Glaubensgesprächen für unsere Gäste und für Interessierte in unserer Umgebung anzubieten. Dafür boten sich die Sonntage der Fastenzeit an. Sr. Caecilia, Sr. Thekla und Sr. Josepha erklärten sich bereit, je ein Impulsreferat zu folgenden Themen zu geben: „Glauben, wie geht das?“, „Fasten und Umkehr“, „Ich bin die Auferstehung und das Leben“. Für den 5. Fastensonntag bereitete die Laientheatergruppe „Stella Maris“ unter choreographischer Leitung unseres Mitarbeiters Peter Moussong ein biblisches Spiel zum Passionssonntag unter dem Titel „Siehe Deine Mutter“. Auf den Palmsonntag hin wollten M. Edeltraud und Sr. Christiane Einkehrtage für den Freundeskreis in Johannisberg vorbereiten. Thema: „Spirituelle Vorbereitung auf die Kar- und Ostertage“. Den Abschluss der kleinen Glaubensgesprächsreihe sollten dann in der Karwoche die Einführungen in das Triduum Sacrum durch Sr. Teresa bilden. Vorausgenommen sei schon gesagt, dass diese Angebote sehr gut aufgenommen und besucht wurden. Auch für unsere Mitschwestern waren die Glaubensgespräche mit den Gästen eine wichtige und prägende Erfahrung in diesem Jahr. Am 24. Januar erfuhren wir zu unserer großen Freude, dass Sr. Elisabeth Kralemann für 12 Jahre zur Äbtissin in Engelthal gewählt wurde. Zur Äbtissinnenweihe am 11. Mai fuhren M. Clementia, M. Edeltraud, Sr. Christiane und Sr. Katharina in unser Nachbarkloster und berichteten uns anschließend ausführlich von der schönen Feier. Am Fest Pauli Bekehrung brachte uns ein nächtlicher Zwischenfall schlagartig zu Bewusstsein, dass auch wir ein älter werdender Konvent sind und dass sich die Lebenssituation älterer oder auch jüngerer Mitschwestern sehr plötzlich ändern kann. Unsere Sr. Maria-Hildegard erlitt in der Nacht einen Schlaganfall und musste vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden. In der Nacht darauf musste der Notarzt zu Sr. Oliva geholt werden. Sie durfte zuhause bleiben, musste aber das Bett hüten. Ein Krankenhausaufenthalt von Sr. Marion und ein Unfall von Sr. Dorothea brachten die Arbeit in unserer Restaurierungswerkstatt, in der auch Sr. Maria-Hildegard noch mit 77 Jahren eine wertvolle Hilfe ist, schließlich für einige Zeit fast ganz zum

6 Erliegen. An dieser Stelle möchten wir allen Ärzten und denjenigen, die unseren Kranken in diesem Jahr ihre Fürsorge zugewandt haben, von Herzen danken. Februar Meine Seele wartet auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen (Ps 130,6).

Am Fest der Darstellung des Herrn hielt uns M. Clementia eine Bildmeditation mit musikalischer Umrahmung zu der Darstellung des greisen Simeon von Rembrandt. Es folgte ein lebendiger Austausch und der Gedanke kam auf, ob wir eventuell die in den Medien angekündigte RembrandtAusstellung in Frankfurt besuchen könnten. Ein Dia-Vortrag von Frau Dr. Emely Salzig aus Geisenheim, Mitglied des Komitees „Deutsche Ärzte für die 3. Welt“, versetzte uns in die Slums von Bangladesh und Kalkutta, wo Menschen in unvorstellbaren Verhältnissen leben müssen. Beeindruckend war die Würde der Alten, der Ernst der Mütter und der Frohsinn der Kinder. Frau Dr. Salzig kam im November noch einmal zu uns. Am 7. Februar vollendete unsere Sr. Oliva ihr 90. Lebensjahr. Mit ihren Angehörigen, die in großer Zahl gekommen waren, feierten wir am Sonntag danach mit Instrumentalmusik und einem Gedicht von Sr. Simone unsere liebe Mitschwester, die immer noch Tag für Tag in der kalten Küche für das leibliche Wohl der Gemeinschaft und der Gäste sorgt. Sr. Oliva stellte dem Konvent ihre Verwandten vor, und ihr Bruder hielt eine ausführliche Laudatio. Am Abend des 7. Februar fuhren M. Clementia und fünf Mitschwestern nach Höhr-Grenzhausen, um im dortigen Westerwälder Keramikmuseum an der Eröffnung der Examensausstellung unserer Sr. Christophora und zwei anderer Studienabsolventinnen teilzunehmen. Unter den Gästen der Ausstellung waren auch Abtpräses Anno Schoenen und einige Mitbrüder aus Maria Laach. Das Thema von Sr. Christophoras Diplomarbeit „Warten“ war in sechs Großplastiken ausdrucksvoll gestaltet. Seit dem 9. Februar ist sie nun nach vierjährigem Studium wieder zuhause. Sie hatte in diesem Jahr bereits drei große und interessante Aufträge: eine freistehende Großplastik „Maria mit dem Kind“, die den Kirchplatz in Ockenheim ziert, einen farbig gefassten Kreuzweg für eine Gemeinde in

7 Denver/USA und ein Wandrelief „Schutzmantelmadonna“ für die Kapelle der Pallottiner in Vallendar. Drei Wochen lang konnte Sr. Christophora ihre Arbeiten im „Laacher Forum“ ausstellen, weitere Anfragen für Ausstellungen reichen bis in den Sommer des kommenden Jahres hinein. Am Sonntag, den 9. Februar, begannen unsere Jahresexerzitien mit einem stillen Tag, da unser Exerzitienbegleiter, Abt Ansgar aus der Abtei St. Matthias in Trier, erst am Montag kommen konnte. „Auf Fragen Gottes persönlich antworten“, das war das Thema dieser Tage, und die erste Frage Gottes an den Menschen: „Wo bist du?“ war auch die erste Frage an uns. Mit der dreimaligen Frage Jesu an Petrus: „Liebst du mich?“ wurden wir wieder in den Alltag entlassen. Fragen, vorwiegend aus der Heiligen Schrift, aber auch aus der Väterliteratur und von zeitgenössischen Autoren, legte Abt Ansgar uns vor. Sie trafen allesamt ins Schwarze, und wir sind Abt Ansgar dankbar für diese Tage. Am 22. Februar begann mit einem Referat von Sr. Scholastica eine Vortragsreihe zum Thema „Hildegard von Bingen“ für unseren Freundeskreis. Im Verlauf des Jahres beleuchteten Sr. Caecilia, Sr. Hiltrud und Sr. Lydia je einen Aspekt aus Leben und Werk unserer Klosterpatronin. Ebenfalls im Februar begann unsere Stimmbildung bei Herrn Hilckenbach, dem Chorleiter der Kiedricher Chorknaben. Er versteht es meisterhaft, uns mit seiner Freude und seiner Begeisterung anzustecken und mitzureißen. Trotz aller Freude am Singen stimmten wir in der Kapitelssitzung vom 26. Februar, der eine Anhörrunde vorausgegangen war, für die Rezitation der Psalmen in den Laudes. Auch dies ist ein Tribut an unsere älter werdende Gemeinschaft. In den letzten Februar- und ersten Märztagen begleitete Sr. Teresa die Jahresexerzitien der Augustiner Chorfrauen in Offenburg. Im Mittelpunkt der Tage stand das Geheimnis der Gleichnisse Jesu. März Wacht und betet alle Zeit (Lk 21,36).

Ihre Aschermittwochskonferenz stellte M. Clementia unter das Motto „Wacht und betet“ und führte Beispiele aus der Benediktsregel an, in denen Aufmerksamkeit und Wachsamkeit angesprochen werden. Als Fastenlektüre gab sie

8 uns das Buch Jesus Sirach, das wir im Kontext der Regel lesen sollten. Am 1. Fastensonntag verlas Abt Clemens im Hochamt den Fastenhirtenbrief unseres H.H. Bischofs Franz Kamphaus, der sich klar und eindeutig zum Thema Sterbehilfe bzw. Sterbebegleitung äußerte. Wie immer war dieser Hirtenbrief ein beachtenswertes und notwendiges Wort in unsere Zeit. Ein kleines Ereignis am Rande: im Zuge unserer Baumaßnahmen, über die später noch berichtet wird, mussten geliebte Bäume, u.a. auch eine schöne Linde, fallen. Unsere 40-jährige Sternmagnolie, die Sr. Josepha seinerzeit von ihrer geliebten Tante Tona geschenkt bekommen hatte, wurde in einer waghalsigen Aktion per Radlader verpflanzt. Wunderbarerweise ist sie angewachsen, hat schon wieder geblüht und sogar den heißen, trockenen Sommer überlebt. Für uns ist dies ein gutes Omen. Am Vormittag des 15. März trat Kerstin Schneider aus Würzburg bei uns ein. Am letzten Tag des Oktober, vor der ersten Vesper von Allerheiligen, wurde sie eingekleidet und erhielt den Namen Sr. Barbara, den sie sich gewünscht hatte. Er passt so gut zu ihr wie der Habit und der Schleier, und sie sang die Antiphonen so sicher und schön, dass wir hoffnungsvoll aufhorchten. Am Nachmittag des 16. März hielt Professor Jörg Splett vor Mitgliedern des Freundeskreises und unserer Kommunität einen Vortrag mit dem Titel „Menschenwürde am Ende des Lebens“. Die anschließende Gesprächszeit erwies sich als zu kurz, so groß war das Interesse an dieser Frage. Den jährlichen Wirtschaftsbericht hielt uns Sr. Philippa zwei Tage später. M. Clementia und sie dankten den Mitschwestern für ihren treuen Dienst – sei es im Haus, sei es in den Wirtschaftsbetrieben. Jede gibt ja ihren Teil zum Ganzen. Nach dem Festhochamt zu Ehren des hl. Joseph fuhren unsere Kantorinnen zum zweiten Mal zum Gregorianikkurs nach Goslar. Die letzte Einheit dieser Fortbildung fand dann in der 1. Adventswoche statt. Der 20. März schreckte uns alle auf. Gegen alle Hoffnung hatte US-Präsident Bush in der Nacht den Befehl zum Angriff auf den Irak gegeben. Auf den lähmenden Schrecken folgten allerorts verstärkt die Bemühungen, um ein rasches Ende des Krieges zu beten. Am Hochfest des hl. Benedikt meldeten die Medien schon erste Opfer. Wir empfanden stark die Diskrepanz zwischen der brutalen Wirklichkeit des

9 Krieges und der Möglichkeit, alles vom bequemen Stuhl aus in den Fernsehnachrichten zu sehen. Am Fest der Verkündigung des Herrn beging Sr. Ancilla den Tag ihrer Silberprofess und Consecratio – auf eigenen Wunsch in aller Stille. Ebenfalls am 25. März kam zum wiederholten Male eine Malteser-Gruppe aus Bottrop zu Einkehrtagen mit M. Edeltraud. Die Gruppe wohnte auf dem Schafshof, hatte aber ihr Programm in der Abtei. Da wir wegen unseres Baus die Oblatenwochenenden nicht in unserem Haus halten können, traf sich die Oblatengemeinschaft in zwei Gruppen im Bildungshaus Nothgottes hier in unserer Nähe. Thema der Gespräche war: „Was bedeutet mir mein Oblatentum – und was erwarte ich?“ April Er ist für uns gestorben, damit wir vereint mit ihm leben, ob wir nun wachen oder schlafen (1 Thess 5,10).

Am 6. April kamen wieder unsere Freunde aus Bozen, Luigi Presta und sein Sohn Francesco, um uns Ölzweige zum Palmsonntag zu bringen. Für Luigi ist die weite Reise keine Kleinigkeit. Viele Mitschwestern freuten sich, den beiden zu begegnen. Am 8. April fuhr die erste Gruppe von Mitschwestern zur Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Städel, am 10. April die zweite. Die Einmaligkeit des Rembrandtschen Werkes, das sich fast ausschließlich mit biblischen Themen befasst, beeindruckte uns tief. Ein Höhepunkt der Ausstellung war für viele das Gemälde „Der Jakobssegen“, aber auch die Radierungen, in denen Rembrandts besonderer Umgang mit Licht und Schatten deutlich wurde, bleiben unvergesslich. Etwas Besonderes kam noch hinzu: beide Gruppen von Frankfurt-Reisenden wurden nach dem Ausstellungsbesuch von Sr. Annas jüngster Schwester, Frau Dr. Hildegard Hansmann, zu einer Tasse Kaffee mit nach Hause genommen. Dankbar haben wir die spontane und herzliche Gastfreundschaft der Familie genossen. Die Prozession am Palmsonntag über den Kirchplatz fand bei strahlendem Sonnenschein statt. Am Dienstag in der Karwoche besuchte uns wieder Abt Benedikt von Maria Laach als Extraordinarius und hielt uns eine Ansprache über das Regelwort „An den Leiden Christi teilnehmen“. Wir danken ihm, dass er trotz seiner vielfältigen Aufgaben immer

10 wieder den Weg zu uns findet. Während der gesamten Karund Osterliturgie stand Pater Krystian Sowa SJ aus Polen Abt Clemens zur Seite, da Pfarrer Jean Hörnis, der aus Johannisberg täglich zu uns zur Konzelebration kommt, leider erkrankt war. Zum Osterfest stand die Natur in voller Blüte. Auch ins Haus zog der Frühling ein, überall standen Blumen und grünende Zweige. So kam das Fest der Feste. Um 22.30 Uhr begann die Liturgie der Osternacht mit der Feuerweihe auf dem Kirchplatz, an der viele Mitschwestern und Besucher teilnahmen. Es gibt aber immer auch einige Mitschwestern, die es vorziehen, im dunklen Chor auf den Einzug der Osterkerze zu warten. Die sieben gesungenen Trakten teilten sich in diesem Jahr die Schola und die Chorführung. Beim Einzug zum festlichen Hochamt am Ostermorgen sangen wir wieder das geliebte „Salve festa dies“. Im Hochamt des Ostermittwoch fand die Oblation von Frau Rafaela Bielecki-Weyenberg statt. Inzwischen ist unsere Oblatin für ein halbes Jahr bei den Internationalen UNOFriedenstruppen im Kongo eingesetzt. Ebenfalls am Ostermittwoch feierten wir den 70. Geburtstag unserer Sr. Martina nach, der dem Datum nach in die Karwoche gefallen war. Zwei Gesangsstücke und verschiedene marianische Texte bereiteten der Jubilarin Freude. Der Professtag von M. Edeltraud am Osterdonnerstag und der Geburtstag und Professtag von M. Clementia am Tag darauf wurden ebenfalls mit musikalischen Darbietungen gefeiert. Am Samstag in der Osterwoche fand in unserer Kirche wieder ein Benefizkonzert für unsere Orgel statt. Herr Volker Krebs spielte meisterhaft bekannte Literatur und eigene Improvisationen. Am 29. April kam Herr Prof. Göschl wieder für vier Tage zur Arbeit mit der Schola, der Chorführung, dem Konvent und mit Einzelnen. Die Tage waren wie immer fruchtbar und machten sich im Chor bemerkbar, besonders wenn Herr Prof. Göschl – so an den letzten beiden Tagen – im Chor dirigierte. Mai Danket dem Wächter Israels, denn seine Huld währt ewig (Sir 51, 12).

Des 15. Gründungstages von Marienrode am 5. Mai gedachten wir in dankbarer Freude. Immer wieder gab es

11 auch in diesem Jahr Gelegenheiten zur Begegnung mit unseren Mitschwestern. Zu Beginn des Jahres war M. Edeltraud mit Sr. Philippa für einige Tage im hohen Norden, um wieder einmal alle zu sehen. Nach der Beuroner Äbtekonferenz im Oktober kam dann Sr. Maria-Elisabeth zwei Tage zu uns. In einer gemeinsamen Rekreation erzählte sie uns viel Schönes aus unserer Gründung. Am 6. Mai kamen Sr. Angela Gamon, Herstelle, und Pater Daniel Hörnemann, Gerleve, als Vertreter der Arbeitsgruppe „Zukunft“ der Beuroner Kongregation. Sie erläuterten uns einen Fragebogen, der von jeder Mitschwester ausgefüllt werden sollte. Es gab einen regen Austausch über den Sinn und den Inhalt dieser Fragebogenaktion. Erstmals hielt uns Herr Prof. Heribert Wahl aus Trier einen Vortrag mit dem Titel „Was macht uns böse? Tiefenpsychologische Überlegungen zum Problem des Bösen und der Schulderfahrung“. Seine interessanten und lehrreichen Ausführungen, die jeweils noch durch abendliche Gesprächsrunden ergänzt wurden, fanden im Laufe des Jahres noch eine zweimalige Fortsetzung. Mit dem Tod von Herrn Prof. Heinrich Schipperges am 10. Mai verlor unser Konvent einen langjährigen Freund und Berater. Als junger Medizinhistoriker hatte er in den Nachkriegsjahren Kontakt mit unseren Schwestern Maura Böckeler und Adelgundis Führkötter, den großen HildegardKennerinnen, aufgenommen und wurde später selbst zum Nestor der Hildegard-Forschung. Bis zu seinem Tod war er unserem Haus eng verbunden, und wir verdanken ihm viel. R.i.p. Im Anschluss an diese Chronik bringen wir einen Nachruf auf Herrn Prof. Schipperges von Herrn Dr. Werner Lauter, Eibingen. Gentechnik und Genethik war das Thema eines Vortrags am 14. Mai, den Herr Dr. Wolfram Oehl, Leutesdorf, uns hielt. Wenn auch die Materie für die meisten von uns schwierig war, so überzeugte uns das Engagement und das Verantwortungsgefühl dieses christlich geprägten Arztes. Am 15. Mai machten sich 17 Mitschwestern auf den Weg über den Rhein, um den Mitbrüdern auf dem Jakobsberg den lange geplanten Gegenbesuch zu machen. Auch M. Clementia und Abt Clemens fuhren mit. Inzwischen sind Pater Prior Ludger und Pater Subprior Rhabanus in ihr Heimatkloster St. Ottilien zurückgekehrt. Beide kamen noch, um sich von uns zu verabschieden. Wir hoffen, dass die

12 freundschaftliche Verbindung zu den Mitbrüdern auf dem Jakobsberg auch in Zukunft bestehen bleibt. Den neuen Prior, Pater Aurelian, hoffen wir, im Advent bei uns begrüßen zu dürfen. Am 16. Mai fuhren M. Clementia und Sr. Ancilla mit Pfarrer Ralf Hufsky nach Vanves, um Sr. Gisela zu besuchen. Sr. Ancilla blieb für drei Wochen dort, um ihr bei der Erledigung der englischsprachigen AIM-Korrespondenz zu helfen. Am 12. Juni kam Sr. Gisela dann zu uns in Begleitung von Père Martin Neyt, dem Präsidenten der AIM (Allliance Inter Monastère), und Soeur Lazare von der Abtei St.-Thierry. Sie machten Station bei uns auf ihrer Fahrt nach Marienrode, wo das jährliche Conseil der AIM abgehalten wurde. Wir hatten viel Freude an der temperamentvollen Soeur Lazare, die hinreißend erzählte, und bewunderten Sr. Giselas fließende Zweisprachigkeit. Auf der Rückfahrt nach Vanves kam sie noch einmal bei uns vorbei, so dass wir die Gelegenheit hatten, ihre Silberprofess, die in die Tagung in Marienrode gefallen war, nachzufeiern. Wir sangen das „Alta Trinita“, hörten einige Stücke aus Telemanns musikalischer Geographie und trugen Gedichte von Paul Konrad Kurz vor. Am Sonntag, den 18. Mai, war wieder ein Benefizkonzert. Es spielte das Kölner Kammerensemble „ius et musica“, sechs Juristen und Notare, die seit Studienzeiten miteinander musizieren, unter ihnen Sr. Teresas Neffe Dr. Arnd Löffelmann. Das Konzert fand einen begeisterten Applaus. Am 22. Mai verabschiedeten wir mit einer festlichen Kaffeerunde unseren langjährigen Mitarbeiter, Herrn Peter Hagel, in den wohlverdienten Ruhestand. Er war 18 Jahre bei uns, vorwiegend im Garten und in der Schlosserei. Wir haben sein stets freundliches und hilfsbereites Wesen sehr geschätzt. Nun wünschen wir ihm und seiner Frau Christa einen vergnügten Ruhestand. Aus alter Anhänglichkeit war Herr Hagel bereits wieder als Lesehelfer mit in der Weinlese. Er kann’s noch nicht lassen! Am 28. Mai flog M. Edeltraud zum Ökumenischen Kirchentag nach Berlin. Mit einem Statement nahm sie am Forum „In Würde lieben“ teil, bei dem Herr Prof. Jörg Splett das Hauptreferat hielt. Nach ihrer Rückkehr erzählte sie uns anschaulich von ihren Eindrücken und Begegnungen.

13 Juni Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt (Lk 12, 37).

Nach einer Anhörrunde Anfang Juni und späterer Abstimmung entschieden wir uns nach zwei Jahren des Experimentierens, an sieben Hochfesten statt der bisher 12 gesungenen lateinischen Lektionen künftig zwei deutsche Lesungen einzuführen. Am 15. Juni traf sich der Freundeskreis zu einem Vortrag von Alois Fürst zu Löwenstein zum Thema „Wirtschaft und Glaube“. Schlicht und überzeugend legte er dar, wie man als Christ auch im heutigen Wirtschaftsleben ein anständiger Mensch bleiben kann, wenn man sich an die vier Kardinaltugenden und die drei theologischen Tugenden als maßgebende Richtlinien hält. Mitte Juni begann mit den ersten Johannisbeeren die Obsternte des Jahres, die nicht überreich ausfiel, aber sehr aromatische Früchte lieferte. Die Kirschen blieben fast ganz aus, dafür aber waren die Pflaumen umso reichlicher. Auf den Gemüseanbau haben wir in diesem Jahren wegen unserer Baustelle verzichtet, und die Blumen kamen wegen der Trockenheit erst im Herbst so richtig zur Blüte. Am Nachmittag des 21. Juni hielt das Ensemble „Accentus musicus“ wieder ein Benefizkonzert in unserer Kirche. Trotz der bereits sommerlichen Hitze fanden sich viele Zuhörer ein und spendeten den Künstlern ehrlichen Beifall. In der Abendrekreation des 23. Juni feierten wir M. Edeltrauds Namenstag mit Musik, für die sie sich ergriffen und froh bedankte. Zum wiederholten Male besuchte uns der englische „Chapel Choir of Royal Holloway University of London“ mit seinem Dirigenten Lionel Pike. Sie bereicherten unser Konventamt und die Vesper mit einer Reihe von einmalig schön ausgeführten Gesängen. Am 28. Juni kehrte Sr. Philippa von der Cellerarinnentagung in der Zisterzienserinnenabtei St. Marienthal, die direkt am Ufer der Neisse liegt, zurück. Für uns war St. Marienthal immer ein Begriff, da es eine Gruppe unserer Mitschwestern während des Exils in den Jahren 1941 bis 1945 dorthin verschlagen hatte. Sr. Philippa erzählte uns, dass die Erinnerung an unsere Mitschwestern, vor allem an die couragierte Frau Pia Hoyos, die selbst betrunkene russische

14 Soldaten in die Flucht geschlagen hatte, immer noch lebendig ist. Am Fest Peter und Paul berichtete uns Sr. Emmanuela in der Rekreation begeistert von ihrem Aufenthalt in Vanves und den wunderbaren Kathedralen in Paris, Reims und Chartres. In diesem Zusammenhang möchten wir es nicht versäumen, allen Klöstern und Gemeinschaften zu danken, die Mitschwestern von uns in der Ferienzeit gastlich aufgenommen haben. Auch wenn die Abwesenheits- und Vertretungslisten in den Sommermonaten bisweilen lang sind, sind wir doch froh, dass wir die Möglichkeit zu Ferien wahrnehmen dürfen. Juli Auf deine Mauern, Jerusalem, stelle ich Wächter. Weder bei Tag noch bei Nacht dürfen sie schweigen (Jes 62,6).

Am Fest der Heimsuchung Mariä, dem 2. Juli, das so bedeutungsvoll in unserer Geschichte ist, versammelten wir uns nach dem Hochamt wieder um unsere Gründungssäule im Kreuzgarten zu einem dankerfüllten Magnificat. Als abendliche Tischlektüre lasen wir in den Wochen danach die Exilsberichte 1941 - 45 der Binger Gruppe, die uns sehr bewegten. Vom 4. – 6. Juli traf sich unsere Oblatengemeinschaft in Marienrode. Leider konnte Sr. Eva-Maria wegen einer akuten Erkrankung nicht teilnehmen. In ihrer Vertretung begleitete Sr. Philippa die Oblaten durch diese Tage, die durch Vorträge von Sr. Maria-Elisabeth und Sr. Victoria gestaltet wurden. Am Sonntag, dem 6. Juli, begann für unseren Konvent ein Hildegard-Seminar, an dem 15 Mitschwestern teilnehmen, um unter Anleitung von Herrn Prof. Hubert Ivo, Wiesbaden, einen neuen Zugang zu den Visionen Hildegards im „Scivias“ zu finden, und zwar durch aufmerksames Hören und Lesen der Texte, ohne vorgefasste Deutungsversuche, ohne Betrachtung der Miniaturen, die ja schon Interpretationen des Textes darstellen. Vom 12. – 21. Juli war Abt Pius Engelbert, Gerleve, bei uns zur Vertretung. Wir danken ihm für sein Kommen und seinen Vortrag „Heilige der Karolingerzeit“. Am 12. Juli erfreute uns ein weiteres Benefizkonzert in unserer Kirche, das der Chor

15 „Christ The King“ der anglikanischen Gemeinde in Frankfurt darbot. Das jährliche Sommerfest, das diesmal auf Sonntag, den 27. Juli fiel, wurde unter dem Motto „Die Eiszeit bricht an“ begangen. Die übergroße Hitze hatte das Thema heraufbeschworen. Ein köstlicher Eiskaffee erfrischte uns, und Dias aus der Vergangenheit unseres Hauses, die Sr. Teresa vorführte, ergänzten wirkungsvoll die Tischlektüre über die Exilszeit. So bekamen auch die jüngeren und jungen Mitschwestern einen weiteren Einblick in die 100-jährige Geschichte unserer Gemeinschaft. August Seht euch also vor und bleibt wach (Mk 13,33).

Pater Elmar Salman war wieder unser gern gesehener Sommergast zur Vertretung von Abt Clemens und hielt am 2. August dem Konvent einen Vortrag zum Thema „Aufklärung und Romantik“. Mit dem Noviziat arbeitete er in bekannt mitreißender Art zur Thematik der Schöpfung, die er von verschiedenen Perspektiven her beleuchtete. Die ungewöhnlich große Hitze dieses Sommers machte uns allen zu schaffen. Ab 8. August zogen wir zu Komplet und Vigilien in die Kirche um, wo wenigstens vom Portal her die Illusion einer Luftbewegung zu spüren war. Eine Mitschwester äußerte dazu: „Eine für mich mutmachende Erfahrung war, in der Zeit der Hitzewelle zu erleben, wie unsere Gemeinschaft zusammensteht, um eine gemeinsame ‚Prüfung’ zu bewältigen. Jede musste Selbstdisziplin aufbringen, um nicht nur das Chorgebet, sondern auch den oft sehr mühsamen Alltag durchzustehen.“ Wir dachten auch sehr an die Menschen, die in Südeuropa und Kanada wütenden Bränden fast hilflos ausgeliefert waren. Die tropischen Temperaturen dieses Sommers ließen den Gedanken bei uns aufkommen, eine leichtere Sommertunika in Erwägung zu ziehen. Mitte August wurde unser Rekreationsplatz im Garten neu gestaltet. Er ist wunderschön geworden, leicht erhöht und von einer Natursteinstützmauer umgeben, die die farbliche Vielfalt des Quarzits wirkungsvoll zur Geltung bringt. Unsere beiden polnischen Helfer Krzysztof und Marcin haben sich mit dieser Mauer wahrhaft ein Denkmal gesetzt, wobei sie

16 eine geniale architektonische Lösung fanden, als es darum ging, die Wurzel unserer Blutbuche im wahrsten Sinne des Wortes zu überbrücken. Den 3. Wahltag von M. Clementia am 23. August feierten wir in der Rekreation mit dem Bachchoral „Jesus bleibet meine Freude“, den Sr. Lydia und Sr. Christiane in einer Version für Flöte und Klavier spielten. Sr. Simone dankte M. Clementia im Namen des Konvents für ihren Dienst in unserer Gemeinschaft. Am 31. August besuchten uns im Rahmen eines Regionalkapitels in Kloster Eberbach 35 Zisterzienseräbte und – äbtissinnen. Nach einem Gedankenaustausch mit dem Konvent in kleinen Gruppen führten wir unsere Gäste durch die allgemeinen Räume und zeigten ihnen den „Scivias“Kodex. Ein Garten- und Friedhofsbesuch und für Interessierte eine Baustellenführung schlossen sich an. Die freundschaftliche Verbindung zu den Zisterziensern ist in den letzten Jahren erfreulich gewachsen. An nahezu allen internen Fachtagungen nehmen inzwischen sowohl schwarze als auch schwarz-weiße Mönche und Nonnen teil. September Seid wachsam, steht fest im Glauben (1 Kor 16,13).

Vom 1 .– 6. September fuhr unser Noviziat zu einer gemeinsamen Noviziats-Werkwoche der Beuroner Kongregation nach Engelthal. Thema der Tage war die Geschichte der Beuroner Kongregation und die Beuroner Kunst. Im Vorfeld zu unseren diesjährigen Tagen der Begegnung wurden Sr. Christophoras Großplastiken in der Kirche ausgestellt. Vor allem der Engel inspirierte Abt Clemens zu seiner Festpredigt am Weihetag unserer Kirche, dem 7. September. Am nächsten Tag, dem Fest Mariä Geburt, legte Frau Claudia Berliner in Anwesenheit ihrer Familie ihre Oblation ab. Am Nachmittag des 9. September gab Sr. Philippa uns eine Einführung und detaillierte Informationen zu den bevorstehenden Tagen der Begegnung am 13. und 14. September. Die Tage selbst standen ganz unter dem Zeichen des Bauens und des Baus. Schon die Programmgestaltung wies darauf hin, dass unser Bauprojekt in diesem Jahr im Mittelpunkt des Interesses stand. Die eigentliche Baustelle musste zwar aus Sicherheitsgründen abgesperrt werden, aber unsere Bauleiterin Sr. Scholastica

17 bot regelmäßig Führungen durch das Baugelände an, die großen Zuspruch fanden. Für unsere jüngsten Besucher hatten unser Mitarbeiter Herr Peter Moussong und ein Freund des Hauses, Herr Willi Schneider, am Rand der Baugrube eine Kinderbaustelle eingerichtet. Hier wurde mit großem Ernst und mit Feuereifer geschaufelt, gemauert, gesägt, gehämmert und am Ende ein richtiges kleines Haus mit Fenstern und Dach gebaut. Einen besonderen Akzent zum Thema Bau setzten die Mitglieder unseres Freundeskreises. Sie versteigerten Findlinge aus unserem Gelände und verkauften mit großem Erfolg kleine zurechtgeschnittene Natursteine, die mit dem Siegel unserer Abtei versehen waren. Die Musikliebhaber kamen auf ihre Kosten bei einem virtuosen Orgelkonzert von Herrn Volker Krebs, einer einmaligen Darbietung der „Voces cantantes“ aus Mainz, der köstlichen Kaffeehausmusik des Ensembles „Allegro“ (dem ein Neffe unserer Sr. Anna angehört) und dem fröhlichen Ständchen des Männergesangvereins „Cäcilia Eibingen“. Zu unserer Freude war die Beteiligung an den gemeinsamen Gebetszeiten und den geistlichen Angeboten sehr gut. Es gab eine ökumenische Gesprächsrunde mit den Brüdern und Schwestern der Jesusbruderschaft Gnadenthal, Impulsreferate mit anschließendem Austausch, Kirchen- und Friedhofsführungen. Die Möglichkeit, den Garten zu erkunden, wurde von vielen Besuchern gerne wahrgenommen. Erstmals mit dabei waren in diesem Jahr die Brüder vom Jakobsberg mit einem Dritte-Welt-Stand und Herr Pfarrer Werner Bardenhewer, Wiesbaden, mit einem Info-Stand zu seiner Blindenhilfsaktion in Burkina Faso. Diesem Projekt ließen wir einen Teil der Erlöse unserer Tage der Begegnung als Spende zukommen. Mit ihren Klosterspezialitäten waren wieder die Abtei Neuburg und die Jesusbruderschaft Gnadenthal vertreten. Unsere Betriebe und Kunstwerkstätten luden wie jedes Jahr wieder zur Besichtigung ein. Besonderer Andrang herrschte wie immer im Weinkeller und im Klosterladen, aber auch Sr. Judiths Goldschmiedeausstellung in neuen Vitrinen fand großes Interesse. Die Vitrinen sind inzwischen ein Schmuckstück des Ladens geworden und haben Sr. Judith schon manche neue Aufträge beschert. Das herrliche Wetter an beiden Tagen verdanken wir Gott. Den reibungslosen Ablauf der umsichtigen Planung von Sr.

18 Philippa und den Mitschwestern im Wirtschaftsrat sowie dem engagierten Einsatz unseres ganzen Konventes und unserer Mitarbeiter. Nicht denkbar wären diese Tage ohne die selbstlose Hilfe vieler Bekannter und Freunde, die mit Phantasie und Freude bei der Sache waren. Die Dankesworte M. Clementias nach der gemeinsam mit den Gästen gesungenen Vesper sprachen uns aus dem Herzen. Wir hoffen, dass die Tage der Begegnung nicht nur für uns, sondern auch für die vielen Besucher ein wirkliches Fest der Begegnung waren. Im feierlich gestalteten Hochamt am 15. September gedachten wir des 25-jährigen Weihetages von M. Edeltraud. Die Feier im Konvent holten wir am 16. nach mit einem schönen und originellen Opus: Die Jahresmotti, die M. Edeltraud uns in ihrer Amtszeit gegeben hatte, waren vorher verteilt worden, und jede konnte sich damit etwas Kreatives einfallen lassen. So gab es u.a. meditative Texte, Bildcollagen, eine Komposition und eine handbemalte Kerze. Musikalische Einlagen aus dem Stabat Mater von Pergolesi rundeten die Feier ab. Am Hildegardis-Tag, dem 17. September, stand Abt Benedikt von Maria Laach dem Pontifikalamt in Eibingen vor; die Festpredigt bei der Reliquienfeier am Nachmittag hielt Sr. Hiltrud mit gewohnt temperamentvollem Eifer. Die Abschlussvesper bei uns in der Abteikirche war wieder gut besucht. Ein Vortrag von Pater Schuster SJ aus St. Georgen über „Präimplantationstechnik und pränatale Untersuchungen und deren Folgen“ führte uns in diese wichtige Thematik ein. Zwei Tage vor Beginn der VBD–Tagung (Vereinigung der Benediktinerinnen Deutschlands) in Maria Laach besuchte uns M. Hildegard Altmann aus unserem „Mutterkloster“ St. Gabriel zum ersten Mal. Sie gab uns Anteil an den Freuden und Sorgen unserer Mitschwestern in der Steiermark, mit denen uns der gemeinsame Ursprung verbindet. Oktober Seid nüchtern und wachsam! (1 Petr 5,8).

Am 2. Oktober unterbrach M. Clementia ihren Aufenthalt in Maria Laach, um mit uns den 3. Jahrestag ihrer Weihe zu feiern. Es gab ein festliches Mittagsmahl und am Nachmittag eine Feierstunde im Konvent mit Texten, Musik und einigen ausgewählten Dias mit Motiven aus unserem Garten. Sr.

19 Simone dankte M. Clementia und diese wiederum dem Konvent für das gegenseitige Vertrauen und für Gottes Fügung und Führung unserer Gemeinschaft. Für die Zukunft unserer Gemeinschaft ist unser Bauprojekt ein ganz wichtiger Meilenstein. Deshalb möchten wir an dieser Stelle zusammenfassend von einigen herausragenden Ereignissen und Entwicklungen berichten. Nach dem strengen Winter, der kurz nach Baubeginn am Martinstag 2002 eine längere Baupause verordnete, konnte im Frühjahr das Fundament für den ersten Bauabschnitt gelegt werden. Inzwischen ist das sog. Werkstattgebäude, ein Multifunktionsgebäude, das sowohl Sr. Beatrix’ Werkstatt für den Obst- und Gartenbau, als auch eine Fahrzeug- und Maschinenhalle und eine kleine Hausschreinerei und – schlosserei beherbergen soll, fertiggestellt. Das Gebäude ist ästhetisch und technisch hervorragend gelungen und fügt sich gut in unsere Hanglandschaft ein. Derzeit findet der große Umzug in das neue Gebäude statt, von dem vor allem Sr. Beatrix betroffen ist. Überrascht wurden wir von einer Reihe unerwartet aufwändiger Auflagen des Brandschutzes, der uns eine neue Löschwasserversorgung und neue Feuerwehrzufahrten von Osten und Westen her „verordnete“ und – was noch gravierender ist – komplett neue Dachstühle und Dächer für unsere alten Ökonomiegebäude, bekannt unter dem Namen „Bethlehem“. Für die Feuerwehrzufahrt von Osten hat sich durch die positive Entwicklung einer langjährigen, aus grauer Vorzeit stammenden nachbarlichen Fehde eine glückliche Lösung gefunden. Wir konnten zu unserer Erleichterung nach fast 100 Jahren einen Grundstücksteil durch Tausch erwerben, der im Osten an unsere Klausurmauer angrenzt. Mit den bisherigen Eigentümern haben wir inzwischen Freundschaft geschlossen. Für die westliche Zufahrt mussten 10.000 m³ Erde (rund 550 Sattelschlepperladungen) aus unserem Gelände abgefahren werden. Mit der Lösung der Löschwasserversorgung gelang Sr. Scholastica, die unseren Bau leitet, ein wahres Meisterstück. Sie konnte einen 100.000 Liter-Tank sehr günstig erstehen. Dieser ruht nun westlich unseres Weinbergshäuschens „Emmaus“ in der Erde und speichert das Regenwasser, das von unseren 12.000 qm Dachflächen aufgefangen wird. Im Zuge dieser nicht geplanten Infrastrukturmaßnahmen musste auch das komplette

20 Leitungssystem in unserem Garten erneuert werden. Inzwischen sieht unser oberes Gartengelände, vor allem dank des immensen Einsatzes von Sr. Beatrix und unseren polnischen Helfern, gottlob beinahe schon wieder so schön aus wie vorher. Anfang Oktober begannen die Vorbereitungen für die Neugestaltung der alten Ökonomiegebäude, die später unseren Gästetrakt bilden werden. Die alten Dächer und Dachstühle wurden entsorgt, das Obergeschoss des Gebäudes musste vollständig entkernt werden. Zuvor galt es noch, den Innenhof zu verbreitern, damit die Baukräne Platz finden konnten. Gute Dienste leistet der von Sr. Scholastica für 500 Euro bei Ebay im Internet ersteigerte Kran (spricht man Sr. Scholastica auf ihn an, verklären sich geradezu ihre Züge), der uns hohe Mietgebühren einspart. Wir hoffen, dass die neuen Dächer bis zum Winter fertiggestellt werden können. Die von niemandem vorausgesehenen enormen Mehrkosten zwingen uns aber dazu, neue Prioritäten zu setzen, gewünschte Zeitpläne zu modifizieren und Teile des Gesamtprojektes zunächst einmal zurückzustellen. Danken möchten wir an dieser Stelle vor allem der so engagierten, herzlichen und lebendigen Mitsorge unseres Bistums, ohne dessen großzügige finanzielle Unterstützung wir unser Bauprojekt nicht hätten auf den Weg bringen können. Das große persönliche Engagement unseres H. H. Bischofs Franz Kamphaus und des Herrn Generalvikars, Dr. Günter Geis, sowie die kompetente Beratung und Begleitung unseres Bauprojektes durch Herrn Finanzdirektor Georg Freiherr von Boeselager und Herrn Diözesanbaumeister Tilman Staudt sind uns eine unschätzbare Hilfe. Auch Abt Norbert Stoffels, Neresheim, Vorsitzender des Beuroner Wirtschaftsrates, der anlässlich der Wirtschaftsvisitation im Jahr 2000 viele zukunftsweisende Ideen entwickelte und uns damals zu diesem großen Bauprojekt ermutigte, ist uns ein wertvoller Berater. Was Sr. Scholastica und Sr. Philippa an Einsatz für unseren Bau leisten, können wir in seinem vollen Umfang nur erahnen. Aber auch unser ganzer Konvent trägt durch seine Geduld und sein nicht erlahmendes Interesse entscheidend zum Gelingen des Ganzen bei. Die Weinlese dieses Jahres erstreckte sich über mehrere Wochen – die zunehmenden Qualitätsansprüche an die Weine machen dies erforderlich. Bedingt durch den heißen Sommer waren die Frühtrauben bereits im September reif.

21 Die Hauptlese, bei der uns wieder viele treue Helfer zur Seite standen, begann am 5. Oktober, musste aber wegen schlechten Wetters immer wieder unterbrochen werden. Die letzten Trauben ernteten wir bei dickem Nebel Ende Oktober. Sie ergaben dann aber auch die von unserem Winzermeister Herrn Arnulf Steinheimer und von Sr. Andrea angestrebte, langersehnte Auslese. Die Qualität der diesjährigen Ernte war außergewöhnlich gut, die Menge allerdings war ein wenig geringer als in den letzten Jahren. Am 16. Oktober feierten wir mit unseren Lesehelfern dankbar den diesjährigen Herbstschluss, für den unsere Frau Stadermann wieder ein köstliches Buffet im Freien gerichtet hatte, dem alle mit Vergnügen zusprachen. Am 15. Oktober trafen zwei junge tschechische Benediktinerinnen bei uns ein, Sr. Petra und Sr. Jana, die vier Wochen mit uns lebten. Sie sind Triennalprofessen einer Gründungsgruppe für ein erstes Benediktinerinnenkloster nach der Wende in Tschechien. Ihr selbstverständliches Sich-Einlassen auf unsere Gemeinschaft und auf unser Beten und Arbeiten war eine reine Freude. Bei der Wahl einer Vertreterin für den Ordensrat unseres Bistums entschieden wir uns für Sr. Ursula. Sie ist die Nachfolgerin von Sr. Eva-Maria, die acht Jahre im Vorstand dieses Gremiums mitgearbeitet hat. Am Morgen ihres 90. Geburtstages, am 25. Oktober, überraschten wir unsere Sr. Perpetua mit dem Kanon „Jubilate Deo“, der so gut zu unserer lieben und fröhlichen Mitschwester passt. Am Vormittag nahm sie mit heiterer Würde die von Bürgermeister Udo Grün persönlich überbrachte Gratulation entgegen, am Nachmittag empfing sie ihre Angehörigen zur gemeinsamen Kaffeetafel. Die Festrekreation verschoben wir auf den nächsten Tag, um unsere 90-Jährige nicht zu überanstrengen. Sie schlug dann selbst den Takt zu der eigens für sie ausgewählten musikalischen Darbietung. November Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht der Wächter umsonst (Ps 127,1a).

Das herbstliche Oblatenwochenende, das Sr. Eva-Maria wieder leiten konnte, fand noch einmal in Nothgottes statt. Da unser Herbstfest infolge einer Virusgrippe mit vielen

22 Opfern ausgefallen war, hatten wir für das Fest Allerheiligen ein gemeinsames Abendessen mit unserer Oblatengemeinschaft vorbereitet. Es war ein schönes Miteinander und ein guter Gedankenaustausch im großen Sprechzimmer. Auch am Friedhofsgang am 2. November nahmen unsere Oblaten teil. Wie immer war der Friedhof von Sr. Candida sehr schön hergerichtet und auf jedem Grab brannte ein Lichtchen als winziges Abbild des ewigen Lichtes. Am selben Tag feierten wir in der Abendrekreation Sr. Marions 50. Geburtstag mit einer sehr schönen Paraphrase zu Psalm 62/63, die sie selbst verfasst hat, und einem Flötensolo von Sr. Lydia. Am 6. November fuhr M. Clementia in ihre wohlverdienten Ferien nach Gerleve, in Begleitung von Abt Clemens, der dort zu Priesterexerzitien erwartet wurde. Pater Radbert, Pater Prior Petrus von Maria Laach und Herr Pfarrer Dr. Thomas Löhr nahmen seine Vertretung wahr, wofür wir ihnen sehr dankbar sind. An dieser Stelle möchten wir auch den Franziskanern vom Kloster Marienthal danken, die uns immer wieder als „Nothelfer“ zur Verfügung standen. Am Sonntag Abend, den 9. November, kam wie alljährlich der Martinszug in unsere Kirche. Szenen aus der Vita des hl. Martinus, in denen der junge, der gereifte und der Bischof Martinus (Sohn und Vater Moussong und Pater Radbert) sowie schnatternde Gänse (unser Noviziat) auftraten, erfreuten die kleinen Gäste. Am 16. November hielt uns der Männergesangverein „Cäcilia Eibingen“ zum 69. Mal sein alljährliches Konzert. Bei zwei Liedern sang unsere zwölfköpfige Singgruppe mit. Wir hatten viel Freude! Das Fest des hl. Clemens feierten wir am Vorabend des 23. mit einem Festkonzert, in dem unsere Musiker zum Zuge kamen, mit Orgel, Querflöte, Blockflöten und einem Chorsatz „Gratias agimus tibi, Domine“ für gleiche Stimmen. In der Komplet begleitete Sr. Christiane erstmals die Psalmodie mit dem neuen Psalter, der in orgelfreien Zeiten eine schöne und unaufdringliche Art der Begleitung darstellt. Am 24. November eröffneten wir in unserem inzwischen renovierten großen Sprechzimmer eine kleine Bibelausstellung zum Abschluss des Jahres der Bibel mit einzigartigen Faksimiles, die die Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz, uns zur Verfügung stellte. Zu sehen sind u.a. der „Codex purpureus rossanensis“, die Wenzelsbibel und die Vorauer Volksbibel sowie andere

23 einmalige Kunstwerke. Im Rahmen dieser Ausstellung haben wir an jedem Sonntag der Adventszeit ein biblisches Angebot für interessierte Gäste und Besucher vorbereitet. Am Christkönigssonntag sprach M. Edeltraud über „Das Buch der Bücher – das Buch zum Leben“; am 1. Adventssonntag gestalteten Sr. Johanna und ihr Bruder Hans-Heinrich Isenbart einen Bibel-Lesenachmittag mit Texten aus dem Propheten Jesaja; am 2. Adventssonntag begeben sich Sr. Andrea, Sr. Jutta und Sr. Thekla zusammen mit Interessierten auf eine adventliche Bibelwanderung; am 3. Adventssonntag wird Sr. Christophora das adventliche Thema „Warten - Erwartung“ anhand ihrer Plastiken aufgreifen; am 4. Adventssonntag spricht Sr. Christiane über die O-Antiphonen und die Weihnachtsliturgie. Zum Abschluss wird Sr. Teresa einen Vortrag über „Das Geheimnis des Gottesreiches in den Gleichnissen Jesu – eine Revolution?“ halten. Am Ende unseres Streifzuges durch das Jahr 2003 möchten wir unserer Toten gedenken. Am 5. Dezember fuhr Sr. Scholastica zum Begräbnis unserer ehemaligen Mitschwester Maria Martha Teubner. Am 28. Januar starb der Vater unserer Sr. Anastasia, Baron Ulrich von der Osten-Sacken, am 21. April Sr. Simones Schwager Herman Brulez. Am 23. Juni musste Sr. Jutta von ihrer Mutter, Frau Margaretha Lorenz, Abschied nehmen und am 22. November ging der Schwager von Sr. Christiane und Sr. Philippa, Hans-Jürgen Leffers, heim. Unsere innige Anteilnahme gilt den Angehörigen und allen, die um einen geliebten Menschen trauern. Am letzten Tag des liturgischen Jahres erreichte uns die Nachricht, dass Pater Burkhard Neunheuser, Maria Laach, wenige Tage vor seinem 100. Geburtstag seine irdische Pilgerfahrt vollendet hat. Mit ihm verlieren wir einen hochverehrten, gütigen Freund unseres Hauses. R.i.p. In Dankbarkeit schauen wir auf das Jahr zurück, aber auch fragend. Waren wir wachsam? Haben wir dem Tag ein großes oder kleines Geheimnis abringen können? In Gottes Hand legen wir das Jahr mit seinem Schweren und seinem Guten zurück. Wir danken allen, die mit uns gingen. Ihnen allen wünschen wir ein gnadenreiches Weihnachtsfest und ein lichterfülltes, reich gesegnetes Neues Jahr. Äbtissin und Konvent der Abtei St. Hildegard

24 Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Heinrich Schipperges In memoriam * 17. März 1928

+ 10. Mai 2003

Am 10. Mai dieses Jahres starb der aus Kleinenbroich bei Düsseldorf stammende Medizinhistoriker Heinrich Schipperges völlig überraschend in Heidelberg. Es war ihm noch vergönnt, am 17. März sein 85. Lebensjahr zu vollenden. Großes fachliches Wissen auf dem Gebiet der Medizin, der Philosophie, der Arabistik und der Islamwissenschaften erwarb er sich an verschiedenen Hochschulen. 1961 ernannte ihn die Universität Heidelberg zum ersten Ordinarius für Medizingeschichte und zugleich zum Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin. Das Lebenswerk des geschätzten wie geachteten Gelehrten ist außergewöhnlich umfangreich. Sein großes Wissen gab er uneigennützig weiter, wodurch er sich bei Studierenden und Fachkollegen auch menschlich hohes Ansehen erwarb. Zu seinen Forschungsbereichen zählten auch Leben und Werk Hildegards von Bingen. Seine Tätigkeit auf diesem Gebiet setzte bereits Anfang der fünfziger Jahre ein, als sich nur einige wenige der Geisteswelt der bedeutenden Äbtissin zuwandten. Als erster übersetzte er u.a. das Werk Hildegards „Liber vitae meritorum“ ins Deutsche und verfasste in den folgenden Jahrzehnten eine Vielzahl von Schriften über die Äbtissin vom Rupertsberg. Im Werk Hildegards fand er Wege zu einer „lebendigen Heilkunde“. Nicht von ungefähr hat Heinrich Schipperges u.a. einen Beitrag über die „Barmherzigkeit als Heilmittel bei Hildegard von Bingen“ verfasst . Wegen seiner fachlichen Verdienste wurde der Verstorbene häufig geehrt und ausgezeichnet. Er galt in aller Welt als herausragender Vertreter der Hildegard-Forschung und hielt ungezählte Vorträge, zuletzt u.a. als Hauptredner des „Kyoto-Forums“ in Japan. Dort sprach er über das Thema „Lebensqualität in der Welt von morgen – Zur Problematik von Gesundsein und Krankwerden“. Noch kurz vor seinem Tod erschien sein Buch „Gesundheit und Gesellschaft: ein historisch-kritisches Panorama“. Dr. Werner Lauter R.i.p.