Luzifer 7 - 1903 - Erziehungskunst

Luzifer 7 - 1903 - Erziehungskunst

E20 546 E Mitteleuropa und die Waldorfpädagogik Rose Ausländer- Dichtung aus den Kräften der Mitte Rhythmen im Familienleben Vom Bauimpuls der Waldor...

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1903-010
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Mitteleuropa und die Waldorfpädagogik Rose Ausländer- Dichtung aus den Kräften der Mitte Rhythmen im Familienleben Vom Bauimpuls der Waldorfkindergärten

monatssdlrift zur Padagogik Rudolf Steiners 31 März 1985

Herausgeber: Bund der Freien Waldorfschulen Die Erziehungskunst ist gleichzeitig Organ der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen e.V., der Vereinigung •Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners e. V.• und der Vereinigung der Waldorfkindergärten e. V.

Schriftleitung: Dr. Manfred Leist, Justus Wittich D-7000 Stuttgart 1, Libanonstraße 3, Telefon (07 11) 23 29 96 Die Verantwortung für den Inhalt der Beiträge tragen die Verfasser

INHALT Die Aufgaben Mitteleuropas und die Waldorfpädagogik Dichtung aus den Kräften der Mitte. Zur Lyrik der Rose Ausländer in der Oberstufe In der realen Zeit leben Zur Unterstützung der Schmetterlingswelt. Einfache Schmetterlingszuchten für Schulzimmer und Wohnung Zum Informatikunterricht an Waldorfschulen (VIII) >>Das Aussäen des pädagogischen Impulses.« Zum 80. Geburtstag von Rudolf Grosse Von den drei Festen des Hausbaues Bilder von Waldorfkindergärten

Stefan Leber, Stuttgart

153

Dr. Christoph Göpfert, Evinghausen 163 ]ohn Davy f 170 Peter Lange, Wetzikon/Schweiz Dr. Ernst Schuberth, Mannheim

175 181

Dr. ]ohannes Tautz, Bad Dürrheim Dr. Helmut von Kügelgen, Stuttgart

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LITERATURHINWEISE-BUCHBESPRECHUNGEN Berliner Arbeitervorträge Rudolf Steiners (R. Steiner) Historische Miniaruren (M. J. Krück-von Poturzyn) Die Vorträge des »Kongresses zur Völkerverständigung<< (»Europa und sein Genius<<) Rhodesien - Zimbabwe. Die Geschichte einer inneren Wandlung (A. Smith) Vom Werk und der Persönlichkeit Walther K.niebes (H. G. Häußler/G. Kniebe) »Alle Form wird dann Gebärde sein<<- Das Werk des Bildhauers Manfred Welzel (M. Welzel) Kinder und Malen (E.-L. Damm) Die Waldorfschule für Erziehungshilfe aus der Sicht der Erziehungswissenschaft (1. Windeck) »Das Liederboot<< (H. Baumann) Antike und orientalische Mathematik (H. Gericke)

Valentin Wember, Stuttgart Arnulf Bastin, Wien

188 189

Dr. Ruth Moering, Wanne-Eickel

190

Sibylle Alexander, Edinburgh

192

Dr. Manfred Leist, Stuttgart

200

Dr. Ekkehard Randebrock, Stuttgart 201 Margrit]ünemann, Stuttgart 202 Hans Fr. jaenicke, Wuppertal Erika Diihnfort, Wuppertal Renatus Ziegler, Arlesheim

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AUS DER INTERNATIONALEN SCHULBEWEGUNG Aitiara - Escola do Campe. Eine Dorfschule auf einer biologisch-dynamischen Farm in Brasilien Eldbj~Jrg Blaich, Botocatu!Brasilien Theo Erik, Albuquerque/USA Eine pädagogische Tagung im Südwesten der USA Wesen und Erneuerung der Streichinstrumente. Bericht von einer öffentlichen Arbeitstagung Hans Toelle, Sexbach Mitteilenswenes in Kürze ]. W.!A. N. Termine, Anschriften Beilage: •Von neuen Büchern•, Hauszeitschrift, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgan

207 209 210 212 213

Die »Erziehungskunst• erscheint jeweils in der zweiten Hälfte eines Monats und kann durch jede Buchhandlung oder direkt beim Verlag bezogen werden. Jahresabonnement DM 43,- zuzüglich Porto (Inland: DM 9,60, Ausland: DM 15,80), Srudentenabonnement DM 32,25, Einzelheft DM 4,50. Vor jeder Zahlung bitte unbedingt eine Rechnung abwarten! Das Abonnement kann nur mit einer Frist von sechs Wochen zum Jahresende gekündigt werden. Konten: Postscheck Stutegart 16011-707, Commerzbank Stuttgart 7760440. Zur Zeit ist die AnzeigenpreislisteN r. 11 A vom 1. 1. 1984 gültig. ISSN 0014-0333 Verlag Freies Geistesleben · 7000 Sruttgart 1 · Haußmannstraße 76 · Telefon (07 11) 28 32 55

ERZIEHUNGSKUNST MONATSSCHRIFT ZUR PÄDAGOGIK RUDOLF STEINERS Jahrgang XLIX

Heft 3

März 1985

Stefan Leber

Die Aufgaben Mitteleuropas und die Waldorfpädagogik George Orwells Buch mit dem Titel »1984<< hat das vergangene Jahr besonders in das Bewußtsein der Zeitgenossen eingeschrieben 1• Dieses Buch von Orwell schließt an eine 432 Jahre zuvor erschienene englische Vorlage an- was Orwell sehr bewußt war-, nämlich an das Werk »Utopia<< von Thomas Morus. In dieser Vision zeichnet Morus ein ideales Gebilde, einen Staat, der so geprägt und geformt ist, daß die Gemeinschaft der zusammenlebenden Bürger in jeder Hinsicht menschenwürdig leben kann, wie es in England damals eben nicht möglich war. Der. »Roman<< in Dialogform spielt an ein_em »nirgend Ort<<; die Schilderung ist so abgefaßt, daß man nicht genau weiß, ist hier eine Wirklichkeit geschildert oder handelt es sich um ein reines Ideal? Von diesem außerordentlich bedeutsamen und im Beginn der Neuzeit (1516) erschienenen Buch >>Utopia<< ließ sich Orwell tatsächlich inspirieren und zeichnet im 20. Jahrhundert eine Art Gegenutopie- nur daß sie nichts mehr Idealistisches zeigt. Was zeigt Orwell? Die Welt des Durchschnitts! Wer herrscht? Das Mittelmaß! Was herrscht unwägbar und überall? Die Norm! Welche Norm? Nun, die ist eigentümlicherweise nicht fixiert, sondern sie ist in Entwicklung. Da gibt es ein eigenes Ministerium, das Wahrheitsministerium, das die Norm dem jeweiligen Stand anpaßt. Der Held heißt Winston Smith (Churchill gibt vielleicht für den Vornamen die Vorlage). Er hat in einer Abteilung des Ministeriums die Anpassung der »Wahrheit<< an den jeweilig neuestenStand zu bewerkstelligen. Wenn man sich dieses Buch, diese Gegenutopie, vergegenwärtigt, dann taucht im Hintergrund ein allmächtiges Überwachungssystem auf, wo jeder in seinen Gedanken voin >>Großen Bruder<< kontrolliert wird, wo also ein außerordentlich vernetztes System arbeitet. Apparate, Televisoren, nehmen alles auf, was da gesprochen wird, was sich im Raum bewegt. Im Unterschied zu heutigen TV-Geräten fehlt ihnen allerdings etwas: man kann sie nicht abstellen; hingegen sprechen sie zugleich, verkünden Parolen usw. Dieses Buch soll und kann aufrütteln! Orwell hat ja 1948 gemeint, und einfach die Zahlen umgedreht in 1984, um zu zeigen, wie es 36 Jahre später aussehen wird, 1 Überarbeitete . Fassung eines Vonrages auf der Jahrestagung der Freien Waldorfschulen Deutschlandsam 4. Mai 1984 in Karlsruhe.

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was er schon 1948 zu bemerken glaubte. Was schildert er? Eine Welt, die sich fortdauernd im Krieg befindet. Alle drei Mächte, die da beschrieben werden, brauchen den Krieg, da die Herrschaftssysteme sich durch die äußeren Angriffe gerade im Inneren gegenseitig stützen, daß also zum Erhalt der Macht gerade die mittelmäßigen Herrscher der fortdauernden, Kriegsführung bedürfen. Weiter ist bei Orwell zu bemerken, daß ein Riß durch die Welt geht, daß sich gewissermaßen die Machtblöcke um Ideologien gruppieren, die aber jeweils im Kern denselben einzigen Inhalt haben: die Macht zu erhalten. Vor diesem Hintergrund soll nun die Frage gestellt werden, ob der Impuls der Mitte und Mitteleuropas etwas anderes in unsere Zeit hineinzubringen vermag als den Gedanken der Macht. Muß nicht von 1984 an verstärkt beachtet werden, was sich als eigentliches, positives Urbild dieses Orwellschen Negativbildes ausnimmt? Brauchen wir nicht einen Ort - damit ist nicht ein geographischer, sondern ein geistiger Ort gemeint-, wo erarbeitet wird, wohin in Zukunft die Entwicklung zu gehen hat, und wo Menschen, wie das Thomas Morus anstrebte, aufblicken zu Idealen, die sie in der Zukunft über das Gewordene hinausführen?. In unserem Jahrhundert läßt sich nun zeigen, daß die Mitte, Mitteleuropa nämlich, zunächst als ein topographischer Ort angesehen wurde, und daß er vom Ersten Weltkrieg an zunehmend politisch bedeutungslos wurde. So veröffentlichte z. B. ein Historiker in die »Zeit« Anfang Mai 1984 einen Bericht über neu freigegebene Dokumente des Außenministeriums in England und schildert, wie im · Jahr 1953 Churchill, mit der Absicht, Europa noch etwas Zukünftiges einzupflanzen, versuchte, Deutschland zu neutralisieren und zwar als Einheit - unabhängig von den Besatzungszonen. Deutschland sollte nach Churchills Willen zwischen den Machtblöcken Ost und West eine eigene Kraft darstellen dadurch, daß es gerade nicht in die Machtblöcke integriert gewesen wäre. Der Berichterstatter schildert dann, wie ein deutscher Bundeskanzler, eben Konrad Adenauer, in einer genialen Weise diese Absicht Churchills konterkarierte. Adenauer wurde von. verschiedenen Seiten in die Hand gearbeitet, so daß dann der eine Teil Deutschlands sich völlig in den Westen integrierte und damit Ostdeutschland, dieuDDR, ebenso in den zugehörigen anderen Machtblock. So wurde die le.tzte Chance vertan, die bipolaren Machtblöcke von diesem geographischen Ort zurückzuhalten. , Im Herbst 1983 ist weiterhin eine Studie .über die Kriegszielpolitik Englands erschienen. In dieser hat ein Historiker mit ungeheurem Fleiß auf über 500 Seiten untersucht, welche Ziele England im Zweiten Weltkrieg gegenüber dem K.riegsverursacher Deutschland hatte, um nach Kriegsende neue Gestaltungen in Mitteleuropa hervorzurufen. Da werden sämtliche Vorstellungen - sie reichen natürlich von einem gewaltigen Spektrum irrealer Möglichkeiten bis zu dem, was Realitätsgehalt h:~,tte - analysiert, und dann wird die Aussage gemacht, daß im Grunde ein einziges Kriegsziel Wirklichkeit geworden ist, wiederum zurückgehend auf Churchill, den damaligen Premierminister. Er faßte, nachdem er aus J alta zurü~kge­ kehrt war, die Lage mit einem einzigen Satz zusammen: >>Eigentlich gibt es nur ein K.riegsziel: Wir müssen Deutschland fett und dadurch impotent machen. Wir · müssen wirtschaftlichen Wohlstand verbreiten.<< 154

In dem Geschilderten ist eine doppelte Tendenz zu beobachten: Einerseits im Hinblick auf das Territorium Europa, wo nicht ohne Verschulden dieser Mitte und jener Menschen, die damals politisch bestimmend waren, Deutschland durch den selbst verursachten Krieg politisch ausgelöscht wurde. Andererseits wurde es gerade durch seine Integration in die Machtblöcke, wirtschaftlich betrachtet, eine bedeutende Potenz. Vor diesem Hintergrund kann man die Frage stellen, ob Deutschland bzw. Mitteleuropa seine Aufgabe politisch oder wirtschaftlich auffassen sollte. Bei dieser Fragestellung wird aber gerade übersehen, daß die Idee Mitteleuropas eigentlich als eine geistige Qualität verstanden werden muß. Damit ist gemeint, daß wir sowohl im Ostblock wie im Westen eine Kultur haben- wenn ich da Erich Fromm bemühen darf -, die auf dem aufbaut und sich abstützt, was man bereits erarbeitet hat, also auf eine Kultur des Habens. Fromm setzt dagegen den Begriff des Seins, der etwas umformuliert auch bedeuten kann, daß wir eine Kultur des Werdens benötigen, die nicht ist, sondern um Entwicklung ringt. In diesem Ringen um Entwicklung besteht jene Aufgabe Mitteleuropas als Qualität, die unserer Zeit nottut. Wo immer sich dieses Bemühen in der Welt ereignet, ob in Australien, in Kalifornien, ob in Frankreich, in England oder der Sowjetunion," das ist dann »Mitteleuropa<<- eben die Mitte. Mitteleuropa ist hier als Qualität verstanden, die den Aufbruch in ein neues Jahrhundert darstellt. Und nun macht sich die Waldorfschule anheischig- zum ersten Mal eigentlich, wenn es da auch pädagogische Vorläufer gibt-, den Blick nicht auf das Gewordene zu richten, sondern nun eine Wendung ·nach der anderen Seite auf die Kräfte vorzunehmen, die Rudolf Steinereinmal die Kräfte der »Ungeborenheit« nannte. Er bildete dabei analog zu dem selbstverständlichen Begriff der >>Unsterblichkeit« den Begriff der Ungeborenheit. Damit wird darauf aufmerksam gemacht, daß die menschliche Existenz durch zwei Tore eingerahmt wird. Das >>Tor des Todes« zeigt uns irdische Vergangenheit, was erreicht wurde, zeigt uns aber auch - recht betrachtet - eine fernere Zukunft. Würde man verfolgen, was mit dem SeelischGeistigen geschieht, das den Leib verläßt, sähe man zukünftige Entwicklung. Wie sieht das aber bei dem >>Tor der Geburt« aus? Da sehen wir den leiblich noch sehr unvollkommenen Zustand, geistig aber können wir bei jeder weiteren Entwicklung des Kindes bemerken, daß da Reste anwesend sind, die eben nicht durch das Haben, sondern nur mit dem Werden gefaßt werden können. Jedes Kind ist umgeben, eingebettet in eine Hülle des völlig Zukünftigen, und jeder, der sich dem offenen Sinnes hingibt, kann bemerken, da eröffnet sich beim Kind etwas, was nicht absehbar ist, was voller Zukunft ist. Christian Morgenstern hat das in einem Aphorismus in den >>Stufen« formuliert: >>Zitiert nicht immer Vergangenheit gegen uns, sondern zeigt Wege der Zukunft!« Wege der Zukunft kann man aber überhaupt nur dann auffinden, ~enn man sich auf das Mysterium der Geburt einläßt, also darauf, wo Entwicklung beginnt. Gerrau in diesem Sinne hat Rudolf Steiner die Waldorfschule verstanden, und es dürfen hier einige Sätze von ihm zitiert werden. Zuvor noch eine Anmerkung: Wie ist es überhaupt möglich, daß ein solches Zitat heute noch Bedeutung haben soll, wo doch die Entwicklung so unvergleichlich rasch vorwärtsschreitet? Was ist zwischen 1919 und heute an Wissen und 155

Erkenntnis angehäuft worden? Eine atemberaubende Entwicklung! Und nun beginnt vor über sechzig Jahren die Pädagogik Rudolf Steiners. Kann sie über. haupt noch etwas Zukünftiges in sich bergen? Wenn so äußerlich provozierend gefragt wird, liegt die Antwort nahe, daß die Waldorfschule doch völlig überholt sein müßte. Wendet man allerdingt den Blick von Formalien ab und auf Inhalte, so dürfte sich die Waldorfschule, weil sie sich dem Mysterium der Geburt zuwendetinsofern es der Lehrerschaft gelingt, dieses zu enträtseln - nie veralten, denn dann bleibt sie ständig jung, gleichsam auf der Höhe derjenigen, die immer neue Impulse in ihre neue Erdenexistenz hereintragen. Und genau auf diesen Sachverhalt richtet Rudolf Steinerden Blick am Ende des ersten Schuljahres der Stuttgarter Waldorfschule, wo er in einer Ansprache vor Lehrern und Schülern folgendes sarf: ,;, .. Meine lieben Kinder; wenn die Lehrer des Morgens in die Schule hereingegangen sind, so waren sie solche Leute, welche die Aufgabe der Zeit wirklich begriffen haben und in fleißiger Hingabe sich dem gewidmet haben, was von ihnen verlangt worden ist ... « (Und zu den Waldorflehrern gewendet) »Ich danke Euch im Namen des Geistes der Menschheit, den wir versuchen zu pflegen in unserer ganzen geistigen Bewegung; ich drücke Euch in diesem Geiste die Hand für alles dasjenige, was ihr geleistet habt für die Zukunftsideale der Menschheit . . . Neben demjenigen, was wir hier gelernt haben ... , liegt noch etwas anderes. Das ist dasjenige, was ich nennen möchte: Der Geist der Waldorfschule! Er soll wieder zur echten Frömmigkeit ausbilden. Es ist im Grunde genommen der Geist des Christentums, der durch unsere Räume weht, der, von jedem Lehrer ausgehend, zu jedem Kind hingeht, auch wenn etwas scheinbar von der Religion Fernstehendes gelehrt wird, wie zum Beispiel Rechnen. Hier ist es immer der Geist des Christus, der, von dem Lehrer ausgehend, in die Herzen der Kinder einziehen soll, dieser Geist, der von Liebe, von wahrer Menschenliebe durchweht ist. Darum möchte ich, daß ihr Kinder empfindet, wie ihr nicht nur etwas gelernt habt, sondern auch nach und nach hier empfinden gelernt habt, was Liebe des einen zum anderen ist.«

Und nun wird das Ganze noch zusammengefaßt. Indem Rudolf Steiner die Schüler in die Ferien entläßt, sagt er zu den Kindern: So wie man am Tag wach ist und dann auch den Schlaft notwendig hat, hat ein Schüler auch einmal Ferien notwendig. Und wenn er in den Ferien ist, wo er gewissermaßen im Schlafzustand - die Schule betreffend - sich befindet, dann tauchen da vielleicht auch Gedanken an die Schule auf. Da ermuntert Rudolf Steiner die Schüler: »Meine Gedanken sollen hineilen zu der lieben Waldorfschule; dort wird mein Körper gestaltet zu ~echter Tüchtigkeit und Arbeit, ·don wird meine Seele entwickelt zu starker Lebenskraft, dort wird mein Geist erweckt zu wahrem, tüchtigem Menschentum.«

Er greift dieses Motiv dann in der Ansprache noch einmal auf: Tüchtigkeit des Körpers, Lebenskraft der Seele, tüchtiges Menschentum für den Geist - das will die Schule vermitteln. Damit endet diese Ansprache. Es findet später- wie sich das an der Waldorfschule gehört - am gleichen Tag eine Konferenz statt, in der nunmehr der ganze Inhalt der Ansprache für das Bewußtsein des Erwachsenen erläutert wird. Es heißt in der Konferenz dann (Band I, S. 164ff.): 2

Ansprache vom 24. Juli 1920, in: Rudolf Steinerinder Waldorfschule, GA 298, Domach 1980.

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>>Wir haben die Schule begründet unter den letzten Nachwirkungen dessen, was wir von Stuttgart vom Aprill919 an versuchten. Seit der Zeit hat sich ja so herrlich viel vollzogen ... Vollständig ins Wasser gefallen ist dasjenige, was da unternommen werden sollte mit dem gutgemeinten Aufruf zum Kulturrat im vorigen Jahre ... Wir werden natürlich jetzt nötig haben in einer noch ganz anderen Weise, als wir es bisher getan haben, unsere Kräfte darauf zu verwenden, um diesem Niedergang entgegenzuarbeiten. Das kann ja natürlich nicht von der Waldorfschule allein ausgehen, aber durch jene Erkenntnis, die unsere Waldorflehrer gezeigt haben, indem sie sich dieser Aufgabe gewidmet haben, sind sie die Berufenen, um nach dieser Richtung hin ... kulturell zu wirken.<< Dem Niedergang etwas Aufsteigendes, etwas Zukünftiges, entgegenzustellen, »das ist dasjenige<<, so setzt Rudolf Steiner fort, »was ich heute am Schlusse des ersten Schuljahres so lebhaft empfinden mußte, was ich mit den ernsten Worten gemeint habe, die ich in der Gegenwart der Kinder heute morgen ausgesprochen habe. Die Kinder werden die Worte nicht verstanden haben, aber das macht nichts. Wir wisseit, daß es sich nicht darum handelt, daß nur das herangebracht wird, was die Kinder verstehen, sondern manches, was später in den Seelen der Kinder lichtvoll aufgeht. Der Dank, den Herr Molt ausgesprochen hat, der wird auch von mir selbst warm empfunden im Namen desjenigen Geistes, der die Waldorfschule durchdringen soll, der immer mehr und mehr der Geist der mitteleuropäischen Kultur werden soll.<<

Hier also formuliert Rudolf Steiner, daß die Waldorfschule eine Einrichtung sein soll, die einen neuen mitteleuropäischen Geist, einen >>Geist des Menschentums<<, unserer Kultur einpflanzen möchte. Wir haben als Lehrer einer Waldorfschule diese Ideale, erreichen sie aber in unserem Tun natürlich nur ganz außerordentlich selten. Ein Ideal ist .in diesem Sinne etwas, was ich tatsächlich nie erreichen, das mich aber in meiner eigenen Existenz ganz durchtränken kann. Darum wohnt ihm auch die Kraft inne, wenn ich ein erstes Ziel erreiche, damit nicht zur Ruhe zu kommen. Das heißt also, ein Ideal ist das einzige, was mich auf Dauer impulsieren kann, ein Werdender zu sein. Das Ergebnis mag äußerlich in manchem gleich ausschauen, ob Ideale oder nur vordergründige Ziele den Menschen bewegen: die Substanz, die im Geschaffenen wirkt, ist aber ebenso wie das, was von der Seele durchgemacht wird, qualitativ verschieden. Da kann es durchaus sein, daß das, was den Menschen geistig motiviert, moralisch impulsiert, was seine Kräfte auf ein Ziel ausrichtet, von ihm nicht genau anzugeben ist, auch nicht festgemacht, sondern nur gestammelt werden kann. Es liegen die Gründe nicht einfach griffbereit vor, sondern sie kommen aus der gesamten Lebenshaltung. Diese Region kann mit dem Begriff >>Mitteleuropa« umschrieben werden. Es ist die Absicht - was nicht nebulös, sondern als kraftvoller Einschlag gemeint ist -, den Niedergang dadurch zu wehren, daß man sich geistig-moralische Ziele setzt, die nicht leicht zu erreichen sind. Das Unerreichbare zu erstreben, darauf kommt es an. Die Ausrichtung der Seele benötigt heute etwas Großes, nicht bloß die kleinen Ziele einer »politischen Wende«, die so leicht in der Phrase über die Lippen gehen. Daß hier nicht feste Prinzipien, klare Merksätze und deutliche Willensausrichtungen formuliert werden, ist wohl begründet. Nach einigem Suchen habe ich aber ein treffendes Bild dafür beim jungen Rudolf Steiner (1891) gefunden: »Durch Jahrzehnte hindurch waren unsere Gebildeten in eine spröde Schöne verliebt. Sie hatte ernste Züge, etwas blasse Gesichtsfarbe, dunkles Haar, war ohne Fülle: und nur selten

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war so etwas wie Leidenschaft in ihrem Antlitz zu sehen. Niemand konnte so recht warm in ihrer Gegenwart werden. Man war auch nicht immer gern mit ihr beisammen. Nur auf den großen Märkten, wo die öffentliche Meinung fe~geboten wird, da trat man stolz an ihrer Seite auf. Wenn man dann einmal eine gemütliche Stunde verbringen wollte, wenn man nur für sich und seine nächste Umgebung lebte, und seinen Wonen nicht jenen Ton beizugeben brauchte, wodurch sie auf die Menge suggerierend wirkten, dann entledigte man sich der Gefährtin. Man tat aber auch groß und rühmte sich gebührend des keuschen Verhältnisses. Dieses Weib heißt >Prinzipientreue<.« (GA 31, S. 158) Sie heißt auch »Norm«, heißt >>Ziel«, erreichbares Ziel, so könnte man hinzufügen. Rudolf Steiner kann dieser Dame nichts abgewinnen. Was sucht er dagegen? Das müssen wir begrifflich ausdrücken, also die Welt des Bildes verlassen. Im gleichen Jahre 1891 kündigt eine Gesellschaft für ethische Kultur in Deutschland ihre Begründung an, besetzt mit nahmhaften Gelehrten der damaligen Zeit. Der junge Rudolf Steiner fühlt sich aufgerufen, sich mit dieser Gründung kritisch auseinanderzusetzen. Er bezeichnet als Grundirrtum dieser Gesellschaft den Gedanken einer allgemein-menschlichen Sittlichkeit. Sowenig der »Mensch im Allgemeinen« begrifflich eine Fiktion darstellt, weil er immer als ein besonderer, unverwechselbarer auftritt, sowenig kann von einer »Ethik im Allgemeinen« gesprochen werden. Jedes Volk, jedes Zeitalter hat im Grunde seine eigene Sittlichkeit, ja sogar jedes einzelne Individuum. Der Denker kann zwar, vom einzelnen ausgehend, letztlich das Gemeinsame aller sittlichen Anschauungen einer Menschengruppe, eines Volkes, einer Zeit aufsuchen. Er kann auch nach den treibenden Kräften forschen, die in allen Persönlichkeiten gleich wirksam sind. Aber nirgends mehr als im sittlichen Leben muß allein der Grundsatz gelten: »Leben und leben lassen«, denn die jeweilige Sittlichkeit eines Menschen oder eines Zeitalters ist das Ergebnis seiner Welt- und Lebensanschauung. Kurz: Lebe doch jeder sich nach jeder Richtung seiner Möglichkeiten hin aus, dann wird er für die Gesamtheit mehr sein, als wenn er mit der Prätention vor sie hintritt, ihr sagen zu können, wie sie sich verhalten soll. »Viele unserer Zeitgenossen haben das Gerede über das, was wir tun und lassen sollen, endlich satt, sie verlangen nach Einsicht in das Weltgetriebe«. (GA 31, S. 166). Worauf richtet hier Rudolf Steiner den Blick? Darauf, daß in dem Maße, wie jeder Mensch ein Ideal in sich aufruft und in einer völlig selbstverantworteten Weise realisiert, der gesamten Gesellschaft etwas zuwächst, was ihr dringend nottut und was sie aus sich selbst nicht finden kann, sondern wozu es des einzelnen · Menschen bedarf- die Zukunft. Dieser knapp formulierte Erkenntnis-Ansatz wird von Rudolf Steiner systematisch in der >>Philosophie der Freiheit« begründet und ausgeführt. Nun kann man diesen Gedanken selbständig weiterdenken. Das ist freilich ein kleines Abenteuer! Wenn man sich nämlich vergegenwärtigt, was daraus folgt, wenn der Mensch sich ganz auf sich selbst stellt, dann entsteht ein unberechenbares Risiko des nicht Vorhersehbaren. Dann entsteht die Gefahr, daß es keiner Kultusministerkonferenz mehr gelingt zu berechnen, wieviele Absolventen der Schule in der und jener Fachrichtung benötigt werden und wann sie mit dem Studium fertig 158

werden. Dann wird notwendig, daß die ganze Kultur sich selbst überantwortet wird und sich nicht mehr >>steuern« läßt. Liegt da nicht etwas, was jedem Prinzipiellen, jeder Prinzipientreue, eben jener dürren Heiligen, die so geliebt wird, eine Absage erteilt? Genau diesen G~danken wendet Rudolf Steiner in seinen gesellschaftspolitischen Einsichten zur sozialen Dreigliederung ein Vierteljahrhundert später an und 'macht es zum Kernstück der Begründung der Waldorfschule. Vorbereitend aber äußert er sich auch schon in den 90er Jahren sö: · >>Wir haben nicht die Aufgabe, unserer heranwachsenden Generation Überzeugungen zu überliefern. Wir sollen sie dazu bringen, ihre eigene Urteilskraft ihr eigenes Auffassungsvermögen zu gebrauchen. Sie soll lernen, mit eigenen Augen in die Welt zu sehen. Ob wir an der Wahrheit dessen, was wir der Jugend überliefern, zweifeln oder nicht: darauf kommt es nicht an. Unsere Überzeugungen gelten nur für uns. Wir bringen sie der Jugend bei, um ihr zu sagen: so sehen wir die Welt an. Seht ihr zu, wie sie sich euch darstellt. Fähigkeiten sollen wir wecken, nicht Überzeugungen überliefern. Nicht an unsere >Wahrheiten< soll die Jugend glauben, sondern an unsere Persönlichkeit. Daß wir Suchende sind, sollen die Heranwachsenden bemerken. Und auf die Wege der Suchenden sollen wir sie bringen.« (GA 31, S.

mw

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In diesen· Aussagen steckt, wenn man das philosophisch ausdrückt, ein G~danke, der gewissermaßen ganz auf den einzelnen Menschen und das ihn durchtränkende· Ideal abhebt, wobei das Ideal zugleich als sittlich und vor sich selbst verantwortet gedacht wird. Nur daraus sind gesellschaftliche Kräfte zu entbinden, die die Gesellschaft in die Zukunft hinein fruchtbar weitertragen können. Es steckt darin der Gedanke, daß im - modern ausgedrückt - Sozialisationsprozeß nicht mit Nachdruck die >>Überlieferten Werte« vermittelt werden dürfen, daß also die Schule nicht einen festgefügten Tugend- und Wertkatalog, sittliche Normen ur::ad Handlungsanleitungen zu vermitteln und zu verinnerlichen hat, wohl aber den Weg, wie der einzelne dazu kommt, sich die eigene Anschauung aufzubauen. Das ist damals für die Gymnasialzeit vorgebracht worden. Daraus folgt aber, daß zugleich die Auffassung entfällt, es gäbe eine Instanz,. die über die Sittlichkeit zu wachen habe. Diese Ansicht ist politisch ausgedrückt; >>anarchistisch<<. In einem Briefwechsel mit dem Stirner-Forscher und Anarchisten John Henry Mackay führt Rudolf Steiner aus, daß der· >>individuelle Anarchist<< sich nicht hindern läßt und nicht gehindert werden will, die in ihm liegenden Kräfte zu entfalten. Dafür hat der moderne Staat kein Verständnis. Steiner selbst aber vermeidet, dafür die Bezeichnung individuelle oder theoretische Anarchie anzuwenderl, weil das nur traditionelle Vorstellungen hervorruft. Besser sei es, die Gedanken klar auszusprechen und die Ziele, die man hat, deutlich anzugeben, nämlich alles zur freien Entfaltung geistiger Kräfte und Fähigkeiten zu tun. Nun kann man den Gegenpol hierzu auch gleich zitieren, er heißt in diesem Fall etwa Kar! Marx. Er formuliert in den frühen Pariser Schriften: >>Der Mensch ist kei:n außerhalb der Welt hockendes Wesen.<< Wenn -wie bei Rudolf Stein er- herausgearbeitet wird, daß der Quell, durch den sich Ideale in die Seele einsenken können, die Freiheit der Individualität ist, so stößt man sofort auf das nächste Problem, daß Marx bezeichnet, wenn er fragt: >>Was ist der Mensch?<< Und dann in der >>Deutschen Ideologie<< antwortet: Der Mensch, das ist die Sozietät, die Gesellschaft. Er ist 159

nämlich kein >>außer derWelthockendes Wesen<<, sondern eingebunden in zahlreiche Sozialisationszusammenhänge. Wie wird der Freiheitsgedanke fertig mit diesem Gedanken, .daß der Mensch immer auch gesellschaftliches Wesen sei? Wo Zukunft sein soll, muß die Kraft der Individualität, die Kraft des menschlichen Ich, sich durchtränken können mit Idealen, die sich der einzelnen Persönlichkeit einschreiben. Was und wie sie das selbstgesetzte Ziel anstrebt, muß ganz ihre Sache sein. Demgegenüber steht das andere Problem, daß der Mensch nie allein, sondern immer in sozialen Zusammenhängen lebt! Wie kann beides - zunächst ja Widersprüchliches - vereinbart werden? Da formuliert im Jahre 1917 Rudolf Steiner, was er später ein mitteleuropäisches Programm genannt hat. Zu gleicher Zeit verkündete der amerikanische Präsident Wilson sein 14-Punkte-Programm, wo verschiedene soziale Zielsetzungen formuliert und Mitteleuropa gegenüber postuliert wurden. Diesem Programm stellte- in der Situation des Jahres 1917Rudolf Steiner ein mitteleuropäisches Programm entgegen und weist ganz schlicht auf folgendes hin: Es gibt drei Bereiche innerhalb der Gesellschaft. Ein Bereich ist derjenige, in dem die Menschen wirklich ihr Tun und Lassen selbst bestimmen müssen. Das ist der Bereich, in dem die Fähigkeiten erbildet werden, wo Menschen sich in freier Weise mit Idealen durchtränken. Genau dieser gesellschaftliche Sektor benötigt die uneingeschränkte Selbstverwaltung. Hier nun formuliert Rudolf Steiner zum ersten Mal den Gedanken, daß es innerhalb der Gesellschaft einen Bereich frei sich zu einer Zielsetzung verbindender Menschen geben muß, einen Bereich geistiger Kooperationen, in denen die geschilderte Einstellung des »Leben und leben lassen<< innerste Angelegenheit und Praxis sein muß. Nicht, wie ich will, daß der andere sei, soll er werden, sondern ich möchte ihm einen Raum schaffen, daß sich seine Kräfte, die in ihm leben, frei zur Entfaltung bringen können. Das verlangt nun aber soziale und gesellschaftliche Formen: die Selbstverwaltung. Wir haben sie bis heute nicht in der Weise, daß sich alle Einrichtungen des Geisteslebens selbst verwalten würden. Im Gegenteil, sie hängen noch immer an der Nabelschnur des Staates und bekommen die »nährreiche<< Lösung staatlicher Normen und Freiheitsbeengungen übermittelt. Aber auch da, wo wir uns z. B. in den Waldorfschulen bemühen, Selbstverwaltung zu praktizieren, »haben<< wir sie nicht, doch wir ringen darum. Wie gehen wir als soziale Gemeinschaften miteinander um? Als Lehrerkollegien miteinander, als Elternschaften untereinander und mit den Kollegien? Wie gehen wir in den Klassen, wie gehen wir als Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam miteinander um? Gelingt es schon, sich in diesem Umgang zu durchtränken mit den Idealen? Gelingt es uns, an dem Neuen, das in unsere Kultur herein will, immer wieder und in jedem Augenblick weiterzubauen? Wie werden wir zu Gemeinschaften, die sich selbst als sich entwickelnde verstehen? Sowie man in eine Waldorfschule kommt, merkt man: das ist eine Schule, ein Ort des Lernens, und zwar »total<<. Sie ergreift die Menschen als ganze. Da sieht man z. B. kurz vor einer Gebäudeeinweihung schweißtriefende Menschen, die arbeiten vor der Eröffnung in Gemeinsamkeit. Das Wesen der Schule ergreift nicht nur in dem Teilbereich der Wissensvermittlung den Menschen, sondern in seiner Gesamtexistenz, zieht ihn in seinen Bann, und auch dadurch verändert er sich. 160

Das kann vielleicht als ein Ideal der »Freien Schule<< gesehen werden, daß sie sich selbst schafft, indem sie zu einer sich selbst bestimmenden Körperschaft wird. Da geht es im Grunde nicht, daß man - bildhaft gesprochen - mit ein oder zwei Händen in der Hosentasche zuschaut und zu den anderen sagt: »Jetzt macht mal schön, jetzt siegt mal schön mit euren Idealen<<, sondern es verlangt innerlich, daß sich jeder einzelne einbringt .. Die Verwirklichung eines Ideals, das aus der Vorgeburtlichkeit heraus den Menschen impulisert und danach drängt, sein Menschentum auszuprägen, wenigstens während der Schulzeit, das liegt dem Geist der Waldorfschule zu Grunde. Die im Übersinnlichen verankerten Kräfte, die sich ganz individuell zu äußern vermögen, wenn sie eine Stätte entsprechender Pflege gefunden haben, müssen dann in die Gesellschaft hineinwirken. Vorhergehen muß aber ein Ort des sozialen Übens, der nach Menschengemeinschaften verlangt, die willens sind, nicht vom Haben her zu leben, sondern sich in Bewegung, in Entwicklung zu bringen. Nun kann selbstverständlich gesagt werden: »Das erreicht ihr nie!<< In der Tat. Aber gerade das Bemühen, das ist das Entscheidende! Und dann wird man erleben, wie jede Schulgemeinschaft nach einigen Jahren einen völlig anderen Charakter, einen völlig neuen Reifegrad hat, in dem sie so gemeinsam an diesem Ideal der Befreiung des Menschentums wirkt. In diesem Zusammenhang darf auf einen zweiten Bereich des »mitteleuropäischen Programms<< aufmerksam gemacht werden. Das ist der Bereich, wo Menschen sich als Gleiche - von Mensch zu Mensch - begegnen. Er. kann an einem aktuellen Beispiel schlaglichtartig beleuchtet werden. Die Bundesrepublik ist ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat, wie es in der Verfassung heißt; dabei wirken die Parteien an der Willensbildung dieser Demokratie mit. Gegenwärtig gibt es ein gewisses Problem: die Parteispenden. Parteien sind in gewissem Umfang auch gemeinnützig, nur wurden sie etwas an der Legalität vorbei finanziert. Ein Minister äußerte dazu u. a., daß das entschuldbar sei, wenn die Täter sich ihrer Schuld nicht bewußt waren. Deshalb dürfe das nicht so hart bestraft werden. Diese etwas laxe Rechtsauffassung trägt mit dazu bei, daß sich die Bevölkerung von den Parteien und allmählich auch vom Staat innerlich entfernt - zum mindesten ein bewußter Teil. Damit wird aber ein grundsätzlicher Mangel sichtbar: Wie kann tatsächliche Demokratie, das heißt aber Teilhabe der Mündigen an den bewegenden Fragen des öffentlichen Lebens, entstehen? Reicht es da aus, daß alle vier Jahre einmal darüber befunden wird, wie die Geschicke der Nation geleitet werden sollen, also ob diese oder jene Partei regieren soll? Ist es da nicht notwendig, daß die Gemeinschaft der Rechtsmündigen lebendiger und unmittelbarer am Willensbildungsvorgang, aber auch an der politischen Entschlußbildung teilnehmen kann? Schon 1917 formulierte Rudolf Steiner - er gab kein Rezept, wie das im einzelnen aussehen soll -, daß das neuzeitliche Bewußtsein verlange, in allen politischen Angelegenheiten des öffentlichen Lebens mitsprechen zu können, und es komme darauf an, entsprechende Formen auszubilden, die diese Teilhabe ermögliche. Denken wir nur einmal an die die Schülerschaft, aber auch viele Eltern, sehr bewegende Frage des letzten Jahres, die um die Notwendigkeit der Nachrüstung kreiste: Soll da nicht auch die Bevölkerung unmittelbar zu diesen Fragen ihre "Stimme erheben können? Eine Teilhabe war nur in Form - notwendigerweise 161

vorübergehender Natur- von Demonstrationen möglich, die in ihrer Art immer etwas unter dem Niveau der menschlichen Würde liegen müssen, weil sie komplexe Zusammenhänge auf Formeln wie >>ja« oder »nein«, »für« oder »gegen« bringen müssen. Eindrucksvoll sind sie allemal gewesen. Das kann an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Schließlich sei noch ein drittes Aufgabenfeld in unser Bewußtsein gerückt: Innerhalb der wirtschaftlichen Entwicklung werden fortdauernd Menschen durch Rationalisierungsvorgänge aus dem Arbeitsleben freigesetzt, sie finden keine Arbeit gegen Einkommen. Arbeit gibt es zwar weiterhin die Fülle und bleibt unerledigt liegen- jede Waldorfschule weiß das! Ihr fehlt aber die nötige Anweisung auf Arbeitskraft, das Geld. Dieser Sachverhalt gilt auch allgemein; Arbeit und Notwendigkeiten gibt es genug, auf der anderen Seite eine große Zahl von Arbeitslosen. Wie kann dieser Widerspruch, dieses Geschwür, beseitigt werden? Es ist die Frage, wie sich wirtschaftliche Vernunft in den Sozialzusammenhang bringen läßt. Rudolf Steiner hat auch hierfür mögliche Einrichtungen vorgeschlagen: Einen Wirtschaftsrat, wo die am Wirtschaftsleben Beteiligten ihre Angelegenheiten selbst ordnen. Das wirtschaftliche Leben ist so verzweigt, kompliziert, daß es zu seiner vernünftigen Gestaltung eines im besten Sinne kollektiven Urteilsvorgangs bedarf, um das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen. Heute lösen die Unternehmen durch Entlassung die Probleme, und was als soziale Gestaltung noch verbleibt, hat · da,nn der Gesetzgeber oder die Verwaltung durch die Arbeitslosenversicherungunzulänglich - zu ordnen. An den Kern der Sache kommt man so nicht heran. Das mitteleuropäische Programm bildet die »Dreigliederung des sozialen Organismus«. Es geht von den bestehenden drei gesellschaftlichen Bereichen Kultur, Politik und Wirtschaft aus, es strukturiert sie der Sache entsprechend. Weil die Menschen heute ein völlig individuelles Bewußtsein haben, ist es notwendig, daß sich der individuelle Mensch auch in dreifacher Weise, den gesellschaftlichen Gegebenheiten entsprechend, in das soziale Dasein eingliedern kann. Mit Idealen . als einer völlig persönlichen Angelegenheit in• das Geistesleben; als bedürftiger Mensch in ein assoziatives Miteinander inl Wirtschaften; als mündiger Mensch bewußter Teilhabe an der Rechtsgestaltung. Davon haben wir allenfalls einen anfänglichen »Zipfel« im Schulwesen erreicht, wenn wir sagen können, daß wir um die Kindheitskräfte, um die Zukunftskräfte der Menschen herum, einen Raum sozialer Gestaltung aufbauen, so daß die Kräfte des Vorgeburtlichen sich entfalten können. Werden sie in das Erwachsenenleben hinübergerettet, dann können sie den Menschen auch zu sozialem Handelnauf den Feldern der Politik und Wirtschaft impulsieren. Diese Bereiche zu ergreifen, die außerhalb der Schule liegen, mit ihr aber so mannigfach verbunden sind, sollten . uns mehr und mehr Ideal werden. Zunächst gilt es dabei aber den Blick aufzurichten zu einer geistigen Welt, aus der die Ideale kommen und kommen können. Dann kann man ZU sittlichen Idealen ganz persönlicher Art gelangen und von da aus zu freiem Handeln. So gesehen kann nach fünfundsechzig Jahren gesagt werden, daß die Waldorfschule ihren Beitrag, ihre Aufgabe noch nicht erfüllt hat, sondern erst am Beginn ihres Wirkens steht.

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Christoph Göpfert

Dichtung aus den Kräften der Mitte Zur Lyrik der Rose Ausländer in der Oberstufe Die Heranbildung von »Kräften der Mitte«, aus denen der Erwachsene als freie Individualität handelt, könnte man als die Erziehungsaufgabe schlechthin bezeichnen. Denn die Entwicklung dieser Mitte, des Ich, ist es ja, was sich in den drei Jahrsiebten der Erziehung im Wes entliehen vollzieht. Dabei handelt es sich um Vorgänge, die den Heranwachsenden zwischen leiblich-seelischen Polaritäten hinund herschwingen lassen. In gewissem Sinne kann man das zweite Jahrsiebt als eine Zeit des Gleichgewichts beschreiben: das Kind läßt das Gefühl aus seiner Wesensmitte in die Umwelt strömen, lernt aber auch, sich wieder auf sich selbst zurückzuziehen. Dagegen steht das Alter der Oberstufe gerade unter dem Verlust dieser Ausgleichssituation, ja, man. hat manchmal den Eindruck, es müsse nach der Klassenlehrerzeit alles neu erworben werden. Verschiedentlich ist in dieser Zeitschrift berichtet worden, in welchen Schritten diese Neugewinnung verläuft, bis das Ich schließlich in die Lage versetzt wird, mündig aus der Mitte heraus zu handeln (Goethe nennt es in der Novelle vom Prokurator: »Herr im eigenen Haus sein«). Jedes Fach und jede Tätigkeit des Oberstufenschülers liefern dabei ihren speziellen Beitrag, um die Kräfte der Mitte im Jugendlichen wieder neu aufzubauen1 • Im Deutschunterricht kommt hierbei der Lyrik eine intime Bedeutung zu, wird sie doch weitgehend sprechend vom Schüler aufgenommen, d. h. durch den Atem, in dem wir unsere Mitte ja besonders stark erleben. Aber da ein Gedicht sehr verschiedenen Wesensschichten des Dichters entspringen kann, werden wir im Umgang mit dem jeweiligen Werk zu diesem oder jenem Seelenpol gezogen. So pendeln wir z. B. vom Willenspol des Stabreims, der uns im althochdeutschen Hildebrandslied bis in die Glieder fährt, zum Gefühlspol, · wenn wir uns den ruhigen Rhythmen des Nibelungenliedes hingeben, oder zum Gedankenpol in einem Gedicht des reifen Schiller. Im Miterleben und künstlerischen Durchgestalten dieser Seelennuancen plastiziert sich die Wesensmitte des Jugendlichen aus. Aber noch ein anderer Gegensatz innerhalb der Dichtung ist wichtig, vor allem, seit die Jugendlichen nach den beiden Richtungen hin anfällig sind; man könnte von >>oben<< nach >>Unten<< oder von einer sinnlich-materiell-politischen und einer übersinnlich-spirituellen Dimension sprechen. Die Forderung nach Realismus und Aktualität wird von den Jugendlichen immer wieder lautstark erhoben, und sie haben Freude an der scharfen Sprache der Brechtsehen Lyrik (>>Fragen eines lesenden Arbeiters<<). Der >>oberen<< Dimension begegnen die Schüler auf zweifache Weise: in den mystisch-verschwommenen Angeboten östlicher Provenienz Gugendsekten, TM, Drogen) und in ihrer eigenen, echten Sehnsucht nach objektiv geistigen, d. h. übersinnlichen Wahrheiten. Besonders die Achtzehnjährigen, also 1 Hürsch, Erziehungskunst 10/1983, und Suchantke, Erziehungskunst 6/1984.

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unsere Zwölftkläßler, durchlaufen eine Entwicklungsphase, die diese Offenheit mit sich bringt. . Daß die Lyrik von Nelly Sachs und Paul Celan hier Antworten gibt, die aus jener Welt stammen, die dieJugendlichen suchen, ist seit langem bekannt, und die Schüler werden wohl mehr und mehr damit vertraut gemach~. Vor allem wenn man die Lebensbedingungen dieser Dichter mit einbezieht, Verfolgung und Todesnähe als Quellorte ihrer Dichtung erkennt, wird den Jugendlichen ein Element des Ernstes vermittelt, durch das allein wirkliche Geisterfahrung möglich ist 3 • Nun treffen wir auf die beachtenswerte Erscheinung, daß heute neben die eben genannten Dichter andere treten, denen die übersinnliche Dimension ebenfalls erlebbar wurde bzw. die an ihrer Grenze rütteln. Wie Rudolf Steiner es für die zweiteJahrhunderthälfte vorausgesagt hat, läßt sich tatsächlich bei mehr und mehr Menschen eine behutsame Öffnung gegenüber der spirituellen Welt beobachten. Unter ihnen ist Rose Ausländer, die 83jährig im Nelly-Sachs-Altersheim in Düsseldorf lebt, in den letzten Jahren zunehmend bekannter geworden; mit der Herausgabe ihres Gesamtwerkes hat der Fischer-Verlag begonnen. Rose Ausländer schlägt neben Nelly Sachs und Paul Celan einen neuen Ton an, der bemerkt werden sollte.- In den Gedichten der Nelly Sachs stürzt eine Bilderund Klangflut aus dem Umkreis auf uns ein, die unverhüllt von Welten kündet, die uns gewöhnlich verschlossen sind, für die die herkömmlichen Worte nicht ausreichen, deren Kräfte uns aber durchziehen. Alles ist hier Bewegung, intensives, strömendes Gefühl. - Paul Celans Sprache wirkt dagegen eher kristallin; viele seiner Metaphern stammen aus der Schnee- und Gletscherregion. Seine Bilder entspringen zudem mehr einem gedanklichen Element, verlangen vom Leser größere Aktivität, um aus den ungewohnten Wortzusammenfügungen das NichtSagbare herauszuhören. Celans Gedichte haben dabei etwas schonungslos Forderndes (»Mit den Sackgassen sprechen ... <<) und führen dadurch sozusagen fortwährend vom einzelnen weg in eine Extremsituation (»Schneepart, gebäumt, bis zuletzt ... <<) 2 • Demgegenüber werden Rose Ausländers Gedichte wie aus einer ruhenden Mitte geboren und sind durch sprachliche Schlichtheit und Zurückgenommenheit gekennzeichnet; das gilt besonders für die im hohen Alter entstandenen Werke: >>Ein Stück weiter<< (1979), »Im Atemhaus wohnen« (1981), »Mutterland. Einverständnis<<, »Mein Venedig versinkt nicht« (1982). Alles, was sie sagt, stammt aus einer Abgeklärtheit, die auch den Schmerz und den nahenden Tod bejahen kann. Dabei ist das bevorzugte Thema ihrer Gedichte nicht etwa Alter und Gebrechlichkeit, sondern die verborgene Schönheit der Welt in den kleinen Dingen und die Möglichkeiten des Menschen, das Leben zu bewältigen, selbst auf einer von Terror und Gewalt bedrohten Erde. Daß all das in persönlichem Erleben und Erleiden wurzelt- auch sie Jüdin, vertrieben, heimatlos-, klingt immer wieder leise an, löst aber gerade dadurch Betroffenheit in uns aus: 2 Göpfert, Erziehungskunst 6, 9/1979. 3 Chalfen, Paul Celan. Eine Biographie seiner Jugend. Frankfurt 1979. Briefe an Nelly Sachs. Frankfurt 1984.

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Obwohl Obwohl die Legende vom Leben düster ist wie Novembernebel und immer dichter der Nebel sich ballt um unsre Zeit

lieber Mitmensch ich gestehe daß ich die Lebenslegende liebe · die fühllose Luft deine Augen in denen die Erde wohnt und der unergründliche Himmel

Und ich liebe das Wort das uns erschaffen hat am grünen Tag4

Und das letzte Gedicht der bettlägerigen 81jährigen ist ein Hymnus auf den Mai, voll von Lebenskräften und durchpulst von der Fähigkeit zur Hingabe an die Welt: Mai I! Mit Maiglöckchen läutet das junge Jahr seinen Duft Der Flieder erwacht aus Liebe zur Sonne Bäume erfinden wieder ihr Laub und führen Gespräche

Wolken umarmen die Erde mit silbernem Wasser da wächst alles besser Schön ists im Heu zu träumen dem Glück der Vögel zu lauschen Es ist Zeit sich zu freuen an atmenden Farben zu trauen dem blühenden Wunder

Ja es ist Zeit sich zu öffnen allen ein Freund zu sein das Leben zu rühmen 5

Sucht man die dichterischen Motive der Rose Ausländer zu ordnen, so findet man viele »Naturgedichte«, in denen, wie im vorstehenden Beispiel, Erscheinungen der Natur, der Jahres- und Tageszeiten eingefangen sind, Gedichte, die man auch schon am Anfang der Oberstufe sprechen und besprechen kann. Nicht immer beschränkt sich die Dichterin dabei auf die reinen Naturvorgänge, und dem Bewußtsein des älteren Jugendlichen kommt es entgegen, wenn sie wie in den >>Abendversen« die zerbrechlichen Werke der Zivilisation den kosmischen Wirklichkeiten gegenüberstellt: Abendverse Fremde Dinge wachsen zusammen zu ungenauen Anderheiten

Am Horizont die Stadtkonturen leuchten eh sie in Finsternis zerbröckeln Sternfinger streicheln die Erdhaut·

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Das Motiv des Ichs, der Mitte, tritt - ausgesprochen - nicht oft bei Rose Ausländer auf, obgleich es ihrer Dichtung diese besondere Stille verleiht. Aber die Dichterin läßt uns Anteil nehmen, wie sie diese Kräfte der Ruhe in sich ausbildet. Zunächst ist es noch ein Wunsch: 4 5 6

»Ein Stück weiter«, So 54. >>Mein Venedig versinkt nicht«, S. 131. >>Ein Stück weiter«, S. 49.

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Ruhen

Wär es möglich zu ruhn in sich selbst einen Augenblick Schöpfer Geschöpf vollkommen im Gleichgewicht wie ein Berg

ohne Erregung im Angesicht der Gestirne einen Augenblick der den Atem anhält

Wär es möglich ·den Blick ihrer Augen aufzufangen einen Augenblick7

Dann aber werden wir in eine Art Meditation"Finbezogen: Atem

Dahin

Wir leben von Atem zu Atem

Atmen arbeiten ruhen fliegen

In allen Pflanzen und Tieren schlägt sein Luftherz

zu Menschen kommen wo Wörter Worte sind 9

Wir an sein Dasein gebunden gehen ein mit ihm in den Atem der Erde 8

Daß Rose Ausländer uns nicht eine heile Welt vorgaukelt, wurde schon an dem '"oben zitierten Gedicht »Obwohl« deutlich. Sie hat verschiedene Möglichkeiten, die Gegenwartsprobleme, auch die politischen, anzupacken. Ich stelle zwei Gedichte zum Thema Krieg gegenüber, von denen das eine die Tatsachen hart und geradezu prosaartig ausspricht (»Segnen«), das andere (»Die Amsel«) in den wenigen Worten jeder Zeile eine spachliche Miniatur hinzeichnet, die zum Metaphorischen offen ist (>> ••• Zelte aus grüner Zeit ... «): Segnen I~h möchte euch segnen aber ich verfluche eure Kriege Siege und Niederlagen

und das Won »Feind« für ein Land wo Millionen Menschen leben wie in eurem Land Ich segne die wenigen Friedfenigen oder sind es viele und nur Wenige machen Kriege, Krüppel ·machen mich zum Feind der Kriege Ich segne jedes Land 10 7 A.a.O., S. 40.

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8

A.a.O., S. 76.

9 A.a.O., S. 142.

10 »Atemwende«, S. 52.

Die Amsel Im Baum die Amsel singt

als sängen nicht Krieger Märsche

als wäre noch alles beim Alten

als hätten wir die Macht Zelte zu bauen aus grüner Zeit

die Großstadt ein blühender Ort

singt die Amsel im Baum 11

Wie das Ich aber trotz aller Angst in der heutigen Zeit bestehen kann, wie der Mensch immer aus seiner Wesensmitte heraus geben kann, versichert uns das Gedicht »Noch bist du da«: Noch bist du da Wirf deine Angst in die Luft Bald ist deine Zeit um bald wächst der Himmel unter dem Gras fallen deine Träume ins Nirgends

Noch duftet die Nelke singt die Drossel noch darfst du lieben Worte verschenken noch bist du da Sei was du bist Gib was du hast12

Unscheinbarer, zarter als bei Nelly Sachs tritt der übersinnliche Bereich bei Rose Ausländer auf, wirkt dadurch aber gewissermaßen selbstverständlicher. Wir wissen wenig über die inneren Erlebnisse dieser Persönlichkeit, da ihr Zustand Gespräche nicht mehr zuläßt und ihre Briefe noch nicht veröffentlicht sind. Aber in geisteswissenschaftlich sachge~äßer Art spricht sie von Seher, Hellseher und Hüter; sie führt uns in vielen Gedichten an die Schwelle der geistigen Welt heran, weiß von Vorgeburtlichem und N achtodlichem, von der Wiederverkörperung. In schlichten Worten, die nicht Prosa sind, sondern dem Rhythmus der Meditation entstammen, kündet sie von diesen tiefsten Geheimnissen und wie man mit ihnen umgeht: In dir Über dir Sonne Mond und Sterne Hinter ihnen unendliche Welten Hinter dem Himmel unendliche Himmel

11 13

Über dir was deine Augen sehen In dir alles Sichtbare und das unendlich Unsichtbare 13

»Ein Stück weiter«, S. 58. 12 »Atemwende<<, S. 135. »Mutterland. Einverständnis<<, S. 117.

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Lauschen

Abschied II

Es heißt zwischen den Zeilen das Unsagbare sagen Sonne Sterne und Traum erzählen was vor deiner Geburt geschah was nach deinem Tod sich ereignen wird

Abschied vor der Geburt Geburt nach dem Abschied 15

Es heißt sie belauschen14 Für den Oberstufenlehrer, dem hier für verschiedene Klassenstufen ein reicher Schatz geschenkt ist, wird auch wichtig sein, etwas über das Leben dieses Menschen zu wissen, um es den Schülern riahezubringen. Denn Rose Ausländer gehört wie die anderen modernen Dichter, deren Stimme wirklich Gewicht hat, zu jenen von den Zeitläufen Umhergetriebenen, den wirklich Heimatlos-Gewordenen, die aber gerade durch ihr Leid Erschütterungen erfahren haben, durch die ihnen das Tor zum Übersinnlichen aufgestoßen wurde.- Fast 20 Jahre älter als Paul Celan, stammt Rose Scherzer (geboren 1901) aus Czernowitz in der Bukowina, jener >>Landschaft, in der Menschen und Bücher lebten« (Celan) und gehörte als deutschsprachige Jüdin zu der kulturtragenden Schicht des damals zu ÖsterreichUngarn zählenden Gebietes. Trotz der wenigen zuverlässigen Lebenszeugnisse über die Dichterin, zeigt sich exemplarisch, wie ihre Biographie vom Motiv der Entwurzelung geprägt ist: Schon als Kind Flucht vor den Russen nach Wien, als junges Mädchen Abbruch des Literatur- und Philosophiestudiums aus wirtschaftlichen Gründen und Auswanderung in die USA zusammen mit dem Freund Ignaz Ausländer, mit dem sie wenige Jahre lang verheiratet ist. 10 Jahre, bis 1930, lebt sie in N ew Y ork als Bankangestellte, aber in viele geistige Kreise eingebunden. Dann kehrt sie nach Rumänien zurück, bald in ihrer. Vaterstadt Czernowitz, bald in Bukarest wohnend. Hier wird sie vielseitig literarisch tätig, erkennt aber bald die den Juden auch dort drohenden Gefahren. Eine Möglichkeit, wieder in die USA auszuwandern, schlägt sie wegen ihrer kranken Mutter aus und gerät dadurch ab 1941 unter die Drangsalierungen der Nazis im Czernowitzer Ghetto. Eindrucksvoll berichtet sie darüber: »In Czernowitz ansässig, hatte ich unter der Judenverfolgung, die im Sommer 1941 begonnen hat, sehr zu leiden. Ich war nicht nur den bekannten und menschenunwürdigen Beschränkungen unterworfen, sondern wurde auch zu überaus schweren Zwangsarbeiten herangezogen und im Ghetto von Czernowitz unter entsetzlichen und unhygienischen Bedingungen festgehalten. Die Zwangsarbeiten, die ich bei Straßen- und Verladearbeiten sowie bei verschiedenen anderen Arbeitsgelegenheiten leistete, waren sehr anstrengend, und die Behandlung war brutal und unmenschlich. Ich wurde oft und schwer mißhandelt und mit dem Tode bedroht. Ich lebte in namenlosem Elend und in Angst vor meinem weiteren Schicksal und der immer wieder angedrohten Deportation nach Transnistrien.« 16 14 A.a.O., S. 38. 168

15

»Ein Stück weiter«, S. 127.

16 Vgl. Anm. 13, S. 137f.

Obgleich Rose Ausländer und ihre Mutter persönlich den Vernichtungslagern für die rumänischen Juden entgehen, weiß sie von den Grausamkeiten, denen viele ihrer Bekannten dort erliegen, darunter die Eltern Paul Celans, den sie im Ghetto kennengelernt hat. Erst 1944 tritt mit der Besetzung durch die Russen eine gewisse Erleichterung ein, die auch literarische Arbeit möglich macht. 1946 gelingt der Dichterin die erneute Ausreise in die USA, wo sie bis 1964 lebt, viele Jahre bei einer Speditionsfirma angestellt und nebenher dichtend - in Englisch. Eine eingeschaltete Europareise führt sie u. a. wieder mit Celan zusammen, der ihr eine neue Welt sprachlichen Ausdrucks erschließt, den sie sich in ihren Gedichten - nun wieder deutsch- aneignet. Nach ihrer endgültigen Rückkehr nach Europa hält sie sich in vielen Ländern auf, vor allem im Südeuropa und Wien. Ihre Krankheiten zwingen sie zu häufigen Kuraufenthalten. 1965 betritt sie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder deutschen Boden und läßt sich in Düsseldorf nieder. Aber ihr Geist fühlt sich der ganzen Erde verwandt, und so reist sie auch jetzt noch viel, bis ihr körperlicher Zustand das verbietet. Ein Unfall bindet die 70jährige endgültig ans Haus. Die Rückkehr nach Deutschland ist für Rose Ausländer aber mehr als ein äußeres Ereignis; jetzt öffnen sich die Schleusen ihrer reichen Seele. In kurzer Folge entstehen neue Gedichtbände, vieles wird in Zeitungen veröffentlicht, der Droste-Preis (1977) und andere Auszeichnungen schließen sich an. Hier ist ein Mensch wirklich zur Ruhe gekommen, nachdem er vorher die Welt durchschritten und durchlitten hat. Denn die Realität des Leides hat auch Rose Ausländer.erst zur Dichterin befreit. Aus einer solchen Biographie, zu der man die von Celan, Nelly Sachs und Solschenyzin stellen müßte, kann der Oberstufenlehrer manche Motive für eine >>Lebenskunde« in seinem Unterricht entnehmen. Denn diese Lebensläufe sind wirklich modern! Seit dem aufsehenerregenden Bericht von Mihailov (>>Von der mystischen Erfahrung der Unfreiheit«) 17 wissen wir, daß äußerste Gewalt und Existenzbedrängnis, wie sie extrem in den russischen Lagern herrschen, völlig neue seelische Kräfte in den Betroffenen entbinden können. Die Gewißheit einer übersinnlichen Welt stellt sich ein, und wenn diese Menschen ihrer >>inneren Stimme«, diesem neuen >>mystischen Organ« folgen, ordnen sich auch ihre äußeren Schwierigkeiten. Wirkungen und Veränderungen werden von Mihailov beschrieben, die dem ähneln, was in den alten Kulturen durch Mysterieneinweihungen erreicht wurde. Man gewinnt den Eindruck, daß Dichter wie die in diesem Aufsatz genannten auf moderne Art einen Schwellenübergang vollziehen. Davon sollten die Jugendlichen erfahren!

17

In: >>Kontinent<< 3, S. 343. Frankfurt 1975.

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John Davy

In der realen Zeit leben Ich wurde zu einer Zeit Vater, als junge Mütter noch oft über Füttern »nach Bedarf<< diskutierten, wobei es um den Bedarf der Babys und nicht den der Mütter ging''. Es gab Entbindungsstationen, auf denen Neugeborene in ihren ersten Lebenstagen rationell in ein Vier-Stunden-Fütter-Schema gezwängt wurden, während die Mütter auf der Station ruhten. In einigen Kliniken wurde sogar vom Stillen energisch abgeraten. Im eigenen Interesse sollten sich Mutter und Kind auch zu Hause weiter an diese Disziplin halten. Aber eine Befreiung lag in der Luft und brachte Naturkost, Muttermilch und Füttern nach Verlangen mit sich. Es dauerte keine zehn Jahre, da traf man viele »progressive<< Babys bei Abendveranstaltungen für Erwachsene in ihren Tragen. Das Baby durfte, wann immer es Lust hatte, an der Brust der Mutter trinken, manchmal sogar dann, wenn die Mutter gerade die Suppe der Gastgeber löffelte. Ein ähnlicher Umschwung fand in der Erziehung statt. Es scheint lange her zu sein - zu Dickens' Zeiten -, daß Erziehung als etwas betrachtet wurde, das man in Kinder, die von Natur aus bösartig geboren werden, hineinprügeln muß. Inzwischen leben wir in einer Konsumgesellschaft, in der die Erziehung einem Füttern >>nach Bedarf<< ähnlich ist. Lehrer treten als »Magazinverwalter<< auf, die sich um die Versorgung mit Papier, Ton- und Video-Kassetten kümmern. Von dem klei. nen Kunden wird erwartet, daß er weiß, was richtig für ihn ist, und daß er das abholt, was er möchte und wann er Lust dazu hat. Obwohl meine Frau und ich überzeugte Anhänger des Stillens waren, konnte ich als Vater dennoch nicht direkt etwas zur praktischen Verwirklichung beitragen. Aber ich wurde bald unmittelbarer in andere kindliche Rhythmen einbezogen, die auch im Leben der Eltern eine bedeutende Rolle spielen. Ich erinnere mich besonders an die Frage von Schlafen und Wachen. Hier gab es nicht ganz so viele, die auch das dem Verlangen der Kinder überlassen wollten. Und wenn auch die Strengen die Kinder vielleicht rigoros zu einer bestimmten Uhrzeit weckten, weil der Zeitplan Füttern, Baden oder Spazierengehen vorsah, so hat doch bisher keiner

•f Vorabdruck aus dem in diesem Monat erscheinenden Buch >>Familienleben- Selbstverwirklichung und Partnerschaft in der täglichen Praxis.« Herausgegeben von Gudrun Davy und Bons Voors. Aus dem Englischen von Hildegard Leiska. 320 Seiten, kinonien, DM 28,-, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1985. Das Buch versammelt eine Fülle von Beiträgen überwiegend englischer Autoren, u. a. den hier zum Abdruck kommenden Artikel des vor kurzem verstorbenen Leiters des Emersen College und Generalsekretärs der »Anthroposophical Society<< in England, John Davy. Die einzelnen Artikel wollen praktische Lebenshilfe für den Familienalltag, die Kindererziehung, das Begehen von Festen, Fragen der Partnerschaft u.v.a. geben; Gebiete auf denen heute, wo die Traditionen nicht mehr tragfähig sind, überall nach neuen Wegen gesucht wird. ·

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eine Möglichkeit entdeckt, einem Baby das Einschlafen zu befehlen (ausgenommen mit einer Dosis Schlafmittel - was in einigen Entbindungsstationen, die darauf bestehen, daß jeder zur richtigen Zeit wenigstens seine acht Stunden Schlaf bekommt, nicht ganz unbekannt ist). · Unser erstes Kind litt schon sehr früh über längere Zeit an Koliken. Als kräftiges Baby war es bei weitem nicht erschöpft durch die Krämpfe seiner unruhigen Verdauung, sondern sie führten zu lautstarkem, ausgedehntem Protest bei Tag und bei Nacht. Zu der Zeit pendelte ich zur Arbeit. Wenn ich nach Hause kam, tat ich mein Bestes und übernahm einen gerechten Anteil der Nachtschicht: Kamillentee kochen, Wärmeflaschen auffüllen und das schreiende Kind in meinen Armen in den Schlaf wiegen, was mir wie stundenlanges Auf- und Abgehen in einer kleinen Gefängniszelle vorkam. Wenn ich dann am nächsten Morgen mit dem Zug wieder in die Stadt fuhr, nickte ich ein, noch immer mit dem Schreien im Ohr. Manchmal schien es mir, alshörteich es den ganzen Tag, und ich fragte mich, wie meine Frau, die ja in direkter Hörweite zurückblieb, das ertragen konnte. Es war immer ein Hoffnungsschimmer, wenn in den frühen Morgenstunden das Weinen etwas rhythmischer wurde. Ich lernte es als Zeichen des herankommenden Schlafes schätzen, wie eine heilsame Musik, die im Raum zu singen begann (ich selbst sang auch, und manchmal half es). In der Schule lachten wir über einen makabren Witz, in dem der Besucher eines Irrenhauses einen Insassen fragt, warum er seinen Kopf gegen die Wand schlägt: >>Weil es so schön ist, wenn ich damit aufhöre<<, war die Antwort. In gewisser Weise traf das auch auf uns zu: Dieser selige Friede nach unruhigen Stunden wenn das Schreien in rhythmisches Weinen überging und dann in das ruhige Atmen im Schlaf- ist uns noch immer gegenwärtig und kostbar. Als der Verdauungsrhythmus des Kindes wieder ins Gleichgewicht gekommen war und wir alle nach und nach zu einem ausgeglicheneren Rhythmus von Schlafen, Wachen und Essen fanden, blieb uns ein äußerst zufriedenstellendes Gefühl. Und. deshalb wußten wir bei den späteren Kindern, worauf wir hinarbeiten wollten: Es ging weder um die Ansprüche der Kinder an uns noch um unsere Ansprüche an sie, sondern um die Kunst, für unser aller gemeinsames Leben passende Rhythmen zu finden. Es ist nicht so, daß uns das jemals vollständig gelungen wäre; Die meisten Menschen scheinen zu bemerken, daß uns die Technik so viel Zeit erspart, daß wir nie genug davon haben. Doch wenn wir ein Stück regelmäßigen, nicht gehetzten Lebens einrichten, scheint es in Routine verfallen zu wollen; wir entwickeln dann einen heftigen Drang auszubrechen und rasen mit dem Auto irgendwohin. Jedenfalls lernten wir sehr bald, einer Regelung des Lebens nach willkürlichem Verlangen oder nach der Uhr zu mißtrauen. Irgendwo dazwischen liegen die heilsamen Geheimnisse lebendiger Rhythmen. Durch einen gewissen akademischen Hintergrund in Biologie wußte ich theoretisch etwas über Rhythmen. Rhythmen sind, in fast wörtlichem Sinn, die Geheimnisse des Lebens. Jeder Teil eines lebendigen Organismus - Zellen, Gewebe, Organe, der Körper als Ganzes - ist durchdrungen von Rhythmen. In den Zellen gibt es Rhythmen von hoher Geschwindigkeit, die kompliziert zusammengesetzte

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Substanzen auf- und abbauen, häufig mehrmals in der Sekunde. Zu Beginn der Embryonalentwicklung kann man fast innerhalb von Stunden Rhythmen in und um den winzigen Embryo feststellen, die sich allmählich zu einem Herzen formen. Erst einige Jahre nach der Geburt gleicht sich der Herzschlag dem Puls des Erwachsenen an. Wir machen unseren ersten Atemzug bei der Geburt und unseren letzten, wenn wir sterben. In der Zeit dazwischen wird das Leben vom Atemrhythmus getragen, dessen Tempo zum Puls etwa im Verhältnis 1:4 steht. Die Leber, die Niere, der Magen, auch sie haben alle ihre physiologischen Rhythmen. Das Erstaunliche bei diesen Rhythmen ist, daß sie gerrau sind, aber nicht in der starren Art exakt wie eine mechanische Uhr. Die Atmungs- und Herzrhythmen ändern sich, die Verdauungs- und Schlafrhythmen können sich anpassen. Wie in der Musik kann auch hier das Tempo sich beschleunigen oder verlangsamen, verschiedene Teile können sich schneller oder langsamer bewegen, aber das Ganze greift ineinander, ist harmonisch abgestimmt. Gleichzeitig werden unsere biologischen Rhythmen nicht allein durch ihren eigenen >>internen« Bedarf geregelt, sondern ständig wieder mit der Umgebung abgestimmt. In den letzten Jahren wurde vieles entdeckt, was die lebendige innere Uhr mit Rhythmen außerhalb des physischen Körpers verbindet. Freiwillige versuchten in abgeschlossenen Räumen wachen- oder monatelang ohne Anhaltspunkt für den äußeren Zeitverlauf zu leben. Häufig lebten sie nach einem erkennbaren Rhythmus, jedoch selten nach einem vierundzwanzigstündigen. Doch im normalen Leben werden unsere körperlichen Rhythmen von Schlafen und Wachen, Essen und Ausscheiden ständig durch den Rhythmus von Tag und Nacht reguliert. Wenn wir (etwa wegen einer Flugreise) unter einer Zeitverschiebung leiden, während sich unsere körperlichen Rhythmen auf eine neue Zeitzone einstellen, erleben wir unmittelbar, daß wir uns leicht krank fühlen, wenn wir aus dem Rhythmus kommen. Einigen häufig »herumdüsenden<< Staatsmännern, Funktionären und Managern hat man sogar angeraten, keine wichtigen Entscheidungen zu treffen, bevor sie nicht bis zu einem gewissen Grad wieder im Rhythmus sind. Unsere »natürlichen<< Rhythmen werden also weder allein vom Körper verlangt, noch werden sie uns von Sonne und Mond diktiert. Ihre wahre Natur liegt im Dialog dazwischen. All dies ist heute in der Biologie wohl bekannt. Weiter können wir die Kinder in ihrem Wachsturn beobachten. Atmung und Herzrhythmus des Neugeborenen sind noch nicht so regelmäßig wie später. Die Verdauung und andere körperliche Rhythmen passen sich nur allmählich der äußeren Umgebung an, einschließlich der Rhythmen, die wir als Eltern festlegen. Ein Sinn für Rhythmen in der Sprache und in der Musik erwacht allmählich, ist aber erst beim zehnjährigen Kind voll ausgeprägt. In diesem Alter haben gesunde Kinder wenig Schwierigkeiten mit der Zeit: sie sind selten gelangweilt oder in Eile. Mit der Pubertät und all ihren physiologischen Veränderungen geraten einige Rhythmen wieder ins Schwanken. Schlafen und Wachen werden auf Stunden verlegt, die einem ordentlich lebenden Erwachsenen völlig unangebracht erscheinen. Die Nacht wird mitunter zum Tag und umgekehrt. Ich gewöhnte mir an, abzuschalten und ins Bett zu gehen, meine Frau blieb aber wach und lauschte bis spät in die Nacht auf heimkehrende Teenager. In diesem Alter ist auch das

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persönliche Verhältnis zum Zeitablauf sehr sprunghaft: es gibt lange, leere Zeiten, wo nichts geschieht und das Leben nur aus Routine besteht, dann wiederum spielt sich alles in wenigen gedrängten Minuten oder Stunden intensiver Erlebnisse ab. Es ist nicht zu schwierig, in solchen Extremen Anlagen für Krankheiten zu erkennen, obwohl die meisten Jugendlichen diesen inneren Aufruhr gut überstehen. Eine erhebliche Zahl an Erwachsenen dagegen muß um ihren regelmäßigen Schlaf kämpfen und findet nur noch durch Tabletten eine Lösung des Problems. Auch sie ringen um ihre persönliche Zeitgestaltung und suchen nach einem Gleichgewicht zwischen unausgefüllter Zeit - Monotonie, Routine, Langeweile - und gedrängter Zeit- Hektik, rücksichtsloses Wettrennen. Auch wenn Drogen scheinbar aufmunternd oder beruhigend wirken, schlägt das Pendel nur noch immer weiter aus, solange nicht auf andere Weise ein Rhythmus gefunden wird. All diese Rhythmusstörungen unterstreichen den Wert der Sorge für ein rhythmisches Leben unserer Kinder und der Suche nach einem gesunden Weg zwischen toter Monotonie und einer zufälligen Abhängigkeit von persönlichen Launen. Im Tierreich werden die Lebensrhythmen ständig durch den Tag-Nacht-Rhythmus und die Jahreszeiten reguliert, genau und richtig, aber ohne starre Exaktheit. Tiere leben weder nach Lust und Laune noch nach einer äußeren Uhr, sondern im Gleichgewicht zwischen den beiden Polen, ihr Leben verläuft weder langweilig noch hektisch. Wir sind anders. Wir können aus der Zeit heraustreten, sozusagen. Wir können unsere Essens- und Schlafenszeiten ändern. Innerlich können wir auf unsere Vergangenheit zurückschauen und ebenso Pläne für die Zukunft entwerfen. Hier können wir uns sowohl von der Natur wie von Umweltfaktoren freimachen. (Könnte man eine Kuh auf der Weide fragen, welche Pläne sie für den nächsten Tag habe, würde sie vermutlich antworten: >>Ich werde weiterhin eine Kuh sein.<< Man würde sie nicht dabei ertappen, daß sie davon träumt, ein Schaf zu sein, oder sich entschließt, zur Abwechslung Mäuse zu verspeisen.) Weil wir uns von der Zeit emanzipieren können, als Lebewesen aber doch Teil der Natur sind, liegt es in unserer Freiheit und unserer Verantwortung, uns auf gesunde Weise in Beziehung zur Zeit zu setzen. Dies tun wir nicht, wenn wir uns bloß auf die Bedürfnisse des Körpers verlassen, noch wenn wir uns durch einen mechanischen Ersatz für Sonne und Mond, eine beharrlich tickende Uhr, regieren lassen. Wir können aber versuchen, einen eigenen Weg im Umgang mit der Zeit als einer Beziehung zwischen uns selbst und unserer Umgebung zu finden, eine Beziehung, die weder chaotisch noch fremdbestimmt ist, sondern musikalisch die Kunst, so in der Zeit zu leben, wie man zur Musik tanzt. Viele Menschen, die sich heute mit unseren Zeitkrankheiten befassen, suchen nach Möglichkeiten, >>in der Gegenwart leben<< zu lernen. Aber wo ist die Gegenwart? Wir haben gesehen, daß sie nicht in den unwillküdichen Regungen unseres Organismus liegt. Sie ist auch nicht in Uhren zu finden: Für ein wissenschaftliches Uhren-Bewußtsein, das ganz auf exakt~ Messungen bedacht ist, verschwindet die Gegenwart mehr oder weniger in einem unendlich kleinen Zeit-Splitter, der zwischen Vergangenheit und Zukunft eingeklemmt ist. So ist es nicht erstaunlich, wenn auch wir uns von der Uhr eingeengt fühlen. Sobald wir jedoch einsehen, daß 173

wir mit >>Leben in der Gegenwart« ein »Leben im Rhythmus<< memen, den Rhythmus der wirklichen Zeit, können wir wieder frei atmen. Gautama Buddha, als Prinz im Luxus eines Palastes geboren, wurde ermuntert, ganz dem Verlangen seines Körpers zu leben. Jeder Wunsch wurde ihm auf den leisesten Wink hin sofort erfüllt. Aber er rebellierte und schloß sich Asketen an, die ihren Körper bei Tag und Nacht kasteiten. Aus der Erfahrung dieser Extreme heraus fand er einen >>Mittleren Weg<<, eine heilsame Lebensordnung, die das Leben in einer wahren Gegenwart zwischen Vergangenheit und Zukunft gestattet. An anderen Stellen in diesem Buch gibt es viele praktische Vorschläge, den Tag, die Woche, das Jahr nach einem solchen Mittelweg einzurichten, durch eine Lebenskunst zwischen mechanischer Routine und sprunghaften Launen. Gudrun Davy erforscht die Rhythmen einer Woche, in deren Verlauf die Inhalte von Buddhas Achtfachem Pfad aufgegriffen werden, wie Rudolf Steiner angeregt hat. Margret Meyerkort spricht von der Verwandlung routinemäßig absolvierter Essenszeiten, Schlafenszeiten und Jahreszeiten in kleine Feste oder Kunstwerke. Und ich blicke auf unser eigenes Familienleben zurück, mit besonderer Dankbarkeit gegenüber meiner Frau, die unsere Lebensrhythmen in einem viel höheren Maß entwickelt und gefördert hat als ich (da ich die meiste Zeit in der Woche mehr an Zug-Fahrpläne und Bürozeiten gebunden war als an Kinder). Es sieht so aus, als ob wir uns immer mehr dafür einsetzen müssen, das Leben der Zeit, die lebendige Zeit zu retten, einen beweglichen, tänzerischen Lebensrhythmus zur Entfaltung zu bringen. Heute haben wir Digitaluhren, die die Zeit in elektronische Sprünge von einer Zahl zur nächsten zerstückeln. (Die alten Uhren mit Zeigern und Zifferblatt erinnern wenigstens noch entfernt an die kreisenden Rhythmen von Sonne und Mond, die den Tanz der Natur anführen.) Dann gibt es »schnelle<< Fertiggerichte zur sofortigen Befriedigung des Verlangens unseres Magens, jedoch keine Zeit für einen Dank vor und Schönheit während der Mahlzeit. Dies sind Symptome, die Ursachen aber liegen in uns selbst. Und deshalb müssen wir die heilende Kraft auch in uns suchen. Sobald sich mein kleiner, von Krämpfen gequälter Sohn zu unvorhersehbaren Zeiten in der Nacht allmählich beruhigte, konnte ich beobachten, wie seine Atmung rhythmisch wurde. Er weinte nicht mehr herzzerreißend. Der wunderbare Tanz von Herz und Lunge, der durch das Blut tief in den Körper hineinreicht und durch den Atem weit hinaus in die Welt, kam ins Gleichgewicht und in Harmonie. Es waren wundervolle Momente, die mir zeigten, wo die Mitte jenes Teils von uns ist, der in der wirklichen Zeit lebt: in den Rhythmen von Herz und Lunge, die lebendige Uhren für unsere Lebenszeit auf Erden sind.

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PeterLange

Zur Unterstützung der Schmetterlingswelt Einfache Schmetterlingszuchten für Schulzimmer und Wohnung Im Laufe der Jahrtausende wurde die Natur durch den Menschen kultiviert. Geeignete Pflanzen und Tiere löste er aus ihrem direkten Naturzusammenhang heraus und nahm sie in seine Obhut. Durch die ihnen damals noch innewohnende Bildefähigkeit gelang es dem Menschen, sie zu Kulturpflanzen und Haustieren u~wandeln. Sie geben uns auch heute noch Nahrung, Kleidung und Behausung. Aber nicht nur die leiblichen Bedürfnisse, sondern auch der Schönheitssinn wollte befriedigt werden. Man begann, Blumen und andere Pflanzen in die Nähe der menschlichen Wohnungen zu holen; zu züchten und anzupflanzen. Immer wieder geben die Blumen Freude. Aber noch etwas, was einen in gleicher Weise erfreuen kann, ist die Insektenwelt, welche ihre schönste Ausgestaltung im Tagschmetterling findet. Blume und Schmetterling gehören zusammen,- ein jeder kann sich an den gaukelnden Schmetterlingen über einer Wiese, am Waldrand oder im Garten erfreuen. Die Seele erlebt ihre Verwandtschaft mit diesen schönen Insekten. Nichtumsonst wurde der Schmetterling von den Griechen »Psyche« genannt. Nun nimmt aber diese Insektenwelt heute immer mehr Schaden durch das unbedachte Einwirken des Menschen auf die Natur. Anzahl und Artenvielfalt gehen zurück. Trotz der vielfachen Bemühungen um Naturschutz durch Anlegen z. B. von Biotopen, Hecken, Magerwiesen usw., muß man sich fragen, ob nicht der Z~itpunkt gekommen ist, gewisse Insekten auch in die Obhut des Menschen zu nehmen. Die Kultur der Honigbiene und der Seidenraupe zeigt, daß dies möglich ist. Nur ist hier der Mensch der unmittelbare Nutznießer. Die Zucht des Tagschmetterlings als eigentlicher Urtypus der Insektenwelt, würde zu einer allgemeinen Belebung der Natur führen. Schon Rudolf Steinerregte 1924 im »Landwirtschaftlichen Kurs« die Zucht von Insekten an. Ihr Fehlen würde eine gewisse Verkümmerung des Pflanzenwachstums zur Folge haben. Eine solche Insektenpflege wird in bescheidenem Rahmen seit einiger Zeit im Schulgarten der Rudolf-Steiner-Schule W etzikon versucht. Durch eine geschützte Zucht unter Ausschaltung von Feinden, Krankheiten und Umwelteinflüssen (Mensch, Vögel, Schlupfwespen, Raupenfliegen, Raubinsekten, Nässe und Kälte) ist es nahezu möglich, 100 % der gelegten Eier bis zum Schmetterling zu bringen. In der Natur ist dieses Verhältnis gerade umgekehrt: von 100 Eiern gelangen nur zwei bis drei zum Schmetterling. Mit wenig Aufwand konnten so jedes Jahr viele hundert Schmetterlinge in die Natur entlassen .werden. Diese verteilten sich in der Umgebung, zum Teil konnten sie auch im Garten durch Anbau von Blumen, die Insekten besonders anziehen, gehalten werden. Durch diese Maßnahme und biologisch-dynamische Pflege kön175

nen auch viele Schmetterlinge der Umgebung angezogen werden. Jedes Jahr lassen sich im Schulgarten neue Arten beobachten. Von den Schulkindern wurde diese Zuchtarbeit sehr intensiv miterlebt. Durchgeführt wurde sie im Schulgarten, in den Kindergärten und in verschiedenen Klassenzimmern. Der Vorgang der Metamorphose, das sich Verwandeln in verschiedene Daseinsformen ist für Kinder und Erwachsene ein tiefes Erlebnis. Zuei:st ist ein kleines, unscheinbares Ei vorhanden, aus diesem schlüpft nach einer gewissen Zeit ein winziges Räupchen, wel~hes mit wahrem Heißhunger das dargebotene Futter frißt. Von Tag zu Tag wird das Tierchen größer, hält Ruhepausen, um sich neu zu häuten, damit es weiterwachsen kann. Dann tritt die Verwandlung ein zur Puppe, welche nun nicht mehr viel Ähnlichkeit zeigt zur Raupe. Nach der geheimnisvollen Ruhe in der Puppe entschlüpft eines Tages der Schmetterling. Daß dieses schöne Wesen einen Zusammenhang haben soll mit jenen, manchmal nicht gerade hübschen Raupen- das ist wirklich etwas zum Staunen. Das Ei ist im MineralischWässrigen, die Raupe im Wässrig-Luftigen, dem Blattbereich, zu Hause. Die Puppe wird dann im luftig-lichthaften Bereich aufgehängt und der Schmetterling lebt im Wärme-Lichtraum. Ein Zusammenhang mit der Pflanze kann sich dadurch ergeben, daß sich das Ei mit dem Samen, die Raupe mit dem Blatthaften, die Puppe mit der Knospe und der ·Schmetterling mit der Blüte vergleichen läßt. Durch diese Metamorphose lassen sich auch zum menschlichen Dasein Beziehungen finden. Rudolf Steiner bezeichnet den Schmetterling als >>ein von den Göttern selbst eingesetztes Realgleichnis«. Durch das Erleben dieser Vorgänge kann in den Kindern ein Gegengewicht geschaffen werden zu der in alle Lebensbereiche eindringenden Technik mit dem dazu erforderlichen Denken. Die nachfolgend beschriebenen Zuchten von einigen Schmetterlingsarten sind einfach und auch ohne Vorkenntnisse möglich. Zur Vertiefung ist noch einiges an weiterführender Literatur angegeben. Mit Beobachtung und etwas Glück kann man das Zuchtmaterial in der Natur finden. Eier, Raupen und Puppen von den verschiedensten Schmetterlingen sind in der Insektenbörse inseriert (siehe Literaturliste). Kleiner Fuchs (Aglais urticae L.) und Tagpfauenauge (Inachis io L.) Beide sind noch oft anzutreffende Schmetterlinge, schön gefärbt mit dunkler, unscheinbarer Unterseite. Je nach Witterung 2--4 Generationen pro Jahr. Überwintern als Schmetterlinge auf Dachböden, in Scheunen, in ungeheizten Zimmern: Beginnen schon zeitig im Frühjahr zu fliegen. Ei: ab ca. Anfang Mai, bis zu 150 grünlich-gelbe Eier auf der Unterseite der obersten Brennesselblätter. Raupen: Leben gesellig in gut erkennbaren »Nestern« auf den Trieben der ErennesseL Anfänglich in einem leicht sichtbaren Gespinst. Die fast erwachsenen, ca. 4 cm langen Raupen vereinzeln sich dann. Junge Raupen kann man für die Zucht sammeln, solange sie noch im Gespinst sind. Dazu wird der Erennesseltrieb vorsichtig samt »Nest<< abgeschnitten. Zuchtraupen sollten möglichst jung sein (Größe ca. 3--4 mm). Sind sie größer, besteht die Gefahr, daß sie bereits durch Schlupfwespen oder Raupenfliegen parasitiert sind. Eine Verpuppung ist dann zwar oft noch möglich, aber anstelle des Schmettetlings schlüpfen Parasiten aus.

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Zucht: Ist in speziellen, stoffbespannten Zuchtkästen oder einfacher in großen Kartonschachteln zu empfehlen. Die Deckelteile werden in die aufrecht stehende Schachtel eingeklappt. Die offene Frontseite ist mit sehr feinem Vorhangstoff zu verschließen. (Maschengröße nicht über Y2 mm, die Parasiten können sonst eindringen). Als Verschluß hat sich eine Schnur bewährt, zwischen welche ein Gummiband geknüpft ist. Der Boden muß mit saugfähigem Haushaltspapier ausgelegt werden. Der Käfig sollte an einem warmen, trockenen Platz stehen, aber nicht direkter Sonnenbestrahlung ausgesetzt sein. Das Futter würde dann zu rasch verwelken. Ein Platz in der Wohnung ist gut geeignet, da die gleichbleibende Wärme die Zucht beschleunigt. Bei sauberer Haltung ist Geroch kaum zu befürchten. Die Futterbeschaffung vereinfacht man sich durch Anpflanzen von Erennesseln in einer Gartenecke. (Im Frühling einen Wurzelstock eingraben.) Das gereichte Futter darf auf keinen Fall naß sein; aufgeweichter Kot ist eine große Infektionsgefahr für die Raupen (Durchfall). Sollte es über längere Zeit regnen, die Pflanzen in der Wohnung zuerst abtrocknen lassen. Abgeschnittene Erennesseln gut abschütteln, damit keine Spinnen oder Raubinsekten in den Käfig gebracht werden. Dann in ein Glas mit genügend Wasservorrat stellen und so mit Stoff oder Papier abdichten, daß keine Raupen ins Wasser fallen können. Die >>Nester« können nun auf das Futter gelegt werden. Ist dieses verbraucht, kann ein zweites Futterglas hineingestellt werden. Wenn auch dieses aufgebraucht ist, wird ein drittes hineingegeben, wobei das erste wieder entfernt wird. Die Raupen wandern dem Futter nach. Die Futtermenge sollte dem Appetit angepaßt werden. Bei Jungraupen hält das Futter einige Tage; bei älteren, die sehr viel fressen, ist oft täglicher Wechsel nötig. Trockene Pflanzen werden nicht mehr gefressen. In einen Käfig mit den Maßen von ca. 40X40X70 cm sollten höchstens zwei Nester, ca. 300 Raupen eingebracht werden. Solange die Tiere noch klein sind, können es zwar auch mehr sein, später sollten sie aber unbedingt verteilt werden in mehrere Käfige. Bei Platzmangel können Infektionen oder gar Kannibalismus auftreten. Der Käfigboden sollte von Zeit zu Zeit gereinigt werden und immer trocken sein. Nach einer gewissen Zeit des Fressens wird der Raupe das Kleid zu eng. Um weiter wachsen zu können, muß sie nun die äußere, harte Haut ablegen. Dazu legt sie eine Preßpause ein und sitzt still auf einem Blatt oder an der Käfigwand bis diese Haut platzt. Sie schlüpft dann ganz aus ihr heraus, nach dem Erhärten geht es wieder weiter mit Fressen, bis auch diese Haut zu eng wird. Dieser Vorgang wiederholt sich 4- bis 5mal, nach jeder Häutung ändert sich auch das Aussehen der Raupe. Frisch gehäutete Raupen erkennt man an der Kopfkapsel, welche im Verhältnis zum Körper groß ist; solche, bei denen die Häutung bevorsteht, haben eine kleine KopfkapseL Sind die Raupen nun groß geworden, so daß man kaum noch mit der Futterbeschaffung nachkommt, wird es plötzlich still im Käfig. Das raschelnde Herumkriechen, die Preßgeräusche sind verstummt, das Futter ist kaum angerührt. Die Raupen sind verschwunden. Blickt man dann aber zur Käfigdecke, sieht man sie alle dort versammelt, eine schön neben der anderen aufgehängt. Sie haben sich, Kopf nach unten, mit einem feinen Seidenfaden angesponnen. Zusammengekrümmt warten sie auf die letzte Häutung, welche sie zur Puppe verwandelt. Die Farbe ist Braun bis Grün und wie mit einem feinen Goldstaub überzogen, der die Puppe im Sonnenlicht glitzern läßt. Betrachtet man sie genauer, so sieht man schon den künftigen Schmetterling bis ins Feinste vorgezeichnet: Kopf, Augen, Rüssel, Beine und die noch zusammengefalteten Flügel lassen erahnen, was einmal aus dieser Mumie ausschlüpfen wird. Unbeweglich hängt diese Puppe ca. 2 Wochen. In ihr vollzieht sich die wunderbare Verwandlung von der unförmigen Raupe zum lichtgestalteten Schmetterling. Die Raupe »stirbt« in die Puppe hinein; öffnet man eine solche, so findet man nur einen schleimigen Saft, aus dem sich der Schmetterling aus ganz wenigen Organresten neu aufbaut.

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Naht die Zeit des Schlüpfens, so schimmern bereits die farbigen Flügel durch. An einem warmen, sonnigen Tag ist es dann soweit: die Puppe reißt am Rücken auf, ein krabbelndes Wesen drückt und stößt sich heraus. Eilig klettert es an der Puppenhülle zur Decke herauf. Hier ruht es einen Moment aus, bevor nun eine schwere Arbeit beginnt, die über die ganze Zukunft des Schmetterlings entscheidet: die noch klein zusammengepackten Flügel müssen entfaltet werden. Dazu wird Körperflüssigkeit in die den ganzen Flügel durchziehenden feinen und feinsten Adern gepumpt. Bald nehmen die Flügel Gestalt an, formen sich. Noch sind sie ganz weich und müssen an der Luft erhärten, dann zieht der Schmetterling die Körperflüssigkeit aus den Flügeln zurück. Nun ist er bald bereit davonzufliegen und wir können den Käfig öffnen. Während der Verpuppung sollten die Raupen nicht berührt werden. Ist die Puppe nach einigen Tagen erhärtet, kann das kleine Seidengespinst, womit sie sich angeheftet hat, mit eine Nadel vorsichtig gelöst werden. Die Puppe kann nun in der gleichen Stellung auf einen Karton geklebt werden, damit der Käfig für weitere Zuchten zur Verfügung steht. Noch besser ist es, gleich zu Beginn ein Packpapier an die Decke zu heften, welches dann abgenommen werden kann. Die Puppen sollten geschützt aufbewahrt werden, für Vögel sind sie ein Leckerbissen. Der frischgeschlüpfte Schmetterling scheidet eine blutrote Körperflüssigkeit aus, die gerne bleibende Flecken hinterläßt. Die freigelassenen Schmetterlinge legen nach der Paarung bald wieder Eier ab, und die Zucht kann neu begonnen werden. Raupen von Landkärtchen, C-Falter, Distelfalter und Admiral sind auch auf Brennesseln zu finden und in der Zucht ähnlich.

Nachtpfauenauge (Wilder Seidenspinner, Eudia pavonia) Schmetterling: Groß, schön gezeichnet, verbreitet, aber selten beobachtbar, denn er fliegt in der Dämmerung an nur wenigen Tagen im Jahr (April-Mai). Die größeren Weibchen hängen reglos an einer Pflanze und werden von vielen Männchen stürmisch umschwärmt, welche über große Entfernung angelockt werden. Hat man gezüchtete Weibchen, läßt sich das gut beobachten. Man setze sie gegen 16 Uhr an eine Hauswand oder Baumstamm und erwarte die anfliegenden Männchen. Eiablage: Die begatteten Weibchen werden in einen Papiersack gesetzt. Diesen gut verschließen und an der Sonne aufhängen. Die Eiablage von ca. 150-200 Stück erfolgt bald. Die Weibchen am folgenden Abend freilassen, damit sie den Rest der Eier ablegen können. Dieser Schmetterling lebt im Gegensatz zu anderen nur wenige Tage. Er nimmt keinerlei Nahrung auf, seine Mundwerkzeuge sind verkümmert, weil er sie nicht braucht. Die Eier auf dem Papier ausschneiden und in einem Behälter an einem hellen Ort ohne direkte Sonne aufbewahren. Gut geeignet sind Glace-Schachteln aus Plastik, in den Deckel ein Fenster schneiden und wieder mit sehr feinem Vorhangstoff verkleben. Einige immer wieder zu ersetzende Blätter von der Futterpflanze geben die nötige Feuchtigkeit. Raupen: Nach ca. drei Wochen schlüpfen die zuerst schwarzen, winzigen Räupchen aus. Sie beginnen sofort zu fressen. Nun sollte das Futter bereit sein. Gut bewährt hat sich die überall zu findende Salweide, möglich sind aber auch Blätter von anderen Weiden, Birken, Beerensträucher (wie Himbeere). Man bietet am besten das Futter an, welches in der Nähe in ausreichender Menge vorhanden ist. Gut beobachten, ob es auch angenommen wird! Später darf es auf keinen Fall mehr gewechselt werden, die Raupen können sonst eingehen. Der weitere Zuchtverlauf ist den vorstehend beschriebenen Arten gleich. Puppe: Nach 6-10 Wochen sind die Raupen fingerdick und ca. 8 mm lang. Sie wollen sich nun verpuppen. Es wird kein Futter mehr angenommen, und die Raupen wandern unruhig umher. Nun sollten sie zu wenigen in kleine Schachteln verteilt werden, damit sie sich beim

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Nachtpfauenauge

Einspinnen nicht gegenseitig behindern. Auch noch etwas Futter dazu geben. Die Raupen spinnen einen birnenförmigen, bräunlichen Seidenkokon mit einer kunstvollen Reuse, welche das Eindringen von Feinden verhindert. Nach zwei bis drei Wochen sind die Kokons ausgehärtet. Im nächsten Jahr werden aus den kleineren die Männchen, aus den größeren die Weibchen ausschlüpfen. Schmetterlinge, die nicht ausschlüpfen, können 1-2 Jahre in der Puppe überleben, wenn diese in dem Fliegengitterbehälter im Freien aufbewahrt werden. Überwinterung: Die Puppen müssen im Freien, wo sie Kälte, Wind und Wetter ausgesetzt sind, überwintern. Würde man sie an der Wärme behalten, wäre frühzeitiges Ausschlüpfen die Folge. Gut hat sich ein aus Fliegengitter gebogener, röhrenförmiger Behälter bewährt, der in einen Strauch gehängt wird. Schneidet man im März die Reuse mit einer Nagelschere ab, wird den Schmetterlingen das Schlüpfen erleichtert. Werden die Kokons zu trocken aufbewahrt, kann sich die Reuse verhärten. Die Puppen in den Käfig legen und das Schlüpfen abwarten.

Schwalbenschwanz (Papilio machaon L.) Einer der schönsten einheimischen Schmetterlinge, der als ein edler, selten gewordener Flieger an warmen und lichtvollen Sommertagen auftritt. Lebt über längere Zeit und ist standorttreu. Zwei, manchmal sogar drei Generationen pro Jahr. Eiablage: Paarung und Eiablage sind in Gefangenschaft nur unter bestimmten Bedingungen erreichbar. Hingegen kann man die Weibchen gut beobachten, wie sie an heißen Sommertagen suchend über den Garten fliegen und sich auf Doldengewächse wie Karotten, Fenchel, Liebstöckel, Dill setzen. Der Hinterleib wird dann nach unten vorne gebogen und ein gelblich grünes Ei an die Futterpflanze geklebt. Merkt man sich diese Stelle aus Distanz, kann das Ei gut gefunden werden. Wie schon oben beschrieben, weiter verfahren. Die Räupchen schlüpfen nach 8-14 Tagen.

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Schwalbenschwanz Raupe: Die auffallend gestreiften und gefärbten Raupen können auch oft einzeln an Doldengewächsen gefunden werden. Diese Raupe hat wenig Feinde. Beeinträchtigt wird sie durch schlechte Witterung und oft auch durch menschliche Unvernunft. Dem Schwalbenschwanz wie bei den vorigen Arten weiterzüchten, darauf achten, daß nicht zu viele Tiere in einem Käfig sind. Schwalbenschwanz-Raupen sind Einzelgänger. Puppe: Nach ca. einem Monat und 4--5 Häutungen verpuppt sich die ca. 6 cm lange Raupe. Sie hängt sich aufrecht mit einem Seidengürtel um den »Bauch<< an die Käfigwand. Nach dem Erhärten kann sie abgenommen werden und in gleicher Stellung am Seidenfaden mit Hilfe einer Nadel befestigt werden. Bereits nach 2-3 Wochen schlüpft die 2. Generation. Diese Schmetterlinge legen dann wiederum Eier ab. Die durchaus geschlüpften Raupen verpuppen sich noch im gleichen Jahr, überwintern dann aber als Puppen. Diese Puppen können wie beschrieben aufbewahrt werden, auf keinen Fall aber in einem geheizten Raum: die Falter schlüpfen sonst zu Weihnachten anstattim Mai! Durch Anlage und Gestaltung eines Gartens kann viel dazu beigetragen werden, Schmetterlinge anzulocken und am Ort zu halten. Viele Blumen sind wie »Schmetterlings-Treffpunkte<<, oft kann man über längere Zeit dort täglich die gleichen Falter antreffen. Bei der Pflanzenauswahl kann das Buch von W. Schäfer Hilfe leisten (s . Literaturverzeichnis) Weiterführende Literatur:

R. Steiner: Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes, Dornach, GA 230. W. Schäfer: »Zum Verständnis der Schmetterlingswelt• (besonders für Pädagogik und Naturpflege) Zbinden-Verlag, Basel 1984. Novak/Severa : Kosmos-Schmetterlingsführer. E. Friederich: Handbuch der Schmetterlingszucht, Kosmos. Sauers Naturführer : Raupe und Schmetterling nach Farbfotos erkannt (zu empfehlen), Fauna-Verlag, Karlsfeld. Insektenbörse, A. Kernen-Verlag, Husmannshofstr. 10, Postfach 10 20 43, 4300 Essen. (Mit Inseraten für Eier, Puppen, Schmetterlinge und Zuchtbedarf). Dieser Artikel, erweitert um eine Pflanzenliste, Bauanleitung für einen Raupenzuchtkasten und eine Raupengeschichte ist für 3,50 SFr. (zzgl. Porto) beim Verfasser zu beziehen: Peter Lange, Bachstraße, CH-8330 Auslikon.

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Ernst Schuberth

Zum Informatikunterricht an Waldorfschulen (VIII) Im vorangegangenen Beitrag wurde an einigen wenigen Dokumenten gezeigt, wie unter pädagogisch und sozial verantwortlich Denkenden mit Sorge die Frage nach den humanen Auswirkungen der neuen Technologien gestellt wird. Sie scheinen die Unbekannten in der Computer- und Mediengesellschaft der Zukunft zu sem. In dem sehr lesenswerten Buch von Klaus Haefner, >>Die neue Bildungskrise« (Basel1982) werden aus der absehbaren technischen Entwicklung Forderungen für einen notwendigen Wandel des Bildungswesens und der Gesellschaft abgeleitet. Probleme sieht Haefner vor allem dort, wo durch breite Vermittlung einer WertePluralität ein Abbau von Normen und Werten stattfindet, wo in wechselnden informationellen Umwelten Schwierigkeiten einer angemessenen Sozialisierung undangesichtsder Überlegenheit der Informationstechniken ein Verlust an Selbstwertgefühl entstehen (S. 166 f.). Geraten der Mensch und technische Systeme in Konkurrenzsituationen, so erwartet Haefner als Gefahr: »Tiefe Frustration wird diejenigen erfassen, die dieses >falsche< Bildungsangebot genutzt haben und dann eines Tages dem billigeren, schnelleren und wartungsfreien informationstechnischen System gegenüberstehen, welches bereits die Arbeiten ausführt, auf die sie sich selbst vorbereitet haben. Hier sind Entwicklungen zu erwarten, die viel gravierender sind, als z. B. Jugendprobleme wie Rauschgiftmißbrauch oder Hausbesetzungen.<< (S. 183) Er sieht voraus, daß Leistung als Basis von Selbstwert immer schwerer erbracht werden kann. Der traditionell erzogene Mensch gerät - selbst bei materieller Absicherung- in die Verunsicherung über sich selbst und seinen Wert. Er zieht die Folgerung: >>Für den Menschen heißt dies, daßer-mehr als je zuvor - sich selbst für sich selbst bilden muß. Will der Mensch als Mensch in den komplexen Systembezügen von Gesellschaft und Wirtschaft überleben, muß er in Zukunft mehr für seine persönliche Entfaltung tun. Die Zeit dafür wird ihm geboten, da die >entfremdete< Arbeit für die >Systeme< automatisiert werden kannaber wird er diese Option auch nutzen? Wird das Bildungswesen hier sinnvolle Angebote machen?« (S. 168) Ohne hier auf die Fülle abschätzender Details einer Zukunftsentwicklung eingehen zu können, läßt sich zusammenfassend sagen: Haefner vermittelt das Bild einer durch die Informationstechnik weitgehend bestimmten Lern- und Arbeitswelt, auf deren Beherrschung der junge Mensch geeignet vorzubereiten ist. Um in der so gezeichneten Umwelt sinnvoll leben zu können, muß er seelisch und in seinem Sozialverhalten stabilisiert werden. In dem Maße, wie die Maschine seiner Rationalität überlegen ist, kann er seine Potenzen für Gefühl und Sinnlichkeit im Dienste einer Selbstverwirklichung entwickeln. Nach Auffassung von Haefner wird nur ein »ganzer Mensch« eine Chance haben, die rasche Entwicklung der nächsten Jahrzehnte zu überleben. So informativ die Ausführungen Haefners sind, lassen sie viele wesentliche Fragen offen: 181

1. Ist menschliches Erkennen Informationsverarbeitung im Sinne deF Computertechnologie? Ist dies nicht der Fall, wie lassen sich die nicht formalisierbaren Intelligenzleistungen beschreiben und schulen? 2. Auf welchem Wege sollen die geforderten affektiven Bereiche gefördert werden? Welches Menschenbild steht im Hintergrund dieser Forderungen? 3. Kann nicht der Erwerb von Fähigkeiten für die Entwicklung des Menschen von Bedeutung sein, auch wenn diese in der Arbeitswelt keine Rolle mehr spielen? So ist bekanntlich die Bewegungserziehung durch die Ausbreitung des motorisier· ten Verkehrs nur notwendiger geworden. 4. Ist überhaupt die prognostizierte Entwicklung von der Zwangsläufigkeit, mit der sie gesehen wird? Zweifellos sind mögliche Entwicklungen weitgehend zuverlässig erfaßt, die Akzeptanz durch künftige Generationen erscheint nicht selbstverständlich. Hartmut Köhler weist in seinem Aufsatz >>Computer als Herausforderung - zur Sklavenarbeit? Fragen zur Computerwelt und möglichen Reaktionen durch allgemeinbildende Schulen« (MNU 1/1985, 38. Jahrg. Seite 19) auf die Selbstbewahrheitung von Behauptungen hin, wenn nur genügend viele Menschen die Behauptung wiederholen. Zweifellos haben wir es im Augenblick mit einer derartigen Entwicklung auch zu tun, die zwangsläufig nach einem gewissen Höhepunkt- soweit es die Erziehung betrifft- wieder abflauen wird, um zu erkennen, daß der Computer keine Lösung der Erziehungsprobleme bringen kann. Wenden wir uns den aufgeworfenen Fragen im einzelnen zu. Es war in den vorangegangenen Betrachtungen schon gezeigt worden, welcher Weg von einer inhaltlichen Urteilsbildung zum räumlich-zeitlichen Manipulieren mit Merkzeichen gegangen werden muß, um das Funktionieren eines Computers im Verhältnis zum menschlichen Denken zu beschreiben. An einem konkreten Beispiel aus der Praxis kann der Unterschied vielleicht noch einmal deutlich gemacht werden - ohne in den Begriffszusammenhang der Gödelsehen und Finslerschen Sätze einzutreten: Um bei einem Text, der in ein Textsystem eingegeben wurde, eine Korrektur vorzunehmen, wird ein Stück Text in der Nähe der zu korrigierenden Stelle erneut geschrieben. Die Maschine »sucht« dann die entsprechende Stelle und man kann korrigierend eingreifen. Lautet beispielsweise ein Satz » ... saß er, schrieb und sann. -Bald aber ließ ihn ... « und soll statt »Bald<< aus den schwer ergrundlichen Stilempfindungen eines Autors »Binnen kurzem<< stehen, so schreibt man ein Stück des ursprünglichen Textes und läßt es anzeigen. Würde man nur das Wörtchen »und<< eingeben, wäre es schwer, unter den vielen vorkommenden »Und<< das richtige rasch zu finden. Man wird also dazu neigen, größere Textstücke zu schreiben, damit die Textstelle eindeutig vom Automaten gefunden werden kann- so jedenfalls zunächst die Neigung eines Anfängers. Um Zeit zu sparen, ist es freilich ratsamer, ».- B<< einzugeben. Die erste Reaktion kann sein: Das kann doch der Computer gar nicht verstehen! Und in der Tat wer aus der Heiligen Schrift ».- B<< suchen sollte, würde wohl verzweifeln. Während der Mensch Begriffsinhalte und Bedeutungszusammenhänge in seinem Denken erfaßt, »prüft<< der Computer die Gleichheit von zwei Zeichenfolgen ohne jeglichen Inhalt. Auf das menschliche Leben übertragen würde dies etwa bedeuten, man sähe ein 182

Buch nur als eine Kombination von Symbolen, wobei qualitative Unterschiede außer in der räumlichen Anordnung der Symbole nicht erfaßt werden könnten. Goethes >>Faust« und die Seelenergüsse eines Jungmädchen-Buch-Schreibers stünden dann prinzipiell auf gleicher Stufe. Das heißt, daß die kombinatorischen Begriffe, die zur Kennzeichnung von Zeichenanordnungen benutzt werden, keinerlei Aussagemöglichkeiten über die Inhalte der Schriften haben. Selbstverständlich kann ein Computer charakteristische Symbolfolgen bei Goethe oder anderen finden, deren Wiederholung wahrscheinlich ist. Bedeutung können aber solche Gesetzmäßigkeiten erst haben, wenn sie mit inhaltlichen Begriffen durchdrungen werden. Im mitmenschlichen Verkehr würde das Computerverhalten bedeuten, nur das Räumlich-Zeitliche am anderen zu beobachten und durch das Bild der äußeren Erscheinung nicht zu seinem Inneren vordringen zu können. Insofern ist der Umgang eines Computers mit einem Text >>alle Menschlichkeit verachtend<<. Dies könnte uns unberührt lassen, wenn ich die informationstechnische Beherrschung menschlicher Ausdrucks- und Tätigkeitsformen voraussetzte, daß diese in der eben geschilderten >>menschenverachtenden<< Form analysiert werden müssen. Es müssen also Menschen bereit sein, menschliches Tätigsein unabhängig von einem Sinngehalt zu betrachten. Das früher gegebene fiktive Beispiel eines >>therapeutischen Gespräches<< (Folge 111) setzte eine solche Betrachtungsweise voraus. Derartige Gegenbilder eines menschlichen Kulturverhaltens können aber gerade den Sinn für das eigentliche Menschliche wachrufen. Steht uns ein bloßer Gegenstand gegenüber, so begreifen wir ihn, indem wir denkend uns über seinen Sinn und seine Bedeutung klarwerden. Spricht zu uns ein Mensch, so finden wir den Quell, der in uns sinngebend die Dinge erfaßt, in dem Gegenüber. Er geht nicht auf in·dem, was sich unseren Augen und Ohren unmittelbar darbietet, sondern in dem unmittelbar Dargebotenen offenbart sich ein mittelbar Gegebenes, dem gegenüber wir nicht nur denkend tätig werden müssen, sondern wo wir unser Denken zu einem Wahrnehmungsorgan umzugestalten haben, d. h. wir müssen das Denken des anderen Menschen in unserem Denken aufleben lassen. Dieser Wechselverkehr menschlichen Austausches, der ständig das äußerlich Gegebenedas letztlich doch nur Wasser, Kalk, Kohlenstoff usw. ist- überwindet, um in unserem Inneren e~n unserer Innerlichkeit Wesensverwandtes aufleben zu lassen, charakterisiert die Einmaligkeit der mitmenschlichen Erfahrung im Gesamtumfang unserer Wahrnehmungen. Nennt man das Anschauen-Können von Begriffen, >>Bedeutungsgehalten«, >>Sinngehalten« Intuition, so kann man sagen: durch Intuition kennzeichnet sich mir die eigene und mitmenschliche Erkenntnisfähigkeit. Dieses intuierende Leben in Sinngehalten ist mit aller Schärfe von der kodifizierten Form von Wissen in Zeichenketten und «grammatikalischen Regeln« zu unterscheiden. Wohl hat man Stilelemente von Hölderlin und Mozart, nachdem diese stilschaffend tätig gewesen waren, dem Comupter eingegeben und neue »Werke« schaffen können- aber eben erst im Nachherein. Kein Computer schreibt die Lyrik des nächsten Jahrhunderts uns im voraus, keiner sagt uns, welche Erfindungen in den nächsten Jahren zu erwarten sind. Dies wird den Computern so wenig wie der Expertenkommission gelingen, die in den 183

30er Jahren für den Völkerbund die wesentlichen neuen Erfindungen voraussagen sollte. Es war keine der wirklich umwälzenden Erfindungen dabei. So kann man sagen: Hat menschliches Erkennen Gesetzmäßigkeiten erlaßt oder menschliches Handeln Gesetzmäßigkeiten erhalten, so kann der kodifizierte Bestand vom Computer übernommen und zu unerwarteten Kombinationen weiterentwickelt werden. Es wird aber im wesentlichen Vergangenheit in die Zukunft hinein prolongiert - eines der Hauptprobleme künftiger Computerkulturen, in denen ständig Entscheidungenaufgrund einmal gefällter Urteile (die als Bedingungen in dem Programm enthalten sind) durchgeführt werden. Ist die betroffene Wirklichkeit durch Naturgesetze bestimmt derart, daß ein gleiches Ursachengefüge gleiche Folgen zeitigen soll, so ist dies etwa bei der Steuerung eines Produktionsvorganges oder eines Satellitenstartes weitgehend gleichgültig. Wirken aber solche » Vergangenheitsmuster« in den menschlichen Sozialverkehr hinein, der aus dem lebendigen Wahrnehmen immer wieder einmalige Situationen entwickeln sollte, so führt das zu einer verheerenden Entfremdung. Alle Bemühungen, Richtertätigkeiten, ärztliche Diagnosen, therapeutische Gespräche, musikalische Interpretationen usw. aufgrund eines in der Vergangenheit erarbeiteten Regelsystems festzuschreiben, trifft menschliche Entscheidungsfähigkeit aus der >>Geistesgegenwart<< im Kern. Der Drang, soziales Geschehen nach dem Muster naturwissenschaftlicher Zwänge zu erfassen und zu verwalten, ist die eigentliche Gefahr einer Gesellschaft, die ihre Denkformen an der Informationstechnik geschult hat. Durch die >>Materialisierung« menschlicher Intelligenzleistungen kann gerade der Blick auf die immer neue Quellkraft menschlichen vorsprachliehen Denkens bewußter gerichtet werden. Man kann erleben, daß das Denken eine eigene Inhaltlichkeit besitzt, für die alles in Zeichen Dargestellte nur hinweisenden Charakter hat. Der - man könnte fast sagen - Legitimationdruck, welcher von den neuen Technologien auf den Menschen ausgeht, wird nur abzufangen sein, indem der Blick menschlichen Denkens über das gegenständlich Gegebene hinauszugreifen vermag und nicht nur der Leere blasser Abstraktionen begegnet, sondern die Geistigkeit findet, in der sein eigenes Wesen urständet. In den weiteren Betrachtungen soll auf die noch nicht aufgegriffenen Aspekte der oben gestellten Fragen eingegangen werden.

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»Das Aussäen des pädagogischen Impulses« Zum 80. Geburtstag von Rudolf Grosse

Am 16. März vollendet Rudolf Grossesein 80. Lebensjahr. Das festliche Ereignis gibt Anlaß, auf sein langjähriges Wirken als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und als Leiter der Pädagogischen Sektion am Goetheanum zurückzuschauen. Die im Bund der deutschen Waldorfschulen zusammengeschlossenen Schulen möchten dem Pionier der pädagogischen Bewegung den herzlichen Dank sagen für seine in der Erziehungskunst erwiesene Meisterschaft. In den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg, als das stürmische Wachstum der Schulbewegung begann, ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Rudolf Grosse erwachsen. Die Stationen der gemeinsam zurückgelegten Wegstrecke tauchen in der Erinnerung auf: eine lange Reihe von Lehrertagungen in Dornach und in Stuttgart und die Begegnungen im Haager Kreis, an dessen Beratungen Rudolf Grosse seit den 70er Jahren teilgenommen hat. Höhepunkte treten hervor: die Lehrertagung am Goetheanum, die Ostern 1971 erstmalig Mitglieder der internationalen Schulbewegung und der heilpädagogischen Institute mit Vertretern der Christengemeinschaft und Ärzteschaft zusammenführte, um das Thema >>Inkarnation und Schicksalsfindung des jungen Menschen im 20. Jahrhundert<< zu bearbeiten; und dann die Neujahrstagung 1979 in Stuttgart, die an der Schwelle des zweiten Jahrhunderts michaelischer Zeitgeist-Inspiration und ein Menschenalter nach dem Wiederbeginn der pädagogischen Arbeit in Deutschland den Zugang zu den spirituellen Quellen der anthroposophischen Pädagogik neu erschließen und die Bildung eines Weltschulkollegiums impulsieren wollte. Wenn in solchen Begegnungen die Empfindungen zusammenklangen, wurde die Erkenntnisbasierung der Gemeinschaft zum Erlebnis; und daranhat Rudolf Grosse entscheidenden Anteil. Unvergessen sind seine großangelegten, aus umfassender Kenntnis von Rudolf Steiners Lebenswerk geschöpften Darstellungen; die durch wache Willenshaftigkeit sich auszeichnenden Einschläge in das Rundgespräch; die Frische und Plastik anekdotischer Beiträge, Geschenke einer spirituell durchdrungenen pädagogischen Erfahrung. Was sich so impulsierend mitteilte, war- wie es im Titel seiner Selbstbiographie heißt - >>Erlebte Pädagogik<<, errungen im Schicksalsgang und auf dem Geistesweg einer schöpferischen Individualität; es war Lebenspädagogik, wie sie Rudolf Steiner charakterisiert als >>eine unmittelbar aus dem Leben heraus geschöpfte Pädagogik<<, Mitteleuropa aufgegeben als >>welthistorischer Beruf<<. Das Erinnerungs- und Schicksalsbuch >>Erlebte Pädagogik<<, das Rudolf Grosse zum 50-Jahr-Jubiläum der ersten Waldorfschule veröffentlicht hat, zeigt einen Entwicklungsweg, der mit der anthroposophischen Pädagogik von Jugend an verbunden ist. Der Zürcher Gymnasiast erwirkte den Eintritt in die zehnte, damals 185

oberste Klasse der Waldorfschule in Stuttgart. Dort wird er Schüler der von Rudolf Steiner berufenen Lehrer. Lebensbestimmend ist die erste Parzivalepoche, die der Geschichtslehrer Walter Johannes Stein im Januar 1923 gibt. Rudolf Steiner hospitiert im Unterricht und greift in das Lehrgespräch ein. Seine Hinweise haben schicksalhafte Wirkungen für die Gralsforschung des Lehrers und die Lebensorientierung des Schülers. Grosse schreibt: >>Diese eine Unterrichtsstunde hatte eine das ganze Leben hindurch fortwirkende innere Belehrung, sie versank in den Seelentiefen, sie tauchte aus ihnen wieder auf, aber immer deutlicher von der Zweiheit sprechend, von jener Artusritterschaft, welche nach der Ordnung des Ich die Seelenkräfte bändigt und harmonisiert, und von jener anderen, der Gralsritterschaft, die aus der Kraft des Wortes, des Logos heraus, eine neue Menschengemeinschaft aufbaut.« Geistesschulung und Gemeinschaftsbildung stellen sich dem Achtzehnjährigen als Lebensaufgabe. Zwei Monate nach diesem Unterrichtsbesuch wurde zum erstenmal die Opferfeier gehalten. Als Schüler des Freien Religionsunterrichtes nahm Grosse daran teil. Auf die Anfrage einer Schülerirr der 11. Klasse hatte Rudolf Steiner diese kultische Handlung den drei anderen mit dem Freien Religionsunterricht verbundenen Handlungen hinzugefügt. Aber noch in einer anderen Richtung wurden die Schüler der 11. Klasse aktiv. Ein Freundeskreis richtete eine Resolution an die Anthroposophische Gesellschaft, daß »ein freies Hochschulwesen« 'anzustreben sei. »In einer freien Hochschule muß aus anthroposophischem Geiste seine Fortsetzung finden, was mit der Waldorfschul-Erziehung begonnen wurde.<< An die. sem kühnen, die Zukunft antizipierenden Vorstoß war Grosse beteiligt. Am Ende ihrer Schulzeit- Ostern 1924 - erbat die Klasse eine Berufsberatung von Rudolf Steiner. Bei dieser Gelegenheit brachte Grosse den dezidierten Wunsch vor, Lehrer an der Waldorfschule zu werden. Rudolf Steinergab den Rat, Vorlesungen über Philosophie und Literatur zu belegen und gleichzeitig in den vier untersten Klassen zu hospitieren. Mentorirr wurde Caroline von Heydebrand. Außerdem war Gelegenheit, in der Hilfsk.lasse von Karl Schubert zu famulieren. Im September 1924 rief Rudolf Steinerden Neunzehnjährigen nach Dornach, weil er ihm eine heilpädagogische Aufgabe zugedacht hatte. So wurde die Heilpädagogik die Grundlage eines Lebens, das dann in die Tätigkeit eines Klassenlehrers einmündete. Mit einundzwanzig Jahren wird Grosse Lehrer an der neugegründeten Rudolf Steiner Schule in Basel, wo er drei Jahrzehnte bis zu seiner Berufung in den Dornacher Vorstand gewirkt hat.

Rudolf Grosse ist der erste Waldorfschüler, der »Rudolf-Steiner-Leh.rer« geworden ist, vom Geisteslehrer selbst auf die Bahn der Ausbildung und Entwicklung gebracht. Sein Leben, das in bemerkenswerter Geradlinigkeit verläuft, führte ihn schon früh in die Goetheanum-Landschaft. Dort ist er innerlich und äußerlich beheimatet. Schon als Schüler Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft geworden, konnte er noch an den Vorträgen teilnehmen, in denen Rudolf Steiner die Ergebnisse seiner Schicksalsforschung ausgebreitet hat. Sie regten Grosse zu einem sich ständig erweiternden Studium an, aus dem seine schriftstellerischen 186

Arbeiten und die vielseitige Vortragstätigkeit hervorgingen. Als er 1956 in den Dornacher Vorstand eintrat, in dem noch Albert SteHen und Guenther Wachsmuth wirkten, erweiterten sich die Lebenskreise. Die Aufgabe der Lehrerbildung, die regelmäßige Seminararbeit in Skandinavien, die Leitung der Sektion für das Geistesstreben der Jugend kamen hinzu- und seit 1966 das Amt des Vorsitzenden der Anthroposophischen G~sellschaft und zugleich die Leitung der Pädagogischen Sektion. Wer nach dem verbo.rgenen Lebensquell dieser weitverzweigten Tätigkeiten suchte, konnte die gestaltende Kraft bemerken, die aus der Wesensbeziehung des Geistesschülers zum Geisteslehrer fließt. Aus dieser Quelle stammt auch das Buch über >>Die Weihnachtstagung als Zeitenwende«, in dem Grosse das menschheitliche Handeln der fortwirkenden Geist-Individualität Rudolf Steiners zeigt. Ein Buch, das zum Erkenntnis-Schlüssel für die spirituelle Grundsteinlegung der Waldorfschule werden kann. In seinem Lebensrückblick spricht Rudolf Grosse von der »Dankbarkeit dafür, wie sehr das Schicksal das Aussäen des pädagogischen Impulses aufgenommen hat.<< Auch die deutsche Schulbewegung empfindet eine solche Dankbarkeit für das Aussäen des pädagogischen Impulses. Die Saatfrüchte gehen auf, die Rudolf Grosse in so reichem Maße hingeschenkt hat. Das empfangene Gut zu .entfalten, wird der tätige Dank der Schulbewegung sein. ]ohannes Tautz

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Literaturhinweise- Buchbesprechungen Berliner Arbeitervorträge Rudolf Steiners Rudolf Steiner: Über Philosophie, Geschichte und Literatur. Darstellungen an. der Arbeiterbildungsschule und der Freien Hochschule in Berlin 1901 bis 1905. 360 Seiten, Leinen, DM 44,50. Rudolf Steiner Vedag, Dornach 1983. »Von dieser Stunde an wußten wir: hier war etwas zu lernen. Nur um zu lehren, ließ er sein ~.berlegenes Wissen spüren. Es war keinerlei Uberheblichkeit an ihm. Er sprach mit innerlicher Wärme und erfüllt von dem Stoff und seinem Wort, und so ging mühelos das Wort seinen Hörern ein, die gebannt von seiner Persönlichkeit die Ohren spitzten und ihm folgten.« Mit diesen Worten erinnert sich A. A. Rudolph'' - ein damaliges Mitglied der von Wilhelm Liebknecht begründeten Arbeiterbildungsschule in Berlin - an den 1899 erfolgten Beginn der Lehrtätigkeit Rudolf Steiners an dieser Schule. Von den dort gehaltenen Vorträgen hat sich nicht sonderlich viel in Form von schriftlichen Aufzeichnungen erhalten. Was auf diese Art festgehalten wurde und bisher nur verstreut zugänglich war, liegt jetzt in Band 51 der Gesamtausgabe vereinigt vor. Als erstes eine von Rudolf Steiner selbst angefertigte Zusammenfassung von 10 Vorträgen über »Welt- und Lebensanschauungen von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart.« Diese Vorträge können für den heutigen Leser eine aufschlußreiche Ergänzung zu dem Buch >>Die Rätsel der Philosophie« darstellen, denn der Zugang zum Thema ist jeweils ein anderer. Für die am Marxismus geschulten bildungs- und wissensdurstigen Arbeiter spricht R. Steiner in sehr scharf umrissenen Begriffen, die zum Mitdenken anleiten und verweist dabei immer wieder auf sozialgeschichtliche Bezüge: So wird bei der Besprechung der Sophistik auf die zeitgleiche Lockerung der sozialen Gefüge der griechischen Staatsverbände hingewiesen; der platonische Staat wird als »ein kommunistischer Staat, aber mit einer streng aristokratischen Ständegliederung» (S. 36) charakterisiert, oder es wird betont, daß man zum Verständnis der griechischen Kultur nicht vergessen darf, »daß sich diese Kultur auf der Grundlage der Sklaverei aufbaute.« (S. 41). '' Johanna Mücke, Alwin A. Rudolph: Erinnerungen an Rudo!f Steincr und seine Wirksamkeit an der Arbeiterbildungsschule in Berlin 1899-1904.2. Auflage, Basel1979.

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Die von Johanna Mücke ausgeführten Aufzeichnungen eines Vortrags über Shakespeare zeigen, wieSteiner bei Shakespeare dessen Charakterdarstellungen als das Entscheidende anspricht. Shakespeare ging es nicht um die Veranschaulichung von Ideen, sondern um die Bildung konkreter, bestimmter Charaktere, hinter denen der Dichter völlig zurücktreten wollte. Wie schon die philosophiegeschichtlichen Autoreferate, so sind auch eine erhaltene Vortragsmitschrift »Über römische Geschichte« und 10 Vorträge zur »Geschichte des Mittelalters bis zu den großen Erfindungen und Entdeckungen« sowohl eine zumeist knappe, aber hinweisreiche Einführung ins Thema, als auch faszinierendes historisches und biographisches Dokument. Vor den Arbeitern spricht Rudolf Steiner immer wieder deren latente oder auch ausdrückliche Fragestellungen an: Wie verhalten sich die Besitzverhältnisse zur geistigen Kultur? Wo ist eine matc;rialistische Geschichtsbetrachtung am Platz, wo ist sie verfehlt? etc. Zugleich enthalten diese Vorträge für den Pädagogen eine Fülle von Hinweisen, nicht zuletzt darauf, was wichtig ist und klar dargestellt werden muß für ein Verständnis der geschichtlichen Zusammenhänge, oder was als unnötiger Wissensballast abgeworfen werden kann. Über die behandelten Themen informieren die Inhaltsangaben zu Beginn des Bandes. Der zweite Teil des Buchs druckt die Aufzeichnungen von zwei Vortragsreihen ab, die Steiner an der Freien Hochschule in Berlin im Wintersemester 1904/05 hielt: »Platonische Mystik und Docta ignorantia« und »Schiller und unser Zeitalter«. Unter dem erstgenannten Titel findet man u. a. die hilfreichsten Erläuterungen dazu, wie die frühchristlichen Mystiker das Wesen der Trinität begriffen, oder wofür bei ihnen bestimmte Ausdrücke, z. B. der der »unbefleckten Empfängnis«, standen. Die Schiller-Vorlesungen können dem, der sich auf sie einläßt zur beglückenden Freude werden. Sie sind schlicht und einfach in ihrer

Diktion, lassen dabei aber den Leser immer wieder in ein großes. Staunen verfallen. Hier ist insbesondere die Betrachtung der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller zu nennen, die mit den Worten schließt: >>Und Wahrheit suchten sie beide: Schiller zunächst im Herzen des Menschen, Goethe in der ganzen Natur.« Über solche Sätze liest man heute nur zu leicht hinweg, aber wer hören will, der hört hier Anklänge an zwanzig Jahre später vom Krankenlager aus Geschriebenes (GA 26, S. 101 ff.). Die dritte, als »Anhang<< bezeichnete Abteilung des Bandes bringt »Diskussionen und Vorträge Rudolf Steiners im >Giordano Bruno.Bund für einheitliche Weltanschauung< im Jahre

1902<<. Hier findet man von Rudolf Steiner Gedanken ausgesprochen, die man als teilweise geradezu herausfordernde Ergänzung zu seinen erkenntnistheoretischen Schriften wird lesen können: Die Wahrheit, die befruchten will, ( ... ) wird immer das Bild der Tatsachenfanatiker fälschen müssen.<< Oder: »Die Frage nach der Gültigkeit der Weltanschauung (ist) vor dem Forum des Lebens, nicht vor dem Forum der Erkenntnis zu entscheiden.<< Solche Sätze können beim Leser Denkbewegungen in Gang bringen, die schließlich auch diesen Teil des Buches zu einem wichtigen Arbeitsmittel werden lassen. Valentin Wemher

Historische Miniaturen Maria ]osepha Krück-von Poturzyn: Im Brennpunkt der Geschichte I und //. OghamBücherei Bd.14 und 15. Geb., 98 und 85 S., jeweils DM 12,80. Ogham-Verlag, Stuttgart 1983 und 1984. Im Ogham-Verlag Stuttgart, vor einigen Jahren von Martin Sandkühler ins Leben gerufen, erscheint unter dem Titel »Ogham-Bücherei« eine bemerkenswerte Reihe. Die Bändchen sind im Format 11,5X15,5 cm einheitlich gestaltet: 70 bis 120 Seiten stark mit festem farbigen Einband. Neben Gebets- und Spruchsammlungen, Legenden und Erzählungen finden sich auch so ausgefallene Titel wie der über das balinesische Schattenspiel und lyrische Tagebuchaufzeichnungen von einer Indien-Reise. Zwei Bändchen versammeln unter dem Titel »Im Brennpunkt der Geschichte<< »historische Miniaturen<< von MariaJosepha Krück-von Poturzyn. Es handelt sich um Gestaltungen ganz unterschiedlicher Themen, die jeweils auf wenigen Seiten meist schlaglichtartig an einem bestimmten Vorkommnis eine Situation aus der Geistesgeschichte lebendig werden lassen. Meisterhaft wird z. B. die Begegnung Alexanders des Großen mit den ägyptischen Mysterien geschildert- aus der Sicht der zwischen Entsetzen und Bewunderung schwankenden Priester. Die Szene ist so stimmig in sich, daß es völlig irrelevant ist, ob sie wirklich so stattgefunden hat (was man in diesem Fall natürlich nicht mit

archäologisch-historischem Faktenmaterial überprüfen kann). Die Autorin verfügt über die erstaunliche Fähigkeit, ihr auf dem Hintergrund der Anthroposophie verarbeitetes historisches Wissen lebendig einfühlend ins Bild zu bringen. Was in ihren großen Arbeiten wie »Der Prozeß gegen die Templer<< und »Die Sendung des Mädchens Jeanne d'Arc<< zu umfassenden facettenreichen Zeitgemälden verdichtet ist, wirkt hier wie skizzenhaft angelegt, in Momentaufnahmen festgehalten. Dabei kann durchaus die moderne »wissenschaftliche<< Skepsis etwa gegenüber . einer Erscheinung wie der heiligen Odilie, der Schutzheiligen des Elsaß, als Kontrast mit einfließen- nur um noch deutlicher zu machen, wie nötig Einfühlung und Offenheit für Atmosphärisches zu einer wirklich anschaulichen Darstellung, die dann auch das Geschehen zwischen Daten und Fakten mit einfängt, sind. So eignen sich die hier versammelten kleinen historischen Erzählungen zum großen Teil auch zum Vorlesen oder Nacherzählen etwa im Geschichtsunterricht der Mittelstufe. Alles in allem - eine Entdeckung, zu der man dem Verlag, wie auch zu der ganzen Reihe, nur gratulieren kann. Arnu/f Bastin

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Die Vorträge des »Kongresses zur Völkerverständigung« »Europa und sein Genius . .: Vorträge am »Kongreß der Völkerverständigung in Witten.: 1983. 184 S., kart., DM 21,-. Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum, Dornach 1984. Ende Oktober 1983 fand in .Wirten an der Ruhr, der »Stadt der ersten Freien Universität«, eines Seminars für Waldorflehrer, einer Waldorfschule, aber auch Stätte der >>Wittener Tage der neuen Kammermusik« und des >>Philharmonischen Jugendorchesters«, ein Kongreß statt mit dem Titel >>Europa und sein Genius. Die Volksseelenkunde der Anthroposophie - ein Beitrag zu einem schöpferischen Frieden.« Von manchen Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft wurde der Plan zu diesem Kongreß skeptisch beurteilt. Wenn man den jetzt als Buch herausgegebenen Mitseimirr der dort gehaltenen Vorträge liest, kann man das auch verstehen; doch hat die Wirklichkeit der vier Tage den Veranstaltern rechtgegeben: Es gab viel mehr Anmeldungen als Plätze, schließlich kamen 1100 Teilnehmer zusammen, davon ein Drittel Studenten und Jugendliche. Unter ihnen waren viele aktive Mirarbeiter der Friedensbewegung, die hier nach gedanklicher Vertiefung ihrer Gefühls- und Willensrichtung suchten. Je nach ihrem goodwill gewannen viele in einzelnen Vorträgen und den daran anschließenden Seminaren Erkenntnisse, die zu neuen Einsichten führten. Hinzu kamen künstlerische Veranstaltungen mit hohem Niveau: Eine EurythmieAufführung und ein Violinkonzert, die das Erlebnis einer differenzierten Seelenstimmung vermittelten, und vor allem natürlich Begegnungen und Gespräche der Teilnehmer untereinander, die mithalfen, eine Verbindung zur aktuellen Situation herzustellen, die für manche in der Überfülle geisteswissenschaftlicher Mitteilungen nicht erkennbar wurde. Manchen Lesern der gedruckten Vorträge mag das ähnlich ergehen, zumal ihnen die Ergänzung durch die anschließenden Seminare fehlt. Diese konnten nur mit ihrer Thematik und den Namen der Gesprächsleiter genannt werden. In einem Vorwort wird zwar der Verlauf der Tagung geschildert, dabei aber ihr Initiator und Vorbereiter, Ernst Wilhelm Neuhöfer, nicht erwähnt. Dieser hat das als Veranstalter genannte >>Freie Volksbildungswerk für anthroposophisch orientierte Menschenkunde, Pädagogik, soziale Lebensgestaltung und Kunst e. V.«, Bochum, gegründet und ist dessen Ge-

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schäftsführer. Aus dieser Tätigkeit heraus war er die eigendich treibende Kraft, führte die aktiv Beteiligten zusammen und schuf die Verbindung zur Stadt Wirten. Die Anonymität bei der Nennung des >>Volksbildungswerkes« als Veranstalter ist ein auffallendes Versäumnis und wirkt in einem anthroposophischen Verlag besonders unverständlich. Der Wunsch nach Veröffentlichung der Kongreßvorträge sei von den Besuchern ausgegangen, berichtet der Herausgeber Heinz Eckhoff im Vorwort. Man kann sich fragen, wie es denen mit den gedruckten Texten ergehen wird. Die Lektüre der Vorträge Rudolf Steiners hat ja sehr viele Menschen daran gewöhnt, den Unterschied zwischen gesprochenem und geschriebenem Wort kaum mehr wahrzunehmen, ganz im Gegensatz zu Steiner selbst, der es als sehr schmerzlich empfand und wiederholt als Mangel betonte, daß er seine Vortragstexte nicht für den Druck bearbeiten konnte. Im vorliegenden Buch hat man nun auch die vor etwa 1100 Menschen in einem gro-· ßen Saal gesprochenen, unmittelbar an ihre Empfindungen appellierenden Ausführungen vor sich. Die zwischen Sprechendem und Hörenden entstehende Gemeinsamkeit fehlt. Was von manchen, durchaus auch positiv urteilenden Teilnehmern geäußert wurde: es sei zu »insiderhaft<< gesprochen worden, fällt naturgemäß im Buch noch stärker auf. Für wen die Begriffe »Volksseele<<, >>Zeitgeist<<, »Kulrurepoche<<, >>Empfindungs-, Verstandes-, Bewußtseinsseele<< nichts Konkretes bedeuten, der wird gelegentlich ratlos oder unbefriedigt bleiben. Doch sind manche Beiträge sehr anregend und uneingeschränkt verständlich, so etwa >>Finnland als Brücke<< von Reijo Wilenius, Professor der Philosophie und Vorsitzender des Finnischen Friedensrates, der dem negativ gemeinten Begriff des >>Finnlandisrnus<< überzeugende Schilderungen von menschlichen und sachlichen Begegnungen zwischen Finnen und Russen entgegenhält. Damit gibt er ein anschauliches Beispiel für die Notwendigkeit, Völker, mit denen man Frieden halten und sich verständigen will, zunächst einmal wirklich kennenzulernen. Dabei bringt er selbst manche neue Farbe in das Bild, das man im allgemeinen von seinem Lande hat.

In ganz anderer Weise gegenwartsnahe erscheint Stefan Lebers Beitrag, zu dessen besonderer Aktualität er unmittelbar vor dem Vortrag aufgefordert worden war. Seine Darstellung der Dreigliederung des sozialen Organismus, wirkungsvoll abgehoben von der Ideenlosigkeit derzeitiger Weltpolitiker und überzeugend unterbaut durch Rudolf Steiners Forderungen an die Pädagogik der Schulen, ist wohl einer der hervorragendsten Beiträge des Bandes. Demgegenüber erscheint der Abdruck des Vortrages über >>Das Schicksal Rußlands und seine zukünftige Kultur« von Peter Tradowsky problematisch. Mit dem Ansatz »Rußland als Träger der sechsten Kulturepoche« macht er Voraussetzungen, die demjenigen, der nicht mit Rudolf Steiners geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen vertraut ist, kaum wirklich verständlich werden können, zumal wenn dann die geschichtlichen Wandlungen und Bewußtseinsstufen interpretiert werden und schließlich die Möglichkeiten zu einem anderen Verlauf der russischen Geschichte, erläutert an Schillers Demetrius-Fragment, behauptet wird. Das ist aber auch nicht mit Rudolf Steiners Geschichtsverständnis zu vereinbaren, der z.B. in den Vorträgen über »Geschichtliche Symptomatologie<< (GA 185) von »tragischer Notwendigkeit<< u. ä. spricht. »Cum crano salis<< genommen, sind Tradowskys Ausführungen verständlich und interessant, doch wem das Körnchen Salz fehlt, der mag sich einigermaßen ratlos fühlen vor aem Riesenpanorama, das ihm da entwickelt wird. Dabei mag es manchem auch unbehaglich werden angesichts der Sicherheit, mit der dieser Darstellung ganz naiv einseitige politische Ansichten zugrundegelegt werden. Allerdings geben eine Reihe von Hinweisen auf ergänzende und weiterführende Texte Hilfen zu eigener Orientierung. Ein Stück Geistesgeschichte unter interessanten Aspekten geben Gerard Klockenbrings Schilderungen bedeutungsvoller Stätten und Persönlichkeiten als »Beitrag Frankreichs zur Aufgabe Europas<<, Wärme und Lebendigkeit der Erzählung mögen ausgleichen, was an Kenntnis z. B. des »keltischen Christentums<< vorausgesetzt wird. Friedrich Oberkoglee ent-

wickelt den Begriff der Freiheitsmöglichkeit des Menschen an Schillers Wilhelm Tell, wobei die großen gesprochenen Zitate im Vortrag wohl eine stärkere Wirkung hatten. Auf der unmittelbaren Wirkung des gesprochenen Wortes basieren auch die Beiträge von R)ldolf Grosse »Das weiße Kreuz im roten Feld<< und Heinz Eckhciffs »Die Volksseelenkunde der Anthroposophie- eine Grundlage für eine zeitgemäße Völkerverständigung<<. Thematisch etwas herausfallend, dafür aber höchst interessant und sorgfältig redigiert erscheint der Beitrag von Manfred K.lett »Zum Verständnis europäischer Kulturlandschaften<<. Im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft sind die in langen Geschichtsepochen herausgebildeten »individuellen<< Landschaften der europäischen Völker mehr und mehr nivelliert. K.lett äußert: »Die Tragik der heutigen Landwirtschaft offenbart sich vor allem darin, daß der Bauer nach Methoden handelt, die er selber gar nicht erdacht hat. Er ist weitgehend ausführendes Organ ei. ner ihn bestimmenden Intelligenz in Wissenschaft und Industrie.<< Den Ausweg aus dieser Situation deutet er mit dem Ausspruch eines Landwirts an: »Ich bin ein Virtuose im Anbau von Weizen, Gerste, Zuckerrüben und Raps, alles andere entzieht sich meiner Kenntnis. Morgens gehe ich in meine >Fabrik<, das ist der Hof, nach Feierabend gehe ich nach Hause, gehe in meinen Garten, mache Kompost und ·bin Mensch.<< Dieses bäuerlich-menschenwürdige Dasein läßt sich mit der aus Angaben von Rudolf Steiner entwickelten biologisch-dynamischen Landwirtschaft neu begründen, wenn ihm verständnisvolle Helfer zur Seite stehen. Eine sanft überzeugende, friedliche Gesinnung teilt sich hier auch noch dem Lesenden mit. Einen starken Eindruck hat Friedeich Beneschs großer Sonntag-Vormittagsvortrag »Der Genius Europas und der Christus-Impuls<< hinterlassen. In der gedruckten Form scheint er recht viel an geisteswissenschaftlichen Begriffen vorauszusetzen, doch mag es den Lesern damit unterschiedlich gehen. Auf jeden Fall sind seine Gesichtspunkte notwendig im Rahmen eines Kongresses zur Völkerverständigung und einer Zusammenkunft im Geiste des Friedens. Ruth Moering

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Rhodesien - Zimbabwe Die Geschichte einer inneren Wandlung Alec Smith: »Now I call him Brother-r. The rebel son of !an Smith tells his extraordinary Story. Marshall Paperback, 1984. Ja, eine außerordentliche Geschichte~ die m!t den recht gewöhnlichen Erlebnissen emes reichen Jungen auf einer afrikanischen Farm. beginnt. Und doch enthält der sc~male Ban~ emen Einblick in die Geschichte Afnkas und die Entwicklung eines der schönsten Länder der Erde von weißer Vorherrschaft zur Demokratie, in die Herzenswandlung seiner schwarzen und weißen Bürger, wie sie selten erfahrbar ist. Wir schauen auf die Karte Afrikas und sehen den Namen Zimbabwe, wo früher Rhodesien stand. Alec Smith gibt uns einen Schlüssel in die Hand, diese Wandlung zu verstehen. Er kam persönlich nach Edinburgh, um über seine Bekehrung zu sprechen, denn sein Weg zu Christus ermöglichte die politische Umkehr seines Vaters, ohne die der Weg zur Freiheit für die Schwarzen unmöglich so rasch hätte gefunden werden können. Alec darf als Kind mit den Söhnen der Landarbeiter spielen, doch im Hause kennt er Schwarze nur als Diener. Seine idyllische Situation änden sich mit dem Umzug nach Salisbury, wo sein Vater zum Prime Minister erklärt wird. Von heute auf morgen verliert Alec seinen Namen, er wird nur noch »Ian Smith's son« genannt, und mit seiner Identität verliert er seine Freunde. Sie ziehen sich zurück, und Opponunisten schmeicheln dem Schuljungen, verführen ihn mit Alkohol und Drogen, ruinieren seine Laufbahn. In der weitläufigen Residenz

können wilde Panys stattfinden, ohne daß die Eltern es merken. Die Hippie-Welle erreicht Afrika und zieht den jungen Mann in einen Rausch von Musik, Alkohol und Drogen. Der Bruch mit der Familie ist unvermeidlich. Die Disziplin der Wehrmacht erzeugt in ihm einen Haß, den er auf seinen LSD-Trips zu vergessen sucht. Bis zu diesem Punkt dreht sich das Buch nur um Alec, doch vom 10. Kapitel an veränden sich der Stil, das Tempo und der Inhalt. Es geschieht das Wunder einer Bekehrung im klassischen Ruf nach einer völligen Umkehr. Ehrlich schildert Alec wie er alles versuchte, diesem Ruf auszuweichen, bis er den großen Hasser Anhur Kanodereka trifft, der sein Leben dem Kampf gegen die Weißen widmete, bis er in diesem Sohn seines Erzfeindes den Bruder entdeckt. Ein zweites Wunder: Ian Smith empfängt den Schwarzen im eigenen Haus und erklän danach: >>Wenn alle schwarzen Nationalisten so sind wie er, dann kann ich das Land morgen übergeben.« Es steht noch ein langer Kampf bevor, aber die Gebete der >Brüder< Artbur und Alec, ihre Reisen und Konferenzen in Afrika und Genf, die neue Achtung vor schwarzen Politikern im Staat, ermöglichen die Gründung von Zimbabwe. Ein lohnendes, ein wichtiges Buch, besonders für die junge Generation. Das Englisch ist modern, einfach und gut lesbar in der 11. und 12. Klasse. Sibylle Alexander

Zu den Bildern der Waldorfkindergärten Seite 193

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Oben: Das Haus für den Waldorfkindergarten im »Schuldorfc Witten, in dem auch die Schulklassen jeweils zu eigenen Gebäudeeinheiten zusammengefaßt wurden; (s. »Erziehungskunst• 11/1984). Unten: Küchen- und Eßraum des Wittener Kindergartens. Oben: Der mit Holzschindeln verkleidete Kindergarten in Göttingen. Im Untergeschoß befinden sich weitere, hier auf dem Bild nicht sichtbare Räume. Unten links: Spielplatz vor dem Kindergarten in Stuttgart-Sillenbuch. Unten rechts: Innengestaltung eines Gruppenraumes in Essen. Oben links: Außenansicht des Einganges zum Kinderganen Dortmund vor dem Hintergrund des Hermann-Keiner-Aitenheimes im Pädagogisch-Sozialen Zentrum. Oben rechts: Haupteingang zum Kindergarten in Erlangen. Unten: Dachgestaltung und Anlage des Kindergartens in Essen in unmittelbarer Nachbarschaft der dortigen Schule. Oben: Der Waldorfkindergarten Köln im Stil eines bergischen Bauernhauses. Unten: Spielende Kinder vor dem Kindergarten Stuttgart-Sillenbuch.

Fotos: Archiv der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten e. V., Stuttgart.

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Helmut von Kügelgen

Von den drei Festen des Hausbaues Wenn alle Vorbereitungen der >>Bauherrschaft«, das Sorgen um die Finanzen, das Ringen um die Planung zusammen mit dem Architekten abgeschlossen sind, wenn nun endlich die Erde aufgebrochen wird mit dem ersten Spatenstich, der auch von einer Maschine besorgt werden kann, wenn die Baugrube ausgehoben wurde, und der zukünftige Bau sich mit dem Erdengrund verbindet, dann ist ein erstes Anhalten, ein Festesaugenblick der Besinnung geboten: Die Grundsteinlegung. Sie sollte eine intime Feier sein, in der sich diejenigen zusammenfinden, deren Wille und Phantasie, deren Zukunftskraft sich für diesen Bau und seinen Zweck einsetzt. Bisweilen wird eine stille Abendfeier der Besinnung auf das, was von dem Leben und Wirken in diesem Haus erwartet wird, dem morgendlichen Geschehen an der Baugrube vorausgehen, Es ist ein geistiges Atemholen, ein Bekräftigen der Entschlüsse, noch einmal ein Bewußtmachen des Bauwillens. Seit Rudolf Steiner ein kupfernes Pentagondodekaeder für den Grundstein des ersten Goetheanums in die Erde versenkte, wird gerne - vielleicht von einem Handwerkslehrer einer benachbarten Waldorfschule - ein solcher Grundstein gefertigt. Was soll er aufnehmen? Die Gedanken sammeln sich um die kosmische Stunde, den Stand der Sterne zur Zeit, da morgen der Grundstein wie ein Samenkorn des ganzen Baues in die Erde gesenkt werden wird. Wie steht die Sonne zum Gruße der Planeten? Welches Buch oder welche Schriften sind geistiges Saatgut für die zukünftige Arbeit? Sollen die Kinder eine Puppe als Bild des Menschen in den Grundstein tun, wenn es ein Kindergarten wird? Wer soll die Grundsteinurkunde unterschreiben? Weichen Spruch oder welche Sprüche wählt man aus, die den Grund festigen sollen, auf dem sich das Haus erhebt? Fragt man die Mutterschule der pädagogischen Bewegung in Stuttgart an, ob man ihren von Rudolf Steiner gegebenen Grundstein verwenden darf oder wenigstens ihn hinzufügen? Er spricht in zwei Fassungen von der Erziehung als >>Menschenpflege«, die in diesem Haus geübt werden soll oder von den Erziehern als >>Menschenpflegern«. Wie beziehungsreich ist diese Prägung Rudolf Steiners, die die Waldorfschule auch >>Menschenschule« genannt hat. Der Spruch enthält auch das Bekenntnis zum höchsten Schicksalsführer der Menschen, in dessen Namen der Geist der Schule, der Geist des Kindergartens walten soll in diesem Gebäude.

Die Bildseiten in diesem Heft und der Beitrag von Dr. Helmut von Kügelgen sind einem zu Pfingsten 1985 erscheinenden Heft über Kindergartenbauten aus der Reihe des internen Studienmaterials der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten e. V. entnommen. Interessenten für dieses Heft können sich mit der Geschäftsstelle der Vereinigung, Heubergstraße 11, 7000 Stuttgart 1, Telefon (07 11) 43 27 41, in Verbindung setzen. 197

Grundstein-Spruchworte für die Freie Waldorfschule Stuttgart am 16. Dezember 1921 Es walte, was Geisteskraft in Liebe, Es wirke, was Geisteslicht in Güte Aus Herzenssicherheit, Aus Seelenfestigkeit Dem jungen Menschenwesen Für des Leibes Arbeitskraft, Für der Seele Innigkeit, Für des Geistes Helligkeit Erbringen kann. Dem sei geweiht diese Stätte: Jugendsinn finde in ihr Kraftbegabte, Lichtergebene Menschenpfleger (Menschenpflege).

In ihrem Herzen gedenken des Geistes, .der hier walten soll, die, welche den Stein zum Sinnbild hier versenken, auf daß er festige die Grundlage, über der leben, walten, wirken soll: Befreiende Weisheit, Erstarkende Geistesmacht, Sich offenbarendes Geistesleben. Dies möchten wir bekennen: In Christi Namen In reinen Absichten Mit gutem Willen (Es folgen Namen)

Was kann das Einpflanzen des Grundsteins unter der Schwelle des Hauses oder unter dem Saal oder inmitten des Gebäudes, später vielleicht sogar im Keller durch eine Bodenplatte noch gekennzeichnet, was kann diese Keimlegung im Schoße der Erde bedeuten? Verbinden wir nicht einen Willen zur Zeugung mit dem empfangenden Schoß der väterlichen Schöpfung? Ist es nicht die Erde, mit deren Stoffen der Bau emporwachsen wird, der väterliche Schöpfungsgrund mit dem wir uns da verbinden? Die Kräfte der Tiefe, die erhaltende, Sein gestaltende Schöpfermacht des Vatergottes möge unsere bescheidene Schöpfung sein! Die Maurer begleiteten das Einmauern des Grundsteins. Nun ziehen sie die Wände aus der Baugrube in die Höhe. Mehr und mehr gewinnt Umriß und Gestalt, was Plan und Idee war. Noch gehen Regen und Wind, alle Kräfte des Umkreises durch die unwirtlichen Räume. Jetzt kommt mit dem Dachstuhl der Zimmermann an die Reihe. Wer einen Dachstuhl aus Holz auf die Mauern setzt, wird dieses Wunder erleben, wie die zugeschnittenen und zubereiteten Balken angefahren und in der Frist eines oder weniger Tage zum fertigen Dachstuhl zusammengefügt werden. Hoch auf dem Dachfirst wird eine Stange mit dem grünen Richtfestkranz, an dem die bunten Tücher wehen, errichtet. Wieder das Anhalten in einem Festesaugenblick: Richtfest! Ein Richtspruch des Zimmermanns vom Dachgestühl, einTrunk-und das Glas zerschellt im Gemäuer. Jetzt wird gespeist und getrunken mit den vom Bau scheidenden Maurern und Zimmerleuten. Festlich versammeln sich die Menschen, die den Bau gewollt, mit denen, die ihn bewohnen, die in ihm arbeiten werden. Wenn nun die Kräfte des Umkreises, der Sonne, des Wetters beschworen werden, darf man an den denken, dessen Wort aus dem Himmelsumkreis die Seele berührt, der die Menschen zusammenführt, der die noch nicht geborenen Generationen zu diesem Hause hinführen wird. Er vereinigt die Menschen, ob jung ob alt, ob arm ob reich, ob Meister oder Lehrling: der Schicksallenkende Menschensohn, 198

der als Licht der Welt zu uns spricht und dem Sturm und den Wogen des Lebens gebieten kann. Nun begeben sich alle Handwerker in das Gemäuer, um Leitungen zu legen, Türen und Fenster zu setzen, die Wände zu glätten und ihnen Farbe zu geben, die Fußböden, die Einbaueinrichtungen in die Zimmer zu bringen, die Küchen einzurichten, die Treppen und Flure begehbar zu machen. Die künftigen Bewohner, die Nutznießer des Hauses drängen herein in das fertig werdende Haus. Oft ist der Einzug schon der endgültigen Fertigstellung vorausgegangen. Oft wartet man mit dem dritten Fest, bis man das Haus schon ganz in Besitz, in Nutzung genommen hat: dann werden die Türen aufgemacht und alles, was Anteil nahm an diesem Bau - alle Firmen, Bauleitung und Architekt, die Bauherrschaft und die schon in dem Hause Arbeitenden, die Geldgeber und Spender, die Behörden und Vertreter der Gemeinden, die um ein neues Bauwerk reicher geworden sind, werden eingeladen: Einweihung! Was wird in den Grußworten, in den festlichen Reden ausgesprochen? Die Baugeschichte und die Besinnung darauf, welch ein Geist die Arbeit in diesem Haus besti"mmen und das Leben in ihm mit Sinn und Wärme erfüllen soll. Abgeschlossen kann nun die Tür nach draußen werden, da der Architekt den Schlüssel übergeben hat; an die Fenster können Regen und Sonnenschein, Kälte und Dunkelheit heran, aber drinnen ist der Raum geschützt. Der Bau behütet seinem Sinn und Zweck gemäß, was in dem Hause geschieht und geschehen soll. Der Geist des Hauses wird bald - unsichtbar und doch wahrnehmbar - den Eintretenden empfangen. Grundsteinlegung- den Segen des Vaters erbitten, wenn der Bauwille ans Werk geht. Richtfest- der Führung des Sohnes sich anvertrauen, der aus allem Umkreis in das noch offene Haus hereinwirken möge. Einweihung- den Geist des Hauses einordnen in den heiligen Geist des Menschheitswerdens, in dem man sich den Aufgaben der Zeitepoche, der Raumesumwelt, der sozialen Gemeinschaft stellt mit dem eigenen Bemühen. So kann man die drei Feste des Baues empfinden in der Hut der göttlichen Dreieinigkeit, die Menschendasein, Menschenschicksal und Mensch-Werden durchdringt und geleitet.

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Vom Werk und der Persönlichkeit Walther Kniebes »Michael. Walther Kniebe und sein Denkmal >Michael hilf!((< Mit Beiträgen von Heinz Georg Häußler und Georg Kniebe. 79 S. mit einem Bildteil, brosch. DM 23,50. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz 1984. Im vergangenen Jahr erschien aus Anlaß seiGesamtwerkes weit über· den Rahmen dieser nes 100jährigen Geburtstages dieser Band mit Summe hinaus, die allenfalls die Materialkosten Arbeiten des 1970 verstorbenen Malers und abdeckte. »So arbeitete Kniebe in den Jahren Bildhauers Walther Kniebe. Neben einem geseines großen Werkes gewissermaßen· unentwissen Überblick über das gesamte Schaffen geltlich, d. h. er finanzierte es durch seine übriKniebes wird, entsprechend dem Buchtitel, vor gen Arbeiten.« allem dessen wohl herausragendstes Werk, seine Das Besondere des ganzen Monumentes beMichaelstatue, zur Anschauung gebracht und stand darin, daß es sich bei diesem Kriegerehvon ihrer Entstehung berichtet. Die Ausführunrenmal um eine Michaelfigur handelte, die mit einem flammenden Schwert einen ihr zu Füßen gen von H. G. Häußler hierzu sind eindrucksvoll. Diese Arbeit gehört zu den nicht eben sehr liegenden Drachen in die Schranken weist. Die große Geste des über dem Haupt geschwungezahlreichen Kunstwerken eines aus dem Geiste der Anthroposophie heraus schaffenden Künstnen Schwertes ist aber nicht die einer Tat der lers, dem ein öffentlicher Auftrag seine AusfühVernichtung, es handelt sich mehr um eine rung verdankt. Die StadtverordnetenversammFlamme, die gleichsam aus dem Haupte und dem Willen (den kraftvollen Händen) Michaels lung von Rheidt am Niederrhein beschloß 1928, einen Entwurf Kniebes für ein Kriegerehrenmal herauswächst. Man glaubt, in diesem Bild eine zur Ausführung zu bringen. Der Herausgeber leuchtende Gedanken-Geisteskraft als das eidieses Bandes und Enkel des Künstlers, Georg gentliche Kampfmittel zu erkennen. Der ernstKniebe, schreibt dazu: >>Bei der Lektüre des eindringliche Blick, mit dem Michael abwärts in Richtung auf den Drachen schaut, offenbart etProtokolls (der Stadtverordnetenversammlung) was von Trauer und Liebe. Es ehrt die damaliwird deutlich, daß sich der Entwurf trotz der Entscheidung der Jury ·durchsetzen mußte, . gen Vertreter des öffentlichen Lebens, daß sie sich für dieses eindrucksvolle Geisteszeichen als denn diese hatte ihm nicht den ersten Preis zuein Kriegerehrenmal haben entscheiden könerkannt. Man darf wohl schließen, daß die Juranden einem >vorsichtigeren< Entwurf zugenen. 1932, nach fünfjähriger intensiver Arbeit, stimmt hatten, daß aber das Kniebesehe Modell konnte das fertige Werk eingeweiht werden. In den folgenden Jahren fand es verständlicherweifür einige Bewegung in der Stadt gesorgt hatte, die auch die Stadtväter ergriff.« Die Entwürfe se immer weniger öffentlichen Beifall, schließhatte Kniebe in der Vorphase auch Frau Marie lich benutzten die damaligen Träger der politiSteiner in Dornach vorgelegt, die sich wohlwolschen Macht die Gelegenheit von Metallsammlend zu seinen Absichten äußerte. lungen für Kriegszwecke im Jahre 1940, das Dieses Ehrenmal hatte beträchtliche Ausmaihnen lästige Ehrenmal vollständig einzuße: .eine 15 m hohe Kupferplastik wölbte sich schmelzen und die ganze Anlage zu zerstören. Das Buch läßt uns zugleich an der ganzen über einer Krypta mit Mosaiken aus Halbedelsteinen und Holzplastiken. Nach einem kleineBiographie von Walther Kniebe teilnehmen. ren Gipsmodell wurde mit entsprechender VerDie Ausführungen von G. Kniebe vermitteln größerung ein Holzmodell erstellt, das dann mit ein wirklich lebendiges Bild. Wir hören z. B. Kupferblechplatten von 1,5 mm Dicke beschlavon seinen Arbeiten in Radeheul und Meißen gen wurde. Der Künstler berichtete dazu, daß (in den 20er Jahren Tonaufbauplastiken und kedie Platten vom Holzmodell abgenommen, auf ramische Versuche); in der Galerie Arnold stellte der Künstler gemeinsam mit den Malern den Sockel gebracht und hier erst untereinander Schmidt-Rottluff und Pechstein aus. Für das vernietet wurden. Diese so entstandene rohe Form wurde von Kniebe selbst durchgearbeitet Schloß Siebeneichen (v. Miltitz) wurden Skulpund fertiggestellt.- Die Stadtväter hatten als Koturen gefertigt. Schon 1920 hatte der Teilnehsten für das Werk RM 75 000,- ausgesetzt, damer am Weltkrieg nach mehrjährigen Vorbereimals gewiß eine beträchtliche Summe. Allertungen den Zugang zur Anthroposophie gefundings griffen dann Umfang und Aufwand des den. Nach 1933 wurde es verständlicherweise 200.

stiller um ihn, er begründete 1934 die anthroposophische Arbeitsstätte Mucherwiese bei Bad Honnef. Das Land um das Haus herum wurde biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Geistige Impulse konnten von hier aus im Verborgenen vielen Menschen, Freunden wie Schülern, vermittelt werden. In Domach/Schweiz hatte Kniebe noch vor dem Zweiten Weltkrieg Ausstellungen; die Behinderung der plastischen Arbeit während der NS-Zeit ließ ihn sich stärker der Malerei zuwenden. Er entwickelte eine eigene Öltemperatechnik. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Ausstellungen des malerischen Werkes in Dänemark, Holland, Deutschland und in der Schweiz. 1954- beim Ringen um den Innenausbau des großen Saales des zweiten Goetheanum - legte er einen plastischen Modellentwurf vor. Es sei hier darauf hingewiesen, daß in der Osterzeit dieses Jahres im Goetheanum in Dornach eine Ausstellung der Arbeiten von Walther Kniebe stattfindet. In ihr wird auch die Maske des Michaelkopfes des Kriegerehrenmals ent-

halten sein, das sich im Besitz des Goetheanum befindet. »Die Tatsache, daß die Kupferplatten über einem Holzmodell geformt wurden, ermöglichte es Kniebe, die Maske des Michaelkopfes schon bei der Entstehung zweimal zu schlagen, was er ahnungsvoll (im Blick auf die spätere Zerstörung des Werkes) auch tat.« Dieses Buch über das Schaffen Walther Kniebes vermittelt die Begegnung mit einer starken Künstlerindividualität. Wir hören von früheren Schülern der Rudolf-Steiner-Schule in Wuppertal, die mit ihrem Lehrer die Mucherwiese besuchten, wir hören es auch von anderen Zeitgenossen Kniebes, welche starke geistige Kraft von ihm, von seiner Persönlichkeit und seinem künstlerischen Werk, ausstrahlte. So ist dieser Erinnerungsband sehr zu begrüßen und das um so mehr, als ja das Hauptwerk heute nicht mehr vorhanden ist; durch die Reihe der Abbildungen aber kann man doch einen sehr sprechenden Eindruck vom Wirken Walther Kniebes gewinnen.

Manfred Leist

»Alle Form wird dann Gebärde sein« Das Werk des Bildhauers Manfred Welzel Manfred Welzel: Plastiken, Zeichnungen, Aphorismen. Mit einer Einführung in das Werk von Diether Rudloff 136 Seiten mit 66 Abbildungen, geb., DM 56,-. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1984. Mit diesem Band über Manfred Welzel ist ein Buch erschienen, an dem man uneingeschränkte Freude haben kann. Es stellt die Würdigung eines künstlerischen Werkes dar, die lange fällig war, und es bedeutet die Darstellung eines Künstlers, der das laute Getümmel des öffentlichen Kunstbetriebes scheut, der die Stille sucht und braucht für sein Schaffen .. Der vorzüglich aufgemachte Band leistet ein Doppeltes: Er ist eine bildliehe Dokumentation des Werkes von Manfred Welzel, dargestellt in durchweg hervorragenden Aufnahmen, die einen gut ausgewählten Überblick über sein gesamtes Schaffen geben. Er gibt zugleich durch den Text Diether Rudloffs, der mehr ist als eine Einführung, eine fundierte Darstellung des Welzelschen Werkes, die durchaus in die Tiefe führt und wesentliche Aspekte zu seinem Verständnis beibringt. Wer den Band zur Hand nimmt, neugierig

gemacht durch das meisterhafte Titelfoto »Erwartende am Geländer<<, wird vielleicht zunächst, beim ersten Durchblättern der Bilder, sich freuen an der Vielfältigkeit des Oeuvres und an der Qualität der Fotos. Die Abbildungen sind nach Material und Werkgruppen geordnet, geben aber zugleich einen Einbick in die Entwicklung und in die Verwandlungen von Welzels Schaffen. Skulpturen in Stein, Bronzefiguren und die für sein Werk so charakteristischen, anmutigen und einfallsreichen Figurengruppen, die ihn vor allem bekannt gemacht haben und denen soviel Charme und Humor eigen ist, Reliefs und die Holzplastiken der späteren Zeit mit ihren religiösen Motiven und den Keim- und Entfaltungsformen präsentieren sich in übersichtlicher Ordnung. Der Text Rudloffs gibt zunächst eine feinsinnige Hinführung zum Wesen des Plastischen auf der Grundlage der Kunstanschauung Rudolf

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Steiners. Die Lektüre erschließt dem Leser manches Wesentliche und läßt die Eigenart und vor allem auch das Zukünftige in der; Sprache dieser Skulpturen deutlich werden. Die Darstellung macht sichtbar, mit welcher Konsequenz und inneren Sicherheit der Künstler von Anfang an seinen eigenen Weg gegangen ist, abseits der großen Heerstraße und ohne sich von Moden und kurzlebigen Stilrichtungen beirren zu lassen. Zwei Pole bestimmen sein künstlerisches Schaffen. Rudloff beschreibt sie als den Weg »von außen nach innen, von den sinnlich wahrgenommenen Natureindrücken herkommend, die verarbeitet und bildhauerisch gestaltet werden«, und den Weg >>VOn innen nach außen, wobei seelisch-geistige Erfahrungen sich oft ohne Naturvorbild plastisch ausgestalten und in neuer Form sinnenfällig in Erscheinung treten können.« - Die Bronzefiguren und Figurengruppen sowie die Porträts auf der einen Seite, die Werdeformen, die Keim- und Entfaltungsformen auf der anderen Seite sind wohl der deutlichste Ausdruck dieser Polarität, die sich aber auch in vielen vermittelnden Zwischenformen verhüllter ausspricht und sich jeder Festlegung entzieht. Wichtiger vielleicht noch ist etwas anderes und die Darstellung Rudloffs läßt das erlebbar werden-: Überall spürt man im Werk Welzels das Bestreben, die Mitte und den Ausgleich zwischen Gegensätzen und Spannungen zu finden, das Gleichgewicht zu suchen, sei es die Spannung von Figürlichem und Unfigürlichem, von Konkretion und Abstraktion, von Form und Bewegung, von Umkreis und Zentrum,

von Schauen und Lauschen. Vor allem das Ineinander von Plastischem und Musikalischem ist für Welzel bedeutsam, und damit ist ein Motiv angerührt, das in besonderer Weise in die Zukunft deutet. Man empfindet an vielen Plastiken, daß sie gleichsam erlauscht sind, einer Form, einer Bewegung, ja dem Stoffe selbst abgelauscht. Jede Gebärde hat ihren seelischen Klang; und Daseinsgebärden sind es vor allem, die Welzel darstellen will. Was Rudolf Steiner von der Zukunft der Plastik gesagt hat, daß sie musikalischer werden wird, in Welzels Werken beginnt es Wirklichkeit zu werden. Am tiefsten vielleicht berühren uns die Holzskulpturen der späteren Jahre, ihre seit den siebziger Jahren immer häufiger werdenden religiösen Motive und die mannigfaltigen Keimund Werdeformen. Mit ihnen betreten wir eine transzendente Sphäre, wir beginnen eine neue Sprache plastischer Formen zu lernen, eine verinnerlichte Sprache von starker Unmittelbarkeit. Verdienstlich an dem Band ist nicht zuletzt, daß sich an den Text Rudloffs eine Reihe von Aphorismen Welzels über das künstlerische Schaffen anschließen, die von der Bewußtheit und Sensibilität, aber auch vom Verantwortungsbewußtsein des Künstlers Zeugnis ablegen. Sie machen deutlich, wie sehr er sich klar darüber ist, daß alle Kunst heute mehr und mehr auch eine therapeutische Aufgabe zu erfüllen hat. Der Band wird alle alten Freunde der Kunst Manfred Welzels erfreuen und wird ihm hoffentlich viele neue dazugewinnen.

Ekkehard Randebrack

Kinder und Malen Eve-Lis Damm: Malen mit seelenpflege-bedürftigen Kindern. (Heilpädagogik aus - anthroposophischer Menschenkunde, Band 7) 80S. mit 80 farbigen Abb., geb. DM 38,-. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1984. In dem vorliegenden Band stellt die Dortmunder Heilpädagogin Eve-Lis Damm die Bedeutung und Anwendungsmöglichkeiten des Maiens dar. Zunächst geht es ihr dabei um die allgemein harmonisierende Wirkung der Farbe, als Mitte zwischen Licht urtd Finsternis im Goetheschen Sinne, und um das Malen, das den Atemprozeß der Seele anzuregen vermag. Von diesem mehr allgemeineren Ausgangspunkt sucht die Autorio jene Wege auf, die auf das

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einzelne Kind mit seinem speziellen Krankheitsbild maltherapeutisch zum Ausgleich von Einseitigkeiten führen können. Aufgrund einer langjährigen Erfahrung und Arbeitspraxis. und anhand zahlreicher Beispiele - das Buch ist mit Bildern von vormalenden Therapeuten und ausdrucksstarken Kinderbildern ausgestattet -· demonstriert sie zwei verschiedene Methoden des· Aquarellmalens. Diese gehen zurück auf Anregungen Rudolf Steiners,

die er einmal für den Anfangsunterricht in den Normalklassen in Waldorfschulen (1919), und einige Jahre später (1924) für den heilpädagogischen Bereich gegeben hat. . In der Unterstufe der Waldorfschule steht zunächst die Farbe selbst als Motiv im Mittelpunkt. Durch Farbklangübungen, Farbkompositionen, Farbgeschichten, erfährt das Kind beispielsweis die Gegensätzlichkeit von Gelb und Blau, erlebt in dem einen Falle das Iichthaft Strahlende, im anderen das Dunkle, Zurückweichende der Farbe, etc. Im Unterschied dazu stehen die Malübungen für das heilpädagogische Kind, die an Gegenständliches anknüpfen. Die in dem Buch dargestellten Beispiele und Abbildungen dieser Art, sind Abwandlungen des ersten Bildes, das R. Steiner 1924 im »Heil- und Erziehungsinstitut für Seelenpflegebedürftige Kinder- Sonnenhof« (Arlesheim-Schweiz) mit Aquarellfarbe einer Kindergruppe vormalte. Das Wesentliche in dieser Malsrunde war, wie R. Steiner dabei mit den Kindern sprach, wie er sie beim Entstehen des Bildes mitbeteiligte. Auf dem Malblatt trug er zunächst eine blau, ovalförmige Fläche in horizontaler Richtung auf. Dann unterbrach er den Malvorgang, hielt die Arme in die Höhe und fragte die Kinder, was wohl geschähe, wenn er da oben einen Stein hielte und dann einfach wegginge. Dabei trat e~ einen Schritt zurück und verschränkte die Arme. Ein Junge rief: »Der Stein fällt auf die Erde!« Erst jetzt wurden von R. Steiner die vier rosenfarbenen Säulen unter die blaue Fläche gemalt, damit diese nicht herunterfalle. Ein Tisch war entstanden. Auf diese Weise malte er nach und nach eine sommerliche Szenerie mit einem Baum, zwei Kindern und einem Rößlein. (Seite 6). Auf einigen Abbildungen des Buches (Seite 2~21) sieht man Themen, die nach dieser Anregung R. Steiners entstanden sind. Sie sind aus dem unmittelbaren Erlebnisbereich der Kinder gewählt: Eine Mutter mit ihrem Jungen in der Küche, ein Spielplatz-Erlebnis, eine kranke Puppe, ein Märchenmotiv aus der Geschichte >>Das goldene Kästchen« von Herbert Hahn. Letzteres zeigt eine fahrende Kutsche, in der der König der Insel und sein Begleiter- ein Arzt mit seiner Medizintasche - sitzen. Diese Methode, vom gegenständlichen Motiv im Malen auszugehen, wird besonders mit Kindern durchgeführt, die es schwer haben, Sinneseindrücke zu behalten. Der Heilpädagoge, der das Bild zuerst vor ihnen entstehen läßt, muß sich so vorbereiten, daß er nur das Wesentliche eines Motivs herausgreift. Die Spannkraft der

Lernenden ist begrenzt, und der Vorgang darf nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Sobald dieser beendet ist, werden die Malsachen und Schürzen ausgeteilt und jedes Kind nimmt jetzt selbst den Pinsel in die Hand. Der Unterrichtende hat n'un die Aufgabe, als Therapeut helfend und regulierend einzugreifen, um alle zu fördern. . Neben dieser Methode, vom Gegenständlichen auszugehen, wird auch der andere Ausgangspunkt, der vom Farbklang, von der freien Farbkomposition zum Motiv führt, gewählt. Auf diese Weise werden mehr die Phantasiekräfte angeregt und das Vorstellungsleben in Bewegung gebracht. Ein nächstes Kapitel behandelt das »Epochen-begleitende Malen« im Unterricht. Für den Heilpädagogen ist der Lehrplan der Waldorfschulen eine reiche Quelle, aus der er täglich schöpft. Die erarbeiteten Unterrichtsgebiete wie beispielsweise Tier-Pflanzenkunde, Sprachlehre, Geographie, etc. werden in den heilpädagogischen Gruppen, die altersgemäß zusammengefaßt sind, am Ende einer Woche in einem Wasserfarbenbild dargestellt, z. B. Fische, ein Steinbruch, ein Kristall, ein Industriegebiet, etc. Von dieser Malstunde geht eine belebende Wirkung auf die Schüler aus, die ihre Gestaltungskräfte anregt und ihre Gedächtniskräfte zu stärken vermag. Im letzten Teil des Buches geht es um die speziellen Möglichkeiten des Maiens mit epileptischen, hysterischen, schwachsinnigen und übernervösen Kindern. Die hier angeführten Beispiele und Anregungen sind nicht als Rezepte gedacht. Sie sollen jeweils die Richtung zeigen, in der gesucht werden muß. Der Heilpädagoge muß die Krankheitssymptome, wie auch die Waldorf- und Heilpädagogik Rudolf Steiners kennen. Dabei wird es immer darauf ankommen, wie er 'sich im einzelnen Falle - abgesehen von seiner Sachkenntnis- in die Seelenverfassung des einzelnen Kindes einzufühlen vermag, um im entscheidenden Augenblick das Richtige zu treffen. Eve-Lis Damm schließt das Buch mit einem Nachwort ab, in dem sie deutlich macht, daß sie es als einen Anfang betrachtet, der vielleicht den einen oder anderen Heilpädagogen dazu anregen kann, noch vorhandene Lücken zu schließen, aber auch in der Hoffnung, daß dieser Anfang auch geeignet ist, Anregungen zu vermitteln, selbst erfinderisch zu werden, um geeignete Heilmöglichkeiten für Kinder zu finden, die dessen bedürfen.

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. Die Suche nach solchen Anregungen auf diesem Gebiet ist groß. Immer wieder konnte man in den vergangenen Jahren z. B. bei den öffentlichen Sommertagungen des Bundes der Freien Waldorfschulen erfahren, daß gerade auf dem maltherapeutischen Gebiet nach Literatur gesucht wurde. So ist es außerordendich zu be-

grüßen, daß dieser lebendige Beitrag jetzt vorliegt, aus dem die unmittelbare Erfahrung mit dem seelenpflege-bedürftigen Kind den Leser anrührt und der durch einen reichen Bildteil veranschaulicht, wre im einzelnen gearbeitet werden kann. M argrit Jünemann

Die Waldorfschule für Erziehungshilfe aus der Sicht der Erziehungswissenschaft lngo Windeck: Förderung Verhaltensgestörter und Lernbehinderter in WaldorfschulSondereinrichtungen. 240 Seiten, DM 39,- Dürr-Verlag, Bann-Bad Codesberg 1984. Der pädagogisch interessierte Leser wird sich erinnern, daß gegen Ende der Sechziger Jahre A. S. Neills Buch »Summerhill« zur Pflichtlektüre aller Pädagogikstudenten gehörte. 40 Jahre nach Begründung seiner Internatsschule als Gegenmodell zum regressiven Schulsystem galt Neill als Vater der antiautoritären Erziehung, und jede Kindergärtnerin und jeder werdende Lehrer mußte sich mit einem Schulversuch auseinandersetzen, der nur kurze Zeit nach Begründung der ersten Waldorfschule begonnen hatte. · Erst in der >>Nach-Summerhillcc-Ära der Siebziger Jahre wurde das Interesse der Pädagogischen Hochschulen für die Waldorf-Pädagogik und die anthroposophische .Heilpädagogik wach. Während Rudolf Steinerund seine Pädagogik in den einschlägigen Geschichten der Pädagogik und in den Vorlesungen der Hochschulen nicht oder nur kaum erwähnt wurden, wuchs das allgemeine Interesse für Waldorfpädagogik mehr und mehr, so daß es bald zur Pflichtlektüre vieler Pädagogik-Studenten gehörte, Steiners Schriften oder erste Veröffentlichungen über Waldorfpädagogik gelesen zu haben. Immer häufiger kamen Studep.ten aus den verschiedensten Ausbildungsstätten in die Waldorfschulen, um dort zu hospitieren, zu praktizieren und um Examensarbeiten über Theorie und Praxis der Waldorfpädagogik zu schreiben. - So kam dann auch 1972 der Autor des hier zu besprechenden Buches als Student der Sonderpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ruhr in Dortmund zur ChristianMorgenstern-Schule nach Wuppertal, um ari dieser Waldorfschule für Erziehungshilfe ein Informationspraktikum abzuleisten. - Während des Praktikums mit Unterrichtsversuchen und Teilnahme an Schullagern ergaben sich bald

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grundsätzliche Fragen nach den menschenkundlichen Grundlagen anthroposophischer Heilpädagogik und der Waldorfschule. Gleichzeitig ergab sich eine heftige Diskussion um die heilpädagogischen und methodischen Grundsätze der >>Waldorf-Sonderschule
ein »geistiges. Band« zwischen anthroposophischem Buchwissen und heutiger Erziehungswissenschaft zu knüpfen. Erst sieben Jahre nach dem ersten Entwurf wurde die Dissertation vorgelegt, die mittlerweile als Buch vorliegt. Inwieweit es Windeck gelungen ist, anthroposophische erkenntnistheoretische Grundlagen und sonderpädagogische Wissenschaft und Praxis in Einklang zu bringen, mag der interessierte Leser selbst entscheiden. - Daß Windeck dennoch im staatlichen Sonderschulbereich tätig ist und nicht an einer ,, Waldorf-Sonderschule<< unterrichtet, mag ein Zeichen dafür sein, daß der Autor die geistig-praktische Auseinandersetzung für sich noch nicht eindeutig entscheiden konnte. Für die Waldorfschulbewegung ist das vorliegende Buch dann doch von großer Bedeutung, weil es in seinem praktischen Teil eine sorgfältige Beschreibung der Waldorfschule für Erziehungshilfe (hier der Christian-MorgensternSchule in Wuppertal) bringt als besondere Schulform zwischen der regulären Waldorfschule und der Schule für seelenpflegebedürftige Kinder. Windeck versucht in seinem Buch, den Standort zu bestimmen, den die Waldorfschule für Erziehungshilfe innerhalb der anthroposo-

phiseben Pädagogik zwischen der Waldorfschule auf der einen Seite und den Einriebttingen der Heilpädagogik andererseits einnimmt. Dies geschieht vor· dem Hintergrund der Frage des Selbstverständnisses der »W aldorf-Sonderschulen« zwischen den beiden Sektionen der Hochschule schlechthin. (Bis heute wird die Fragebrauchen wir zwischen der normalen Waldorfschule und der Schule für seelenpflegebedürftige Kinder noch eine Zwischenform für entwicklungsgestörte Kinder? - in vielen Kollegien der Waldorfschulen heftig und kontrovers diskutiert.) Windeck untersucht die Ursachen, die zu Verhaltensstörungen und Lernbehinderungen führen, und diskutiert die Frage der gemeinsamen Unterrichtung verschieden behinderter Kinder. Schließlich untersucht der Autor, wie weit sich Anregungen für die Praxis an öffentlichen Sonderschulen ergeben. Für die Waldorf-Schulbewegung, wie auch für den Hochschulbereich, ist die vorliegende Arbeit interessant, informativ und eine gute sachliche Darstellung dessen, was am Beispiel einer Waldorfschule für Erziehungshilfe aus der Sicht der Erziehungswissenschaft diskutiert werden kann. Hans Fr. ]aenicke

Ein Boot, in dem es singt und klingt Hans Baumann: Das Liederboot. Mit Bildern von Annegert Fuchshuber. DM 29,-. Thienemann Verlag, Stuttgart 1984. In der Nummer 12 vom Dezember 1983 dieser Zeitschrift wurde ein Heft aus dem Möseler Verlag besprochen: »Kinderlieder« von Hans Baumann.- In Nummer 1, Januar 1984, galt es dann, einen sinnentstellenden Druckfehler, der sich in die Besprechung eingeschlichen hatte, auszumerzen. Gleichzeitig konnte hingewiesen werden auf ein weiteres, damals gerade erschienenes Folge-Heft: >>Der Zauberbalk - Der Thienemann Verlag Stuttgart. gab im vorigen Jahr nun einen Band heraus, der sämtliche Lieder aus den beiden genannten Heften enthält, darüber hinaus noch einige aus der Sammlung »Die helle Flöte« (Möseler Verlag) und zwei funkelnagelneue Lieder. Eines davon, »Das Liederboot«, leitet die Folge der 115 Lieder ein und gibt auch dem Band seinen Titel.- Was ist nun neu an dieser Ausgabe, wenn sie doch weitgehend die Lieder aus bereits vorhandenen Sammlungen enthält? Da ist einiges zu nennen.

Das erste: Es kommt heutzutage nicht eben häufig vor, daß man ein Buch seines Einbandes, seiner gesamten Gestaltung wegen immer wieder mit Freude in die Hand nimmt. Beim »Liederboot« ist das der Fall. Annegert Fuchshuber schuf Zeichnungen und farbige Bilder, die den Liedern an kinderfreundlicher Phantasie nicht · nur nicht nachstehen, sondern ihnen gleichkommen, ihnen ganz entsprechen. Begegnet man Illustrationen zu Liedern, die man gut kennt, so stellt man erfreut fest: Ja, so ist das Lied! Seine Weise und das Bild sind auf den gleichen Ton gestimmt. - Die struppige Krähe auf der Mülltonne beim Lied für die Mülltonnenmänner; der »große Affenzug«, bei dem ein Affenbein und -schwanz gerade noch auf dem vorhergehenden Blatt zu sehen sind; die tiefsinnig blickende Eule auf der Mondensichel, die dem »Gute-Nacht-Lied« beigegeben wurde; der hingekuschelte »rote Fuchs«, der trotz sei-

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nes Zusammengerolltseins bis in Nasen-, Ohren- und Schwanzspitze hinein wach und pfiffig aussieht-, das sind nur einige der eingestreuten Bilder, die man beim Durchblättern des Buches immer wieder mit Vergnügen anschaut. Wie lustig und überzeugend ist die Geschichte von dem Schneemann dargestellt, dem die Sonne seine eins zwei drei vier fünf sechs sieben acht neun weißen Hemden auszog! Manche noch unbekannt gebliebenen Lieder anzusehen und zu lernen bekommt man Lust, weil die Zeichnungen dazu einladen. Und einige der großen, ganzseitigen Bilder sind nicht einfach »Illustrationen«, sie führen aus, führen weiter, was in den Liedern anklingt. Auch Kindern, für die der gedruckte Text und die Noten noch ein verschlüsseltes Geheimnis darstellen, gibt man das Buch der Bilder wegen gerne in die Hand. Ein weiteres, das dieser Band im Vergleich zu den früher erschienenen Liederheften zusätzlich enthält, sind die »Begleitungen<<. Zu einem großen Teil der Lieder schrieben Herbert Langhans und Gottfried Weiters Sätze, die·ebenso einfach und zugleich einfallsreich sind wie die Liedmelodien selber. Die Wahl der Instrumente macht es möglich·, daß bei manchem Stück auch die Kinder ohne viel Mühe als Musikanten sich be-

tat1gen können: mit Xylophon, Glockenspiel, Triangel, Trommel. Bei einigen Sätzen begleiten Blockflöte oder Gitarre, wieder andere Lieder sind einfach mehrstimmig zu singen. Eine Fülle von Anregungen für kleine Spiele und Darstellungen ergibt sich so aus dem Ganzen. Das gilt für den häuslichen Familienkreis ebenso wie für den Kindergarten und für die ersten Schuljahre. (Durch die reiche Ausstattung des Bandes mit allem, was zu sehen und zu hören ist, wird der höhere Preis gerechtfertigt gegenüber den weit billigeren Liederheften, die allein Texte und Melodien enthalten.) · Wenn ein Wunsch übrigbleibt, so der, es möchten aus dem Heft »Die helle Flöte<< noch einige Stücke übernommen und eingefügt werden, z. B.: >>Wars das Schneeglöckchen, das silbern schlug?<<, »Der Mond hat leis gelacht<<, und - ein Lied, das man schon in der Auflage der »hellen Flöte<< von 1980 vermißte- »Der Winter hat über Nacht/der Erde das Bett gemacht«. Bei vielen Liedern von Hans Baumann erfährt man ähnliches wie bei schönen Volksliedern: wenn mail. mit ihnen einmal vertraut wurde, möchte man sie »behalten<<, möchte sie nicht wieder hergeben und aus dem Gedächtnis verErika Dühnfort lieren!

Antike und orientalische Mathematik Helmuth Gericke: Mathematik in Antike und Orient. 292 Seiten, 140 Abb., 4 Kartenskizzen. Gebunden DM 98,-. Springer Verlag, Berlin, 1984. An einzelnen Darstellungen zur antiken und Besonders wertvoll sind die ausführlichen, orientalischen Mathematik fehlt es eigentlich überschaubar angeordneten biographisch-binicht. Und trotzdem ist es zu begrüßen, wenn bliographischen Notizen, die dem Leser den H. Gericke es unternimmt, in kundiger Weise Einstieg in die historische Fachliteratur erleicheinen Gesamtüberblick zu diesem Gebiet vortern. So kann das Buch auch als Nachschlagezulegen, wo auch Bezüge zur Naturwissenwerk verwendet werden, das einem hilft, anschafts- und Philosophiegeschichte hergestellt hand der vorhandenen Literatur den Weg zur werden. Das aus Vorlesungen heraus entstandeAbklärung von Spezialfragen zu finden. ne Buch erhebt keinen Anspruch auf OriginaliDie vielen aus Originalschriften entnommetät. Wie der Autor im Vorwort betont, war es nen und vollständig durchgeführten Beispiele seine Absicht, »möglichst nahe an die Originale können dem Lehrer mannigfaltige Anregungen heranzuführen und dabei die Art des mathemazur Befruchtung seines Unterrichts mit konkretischen Denkens der verschiedenen Völker zu ten historischen Ausführungen geben. Die ausverschiedenen Zeiten sichtbar werden zu lassen. führlichen Quellenangaben lassen zudem jederWichtiger als die vollständige Aufzählung aller zeit die Herkunft des Dargestellten nachprüfen. mathematischen Leisrungen war mir die voll- Das vorliegende Buch kann sehr ·empfohlen ständige Durchführung der einzelnen Beispiele. werden, handelt es sich hier doch um ein in Dabei habe ich mich bemüht, den Gedanken- . bewundernswürdig flüssigem Stil und mit histogang lückenlos darzustellen, erwarte aber, daß rischer und sachlicher Genauigkeit verfaßtes der Leser einfache Schlüsse und besonders ein- Werk. fache Rechnungen selbst durchführt.<< Renatus Ziegler

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Aus der internationalen Schulbewegung Aitiara - Escola do Campo Eine Dorfschule auf einer biologisch-dynamischen Farm in Brasilien Die biologisch-dynamische Farm »Demetria« liegt nahe der brasilianischen Stadt Botocatu, etwa 300 km von Säo Paulo entfernt. In mühseliger Arbeit ist hier von einer Gemeinschaft junger Menschen gegen alle äußeren und inneren Widerstände eine blühende Landwirtschaft aufgebaut worden. - Für die Kinder der rund 60 brasilianischen Landarbeiter, die auf der Farm mitarbeiten, ist 1984 eine Art Dorfschule eingerichtet worden, die auf der Grundlage der Waldorfpädagogik zu arbeiten versucht. Zwei einfache Gebäude sind aus europäischen und brasilianischen Spendengeldern errichtet worden, Patenschaftszahlungen ermöglichen den laufenden Schulbetrieb. ]. W. Unser erstes Schuljahr nähert sich seinem Ende. Es ist ein Jahr voller Erfahrungen gewesen, init vielen Schwierigkeiten und vielen Freuden. Die unmittelbare Arbeit mit den Kindern ist eine sehr dankbare Aufgabe. Die Schüler empfangen den Unterricht mit offenen Seelen, und es ist unser großes Ziel, ihnen wahre Bilder zu geben, die ihnen in ihrer Entwicklung und bei der Suche eines wür,digen Lebensweges helfen können. Wegen der schlechten Ernährung und der harten Arbeit unter der heißen Sonne hat der Landarbeiter oft keine Kräfte, ein Kulturleben in seiner Familie zu pflegen. Das Leben auf dem Lande beschränkt sich im allgemeinen auf die Arbeit, die Ernährung und den Schlaf, und auf das Fernsehen, das vor fünf bis zehn Jahren in die Familien eingedrungen ist. So sind also Märchen, Geschichten, Lieder und Gedichte für viele unserer Schüler etwas völlig Neues gewesen. Viele hatten auch noch nie mit Farben gezeichnet oder gemalt. Daher haben zu Anfang viele achtjährige Kinder wie Vierjährige gemalt, und die vierjährigen Kinder wie Zweijährige. Heute sind die Wände unserer beiden Klassenräume mit wunderschönen, bunten und frohen Bildern bedeckt. Es ist eine Freude, zu sehen, wie die Schüler jetzt begeistert und glücklich sind, ihre Erlebnisse und Empfindungen in Farben auf dem Papier ausdrücken zu können. Es ist auch faszinierend, mitzuerleben, wie die

Schüler des 1. Schuljahres (offiziell als Vorschule definiert) jetzt im 2. Halbjahr mit relativer Leichtigkeit eine neue Molodie auf der Flöte lernen. Man muß dabei bedenken, daß viele vor der Schule noch nie eine Flöte gesehen hatten. Alle in dieser Gruppe haben im Laufe des Jahres stricken gelernt. Jetzt, nachdem das Stricken akzeptiert wurde, bringt es den Familien viel Freude. Es ist schön zu erleben, wie die ältere Schwester oder der ältere Bruder einen Schal oder einen Pullover für die kleine Schwester strickt. Jetzt, am Ende des Jahres, fängt der größte Teil der Schüler der 1. Klasse mit großer Freude an, selbständig die ersten Wörter zu lesen und zu schreiben. In der Kindergartengruppe ist es interessant zu sehen, wie die Kinder sich während dieses Jahres daran gewöhnt haben, in einer Gruppe zu sein; wie froh und erfüllt sie jetzt mit den Spielsachen spielen, mit denen sie zuerst kaum etwas anfangen konnten, und wie sie zusammen Verse aufsagen, singen und alle die Bewegungen mitmachen. Am Anfang des Schuljahres hatten unsere Schüler große Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und im Unterricht aufzupassen. Auch fiel es ihnen schwer, sich an Regeln und Formen zu halten. Mittels Übungen zur Konzentration und zur konsequenten Durchführung gewisser Gewohnheiten hat diese Schwierigkeit im Laufe des Jahres abgenommen. Auch haben das Flöten und das Stricken viel in dieser Richtung beigetragen. Diese Art von Schwierigkeiten scheinen mit der Tatsache zusammenzuhängen, daß die Kinder· den ganzen Tag draußen verbringen und wenig Rhythmus in ihrem Leben haben. Das Radio, das in den meisten Häusern der Leute auf dem Lande einen großen Teil des Tages läuft, erschwert dem Kind sicher auch die Möglichkeit, sich auf etwas zu konzentrieren. Die Häuser, meistens klein und überfüllt, erlauben wenig Ruhe zum Nachdenken. Eine andere große Aufgabe unserer Schule ist es, in den Kindern die Liebe und die Ehrfurcht vor der Natur zu erwecken und damit den Wunsch und Willen, sie zu pflegen. Brasilien ist seit der Entdeckung von vielen Völkern ausge-

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beutet worden und daher ist die Natur in großen Teilen zerstört und verwüstet, die Bevölkerung arm. Unser Bestreben ist es, mitzuhelfen, hier die Richtung zu ändern, daß immer mehr Menschen anfangen, aufzubauen, anstatt zu zerstören, und der Erde zu geben, anstatt sie nur auszubeuten. Wir haben während des Jahres einige Ausflüge mit den Kindern gemacht und dabei versucht, in ihnen einen Sinn für die Einzelheiten in der Natur zu wecken. Wie hört sich zum Beispiel das Lied des Flusses an, woher kommt der Fluß, wo geht er hin? Wie viele schöne Steine gibt es in einem unscheinbaren Haufen von Steinen, wie schöne Farben in den Blättern der Bäume. Es gibt majestätische Bäume, die wie Könige aussehen, und andere bescheidenere, die Prinzessinnen sein könnten. Und was für eine Vielfalt von hübschen Samen es gibt! Wir beobachten den Flug und den Gesang der Vögel, einige ihrer Namen kennen wir, andere werden wir erst in den nächsten Klassen lernen. Wenn wir ein Vogelnest finden, schauen wir es mit Liebe und Ehrfurcht an und passen sehr auf, daß wir es nicht anfassen, weil sonst vielleicht die Vogelmutter nicht mehr zurückkommt. Wir beobachten die Formen der Wolken, wie sie froh am blauen Himmel schweben, oder wie sie vielleicht den ganzen Himmel bedecken und einen grauen Behang bilden. Wir horchen in der Stille, wie die Blätter der Bäume sich bewegen, wie die Fliegen und die Bienen summen, wie die Vögel singen. Um unsere Klassenräume haben wir einige Bäume und Blumen gepflanzt, die die Schüler mitverfolgen und täglich mit Liebe und Freude pflegen. Sie rufen begeistert die Lehrerin, um ihr eine neue Blume, eine neue Knospe oder neue Samen zu zeigen. Sie bringen noch ein wenig Mist, rupfen ein wenig Unkraut, streichen mit der Hand über die Blätter und Blüten und riechen an den Blumen. Täglich bringen die Schüler Steine, Samen, Blumen, Zweige und Wurzeln, die meistens dem kleinen Zwerg der Klasse geschenkt werden. Jede Woche tragen zwei Kinder die Verantwortung für das Gießen der Pflanzen, aber oft wollen andere mithelfen. Außer dieser Aufgabe haben die Schüler der 1. Klasse die Aufgabe, das Essen zu servieren, das Geschirr zu spülen, den Raum zu kehren und die Bäder zu putzen. Die Aufgaben werden mit Begeisterung und gutem Willen ausgeführt. Die Schüler sind sich ihrer Umgebung bewußt. Sie bemerken gleich, ob der Boden gebohnert wurde, oder ob

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jemand mit schmutzigen Füßen hereingekommen ist. Was die Arbeit mit den Eltern der Schüler anbelangt, suchen wir noch einen geeigneten Weg. Ein System mit Versammlungen ist den Eltern vom Lande unbekannt, sie kamen nicht, wenn sie zu einer Zusammenkunft eingeladen wurden. Zu einem Frühlingsfest hingegen, wo die Schüler Verse und Lieder vorgetragen haben, sind einige Eltern gekommen. Der Kontakt zwischen der Schule und den Eltern ist hauptsächlich durch Besuche in ihren Häusern hergestellt worden. Bei diesen Gelegenheiten zeigen wir die Hefte vor und unterhalten uns über die Entwicklung der Schüler. Am Anfang des Jahres haben sowohl die Eltern wie auch die Schüler sich über die Hefte mit den großen und bunten Buchstaben gewundert, die so abstechen gegen die Hefte, die gewöhnlich benutzt werden, mit Micky Maus-Figuren verziert, wo die Schüler nur kleine und verkrampfte Buchstaben hineinschreiben. Es war nicht einfach, den Eltern den pädagogischen Wert von Bildern und Malereien zu erklären, aber sie fangen an, sie gerne zu haben, und die Schüler selbst sind sehr stolz auf ihre Hefte. Im ersten Halbjahr haben die Schüler viel gefehlt, meistens weil sie zu Hause helfen mußten. Jetzt, im zweiten Halbjahr, nach vielen Gesprächen, ist die Teilnahme am Unterricht viel regelmäßiger und erleichtert somit die Arbeit. Seit die Eltern nämlich bemerken, daß die Kinder anfangen, einige Buchstaben und Wörter zu erkennen, hat sich 'ihre Haltung gegenüber der Schule geändert, und sie fangen jetzt an, ihren Wert zu erkennen. Die Landarbeiter Brasiliens haben etwas von Nomaden in ihrem Charakter. Oft bleiben sie nicht länger als einige Monate oder ein Jahr an einem Ort. Auf der Demetria haben wir einige Familien, die schon mehrere Jahre hier wohnen. Aber es passiert immer wieder, daß auch hier eine Familie weggeht. Wir arbeiten jedoch in unserer Schule in der Überzeugung, daß jeder Tag, an dem ein Kind Nahrung für seine Seele bekommt, wertvoll für sein ganzes Leben sein kann. Natürlich hoffen wir, alle unsere Schüler behalten ZU können, aber wir rechnen mit der Möglichkeit, daß eines Tages der eine oder andere unsere Schule verläßt, weil seine Familie umziehen muß. Daher dachten wir, daß es besser wäre, wenn der Beitrag eines jeden Paten an eine Gruppe von Kindern ginge und nicht an ein bestimmtes Kind. Mit der wertvollen Hilfe unserer Freunde,

innerhalb und außerhalb Brasiliens, ist unser zweiter Klassenraum im August fertig geworden. Es ist ein sehr schöner Raum geworden, wo zur Zeit die Kindergartengruppe ist. Nach diesem Umzug in den neuen Raum, mit mehr Platz und einer schöneren Atmosphäre, ist die Gruppe ruhiger und harmonischer geworden. Unser nächster Schritt wäre der Bau eines eigenen Raumes für den Kindergarten. Das ist einer unserer Wünsche für 1985. In diesem Jahr noch werden wir eine Kinder-

gartengruppe, ein 1. Schuljahr (offiziell Vorschule) und ein 2. Schuljahr haben. Leider haben wir noch keine Antwort der offiziellen Behörden auf unsere Bitte um die gesetzliche Anerkennung der Schule erhalten. Aber die Arbeit wird unabhängig von dieser Anerkennung im nächsten Jahr weitergehen. Um das offizielle Schulzeugnis zu bekommen, werden die Schüler der 2. Klasse parallel noch . eine staatliche Schule besuchen müssen. ·

Eldbjerg Blaich

Eine pädagogische Tagung im Südwesten der USA eine Tagung von Pionieren, die ihre Begeisterung und Tatkraft mitbrachten. Neben dem Wunsch, sich einmal wirklich kennenzulernen, war das Tagungsziel, eine Bildgestaltung der Gesamtsituation im Südwesten zu formen, eine gemeinsame Haltung auszuarbeiten, die realistisch hinschaut auf die Hintergründe der Situation, die die fast kollektiven Erziehungsprobleme der jetzigen Kindergeneration des Westens hervorgebracht haben. Herausgearbeitet wurde u. a., warum der Begriff des Milieuschadens, wie er immer noch präzise in Mitteleuropa gefaßt werden kann (wo sich noch Sonderschulen diesem annehmen), warum es diesen Begriff Im westlichen Bewußtsein praktisch nicht m~hr gibt·: weil solche Schädigungen praktisch nur noch vom Waldorflehrer erkannt werden können. So kann man Waldorfschulen in den USA als paradiesische Oasen der Fernsehwüste Amerika betrachten · d. h. es muß für die Erziehung dieser Kinder Lamborn Valley School in Paonia, Colorado alles davon abhängig gemacht werden, was die' (gegründet 1972); Austin Waldorf School, in Schule im häuslichen Leben der Kinder erreiAustin, Texas; Aiona Waldorf School in Albuchen kann. Der Akzent wurde auch gelegt auf querque, Neu-Mexiko; Wingspan School in die dringende Notwendigkeit, WaldorfpädagoDurango, Colorado; Taos Waldorf School in gik noch viel intensiver therapeutisch zu denTaos, Neu-Mexiko; Santa Fe Waldorf School in ken, Ärzte, Heilerzieher, Sprachgestalter und Santa Fe, Neu-Mexiko; Shining Mountain WalEurythmie, Musik, Drama heranzuziehen dorf School in Boulder, Colorado; Willow wenn möglich mit Vorträgen zusammen an die Wren School, in Denver, Colorado (gegründet Öffentlichkeit gelangen zu lassen. Vor allem 83/84). muß das künstlerische Element für alles Tun im Diese 4. Tagung im Südwesten führte 25 De- Vordergrund stehen. Die kurzen Tage erbrachten eine Fülle von legierte zusammen und wurde zu einem starken Erlebnis für alle Beteiligten. Im stillen Pionier- Themen als Vorbereitung für eine kommende, dasein durch Jahre, in z. T. ärmsten Verhältnis- für 1985 von allen Beteiligten mit Freuden ersen und Gegenden sich durchkämpfend, sind da warteten Tagung. Bei dieser wird unter andeSchulen entstanden in einer Umgebung, in der rem das Thema sein: der Halley'sche Komet die Bevölkerung die Worte »Waldorf« oder und seine Wirkung auf das Bewußtsein und auf Theo Erik >>Anthroposophie« nie gehört haben. Es war die Seelenglieder.

Die Bezeichnung »Südwesten« bezieht sich hier auf die Staaten Arizona, Utah, Colorado und Neu-Mexiko, der sogenannte »Warm Belt« (Wärmegürtel). Viele einzelne Miniatur-Gebirge bis zur Höhe von 4000 Metern (je höher desto üppiger die Natur und je mehr Bäume, desto zahlreicher die Gebirgsbäche, Elche, Pumas usw.) bilden diese Landschaft mit ihren tiefen Caiions und immer weiten Horizonten. In den Staaten Utah und Arizona gibt es noch keine Waldorfinitiativen, dafür kamen Lehrer aus der Waldorfschule in Austin, Texas, zu dieser Tagung, die 1984 in der Aiona Waldorfschule in Albuquerque, Neu-Mexiko, vom 2. bis 4. November stattfand. Acht Schulen wurden vertreten, die alle innerhalb der letzten zwölf Jahre entstanden sind und sich in unterschiedlichen Stadien auch in ihrer Entwicklung zu einer Waldorfschule befinden; sie seien ihrem Griindungsalter nach aufgeführt:

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Wesen und Erneuerung der Streichinstrumente Bericht von einer öffentlichen Arbeitstagung Die Sektion für Redende und Musizierende Ein Herzstück der drei Tage bildete der Vortrag von Dietrich Marx, dem Vorsitzenden des Künste am Dornacher Goetheanum hatte vom 10. bis 12. November 1984 auf Initiative von Vereins zur Förderung von StreichinstrumenChristian Ginat zu einer öffentlichen Arbeitstaten, die nach Anregung von Rudolf Steiner .entgung >>Wesen und Erneuerung der Streich inwickelt werden. Der Redner würdigte die strumente« eingeladen. Erstaunlich viele handgrundlegende Arbeit des Forschers, Akustikers werkliche Könner, ausübende Künstler und inund handwerklichen Meisters Dr. Franz Thomastik (26. 4. 1883 - 19. 11. 1951) und wies teressierte Zuhörer aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Frankreich, Holland und der darauf hin, daß gerade 33 Jahre nach seinem Schweiz waren erschienen. Dr. Hagen Biesantz, Schwellenübergang verflossen seien, und daß der Leiter der Sektion an der Freien Hochschule diese Zeitspanne, die sich mit dem Erdenleben für Geisteswissenschaft, bezeichnete in seinen des Christus-Jesus deckt, auch im NachtodliBegrüßungsworten die Tagung als ein festliches chen bedeutsam sei für das Wirksamwerden der Ereignis für alle, die neuartige Instrumente bauim vorangegan~enen Erdendasein geschaffenen en, darauf spielen und Erkenntnisse gewinnen Impulse. Aus eigener Intuition fand Thomastik wollen, wie im Laufe der menschlichen Entdie Grundlage für den Neubau der Streichwicklung sich auch das Hören gewandelt hat. instrumente dadurch, daß ein Fuß des Steges Aus dieser Umwandlung des musikalischen nicht auf der Decke steht, sondern durch ein Hörens kam ja der unvergeßliche Dr. ThomaSchalloch bis auf den Boden geführt wird, so stik dazu, Rudolf Steiner für den Bau seiner daß Decke und Boden frei gegeneinander neuen Streichinstrumente um Rat zu fragen. schwingen können. Außerdem verfügt ein solAuf diese Weise sind große Erfolge erzielt worches Instrument, bei dem kein Stimmstock zwiden, die helfen können, einen Zweig unserer schen Decke und Boden eingeklemmt wird, Kultur zu beleben, der im allgemeinen völlig über einen s-förmig verlaufenden Baßbalken traditionell festgelegt ist. Rudolf Steiner sprach unter der Decke, der durch einen gegenläufigen im Vergleich zur ägyptischen Kulturperiode soam Boden ergänzt wird, wodurch das Luftvolumen erregt wird und die Schwingungen weitergar von einer gewissen Dekadenz der Musikinstrumente schlechthin, die erkannt und geläugeleitet werden. Nach dem Verwendungsprintert werden müsse. zip des neugeformten Steges gleicht eine solche Zum Tagungsthema gab Norbert Visser Geige also der keltisch-irischen Chrotta, die (Holland) jeweils einen geschichtlichen Abriß aber Thomastik vorher gar nicht kannte, da sie über das Werden und Wirken der Streichinstru- · praktisch aus dem Musikleben verschwunden mente bis zur Geburt der traditionellen Geige in war. . Während des OsteWest-Kongresses 1922 in der Cremoneser Schule durch Amati, Maggini, Stradivari, Guarneri del Gesu mit ihrem lyrischWien besuchte Rudolf Steiner die Werkstatt sinnlichen Ton, wie wir ihn auch bei Mattbias Thomastiks, setzte sich an eine Hobelbank und . Klotz und Jakob Stainer finden. Er bezeichnete ließ sich von Thomastik an einer geöffneten den Stimmstock als das Organ der Mitte zwiGeige das neue Prinzip erklären. Auf die Frage schen den Polen Materie und Raum, Licht und des Geigenbauers, ob diese Anordnung richtig Wärme, Intensität und sonore Fülle. Viel Auf- sei, antwortete Rudolf Steiner dem Sinne nach: schlußreiches hatte er darüber zu sagen, wie das »Nein, nicht ganz, die Schwingungsimpulse geistige Hörerlebnis in uns selbst lebendig wer- sollten so verlaufen!« Dabei hielt er in einer Hand das Unterteil einer geöffneten Geige und den könne. Alle Instrumente, die unter diesem Aspekt während der Tagung gespielt werden zeigte mit der anderen Hand den Verlauf einer konnten, etwa von Jean de Ia Ferriere, Sakari Lemniskate. Die praktische Ausführung aller Sannamo, Helmut Bleffert, Franz van Dijk und Anregungen konnte von Thomastik nicht mehr insbesondere von Kar! Weidler und Arthur selbst gelöst werden. Aber der damals jüngste Bay, waren ja bemüht, das Geistige im Ton Mitarbeiter der Werkstatt, Geigenbaumeister . Kar! Weidler, der heute 83 Jahre alt ist und zur hörbar zu machen.

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Freude aller Teilnehmer in voller Rüstigkeit bei der Tagung dabei war, forschte und baute weiter im Sinne seines Lehrmeisters, und so gelangen ihm edle Instrumente, wie die berühmte Ahorn-Geige, die der russisch-blütige, jetzt Hamburger Prof. Goldstein spielt, der wegen der sonoren Tonfülle der neuen Violine sogar auf seine Amati-Geige verzichtet, die dem weltberühmten Geiger Wieniawski gehörte. Im Gespräch zwischen Rudolf Steiner und Franz Thomastik wurde auch berührt, welche Schwierigkeiten auftreten, wenn eine neue Sache eingeführt werden soll, weil die Menschen am gewohnten Alten hängen und manche Spieler von oft sehr teuer bezahlten Instrumenten damals sagten: >>Mein altes Instrument hat einen so warmen Ton, und Ihr neues Instrument ·klingt so anders.« Darauf antwortete Rudolf Steiner: »Die alten Geigen haben eine Wärme, wie wenn man sich ins Bett legt, und die neuen haben eine Wärme, wie wenn die Sonne aufgeht.« Er bestätigte auch nach gründlicher Forschung die Richtigkeit von Thomastiks Ansicht, die Streichinstrumente nicht alle aus Ahornholz-Boden mit Fichten-Decke zu bauen, sondern im Quartett: die erste Geige ganz aus Ahorn, die zweite aus Kirschholz, die Viola aus Birke und das Cello aus Eschenholz. Dadurch ergeben sich planetarische Aspekte zum Jupiter, Mond, zur Venus und Sonne, und so entwikkeln sich aber auch Beziehungen zu den entsprechenden physischen Organen: Leber Oupiter), Genitalsystem-Gehirn und Haut (Mond), Nieren (Venus) und Herz (Sonne). Tief beeindruckend war, was der Redner aus eigener Erfahrung über die heilend-therapeutischen Wirkungen der Holzarten auf Leberschwäche, Sexualsphäre, Niereninsuffienz und Herzinfarkte.zu berichten wußte. In den letzten Jahren wurde auch von seitender psychosomatischen Medizin der Einfluß der Musik auf den Menschen durch exakte Messungen bestätigt. Auch in der Saiten- und Kolophonium-Herstellung und Verbesserung der Apparate zur Reparatur hat Kar! Weidler in 60jähriger Erfahrung nach dem Tode Thomastiks dessen Impulse weiterentwickelt. Seit einigen Jahren hat der 83jährige seine Kenntnisse, Patente und Lizen-

zen dem jungen Hamburger Geigenbaumeister Arthur Bay (geh. 6. 2. 1957) weitergegeben, der ausschließlich die neuen Thomastik-Weidler-Instrumente baut und diese, so war jedenfalls unser Eindruck, zur Vollendung geführt hat. Er verwendet nur Klanghölzer, die nach einem von Rudolf Steine~:: angeregten und von dem Hamburger Hans-Jürgen Schulz entwikkelten Verfahren zunächst in blutwarmes, bewegtes Wasser gelegt und nach kurzer Nachtrocknung sofort für den Instrumentenbau verarbeitet werden können. Auf diese Weise werden während einer Mondperiode Harze, Öle, Salze und andere Stoffe aus dem Holz herausgespült, es wird zum Teil entmaterialisiert und dem Klangäther geöffnet. Einen weiteren Höhepunkt schuf Reinhold J. Buhl, Solo-Cellist von Weltgeltung, der ausschließlich auf einem Eschenholz-Cello Arthur Bays konzertiert, mit seinem durch viele Beispiele bereicherten, geistvollen musikgeschichtlichen Vortrag von der Pentatonik eines alten, vorchristlichen chinesischen Volksliedes, über die kosmisch-religiöse Musik der Gregorianik (Ordo virtutem-Reigen der zwölf Künste) der Hildegard von Bingen, von der Vielfalt der wie auf Goldgrund, von der Laute herrührenden, von Fürsten, Grafen und Klosterherren bevorzugten verzweigten Gambenfamilie - (köstlich seine Bemerkung, »der Lautenist stimmt immer, seine Laute nie«) - bis zum Übergang der musica sacra in die musica humana (terrestis). Schade, daß die Zeit nicht reichte: Reinhold Buhl hätte noch so manches über die »Reizworte«, besonders das Vibrato, sagen wollen! Den krönenden Schlußpunkt der ebenso arbeitsreichen wie zukunftweisenden drei Tage . bildete das Konzert des von Artur Bay in den vier verschiedenen Holzarten gebauten »Planeten-Quartetts«, dargeboten durch Wim Viersen und Irene Güdemann (Violinen), Christian Ginat (Bratsche) und Reinhold J. Buhl (Cello) mit Kontrapunkten aus Bachs »Kunst der Fuge«. Die Klarheit und Durchsichtigkeit, raumgrei~ fende Fülle, dunkelgetönte Wärme, lichtvolle Intensität und spirituelle Innerlichkeit, die hier erzielt wurden, werden wohl jedem Teilnehmer unvergeßlich bleiben. Hans Toelle

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Mitteilenswertes in Kürze »Penny-Pool« für südamerikanische Waldorfschulen Rechtzeitig vor den nächsten Ferienreisen in diesem Frühjahr und Sommer weisen die Initiatoren der neuen Hilfsaktion für Südamerikanische Waldorfschulen auf ihren »Penny Pool« hin. Die Aktion geht von der Beobachtung aus, daß viele Eltern und Freunde der Waldorfschulen von ihren Urlaubs- und Geschäftsreisen Hangeid-Devisen mitbringen, die dann nutzlos herumliegen. Werden aber z. B. in einer Schule diese Beträge nach den Ferien gesammelt, so sind die größeren Mengen doch umtauschbar oder anderweitig wieder zu verwenden, so daß oft einige hunden Mark als Erlös für die südamerikanischen Schulen übrig bleiben. U. a. in Reudingen, Wanne-Eickel, Bremen und Heidenheim wurden so recht beträchtliche Erfolge erzielt; die Heidenheimer konstruierten sogar eine »Penny-Orgel«, wo jeweils abzulesen ist, wieviel Münzen einer Landeswährung schon beisammen sind. Nähere Informationen und Organisation der »Penny-Pool«-Aktion: Raphael Steiner, Odenwaldstr. 23, 3500 Kassel. Konto bei den »Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners«, GLS Bank (BLZ 430 609 67) Nr. 13 042 010, Kennwort "Penny Pool..

Internationale Orchestertagung für Waldorfschültr Auf vielfachen Wunsch konnte für 1985 eine internationale Orchestenagung für Waldorfschüler eingerichtet werden, die unter Leitung von Gustav Gundersen vom 26. Juni bis zum 4. Juli 1985 in Trendheim stattfinden wird. Ansätze zu einer solchen musikalischen Zusammenarbeit hatte es bereits seit 1979 gegeben, weil sich jeweils auf den Waldorfschüler- und Ehemaligentagungen eine intensive Orchesterarbeit bildete. Die jetzt geplante Orchestertagung wird gleichzeitig mit dem von Miha Pogacnik geleiteten »Idrian-Festival« stattfinden. So hat Pogacnik angeboten, mit dem Schülerorchester zusammen Beethovens Violinkonzen zu spielen. Weiterhin soll voraussichdich an Carl Nielsens »Hahnentanz« und dem Stück eines zeitgenössischen norwegischen Komponisten gearbeitet werden. Die Kosten werden voraussichdich 80,- DM ohne Verpflegung betragen. (Ermäßigte) Eintrittskanen für das Festival

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können bezogen werden. Anmeldungen werden dringend bis 15. April 1985 an Gustav Gundersen, Bekkeblomveien 2, N-1450 Nesoddtangen/Norwegen, erbeten.

Hinweis auf Studienbeginn einer Werklehrer-Bildhauer-Ausbildung Ein nächster Studienkurs der Freien Kunstschule Munzingen für Werklehrer und Bildhauer wird am 2. September 1985 beginnen. Die von Reimar von Bonin geleitete Kunstschule die den Untertitel »Schulungsstätte für Goetheanistisches Gestalten« trägt - wurde vor zwei Jahren begründet und hat zur Zeit nur die Fachrichtung für Bildhauer und Werklehrer; eine Abteilung für malerisches und graphisches Gestalten soll unter Leitung von Walther Roggenkamp hinzugefügt werden.

Öffentliche Aufmerksamkeit für Architektur der Waldorfschulen Die führende schwedische Zeitschrift für Architektur widmete 1984 ein ganzes Heft ( »arkitektur« 6/1984) schwerpunktmäßig dem Werk des schwedischen Architekten Erik Asmussen. Er wurde besonders durch seinen Bauimpuls in Järna (s. auch »Erziehungskunst« 2/1983) bekannt, hat aber auch etwa zehn Schulen im nordischen Raum, in England und zuletzt in Düsseldorf geplant und gebaut. Neben vielen anderen Aufträgen ist gegenwärtig gerade die neue anthroposophische Vidarklinik in Järna im Bau. In der erwähnten Zeitschriftenveröffentlichung konnte weiterhin Arne Klingborg ausführlich den Bauimpuls Rudolf Steiners und das Goetheanum darstellen. Verschiedentlich von der Presse registriert wurde auch ein ganz anders geaneter Bauimpuls, der von der zweiten Waldorfschule in Hannover-Bothfeld ausging. Aus Überzeugung und auch aus finanziellen Gründen wurde in Bothfeld mit viel Eigenarbeit, überwiegend Holz und originellen Grasdächern, eine ganz eigene Schulgestalt erzeugt. Durch den Erfolg ermutigt, planten die Architekten Hermann Bockhoff und Helmut Rentrop mit überwiegend Eltern der neuen Waldorfschule eine Reihenhaus-Siedlung nach dem gleichen Baumuster. Auch das gemeinsame Planen und die Eigenleistung am Bau wurde in diesem Wohn-

Siedlungsprojekt übertragen, so daß eine sehr menschliche Wohnatmosphäre entstehen konnte.

Musiklehrgänge im Jahr der Musik Dem proklamierten Europäischen Jahr der Musik und Internationalen Jahr der Jugend 1985 verpflichtet fühlt sich ein vielseitiges Angebot "an Musizierwochen, Fortbildungskursen und Fachlehrgängen, veröffentlicht mit dem Veranstaltungsplan >>Musiklehrgänge 1985« vom Internationalen Arbeitskreis für Musik (IAM). Schüler-, Jugend- und Familien-Musikwochen in den Schulferien, internationale Jugendbegegnungen im europäischen Ausland, in den USA sowie Chor- und Instrumentalwochen bieten zahlreiche Möglichkeiten zu gemeinsamem Singen und Musizieren für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Musikpädagogen, Musikstudenten und interessierte Laien finden in Fachlehrgängen (Chor- und lnstrumentalleitung, Alte und Neue Musik, Jazz, Rhythmik, Tanz, Improvisation, Musikerziehung, Musiktherapie) und Instrumentalkursen (u. a. Gitarre, Flöte, Blockflöte, Viola da Gamba, Klavier, Violine und Violoncello) Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für ihre musikalischen Interessengebiete. Der Veranstaltungsplan 1985 kann (möglichst mit Portobeigabe) angefordert werden beim IAM, Heinrich-Schütz-Allee 33, 3500 KasselWilhelmshöhe. ]W.

Das .. Einheitssupersauberkind« Immer mehr Kinder werden wegen ihrer Lernschwierigkeiten oder leichter Verhaltensstörungen mit Medikamenten behandelt. Psy-

chopharmaka stimulieren das passive und gleichgültige Kind oder beruhigen nervöse und überaktive Schüler. Schon in den 70er Jahren wurden in den USA 400 000 Kinder mit Psychopharmaka wie »Ritalin« u. ä. behandelt. In Japan und den USA gehört der Psychopharmakologe bereits zum SchulpersonaL In einer Hamburger Untersuchung konnte belegt werden, daß sich diese Tendenzen auch in der Bundesrepublik ausbreiten. So haben in Harnburg im Jahre 1981 17,3 % von 790 befragten Schulanfängern ein oder mehrmals Psychopharmaka erhalten. In der Praxis eines Hamburger Kinderarztes werden 38 % der behandelten Kinder mit solchen Mitteln wie »Ritalin« oder »Deanol«, die in der Werbung auch als Vitaminpräparate angepriesen werden, verarztet. »Das Kind wird ausgeglichener, umgänglicher, hilfsbereiter, weniger mürrisch. Es packt freiwillig Dinge an, die getan werden müssen. Es räumt plötzlich ohne Verlangen sein Zimmer auf. Kurz: Das Medikament ermöglicht es dem Kind, seine Impulse besser zu steuern, es kann besser und länger aufpassen ... « »DogmatilSaft- das sanfte Psychopharmakon- fördert die Einsicht und öffnet die Psyche für neue verbesserte Kontakte, läßt dem Kind die natürliche Hemmung und baut überschießende Gehemmtheit ab.« So oder ähnlich klingen die Werbetexte der Pharmaindustrie. Dabei kommen einem Visionen aus Huxleys »Schöne neue Welt« in den Sinn, wo die Menschheit mit Hilfe der Wunderdroge »Soma« beherrscht wird. Je mehr die eigentlichen pädagogischen Maßnahmen versagen, weil sie dem Wesen des Kindes nicht gerecht werden, desto mehr wird zu künstlichen Mitteln gegriffen. So erhält man schließlich das »Einheitssupersauberkind«. A. N.

Termine Fortbildungswoche für Oberstufenlehrer m Kassel.

agogik Rudolf Steiners.« Freier Pädagogischer Arbeitskreis, Anmeldung und Auskunft bei Christine Büchi, Schulhaus Ötzikon, CH-8634 Hombrechtikon/Schweiz.

8. bis 14. Apri/1985 11. Pädagogische Arbeits- und Resinnungswoche auf Schloß Wartensee/Schweiz. »Evolution und Pädagogik. Anregungen aus der Päd-

26. bis 28. Apri/1985 Jahrestagung des Bundes der Freien Waldorfschulen in Wangen, siehe ausführlichen Hinweis auf Seite 138 in Heft 2/85.

29. März bis 4. Apri/1985

213

10. bis 12. Mai 1985

Übungskurs für Pädagogen und pädagogisch Interessierte: »Langobardische Kunst und Kultur. Von Odin über Vidar zu Michael.« Mit Rudolf Kutzli und Christa Slezak-Schindler. Freie Studienstätte Unterlengenhardt, Burghaldenweg 46, 7263 Bad Liebenzell 3, Telefon (0 70 52) 35 01. 25. bis 29. Mai 1985

Mitgliederversammlung der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten und interne Tagung für die Fortbildung der Mitarbeiter in den Waldorfkindergärten in Hannover. Information über die Vereinigung, Heubergstraße 11, 7000 Stuttgart 1. 15. bis 23. Juni 1985

9. Öffentliche Pädagogische Arbeitswoche in Wanne-Eickel. »Liebe als Erkenntnisprinzip. Welche Aufgaben hat Erziehung heute?• Ausführliche Information in diesem HeftS. 215. 26. Juni bis 4. Juli 1985 Internationale Orchestertagung für Waldorfschüler unter Leitung von Gustav Gundersen in Trondheim. Siehe Hinweis unter »Mitteilenswertes in Kürze«. 12. bis 20. Juli 1985

4. Öffentlich Pädagogische Arbeitswoche in Hamburg. ,.Krise der Zeit- Krise des werden-

den Menschen«. Ausführliche Informationen in diesem HeftS. 216. 20. bis 26. Juli 1985

Öffentlicher anthroposophischer KalevalaKongreß in Jyväskylä, Finnland. Die Tagung richtet sich an alle, die an der Kalevala und der Aufgabe Finnlands und Europas interessiert sind. Programme und Anmeldungen (bis Ende Mai 1985): Kalevala-Kongreß, Väinönkatu 21, SF-28120 Pori/Finnland. 24. Juli bis 1. August 1985

35. Öffentliche Pädagogische Arbeitswoche in Stuttgart. »Die dreifache Aufgabe des Erziehens - gestalten, beleben, erwecken. Anthroposophie als praktische Menschenkunde«. Ausführliche Informationen in diesem HeftS. 217. 21. bis 24. November 1985

Öffentliche Tagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland mit dem Arbeitszentrum München. •Anthroposophie als Lebenspraxis«. Vorträge von Manfred SchmidtBrabant, Stefan Leber und Christoph Lindenberg, Aufführungen der Goetheanum-Bühne Dornach und der Eurythmie-Bühne München. Genaues Programm im Sekretariat des Arbeitszentrum München, Leopoldstraße 46a, 8000 München 40, Telefon (0 89) 33 25 20.

Anschriften:

Stefan Leber, Esslinger Straße 29, 7302 Ostfildern Dr. Christoph Göpfert, Schleptrup 113, 4550 Bramsehe 8 Peter Lange, Bachstraße, CH-8330 Auslikon Dr. Ernst Schuberth, Feldbergstraße 22, 6800 Mannheim 1 Dr. Johannes Tautz, Turnerstraße 1, 7737 Bad Dürrheim 3 Dr. Helmut v. Kügelgen, Heubergstraße 11, 7000 Stuttgart 1 214

l Monlag, 17. 6. Dlenolog. 18. 6.

Dlo Wlrtdlchkolt dor ;ollllgenWetl

Dr. Johannes W. Schneider, Wenno-l:lckol

Schickaal und Wlodo!Yeri
Goo
1/aM-Gem.trl

Leh:ung: Fetrllnand 8fJd
Arrlklllng

E~hmlochor

Freiburg

..enz:el GMte,

Eo be{jlnnan und enden dlo einzelnen Tage der Arbeitswoche mit eurythmlschon Demonstrationen. Sie IOhntn zum lloratehen dloaar Kunst. Ea werden Stollen aus Werken rusalscher Denker, Dichter und Musil
Im Parttlllachon

mueeumsln Bochum hou.on

oder des IkonenMuoeumo ln R-llng-

Blldll~.

Eurythmtachor Ausld1111g

Or. Midlael11 G/6dcler, Willen

Menschen?

20.30Uhr Wolch .. Bild haben wir vom russischen

Boauch doo Borgbou-

Yertllndung mit dem

sophlschon Elnriehtungon Im Ruhr;eblol. gogobononi.U. ln

anthrnP~>

Yolkort Prahl,

Auekunlt und Anmeldung: Hiberniaschule, Herne 2, Telefon (0 23

25)

4 10

81.

Eurythmllld'tar Auaklong -

~oomblo,

Malen - Plastizieren - Hell-Dunkel-Zeichnen Fonnenzelehnen - Schnitzen - Spielzeug - Puppen Bandweben - SpiMen - Übungen zur Astronomie - Wege zur Spiritualislerung der Mathematik - Gartenbauübungen zur Methodik und Didak~k des Kindergartens.

Plallllech-blldnerlsche KWIIB

in elementares Musizieren.

Spnlchllch-mualkllllache Kurse Eurythmie- Spnlchgesla"ung- Spmcha und Geste im dramatischen Spiel - Einführung in das BlockflOtansplel Gesangliche Stimmschulung - Improvisation mrt neuen Instrumenten- Leierspiel- Bothmergymnastik- Einfülwung

---

AliHogo......

Gelegenheit :rum

12.30Uhr

Leitung:

11_00- 12-30 Uhr und 15.00- 16.30 Uhr

Künatler1ache Kurse

Ausklang

E~hmlocher

Stutt~

Kurao

20.30Uhr Auuprachen in Gruppen

Yolkllanl

20.30Uhr Gomolnst:hohoblldonde Krllte

Somlnan!

18.30-20.30 Uhr 19.30-20.15 Uhr

--

KOnsllo~ICIIo

17.00-16.30 Uhr

15.00-16.30 Uhr

1. Einführung in die Anthroposophie unter besonderer Berücksichtigung des ihr zugrunde liegenden Wi...."sc:haltsbegriffes; Pe!IN Biltow, Wanne-Eickel. - 2. Eintatvung in die Anthroposophie als Gn1ndJage der Pädagogik; PoliN-Wolfgang Mau,..,, Wrtten. - 3. Eintahrung in die Anthroposophie: Elkenntnisweg - Menschenbild - Erziehungspraxls; Dr. Johsnrres W. Schneldor, Wanne-Eickel. - 4. Wie werden die Grundlagen der modernen Physik durchsichtig für spirituelle Begriffe? Or. G8org Unger, Domach (Schweiz). 5. Erkenntnis des Lebendigen an Beispielen aus Pftanzen-, Tler- und Menschenkunde; Hans-Gerhsrd WynekBfl, Essen. - 6. Russische Uteratur - Motive zum Tagungsthama; Svetlana G8)181', Freiburg. -7. Medizinische Aspekle derWaldorfpädagogik; Or. Michsela Gf6ckler, Willen. - 8. Inhalt und Aufbau des Fremdsprachenunterrichtes in der Waldorfschule; DorolheiJ """ Winterfeldt, Wrtten-Annen. - 9. Klassenfütvung in den Jahren vor der Pubertät; RosBmBJie Bütow, Wanna-Eickel. - 10. Die vier Temperamente im Unterricht der Unterstufe; Ros8nl8lie Schlecht, Wanne-Eickel. - 11. Sinnesschädigung und Sinnaspliege als Therapiahi~e im Unterricht; Hans-Fri8dbllrt Jaenlcke, Wuppertal. - 12.•Das kleine Kind - ganz Si~n!" Wes hat uns dieses Motiv Rudoll Steinars für die ersten sieben Lebensjahre zu sagen? Edgar Forster. Bochum-Langendreer.

Seminare 17.00- 18.30 Uhr

M~gllod

Eurythmlst:her Ausklang

lnGn~ppon

Dlolloranotaltung wird durchgofOhrt Im Z1111111111M11hang nlil dom wa&dorfblldungswork o.V.,

Eurythmllc:her Aueklang

wanne-Eickel

l'eler 8Dt0t111,

des naturwluenschaftliehen Oenkem1

20.30Uhr Auaapr.cho

20.30 Uhr SchOiorauiiOhrung Rudoii-StolnorSchule v.\Jppartol: Szenen aue JNu Ihr wollt• von Shokospoara

~O.OOUhr

20.30Uhr WladlmlrSolowj(llt

17.00-18.30 Uhr

Abendpauoe \lolkalanz mit Womor Alog/en, DOaoaldorf und Helle Tirler, Wenno.Cickal

Somlnara

Ende der Toaunu

1<4.00Uhr Auaflug zu

o.nddom plullach-olldnotlaohen-

EurythmieAuiiOhrung -Euryth-

KOnlllorlacho K"'"" ..,. dam oprachllch-muolkallochon und dom piUIIICII~Udno~ICIIen Borelch

-

- - Kuroo ... dem oprachllcll-mualko-

15.00-16.30 Uhr

Don Hruog

11.00-12.30 Uhr

Womor&ttod

SchluBworto mehrerer Referenlen

Wolcholwlgabo hat Erziehung heute?

M&nagapouso

Bochum-Langendnter

Dr.Aiodrua""' Schwononß{Jgol,

Au. dom Phyalkuntor~chlln dor Oberatufo

12.30-15.00 Uhr

Konzort-Matinoe _"ands, Eurythmie-Ensembles

wanntH:Ickat

-...noBOtow,

G_,aphlo ln dor 7. Kloooo

KOnollortacho Kuroo ... dem aprachllcll-muslka~lochen und dem pllllllocMiildnorlachon BeNich

MOSheim/Ruhr

Anno Sop/lio EUuotlo,

Bei8plekt IIUI dem Unterricht der Kluoonl-3

Sonnleg, 23.6.

11.00-12.30 Uhr

M•urer, Witten

Plolorllt>lfgong

Somsteg, 22. 6.

Unten'lchteepochen- Ihre Zielsetzung, \tlrbereltung und Dun:hfOhnmg

F...nag, 21.6.

Wltten-Annen

Hlbemluchule

Dia Splrttuollalol\lßU

Lehrer aeln -

EinObungswe;

0onllOfOiog,20.6.

~on.E...n

desMeniiChen

Die Wooona;Uodor

9.00-10.30 Uhr BolrachlußGen zum Tegungethemo, olngelollol durch ourythmloclle Domonolrallonon

Ml1twoch,19.8.

Lisbs als Erksnntnisprinzip UUsl[hs Aurgabsn hat Erzishung hsuts?

8.00-IU5 Uhr Erarbollung von Chorallzen- Fron• - o r . _,no-löicl
Sonn18g, 16. 6.

18.30-20.30 Uhr 19.30-20.15 Uhr

dem Untarrk:ht der

Darbietungen aua

15.30Uhr BogrGBung

Somolag, 15. 6.

Wanns-Eicksl (9.Tilgunu>

15. - 23. Juni 1gss

Sonntag, 14. 7.

Seminare

10.45-12.15 Uhr

Anlhroposophisehe Einrichtungen im Hamburger Raum

14.00 Uhr Ausflug

Aussprache

Stuttgart

Dr:med. Thomas McKeen,

Innere und Außere Bildgestenung die Wirkung neuer Medien auf die Entwicklung des Kindes

Dienstag, 16. 7.

Harnburg

Hanno Wember,

Wahrnehmen und Denken- die Erkenntnisfrage der Naturwissenschaft

Donnerstag, 18. 7.

Stuttgart

Peter-Michael Rlehm,

Die Krisis Im musikaUsehen Kunstwerk und Ihre Bedeutung fOr die Padagogik

Freitag, 19. 7.

Abendpause

Künsllerisch-preklische Kurse 2. KurszeH: 17.00-18.30 Uhr

14.00-15.00 Uhr AOten: Adelheid Glesbert, Harburg

Mittagspause

Seminare

Friedrichshulde

Ekkehard Fiedler,

Erwachen am anderen Menschen Aufgabe der HellpAdagogik in unserer Zeit

Mittwoch, 17. 7.

Stuttgart

Dr. Manlred Leist,

WIB konkretisiert sich Wissenschaft vom Geist? Von der Entwicklung innerer KrAlle Harnburg

Dr. lrmgard Hürsch,

Lehren heißt lernen - Erzlehen heißt sich wandeln

liane Frank, Msria Goetze, Hamburg · 7. Zum Musikunterricht in den Klassen 1-12 (allgemeine

Auskunft und Anmeldung: Rudolf Steiner Schule Wandsbek, Rahistedler Weg 60. 2000 Harnburg 72 (Farmsen), Telefon (0 40) 6 45 10 11

schule: Uwe Hsnsen, Manfred Elson, Hsnno Wember, Harnburg · 12. Vom Fremdsprachenunterricht an der Waldorfschure - Übungen, Beispiele und menschenkundliehe Aspekte: Ruth Eharl. Jahanna v. Usslar. Harnburg

Methodik und Didaktik m~ Lileraturbelspielen). Dazu: theoretische und prek\ischa Übungen: Pater-Michael Riehm, Stungart · 8. Der .Lehrplan"- eine Einfüllrungin die Waldorfpädagogik: Christoph Binder, Hatburg · 9. Erziehung und Seelenpflege: Ekkohard Fiedler, Friedrichshulde · 10. Die Gestaltung von Krisen in der Dichtung als Thema im Jugendalter: Dr. Christoph Göpfert, Evinghausen · 11. Der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht der Waldorf-

Orchester Eurythmie

Aussprache

Evinghausen

GDpfetl,

Dr. Christopli

Wie findet die Jugend den ZeHgeist durch modeme Dichtung

Sonnabend, 20. 7.

Evinghausen

SchOier der 12. Klasse der Freien Waldor1schule

Plntlz'-Nn: Psttlt' Lampasiak. Hannover; UJrich Schöne, Mannheim Malon: Renato SchiW, Hamburg; Angelika Kolbe, Marblrg; Ulrlch SChOne. Mannnelm - Scmnra--B-Ze1-: Gtwd Riickner. Harnburg - Formenzelc:hnen: .Andnla Alttier, Harnburg - H.ndarbeft Liselotto Schnogelsbetg, Hamb\Jrg -Spin non: Soblne Belll.nt. Harnfelde - Korbflec:hten: Rosemarie Hansen, Harnburg - Holzarbelt: T'hornas Frank, Hamburg; Ludoll Kolligs, Harnburg - Kuplertrelbon: Ludoll Kolligs, Han-burg.

Blldnerioch-plulloohoKurM:

Sprachlleh-muolkallocho K.... : Muolk: Pe""-Michael Riehm, SMtgart; " _ HllnSMI, Hamburg; Peter-. Viorllilfon- Euryttvnlo: Honno Jouck. V.,.,.. Sc,_, HU/11 TIJVlfdia, Fri«JWMt Krüger, u. a. - Sprwchgat.8rtung: Bllrtwll Davidd, Dominique Zeytmsns, I/se Glismann, Harnburg - BothmergrrmaaUic Thomss All,..,s, Einhsrd Gade, Harnburg - -ldloch-kQ.-riocTunlm~: H/kJogMriRoe-.Soblnellaschetl, Homt>urg.

------

Abschluß der Tagung

-00-=J~-Der KOnig stirbt•

Künatlerisch-prakllsche Kurse 15.00-16.30 und 17.00-18.30 Uhr

Gerd ROckner, Harnburg

Der Mensch Im Spannungsfeld architeklonischer Gestallungen

1. Anthroposophische Grundlagen der Pädagogik: Holmut Eller, Harnburg · 2. Einführung in Grundfragen der Anthroposophie: Dr. lrmgsrd Hürsch, Lydis Kühl, Harnburg · 3. Die Kunst des freien Erzählens: Gabriefe Botte her, Harnburg · 4. Von den Grundlogen der Waldorlschule: Hartwig Schiller, Harnburg · 5. Stuten der kindlicllen Entwicklung - Erziehungsaufgaben für den Unterricht: Lothsr Steinmann, Harnburg · 6. Aus der Arbeit des Waldorfkindergartens: Ju-

Harnburg

Hartwig Schiller.

Kollegiale Selbstverwaftung als Geslaltungsprinzlp der Waldorisch ule

Eurythmlsche Auftakte- eintOhrende Darbietungen durch Eurythmisten der Hamburger Rudolf Steiner Schulen

Seminare 10.45-12.15 Uhr

Leitung: Carina Schmid

Schüleraufführung

Klasse 8 Rudoll Steiner Schule Harburg

Pädagogisches Handeln findet seine Aufgabe in der Hinwendung zum Kind und jugendlk:hen Menschen. Die von Rudolf Steinerbegründete Pädagogik der Waldorfschule ertährt ihre wesentltche Anregung aus einem Verständnis des Menschenwesens, das seinen Lebenslauf als eine Einheit betrachtet, die ständige Wandlungen eriebt. Oll sind dabei schmerzhafte Prozesse zu durchlaufen und auch Momente wirklicher Gefährdung treten auf: ohne sie kann sich keine Entwicklung im eigentlichen Sinne vollziehen. Sie erscheinen vielmehr notwendig für den Menschen, der ganz in seinen Zeltverhältnissen steht; sie können zu einem Schlüssel zum Verständnis seiner Aufgabe werden. Oie Themen der 4. Tagung nehmen von diesem Gesichtspunkt ihren Ausgang und wollen eine Einführung in die Pädagogik Rudo~ Steiners geben.

Harnburg

Lothar Sleinmann,

BOhnengruppe der

Eurythmie-Schule Harnburg

•Der Drache·

EurythmieAuffUhrung

Abendpause

18.30-20.00 Uhr

Jewgenij Schwarz

Orchester: Peter-Michael Riehm, Stuttgert

KOnstlerisch-preklische Kurse 1. Kurszelt 15.00-16.30 Uhr

13.00-14.00 Uhr

Harnburg

Gabriete BOI!cher,

TrAumen im Bild Erwachen im Gedanken

15.00-18.30 Uhr

Darbietungen aus dem Unterricht der RudoH Steiner Schule Wandsbek

Harnburg

Helmut Eller, Harnburg

Bewußtseinsschritte des werdenden Menschen

I/se Bimsteln,

9.00Uhr Vom Wesen und von der Bedeutung der Krise Im Lebenslauf des Menschen

Mittagspause

20.00Uhr Was heißt heute Erziehung zur Menschlichkeit?

Montag. 15. 7.

8.00-8.45 Uhr Chorsingen- FriederlkeHansen, Harnburg

Sonnabend. 13. 7.

Krise dar Zeit - Krise das wardanden Manschen

Monalsfeier

16.00Uhr ErOIInung

Freitag, 12. 7.

12. - 20. Juli 1985 Hamburg <~. Tagunu>

Donnerstag, 25. 7.

9.00-10.30 Uhr

Samstag, 27. 7.

Sonnta;. 28. 7.

Montag, 29. 7.

15.30-19.00 Uhr

16.30 Uhr Monalsfeier

Dienstag, 30. 7.

Chrlsloph Lindont>erg, IOn::hzarten

Dr. Johannes Tautz. BadDOrrheim

Die Waldorfschule wurde 1919 nach dem ersten Weltkrieg von Rudolf Steiner gegründet. Sie sollte eine Stätte neuer Erziehungskunst in den geistigen und sozialen Aufgaben unseres Jahrhunderts sein. Aus diesem Anfang sind bis heute ca. 400 Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen in aller Weit entstanden. Schon 1923 hatte RudoH Steiner Erziehungstagungen eingerichtet, um von den Grundlagen und der Praxis der neuen Erziehungskunst Kunde zu geben. Nach dem zwe~en We~krieg knüpfte die wiedererstehende deutsche Schulbewegung an diese Verpflichlung an. Mit den Themen der jährlichen Sommertagungen will die Waldorflehrerschaft zu den jeweils gegenwärtigen Problemen der Erziehung, den Fragen des lehrerseins, der gesellschaftlichen Wandlungen und der Schule als Quellort neuer Ku~ur ihren Beitrag geben.

praktiache Menschenblldung im

Petar-Michael Riehm,

Stuttgan

btock. Stuftgart

Die Aufgabe der Musik als bildende und belebende Kraft der manachliehen Seele

Dr. Elrkehard Rande-

Ew.pressionismus. Wage k0nstler1scher Welterfahrung für den Jugendlichen MenSChen (mll Uchtbildem)

lm~ssionlsmus-

Abendpa-

Dr. Rainer Patz/art,

Auslr/8/IQ

Eurythmischer

Stun;on

NattM'Wissensel'laften. - 18. Georv Kns.be: Natlftriebnis und physikalische Theorie - W11 fiitven wr das Kind an das moderne Weltbild Mran. - 19.!ZO.: Der FrerndaprKhenunterrlentln der WDidorfl:d'lule allhand v. Beispleten. 19. Ute T.,tor: Engli~.- 20. Alailn ~oort FranzÖSisch. - 21 Peter·Mtc:h8el Rlehm: Z~ Musiklilienicht in der W~le (allgemeine Methodik und Didaktik mrt Utefatulttelltlfelen.- 22. JohMnn H&mer: Die Bedeu· tung der leibeser.ziehung IUr dl8 gesunde Entwtd!lung da U'ibes und d6e kele Enttartung det Penbnllehkett.

1. Ctvt.toph Undenberg: Grundfragen anthroposophischer Mensehtnencenntnis. - 2. Steten Leber: Die Scl'\ule 1m gesellschaftlichen Umfeld - FreiheitliChes Gersiesieben als Aufgabe. (ZLK sozialen Oreiglieden.mg). 3. Dr. Ernat-Mlchalll Krwnlch: Oie Verwenl:lungen dea Menschenwesens ln Ki'ldheit und Jugend- Anttvoposopl"lische Menschenerkennlr'lb und die Praxis des erziehenden Unterriehtl. - 4. Dr. rned. Latn.r Vogel: Die ersten drei Jah"iebte in pidagogisch·ärrllleher Sieht: Eil'le mecli:bnisehe Menschenkunde fUr Ehern ul'ld Lehrer.- S. Dr. ,..lner htzt.tt. Warum lon::left AudoH Stei!W bilcl'leftes Untet'Tidtten? (mH praktischen Beispielen). - 8. Tildevon Elft: CNe Bedeutung der Temperamentenlettn!t ffir den Erzieher. - 7. Dr. OIIII'Ofburm: Oie Titi9keit als Klusenlehrer- Eine Vertiefung und lndlvic:I'UIIIaierung kindlicher FähiQklflitan. - B: HeiN ..,.,.._,ortl'er: Einfütwung in die AJIIJS!IMen, in den EpochenLI"'terrieht und den ALrtbau des Hauphmtemetlts. - 9. Stgrtd GrMe: Pflege det tehöpferiachen und sozialen Kriifte im zweiten Lebensjafniebt.- 10. Asbid Attrwla: Eintührung in IM Kl..,kind-Päd· agogik - Elfehrungen aus dem Waldortklndergarten. - 11. Magda Mlller. Da Al1e Testament - Erzihlsl:otr i'l der 3. Klasse. - 12. Emat BQhl.r. Dyrlarnischa Zeichnl!ln - al5 aeeli&eh beft'llende IM"'d formende Knlft im Volkuc:hul· alter. - 13. Thomea Hllden I Gerttard FeMer: Das entwicki~Htörte Kineillid seine Förderung im Klauenll!terricht. - 141. Dr. Johannea T8uta/ N0111 TM.Itz: Geschichtsunterrlct-11 an derWalc:ICirlsctu.rle- Unteniehtsbelapiele und Themen'IOI"5Chhige für die Mittel- und Oberstufe. - 15. M8lte Schuel'th•rdt: Oie Aufgaben des Deutachunterrietlts im dritten Jal'niebt (9. - 12. Scnuljllhr). - 16. Dr. Ekk~ ~II: Kunst sehen lernen, Kunst verate~n lernen. Vom Si"'n des Kunstunterrichts. - 17. Wotfg•ng SeNd: Aktuele EvolutiCinstr.gen in den modernen

Seminare 11.00- 12.30 Uhr

Leitung: Else Klink

Sluii;M

Eurythmeum

AuffahrunQ

Eurythmie-

Mannheim

Andreu Suchantlfe,

Efllehung zur Yerantwortung gegenOber der Natur

Bund der Freien Waldorfschulen, Heidehofstraße 32, 7000 Stullgart 1, Telefon (07 11) 23 29 96 •2 10 42-0•

Auskunft und Anmeldung:

Mu•lk: Ewafd und Marta Boefgsr, Witten-Annen - Horst Langkarnm, Frankfurt - Veronika Peter!Peter~MicluteJ Rishm. Stungart - Jiirpen Schtielor, Boctun - Eurythmie: Dorothes Brockhcll, Stuttyan - Sonna KOrzdörfer, Mannhelm- fngmar Stegemsnnltilssz I Jocllen Kriigoo' I Roland R«
Abschluß dO
Künstlerische Darbietungen aus den Tagungsku,_n

Abendpause

Künetlerlsch-praktlsche Kurse (15.30-17.00 und 17.30-19.00 Uhr)

ca 13.00Uhr

AbIoM

KOnstlerische Kurse der Gruppen I und n

1. Kurogruppe 15.30-17.00 Uhr, 2. Kurogruppe 17.30-19.00 Uhr

15.30-19.00 Uhr

Mina;spause

Gesamtauaap111che

llllffgong Schad, Stutt;M

Ju;andan ...

KOnstlerisch-Praktlscha Übungen ln Kursen:

Wissenschaft am Wendepunkt Verwandlung des Denkans als Aufgabe des Lehrers

Die Tugenden der

Wluenscheh als

Orchester und BlockIIOten

Stuttgan

Geotv Kniebe,

untenicht

Denkans im Physik-

und Erweckung des

Belebung der Sinne

Donnel'lla;. I. 8.

12.30-15.15 Uhr

Austluo

Molburg

M•n~ Schuch•rrlt,

do
Aufgaben des Deutschunterrichts in

Yo9go der IchErweckun;-

Mittwoch. 31. 7.

BioeidlOten - Horst L.ßngkamm, Frankfurt - Maria Boelger, Wltten~Annen Orchester- ~ronika Pater, Stuttgart

Euryrhmischer Ausklang: I
Rudolf SteinerKulturimpulse aus den Quellen über~ sinnlicher Fonachung

Anthroposophie derWeg zur LebenspAdagogik

Seminar8

Gesamtaussprache

Semlnt11'11

MiHagspause

Biel

11.00-12.30Uhr

MagdaMaier. Stutt;on

Ernst SDhler,

\bm Uben im Unterncht

und~che-

Sprechen

Dr. Olal Oltmann,

Dr.Emat..MichiJel Kranich, Stungan

Siefan Leber, stutt;an

Unterricht

Fonn und Bewegung in Erziehung und

Stun;on

esse an der YJen

der Intelligenz und

BUdung der Seele

der WaJdorfachule

Pld-H
Pubenlt- Bolabun;

Erziehung zwischen Zahnwechsel und

anthroposophischer Menschenerkenntnis in der Ausgestaltung

Die Becleutun;

12.30-15.15Uhr 14.00-15.15Uhr

20.00 Uhr

Frolta;. 26. 7.

ggstaltl!n, bl!ll!bBn, l!rwl!cksn

8.00-8.45 Uhr Choreingen (Erar'beitung eines Chorwerttee) - Peter-Michaal Rlehm, Sluttgart I 8.00-8.45 Uhr BlockfiOten- Marla Soelger, Wltten-Annen

16.00 Uhr ErOHnung

Mittwoch, 24. 7.

Stuftgart (35. Tagung>

2'1-. Juli -1. August 1985 Dil! drl!ifachl! Aufgabl! dl!s Erzil!hl!ns-

Vorträge von Rudolf Steiner (eine Auswahl) Mysterien des Geistes, des Sohnes und des Vaters Eine Osterbetrachtung Drei Vorträge, München und Berlin 1907: I. Frühere Einweihung und esoterisches Christentum I II. Weltgeschichtliche Bedeutung des am Kreuze fließenden Blutes I 111. Die Reinigung des Blutes von der Ichsucht durch das Mysterium von Golgatha. 1981. 72 S., kart. sFr. 11 ,50 I DM 13,50 ISBN 3-7274-5093-2

>>Die Geheimnisse« Ein Weihnachts- und Ostergedicht von Goethe Ein Vortrag, Köln 1907. Aus dem Inhalt: Die Opferung der Magier als Symbolum. Die Erkenntnis geistig-kosmischer Vorgänge im esoterischen Christentum. Das Prinzip christlicher Esoterik in Goethes Fragment »Die Geheimnisse". - Mit einem Aufsatz von Goethe über die »Geheimnisse". 1977. 40 S., kart. sFr. 7,50 I DM 8,50 ISBN 3-7274-5110-6

Geistige Osterglocken Zwei Vorträge, Köln 1909: I. Das makrokosmische und das mikrokosmische Feuer. Die Vergeistigung des Atems und des Blutes I II. Das Ereignis von Golgatha. Die Bruderschaft des heiligen Gral. 1984. 40 S., kart. sFr. 8,50 I DM 9,50 ISBN 3-7274-5095-9

Ostern, das Mysterium der Zukunft. Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen Zwei Vorträge, Ber/in 1908: I. Christus als Vorbild für die Wiedergewinnung der alten Erinnerungen der Vorzeit und für alle Prophetie der Zukunft I II. Der Ahnenkult und die daraus entstehenden Religionssysteme. Das Christentum ist größer als alle Religionen. 1980. 44 S., kart. sFr. 8,50 I DM 9,80 ISBN 3-7274-5094-0

Der Baldur-Mythosund das Karfreitag-Mysterium Zwei Vorträge, Dornach 1915: I. Baldurs Tod und seine Neubelebung durch den Impuls von Golgatha I II. Das Karfreitag-Mysterium: Der Christus-Kampf gegen Ahriman und Luzifer. Das Jupiterbewußtsein. 1981. 48 S., kart. sFr. 8,50 I DM 9,80 ISBN 3-7274-5096-7

Ostern, das Fest der Mahnung Zwei -Vorträge, Dornach 1920 (aus GA 198): I. Das Ereignis von Damaskus und die neue Geist-Erkenntnis I II. Die Umwandelung des Blutes und die Wiedergeburt in Christo. 1981. 44 S., kart. sFr. 8,50 I DM 9,80 ISBN 3-7274-5097-5 Verlangen Sie das Verzeichnis »Das Miterleben des Jahreslaufesec bel Ihrer Buch· handlung oder direkt beim Verlag.

RUDOLF STEIN ER VERLAG- DORNACH I SCHWEIZ

218

Studienhaus Rüspe E. V.

PROGRAMM -APRIL bis JUNI1985 APRIL

1.4.119.3017.4. 12.15

8. 4.119.30114.4. 12.15

8. 4.119.301 14.4. 12.15

14. 4.119.30118.4. 12.15

Wie bewegt ak:h der Menach? Dr. med. L. F. C. Mees. Orfebergen I Holland Dr. Rudolf Mees. Zeist I Holland Eva Mees-Christeller. Orfebergen (künstlerische Kurse) Der anthroposophische Schulungeweg und die Myaterlendramen vor allem das zweite Drama) Athys Floride. Chatou I Frankreich Johanna Auer. Chatou. Frankreich (Malen) Christa Schreiber, Kassel (Sprachgestaltung)

16. 5.116.00119.5. 12.15

Weaensgllederdlagnoatlk _ w,eschlossener Fortbildungskurs für Arzte) r. med. Otto Wolff. Arleshelm I Schlichten Annemarle Britting. Dortmund (Eu;rehmle. mit besonderer Berücksichtigung er hygienischen Eury1hmie)

20. 5.119.30123.5. 12.30

9. Rü'rfc::r Mualktal':.

20. 5. r9.30 21. 5. 19.30 22.5. 19.30 23.5. 11.00

Giseile Herbert. Paris (Harfe) Martln GOss, Frankfurt (Posaune) Marek Jerle, Prag (Violoncello), lvan Klansky, Prag (Klavier)

1

Alexendera Wandlung und Von der Schönhalt der Form Professor Dr. Frledrich Zauner, Viilach Marianne Be er, Viilach (Piastizieren für Anfänger und Fortgeschrittene)

24.5. p9.30129. 5. 12.15

Mualk1heraple Orientierender und weiterführender Kurs Maria Schüppel, Berlln (Musiktherapie) Hildegard Prym, Bartin !l;herapie-lnstrumente) va-Maria Nievergelt, Wiesneck (Eurythmie)

~lid-Erleben und Gelatealorachung Ubungen zur ersten Stufe des anthroposophisehen Erkenntnisweges Christo! Llndenau, Bochum llse Schuckmann, Hannover (Sprachgestaltung)

29. 5. 12.15

24.5. p 9.301-

KALEVALA und die gefetlge Entwicklung des Menschen Professor Dr. Reijo Wilenius, Helsinki

18.4.115.30121. 4. 12.15

Mitarbeiterkonferenz der Academle voor Eury1hmle, Den Haag (geschlossene Veranstaltung)

18.4. p5.3ol21.4. 12.15

Ale Mensch zwlachen Himmel und Erde Tierkreis und Planeten Heidi Keller- von Asjen. Dornach (mit künstlerischen Ubungen)

23. 4. p9.30128.4. 12.15

Von der Gotik zur Ranal888nce Bildhauer und Maler im beginnenden Zeitalter der Bewußtseinsseele ln

23. 4. p 9.30128.4. 12.15

Meditation und kilnatlerlschea Tun Erdmuth Grosse, Zürich (Vorträge und Eury1hmie) Oskar Bardorf, Zürich (Malen)

28.4.119.3011. 5. 12.15

8. Rü~ Muelktsge mit 6 onzerten International bekannter Künstler und einführenden Vorträgen 26. 4.1985~19.30) und 29. 4. 1985 ~ 1.00): Theodora eraets. OssI Holland ioline) Huub NIJnens, OssI Holland (Kiav•er) 29. 4. 1985 (19.30) und 30. 4. 1985 (11.00): Sylvia Traey, Brüssel (Klavier) 30. 4. 1985 (19.30) und 1. 5. 1985 (11.00): Miha Pogalnlk. Wilton, N. H., USA (Violine) Einer Steen-Nökleberg, Oslo (Klavier)

~~s~~~~~f.;~=~~e~':r~E~~a;w~~?~'~,~g

scher Sprache)

30. 5.119.3016.6. 12.15

Studienarbeit an den Grundelementen der Laut- und Ton-Eu~mle lngrid Assehentel t, StutWart (Eury1hmle) Dr. Hendrlk Poldermans, tutlgart (musikalische Beiträge)

30. 5.119.3016.6. 12.15

Anthropoeophlsche Chrlatologle ln Verbindung mit Betrachtungen zur Bewußtaeln=hlchte Dr. Manlred rilger. Nürnberg Christine Krüger, Nürnberg

~~~:b~~~oG:S~~~.LJ~~~~~~ern)

JUNI

7. 6.115.3019. 6. 12.15 7.6. p 5.3019.6. 12.15

Beg:Pcnungen mit der proJektiven Geometrie Ange o Rovida, Zürich Muelk und Erkenntnie Gemeinsame Hörstudien zu aktiverem Wahrnehmen. Erleben und Bewußtmachen musikalischer Phänomene Roswitha Venus, GOitingen Elisabeth Göbel, Göttingen (Toneury1hmie)

10. 6.119.30116. 6. 12.15

Von der Geate dee Menschen zum Wort und zum Ton Professor Karl von Baltz, Dornach Carina von Baltz, Dornach (Violine) N. N. (Klavier)

10.6.119.30116.6. 12.15

Menechhehaprilfungen am Ende unserea Jahrhunderte Dr. Friedrich Behrmann, Dornach Annemarie Britting, Düsseldorl (Eury1hmie)

17. 6. p9.30123.6. 12.15

Die Ro..nkrauzer-Strömung -ihr esoterisches Wirken in der Geistesgeschichte des Abendlandes Heinz Eckhoff. Freiburg Sophia Timm, Harnburg g:ury1hmie) Magdalena Eckhofl, Frei urg (Piastizieren)

24. 6.119.30130. 6. 12.15

Die Grundatelnlegung- der Aufgang der neuen Mwerlen Dr. med. Illern En,_?,elbrecht, Den Haag Gertrud Mau, Den aag (Eury1hmle)

24. 6.119.30130.6. 12.15

Daa Vaterunser Michael Heidenreich, Pforzheim Grita Kollorz. Bochum (Eury1hmie)

MAl

2. 5. p9.3018.5. 12.15

2.5. p 9.301-

9.5. 12.15

9. 5.119.30116. 5. 12.15 9. 5. 119.30116.5. 12.15

mit 4 onzerten in ernational bekannter Künstler und einführenden Vorträgen

Der St.-Petri·Ahar de8 Melater Bertram von Mlnden, eine hlatorla mundl dee Mhtelaltera an der Schwelle zur Neuzelt Dr. med. Ernst Harnlschleger. Frankfurt Br~ltte Gümbel, Grenzach-Wyhlen (Malen un Zeichnen) Grundlagen der Stimmschulung I Geeangakurs (nach der Schule der Stimmenthüllung von Valborg Werbeck-Svärdström) Chrlsla Waltjen, Bochum mit Vorträgen von Jürgen Schriefer, Witten Schickaale-Erkenntnie vor dem Zeltgeiet Heinz Eckhofl, Freibur~ Geesa Beil, Engelber~ Eury1hmie) Magdalena Eckholl, reiburg (Piastizieren) G=netandezelchnen und Aquarellieren Naß ln O(max.1&-20Teiln.) Brigitte Gümbel, Grenzach-Wyhlen

Du Sludlenhaue Rü-lieglam Sudhang das Rolhaargebirges, 550 m hoch, Inmitten ausgedehnter Wälder. in 48 Zimmern können 66 Gäste beherbergl werden. Oie Mahlzeiten werden weitgehend mit Nahrungsmitteln aus biologisch-dynamischem Anbau und mll eigenem Quellwasser zubereitet. Vor Kursbeginn kann jeder Gast entscheiden. ob er ausschließlich vegetarisch essen will. Für weitere Auskunft (Preise) usw. Iordern

Sie bille ein ProgrammheH an. ProgrammheH und schriHiiche Anmeldungen: Studienhaue R~. D-5942 Klrchhundom 3, Teleton (0 27 59) 2 73

219

HEIL- und ERZIEHUNGSINSTITUT LAUTERBAD für Seelenpflege-bedürftige Kinder und Jugendliche Haus Habichtswald 1 in D-3500 KasseiWilhelmshöhe sucht ab sofort für Turn- und Gymnastikunterricht im Klein-Klassenverband

Turn-Gymnastiklehrer(in) und Heilpädagogen oder Heilerzieher Seit' Ober 60 Jahren stellt dieWeleda KörperpflegePräparate her. Wir verwenden hochwertige Rohstoffe. Sie sind ausgewählt unter dem Aspekt einer Heilbeziehung zwischen den Naturreichen und dem menschlichen Organismus. Zu unseren Qualitätsbemühungen gehören: • Heilpflanzenanbau auf biologisch-dynamischer Grundlage, e ausschließliche Verwendung echter ätherischer Öle und reiner Pflanzenöle. • Auf synthetische Konservierungs-, Duft- oder Schönungsmittel wird bewußt verzichtet.

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220

für den Gruppenbereich der Werkstufe für August 1985 Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen bitte an das Mitarbeiterkollegium richten unter obiger Adresse.

Engagierte Gründungsinitiative in Rheine/Westf. sucht interessierte

Waldorfkindergärtnerin die bereit ist, beim Auf- und Ausbau unseres Kindergartens mitzuwirken. Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik in Rheine e. V. Kontaktadresse: Jutta und Günther Hansen Adolfstraße 1, 4440 Rheine Telefon (0 59 71) 5 77 17

Rudolf Stelner Schule Hamburg-Harburg e. V. zur Zeit neun Klassen, sucht baldmöglichst erfahrene(n)

Sportlehrer(in) die/der den Sportunterricht aufbauen kann und

Waldorfkindergärtnerin mit staatlichem Examen. Am Radeland 98, 2100 Harnburg 90 Telefon (0 40) 7 90 72 88

Zur Übernahme der ersten Klasse suchen wir zum Sommer 1985

einen Heilpädagogen mit Unterrichtserfahrung

Werklehrer (Metall) möglichst mit Unterrichtserfahrung Sonnenhellweg-Schule Paulusstraße 36, 4800 Sielefeld 1 Telefon (05 21) 17 80 80

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Französin, 41 Jahre, mit abgeschlossenem Waldorfseminar, Fach:

Französisch

sucht Stelle im Raum Süddeutschland. Zuschriften unter Chiffre E 1385 an den Verlag Freies Geistesleben Postfach 13 11 22, 7000 Stuttgart 1

Wir suchen zum frühestmöglichen Termin - spätestens zum 1. Juli 1985den

Geschäftsführer für unsere jetzt voll l!f.!Sgebaute FREIE WALDORFSCHULE WURZBURG. Schriftliche Bewerbungen erbitten wir an: Freie Waldorfschule Würzburg Oberer Neubergweg 14, 8700 Würzburg Telefon (09 31) 7 20 72 (vormittags)

USA - Washington Berufstätiges deutsches Ehepaar sucht für Dauer von mindestens zwei Jahren Erzieherin (vorzugsweise Kindergärtnerin oder Lehrerin) zur Betreuung von drei Kindern (11, 8, 2 Jahre alt). Bereitschaft zu leichter Hausarbeit, gewisse Kochund Englischkenntnisse, Führerschein Voraussetzung. Antritt möglichst 1. Mai. Bewerbungen über Dr. Koch-Weser Kaiserplatz 9, 8000 München 40 Telefon (0 89) 33 10 17

DIE SALZBURGER SCHULE sucht ab Herbst 1985 einen

KLASSENLEHRER Interessenten mögen sich rasch an das Kollegium in Salzburg wenden. RUDOLF STEINER SCHULE Bayerhamerstraße 35 A-5020 SALZBURG Telefon (06 62) 7 63 18

Freie Waldorfschule Bonn sucht zum neuen Schuljahr 1985/86

Klassenlehrer/in· für die 1. oder 5. Klasse Wir freuen uns über Ihre schriftliche Bewerbung an das Schulbüro: Stettiner Straße 21 5300 Bonn 1 (Tannenbusch)

221

Waldorfpädagogik auch Im Emsland

Wir suchen bis Ostern 1985 oder Sommer 1985 eine

Die Voraussetzungen sind hier so geschaffen, daß wir uns ab Sommer 1985 eine

Waldorfkindergärtnerin

Kindergärtnerin

möglichst mit Erfahrung zur Eröffnung einer zweiten Kindergartengruppe.

wünschen können. Anfragen und Zuschriften bitte an: Förderverein für Waldorfpädagogik in Meppen u. U. e. V. c/o Heinz Blankenspeck Giemensstraße 25, 4470 Meppen Telefon (0 59 31) 65 34

Zuschriften bitte an: Verein für Waldorfpädagogik Pirmasens e.V. Volksgartenstraße 21, 6780 Pirmasens, Telefon (0 63 31) 4 44 55 oder 4 44 56

Bin örtlich ungebunden

Heilpädagoge, 27 J., mit Familie, sucht neue Aufgabe

und suche, nachdem meine Kinder erwachsen sind, neuen Wirkungskreis. Bin in der Eurythmiebegleitung tätig, doch offen für andere Aufgaben. Gerne auch in einem Heimzusammenhang. (Auf volles Gehalt nicht angewiesen.)

(Schul-, Sozialtherapie-, Gruppenerfahrung) in (Heim)-Gemeinschaft. Zuschriften bitte unter Chiffre E 4385 an den Verlag Freies Geistesleben Postfach 13 11 22, 7000 Stuttgart 1

Zuschriften bitte unter Chiffre E 3385 an den Verlag Freies Geistesleben Postfach 13 11 22, 7000 Stuttgart 1

Zeit~chrift für Wissenschaft, Kunst und soziales Leben

rei

im März

John Davy: Wiedergefundene Hoffnung Das Licht zur Seele im Schatten des Todes lngrid Kaußler: Kreuzestod und Seelenweg- Ein Gang durch Bachs Matthäusund johannes-Passion in aufsteigender Tonartenreihe Erhard Fucke: Freiheit für das Geistesleben Dorothea Rapp: Die Skythen-Geweihte der Steppe Michael Bockemühl: Spielendes Anschauen - spielendes Licht Zu den Aquarellen von Wolfram (mit Kunstdruckteil) Jens Heisterkamp: Beppe Assenza Zum 80. Geburtstag Jahresabonnement DM 49,-, Studentenabonnement DM 36,75, Einzelheft DM 5,-,. zuzügl. Porto.

222

VERLAG FREIES

GEisrES· LEBEN

~

Erholung in Haus Freudenberg

Die Gründungsinitiative .Weckelweiler sucht für sofort oder später eine(n)

Die Umgebung: Der besondere Reiz der Vondpenlandschah mit Seen, Mooren. Waldem und vielen sehr lohnenden Sehenswürdlgke~en.

Waldorfkindergärtner(in) Zuschriften bitte an: Wolfgang Ederleh Alte Straße 11 Gaggstatt 7184 Kirchberg Telefon (0 79 54) 82 03

(

Die Camphili-Heimsonderschule FÖHRENBÜHL in 7799 Heiligenberg, Tel. (0 75 54) 2 31 sucht zum 1. August 1985 oder auch früher

Individuell - mit gesunder EmAhrung Teilnahme an Tagungen Ist mOglich.

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Über Autobahn Siamberg oder m~ direktem S-Bahn-Anschluß MOnchen-Hbl I Slamberg.

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16

Wir suchen zur Weiterführung unserer zweiten Kindergartengruppe ab sofort, sowie für eine geplante dritte Gruppe zum Sommer 1985 jeweils eine

Waldorfkindergärtnerin

ein zuverlässiges Hausmeister-Ehepaar Er sollte möglichst Heizungsinstallateur sein oder eine andere technische Ausbildung haben. Sie sollte im Schulhaus für das zweite Frühstück und die Sauberkeil verantwortlich sein Vergütung nach AVR (BAT vergleichbar)

Dielletreuung:

Wir sind eine junge Initiative wenige km südlich von Frankfurt/M. Waldorfschule ab Schuljahr 1985186 (1. und 2. Klasse)

)

Waldorfkindergarten- und Schulverein Neu-lsenburg e. V., Zeppelinstraße 10 6078 Neu-lsenburg Tel. (0 61 02) 3 32 97 oder (0 61 03) 20 04 86

ariga

Wir suchen für das neue Schuljahr 1985/86

eine(n) Französisch/Englischlehrer(in) für Mittel- und Oberstufe (1. und 2. Staatsexamen), halbe Stelle, jedoch bald ausbaufähig

eine(n) Klassenlehrer(in) für die Unterstufe

eine(n) Sprachgestalter(in) eine(n) Heileurythmisten(in) eine(n) Heilpädagogen(in) für die neue Kleinklasse Grund- und Hauptschule. Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen an FREIE WALDORFSCHULE SAAR-PFALZ E.V., Parkstraße, 6652 Bexbach, Tel. (06826) 3260

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223

Wir suchen zum Schuljahresbeginn 1985/86 eine(n)

MENSCHENKUNDE UND ERZIEHUNG

Musiklehrer(in)

HEINZ MÜLLER VON DER HEILENDEN KRAFT DES WORTES UNDDER RHYTHMEN Die Zeugnissprüche in der Erziehungskunst Rudolf Steiners. «in dieser kleinen Schrift Ober ein schalbar abliegendes pädagogisches Spezialgebiet - die Zeugnissprüche - stehen wir, da ein begnadeter Lehrer dieses Thema bis ins Innerste durchlebte und praktizierte, wieder einmal staunend vor den Wundern der Steinersehen Menschenkunde und Pädagogik, wie sie in den ersten Jahren der Waldorfschule aufgeblüht waren - ein hohes Beispiel für die Nachkommenden, die heute unter ungleich schwierigeren Bedingungen sich bemühen müssen, solchen Vorbildern nachzustreben ... Mittellungen aus der anthroposophischen Arbeit

VERlAG 3. Auflage 117 S., kart. DM 18,Menschenkunde und Erziehung, Band 22 ISBN 3-7725-0222-9

224

FREIES GEISTESLEBEN

~

Über Ihre Bewerbung freut sich das Kollegium der

Freien Waldorfschule St. Georgen 7800 Freiburg im Breisgau Zechenweg 2

Wir suchen zum Schuljahr 1985/86 noch Kollegen mit folgenden Fächerkombinationen:

Französisch/Sport oder Englisch/Sport Bio/Chemie, Oberstufe Musik, Oberstufe Rudolf Steiner-Schule ln den Walddörfern Bergstedter Chaussee 203 2000 Harnburg 65

DIE SONNTAGSEVANGELIEN Die den Sonntagen zugeordneten Perikopen (Evangelien-Abschnitte) und die Texte im Anhang für den freien Religionsunterricht wurden aus dem Urtext übertragen von Friedrich Behrmann. Ein Buch für Religionslehrer, Klassenlehrer, Heilpädagogen und Eitern. Die »Sonntags-Evangelien« haben im Anschluß an die erste Jugendfeier auch den Weg zu vielen Schülern gefunden. 3. Auflage 1980, 152 Seiten, in Leinen mit

Goldprägung sfr 14,(bei großen Sammelbestellungen Spezialp reis) Bestellungen sind zu richten an : Rudolf Steiner-Schule Basel Jakobsbergerholzweg 54 CH-4059 BASEL

Die freie Waldorfschule Heilbronn sucht zur Mitarbeit ab dem kommenden Schuljahr Fachkollegenl-innen für den Unterricht in

Sie wünschen sich das echte Holzhaus Wir bauen es.

Französisch und Mathematik/Physik Wir sind eine Schule im Aufbau mit den Klassen 1 bis 11 . Bitte richten Sie Ihre Bewerbung an das Kollegium der Freien Waldorfschule Heilbronn Max-von-Laue-Straße 4, 7100 Heilbronn Telefon (0 71 31) 510 12

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Für unsere sich erweiternde Arbeit fehlt uns im kommenden Schuljahr ein

Musikerzieher (staatl. gepr.)

Musik-Kollege

mit anthroposophischer, heilpädagogischer Zusatzausbildung {Seminar Mannheim) sucht ab August 1985 Tätigkeit im heilpäd./therapeutischen Bereich.

Wir würden uns freuen , Ihnen unser Schulleben und das Kollegium vorstellen zu können und Sie kennenzulernen. Tübinger Freie Waldorfschule Rotdornweg 30, 7400 Tübingen Telefon (0 70 71) 6 51 18

Zuschriften bitte unter Chiffre E 5385 an den Verlag Freies Geistesleben Postfach 13 11 22, 7000 Stuttgart 1

Die Rudolf-Stelner-Schule Siegen- Freie Waldorfschule- sucht ihre(n)

Geschäftsführer(in) Wir wünschen uns für diese verantwortungsvolle Aufgabe eine Persönlichkeit mit einer umfassenden kaufmännischen und/oder verwaltungsbezogenen Ausbildung sowie einer entsprechenden mehrjährigen Berufspraxis. Sie sollte fähig sein , Initiativen in einem komplexen sozialen Organismus zu entwickeln und in kollegialer Zusammenarbeit zu verwirklichen. Wesentlich für diese Aufgabe sind ebenso fundierte Kenntnisse der Waldorf-Pädagogik und ihrer geisteswissenschaftlichen Grundlagen . Das Einkommen richtet sich nach der internen Gehaltsordnung der Lehrer unserer Schule. Bitte senden Sie Ihre aussagefähige Bewerbung an den Vorstand der Rudolf-Sielner-Schule Siegen, Marienborner Straße 151, 5900 Siegen

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Eurythmistin(en) für die Klassen 1--6. Bewerbungen erbeten an das Gründungs-Lehrerkollegium, Freie Waldorfschule Aachen, z. Z. Lüttlcher Straße 320, 5100 Aachen

Freie Waldorfschule Karlsruhe Zur Mitarbeit ab Schuljahresbeginn 85/86 suchen wir

eine(n) Klassenlehrer(in) für die kommende 1. Klasse und einen qualifizierten

Freie Waldorfschule Chiemgau sucht für sofort oder zum Schuljahresbeginn 1985/86 für die 1. Klasse sowie für die

Oberstufenlehrer

Mittelstufe (4. Klasse)

für Geographie und Naturwissenschaften (2. Staatsexamen)

geeignete Persönlichkeiten als

Wir sind eine Schule mit gegenwärtig zwölf Klassen. Bitte richten Sie Ihre Bewerbung an das Kollegium der Freien Waldorfschule Karlsruhe Königsberger Straße 35A 7500 Karlsruhe 1

226

Klassenlehrer Bewerbungen bitte an das Schulbüro: Bernauer Straße 34, 8210 Prien, Telefon (0 80 51) 40 33 oder 40 34

Wir suchen zum baldmöglichen Termin einen

Hausmeister für unsere jetzt voll .!lusgebaute FREIE WALDORFSCHULE WURZBURG mit soeben fertiggestelltem 2. Bauabschnitt Hausmeisterwohnung ist vorhanden. Bewerber mit einer entsprechenden handwerklichen Ausbildung wenden sich bitte an: Freie Waldorfschule Würzburg Oberer Neubergweg 14, 8700 Würzburg Telefon (09 31) 7 20 72 oder (09 31) 8 39 57 (Herr Geiger)

Der Fördervereln Waldorfkindergarten Helligenberg e. V., 7799 HeiligenbergUnterrehna Nr. 7, sucht zum 1. Juni oder 1. September 1985

eine Kindergärtnerin da unsere jetzige Kindergärtnerin ein Baby bekommt. Telefon (0 75 54} 14 42

Die Freie Waldortschule Essllngen sucht für das Schuljahr 1985/86 eine

Turnlehrerin für die Oberstufe; möglichst mit der Kombination Englisch. Kollegium der Freien Waldortschule 7300 Essllngen, Weilstraße 90 Telefon (07 11) 38 30 95

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Ein Waldorfkindergartenverein in Harnburg sucht für Herbst 1985 eine zweite

Waldortkindergärtnerin möglichst mit Erfahrung. Zwei Spielgruppen und intensive Elternarbeit bereiten den Beginn vor. Bitte wenden Sie sich an: Frau Landshut, Telefon (0 40) 48 75 23 Postfach 20 22 06, 2000 Harnburg 20

Freie Waldorfschule Ulm mit angeschlossenen Sonderklassen für Lernbehinderte Wir suchen zum Herbst 1985 evtl. auch früher

Sonderschullehrer L mit staatl. Abschluß und Erfahrung in Waldorfpädagogik

Wir suchen eine

Waldorfkindergärternin möglichst mit Berufserfahrung, die Freude am Aufbau eines Kindergartens in Stade hat. Wir haben ein schönes, altes Haus in Stade (Nähe Altes Land/Eibe) bezogen, wo schon eine Spielkreisgruppe besteht. Zuschriften bitte an: Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik e. V. Stade, Am Amtshof 2, 2165 Harsefeld Telefon (0 41 64) 43 82

Eurythmielehrer(in) Heileurythmistin Bewerbungen erbeten an das Kollegium Freie Waldorfschule Ulm Römerstraße 97, D-7900 Ulm Telefon (07 31) 3 70 71

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Neuerscheinung

RUDOLF TREICHLER

Metamorphosen im Lebenslauf

Amer Wld Haunah Cannl

Das unsterbliche

Klavier

Krankheit und Entwicklung in Goethes Leben 32 Seiten, kart., SFr. 7.50 I DM 8,50 Geisteswissenschaftliche Vorträge Nr. 10 Im menschlichen Leben ist der von Rudolf Steiner neu entdeckte ?-JahreRhythmus von größter Bedeutung. Alle 7 Jahre wird ein neues Wesensglied geboren. Nicht nur eine Reihe »Wiederholter Pubertäten" (Goethe) ereignet sich, sondern auch eine Reihe von Geburtendem ?-Jahre-Rhythmus folgend. So wird jedes 7. Jahr zur Schwelle von einem neuen Entwicklungssch ritt Diese und andere Gesetzmäßigkeiten, welche in den Metamorphosen einer jeden Biographie walten, werden von Rudolf Treichler exemplarisch an Goethes Lebenslauf geschildert. ·

VERLAG AM GOETHEANUM

Avner und Harrnah Carmi

Das unsterbliche Klavier

Wer sich für soziale, pädagogische, therapeutische und handwerklich-kreative Berufe vorbereiten will, sowie Interesse an anthroposophisch er Gedankenarbeit und künstlerischen Übungen (Eurythmie, Sprachgestaltung, Zeichnen, Malen) hat, ist herzlich willkommen.

Die abenteuerliche und wahrhaftige Geschichte von dem verschollenen und wiedergefundenen Siena-Klavier 328 Seiten, 14 Abb., Leinen DM 32,Dieses ist die unwahrscheinliche Geschichte eines berühmten jüdischen Klavierbauers und -stimmers, der für alle großen Musiker seiner Zeit arbeitete von Furtwängler bis Bruno Walter, von Horowitz bis Rubinstein, von Toscanini bis Strawinsky und viele andere. Hier erzählt Carmi seine interessante Kindheit, vor allem aber die schier unglaubliche Suche nach dem berühmten Siena-Klavier aus dem Besitz des italienischen Königs, das nach einer Sage aus dem Holz von Salomos Tempel gebaut sein soll. Fast sein Leben lang sucht er dieses Instrument, während es in Wahrheit ihn gleichsam schon immer verfolgt, ohne daß er es ahnt, bis sich zuletzt beide doch noch durch glücklichen »Zufall« finden.

Wir bieten für junge Leute ab 19 Jahren ein

berufspraktisches Jahr an in den Bereichen: Küche und Hauswirtschaft: vegetarischer Mittagstisch für 40 Personen, Pflege einer volkspädagogischen Einrichtung;

in den Produktionswerkstätten: Weberei, Schreinerei

-Ufächhaus-

Schriftliche Bewerbungen mit Lebenslauf an »der hof« Nlederursel, Alt-Niederursel 51, 6000 Frankfurt 50, z. Hd. Frau M. Ewald

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c;c:J\LOSS HAMßol?ty Wir suchen für unser Landschulheim

Erzieher oder ErzieherEhepaar Rudolf-Stelner-Werkgemelnschaft e. V. 4799 Borchen, Telefon (0 52 51) 3 89-2 29

Die Freie Waldorfschule Wangen sucht weitere Kollegen mit den Fächern

Atelier für künstlerische Glasgestaltung Kunstverglasungen, Glasschliff, Glasformung

Glasatelier Wolfgang Dopp Landfriedstraße 12 6909 Rauenberg Telefon (0 62 22) 6 06 99

Ich, männl., 35 J., kaufmännische und musikalische Ausbildung, handwerklich geschickt, suche Aufgabe in anthroposophischer Einrichtung im Raum München.

Englisch Russisch und Deutsch Zuschriften bitte an: Freie Waldorfschule Wangen Rudolf-Steiner-Straße 4 7988 Wangen, Telefon (0 75 22) 30 69

Angebote unter Chiffre E 2385 an den Verlag Freies Geistesleben Postfach 13 11 22, 7000 Stuttgart 1

Rose Maria Pütz

KUNS'I'IHERAPIE Eine Alternative zur Regeneration des Menschen Band I DIE MALTHERAPIE Das Buch hat 196 Seiten im Großformat DIN A 4 auf mattem Kunstdruckpapier und ist in Ganzleinen gebunden.

befassen, wird dem Leser die Maltherapie in ihrer psychotherapeutischen Wirkung auf den Menschen vorgestellt.

Bestell-Nr. 60 01 139 62 Preis 63,- DM

Die textlichen Ausführungen werden durch 127 farbige Abbildungen vertieft.

In diesem Buch versucht die Autorin einen Einblick in die Maltherapie zu geben.

Therapieabläufe aus der Praxis erhellen die Wirkung der Therapie mit den bildnerischen Medien.

Nach einführenden Kapiteln, die sich mit der Fragwürdigkeit der Gesellschafts- und Erziehungssituation in unserer Gegenwart und den daraus resultierenden Schäden

Für Studierende der Kunsttherapie bedeutet dieses grundlegende Werk eine entscheidende Hilfe.

W. BERTELSMANN VERLAG KG 4800 SIELEFELD 1 Postfach 10 20 Telex 9 32 368 wbblf d

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wtlhelm Rath Friedrich Doldinger Der Gottesfreund KaiserJulian vom Oberland Der Sonnenbekenner

Sein Leben, geschildert auf der Grundlage der Urkundenbücher des Johanniter-Hauses »Zum Grünen Wörth« in Straßburg . 4. Auflage, 129 Seiten, kort. DM 16,ISBN 3-7725-0559-7 erscheint März Es webt ein Geheimnis um die Gestalt des Gottesfreundes vom Oberland, jenes weisen Laien des 14. Jh., der als einfacher Mann der Lehrer des Straßburger Theologen und Mysterikers Johannes Touler wurde. Wilhelm Rath führt in einem ersten Kapitel seines Buches in die geistige Problematik des 14 Jh. als Schwelle der Neuzeit ein, um dann innerhalb des Rahmens das Wirken des Gottesfreundes zu zeig~n. Dieses war auf der einen Seite nach innen gerichtet auf den Pfad zur Weisheit und »Gottesfreundschaft«. Auf der anderen Seite wirkte es inspirierend auf das Geistesleben seiner Zeit, so bei der Gründung des Johanniterstiltes »Zum Grünen Wörth« in Straßburg. Die äußere Wirksamkeitführte bis zu einer Begegnung mit dem damaligen Papst Gregor XI. Das Leben des Gottesfreundes ist geprägt von seinem Einsatz für das Christentum in Europa. Man bekommt durch die Lektüre ein deutliches Bild, wie eine hochbedeutsame Individualität den Weg der christlichen Einweihung geht. Dieser Weg mag sich in seiner Form verändert haben, seine Substanz ist auch heute die gleiche geblieben. Darüber hinaus sind die Vorgänge am Beginn der Neuzeit von einer überraschenden Gegenwärtigkeil und Aktualität, so daß dieses von Wilhelm Rath sorgfältig edierte Büchlein in eine Neuauflage sicherlich dankbar aufgenommen wird .

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3. Auflage, 83 Seiten, kort. DM 16,ISBN 3-7725-0491-4 bereits erschienen Julian Apostate war jener letzte »heidnische« Kaiser, der noch einmal die antike Mysterienweisheit in seiner Sonnenlehre zu erneuern versuchte und sie dem sich bereits zur Staatsreligion entwickelnden römischen Christentum entgegensetzen wollte. Als er erfahren muß, daß auch die alten Mysterienquellen des Abendlandes versiegt sind, rüstet er, wie einst Alexander, zum Kriegszug nach Persien, um dort, in der Urheimat des Mithraskultes, die Einweihung in die großen Sonnenmysterien zu suchen. Der Ausgang dieses Perserzuges bedeutet in gewissem Sinne einen entscheidenden Schluß- und Wendepunkt der ganzen Mysteriengeschichte der Menschheit. Friedrich Deidinger hat mit diesem Buch, das wohl zu den schönsten des Autors zählt, ein lebendig geschriebenes Lebensbild aus der Frühzeit des Christentums gegeben.

VERLAG

FREIES GEISTESLEBEN

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Sexualität im Lichte von Reinkarnation und Freiheit Alan Howard (geb.

Aus dem Englischen von Karin Blitz und Norbert Wengerek. 88 Seiten, kort. DM

1907) ist Engländer. Er war Waldorflehrer und Herausgeber der englischen Zeitschrift für Waldorfpädagogik »Child and Man« . Für das »Times of London Educational Supplement<< verfaßte er verschiedene Beiträge. Heute lebt er in Kanada; dort und in den USA hält er Vorträge über Anthroposophie und Waldorfpädagogik.

16,ISBN 3-7725-0832-4 erscheint März Wir hoben Schwierigkeiten, über Sexualität mit derselben Unbefangenheit und Klarheit zu sprechen wie über andere Dinge. Es gibt zwar eine »Avantgarde<<, die anscheinend keine Probleme damit hat, was sie über Sex spricht oder gar in dieser Beziehung tut; zwar hat etwas von dieser »Freiheit« auf viele von uns abgefärbt, doch ist das Thema für die meisten noch etwas peinlich. Es handelt sich jedoch um ein moralisches Problem, nicht nur ein intellektuelles oder ein sprachliches. Sexualität ist etwas, das wir vollziehen, eine Betätigung; aber wir handeln nicht nur, sondern wir denken auch über unser Handeln noch. Wir beurteilen unsereTaten im Hinblick auf ihre positiven oder negativen Auswirkungen auf unser gesamtes Leben und das anderer. Und das ist ein moralisches Urteil. Einfach so darüber nochdenken ist aber nicht genug. »Aufgeklärte« Zeitgenossen denken zweifellos auch

viel darüber nach. Es ist jedoch nicht notwendigerweise schon ein moralisches Denken. Der Wert, dem man dem Sexuellen beimißt, hängt sehr davon ab, worin man den Sinn der menschlichen Existenz überhaupt sieht. Wird der Mensch aufgefaßt als ein Wesen, das in wiederholten Erdenleben die Entwicklung zu höheren Bewuf}tseinsstufen durchläuft und dabei im Spannungsfeld von instinktiven Naturtrieben und geistigem Streben, von Zwang und Freiheit steht, relativiert sich dieser Wert. Der veränderte Sinnzusommenhong, der sich aus

einer spirituellen, »kosmischen« Perspektive ergibt, ermöglicht dem einzelnen einen bewußteren und auch wirklich freieren Umgang mit der Sexualität.

Inhalt: Der Ausgangspunkt: Reinkarnation. Das Problem: Trieb und spirituelle Entwicklung. Der menschliche Leib. Zeugung. »Freie Liebe«. Jenseits von lnstinkt und Liebe. Der Weg zur Freiheit. Die Philosophie der Freude.

Freiheit liegt im Motiv, aus dem wir etwas tun, und nurwenn wir individuelle moralische Motive für die sexuelle Betätigung haben, kann von Freiheit in dieser Sphäre die Rede sein.

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FREIES GEISTESLEBEN

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Wir suchen für Sommer 1985 (oder früher) eine neue Kindergartenleiterin:

Waldorfkindergärtnerin mit Berufserfahrung erwünscht; ferner als Zweitkraft eine Waldorfkindergärtnerin im Anerkennungsjahr.

Waldorfkindergarten Vereine. V. Leopoldstraße 32, 4930 Detmold Telefon (0 52 31) 3 27 37

Der Chrlstophorus-Schulvereln München e. V. sucht zum Schuljahrsbeginn 1985/86

Sonderschullehrer (E oder L) mit Waldorferfahrung für die Christophorus-Schule München Private Schule zur Erziehungshilfe auf der Grundlage der Waldorfpädagogik Interessenten wenden sich bitte an die Geschäftsstelle, Rauchstraße 20 8 München 80, Telefon (0 89) 98 35 53

Who will work with us? We are a rapidly growing Waldorf School in South Australla. We started in 1978 with a Kindergarten and three classes. We start 1985 with three Kindergartens and nine classes and 250 children. We need urgantly a qualified (both State and Waldorf) Physics and Maths teacher to build these subjects up in our upper school, Applicants please apply to •THE WALDORF SCHOOL«, P. 0. Box 313, MOUNT BARKER, South Australia 5251

Waldorfkindergärtnerin sucht neuen Wirkungskreis ab 1. Oktober 1985. Zuschriften bitte unter Chiffre E 7385 an den Verlag Freies Geistesleben, Postfach 1311 22, 7000 Stuttgart 1

Waldorflehrer Fortbildungstagung für Kunsttherapeuten vom 7. 7. bis 10. 7. 1985 Thema: Die drei Bewußtseinsstufen: »Schlafen, Träumen, Wachen«. Katharina Gutknecht, Berlin: Malen Don van Zandwyik, Driebergen (Holland): Plastizieren Abendliche Seminare: Dr. Marie Luise Petersen: Medizinische Menschenkunde Doris Nixdorff: Kunstgeschichte Dr. Heide Nixdorff: Anthroposophie Begrenzte TeilnehmerzahL Unterkunft in einem Hotel oder privat. Tagungsgebühr: 100,- DM. Anmeldung wird bestätigt. Westfälische Straße 82 1000 Berlln 31 Telefon (030) 8 61 43 81

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Englisch, Französisch, Turnen, gute Referenzen, sucht Tätigkeit: RheinRuhrgebiet, Norddeutschland. Zuschriften bitte unter Chiffre E 8385 an den Verlag Freies Geistesleben, Postfach 13 11 22, 7000 Stuttgart 1

Im Aufgabenbereich eines Heilpädagogischen Institutes, Norddeutsch!., Iandschaft. schön gelegen, mit Schule, Kindergarten, kl. Landwirtschaft u. Soziallherapie, suchen wir

einen Mitarbeiter erfahren im Umgang mit Wirtschaftsfragen, mit Interesse u. Fähigkeiten f. pädagog. u. soziale Aufgaben auf anthroposoph. Grundlage. Im Verwaltungsbereich (Personalbüro, Versicherungswesen usw.) ist ein erfahrener Verwaltungsleiter tätig. Zuschriften erbeten unter Chiffre E 6385 an den Verlag Freies Geistesleben Postlach 13 11 22, 7000 Stuttgart 1

Ostern im Blaubeerwald Zwangloser Urlaub für Eltern und Kinder, Behinderte, kleine Gruppen. Selbstverpflegung möglich. Telefon (0 94 34) 7 64

Das Kollegium der Freien WaldorfSchule Graz (fünf Klassen) sucht

eine(n) Klassenlehrer(in) für die neue erste Klasse. Unsere Adresse: Freie Waldorfschule Graz Stiftingtalstraße 79, A-8010 Graz

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R.UDOLF STEINER SCHULE WIEN

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QBEitSTUFEHLEHRER(IH) FiiR.:

Die Rudolf Steiner-Schule Pötzleinsdorf im Aufbau (derzeit sechs Klassen) sucht für Herbst 1985 Lehrer:

Klassenlehrer Eurythmie, Helleurythmie Gartenbau Russisch Englisch Rudolf Steiner-Schule Pötzleinsdorf A-1180 Wien, Gaymüllergasse 1 Telefon (02 22) 47 31 21

Studienreise nach Ephesos Pergarnon - Didyma - Priene - Milet Pamukkale. Die sieben Gemeinden der Apokalypse. 28. 4. bis 12. 5. 1985

GESCHICHTE -DEUT.SCH I

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Leitung: Dr. Hartmut Fischer

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lstanbul -Troja- Pergarnon - Ephesos Priene- Milet- Didyma Pamukkale- apokalyptische Gemeinden. 18. 8. bis 1. 9. 1985 Sommerferien ln Baden-Württemberg

BE.kiDf.SIJNGDf 8f'lrE AN DAS /a1UL61CIH DER.

R.IJOOLF .5TEIHE/l. .SCHULE WIEH A-1138 WIEH1 ~d~eul~. 100 Iid: t:1J.1%-M
Leitung: Dr. Hartmut Fischer Anmeldung und weitere Information: Frau Gabriele Habicht, Rosenweg 1 7325 Boll, Telefon (0 71 64) 38 84

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Theologie und Religion - Neuausgaben Rudolf Frieling

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Psalmen Welten-Schau. Der Weg des Lebens. Das neue Lied. Gesammelte Schriften zum Alten und Neuen Testament Band 2. 384 Seiten, Leinen DM 46,- (Mai)

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Rudolf Frieling hat es in seinem Uetzt um 6 Betrachtungen erweiterten) Werk unternommen, die Welt der Psalmen für das heutige Bewußtsein neu aufzuschließen. Mit seinen eigenen Übersetzungen führt Frieling den Leser in den geistigen Kosmos dieser Texte hinein, ohne abstraktes Philosophieren und ohne falsche Gefühligkeit , ganz konkret am Wortlaut entlang, wobei er es wie kaum jemand sonst versteht, gerade das schlichte Wort neu und vertieft hörbar zu machen.

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URACHHAUS

Üben der Seele Üben der Sinne

Leben mit den Wochentagen

Zusammengestellt von Marianne Piper 64 Seiten, Pappband DM 16,-

Von Friedrich Doldinger 128 Seiten, Pappband DM 19,80

Ein Weg durch das christliche Jahr mit Gedichten, Sprüchen, Aphorismen.

Ein Weg zum Kennenlernen der Wochentage in ihrem Charakter.

Friedrich Rittelmeyer

Das Vaterunser Ein Weg zur Menschwerdung 5. überarb . Auflage, 160 Seiten, Leinen DM 28,Johannes Hernieben

Urbeginn und Ziel Der gemeinsame Weg von Erde und Mensch 132 Seiten, kart. DM 18,-

~~ufäChhaus~~ 234

Johann Wolfgang von Goethe

Das Märchen

Mit Bildern von Werner Diedrich

Mit einem Essay von Emanuel Zeylmans van Emmichoven 72 Seiten, 13 ganzseitige Farbtafeln, Pappband DM 28,- (Ende März) Dieses schöne Buch enthält den Text des Goetheschen Märchens von der grünen Schlange und der schönen Lilie sowie dreizehn ganzseitige farbige Aquarelle von Werner Diedrich. In einem angefügten Essay erschließt Emanuel Zeylmans van Emmichoven das Märchen dem Verständnis des Lesers, indem er entscheidende und weiterführende Fragen an den Text und seine Bildsprache stellt, ohne dabei der Gefahr zu verfallen, den Inhalt symbolistisch festzunageln. An einigen Beispielen zeigt er, wie

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man die Gestalten des Märchens als Ausdruck seelischer Kräfte und ihrer Entwicklung verstehen kann. Tiefer noch führt dann der Hinweis, daß man in Aufbau und Ablauf der Handlung die gleichen Stufen erkennen kann, die aller Einweihung in den großen Mysterien wie auch dem christlichen Kultus zugrunde liegen. Damit wird, fußend auf Hinweisen und Zitaten Rudolf Steiners, die esoterische Schicht dieses GoetheWerkes angerührt. Ein außergewöhnliches und inhaltsreiches Buchgeschenk! 235

Wolfgang Latrille Rainer Patzlaff.:=:~

Assoziative Wirtschaft Ein Weg zur sozialen Neugestaltung

Blldschirmtechnik und Bewußtseinsmanipulation

Die pragmatischen Aspekte der sozialen Dreigliederung

200 Seiten, kort. DM 19,(Zeichen der Zeit, Bd. 5) ISBN 3-7725-0827-8 erscheint April Wolfgang Latrille, Diplom-Volkswirt mit jahrzehntelanger Berufserfahrung vor allem in Südamerika, gibt in seinem Buch eine zusammenfassende und allgemein verständliche Darstellung der assoziativen Wirtschaft. Ihm geht es nicht um ein akademisches, theoretisches Konzept, sondern um die Darstellung der Handlungsansätze, die sich aus Rudolf Steiners Anregungen auf diesem Gebiet ergeben. Zunächst wird herausgearbeitet, worin die Neuartigkeit von Steiners laeen im Unterschied zu den älteren Wirtschaftstheorien besteht. Der Hauptteil befaßt sich mit der Neuorganisatio~ der Wirtschaft, also einer Frage, die heute, be1 strukturellen Krisen und konstant hoher oder noch steigender Arbeitslosigkeit, für viele Betroffene existenzielle Be.deutung hat. Der besondere Vorzug des Buches 1st, daß konkrete Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie hier und jetzt ein Anfang gemachtwerden kann.

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80 Seiten, kort. DM 12,(Zeichen der Zeit, Band 6) ISBN 3-7725-0847-2 Soeben erschienen! Auf vielfachen Wunsch werden die Vorträge, die Reiner Patzlaff mehrfach an verschiedenen Orten gehalten hat, nun in Buchform vorgelegt. Patzlaff schildert die Stellung des heutigen Menschen im Spannungsfeld von künstlicher, seelenloser Intelligenz, die in unzähligen Computern primitive Operationen mit atemberaubender Schnelligkeit vollzieht, und der Notwendigkeit einer meditativen Bewußtseinserweiterung. Dem Schritt in neue seelisch-geistige Bereiche stehen vor allem die elektronischen Medien im Weg. Die suggestiven Scheinbilder, die auf dem Bildschirm flimmern und mit Kathodenstrahlen in die »Hirne« geschossen werden, sind das negative Gegenstück zu den lebendigen und vom Menschen selbst hervorgebrachten Imaginationen.

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FREIES GEISTES· LEBEN

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Michael Bockemühl/RoH Kerler

Gemeinschafts-

bank

80 Seiten, kort. DM6,80 ISBN 3-7725-0846-4 Soeben erschienen!

Schon seit vielen Jahren arbeitet die Gemeinschaftsbank, Hauptsitz in Bochum, und sie arbeitet erfolgreich: Die Mitgliederzahlen ihrer Einrichtungen, die Einlagen und Kreditvergabe wachsen. Immer mehr Menschen suchen in ihr die wirtschaftlichen Voraussetzungen zur Verwirklichung ihrer Initiativen. Sie suchen hierbei aber vor allem die menschliche Zusammenarbeit, in der der anonyme Geldverkehr, das Profitprinzip, das kalte Management überwunden wird- zugunsten des freien und brüderlichen Menschen. Daß diese idealistische Haltung zugleich auch praktisch und effektiv ist, zeigt das Leben dieser neuen Bank! Die Fragen, mit denen sich die Menschen an die Gemeinschaftsbank wenden, werden in diesem Buch beantwortet: Was ist die Gemeinschaftsbank?Worin unterscheidet sie sich von anderen Banken?- Was heißt: GLS?- Wie richtet man ein Sparkonto ein, wie kann man darüber ver-

NeueFormen im Umgang mit Geld

fügen, welche Zinsen sind zu erwarten?Was macht die Bank mit meinem Geld?Wer bekommt Kredite, wie werden sie vergeben?- Muß man erst Mitglied der Bank werden und Genossenschaftsanieile erwerben, um einen Kredit zu erhalten?- Warum bekommt man keine privaten Kredite?- Was sind Wirtschaftsgemeinschaften?- Wenn ich ein Konto bei der Gemeinschaftsbank eröffne- was bewirke ich damit?- Weshalb braucht man fürs Schenken eine Bank?

Diese Schrift möchte Auskunft geben über: Aufgaben und Tätigkeitsbereiche der Gemeinschaftsbank. Die verschiedenen Einrichtungen der Gemeinschaftsbank. Arbeitsweise, Grundlagen und Ziele der Gemeinschaftsbank. Ansätze zu sozialen Techniken, wie sie sich aus der Arbeit entwickelt haben. Möglichkeiten, mit der Gemeinschaftsbank zusammenzuarbeiten. Möglichkeiten, im Sinne eines geisteswissenschaftlich orientierten Bankwesens tätig zu werden.

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FREIES GEISTESLEBEN

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~Familienleben---Selbst~erwirklichung

und Partnerschaft in der täglichen Praxis

Aus dem Englischen von Hildegard leiska . 320 Seiten, kort. DM28,ISBN 3-7725-0831-6 erscheint März

Auch wenn die Suche nach Freiheit für jeden ein persönliches Problem ist, müssen wir es nicht allein lösen. So liegt auch der Ursprung dieses Buches in einem Kreis von Frauen (und Männern), die sich einige Jahre lang in einem Dorf in Sussex (England) trafen . Viele von ihnen suchten nach einem neuen Sinngeholtfür die Familie, einem neuen Blick für die Bedeutung des »Zuhause«, das kein Gefängnis ist, sondern ein Stützpunkt für alle Beteiligten, Kinder und Erwachsene, auf ihren Lebenswegen. Es war eine kosmopolitische Gruppe, die sich ständig veränderte und im Laufe der Zeit neue Richtungen einschlug. Im wesentlichen geht es in diesem Buch mehr um die Frage eines inneren als eines äußeren Wandels. Grundsätzliche, auch unbequ.eme Fragen werden behandelt: Warum erziehen wir Kinder? Damit sie unsere Erwartungen erfüllen, oder damit sie uns mit ihren eigenen, einzigartigen Beiträgen zum Leben überraschen? Die Aufsätze in diesem Buch

herausgegeben von GudrunDavy und Bons Voor~

wig : Die alleinerziehende Mutter; Steven Briault: Der alleinerziehende Vater; Robert & Barbora Sim: Rollentausch; Signe Schoefer: Familiäre Beziehungen; Ernestine lngenhousz: Wer soll geboren werden? Joy Mansfield: Geld in der Ehe; Kevin McCarthy: JobSharing

II. Familie John Davy: ln der Gegenwart leben; Margret Meyerkort: Schlafen und Wachen; Bons Voors: Religiöses Leben in der Familie; John Davy: Warum Feste? Bons Voors : Geburtstage

wurden aus der Überzeugung geschrieben, daß für den erwachenden Blick das Zuhause nicrt 1u einem Kerker, sonc ·n zu einem Universun wird ; Kinder und Eltt-rn können voneinandel lernen; das Jahr kanr, seine Alltagsroutine verlieren und mit Staunenswertem und Geheimnissen erfüllt, eine unendliche

Reise voller Abenteuer und Entdeckungen werden.

111. Kinder Ann Druitt: Die Temperamente; Margret Meyerkort: Schöpferische Disziplin; Airnut Bockemühl: Zur Bildersprache der Märchen; Cecil Harwood : Kin derfragen; Wendy Cook: Ernährung der Familie; Gudrun Davy: Krankheiten; Stephanie Westphal : Ein Kind im Krankenhaus; Roswitha Spence: Selber Schneidern

Aus dem Inhalt: John Davy: Einführung I. Eitern Margli Matthews: Die Bedeutung der Mutterschaft; Gudrun Davy: Schulungsweg einer Mutter; Welmoed Torenstro : Mütterhilfsgruppen; Trudy Der-

Gesamtherstellung: Greiseidruck Rastalt

VERlAG FREIES GEISTES· LEBEN

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