Meilenstein des Friedens - Weg des Friedens

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Meilenstein des Friedens Steinspirale an der österreichisch-tschechischen Grenze der Gemeinde Moorbad Harbach Eva Kempf Wie wirkt sich die unmittelba...

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Meilenstein des Friedens

Steinspirale an der österreichisch-tschechischen Grenze der Gemeinde Moorbad Harbach Eva Kempf Wie wirkt sich die unmittelbare Nähe der tschechischen Grenze auf die Menschen einer kleinen niederösterreichischen Gemeinde aus? Diese Fragestellung tauchte recht bald im Lauf meiner pädagogischen Arbeit (als Klavier- und Blockflötenlehrerin) auf, nachdem wir als Familie 2001 aus Deutschland in die Gemeinde Moorbad Harbach zugezogen waren. Erste Etappe Das Land jenseits des Horizonts Ich unterrichtete seit 2002 im Gebäude der Volksschule Moorbad Harbach, als ich zufällig feststellte, dass die Kinder in der Schule tatsächlich keinerlei Information über die besondere Lage der Gemeinde erhalten hatten. So konnte ein neunjähriges Mädchen damals weder das benachbarte Land mit Namen benennen, noch war ihm die Nähe der Grenze bekannt. Ich deutete bei dem Gespräch aus dem Fenster auf den Horizont, an dem ungefähr die Grenze zu Tschechien verläuft, die ehemalige Zollstation befand sich etwa 900m vom Schulgebäude entfernt: Als Reaktion erfolgte schüchternes Schulterzucken. Dies blieb kein Einzelfall, als ich mich neugierig unter den Kindern umhörte. Die Grenznähe schien als Thema uninteressant, ja beinahe tabuisiert. Mir fiel ein, dass meine Großmutter mir schon als Kinde davon erzählt hatte, dass beim Schwammerlsuchen besondere Vorsicht zu walten habe, denn man könne mitten im Wald Soldaten mit Maschinengewehren antreffen, die damals noch die Grenze kontrollierten. Dazwischen waren allerdings drei Jahrzehnte vergangen. Doch die Situation erschien weiterhin wie eingefroren: Wenige Menschen hatten die mittlerweile offen befahrbare Grenze passiert, man war dann vor allem am billigen Einkaufen von Lebensmitteln und an preiswerten Gasthäusern interessiert. Zweite Etappe Archetypische Symbole ermöglichen Kommunikation Mich beschäftigte in der Folge die pädagogische Frage, wie eine weiterreichende Kommunikation überhaupt zustande kommen könnte und wie Sprachbarrieren überwunden werden könnten. Ich nahm Kontakt mit der steirischen Künstlerin und Zeichenpädagogin Herlinde Almer auf. Wir luden über die Vermittlung des Klosters in Nove Hrady tschechische Kinder zu einem Malworkshop in die Volksschule Harbach ein. Die Kinder gestalteten Schmetterlinge in verschiedensten Techniken, u.a. auch mit Ölfarben, als Scherenschnitte und Mosaike. Ich veranstaltete mithilfe mehrerer Sozialpädagoginnen zwei Frauentreffen, um einander besser kennenzulernen. In der Keramikwerkstätte des Klosters wurde von tschechischen und österreichischen Frauen gemeinsam eine 2m lange Keramikraupe in mehreren Arbeitsschritten getöpfert, glasiert und gebrannt. Vorausgegangen war die künstlerische Idee der Metamorphose, denn eine tiefgreifende Umwandlung vor Ort sollte angestrebt werden. Über Flugblätter wurde die Bevölkerung gebeten, Granitsteine zur ehemaligen Grenzstation Harbach-Seiby zu bringen. Es entstand eine 32m lange ansteigende Stein-

spirale, die als Kernbotschaft die positive Entwicklung in den Beziehungen versinn-

bildlicht. Es wurden auch besondere Steine, nämlich die von im Krieg zerstörten Marterln und Kapellen in tschechischer Grenznähe herbeigebracht und eingemauert. Die Kosten für das Errichten der Steinspirale wurden abgedeckt durch ein EU-Projekt (Grenzüberschreitender Radweg „Via-Verde“) Die Schmetterlingsbilder der Kinder wurden von einer Glaswerkstätte in der Steiermark in einer neuen erstmals in Österreich angewandten Technik zu Glasschmetterlingsfenstern geschmolzen, sie durchbrechen die 80cm dicke Granitmauer. Mehrere tschechische Kinder besuchen mittlerweile unseren Kindergarten und die Volksschule. Auf Gemeindeebene wird nun jährlich ein Grenzfest organisiert und Tschechischkurse werden auch im Rahmen der Schule angeboten. Die Keramikraupe scheint sich mit lächelndem Gesicht auf den Weg nach oben zu machen. Viele Menschen halfen mit bei der Umsetzung: durch Benefizkonzerte und Adventmarkt der Pfarre, beim Montieren der Fenster und Einbetonieren der Raupe etc. Für das Bauwerk wurde der Name „Meilenstein des Friedens“ gewählt. Dritte Etappe Gemeinsame Werte als Basis für die Zukunft ? Angesichts der Situation rund um die Flüchtlinge, die derzeit in unser Land kommen, erscheint echter Frieden als Utopie in weite Ferne gerückt. Einer der letzten Einträge ins Friedensbuch an der Grenze lautete, „ es wäre klüger die Grenzzäune wieder hochzuziehen“, ein angstvoller Rückschritt. Zerbrechlich ist die Übereinkunft, die Menschen immer wieder aufs Neue miteinander suchen und finden müssen. Ein modernes Marienbild und eine Gebetstafel in Form einer Weltkugel wurden als letzte Elemente auf der Steinmauer ergänzt. Erst im ständigen Erringen gemeinsamer verbindlicher Wertvorstellungen wird Frieden möglich. Das Christentum bietet sich gerade hier als eine Basis an.

Eva Kempf – Musikpädagogin, Initiatorin des Projektes „Meilenstein des Friedens“, Obmann-Stellvertreterin vom Verein „Weg des Friedens“