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Inhalt 2 Persönliches Wort 3 Zur geistlichen Grundlegung Jesus, du bist groß! 8 Unsere Sonntagstexte Zum 4. Buch Mose; 4.Mose 17,6–28; 20,1–13 + 22–29; 21,4–9; Ps 78; Joh 3,14–16; Mk 5,21–43 15 Tipp des Monats 16 Grundlagen biblischer Lehre Gott der Vater 18 Aus unserem Verband Hausen am Bach Persönliches Erziehen – aber wie? 20 Aktuelles Von Allah zu Jesus 21 Lebenslieder Getrost und unverzagt 22 Für unsere Familien Die Hälfte der Nachricht ... Das leere Ei Vertrauen und Geborgenheit 24 Menschen, durch die ich gesegnet wurde Viele haben begossen Ein treuer Freund 26 Was ich schon immer fragen wollte Wie werden wir mit Neid und Eifersucht fertig? 27 Der aktuelle Buchtipp Alfred Burchartz: Das Passafest Israels ... Gerhard Schäfer: Das Gute behalten – Abwege verhüten 28 Gehet hin Sie haben mir ... 29 Neues vom Schönblick Im Alter entlastet leben 30 Vermischtes 31 Unsere Veranstaltungen Unser Titelbild: Isenheimer Altar von Matthias Grünewald im Unterlindenmuseum Colmar. Foto: Albrecht Arnold

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Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde (Joh 3,16.17).

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Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld (GL 87); alternativ: Wo ich auch stehe (FJ II 133)

Liebe Brüder und Schwestern, liebe Freunde, vor kurzem las ich folgende Geschichte: Nach einem Schiffbruch schaffte es der einzige Überlebende, eine kleine unbewohnte Insel zu erreichen. Er flehte Gott um Hilfe an, aber es kam keine Hilfe. Schließlich baute er sich eine Hütte aus Treibholz, um sich vor Wind und Wetter zu schützen. Eines Tages, als er von einem Streifzug über die Insel zurückkam, stand seine Hütte in Flammen. »Gott, wie konntest du mir das nur antun?«, schrie er außer sich vor Wut. Am nächsten Morgen wurde er von einem Rettungstrupp geweckt. »Woher wusstet ihr, dass ich hier bin?«, fragte er verwundert. »Wir haben dein Rauchsignal am Horizont gesehen«, antworteten sie – das Rauchsignal von der brennenden Hütte! Manche Lebenssituationen können wir nicht sofort einordnen und sehnen Gottes Eingreifen und Hilfe herbei. Die Frage nach dem »Warum?« bricht auf. Doch wir sehen nichts. Und dann klingen auch einzelne Worte der Bibel viel zu schön und viel zu theoretisch – etwa »Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen« (Röm 8,28). Solch ein Wort lässt sich leicht glauben, wenn der Himmel schön blau ist und wir sonnige Tage erleben. Was aber ist, wenn die Stürme des Lebens kommen und die Tage dunkler werden? Kann ich dann immer noch auf den vertrauen und ihm glauben, der täglich gegenwärtig und dem alle Macht gegeben ist (Mt 28,18–20)? Kann ich auch darin vertrauen, dass Gott selbst Angst und Verzweiflung dazu verwendet, um etwas Gutes – etwas, was mich im Heil fördert – hervorzubringen? Es lohnt sich immer wieder neu, dieses Vertrauen auf Gottes Treue zu lernen, selbst dann, wenn unsere scheinbar letzte Hoffnung in Rauch und Flammen aufgeht; denn »Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen« (Ps 37,5). Nicht immer werden wir so schnell wie in obiger Begebenheit Antwort erhalten. Manches verstehen wir erst viel später, »manches bleibt in diesem Leben verborgen« (Kurt Heimbucher). Aber Jesus sagt: An dem Tage werdet ihr mich nichts mehr fragen – in der Ewigkeit wird alles klar sein! In dieser Ewigkeitshoffnung grüßt euch zu Karfreitag und Ostern, euer

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Jesus, du bist groß! Biblisches Referat von Professor Dr. Hans-Joachim Eckstein, Tübingen, auf der Landesgemeinschaftskonferenz am 1. November 2004 in Böblingen (Die Zwischenüberschriften wurden von der Redaktion eingefügt.) »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen … – Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit … – Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade« (Joh 1,1–4.14.16).

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immlische Worte über Jesus vernehmen wir hier. Ganz triumphal und begeisternd steigt das Johannesevangelium in sein Lieblingsthema ein: Es spricht über Christus, über seine Größe und Herrlichkeit. Es spricht von der Faszination und Überwältigung, die Menschen erfahren, wenn sie ihm begegnen. Je tiefer die Not – desto höher die Christologie Nun mag die eine und der andere unter uns beim Lesen dieser Worte schon gedacht haben: Wie weit ist die Zeit des Johannesevangeliums von uns heute entfernt! Wie selten wird diese überschwängliche »Herrlichkeit« heute noch wahrgenommen! Und wie schwer scheint dieses Zeugnis auch zu unserer Welt zu passen, die von Gott nichts weiß und die von Christus nichts mehr wissen will. Ja, wenn wir an all die Auseinandersetzungen und Fehlentwicklungen innerhalb unserer Kirchen und Gemeinschaften denken, dann könnten wir darüber traurig werden, dass wir offensichtlich so wenig von dieser Größe Jesu Christi, dieser »Gnade und Wahrheit« im Überfluss bestimmt sind. Diesen Widerspruch zwischen dem »hohen« Bekenntnis zu Jesus Christus und den Niederungen unserer eigenen Situation und Wirklichkeit könnten wir nun dadurch aufzulösen versuchen, dass wir Abstriche an unserem herkömmlichen Glaubensbekenntnis machen. Es mag vielleicht als nahe liegend erschei-

nen, dass wir auf die zunehmende Distanz des modernen Menschen zum Glauben mit einem Entgegenkommen in unserem Glaubenszeugnis reagieren. Wenn die hohen Aussagen über Jesus als den ewigen Sohn Gottes und das wahre Leben, über die heilvolle Bedeutung seines Kreuzestodes und über das unglaubliche Ereignis seiner Auferstehung so anstößig erscheinen, sollten wir dann nicht lieber von Jesus als einem vorbildlichen Menschen und moralisch beeindruckenden Lehrer sprechen, der aber grundsätzlich nicht anders war als »du und ich«? Sollten wir angesichts des niedrigen Glaubensniveaus nicht lieber auf eine »hohe Christologie«, d. h. auf das hohe Bekenntnis zur einmaligen Größe Jesu Christi verzichten? Das Johannesevangelium gibt angesichts all der Probleme und Inkonsequenzen seiner ersten Leser genau die entgegengesetzte Antwort: Je tiefer die Not ist, desto höher muss die Christologie sein! Je größer die Schwierigkeiten für die Gemeinde in Angst und Traurigkeit, in Bedrängnis und Zweifeln werden, desto nachdrücklicher erinnert das Evangelium sie an die Größe und die trostreiche Herrlichkeit ihres Herrn. So wie Jesus selbst seine Jünger mit ihren Sorgen ernst nimmt, indem er sie mit seinem für sie errungenen Sieg tröstet: »In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!« (Joh 16,33) Wir sollen uns wohl »mit den Fröhlichen freuen« und »mit den Weinenden weinen« (Röm 12,15), aber es wäre niemandem damit geholfen, wenn wir mit den Zweifelnden zweifeln und mit den Nichtglaubenden nicht glauben. Zweifel und Bedenken schon zur Zeit Jesu Bei näherem Hinsehen sind unsere heutigen Zweifel

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und Bedenken auch gar nicht so neu und anders als die Probleme, die bereits die ersten Jünger plagten. Denken wir daran, wie viele Jesus nach Joh 6,60f. gerade wegen seines exklusiven Anspruchs und seiner einmaligen Heilsverheißungen (Joh 6,35f.) verlassen haben, sodass Jesus sogar die zwölf Jünger eindringlich fragt: »Wollt ihr etwa auch weggehen?« Erinnern wir uns, wie viel Raum dem Abschied Jesu von seinen Jüngern eingeräumt wird (Joh 13,31–Joh 17,26), die er auf die kommende Einsamkeit und Anfechtung, auf Trauer und Schmerzen vorbereiten muss: »Über ein Kleines, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen ... Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen ... Ihr habt nun Traurigkeit« (Joh 16,16.20.22). Was wird aus dem Bekenntnis »und wir sahen seine Herrlichkeit« (Joh 1,14), wenn sie ihn nicht mehr so unmittelbar schauen, ertasten und hören können wie zuvor? Beispiel: Auferweckung des Lazarus Vielleicht lässt sich diese drängende Frage am anschaulichsten von der Erzählung her beantworten, die man als das »Johannesevangelium im Johannesevangelium« bezeichnen kann: Die Auferweckung des Lazarus in Joh 11. Freilich handelt es sich hier um eine Erzählung, die zunächst so traurig anfängt, wie sie nur anfangen kann. Sie beginnt mit der Todkrankheit eines Menschen. Lazarus, der Bruder zweier Schwestern, liegt im Sterben. – »Herr, siehe, den du lieb hast, der liegt krank« (11,3). Viele, viele Christen haben im Lauf der Geschichte allein diesen einen Vers in Verzweiflung und unter Tränen immer wieder gebetet. Denn diese Worte drücken in beklemmender Dichte den Widerspruch unserer Wirklichkeitserfahrung aus. Es ist die Grundlage unseres Glaubens, dass es jemanden gibt, der uns liebt und für uns da ist! Wir bekennen, dass wir nicht verlassen sind. Wir klammern uns daran, dass wir von Christus geliebt sind, dass es ihn gibt – auch unabhängig von unseren Gefühlen, auch jenseits unserer Wirklichkeit und Erfahrung. Er nimmt uns ernst, und er nimmt uns an. Und dennoch leiden wir bis zur Verzweiflung an einem quälenden Widerspruch: Obwohl uns diese Liebe zugesprochen ist, obwohl diese Beziehung gelten soll, erfahren wir uns selbst und erleben wir die Menschen, die wir lieben, als »krank«, »schwach« und »hilflos«. Dass Christus groß ist, mögen wir in unverbindlichen und harmlosen Situationen unseres Lebens mit leichten Lippen bekennen. Aber was nutzt ein rein theoretischer Glaube, was nutzt selbst das abstrakte Bekenntnis einer »hohen Christologie«, wenn dann

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plötzlich unser Leben das Gegenteil von dem zu bezeugen scheint, was wir glauben? – »Herr, siehe, den du lieb hast, der liegt krank!« Selbst der engste Jüngerkreis scheint Jesus angesichts des Leides und in Sorge um die drohenden Gefahren (Joh 11,8) nicht richtig verstehen zu wollen (Joh 11,1f.). Da sie weder den Ernst der Lage noch auch die Tiefe der Lebensverheißung erkennen, ist Jesus auch um ihretwillen froh, dass sie nun Zeugen seiner umfassenden Vollmacht und Herrlichkeit werden können, damit sie endlich glauben (Joh 11,11–15). Denn sosehr Lazarus aus menschlicher Perspektive »zum Tode krank« ist, so wenig gibt es für den Sohn Gottes als »die Auferstehung und das Leben« irgend eine Not oder Schwachheit, aus der er nicht zum Leben führen könnte. Und sosehr Lazarus – menschlich gesehen – unwiederbringlich verstorben ist und es für ihn – nach menschlichen Maßstäben – keinerlei Hoffnung mehr gibt, sosehr ist er aus der Perspektive Gottes nicht »tot«, sondern »schläft« (Joh 11,11.14); denn er ist dazu bestimmt, durch den Auferweckungsruf seines Herrn zum Leben zu kommen: »Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde« (Joh 11,4). Nur ein theoretischer Glaube? Auch wenn wir wie die Jünger den Problemen eher ausweichen wollen und unseren Glauben lieber in Stärke, Bestätigung und Erfolg erfahren, so erleben wir doch die wirkliche Herrlichkeit Jesu und die Fülle seiner Gnade da am eindeutigsten und überwältigendsten, wo wir uns über unsere eigenen Möglichkeiten keine Illusionen mehr machen können. Was es wirklich bedeutet, dass »er uns lieb hat« (Joh 11,3.5.37), erahnen wir, wenn er uns mitten in unserem Leiden und in unserer Schwachheit, in unserer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit begegnet. Und damit sind wir mitten im Geschehen. Als Martha hört, dass Jesus kommt, läuft sie ihm entgegen. Und verzweifelt hält sie ihm vor: »Herr, wärest du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben« (Joh 11,21). Gewiss weiß sie auch jetzt noch, dass Gott seinem Sohn grundsätzlich geben kann, worum ihn dieser bittet. Doch wird das folgende Geschehen zeigen, dass sie der Wirklichkeit und Konkretion der Lebensverheißung Jesu noch nicht wirklich traut. Wie oft bleiben auch bei uns – wie damals bei Martha – die Glaubensaussagen noch in der »Möglichkeitsform«, im »Konjunktiv«: »Herr wärest du hier gewesen ... mein Bruder wäre nicht gestorben!« (Joh 11, 21). Wie oft hängen wir wehmütig vergangenen Mög-

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Christus begegnet uns nicht nur als eine Person unter vielen anderen, nicht nur als ein Lebender unter vielen Lebendigen, sondern er begegnet uns als das Leben in Person und als die leibhaftige Auferstehung: »Ich bin die Auferstehung und das Leben!« Die Auferstehung Christi, gemalt von R. de Garbo 1505, Florenz.

lichkeiten nach oder träumen von theoretischen Veränderungen einer fernen Zukunft: »Wir hätten, wir wären, wir würden... und wir könnten und wir sollten!« Aber der Glaube will sich nicht auf vergangene oder noch weit entfernte zukünftige Möglichkeiten konzentrieren, sondern auf Gottes Reden in der »Wirklichkeitsform«, auf seine Verheißung im »Indikativ«. – Spricht Jesus zu ihr: »Dein Bruder wird auferstehen!« Aber Martha weicht aus, wie wir ausweichen, wenn wir mitten in unserer erschreckenden eigenen Wirklichkeit der ganz anderen Realität dessen begegnen, der uns liebt: »Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird – bei der Auferstehung am Jüngsten Tage!« (Joh 11,24). Wie korrekt ist unser Bekenntnis und wie zutreffend formulieren wir unseren Glauben, solange es um Dinge geht, die längst vergangen sind oder noch in weiter Zukunft liegen, aber nicht im Hier und Jetzt unserer eigenen Wirklichkeit. Doch darüber vergessen wir – während wir biblisch und dogmatisch noch so richtig formulieren mögen –, mit wem wir es bei dem, an den wir glauben, eigentlich zu tun haben.

Jesus – der ganz Andere So lässt der, der uns liebt, es auch bei unserem Glauben an die fernen Dinge nicht bewenden, sondern stellt sich uns wie damals Martha bei unseren Ausflüchten in den Weg, indem er sich uns eindeutig und unausweichlich »vorstellt«. »Ich bin ...« – mit diesen Worten hat sich einst Gott selbst seinem Volk Israel und dann den Völkern vorgestellt (Jes 41,4; 43,10f.; 45,18; 48,12), und mit »Ich werde sein, der ich sein werde«, »Ich bin der Seiende« wird sein geheimnisvoller Name »Jahwe« – »der Herr« – umschrieben (2. Mose 3,14). Ahnen Martha und die ersten Jünger wirklich, wen sie in Jesus vor sich haben, wenn er sich als der einzigartige Sohn Gottes mit eben diesen Worten offenbart? – »Ich bin (es), fürchtet euch nicht!« (Joh 6,20) – »Ich bin das Licht der Welt ...« (Joh 8,12) – »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben ...« (Joh 14,6; vgl. Joh 6,35; 10,7.9; 10,11.14; 15,1.5). Er begegnet uns nicht nur als eine Person unter vielen anderen, nicht nur als ein Lebender unter vielen Lebendigen, sondern er begegnet uns als das Leben in Person und

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als die leibhaftige Auferstehung: »Ich bin die Auferstehung und das Leben!« (Joh 11, 25) Glaube auf dem Prüfstand heute »Glaubst du das?«, wird Jesus anschließend Martha eindringlich fragen, und sie wird – wiederum theoretisch korrekt und christologisch unübertrefflich – antworten: »Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist« (Joh 11,27). Damit wir eben dies erkennen, ist uns nach Joh 20,31 das ganze Johannesevangelium aufgeschrieben worden: »Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.« Aber die Frage bleibt: »Glaubst du das?« Denn wenn es stimmt, dass Jesus nicht nur ein Herr von vielen ist, wenn er nicht nur eine Bezugsperson unseres Lebens von vielen möglichen ist, sondern wenn er der ganz Andere ist, der Eine, der in Person mein Leben verkörpert, der Zentrum meines Leben ist, dann hat das Konsequenzen – weit über die Theorie hinaus. »Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.« Wann beginnt das ewige Leben? Und ab wann haben wir teil an der Wirklichkeit der Auferstehung Jesu? Nicht erst an einem fernen »Jüngsten Tag« und jenseits unseres leiblichen Sterbens, sondern im Hier und Jetzt und im Moment des Hörens und des Glaubens. »Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen« (Joh 5,24). Wenn Christus in Person das Leben ist, dann haben wir mit ihm und in ihm bereits das ewige Leben, sobald wir ihn erkennen: »Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen« (Joh 17,3). Wie vielen von uns mag es wie Martha gehen. Wir erinnern uns an das Zeugnis der heilvollen Vergangenheit der Gegenwart Jesu auf dieser Erde, und wir hoffen auf die Verheißung einer fernen Zukunft vom Himmel her, aber beides bestimmt und erfüllt nicht unsere eigene Gegenwart. Wir verbinden das Leben mit längst vergangenen Möglichkeiten und mit noch weit entfernten zukünftigen Wirklichkeiten, aber wir glauben und erfahren nicht, dass wir schon jetzt und hier in ihm »Leben und volle Genüge«, d. h. »Leben im Überfluss«, haben sollen (Joh 10,10b). Zwischen der Erinnerung an die Vergangenheit Jesu und der Hoffnung auf den kommenden Herrn steht für viele die Zeit des Nichtsehens, des Nichterfah-

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rens, des theoretischen Glaubens und des eigenen – oft verzweifelten – Mühens für den Herrn, der für uns gestorben ist. Aber das ist dem Christus, der für uns nicht nur gestorben, sondern für uns auch auferstanden ist, das ist dem Sohne Gottes, der in Person das Leben ist, das ist ihm nicht genug! Seine Größe ist so groß, dass wir ihn schon im Hier und Jetzt und nicht nur im Dort und Dann erkennen sollen. Und seine Liebe und Gnade ist so umfassend, dass er nicht nur unsere Vergangenheit und ferne Zukunft, sondern bereits unsere Gegenwart so erfüllen will, dass unser Hunger nach Leben und unser Durst nach Liebe in ihm Befriedigung finden (Joh 4,13f.; 6,35): »Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen« (Joh 7,37f.). Martha hat die Frage Jesu: »Glaubst du das?« gewiss aus tiefer Überzeugung und mit großer Ernsthaftigkeit bejaht (Joh 11,26f). Und dennoch wird es ihr nur wenig später in der Praxis schwer fallen, das auf ihre eigene Wirklichkeit auch anzuwenden, was sie mit ihren Lippen eben noch theoretisch bekannt hat. Als Jesus an das Grab ihres verstorbenen Bruders herantritt – an den dunklen Ort des Verlustes, der Verzweiflung und der unerlösten Vergangenheit –, da ist sie es, die ihrem Herrn ungläubig und vorwurfsvoll widerspricht: »Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen!« (Joh 11,39) Wenn Christus an den Raum unserer verschlossenen Probleme und unserer verborgenen Verwundungen herantritt, wenn er vor der Tür unserer »Gräber« stehen bleibt, dann befallen uns plötzlich Angst und Sorge. Wenn er mit seiner ganzen Vollmacht befiehlt: »Hebt den Stein weg!« (Joh 11,39), dann lassen wir es nicht zu, dass er Licht in unsere Dunkelheit bringt und Leben in unsere menschliche Schwachheit und Hoffnungslosigkeit. Wie widersprüchlich wir als Menschen sein können! Wir verbieten Christus in unserer eigenen Verzweiflung und Aussichtslosigkeit ausgerechnet das, wonach wir uns am meisten sehnen. Und wir beschränken die Möglichkeiten Gottes in unserem Leben ausgerechnet dann auf unsere eigene Wirklichkeit, wenn uns nur noch seine Realität retten könnte. – »Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?« (Joh 11,40) Größe und Herrlichkeit Jesu Aber glücklicherweise ist Jesus so groß, dass er unser »Ja« und unser Bekenntnis zu ihm ernster nimmt, als wir selbst es tun. Erfreulicherweise ist seine Gnade so überschwänglich, dass er sich mit unserem widersprüchlichen »Nein« nicht abfindet, sondern uns mit

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seiner überwältigenden Liebe überwindet. Und Jesus ruft in die Dunkelheit der Grabhöhle hinein: »Lazarus, komm heraus!« Wie Gott einst bei der Schöpfung durch sein Wort die Welt aus dem Nichts schuf – »Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht« (1.Mose 1,3) –, so bringt er nun durch sein eigenes »Wort«, d. h. durch Jesus Christus, Tote zum Leben, Verlassene in die Gemeinschaft und Trauernde zu Zuversicht und Freude. Welche Voraussetzungen müssen wir von uns aus mitbringen, um dies erfahren zu können? Welche Bedingungen müssen wir selbst und unabhängig von seiner Gnade erfüllen, um das zu erleben? Die Antwort auf diese Fragen macht das »Evangelium« zur »erfreulichen Nachricht«: Keine! Wie viel menschliche Stärke und eigenen Willen, wie viel guten Vorsatz und eigene Aktivität kann Jesus bei dem verstorbenen Lazarus voraussetzen? Was erwartet er von ihm, was er ihm nicht zugleich auch gibt und in ihm wirkt? Gar nichts! Wenn er uns anspricht und herausruft, dann tut er es in der Vollmacht des Wortes Gottes, durch das die Welt aus dem Nichts erschaffen wurde und durch das die Toten aus den Gräbern heraus zum Leben kommen. Wäre es anders und wir müssten irgendetwas aus uns selbst heraus mitbringen, was uns nicht aus seiner Gnade geschenkt und in seiner Liebe zugesprochen würde, dann müssten wir für uns selbst – genauso wie Martha angesichts des Grabes – zweifeln, ob all die großen Aussagen der Verheißung und des Bekenntnisses auch für unser eigenes Leben gelten. Aber das Evangelium spricht nicht von der Erweiterung unserer menschlichen Möglichkeiten und der Vergrößerung unserer eigenen Glaubensstärke, sondern von der Größe und Herrlichkeit Jesu, die auch vor verschlossenen Gräbern und endgültig erscheinender Ausweglosigkeit nicht resignieren muss. Das Ge-

Dr. Hans-Joachim Eckstein ist Professor für Neues Testament an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen und Mitglied der Landessynode. Vertiefende Gedanken finden sich in seinen Büchern: H.-J. Eckstein, Du liebst mich, also bin ich. Gedanken, Gebete und Meditationen, Hänssler-Verlag, Holzgerlingen 2001; – Glaube, der erwachsen wird, Hänssler-Verlag, Holzgerlingen 2002.

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heimnis unseres Glaubens liegt in der Größe Jesu Christi, nicht in der Größe unseres Glaubens. Wir brauchen keinen »großen Glauben« – so klein ist der Sohn Gottes nicht! Es geht vielmehr um unser kindliches – vielleicht oft schwaches und angefochtenes – Vertrauen auf die Größe Jesu Christi. Seine Gnade ist so überschwänglich und umfassend, dass er selbst in uns all das wirken will, was er uns zuspricht und von uns erwartet. Oder um es mit den Worten eines UBahn Graffiti auf den Punkt zu bringen: »Für die Auferstehung kannst du niemals zu tot sein!« Bedingungslose Liebe »Lazarus, komm heraus! Und der Verstorbene kam heraus« (Joh 11,43). Nicht weil Lazarus von sich aus Jesus anruft, kommt er zum Leben, sondern weil Jesus ihn ruft, kann der Verstorbene aus seinem Grab herauskommen. Nicht weil wir uns liebenswert verhalten hätten, liebt uns Christus so, dass er sich selbst für uns dahingibt; sondern indem er uns grenzenlos liebt, können wir unseren wahren Wert und unsere Bedeutsamkeit allererst erkennen (Joh 3,16; 13,1.34). Nicht weil wir Jesus erwählt und gesucht haben, kommen wir zum Glauben, sondern weil er uns erwählt und gerufen hat, können wir seine Stimme hören und im Glauben an ihn unser Leben finden (Joh 15,16; vgl. 6,37.44.65; 10,14ff.27f.). Wer dieses Evangelium von der voraussetzungslosen und bedingungslosen Liebe Jesu Christi zu ahnen beginnt, der ist nicht länger mit seinen Grabtüchern an Füßen und Händen gebunden, wie Lazarus bei seinen ersten Schritten. Und wer erkennt, dass Jesus uns die Größe seiner Herrlichkeit durch die Fülle seiner Gnade zeigen will (Joh 1,14–18), der weiß um die entfesselnde und befreiende Wirkung seiner Worte: »Löst die Binden und lasst ihn gehen!« (Joh 11,44)

Dr. HansJoachim Eckstein bei seinem Referat auf der Landesgemeinschaftskonferenz 2004

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Das 4. Buch Mose – Überblick und Themenfelder Allgemeines Zum Aufbau der Textplaneinheiten In den Monaten Februar bis April 2005 ist das 4. Buch Mose an der Reihe. Wir schließen damit unmittelbar an die Textplaneinheiten der letzten Jahre an: • Im Jahr 2002: 1.Mose 37–50: die Josefsgeschichte; Jakobs Familie kommt nach Ägypten • Im Jahr 2003: 2.Mose 1–20: Israel wird in Ägypten unterdrückt. Gott führt aus der Knechtschaft in die Freiheit. Der Weg des Volkes bis zum Sinai. • Im Jahr 2004: 2.Mose 21–40/3.Mose in Auszügen: Israel am Sinai (Zehn Gebote; Bundesschluss; Stiftshütte …) • Im Jahr 2005: 4.Mose in Auswahl: Israels Weiterweg vom Sinai durch die Wüste bis ins Ostjordanland. Der Name Das 4. Buch Mose wird im Fachwort »Numeri« genannt; Abkürzung: Num. Numeri bedeutet: Zählungen (Zählungen des Volkes in Kap. 1 und 26). Die Gliederung und der Inhalt • Teil I: Am Sinai (Kap. 1,1–10,10): erste Volkszählung; einzelne Bestimmungen über den Dienst der Leviten und allgemeine Bestimmungen über den Alltag. Vor allem aber: der Aaronitische Segen (6,22–27) vor dem Aufbruch zum Weg durch die Wüste. »Du sollst meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.« • Teil II: Der Wüstenaufenthalt (Kap 10,11–20,13). Berichtet werden einige wenige Ereignisse, die geistlich gesehen sehr bedeutend und deshalb im Textplan aufgenommen sind: – Kap. 11: Das murrende Volk; Gott steht Mose bei – Kap. 12: Auflehnung Mirjams und ihr Aussatz – Kap. 13/14: Aussendung der Kundschafter; Aufruhr des Volkes; glaubensmutiges Eintreten von Josua und Kaleb vor ganz Israel; Gottes Strafe für Murren und Widerstand. • – Kap. 16: Aufruhr und Untergang der Rotte Korah – Kap. 17: Neue Empörung gegen Mose und Aaron

– Kap. 20: Mirjams Tod; Mose schlägt den Felsen beim Haderwasser. • Teil III: Der Zug ins Ostjordanland und nach Moab (Kap. 20,14–36,13) Israel kommt bis an die Grenze des Landes Kanaan. Besondere Ereignisse u.a.: – Kap. 21: Die eherne Schlange – Kap. 22–24: Der Wahrsager Bileam – Kap. 27: Josua wird zum Nachfolger Moses bestellt • – Kap. 32: Verteilung des Ostjordanlandes. Themenfelder Die genannten Themenbereiche ziehen sich insgesamt durch die Geschichten hindurch. Sie sollten immer wieder angesprochen, ausgelegt und vertieft werden, denn »dies widerfuhr ihnen als ein Vorbild. Es ist aber geschrieben uns zur Warnung, auf die das Ende der Zeiten gekommen ist« (1.Kor 10,11). Gottes Volk unterwegs • Beispielhaft erleben wir, was es heißt, im Glauben unterwegs zu sein: wunderbare Erfahrungen der Durchhilfe Gottes; Bewährungsproben und Versuchungen; Sieg und Niederlagen (1.Kor 10,1–11). • Die vielen Namen und Orte zeigen, dass Gott real in Raum und Zeit handelt und gegenwärtig ist. • Das entscheidende Merkmal auf dem Weg durch die Wüste: Gehorsam oder Ungehorsam/Glaube oder Unglaube gegen Gottes Weisungen und seine Führung. Gehorsam bringt Segen; Ungehorsam bedeutet: das verpasste Ziel und die verwirkte Gottesruhe (Hebr 3,7–19). • Unterwegssein heißt: ein Ziel vor sich haben. Für Israel ging es um den Einzug in das verheißene Land und damit um die verheißene Gottesruhe (Hebr 4,1–11). Unter der Führung Gottes • Eindrücklich und anschaulich wird sie geschildert durch das Geschenk der Wolken- und Feuersäule. • Sie bestimmt den Zeitpunkt für Wandern und Ruhen (Kap. 9,15–23; vgl. 2.Mose 13,21; 40,36–38; Ps

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78,14; 1.Kor 10,1). »So oft sich aber die Wolke vor dem Zelt erhob, brachen die Israeliten auf; und wo die Wolke sich niederließ, da lagerten sich die Israeliten. Nach dem Wort des Herrn brachen sie auf, und nach seinem Wort lagerten sie sich« (Kap. 9,17.18). Schlüsselwort: »Murren« • Hier wird ein entscheidender Grundzug menschlicher Existenz deutlich. Mose erlebt allein 16 schwere Auflehnungen (7-mal in 2.Mose/9-mal in 4.Mose). »Murret auch nicht, wie einige von ihnen murrten und wurden umgebracht durch den Verderber« (1.Kor 10,10). • Das Murren des Volkes in 4.Mose betrifft – den Weg (11,1–3) – das Essen (11,4-6; 21,4–9) – das Land (13,30–14,4) – die Führer (12,1.2; 16,1–17,5) – die Gerichte Gottes (17,6) – die Wüste (20,2–5). Die Heiligkeit und die Barmherzigkeit Gottes Beides wird im 4. Buch Mose in eindrucksvoller Weise veranschaulicht: • Heiligkeit. Sein Zorn über die Sünde und die Gerichte Gottes (Beispiel: 11,1.33; 14,21f.; 16,31–35 ...). • Barmherzigkeit. Gott lässt einen »Rest« (Kaleb und Josua); trotz allem löst er seine Verheißungen vollständig ein (vgl. Jos 21,43–45). Allein die Gnade

Sonntag, 6. März 2005

4.Mose 17,6–28 Der heilige Gott und der unheilige Mensch Gott beruft Menschen zum Dienst Der ganze Streit, der Ungehorsam und der Aufstand gegen Gott, die in Kapitel 16 und 17 berichtet werden, haben ihren Ursprung im Neid. Gott hat Mose als Führer für Israel eingesetzt und Aaron als ersten Hohepriester. Von diesem Zeitpunkt an sind die Nachkommen Aarons die Priester Israels, einer von ihnen der Hohepriester. Die Leviten sind zu besonderen Diensten am Tempel berufen – zum Beispiel als Sänger wie Asaf, dessen Psalm 73 wir im Januar in den Stunden behandelt haben. Vor Gott machen diese Berufungen keinen Unterschied. Er beruft jeden nach seinen Möglichkeiten und Gaben und will mit jedem Menschen, mit jedem Mitglied seines Volkes Ge-

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und Treue Gottes sind es, die das Volk weiterleben lassen. Seine Barmherzigkeit zeigt sich auch darin, dass er immer wieder neu redet und das Flehen seines Dieners Mose erhört. Heilsgeschichtliche Linien ziehen sich durch das ganze 4. Buch Mose. Zudem gibt es einige klare messianische Verheißungen. • Was Jesus auf sich selbst bezieht: Joh 5,45–47; Lk 24,27 • Der Stern aus Jakob: 24,17.18, vgl. Mt 2 • Die eherne Schlange: 21,6–9, vgl. Joh 3,14–16 • Gott als der Versöhner der Sünden: 5,6–8, vgl. 2.Kor 5,19–21 • Die Freistädte: 35, vgl. Hebr 6,18 (Zuflucht) • Christus, der Fels (1.Kor 10,4) Vorbilder des Glaubens Wir erleben in Mose einerseits und in Josua und Kaleb andererseits Glaubensvorbilder. • Sie wirken weit über die Zeit und das Volk Israel hinaus. • Ihre Schwächen und ihre Schuld werden nicht verschwiegen; doch in ihrer ganzen Hingabe an Gott wird Gottes Kraft und Segen deutlich (2.Kor 12,9). • Mose wird unter den großen Glaubenszeugen im NT aufgeführt: Hebr 11,23–29. Otto Schaude, Reutlingen

meinschaft haben. Wir Menschen machen allerdings einen Unterschied. Wir betrachten Berufungen und Aufgaben, die Gott gibt, nach dem äußeren Ansehen. Ein weltweit bekannter Evangelist, der häufig mit vielen Menschen zu tun hat, gilt oft mehr als ein einfaches Gemeindeglied, das jeden Sonntag nach dem Gottesdienst ohne viel Aufhebens die Gesangbücher ins Regal ordnet. Das ist ein Ausdruck unserer Werte, aber auch von Selbstherrlichkeit und damit von Unheiligkeit. Vor Gott gibt es keine solchen Unterschiede. Jeder Nachfolger ist ihm gleich viel wert und gleich wichtig. Jede Aufgabe im Reich Gottes ist nötig und von Gott so gewollt und wertgeschätzt. Nach dem Aufruhr von Korah und seinen Leuten sollte die Frage der Berufung eigentlich geklärt sein, möchte man meinen. Gott hat sich als der Herr erwiesen (4.Mose 16,28–33) und Mose und Aaron als seine Sprecher, als Führer des Volks und Aaron als seinen Priester bestätigt. Und damit kein Zweifel aufkommen kann, bestätigt Gott Aaron nochmals als seinen Priester. Aarons Stab grünt, alle anderen nicht.

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Das Wunder, dass totes Holz über Nacht Blätter, Blüten und Früchte treibt, soll Israel zur Erinnerung an den Ungehorsam und den Aufruhr erhalten bleiben. Aarons Stab wird mit der Thorarolle und den Gebotstafeln in der Bundeslade verwahrt.

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können. Gott wollte es anders haben. Die Menschen seines Volkes sollen heilig sein, ihm zu besonderem Dienst ausgesondert und zugeordnet. Die Geschichte des Volkes Israel ist nicht nur eine Geschichte vom Handeln Gottes, sondern auch eine Geschichte vom Scheitern der Menschen, nämlich vom Scheitern daran, der Berufung zur Heiligkeit zu entsprechen. An dieser Situation hat sich bis heute nichts geändert. Kein Mensch kann von sich aus vor Gott bestehen. Am Ende bleibt diese Frage offen: Wie kommen Gott und Mensch zueinander? Die Antwort darauf muss Gott selbst geben, weil wir sie nicht geben können. Sie heißt: Jesus Christus.

Die Abkehr von Gott hat Folgen Der Aufruhr, den Korah, Datan und Abiram im Volk Gottes verursacht hatten, hatte nicht nur für sie selbst schlimme Folgen – er fand auch Nachfolger. Aber dieses Mal nicht nur Einzelne, sondern die ganze Gemeinde. Selbst wenn es nicht jeder Einzelne war: Die große Mehrheit des Volks steht gegen Mose und Aaron, versammelt sich gegen sie. Wer weiß, wie es ausgegangen wäre, hätte Gott nicht eingegriffen. Der Aufstand gegen Gott und seine Ordnung sitzt tief in den Israeliten, überhaupt in jedem Menschen drin: Im Grunde hatten doch Korah und Genossen Recht, mehr für sich zu fordern. Es war nur die Eifersucht von Mose und Aaron, die den Tod über die unzufriedenen Leviten gebracht hat. Mose und Aaron wollten Macht und Einfluss für sich behalten, darum sind sie auch schuld am Tod der Rotte Korah. Das ist die menschliche Weise, über die Geschehnisse zu denken. Der Mensch, auch der Mensch aus dem Volk Gottes, versucht, die Schuld und Verantwortung für seine Fehler und deren Folgen auf andere abzuschieben. Bei Israel ist es der Vorwurf gegen Mose und Aaron: »Ihr habt des Herrn Volk getötet« (V. 6). Dabei war es doch deutlich Gott selbst, der es getan hatte, und es war genauso deutlich der Aufstand gegen Gott, der das ausgelöst hatte. Genau wie am Tag vorher hat auch dieses Mal der Aufstand gegen Gott Folgen. Eine Plage bricht unter den Israeliten aus, die von Gottes Zorn ausgegangen ist. Wieder sterben Menschen. Diesmal ist es nicht Mose, der für das Volk bittet. Mose schickt seinen Bruder Aaron ins Lager, um »Sühne zu schaffen«, denn das ist die Aufgabe eines Priesters. Er steht als Mittler zwischen Mensch und Gott. Aaron vollzieht ein Rauchopfer zur Heiligung für die Israeliten, damit der Zorn Gottes gegen Unreinheit und Unheiligkeit abgewendet wird. So findet die Plage ein Ende.

4.Mose 20,1–13 + 22–29 Herr, habe acht auf mich!

Das Gericht Gottes hat Folgen Die Israeliten kommen zu einer Einsicht: »Wir Menschen passen nicht zum heiligen Gott. Wir können nicht in seine Gegenwart kommen« (V. 27+28). Aber selbst darin schwingt noch der Vorwurf mit: Es ist irgendwie Gottes Schuld, dass wir in seiner Nähe umkommen, dass wir diese Gegenwart nicht ertragen

Das Volk Israel sieht sich in einer neuen (und doch altbekannten!) Problematik: Kein Wasser, und das in der Wüste! Mose steht vor einer neuen (und doch altbekannten?) Aufgabe: Mit Gottes Hilfe den Israeliten zu helfen. Aber der bewährte Knecht Gottes strauchelt in dieser (anscheinend doch unbekannten) Herausforderung. Eingerahmt ist dieser Abschnitt von

Fragen zum Gespräch: • Nehme ich meine besondere Berufung an, oder hätte ich doch lieber die eines anderen? • Spüre ich noch, dass Gott heilig ist? • Wie kommen Gott und Mensch zueinander? Thorsten Müller, Göppingen Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene: • Zwölf Stäbe mitbringen. Können wir alle zwölf Stämme Israels aufzählen? Auf jeden Stab einen Namen schreiben. Zu welchem Stamm gehört Aaron? Diesen Namen ausstreichen und Aaron draufschreiben (V. 18). • Als Veranschaulichung zu V. 23 noch einen weitern Stab / Ast zeigen, der ausgeschlagen hat. • Wie gehen wir mit Verantwortlichen in Gemeinde und Gemeinschaft um? In 1.Thess 5,12+13 gibt es Tipps dafür. Diesen Vers sowie die Namen der Verantwortlichen am Ort und im Verband auf Kärtchen kopieren und als Gebetskärtchen verteilen. Lieder: 87, 89, 286, 319, 515

Sonntag, 13. März 2005

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den Berichten über das Sterben der Geschwister Moses. Das alte Lied V. 1–5: Das war natürlich kein Pappenstil: in der Hitze der Wüste des Orients kein Wasser! Aber kannten die Israeliten dieses Problem und vor allem die Abhilfe nicht aus früheren Erfahrungen? Hatten sie nicht oft genug die Hilfe Gottes in prekärsten Nöten erfahren? Angefangen von der wunderbaren Hilfe vor dem Durchzug durchs Schilfmeer, als das ägyptische Militär sie verfolgte? »Die Stimmung des Volkes ließ sich innerlich nie bestimmen durch die Wunder und Erlebnisse der Vergangenheit und durch die Zusagen und Verheißungen der Offenbarung, sondern blieb abhängig von den jeweiligen Nöten und Widerwärtigkeiten des Lebens« (Jakob Kroeker). Jede neue Not und jedes neue Problem ist eine neue existenzielle Frage, worauf wir vertrauen und was uns Halt gibt. Deshalb singt David Jahrhunderte später, Gott zu loben und nicht zu vergesssen, was er uns Gutes getan hat (Ps 103,2). Die Israeliten dagegen stimmen das alte Lied an: das Lied des Jammers, der Klage, des Vorwurfs, der Idealisierung der »guten alten Zeit«: Wie war es doch in Ägypten so schön gewesen! So attackieren sie Mose mit heftigen Vorwürfen und erdreisten sich zu der ungeheuerlichen Aussage, dass sie da doch lieber früher gestorben wären. Die bewährte Hilfe V. 6–11: Mose und Aaron wissen, wo Hilfe ist. Wohin sollten sie auch sonst gehen! Sie werfen sich vor Gott nieder, und Gott wendet sich ihnen zu im Erscheinen seiner Herrlichkeit. Gott beauftragt Mose, für das

Der überreiche Gott gibt reichlich: Viel Wasser kommt aus dem Felsen. – Holzschnitt von Matthaeus Merian d.Ä. zu 4.Mose 20,1–13

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Volk und ihr Vieh Wasser aus dem Felsen hervorzubringen. Und Gottes Arm ist auch dieses Mal nicht zu kurz, als dass er nicht helfen könnte. Der überreiche Gott gibt reichlich: Viel Wasser kommt aus dem Felsen. Das Straucheln des bewährten Helfers V. 12–13: So gnädig und geduldig Gott seinem undankbaren, unzufriedenen, vergesslichen, klagenden Volk hilft, so streng wirkt, wie er mit Mose umgeht. Gottes Einschätzung des Handelns Moses und Aarons: »Ihr habt mir nicht geglaubt und mich nicht geheiligt.« Und als Strafe dürfen sie das Volk nicht ins verheißene Land führen. Welch schwerwiegende Folge! Mose hatte sich doch mit aller Kraft und mit höchsten Opfern und mit unbeschreiblicher Geduld immer wieder für das Volk eingesetzt, und nun durfte er »sein Lebenswerk« nach Jahrzehnten der Mühe nicht vollenden! Was war da vorgefallen? Strafte Gott Mose, weil dem »der Gaul durchgegangen war«, als er dem Volk die Hilfe ankündigt (V. 10b)? Wäre das menschlich nicht verständlich nach all den Enttäuschungen mit dem murrenden und aufbegehrenden Volk? So erbitterte das Volk das Herz Moses (Elberfelder: »sie reizten seinen Geist«), sodass ihm unbedachte Worte entfuhren (Ps 106,33; vgl. auch Jak 1,19+20). »Gott wollte seinem Volk gnädig ohne Rüge helfen, während Mose sich überdrüssig eifernd entrüstet und sie als Meuterer schilt, welches eigentlich der Hilfe durch ein Wunder Gottes nicht wert sei« (J.P. Lange). Gott hatte Mose zwar geboten, den Stab Aarons (2.Mose 17,9) zu nehmen, aber er sollte dann mit dem Volk reden vor dem Felsen. Kein Wort davon, den Felsen zu schlagen! Mose dagegen schlägt gleich zwei Mal mit dem Stab auf den Fels, »als ob es auf die menschliche Anstrengung und nicht allein auf Gottes Macht angekommen wäre« (C. F. Keil). Kroeker nimmt an, dass Mose sich in seiner Handlung mehr durch eine bereits gemachte Erfahrung (2.Mose 17,6) als durch den neuen Auftrag Gottes bestimmen ließ. »Nicht vertraut und nicht geheiligt« (V. 12) bedeutet demnach nicht, dass Mose Gott dieses Wunder nicht zugetraut hätte. Aber in seinem Verhalten wurde er von seinen fleischlichen Regungen und nicht aus der engen Beziehung zu Gott bestimmt (= nicht vertraut), und deshalb konnte er Gott nicht gebührend »rüberbringen« (= nicht geheiligt). Da kann man nur sagen: Wem Gott viel anvertraut, von dem erwartet er auch viel (Lk 12,48b; vgl. auch Mt 25,14–30). Aaron wird mit zur Verantwortung gezogen, weil er Mose in seinem Handeln nicht brems-

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te. Aber auch in seiner Strafe war Gott noch barmherzig und treu, denn immerhin durfte Mose noch sehen, was der Abschluss seines Lebensauftrages gewesen wäre. Gott gewährte ihm einen Blick ins Land Kanaan (5.Mose 32,49). Der Tod Aarons V. 22–29: Nachdem in V. 1 bereits Moses Schwester Mirjam gestorben war, wurde nun auch Moses Bruder Aaron »zu den Vätern versammelt«. In einer symbolischen Zeremonie bekommt Aarons Sohn Eleasar als sein Nachfolger die Kleider seines Vaters angezogen. Darin liegt auch trotz manchen Versagens Aarons das Bekenntnis Gottes zu ihm als dem, der er war: der von Gott bevollmächtigte Priester Israels. Fragen zum Gepräch: • Leiden wir ebenso wie die Israeliten unter »Gedächtnisschwund«, was die Erfahrungen der Hilfe Gottes angeht? • Wo stehen wir in der Gefahr zu »unbedachtem Reden«? Was wäre, wenn Gott auch mit uns so streng wie mit Mose wäre? Kurt Rossmann, Öhringen Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene: Im Ps 81,8c wird auf diese Geschichte Bezug genommen: »Ich prüfte dich am Haderwasser.« Mose und Aaron haben nicht genau hingehört, und in Anlehnung daran unterziehen wir uns einem Test: Wer kann genau hinhören? > Kassette/CD mit verschiedenen Geräuschen abspielen und zuordnen lassen. Lieder: 87, 429, 441, 446, 452, 104

Sonntag, 20. März 2005

Psalm 78 Von Zoan nach Zion »Das ist ja wie Pessach!«, meint eines unserer Kinder beim Lesen von Psalm 78 und trifft damit den Nagel auf den Kopf. »Denke daran, dass du Knecht in Ägypten gewesen bist« (5.Mose 16,12). Das ist das Grundanliegen des Passahfestes und aller mit ihm verbundenen Riten und Symbole. Israel soll sich an das Rettungshandeln Gottes erinnern und aus dieser Erinnerung heraus leben.

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»Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist«, singt David (Ps 34,9). Deshalb gibt es ein Passahmahl, und deshalb wird in der Passahliturgie der Auszug aus Ägypten erzählt. David zieht in Psalm 34 den Schluss: »Wohl dem, der auf ihn trauet.« In Psalm 103,2 mahnt der Psalmist: »Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!« Geschichtsvergessenheit führt zu Undankbarkeit und Unzufriedenheit. Geschichtsbewusstsein dagegen trägt die Frucht eines dankbaren und erfüllten Lebens. Das Gebot der Tradition Der »Prophet Asaph« (vgl. Mt 13,35!) stellt sich vor als Glied in der langen Kette einer Tradition vom Vater auf den Sohn, »damit es auch das letzte Geschlecht wisse« (so wörtlich in V. 6). »Tradition« hat bei uns einen schlechten Beigeschmack. Dabei ist die Weitergabe dessen, was Gott gesagt und getan hat, ein Gebot der Heiligen Schrift (vgl. 5.Mose 6,6f.). Jesus kritisiert seine Zeitgenossen, wenn sie durch Traditionen das Wort Gottes außer Kraft setzen (Mt 15,6) oder aber das nicht leben, was sie lehren (Mt 23). Grundsätzlich aber hält er im Blick auf die Schriftgelehrten und Pharisäer fest: »Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet« (Mt 23,3). Tradition soll das Wort Gottes schmackhaft machen – nicht eine zusätzliche Last sein. Deshalb sollten sich Traditionen ändern und kreativ ihrer Zeit anpassen, damit der Inhalt, der tradiert wird, das Wort Gottes, wirklich zur Geltung kommt. Die Schuld der Väter So gerne wir das hätten, aber die Bibel zieht keinen Schlussstrich unter die Schuld der Väter, selbst dann nicht, wenn sie ausdrücklich vergeben ist. Offen und frei darf das Gottesvolk über die eigenen Schwächen und die eigene Schuld reden, auch und vor allem den Kindern gegenüber. Wie kein anderes Volk erzählt Israel vom Versagen seiner größten Helden. Nur so können die Kinder aus den Fehlern der Alten lernen. Wer seinen Kindern das Versagen der Eltern verschweigt, verurteilt sie dadurch zu denselben Fehlern. Um unserer Zukunft willen brauchen wir einen unverzerrten Rückblick auf die Vergangenheit. So frei und ungezwungen mit der Vergangenheit umgehen kann nur, wer um einen lebendigen Vater im Himmel weiß. Die Führung Gottes Im Mittelpunkt biblischer Tradition steht deshalb

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auch nicht menschliches Versagen, sondern das Wirken Gottes. Gott führt sein Volk aus der Knechtschaft in die Freiheit, von Ägypten nach Kanaan, von Zoan (V. 12+43) nach Zion (V. 68). Im Mittelpunkt der Heilsgeschichte steht Gottes Handeln, nicht das Versagen oder die Unzulänglichkeit der Gotteskinder. Wer das nicht vergisst, hat immer einen Grund zur Dankbarkeit und zum Lob – und verliert nie die Hoffnung. Fragen zum Gespräch: • Wie können wir heute konkret unseren Kindern und Enkeln weitergeben, was wir von den Vätern empfangen haben? • Wie schaffen wir eine Atmosphäre, in der frei und offen mit der eigenen und der Schuld der Väter umgegangen werden kann? • Wie gewinnen wir als Gemeinde Jesu unsere Stimme zurück, um dem prophetischen Auftrag, »Salz« und »Licht« in einer pluralistischen Gesellschaft zu sein, gerecht zu werden? Johannes Gerloff, Christlicher Medienverbund KEP Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene: V. 3–7: Gottes Wort soll von Generation zu Generation weitergegeben werden. Veranschaulichung: Wenn möglich mehrere Generationen einer Familie nach vorne holen. Vom Ältesten bis zum Jüngsten wird eine Bibel weitergegeben etwa mit den Worten: »Das habe ich von meinem Vater bekommen. Damit du auch Gott kennen lernst, gebe ich dir ebenfalls Gottes Wort weiter.« Dann wird jeweils eine neuere Übersetzung überreicht. Zum Schluss eine Kinderbibel. > Es geht darum, Gottes lebendiges Wort weiterzugeben und nicht nur Traditionen. Lieder: 87, 258, 319, 306, 379

Karfreitag, 25. März 2005

4.Mose 21,4–9 / Johannes 3,14–16 Wer’s glaubt, wird selig! Unter Druck kommt raus, was drin ist. Erlebte Grenzen bringen Fassaden zum Bröckeln. Nicht anders ergeht es dem Volk Israel in der Wüste. Zutiefst schlummert der Argwohn gegen Gott. Der Kern der Sünde wird sichtbar. Gottes Weg in die Freiheit wird vom Volk als Weg in den Untergang gewertet. Das

Die eherne Schlange: Erinnerungsmal auf dem Berg Nebo. Der rund 800 Meter hohe Berg auf dem Gebiet Jordaniens ist Ausläufer eines Plateaus, das zum Toten Meer hin abfällt. Von hier aus sah Mose das von Gott versprochene Land.

Volk richtet sich gegen Gott und seinen Diener Mose. Dennoch gibt Gott sein Volk nicht auf. Er schafft Rettung für die, die ihm vertrauen. Der Aufstand Die Entbehrungen der Wüste führen das Volk zu der Frage: Wozu das Ganze? Was kommt dabei heraus? Die Beantwortung der Frage ist eine Beziehungssache. Ist auf Gott Verlass, kann man ihm getrost vertrauen, dann wird sein Weg nicht ins Verderben führen. Wird hingegen dem Misstrauen Raum gegeben, hat der Unglaube freie Bahn. Der Untergang wird beschworen, die Gaben Gottes werden als ekelerregende Speise bezeichnet. Gott und seine Gaben werden schlecht gemacht. Das Gericht Wo Gottes Ehre geschmäht wird, da wird Gott reagieren – früher oder später. Unmittelbar antwortet Gott in dieser Geschichte durch die feurigen Schlangen. Sie werden zur todbringenden Strafe. Diese Heimsuchung bewirkt Sündenerkenntnis. Die Strafe wird richtig eingeordnet. Uns geht der Blick für die Einordnung der persönlichen, landes- oder weltweiten Ereignisse oft verloren. Es wird bestenfalls die Frage nach dem »Warum« gestellt. Dann aber anklagend gegen Gott. Das Volk Is-

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rael hingegen begreift die Zusammenhänge sehr schnell. Sie erkennen, dass sie gesündigt haben (V. 7) und Gott deshalb die Schlangen schickte. Deshalb wenden sie sich an Mose, er möge für sie vor Gott eintreten. Die Rettung Das Volk will die Befreiung vom Gericht. Das geschieht aber nicht. Das Gericht richtet das Recht Gottes auf. Die Rechtsbeugung durch das Volk muss gerichtet werden. Gnade ist deshalb nicht die Aufhebung des Gerichtes. Aber Gott schafft einen Ausweg durchs Gericht hindurch. Die Schlangen sind nach wie vor zu finden. Das Leiden an den Schlangen wird nicht aufgehoben. Durch die Errichtung der ehernen Schlange muss der Biss aber nicht mehr zum Tode führen. Das Zeichen, das Gott aufrichten lässt, ist kein Akt im Sinne einer Impfung des Volkes. Vielmehr knüpft er beim Kern der Sünde an. Die im Lager aufgerichtete Schlange muss angeschaut werden. Damit macht der Betroffene deutlich, ich vertraue Gott. Ich glaube seinen Worten zur Rettung. Jesus nimmt auf dieses Geschehen im Gespräch mit Nikodemus Bezug. Wie die Schlange erhöht wurde, muss auch des Menschen Sohn erhöht werden (Joh 3,14). Die Israeliten mussten die eherne Schlange anschauen, um am Leben zu bleiben. Wir sollen auf Jesus Christus schauen, der für unsere Schuld gestorben ist. Wir sind damit dem Leben auf dieser Erde nicht enthoben. Wir stehen im Kampf mit der Sünde. Aber die Todesfolge unserer Taten hat Jesus Christus am Kreuz getragen. In diesem Geschehen ist die völlige Liebe des Vaters sichtbar. Er will nicht unseren Untergang. Er will, dass wir leben. Wie bei der ehernen Schlange, wird auch hier der Glaube, das Vertrauen gegenüber Gott gefordert. Wer an Jesus den Gekreuzigten glaubt, der wird leben. Wer ihm nicht glaubt, der ist schon gerichtet. Er stellt sich abseits von Jesus. An Jesus entscheiden sich Heil und Unheil, Leben und Tod. Wer an Jesus glaubt, wird selig. Fragen: • Wo erkennen wir das Gerichtshandeln Gottes, das uns zur Umkehr führen will? • Wie können wir der Gefahr des Murrens entgegentreten? Günter Blatz, Beutelsbach Lieder: 87, 101, 293, 296, 308

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Ostern, 27./28. März 2005

Markus 5,21–43 Jesus mir dir nach Die entscheidende Wende erhält die Geschichte von Jairus und seiner Tochter im Wechsel der Akteure. Nachdem mit der Todesnachricht des Kindes menschlich alles am Ende ist, übernimmt Jesus das Kommando. Jairus hat keine Vorstellungen mehr, wie Jesus helfen könnte. Er kann nur noch nachfolgen und warten, was Jesus tut. Und das ist dann so gewaltig, dass es die Zeugen des Geschehens kaum fassen können. An Ostern tut sich ein Horizont der Hoffnung auf, der sich in der Geschichte der Auferweckung der Tochter des Jairus andeutet. Der Tod hat später im Kreuzestod und in der Auferstehung Jesu Christi seine Macht endgültig verloren. Jesus mir nach! Jairus schenkt Jesus Vertrauen. Andere Heilungswunder lassen ihn hoffen, dass Jesus auch seine Tochter gesund machen kann. Deshalb verlässt er sein sterbendes Kind und eilt zu Jesus. Zunächst verläuft alles nach Plan. Er findet ihn und bringt seine Bitte vor. Jesus geht mit – Jairus voran. In allen Evangelien, die dieses Ereignis berichten, kommt es auf dem Weg zu einer Unterbrechung. Während Jairus so schnell wie möglich zu seiner Tochter will, damit Jesus sein Kind vor dem Sterben bewahrt, unterbricht eine Frau diese Bewegung. Jesus hält inne. Er nimmt sich Zeit für die eben geheilte Frau. Er lässt sich nicht von der Not des Jairus unter Druck bringen. Seine Möglichkeiten sind weit größer als die, die sich Jairus denken kann. Ich stelle mir vor, wie Jairus wartet. Er sitzt auf Kohlen. Bei seiner Tochter kommt es auf jede Minute an. Jesus verschwendet in seinen Augen kostbare Zeit mit dem Gespräch. Die Wende Während Jesus sich weiter mit der Frau abgibt, geschieht das Unausweichliche. Die Nachricht vom Tod der Tochter macht alle Eile von jetzt auf nachher unnötig. »Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du den Meister weiter?« (V. 35). Der Tod ist das Ende aller menschlichen Hoffnungen. Die Krankenheilung war noch vorstellbar. Alles andere scheint unmöglich. Was muss in diesem Moment in Jairus vorgegangen sein? Die Hoffnung auf Heilung ist zerplatzt.

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Auffallend ist, dass die Krankheit der Frau zum gleichen Zeitpunkt begann, als die Tochter des Synagogenvorstehers geboren wurde. Es waren 12 Jahre. Das scheinbare Zusammentreffen der beiden Geschichten ist von Gott so gewollt! Gerade darin wird seine Macht sichtbar. Bevor nun Jairus auf die Nachricht reagieren kann, spricht Jesus ihn an: »Fürchte dich nicht, glaube nur!« In die greifbare Hoffnungslosigkeit hinein ermuntert Jesus Jairus, das Vertrauen nicht aufzugeben. Er wird zu einem Vertrauen aufgefordert, das einzig und allein in der Person Jesu begründet ist. Jesus dir nach! Die Bewegung in Richtung Synagogenvorsteherhaus setzt wieder ein. Aber nun geht Jesus voraus. Menschlich gibt es für Jairus nichts mehr zu hoffen. Im Angesicht des Todes können Menschen nur ihre Ohnmacht erkennen. Als Jesus die Andeutung von Hoffnung macht, indem er vom schlafenden Kind redet, kommt es zu einer bestürzenden Reaktion. Die Klageweiber, die eben noch weinten, fangen plötzlich an zu lachen. Wer tot ist, ist tot! Die Klage verändert sich in Spott. Jairus ist schon lange nicht mehr der Agierende. Jesus nimmt ihn mit, und Jairus lässt sich leiten. Das Unmögliche geschieht! Das Kind kommt ins Leben zurück! Die Menschen, die es erleben, sind fassungslos. Jesus ist der Sieger über den Tod. Er ist der Herr, der

Tipp des Monats Was hilft zur Integration, zum Miteinander von Jung und Alt? Im Arbeitskreis Gemeinschaft sammeln wir seit einiger Zeit Erfahrungen dazu. Der »Tipp des Monats« wird zur Nachahmung empfohlen! Besuchssonntag Wir haben festgestellt, dass sich einige in der Stunde ganz gut kennen, von anderen weiß man nicht einmal den Namen. Um das gegenseitige Kennenlernen zu fördern, haben wir einen Besuchssonntag eingeführt, der ca. einmal im Jahr stattfindet. Ziel

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dem Tod die Macht genommen hat. Deshalb dürfen wir uns getrost auf ihn einlassen. Seine Möglichkeiten sind größer, als wir zu denken wagen. Fragen: • Weshalb fällt es uns so schwer, unsere Aktivität ganz in Jesu Hand zu geben? • Was bedeutet es in meinem Leben, dass Jesus dem Tod die Macht genommen hat? Günter Blatz Impulse zur Veranschaulichung für Kinder und Erwachsene: • Jesus ist der Herr über Leben und Tod! Veranschaulichung: Auf Karton bzw. Plakat einen Türrahmen mit beängstigender dunkler Tür aufmalen und Begriffe wie Einsamkeit, Krankheit, Tod … darauf schreiben. Diese Dinge machen uns normalerweise Angst. Jesus ist wie ein Schlüssel, der diese Tür aufschließen kann. Für den, der ihm vertraut, öffnet er die Tür. > Tür öffnen. Dahinter wird gelbes Transparentpapier sichtbar, hinter dem eine Lampe leuchtet. Das Transparentpapier mit folgenden Begriffen beschriften: Trost, Hoffnung, Freude, Aufatmen, Friede, Geborgenheit, ewiges Leben ... • Idee zu V. 43b: Das Leben geht weiter, deswegen bekommt das Töchterchen etwas zu essen – und wir heute auch! Lieder: 87, 407, 475, 116, 124

ist es, am Sonntagnachmittag mit jemandem, den man noch nicht so gut kennt, etwas gemeinsam zu unternehmen (spazieren gehen, Kaffee trinken, …) und danach gemeinsam die Stunde zu besuchen. Jeder, der gerne mitmachen will, kann entweder selbst etwas vereinbaren oder sich in eine Liste eintragen mit einem Vermerk, ob er einlädt oder lieber eingeladen wird. Dann wird ein Treffen vermittelt. Die bisherigen Besuchssonntage waren für alle Beteiligten eine schöne Sache, und vor allem bringt es uns einander näher. Ingrid Mailänder, Heidenheim

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In dieser Ausgabe beginnen wir eine Reihe, in der wir uns mit den wichtigsten Bereichen der Glaubenslehre (Dogmatik) beschäftigen. Was lehrt die Bibel über Gott, den Menschen, die Sünde, Jesus Christus, Rechtfertigung und Heiligung, den Heiligen Geist, die Gemeinde und die zukünftigen Dinge? Im Laufe der Monate ergibt sich so ein kleiner Glaubenskurs, der helfen soll, Gott in seinem Wesen und Handeln besser zu verstehen. Es lohnt sich, die Artikel zu sammeln und in den Gruppen und Kreisen zu besprechen. Wir beginnen die Reihe mit Gottes Wesen und der Frage, wie man Gott erkennen kann.

Gott, der Vater I. Die Erkenntnis Gottes Vorstellungen und Meinungen über Gott gibt es viele. Wie kann man wissen, welche richtig sind? Die Bibel spricht von Gottes Unergründlichkeit (Hiob 11,7; Jes 40,18), der Verstand des Menschen reicht nicht aus, um Gott vollständig zu erfassen. Dennoch gibt sich Gott zu erkennen, z.B. in seinem Sohn Jesus Christus (Joh 14,7.9; 17,3; 1.Joh 5,20). Die Quelle dieser Gotteserkenntnis ist Gott selbst. Gott ist für den Menschen erkennbar, weil er sich durch seine Offenbarung bekannt gemacht hat. Diese Offenbarung begegnet dem Menschen als so genannte allgemeine und spezielle Offenbarung. Jeder Mensch hat aufgrund der allgemeinen Offenbarung durch die Schöpfung (Ps 19,2–7) eine Ahnung von Gott (Röm 1,20), er weiß zumindest von der Existenz eines ihm unbekannten Gottes (Apg 17,23). Ferner vermittelt das Gewissen (Röm 2,14f.) dem Menschen ein Bewusstsein der Verantwortung vor Gott. Dieses allgemeine Wissen von Gott besteht für Paulus jedoch immer in der Ablehnung Gottes. Die Menschen wissen von Gott, lehnen aber ab, ihn als Gott anzuerkennen (Röm 1,21). Manche Menschen glauben, Gott in der Natur zu finden. Gott offenbart sich zwar durch seine Schöpfung. Da Gott aber nicht Teil der Schöpfung ist, können wir dort nur seine Werke finden, nicht aber ihn selbst. Die Schöpfung erzählt zwar von den Wundern Gottes (Röm 1,20) enthält aber noch keine konkrete Anrede an den Menschen. Das allgemeine, natürliche Wissen von Gott kann den Menschen nicht zum Heil führen, dazu bedarf es der speziellen Offenbarung der Bibel. Hier erfährt der Mensch, wer Gott ist und wer Gott für ihn ist. Hier hat sich Gott dem Menschen mit seinem Namen und Wirken bekannt gemacht. Gott redet, handelt und zeigt sich schließlich in seinem Sohn Jesus Christus (Joh 1,18). Weil Gott redet, ist es klug, auf ihn zu hören. Biblische Erkenntnis von Gott will mehr sein, als ein

Wissen bloßer Fakten über Gott. Es geht vor allem um eine persönliche Begegnung und ein Leben mit Gott. Alles Wissen über Gott soll letztendlich die Beziehung zu ihm vertiefen. Umgekehrt fördert die Beziehung zu Gott den Wunsch, mehr über ihn und sein Wesen zu erfahren. II. Das Wesen Gottes Wie können wir nun Gott beschreiben? Die Bibel gibt uns Einblick in die Wesenseigenschaften Gottes. Sie durchdringen einander und wirken zusammen. Jede Eigenschaft beschreibt nicht nur einen Teil, sondern das Ganze seines Wesens. Gott ist Liebe, auch wenn er zornig ist – und er erweist seine Liebe nie unter Verzicht auf seine Heiligkeit. Wenn wir nun einige Wesenseigenschaften Gottes betrachten, tun wir das in dem Wissen, dass wir sein Wesen nie vollständig ergründen können. Dem Menschen ist es nicht möglich, Gott umfassend zu definieren (vgl. Ri 13,18; 1.Kön 8,27; Spr 30,3; Jes 66,1). Allgegenwart In Ps 139,5–12 beschäftigt sich David mit der Frage, ob er vor Gott fliehen könnte. Er kommt zu dem Ergebnis, dass er der Allgegenwart Gottes weder durch räumliche Entfernung, noch durch Geschwindigkeit oder Dunkelheit entkommt. Dem Wirken und der Gegenwart Gottes sind keine Grenzen gesetzt. Die Allgegenwart Gottes bedeutet jedoch nicht, dass er im Universum verteilt wäre. Sein gesamtes Wesen ist vielmehr überall gegenwärtig. Von Gottes Allgegenwart zu wissen ist tröstlich, denn es bedeutet, dass Gemeinschaft mit Gott in jeder Lebenssituation möglich ist. Allgegenwart bedeutet: Wir leben in Gott und werden von seiner alles durchdringenden Gegenwart getragen und gehalten (Apg 17,27f.). Allmacht Allmächtig wird in der Bibel nur Gott genannt. Nachdem Gott seine Macht in der Schöpfung (vgl. Ps 33,9)

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und in der Geschichte (Ps 114) gezeigt hat, erweist er schöpfen entspringt jedoch nicht einer Notwendigsie schließlich in der Auferweckung Christi von den keit, sondern seinem freien Entschluss. Gott bedarf Toten (2.Kor 13,4). Bei Gott ist nichts unmöglich. des Menschen nicht. Dass Gott den sündigen MenNichts ist durch einen Zwischenraum von Gott ge- schen liebt und ihn vor Sünde und Tod rettet, ist pure trennt, sodass er es nicht erreichen könnte (dies ist der Gnade (Eph 2,4–8). Gottes Liebe ist geprägt von Eihebräische Ausdruck von 1.Mose 18,14). Die Hand genschaften wie Güte, Barmherzigkeit und Geduld. des Herrn ist nie zu kurz. Wenn Gott gebietet, so ge- Seinen Geschöpfen begegnet Gott mit Wohlwollen, schieht es. Was ihm gefällt, das tut er (Ps 135,6). Als Mitgefühl und tiefer Zuneigung. der Allmächtige offenbarte er sich z.B. Abraham (1.Mose 17,1) und Mose (2.Mose 6,3). Heiligkeit Ist Gottes Allmacht begrenzt? Sie ist insofern einge- Die Heiligkeit Gottes ist ein zentrales Thema im Alschränkt, dass er nichts tut, was seinem Wesen wider- ten wie im Neuen Testament (3.Mose 11,44; Jos spricht. Gott wird niemals lügen (Tit 1,2), denn er ist 24,19; Ps 99,3.5.9; Jes 6,3–5; 40,25; Joh 17,11). HeiWahrheit. Er wird sich auch niemals zur Sünde verführen lassen (Jak 1,13), denn er ist heilig. Er wird auch nichts tun, was seinem Plan widerspricht. Folglich gab es keine andere Möglichkeit der Erlösung als durch Jesu Tod am Kreuz. Gottes Allmacht steht wie die anderen Wesensmerkmale im Dienst seines Ratschlusses. Ausschnitt aus dem Michelangelo-Bild »Erschaffung Adams« (1508– 1512) in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Das Verbot der Darstellung Allwissenheit Gottes war und ist ein theologisches (2.Mose 33,20). Die Darstellung Gott kennt Zahl und Namen der erfolgte sinnbildlich, vor allem durch die Hand Gottes. Einhellig Sterne (Ps 147,4) und unser Le- verurteilten die Kirchenväter Gottesdarstellungen. Erst seit dem 12. ben, ehe wir geboren sind (Ps Jahrhundert berief man sich darauf, dass Gott der Vater den 139,1–4.16f.). Niemand ist vor Propheten auch in menschlicher Gestalt erschienen ist. ihm verborgen (Hebr 4,13). Gott kennt unsere Gedanken, noch bevor wir sie ihm sagen lig bedeutet in der Bibel: getrennt von allem Gewöhn(Mt 6,8). Gottes Geist erforscht alle Dinge (1.Kor lichen und Unreinen. Gottes Heiligkeit beschreibt die 2,10). Alles, auch das Zukünftige liegt vor Gott offen. absolute Reinheit seines Willens, Handelns und WeDies übersteigt die menschliche Vorstellungskraft (Ps sens. Deshalb will Gott alle, die zu ihm gehören, von 139,6.17f.). allem Unreinen fernhalten. Israel soll heilig sein, denn Gott ist heilig (3.Mose 19,2). Gottes Wille ist Gerechtigkeit ein von ihm gewirktes heiliges Leben (1.Petr Gott ist gerecht (Ps 11,7). Was er tut, verletzt niemals 1,15f.;1.Thess 4,3). Recht oder Moral. Ohne die Gerechtigkeit Gottes Heilig ist, was oder wen Gott mit sich in Beziehung würde das Universum ins Chaos sinken, denn es gäbe setzt, Heiligkeit wird also von Gott verliehen. Deskeinen Unterschied zwischen gut und böse, kein Ge- halb ist Israel heilig, noch bevor Gott seine Gebote setz und keine Ordnung. Wäre Gott nicht gerecht, wä- bekannt gibt. Heilig wird man durch die Berufung re er nicht Gott (vgl. 1.Mose 18,25; Röm 3,6). Wie Gottes, man kann es sich nicht erarbeiten. Mit der Bekann nun Gott einen Sünder wie Adam, der den Tod rufung beginnt die Heiligung, denn wer von Gott geverdient hat, am Leben lassen (vgl. 1.Mose 2,17)? In- heiligt ist, wird beauftragt, ein Leben zu führen, das dem er Genugtuung schafft (1.Mose 3,15), denn Sün- Gottes Heiligkeit entspricht. Heiligung ist somit die de muss getilgt werden. Dazu kam Jesus in die Welt Umsetzung der verliehenen Heiligkeit. und bewies, dass Gott gerecht ist (Röm 3,25f.) und Liebe, Gerechtigkeit und Heiligkeit stehen immer in zugleich die Welt liebt (Joh 3,16). Einklang. Gott vergisst seine Liebe nicht im Zorn und bleibt in seiner Liebe gerecht. Er übersieht die Sünde Liebe nicht, denn er ist auch als der Liebende heilig. Gott ist Liebe (1.Joh 4,8). Die Liebe zu seinen GeHarald Brixel, Knittlingen

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Ein herzlicher Willkommensgruß! Hausen am Bach – das ist der Name einer kleinen Ortschaft in Hohenlohe – und dieser Name scheint ein »Lebensprogramm« zu sein, denn im Haus von Hermann Stradinger versammelt man sich am ersten und dritten Dienstag des Monats um Gottes Wort – also um das »Wasser des Lebens«. Aus Orten, die einige Kilometer entfernt waren, kamen Menschen, um in

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den Bibelstunden Gottes Wort auszulegen. Im Frühsommer letzten Jahres jedoch schien der »Bach« auszutrocknen. Es gab verschiedene Gründe. Doch in Hausen am Bach reagierte man schnell und entschlossen. Im samstags stattfindenden »offenen Abend« des AJC (aktive junge Christen) treffen sich viele auch nicht mehr ganz junge Geschwister aus Hohenlohe, hören Gottes Wort und reden miteinander, auch

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über ihre örtlichen Gemeinschaften. Weil auch wir Apis im AJC vertreten sind, wurden wir angesprochen: Könntet ihr nicht bei uns in Hausen am Bach Bibelstunde halten? Alles Weitere ging schnell, denn in den nahen Orten wie Reubach, Kleinansbach, Brettheim, und Hegenau gibt es bereits Api-Bibelstunden. Im September 2004 begannen wir dann und begrüßen somit unsere Geschwister der »neuen Gemeinschaft« in Hausen am Bach im Bezirk Kirchberg/Jagst unter der Leitung von Hermann Stradinger. Karl Specht, Wallhausen

Friedrich Dürrschnabel, Altensteig, 85 Jahre

Geburten Jael, Tochter von Markus und Andrea Ruoss, Berglen-Hößlinswart Dorothea Luzia, Tochter von Frank und Anita Lutz, Balingen-Erzingen Lionel, Sohn von Friedemann und Ruth Schaude, Roßdorf

Diamantene Hochzeit Otto und Berta Riexinger, Dettingen/Erms

Gustav Mayer, Zaberfeld, früher Bezirksbruder im Bezirk Brackenheim Günter Weiss, Tettnang, früher Bezirksbruder im Bezirk Schwäbisch Hall

85. Geburtstage

Pauline Schäfer, Funkstatt, 84 Jahre Alwine Mützel, Haslach, 87 Jahre

75. Geburtstag

Diakonisse Martha Edelmann, Stuttgart, 87 Jahre

Immanuel Laier, Alfdorf, Bezirksbruder im Bezirk Gschwend

Schwester Johanna Krauß, Bonlanden, 92 Jahre

Wir wünschen Gottes Segen und grüßen mit Mt 28,20: »Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.«

Goldene Hochzeit Jakob und Maria Schäfer, Mähringen

Wolfgang Haupt, Ebhausen, 68 Jahre

Heimgerufen Schwester Gertrud Rösch, Oppenweiler, 81 Jahre

Elisabeth Klotz, 78 Jahre, Hermann Lutz, Bernhausen, früher Bezirksbruder und Elisabeth Engelhardt, 91 Jahre, beide Woringen im Bezirk Filder

Lore Feldmann. Eberstadt, 75 Jahre Anna Haußmann, Oberboihingen, 92 Jahre Siegfried Baisch, Bernloch, 72 Jahre Wir grüßen die Angehörigen, denen wir unsere herzliche Teilnahme aussprechen, mit Zeph 3,17: »Der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland.«

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UNSEREM

V ERBAND

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Erziehen – aber wie? 20 Jahre Fortbildung für Erzieherinnen und Erzieher auf dem Schönblick

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m Jahr 1984 trafen sich Otto Schaude, Richard Kuppler, Gerda Euler-Kellermann und wir beide – uns bewegte alle ein Anliegen: Wo können sich Erzieher/innen (Kindergarten, Hort, Heim) in Glaubensfragen, den Erziehungsalltag betreffend, fortbilden? Es sollte von vornherein klar sein: Grundlage unseres Glaubens ist die Bibel, Gottes Wort, und von diesem Blickwinkel aus wollten wir sämtliche Themen betrachten und bearbeiten, die unseren pädagogischen Alltag betreffen. Uns allen war schnell klar, so etwas gab es noch nicht, müsste es aber unbedingt geben. Und so wurde überlegt und geplant, und bald schon stand das erste Wochenende fest. Der Ort (Jugendbibelhaus Schönblick), die Zeit (ein Wochenende im März 1985) und das Thema (»Konzeption und Begründung biblischer Geschichten im Vorschulalter«) waren rasch gefunden. Die Wochenenden sollten von Anfang an nicht nur fachlich fortbilden, sondern auch die Möglichkeit bieten zum geistlichen Auftanken, zum Austausch untereinander (privat und beruflich) und zum Erholen. Diese drei Schwerpunkte haben sich als sinnvolles Konzept über die ganzen Jahre hin erwiesen. Die Teilnehmerzahlen bestätigen es: Meist waren es etwa 40 bis 50, Anfang der neunziger Jahre sogar 70 bis 80 Teilnehmer/innen – »full house« also. Vom Ablauf her hat sich in den vielen Jahren unser zwangloser Einstieg am Freitagabend sehr bewährt. Nach einer kurzen Kennenlernrunde führen oftmals die Referenten auf sehr persönliche Art

und Weise ins Thema ein. Das Motto am Freitagabend heißt: erst einmal ankommen, abschalten vom Alltag und umschalten auf das Wochenende bzw. das jeweilige Thema. Am Samstagvor- und -nachmittag folgen dann die Hauptreferate in Theorie und Praxis, je nach Thema. Unsere Themenpalette reicht von »Grundlinien christlicher Erziehung« über »Erziehungsschwierigkeiten und Elterngespräche«, bis zu »New Age im Kinderzimmer«, »Stille erleben und gestalten mit Kindern« und anderem. Der Samstagabend ist jeweils der Entspannung und der Geselligkeit gewidmet, während der Sonntagvormittag, wie übrigens der Samstag auch, dann wieder mit einer Bibelarbeit beginnt – inhaltlich abgestimmt auf unser pädagogisches Hauptthema. Danach folgt in der Regel unsere »Aktuelle Stunde« – hier kann man alle Fragen loswerden, die einem neben dem Thema noch auf dem Herzen liegen. Oft entwickelt sich hierbei das Thema für das nächste oder übernächste Erzieher-Wochenende. Voll guter Ideen und Anregungen

für den Erziehungsalltag heißt es dann wieder Abschied zu nehmen. 2004 feierten wir mit dem Thema »Musik von Anfang an« unser 20jähriges Jubiläum, u.a. mit einem lustig-festlichen Abend am Samstag, zu dem ein kaltes Büfett genauso gehörte wie geniale musikalische Einlagen der Ehepaare Zeitz und Spittler. Auch 2005 ist wieder ein Wochenende geplant: Pädagogisches Seminar für Erzieher/innen, Eltern und sonstige Interessierte Termin: 8. bis 10. April Ort: Freizeit- und Schulungszentrum Schönblick, Schwäb. Gmünd Thema: Pisa – und was sonst noch schief liegt Referent: Werner Baur, Oberkirchenrat in Stuttgart Kennen die Erzieher/innen an Ihrem Ort schon unser Angebot? Über die AGV-Geschäftsstelle in Stuttgart können entsprechende Prospekte (auch zum Weitergeben) angefordert werden! Regine Koblenzer und Marianne Gruhler

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Von Gott ergriffen: Von Allah zu Jesus Lebensbericht eines ehemaligen Moslems an der Landesgemeinschaftskonferenz am 1. November 2004

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ch heiße Habib und komme aus sei eine unreine Stätte, weil die dem mehrheitlich muslimischen Christen drei Götter anbeten. Ich Nordsudan. Dort bin ich geboren sah mich selbst als guten Menund aufgewachsen. Meine Eltern schen, weil ich den Koran auswengehören der islamistischen Mus- dig kannte und viele gute Taten limbruderschaft an, die für die aufweisen konnte. Rückkehr zum »wahren Islam« Und dann geschah etwas, wodurch eintritt, und so wurde ich schon meine geordnete Welt aus den Fufrüh dazu erzogen, das islamische gen geriet: Als ich 18 Jahre alt war, Recht zu beachten, erhielt eine wurde ich zum ersten Mal hautnah streng islamische Erziehung. und existenziell mit dem ChristenMit 10 Jahren ging ich für drei tum konfrontiert. Mein Onkel, der Jahre in die »Khalwa«, eine Schu- Imam, d. h. Vorbeter und Lehrer in le, in der der Koran gelehrt und einer Moschee, war, wurde auf auswendig gelernt wird. Als Ab- einmal Christ. Das verärgerte schluss dieser Koranschule gab es nicht nur mich, sondern auch meiein Fest, bei dem ich zusammen ne Familie. Sie veranlassten, dass mit anderen mein Onkel ins Schülern in einer Gefängnis kam, Nacht den ganund nahmen ihm zen Koran aufseine Frau und sagte. seine Kinder So war ich der samt seinem Befesten Überzeusitz weg. Damit gung, dass der Ishofften sie, ihn lam der einzig zu zwingen, zum richtige Weg zu »Ich sah mich selbst als guten Islam zurückzuGott ist und Mo- Menschen, weil ich den Koran kehren. Ich hammed der auswendig kannte und viele gute selbst versuchte letzte und damit es auf dem inTaten aufweisen konnte.« letztgültige Prohaltlichen Weg: phet. Durch den Konflikt zwi- Ich wollte meinen Onkel davon schen Nordsudan und Südsudan überzeugen, dass er den falschen (Christen) hatte ich keine Mög- Weg gewählt hatte, und ihm hellichkeit, mit Christen in Kontakt fen, wieder zurück zum Islam zu zu kommen. Ich hatte auch noch finden. Darum beschloss ich, mehr nie eine Bibel gesehen, geschwei- über den christlichen Glauben und ge denn in der Hand gehalten oder Jesus Christus herauszufinden, um gar gelesen. Trotzdem meinte ich, meinen Onkel mit Argumenten wiüber sie Bescheid zu wissen: Die derlegen zu können. Christen würden alle in die Hölle Da ich keine Bibel hatte, fing ich kommen, und die Bibel sei ver- an, im Koran nachzulesen, was fälscht. Niemals hatte ich eine Kir- dort über Jesus – Isa steht, und das che betreten; denn ich glaubte, das ist nicht wenig. Je intensiver ich

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mich damit beschäftigte, desto mehr tauchten nun für mich selbst Fragen auf. Eine der wesentlichsten, die der Koran nicht eindeutig beantwortet, ist das Schicksal Jesu: Kreuzigung, Tod und Auferstehung. Wurde Jesus nun wirklich gekreuzigt oder nicht? Mich verwirrten die Koranverse, in denen steht, dass Jesus gar nicht gekreuzigt wurde, sondern: »Gott hat ihn zu sich erhoben« (4,157f). Diese Verse führten mich jedoch weg von der Frage, ob er tatsächlich gekreuzigt wurde, dahin, wo er jetzt ist. Ich war sehr überrascht über diese Aussage des Koran, dass Jesus bei Gott ist und lebt. Eine »Stimme« in mir forderte mich heraus, mich zu entscheiden, ob ich diesem lebendigen Jesus folgen wolle. Während dieser Zeit inneren Fragens begegnete ich eines Abends zum ersten Mal einem Christen, der mir von Gott in einer Weise erzählte, wie ich es nicht gekannt hatte. Er begann, mit mir über das 1. Buch Mose zu reden, über die Beziehung Gottes zu Adam und Eva, die durch eine Sünde zerstört wurde. Das öffnete mir die Augen für die Heiligkeit Gottes, der nicht Sünden addiert, sondern dass auch nur eine Sünde ausreicht, um von Gott getrennt zu sein. Dann sprach er von der Liebe Gottes und von seiner Vergebung, dass Jesus »der Weg, die Wahrheit und das Leben« ist und persönlich zu Menschen spricht. An diesem Abend entstand in mir das Verlangen, diesen Gott näher kennen zu lernen und ihm nachzufolgen. Es war jedoch sehr schwierig für mich, eine Entscheidung für Jesus zu treffen. Zum einen war mir die Erlösung schlichtweg zu einfach. Es fiel mir schwer, nachzuvollziehen, dass ich allein aus Gnaden erlöst bin und selbst nichts dazutun kann und muss. Zum anderen dachte ich an meinen

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Onkel und all die Schwierigkeiten, die er bekam, als er eine Entscheidung für Jesus traf. Würde es mir genauso ergehen? Doch Gott hatte mein Herz berührt und gab mir den Mut, an diesem Abend eine Entscheidung zu treffen. Ich lernte einen Gott kennen, der zu mir sagt: »Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen

gerufen: Du bist mein« (Jes 43,1). Diese Entscheidung veränderte mein Leben völlig: Gerade die Anfangszeit nach meiner Entscheidung für ein Leben mit Jesus war nicht leicht. Aber Gott half mir, umzudenken und zu lernen, mich ihm ganz anzuvertrauen. Schritt für Schritt durfte ich erfahren, dass Gott treu war und bis heute treu ist.

Wenn Sie mehr Informationen aus erster Hand über den Islam haben wollen, können Sie den Verfasser dieses Zeugnisses gerne einladen für Gemeindeabende, Hauskreise, Seminare, Jugendkreise, Religionsunterricht, Missionsgottesdienste, Frauenfrühstückstreffen, Männervesper etc. Die Telefonnummer des Verfassers kann über die Redaktion erfragt werden.

te: »Wissen Sie, dass Sie kurz vor der Erblindung stehen?« Der Tumor hatte die Sehnerven umwickelt. Dann wurde ich in ein Zimmer eingewiesen. Eine freundliche junge Frau war schon im Zimmer. Wie sich schnell herausstellte, war sie gläubig, und wir nahmen uns als Schwestern in die Arme. Drei

wunderbare Tage folgten. Wir konnten zusammen beten, Kassetten hören, und sie las mir aus der Bibel vor. Das war eine gute Vorbereitung auf die Operation. Viele liebe Menschen beteten, und ich ging getrost und ruhig in die Operation. »Frau Mäder, die Operation ist zu Ende«, rief eine Stimme, und ich schlug die Augen auf, schaute zur Decke und sagte ganz laut: »Ich kann alles wieder sehen!« Wie mir ein Arzt später sagte, war er tief beeindruckt, als er das hörte. Der große Tumor konnte durch die Nase operiert werden, und der Kopf musste nicht geöffnet werden. Ich erzählte vielen Mitpatienten und Besuchern, was der Herr an mir getan hat und wie ich durch dieses Lied Zuversicht gewonnen habe. In diesem Vertrauen möchte ich auch meinen weiteren Lebensweg getrost an seiner Hand gehen. Waltraud Mäder, Dornstetten

Getrost und unverzagt Es war vor sechs Jahren. Mein Augenlicht wurde immer schwächer, sodass ich nicht mehr lesen konnte. Auch der Augenarzt wusste keinen Rat. Irgendetwas musste ja sein, und die Angst wurde immer stärker. Dann kam der Tag, an dem ich zur Kernspintomographie musste. Mein Mann und ich ruhten noch etwas aus, bevor wir ins Krankenhaus fuhren. Dabei schenkte mir der Herr, dass mir das wunderbare Lied von Käte Walter in den Sinn kam, das wir im Chor singen: Sei getrost und unverzagt, blick nur auf den Herrn! Wer’s mit ihm im Glauben wagt, dem hilft er so gern. Der einst trug die schwerste Last, alle Schuld der Welt, dessen Lieb auch dich umfasst, dessen Hand dich hält. Sag ihm alles, was dich quält, schenk ihm dein Vertrau’n! Die er zu den Seinen zählt, lässt er Wunder schau’n. Dieses Lied gab mir Mut und Hoffnung. Ein Tumor an der Hypophyse wurde festgestellt, und ich kam in die Klinik nach Tübingen. Der untersuchende Arzt sag-

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Die Hälfte der Nachricht ist ganzer Betrug!

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uropa lag im Krieg. Die alliierten Streitkräfte mit England und Deutschland kämpften gegen Napoleon. Waterloo war der Schlachtort. Napoleon wurde vom englischen Feldherrn Wellington geschlagen. Die Nachricht wurde per Schiff über den Kanal gebracht und dann mit Signalflaggen weitergegeben. Auf einer Station kam es jedoch zu einer Panne: »Wellington besiegt...« konnte noch übermittelt werden, dann wurde der Nebel so dick, dass der Rest verschluckt wurde. So ging die unvollständige Nachricht nach London. Tiefe Trauer war die verständliche Reaktion der Londoner Bürger und Regierung. Erst als der

Nebel sich lichtete, wurde der Rest der Nachricht übermittelt: »Wellington besiegt Napoleon!« Nun herrschte großer Jubel im ganzen Land. Die Hälfte der Nachricht war ganzer Betrug! Welche Nachricht tragen wir am Karfreitag in unsere Gemeinden und Gemeinschaften? »Jesus besiegt« oder »Jesus besiegt den Tod“? Gerade wir sehen an Karfreitag oft nur den Tod Jesu auf Golgatha. Geschlagen, gescheitert, hingerichtet! Als Christen wissen wir doch aber auch um Ostern. »Jesus besiegt den Tod!« Dies ist unsere Botschaft – auch an Karfreitag. Er blieb nicht im Grab! Am Ende steht kein Grabstein,

Das leere Ei

zurückkommen, ihre Eier öffnen und den anderen ihre Symbole »neuen Lebens« erklären. Mit großer Begeisterung machten sich die Kinder auf die Suche. Nach erfüllter Arbeit scharten sie sich um den Kindergottesdienstleiter und legten ihre Eier auf den Tisch. Der Leiter begann, eins nach dem andern zu öffnen. Das erste enthielt eine Blume. Alle freuten sich. Im zweiten befand sich ein Schmetterling. »Wunderschön«, sagten alle. Im dritten befand sich ein Stein. »Ich habe ihn nur hineingetan, um etwas anderes zu haben«, erklärte der Besitzer. Das letzte Ei wurde geöffnet: Es war leer. »Das gehört mir. Ich habe es extra so ge-

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r war neun Jahre alt und ging in die Kindergottesdienstgruppe der Achtjährigen. Philipp war in seiner Gruppe nicht willkommen. Nicht nur, weil er älter war – er war anders. Philipp wies das Down-Syndrom auf mit seinen offensichtlichen Merkmalen: die charakteristische Gesichts- und Augenform, ein verlangsamtes Reaktionsvermögen und verschiedene Symptome von Entwicklungsstörungen. Am Sonntag nach Ostern brachte der Kindergottesdienstleiter ein paar Kunststoffeier mit, die sich in der Mitte öffnen ließen. Jedes Kind erhielt eines dieser Eier. An diesem schönen Frühlingstag sollten die Kinder nach draußen gehen, jedes für sich Symbole »neuen Lebens« suchen und diese in die Eier legen. Dann sollten sie

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sondern das leere Grab: Christus ist auferstanden! So wünsche ich uns allen, dass auch wir nicht nur die Hälfte der Nachricht verbreiten; denn die Hälfte der Nachricht ist ganzer Betrug. Jesus ist auferstanden! Das wollen wir weitersagen, in diese Welt rufen. Dies ist die beste Botschaft, die gute Nachricht, das Evangelium, das die Welt braucht. Karfreitag ist ohne Ostern nicht zu denken. Karfreitag allein, das wäre wie ein Vertrag ohne Unterschrift. Ostern ohne Karfreitag ist aber auch die Hälfte der Botschaft. Jesus starb am Kreuz für unsere Schuld – der schwerste Gang, den jemals einer gehen musste. So wollen wir beides miteinander bedenken: Jesu Leiden, Sterben, aber auch seine Auferstehung. Dies gibt neuen Lebensmut. Gottfried Holland, Freudenstadt

macht. Ich habe neues Leben, weil das Grab leer ist.« Es war Philipp. Von diesem Tag an gehörte Philipp zu der Gruppe. Im darauffolgenden Sommer bekam Philipp eine Infektion, die sein kleiner, schwacher Körper nicht mehr bewältigte: Er starb. Am Tag seiner Beerdigung zogen die Achtjährigen an seinem Sarg vorbei – ohne Blumen. Neun Kinder legten, zusammen mit ihrem Kindergottesdienstleiter, auf den Sarg ihres Freundes – ein leeres Ei. Aus »Die Brücke«, Api-Gemeinschaft Memmingen

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UNSERE

FAMILIEN

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Die Thematik Vertrauen und Geborgenheit ist unser Generalthema im Jahr 2005 (Jahrespsalm 23, Grundwort Vertrauen ...). Dazu veröffentlichen wir in loser Reihenfolge verschiedene Beiträge.

Vertrauen und Geborgenheit in der Familie – als Hilfe zum Glauben

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ommt ein Elefant zur Welt, so kann er innerhalb kürzester Zeit stehen, laufen, trompeten und selbst fressen. Sehr viel mehr muss er in seinem weiteren Leben nicht mehr lernen. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes bald nach der Geburt »auf sich selbst gestellt«. Ganz anders bei den Menschen! Gesundes Vertrauen Ein Baby kommt zur Welt und ist so sehr auf andere angewiesen, dass es ohne deren Hilfe nicht überleben kann. Ein Kind muss sehr viel lernen, bis es so weit ist, dass es ein eigenständiges Leben führen kann. Eine der wohl wichtigsten Fähigkeiten, die das Kind lernen soll, ist sich selbst und anderen (und damit Gott) vertrauen zu können. Doch wie lernt ein Kind zu vertrauen? Wie können Eltern, Erzieher, Lehrer, Mitarbeiter in den Gemeinden dem Kind dabei helfen? Ganz besonders wichtig sind die ersten Lebensmonate. Das Kind wurde geboren und so aus seiner sicheren Umgebung und aus der unmittelbaren Nähe zur Mutter herausgenommen. Es muss nun lernen, dass es Menschen gibt, die es gut mit ihm meinen. »Mama und Papa (oder eine andere Bezugsperson) kommen, wenn ich schreie. Mama und Papa kümmern sich um mich. Wenn ich Hunger habe, so bekomme ich etwas zu trinken.« Jeden Tag aufs Neue darf das Kind erfahren, dass die Eltern da sind. Ganz langsam kann das Kind dieser Erfahrung trauen. Es entwickelt das so genannte Urvertrauen. Wichtig ist, dass das Kind nicht

nur seine physischen Bedürfnisse gestillt bekommt, sondern auch emotionale Zuwendung und Wärme erfährt. Nicht nur das Füttern und Wickeln ist wichtig, das Kind braucht die Nähe der Mutter, das Spüren ihres Körpers. In der Fremdelphase wird deutlich, was das Kind bisher schon gelernt hat: Mama und Papa (und vielleicht nahen Verwandten) kann ich trauen, sie geben mir Sicherheit; bei Fremden weiß ich jedoch nicht, was kommt, und möchte deshalb lieber in meiner sicheren Umgebung bleiben. Das Fremdeln erscheint den Eltern vielleicht eher nervig, da das Kind beinahe »an ihnen klebt«. Es ist jedoch sehr wichtig, da das Kind in dieser Phase begreift, dass Mama und Papa zurückkommen, dass sie da sind, obwohl ich sie vielleicht kurze Zeit nicht sehe. Das Kind braucht diese Zeit, um die Gewissheit zu stärken, dass es einen sicheren Boden gibt. Ist diese Phase überwunden, so hat das Kind begriffen, dass es anderen auch vertrauen darf, dass die Verbindung zu Mama und Papa dadurch nicht gekappt wird. Es beginnt auf andere, auf weniger Bekannte oder sogar auf Fremde zuzugehen, immer mit der Gewissheit, dass es wieder ins warme Nest zurückkehren kann. Im Laufe der Zeit kann das Kind immer längere Zeiten der Trennung zur Bezugsperson durchstehen. Außerdem wird der Kreis der Personen, denen das Kind vertraut, erweitert. Das Kind rennt nicht mehr nur in die ausgestreckten Arme des Vaters, sondern auch

in die ausgestreckten Arme der Erzieherin, der Tante, des Onkels ... Kinder bewahren sich dieses Vertrauen zu den Eltern bis hin zur Pubertät. Sie wissen, dass Mama und Papa es schon richten werden, wenn wieder etwas zu Bruch ging. Sie wissen, dass die Eltern hinter ihnen stehen, wenn sie Schwierigkeiten mit anderen haben. Sie er-

Einem Kind, das von Anfang an gesundes Vertrauen entwickeln konnte, fällt der Schritt, sich Gott anzuvertrauen, leichter als einem Kind, das nie erlebt hat, wie Vertrauen aussehen kann. warten und fordern Hilfe von den Eltern. Enttäuschtes Vertrauen Doch was, wenn das Vertrauen der Kinder enttäuscht wird? Wenn Mama und Papa nicht da sind, obwohl das Kind seine Eltern so dringend brauchen würde? Einmal

24 oder zweimal kann das Kind damit umgehen. Erfährt es jedoch immer wieder Enttäuschungen, so wird es beginnen, den anderen zu misstrauen. Betroffen von diesem Misstrauen sind dann nicht nur die Eltern, sondern alle, die das Kind umgeben. Erfährt das Kind von den Eltern Enttäuschungen, so ist dies immer viel schlimmer als von einer anderen Person. Enttäuschtes Vertrauen hinterlässt Wunden, die nur schwer heilen. Vertrauen in Gott Auch auf die Gottesbeziehung eines Menschen hat die Erfahrung, wie Vertrauen erlebt und erlernt wurde, große Auswirkung. Einem Kind, das von Anfang an gesundes Vertrauen entwickeln konnte, fällt der Schritt, sich Gott anzuvertrauen, leichter als einem Kind, das nie erlebt hat, wie Vertrauen aussehen kann. Bereits im Kleinkindalter ist der Grundstein für eine gute Gottesbeziehung zu legen. Kindern kann von klein auf gesagt werden, dass es einen Gott gibt, der immer da ist, der nie weggehen wird. Kinder übertragen das Bild, das sie von ihren Eltern haben, auf

Viele haben begossen Wir saßen gemütlich und konzentriert beim monatlichen Gebetsund Austauschfrühstück, als mich mein Kollege fragte: »Könntest du einmal von Menschen berichten, durch die du gesegnet wurdest oder wirst?« Ganz spontan kamen mir einige Persönlichkeiten in den Sinn. Es sind Menschen, die sich von Gott gebrauchen ließen und mich segnend berieten und beraten.

G EMEINSCHAFT Gott: »Mama und Papa sagen, dass Gott immer da ist. Aber das kann ja gar nicht sein, denn sie versprechen mir, dass sie zu Hause sind, wenn ich heimkomme, und sind dann nicht da. Warum also sollte ich Gott glauben, dass er da ist?« Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass dieser Vergleich für ein Kind ganz natürlich ist. Selbstverständlich gibt es auch viele Beispiele von Menschen, die in ihrer Kindheit keine Nestwärme erfahren haben und trotzdem glauben. Doch gerade diese Menschen berichten oftmals von schweren Kämpfen im Blick auf die Vertrauenswürdigkeit Gottes. Trotz der Wichtigkeit von Vertrauen im Elternhaus sollten die Kinder nicht nur dort erfahren, dass sie anderen vertrauen können. Auch Erzieher, Lehrer oder Mitarbeiter sind gefragt. Wie viele Versprechen gehen über ihre Lippen, die dann doch wieder nicht eingehalten werden! Auch sie sind für die Kinder Beispiele dafür, wie Gott mit ihnen umgeht.

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Vertrauen wagen Kinder sollten von so vielen Men-

schen wie nur irgend möglich gelehrt werden, dass sie Vertrauen auf Gott wagen können, auch in akuter Not. In der Bibel gibt es davon viele Berichte: Auf Gottes Wort hin schlägt Mose in der Dürre der Wüste auf einen Felsen, und Wasser fließt heraus. David nimmt als junger Mann den Kampf gegen den kräftigen Goliath auf und gewinnt. Auf Jesu Anruf hin geht Petrus über das Wasser. Die Jüngerinnen und Jünger spüren nach Jesu Tod ein Brausen, das ihr Haus erfüllt; sie deuten es als Zeichen Jesu Christi und wagen sich mit ihrer doch so abwegig scheinenden Botschaft auf die Straße. Und trotz aller Anfeindungen vertrauen sich die Gläubigen weiterhin Gott an: Davon erzählt das ganze Buch der Psalmen. Alle sollten Kinder spüren lassen: Du darfst mir vertrauen. Ich vertraue dir auch, weil ich dir das Leben zutraue. Wenn es schwer wird, mir und der Welt zu trauen, dann mache ich dir ein Angebot. Ich zeige dir, wie ich Gott vertraue und wie du Gott vertrauen kannst. Tami Schlipphak, Eislingen

– Meine glaubenden Eltern, die das geistliche Fundament für das »Glaubenshaus« legten. – Meine vertrauensvollen, großzügigen Schwiegereltern, die lang vor ihrem Tode das Fundament für die »Altersresidenz« betonierten. – Meine biblisch orientierte Frau, die nicht aufhört zu spenden, trotz größerer Darlehen! – Der Evangelist Ernst Aebi vom Bibellesebund, der während der Allianzkonferenz 1957 in der Hammerhütte Siegen durch seine

christuszentrierte und biblische Verkündigung in mir die Erkenntnis bewirkte, dass ich Sünder war. Er wies darauf hin, dass es nicht nur bei dem Erkennen bleibt, sondern dass es zu einem Bekennen zu Christus kommen muss. Ganz bewusst tat ich diesen Schritt mit 15 Jahren. – Von den Betern und den Beterinnen der Landeskirchlichen Gemeinschaften wurde ich gehegt und gepflegt, sodass sich das Pflänzlein bis heute zu einer winterfesten, blühenden »Gemeinschafts-Staude« entfalten konnte. – Der CVJM prägte mich in seiner heiligen Natürlichkeit. Die evan-

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gelistische und missionarische Arbeitsweise des CVJM mobilisierte mich, zu den Menschen hinzugehen und ihnen zu sagen, dass Gott sie liebt. Auch die Pariser Basis des CVJM von 1855 hat mein Leben geprägt. – Pastor Paul Deitenbeck lehrte mich, sich auf Jesus zu konzentrieren. »Jesus ist da! Jesus ist immer da! Jesus ist für dich immer wieder da!« »Betend begleiten!« »Bruderschaft gewähren!« »In ausweglosen Situationen Perspektiven aufzeigen!« – Der Geschäftsführer der Deutschen Zeltmission, Ernst Decker, hat mich angeleitet, Jesus zu vertrauen. »Vertrauen schenken, dann wächst Vertrauen!« »Die Weiche so stellen, dass das Ziel erreicht wird!« »Nimm dir Zeit, dann hast du Zeit!« – Evangelist Waldemar Ditschun hat vorgelebt, wie Jesus den Menschen nützt. »Ich will dir nützen, dich nicht benützen und schon gar nicht dich ausnützen!« »Aufbauen und nicht zerhauen!« »Gott traut dir etwas zu, darum trau dir etwas zu.« – Dr. Gerhard Bergmann vermittelte, den Verstand von Jesus regieren zu lassen. Merke dir: »Fahre nie mit 80 Stundenkilometern in die Kurve, denn dann steigt Jesus aus!« »Für Jesus ist jeder gleichwertig und gleichwürdig!« »Jünger Jesu sollen nie beweisen, sondern nur bezeugen!« – Pastor Heinrich Kemner, der kurz vor meiner Ordination uns angehenden Predigern ins »Stammbuch« schrieb: »Wenn du als Prediger mehr sein willst wie ein Mülleimer, dann lass dich nicht ordinieren!« – Evangelist Ernst Krupka, der die Verkündiger schulte, seelsorgerlich sensibel zu sein! »Drück den anderen, aber erdrück ihn nicht!« »Du bist nie ein Fertiger, sondern

DURCH DIE ICH GESEGNET WURDE

ein Werdender!« »Ehren heißt anerkennen!« – Der Bruder, der mich an einer Tagung begrüßte: »Helmut, ich heiße dich herzlich willkommen!« – Der Bruder, der mir in einer ausweglosen Situation sagte: »Ich weiß einen Platz für dich, dort wirst du dich wohl fühlen!« – Die Chrischona-Dozenten, die theologisch solide ausbildeten. »Nicht ausgrenzen, sondern sich den ‘Ausgegrenzten’ zuwenden!« »Die Sünde hassen, vom Sünder nicht lassen, das führt zum Ziel!« »Nie aufgeben, denn Jesus gibt nicht auf!« »Du kannst sinken, aber Jesus lässt dich nicht versinken!« Helmut Winkel, Stuttgart-Vaihingen

Ein treuer Freund von Jugend an

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enn ein guter Freund von mir nach einer ihn prägenden Person gefragt wurde, dann wussten wir schon, was kam: sein Freund Hassan. Bei jeder Gelegenheit berichtete er über ihn, weil dieser einfach einen großen Eindruck auf ihn gemacht hat. Werde ich selbst nach einer solchen Persönlichkeit gefragt, dann fällt mir auch sofort ein Name ein – mein Freund Steffen. Mit Steffen verbinden mich viele Jugenderinnerungen, wie z. B. eine Radtour nach Holland oder Campen auf einer Insel. Gemeinsame Jahre im Sportverein gehörten ebenfalls dazu sowie die Zeit, als wir mit 17, 18 Jahren zum Glauben an Jesus kamen. Steffen war immer schon ein ruhiger und zuvorkommender Jugendlicher gewesen. Wilde Jungenstreiche waren nicht seine Sache. Dennoch gab es bei ihm und seiner älteren Schwester eine Veränderung. Da war es nur logisch,

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zu fragen, was denn bei ihm anders geworden sei. Und so nahm mich Steffen einfach mit in einen neu gegründeten Jugendkreis, wo man miteinander die Bibel las. Auch in der Freizeit haben wir manches gemeinsam unternommen und nicht selten dabei christliche Lieder gesungen oder auch nur zusammen für unsere alltäglichen Anliegen gebetet. Meiner Familie und meinen Freunden blieb diese Veränderung natürlich nicht verborgen. Für sie war es recht unverständlich, wie man sich freiwillig mit der Bibel beschäftigen kann. In der Eifel, die bis heute sehr katholisch geprägt ist, kam das den Menschen komisch, ja fast sektenhaft vor. Auch an der Schule, wo wir uns jahrelang als Jugendbibelkreis trafen, gab es Gegenwind. Manche Lehrer waren dieser neuen Bewegung gegenüber eher skeptisch eingestellt. Und wenn dann noch der evangelische Pfarrer in die gleiche Kerbe schlägt, steht man schnell isoliert da. In allen diesen Anfechtungen war mir mein Freund Steffen eine ganz entscheidende Hilfe. Oft haben wir uns getroffen und miteinander gebetet. Ja, bei ihm konnte ich sehen, wie ein Christ mit seinem HERRN spricht. Bewundernd habe ich auch festgestellt, dass Steffen besonders denen nachging, die Mühe mit dem Glauben hatten oder dem Jugendbibelkreis nach einiger Zeit den Rücken kehrten. Sicher gab es noch viele andere, durch die ich gesegnet wurde und an die ich mich nur in aller Dankbarkeit erinnern kann. Aber mein Freund Steffen war wahrscheinlich der wichtigste Begleiter in der ersten Zeit mit Jesus, der mir das Bleiben in der Gemeinde trotz mancher Anfechtungen lieb gemacht hat. Hermann Josef Dreßen, Malmsheim

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Wie werden wir mit Neid und Eifersucht fertig?

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ch bin gefährlicher als viele Armeen der Welt. Ich greife mehr Menschen an als alle anderen Waffen. Ich zerstöre Leben und Werte, mache Hoffnungen zunichte und vergifte die Beziehungen unter den Menschen. Ich mache Herzen krank und Seelen wund, ich verletze Menschen und zerreiße Netze der Liebe und Zusammengehörigkeit. Ich war der Grund, warum Kain seinen Bruder Abel tötete, warum Esau seinen Bruder Jakob töten wollte, warum die Söhne Jakobs ihren Bruder Joseph hassten, warum die Menschen Jesus kreuzigten, warum Paulus von seinen Mitjuden fast zu Tode gesteinigt wurde. Ich bin der Grund für unendlich viel Hass und Grausamkeit, Mord und Gräuel, Zerstörung und Verletzung. Ich führe die Menschen zu einer tiefen Erniedrigung, lasse sie alle Würde und Menschlichkeit vergessen. Auch unter den Christen erkennen mich nur wenige und suchen mich zu meiden. Ich bin immer da und komme immer wieder. Ich bin dein größter Feind und verfolge dich bis zum Tod. Mein Name ist – Neid!« (Axel Kühner – »Überlebensgeschichten«) »Habt ihr aber bittern Neid und Zank in eurem Herzen, das ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern sie ist irdisch, menschlich und teuflisch. Denn wo Neid und Zank ist, da ist Unordnung und allerlei böses Ding!« (Jak 3,14–16; vgl. auch Mt 27,18; Apg 13,45; Phil 1,15; 1.Tim 6,4; 1.Petr 2,1) Eine griechische Legende erzählt von einem Läufer, der bei einem

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wirksamer denn je. Es gäbe viel über die moderne Krankheit in unserer Gesellschaft zu sagen, Fachleute nennen sie »Mobbing« – Psychokrieg am Arbeitsplatz. Mobbing ist eine sehr ernste und traurige, ja, oftmals sehr tragische Angelegenheit, die die dunklen, destruktiven Seiten des zwischenmenschlichen Umgangs sehr deutlich offenbart und die so schnell wie möglich aus der Welt geschafft werden sollte. – Aber wie?

wichtigen Wettkampf nur Zweiter wurde. Die Menge applaudierte dem Sieger, und schließlich wurde zu seinen Ehren eine Siegerstatue errichtet. Der Verlierer konnte sich mit dem zweiten Platz nicht abfinden, und in seinem Herzen wuchsen Eifersucht, Bitterkeit und Neid. So Wir brauchen ein gesundes hatte er schließlich nur noch den geistliches Selbstbewusstsein! einen Gedanken, die Statue, die Ein Mädchen sagte in seinem Geihn an seine Niederlage erinnerte, bet: »Vater im Himmel, kannst du zu zerstören. Jede Nacht schlich er mich bitte sehen lassen, was an heimlich zum Denkmal und mir schön ist?« Der Psalmist betet: schlug mit Hammer und Meißel »Herr, ich danke dir dafür, dass du kleine Teile des Sockels ab. Eines mich so wunderbar und einzigartig Nachts, als er wieder blind vor gemacht hast! Großartig ist alles, Wut draufloswas du geschlug, stürzte schaffen hast – die Statue um das erkenne und begrub ich!« (Ps 139, den Läufer un14). Das ist die ter sich. Er Voraussetzung starb unter der für ein Ja zu Last eines mir selbst, zu Denkmals, meinem Ausaber im Grunsehen, zu meiSo wie eine Raupe sich einpuppt de starb er unnen Schwäund stirbt, aus der Puppe ter der Last chen und Stärschließlich ein Schmetterling seiner Eifer- aufsteigt und fliegt, so muss aus ken, zu meiner sucht. Er war Person. Das ist dem fleischlichen Menschen ein das Opfer seiein entscheigeistlicher Mensch werden. nes eigenen dender Schutz Neides und seiner Bitterkeit ge- gegen Eifersucht und Neid. worden. (Axel Kühner – »Hoffen wir das Beste«) Wir brauchen ein neues Leben! »Ein gelassenes Herz ist des Lei- – Die Bibel nennt es bes Leben; aber Eifersucht ist Ei- Wiedergeburt. ter in den Gebeinen!« (Spr 14,30). »Ein Mensch kann immer nur »Ich will mit dem giftigen Neid menschliches, vergängliches Lenichts zu tun haben; denn er hat ben zeugen; aber der Geist Gottes nichts gemein mit der Weisheit« gibt das neue, das ewige Leben. (Weisheit 6,25). Wundere dich deshalb nicht, wenn Wir kennen die Wirkung von Neid ich dir gesagt habe: Ihr müsst neu und Eifersucht und leiden darun- geboren werden« (Joh. 3,6+7). ter. Sie sind in unseren Tagen Gute Vorsätze und Appelle helfen

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nicht. So wie eine Raupe sich einpuppt und stirbt, aus der Puppe schließlich ein Schmetterling aufsteigt und fliegt, so muss aus dem fleischlichen Menschen ein geistlicher Mensch werden. Das ist nur durch Jesus Christus und den Geist Gottes möglich. Wer an den Sohn Gottes glaubt, sich ihm ausliefert, der hat das neue Leben. Damit können wir den Neid und die Eifersucht in uns besiegen. Wir brauchen die Kraft des Heiligen Geistes Nun geht es um den Sieg über die Wirkung von Neid und Eifersucht von außen, wenn Menschen uns mit Mobbing zerstören wollen. Was können wir dann tun? »Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt« (1.Petr 3,9). Segnen ist ein aktives Handeln. Das Hinunterschlucken der bösen Rückantwort auf Mobbing löst das Problem nicht. Jesus hat das Geifern und Höhnen seiner Feinde nicht einfach eingesteckt und dann keine bösen Gedanken gegen sie gehabt, sondern er hat aktiv Fürbitte für seine Feinde beim Vater eingelegt. Das ist Segnen. Segen ist das »gute Wort« – wer segnet, kann nicht mehr zerstört werden. Er siegt! Georg Terner, Bad Liebenzell ■ Mit dieser Rubrik wird unserem Leserkreis Gelegenheit geboten, auf Glaubens- und Lebensfragen eine kompetente Antwort zu erhalten. Wir laden ein, uns Fragen, die von allgemeinem Interesse sein könnten, zur Beantwortung im Gemeinschaftsblatt zuzusenden. Das kann anonym geschehen. Es können auch Fragen sein, die den Verband und seine Struktur betreffen.

Alfred Burchartz: Das Passafest Israels und das Abendmahl Jesu. Herausgegeben vom Evangeliumsdienst für Israel, Postfach 200218, 70751 Leinfelden-Echterdingen, Telefon 0711/79 39 87, Fax -7977833 In knapper Form (16 Seiten), jedoch sehr informativ und verständlich geschrieben legt uns hier Alfred Burchartz eine Broschüre vor, die wir alle lesen sollten: Das Passafest wird in seinem Ablauf und in seiner Bedeutung beschrieben. Es hilft uns zum besseren und vertieften Verständnis des Abendmahls – denn »die Sederfeier Israels bildet den Hintergrund für die Abendmahlsfeier, die Jesus eingesetzt hat: ›Das tut zu meinem Gedächtnis.‹ Wie jüdische Menschen im Pessachfest die Befreiung Israels aus dem Tode Ägyptens feiern, als wären sie selbst dabei gewesen, so feiert die christliche Gemeinde das Opfer Jesu als verschonende und bewahrende Tat, die ihr für die Gegenwart, aber auch für die Zeit des Kommenden, Heil bedeutet. ›Bis dass er kommt!‹ (1.Kor 11,26).« Alfred Burchartz arbeitet seit über 40 Jahren unter messianischen Juden. Er will Juden in der Liebe Jesu begegnen und uns Christen die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens bewusst machen. Gleichzeitig war er langjähriger Geschäftsführer und Leiter des »Evangeliumsdienstes für Israel« (EDI). Otto Schaude

Gerhard Schäfer: Das Gute behalten – Abwege verhüten. Aufsätze zur württembergischen Kirchengeschichte. Ernst FranzVerlag Metzingen, 192 Seiten, gebunden, 14,50 Euro »Das Reich Gottes fängt mit uns an«, so werden sich wohl nur wenige in der Öffentlichkeit äußern. Dankbar dürfen wir erkennen, dass es schon viele Menschen vor uns gab, die sich um die Bibel versammelt und an Jesus aufrichtig geglaubt haben. Dem langjährigen Archivdirektor unserer Landeskirche Gerhard Schäfer (1923– 2003), war es ein Anliegen, den Spuren jener Persönlichkeiten zu folgen, die Gott besonders in unserer Kirche gebraucht hat. So ist die Auswahl der Aufsätze zur württembergischen Kirchengeschichte entstanden. Sie beginnt mit einem Überblick über den Pietismus in Württemberg. Dabei werden nicht einfach nur die einzelnen Glaubensväter und ihre Erkenntnisse aufgeführt, sondern es wird auch dargestellt, wie sie miteinander und manchmal auch nebeneinander um Wahrheit gerungen haben. Besonders ausführlich werden F. Chr. Oetinger und Michael Hahn beschrieben. Doch Schäfer verliert sich nicht in Einzelheiten, sondern zeigt Zusammenhänge auf, die für das Verstehen unserer heutigen pietistischen Bewegung hilfreich sind. Ich möchte dieses Buch jedem empfehlen, der sich für das Wirken Gottes in unserer württembergischen Kirche interessiert. Hermann Josef Dreßen, Malmsheim

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Ein wichtiges Standbein missionarischer Arbeit ist die Schriftenmission. Gotthilf Lutz ist dafür auch im Ruhestand weiterhin Ansprechpartner der Stiftung Marburger Medien (SMM) im süddeutschen Raum. Immer wieder erhält er Rückmeldungen, wie Produkte der SMM Menschen in besonderen Situationen zur Lebens- und Glaubenshilfe geworden sind. Nachstehend einige Beispiele:

zurück nach Stuttgart. Wieder zu Hause angekommen, erzählte sie mir alles.« Weinend berichtete die Frau diese Erfahrung. Sie war so dankbar und glücklich, dass ihre Tochter das Kind nicht töten ließ. Wenn man einmal hören darf, wie Gott ein weitergegebenes »kleines Blättchen« benützt, wenn man etwas sehen darf von Jesu lebensrettendem Handeln, das macht froh und die Chemo halb so schwer.

A

W

»Sie haben mir das Leben gerettet«

uf der Landesgartenschau 2004 in Kehl und Straßburg waren die Kirchen beider Länder mit dem eigens umgebauten Schiff »Arche« vertreten. Von dort erreichte uns folgender Bericht: Die ausgelegten Traktate und Schriften – auch in französischer Sprache – wurden von den Besuchern gerne angenommen. An normalen Tagen kamen etwa 800 und an den Wochenenden bis zu 1800 Besucher auf die »Arche«. Einmal kam eine Frau auf die »Arche«, um etwas auszuruhen. Ich hatte der Besucherin zur Stärkung einen Kaffee angeboten, und wir kamen ins Gespräch. Zum Schluss wies ich sie auf die ausgelegten Schriften hin, und sie bediente sich. Ich gab ihr noch die Karte »Vertrauen« (K78) mit auf den Weg. Am späten Nachmittag kam sie strahlend vor Freude zurück – ich hatte die Begegnung bereits vergessen. Sie sagte dann etwa: »Ich war mit meinem Leben am Ende und hatte zu niemand mehr Vertrauen. Sie haben mir das Leben gerettet. Ich musste noch einmal zurückkommen und Ihnen das sagen.« Ich antwortete, dass nicht ich ihr geholfen hätte, sondern Gottes Wort, das durch die Karte zu ihr gesprochen hatte.

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ine Kollegin musste zur Chemotherapie ins Krankenhaus. Dort traf sie auf dem Flur eine

Reinigungsfrau, der sie drei Wochen zuvor ein Grußkärtchen der Stiftung Marburger Medien gegeben hatte. Innen stand das Wort aus Ps 139,5: »Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir« (GK 58). Die Frau

war glücklich, meine Kollegin wieder zu sehen und erzählte: »Zu Hause gab ich das Kärtchen meiner Tochter mit den Worten ‚Das ist auch etwas für dich!’. Meine Tochter nahm das Kärtchen. Was dann geschah, hat sie mir später erzählt. Ich hatte keine Ahnung, dass sie im fünften Monat schwanger war. Sie fuhr nach Holland, um das Kind abtreiben zu lassen. Sie nahm das Kärtchen mit ins Auto. Am Ziel angekommen, musste sie immerzu das Bild anschauen. Sie sah das Kind in betenden Händen, las das Wort, kehrte um und fuhr

ie gut Worte tun, die das Herz berühren, durfte ich bei der Tätigkeit als Nachbarschaftshelferin erleben. Jeden Mittag brachte ich einem älteren Mann das Mittagessen. Nach einer gewissen Zeit des Kennenlernens gab ich ihm einmal in der Woche neben dem Essen auch ein christliches Blatt. Sein Hobby war sein Garten. Darüber konnten wir reden, nicht aber über Gott. Es hatte sich zwischen uns ein guter Kontakt entwickelt, aber kein Draht zu dem Verteilblatt. Ich ließ es dann wieder sein. Es machte mich aber unruhig, weil nicht nur der Magen, sondern auch die Seele Nahrung braucht. So betete ich um Leitung. An manchen Tagen hatte er unerträgliche Schmerzen, und mir wurde bewusst, dass er nicht mehr lange leben würde. Wieder brachte ich ihm ab und zu ein Verteilblatt mit. Eines Tages kam mir die Karte »Fürchte dich nicht« (K71) der Stiftung Marburger Medien in die Hand. Diese Karte gefiel mir so sehr, dass ich sie dem alten Mann mitnahm. Am nächsten Tag lag die Karte auf seinem Tisch, und er sagte lächelnd, »Genau wie es da drin steht, ist es in meinem Leben. Ich lese das jetzt jeden Tag.« Das hat mich tief bewegt. Gott hatte sein Herz mit dieser Karte und dem wunderschönen Bild berührt. Es dauerte nicht mehr lange, bis er in die Ewigkeit abgerufen wurde.

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Im Alter entlastet leben Das folgende Interview hat Heinrich Kaufmann, Projektleiter der Seniorenarbeit auf dem Schönblick, mit Gerd und Inge Marquardt geführt. Herr Marquardt, Sie und Ihre Frau sind erst Mitte sechzig. Dennoch haben Sie Ihr Anwesen in Essen verkauft und sind in die Senioren-Wohnanlage auf den Schönblick gezogen. Was hat Sie zu diesem Schritt veranlasst? Wir wohnten in einer schönen Stadtrand-Siedlung mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Jeder hatte seinen Garten direkt am Haus. Die Bewohner waren zumeist etwas älter als wir. Oft verstarb der Mann zuerst, und die Frau stand nun alleine mit Haus und Garten da. Wir sahen, wie sie sich abmühen musste, um Haus und Garten in Ordnung zu halten. Ohne fremde Hilfe ging das meistens nicht. Ein Haus ist sehr schön, wenn man Kinder hat und viel Platz benötigt und man jung genug ist, um alles in Ordnung zu halten. Aber im Alter kann es zur Last werden. Das führte uns ins Fragen: Wie soll unser Lebensabend aussehen? Da unsere Kinder weit von uns entfernt wohnten, spielte es keine Rolle, wo wir uns niederlassen sollten. Durch den Prospekt vom Schönblick erfuhren wir, dass hier eine Senioren-Wohnanlage gebaut werden sollte. Eine Woche Urlaub auf dem Schönblick, den wir noch nicht kannten, überzeugte uns dann, uns hier zu bewerben. Die Kriterien unserer Überlegungen waren: kleine Wohnung – weniger Arbeit, Gemeindeleben direkt am Haus, Annehmlichkeiten des

Schönblicks, z. B. Schwimmbad, nutzen (tun wir oft), und wir wissen, dass auch das Alten- und Pflegeheim Lindenfirst eines Tages unsere Wohnung werden könnte. Wir sehen es als ein besonderes Geschenk von Gott an, dass wir diesen Schritt gemeinsam tun konnten. Durch die kleinere Wohnung und die wegfallende Gartenarbeit steht Ihnen jetzt ka mehr Zeit und Kraft zur Verfügung. Wird es Ihnen da in der Senioren-Wohnanlage nicht manchmal langweilig? Oder anders gefragt: Wie und wo setzen Sie Ihre freie Zeit und Kraft ein? Wir empfinden es als angenehm, dass uns Haus und Garten nicht mehr voll in Beschlag nehmen. Unser schöner Balkon reicht vollkommen für unsere gärtnerischen Bedürfnisse aus, und wenn ich (Inge Marquardt) Lust habe, beim Ernten zu helfen, z. B. Beeren pflücken, so hat Frau Schäffer immer ein offenes Ohr. Es ist ein gutes Gefühl, die Wohnung abschließen zu können und zu verreisen. (Zum Blumengießen findet man liebe Mitbewohner.) So hat das Leben hier noch einmal eine ganz andere Qualität. Dankbar sind wir für die Beweglichkeit durch unser Auto, das uns beim Erschließen der neuen Umgebung hilft. Die Morgen- oder Abendandachten und Seminare geben dem Tag ein besonderes Gepräge. Wir haben hier schon viel gelernt. Obwohl wir unabhängig und selbstständig sind, ist es z. B. schön, in Ehepaar Kaufmann kameradschaftliche Ansprechpartner zu ha-

ben. Auch das Miteinander der Bewohner spiegelt die gleiche Blickrichtung. Wir haben wirklich keine Langeweile. Wir sind sehr dankbar, dass wir noch so fit sind und an den Angeboten des Hauses, z. B. Tischharfe spielen und Chor, teilnehmen können. Es ist auch ein wunderbares Gefühl, freie Hände zu haben für manche Aufgaben in der Gemeinde, z. B. Besuche im Al-

tenheim Lindenfirst. Auch die Kinder einiger Mitarbeiter lassen sich gerne einladen zum Spielen, Kochen und Schwimmen. Ja, das Schwimmbad und die Nähe des Waldes begeistern uns sehr. Sie wohnen jetzt schon etwas mehr als zwei Jahre in der SeniorenWohnanlage. Wenn Sie diese Zeit bedenken und Ihren Schritt einmal kritisch unter die Lupe nehmen, würden Sie ihn wiederholen? Wir haben uns hier im Haus gleich wohl gefühlt und auch kein Heimweh bekommen. Wir würden den Schritt jederzeit wiederholen. Doch glauben wir, je eher man sich zu einem solchen Schritt ent-

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1. März: 4. März:

5. März: 7. März:

9. März: 10.–11.3.: 12. März: 14. März: 17.–20.3.: 23. März:

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Verwaltungsrat Schönblick und Vorstandssitzung Vorstandsbegegnung AGV/Gnadauer Brasilien-Mission Textplanausschuss Landesbrüderrat Landesmitarbeiterkonferenz Pädagogischer Arbeitskreis Redaktionssitzung Landessynode (mit Wahl des Landesbischofs) Mitarbeitertag Hofacker-Kreis Mitarbeiter-Rüsttage Freizeitarbeitskreis

Herzliche Einladung zu den Regionalen biblischen Studientagen

schließt, je leichter fällt es einem. Natürlich war es anstrengend, ein Haus zu räumen. Aber wir hatten noch die Kraft, es alleine zu bewältigen. Würden Sie auch anderen »Jungsenioren« Mut machen, solch einen Schritt zu wagen, um sich an diesem Ort noch einmal ganz neu und engagiert im Reich Gottes ein-

Gottes Berufung nach dem Beruf?! Rechtzeitig den Absprung wagen – noch einmal aufbrechen zu neuen Ufern – Kräfte konzentrieren statt sich zu verlieren – sich räumlich bescheiden, um Zeit und Kraft freizusetzen fürs Reich Gottes – wohnen, wo andere Urlaub machen – in guter Gemeinschaft zu Hause sein, Vereinsamung vorbeugen – mitarbeiten in einer missionarisch-diakonisch orientierten und wachsenden Gemeinde – die vielen Vorteile und Angebote des Schönblicks genießen – den drit-

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zubringen? Den Schönblick als Altersruhesitz können wir nur empfehlen. Es herrscht hier eine aufgeschlossene Atmosphäre und viel Entgegenkommen von Seiten der Mitarbeiter. Man darf mitarbeiten, muss aber nicht. Man fühlt sich willkommen, das macht den Wechsel wirklich leicht.

ten Lebensabschnitt bewusst gestalten – Leben statt sich leben zu lassen – wohnen in einem der geistlichen Zentren Württembergs ... Das ist möglich in der SeniorenWohnanlage auf dem Schönblick. Vielfältige Möglichkeiten der Mitarbeit im Reich Gottes erschließen sich hier. Wo sonst können Sie so viele gute Vorträge und Bibelarbeiten hören wie hier? Hier können Sie auch getrost den Tagen entgegensehen, von denen man sagt: »sie gefallen uns nicht«. Tage, wo die Kräfte nachlassen und Unterstützung nötiger wird.

In unserer Seniorenanlage sind kurzfristig

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»gemeinschaft« – 92. Jahrgang – Herausgeber: Altpietistischer Gemeinschaftsverband e. V., Furtbachstraße 16, 70178 Stuttgart, Telefon 07 11/9 60 01-0, Fax 07 11/9 60 01-11, E-Mail: [email protected] · Internet: http://www.agv-apis.de – Der Verband ist als gemeinnützig anerkannt und arbeitet ausschließlich auf Opfer- und Spendenbasis innerhalb der Evangelischen Landeskirche. Konten: Landesbank Baden-Württemberg 2 922 928 (BLZ 600 501 01); Stuttgarter Bank AG 234 490 004 (BLZ 600 901 00); Postbank Stuttgart 168 98-700 (BLZ 600 100 70) – Api-Schönblick-Stiftung, Konto: Volksbank Brackenheim 16 775 007 (BLZ 620 914 00). – Schriftleitung: Otto Schaude, Reutlingen. Redaktionsteam: Harald Brixel, Knittlingen, Hermann Dreßen, Malmsheim, Gerda Schumacher, Stuttgart, Werner Spieth, Denkendorf. – Gestaltung / Satz: Grafisches Atelier Arnold, Dettingen / Erms – Fotos: Albrecht Arnold (5, 22, 26, 32), Dorothea Eppler (19); Susanne Haug (23); Heiko Ströbel (7); Archiv, privat. – Druck: Offizin Chr. Scheufele, Stuttgart – Abdruck ohne Erlaubnis nicht gestattet – Bestellungen und Zuschriften sind an den Herausgeber zu richten. Freizeit- und Erholungszentrum Schönblick, Willy-Schenk-Straße 9, 73527 Schwäbisch Gmünd, Telefon 0 71 71/97 07-100, Fax 0 71 71 / 97 07-172, E-Mail: [email protected], Internet: www.schoenblick-info.de

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Wir laden ein und danken für alle Fürbitte

Monatsstunden, Bezirks-Konferenzen und -Brüderstunden Beginn jeweils 14 Uhr, Text nach Textplan – wenn nicht anders angegeben. 4. März: 5. März: 6. März:

7. März: 9. März: 13. März: 15. März: 17. März: 20. März: 24. März: 25. März: 26. März: 27. März: 28. März:

Bernhausen, 19.30 Uhr; Laichingen, Männervesper; Vöhringen, 19.30 Uhr Bez.Brd.Std. Gomaringen, 20 Uhr Bez.Bibelstd.; Öhringen, 18 Uhr »punkt 6«; Undingen, 20 Uhr Bez.Brd.Std. Aach, Kirche; Aalen, Gde.Haus; Beutelsbach, 14.30 Uhr; Dettingen a. A., Kirche/ Gem.Haus; Dickenreishausen, mit Einführung von Gemeinschaftsdiakonin Irene Günther; Ellhofen; Gächingen; Oppelsbohm, 17.30 Uhr, Gde.Haus; Reicheneck, 19.30 Uhr; Roßwag; Schrozberg, 14.30 Uhr Konf. Brackenheim, 55plus-Frühstückstreffen Oferdingen, 18 Uhr Bez.Brd.Std.; Willmandingen, 19.30 Uhr bibl. Themenabend Bönnigheim; Creglingen, 11 Uhr Sonntagstreff; Dornhan; Neuffen, 14.30 Uhr, Gde.Haus; Niedernhall; Trossingen; Uhingen, Gde.Haus; Zillhausen, Gde.Haus; Nagold, Bibelabend für Frauen Memmingen, 20 Uhr bibl. Vortrag Bernhausen, 17 Uhr Sonntagstreff; Ingelfingen, 17 Uhr »punkt 5«; Michelbach/Lücke, Kirche/Gem.saal; Ödenwaldstetten; Weikersheim, 19.30 Uhr bibl. Vortrag Lonsingen, Konf.; Schöckingen Creglingen, 14.30 Uhr; Hüttenbühl Denkendorf, 9.30 Uhr Bez.Brd.Std., Altenheim; Hüttenbühl, 20 Uhr Bez.Brd.Std.; Hülben, 13 Uhr Konf.; Jettenburg, 22 Uhr Jugendgottesdienst, Kirche Creglingen, 10.30 Uhr Gomaringen, Konf.; Hüttenbühl, 15 Uhr Familienstd.; Heilbronn, Konf.; Kirchheim/Teck, 9.30 Uhr Konf., Gde.Haus Christuskirche; Lobenhausen, Dorfgem.Haus; Möglingen, 14.30 Uhr; Ulm, Konf., Gem.Haus, 2.Petr 1,1–15

Bibeltage – Singwochen 8.–10. März: 28. März–2. April: 28. März–2. April: 29. März–3. April:

Reutlingen, Frauenbibeltage (Diakonisse Gabriele Goseberg, Marlene Trick) Mödingen/Ostalb, Kinder-Singwoche (Magdalene Notz u.a.) Sonnenbühl/Schwäb. Alb, Kinder-Singwoche (Ann-Kathrin Friedl u.a.) Heidenheim, Kindermusical

Wochenenden – Freizeiten – Seminare 5./6. März: 14.–16. März: 20.–30. März: 23. März–3. April: 26. März–2. April: 26. März–2. April: 28. März–1. April: 29. März–2. April:

Reutlingen, Bibelseminar, Teil B (G. Terner, W. Schnabel, M. Wurster, Dr. R. Sons, H. Brixel, Th. Maier) Schwäbisch Gmünd, Fortbildungstage für examinierte Pflegekräfte (R. Nar, M. Zimmermann, M. Scheuermann) Loßburg, Erholung für Menschen mit Behinderungen (Kurt und Monika Stotz) Israel-Studienreise (Fritz und Lydia Schanz, Richard Kuppler) Achseten (Schweiz), Ski- und Snowboard-Action für Teenager (Friedemann Beck u.a.) Ramsau/Dachstein, Familien-Erlebnis-Skiurlaub (Günter und Gisela Blatz u.a.) Neuhausen-Steinegg, Jungscharfreizeit (Tami Schlipphak, Daniel Lee u.a.) Albstadt-Ebingen, Kinder-Schnupperfreizeit (Birgit Schneider u.a.)

Das Kreuz ist eine Last von der Art, wie es die Flügel für die Vögel sind: Sie tragen aufwärts. Hermann Bezzel