Martin Bucer und Lazarus von Schwendi - St. Stephan Breisach

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Martin Bucer und Lazarus von Schwendi – Mittler in Zeiten der Konfrontation Zur Exkursion am 29.4.2017 Mit dieser Überschrift möchte ich auf das verbindende Element hinweise, das diese beiden Persönlichkeiten der Reformationszeit kennzeichnet: beide haben sich in ihrem jeweiligen Wirkungskreis um Vermittlung und Versöhnung zwischen den sich herausbildenden Konfessionen bemüht. Dabei war für beide die geistige Prägung durch den oberrheinischen Humanismus von entscheidender Bedeutung, für die in unserer Exkursion die Orte Sélestat und Straßburg stehen. Hier in Straßburg können sie sich auch zwischen 1538 und 1546 begegnet sein: Bucer in seiner Eigenschaft als Pfarrer von St-Thomas, Schwendi als Jurastudent. Bezüglich ihrer Herkunft und ihrer Wirkungsstätten sind die beiden Protagonisten unserer Exkursion durchaus verschieden: Martin Bucer, über den wir in dem Vortrag am 16.3. noch einiges erfahren werden, ist 1491 in relativ einfachen Verhältnissen in Sélestat geboren und dort 1506, also mit 15 Jahren, dem Dominikanerorden beigetreten, nachdem seine Familie bereits nicht mehr in der Stadt lebte. Auch Lazarus von Schwendi, geboren gut dreißig Jahre später als unehelicher Sohn eines Landadligen südlich von Ulm, muss seit seinem 3. Lebensjahr ohne Familie auskommen. Er wird als Mündel der Stadt Memmingen mit knapp 15 Jahren nach Basel zum Studium geschickt. Bucer hat, nachdem er durch seinen Orden nach Heidelberg gelangt, dort 1518 die entscheidende Begegnung mit Luther, der dort als Repräsentant des „feindlichen“ Augustinerordens auftritt. Schwendi begegnet in Basel 1536/37 dem dortigen Reformator Ökolampad und taucht ein in eine humanistisch-reformatorische Umgebung, die bei Fortsetzung seines Studiums in Straßburg ab 1538 – da ist er inzwischen 16, 17 Jahre alt – fortgeführt wird. Nach der Straßburger Zeit trennen sich die Wege: Bucer flieht 1549 nach dem Sieg Karls V. über die protestantischen Fürsten 1547 – das berühmte Gemälde Tizians zeigt den siegreichen einsamen Kaiser – nach England, stirbt dort als wichtiger Mitgestalter der neuen englischen Kirche 1551, wird in der Regierungszeit der uns als Bloody Mary bekannten Königin exhumiert und als Ketzer verbrannt, um dann unter Elisabeth I. wiederum – zumindest als Ascherest – rehabilitiert zu werden. Lazarus von Schwendi tritt zur Zeit des Schmalkaldischen Krieges als Feldherr und Diplomat in die Dienste Karls V., folgt nach dessen Abdankung dem Sohn, Philipp II. von Spanien, auf den niederländischen Kriegsschauplatz, kann aber dann den Kampf Albas gegen die Protestanten nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren und findet sich seit 1564 im Dienst der deutschen Habsburger, diplomatisch zur Beilegung der Religionsstreitigkeiten unter Kaiser Maximilian II, militärisch in den Türkenkriegen im Norden Ungarns und im Südwesten der heutigen Ukraine. 1560 wird ihm die Pfandschaft Burkheim übertragen, und von hier aus erweitert er seinen Herrschaftsbereich in Südbaden und im Elsaß. Das Besondere an dieser Herrschaft: es herrscht konfessionelle Toleranz – und der neue Landesherr kümmert sich wirksam um das Wohlergehen seiner Untertanen. Dafür steht die letzte Station unserer Exkursion: Kientzheim. Das Andenken dieser Herrschaft wird seit 1986 im europäischen und ökumenischen Sinn gepflegt durch die Gründung des Lazarus-von-Schwendi-Städtebundes mit Burkheim, Kirchhofen, Mittelbiberach, Schwendi und Triberg in Deutschland, Ammerschwihr, Ingersheim, Katzenthal, Kaysersberg, Kientzheim, Logelheim, Munster, Niedermorschwihr, Sigolsheim, Turckheim und Wintzenheim in Frankreich und Philippeville in Belgien. Reinhard Konzen, 4.2.2017